Martha Gunn (1726-1815) – Eine Berühmtheit im Seebad Brighton

Martha Gunns Grabstein auf dem Kirchhof von St Nicholas.
Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)

Folgendes Szenario im Seebad Brighton an der englischen Südküste ist möglich:
Ich mache einen Spaziergang durch die Stadt und treffe auf einen doppelstöckigen Linienbus, auf dessen Frontseite der Name „Martha Gunn“ prangt. In Brighton und Hove haben die Busse Namen, mehr darüber in einem früheren Blogeintrag. Dann spaziere ich durch die Upper Lewis Road und finde dort an der Ecke Edinburgh Road einen Pub, der den Namen „Martha Gunn“ trägt. Anschließend statte ich dem Kirchhof der St Nicholas Church an der Church Road einen Besuch ab und sehe dort einen großen, gepflegten Grabstein mit der Inschrift:

In Memory of Stephen Gunn….Also Martha, Wife of Stephen Gunn, who was Peculiarly Distinguished as a bather in this Town nearly 70 Years. She died 2nd of May 1815. Aged 88 Years„.

Nach dem Besuch auf dem Kirchhof setze ich mich in mein Auto, stelle mein Radio auf den Sender Southdown Radio Brighton ein und höre den Song „Minute of My Time„, der gerade gespielt wird. Die Interpreten: MarthaGunn, eine Rock/Popgruppe aus Brighton.

Wer war denn nun diese Frau, deren Namen man in dem Seebad so häufig liest? Martha Gunn war von Beruf „dipper„, was man im Deutschen vielleicht mit „Bademaschinistin“ oder „Badekarrenbedienerin“ übersetzen könnte. Zu Marthas Lebzeiten waren knappe Bikinis völlig undenkbar, damals stiegen die Damen ziemlich verhüllt zum Baden ins Meer, natürlich separat von den Männern. In meist von Pferden gezogenen, sogenannten „bathing machines“ ging es an den Strand, die Damen zogen sich darin um und wagten einige zaghafte Schritte ins Wasser, unterstützt von jenen oben erwähnten Dippern. Martha Gunn war damals die bekannteste unter ihnen, sie hatte sogar gute Beziehungen zum Königshaus, speziell zu dem späteren König George IV., als er noch der Prince of Wales war und häufig Brighton besuchte.

Martha Gunn wohnte nur ein paar Schritte von ihrem Arbeitsrevier, dem Strand und dem Meer, entfernt, in der East Street Nummer 36, in einem hübschen, kleinen Haus, das noch immer dort steht, mittlerweile unter Denkmalschutz. Freunde der veganen Küche werden in dem Restaurant Kokedama, das heute unter dieser Adresse zu finden ist, voll auf ihre Kosten kommen.
Gleich um die Ecke herum, am Castle Square, residiert das Blumengeschäft Gunns Florist, das von Nachfahren von Martha betrieben wird, ein weiteres ist in der Sydney Street zu finden.

Photo: Aaron Rhys Knight.
Creative Commons 2.0
Eine bathing machine, zwei dipper und badefreudige Damen.
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Published in: on 30. Juni 2022 at 02:00  Kommentar verfassen