Arthur Furguson (1883-1938) – Der Mann, der die Nelsonsäule auf Londons Trafalgar Square verkaufte

Wurde für £6000 verkauft, Nelson’s Column auf dem Trafalgar Square.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Es ist fast 100 Jahre her als ein US-amerikanischer Tourist aus Iowa in London auf dem Trafalgar Square stand und dort die Nelsonsäule bestaunte, auf deren 46 Meter hohen Sockel die über fünf Meter hohe Statue von Admiral Horatio Nelson zu sehen war. Ihm näherte sich ein Mann, der sich als offizieller Stadtführer zu erkennen gab, und ihn ansprach.

Der angebliche Guide, es handelte sich dabei um den in Schottland geborenen Arthur Furguson, erzählte dem Amerikaner die Geschichte des Admirals und ließ einfließen, dass die Säule momentan zum Verkauf stünde, was aber noch geheim war, denn die britische Nation litt nach dem Ersten Weltkrieg noch immer unter einer schweren Finanzkrise und musste sich, wohl oder übel, von einigen Besitztümern trennen. £6000 wollte die britische Regierung für die Säule haben. Der schwerreiche Amerikaner war sofort Feuer und Flamme und wollte die Nelsonsäule unbedingt haben, sie nach Iowa verschiffen und sie dort auf seinem Anwesen errichten lassen. Furguson bat den Amerikaner einen Moment um Geduld, er wollte seine Vorgesetzten fragen, was die zu dem Verkauf sagten, kam bald wieder mit der frohen Botschaft zurück, dass diese eingewilligt hätten und nahm einen Scheck über £6000, der auf den Namen Arthur Furguson ausgestellt war, entgegen. Dann verschwand der Verkäufer der Nelsonsäule sehr schnell, nachdem er dem Mann aus Iowa noch den Namen der Baufirma genannt hatte, die die Säule für ihn abbauen sollte. Als der Amerikaner diese Firma kontaktierte, die natürlich von diesem Auftrag keine Ahnung hatte, merkte er, dass er einem „con man“, einem Betrüger, aufgesessen war.

Arthur Furguson wendete diese Masche noch einige Male an, wobei er es immer wieder auf US-Amerikaner abgesehen hatte. So gelang es ihm, den Glockenturm von Big Ben für £1000 zu verkaufen, und sogar der Buckingham Palace stand auf Furgusons Verkaufsliste, für den er eine Anzahlung von £2000 erhielt.

Nachdem es ihm auf britischem Boden zu heiß geworden war, übersiedelte Arthur Furguson in die USA, wo er mit seiner Geschäftsidee weiter machte und das Weiße Haus in Washington an einen texanischen Rinderzüchter für $100,000 im Jahr vermietete. Erst als er einem interessierten Australier die New Yorker Freiheitsstatue andrehen wollte, war Schluss mit Furgusons Verkaufsmethoden, denn der Australier wurde misstrauisch und wandte sich an die New Yorker Polizei, die den Mann aus Großbritannien festnahm. Nach einem Gefängnisaufenthalt von fünf Jahren kam Furguson 1930 wieder frei. Er siedelte nach Los Angeles über, wo er einen luxuriösen Lebensstil pflegte, denn er hatte einiges von seinem erwirtschafteten Geld zurückgelegt. Hier soll er auch 1938 gestorben sein.

Ist diese wunderschöne Geschichte vielleicht gar nicht wahr? Der Schotte Dane Love ist den Spuren des Arthur Furguson einmal nachgegangen und hat nichts über ihn in zeitgenössischen Quellen finden können. Weder die britischen noch die amerikanischen Zeitungen haben über den Betrüger jemals berichtet. So what?

Published in: on 13. Januar 2022 at 02:00  Comments (2)