The National Covid Memorial Wall in London

Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)

Zum Abschluss des Jahres 2021 soll mein letzter Blogeintrag an die vielen Menschen erinnern, die seit Beginn der Pandemie in Großbritannien an oder mit Covid gestorben sind, und zwar mit einem Hinweis auf die National Covid Memorial Wall in London, auf die bisher über 150 000 Herzen gemalt worden sind, stellvertretend für je ein Pandemieopfer im Land. Die Mauer ist 500 Meter lang, und sie steht gegenüber vom Westminsterpalast am Südufer der Themse. Organisiert wurde das Projekt von Covid-19 Bereaved Families for Justice, einem Zusammenschluss von Familienangehörigen, die jemanden in ihrem Kreis an Covid verloren haben. Ende März wurden die ersten Herzen auf die Mauer gemalt, und es bleibt zu hoffen, dass bald niemand mehr weitere Herzen malen muss und die Pandemie keine weiteren Opfer fordert.

Hier hat jeder die Möglichkeit an der Wand entlang zu gehen und sich einige anrührende Worte von Angehörigen von Covidopfern anzuhören.

Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)

Zum Jahresende möchte ich mich bei allen in der ganzen Welt bedanken, die meinen Blog lesen, mir zum Teil schon viele Jahre die Treue halten und sich für meine Blogthemen interessieren.
THANK YOU VERY MUCH!!!

Published in: on 31. Dezember 2021 at 02:00  Comments (4)  

The Crypt – Ein Horrorladen mit angeschlossenem Café in Blackpool

Die Birley Street ist eine Fußgängerzone in Blackpool, vor allem bekannt durch seine Arches, ein Kunstwerk namens „Brillance“ („a party-inducing flashdance down a central pedestrianised street under sparkling steel arches“, so die Webseite Cool Places), hier zu sehen.

In der Hausnummer 31 befindet sich ein Dorado für Horrorfans, ein Laden/Café/Museum namens The Crypt. Hier trifft man sie alle, die liebgewordenen Figuren aus Horrorfilmen: Freddy Krueger, Frankenstein, Nosferatu, den Mann mit der Kettensäge aus „The Texas Chainsaw Massacre“ und viele andere.

Es gibt hier schrecklich anzusehende Masken zu kaufen, die jeder Halloween-Party Ehre machen würden, Kaffeebecher mit allen möglichen Aufschriften (Witches Brew, White Witch Cauldron Mug), T-Shirts mit Horrormotiven und überall werden die Besucher mit Totenköpfen, Zombies und grinsenden Clownsmasken konfrontiert. In der Toilette wartet ein riesiges Poster mit dem Weißen Hai aus dem gleichnamigen Film, der gierig nach einer jungen Frau schaut, die über ihm auf einer Luftmatratze schwimmt.
Zwischen diesen vielen Horrorgestalten kann man dann einen Kaffee oder Tee trinken oder eine Kleinigkeit essen, wenn man sich nicht daran stört, dass einem dabei Nosferatu über die Schulter schaut.
Der Laden hat jeden Tag des Jahres von 11 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.

The Crypt
31 Birley Street

Blackpool
Lancashire
FY1 1EG

Published in: on 30. Dezember 2021 at 02:00  Comments (4)  

Die Titanic Brewery in Burslem (Staffordshire) und ihre Biernamen

Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

1985 gründeten die Brüder Keith und Dave Bott in Burslem bei Stoke-on-Trent in der Grafschaft Staffordshire die Titanic Brewery, die nicht nur eine Vielzahl an Bieren herstellt, sondern auch noch acht Pubs und vier Cafébars besitzt. Zu den Pubs gehören beispielsweise The Royal Blenheim in Oxford, The Cheshire Cheese in Buxton (Derbyshire) und The Roebuck in Leek (Staffordshire).

Doch ich möchte mein Augenmerk auf die Biernamen richten, die die Titanic Brewery ihren Bieren gegeben hat. Einige davon orientieren sich nämlich an dem Schiff Titanic, das in der Nacht des 14. April 1912 mit einem Eisberg im Nordatlantik kollidierte und beim Untergang über 1500 Menschen mit in den Tod riss.

Das Unglück ereignete sich auf dem Längengrad 50.14 W und so heißt eines der Biere auch Longitude 50.14 West.

Da das Schiff mit einem Eisberg zusammenstieß, heißt ein Bier Iceberg, während ein anderes Steerage heißt, auf Deutsch Zwischendeck, wo sich viele der Emigranten aufhielten. Es gibt auch ein Bier namens First Class, dort wohnten die betuchten Atlantiküberquerer.

Weiter geht es mit dem „strong, golden ale“ White Star, das an die Reederei erinnert, unter deren Flagge die Titanic lief, und Captain Smith, der Name des Schiffsführers Edward John Smith, der in den Fluten des Atlantiks starb.

Und dann wurde noch eines der Biere aus der Titanic Brewery Lifeboat benannt, nach den Rettungsbooten, von denen es auf dem Schiff leichtsinnigerweise viel zu wenige gab.

Brauereiführungen finden regelmäßig einige Male im Monat statt.

Hier ist ein Film über die Brauerei.

Titanic Brewery
Callender Place
Lingard Street
Burslem,
Stoke-On-Trent, Staffordshire. ST6 1JL

Siehe auch meinen früheren Blogeintrag über Burslem.

Photo: wonker.
Creative Commons 2.0
Published in: on 29. Dezember 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Lucy Shapland – Eine junge Künstlerin aus Dorset und ihre Wildlife Art

Foto meines tea towels.

Vor einigen Jahren stellte ich in meinem Blog die Künstlerin Nicola Metcalfe aus Marlow in Buckinghamshire vor, die ich mittlerweile auch schon zweimal persönlich treffen und kennenlernen konnte und deren künstlerische Tätigkeit ich sehr schätze.

Lucy Shapland aus Dorset erinnert mich an Nicola, obwohl ihr künstlerisches Schaffen unterschiedlich ist. Beide entwerfen zum Beispiel Grußkarten und „tea towels“. Lucy Shapland hat sich auf Tiermotive spezialisiert, denn ihr Leben lang lagen ihr Tiere am Herzen. Sie hat Zoologie studiert, und sie arbeitete als Tierpflegerin im Longleat Safari Park in Wiltshire. Dann entdeckte sie ihre künstlerische Ader und widmet dieser immer mehr Zeit.

Ich bekam diese Weihnachten von Lucys Tante Lynda Pattison aus Cardiff ein tea towel geschenkt, das ein wunderschön gemaltes Alpaka zeigt mit der Aufschrift „Did Somebody Say Cake?“. Als Geschirrabtrockentuch ist mir das eigentlich zu schade, und ich werde es einrahmen.

Ich bin schon seit vielen Jahren mit Lucys Tante befreundet und davor mit Lucys Großmutter Janet Shapland, die ich in Moorlinch in Somerset kennenlernte, wo sie im Shop eines Weingutes arbeitete. Leider ist Janet vor einigen Jahren verstorben.

Ich wünsche Lucy Shapland viel Erfolg mit ihren künstlerischen Tätigkeiten; ausgestellt hat sie ihre Werke schon, wie in der Mall Gallery in London und im Salisbury Art Centre.

Published in: on 28. Dezember 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Zwei Bänke in Liverpool mit Beatles bezogenen Themen Teil 2: Die Eleanor Rigby-Bank in der Stanley Street

Photo © john driscoll (cc-by-sa/2.0)

Am 5. August 1966 erschien eine Single der Beatles mit gleich zwei A-Seiten: „Yellow Submarine“ und „Eleanor Rigby„. Beides sind Welthits geworden; ich möchte mich heute aber nur mit dem zweiten Song beschäftigen.
All the lonely people where do they all come from“ heißt es dort, und eine Frau namens Eleanor Rigby steht im Mittelpunkt des Songs, eine einsame Frau, ohne Freunde, die auch einsam stirbt („Died in the church and was buried along with her name Nobody came„) und vom Pfarrer McKenzie beerdigt wird. John Lennon und Paul McCartney müssen wohl an dem Tag, an dem sie diesen Song schrieben, ziemlich depressiv gewesen sein.

In der Stanley Street in Liverpool, ganz in der Nähe des Cavern Clubs, ist für Eleanor Rigby eine Gedenkbank errichtet worden, auf der sie auf der einen Seite sitzt und noch Platz lässt für andere. Niemand Geringeres als der Rocksänger Tommy Steele hat diese Figur entworfen und auch hergestellt. Steele feierte in den 1950er und 1960er Jahre seine größten Erfolge als Sänger und Schauspieler. Nur wenige wussten, dass er auch in späteren Jahren ein guter Bildhauer war. Tommy Steele bot der Stadt Liverpool an, die Statue von Eleanor Rigby für „Half a sixpence“ anzufertigen, so lautete der Titel eines seiner Filme aus dem Jahr 1967. Liverpool akzeptierte gern und am 3. Dezember 1982 wurde die Bank in der Stanley Street mit der Bronzefigur namens Eleanor Rigby vom Künstler persönlich eingeweiht. Auf einer Plakette hinter der Bank steht geschrieben:
„ELEANOR RIGBY
DEDICATED TO
„ALL THE LONELY PEOPLE…“
This statue was sculpted and donated to the City of Liverpool
by Tommy Steele as a tribute to the Beatles.
The casting was sponsored by the Liverpool Echo.
DECEMBER 1982″

Eine Bemerkung am Rande: Auf dem Friedhof der St Peter’s Parish Church in Woolton, einem Stadtteil im Südosten Liverpools, gibt es einen Grabstein, auf dem tatsächlich der Name Eleanor Rigby eingemeißelt ist, die am 10. Oktober 1939 im Alter von 44 Jahren starb. Die Beatles haben immer abgestritten, dass sie den Namen als Anregung für ihren Song genommen haben und von dem Grabstein gar nichts wussten. War das wirklich Zufall? Hier ist ein Film über die Grabstelle.

Photo © Peter Tarleton (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 27. Dezember 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Zwei Bänke in Liverpool mit Beatles bezogenen Themen Teil 1: The Stuart Sutcliffe Memorial Bench auf dem Huyton Parish Church Cemetery

Photo: Rodhullandemu.
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Stuart Fergusson Victor Sutcliffe war eine tragische Person; er wurde gerade einmal 21 Jahre alt. Am 23. Juni 1940 wurde er in Edinburgh geboren und starb am 10. April 1962 an einer Hirnblutung in Hamburg, wo er an der Hochschule für bildende Künste studiert hatte. Sutcliffe hatte nur einen sehr kurzen „claim to fame“ in der britischen Musikgeschichte als er bei der Gründung der Beatles mit dabei war und mit ihnen 1960 in Hamburg auftrat, wo sie noch kaum jemand kannte. Nachdem er in der Hansestadt die Studentin Astrid Kirchherr (1938-2020) kennengelernt hatte, beschloss er in Deutschland zu bleiben und die Band zu verlassen. So ganz wohl fühlte sich Sutcliffe auf der Bühne nie, ihn zog es mehr in die Kunstszene, und er hatte eine ausgesprochene Vorliebe für die Malerei.

Nach seinem Tod holte ihn seine Mutter zusammen mit dem Beatles-Manager Brian Epstein nach Liverpool zurück, wo er auf dem Friedhof der Huyton Parish Church St Michael beigesetzt wurde. Am zehnten Jahrestags seines Todes, am 10. April 1972, wurde dort die Stuart Sutcliffe Memorial Bench errichtet. In Anwesenheit mehrerer Familienmitglieder durchschnitt Stuarts Schwester Joyce das quer über die Bank gespannte Band. Die Banklehne trägt die Aufschrift:
In loving memory of Stuart Sutcliffe 23.06.1940 – 10.04.1962 – 21 years old
Painter, poet, artist, musician & founder member of the Beatles. Love from family & friends
„.

Die Huyton Parish Church liegt am Ostrand von Liverpool an der Einmündung des Blue Bell Lane in die Archway Road, die B5199.

Photo: Rodhullandemu.
Creative Commons 4.0
Published in: on 26. Dezember 2021 at 02:00  Comments (2)  

Das älteste Baumhaus der Welt auf dem Gelände von Pitchford Hall in Shropshire

Photo © Colin Park (cc-by-sa/2.0)

Pitchford Hall in Shropshire ist eines der schönsten elisabethanischen Häuser Englands, etwa 8 km südöstlich von Shrewsbury gelegen. Auf dem Gelände der Hall steht ein Kuriosum, das älteste Baumhaus der Welt.

Irgendwann im 17. Jahrhundert wurde es erbaut und erstmals 1692 erwähnt. 1760 und 1980 wurde es noch einmal komplett renoviert. Das Baumhaus ist im gleichen Stil gehalten wie das Haupthaus und sitzt etwa vier Meter über dem Boden in einer mehrere Jahrhunderte alten Linde. Es verfügt über eine Eingangstür, drei gotische Fenster und auch das Innere wurde in gotischem Stil gestaltet.

Queen Victoria besuchte Pitchford Hall einmal als dreizehnjähriges Mädchen und ließ es sich nicht nehmen, auch einmal in das Baumhaus zu klettern.

Hin und wieder ist es möglich, das Baumhaus zu besichtigen und zwar über Invitation to View (siehe dazu meinen Blogeintrag). Hier ist ein kurzer Film über das Tree House.

Pitchford Hall.
Photo © Colin Park (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 25. Dezember 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Christmas Truce – Der Weihnachtsfriede am Heiligen Abend 1914 im Ersten Weltkrieg

Memorial to the Christmas Truce 1914 im National Memorial Arboretum.
Photo © Martin Dawes (cc-by-sa/2.0)

Einer der bewegendsten Momente in den Grauen des Ersten Weltkriegs war, als am Heiligen Abend des Jahres 1914 an mehreren Teilen der Front die Soldaten auf beiden Seiten spontan ihre Gewehre weglegten, aus den Schützengräben herauskamen und gemeinsam Weihnachten feierten. Nachdem jede Seite für sich Weihnachtslieder angestimmt hatte und sich gegenseitig versichert hatte, nicht aufeinander zu schießen, tauschte man kleine Geschenke aus, stellte Weihnachtsbäume auf, rauchte Zigaretten miteinander, ja, man tauschte sogar Namen und Adressen miteinander aus. Die deutschen Soldaten bekamen Christmas Pudding angeboten, den die meisten sicher noch nie vorher probiert hatten. Spontan wurden Fußballspiele auf dem gefrorenen Boden ausgetragen, in Ermangelung an Fußbällen taten es auch Büchsen. Eines dieser Spiele fand in der Nähe des belgischen Dorfes Ploegsteert statt, wo Männer der Sächsischen Armee gegen die Argyll and Sutherland Highlanders spielten.

An einigen Teilen der Front beerdigten Soldaten aus beiden Lagern gemeinsam gefallene Kameraden. Am nächsten Tag wurde wieder aufeinander geschossen…leider nicht auf die, die für den Wahnsinn Erster Weltkrieg verantwortlich waren.

Einige Memorials erinnern an diesen denkwürdigen Heiligen Abend des Jahres 1914 wie das im National Memorial Arboretum bei Alrewas in Staffordshire und die von Andrew Edwards geschaffene Bronze „All Together Now“ auf dem Gelände der St Luke’s Church in Liverpool, die einen britischen und einen deutschen Soldaten zeigt, die sich gegenseitig die Hände reichen.

In diesem Musikvideo stellt die schwedische Band Sabaton den Weihnachtsfrieden 1914 nach.

„All Together Now“ auf dem Kirchhof von St Luke’s in Liverpool.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 24. Dezember 2021 at 02:00  Comments (3)  

Die unheimlichen Longdendale Lights im Peak District

Das Longdendale Valley mit dem Torside Reservoir.
Photo © Stephen Burton (cc-by-sa/2.0)

Auf dem Weg von West Yorkshire nach Glossop im Peak District bin ich einige Male auch durch das Longdendale Valley gefahren, eine Region östlich der Stadt Manchester, der man nachsagt, dass es hier zu unheimlichen Vorfällen kommt. Da mich meine Fahrten immer nur tagsüber durch dieses Gebiet führten, zwar meist bei grau verhangenem Himmel, kann ich keine eigenen diesbezüglichen Erfahrungen beisteuern.

Es geht hier überwiegend um die sogenannten Longdendale Lights, die von vielen Menschen gesichtet worden sind und deren Ursache bisher noch nicht eindeutig geklärt ist. Schon im 19. Jahrhundert wurden diese unheimlichen Lichterscheinungen gesichtet, die man damals „devil’s bonfires“ nannte. Noch heute wird hin und wieder die örtliche Bergrettung alarmiert, wenn diese Lichter auftauchen, weil man glaubt, dass es sich dabei um verirrte Wanderer handelt, die auf sich aufmerksam machen wollen. Es gibt Schilderungen von Menschen, die des Nachts durch das Tal gefahren und in ihren Autos mit den Lichtern konfrontiert worden sind. Was können die Ursachen für die Lichter sein? Da gehen die Meinungen weit auseinander; einige verbinden sie mit UFOs, realistischere Menschen meinen, sie können in Zusammenhang mit landenden Flugzeugen auf dem Manchester Airport stehen, was das Phänomen aber im 19. Jahrhundert nicht erklärt. Dann gibt es die Theorie, dass es sich bei den Longdendale Lights um elektrische Ladungen, hervorgerufen durch geologische Verwerfungen im Boden der Region, handeln könnte. Was auch immer dahinter steckt, im Longdendale Valley kann es manchmal schon recht unheimlich werden.

Glossops Howard Town Brewery hat ein Bier auf den Markt gebracht, dem sie den Namen Longdendale Lights gegeben hat. Vielleicht ist man nach dem Genuss einiger Gläser davon eher geneigt, die Lichter zu sehen… (obwohl der Alkoholgehalt des Bieres nur 3,9% beträgt).

Hier sind einige Lichtphänomene über Glossop zu sehen, und dieser Film gibt die Atmosphäre des Longdendale Valleys sehr gut wieder.

Das Longdendale Valley im Winter.
Photo © Benjamin Hopkins (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 23. Dezember 2021 at 02:00  Comments (3)  

Dunham Massey Hall (Greater Manchester) und die umstrittene Skulptur eines schwarzen Mannes

Photo © Peter Turner (cc-by-sa/2.0)

Im Zuge der Black Lives Matter Bewegung in den USA gerieten dort einige Denkmäler ins Fadenkreuz, die Personen darstellten, mit denen Teile der Bevölkerung nichts mehr zu tun haben wollten. Es ging hier überwiegend um das Thema Sklaverei.

Die Bewegung griff auch in Großbritannien um sich, und immer mehr Leute hinterfragten die Skulpturen, die hier schon seit Menschengedenken standen. Waren es diese Männer wirklich wert, in dieser Form geehrt zu werden? Für Schlagzeilen sorgte beispielsweise die gewaltsame Entfernung der Statue des Edward Colston am 7. Juni 2020 in Bristol (ich berichtete darüber in meinem Blog).

Für eine Kontroverse sorgte auch eine Figur vor dem Eingang zur Dunham Massey Hall (Greater Manchester), ein Anwesen bei Altrincham, das dem National Trust gehört. Die Skulptur zeigt einen knienden, schwarzen, halbnackten Mann, der auf seinem Kopf eine Sonnenuhr trägt. Seit dem frühen 18. Jahrhundert kniet der Mann schon hier, bei dem es sich um keinen Sklaven sondern einen „Mohren“ handeln soll. Sie wird dem englischen Bildhauer Andries Carpentière (1672-1737) zugeschrieben beziehungsweise dessen Lehrmeister John Nost. „Blackamoor“ wurde diese Kunstrichtung genannt, die immer schwarze Männer abbildete, oft in erniedrigender Art und Weise.

Im Juni 2020 entschied sich der National Trust, die Figur abzubauen, da sie zunehmend für Unmut sorgte und sie einer anderen Verwendung zuzuführen, die die Grausamkeiten des Sklavenhandels mit einbezieht. An der Stelle der Figur hat der National Trust eine Tafel aufgestellt, auf der er erklärt, warum der schwarze Mann mit der Sonnenuhr entfernt wurde.

Es gibt zwei Strömungen im Land: Die eine möchte alles entfernen, was noch an den Sklavenhandel erinnert, die andere betrachtet das Thema zwar als eine dunkle Seite der britischen Geschichte, meint aber, dass man das nicht einfach ausradieren kann, indem man Denkmäler entfernt, sondern dass man sich damit auseinandersetzen muss.

Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Charles Dickens, seine Schwägerin Mary Scott Hogarth und das Grab der jungen Frau auf dem Londoner Friedhof Kensal Green

Marys Grab in Kensal Green.
Photo: Connie Nisinger.
Creative Commons 3.0

Mary Scott Hogarth sollte nur 17 Jahre alt werden. Sie war die Schwägerin des berühmten Schriftstellers Charles Dickens und lebte von 1819 bis 1837. Ihre Schwester Catherine hatte ihn am 2. April 1836 geheiratet und die drei lebten zusammen in London, zuletzt unter der Adresse Doughty Street Nummer 48, in der sich heute das Charles Dickens Museum befindet. Der Schriftsteller hatte eine sehr enge Beziehung zu Mary. Sie bekam Dickens‘ Romane „The Pickwick Papers“ und „Oliver Twist“ als erste zu lesen, denn er schätzte das Urteil seiner Schwägerin sehr.

Als die junge Frau nach einem Theaterbesuch am 7. Mai 1837 nach Hause kam, brach sie plötzlich zusammen; ihr konnte nicht mehr geholfen werden, sie starb am Nachmittag des selben Tages, wahrscheinlich an einem Schlaganfall oder an Herzversagen. Dickens war untröstlich, war Mary doch eine sehr wichtige Person in seinem Leben, vielleicht sogar noch wichtiger als seine Ehefrau. Er nahm ihr auf dem Totenbett einen Ring ab, den er sein ganzes Leben lang tragen sollte. „She died in my arms, and the very last words she whispered were of me„. Marys Sterbezimmer ist im Charles Dickens Museum erhalten geblieben.

Charles Dickens kaufte eine Grabstelle für Mary auf dem Friedhof Kensal Green und ließ auf ihrem Grabstein die Worte eingravieren: „Young, beautiful and good. God in His mercy numbered her among His angels at the early age of seventeen„. Dickens äußerte den Wunsch, direkt neben ihr begraben zu werden, woraus aber nichts wurde, diese Stelle nahm Marys Bruder George ein, der 1841 starb.

Einige fanden damals Dickens‘ Verhalten seiner toten Schwägerin gegenüber etwas sonderbar und morbide. Charles‘ und Catherines Tochter, die am 6. März 1838 geboren wurde, erhielt den Vornamen Mary. Einige der Figuren aus Dickens‘ Romanen sind seiner Schwägerin nachempfunden wie beispielsweise Little Nell in „The Old Curiosity Shop“ (dt. „Der Raritätenladen“).

In diesem Film liest Simon Callow in bewegenden Worten aus einem Brief von Charles Dickens, in dem es um den Tod Marys geht.

Mary Hogarths Sterbezimmer im heutigen Charles Dickens Museum.
Photo: Gruenemann.
Creative Commons 2.0

Mein Buchtipp – David Reynolds: Slow Road to San Francisco

Foto meines Exemplares.

Heute machen wir einen Abstecher in die USA, wo David Reynolds vor einigen Jahren den Kontinent von Ost nach West auf dem Highway 50 durchquerte und darüber das Buch „Slow Road to San Francisco: Across the USA from Ocean to Ocean“ schrieb, 2020 erschienen.

Reynolds war einer der Gründer des Londoner Verlags Bloomsbury Publishing und hat schon einmal ein Buch über eine USA-Durchquerung geschrieben: „Slow Road to Brownsville: A Journey to the Heart of the Old West“ (2014); damals führte ihn seine Reise auf dem Highway 83 von Manitoba in Kanada nach Brownsville in Texas.

Ocean City im Bundesstaat Maryland ist der Ausgangspunkt der Reise des Londoners David Reynolds, der sich mit seinem Mietwagen viel Zeit lässt, um sein Ziel an der Westküste in San Francisco zu erreichen. Rund 5000 Kilometer muss er dabei bewältigen. Er ist immer darauf bedacht, mit den Amerikanern entlang der Route in Kontakt zu kommen, vor allem in den Bars und Restaurants, wo er sich mit Vorliebe an die Theke setzt; „elbow rubbing“ also. Durch seinen Londoner Akzent wird er immer gleich als Engländer erkannt, und er trifft fast nur auf aufgeschlossene, freundliche und hilfsbereite Menschen. David Reynolds interessiert sich sehr für die Themen „Sklaverei“ und „Indianer“ und sucht dabei Stätten an der US 50 auf, die damit in Zusammenhang stehen.
Spektakulär ist seine Beschreibung des Skyline Drives in Colorado, den er mit seinem Auto befährt, eine extrem schmale Straße direkt an einem steilen Abgrund. Weiter im Westen bewältigt der Londoner auch den Abschnitt der US 50, der als „the loneliest road in America“ genannt wird, eine über 400 Kilometer lange, nahezu menschenleere Strecke im Bundesstaat Nevada.

Das Buch ist hoch interessant und macht Appetit darauf, die US 50 einmal selbst zu befahren.

Zum Thema siehe auch meinen Buchtipp „Not Tonight Josephine: A Road Trip Through Small-Town America“ des Engländers George Mahood.

David Reynolds: „Slow Road to San Francisco: Across the USA from Ocean to Ocean“. Muswell Press 2020. 413 Seiten. ISBN 978-1-9161292-0-7.

Ocean City, Maryland, Ausgangspunkt der Reise David Reynolds‘.
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Das Ziel der Reise: San Francisco.
Photo: ncole458.
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Published in: on 20. Dezember 2021 at 02:00  Comments (3)  

„Come Play with Me“ – Ein Spielfilm aus dem Jahr 1977, der in das Guinness Buch der Rekorde Einzug fand

Photo: London Remembers.
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Das Moulin Cinema in Londons Great Windmill Street im Stadtteil Soho war einst stolz darauf, im Guinness Buch der Rekorde aufgenommen worden zu sein, denn hier lief vom April 1977 bis zum März 1981 sage und schreibe 201 Wochen lang ein Film mit dem Titel „Come Play with Me„; so lange wurde noch in keinem Kino Großbritanniens ein Film gezeigt. Das Kino gibt es mittlerweile nicht mehr. Eine blaue Plakette über Jack Solomons Bar in der Great Windmill Street Nummer 41 erinnert an das Moulin Cinema und den Film mit der langen Spielzeit (es ist allerdings keine offizielle Plakette des English Heritage).

Mary Millington (1945-1979) spielte in dem Film eine der Hauptrollen, eine Schauspielerin, die in den 1970er Jahren durch ihre Softporn-Filme speziell bei den männlichen Kinogängern sehr populär war. Und so gehört auch „Come Play with Me“ in die Kategorie Softporn, mit einem Schuss Comedy gewürzt, besser gesagt, mit einer gehörigen Portion Albernheiten, die die männlichen Akteure ins Spiel bringen. Damals wurden auch einige Hardcore-Szenen gedreht, die aber aus dem Film herausgeschnitten worden sind. Das überschaubare Filmbudget von £120 000 erzielte das x-fache an Einnahmen.

Gedreht wurde übrigens im Manor Country House Hotel in Weston-on-the-Green in Oxfordshire, ein Haus, das ich vor einigen Jahren besuchte. Über meine überwiegend negativen Erfahrungen schrieb ich in meinem Blog.

36 Jahre nach Mary Millingtons Tod erschien eine filmische Dokumentation über ihr Leben: „RespectableThe Mary Millington Story„, die auch auf DVD zu haben ist. „Come Play with Me“ ist ebenfalls noch als DVD lieferbar und im Netz leicht in voller Länge auffindbar.

Photo: London Remembers.
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Published in: on 19. Dezember 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein DVD-Tipp – The Pembrokeshire Murders

Copyright: EDEL MOTION

Wales ist zwar nicht mein Berichtsgebiet, doch mache ich heute einmal eine Ausnahme und stelle eine sehr interessante Mini-TV-Serie der ITV vor, die in Wales gedreht worden ist und die gerade in deutscher Synchronisation auf DVD bei EDEL MOTION erschienen ist: The Pembrokeshire Murders.

Pembrokeshire ist eine Grafschaft im Südwesten von Wales mit einer spektakulären Küstenlandschaft. Die TV-Serie wurde im Januar dieses Jahres erstmals ausgestrahlt und in Deutschland im März von Magenta TV gesendet. Die dreiteilige Serie beruht auf dem gleichnamigen Buch von Steve Wilkins, dem Untersuchungsbeamten der Polizei, der die Cold Cases, um die es hier geht, erneut aufrollte.

In den 1980er Jahren wurden zwei Doppelmorde in Pembrokeshire verübt, 1996 wurden fünf Teenager von einem Mann überfallen, der eines der Mädchen vergewaltigte. In keinem der Fälle konnte die Polizei den Täter ermitteln. Detective Superintendent Steve Wilkins nimmt im Jahr 2006 zusammen mit seinem Team die Fäden dieser alten Fälle wieder auf, weil er glaubt, dass der wegen anderer Delikte im Gefängnis sitzende John Cooper für die Taten verantwortlich ist. Ein Rennen gegen die Zeit beginnt für Wilkins, denn Cooper wird aus dem Gefängnis entlassen, und der Polizist befürchtet, dass der erneut Morde begehen könnte.

Sehr eindrucksvoll ist Luke Evans in der Rolle des Detective Superintendents, ebenso Keith Allen als John Cooper und Alexandria Riley als Detective Inspector Ella Richards. Gedreht wurde an den Originalschauplätzen in Pembrokeshire und in Studios in Cardiff.

Die DVD enthält Bonusmaterial in Form von Interviews mit den Hauptdarstellern und der Produktionscrew.

Hier ist ein kurzer Einblick in die Miniserie.

Die Küste von Pembrokeshire.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 18. Dezember 2021 at 02:00  Comments (1)  

Blaue Plaketten in London – Echt oder falsch?

Photo: Spudgun67.
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Über das Thema „Blaue Plaketten“ habe ich in meinem Blog am 7. Mai 2012 ausführlicher geschrieben, nach welchen Kriterien diese an englischen Häuserwände angebracht werden und welches Gremium darüber entscheidet.

Es gibt aber auch eine ganze Reihe von inoffiziellen und von gefälschten Gedenkplaketten. Mein Favorit ist im Londoner Stadtteil Muswell Hill in der Hillfield Avenue Nummer 118 zu finden. Dort hat eine Society for the Promotion of Historic Buildings eine Plakette angebracht mit der Inschrift „Carswell Prentice 1891-1964 inventor of the supermarket trolley stayed here in September 1932„; das mag schon ein ganz besonderes Ereignis damals im September 1932 gewesen sein, aber als Erfinder des Einkaufswagens gilt nicht Carswell Prentice sondern ein US-Amerikaner namens Sylvan Goldman, der Besitzer der Humpty Dumpty Supermarktkette in Oklahoma, der die Idee dazu im Jahr 1937 hatte. Die Society for the Promotion of Historic Buildings ist eine Firma in der Hillfield Avenue Nummer 118, die wunschgemäß Plaketten dieser Art herstellt.

Photo: Marvinbarretto.
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Am Londoner Hammersmith Broadway tauchte einmal eine blaue Plakette auf, auf der zu lesen stand „Rik Mayall 1958-2014 Punched his friend in the balls on a bench near this spot„, darunter war ein QR Code angebracht und darunter wiederum stand True English Heritage“, das war natürlich leicht als „Fake“ zu erkennen. Der QR Code führt übrigens zu diesem Filmchen (Rik Mayall war ein Comedian und Schauspieler).

Eine blaue Plakette für Boris Becker? Das würde nicht den Richtlinien von English Heritage entsprechen. Schon gar nicht das Ereignis auf das eine Plakette am Nobu Restaurant einmal in der Old Park Lane Nummer 19 hinwies. „Sex Cupboard 1999“ stand unter dem Namen des einstigen Tennisstars und erinnerte an ein Treffen dort zwischen BB und einem russischen Model, das in einem beengten Besenschrank stattfand und Folgen hatte.

Blue Plaque Spotting in London macht Spaß…vor allem, wenn man auf einige dieser falschen Plaketten stößt.

Published in: on 17. Dezember 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das Hencote Wine Estate in Shropshire

Die Zufahrt zur Winery.
Photo © Jeremy Bolwell (cc-by-sa/2.0)

Im Zuge des Klimawandels haben sich in England die Grenzen des Weinanbaus immer mehr nach Norden geschoben. Als das nördlichste kommerzielle Weinanbaugebiet gilt das Ryedale in North Yorkshire. Die Ryedale Vineyards sind sogar schon für ihre Weine ausgezeichnet worden.

In Shropshire, einer Grafschaft mit der man nicht automatisch das Thema Weinbau verbindet, liegt die Hencote Estate Winery, deren vorsichtige Anfänge aus dem Jahr 2009 datieren. Als die Besitzer Andy und Dora Stevens merkten, dass sich der Boden für Weinanbau sehr gut eignete, investierten sie viel Geld und heute verfügt das Weingut am Rande von Shrewsbury über einen guten Ruf.

Zum Verkauf stehen weiße, rote und Rosé-Weine und auch zwei Sparkling Wines, der Evolution und der Isadora. Was mir bei diesen Weinen auffällt, was auch für viele andere englische Weine zutrifft, ist der relativ niedrige Alkoholgehalt, in diesem Fall, ausgenommen ist der Isadora, liegen alle Weine bei unter 12%. Selbst der Amphora Pinot Noir, der stattliche £45 kostet, bringt es auf gerade einmal 11,5%. Mir, als Liebhaber kräftiger kalifornischer und australischer Weine, sind diese zu schwach. In diesem Film werden Weine aus Hencote vorgestellt.

Auf der Hencote Estate Winery gibt es auch ein Restaurant mit Blick auf Shrewsbury und die Shropshire Hills, passend The View genannt. Wem es hier gut gefällt, kann im Safari Lodge Glamping Village übernachten (ab £175), was sich nach einem wine-tasting anbietet.

Hencote Estate Winery
Hencote
Cross Hill

Shrewsbury, Shropshire, SY4 3AA

Das Restaurant The View.
Photo © Jeremy Bolwell (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 16. Dezember 2021 at 02:00  Comments (2)  

Lord Dunsany und die tödlichen Schüsse auf zwei Londoner Zebras

Das Londoner Schuhhaus John Lobb in der St James’s Street.
Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)

Meine erste Begegnung mit Edward John Moreton Drax Plunkett, 18. Baron Dunsany (1879-1957) war, als ich für meine Examensarbeit über Weird Fiction recherchierte und dabei auf diesen Schriftsteller stieß. Es gab einmal eine großartige Buchreihe in den 1970er Jahren im Insel-Verlag, die Bibliothek des Hauses Usher, herausgegeben von Kalju Kirde, den ich einmal persönlich kennen lernen durfte. Die 26 Bände der Reihe waren auf grünem Papier gedruckt, ich hatte sie fast alle, sind seit langem vergriffen und Sammlerobjekte geworden. Einer dieser Bände hieß „Das Fenster zur anderen Welt„, enthielt 27 Geschichten und stammte aus der Feder eben jenes irischen, in London geborenen Lord Dunsany.

Soweit seine literarische Seite. Lord Dunsany hatte eine Vorliebe, die ich absolut nicht teilen kann: Er war leidenschaftlicher Großwildjäger. Der Eton-Schüler und Sandhurst-Absolvent soll bei einer seiner Safaris in Kenia 55 Tiere abgeschossen haben, darunter einen Löwen und ein Nashorn.

Es gibt eine Geschichte, ob sie tatsächlich stimmt, ist nicht sicher, dass der Lord sogar in den Straßen Londons seine Finger nicht vom Abzug seines Gewehres halten konnte, wenn er ein wildes Tier sah, was wohl eher selten vorkam.
Folgendes war geschehen: Das renommierte, 1849 gegründete Londoner Schuhhaus John Lobb, das noch immer existiert, soll zu Werbezwecken einmal eine Kutsche durch die Straßen der Hauptstadt geschickt haben, und damit das Gefährt auch wirklich auffiel, waren zwei Zebras anstelle von Pferden davor gespannt. Auftritt von Lord Dunsany. Als er die Tiere auf der Straße Piccadilly zwischen dem Kaufhaus Fortnum&Mason und der Buchhandlung Hatchards sah, konnte er nicht anders als sein Gewehr, das er offensichtlich häufig bei sich trug, zu nehmen und die beiden Zebras zu erschießen. „Zebras habe ich noch nie erlegt“, soll der schießwütige Lord zu seiner Verteidigung gesagt haben. Ich habe diese Geschichte William Donaldsons Buch „Rogues, Villains and Eccentrics“ (2002 erschienen) entnommen, und so ganz verlässlich scheinen mir dessen Aussagen nicht immer zu sein. Hoffen wir, um der Zebras willen, dass sich die Geschichte nicht so abgespielt hat.

Zebras, wie dieses Exemplar aus dem Paradise Wildlife Park in Hertfordshire, gehören in ihre afrikanische Heimat und schon gar nicht als Zugtiere auf Londoner Straßen (was aber nicht heißt, dass man sie dort einfach abschießen kann).
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 15. Dezember 2021 at 02:02  Comments (2)  

Marple – Eine Stadt in der Region Greater Manchester und eine weltberühmte Spürnase

Auf einem Bahnsteig im Bahnhof von Marple.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)
Ebenfalls auf dem Bahnsteig von Marple zu finden…
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Kommt der Reisende auf dem Bahnhof der Stadt Marple im Großraum Greater Manchester an, mag es sein, dass er sich fragt „Marple? Woran erinnert mich der Name?“, der Groschen fällt spätestens dann, wenn er auf dem Bahnsteig die riesigen Poster von Agatha Christie-Romanen sieht und eine blaue Plakette mit der Aufschrift:


Dame
Agatha Christie DBE
1890-1976
MISS MARPLE
Character name inspired by Marple
Unveiled by Mathew Prichard,

grandson of
Agatha Christie

Wie ist nun die Verbindung von Agatha Christie in diese Region von England? Man verbindet sie ja eher mit Devon und Buckinghamshire. Agathas ältere Schwester Margaret (1879-1950), meist Madge genannt, war mit dem Industriellen James Watts (1878-1957) verheiratet und lebte mit ihm auf Abney Hall in Cheadle (jetzt Greater Manchester). Agatha besuchte ihre Schwester häufig in Abney Hall und bei einem dieser Besuche gingen beide zu einer Auktion in die Marple Hall, einem riesigen wunderbaren Haus in der Stadt gleichen Namens, das leider abgerissen worden ist. Dort kaufte sie zwei jakobinische Eichenstühle; doch wesentlicher war, dass der Name Marple bei Agatha Christie hängen blieb, und so schlug dort die Geburtsstunde einer der berühmtesten Spürnasen in der Geschichte der Kriminalliteratur. Miss Jane Marple betrat die Bühne und machte den Verbrechern und Mördern ihrer Zeit das Leben schwer.

Abney Hall in Cheadle.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 14. Dezember 2021 at 02:00  Comments (4)  

Robert Cadman (1711-1739) – Ein Steeplejack und Seiltänzer, der in Shrewsbury (Shropshire) auf tragische Weise ums Leben kam

Der Kirchturm von St Mary’s in Shrewsbury.
Photo © J Scott (cc-by-sa/2.0)

Fred Dibnah (1938-2004) war wohl der berühmteste Steeplejack Englands, das sind Männer, die völlig schwindelfrei sind und problemlos die höchsten Türme und Schornsteine erklimmen. Ich widmete ihm vor einigen Jahren einen Blogeintrag.

Einer von Fred Dibnahs Vorgängern im 18. Jahrhundert war ein junger Mann namens Robert Cadman (1711-1739), der nicht nur hohe Gebäude erklomm, sondern auch noch als Seiltänzer alle möglichen Kunststücke vollbrachte und damit die vielen Zuschauer unterhielt, die zu seinen Aufführungen kamen. Er zog durchs Land und wählte gern hohe Kirchtürme aus, von denen er sich mittels eines Seiles auf tollkühne Art wieder herunterließ und zwar trug er dabei eine Brustplatte, in die eine Aussparung eingelassen war, in die das Seil haargenau hineinpasste, und so schoss er mit dem Kopf voran das quer gespannte Seil hinunter.

Leider fanden diese gefährlichen Auftritte am 2. Februar 1739 in Shrewsbury in der Grafschaft Shropshire ein jähes Ende, wovon eine steinerne Plakette am Turm der Kirche St Mary’s erzählt. Der Glockenturm der Kirche ist mit 68 Metern der dritthöchste in England, er bot sich geradezu für Robert Cadman an, um von dort oben aus, sein Seilkunststück vorzuführen. Das eine Ende des Seils befestigte er am Turm, das andere Ende verankerte er auf der gegenüberliegenden Seite des River Severn. Der fatale Fehler an diesem Tag bestand darin, dass das Seil zu straff gespannt war, so dass die Reibung zu groß wurde und das Seil riss; vielleicht war es auch fehlerhaft wie auf der Plakette zu lesen steht: „a faulty Cord being drawn too tight„.

Robert Cadman hatte nicht die geringste Chance, den Sturz zu überleben; er knallte auf den gefrorenen Boden auf und war sofort tot. Er war gerade einmal 28 Jahre alt. Dort, wo die Plakette angebracht ist, soll Robert Cadman auch begraben sein.

In diesem Film erzählt Richard Vobes, der sich auch The Bald Explorer nennt, die Geschichte vor Ort noch einmal nach. Ich mag Richards youtube-Videos sehr!

Die steinerne Plakette am Turm von St Mary’s.
Photo: Andy Dingley.
Creative Commons 4.0
Published in: on 13. Dezember 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Alnwick Poison Garden in Northumberland – Vorsicht Lebensgefahr!

Photo © David Clark (cc-by-sa/2.0)

Über den Ort Alnwick in der Grafschaft Northumberland gibt es viel zu sagen, und ich habe mich mit ihm in meinem Blog schon ein halbes Dutzend mal auseinandergesetzt. Heute geht es weiter und zwar mit dem Alnwick Poison Garden, einem ganz besonderen Garten, vor dessen Betreten die Besucher ausdrücklich gewarnt werden. Von einem „tödlichen Paradies“ spricht National Geographic, vom „giftigsten Garten der Welt“ die Deutsche Welle.

Der Giftgarten in Alnwick, Teil des Alnwick Gardens, ist mit einem hohen Gitter abgeschirmt und es darf niemand hinein, es sei denn mit einer geführten Gruppe. „These Plants Can Kill“ steht auf dem Gitter zu lesen, ein Totenkopf tut ein übriges; man darf die Pflanzen nicht berühren, nicht an ihnen riechen und sie schon gar nicht anfassen. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass Besucher durch das Einatmen von giftigen Ausdünstungen einiger Pflanzen ohnmächtig werden.

Rund hundert Giftpflanzen sind im Poison Garden angebaut worden, darunter der Wunderbaum, aus dem das hochgiftige Rizin gewonnen wird, das bereits in niedrigsten Konzentrationen tödlich ist. Natürlich fehlen die klassischen Giftpflanzen wie die Tollkirsche, der Eisenhut und der Schierling nicht. Sollte es bei einer Gruppenführung trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch zu einer Vergiftung kommen, steht geschultes Personal bereit, um Erste Hilfe zu leisten.

Angelegt wurden die Alnwick Gardens von der Herzogin von Northumberland, Jane Percy, die die stolze Summe von 42 Millionen Pfund investierte. 2001 öffneten die Alnwick Gardens ihre Pforten, vier Jahre später kam der Giftgarten hinzu.

Dieser Film vermittelt einen Eindruck von diesem ganz besonderen Garten hoch oben im Norden Englands.

The Alnwick Garden
Greenwell Road Alnwick
Northumberland
NE66 1HB

Alle diese Pflanzen können tödlich sein.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)
Pulsatilla vulgaris, die Gewöhnliche Kuhschelle, im Poison Garden.
Photo: Cross Duck.
Creative Commons 2.0
Published in: on 12. Dezember 2021 at 02:00  Comments (1)  

Der Dozmary Pool in Cornwalls Bodmin Moor

Photo: Mussels.
Creative Commons 2.0

Als ich einmal vom legendären, von Daphne DuMaurier in einem Roman verewigten, Jamaica Inn in Cornwall nach Süden fuhr, kam ich am Dozmary Pool im Bodmin Moor vorbei. Dieser kleine, einsam gelegene See spielt in der Artus-Sage eine Rolle. Hier nämlich soll König Artur sein Schwert Excalibur aus den Händen der Lady of the Lake, der Dame vom See, erhalten haben. Als Artur im Sterben lag, soll Sir Bedivere, einer der Ritter der Tafelrunde, das berühmte Schwert auf dem Dozmary Pool der Lady of the Lake wieder zurückgegeben haben.

Der „Faust Cornwalls“, wie Jan Tregeagle auch genannt wurde, ist ebenfalls mit dem See verbunden. Tregeagle war ein besonders strenger Richter im 17. Jahrhundert, der dem Teufel seine Seele verkaufte und im Gegenzug dafür viel Geld und Macht erhielt. Am Ende seines Lebens wird er dazu verdammt, den bodenlosen Dozmary-Pool mit einem zerbrochenen Schneckenhaus auszuschöpfen.

Übrigens ist der Dozmary Pool, wie die Sage berichtet, nicht „bottomless“. Während mehrerer Dürreperioden, zuletzt im Jahr 1976,  trocknete der See vorübergehend aus. So viel zur Zuverlässigkeit von Sagen.

Hier ist ein Film über den magischen See.

So unheimlich und düster erlebte ich den See auch.
Photo: Peeteekayy.
Creative Commons 2.0
Published in: on 11. Dezember 2021 at 02:00  Comments (1)  

Die Trinity Bridge in Crowland (Lincolnshire)

Photo © Tim Heaton (cc-by-sa/2.0)

„Was ist das denn?“ mag sich mancher Besucher der Kleinstadt Crowland in der Grafschaft Lincolnshire fragen, wenn er/sie mitten im Ort die Trinity Bridge sieht. Eigentlich dienen ja Brücken dazu, einen Fluss, eine Straße oder eine Eisenbahnlinie zu überqueren, doch die Trinity Bridge überquert gar nichts, sie steht in Crowland einfach nur da.

Die von drei Seiten zugängliche Steinbrücke wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts von den Mönchen der Crowland Abbey erbaut, und damals gab es im Ort wirklich einen Fluss, den River Welland, der sich hier mit seinem kleinen Bruder, dem River Nyne, vereinigte, und durch Crowland zogen sich drei Handelsrouten, so war die Erbauung der Trinity Bridge durchaus sinnvoll. Die beiden Flüsse wurden im 17. Jahrhundert schon umgeleitet, aber die Bewohner Crowlands wollten sich von ihrer nutzlos gewordenen Brücke einfach nicht trennen. Im Jahr 1720 errichtete man auf ihr noch eine steinerne Statue, heute ist aber nicht so ganz klar, wen diese darstellen soll. Zwei Vermutungen stehen da im Raum: Æthelbald,  König des angelsächsischen Reiches Mercia, der im 8. Jahrhundert lebte und die Crowland Abbey gründete, und Jesus Christus. Der Zahn der Zeit hat schon sehr an der Figur genagt, aber sie sieht auch heute noch eindrucksvoll aus.

Die Brücke wurde vor einiger Zeit saniert; schön, dass man zu ihrer Bewahrung Geld lockert gemacht hat, das sicher gut angewendet war.
Hier ist ein Film über die Trinity Bridge.

Photo © Dave Hitchborne (cc-by-sa/2.0)
Photo © Richard Webb (cc-by-sa/2.0)
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 10. Dezember 2021 at 02:00  Comments (2)  

The Diagram Prize 2021

Über den Diagram Prize und seine Preisträger habe ich in den vergangenen Jahren schon mehrfach geschrieben. Zur Erinnerung: Den Preis erhält jeweils das Buch mit dem merkwürdigsten Titel des Jahres; die Titelauswahl wird vom The Bookseller magazine zusammengestellt, und die Öffentlichkeit wählt daraus ihren Favoriten.

Nach dem Vorjahressieger „A Dog Pissing at the Edge of a Path: Animal Metaphors in Eastern Indonesian Society“ erhält in diesem Jahr den Diagram Prize: „Is Superman Circumcised? The Complete Jewish History of the World’s Greatest Herovon Roy Schwartz, erschienen im Mai diesen Jahres bei McFarland. Der New Yorker Autor geht darin den jüdischen Wurzeln Supermans nach und stellt dabei die Frage, ob der Superheld beschnitten war.

Wen hatten wir denn noch auf der Shortlist?

Julian Havels „Curves for the Mathematically Curious: An Anthology of the Unpredictable, Historical, Beautiful, and Romantic“ (Princeton University Press), ein Buch für jeden, der an mathematischen Kurven interessiert ist.

Handbook of Research on Health and Environmental Benefits of Camel Products„, herausgegeben von Omar Amin Alhaj et al (Medical Information Science Reference). Das Buch beschäftigt sich mit der zunehmenden Bedeutung von Produkten, die auf Kamelmilch basieren.

Hats: A Very Unnatural History“ (Michigan State University Press) von Malcolm Smith; darin geht es um die Vernichtung von Abermillionen Vögeln, damit aus ihren Federn modische Hüte hergestellt werden konnten.

The Life Cycle of Russian Things: From Fish Guts to Fabergé, 1600 to Present“ (Bllomsbury Academic) herausgegeben von Matthew P. Ramaniello et al; eine Untersuchung über die Haltbarkeit in Russland beziehungsweise in der Sowjetunion hergestellter Produkte.

Miss, I Don’t Give a Sh*t: Engaging With Challenging Behaviour in Schools“ (SAGE Publications) von Adele Bates, „a book about young people for whom the education system does not work“.

Published in: on 9. Dezember 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Stadt Manchester und die Arbeitsbienen

„22 Bees“ von Russell Meeham.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Auf dem Logo der Brauerei Boddingtons, in Manchester ansässig, ist eine Biene zu sehen und schon seit den Zeiten der Industriellen Revolution gilt die „worker bee„, die Arbeitsbiene, als Symbol der Stadt Manchester. Die fleißigen Arbeiter in den Fabriken der Stadt wurden immer wieder mit Arbeitsbienen verglichen. Man findet Bilder von Bienen auf den städtischen Abfallkörben, auf dem Zifferblatt der großen Uhr am Palace Hotel und auf dem Mosaikfußboden der Town Hall.

Nach dem verheerenden Selbstmordattentat vom 22. Mai 2017, als sich nach einem Konzert der US-amerikanischen Sängerin Ariana Grande ein Islamist in der Manchester Arena in die Luft sprengte und dabei 22 Besucher mit in den Tod riss (es gab über 800 Verletzte) fanden sich die traumatisierten Bewohner der Stadt unter dem Symbol der Arbeitsbiene wieder zusammen. Es gab eine Welle der Hilfsbereitschaft für die flüchtenden Konzertbesucher; Taxifahrer boten kostenlose Heimfahrten an und Hotels in der Nähe des Tatortes öffneten ihre Häuser für kostenfreie Übernachtungen.

In einigen Tattoostudios in Manchester konnte man sich umsonst ein Bienen-Tattoo stechen lassen, wenn man dafür eine Spende für die Opfer des Attentats gab. Der Straßenkünstler Russell Meeham schuf im Auftrag der Manchester Evening News ein riesiges Wandbild, „22 Bees„, das an die 22 Opfer erinnern sollte.

Bee in the City“ hieß ein Event in der Stadt, bei dem vom 23. Juli bis zum 23. September 2018 über 100 Bienenskulpturen aus Fiberglas aufgestellt worden waren.

Beespotting“ lohnt sich in den Straßen von Manchester, man wird die fleißigen Insekten an vielen Stellen finden.

Das Ziffernblatt auf der Uhr des Palace Hotels.
Photo: Gene Hunt.
Creative Commons 2.0
Eine Biene auf dem Mosaikfußboden der Town Hall.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Eine Christmas Bee auf dem Exchange Square.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Eine der „Bee in the City“-Bienen.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 8. Dezember 2021 at 02:00  Comments (3)  

Auf den Spuren von Brother Cadfael in Shrewsbury (Shropshire)

Shrewsbury Abbey.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Ich komme heute noch einmal auf die Stadt Shrewsbury in der Grafschaft Shropshire zurück, über die ich kürzlich in Zusammenhang mit den Ghost Tours per Schiff schrieb. Ich wandelte dort einmal auf den Spuren der fiktiven Romanfigur Brother Cadfael, die die Krimiautorin Ellis Peters (1913-1995) erschuf, die unter diesem Pseudonym schrieb und eigentlich Edith Pargeter hieß.

Da sie in Shropshire geboren wurde (sie starb auch dort) ließ sie die Handlung rund um den Benediktinermönch auch in Shrewsbury und Umgebung spielen. Die historischen Kriminalromane erwiesen sich als sehr erfolgreich; als sie auch noch für das Fernsehen verfilmt wurden, mit Derek Jacobi in der Titelrolle, pilgerten die Fans des Mönchs zu den Handlungsorten in Shropshire (die TV-Serie wurde allerdings nicht in der Heimat Bruder Cadfaels gedreht, sondern in…Budapest in Ungarn).

Die Stadt Shrewsbury sprang natürlich sehr gern auf den „Cadfael-Zug“ auf und bot beziehungsweise bietet den angereisten Freunden des Mönchs einiges an wie Brother Cadfael self-guided walks, die auf unterschiedlichen Wegen durch die Stadt führen und durch in den Boden eingelassene Metallplatten in Form eines Fußes markiert sind. Im Shrewsbury Visitor Information Centre kann man den Führer erwerben; selbstverständlich sind dort auch sämtliche Brother Cadfael-Romane erhältlich.

Wer alles, aber auch wirklich alles über die Romanschauplätze wissen möchte, für den gibt es die Brother Cadfael-Tours, die bis nach Wales hinein führen.

Ich hatte mich bei einem meiner Besuche in Shrewsbury für einen der „self-guides walks“ entschieden, in dessen Mittelpunkt die Abbey stand.

Ein empfehlenswertes Buch für jeden, der sich für die Romanschauplätze interessiert, ist „Cadfael Country: Shropshire & The Welsh Border“ von Rob Talbot und Robin Whiteman, das schon 1990 erschienen und reichlich bebildert ist.

Die TV-Serie wurde in 13 Episoden von 1994 bis 1998 ausgestrahlt. Das ZDF sendete die ersten drei Staffeln in den Jahren 1995 und 1997. Eine Collector’s Box mit sechs DVDs ist von EDEL MOTION veröffentlicht worden, sie enthält die Staffeln 1-3 in deutscher Synchronisation und die vierte Staffel im englischen Originalton.
Hier ist ein kurzer Trailer zu sehen.

Die Stadt Shrewsbury hat eine ihrer Straßen nach dem Mönch benannt, den Cadfael Way. Im Portfolio des berühmten Rosenzüchters David Austin gibt es eine Rose namens Brother Cadfael.

Foto meines Exemplares.
Der Cadfael Way in Shrewsbury.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)
Die Brother Cadfael-Rose.
Photo © Philip Platt (cc-by-sa/2.0)

Thursfords Christmas Spectacular – Eine Bühnenshow und ein vorweihnachtliches Wunderland

Photo: sparkleworld.
Creative Commons 2.0

The biggest Christmas show of it’s kind in Europe“ kann man auf den Webseiten des Dorfes Thursford in der Grafschaft Norfolk lesen. Was ist da in dem 200-Seelen-Dorf los?

Vom 9. November bis zum 23. Dezember wird täglich zweimal, um 14 Uhr und um 19 Uhr, eine Show zelebriert, an der 130 Teilnehmer auf der Bühne stehen und die man eher nach Paris ins Moulin Rouge als nach Norfolk verorten würde. Während der dreistündigen Show („an extravaganza of non-stop singing, dancing, music, humour and variety„) ist ein Mix aus Charthits und Weihnachtsliedern zu hören, langbeinige hübsche Frauen bieten etwas fürs Auge und im Hintergrund stehen Weihnachtsbäume mit tausenden von blinkenden Lämpchen. Hier ist ein kleiner Vorgeschmack.

Doch die Bühnenshow Thursford Christmas Spectacular ist nur ein Teil dessen, was das Dorf insgesamt zu bieten hat. Drumherum ist eine riesige Weihnachtslandschaft aufgebaut, die genauso gut in den USA stehen könnte: Beleuchtete Elche, Weihnachtsmänner in allen möglichen Stellagen, bewegliche Zwerge und Tiere, eine Kakophonie von blechernen Weihnachtsliedern, Dschungelgeräuschen, trompetenden Elefanten, und das alles Disneyland-ähnlich aufbereitet.

Bis zu fünfzig Reisebusse aus dem ganzen Land stehen täglich auf den Parkplätzen, deren Passagiere sich vorweihnachtlich einstimmen lassen wollen. Kinder werden das Spektakel genießen.
Dieser Film gibt einen Eindruck davon, was Thursford in der Vorweihnachtszeit zu bieten hat.

Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)
Photo: sparkleworld.
Creative Commons 2.0

Published in: on 6. Dezember 2021 at 02:00  Comments (2)  

39 Hilldrop Crescent – Ein Haus in London, in dem Dr Crippen seine Frau ermordete

Am 4. März 2018 stellte ich in meinem Blog das Buch „Murder Houses of London“ von Jan Bondeson vor, in dem der Autor über Londoner Häuser, in denen Morde begangen wurden, schrieb. Eines davon stand im Stadtteil Holloway und hatte die Adresse 39 Hilldrop Crescent. Hier wohnte eine Zeit lang der amerikanische Arzt Dr Hawley Crippen (1862-1910), der in die britische Kriminalgeschichte einging, weil er in diesem Haus seine Ehefrau Cora Belle umbrachte und mit seiner Geliebten, Ethel le Neve, nach Kanada flüchtete, wo die beiden aber schon ein Londoner Detective erwartete und sie zurück nach England brachte. Dr Crippen wurde im Old Bailey vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Im November 1910 beförderte der Henker John Ellis im Pentonville Prison in London den Mann ins Jenseits. Nach Dr Crippens Tod kamen Zweifel auf, ob der Mord wirklich so abgelaufen ist, aber darum soll es in meinem Blog nicht gehen, sondern darum, was aus dem Mordhaus geworden ist.

39 Hilldrop Crescent wurde von dem schottischen Comedian Sandy McNab gekauft, der keine Berührungsängste hatte, sich aber freute, das Haus zu einem Spottpreis kaufen zu können, weil es schwer vermittelbar war. McNab plante, ein Museum darin einzurichten mit Crippen-Memorabilia, doch daraus wurde nichts. Stattdessen betrieb McNab eine Pension in dem Haus in Holloway. Bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg erlitt 39 Hilldrop Crescent so schwere Schäden, dass es abgerissen werden musste.

Heute steht auf dem Gelände des ehemaligen Mordhauses ein Wohnhaus, das den Namen Margaret Bondfield House trägt und nach Margaret Grace Bondfield (1873-1953) benannt worden ist, der ersten weiblichen Unterhausabgeordneten der Labour Party und ersten Ministerin Großbritanniens, in der Regierung von Premierminister Ramsay MacDonald; Bondfield fungierte als Arbeitsministerin. Das Haus steht heute in der Driffield Road.

Nach Aussagen einiger Bewohner des Hauses soll es dort spuken; eigenartige Geräusche sind vernommen und eine unheimliche Gestalt gesichtet worden. Geht Dr Crippen in dem Haus noch immer um?

Published in: on 5. Dezember 2021 at 02:00  Comments (1)  

Die NatWest-Bank in Stockport (Greater Manchester) – Eines der schönsten Bankgebäude Englands

Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Ich habe schon einige Bankgebäude der NatWest-Bank, oder National Westminster-Bank, gesehen, die in historischen Bauten untergebracht sind wie in Peterborough (Cambridgeshire), in Oxford oder in Ludlow (Shropshire). Das schönste aber dürfte in der Stadt Stockport in Greater Manchester) stehen, mit der Adresse 10 Great Underbank, ein wunderbares Haus aus der elisabethanischen Zeit, dessen älteste Teile sogar bis in das 15. Jahrhundert zurückreichen. Underbank Hall, so der Name des Gebäudes, war der Familiensitz der Arden Family bis zum Jahr 1823, als die Ardens finanziell ins Schlingern gerieten und sie das Haus verkaufen mussten. Aus Underbank Hall wurde damals schon eine Bank und ist es bis heute geblieben.

Auch das Innere des Bankgebäudes ist sehenswert wie die große Halle mit der hohen Decke und dem großen Kamin. NatWest ist der Meinung, dass ihre Filiale in Stockport auch ihr „most haunted bank building“ ist. Angestellte, die bis in die späten Abendstunden dort gearbeitet haben, berichteten von eigenartigen Geräuschen, die nicht auf natürliche Weise zu erklären waren.

Ich finde Underbank Hall einfach großartig und hoffe, dass Gebäude dieser Art noch lange erhalten bleiben.

Zu Stockport siehe auch meine Blogeinträge über die Riesenfrösche und über die Robinson-Brauerei.

Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)
Photo: Nicholas Smale.
Creative Commons 2.0
Published in: on 4. Dezember 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein DVD-Tipp – Professor T

Copyright: EDEL MOTION

Die Geburtsstunde des exzentrisch-skurrilen Universitätsprofessors „T“ schlug 2015 im belgischen Fernsehen. Das ZDF adaptierte die Serie von 2017 bis 2020 mit Matthias Matschke in der Hauptrolle, andere Länder wie Frankreich und Großbritannien folgten nach.

Ben Miller, bekannt als Detective Inspector Richard Poole in der TV-Serie „Death in Paradise“, spielt in der britischen Version von „Professor T“ die Titelrolle, deren erste Staffel mit sechs Episoden jetzt in deutscher Synchronisation bei EDEL MOTION auf DVD erschienen ist.

Ich hatte anfangs meine Probleme mit dem Professor, der von seinen Studentinnen und Studenten entweder geliebt oder gehasst wird. Er ist ein Genie mit einem messerscharfen Verstand, der in Cambridge Kriminologie lehrt. Er ist kein besonders liebenswerter Mensch; nach und nach erfährt man, dass er eine schreckliche Kindheit hatte, und dass er noch immer unter dem Einfluss seiner Mutter, einer Künstlerin, steht. Jasper Tempest, so sein richtiger Name, wird von der Polizei Cambridge immer wieder bei Fällen zu Hilfe gerufen, bei denen sie nicht weiter kommt. Die beiden Detectives Lisa Donckers (Emma Naomi) und Dan Winters (Barney White) wissen die Hilfe von Professor T zu schätzen, obwohl sie mit dessen eigenbrötlerischen Methoden ihre Probleme haben. Der Cambridge-Professor löst alle Fälle, zu denen er hinzugezogen wird; aber er ist kein glücklicher Mensch, und seine Erfolge machen ihm sein Leben auch nicht leichter.

Man muss sich in die TV-Serie langsam „einarbeiten“, um Zugang zu ihr zu bekommen, so erging es mir jedenfalls, dann allerdings ist sie mir ans Herz gewachsen.
Es sieht so aus, dass es eine weitere Staffel geben wird, die laut imdb im kommenden Jahr ausgestrahlt werden soll.

Die beiden DVDs enthalten neben den sechs Episoden noch jede Menge Bonusmaterial, ein Blick hinter die Kulissen der Dreharbeiten und ein Interview mit dem Hauptdarsteller Ben Miller.

Hier ist der Trailer zur Serie.

Published in: on 3. Dezember 2021 at 02:00  Comments (1)  

Follies – The Sham Castle in Bath (Somerset)

Photo © Paul Brooker (cc-by-sa/2.0)

Der 1693 in Cornwall geborene Ralph Allen war ein wohlhabender Unternehmer, der das englische Postwesen reformierte und sich sehr um das Wohlergehen seine Wohnortes Bath in Somerset kümmerte, den er, zusammen mit dem „Master of Ceremonies“ Beau Nash und dem Architekten John Wood the Elder zu einem eleganten und mondänen Kurort entwickelte.

Ralph Allen besaß ein großes Haus mit 15 Zimmern in der Straße mit dem schönen Namen Old Lilliput Alley, von wo aus er einen wunderbaren Blick auf den Bathwick Hill oberhalb von Bath hatte. Irgendetwas fehlte ihm aber auf dem Hügel, und so kam er auf die Idee, dort oben eine Burg zu erbauen und sich an dem Anblick zu erfreuen. Eine richtige komplette Burg war aber eigentlich gar nicht nötig, eine Fassade reichte durchaus, und da Ralph Allen einige Steinbrüche in der Umgebung von Bath besaß, ließ er 1762 diese Burgattrappe, das Sham Castle, mit Steinen von dort erbauen. Das Folly besteht nur aus einer einzigen Mauer mit kunstvoll gestalteten Fenstern und Türmen, die Rückseite bietet überhaupt nichts Sehenswertes, Allen wollte sich ja nur an der Front seiner „Burg“ ergötzen.

Im Laufe der Zeit drohte das Sham Castle zu verfallen, denn nach dem Tod des Eigentümers interessierte sich niemand mehr dafür. 1921 ging es in den Besitz der Stadt Bath über, die es restaurieren ließ. Heute ziert das Castle den Bath Golf Club, einen privaten Golfplatz, so dass der Zugang nicht so ohne weiteres möglich ist.
Hier ist ein Film über das Sham Castle.

Es existieren noch weitere Sham Castles in England, Ralph Allen war nicht der einzige, der Burgattrappen bauen ließ. George Lyttelton, 1. Baron Lyttelton ließ sich zum Beispiel in Worcestershire auf seinem Landsitz das Hagley Park Castle erbauen; ebenfalls in Worcestershire ist das Clent Castle zu finden, eine hübsche kleine künstliche Burgruine aus dem 18. Jahrhundert.

…und die langweilige Rückseite des Sham Castles.
Photo © Neil Owen (cc-by-sa/2.0)
Hagley Park Castle in Worcestershire.
Photo © Paul Brooker (cc-by-sa/2.0)
Clent Castle in Worcestershire.
Photo © Paul Brooker (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. Dezember 2021 at 02:00  Comments (1)