Martha Gunn (1726-1815) – Eine Berühmtheit im Seebad Brighton

Martha Gunns Grabstein auf dem Kirchhof von St Nicholas.
Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)

Folgendes Szenario im Seebad Brighton an der englischen Südküste ist möglich:
Ich mache einen Spaziergang durch die Stadt und treffe auf einen doppelstöckigen Linienbus, auf dessen Frontseite der Name „Martha Gunn“ prangt. In Brighton und Hove haben die Busse Namen, mehr darüber in einem früheren Blogeintrag. Dann spaziere ich durch die Upper Lewis Road und finde dort an der Ecke Edinburgh Road einen Pub, der den Namen „Martha Gunn“ trägt. Anschließend statte ich dem Kirchhof der St Nicholas Church an der Church Road einen Besuch ab und sehe dort einen großen, gepflegten Grabstein mit der Inschrift:

In Memory of Stephen Gunn….Also Martha, Wife of Stephen Gunn, who was Peculiarly Distinguished as a bather in this Town nearly 70 Years. She died 2nd of May 1815. Aged 88 Years„.

Nach dem Besuch auf dem Kirchhof setze ich mich in mein Auto, stelle mein Radio auf den Sender Southdown Radio Brighton ein und höre den Song „Minute of My Time„, der gerade gespielt wird. Die Interpreten: MarthaGunn, eine Rock/Popgruppe aus Brighton.

Wer war denn nun diese Frau, deren Namen man in dem Seebad so häufig liest? Martha Gunn war von Beruf „dipper„, was man im Deutschen vielleicht mit „Bademaschinistin“ oder „Badekarrenbedienerin“ übersetzen könnte. Zu Marthas Lebzeiten waren knappe Bikinis völlig undenkbar, damals stiegen die Damen ziemlich verhüllt zum Baden ins Meer, natürlich separat von den Männern. In meist von Pferden gezogenen, sogenannten „bathing machines“ ging es an den Strand, die Damen zogen sich darin um und wagten einige zaghafte Schritte ins Wasser, unterstützt von jenen oben erwähnten Dippern. Martha Gunn war damals die bekannteste unter ihnen, sie hatte sogar gute Beziehungen zum Königshaus, speziell zu dem späteren König George IV., als er noch der Prince of Wales war und häufig Brighton besuchte.

Martha Gunn wohnte nur ein paar Schritte von ihrem Arbeitsrevier, dem Strand und dem Meer, entfernt, in der East Street Nummer 36, in einem hübschen, kleinen Haus, das noch immer dort steht, mittlerweile unter Denkmalschutz. Freunde der veganen Küche werden in dem Restaurant Kokedama, das heute unter dieser Adresse zu finden ist, voll auf ihre Kosten kommen.
Gleich um die Ecke herum, am Castle Square, residiert das Blumengeschäft Gunns Florist, das von Nachfahren von Martha betrieben wird, ein weiteres ist in der Sydney Street zu finden.

Photo: Aaron Rhys Knight.
Creative Commons 2.0
Eine bathing machine, zwei dipper und badefreudige Damen.
This work is in the public domain.
Published in: on 30. Juni 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Sänger Nick Drake (1948-1974) und Bury St Edmunds in Suffolk

The Angel Hotel.
Photo: Martin Pettitt.
Creative Commons 2.0

Einen richtigen Durchbruch im Musikgeschäft hatte der englische Sänger und Songwriter Nick Drake (1948-1974) nie geschafft und ist in der breiten Öffentlichkeit auch nicht besonders bekannt gewesen. Er wurde nur 26 Jahre alt und starb an einer Überdosis Anti-Depressiva. Dass er kein sehr glücklicher Mensch gewesen war, ist seinen Songs anzuhören. Ich habe in einem früheren Blogeintrag über ihn in Zusammenhang mit dem Kirchhof von St Mary Magdalene und seinem Grab in Tamworth-in-Arden in Warwickshire geschrieben.

Nick Drake hielt sich einmal eine Zeit lang in der Stadt Bury St Edmunds auf und wohnte im Angel Hotel am Angel Hill, direkt gegenüber vom Abbey Gate, durch das man in die Abbey Gardens gelangt. Der Blick vom Hotelfenster inspirierte ihn zu seinem Song „Gates to the Garden„, der im Jahr 2001, also viele Jahre nach seinem Tod, als Remastered Version auf dem Album „No More Shall We Part“ veröffentlicht wurde.

In Bury St Edmunds hatte man sich sicher darüber gefreut, dass die Stadt in diesem Lied besungen wurde. Nick Drake schildert darin einen Spaziergang, der am Angel Hotel mit seiner efeuumrankten Fassade beginnt und ihn über den Athenaeum Lane zur St Edmundsbury Kathedrale führt. Dort lässt er sich auf dem Kirchhof auf einer Bank nieder und denkt über die Schicksale der Menschen nach, die hier beerdigt worden sind. Die Glocke der Kathedrale erinnert ihn an eine Verabredung mit einer Freundin (?), die auch auf ihn wartet („Alive and leaning on the gates of the garden“). Das Lied endet mit den Zeilen:

„Leave these ancient places to the angels
Let the saints attend to their keeping of the cathedrals
And leave the dead beneath the ground so cold
For God is in this hand that I hold
As we open up the gates of the garden“

Wunderschön ausgedrückt! Hier ist der Song zu hören.

Einen Besuch in Bury St Edmunds kann ich sehr empfehlen, im besonderen der Kathedrale und den sehr schönen Abbey Gardens, vor allem dem Appleby Rose Garden.

Abbey Gate.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)
Athenaeum Lane.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)
St Edmundsbury Cathedral.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 29. Juni 2022 at 02:00  Comments (1)  

The Admiral Wells – Großbritanniens tiefstgelegener Pub in Holme (Cambridgeshire)

Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Am 12. August 2012 schrieb ich in meinem Blog über Großbritanniens höchstgelegenen Pub, den Tan Hill Inn, der nach eigenen Angaben 1732 Fuß, entsprechend 527 Meter, in North Yorkshire liegt. Wo findet man aber sein Gegenstück, das tiefstgelegene Gasthaus im Land? Da tippt man doch automatisch auf die Region East Anglia…und das ist auch richtig. Das riesige Feuchtgebiet der Fens, das trockengelegt worden ist und als Weide- und Ackerland verwendet wird, liegt teilweise unter dem Meeresspiegel, und da finden wir unseren Pub The Admiral Wells in Holme in Cambridgeshire, der etwa drei Meter unter dem Meeresspiegel liegt.

Wer auf der A1 (M) nordwärts oder südwärts fährt, kann bei Junction 15 respektive Junction 16 abfahren und dem Admiral Wells einen Besuch abstatten, denn der Pub liegt nur wenige Fahrminuten entfernt. Das Free House, das schon einmal einen Gold Award der Campaign For Real Ale erhalten hat, wurde nach Vice Admiral Thomas Wells (1759 – 1811) benannt, dessen Familie in der Region ansässig war. Thomas Wells diente als Kommandeur mehrerer Schiffe der Royal Navy und war 1805 einer der Sargträger bei Lord Nelsons Beerdigung in London.

Im Pub haben die Gäste die Auswahl unter mehreren Real Ales, darunter die von der Adnam’s Brewery aus Southwold in Suffolk, und sehr schön fand ich den Hinweis, dass die Speisekarte für Kinder auch von Kindern zusammengestellt worden ist.

The Admiral Wells
41 Station Road
Holme
Peterborough

PE7 3PH

Published in: on 28. Juni 2022 at 02:00  Comments (1)  

Tiverton and Honiton – Ein Wahlkreis in Devon, der bei Nachwahlen für Entsetzen bei der konservativen Partei sorgte

Tiverton am River Exe in Devon.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

In dem Wahlkreis Tiverton and Honiton in der Grafschaft Devon wählen die Bürgerinnen und Bürger seit Menschengedenken konservativ. Die Tories brauchten sich hier nie Gedanken machen, ob sie bei den Wahlen zum Unterhaus nicht den Abgeordneten stellen würden…bis zu den Nachwahlen am 23. Juni diesen Jahres. Da wurden die Wahlergebnisse der letzten Jahrzehnte auf den Kopf gestellt. Erhielt der bisherige MP bei den letzten General Elections Neil Parish noch satte 60,2%, bekam seine Nachfolgerin Helen Hurford nur noch 38,4%, ein Minus von 21,8%.

Was wollte die Wählerschaft von Tiverton and Honiton damit zum Ausdruck bringen? Einerseits wollte sie den Premierminister Boris Johnson abstrafen, der durch seine Affären der letzten Zeit immer unpopulärer geworden ist, andererseits gab sie damit ihren Unmut über den bisherigen konservativen MP zum Ausdruck, wegen dem es überhaupt zu Nachwahlen in dem Wahlbezirk gekommen ist. Neil Parish hatte nämlich im Unterhaus bei Sitzungen nichts Besseres zu tun gehabt, als sich auf seinem Smartphone ein paar Pornofilme anzugucken. Dabei bemerkte er offenbar nicht, dass das zwei Kolleginnen von ihm sahen und sich darüber beschwerten, was zum Rücktritt des MPs führte.

Die Wählerinnen und Wähler von Tiverton and Honiton wandten sich am 23. Juni aber nicht etwa der Labour Party zu, die in dem Wahlkreis noch nie eine besondere Rolle gespielt hat (sie erhielt 15,8% weniger Stimmen als bei den letzten Wahlen und stürzte auf sagenhaft schlechte 3,7% ab). Als strahlender Sieger ging der Kandidat der Liberal Democrats Richard Foord aus den Nachwahlen hervor, der einen Stimmengewinn von 38% erreichte und seiner Partei zu 52,8% verhalf. Knapp 30% der konservativen Wähler haben sich den LibDems zugewandt.
Bereits im April diesen Jahres konnten die Liberaldemokraten im benachbarten Wahlbezirk Cullompton South in Mid-Devon die Konservativen bei Nachwahlen bezwingen, indem sie 26,2% zulegten und 47,9% der Stimmen bekamen.

Bei den Nachwahlen in Wakefield in West Yorkshire, ebenfalls am 23. Juni, konnten die LibDems bei weitem nicht so gut punkten; dort im Norden des Landes erreichten sie gerade einmal 1,8%. Auch in Wakefield wurden die Tories abgestraft, indem sie einen Stimmenverlust von 17,3% hinnehmen mussten und auf 30% zurückfielen, während Labour auf 47,9% kletterte, ein Plus von 8,1%.

Wie lange noch, Boris Johnson?

Die High Street von Honiton in Devon.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 27. Juni 2022 at 02:00  Comments (2)  

RAF Lakenheath in Suffolk und die Atombomben

Hier darf keiner rein! Im Hintergrund sind die ehemaligen Lagerhallen für Atombomben zu sehen.
Photo © Bob Jones (cc-by-sa/2.0)

Im Mai diesen Jahres kam es vor den Toren des Flugplatzes RAF Lakenheath in der Grafschaft Suffolk zu Protesten. Das riesige Areal wird, zusammen mit dem benachbarten Flugplatz RAF Mildenhall, von der US-amerikanischen Luftwaffe genutzt und soll möglicherweise erneut zur Lagerung von Atomwaffen verwendet werden. Die Befürchtungen der Protestler, organisiert von der Campaign for Nuclear Disarmament, gehen dahin, dass im Ernstfall die Region als erstes als Angriffsziel in Frage käme.

Im Jahr 2008 wurden alle Atomsprengköpfe aus ihren Lagern aus Lakenheath abgezogen, worüber die Bevölkerung mehr als glücklich war, denn es gab in der Vergangenheit zwei Zwischenfälle, die katastrophal hätten ausgehen können.
Am  27. Juli 1956 geriet ein B-47-Bomber beim Landeanflug von der Runway ab und kollidierte mit einer der Lagerhallen, in denen Atombomben aufbewahrt wurden. Wie durch ein Wunder kam es zu keiner nuklearen Katastrophe, obwohl das Flugzeug explodierte und der brennende Treibstoff sich über die Bomben ergoss.

Im Januar 1961 entging Suffolk einer weiteren möglichen Katastrophe als eine unter einer F-100 Super Sabre angebrachte Wasserstoffbombe Feuer fing, weil sich auch bei diesem Zwischenfall brennender Treibstoff über sie ergossen hatte. Beide Vorfälle wurden sowohl von britischer als auch von US-amerikanischer Seite vor der Öffentlichkeit verschwiegen und kamen erst sehr viel später ans Tageslicht.

Ich bin einmal auf der A1065 an RAF Lakenheath vorbeigefahren; man fährt scheinbar endlos an dem umzäunten Militärgelände entlang. Es gibt hier auch, etwas abseits der Straße, eine Viewing Area, aber außer Start-und Landebahnen gibt es nicht viel zu sehen.

Der kleine Ort Lakenheath, im Schatten des Flughafengeländes, sieht etwas trostlos aus. Entlang der High Street ziehen sich Tätowierstudios, Kebap- und Fish and Chipsläden, ein Beerdigungsinstitut und weitere nicht besonders attraktive Geschäfte entlang. So richtig wohl fühlt man sich in diesem Teil von Suffolk nicht.

Hier sind Bilder von startenden und landenden Jets auf RAF Lakenheath zu sehen.

Photo © Chris (cc-by-sa/2.0)
Die Viewing Area.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)
Das Dorfschild von Lakenheath.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 26. Juni 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Bananarama: „Robert de Niro’s Waiting“ – Ein Musikvideo aus dem Jahr 1984

Eine der ersten erfolgreichen britischen Girl Groups waren Bananarama, die 1979 gegründet wurde. Die Gründungsmitglieder waren Siobhan Fahey, Keren Woodward und Sara Dallin, und die Band hält noch heute den Rekord im Guinness Book of Records als die Girl Group mit den meisten Charthits in der Geschichte der Popmusik.

Siobhan Fahey, der Name verrät es schon, wurde in Irland geboren, Keren Woodward und Sara Dellin erblickten beide in Bristol das Licht der Welt.

Aus dem Album „Bananarama“ (1984) stammt der Song „Robert de Niro’s Waiting„. Eigentlich sollte er „Al Pacino’s Waiting“ heißen, aber der Name Robert de Niro ließ sich textlich besser verarbeiten. Als Robert de Niro von diesem „Tribut“-Song hörte, rief er die Band an und verabredete sich mit den drei jungen Damen zum Abendessen, die darüber natürlich begeistert waren.

Regisseur des Musikvideos war der 1993 verstorbene Duncan Gibbins, der zum Beispiel auch für Whams „Club Tropicana“  und „Who’s That Girl?“ von den Eurythmics  verantwortlich zeichnete.

Der Song erreichte Platz 3 der britischen Charts, Platz 7 in Deutschland.

Der besungene Robert de Niro.
Photo: Gorup de Besanez.
Creative Commons 4.0
Published in: on 25. Juni 2022 at 02:00  Comments (2)  

King’s Lynn in Norfolk – Geburtsstätte der ersten CCTV-Kameras im öffentlichen Raum

Hinweisschild auf Überwachungskameras (allerdings nicht aus King’s Lynn).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Wir bleiben heute noch einmal in der Region der gestern vorgestellten Knochenmühle und begeben uns nach King’s Lynn in Norfolk.

Bei den CCTV-Kameras ist es wie mit dem Brotaufstrich Marmite, entweder man hasst sie oder man liebt sie. Großbritannien gehört weltweit zu den Ländern, die die meisten Closed-circuit Television-Kameras aufgestellt haben. Ist das jetzt „Big Brother is watching you“ pur oder stellen diese Kameras für die Bevölkerung tatsächlich einen Schutz dar. Da gehen die Meinungen auseinander, aber ich habe den Eindruck, dass sich die meisten UK-Bürger mittlerweile an sie gewöhnt und auch akzeptiert haben. Etwa siebzigmal pro Tag wird jeder Brite von einer Überwachungskamera erfasst, und es gibt von ihnen weit mehr als vier Millionen, das bedeutet, dass auf vierzehn Bürger eine Kamera entfällt.

Nachdem schon seit längerem Versuche mit dieser Art der visuellen Überwachung in Großbritannien vorgenommen worden waren, wurde 1985 in Bournemouth an der Südküste das erste CCTV-System außerhalb geschlossener Räume installiert, und zwei Jahre später war die Stadt King’s Lynn in der Grafschaft Norfolk Vorreiter für die Überwachung öffentlicher Räume, indem die Stadtverwaltung, erstmalig im Land, CCTV-Kameras aufstellte, um die Sicherheit ihrer Bewohner zu erhöhen und die Kriminalität einzudämmen. In dem Gewerbegebiet North Lynn Industrial Estate war die Zahl der Einbrüche und Diebstähle dramatisch angestiegen und durch die Überwachungskameras, nachdem es sich in den einschlägigen Kreisen herumgesprochen hatte, ebenso dramatisch wieder zurückgegangen. Der Einsatz der CCTV-Kameras wurde in King’s Lynn auf die Parkplätze der Stadt ausgeweitet, mit beachtlichen Erfolgsergebnissen, denn die Quote der Kraftfahrzeug-Kriminalität ging um 97% zurück. Als andere Städte im Königreich von der „Wunderwaffe“ CCTV im Kampf gegen die steigende Kriminalität im Land erfuhren, übernahmen sie das Modell aus King’s Lynn.

Noch heute spielt der Einsatz von Überwachungskameras in der Stadt in Norfolk eine große Rolle in der Verbrechensbekämpfung und Verbrechensprävention. Rund um die Uhr sind die Kontrollräume mit erfahrenen Männern und Frauen besetzt, die in den vergangenen zwölf Monaten mit über 4500 von den Kameras erfassten Zwischenfällen konfrontiert waren.

North Lynn Industrial Estate.
Photo © Andy Peacock (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 24. Juni 2022 at 02:00  Comments (3)  

Die Knochenmühle von Narborough in Norfolk…und ihre Beziehung zu Hamburger Friedhöfen

Die Bone Mill vor der Restaurierung.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Das hätten sich Fiete, Jan und Erna damals im 19. Jahrhundert in Hamburg niemals träumen lassen, dass nach ihrem Ableben ihre Knochen einmal dazu dienen sollten, als Düngemittel in der englischen Grafschaft Norfolk eingesetzt zu werden. Es war tatsächlich so, dass Knochen aus Gräbern Hamburger Friedhöfe ausgebuddelt und diese per Schiff nach King’s Lynn in Norfolk gebracht wurden. Von dort ging es zur Narborough Bone Mill am River Nar, südlich der Hafenstadt gelegen, ja, und da wurden die Knochen klein gemahlen und konnten anschließend zur Düngung auf die Felder aufgebracht werden. Das Thema „Pietät“ spielte in dieser Zeit weder auf deutscher noch auf englischer Seite eine Rolle. Man sah das ganz pragmatisch: „One ton of German bone-dust saves the importation of ten tons of German corn“. Nun ja!

Die Knochenmühle am River Nar zerkleinerte natürlich nicht nur menschliche Knochen, das war so ein Art Beiwerk, in großem Stil nahm man sich hier Walknochen an. King’s Lynn war ein wichtiger Hafen für die Anlandung harpunierter Wale, die für alle möglichen Zwecke verwendet wurden, und was von ihnen dann übrig blieb, also die Knochen, schiffte man auf dem Fluss bis zu dem Dorf Narborough, wo die Wassermühle sich an die Arbeit machte.

Die Narborough Bone Mill wurde bewusst etwas entfernt von dem Dorf errichtet, denn der Gestank, den sie verbreitete, muss ziemlich fürchterlich gewesen sein. Nachdem im Jahr 1884 die Schifffahrt auf dem Fluss eingestellt worden war, ging es auch mit der Bone Mill zu Ende. Der größte Teil der Anlage wie die Lagerhallen wurde abgerissen, nur das fünf Meter hohe Mühlrad steht noch heute an derselben Stelle.

Der Heritage Lottery Fund förderte vor einigen Jahren die Restaurierung der Knochenmühle, die nur an wenigen Tagen zur Besichtigung freigegeben wird. Hier ist ein Film über die Mühle.

Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 23. Juni 2022 at 02:00  Comments (2)  

The Magic Roundabout in Swindon (Wiltshire) – Nichts für ängstliche Autofahrer

Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Wer zum ersten Mal mit dem Auto nach England fährt, muss sich an die vielen Kreisverkehre gewöhnen, die in umgekehrter Richtung befahren werden wie wir es aus Deutschland kennen. Kommt der unerfahrene Autofahrer nach Swindon in Wiltshire ist es sehr gut möglich, dass er mit dem Magic Roundabout konfrontiert wird, und er einen Schrecken bekommt, wenn er das Ankündigungsschild sieht. Dieser riesige Roundabout besteht nämlich aus einem großen Kreisverkehr in der Mitte, um den sich fünf weitere, kleinere Kreisverkehre schmiegen. Wer also beispielsweise von der A4312 aus Oxford kommt und auf die A4289 in Richtung Cirencester fahren will, der muss mehrere dieser ineinander verschachtelten Kreisverkehre bewältigen. Der Clou: Die kleinen, äußeren Kreisverkehre werden wie üblich im Uhrzeigersinn befahren, der große, innere jedoch gegen den Uhrzeigersinn. Na, macht das nicht Lust, mal nach Swindon zu fahren?

Der Verkehrsplaner Frank Blackmore (1916-2008) war für diese eigentlich County Islands Roundabout genannte Verkehrsverteilungsanlage verantwortlich, die 1972 in Betrieb genommen worden ist und den vorherigen Drove Roundabout ablöste, auf dem sich viele Unfälle ereignet hatten. Anfangs waren Polizisten an jedem der Mini-Kreisverkehre aufgestellt, um gegebenenfalls Autofahrern zu assistieren. Aber die meisten gewöhnten sich schnell an den Magic Roundabout und es haben sich über die Jahre hinweg erstaunlich wenig Verkehrsunfälle ereignet.

Kreisverkehrfans aus England kommen sogar gezielt nach Swindon, nur um den Magic Roundabout so richtig zu genießen und ihn immer wieder zu befahren.

In mehreren Umfragen, die vorgenommen worden sind, schneidet der MR ziemlich schlecht ab, so wurde er einmal als „the worst roundabout in the UK“ bezeichnet, einmal als „one of the world’s worst junctions„, und er ist ein fester Bestandteil der „10 Scariest Junctions in the United Kingdom„.

Da ich Kreisverkehre für die Verkehrslenkung sehr gut finde, habe ich in meinem Blog schon einige besondere Exemplare in England vorgestellt. Den Magic Roundabout in Swindon habe ich erst einmal befahren, und ich fand ihn gar nicht so schlimm. Dieser Film zeigt wie es geht.

Photo © Alby (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 22. Juni 2022 at 02:00  Comments (3)  

Englische Exzentriker – Peter Langan (1941-1988) – Restaurateur in London

Photo: markhillary.
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Im Jahr 1976 eröffneten der Schauspieler Michael Caine, der Chefkoch Richard Shepherd und der in Irland geborene Peter Langan (1941-1988) in der Stratton Street in Londons Stadtteil Mayfair gemeinsam ein Restaurant, das sie Langan’s Brasserie nannten. Was für eine Erfolgsgeschichte! Londons Prominenz ging hier jahrelang ein und aus; ob Mick Jagger, Elton John, Marlon Brando oder Jack Nicholson, die Reichen und die Schönen trafen sich in der Stratton Street, einmal um Richard Shepherds Gerichte zu genießen, andererseits, um sich überraschen zu lassen, was der exzentrische Peter Langan denn nun wieder treiben würde. Langan war Alkoholiker und soll täglich zwischen sieben und zwölf Flaschen Champagner getrunken haben. Hübschen jungen Damen in seinem Restaurant machte er hin und wieder das Angebot, wenn sie einen Striptease hinlegen würden, sie soviel Champagner trinken könnten wie sie wollten. Es soll durchaus ausziehwillige Damen gegeben haben, die sich dieses Angebot nicht entgehen lassen wollten. Manchmal fand man Peter Langan auch auf allen Vieren unter den Tischen wie er den weiblichen Gästen wie ein Hund in die Waden biss.

Peter hatte mit seinen prominenten Gästen keinerlei Berührungsängste und konnte schon sehr grob und unverschämt werden. Einmal soll er Prinz Albert von Monaco vor allen dessen Gästen gefragt haben „Stimmt es, dass Sie ein Scheiß-Schwuler sind?“ Ich bin mir nicht sicher, ob der Prinz dieses Etablissement noch einmal aufgesucht hat.

Eine Geschichte machte immer wieder die Runde. Als eine Dame in der Toilette eine Kakerlake fand und sich darüber bei Peter beschwerte, meinte der, dass diese Kakerlake tot sei, ihre eigenen im Restaurant aber quicklebendig wären, also könnte das Tier nicht von hier sein. Anschließend aß er es und spülte es mit einem Glas Champagner herunter.

Langan’s Brasserie hatte sich nicht nur durch das exzentrische Verhalten eines ihrer Besitzer in Londons Society einen Namen gemacht, sondern auch durch die vielen Kunstwerke namhafter Künstler, die in den Räumen aufgehängt waren, darunter Werke von David Hockney, Francis Bacon und Lucian Freud.

Peter Langan starb am 7. Dezember 1988 an den Folgen von Verbrennungen, die er bei einem Feuer in seinem Haus in Alphamstone in Essex erlitt. Es hieß, er hätte das Feuer selbst nach einem Streit mit seiner Frau entzündet.

Langan’s Brasserie gibt es noch immer unter diesem Namen in der Stratton Street, seit Oktober 2021 unter der Leitung von Graziano Arricale und James Hitchen, die das Restaurant komplett renoviert, aber Teile der „alten“ Brasserie mit übernommen haben.

Photo: BeeCeeMayfair.
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Published in: on 21. Juni 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Cowdray Park in West Sussex – Englands Mekka für Polospieler

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Was Ascot für den Pferderennsport, Wimbledon für Tennis, Lord’s für Cricket und Wembley für Fußball ist, das ist Cowdray Park für den Polosport. Cowdray Park liegt bei Midhurst in der Grafschaft West Sussex, einer Kleinstadt an der A272. Hier wird schon seit über hundert Jahren vor der romantischen Kulisse der Ruinen von Cowdray House (das am 24. September 1793 in Flammen aufging) Polo gespielt. Im Jahr 1910 wurde der Cowdray Park Polo Club gegründet, noch heute einer der berühmtesten Polo Clubs in der ganzen Welt. Hier wird jährlich der Gold Cup for the British Open Polo Championship ausgetragen, zu dem die besten Polospieler der Welt anreisen. In diesem Jahr findet dieses sportliche Ereignis in der Zeit vom 21. Juni bis zum 17. Juli statt, an dem vierzehn Teams teilnehmen werden.

Ich greife kurz auf die Wikipedia zurück, um den Polosport zu umreißen: „Polo ist eine Mannschaftssportart, bei der die auf Pferden reitenden vier Spieler pro Mannschaft einen Ball mit einem langen Holzschläger in das gegnerische Tor schlagen. Die Spieler tragen Helme und wechseln während des Spiels mehrfach die Pferde„. Klingt recht einfach, ist es aber nicht; da gibt es noch viele Regeln, auf die ich aber nicht näher eingehen möchte.

Der Polosport ist mit der britischen Upper Class verbunden. Prince Charles war eine Zeit lang Polospieler und besuchte an seinem zweiten Hochzeitstag, am 9. Juli 1983, gemeinsam mit seiner damaligen Frau Diana Princess of Wales, Cowdray Park, um sich ein Match anzuschauen. Auch ihre beiden Söhne Prince William und Prince Harry spielen Polo, unter anderem auch hier in Cowdray Park.

Hier sind einige Bilder vom letztjährigen Gold Cup.

Die Ruinen von Cowdray Park.
Photo © Kurseong Carl (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 20. Juni 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Ein Besuch in Hillesheim in der Eifel, Deutschlands Krimi-Hauptstadt Teil 2: Das Kriminalhaus

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Keine hundert Meter vom Krimi-Hotel in Hillesheim in der Eifel entfernt, steht das Kriminalhaus, das die Besitzer Monika und Ralf Kramp im September 2007 eröffnet haben und das das zweite Standbein für Deutschlands Krimi-Hauptstadt ist. Auch hier ist wieder ein sehr enger Bezug zu Großbritannien spürbar, so steht vor dem Eingang ein alter Austin und eine rote Telefonzelle.

Das Kriminalhaus ist unterteilt in das ebenerdige Café Sherlock, die daneben liegende Buchhandlung Lesezeichen und in den oberen Stockwerken das Deutsche Krimi-Archiv mit einer Sammlung von über 30 000 Bänden und vielen Nebenräumen, die alle dem Thema „Krimi“ gewidmet sind.

Betritt man das Café Sherlock gelangt man in eine andere Welt. Hier geben die Größen der Kriminal-Literatur den Ton an. Als erstes fiel mir ein großartiges Porträt von David Suchet auf, der in der englischen TV-Serie den Hercule Poirot verkörpert. Das Bild ist mit einer persönlichen Widmung an Ralf Kramp versehen, entstanden, wie er mir erzählte, im Londoner St James’s Club, wo er den Schauspieler traf. Das Porträt hat Ralf Kramp übrigens selbst gemalt, war er doch einmal Karikaturist beim Kölner Stadtanzeiger gewesen.
Man kommt aus dem Staunen im Café Sherlock gar nicht mehr heraus; hier gibt es so viel zu sehen, dass man Stunden bräuchte, um alles in sich aufzunehmen. Beispiel: Ein Vitrinentisch ist Lieutenant Columbo gewidmet, in dem „Devotionalien“ von dem berühmten Detektiv aus Los Angeles zu bewundern sind wie ein Miniaturmodell seines alten klapprigen Peugeot 403-Cabrios und eine Streichholzschachtel von Barney’s Beanery, jenem Lokal, in dem Columbo immer seinen geliebten Chili isst. In dem Café sind mit außerordentlich viel Liebe über Jahre hinweg Kuriositäten zusammengetragen worden, bei deren Anblick jedem Krimi-Liebhaber das Herz aufgeht.

Die Buchhandlung Lesezeichen schließt sich an das Café Sherlock an, das Reich von Monika Kramp; helle, freundliche, ansprechende Räumlichkeiten, selbstverständlich mit einer Spezialabteilung für Krimis, auch hier stehen überall zwischen den Büchern Kuriositäten herum.

Das Deutsche Krimi-Archiv findet man in den oberen Stockwerken, wo, wie bereits erwähnt, mehr als 30 000 Kriminalromane, alphabetisch sortiert, darauf warten, wieder einmal gelesen zu werden. Spezialsammlungen schließen sich an wie die Agatha Christie-Abteilung und das Sherlock-Holmes-Archiv. Hier wirkt nichts angestaubt oder langweilig, überall sind die Räume aufgelockert durch Fotos, Filmbilder und jede Menge anderer humorvoller und interessanter Dinge.

Ganz oben unter dem Dach, durch eine Wendeltreppe zu erreichen, ist schließlich die Spieleabteilung untergebracht, deren Spiele gleich vor Ort ausprobiert werden können. Bei meinem Besuch war der Raum von einer Familie belegt, die eines davon gerade benutzten.

Im Kriminalhaus sind auch die Büros des KBV-Verlages zu finden. Verlagsleiter Ralf Kramp, selbst Autor zahlreicher Krimis (siehe hierzu meinen Blogeintrag), verlegt seit über zwanzig Jahren Kriminalromane deutschsprachiger Autoren mit dem Schwerpunkt Regionalkrimis.

Ein Besuch im Kriminalhaus ist sehr zu empfehlen, auch wenn man nicht besonders viel mit Krimis am Hut hat. Bei einer Tasse „Schwarzer Tod“-Espresso, einem Killerkakao, einem Stück Kuchen oder bei einem Ploughman’s Lunch im Café Sherlock hat man die Muße, die vielen Objekte des Raumes zu bewundern; es ist auch ein Stück England mitten in der Eifel. Das sympathische Ehepaar Monika und Ralf Kramp empfängt die Gäste auf liebenswürdige Weise.

Die Öffnungszeiten des Kriminalhauses: Mittwoch bis Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr.

Das Kriminalhaus
Am Markt 5 – 7
54576 Hillesheim

Das David Suchet-Porträt mit Widmung.
Eigenes Foto.
Im Café Sherlock.
Eigenes Foto.
Sherlock Holmes höchstselbst am Kamin in dem nach ihm benannten Café.
Eigenes Foto.
Einer der Vitrinentische im Café, hier der Hercule Poirot gewidmete.
Eigenes Foto.
Ein „Bobby“ wacht über die Café-Gäste.
Eigenes Foto.
Published in: on 19. Juni 2022 at 02:00  Comments (7)  

Ein Besuch in Hillesheim in der Eifel, Deutschlands Krimi-Hauptstadt Teil 1: Das Krimi-Hotel

Eigenes Foto

In dieser Woche war ich für ein paar Tage in der hübschen Kleinstadt Hillesheim in der Eifel, die sich zurecht „Deutschlands Krimi-Hauptstadt“ nennt. Im ersten Teil meiner Hommage an Hillesheim möchte ich über meinen Besuch im Krimi-Hotel berichten, morgen über das Kriminalhaus, das nur wenige Schritte vom Hotel entfernt ist. Beide Einrichtungen haben einen engen Bezug zu England.

Im Krimi-Hotel hat man die Auswahl unter themenbezogenen Zimmern und Suiten, die jeweils einem Autor/einer Autorin von Kriminalromanen und Filmgestalten gewidmet sind. Ich buchte die Barnaby-Suite im dritten Stock, über deren Bett ein großes Foto von John Nettles als DCI Barnaby und seinem ersten Assistenten Daniel Casey als DS Gavin Troy hängt. An den Wänden der Suite findet man weiterhin großformatige Szenenfotos aus einzelnen „Midsomer Murders“-Episoden wie „The Killings of Badger’s Drift“ (dt.“Tod in Badgers’s Drift“), „Written in Blood“ (dt.“Blutige Anfänger“) und „Dead Man’s Eleven“ (dt. „Sport ist Mord“).
Gleich im Eingangsbereich hängt ein gerahmter Übersichtsplan des Midsomer Counties mit den realen Namen der Schauplätze in Buckinghamshire und Oxfordshire. Für einen gesunden und sicheren Schlaf der Gäste in der Barnaby-Suite sorgt eine hoch gewachsene, englische Polizistin, die in voller Montur vor dem Bett steht und auf die Eingangstür schaut, damit dort keine ungebetenen Gäste hereinkommen. In einem kleinen herausgebauten Erker hinter der Polizistin steht ein Stativ mit einem Fernglas, durch das man sich die nähere Umgebung heranzoomen kann. Eine Remineszenz an die oben erwähnte Episode „The Killings of Badgers’s Drift“, in der Iris Rainbird mit einem Fernglas von ihrem Haus aus die Nachbarschaft ausspioniert und erpresst.

Gegenüber von unserer Barnaby-Suite ist die Suite „Der Name der Rose„, in der ein Mönch in einer Kutte in voller Lebensgröße für eine gruselige Atmosphäre sorgt. Weitere Zimmer sind unter anderem James Bond, Miss Marple, Sherlock Holmes und Edgar Wallace gewidmet.

Im Restaurant des Hauses wählt man aus der „Liste des Würgers von Blackmore Castle“ sein Abendessen, das zum Beispiel aus einem Salat „Der Mörder ist immer der Gärtner“, „Das letzte Mahl“ (Hirschgulasch) oder „Ein Mord wird angekündigt“ (Tafelspitz) bestehen kann.

Ein sehr originelles Hotel für alle Krimi-Liebhaber. Nebenan steht das Hotel Augustiner Kloster (beide Hotels gehören zusammen), das durch die verheerenden Regenfälle im Juli letzten Jahres stark in Mitleidenschaft gezogen worden ist und erst im nächsten Monat wieder eröffnet werden kann. Der winzige Bach zwischen den Hotels trat über seine Ufer und richtete schwere Schäden an. Im Krimi-Hotel waren vor allem die Kellerräume betroffen; nach 222 Schließungstagen konnte es am 22.2. 22 seine Pforten wieder öffnen und krimibegeisterte Gäste empfangen.

Das Krimi-Hotel
Am Markt 14
54576 Hillesheim

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Der Duschvorhang im Badezimmer. Erinnerungen an den Film „Psycho“ werden wach.
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Ein Bild im Restaurant.
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Mein Buchtipp – Henry R. Schlesinger: Honey Trapped – Sex, Betrayal and Weaponized Love

Foto meines Exemplares

Im vorigen Oktober erschien wieder ein hoch interessantes Buch im Verlag The History Press in Cheltenham in Gloucestershire: „Honey Trapped – Sex, Betrayal and Weaponized Love“ von Henry R. Schlesinger, Experte für alles, was mit Spionage und Geheimdiensten zu tun hat.

Im Wikiwörterbuch wird die „honey trap“ beziehungsweise „Honigfalle“ folgendermaßen definiert: „operative Maßnahme, bei der ein Agent/eine Agentin mittels vorgespielter Zuneigung und erotischer Verführung einer Zielperson an Informationen über diese zu gelangen beziehungsweise durch die Dokumentation dieser kompromittierenden Situationen zu erpressen oder zur Mitarbeit zu bewegen sucht„.

Bei den Geheimdiensten wohl aller Länder werden junge Damen engagiert, die sich an Männer heranmachen, die Zugang zu geheimen Informationen haben und diese beim „pillow talk“ oder auf andere Weise aus ihnen herauslocken wollen. Hier kommt oft auch das sogenannte „badger game“ zur Anwendung. Die Agentin liegt mit der Zielperson im Bett und plötzlich kommt der vermeintliche Ehemann ins Zimmer gestürmt und erwischt beide in flagranti. Er schießt Fotos und schon ist der Mann erpressbar.

Henry R. Schlesinger hat in seinem Buch viele Beispiele für diese „honey traps“ gesammelt. Das Buchcover zeigt das berühmt gewordene Foto der Christine Keeler, die nackt auf einem Stuhl sitzt. Durch ihr kurzzeitiges Verhältnis mit dem britischen Verteidigungsminister John Profumo 1962/63 geriet die ganze damalige Regierung ins Wanken, obwohl bei ihren sexuellen Begegnungen kaum geheime Informationen ausgeplaudert worden sind.

Der Name Mata Hari wird auch immer wieder mit der Honigfalle verknüpft, eine niederländische Tänzerin, die im Ersten Weltkrieg als Doppelagentin für Deutschland und Frankreich tätig war. Als „Mata Hari der Moderne“ bezeichnete die Süddeutsche Zeitung die junge attraktive Anna Wassiljewna Chapman, die für den russischen Geheimdienst tätig war und zahllosen Männern den Kopf verdrehte.

Wer sich für die Welt der Geheimdienste interessiert, wird in diesem Buch auf seine Kosten kommen.

Henry R. Schlesinger: Honey Trapped – Sex, Betrayal and Weaponized Love. The History Press 2021. 352 Seiten. ISBN 978-0-7509-9603-7.

Published in: on 17. Juni 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Kathedrale von Winchester und wie sie besungen worden ist

Photo © Pam Brophy (cc-by-sa/2.0)

Die Kathedrale von Winchester in Hampshire  ist eine der größten Kathedralen in Großbritannien, die von 1079 bis 1093 errichtet wurde. Winchester war übrigens die erste Hauptstadt Englands, bevor es ab dem 12. Jahrhundert London wurde.
Ich möchte an dieser Stelle nicht über die Entstehungsgeschichte der Kathedrale berichten, das kann man an anderer Stelle tun, sondern darüber wie sie besungen worden ist.

In der Popmusik gab es einige Songs, die sich mit der Kathedrale befassen, am bekanntesten ist sicher „Winchester Cathedral“ der New Vaudeville Band, der es Ende 1966 auf Platz Eins der US-Charts brachte. Abgesehen von diesem Song hat man von der nur kurzlebigen Band kaum noch etwas gehört. Es geht in dem Lied um einen jungen Mann, der der Kathedrale schwere Vorwürfe macht, dass sie nichts dagegen unternommen hat, dass ihn seine Freundin verlassen hatte. Hätte sie wenigstens ihre Glocken erklingen lassen, wäre das Mädchen bestimmt bei ihm geblieben (vielleicht hatte die Kirche ja auch ihre Gründe gehabt, warum sie nicht tätig geworden ist…). Geoff Stephens (1934-2020) war der Autor des Songs, der auch für die Hollies „Sorry Suzanne“ und für Cliff Richard „Goodbye Sam, Hello Samantha“ geschrieben hat.

Das Lied wurde von vielen Sängerinnen und Sängern gecovert wie hier von Petula Clark . The Shadows interpretierten „Winchester Cathedral“ instrumental auf ihre unverkennbare Art, Frank Sinatra hat sich des Songs angenommen wie auch der Amerikaner Rudy Vallée.

Es gibt auch eine spanische Version von Los Flippers und eine französische von Claude Francois “ („Clocher du village“). Die Liste der Cover-Versionen ließe sich noch fortsetzen, aber lassen wir es damit gut sein.

Published in: on 16. Juni 2022 at 02:00  Comments (2)  

Die „Up Series“ – Ein Langzeit-TV-Projekt des Senders ITV

7 Up ist ein Erfrischungsgetränk amerikanischer Provenienz. Seven Up hieß auch die erste Folge einer Dokumentation des britischen Fernsehens, die am 5. Mai 1964 erstmals gesendet wurde. Darin wurden damals vierzehn siebenjährige Jungen und Mädchen aus allen Gesellschaftsschichten vorgestellt, interviewt, nach ihren Berufswünschen gefragt. Da war beispielsweise Tony aus dem Londoner East End, der unbedingt Jockey werden wollte, oder Nick, der eine Zwergschule in den Yorkshire Dales besuchte, oder die drei Mädchen Jackie, Sue und Lynn, die dieselbe Grundschule in London besuchten.

Das war der Start eines Langzeitprojektes des englischen Regisseurs und Produzenten Michael Apted (der im vergangenen Jahr im Alter von 79 Jahren verstorben ist), das sich bis heute hinzieht und das zeigen soll, was aus den Kindern und ihren Wünschen und Vorstellungen geworden ist. Aus Seven Up wurde 1970 Seven plus Seven, 1977 21 Up, 1984 28 Up und so weiter. In Abständen von sieben Jahren wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer immer wieder gefragt, wie sich ihr Leben entwickelt hat und wie zufrieden sie mit den vergangenen sieben Jahren waren. Die bisher letzte Folge, 63 Up, zeigte der Sender ITV im Juni 2019, an der noch elf der einstmals vierzehn teilnahmen; Lynn war inzwischen verstorben, Charles war nach 21 Up ausgestiegen und auch Suzy war in der letzten Folge bei 63 Up nicht mehr dabei.

Ich finde dieses Projekt sehr interessant, zum Beispiel zu sehen wie aus dem kleinen Nick aus der Zwergschule ein angesehener Nuklearphysiker in den USA geworden ist oder wie sich die Jockey-Träume des Tony zerschlagen haben, er stattdessen Taxifahrer wurde, sein Glück in Spanien versuchte und dann doch wieder nach England zurückkam.

Hier ist eine kurze Zusammenfassung der TV-Serie und hier ein Teil der Folge 63 Up.

Published in: on 15. Juni 2022 at 02:00  Comments (1)  

The White Nancy in Bollington in Cheshire

Photo © Wayland Smith (cc-by-sa/2.0)

Nach der Schlacht von Waterloo am 18. Juni 1815, bei der Napoleon vernichtend geschlagen wurde, war man in der kleinen Stadt Bollington (Cheshire) im Peak District der Meinung, diesem historischen Ereignis ein Denkmal setzen zu müssen. Die Idee wurde 1817 auch verwirklicht, aber nicht in Form einer Statue für den Duke of Wellington, sondern durch ein zuckerhutartiges weißes Gebäude, oberhalb von Bollington auf dem Kerridge Hill. Erbaut wurde das White Nancy genannte Bauwerk von der ortsansässigen Familie Gaskell, die es auch gleichzeitig als eine Art Sommerhaus verwendeten, denn im Inneren steht ein Tisch und an den Wänden sind Sitzbänke angebracht, ideal für nächtliche Sommerparties mit Blick auf den Peak District. Heute ist der Innenraum der White Nancy nicht mehr zugänglich.

Wie kam es zu der Namensbildung? Da gibt es in Bollington mehrere Theorien; eine davon ist, dass sie nach einer Tochter der Gaskells, die Nancy hieß, benannt worden ist. Eine andere ist, dass das Pferd, das das Baumaterial auf den Kerridge Hill schleppen musste, Nancy genannt wurde.

Wie das nun mal mit größeren weißen Flächen ist, fiel das Gebäude auch hin und wieder Schmierfinken und Vandalen in die Hände. Einmal wandelte jemand die White Nancy in eine Pink Nancy um, indem sie rosa angestrichen wurde. Aber es gab im Lauf der Zeit auch „offizielle“ Bemalungen. Anlässlich des 200. Jahrestages der Schlacht von Waterloo wurde das Gebäude mit Schattenrissen von Soldaten der damalige Zeit versehen und der Schriftzug „Battle of Waterloo“ angebracht.

Als die Queen im Jahr 2012 ihr Diamond Jubilee feierte, ließ der Bollington Town Council die White Nancy entsprechend verzieren. Am 22. Mai 2017 ereignete sich in der Manchester Arena bei einem Konzert der amerikanischen Sängerin Ariana Grande ein verheerender islamistischer Terroranschlag bei dem 23 Besucher getötet und über 1000 verletzt wurden. Um das Mitgefühl der Bewohner Bollingtons mit den Opfern zu zeigen, wurde eine Biene auf die White Nancy gemalt; die Biene ist ein Symbol der Stadt Manchester (siehe dazu meinen Blogeintrag). Auch mit der Remembrance Poppy ist die White Nancy schon verziert worden.

Der Platz hier oben auf dem Kerridge Hill ist dank Wellingtons Sieg bei Waterloo beziehungsweise Napoleons Niederlage ein beliebtes Ziel für Ausflüge geworden. Hier ist ein Film über die White Nancy.

Photo: ARG_Flickr.
Creative Commons 2.0
Photo © Peter Royle (cc-by-sa/2.0)
Photo © steven ruffles (cc-by-sa/2.0)
Photo: sheiladeeisme.
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Published in: on 14. Juni 2022 at 02:00  Comments (2)  

Meine Lieblings-Pubs – The Crabmill in Preston Bagot in Warwickshire

Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

The Crabmill, diesen Pub aus der gehobenen Kategorie der Gastro-Pubs, habe ich in besonders angenehmer Erinnerung. Er liegt an der A 4189 westlich von Warwick und ist in einem Gebäude aus dem 17. Jahrhundert untergebracht. Die Birmingham Post beschrieb ihn einmal folgendermaßen: „The interior is wonderful, eye-catchingly trendy and appealing… this is a menu worth a detour – it’s an absolute delight, containing genuine surprises“. Ich kann da nur voll zustimmen.

Im Winter herrscht durch die offenen Feuer eine angenehme Atmosphäre, im Sommer kann man im Garten sitzen und einen der vielen Weine, die im Keller des Edel-Pubs ruhen, genießen.

Umso trauriger war ich, als ich hörte, dass The Crabtree am 28. Februar diesen Jahres zu großen Teilen abgebrannt ist. Es kam niemand zu Schaden, aber das schöne Gebäude, besonders das Dach, wurde arg in Mitleidenschaft gezogen. Der Pub gehört der Firma Brunning and Price, die 79 Gasthäuser im ganzen Land besitzt. The Crabmill soll aber wieder aufgebaut werden.

In dieser Region von Warwickshire fielen im letzten Jahr noch zwei weitere historische Pubs Flammen zum Opfer, der Stag’s Head in Wellesbourne und die Three Tuns in Alcester.

Photo © Ian Rob (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 13. Juni 2022 at 02:00  Comments (2)  

Die St Wyllow Church in Lanteglos-by-Fowey (Cornwall) und die Schriftstellerin Daphne du Maurier (1907-1989)

Photo © Jo Turner (cc-by-sa/2.0)

Viele Kirchen in Cornwall, im äußersten Südwesten Englands, zeichnen sich dadurch aus, dass sie Heiligen gewidmet sind, deren Namen heute kaum noch jemand kennt. Ich denke da zum Beispiel an St Winwaloe auf der Lizard Peninsula, an St Fimbarrus in Fowey, St Just in Roseland und in Penwith und an St Zenara in Zennor.

Saint Wyllow ist auch so ein obskurer Heiliger, dem meines Wissens nur eine einzige Kirche in England gewidmet ist, die in Lanteglos-by-Fowey in Cornwall. Sie steht ziemlich einsam an einer wenig befahrenen Single Track Road, nicht weit von der Stadt Fowey an der kornischen Südküste. Ich frage mich immer, wer denn diese entlegenen Kirchen eigentlich aufsucht. Die Bewohner der gegenüberliegenden Churchtown Farm oder die der wenigen Häuser des Ortes?

Der heilige Wyllow soll im 6. Jahrhundert als Eremit gelebt haben. Ein naher Verwandter tötete ihn, indem er ihm den Kopf abschlug. Wyllow hob seinen Kopf auf und ging noch ein gutes Stück weiter, wo er ihn dort ablegte, wo heute die nach ihm benannte Kirche steht.

Die Schriftstellerin Daphne du Maurier, die von 1907 bis 1989 lebte und die durch ihre Romane wie „Rebecca“, „My Cousin Rachel“ und „Jamaica Inn“ in die Weltliteratur Einzug fand, lebte viele Jahre in dieser Region von Cornwall und starb auch hier, in dem kleinen Ort Par westlich von Fowey.

Als Daphne du Maurier am 19. Juli 1932 heiratete, suchte sie sich St Wyllow aus, um dort den Bund der Ehe zu schließen. Ihr Auserwählter war der zehn Jahre ältere, spätere Generalleutnant Sir Frederick Arthur Montague „Boy“ Browning (1896-1965), der Daphnes ersten Roman „The Loving Spirit“ („dt. „Der Geist von Plyn“) gelesen hatte und von der Landschaft, in der das Buch spielt, so angetan war, dass er sie unbedingt einmal selbst aufsuchen wollte (die Landschaft und die Autorin). Die beiden trafen sich, verliebten sich ineinander und heirateten in der Kirche, die in Daphnes Erstlingsroman Lanoc Church heißt, aber in Wirklichkeit St Wyllow ist. Es war eine Feier in kleinem Rahmen, an dem ihre Eltern, ihr Cousin Geoffrey und die Trauzeugen George Hunkin und Frau aus Polruan teilnahmen. Die kleine Hochzeitsgesellschaft fuhr in zwei Booten in die Nähe der Kirche, von wo aus sie den steilen Weg hinauf nahmen, wo sie der Pfarrer von St Wyllow in Empfang nahm und sie traute.

Der Musiker Davey Hal hat eine CD aufgenommen mit dem Titel „Helford Honeymoon„, die ganz Daphne du Maurier gewidmet ist; darunter findet sich auch ein Song, der „Lanteglos“ heißt, der von dem Roman „The Loving Spirit“ und der Kirche St Wyllow inspiriert worden ist.

Photo © nick macneill (cc-by-sa/2.0)
Photo © Chris Gunns (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 12. Juni 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein DVD-Tipp – „Adam Dalgliesh Scotland Yard“ Staffel 1

Copyright: EDEL MOTION

Phyllis Dorothy James, Baroness James of Holland Park, besser bekannt als P.D. James (1920-2014), war eine der Grand Old Ladies der britischen Kriminalliteratur des 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts. In vierzehn ihrer Kriminalromane stand der Scotland Yard-Detektiv Adam Dalgliesh im Mittelpunkt des Geschehens, zuerst als Detective Chief Inspector, später als Commander. Dalgliesh ist ein sehr feinsinniger Mann, der in seiner Freizeit gern Gedichte schreibt und deswegen von vielen seiner Kollegen belächelt wird.

In den1980er und 1990er Jahren wurden die P.D. James-Romane für das Fernsehen verfilmt, mit Roy Marsden in der Rolle des Detektives. Martin Shaw schlüpfte im Jahr 2003 in die Rolle des Adam Dalgliesh in der Verfilmung des Romans „Death in Holy Orders“.

Jetzt wurden für das britische Fernsehen erneut drei von P.D. James‘ Büchern verfilmt. „Adam Dalgliesh Scotland Yard“ heißt die TV-Serie, deren erste Staffel gerade auf DVD bei EDEL MOTION in Deutschland erschienen ist. Die drei Doppelfolgen basieren auf den Romanen „Tod im weißen Häubchen“ („Shroud for a Nightingale“), „Der schwarze Turm“ (The Black Tower“) und „Der Beigeschmack des Todes“ („A Taste for Death“). Dieses Mal wird Adam Dalgliesh von Bertie Carvel verkörpert, ein mehrfach mit Preisen ausgezeichneter Schauspieler, der stets tadellos gekleidet, mit perfekten Manieren und in einem Jaguar E Type in Erscheinung tritt (die TV-Serie spielt in den 1970er Jahren). Mit seinem Assistenten Detective Sergeant Charles Masterson, gespielt von Jeremy Irvine, ist er nicht glücklich, da beide komplett unterschiedliche Charaktere sind. Da klappt es schon besser mit Detective Sergeant Kate Miskin, gespielt von Carlyss Peer.
Gedreht wurde die TV-Serie in Belfast und Umgebung, die Handlung spielt aber in England. Im Sommer diesen Jahres soll es mit den Dreharbeiten für Staffel 2 weiter gehen.

Ich konnte mich mit der Staffel 1 und ihren verzwickten Handlungssträngen noch nicht so richtig anfreunden, manchmal dauert es eben etwas länger.

Hier ist der Trailer zu Staffel 1.

Published in: on 11. Juni 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Bridlington an der Küste von Yorkshire Teil 2: Der Große Sturm von 1871, der vielen Menschen das Leben kostete

Ein Sturm tobt über dem Hafen von Bridlington.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Wenn sich ein Sturm vor der Nordseeküste von Yorkshire zusammenbraut, dann kann es schon einmal heftig zur Sache gehen. Ganz besonders schlimm war es am 10. Februar 1871 als der Great Gale zuschlug. Die hohen Wellen schlugen über die Hafenmauern von Bridlington, und die Schiffe, die zu der Zeit im Nordosten Englands unterwegs waren, traf der Sturm mit voller Härte. Ganze 28 von ihnen erlitten Schiffbruch und zwischen fünfzig und siebzig Menschen verloren ihr Leben. Einige von den Schiffen versuchten in der Bucht von Bridlington Schutz zu suchen, was aber den meisten nicht gelang, da sie entweder auf Grund liefen oder an der Hafenmauer zerschellten. Es waren viele Kohlenschiffe dabei, deren Ladung noch Wochen nach dem Sturm an der Küste von Yorkshire angespült wurde. Die meisten von ihnen sollen überladen und in einem schlechten Zustand gewesen sein.

Die Zahl der Opfer hätte sich noch wesentlich erhöht, wenn nicht die mutigen Männer der Royal National Lifeboat Institution von Bridlington eingegriffen hätten, die mit ihren beiden Seenotrettungsbooten mehrfach in die stürmische See hinausfuhren und Menschen von Bord holten beziehungsweise aus dem Meer zogen. Robert Whitworth und Harbinger hießen die Boote, von denen das letztere bei einem Rettungsversuch von einer riesigen Welle erfasst wurde und sank. Sechs der neun Besatzungsmitglieder ertranken in den Fluten.

Jedes Jahr im Februar findet ein Gedenkgottesdienst in der Bridlington Priory Church statt (2021 jährte sich die Katastrophe zum hundertfünfzigsten Mal) auf deren Kirchhof ein Obelisk an die ertrunkenen Seeleute erinnert. 43 von ihnen haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Das Buch zum Artikel:
Richard M. Jones: The Great Gale of 1871. Mereo 2013. 136 Seiten
. ISBN 978-1909544727.

Ein Seenotrettungsboot im Hafen von Bridlington.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Bridlington Priory Church.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)
Die Grabstätten von drei Besatzungsmitgliedern der Seenotrettungsschiffe aus Bridlington auf dem Kirchhof der Priory Church.
Credit: RNLI/Andy Brompton
Published in: on 10. Juni 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Bridlington an der Küste von Yorkshire Teil 1: Meeresfrüchte und die EU

Sonnenaufgang über dem Hafen von Bridlington.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Immer wenn ich den Namen der Stadt Bridlington an der Ostküste von Yorkshire höre, steht vor meinem inneren Auge das Bild des Restaurants The Blue Lobster, ein Seafood Restaurant, in dem ich vor längerer Zeit sehr gute Austern gegessen habe, zu denen Tabasco-Sauce gereicht wurde, was ich in dieser Form nirgendwo mehr gesehen habe. The Blue Lobster existiert nicht mehr, was ich zu meinem Leidwesen bei meinem letzten Besuch in Bridlington feststellen musste; dafür steht an derselben Stelle jetzt ein neues Restaurant mit dem Schwerpunkt Meeresgetier, Salt on the Harbour, am South Pier mit einem sehr schönen Blick auf den Hafen der Stadt. Der Unternehmer-Gastronom Michael Harrison hat  £250,000 in den Umbau des Hauses gesteckt, das im vorigen Jahr eröffnet worden ist. Frischeren Fisch, Hummer, Langusten, Muscheln usw. kann man wohl kaum bekommen als in Bridlington, dem größten Hafen für Meeresfrüchte in ganz Großbritannien. Die Fischer der Stadt freuten sich über die Neueröffnung des Salt on the Harbour, denn ihnen geht es nicht besonders gut, seitdem ihr Land aus der Europäischen Union ausgetreten ist.
Der vermaledeite Brexit macht ihnen zu schaffen. Das alteingessene Familienunternehmen Baron Shellfish musste im vergangenen Jahr schließen; der Eigner Sam Baron wirft der Regierung vor, nicht mit offenen Karten gespielt und die potentiellen Brexit-Folgen für die Fischindustrie heruntergespielt zu haben. Die EU war ein wichtiger Abnehmer der Meeresfrüchte aus Bridlington und sorgte dadurch für sichere Arbeitsplätze hier an der Ostküste. Sam Barons Vater Mick war übrigens der Besitzer des Blue Lobsters.

Kommen wir noch einmal kurz zum Salt on the Harbour zurück. Die Spezialitäten des Restaurants sind der Bridlington Bay Hummer, das Monkfish Saltimbocca, das Surf and Turf (ein Steak mit Riesengarnelen) und das Surf and Surf (ein halber Hummer mit Riesengarnelen).

Dieser Film zeigt einen Rundgang durch den Hafen und durch die Stadt.

Hummerfangkörbe im Hafen von Bridlington.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

„Whistle and I’ll Come to You“ – Eine Gespenstergeschichte von M.R. James (1862-1936) und ihre Verfilmungen

Die Küste von Suffolk, wo die Gespenstergeschichte von M.R. James angesiedelt ist.
Photo © Glen Denny (cc-by-sa/2.0)

Montague Rhodes James wurde 1862 in Goodnestone in der Nähe von Dover geboren und starb 1936 in Eton. Bekannt ist er bis heute als Verfasser von klassischen Gespenstergeschichten. Dabei wird das Böse eher angedeutet und der Vorstellung des Lesers überlassen, wogegen die Charaktere und der Schauplatz detailliert beschrieben werden. Seine Geschichten wurden oft am Weihnachtsabend vorgelesen.

Whistle and I’ll Come to You“ ist eine von diesen Geschichten, die mich immer am meisten beeindruckt haben. Sie spielt in der trüben Jahreszeit an der englischen Ostküste. Erschienen ist sie in dem Sammelband „Ghost Stories of an Antiquary“ im Jahr 1904.

In deutscher Übersetzung liegen die Geistergeschichten des M.R. James in zwei Bänden im Festa-Verlag vor, wobei unsere Story unter dem Titel Pfeif nur, dann eil ich zu dir, mein Freund!“ in Band 1 enthalten ist.

1968 verfilmte die BBC die Geschichte in der Reihe Ghost Story For Christmas mit Sir Michael Hordern (1911-1995) in der Hauptrolle, hier zu sehen, eine wunderbare Umsetzung der Story. 42 Jahre später versuchte sich die BBC erneut an dem Thema; dieses Mal war es John Hurt (1940-2017), der die Rolle des Professor Parkins spielte. Hier ist der Film in voller Länge.

Seine letzte Ruhestätte fand der Schriftsteller auf dem Eton Parish Cemetery in Berkshire.

Published in: on 8. Juni 2022 at 02:00  Comments (12)  

The Torrs Millennium Walkway in New Mills (Derbyshire)

Photo © Peter Turner (cc-by-sa/2.0)

Falls jemand den 4850 Kilometer langen Europa Fernwanderweg E2, der von Galway in Irland über Stranraer in Schottland nach Nizza in Südfrankreich führt, entlanggehen möchte, der kommt in der Grafschaft Derbyshire auch über den The Torrs Millennium Walkway, der ein Teil des Ganzen bildet. Wie der Name Millennium Walkway schon sagt, wurde dieser Laufsteg kurz nach der Jahrhundertwende, am 18. April 2000, in der Torrs Gorge, am Rande des Städtchens New Mills, eröffnet. Er zieht sich teils auf Stelzen, teils in eine Steinmauer verankert am Goyt River entlang, der sich später in den River Mersey ergießt, den jeder von Gerry and the Pacemakers Lied „Ferry cross the Mersey“ kennt. Etwa 180 Meter lang ist der Walkway und verantwortlich für den Bau war Stan Brewster (1953-2005) vom Derbyshire County Council, der tragischerweise bei den Terroranschlägen am 7. Juli 2005 in London ums Leben kam, wo er sich zu einer Konferenz aufhielt. Stan Brewster stammte aus Swanwick, einem kleinen Ort in Derbyshire. Sein Walkway wurde im Jahr 2000 mit dem Small Project Award innerhalb der British Construction Industry Awards ausgezeichnet.

Auf der anderen Seit des River Goyt steht eine große ehemalige Fabrikanlage, die allmählich zu verfallen droht, die Torr Vale Mill, die in den 1780er Jahren erbaut wurde und in der bis Ende 2000 Textilien hergestellt wurden. Der Torr Vale Mill Preservation Trust versucht, das Gebäude am Leben zu erhalten, dem Feuer und Vandalismus arg zugesetzt haben.

Dieser Film zeigt den Walkway und die Torr Vale Mill.
Zur Orientierung: New Mills liegt südöstlich von Stockport an der A6 am westlichen Rand des Peak Districts.

Photo © Trevor Harris (cc-by-sa/2.0)
Torr Vale Mill.
Photo © David Robinson (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 7. Juni 2022 at 02:02  Comments (1)  

John Wodehouse, 4th Earl of Kimberley (1924-2002) – Der englische Adelige mit den meisten Ehefrauen

Kimberley Hall in Norfolk.
Photo: steeljam.
Creative Commons 2.0

Als John Wodehouse, 4th Earl of Kimberley, am 26. Mai 2002 starb, verfasste The Guardian einen Nachruf auf ihn, der nicht sehr schmeichelhaft war. Dort stand zu lesen: „Johnny Wodehouse, the maverick, six-times-married fourth Earl of Kimberley, who has died aged 78, was as arrogant in his politics as he was in wasting his considerable inherited fortune on gambling, womanising and alcoholism“.

Wer war dieser Mann? Bei dem Namen „Wodehouse“ denkt man sofort an den Schriftsteller P.G. Wodehouse, und da besteht auch wirklich ein Zusammenhang, denn der Earl war der Pate und gleichzeitig ein entfernter Cousin des Schöpfers von Lord Emsworth und der Empress of Blandings.

John Wodehouse genoss eine sehr gute Ausbildung im Eton College und anschließend im Magdalene College in Cambridge. 1979 wurde er Mitglied der Conservative Party und hatte einen Sitz im Oberhaus. Am bekanntesten wurde er aber dadurch, dass er so viele Ehen geschlossen hatte wie kein anderer Adeliger, nämlich sechs.
Mit 21 Jahren heiratete er Diana Evelyn Legh, die Tochter eines Armeeoffiziers, eine Ehe, die nicht lange hielt, denn sie wurde nach vier Jahren wieder aufgelöst. 1949 kam Ehefrau Nummer 2, Carmel June Dunnett, die Tochter eines australischen Fußballspielers. Auch diese Beziehung ging nach drei Jahren in die Brüche. 1953 heiratete der Earl Ehefrau Nummer 3, Cynthia Westendarp, eine Ehe, die bis 1961 hielt und aus der zwei Kinder entsprangen. Noch im gleichen Jahr ehelichte John Wodehouse das Model Margaret Simons, die nach dem Ende ihrer Ehe 1965 in einigen Filmen mitwirkte, zum Beispiel in dem Hammer Horror-Streifen „The Mummy’s Shroud“ (dt. „Der Fluch der Mumie“). Ehefrau Nummer 5 wurde im Jahr 1970 Gillian Ireland-Smith, Tochter eines Colonels, doch auch sie musste 1982 Platz machen für Ehefrau Nummer 6, Sarah Jane Hope Consett, die der Earl noch im selben Jahr heiratete. Erstaunlicherweise war auch sie die Tochter eines höheren Militärs. Diese Ehe hielt bis zum Tod des vierten Earls of Kimberley im Jahr 2002.

Der Familiensitz der Kimberleys war übrigens Kimberley Hall in Norfolk, den der Earl 1958 verkaufte. Lancelot „Capability“ Brown hatte 1778 den Park der Hall entworfen. Heute kann man das Haus für Hochzeiten, Tagungen und Produktlaunches mieten.

Published in: on 6. Juni 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Village Signs – Heacham in Norfolk

Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)

Am Rande der stark befahrenen A149 im Westen der Grafschaft Norfolk heißt das Village Sign die Besucher der Kleinstadt Heacham willkommen. Es kommen viele Besucher nach Heacham, denn genau gegenüber vom Dorfschild ist der Eingang vom Norfolk Lavender, dem größten Anbaugebiet für Lavendel in der Grafschaft (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Wie eigentlich immer gibt auch dieses Schild Aufschluss über interessante Dinge, die mit der Historie und der geografischen Lage zu tun haben. Den Mittelpunkt bildet das Porträt eines Menschen, das auf den ersten Blick aussieht, als würde es sich um einen Mann handeln, was aber nicht richtig ist, denn es zeigt die indianische Prinzessin Pocahontas, die 1595 in Virginia auf der anderen Seite des Atlantiks geboren wurde und am 21. März 1616 in Gravesend in Kent starb (siehe auch dazu meinen entsprechenden Blogeintrag). Jetzt stellt sich natürlich die Frage wie eine Indianerprinzessin das Dorfschild eines Ortes in Norfolk zieren kann. Pocahontas hatte in Amerika den Sohn des Pfarrers von Heacham, John Rolfe, geheiratet, war mit ihm nach England gezogen und beide lebten zwei Jahre lang auf Heacham Hall, dem Familiensitz der Rolfes, der leider 1941 abgebrannt ist. Nach dem Tod von Pocahontas ging ihr Ehemann wieder nach Virginia zurück, wo er fünf Jahre später bei einem Indianeraufstand getötet wurde. Beigesetzt wurde John Rolfe, wie auch schon seine Vorfahren, in Heachams Dorfkirche St Mary the Virgin. Dort befindet sich an einer Wand ein Pocahontas-Porträt aus Alabaster, das britische und amerikanische Freunde 1933 haben anbringen lassen.

Das Porträt der Indianerprinzessin auf dem Dorfschild wird eingerahmt von einem Pferd und einem überdimensionalen Seepferd“chen“. Das linke Pferd weist auf die Pferdezucht hin, die in diesem Teil Norfolks betrieben wurde, das rechte auf die Nähe zum Meer, unterstützt von Abbildungen von einem Seestern, Muscheln und Meerfenchel („samphire“).

St Mary the Virgin in Heacham.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 5. Juni 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Topsham in Devon Teil 2: Nello’s Longest Table

Nello Ghezzo war ein Gastronom, der in den 1990er Jahren in Topsham in Devon ein italienisches Restaurant betrieb. Nello wurde in der Stadt an der Exe-Mündung zum Held als er 1997, gemeinsam mit dem ortsansässigen Reiseschriftsteller Marc Millon, eine Fahrradtour von Topsham nach Venedig unternahm, um Geld für die Wohltätigkeitsorganisation FORCE Cancer Charity in Exeter Geld zu sammeln. Traurigerweise erkrankte Nello zwei Jahre später selbst an Krebs und starb 1999.

Im Andenken an den Gastronomen finden in Topsham zwei Veranstaltungen statt. Da ist einmal The Nello, eine Fahrradtour über rund 160 Kilometer, die über das Exmoor und zurück führt (es gibt auch eine kürzere Tour über etwa 90 Kilometer). In diesem Jahr wird The Nello am 26. Juni schon zum 22. Mal ausgetragen. Seit Beginn sind dadurch bereits über £1 Million für FORCE zusammengekommen.

Und dann gibt es noch „Nello’s Longest Table„, immer im Rahmen des Topsham Food Festivals, eine riesige Straßenparty, bei der über 350 Tische aneinandergereiht werden, die sich durch die Hauptstraßen bis zum Quay ziehen. An diesen Tischen essen und trinken die Bewohner der Stadt, ihre Gäste und Besucher. Da kommen schon einmal locker 2500 Menschen zusammen, die es sich mehrere Stunden lang gut gehen lassen. Entweder bringen sie ihr Essen mit oder sie kaufen es an den zahlreichen aufgestellten Buden. In diesem Jahr fällt das Food Festival zeitlich mit den Feierlichkeiten zum diamantenen Thronjubiläum von Elisabeth II. statt, vom 2. bis zum 5. Juni.

Unter vielen anderen Ständen findet man auch in diesem Jahr wieder den Pebblebed Wine Van vor, der Sekt und Wein von den Pebblebed Vineyards ganz in der Nähe verkauft.

Topsham Quay.
Photo © Martin Southwood (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Juni 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Topsham in Devon Teil 1: Das Stadtmuseum und die Schauspielerin Vivien Leigh

Das Museum an der Straße The Strand.
Photo © David Smith (cc-by-sa/2.0)

Meine Mutter liebte den Spielfilm „Vom Winde verweht“ über alles; viele Male hatte sie sich ihn im Kino, später auf Video zu Hause angesehen. „Gone with the wind“ aus dem Jahr 1939 ist so etwas wie ein Kultfilm, und die Hauptdarstellerin Vivien Leigh, an der Seite von Clark Gable, als Scarlett O’Hara ist in die Filmgeschichte eingegangen. Ich hatte Vivien Leigh immer für eine amerikanische Schauspielerin gehalten, aber sie war eine waschechte Engländerin, zwar 1913 in Indien geboren, wo sie auch ihre ersten sechs Lebensjahre verbrachte, doch dann zog sie mit ihren Eltern nach England.

Vivien Leigh hieß mit richtigem Namen Vivian Mary Hartley, legte sich aber diesen Künstlernamen zu, nach (Herbert) Leigh Holman, ihrem Ehemann, den sie erstmals im Two Bridges Hotel im Dartmoor traf (und wo es auch heute noch eine Vivien Leigh Suite gibt).

Unerwarteterweise stößt der Besucher des Topsham Museums in Devon auf ein Zimmer, das ganz der Schauspielerin gewidmet ist. Topsham ist eine Stadt südlich von Exeter, dort, wo der lange Mündungstrichter des Rive Exe beginnt. Das Museum widmet sich in erster Linie der Stadt selbst und ihrer maritimen Geschichte, hat aber eben diese Besonderheit. Wie kam es dazu?

Gegründet wurde das Topsham Museum von Dorothy Holman und das war Vivien Leighs Schwägerin, die in einem Haus mit der Adresse 25 The Strand in Topsham wohnte. Dort richtete sie das Museum in Vivien Leighs Sterbejahr 1967 ein. Die Tochter der Schauspielerin, Suzanna, spendete eine ganze Menge Erinnerungsstücke ihrer Mutter, darunter das Nachthemd, das sie in „Vom Winde verweht“ trug und ein Kleid, das sie 1955 anlässlich der Premiere des Theaterstücks „Richard III“ anhatte, in dem ihr Ehemann Laurence Olivier die Titelrolle spielte. Weiterhin sind dort Hüte und weitere Kleidungsstücke der Schauspielerin zu sehen (wie übrigens auch im nicht weit entfernten Royal Albert Memorial Museum in Exeter), sowie viele Fotos und Briefe.

Direkt gegenüber vom Museum liegen die Riverside Gardens, die zum Fluss Exe führen und die für die Öffentlichkeit zugänglich sind.

Topsham Museum
25 Strand
Topsham
Exeter EX3 0AX

Die Riverside Gardens.
Photo © Robin Drayton (cc-by-sa/2.0)
The Two Bridges Hotel im Dartmoor.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
Ein Erinnerungsstein in den Swan Gardens der Royal Shakespeare Company in Stratford-upon-Avon. Vivien Leigh trat dort in mehreren Shakespeare-Rollen auftrat.
Photo © David M Jones (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 3. Juni 2022 at 02:02  Kommentar verfassen  

Richard Culmer (1597–1662), ein puritanischer Geistlicher, der zum meist gehassten Mann von Kent wurde

Die wunderschönen Glasfenster der Kathedrale von Canterbury waren Richard Culmer ein Dorn im Auge.
Photo © J.Hannan-Briggs (cc-by-sa/2.0)

Eigentlich sollten ja Pfarrer eine gute Beziehung zu ihrer Kirchengemeinde pflegen und sich sorgsam um den Erhalt ihrer Gotteshäuser kümmern. Leider ist das in der englischen Kirchengeschichte nicht immer der Fall gewesen, wenn ich da zum Beispiel an Reverend Frederick W. Densham denke oder an Edward Drax Free.

Der puritanische Pfarrer Richard Culmer, der von 1597 bis 1662 lebte, war ein Zeitgenosse des übel beleumundeten William „Basher“ Dowsing, der es sich als Bilderstürmer zur Lebensaufgabe gemacht hatte, möglichst viel Kircheninventar kaputtzuschlagen. Culmer wirkte damals in der Grafschaft Kent und wurde dort „Blue Dick Culmer“ genannt, weil er statt des üblichen schwarzen Ornats ein blaues trug. Seine ersten Probleme mit den Kirchenoberen begannen, als er die Pfarrgemeinde von Goodnestone, östlich von Canterbury übernommen hatte und darauf bestand, dass ausschließlich puritanische Gebetsbücher verwendet wurden, woraufhin ihn der Erzbischof suspendierte. Seine nächste Station war die Pfarrgemeinde Harbledown, auf der anderen Seite von Canterbury, wo er sich dadurch unbeliebt machte, dass er gegen jede sportlichen Aktivitäten am Sonntag wetterte.
Als der Bürgerkrieg begann, zog Richard Culmer zur Kathedrale von Canterbury und zerstörte dort zahlreiche Kirchenfenster, bis ihn die aufgebrachte Bevölkerung der Stadt stoppte. Begünstigt durch die damalige puritanische Regierung bekam er aber immer wieder neue Anstellungen wie in Chartham, ebenfalls im Dunstkreis von Canterbury gelegen. Aber auch in dieser Gemeinde machte er sich derart unbeliebt, dass er nach Minster-in-Thanet bei Ramsgate zog. Culmer weigerte sich, dort in der Gemeindekirche St Mary the Virgin, einen Weihnachtsgottesdienst abzuhalten, was dazu führte, dass ihn Gemeindemitglieder attackierten. Die Lage in Minster spitzte sich immer mehr zu, man sperrte ihn aus seiner eigenen Kirche aus, entfernte den Klöppel aus der Kirchenglocke, so dass Culmer nicht zum Gottesdienst rufen konnte. Schließlich zog man ihn während einer seiner gehassten Predigten von der Kanzel und prügelte mit einem Brett auf ihn ein. Vereinzelt wurde auch schon nach einem Strick gerufen, um ihn aufzuhängen.

Die letzte Zeit seines Lebens verbrachte der meist gehasste Mann von Kent in Monkton, einem Nachbardorf von Minster, wo er 1662 schließlich im Pfarrhaus starb.

St Mary the Virgin in Minster in Thanet. Hier kam es zum Eklat zwischen Richard Culmer und seiner Kirchengemeinde.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. Juni 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

„Hickory, Dickory, Dock“ – Ein alter Kinderreim aus dem 18. Jahrhundert

Die astronomische Uhr der Kathedrale von Exeter.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Kinderreim „Hickory, Dickory, Dock“ erstmals erwähnt und auch heute noch ist er bekannt, Agatha Christie hat sogar einen ihrer Romane so benannt, der 1955 erschienen ist und auf Deutsch „Die Kleptomanin“ heißt.

Der Reim ist recht simpel, aber Kinder in einem bestimmten Alter lieben ihn.

Hickory, dickory, dock.
The mouse ran up the clock.
The clock struck one,
The mouse ran down,
Hickory, dickory, dock.

Und so geht es in den nächsten Versen weiter, nur dass die Glockenschläge fortgezählt werden, „The clock struck two…“ usw. Ich kann mir vorstellen, dass genervte Eltern heilfroh sind, wenn ihr Kind endlich bei „The clock struck twelve“ angekommen ist.
Es gibt aber auch noch eine etwas anspruchsvollere Version (hier ein Beispiel), in der nicht nur die Maus die Uhr hoch und runter rennt. Da sind dann noch weitere Tiere beteiligt wie die Schlange, das Eichhörnchen, die Katze, der Affe und zu guter Letzt ein Elefant, der die Uhr schließlich ruiniert. Selbstverständlich kann man die Tiere nach Lust und Laune austauschen, aber die Maus im ersten Vers ist de rigueur.

Kommen wir auf die Uhr zu sprechen. Da soll die astronomische Uhr in der Kathedrale von Exeter (Devon) Pate gestanden haben, eine der Sehenswürdigkeiten der Kirche, die Ende des 15. Jahrhunderts hergestellt wurde. Unterhalb der Astronomical Clock führt eine Tür zum kompliziert aussehenden mechanischen Uhrwerk und in dieser Tür gibt es unten ein rundes Loch, wodurch es der Kirchenkatze, oder besser gesagt Kathedralenkatze, ermöglicht wurde, Mäuse zu fangen, die in dem Raum vielleicht Dummheiten machten, die der Uhr nicht gut bekamen.

Das Uhrwerk der astronomical clock.
Photo: Andrew Rabbott.
Creative Commons 4.0
Published in: on 1. Juni 2022 at 02:00  Kommentar verfassen