The Coffin Works in Birmingham – Ein Museum für Sargzubehör

Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

In der Fleet Street in Birmingham, im Jewellery Quarter, befand sich einmal Englands renommiertester Hersteller von „coffin furniture„, 1894 von den Newman Brothers, Alfred und Edwin, gegründet. In dem großen Backsteinhaus wurde Sargzubehör produziert, also nicht Särge selbst, sondern beispielsweise die Messinggriffe, die Kruzifixe, Verzierungen, aber auch Leichenhemden und Sarginnenausstattungen. Zu den prominentesten „Kunden“ der Firma in Birmingham zählten unter anderem Joseph Chamberlain, Winston Churchill und die Queen Mother.

Bis zum Jahr 1999 machte die Firma Newman Brothers in der Fleet Street Geschäfte, doch dann schloss sie ihre Pforten. Ein Grund dafür war, dass sich immer mehr Menschen verbrennen ließen und Särge mit Metallverzierungen nicht in Krematorien zugelassen wurden, die Nachfrage also sank.

Der Wunsch der letzten Firmeninhaberin, Joyce Green, war es, aus dem Gebäude ein Museum zu machen. Mit Hilfe des Birmingham Conservation Trusts gelang es nach mehreren Jahren, diesen Wunsch in die Realtität umzusetzen und das mittlerweile arg in Mitleidenschaft gezogene Gebäude wieder herzustellen. Am 24. Oktober 2014 war es dann soweit: The Coffin Works konnte eröffnet werden (hier ist ein Film darüber).

Das Museum ist von Freitag bis Sonntag geöffnet, jeweils von 10.45 Uhr bis 16 Uhr. Wer möchte, kann um 11 Uhr an einer geführten Tour teilnehmen, sonst kann sich jeder auf eigene Faust umsehen. Der Eintrittspreis beträgt £10.

Dieser Film zeigt einen Besuch in diesem makaber-skurrilen Museum.

The Coffin Works
13-15 Fleet Street
Jewellery Quarter
Birmingham B3 1JP

The Shroud Room.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)
Eine Metallprägepresse in Betrieb.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)
Sargverzierungen der Newman Brothers.
Author: scrappy annie.
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Published in: on 30. November 2021 at 02:00  Comments (5)  

The Crewe Hall Hotel bei Crewe in Cheshire

Photo © John M (cc-by-sa/2.0)

Bei meinen Reisen durch England ist es mir immer besonders wichtig, schöne Hotels für die Übernachtungen auszusuchen. Ich liebe Country House Hotels, Burg- und Schlosshotels und habe in vielen davon wunderschöne Aufenthalte gehabt. Einige habe ich im Laufe der Jahre in meinem Blog vorgestellt.

In der Grafschaft Cheshire findet sich in der Nähe der Stadt Crewe die wunderschöne Crewe Hall, ein Gebäude aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, das von Sir Randolph Crewe in Auftrag gegeben wuorden war, einem hochrangigen und wohlhabenden Richter. Nach einem verheerenden Feuer im Jahr 1866 gestaltete es der Architekt Edward Middleton Barry um, Sohn des berühmten Sir Charles Barry, und machte aus Crewe Hall ein noch großartigeres Haus. In den besten Zeiten arbeiteten mehr als hundert Beschäftigte in der Hall, die sich unter anderem um die 190 Zimmer des Hauses kümmern mussten.

Bis in die 1930er Jahre hinein blieb die Hall Familiensitz der Crewes, dann wurde sie verkauft, da keine männlichen Erben da waren und zwar an das Herzogtum Lancaster, das wiederum der Krone gehört. 1955 statteten Königin Elizabeth II. und ihr Gemahl Crewe Hall einen Besuch ab.

Heute hat man in dem 117 Betten-Hotel die Wahl, ob man im Haupthaus (in dem Räumlichkeiten mit Himmelbetten zur Verfügung stehen) oder in dem modernen Westflügel wohnen möchte. Ich entscheide mich immer für die „Four Poster“-Variante. Die Übernachtungspreise beginnen etwa bei €130 für ein einfaches Classic Doppelzimmer.

Das Mittag- und das Abendessen werden in der modern eingerichteten The Brasserie Bar & Restaurant serviert. Schade, dass man nicht einen der wunderschönen historischen Räume als Restaurant ausgewählt hat, diese stehen nur für Bankette zur Verfügung. Für mich ein klares Manko!

Dieser Film zeigt einige Impressionen aus dem Hotel (leider etwas businesskopflastig).

The Crewe Hall Hotel
Weston Road
Haslington
Crewe CW1 6UZ

Author: string_base_dave.
Creative Commons 2.0
Author: daleexpress.
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Published in: on 29. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die blauen Laternen vor englischen Polizeistationen

Charing Cross Police Station in London.
Author: Canley.
This photo is in the public domain.

In den 1860er Jahren tauchten immer häufiger blaue Laternen vor Londoner Polizeistationen auf. Das blieb nicht auf die Hauptstadt beschränkt, die „police blue lamps“ verbreiteten sich im ganzen Land und zeigten der Bürgern an, wo sie sich hinwenden konnten, wenn sie Hilfe benötigten. Warum sich die zuständigen Behörden für die Farbe Blau entschieden, ist nicht so ganz geklärt. Eine Vermutung geht in die Richtung, dass, da die Uniformen der Polizisten blau waren, man bei dieser Farbe bleiben wollte. Die blaue Laterne ist zu einem britischen Symbol geworden, ähnlich wie die vom Aussterben bedrohte rote Telefonzelle. Man sieht sie auch heute noch vor Dienststellen der Polizei.

Im Jahr 1950 kam ein Film in die Kinos, der den Titel „The Blue Lamp“ trug und damit schon auf den Inhalt hinwies, auf die tägliche Polizeiarbeit, in diesem Fall in London angesiedelt. In der Hauptrolle war Jack Warner als Police Constable George Dixon zu sehen. Aus diesem Spielfilm entwickelte sich einige Jahre später die erfolgreiche TV-Serie „Dixon of Dock Green“ (1955-1976), in der Jack Warner wieder in derselben Rolle zu sehen war. In den frühen Folgen begann jede Episode damit, dass PC Dixon unter einer blauen Laterne einige Worte sprach, das heißt, da die Serie noch in Schwarz-Weiß gedreht wurde, darf man annehmen, dass sie blau war. Hier ist ein Beispiel.

Hornsey Police Station in London.
Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)
Petersfield in Hampshire.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 28. November 2021 at 02:00  Comments (1)  

The Needle and Thread Gaudy im Queen’s College in Oxford

Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Es ist immer wieder interessant, von den merkwürdigen Traditionen zu hören, die in den Colleges von Oxford und Cambridge, manchmal schon seit Jahrhunderten, gepflegt werden. In meinem Blog habe ich schon einige davon vorgestellt. Heute möchte ich mich etwas mit einem Brauch aus dem Queen’s College in Oxford beschäftigen, der The Needle and Thread Gaudy heißt und der immer zu Beginn eines neuen Jahres ausgeübt wird. Wer den Begriff „gaudy“ noch nicht gehört hat: Es handelt sich dabei um ein feierliches Abendessen für ehemalige Abgänger eines Colleges.

Was hat das nun mit Nadel und Faden zu tun? Anlässlich dieses Abendessens tritt der Bursar des Queen’s College in Aktion, also der Mann, der für die Finanzen zuständig ist. Er händigt jedem der Anwesenden, die eine spezielle Einladung für den Abend erhalten haben, eine Nadel und einen seidenen Faden aus, mit den Worten „Take this and be thrifty„. Der Bursar ermahnt also alle, im kommenden Jahr sparsam zu sein. Ob er da wohl als leuchtendes Vorbild vorangeht?

Der Brauch ist Hunderte von Jahren alt und man vermutet, dass er auf den Namen des Gründers des Queen’s College zurückgeht, einen gewissen Robert de Eglesfield (1295-1349). „Aiguille“ heißt auf Französisch „Nadel“, „fil“ ist der Faden“, aiguille + fil = Eglesfield; mit etwas Fantasie kann man da einen Zusammenhang erkennen. Egal ob das nun stimmt oder nicht: Wir freuen uns, dass dieser recht skurrile Brauch noch immer am Leben gehalten wird. Am 8. Januar 2022 um 18.30 Uhr findet die nächste Needle and Thread Gaudy statt; die Einladung erging an ehemalige Studenten, die sich in den Jahren 1976 und 1977 immatrikuliert hatten.

The Upper Library des Queen’s College. Hier werden vor dem Abendessen die Drinks zu sich genommen.
Author: TyB.
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Published in: on 27. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Shropshire Fidget Pie

Was für die Bewohner der Grafschaft Cornwall die Cornish Pastie ist, das ist für die Salopians, wie die Einwohner Shropshires auch genannt werden, deren Shropshire Fidget Pie. Über die Herkunft des Namens gibt es mehrere Theorien. „A fidget“ ist eigentlich ein unruhiger Mensch, ein Zappelphilipp, und so besagt eine dieser Theorien, dass der Name daher kommt, dass die Bestandteile dieser Speise beim Zubereiten in der Form durcheinander zappeln. Diese Theorie ist mir wesentlich angenehmer als eine andere, die behauptet, dass die Speise bei der Zubereitung wie ein Iltis riecht (in Shropshire nennt man Iltisse auch „fitchetts“).

Die Hauptbestandteile der Shrophire Fidget Pie sind Schinken, Kartoffeln, Zwiebeln und Äpfel, alles Produkte, die die Grafschaft liefert. Was man sonst noch dazu tut, bleibt den Köchinnen und Köchen selbst überlassen. Es ist eine Speise, die gern in der kalten Jahreszeit gereicht wird, und Clare Hargreaves vom Countryfile Magazine bezeichnet sie als „einfach, billig und traditionell“.

Es gibt noch eine Variante in der ehemaligen Grafschaft Huntingdonshire (die jetzt zu Cambridgeshire gehört), die Huntingdon Fidget Pie, die dort aber keine besondere Rolle mehr spielt.

Published in: on 26. November 2021 at 02:00  Comments (3)  

Massey’s Folly in Farringdon (Hampshire) und noch ein exzentrischer Pfarrer

Photo © Ben Gamble (cc-by-sa/2.0)

Thomas Hacket Massey war Pfarrer in der Gemeinde Farringdon in der Grafschaft Hampshire … und das 62 Jahre lang, von 1857 bis 1919. Ja, manche Pfarrer in englischen Gemeinden waren sehr anhänglich und konnten sich von ihren Schäfchen nicht trennen.

Die All Saints Church war Masseys Arbeitsplatz, aber die geistlichen und seelsorgerischen Tätigkeiten füllten offenbar sein Leben nicht aus, denn er hatte noch ein Hobby, das sehr zeitaufwendig war und das ihn dreißig Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1919 beschäftigte: Das Bauen.

Erst baute der Pfarrer den Altarraum seiner Kirche selbst um, dann machte er sich an das Pfarrhaus, das er umgestaltete, und als das alles fertig war, fiel sein Blick auf die andere Seite der Straße. Dort stand ein altes Haus aus dem 16. Jahrhundert und das musste Massey unbedingt haben und erweitern. Also kaufte er es für £600, und gemeinsam mit einem Maurer und hin und wieder mit einem Zimmermann und einem Hilfsarbeiter baute er in drei Jahrzehnten ein gewaltiges Anwesen, das später den Namen Massey’s Folly tragen sollte. Da der Pfarrer ein sehr penibler Mensch war, riss er manchmal Teile seines Hauses wieder ein, weil die ihm nicht gefielen, und baute sie neu. 17 Schlafzimmer entstanden; wer darin allerdings schlafen sollte, wusste niemand. Zwei Türme krönten das Gebäude, und ich kann mir vorstellen, dass die Einwohner von Farringdon mit Staunen und Bewunderung an diesem merkwürdigen Haus vorbeigingen, das da in ihrer Gemeinde entstanden war. 1910 beendete Massey seine Bauarbeiten… doch niemand zog dort ein. 25 Jahre lang stand das Gebäude leer, dann kam Leben in Massey’s Folly, da die Dorfschule einzog und das Haus als Gemeindezentrum benutzt wurde.

Heute sind Schule und Village Hall wieder ausgezogen und Massey’s Folly soll in ein Wohnhaus mit mehreren Appartments umgebaut werden.

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
All Saints in Farringdon.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Ghost Tours in Shrewsbury (Shropshire) – Einmal anders

Author: Shropshire&Telford TSB.
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Ghost Tours werden in vielen englischen Städten angeboten, in der Regel zu Fuß. Doch hin und wieder finden diese abendlichen Touren auch in anderer Form statt. Eine davon, die Londoner Ghost Bus Tours, habe ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt.
In Shrewsbury, der Grafschaftshauptstadt von Shropshire, werden immer im Monat Oktober Ghost Cruises angeboten, auf den Spuren von Geistern an Bord eines Schiffes. Auf dem River Severn, der die Stadt in einer Schleife umrundet, fährt das Ausflugsschiff „Sabrina seine gruselwilligen Gäste an gespenstischen Stätten vorbei, von denen es in Shrewsbury so einige gibt. 45 Minuten dauert die Fahrt, die £12 für einen Erwachsenen kostet.

Die Ghost Cruises starten am Victoria Quay an der Welsh Bridge, die J.M.W Turner einmal gemalt hat, wo ein Mann schon seit hunderten von Jahren spuken soll. Er wurde auf der hölzernen Vorgängerbrücke erhängt und scheint noch immer nicht zur Ruhe gekommen zu sein. Der Guide an Bord erzählt die Spukgeschichten der alten Stadt, in deren engen Gassen man sich leicht verlaufen kann. Zum Beispiel die von dem Unglück im Bahnhof, als 1887 ein Teil des Daches einstürzte und einen Stadtrat erschlug. In der Nähe des betroffenen Bahnsteigs will man immer wieder eine schattenhafte Gestalt gesehen haben; der ruhelose Stadtrat?

Der Bootsname „Sabrina“ leitet sich von der Flussgöttin ab, die dem River Severn ihren Namen gab. Man findet eine Statue von ihr unter einem Brückenbogen am Quarry Park.

Die Welsh Bridge.
Photo © John Winder (cc-by-sa/2.0)
Shrewsbury Railway Station.
Author: R P M.
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Die Flussgöttin Sabrina.
Author: nualabigeye.
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Published in: on 24. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

„Le Kov“ – Ein Album von Gwenno Saunders, ganz in kornischer Sprache

Author: dullhunk.
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Wie in Schottland und in Wales gibt es auch in der Grafschaft Cornwall Unabhänigkeitsbestrebungen, allerdings nur auf kleiner Flamme. Über das Thema habe ich vor einigen Jahren in meinem Blog geschrieben.

Die kornische Sprache wird noch in einem gewissen Maße gepflegt, und vor drei Jahren erschien ein Album der Sängerin Gwenno Saunders, das den Titel „Le Kov“ trägt, auf dem nur Lieder in dieser Sprache enthalten sind. „Le Kov“ bedeutet „Ein Ort der Erinnerung“. Gwenno Saunders ist Waliserin und hat auch Songs auf Walisisch veröffentlicht.

Angeregt zu ihrem Album, deren Stücke sie alle selbst komponiert hat, wurde sie dadurch, dass die britische Regierung vor fünf Jahren die Finanzierung zu Maßnahmen zur Förderung der kornischen Sprache kürzte. Das Album trug dazu bei, dass sich mehr Menschen für die Minoritätensprache interessierten und dass mehr Studenten ihre Prüfung auf kornisch ablegten.

The Guardian zählte 2018 „Le Kov“ zu den 50 besten Alben des Jahres.

Hier ist als Beispiel der Song „Tir Ha Mor“ zu hören („Land und Meer“).

Published in: on 23. November 2021 at 02:00  Comments (3)  

Canon Wilfred Pemberton von St Michael’s in Breaston (Derbyshire) und der Psalm 119

Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Im Laufe der Jahre habe ich in meinem Blog schon eine ganze Reihe von exzentrischen, merkwürdigen Geistlichen vorgestellt, die in ihren jeweiligen Gemeinden mehr oder weniger beliebt waren. Ich denke da zum Beispiel an Reverend Frederick Densham aus Warleggan in Cornwall, der, weil keines seiner Schäfchen mehr seine Gottesdienste besuchen wollte, einfach Pappkameraden auf die leeren Kirchenstühle platzierte, oder an Reverend Robert Stephen Hawker aus Morwenstow in Cornwall, der seine Hauskatze exkommunizierte, weil sie an einem Sonntag auf Mäusejagd ging.

In diese Phalanx der Merkwürdigkeiten reiht sich auch ein Geistlicher aus der Gemeinde von St Michael’s in Breaston ein. Breaston liegt in der Grafschaft Derbyshire, direkt an der Autobahn M1, und ist nicht weit von Derby und Nottingham entfernt. Canon Wilfred Pemberton war Pfarrer an der Parish Church und das über einen sehr langen Zeitraum hinweg, von 1951 bis 1991. Die ältesten Teile von St Michael’s reichen bis in das 11. Jahrhundert zurück, während das meiste von ihr im 14. und 15. Jahrhunderten gebaut wurde.

Canon Wilfred Pemberton hatte eine spezielle Vorliebe für den Psalm 119, und ich glaube nicht, dass die Sonntagskirchgänger von Breaston diese Vorliebe teilten. Besagter Psalm ist mit 176 Versen der längste der Bibel, und ich kann mir vorstellen, dass die Gemeindemitglieder beim Betreten der Kirche am Sonntagmorgen mit ängstlichen Blicken auf die Tafel schauten, auf der die Gesänge des Tages angezeigt wurden. Stand da wieder einmal Psalm 119 dachte sicher der eine oder andere, Mist, meinen anschließenden geplanten Besuch im Pub kann ich vergessen. Mr. Pemberton verließ, nachdem die Anwesenden den Psalm angestimmt hatten, seine Kirche und beschäftigte sich zwischenzeitlich mit anderen Dingen wie dem Füttern seiner Hühnerschar und Säuberungsarbeiten im Pfarrhaus. Wenn er der Meinung war, dass sich das Absingen des Psalms langsam dem Ende zuneigte, machte er sich wieder auf den Weg in seine Kirche und setzte den Gottesdienst fort. Sicher verließen die Gemeindemitglieder St Michael’s mit tiefen Seufzern und steuerten ihre Häuser an, wo der Sonntagsbraten angerichtet werden musste.

Published in: on 22. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Cyclists War Memorial in Meriden (West Midlands)

Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Man mag es heute im 21. Jahrhundert kaum glauben, aber das Fahrrad spielte im Ersten und auch noch im Zweiten Weltkrieg eine gewisse Rolle. Historische Filmaufnahmen wie diese aus dem Ersten Weltkrieg wirken auf uns über hundert Jahre später schon etwas merkwürdig.

Den Männern (Frauen gab es im Army Cyclist Corps meines Wissens keine), die auf ihren Drahteseln hauptsächlich Kurier- und Aufklärungsdienste übernahmen, wird in einem Ort Englands gedacht, der vor allem dadurch national bekannt war, dass er das geografische Zentrum Englands bildete (mehr darüber in meinem Blogeintrag vom 21. Dezember 2015): Meriden in den West Midlands, ganz in der Nähe der Stadt Coventry. Dort steht auf dem Village Green das Cyclists War Memorial, ein neun Meter hoher und 32 Tonnen schwerer Obelisk, der an die gefallenen fahrradfahrenden Soldaten des Ersten Weltkriegs erinnert. Vor genau einhundert Jahren, am 21. Mai 1921 übergab der Earl of Birkenhead bei einer feierlichen Veranstaltung das Denkmal an die Öffentlichkeit. Der Ort Meriden wurde als Standort ausgesucht, weil er mitten im Herzen des Landes liegt und aus allen Regionen gleichermaßen zu erreichen ist.

Jedes Jahr treffen sich Fahrradfahrer aus ganz Großbritannien, um den gefallenen Soldaten ihren Respekt zu erweisen. In der örtlichen St Lawrence Parish Church findet ein Gedenkgottesdienst statt, die Bulkington Silver Band sorgt für den musikalischen Hintergrund und anschließend werden in der Village Hall Erfrischungen gereicht.

1963 kam noch eine Plakette dazu, die an die gefallenen Fahrradfahrer im Zweiten Weltkrieg erinnert.

St Lawrence Parish Church.
Photo © Robin Stott (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 21. November 2021 at 02:01  Kommentar verfassen  

Pubschilder – The Royal Oak in Burford (Oxfordshire)

Eigenes Foto

Burford (Oxfordshire) in den Cotswolds ist ein recht lebhafter und sehr attraktiver Ort. Die Parkplätze an der Hauptstraße sind fast immer belegt, aber es gibt einen großen nahegelegenen Zentralparkplatz von dem man in etwa vier Minuten zu der steilen High Street kommt. Auf dem Weg dorthin liegt in einer ruhigen Nebenstraße „The Royal Oak„, ein Pub mit Restaurant und auch zwei Zimmern.

„The Royal Oak“ ist einer der häufigsten Namen für britische Pubs. Charles II flüchtete nach der Schlacht von Worcester 1651 nach Boscobel Wood, wo er sich vor seinen Verfolgern auf einer Eiche versteckte. Diese Royal Oak ist Namensgeberin für unzählige Pubs mit unterschiedlichen Pubschildern.
Das Schild vor der Burforder königlichen Eiche fand ich besonders gut gelungen. Damals muss aber doch erheblich mehr Laub an der Eiche gewesen sein, sonst hätten die Häscher den armen Charles bestimmt gesehen.

An der High Street in Burford gibt es weitere sehr schöne Pubs; wer es aber ein wenig ruhiger haben möchte, ist mit der „Royal Oak“ in der Witney Road gut bedient.

The Royal Oak
26 Witney Road
Burford
Oxfordshire
OX18 4SN

Die steile High Street von Burford (Oxfordshire) an einem Samstagvormittag. – Eigenes Foto.
Published in: on 20. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Zwei Themenhotels in Bournemouth, in denen Schokolade im Mittelpunkt steht

In einem meiner früheren Blogeinträge beschäftigte ich mich mit dem Chocolate Trail in der Stadt York und erwähnte dabei das Indigo Boutique Hotel, ein Hotel, in dem sich alles um das Thema Schokolade dreht.

In Bournemouth an der englischen Südküste gibt es gleich zwei Schokoladenhotels, das Chocolate Box Hotel und das Chocolate Boutique Hotel. Gerry Wilton, der Besitzer der beiden Etablissements gründete bereits im Jahr 2006 das erstgenannte Hotel, das erste dieser Art in Großbritannien, zehn Jahre später folgte das zweite. Schokoladenliebhaber aus allen Teilen der Welt können hier ihrem Laster fröhnen, denn an Schokolade mangelt es in den beiden Häusern nicht. Schon zum Frühstück wird sie serviert, in den Zimmern stehen damit bestückte Schalen, Schokoladenspringbrunnen sind zu finden, an der Rezeption wird man gleich beim Betreten der Hotels mit Schokolade konfrontiert.

Das Chocolate Box Hotel ist sehr beliebt bei Hen Parties; Chocadence heißen diese themenbezogenen Parties. Bei einer Variante gibt es für £45 pro Person, neben Schokolade in jeder Form, auch Prosecco so viel man trinken möchte. Ob das wohl gut geht…?

Chocolate Boutique Hotel
5 Durley Rd
Bournemouth, Dorset
BH2 5JL

The Chocolate Box Hotel
2 West Cliff Road

Bournemouth, Dorset
 BH2 5EY

Published in: on 19. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Spotted Dick – Eine Süßspeise mit einem zweideutigen Namen

Author: Willrad.
Creative Commons 2.0

Um wieder einmal die Wikipedia zu zitieren: „Spotted dick ist ein in Großbritannien verbreiteter gedämpfter oder gebackener  Pudding aus Rindernierenfett und Trockenfrüchten (meistens Korinthen), der üblicherweise mit Custard serviert wird“. Das klingt vielleicht nicht besonders verlockend, der Spotted Dick ist aber in England sehr beliebt. Vor kurzem sah ich diese Süßspeise in einem Pub angeboten, allerdings habe ich sie noch nie probiert.

Die Engländer haben ja schon einige komische Namen für ihre Speisen gewählt, wenn ich an Bubble and Squeak oder Bangers and Mash denke. Der Spotted Dick gehört mit in diese Kategorie. Da „dick“ im Sprachgebrauch auch „Penis“ heißt, gibt das der Süßspeise einen besonderen Touch.
Beim Bestellen des Spotted Dick werden immer mal wieder anzügliche Bemerkungen gemacht, so dass man zum Beispiel in einigen Kantinen aus dem Spotted Dick einen Spotted Richard oder Sultana Sponge machte, aber irgendwie war das alles nicht das richtige und man kehrte immer wieder zu dem Originalnamen zurück.

Eine Version wie der Name „dick“ zustande kam, ist, dass er sich aus pudding-> puddink -> puddick -> dick ableitet. Egal, ob das nun stimmt oder nicht: Spotted Dick bleibt ein beliebter Pudding im Vereinigten Königreich.

Wer diese Nachspeise mit dem „giggle factor“ selbst einmal machen möchte, hier zeigt Jamie Oliver wie man das macht.

Das Buch zum Artikel:
Geoff Wells: How to Make Spotted Dick & Other Suet Puddings.  CreateSpace Independent Publishing Platform 2013. 82 Seiten. ISBN  ‎ 978-1482601596.

Published in: on 18. November 2021 at 02:00  Comments (4)  

Christmas 2021 – Weihnachten im Belton House in Lincolnshire

Author: Myrialejean.
Creative Commons 2.0

Für mich ist die Vorweihnachts- und Weihnachtszeit in England etwas ganz Besonders; ich denke da vor allem an die herausgeputzten und illuminierten Landhäuser, die ihre Tore und ihre Gärten für Besucher öffnen. Im Laufe der Jahre habe ich einige dieser Häuser vorgestellt wie zum Beispiel das wunderschöne Waddesdon Manor in Buckinghamshire, Castle Howard in North Yorkshire oder Stockeld Park in West Yorkshire.

Heute möchte ich das vorweihnachtliche Belton House bei Grantham in Lincolnshire vorstellen. Belton House war das erste Country House in England, das ich bei meinen Reisen durch das Land besichtigt habe. Es war seit seiner Erbauung Ende des 17. Jahrhunderts bis 1984 Sitz der Brownlow-Familie. Edward Cust, siebter Baron of Brownlow übergab seinen Familiensitz 1984 an den National Trust, der damit wieder um ein Country House reicher war.

Ab dem 25. November werden die Gärten von Belton House für die Besucher geöffnet. Meister der Illuminationstechnik haben vorab viel Zeit investiert, um die Gärten in eine weihnachtliche Atmosphäre zu versetzen mit Lichttunneln und beleuchteten Bäumen. Wenn man den ganzen Christmas Trail entlang spaziert, braucht man dafür etwa neunzig Minuten.

In auf dem Gelände aufgestellten Buden kann man sich mit Glühwein oder heißer Schokolade aufwärmen und im National Trust Gift Shop vielleicht das eine oder andere Weihnachtsgeschenk finden. In diesen Shops fällt mir immer wieder ein ganz spezieller, angenehmer Duft auf, der wahrscheinlich von den Seifen, Parfüms und Kerzen kommt.

Der Eintritt zu diesem Spektakel kostet bei Vorausbuchung der Tickets £20, Kinder zwischen drei und sechzehn Jahren zahlen £14. Das nördlich von Grantham gelegene Belton House liegt verkehrsgünstig nahe der A1.

Dieser Film zeigt, was die Besucher erwarten wird.

Photo © Andrew Abbott (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Pierre Vivants Traffic Light Tree am Trafalgar Way im Londoner Stadtteil Poplar

Author: Loco Steve.
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Es gab einen ziemlich großen Aufschrei als man im Dezember 2011 den Westferry Traffic Light Tree auf der Isle of Dogs im Londoner Canary Wharf-Bezirk von seinem Standort entfernte. Der französische Bildhauer Pierre Vivant hatte das acht Meter hohe und aus 75 blinkenden, computergesteuerten Verkehrsampeln bestehende Kunstwerk von 1995 bis 1998 geschaffen und es wurde mitten auf einem Kreisverkehr aufgestellt, wo es den Verkehr nicht regeln sollte.

Im Zuge der Umgestaltung des Kreisverkehrs wurde der Traffic Light Tree dort weggenommen und zwischengelagert.
Es gab auch Stimmen, die die Entfernung des dauerblinkenden Ampelgestrüpps begrüßten. Immer wieder hatte es ortsfremde Autofahrer gegeben, die davon irritiert waren und nicht wussten, ob nun die Kreisverkehrsregelung hier galt oder eine der auf Rot, Gelb oder Grün stehenden Ampeln.

Die Versicherungsgesellschaft Saga führte im Jahr 2005 eine Umfrage nach den besten und den schlechtesten Kreisverkehren Großbritanniens durch und Sieger in der Kategorie bester beziehungsweise schönster Kreisverkehr wurde unser Roundabout mit dem Ampelbaum (Platz 2 erreichte erstaunlicherweise  „The Plough“ in Hemel Hampstead, den ich in meinem Blog schon vorgestellt habe).

The Sculpture imitates the natural landscape of the adjacent London Plane Trees, while the changing pattern of the lights reveals and reflect the never ending rhythm of the surrounding domestic, financial and commercial activities„, so beschreibt Pierre Vivant sein Kunstwerk, das dort aufgestellt worden war, wo bis dahin eine vor sich hin kümmernde Platane stand, die wohl die Autoabgase nicht mehr verkraften konnte.

Für den zwischengelagerten Traffic Light Tree wurde ein neues Zuhause gefunden und zwar nicht weit weg von der vorigen Stelle. Am 20. Januar 2014 wurde das Kunstwerk feierlich dem Verkehr übergeben auf, einem Roundabout am Trafalgar Way, ganz in der Nähe des Billingsgate Markets. Hier ist der Verkehrsampelbaum in voller Aktion zu sehen.

Pierre Vivant, der Schöpfer des Ampelbaums, wurde 1952 geboren und arbeitet sowohl in Paris als auch in Oxford.

Der Ampelbaum an seiner ursprünglichen Stelle.

Photo © Wendy North (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

John Callcott Horsley und die erste Weihnachts-Grußkarte

John Callcott Horsleys erste Weihnachtskarte.
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Der Londoner John Callcott Horsley (1817 – 1903) war ein Maler und Illustrator und ging in die Historie ein, als Schöpfer der ersten Weihnachts-Grußkarte. Der umtriebige und ideenreiche  Staatsbeamte Sir Henry Cole (1808 – 1882) hat aber auch seinen Anteil daran, denn er kam auf die Idee, zu Weihnachten anderen Menschen Karten zu schicken.

Diese erste Weihnachtskarte zeigt eine offensichtlich heitere Familie in Feierlaune, denn der Alkohol spielt bei ihrer Weihnachtsfeier eine nicht unbedeutende Rolle; sogar der kleinen Tochter wird ein Glas Rotwein eingeflößt, was zu einer Kontroverse führte („fostering the moral corruption of children“).

Sir Henry Cole hatte gar nicht damit gerechnet, dass seine Idee zünden würde, aber es dauerte nur ein paar Jahre und das Versenden von Weihnachtskarten war in England absolut „in“, zumal das Porto nur einen Penny kostete.
1000 Karten wurden 1842 mit dem Motiv von John Callcott Horsley gedruckt und lediglich 12 sollen noch heute erhalten sein.

Besonders beliebt waren in der viktorianischen Zeit die „trick cards„, eine Weiterentwicklung der „normalen“ Weihnachtskarte. Beim Öffnen der Karte entfaltete sich beispielsweise ein Blumenstrauß oder eine sehr realistisch reproduzierte Banknote erschien (die so naturgetreu nachgemacht war, dass sie schnell wieder aus dem Verkehr gezogen werden musste). Der Fantasie waren damals keine Grenzen gesetzt.

Noch ein paar Worte zu John Callcott Horsley. Er war der Schwager Isambard Kingdom Brunels, dem berühmtesten Ingenieur der viktorianischen Ära. Horsley war in einer Zeit, die von Prüderie beherrscht war, der „Oberprüde“, denn er wandte sich z.B. entschieden dagegen, dass beim Anfertigen von Aktzeichnungen Nackte Modell standen. Er machte sich dabei auch ziemlich lächerlich, denn er bekam den Spitznamen „Clothes Horsley“ verpasst.

Ganz andere Vorstellungen einer „Christmas Card“ hat Terry Gilliam, einer der Monty Pythons, hier zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
George Buday: The History of the Christmas Card. Spring Books 1964. 304 Seiten.

John Callcott Horsley.
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Published in: on 15. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Gawsworth Hall Open Air Theatre

Photo © Peter Turner (cc-by-sa/2.0)

Im Dunstkreis der Stadt Macclesfield liegt das Dorf Gawsworth in der Grafschaft Cheshire. Das Highlight des Dorfes ist die Gawsworth Hall, ein beeindruckendes Country House, das in Privatbesitz ist und das zu bestimmten Zeiten zur Besichtigung freigegeben ist. Seit 1969 finden hier im Sommer im Open Air Theatre kulturelle Veranstaltungen statt, die vor der Kulisse des Tudorhauses für die Besucher besonders stimmungsvoll sind. Wie in England üblich, sind die Gäste eingeladen, vor den Aufführungen ihr mitgebrachtes Picknick einzunehmen, das bei schönem warmem Wetter am See auf dem Gelände besonders gut schmeckt.

Die Theatersaison in Gawsworth Hall ist ein bunter Mix aus Schauspiel, Comedy und Konzerten. In diesem Jahr gab es vom 26. Juni bis zum 1. August beispielsweise eine Aufführung von William Shakespeares „Komödie der Irrungen“ und eine Reihe von Tributkonzerten (Queen, Tina Turner, Fleetwodd Mac). Die von mir erst kürzlich an dieser Stelle vorgestellte Foden’s Band trat auf und der Comedian Jimmy Carr ließ sich von den Besuchern feiern.

In diesem Jahr konnten die Gäste der Veranstaltungen nicht wie gewohnt unter einem großen Zeltdach sitzen, Zugeständnisse, die man wegen Corona machen musste.

Das über 500 Jahre alte Haus (hier einige Bilder) soll einmal der Wohnsitz von William Shakespeares mysteriöser Dark Lady gewesen sein, die in seinen Sonetten auftaucht. Möglicherweise war es Mary Fitton (1578-1647), Hofdame Königin Elizabeths I.

Photo © Neil Kennedy (cc-by-sa/2.0)

Mein Besuch in Birminghams Aston Hall

Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Auf der Suche nach Aston Hall strandeten wir mitten in der Großstadt Birmingham. Ich fuhr kurz auf einen Parkstreifen, damit wir unseren Stadtplan konsultieren konnten, da hielt ein Polizeiauto hinter uns, und wir wurden von zwei freundlichen Polizisten gefragt, ob sie helfen könnten. Wir sagten, dass wir die Aston Hall suchten und bekamen als Antwort: „No problem, just follow us“. Das Polizeiauto fuhr vorneweg, wir hinterher, und sie führten uns bis vor den Eingang von Aston Hall. Das kann man wirklich „Die Polizei, dein Freund und Helfer“ nennen. Thank you, Birmingham Police!!

Als wir uns nun das Schloss ansehen wollten, erfuhren wir, dass es an diesem Tage geschlossen war; da aber gerade eine angemeldete Schulklasse im Hause war, ließ man uns trotzdem hinein. So viel zur Freundlichkeit der Brummies wie die Bewohner Birminghams genannt werden!

Aston Hall ist ein imposantes Schloss, das im Besitz der Stadt Birmingham ist und in den Jahren 2008/09 komplett renoviert worden ist.
Das Schloss, im sogenannten „Jacobean Style“ erbaut, entstand in der Zeit von 1618 bis 1635 unter der Regie des Architekten John Thorpe, und der erste Besitzer und Bewohner von Aston Hall war ein gewisser Sir Thomas Holte.

Der Sohn des berühmten schottischen Erfinders James Watt übernahm das Schloss 1817, bis es 1864 in den Besitz der Stadt Birmingham überging.  Der Garten wurde neu angelegt, und man kümmerte sich intensiv um den Erhalt dieses wirklich sehr schönen Gebäudes.

Heute ist Aston Hall ein Museum (Eintrittspreis: £9), in dem man zum Beispiel. Räume aus verschiedenen Epochen besichtigen kann.
Nur etwa 200m entfernt liegt übrigens das Stadion des Fußballvereins Aston Villa.

Hier ist eine Film über Aston Hall.

Aston Hall
Trinity Road
Aston
Birmingham, B6 6JD

Author: scrappy annie.
Creative Commons 2.0
Eigenes Foto des Guidebooks.
Mein Guidebook..
Published in: on 13. November 2021 at 02:00  Comments (2)  

Mein Buchtipp – Jasper Conran: Country

Foto meines Exemplares.
Foto meines Exemplares.

Jasper Conran, Sohn des berühmten Designers Sir Terence Conran und der Schriftstellerin Shirley Conran, ist inzwischen selbst einer der gefragtesten britischen Designer geworden. Er ist auf vielen Feldern aktiv: Er entwirft unter anderem Schmuck, Keramik, Kleidung und Möbel und hat schon eine ganze Menge Auszeichnungen erhalten, so zum Beispiel den „Laurence Olivier Award for Costume Design„, den „Homes and Gardens ‚Classic Design‘ Award„, und er wurde auch schon zum „Designer of the Year“ gewählt.

Sein erstes Buch erschien im Jahr 2010 und war das Resultat einer einjährigen Reise quer durch das Vereinigte Königreich. Es heißt „Country“ und ist eine Liebeserklärung an das britische Landleben. Ein großartiges Buch!! Mehrere Pfund schwer, 304 Seiten stark, mit Dutzenden, zum Teil doppelseitigen Farbfotos von Andrew Montgomery.

Jasper Conran besucht auf seiner Reise durchs Land Freunde, die sich in alten Cottages eingerichtet haben, die zum großen Teil von den Erträgen ihrer Gärten leben und um nichts in der Welt in eine Großstadt ziehen würden. Dieses Buch macht Lust auf ein solches Leben wie zum Beispiel in Dorset oder Wiltshire, in der Nähe eines schönen alten Dorfpubs, wo man sich abends auf ein Pint trifft.

Ich kann dieses Buch sehr empfehlen. Eine deutsche Übersetzung liegt vor. Hier die bibliografischen Angaben.

Jasper Conran: Country. London: Conran Octopus 2010. ISBN: 978-1840915181. Das Buch ist out-of-print und wird derzeit für über £100 gehandelt.

oder auf Deutsch:
Jasper Conran: Country: Vom Charme des englischen Landlebens. München: DVA 2010. ISBN: 978-3421038050 . Gerade am 1. November 2021 neu im Bassermann-Verlag erschienen. ISBN: 978-3-8094-4500-5.

Published in: on 12. November 2021 at 02:00  Comments (1)  

Der Londoner South Bank Lion, Hüter der Westminster Bridge

Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Ich habe ein Faible für englische Steinlöwen. Die Löwen vom Trafalgar Square und den Maiwand Lion in Reading habe ich in meinen früheren Blogeinträgen schon vorgestellt, hier kommt noch ein weiterer hinzu: Der hübsche South Bank Lion, der am südlichen Ende der Westminster Bridge steht und die Brücke bewacht. Er ist offensichtlich kein Fan des Riesenrades London Eye, denn er wendet diesem ganz demonstrativ seinen Rücken zu.

Ein gewisser William Frederick Woodington (1806-1893) hat ihn  im Jahr 1837 erschaffen, und das Tier musste in seinem Leben schon mehrere Male umziehen. Zuerst stand er, zusammen mit einem anderen Löwen, vor der Red Lion Brewery, bis diese 1949 abgerissen wurde, um der Royal Festival Hall Platz zu machen. Auf Anweisung von König Georg VI, der ihn ins Herz geschlossen hatte, wurde sein Löwenleben nicht beendet, sondern er zog zur Waterloo Station um. Als der Bahnhof erweitert wurde, musste Löwe wieder umziehen; dieses Mal zur Westminster Bridge, wo er jetzt hofft, für immer bleiben zu können, denn den Themseblick möchte er nicht mehr missen.

Der South Bank Lion war früher einmal rot; er bekam aber ein „Facelift“ und jetzt kann man ihn in seiner ganzen Pracht sehen: Er wurde nämlich aus dem sogenannten Coade-Stein hergestellt, das ist ein besonderer Werkstoff, der sehr unempfindlich gegen Umwelteinflüsse ist. Darum sieht unser Löwe auch so sauber und gepflegt aus.

Der frühere Genosse, der auch vor der Brauerei stand, ist zu einem Rugby-Fan geworden: Er steht auf dem Rowland Hill Memorial Gate des Twickenham-Stadiums, wo die Englische Rugby-Union-Nationalmannschaft ihr Zuhause hat. Wen von beiden hat es wohl besser getroffen?

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
Der Artgenosse vom Twickenham Stadium.
Author: Maxwell Hamilton.
Creative Commons 2.0
Published in: on 11. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Neasden Hindutempel im Londoner Stadtteil Brent – Der größte Tempel dieser Religion außerhalb von Indien

Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

Wer einmal durch den nordwestlichen Londoner Stadtteil Brent gefahren ist, vielleicht auf dem Weg zum Wembleystadion, wird sich beim Anblick des Neasden-Hindutempels plötzlich nach Indien versetzt gefühlt haben.
Das prächtige Bauwerk heißt korrekt BAPS Shri Swaminarayan Mandir London und wurde am 20. August 1995 feierlich eröffnet. Es handelt sich hier um den größten Hindutempel außerhalb Indiens, der etwa £12 Millionen gekostet hat; eine Summe, die allein von der Londoner Hindugemeinde aufgebracht wurde.
Der Tempel besteht aus mehreren tausend Tonnen bulgarischem Kalkstein und italienischem Marmor, die zuerst nach Indien transportiert, dort von über 1000 Bildhauern bearbeitet und schließlich nach London gebracht wurden.
Der Tempel bildet das Zentrum einer großen hinduistischen Gemeinde in London; allein 40 000 Hindus wohnen im Stadtteil Brent, 45 000 im nahe gelegenen Harrow.

Das Gebäude wurde auf Grund seiner architektonischen Bedeutung mehrfach ausgezeichnet, sounter anderem 2007 mit dem „UK Pride of Place Award“ und schon kurz nach der Eröffnung 1996 mit dem “ Most Enterprising Building Award„.

Der Tempel ist zu besichtigen; man muss allerdings einige Verhaltensregeln beachten; so zum Beispiel den Tempel ohne Schuhe betreten, keine kurzen Röcke oder Shorts tragen, sein Mobiltelefon ausschalten – eigentlich Selbstverständlichkeiten.
Die nächste U-Bahnstation ist Neasden Station auf der Jubilee Line.

Hier ist ein Film über den Tempel.

Photo © Phillip Perry (cc-by-sa/2.0)
Author: HerryLawford.
Creative Commons 2.0
Published in: on 10. November 2021 at 02:00  Comments (1)  

The Lost Gardens of Heligan bei Pentewan – Eine der vielen Attraktionen in der Grafschaft Cornwall

Author: Brynn Avon.
Creative Commons 2.0

Dem Archäologen und Musikproduzenten (eine seltsame Kombination) Tim Smit ist es zu verdanken, dass die Lost Gardens of Heligan zu einer der Hauptattraktionen für Cornwallbesucher geworden sind. Die riesige Gartenanlage zählt zu den schönsten Englands und sie findet sich in der Nähe des Küstenortes Mevagissey, südlich von St. Austell.

Die Familie Tremayne hatte Heligan mehr als 400 Jahre bewirtschaftet. Im 1. Weltkrieg ging es leider bergab; die Gärtner wurden in den Krieg geschickt, die Anlage verwilderte. Ein Nachkomme der Familie Tremayne, John Willis, erbte Heligan im Jahr 1990 und lernte zufällig den oben erwähnten Tim Smit kennen, der sofort Feuer und Flamme war, diese Gartenanlage wieder zum Leben zu erwecken. Smit und sein Freund John Nelson, sowie einige Gartenbauspezialisten machten sich daran, Heligan wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen, was ihnen auch hervorragend gelungen ist.

Die Lost Gardens gliedern sich in mehrere Teile; es gibt da z.B. den „Dschungel„, in dem subtropische Pflanzen gedeihen, das „Verlorene Tal„, das an die ursprünglche Landschaft Cornwalls erinnnern soll, oder die „Pleasure Grounds„, ein Ziergarten mit Brunnen, Grotten und Pavillons.

Man kann problemlos einen ganzen Tag in Heligan verbringen und entdeckt immer wieder etwas Neues und Überraschendes.
Tim Smit hat noch ein weiteres Gartenbauprojekt in Cornwall geschaffen „The Eden Project„, das nicht weit entfernt liegt.

Hier ist ein stimmungsvoller Film über die sehenswerten Gärten in Cornwall.

The Lost Gardens of Heligan
Pentewan
St.Austell

Cornwall, PL26 6EN

The Sundial Garden.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)
The Jungle.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)
The Lost Valley.
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. November 2021 at 02:00  Comments (2)  

Lawrence of Arabias Steinplastik in Warehams St Martin’s Church, die keiner haben wollte

Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

Über T.E. Lawrences, besser bekannt als Lawrence of Arabia, Gedenkstätten in England habe ich in meinem Blog vor neun Jahren schon einmal berichtet und darin kurz seine Steinplastik in der St Martin’s Church in Wareham (Dorset) erwähnt. Geschaffen wurde sie von einem Freund von T.E.Lawrence, dem Bildhauer und Illustrator Eric Kennington (1888-1960), ein sogenannter „war artist“. Diese Künstler waren offiziell von der Regierung im Ersten und im Zweiten Weltkrieg damit beauftragt worden, die Kriege in künstlerischer Form aufzuarbeiten und die Leiden der Soldaten und der Bevölkerung im Bild festzuhalten.

Eric Kennington hatte auch Lawrences autobiografisches Werk „Seven Pillars of Wisdom“ (dt. „Die sieben Säulen der Weisheit“) illustiert. Die Steinplastik für seinen Freund war ursprünglich für die Londoner St Paul’s Cathedral gedacht, aber dort wollte man sie als Aufbewahrungsort nicht haben, denn Lawrence stand mit der britischen Regierung über Kreuz; er hatte seine Ernennung zum Ritter und mehrere Medaillen abgelehnt, da er die Haltung seiner Regierung gegenüber den Arabern scharf verurteilt hatte. Auch gab es Verschwörungstheorien, was seinen Tod betraf (waren die britischen Geheimdienste involviert?)

Kenningtons Skulptur wurde als nächstes der Londoner Westminster Abbey angeboten, die aber ebenfalls dankend ablehnte. Wie wäre es denn mit der Kathedrale von Salisbury? Thank you, no, sagte man dort. So blieb nur noch die kleine, fast tausend Jahre alte Kirche von St Martin’s in Wareham über, die dem steinernen Lawrence bis heute Asyl gewährt. Besucher aus aller Welt kommen seitdem hierher, um Lawrence of Arabia Tribut zu zollen. Dieser kurze Film zeigt St Martin’s und die Steinplastik.

T.E. Lawrences Grabstätte liegt auf dem Kirchhof von St Nicholas in Moreton, einige Kilometer westlich von Wareham.

St Martin’s in Wareham.
Photo © Pam Goodey (cc-by-sa/2.0)
T.E. Lawrences Grabstelle in Moreton (Dorset).
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 8. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

John Edgington and Co. – Exklusiver Hersteller von Henkerseilen

Author: Eitan Ferman.
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Old Kent Road Nummer 108, so lautete die Adresse der alteingesessenen Londoner Firma John Edgington and Co., die 1805 gegründet wurde. Das Familienunternehmen produzierte unter anderem Zeltplanen und ähnliche Dinge, doch sie hatte in ihrem Portfolio ein ganz spezielles Produkt, für das sie in Großbritannien und dem gesamten Commonwealth die Exklusivrechte hatte: Henkerseile. Hier an der Ausfallstraße aus London im Südosten der Stadt (heute die A2) wurden ab 1888 diese Seile hergestellt, mit denen zum Beispiel die Henker John Ellis, Albert Pierrepoint und Harry Allen zum Tode Verurteilte ins Jenseits beförderten.

Auftraggeber für die Herstellung der Seile war die Prison Commission of the Home Office. Das optimale Material für die Seile war Hanf; im Laufe der Jahrzehnte nahm John Edgington and Co. immer wieder Veränderungen daran vor (von „Verbesserungen“ möchte ich hier lieber nicht sprechen). Kurz vor dem Einsatz eines solchen Henkerseils wurde es gedehnt, in dem man einen Sandsack, der in etwa das Gewicht des „Opfers“ hatte, durch die Klappe unter dem Galgen fallen und ihn über Nacht hängen ließ. Dadurch wurde die Dicke des Seils reduziert, das sich dann beim tatsächlichen Akt nicht mehr dehnen konnte und den Tod des armen Menschen beschleunigte.

Jedes dieser Henkerseile durfte in Großbritannien nur einmal für Hinrichtungen benutzt werden (ich weiß nicht, was danach mit ihnen geschah). In den Commonwealthstaaten dagegen sah man das nicht so eng und hielt nichts von Einwegseilen. Diese Staaten schickten John Edgingtons Produkte in die Firma zurück, wo sie überprüft, gegebenenfalls wieder instandgesetzt und anschließend zur erneuten Verwendung an die Absender geschickt wurden. Nachdem die Todesstrafe in Großbritannien im Jahr 1965 durch den Murder (Abolition of Death Penalty) Act abgeschafft worden war, stellte die Firma die Produktion ein.

Die Werkstätten John Edgingtons an der Old Kent Road 108 lagen in etwa dort, wo jetzt mehrere große Wohnblocks hochgezogen worden sind, gegenüber von einem Aldi.

Published in: on 7. November 2021 at 02:00  Comments (1)  

Blists Hill Victorian Town in Telford (Shropshire)

Der Chemist Shop.
Photo © David Hallam-Jones (cc-by-sa/2.0)

Im Sommer des Jahres 2020 strahlte die BBC eine vierteilige Dokumentation namens „Victorian Pharmacy“ aus, die sich mit dem Thema beschäftigte, welche Rolle Medikamente in der viktorianischen Ära spielten und welche mehr oder weniger fragwürdigen pharmazeutischen Produkte damals angewendet wurden (hier ist die erste Folge zu sehen). Gedreht hat man die Doku im Chemist Shop der Blists Hill Victorian Town in Telford in der Grafschaft Shropshire. Blists Hill ist eine Art Freilichtmuseum auf einem ehemaligen Industriegelände, in dem die Besucher das Leben im 19. Jahrhundert in dieser Region nachvollziehen können. Die Museumsdichte hier in der Geburtsstätte der Industriellen Revolution ist sehr hoch, der Ironbridge Gorge Museum Trust unterhält zehn davon, auch die Victorian Town gehört dazu.

Es handelt sich hierbei um eine Familienattraktion, bei der auch Kinder auf ihre Kosten kommen; so gibt es auf dem weitläufigen Gelände einen Victorian Fairground, einen Süßigkeitenladen und eine Bergwerksbahn. Das New Inn Public House sorgt für die erforderlichen Erfrischungen zwischendurch, bevor man sich dann vielleicht die Candle Factory oder die Druckerei ansieht. Wer möchte kann in der Bank gleich am Anfang des Rundgangs sein Geld in alte Münzen aus der viktorianischen Zeit umtauschen und damit auf dem Gelände auch bezahlen.

Die Gebäude der Victorian Town sind zum Teil von auswärts hierher gebracht und neu errichtet worden, manche wiederum sind Replikas von anderen Gebäuden. Schon seit 1973 existiert das Open Air Museum, das ständig erweitert und verbessert worden ist.

Dieser Film zeigt einen Rundgang über das Gelände von Blists Hill.

Blists Hill Victorian Town
Legges Way
Telford TF7 5UD

Photo © Ashley Dace (cc-by-sa/2.0)
Der Fairground.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)
Author: Andrew-M-Whitman.
Creative Commons 2.0
Relikte einer ehemaligen Ziegelbrennerei.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 6. November 2021 at 02:00  Comments (1)  

Famous Graves – Montague John Druitts Grabmal auf dem Wimborne Cemetery in Dorset

Author: Stoutcob.
Creative Commons 2.0

Wie viele Verdächtige hat es wohl schon in dem berühmten Fall des Londone Serienmörders Jack the Ripper gegeben? Da wurde unter vielen anderen jemand genannt, der eng mit dem Königshaus verbunden war, ein Maler, Walter Sickert, den die US-amerikanische Schriftstellerin Patricia Cornwell definitiv als Jack the Ripper zu entlarven meinte und ein gewisser Montague John Druitt, den Assistant Chief Constable Sir Melville Macnaghten von der Londoner Metropolitan Police als Hauptverdächtigen einstufte.

Montague John Druitt lebte von 1857 bis 1888, studierte am New College in Oxford, war Rechtsanwalt und unterrichtete an der Londoner Blackheath School und war ein ausgezeichneter Cricketspieler. Seine Mutter und seine Großmutter waren geisteskrank, und Druitt machte sich auch selbst Sorgen über seine mentale Stabilität. Kurz nach dem Tod des letzten Ripperopfers kursierten Gerüchte, dass der Arztsohn etwas mit den Morden zu tun haben könnte, und als im Dezember 1888 seine Leiche in der Themse treibend gefunden wurde, er hatte sich das Leben genommen, und die Mordserie aufhörte, nahmen die Verdachtsmomente zu. Doch ob Druitt nun wirklich der Ripper war, konnte nie bewiesen werden, er nahm das Geheimnis mit in sein Grab (selbst seine Familie, so heißt es, soll ihn für den Serienmörder gehalten haben).

Dieses Grab ist auf dem Friedhof von Wimborne in der Grafschaft Dorset zu finden, in der Stadt, in der er auch geboren wurde. In Sektion 8 des Wimborne Cemetery erinnert ein weißes Marmorkreuz an den Mann. Die Inschrift nennt nur sein Todesdatum, den 4. Dezember 1888, und dass er 31 Jahre alt geworden war.

Hier ist ein Film über den Ripper-Verdächtigen.

Montague John Druitt.
This file is in the public domain.

Published in: on 5. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Knife Angel – Eine beeindruckende Skulptur, die auf die steigende Messerkriminalität aufmerksam macht

The Knife Angel vor der Kathedrale von Chester.
Photo © John S Turner (cc-by-sa/2.0)

Immer wieder liest und hört man von Verbrechen in London, bei denen Messer im Einsatz waren. Die steigende Messer-Kriminalität macht den Bewohnern der Stadt zunehmend Sorge. Doch auch außerhalb der Hauptstadt werden immer häufiger Messer verwendet, mit der Folge, dass Menschen schwer verletzt oder getötet werden.

Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen entstand im Jahr 2018 das National Monument Against Violence & Aggression, kurz The Knife Angel genannt. Geschaffen wurde der „Messerengel“ von dem Londoner Künstler Alfie Bradley, in Zusammenarbeit mit dem British Ironworks Centre in Oswestry in Shropshire. Alfie Bradley hat sich einen Namen gemacht durch seine ungewöhnlichen Kunstwerke wie dem Spoon Gorilla, der aus 40 000 Löffeln besteht, und der für den Löffelverbieger Uri Geller hergestellt wurde.

Für seinen fast neun Meter hohen Knife Angel verwendete Alfie Bradley 100 000 Messer, die der Polizei bei einer Kampagne anonym übergeben werden konnten, beziehungsweise, die bei Verbrechen im Einsatz gewesen waren und die die Polizei beschlagnahmt hatte. Auf vielen dieser Messer waren sogar noch Blutspuren zu sehen. Angehörige von Opfern von Messerattacken bekamen die Gelegenheit, Botschaften auf die Schneiden gravieren zu lassen, wovon einige auch Gebrauch machten.

Die in Oswestry angelieferten Messer wurden auf einen Stahlrahmen und auf Stahlplatten geschweißt, mit dem Effekt, dass die Figur wie ein gefiederter Engel aussieht. Nach der Fertigstellung wurde der Knife Angel vor der Kathedrale von Derby feierlich aus der Taufe gehoben (hier im Film zu sehen) und begann bald darauf seine „Tournee“ durch das ganze Land. Liverpool und die Anglican Cathedral war die erste Station, es folgten Hull, Coventry und Birmingham. Ab heute steht die Skulptur bis zum 29. November in Blackburn in Lancashire.

Photo © John S Turner (cc-by-sa/2.0)
In Gateshead (Tyne and Wear).
Photo © Les Hull (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 4. November 2021 at 02:00  Comments (2)  

The Black Lion – Ein Pub im Londoner Stadtteil Hammersmith und eine makabere Geschichte aus dem Jahr 1804

Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Red Lion-Pubs gibt es wie Sand am Meer in England; die Gattung der Black Lions ist nicht so stark vertreten, einige davon kann man in London antreffen. Das Gasthaus, um das sich mein heutiger Blogeintrag dreht und das The Black Lion heißt, liegt dicht an der Themse im Londoner Stadtteil Hammersmith, nur wenige hundert Meter von The Dove entfernt, den ich an dieser Stelle schon einmal porträtiert habe.

Passenderweise liegt der Pub in der South Black Lion Lane (Nummer 2), der Thames Path führt direkt daran vorbei. Links neben der Eingangstür trifft man auf eine große schwarze Tafel, auf der die Geschichte, um die es sich heute in meinem Blog dreht, skizziert ist.

Im Jahr 1804 soll der sogenannte Hammersmith Ghost in der Umgebung des Pubs sein Unwesen getrieben und mehrere Anwohner erschreckt und sogar attackiert haben. Man erzählte sich damals, dass es sich bei dem ganz in Weiß gekleideten Geist um einen Mann gehandelt haben soll, der Selbstmord begangen hatte und auf dem nahe gelegenen Friedhof beerdigt worden war. Viele, vor allem Frauen, hatten Angst, sich im Dunklen in der Nähe des Pubs aufzuhalten. Das geht so nicht weiter sagte, sich eine Gruppe junger Männer, darunter ein gewisser Francis Smith, da müssen wir einschreiten. Nach einigen Pints, um sich Mut anzutrinken, machte sich Francis am Abend des 3. Januars auf den Weg, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. Und siehe da, er brauchte gar nicht lange warten, da sah er eine weißgekleidete Gestalt, die auf ihn zukam. Francis zögerte nicht lange, legte mit seiner Büchse an und erschoss den Geist. Meines Wissens kann man Geister gar nicht erschießen, und als Francis sich die auf dem Boden liegende Gestalt näher ansah, merkte er, dass er einen schweren Fehler begangen hatte. Der vermeintliche Geist war gar keiner, sondern ein Maurer, der in seiner weißen Arbeitskleidung auf dem Weg nach Hause war. Entsetzt trug Francis den Mann, der James Millwood hieß, in den Black Lion, wo ein herbeigerufener Arzt nur noch dessen Tod feststellen konnte.

Der Schütze wurde zum Tod verurteilt, die Strafe dann aber doch in ein Jahr Zwangsarbeit umgewandelt, weil Francis in gutem Glauben gehandelt und Millwood für einen echten Geist gehalten hatte. Noch heute soll der erschossene Maurer im Black Lion spuken.

The Black Lion
2 South Black Lion Lane
Hammersmith
London W6 9TJ

Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 3. November 2021 at 02:01  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Harvey Edgington and Lauren Taylor: National Trust on Screen

Foto meines Exemplares.

Im Jahr 2003 gründete Harvey Edgington das National Trust Filming and Locations Office, zwei Jahre später stieß Lauren Taylor dazu; beide sind absolute Spezialisten darin, für Filme die passenden Drehorte zu finden, und welche Organisation in England kann eine breitere Palette bieten als der National Trust?

In ihrem 2020 erschienen Buch „National Trust on Screen: Discover the Locations That Made Film and TV Magic“ stellen Edgington und Taylor auf 143 Seiten die wichtigsten Häuser, Parks und Landstriche des National Trusts (N.T.) vor, die für Filmarbeiten verwendet wurden. In jedem Monat finden, so steht es in der Einleitung des Buches, durchschnittlich neun Dreharbeiten auf Besitztümern des N.T. statt. Das Filming and Locations Office ist Ansprechpartner der Filmproduktionsfirmen für alle Fragen im Vorfeld und während der Dreharbeiten, ob es jetzt um das Catering, das Parken der LKWs oder andere logistische Dinge geht.

Hier sind einige Beispiele für N.T.-Drehorte:

Die Lacock Abbey und das Lacock Village in Wiltshire gehören zu den am häufigsten genutzten Drehorten. Mehrere Harry Potter-Folgen wurden hier gedreht, sowie die Filme „The Other Boleyn Girl“ (2008), „Pride and Prejudice“ (1995), „Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald“ (2018), die TV-Serien „Downton Abbey“ (2010-2015) und „Cranford“ (2007 und 2009), um nur einige wenige zu nennen.

Ähnliches gilt für das sehr gefragte Ashridge Estate bei Berkhamstead in Hertfordshire, günstig gelegen zu einigen Filmstudios. Auch hier wurden Dreharbeiten zu einigen Harry Potter-Filmen durchgeführt, zu „Robin Hood“ (2010) mit Russell Crowe und „Maleficent“ (2014) mit Angelina Jolie.

Die wunderschöne Hardwick Hall in Derbyshire diente als Kulisse für die Filme „Harry Potter and the Deathly Hallows“ (2010) und „Mary Queen of Scots“ (2019).

Eine sehr interessante Lektüre für alle an „film locations“ Interessierte!

Harvey Edgington and Lauren Taylor: National Trust on Screen: Discover the Locations That Made Film and TV Magic. Pitkin Publishing 2020. 143 Seiten. ISBN 978-1-84165-866-7.

Lacock Abbey.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
Hardwick Hall.
Photo © Jeff Buck (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. November 2021 at 02:30  Kommentar verfassen  

Die Cat&Fiddle Road (A537) – Eine der gefährlichsten Straßen Englands

Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)

Nach einem Bericht der Road Safety Foundation, der allerdings schon einige Jahre zurückliegt und der die unfallträchtigsten Straßen Großbritannien ermittelt hat, gehört der Spitzenplatz der A537, die von Macclesfield in Cheshire nach Buxton in Derbyshire  mitten durch den Peak District führt. Die von den Einheimischen „Cat & Fiddle Road“ genannte Straße (nach dem gleichnamigen Pub an der Strecke), ist landschaftlich sehr schön und sollte eigentlich zu einem eher gemächlichen Fahrstil verleiten, aber leider ist das Gegenteil der Fall. Die Mischung aus Schwerlastverkehr, von Touristen gelenkten Fahrzeugen und rücksichtslos überholenden, viel zu schnellen Motorrädern führt zu der hohen Unfallrate auf dieser Straße.

Die meisten tödlichen Unfälle bzw. Unfälle mit Schwerverletzten ereignen sich an Sommerwochenden, tagsüber und bei trockenen Straßenverhältnissen. Sicher, die A537 ist sehr kurvenreich, zeitweise geht es auch steil abwärts, und begrenzt ist die Straße häufig durch Steinmauern oder nacktes Felsgestein, aber durch ein defensiveres Fahrverhalten hätten sich die meisten Unfälle sicher vermeiden lassen.

Ich habe selbst in England häufig riskante Überholmanöver von Motorradfahrern miterlebt, die sich nicht im geringsten um die zulässige  Höchstgeschwindigkeit gekümmert haben. So sind auch auf der A537 der mit Abstand größte Teil der Todesopfer männliche Motorradfahrer mit dem Durchschnittsalter von 35 Jahren, die nicht aus der Region kommen und mit der Straße nicht vertraut sind.

Die gefährlichsten Straßen Großbritanniens liegen fast alle im Norden im Bereich Derbyshire, Yorkshire, Lancashire. Hier sind die Top Ten der Straßen mit den meisten Unfällen:

A537 Macclesfield to Buxton – Cheshire/Derbyshire
A5012 Pikehall to Matlock – Derbyshire
A621 Baslow to Totley – Derbyshire/South Yorkshire
A625 Calver to Sheffield – South Yorkshire
A54 Congleton to Buxton – Derbyshire
A581 Rufford to Chorley – Lancashire
A5004 Whaley Bridge to Buxton – Derbyshire
A675 Blackburn to Preston – Lancashire
A61 Barnsley to Wakefield – South/West Yorkshire
A285 Chichester to Petworth – West Sussex

Hier ist ein Film über eine Fahrt auf der A 537.

Photo © Gary Rogers (cc-by-sa/2.0)
Photo © Dave Dunford (cc-by-sa/2.0)
The Cat and Fiddle Inn.
Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 1. November 2021 at 02:00  Comments (4)