Richard Culmer (1597–1662), ein puritanischer Geistlicher, der zum meist gehassten Mann von Kent wurde

Die wunderschönen Glasfenster der Kathedrale von Canterbury waren Richard Culmer ein Dorn im Auge.
Photo © J.Hannan-Briggs (cc-by-sa/2.0)

Eigentlich sollten ja Pfarrer eine gute Beziehung zu ihrer Kirchengemeinde pflegen und sich sorgsam um den Erhalt ihrer Gotteshäuser kümmern. Leider ist das in der englischen Kirchengeschichte nicht immer der Fall gewesen, wenn ich da zum Beispiel an Reverend Frederick W. Densham denke oder an Edward Drax Free.

Der puritanische Pfarrer Richard Culmer, der von 1597 bis 1662 lebte, war ein Zeitgenosse des übel beleumundeten William „Basher“ Dowsing, der es sich als Bilderstürmer zur Lebensaufgabe gemacht hatte, möglichst viel Kircheninventar kaputtzuschlagen. Culmer wirkte damals in der Grafschaft Kent und wurde dort „Blue Dick Culmer“ genannt, weil er statt des üblichen schwarzen Ornats ein blaues trug. Seine ersten Probleme mit den Kirchenoberen begannen, als er die Pfarrgemeinde von Goodnestone, östlich von Canterbury übernommen hatte und darauf bestand, dass ausschließlich puritanische Gebetsbücher verwendet wurden, woraufhin ihn der Erzbischof suspendierte. Seine nächste Station war die Pfarrgemeinde Harbledown, auf der anderen Seite von Canterbury, wo er sich dadurch unbeliebt machte, dass er gegen jede sportlichen Aktivitäten am Sonntag wetterte.
Als der Bürgerkrieg begann, zog Richard Culmer zur Kathedrale von Canterbury und zerstörte dort zahlreiche Kirchenfenster, bis ihn die aufgebrachte Bevölkerung der Stadt stoppte. Begünstigt durch die damalige puritanische Regierung bekam er aber immer wieder neue Anstellungen wie in Chartham, ebenfalls im Dunstkreis von Canterbury gelegen. Aber auch in dieser Gemeinde machte er sich derart unbeliebt, dass er nach Minster-in-Thanet bei Ramsgate zog. Culmer weigerte sich, dort in der Gemeindekirche St Mary the Virgin, einen Weihnachtsgottesdienst abzuhalten, was dazu führte, dass ihn Gemeindemitglieder attackierten. Die Lage in Minster spitzte sich immer mehr zu, man sperrte ihn aus seiner eigenen Kirche aus, entfernte den Klöppel aus der Kirchenglocke, so dass Culmer nicht zum Gottesdienst rufen konnte. Schließlich zog man ihn während einer seiner gehassten Predigten von der Kanzel und prügelte mit einem Brett auf ihn ein. Vereinzelt wurde auch schon nach einem Strick gerufen, um ihn aufzuhängen.

Die letzte Zeit seines Lebens verbrachte der meist gehasste Mann von Kent in Monkton, einem Nachbardorf von Minster, wo er 1662 schließlich im Pfarrhaus starb.

St Mary the Virgin in Minster in Thanet. Hier kam es zum Eklat zwischen Richard Culmer und seiner Kirchengemeinde.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. Juni 2022 at 02:00  Kommentar verfassen