Die Londoner Kirche St Clement Danes und ein alter Kinderreim

Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

St Clement Danes ist eine Kirche im Londoner Stadtteil Westminster, die nach dem Großen Feuer von London 1682 von Sir Christopher Wren wieder neu aufgebaut wurde. Ein alter Brauch auf dem Gelände der Kirche besteht darin, dass Obst, besonders Orangen und Zitronen, an bedürftige Kinder verteilt werden; ein Brauch, der noch heute existiert (hier eine Filmaufnahme aus dem Jahr 1962).
Der Kinderreim „Oranges and Lemons“ soll auf dieser alten Tradition beruhen, der folgendermaßen lautet:

Oranges and lemons“, say the bells of St. Clement’s
„You owe me five farthings“, say the bells of St. Martin’s
„When will you pay me?“ say the bells of Old Bailey
„When I grow rich“, say the bells of Shoreditch
„When will that be?“ say the bells of Stepney
„I do not know“, says the great bell of Bow
Here comes a candle to light you to bed
And here comes a chopper to chop off your head!
Chip chop chip chop – The last man’s dead

„Die Handlung gibt einen Dialog zwischen einem Gläubiger und einem Schuldner wieder. Letzterer hat Orangen und Zitronen gekauft, bleibt aber fünf Farthings (Viertelpennies) schuldig. Er will die Schuld bezahlen, wenn er reich geworden ist, kann aber nicht sagen, wann das sein wird. Daraufhin verliert der Gläubiger die Geduld und schickt den Scharfrichter“ (so die Wikipedia).

Die Glocken der Kirche von St Clement Danes spielen die Melodie zu dem Kinderreim (hier zu hören).

St Clement Danes ist auch die Kirche der Royal Air Force, die sich besonders um den Wiederaufbau des Gotteshauses nach dem Krieg gekümmert hatte.
1992 wurde vor der Kirche die Statue von Arthur „Bomber“ Harris aufgestellt, was zu Protesten in Deutschland, aber auch in England führte, denn Harris war für die Bombardierung von Dresden verantwortlich, bei der auch Kirchen zerstört wurden.

Photo © Robert Lamb (cc-by-sa/2.0)
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)
Die Statue von Arthur „Bomber“ Harris vor der Kirche.
Photo © Christopher Hilton (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 31. März 2022 at 02:00  Comments (2)  

Cambridges zeitfressende Uhr des Corpus Christi Colleges

Eigenes Foto

Ein Chronophage ist ein Zeitfresser, und so frisst die Corpus Clock, die an der Taylor Library des Corpus Christi Colleges in der Trumpington Street in Cambridge angebracht ist, die Zeit, wie von ihrem Schöpfer John C. Taylor auch gewünscht.
Am, 19. September 2008 enthüllte niemand Geringeres als Stephen Hawking dieses fantastische Meisterwerk, an dem Taylor und weitere 200 Menschen 5 Jahre lang gearbeitet haben und das etwa £1 Million gekostet haben soll.
Es handelt sich hier um eine mechanische Uhr auf der sich blaue Lichtdioden in unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegen und die Zeit anzeigen. Zeiger gibt es hier nicht. Angetrieben wird die Corpus Clock von den Beinen eines Grashüpfers, der die Sekunden frisst. Das Prinzip geht auf den britischen Uhrmacher John Harrison zurück, der den speziellen Aufzugsmechanismus um 1772 erfand.

John C. Taylor hatte in den 50er Jahren am Corpus Christi College studiert und die Uhr der Universität geschenkt. „The strangest clock in the world“ wurde von dem US-Magazin TIME zu den besten 50 Erfindungen des Jahres 2008 gezählt.

Hier ist ein Film über die Uhr.

Photo © Dave Hitchborne (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 30. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – David Videcette: Finding Suzy

Foto meines Exemplares.

Am 28. Juli 1986 verließ die junge Immobilienmaklerin Suzy Lamplugh ihr Büro im Londoner Stadtteil Fulham, um angeblich einem Klienten, einem Mr Kipper, eine Wohnung in der Shorrolds Road zu zeigen. Seitdem ist sie spurlos verschwunden. Der Metropolitan Police gelang es nicht, irgendeine Spur von Suzy zu finden, geschweige denn ihren Entführer/Mörder ausfindig zu machen. Der Fall wurde als ungelöst zu den Akten gelegt, einige Male wieder neu aufgerollt, und schließlich machte die Polizei einen bereits wegen Vergewaltigung und Mordes verurteilten Mann ausfindig, der ihrer Meinung nach auch für Suzys Verschwinden verantwortlich war.

Dem ehemaligen Scotland Yard-Detektiv und Autor von Kriminalromanen David Videcette ließ der Fall Suzy Lamplugh keine Ruhe. Er machte sich auf eigene Faust auf die Suche nach der Lösung des mysteriösen Falles und schrieb ein Buch darüber: „Finding Suzy: The Hunt for Missing Estate Agent Suzy Lamplugh and „Mr Kipper“„. Dreißig Jahre nach dem Verschwinden der Frau noch neue Anhaltspunkte zu finden, scheint kaum möglich, doch David Videcette gelingt es tatsächlich, neue Spuren in dem Fall ausfindig zu machen, die in eine ganz andere Richtung führen, als die der Polizei. Dabei steht ein Pub im Fokus der Ermittlungen des Detektivs, der Prince of Wales in der Upper Richmond Road im Stadtteil Putney. Hier scheinen sich die Spuren der Immobilienmaklerin zu verlieren.

David Videcette hat zigtausend Meilen mit dem Auto zurückgelegt, um Zeugen erneut zu befragen; er hatte sich in den Fall regelrecht verbissen. Im letzten Kapitel seines Buches rekonstruiert er wie es damals am 28. Juli 1986 zugegangen sein muss, nennt den mutmaßlichen Mörder zwar nicht beim Namen, aber es ist eindeutig, wen er meint. Und er ist auch sicher, wo die Leiche Suzys abgelegt worden ist, in den höhlenartigen, verschachtelten Kellerräumen des Pubs. David Videcette hat seine gesammelten Informationen der Polizei übergeben, doch die will diese Spuren nicht verfolgen.
Hier ist ein Film über den Fall, der auch in „Crimewatch“ rekonstruiert wurde.

Manchem mag das Buch vielleicht zu detailliert sein, ich fand es sehr spannend und hochinteressant!

David Videcette: Finding Suzy: The Hunt for Missing Estate Agent Suzy Lamplugh and „Mr Kipper“. Videcette Limited 2021. 347 Seiten. ISBN 978-0-9934263-8-4.

Die Shorrolds Road in Fulham.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)
Der Prince of Wales Pub im Londoner Stadtteil Putney.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 29. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Maiwand Lion – Der größte Denkmallöwe der Welt

Photo © Robin Sones (cc-by-sa/2.0)

Im Laufe der Jahre habe ich in meinem Blog schon mehrere „Löweneinträge“ erstellt. Beispiele sind die Trafalgar Square Löwen, der Londoner South Bank Lion, die China Town Löwen in Londons Gerrard Street. Hier ist nun ein weiterer Löwe, der einige Dutzend Kilometer westlich von London seinen Wohnsitz hat und zwar in der Stadt Reading. Ich habe Reading eher in unangenehmer Erinnerung, weil ich mich jedesmal, wenn ich durch die Stadt fuhr, in der unübersichtlichen Straßenführung verirrte.

Dafür kann besagter Löwe natürlich nichts, der in den Forbury Gardens auf einem Podest steht, 1886 geboren wurde, sich Maiwand Lion oder auch Forbury Lion nennt und der größte „Denkmallöwe“ der Welt ist. Der örtliche Bildhauer George Blackall Simonds schuf ihn in zweijähriger Arbeit. Old Maiwand besteht aus Gusseisen, ist 16 Tonnen schwer und 9,5 m lang, also ein ganz schöner Koloss.
Die Statue erinnert an den „Battle of Maiwand„, eine Schlacht im englisch-afghanischen Krieg, die 1880 stattfand und in der 329 Soldaten des 66. Berkshire-Regiments fielen. Die Schlacht wurde von den afghanischen Truppen gewonnen und insgesamt starben dort fast tausend englische und indische Soldaten, während auf afghanischer Seite schätzungsweise 2500 Tote zu beklagen waren. Auch damals zeigte sich schon, dass man in Afghanistan keinen Krieg gewinnen kann.

Auf dem Denkmal findet man auch die Namen der gefallenen Soldaten aus Berkshire. Es gab zeitweise Diskussionen über die korrekte Wiedergabe der Haltung des Löwen. Manche meinten, ein Löwe würde niemals so laufen, aber der letzte Stand der Dinge ist wohl, dass George Blackall Simonds alles richtig gemacht hat.
Wer sich also nach Reading hineintraut, sollte dem gewaltigen Löwen ruhig einmal einen Besuch abstatten. Hier ist er im Film zu sehen.

Photo © Robin Sones (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 28. März 2022 at 02:00  Comments (3)  

Ashley Jackson: „Framing the Landscape“

Das Wessenden Moor.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Many people look but only a few see“ meint der Künstler Ashley Jackson aus West Yorkshire. Jackson, geboren 1940, lebt in Holmfirth bei Huddersfield, dort, wo die Erfolgs-TV-Serie „Last of the Summer Wine“ gedreht worden ist. Und hier hat er auch seine Galerie.

Ashley Jackson ist ein international anerkannter Landschaftsmaler, der mit seiner nordenglischen Heimat eng verbunden ist. Auf der Grundlage der obigen Aussage von ihm hat er das Projekt „Framing the Landscape“ geschaffen, das einfach, aber auch genial ist. In Zusammenarbeit mit dem National Trust hat er an fünf Stellen in den Mooren von Yorkshire Staffeleien mit einem leeren Rahmen aufgestellt. Stellt man sich jetzt vor diesen Rahmen sieht man durch ihn hindurch einen Ausschnitt der Landschaft, ein Gemälde, das die Natur geschaffen hat und das ganz anders wirkt als wenn dieser Rahmen nicht da wäre. Einen dieser Rahmen finden wir bei den Brimham Rocks in North Yorkshire wie dieser Film zeigt. Die anderen Orte sind die Hardcastle Crags bei Hebden Bridge, das Wessenden Moor, Holme Moss und Roseberry Topping, ein Hügel bei Great Ayton in North Yorkshire.

Lassen wir den Künstler noch einmal zu Wort kommen: „The Landscape is more than just a view, and with Framing the Landscape I hope that others will see it as I do using all your senses to engage, to feel the rain on your face, to smell the bracken, to hear the skylark and to value all these simple pleasures„. Wunderschön ausgedrückt!

Hier ist ein Film über das Projekt.

Holme Moss.
Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)
Noch einmal Holme Moss, aus einer etwas anderen Perspektive.
Photo © Chris Morgan (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 27. März 2022 at 03:00  Kommentar verfassen  

Hastings in East Sussex Teil 3: Die Shirley Leaf & Petal Company in der High Street

Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

58a High Street in Hastings (East Sussex) lautet die Adresse eines ganz besonderen Geschäfts namens Shirley Leaf & Petal Company, das bereits seit 1910 in der Stadt an der englischen Südküste ansässig ist. Die vielen Blumen und Blütenblätter, die man sich im Schaufenster ansehen kann, sind nicht echt, sie sind alle künstlich, aber so naturgetreu nachempfunden, dass sie von echten kaum zu unterscheiden sind.

Brenda Wilson ist die Schöpferin der vielen „leaves and petals“, die sie in die ganze Welt liefert, und die aus den unterschiedlichsten Materialien hergestellt werden. Abnehmer ihrer Kunstwerke sind immer wieder gern Film- und TV-Produktionsgesellschaften, so hat sie schon für die Disney-Studios („Pocahontas“), für Ridley Scott („Gladiator“), für Steven Spielberg und für die Westend-Produktion „Frozen: The Musical“ (dt. „Die Eiskönigin“) gearbeitet. Für die Festspiele in Oberammergau hat Brenda Wilson Olivenbaumblätter hergestellt, Dahlien für die Aufführungen in Glyndebourne geliefert und die großen Theater Großbritanniens mit Blumen versorgt.

Im Keller des Geschäfts an der High Street gibt es auch noch ein Museum zu besichtigen, das Flower Makers‘ Museum, das alles umfasst, was in irgendeiner Form mit künstlichen Blumen zu tun hat.

Shirley Leaf and Petal Co.
58a High Street
Hastings
TN34 3EN

Published in: on 26. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Hastings in East Sussex Teil 2: Source Park – Die größte unterirdische Skater- und BMX-Anlage der Welt

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Nur einige Schritte von der Pier und der gestern vorgestellten Bottle Alley entfernt, liegt eine weitere Attraktion der Stadt Hastings in East Sussex, zumindest was die Skater- und BMX-Gemeinde betrifft: Source Park, die größte unterirdische Anlage der Welt für die Freunde dieser Sportarten. Und um noch eins draufzusetzen: Hier befindet sich auch noch der weltgrößte BMX-Laden; kein Wunder, dass der Source Park junge Männer und Frauen aus dem ganzen Land anlockt. Wer nicht aktiv sein will, der kann sich das Geschehen auf der Anlage auch von der Tribüne aus ansehen.

Diese unterirdischen Räumlichkeiten wurden in der Vergangenheit für unterschiedliche Zwecke benutzt, so zum Beispiel als Badeanstalt. Die White Rock Baths wurden 1876 eröffnet, getrennt als The Ladies Bath und The Gentlemen’s Bath, und und später von dem Bauingenieur Sidney Little, der auch die Bottle Alley geschaffen hat, neu gestaltet.

Die beiden Brüder Richard und Marc Moore kamen auf die Idee, aus den ehemaligen White Rock Baths eine riesige Anlage für Skater und BMX-Fahrer zu machen, sie selbst sind begeisterte Skater, und eröffneten die Anlage im Jahr 2016. Sie ist täglich von 10 Uhr bis 22 Uhr geöffnet, das gilt auch für den Laden.

Hier ist ein Film über Source Park.

Source Park
White Rock

Hastings TN34 1JL

Published in: on 25. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Hastings in East Sussex Teil 1: The Bottle Alley – Eine wettergeschützte Promenade am Strand mit einer einzigartigen Lightshow

Photo: Nick_Rowland.
Creative Commons 2.0

Die Stadt Hastings an der englischen Südküste hat so einiges zu bieten. Im November 2016 hatte ich in einem Zweiteiler schon einmal das Shipwreck Museum und das True Crime Museum vorgestellt. Jetzt möchte ich in einem Dreiteiler auf weitere Besonderheiten der Stadt aufmerksam machen.

Bei schönem Wetter kann man in Hastings in der Grafschaft East Sussex entweder direkt am Strand spazieren gehen oder auf der Strandpromenade, bei Regen oder Sturm gibt es eine Alternative unterhalb der Promenade, die Bottle Alley, und das schon seit 1934. In diesem Jahr wurde dieser geschützte 480 Meter lange Gang eröffnet, der Bottle Alley genannt wird, weil in den Beton unzählige kleine Glassplitter von Flaschen eingelassen worden sind. Ausgedacht hat sich das der Bauingenieur Sidney Little (1885-1961), der 24 Jahre in den Diensten der Stadt Hastings stand und der „The Concrete King“ genannt wurde, weil er bevorzugt mit Beton baute. Eine blaue Plakette wurde ihm zu Ehren an der Bottle Alley installiert.

Die Doppeldeckerpromenade beginnt beziehungsweise endet am Pier von Hastings und zieht sich bis zum Warrior Square.

Im Jahr 2017 kam man in Hastings auf die Idee, in der Bottle Alley eine Light Show zu installieren, die aus den abends recht düsterem Gang eine Besucherattraktion zu machen. Jeden Abend, jeweils um 19.30 Uhr und um 21.30 Uhr, verwandeln die unzähligen bunten LED-Lämpchen die Bottle Alley in eine Art Disco, was vor allem vom Meer aus besonders eindrucksvoll aussieht. Am besten betrachtet man sich das einmal in einem Film.

Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 24. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die am weitesten verbreiteten Kirchennamen der Church of England

St Mary in Cleobury Mortimer (Shropshire).
Photo © Carol Walker (cc-by-sa/2.0)

Der am weitesten verbreite Pubname in England ist The Red Lion. Cathy Price besuchte einmal sämtliche 656 Pubs mit diesem Namen und schrieb darüber das Buch „The Red Lioness“ (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Bei den Kirchen der Church of England gibt es ebenfalls eine „Hitliste“ mit den beliebtesten beziehungsweise häufigsten Namen. Der „Red Lion“ unter den Kirchen ist eindeutig St Mary’s, mit oder ohne dem Zusatz „the Virgin„. Man muss nicht lange suchen bis man eine Kirche mit diesem Namen gefunden hat. Allein in der 30 000-Einwohner zählenden Stadt St Neots in der Grafschaft Cambridgeshire gibt es drei St Mary’s. Die Wikipedia listet in ihrer Übersicht 2368 Kirchen auf, die der Mutter Jesu gewidmet sind. Diese Zahl wird sicher im Laufe der Zeit abnehmen, da immer mehr Kirchen in England anderen Zwecken zugeführt werden.

Wer ist auf den „Kirchencharts“ auf Platz 2? Das ist „All Saints“ mit 1467 Kirchen. Da haben es sich die Verantwortlichen leicht gemacht und ihre Kirche eben allen Heiligen gewidmet, da kann sich dann keiner beklagen.

Platz 3 nimmt St Peter ein; der Heilige Petrus bringt es auf 1327 Kirchen im ganzen Land.

St Michael auf Platz 4 bringt es „nur“ auf 816 Kirchengebäude, trotzdem dürfte der Erzengel Michael zufrieden sein, so viele Anhänger in der Church of England zu haben.

Blicken wir noch auf den 5. Tabellenplatz, der gehört dem Apostel Andreas. 801 Kirchen gibt es mit dem Namen St Andrew. Vielleicht im Augenblick nicht ganz so angesagt, weil sein Namensvetter im englischen Königshaus deutlich an Sympathie verloren hat.

Warum manche anderen Apostel es eher selten geschafft haben, dass Kirchen nach ihnen benannt worden sind, kann ich nicht sagen. St Simon bringt es nur auf 19 Kirchen und St Matthias auf 16.

All Saints in Houghton Conquest (Bedfordshire).
Photo © Philip Jeffrey (cc-by-sa/2.0)
St Peter in Binton (Warwickshire).
Photo © AJD (cc-by-sa/2.0)
St Michael in Coningsby (Lincolnshire).
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)
St Andrew in Stoke Dry (Rutland).
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 23. März 2022 at 02:00  Comments (3)  

Robert Fabian (1901-1978) – Einer der fähigsten Detektive von Scotland Yard und eine TV-Fernsehserie

Das ehemalige Hauptquartier der Metropolitan Police (1890-1967), in dem Robert Fabian seiner Arbeit nachging.
Photo © Anthony O’Neil (cc-by-sa/2.0)

Er hatte in England einen legendären Ruf: Robert Fabian von Scotland Yard, der zahllose schwierige Fälle in seiner Laufbahn löste. Geboren wurde er 1901 im Südosten Londons, im Stadtteil Lewisham, 1921 trat er in die Londoner Polizei ein. Während er für Scotland Yard arbeitete, hatte er sich auf Mordfälle spezialisiert. Manchmal wurde er auch von Polizeibehörden in der Provinz zu Hilfe gerufen, wenn diese bei den Ermittlungen nicht weiterkamen. An einem sehr mysteriösen Mordfall biss auch er sich die Zähne aus, an dem sogenannten Witchcraft Murder in Lower Quinton in Warwickshire, den ich in meinem Blog vor einigen Jahren vorstellte.

Robert Fabian berichtete über sein ereignisreiches Leben in zwei Büchern: „Fabian of the Yard“ (1950) und „London After Dark“ (1954). Im Alter von 77 Jahren starb er 1978 in der Stadt der Pferderennen, in Epsom (Surrey).

Die BBC nahm sich Robert Fabian an, in dem sie von 1954 bis 1956 die TV-Serie „Fabian of the Yard“ produzierte, die 36 Episoden umfasste und die auf Fällen basierte, in die der Polizeibeamte involviert war. Das Besondere an der Serie war, dass Robert Fabian selbst am Schluss jeder Episode einige kurze Worte sprach. Die Rolle des Scotland Yard-Polizisten (der es bis zum Rang eines Detective Superintendent brachte) spielte Bruce Seton (1909-1969). Dank Youtube kann man sich noch heute einige dieser alten Folgen ansehen. Ich empfehle „Brides of the Fire„. Im deutschen Fernsehen wurden in den 1960er Jahren eine Handvoll Folgen in synchronisierter Fassung gezeigt.

Published in: on 22. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der englische Komponist Malcolm Arnold (1921-2006) und ein höchst absonderliches Musikstück

Photo: Nynexman4464.
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Am 21. Oktober 1921 wurde  er in Northampton geboren, und er starb am 23. September 2006 in Norfolk: Malcolm Arnold, Komponist und Träger des Verdienstordens CBE. Seine Kompositionen sind breit gefächert; er schrieb Orchesterwerke, darunter Irish, Scottish, Cornish und Welsh Dances, und 132 Filmmusiken, von denen am bekanntesten wohl die Musik zu „Die Brücke am Kwai“ (1958) war.

1956 schrieb er ein Werk mit dem merkwürdigen Titel „A Grand Grand Overture opus 57, für 3 Staubsauger, 1 Bodenpolierer, 4 Gewehre und Sinfonieorchester„. Das war Arnolds Beitrag zu den sogenannten „Hoffnungs Concerts„, die am 13. November 1956 in der Londoner Royal Festival Hall stattfanden. Bei den Proben zu dem Werk soll es hoch her gegangen sein: Die Musiker sollen in schallendes Gelächter ausgebrochen sein, als sie die Geburt eine der witzigsten Sinfonien miterlebten beziehungsweise daran beteiligt waren.

Wo passt so ein Musikstück besser hin, als in die berühmten „Last Night of the Proms„?

Hier ist die „Grand Grand Overture“ zu sehen und zu hören.

Published in: on 21. März 2022 at 02:00  Comments (2)  

The Flying Childers Inn in Stanton-in-Peak (Derbyshire) – Ein Pub, in dem sich nicht nur Menschen wohlfühlen

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Wenn ich ein Hund wäre und Herrchen und Frauchen mich mit auf eine Urlaubsreise nach England nehmen würden, dann würde ich darauf bestehen, in den Peak District in ein Dörfchen namens Stanton-in-Peak zu fahren und dort den Pub The Flying Childers aufzusuchen. Warum? Weil Richard und Sophie, die das Gasthaus leiten, innerhalb der Great British Pub Awards als hundefreundlichster Pub von ganz Großbritannien ausgezeichnet wurde. Menschen mögen dieses Haus aber auch sehr, vor allem diejenigen, die eine Schwäche für ganz ursprüngliche Pubs haben. The Flying Childers Inn hat auch da etwas zu bieten, er wurde 2019 zum Unspoilt Pub of the Year gekürt.

Auf die hier immer willkommenen Vierbeiner warten beispielsweise selbstgemachte Hundekuchen und ein Canine Menu, das sie verspeisen können, während sich die Zweibeiner an einem Toasted Ciabatta und einem Bier aus der Eyam Brewery gütlich tun. Eyam ist ein Dorf in Derbyshire, das während der Schwarzen Pest 1665 stark dezimiert wurde (siehe dazu meinen Blogeintrag). Die Biere aus der Brauerei nehmen darauf Bezug und heißen Black Death, Quarantine, All Fall Down, Eyam Plague und Bubonic Orange. Der Pub hält sogar ein spezielles Bier für Hunde (alkoholfrei!) vorrätig, das passenderweise Bottom Sniffer heißt.
Hier ist ein Film über das Gasthaus.

Noch ein Wort zum Namen des Pubs. The Flying Childers war das berühmteste Rennpferd des 18. Jahrhunderts, das dem zweiten Duke of Devonshire gehörte. Sein Züchter war Colonel Leonard Childers.

The Flying Childers Inn
Main Road
Stanton in Peak
Matlock
DE4 2LW

The Flying Childers. Gemälde von James Seymour (1702-1752).
This work is in the public domain.

The Dog Collar Museum im Leeds Castle in Kent

Das Leeds Castle bei Maidstone in Kent (siehe dazu meinen Bericht über meinen Besuch in der Burg) sagt von sich selbst, es sei das schönste Schloss der Welt. Man kann es neben der Autobahn, der M20, liegen sehen, wenn man vom Kanaltunnel Richtung London fährt.
Im Gatehouse des Schlosses findet sich ein Museum, das einzigartig in ganz England ist: Das Dog Collar Museum beschäftigt sich mit dem Thema Hundehalsbänder.
Mrs Gertrude Hunt schenkte diese Sammlung dem Leeds Castle, in dem die Besitzer schon immer Hunde gehalten haben. Über 100 Halsbänder werden in Glasvitrinen zur Schau gestellt, die bis zu 500 Jahre alt sind (die Halsbänder, nicht die Vitrinen!); aber auch die aktuellste Mode ist vertreten.
Es finden sich hier u.a. furchterregende Stachelhalsbänder, deren Stacheln nach außen gehen; dadurch sollten die Hälse der Hunde früher vor Angriffen von Wölfen und Bären geschützt werden. Auch deutsche und österreichische Lederhalsbänder werden ausgestellt, die reich verziert sind.

Am besten wäre, man nimmt seinen Vierbeiner mit ins Museum und lässt ihn aussuchen, welches er am liebsten tragen würde (wahrscheinlich gar keins), aber: Nur Blindenhunde dürfen das Leeds Castle betreten, alle anderen Artgenossen dürfen nicht hinein und müssen vor den Toren warten.
Das Leeds Castle ist ganzjährig geöffnet.
Hier ist ein Film über das Museum.

The Dog Collar Museum
Leeds Castle
Maidstone
Kent
ME17 1PL

Published in: on 19. März 2022 at 02:00  Comments (1)  

Cornish Hurling in St Columb Major – Ein traditionelles, wildes Event in Cornwall

Das Stadtzentrum von St Columb Major.
Photo © David Gearing (cc-by-sa/2.0)

Am Faschingsdienstag eines jeden Jahres gibt es einige Ladenbesitzer in der Kleinstadt St Columb Major in Cornwall, die ihre Schaufensterscheiben vorsichtshalber mit Brettern abdecken, denn sonst könnten sie zu Bruch gehen. Warum? An diesem Tag, und dann noch einmal elf Tage später, wird in den Straßen und in der näheren Umgebung das traditionelle Cornish Hurling ausgetragen, ein Massenereignis, bei dem sich jüngere und ältere Männer um einen silbernen Ball balgen. Es gibt zwei Teams, die Townsmen und die Countrymen, die gegeneinander antreten (abhängig davon, ob sie in der Stadt oder der näheren Umgebung wohnen). Wie groß die jeweiligen Teams sind, erschließt sich mir nicht, es sollen um die 50 Personen sein, ebenso nicht, woran man erkennen kann, zu welcher Mannschaft die Männer eigentlich gehören. Ziel dieses rauen Wettbewerbs, der am Market Square beginnt, ist es, besagten Ball in eines der Tore zu bringen, die drei Kilometer voneinander entfernt stehen, oder ihn jenseits der Gemeindegrenzen zu bugsieren. Ich habe den Eindruck, dass es den meisten Männern in erster Linie darum geht, mal wieder so richtig die Sau rauszulassen, denn es geht beim Cornish Hurling ganz schön zur Sache. Blaue Flecken am ganzen Körper der Teilnehmer sind vorprogrammiert.

Der Sieger des circa zwei Stunden langen Wettbewerbs darf den silbernen Ball behalten, der einen Wert von etwa £1000 hat. Nachdem sich alle Teilnehmer ihre Wunden geleckt haben, geht es zum eigentlichen Höhepunkt des Tages, dem Besuch aller Pubs von Columb St Major. Dort wird der silberne Ball jeweils in einen Bierkrug eingetaucht und anschließend das „silver beer“ getrunken.
Hier ist ein Film über das St Columb Major Hurling. Eine ganz andere Form des Hurling ist hier zu sehen.

Engländer haben eine Vorliebe für derartige raue „Sportarten“; einige davon habe ich in meinem Blog im Laufe der Jahre vorgestellt, und ich denke da beispielsweise an das ebenfalls am Faschingsdienstag stattfindende Alnwick Shrovetide Football Match in Northumberland oder an das sogenannte Fußballspiel der Uppies gegen die Downies in Workington (Cumbria).

The Silver Ball in St Columb Major.
Photo: Ennor.
Creative Commons 2.0
Published in: on 18. März 2022 at 02:01  Kommentar verfassen  

Hodge the Cat – Eine Bronzekatze in Londons Gough Square

Photo © kim traynor (cc-by-sa/2.0)

Wer sich mit der englischen Literaturgeschichte beschäftigt, wird immer wieder auf einen Namen stoßen: Dr Samuel Johnson (1709-1784). Der in Lichfield in Staffordshire geborene Literat lebte überwiegend in London, und er prägte das literarische Leben seines Landes im 18. Jahrhundert. Sein berühmtestes Werk war sein „Dictionary of the English Language„, das 1755 erschien und an dem er acht Jahre lang arbeitete. Doch Dr Johnsons literarisches Schaffen soll nicht im Mittelpunkt meines heutigen Blogeintrages stehen, sondern seine Liebe für Katzen. Eine Katze namens Hodge war sein absoluter Liebling, und Dr Johnsons Biograf James Boswell schrieb einmal: „I shall never forget the indulgence with which he treated Hodge, his cat; for whom he himself used to go out and buy oysters, lest the servants, having that trouble, should take a dislike to the poor creature.“ Ja, Hodge liebte Austern; damals waren sie nicht teuer, sogar die armen Bevölkerungsschichten konnten sie sich leisten, und so gab es im Hause Johnson am Londoner Gough Square im Stadtteil Holborn immer genug davon (heute ist dort ein Museum eingerichtet, Dr Johnson’s House).

Hodge tauchte immer mal wieder in Büchern englischer Autoren auf, unter anderem bei Samuel Beckett in dessen dramatischen Fragment „Human Wishes„. Die Kirchenkatze der Southwark Cathedral in London wurde nach Dr Johnsons Katze benannt; Hodge trat dort vor zwei Jahren die Nachfolge von Doorkins an, einer von der Gemeinde sehr geschätzten und geliebten Katze, die in der Kathedrale wohnte und gestorben war. In diesem Film stellt der Dean of Southwark die „Neue“ vor.

Im Jahr 1997 ließ es sich der Bürgermeister von London, Sir Roger Cook, nicht nehmen, am Gough Square vor dem Wohnhaus Dr Johnsons eine Bronzestatue von Hodge einzuweihen, die der für seine Tierfiguren bekannte Bildhauer Jon Bickley angefertigt hatte. Sie zeigt die Katze, die auf einem Exemplar von Johnsons Dictionary sitzt und Austernschalen neben sich hat. Modell stand Bickleys eigene Katze namens Thomas Henry.

Anlässlich eines interaktiven Kunstprojekts in London und Manchester, das Statuen der beiden Städte Stimmen verlieh (mittels eines Codes und dem Smartphone), wurde auch Hodge mit einbezogen. Hier ist ein Film darüber zu sehen.

Sollte sich jemand für englische Kirchenkatzen interessieren, so verweise ich auf meine bisherigen Blogposts zu dem Thema.

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Follies – Der Saxonbury Tower bei Rotherfield in East Sussex

Photo © Alan Terrill (cc-by-sa/2.0)

Im Jahr 1828 ließ der Marquess of Abergavenny auf seinem Landsitz, dem Eridge Park Estate, nahe Rotherfield in East Sussex mitten im Wald einen 43 Meter hohen Turm erbauen, dem eigentlich kein besonderer Zweck innewohnte, ein Folly also. Da der Turm auf dem Saxonbury Hill angelegt wurde, nannte der Marquess ihn auch Saxonbury Tower. Vielleicht wollte er das Bauwerk als Aussichtsturm benutzen, denn von der Spitze aus muss man einen wunderschönen Blick auf die umliegende Landschaft haben. Eine Wendeltreppe führte im Inneren des Turmes hinauf, der nicht zugänglich ist, die Tür ist immer verschlossen.

Gwyn Headley und Wim Meulenkamp schreiben in ihrem Buch „Follies: A Guide to Rogue Architecture in England, Scotland and Wales„, dass der untere Teil der Wendeltreppe weggeschlagen worden sein soll, damit Unbefugte dort nicht hinaufsteigen können, doch das Buch ist schon recht alt und ob das noch immer so ist, konnte ich nicht feststellen. Auf jeden Fall scheint der Zugang zur Turmspitze, wenn überhaupt möglich, sehr gefährlich zu sein. Wenn ich so eine verschlossene Tür in einem alten Gebäude sehe, frage ich mich immer, wer mag wohl den Schlüssel zu dieser Tür besitzen, oder gibt es den vielleicht gar nicht mehr? Vielleicht besitzt die Telekommunikationsfirma Vodafone einen Schlüssel, die einen Teil des Turms auf ihre Kosten restaurieren ließ und ihn im Gegenzug dafür für ihre Zwecke benutzen konnte?

Dieser Film zeigt einen Spaziergang durch den Wald des Eridge Park Estates zum Saxonbury Tower. Dort stehen noch einige weitere Follies in Form von Türmen und einer Höhle wie dieser Film zeigt.

Ein weiterer Folly-Tower auf dem Eridge Park Estate.
Photo © Sally (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 16. März 2022 at 02:00  Comments (2)  

Otmoor – Ein Naturschutzgebiet nordöstlich von Oxford

Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Nordöstlich von Oxford liegt ein Naturschutzgebiet namens Otmoor, das von den „Seven Towns“ umgeben ist: Beckley, Noke, Oddington, Charlton-on-Otmoor, Fencott, Murcott und Horton-cum-Studley. Innerhalb weniger Minuten kann man dem trubeligen Oxford entfliehen und befindet sich dann mitten in einer ruhigen Naturlandschaft, die überwiegend von Vögeln bewohnt wird. Die Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) errichtete im Otmoor 1997 ein Naturschutzgebiet.

Es hätte nicht viel gefehlt und statt Vogelgezwitscher hätte man hier das Dröhnen von Lastwagenmotoren gehört, denn man wollte 1980 die Autobahn M40 mitten durch das Otmoor führen. Als die Regierungspläne laut wurden, gab es einen Aufschrei in der Bevölkerung, die sich mit allen Mitteln dagegen wehrte. So wurde ein Feld, das genau in der geplanten Trasse lag, von den Friends of the Earth aufgekauft und in 3500 Parzellen unterteilt, die für jeweils £3 weiterverkauft wurden. Die Parzellenbesitzer blieben anonym und wäre es zu einer Zwangsenteignung gekommen, hätte jeder der 3500 dagegen angehen können, was dazu führte, dass das Verkehrsministerium seine Pläne aufgab. Dieses Feld wurde Alice’s Meadow genannt und man nahm damit Bezug auf Lewis Carrolls Buch „Alice hinter den Spiegeln“. Das Otmoor soll den in Oxford lebenden Schriftsteller inspiriert haben.

Schon einmal stand das Moorgebiet vor seinem Ende: In den 1960er Jahren sollte hier ein riesiges Wasserreservoir gebaut werden, das große Teile des Otmoors überflutet hätte, aber glücklicherweise führten auch diese Pläne zu nichts und so steht dieses naturbelassene Gebiet vor den Toren Oxfords noch heute ruhesuchenden Menschen zur Verfügung.

Ich habe einmal in einem sehr schönen Hotel in Horton-cum-Studley übernachtet, dem Studley Priory Hotel, das leider aufgegeben wurde und sich jetzt in Privatbesitz befindet. Schade!

Hier ist ein Film über das Otmoor.

Das ehemalige Studley Priory Hotel.
Author: MCB
Creative Commons 3.0
Published in: on 15. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Village Signs – Histon in Cambridgeshire

Photo © Keith Edkins (cc-by-sa/2.0)

Histon und Impington sind Doppeldörfer in der Grafschaft Cambridgeshire, die ineinander übergehen, so dass es Bewohner gibt, die sich nicht so ganz sicher sind, ob sie nun Bürger von Histon oder von Impington sind. Beide Orte haben aber ihre eigenen Village Signs, darauf legt man offensichtlich Wert. Wir sehen uns heute das Dorfschild von Histon einmal genauer an, das durch seine besondere Machart ins Auge fällt. Mehrere Handwerker fügten ihre jeweiligen Fähigkeiten zusammen, so dass ein wirkliches bemerkenswertes Schild entstand, das am 2. Februar 1990 feierlich eingeweiht wurde.

Was gibt es nun auf dem Schild alles zu sehen? Da ist eine Erdbeere und ein Erdbeerblatt, die an die Marmeladenproduktion der weltberühmten Firma Chivers erinnern, die in Hinton ansässig war, bis sie in den 1980er Jahren ihren Betrieb einstellte.
Dann sehen wir einen Pferdekopf, der auch mit dem Namen Chivers zusammenhängt. Nach dem Ersten Weltkrieg holte J. Stanley Chivers Percheron-Pferde nach England, eine Pferderasse aus dem Norden Frankreichs, aus einer Region namens La Perche. Die Tiere wurden früher überwiegend als Arbeitspferde eingesetzt, heute mehr und mehr als Dressurpferde.
Weiterhin zeigt das Dorfschild eine stilisierte Kirche, ein Hinweis auf die St Andrew’s Church, und dann kommt die Besonderheit: Ein Mann mit einem Zylinderhut, der einen großen Stein über seinen Kopf hält. Dabei handelt es sich um Moses Carter, The Histon Giant (1801-1860), einen Mann, der über 2,10 Meter groß war und etwa drei Zentner wog. Das Bild nimmt Bezug auf seine größte Tat, Moses trug einmal einen schweren Felsblock durch das halbe Dorf und setzte ihn an der High Street ab, wo der Pub The Boot steht. Der Fels ist noch heute im Garten des Pubs zu sehen. Im Kirchhof von St Andrew’s, in dem Moses Carter beerdigt wurde, errichtete man für ihn 1998 ein Denkmal.

Dann zieren das Village Sign noch einige Enten, die vom örtlichen Duck Pond The Brook, und ganz oben thront noch eine Straßenlaterne. Ein richtig schönes Dorfschild!

Ach so: Histon liegt nördlich von Cambridge, jenseits der A14.

St Andrew’s.
Photo © Kim Fyson (cc-by-sa/2.0)
Hierhin schleppte Moses Carter den schweren Felsbrocken.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)
Der Ententeich The Brook.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 14. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Jon Clarke: My Search for Madeleine

Foto meines Exemplares.

Vor elf Jahren stellte ich in meinem Blog das Buch „Madeleine“ von Kate McCann vor, in dem sie über den Entführungsfall ihrer Tochter schrieb, die am 3. Mai 2007 aus einer Ferienwohnung im portugiesischen Praia da Luz entführt wurde und bis heute verschwunden ist.

Einer der britischen Journalisten, der sich in diesen Fall regelrecht verbissen hat, ist Jon Clarke, der vom ersten Tag an auf eigene Faust Ermittlungen durchgeführt und darüber ein Buch geschrieben hat: „My Search for Madeleine: One Reporter’s 14-Year Hunt to Solve Europe’s Most Harrowing Crime„. Jon Clarke hat den Schauplatz des Verbrechens und große Teile der portugiesischen Algarve viele Male aufgesucht und mit vielen Menschen gesprochen, die sich dort angesiedelt haben, darunter zwielichtige Gestalten, die der Drogen- und Pädophilenszene zuzurechnen sind.

Clarke macht der portugiesischen Justiz schwere Vorwürfe und wirft ihr Inkompetenz bei der Bearbeitung des Falles Madeleine McCann vor. Nach mittlerweile fast 15 Jahren nach dem Verschwinden des kleinen Mädchens kommt Jon Clarke zum Schluss, dass der mutmaßliche Täter ein Deutscher ist, der lange Zeit in Portugal lebte und zum Zeitpunkt der Entführung in unmittelbarer Nähe des Apartments der McCanns war. Er ist schon mehrfach wegen Drogendelikten, Vergewaltigung und anderen Vergehen verurteilt worden, war tief in Kinderpornografie verstrickt und sitzt zur Zeit in Oldenburg im Gefängnis. Ein weiteres Verfahren wegen Vergewaltigung steht noch an.

Es ist erschreckend was Jon Clarke, speziell in Portugal, alles ausgegraben hat, diese Region Europas scheint ein Paradies für Kinderschänder zu sein, die Polizei schaut weg oder ist desinteressiert.

Ob es jemals zu einer Anklage wegen Mordes im Falle Madeleine McCann geben wird ist fraglich. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig, die in Deutschland federführend ist, geht von einem Mordfall, nicht mehr von einem Entführungsfall, aus ohne das aber belegen zu wollen.

Jon Clarke: My Search for Madeleine. OP Books 2021. 273 S. ‎ISBN 979-8538010547.

Praia da Luz an der portugiesischen Algarveküste.
Photo: Bengt Nyman.
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Published in: on 13. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das Bosworth Battlefield bei Market Bosworth in Leicestershire – Hier kam König Richard III. ums Leben

Eigenes Foto.
Eigenes Foto.

Am 22. August 1485 stießen in der Nähe der kleinen Stadt Market Bosworth in Leicestershire die Heere von König Richard III. und Heinrich Tudor, Earl of Richmond, dem späteren König Heinrich VII. von England, aufeinander. Der Kampf endete mit dem Tod Richards III., der somit der letzte englische König ist, der in einer Schlacht fiel.

Wie ich schon in einem früheren Blogeintrag schrieb, ist meine Frau Mitglied der englischen Richard III Society; und so war ein Besuch des Schlachtfeldes unumgänglich. Fast alle früheren Schlachtfelder bestehen heute aus Wiesen und Feldern, einige sind bebaut worden und ab und zu findet man ein kleines Denkmal, das auf die historischen Ereignisse an dieser Stelle hinweist.

Nicht so beim Bosworth Battlefield! Hier findet man das Bosworth Battlefield Heritage Centre and Country Park. Hier kann man unter anderem Hochzeiten und Kinderpartys feiern, im Tithe Barn Café essen, und natürlich darf der unvermeidliche „Gift Shop“ auch nicht fehlen.

Um sich ein Bild von der Schlacht machen zu können, gibt es den Battlefield Trail, ein Fußweg, der 2,5 Km durch das Gebiet führt, in dem vor mehr als 500 Jahren viele Menschen den Tod fanden. Wir sind den Trail auch gegangen; er ist sehr interessant aufbereitet mit zahlreichen Hinweisen auf die Schlachtformationen. Auch der Ort an dem Richard III. umgekommen sein soll, ist markiert.
Eine umfangreiche Ausstellung mit archäologischen Funden ist im Besucherzentrum zu sehen.
Wer sich für Richard III.,  Heinrich VII und die Rosenkriege interessiert, kommt hier voll auf seine Kosten.
Mein Souvenir-Tipp: Das ‚Let Battle Commence‘-Ale der Tunnel Brewery in Nuneaton (Warwickshire), ein spezielles Bier, nach mittelalterlichen Rezepten gebraut.

Hier ist ein Film über die Schlacht von Bosworth.

Bosworth Battlefield Heritage Centre and Country Park
Sutton Cheney
Nr. Market Bosworth
Nuneaton
Leicestershire
CV13 0AD

Eigenes Foto.
Eigenes Foto.
Eigenes Foto.
Eigenes Foto.
Published in: on 12. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Zwei Dörfer in Cambridgeshire und ein ehemaliger US-Präsident

St Mary the Virgin in Great Shelford.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Great Shelford (über dessen DNA Path ich gestern berichtete) und Stapleford sind zwei Gemeinden in Cambridgeshire, die praktisch ineinander übergehen, so dicht liegen sie beieinander. Im Jahr 2009 haben sich die beiden Dörfer etwas in die Haare gekriegt. Anlass war die Amtsübernahme des US-Präsidenten Barack Obama. Fleißige amerikanische Genealogen haben sich sofort auf familiäre Spurensuche gemacht und sind fündig geworden. Ein Zweig der Obama-Vorfahren kam aus England und zwar aus der Grafschaft Cambridgeshire. Thomas und Ann Blossom hießen diese Ur-Ur….Großeltern, die sich 1629 auf den Weg in die Neue Welt machten und sich in Salem in Massachusetts angesiedelt haben sollen.

Wo kamen die Blossoms denn nun her? Aus Great Shelford meinten die einen, aus Stapleford die anderen. Sie luden Barack Obama sogar ein, bei seinem ersten Besuch in Großbritannien doch einmal bei ihnen vorbeizuschauen. Great Shelford machte einen konkreten Vorschlag: Bei ihrem jährlichen Shelford Feast, das immer im Juli stattfindet, wäre ein Platz für ihn reserviert. Stapleford hingegen schlug vor, dass er an einem Gottesdienst in der Kirche St Mary the Virgin teilnehmen sollte. In beiden Dörfern machte man sich auch Gedanken wie der Präsident kulinarisch verwöhnt werden könnte, zum Beispiel mit einem „Yes We Can Flan“ oder einem Currygericht namens „Barack O’Bhuna“ oder einer Käseplatte, die in Form der Stars and Stripes angerichtet war. Great Shelford und Stapleford überboten sich gegenseitig mit fantastischen Ideen…doch Barack Obama kam nicht. Entweder hatte der Präsident keine Zeit oder es interessierte ihn nicht wirklich, ob nun seine Vorfahren aus dem einen oder dem anderen Dorf kamen. Spuren in Form von Grabsteinen der Blossoms sind auf den beiden Kirchhöfen von St Mary the Virgin und St Andrew’s nicht mehr zu finden.

Doch die Bewohner der beiden Dörfer in Cambridgeshire können sich trösten, auch Barack Obamas Nachfolger Donald Trump besuchte nie Kallstadt in der Pfalz, wo dessen Vorfahren herstammen.

St Andrew’s Church in Stapleford.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Der DNA Path bei Great Shelford in Cambridgeshire

Photo © Keith Edkins (cc-by-sa/2.0)

Cambridge spielte bei der Entdeckung der DNA eine entscheidende Rolle, und der Pub The Eagle auch, denn hier verkündeten James Watson und Francis Crick vom nahe gelegenen Cavendish Laboratory am 28. Februar 1953, dass sie herausgefunden haben wie die DNA genetische Informationen transportiert (eine blaue Plakette am Pub weist darauf hin).

Vor den Toren von Cambridge, vom Addenbrooks Hospital bis zum Dorf Great Shelford, im Süden der Stadt, gibt es einen Radfahrweg, der DNA Path heißt und den Forschungsgegenstand von Watson und Crick aufnimmt. Auf einer Länge von einer Meile sind hier auf der Fahrbahn 10 257 farbige Streifen aufgetragen (die vier Farben stehen für die Nukleinbasen Adenin, Guanin, Cytosin und Thymin), die das BRCA2-Gen repräsentieren, Abkürzung von Breast Cancer 2, das Brustkrebsgen 2. Entdeckt haben das Gen im Jahr 1995 die beiden Professoren Michael Stratton und Richard Wooster vom Sanger Institute, das ein Stückchen weiter südlich von Great Shelford liegt. Der Gründer des Instituts, Nobelpreisträger Sir John Sulston, ließ es sich nicht nehmen, den DNA Path im Jahr 2005 zu eröffnen. Am Beginn des Radweges steht die Skulptur einer Doppel-Helix in 750millionenfacher Vergrößerung.

Der DNA Path repräsentiert zusätzlich die 10 000ste Meile des NCN, des National Cycle Networks, das ganz Großbritannien mit Radwegen umspannt. Dieser Film zeigt eine Fahrt entlang dieses ganz besonderen Radweges in Cambridgeshire.

Die Doppel-Helix-Skulptur am Beginn des DNA Paths.
Photo: tz1_1zt.
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Die blaue Plakette am Pub The Eagle in Cambridge.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 10. März 2022 at 02:00  Comments (1)  

Chatsworth House in Derbyshire Teil 2: Der Emperor Fountain

Photo © Richard Sutcliffe (cc-by-sa/2.0)

Wenn sich auf englischen Schlössern und Landhäusern königlicher Besuch ansagte, war das meist ein zweifelhaftes Vergnügen, denn wenn der Besuch wieder abgereist war, war auch die Geldschatulle des Hausherrn deutlich schmaler als zuvor. Royals erwarteten eben einen All inclusive-Urlaub, die umfangreiche Entourage eingeschlossen.

Im Chatsworth House in Derbyshire hatte sich 1843 der russische Zar Nikolaus I. angesagt, und so überlegte sich der sechste Duke of Devonshire, dem das prachtvolle Haus gehörte, womit er den Russen beeindrucken konnte. Das war nicht leicht, denn der Zar war Prunk und Protz gewohnt. Da kam der Duke auf die Idee, einen neuen Springbrunnen zu bauen (es gab bereits einen seit dem ersten Duke of Devonshire) und zwar einen, dessen Fontäne höher war als die der Sommerresidenz des Zaren, Schloss Peterhof, in Sankt Petersburg. Es sollte die höchste der Welt sein, und so beauftragte er seinen Chefgärtner Joseph Paxton mit der Anlage des Emperor Fountains. Das erforderte umfangreiche Erdarbeiten, denn der Brunnen benötigte jede Menge Wasser. Oberhalb von Chatsworth House wurde dafür ein See angelegt, der Emperor Lake, von dem aus das Wasser etwa 110 Meter in Rohren bergab schoss und für den erforderlichen Druck für die Fontäne sorgte, die zu besten Zeiten bis zu 90 Meter hoch war; heute wird sie meist nicht mit Maximaldruck gefahren (hier ist ein Film).

Wie stolz mag der Duke wohl gewesen sein, als der Emperor Fountain fertig war, und sicher konnte er es kaum abwarten, ihn dem Zaren vorzuführen…doch der kam nicht zu seinem angekündigten Besuch und auch später nicht. Nun gut, dafür können sich heute die zahlreichen Touristen an dem Brunnen erfreuen, der an einem heißen Sommertag (auch den gibt es hin und wieder im Peak District) für Erfrischung sorgt.

Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)

Chatsworth House in Derbyshire Teil 1: The Painted Hall

Photo: Gauis Caecilius.
Creative Commons 2.0

Es kann im Sommer ganz schön voll werden im Chatsworth House in Derbyshire, einem der meist besuchten und schönsten Landsitze im Königreich und Familiensitz der Dukes of Devonshire seit dem 16. Jahrhundert. Bei meinem Besuch war der Parkplatz voll und Busladungen voller Touristen steuerten das Haus und die Gärten an.

Ich habe zwei Lieblingsräume in dem Haus: Da ist zum einen die großartige Bibliothek, über die ich in meinem Blog einmal berichtete und zum anderen die Painted Hall, ein riesiger Raum, bei dessen Betreten man gar nicht weiß, wo man zuerst hinblicken soll. Da haben sich Maler so richtig austoben können wie Louis Laguerre, der von 1692 bis 1694 die Decke und die Wände mit Szenen aus dem Leben Julius Caesars dekorierte. Was muss das für eine Anstrengung gewesen sein, auf einem Gerüst auf dem Rücken liegend diese Szenen zu malen. 1936 war die Decke in Gefahr einzustürzen, und sie musste aufwändig wieder neu gestützt werden. Vor einigen Jahren stellte das Designstudio von Thomas Heatherwick einige seiner sogenannten „spun chairs“ in der Painted Hall auf, damit man sich die Decke besser ansehen konnte.

Auch die Great Stairs, die monumentale Treppe, ist beeindruckend sowie der schwarz-weiße Marmorfußboden. Man müsste diese wunderschöne Halle ganz für sich allein haben, um sie zu genießen, nachdem alle Besucher Chatsworth verlassen haben, aber in diesen Genuss kommen wohl nur der gegenwärtige 12. Duke of Devonshire und seine Familie. Hier ist im Film ein kurzer Schwenk durch den Raum zu sehen.

Die englische Schauspielerin Keira Knightley drehte im Chatsworth House und in der Painted Hall zwei Filme: 2008 „The Duchess“ (dt. „Die Herzogin“), in dem sie Georgiana Dorothy Cavendish, die Duchess of Devonshire verkörperte. Drei Jahre zuvor war sie in „Pride and Prejudice“ (dt. „Stolz und Vorurteil“) zu sehen, da diente Chatsworth House als Pemberley, wo Mr. Darcy wohnte.

Photo: philhearing.
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Photo: ell brown.
Creative Commons 2.0
Published in: on 8. März 2022 at 02:00  Comments (4)  

The National Lobster Hatchery in Padstow (Cornwall)

Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Padstow an der Küste von Nord-Cornwall ist ein Mekka für Liebhaber von Meeresfrüchten, auch dank des Star- und Fernsehkochs Rick Stein, der hier mehrere Restaurants besitzt. Er ist so beherrschend in Padstow, dass der Ort manchmal schon „Padstein“ genannt wird (mehr darüber in diesem Blogeintrag).

Damit Rick Stein und seinen Gästen niemals der Hummervorrat ausgeht, sorgt die National Lobster Hatchery, eine Hummeraufzuchtstation, nur wenige Schritte von Stein’s Fish and Chips entfernt. Sie wurde im Jahr 2000 ins Leben gerufen und sorgt dafür, dass die Hummer vor der Küste Cornwalls nicht aussterben, denn die Überlebensrate von Hummerbabies ist außerordentlich gering, man spricht von weniger als 1%. So bringen die Fischer, denen Muttertiere ins Netz gegangen sind, diese zur Hatchery, wo man den Tieren die Eier abnimmt und dafür sorgt, dass aus ihnen kleine überlebensfähige Hummer werden, die nach einer bestimmten Zeit auf dem Meeresboden abgesetzt werden. Aus ihnen entwickeln sich dann nach einigen Jahren große Hummer, die, wenn sie Glück haben, ein langes Leben im Meer führen können oder, wenn sie Pech haben, auf dem Teller eines Gourmetrestaurants landen.

Im Visitor Centre der National Lobster Hatchery (Eintrittspreis £7.50) kann sich jedermann über die Arbeit der Aufzuchtstation informieren. Man kann auch für £4 einen Babyhummer adoptieren, ihm einen Namen geben und erhält dann später die Information, wann er ins Meer gesetzt worden ist. Das war es dann aber auch, denn von da ab verliert sich die Spur des kleinen Krustentiers in den Weiten des Ozeans.

Hier ist ein Film über die Hummeraufzuchtstation.

The National Lobster Hatchery
South Quay
Padstow, PL28 8BL

Hummerbabies in der Hatchery.
Photo: Joss Smithson.
Creative Commons 2.0
Published in: on 7. März 2022 at 02:01  Kommentar verfassen  

Die Alwinton Border Shepherds‘ Show in Northumberland – Von Schafen, schlauen Hunden und Ringkämpfern

Dudelsackspieler aus Northumberland bei der Show in Alwinton.
Photo © David Clark (cc-by-sa/2.0)

Viel Abwechslung und Amüsement gibt es mitten in Northumberland nicht, da kommt es den wenigen Bewohnern dieses Gebietes (die Grafschaft ist die am dünnsten besiedelste Englands) gerade recht, wenn einmal im Jahr eine richtig schöne Landwirtschaftsshow abgehalten wird, die Alwinton Border Shepherds‘ Show, und zwar in dem kleinen Dorf Alwinton. Am jeweils 2. Samstag im Oktober findet diese „Country Fair“ statt, in diesem Jahr am 8. Oktober und das, wenn ich das richtig sehe, zum 154mal.

Im Mittelpunkt der Show stehen die Schafe, von denen es hier im Border Country an der Grenze zu Schottland jede Menge gibt. Die schönsten Tiere werden ausgezeichnet, einige müssen aber auch (ob sie wollen oder nicht) bei den Sheep Dog Trials mitmachen; das sind die Wettbewerbe, bei denen Border Collies verschiedene Aufgabe bekommen, mit dem Ziel eine kleine Herde von Schafen in ein „pen“, einen Pferch, zu treiben. Wenn alle Schafe darinnen versammelt sind und das Gatter geschlossen ist, ist die Aufgabe von Hund und „Handler“ erfüllt. Den Border Collies scheint das Spaß zu machen, den Schafen eher nicht. Wie das Ganze abläuft, kann man in diesem Film sehen.

Auf der Show in Alwinton gibt es natürlich noch sehr viel mehr Attraktionen: Hunderennen, Fell Races (Querfeldeinrennen jeweils für Erwachsene und für Kinder), Ringkämpfe im Cumberland & Westmorland-Stil und jede Menge Verkaufsbuden und Erfrischungsstände, sowie Autoscooter und die unvermeidliche Hüpfburg.

Wenn nach diesem ereignisreichen Samstag alles abgebaut ist, kehrt wieder Ruhe in Alwinton ein und das kleine Dörfchen versinkt bis zum nächsten Oktober erneut in einen Dornröschenschlaf.

Ob ich wohl zum schönsten Schaf der Landwirtschaftsshow gekürt werde?
Photo © David Clark (cc-by-sa/2.0)
Ein weiterer Wettbewerb: Terrier racing.
Photo: johndal.
Creative Commons 2.0
Published in: on 6. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein DVD-Tipp – Vigil: Tod auf hoher See

Copyright EDEL MOTION

Die sechsteilige erste Staffel der britischen Thrillerserie „Vigil“ wurde im August/September 2021 erstmals auf BBC One gesendet, die synchronisierte deutsche Version unter dem Titel „Vigil: Tod auf hoher See“ von ARTE im Januar 2022. Jetzt erschien die DVD bei EDEL MOTION.

„Vigil“, eine der erfolgreichsten TV-Serien der letzten Jahre in Großbritannien, ist ein Thriller, der zur Hälfte an Bord eines U-Bootes der Royal Navy und zur Hälfte an der schottischen Küste spielt. Detective Chief Inspector Amy Silva (gespielt von Suranne Jones, die schon in vielen Fernsehserien mitgespielt hat) erhält den Auftrag, einen mysteriösen Todesfall an Bord des U-Bootes „Vigil“ aufzuklären und muss dort für mehrere Tage mitfahren, was ihr schwerfällt, denn sie leidet unter einem persönlichen Trauma, außerdem wird sie von der Besatzung unfreundlich empfangen. An Land versucht Amys Kollegin (die beiden verbindet auch eine Liebesbeziehung) Detective Sergeant Kirsten Longacre (gespielt von Rose Leslie, die einigen vielleicht noch aus „Downton Abbey“ bekannt sein könnte, wo sie das Hausmädchen Gwen Dawson spielt) ebenfalls an dem Fall zu arbeiten, der sich inzwischen als Mordfall herausgestellt hat. Die Ermittlungsarbeiten werden ihr durch die Royal Navy und den Geheimdienst nicht gerade leicht gemacht. Amy Silva durchlebt inzwischen an Bord der „Vigil“ einige Horrortage, die ihr fast das Leben kosten.
Ein weiterer Hauptdarsteller ist übrigens Shaun Evans, den wir aus der TV-Serie „Der junge Inspektor Morse“ kennen. Er spielt den Warrant Officer Elliot Glover.

334 Minuten Hochspannung, obwohl mir einige Handlungsabläufe nicht sehr realistisch erscheinen. Eine zweite Staffel soll in Vorbereitung sein.
Hier ist der Trailer zur ersten Staffel.

Published in: on 5. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Vicar’s Pele Tower in Corbridge (Northumberland) – Erst Pfarrhaus, heute Mikro-Pub

Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Heute begeben wir uns noch einmal nach Northumberland an den River Tyne, wo ich erst kürzlich über den Hexham Salmon Run berichtete. Nur ein kleines Stück weit flussabwärts von Hexham liegt Corbridge, eine kleine Stadt mit rund 4000 Einwohnern. Dort am Marktplatz steht die St Andrew’s Church, eine wunderschöne Kirche, deren älteste Teile bis ins achte Jahrhundert zurückreichen. Doch die Kirche steht nicht im Mittelpunkt meines heutigen Blogeintrags, sondern The Vicar’s Pele Tower, der auf dem Kirchhof von St Andrew’s zu finden ist und an den sich einige Grabsteine anschmiegen. Pele Towers sind Wachtürme, die im englisch-schottischen Grenzbereich dafür vorgesehen waren, vor marodierenden und mordenden Banden, den sogenannten „border reivers„, zu warnen (Näheres über diese Türme sind in einem gesonderten Blogeintrag zu finden).

Dieser Turm hier in Corbridge wurde im Jahr 1318 erbaut und diente dem Pfarrer von St Andrew’s als Pfarrhaus und das bis in das frühe 17. Jahrhundert. Dann stand der Pele Tower leer bis ihn der Duke of Northumberland 1910 wieder aufhübschen ließ. Natürlich diente der Turm nicht mehr als Pfarrhaus, dafür war die Fläche zu klein, in jedem der Stockwerke befindet sich nur ein Raum. Vor sechs Jahren wurde The Vicar’s Pele Tower im Inneren komplett umgestaltet und für Veranstaltungen und Hochzeitsfeiern genutzt. Jetzt ist im Turm ein Mikro-Pub untergebracht, man kann sein Getränk auf einem der Stockwerke genießen oder draußen vor der Tür, wo es nicht so beengt zugeht. Ein sehr stylish eingerichteter Pub mit sehr viel Atmosphäre.

Dieser Film zeigt einen Spaziergang durch Corbridge in Northumberland.

Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Joseph Darby (1861-1937) aus Netherton (West Midlands) – Beruf: Show Jumper

Der sprungbereite Joseph Darby auf seinem Monument in Netherton.
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Es ist schon eigenartig, worin der Lebensinhalt mancher Menschen besteht. Der von Joseph Darby aus der Stadt Netherton bei Dudley in den West Midlands beispielsweise, der von 1861 bis 1937 lebte, war „Aus-dem-Stand-springen„. Also kein Weitsprung, Hochsprung oder Vergleichbares mit Anlauf, sondern aus ruhender Position über Hindernisse springen. Und weil das für Mr. Darby manchmal zu einfach war, setzte er noch einen Schwierigkeitsgrad oben drauf und nahm bei seinen Sprüngen Gewichte in die Hand. Auch damit kann man seinen Lebensunterhalt verdienen und zwar international, denn 1887 nahm er den amtierenden amerikanischen Weltmeister im „spring jump“, George W. Hamilton, aufs Korn, den er prompt besiegte. Ja, in seiner Spezialdisziplin schien Joseph Darby unbesiegbar.

Sein Ruhm drang sogar bis ins britische Königshaus vor, und so ließ es sich Edward VII. nicht nehmen, sich die Künste des Mannes einmal selbst anzusehen. Joseph Darby tingelte durch das ganze Land und trat auf Showbühnen auf, wobei er über alles mögliche hinwegsprang. Im Ausland wurden seine Künste ebenfalls bewundert, so trat er in dem berühmten Cirque d’Hiver in Paris und dem Berliner Pendant, dem Wintergarten, auf. Ende des 19. Jahrhunderts hatte Darby so viele Rekorde erzielt wie niemals jemand zuvor.

Erst sehr spät, nämlich 1991, kam man in Joseph Darbys Geburtsstadt Netherton auf die Idee, dem Show Jumper ein Denkmal zu setzen. Es zeigt ihn auf einer Kugel wie er gerade zu einem Sprung ansetzt und dabei Gewichte in den Händen hält. Auf dem Monument sind Informationstafeln angebracht, auf denen man Darbys größte Erfolge nachlesen kann, als auch Abbildungen wie er über ein Pferd und über einen Stuhl springt. Zu finden ist das Denkmal an der Halesowen Road gegenüber vom The Old Swan, der Hausnummer 89.

Im Museum von Dudley sind einige Erinnerungsstücke zu sehen wie zum Beispiel seine Siegergürtel wie dieser Film zeigt.

Es gibt auch einen Song über den Show Jumper: „Joe Darby„, geschrieben und gesungen von John Langford.

Published in: on 3. März 2022 at 02:02  Kommentar verfassen  

The Earl of St Vincent – Der „Uhren-Pub“ in Egloshayle bei Wadebridge in Cornwall

Photo © William Bartlett (cc-by-sa/2.0)

Admiral Sir John Jervis (1735-1823) wurde der erste Earl of St Vincent, weil er als Oberbefehlshaber der britischen Flotte maßgeblich bei der Seeschlacht von St Vincent am 14. Februar 1797 beteiligt war. Nur die wenigsten wissen wohl, wo St Vincent zu finden ist; es handelt sich nicht um die Karibikinsel, sondern um das Kap St Vincent an der portugiesischen Algarveküste. Sir John Jervis war in vielen Kriegen aktiv und erreichte trotzdem das hohe Alter von 88 Jahren. Er soll an Bord seiner Schiffe ein strenges Regiment geführt und seine Untergebenen hart bestraft haben, wenn sie nicht so wollten wie er das für richtig hielt.

Diese Denkweise hat der Wirt des nach dem Admiral benannten Pub The Earl of St Vincent in dem kleinen Dorf Egloshayle vor den Toren der Stadt Wadebridge in Cornwall nicht übernommen und behandelt seine Gäste zuvorkommend und freundlich. Über das Dorf gibt es nicht besonders viel zu berichten; es liegt am Camel River und ist in bestimmten Kreisen bekannt geworden durch das Lied „The Ringers of Egloshayle„, das sich mit den Glöcknern der örtlichen St Petrocs Church beschäftigt.

Zurück zum Pub. Uhrenliebhaber werden in Verzückung geraten, wenn sie den Gasthof betreten, denn wohin man blickt, überall stehen und hängen Uhren. Es sollen weit über 200 Exemplare sein und es heißt, dass der Landlord etwa zwei Tage braucht, um sie alle zu stellen beziehungsweise aufzuziehen. Da die meisten von ihnen zur vollen Stunde schlagen (einige auch mehr als das) ist also in den Gasträumen ganz schön was los, wenn die Uhren alle gleichzeitig oder etwas versetzt „zuschlagen“. Der Bierlieferant ist übrigens die  St. Austell Brewery, auf der südlichen Seite der kornischen Küste (ich stellte sie in meinem Blog einmal vor).

The Earl Of St. Vincent
Egloshayle Village
Wadebridge PL27 6HT

St Petroc’s Church.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. März 2022 at 02:01  Kommentar verfassen