RAF Burtonwood bei Warrington (Cheshire) und die Burtonwood GI Brides 

Flugzeughangare, kurz vor dem Abriss.
Photo © Paul Anderson (cc-by-sa/2.0)
…und nach dem Abriss.
Photo © David Long (cc-by-sa/2.0)

Als der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen war, sahen sich die Männer der Stadt Warrington in der Grafschaft Cheshire einem unerwarteten Problem ausgesetzt. Die Damenwelt der Stadt war erheblich geschrumpft, weil sich so manche der Ladies einen amerikanischen Soldaten zum Partner gewählt hatten und zu ihm in die USA gezogen waren. Wie war es dazu gekommen?

Der riesige Militärflugplatz RAF Burtonwood, nördlich von Warrington gelegen, entstand im Zweiten Weltkrieg und wurde den Amerikanern übergeben. Es war der größte US-Stützpunkt in Europa mit den längsten Start- und Landebahnen, den meisten Flugzeugen und dem meisten amerikanischen Personal. Rund 18 000 GIs waren hier stationiert, und dass diese jungen Soldaten in ihrer Freizeit die Lokale und Bars von Warrington aufsuchten, lag auf der Hand, und dort trafen sie, wie sicher erhofft, auf die jungen Damen der Stadt. Daraus entwickelten sich Freundschaften und eben auch zahlreiche Eheschließungen.

Burtonwood blieb noch viele Jahre in amerikanischer Hand, allerdings war die Zahl der dort stationierten Soldaten deutlich geringer. Insgesamt sollen sich zwischen 6 500 und 7 500 Frauen auf den Weg in die USA gemacht haben, um dort zu ihren Ehemännern zu ziehen. Enttäuschungen waren vorprogrammiert, denn die sogenannten Burtonwood GI Brides kannten ihre Männer meist nur flüchtig, und was diese ihnen über ihre Lebensumstände in de USA erzählt hatten, stimmte auch nicht immer. In größeren Gruppen fuhren die GI Brides mit Dampfern über den Atlantik, wo sie dann in New York abgeholt wurden. Später erhielten sie Eisenbahnfahrkarten, um selbst zu den Wohnorten ihrer Männer im ganzen Land zu reisen. Viele werden sich, zumindest in der ersten Zeit, einsam gefühlt haben, denn die GI Brides waren noch nie in den USA gewesen, kannten die Familien ihrer Männer nicht und waren unendlich weit von ihren eigenen Familien in England entfernt.

Das Ende des Militärflughafens Burtonwood wurde 1994 eingeläutet; es bestand kein Bedarf mehr und alle Gebäude wurden abgerissen (der Kontrollturm übrigens von Steeplejack Fred Dibnah). Heute durchquert die Autobahn M65 das Gelände, der Themenpark Gulliver’s World wurde darauf errichtet und es entstand ein Gewerbegebiet. Das RAF Burtonwood Heritage Centre, ein Museum, das Erinnerungsstücke zeigt, findet man auf dem Geländes des Themenparks.
In diesem Film sind einige historische Aufnahmen von RAF Burtonwood zu sehen.

Im RAF Burtonwood Heritage Centre.
Photo: Szzuk.
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Published in: on 22. Januar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen