Exzentriker – Francis Henry Egerton, 8th Earl of Bridgwater (1756-1829)

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Geldprobleme kannte Francis Henry Egerton, 8th Earl of Bridgwater, nie. Er erbte den Titel von seinem Bruder und noch dazu ein beträchtliches Vermögen. Geboren wurde er 1756 in London; er genoss eine exzellente Ausbildung, zuerst in Eton dann in Oxford im Christ Church College, wurde Fellow im All Souls College, ebenfalls in Oxford, und trat in die Royal Society ein. So weit so gut, es hätte ein ganz normales, von wissenschaftlichem Arbeiten bestimmtes Leben werden können, doch der Earl hatte stark ausgeprägte exzentrische Züge, die ihn auf ganz andere Bahnen führten.

Eigentlich war Francis Henry Egerton auch zuständig für zwei Pfarrgemeinden in der Grafschaft Shropshire, aber darum kümmerte er sich so gut wie gar nicht und ließ die Aufgaben dort von einem Stellvertreter übernehmen.

Der Earl verließ sein Heimatland und zog nach Paris, warum ist nicht so ganz klar, denn er äußerte sich mehrfach, dass er die Stadt hasste. Er wohnte sehr komfortabel in der rue St Honoré in der Nummer 335, ein Haus, das er Hotel Egerton nannte. Und hier konnte er seine Exzentrik so richtig ausleben. Der Earl liebte Hunde und hatte viele davon. So war es ein Ritual im Hause Egerton, dass sich jeden Abend der Hausherr samt Hundeschar an einem langen Tische zum Diner einfanden. Jeder Hund hatte seinen eigenen Stuhl, trug eine Serviette um den Hals und wurde von einem der vielen Angestellten des Hauses bedient. Alle Vierbeiner trugen handgefertigte Lederschuhe. Obwohl der Earl den renommierten, französischen Koch André Viard eingestellt hatte, soll es jeden Abend nur gekochtes Rindfleisch mit Kartoffeln gegeben haben. Egerton war eben ein Engländer…

Er legte aber nicht nur auf die Schuhauswahl seiner Hunde wert, auch seine eigene stand im Zentrum seines Interesses. Jeden Tag trug er ein neues Paar, das er am folgenden Tag neben die getragenen der vorherigen Tage stellte, so konnte er am jeweiligen Verschmutzungsgrad noch nach längerer Zeit sagen wie das Wetter gewesen war.

Der Earl war in England ein leidenschaftlicher Jäger gewesen, ein „Sport“, den er in der Stadt Paris schwerlich ausüben konnte. Da sein Hotel Egerton aber über einen Garten verfügte, hielt er dort 300 Rebhühner, die er nach Lust und Laune erlegte.

Einmal soll Francis Henry Egerton eine längere Reise in die französische Provinz geplant haben, mit der die Hausangestellten schon wochenlang vorher beschäftigt waren. Als schließlich alles gepackt war, ging die Reise los: Der Earl und seine Hundeschar fuhren in einer Kutsche vorneweg, es folgten sechzehn weitere Kutschen, die alle mit Gepäck vollbeladen waren und dreißig Hausangestellte zu Pferd. Die Nachbarn in der rue St Honoré staunten nicht schlecht, als sie die Kavalkade abziehen sahen, sie staunten aber noch mehr, als alle einige Stunden später wieder zuhause waren. Angeblich soll der Earl bei der Suche nach einem Mittagessen außerhalb der Stadt so enttäuscht gewesen sein, dass kein Restaurant sein geliebtes gekochtes Rindfleisch auf der Speisekarte hatte, dass er entschloss, die Reise abzubrechen und in sein Hotel Egerton zurückzukehren, wo er sicher sein konnte, seine Lieblingsspeise vorgesetzt zu bekommen.

Der Exzentriker starb am 11. Februar 1829 in Paris, wurde dort aber nicht beigesetzt, sondern ganz in der Nähe des Familiensitzes Ashridge in Hertfordshire, in dem Dörfchen Little Gaddesden, wo die Egertons in der Kirche St Peter and St Paul eine Familienkapelle hatten. Sein Grabmonument hatte der Earl schon selbst entworfen, es zeigt eine Frau mit einem Elefanten, einem Storch und einem Delfin. Niemand weiß, was der Earl damit ausdrücken wollte.

Die rue St Honoré in Paris.
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Das Grabmal des Earls in Little Gaddesden.
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St Peter and St Paul in Little Gaddesden (Hertfordshire).
Photo © Gerald Massey (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 6. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen