Der River Otter – Ein Fluss, der sich von Somerset durch Devon ins Meer schlängelt

Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Der River Otter ist ein 32 Kilometer langer Fluss, der in der Grafschaft Somerset entspringt, doch den größten Teil seines Lebens in Devon verbringt. Benannt worden sein soll er nach den Ottern, die sich in ihm in großen Scharen tummelten, bis es den Tieren an den Kragen ging, und sie aus dem Fluss verschwanden.

Der Fluss hat vielen Orten seinen Namen gegeben, und dass, obwohl er relativ kurz ist. Die Quelle liegt bei dem kleinen Dorf Otterford in Somerset; weitere Stationen auf seiner Reise ins Meer sind Upottery in Devon und Ottery St Mary, eine Kleinstadt, in der zweimal im Jahr jede Menge los ist, am Pixie Day (ich berichtete in meinem Blog darüber) und bei den nicht ganz ungefährlichen Tar Barrel Races, außerdem ist sie der Geburtsort des Dichters Samuel Taylor Coleridge. Otterton ist ein weiteres Dorf, das nach dem Fluss benannt worden ist; bei Budleigh Salterton schließlich erreicht der River Otter sein Ziel und vereinigt sich mit dem Meer.

Wer sich für Brauereien interessiert, sollte bei einem Besuch des Otter Valleys die Otter Brewery nicht vergessen, die in Luppitt in der Nähe von Honiton zu finden ist. Sie produziert unter anderem ein Bier namens Tarka, benannt nach dem Buch „Tarka the Otter“ von Henry Williamson, das in Devon spielt.

Damit es im Tal des River Otter möglichst idyllisch bleibt, dafür sorgt bereits seit 1979 die Otter Valley Association. Sie arrangiert Vorträge, führt Wanderungen am Fluss durch und ist Ansprechpartnerin für alles, was mit dem Fluss und dem Tal zu tun hat.

Nicht nur die Menschen haben den Fluss in Devon in ihre Herzen geschlossen, auch Biber mögen ihn sehr. Es sind zwar nicht viele, die sich an und in ihm angesiedelt haben, aber diese genießen ihr Leben dafür um so mehr. Hier ist ein Film über sie.

Idylle bei Upottery.
Photo © Martin Bodman (cc-by-sa/2.0)
Der Fluss bei Ottery St Mary.
Photo © M J Richardson (cc-by-sa/2.0)
Geschafft: Das Meer ist erreicht und hier endet die Reise des River Otter.
Photo © John P Reeves (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 31. Juli 2022 at 02:53  Kommentar verfassen  

Lancelot „Capability“ Brown (1716-1783) – Ein Landschaftsgärtner und zwei Dörfer, die in seinem Leben eine besondere Rolle spielten

Kirkharle Hall in Northumberland.
Photo © Stuart Shepherd (cc-by-sa/2.0)

Es gibt wohl keinen anderen Landschaftsgärtner in England, der die Gartenlandschaften Englands und auch Wales‘ so nachhaltig geprägt hat wie Lancelot Brown (1716-1783). Auf mehr als 250 Landsitzen soll er im Laufe seines Lebens gearbeitet und dabei die bis dato üblichen formalen Gärten ersetzt haben durch weitläufige Parks mit Bächen, Seen und Hügeln. Den Beinamen „Capability“ bekam Mr Brown weil er seinen Auftraggebern oft mitteilte, dass deren Gärten das „Potential“ hätten, verändert und verbessert zu werden.

Zwei Eckpunkte gab es im Leben des Gärtners, das war einmal sein Geburtsort Kirkharle in Northumberland, wo er das Handwerk erlernte und von dort aus im Alter von 23 Jahren loszog, um Englands Gärten zu verändern. Sein Geburtshaus steht nicht mehr, aber Kirkharle Hall ist noch da, wo er als Jugendlicher mit der Gartenarbeit begann.

Der andere Eckpunkt liegt sehr viel weiter südlich in Fenstanton, einem größeren Dorf bei St Ives in Cambridgeshire, wo Lancelot Brown seine letzte Ruhestätte fand. Er war dort Lord of the Manor of Fenstanton und wohnte im Manor House, das noch heute an der Chequer Street zu sehen und leicht an den beiden beschnittenen Bäumen am Hauseingang zu erkennen ist. Brown erhielt das Haus als Bezahlung für Arbeiten, die er auf Castle Ashby, dem Wohnsitz des Earls of Northampton ausgeführt hatte.

Das Grab von Lancelot Brown ist auf dem Kirchhof von St Peter and St Paul zu finden, wo auch seine Frau Bridget beerdigt worden ist. In der Kirche erinnert eine Gedenkstätte an ihn, auf der auch die Namen seiner beiden Söhne eingraviert sind: Lancelot Brown jr, ein Politiker und Parlamentsabgeordneter für die Stadt Totnes in Devon, und John Brown, ein Admiral der Royal Navy.
Auch an die beiden Schwiegertöchter Browns wird in St Peter and St Paul gedacht: Der Name Mary, die Frau von John Brown, ist auf dem Gedenkstein aufgeführt, während Frances, die Frau seines anderen Sohnes Lancelot, ein eigenes Memorial in einer Nische der Kirche hat.

Woran man einen von Lancelot „Capability“ Brow entworfenen Garten erkennen kann, zeigt dieser kurze Film des National Trusts.

The Manor House in der Chequer Street von Fenstanton.
Photo © Stuart Shepherd (cc-by-sa/2.0)
St Peter and St Paul in Fenstanton.
Photo © Robert Edwards (cc-by-sa/2.0)

Photo: Tedster007.
Creative Commons 4.0
Die Gedenkstätte in St Peter and St Paul.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
In Memory of Frances Brown in St Peter and St Paul.
Photo: MumphingSquirrel.
Creative Commons 4.0
Published in: on 30. Juli 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Brighton & Hove Albion Football Club und The Amex

Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)

Nördlich des Seebades Brighton in der Grafschaft East Sussex zieht sich die vielbefahrene A27 hin. Direkt an ihr liegt der Campus der University of Brighton und daneben das Stadion des Brighton & Hove Albion Football Clubs, das Falmer Stadium (nach dem Dorf an der A27 benannt) oder auch das American Express Community Stadium, kurz The Amex, genannt. Das Stadion kann maximal knapp 32 000 Zuschauer fassen und wurde im Juli 2011 eröffnet. Kosten: £93 Millionen.

Sponsor des Vereins, der in der englischen Premier League spielt, und dort zum Zeitpunkt des Verfassens meines Blogartikels auf Platz 5 steht, ist die US-amerikanische Firma American Express, die ihren europäischen Hauptsitz in Brighton hat und der größte private Arbeitgeber der Stadt ist. Ihr Gebäude steht in der John Street, direkt gegenüber vom Polizeipräsidium.

Das Eröffnungsspiel, ein Freundschaftsspiel, am 30. Juli 2011 fand gegen den Londoner Verein Tottenham Hotspur statt (Brighton verlor 2:3), das erste Punktspiel eine Woche später war dann ein 2:1 Sieg gegen die Doncaster Rovers. Die Spieler des Clubs werden The Seagulls genannt, also die Seemöwen, wegen der Nähe der Stadt zum Meer. Eigentlich müssten die Tiere ja von den Fußballfans des Vereins geliebt werden, doch Seemöwen und Tauben sind im Stadion nicht wohlgelitten, daher werden Falken eingesetzt, um sie zu vertreiben.

The Amex war Gastgeber für einige Spiele der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2022. Hier fanden die Matchs zwischen England und Norwegen beziehungsweise Österreich und Norwegen statt, ebenso das erste Viertelfinal-Spiel England gegen Spanien.

Die Londoner Architektengruppe KSS, die sich unter anderem auf Sportbauten spezialisiert hat, entwarf das beeindruckende Stadion.

Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)
Das neue Gebäude des American Express Headquarters in der John Street in Brighton.
Photo: Hassocks5489.
Public Domain.
Published in: on 29. Juli 2022 at 02:00  Comments (2)  

Die Victorian Society und die Top 5 Liste der „Most Endangered Buildings“

Die Victorian Society hat es sich auf ihre Fahnen geschrieben, sich für den Erhalt viktorianischer und edwardianischer Gebäude einzusetzen, von denen viele gefährdet sind. Ihre Experten helfen lokalen Planern bei der Arbeit, diese Gebäude zu erhalten statt sie abzureißen. Die bisher größten Erfolge der Victorian Society war der Erhalt des Londoner Bahnhofs St Pancras und des Albert Docks in Liverpool.

Trotzdem gibt es immer wieder vom Verfall bedrohte Gebäude aus jener Zeit, auf die die Society durch ihre jährliche Liste der „Most Endangered Buildings“ hinweisen will. Ich stelle hier die Top 5 des Jahres 2021 vor:

1. Halifax Coal Drops in West Yorkshire. Diese 15 Bunker wurden dafür genutzt, Kohle zu lagern. Die Güterzüge entluden oberhalb der Bunker die Kohle, die dann von den örtlichen Händlern abgeholt und ausgeliefert wurde.

Photo: sgwarnog2010.
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2. Horncliffe House bei Rawtenstall in Lancashire. 1869 für einen ortsansässigen Fabrikanten erbaut, durchlief das Haus mehrere Phasen als Altenheim und als Hotel bevor es 2007 geschlossen wurde. Seitdem dämmert das einstmals stolze Haus vor sich hin. Vor drei Jahren gab der Ausbruch eines Feuers ihm noch den Rest. Es lohnt sich wirklich, sich für den Erhalt des Hauses einzusetzen.

Photo: mrrobertwade.
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3. Healing Flour Mill and Warehouses in Tewkesbury (Gloucestershire). 1865 erbaut, war das einmal die größte Getreidemühle des ganzen Landes, die 25 Säcke Mehl pro Stunde pro Stunde abfüllen konnte. Im Jahr 2006 war Schluss; jetzt verfallen die Gebäude allmählich. Wird die Victorian Society es schaffen, die Flour Mill zu erhalten?

Photo © John M (cc-by-sa/2.0)

4. Icknield Street School in Birmingham. Dieses wunderschöne Schulgebäude stammt aus dem Jahr 1883 und ist es Wert, erhalten zu bleiben. Im Erdgeschoss ist zwar noch ein Hindutempel untergebracht, aber überall regnet es ein und so wird allmählich die Bausubstanz zerstört.

Photo: ellbrown.
Creative Commons 2.0

5. Indoor Market in Burslem bei Stoke-on-Trent (Staffordshire). Im Jahr 2003 musste diese Markthalle aus dem Jahr 1897 geschlossen werden, weil Mauerwerk von oben herunterfiel. Jetzt besteht die Gefahr, dass das Stahl-Glasdach einstürzt. Hier herrschte reges Leben, als es der Stadt Burslem noch gut ging.

Photo: quimby.
Creative Commons 2.0
Published in: on 28. Juli 2022 at 02:00  Comments (1)  

Das Carn Brea Castle bei Redruth in Cornwall und ein Restaurant mit jordanischer Küche

Photo © Richard Rogerson (cc-by-sa/2.0)

Oberhalb von Redruth in der Grafschaft Cornwall, gut und schnell über die A30 zu erreichen, liegt auf einem Hügel die Burg Carn Brea Castle, was auf kornisch „Burg auf einem felsigen Hügel“ bedeutet. Ihre Ursprünge gehen bis in das 14. Jahrhundert zurück, als hier eine Kapelle erbaut wurde. Ende des 18. Jahrhunderts nahm die Familie Basset das Schicksal des Gebäudes in die Hand und machte daraus ein Jagdschlösschen. In Sichtweite der Burg steht das Basset Monument, ein 30 Meter hoher Obelisk, der 1836 in Erinnerung an Francis Bassett, Lord de Dunstanville, errichtet wurde. Von den 1950er bis in die 1970er Jahre stand die Burg leer, was ihr nicht gut bekam, denn sie begann allmählich zu verfallen. Glücklicherweise erbarmte sich die Baufirma Percy Williams aus Redruth dem Carn Brea Castle, die es komplett restaurierte und darin ein kleines Restaurant eröffnete. Anfang 1990 kam das Restaurant in neue Hände: Die aus Jordanien stammende Familie Sawalha übernahm es und noch heute, nach mehr als 30 Jahren, wird in den alten Burgmauern jordanische Küche serviert.

Jordanische Restaurants sind sehr selten in England wie auch in Deutschland. Auf der Karte im Carn Brea Castle Restaurant stehen zum Beispiel Gerichte wie Shish Tawuk (gegrillte Hühnchenbrust mit speziellen Gewürzen), Sayadeyhe (Garnelen mit Champignons, Knoblauch, Chilies auf Safranreis) und das Carn Brea Special (gebratenes Rumpsteak mit Zwiebeln, Champignons, Paprika und Pinienkernen). Gespeist wird hier abends bei Kerzenschein wie dieser Film zeigt. Das Restaurant ist täglich ab 18 Uhr geöffnet. Die mit vielen Schlaglöchern versehene, schmale Zufahrtsstraße ist nicht ganz leicht zu finden.

Von einer Drohne aus gesehen, zeigt dieser Film das Bassett Monument und die Burg auf dem Carn Brea Hill.

Photo © Derek Voller (cc-by-sa/2.0)
Das Basset Monument.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

The Millennium Puzzle Bench in Luppitt (Devon)

Photo © David Smith (cc-by-sa/2.0)

Was wurde nicht alles zur Jahrtausendwende in England erbaut! In meinem Blog habe ich nur einen winzigen Bruchteil vorgestellt wie zuletzt The Knutsford Millennium Tapestry oder davor den Torrs Millennium Walkway und die Millennium Seedbank.

Heute begeben wir uns in die Grafschaft Devon, um dort in dem Dörfchen Luppitt die Millennium Puzzle Bench aufzusuchen. Wir finden die steinerne Bank vor der Pfarrkirche St Mary’s, oberhalb des Ortes. Am Silvestertag des Jahres 2000 wurde sie enthüllt und den Bürgern beziehungsweise Kirchgängern von Luppitt zur Begutachtung und Freizeitgestaltung übergeben.

Die Millennium Puzzle Bench wiegt etwa 15 Zentner und besteht aus feinkörnigem Granit. Besondern bequem ist die steinerne Bank nicht, aber die Bequemlichkeit stand auch nicht im Vordergrund als sie in mühevoller Kleinarbeit hergestellt wurde, sondern die Rätsel, die auf ihr angebracht sind. Da gibt es beispielsweise ein Railway Maze, ein in den Stein eingeritztes Labyrinth, das der heute 91-jährige Mathematiker Sir Roger Penrose entworfen hat; vom Start soll man auf unzähligen Schleifen und Kurven, ohne zurückzusetzen, das Ziel erreichen. Wir finden auf der Bank Bilderrätsel, ein Anagramm (ein Wort, welches durch Umstellung der Buchstaben ein neues Wort ergibt), ein word square puzzle, bei dem eine Anzahl von Wörtern sowohl horizontal als auch vertikal lesbar sein müssen, und so weiter. Man braucht sehr viel Geduld, um diese in Stein gemeißelten harten Nüsse zu knacken.

Rechts das oben erwähnte Railway Puzzle.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)
…und weitere Rätsel auf der Millennium Puzzle Bench.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 26. Juli 2022 at 02:00  Comments (2)  

The Semaphore Chain – Optische Nachrichtenübertragung von London nach Portsmouth im 19. Jahrhundert

Admiralty House in London.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

An der englischen Küste, speziell im Süden und im Osten, herrschte immer die Furcht vor einer Invasion fremder Mächte, ob das nun Spanien, Frankreich oder später in den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts Deutschland war. Ende des 18. Jahrhunderts bestand eine Bedrohung von französischer Seite. Wie sollte man da bei der Sichtung französischer Kriegsschiffe an der Küste Kontakt zur weit entfernten Admiralität in London aufnehmen, damit diese über entsprechende Maßnahmen entscheidet?

1795 begann die englische Marine mit dem Bau eines optischen Nachrichtenübertragungssystems zwischen London und Portsmouth, bei dem auf Gebäuden bewegliche Arme aufgestellt wurden, mit deren Hilfe man Nachrichten weiterleiten konnte. Dieses nach einem französischen Vorbild von Sir George Murray entwickelte System wurde 1822 durch das Semaphorensystem ersetzt, das der Marineoffizier Home Riggs Popham erfunden hatte.

The Semaphore Chain bestand aus 15 Stationen, die Endpunkte waren das Admiralitätsgebäude in Londons Whitehall und das Semaphore Building in Portsmouth. Nachrichten konnten auf der 108 Kilometer langen Strecke binnen 15 Minuten übertragen werden, eine für damalige Verhältnisse erstaunliche Leistung.

Das Admirality House in London wird heute noch von der britischen Regierung benutzt, dient aber anderen Zwecken. Das ursprüngliche Semaphore Building in Portsmouth fiel einem Brand zum Opfer, wurde aber 1913 neu errichtet. Es liegt auf dem Gelände der Marinebasis und ist nicht zugänglich. Die verbliebenen Gebäude zwischen den Endpunkten, die für die Semaphoren verwendet wurden, befinden sich heute in Privatbesitz; der Chatley Heath Semaphore Tower an der M25 in Surrey, gehört dem Landmark Trust und wird an Urlauber vermietet.

The Semaphore Building in Portsmouth.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)
Chatley Heath Semaphore Tower in Surrey.
Photo © Alan Hunt (cc-by-sa/2.0)

The Winbirri Vineyard in Surlingham (Norfolk)

Aus diesen Reben entstehen die im wahrsten Sinne des Wortes „ausgezeichneten“ Weine in Surlingham.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Eigentlich verbindet man die Region East Anglia nicht mit Weinbau, doch gibt es dort tatsächlich einige Weingüter, von denen eines in den letzten Jahren weltweit für Aufsehen gesorgt hat, der Winbirri Vineyard in Surlingham (Norfolk). Südöstlich von Norwich am River Yare liegt das Reich von Lee Dyer, dessen Vater zum Spaß Reben angepflanzt hatte. Sein Sohn übernahm sie und baute sie zum zweitgrößten Weingut in Norfolk aus. Es gedeihen hier Bacchus, Dornfelder, Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay. Eine der Rebsorten, nämlich Bacchus, wurde zu einem völlig unerwarteten Erfolgserlebnis, denn der Jahrgang 2015 erhielt 2017 die Auszeichnung Best Single-Varietal White Wine in the World und damit den Decanter Platinum Award. Die Decanter World Wine Awards stellen die prestigeträchtigsten Auszeichnungen dar, die man in der Weinbranche überhaupt erhalten kann. Bisher sorgte vor allem die Qualität der Sekte aus England international für Aufsehen, aber jetzt war es ein stiller Wein aus Norfolk, der die Juroren überzeugte, nach ihrer Meinung „a perfect aperitif wine„.

Lee Dyers Weine wurden mit weiteren Auszeichnungen geradezu überschüttet, auch regional und national, und immer wieder waren es in erster Linie die Weine der Bacchus-Rebe. Nachdem er den Decanter Award erhalten hatte, waren seine Vorräte sofort ausverkauft, die Nachfrage war weitaus größer als das Angebot.

Wer sich den Winbirri Vineyard einmal ansehen möchte: Lee Dyer führt von Mai bis September die Vineyard Tour and Tasting Experience Days durch, bei denen er den Besuchern sein Weingut zeigt, verbunden mit einer Weinprobe, bei der es auch etwas Regionales zu essen gibt (£17.50).

Hier ist ein Film über das Weingut.

Winbirri Vineyards
Bramerton Road
Surlingham
NR14 7DE

Winbirri Vineyard im Winter.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 24. Juli 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Littleport in Cambridgeshire und eine weltberühmte Motorradmarke

Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

Littleport in Cambridgeshire, rund zehn Kilometer nordöstlich von Ely gelegen, ist ein großes Dorf beziehungsweise eine kleine Stadt mit knapp 9000 Einwohnern. Fährt man dort die Church Lane entlang, zwischen dem Village Green und der St George’s Church, nimmt man vielleicht aus den Augenwinkeln ein dort abgestelltes Motorrad wahr und kümmert sich nicht weiter darum. Sollte man aber, denn es handelt sich hierbei um kein echtes Motorrad, sondern um das Harley Davidson Monument. Wer keinen Nerv für motorisierte Zweiräder hat, kann weiterfahren, aber jeder echte Biker wird hier anhalten und sich einmal daraufsetzen, denn das ist nicht verboten.

Wie kam nun diese Verbindung zwischen Littleport und Harley Davidson zustande? Im Jahr 1903 gründeten William Sylvester Harley und Arthur Davidson ihre gemeinsame Motorradfabrik in Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin. Williams Vater, der ebenfalls William hieß, war gebürtiger Engländer und stammte aus Littleport, wo er in der Victoria Street geboren wurde (das Haus steht heute nicht mehr). Mit 24 Jahren verließ er England, ging in die Vereinigten Staaten und schloss sich dort der Armee an. Noch heute gibt es in Littleport Nachfahren der Harley-Familie.

Aus Anlass des hundertjährigen Bestehens der Firma Harley Davidson wurde im Jahr 2003 dieses Monument errichtet, das eine Knucklehead Modell 1937 zeigt. Der amerikanische Talkshow-Moderator Jay Leno hat ein Motorrad diesen Typs und Jahrgangs in seiner Garage stehen, die er in diesem Film zeigt.

Littleport ist häufig das Ziel von Bikern, speziell von Harley-Davidson-Fans, aus dem ganzen Land. In diesem Film werden die Feierlichkeiten anlässlich des hundertjährigen Bestehens der Motorradfirma gezeigt, deren Höhepunkt die Enthüllung des Monuments war.

Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)
Die Victoria Street in Littleport, wo William Harleys Geburtshaus stand.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 23. Juli 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die beiden Komiker Stan Laurel und Oliver Hardy und The Bull Inn in Bottesford (Leicestershire)

Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Mit dem Filmkomiker Stan Laurel (1890-1965) und seinem Kompagnon Oliver Hardy (1892-1957) habe ich mich in meinem Blog schon zweimal beschäftigt, einmal mit Laurels Statue in North Shields (Tyne and Wear) und einmal mit Stans Geburtsort Ulverston in Cumbria.

In meinem heutigen Blogeintrag laufen uns „Dick und Doof„, wie sie in Deutschland genannt werden, noch einmal über den Weg und zwar in dem Ort Bottesford in Leicestershire, genauer gesagt im The Bull Inn. Nachdem sie im April 1952 im Empire Theatre in Nottingham bei einer Comedyshowshow aufgetreten waren, machten sie einen Abstecher in den Pub, den damals Stans Schwester Olga Healey zusammen mit ihrem Mann Bill betrieb. Zu Weihnachten kamen die beiden wieder und halfen Olga hinter der Theke beim Bierzapfen, was natürlich bei den Dorfbewohnern für Aufregung sorgte. Eine bessere Werbung hätte The Bull Inn kaum haben können.

Noch heute zehrt der Pub von den Besuchen der beiden Comedians, denn an den Wänden sind Fotos aufgehängt und man findet weitere Memorabilia in den Räumen. Eine Tafel außen am Pub weist auf die illustren Gäste hin.

The Bull Inn verspürte nach der Veröffentlichung des Kinofilms „Stan & Ollie“ (in Deutschland lief der Film unter demselben Titel) im Jahr 2018 Zuwachs bei den Gästen. Der Film spielt in den frühen 1950er Jahren, und da wollten so manche Kinobesucher den Pub einmal in Augenschein nehmen. Gedreht worden ist im Pub nicht, auch nicht in Bottesford.

Da wir gerade in Bottesford sind: Hier lohnt sich ein Besuch der Dorfkirche St Mary’s, wo die Dukes of Rutland vom Belvoir Castle ihre Familiengruft haben. Mehr dazu siehe in meinem Blogeintrag „Die Hexen vom Belvoir Castle„.

The Bull In
5 Market Street
Bottesford
NG13 0BW

Memorabilia im Pub.
Photo: It’s No Game.
Creative Commons 2.0
…und weitere Erinnerungsstücke.
Photo: It’s No Game.
Creative Commons 2.0
Tafel außen am Pub.
Photo: It’s No Game.
Creative Commons 2.0

Berney Arms in Norfolk – Ein Bahnhof, der gleich drei Rekorde hält

Photo © Matthew Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Berney Arms ist eine winzige Siedlung in der Grafschaft Norfolk am River Yare, erreichbar zu Fuß, per Boot oder per Bahn, eine Straße führt nicht in diese einsame Gegend in den Berney Marshes. Es gibt hier eine Windmühle, einen Bauernhof, einen Pub, der aber 2015 geschlossen wurde, und ja einen Bahnhof oder vielmehr einen Mini-Bahnsteig mit einer Sitzbank und dem Bahnhofsschild. Wer mag hier wohl aus- und einsteigen, fragt man sich? Die Eisenbahnstrecke der Wherry Lines, die hier eingleisig vorbeiläuft, führt von Great Yarmouth an der Küste nach Reedham, und wer hier in Berney Arms zusteigen möchte, der muss dies dem Zugführer per Handzeichen deutlich machen, denn automatisch hält der Zug nicht.

Die Winzlings-Bahnstation in einer Gegend, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, hält drei Rekorde: Einmal ist Berney Arms der abgelegenste Bahnhof Englands und dann der mit dem geringsten Passagieraufkommen des Landes. 2019/2020 waren es ganze 42, nicht etwa pro Tag, sondern pro Jahr; man muss allerdings dazu sagen, dass die Bahnstation in diesem Zeitraum für eine ganze Weile geschlossen war. Im Jahr davor waren es noch 442 Bahnreisende gewesen. Dafür stieg die Zahl der Ein- und Aussteigenden im Zeitraum 2020/21 auf dramatische 348, also um mehr als das achtfache; ein Rekord, das hat kein anderer Bahnhof in England bisher geschafft. Da der Berney Arms Inn auch geschlossen ist, gibt es einen Grund weniger, hier auszusteigen. Allerdings gibt es seit einiger Zeit auf dem Gelände das Berney Arms Bistro, in dem man Erfrischungen zu sich nehmen kann.

Übrigens: Der Bahnhof mit dem höchsten Passagieraufkommen in ganz Großbritannien war 2020/21 Londons Stratford Station, hier wurden 14 Millionen Reisende gezählt.

Der einsame Schienenstrang der Wherry Lines.
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)
Der Berney Arms Inn, als er noch geöffnet hatte.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 21. Juli 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Knutsford Millennium Tapestry – Ein Mammutwerk der Stickerei in Cheshire

Photo: Kollage Kid.
Creative Commons 2.0

Das Heritage Centre der Stadt Knutsford in der Grafschaft Cheshire liegt in einem alten Haus aus dem 17. Jahrhundert in der King Street, betrieben ausschließlich von ehrenamtlichen Helfern, die Spaß daran haben, sich mit der Geschichte ihrer Stadt zu beschäftigen (zu Knutsford siehe auch meinen anderen Blogeintrag).

Das Prunkstück des Heritage Centres ist The Knutsford Millennium Tapestry, ein riesiges Stickerei-Gemälde, das zur Jahrtausendwende entstand und an dem 3000 Ehrenamtliche mitgewirkt haben. Es ist über zwölf Meter lang, besteht aus drei Teilen und zeigt das Leben in der Stadt im Jahr 2000. Die Stickerei benötigte 6 500 000 Stiche bis sie fertiggestellt war, ein wahres Mammutwerk. Die damalige Bürgermeisterin Jennifer Holbrook hatte die Idee, und die erfahrene Näherin Sue Newhouse übernahm die Aufsicht über die Herstellung des Kunstwerks, was alles in allem vier Jahre dauerte.

Auf dem Wandteppich sind unendlich viele Szenen aus dem Alltagsleben der Stadt Knutsford zu sehen, in der rund 13 000 Menschen leben. So gut wie jede Straße und jedes Haus ist abgebildet. Wenn man genau hinschaut, erkennt man den ehemaligen MP Martin Bell vor dem Longview Hotel in der Manchester Road, sieht Booths Supermarkt in der Stanley Road oder kann zusehen wie Feuerwehrleute eine Katze vom Dach eines Pubs retten. Man würde Stunden dafür brauchen, um auch nur einen Teil der Tapestry würdigen zu können.

Als der Wandteppich zehn Jahre lang im Heritage Centre hing, hatten sich nicht nur Tausende von Besuchern an ihm erfreut, sondern leider auch ganze Heerscharen von Teppichkäfern, die ihn zum Fressen gern hatten. Also musste eine groß angelegte Reinigung und Konservierung in die Wege geleitet werden, die £20 000 kostete, eine Summe, die durch Spenden aus der Bevölkerung und der Geschäftswelt aufgebracht wurde. Auch während des Corona-Lockdowns erhielt der Wandteppich noch einmal eine Reinigung, so dass er jetzt wieder in neuem Glanz erstrahlt.

Dieser sehr interessante Film zeigt Details des Wandteppichs und stellt sie den echten Gebäuden gegenüber.

Knutsford Heritage Centre
90a King Street
Knutsford, WA16 6ED

Hier im Knutsford Heritage Centre ist der Wandteppich untergebracht.
Photo © Mary Gracie (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 20. Juli 2022 at 02:00  Comments (1)  

Ely in Cambridgeshire Teil 2: Sarafa – Die Giraffe von der Waterside

Unter der Adresse 69 Waterfront am River Great Ouse findet man in Ely (Cambridgeshire) einen merkwürdigen Bewohner. Er ist sehr groß, guckt über die Hausdächer hinweg und besteht zu einem erheblichen Teil aus Maßbändern: Es ist Sarafa die Giraffe, ein Tier, das üblicherweise eher selten in Cambridgeshire anzutreffen ist.

Die Idee zu Sarafa kam George Peacock, der zusammen mit seiner Frau Rachel Peacocks Tearoom mit angeschlossenem B&B betreibt, eine vielfach mit Preisen ausgezeichnete Teestube (65 Waterside). Ähnlich wie der Headington Shark in Oxford (ich berichtete in meinem Blog über ihn) sollte auch Sarafa in diesem hübschen Teil von Ely für etwas Abwechslung der freundlicheren Art sorgen, was auch gelungen ist.

Der Künstler Wesley West machte sich mit Enthusiasmus ans Werk und erbaute die Giraffe, indem er zuerst mit einem 3D-Drucker ein Modell herstellte. Aus diesem entwickelte sich schließlich das Tier, das aus einem Metallgerüst besteht, das mit gelben, insgesamt 230 Meter langen Maßbändern aus glasfaserverstärktem Kunststoff umwickelt ist. Fast auf den Tag genau dauerte die Herstellung von Sarafa ein Jahr. Ihre Geburtsstunde schlug am 11. August 2019 als sie zu ihrer endgültigen Parkposition auf das Dach von 69 Waterside gehievt wurde und seitdem die Bewohner von Ely und die vielen Besucher der Stadt erfreut.

Für die Fotos danke ich meinem Freund David Bradshaw aus Milton bei Cambridge, den ich in meinem Blog schon einmal porträtiert habe, und der extra für mich nach Ely gefahren ist, um aktuelle Fotos von Sarafa zu schießen.

Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 19. Juli 2022 at 02:00  Comments (1)  

Ely in Cambridgeshire Teil 1: The Ely Eel Day – Alles rund um den Aal

Die Eel Parade.
Photo: darquati.
Creative Commons 2.0

Aale-Dieter, der legendäre Verkäufer vom Hamburger Fischmarkt, würde sich am Ely Eel Day in der Stadt Ely in Cambridgeshire im Schatten der Kathedrale sicher wohlfühlen, wenn der Anguilla anguilla, wie der Aal auf Latein heißt, einen ganzen Tag lang im Mittelpunkt steht.
In der Regel findet der Tag des Aals in Ely am Samstag des May Bank Holidays statt, in diesem Jahr war es aber der Sonntag der 5. Juni, am Queen’s Platinum Jubilee Weekend. Dass der „eel“ mit Ely eng verbunden ist, lassen schon die ähnlichen Namen vermuten. In den Gewässern um die auf einem Hügel liegenden Stadt tummeln sich schon seit ewigen Zeiten Aale, ja, Ely war früher sogar einmal eine Insel inmitten des Sumpfgebietes der Fens, bis diese trockengelegt wurden.

In dem dieses Mal “Jubil-Eel Day!” genannten Festtag stand wieder der große Umzug im Mittelpunkt, der sich durch die ganze Innenstadt zieht und in den Jubilee Gardens endet. Bei der Eel Parade sind einige Riesenaale zu sehen, Männer und Frauen in historischen Kostümen ziehen mit, mehr oder weniger laute Musik erschallt, die ganze Stadt scheint versammelt zu sein (hier ist ein Film von einer früheren Parade).

Um die Menschenmenge auch richtig zu verköstigen, sind in den Jubilee Gardens jede Menge „food stalls“ aufgebaut. Für Unterhaltung sorgen die unvermeidlichen Morris Dancers.

Und dann gibt es noch ein ganz besonderes Ereignis am Ely Eel Day: The World Eel Throwing Competition, bei dem es darum geht, einen Aal soweit wie möglich zu werfen. Es sind selbstverständlich keine richtigen Aale, nur ausgestopfte Socken. Es gibt zwei Kategorien, die über 16-Jährigen und die unter 16-Jährigen. Der Weltrekord steht zur Zeit bei 17.7 Metern.

Ein Riesenaal, der beim Umzug mitgeführt wird.
Photo: Gyrus.
Creative Commons 2.0
Ein Metall-Aal in den Jubilee Gardens.
Photo © David Hallam-Jones (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 18. Juli 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Buckden Pike Memorial Cross – In Erinnerung an ein tragisches Unglück am 30. Januar 1942 in den Yorkshire Dales

Photo © Alex Cameron (cc-by-sa/2.0)

Ein Schneesturm über den Yorkshire Dales wurde sechs polnischen Soldaten am 30. Januar 1942 zum Verhängnis. Sie waren mit ihrem Wellington-Bomber von dem Militärflugplatz RAF Bramcote in Warwickshire zu einem Übungsflug Richtung Norden aufgestiegen. Bei Skipton in den Dales war die Sicht für den Piloten gleich Null. Vergeblich versuchte er irgendetwas auszumachen, an dem er sich orientieren konnte, kam immer tiefer und prallte schließlich am Buckden Pike mit über 300 km/h erst gegen eine Steinmauer und dann gegen den Berg. Das Flugzeug wurde in zwei Teile gerissen; der Heckschütze Joe Fusniak konnte sich schwer verletzt aus dem hinteren Teil befreien und sich zum vorderen Teil schleppen, in dem vier seiner toten Kameraden lagen, ein Überlebender war noch schwerer als Joe verletzt, atmete aber noch.
Was tun? Joe musste unbedingt Hilfe holen, was aber in diesem menschenleeren, ihm völlig unbekannten Gebiet mitten in einem Schneesturm fast unmöglich war. Trotzdem zog er mit einem gebrochenen Knöchel mühsam los. Plötzlich sah er die Fährte eines Fuchses, und in der Annahme, dass es Füchse oft in die Nähe menschlicher Behausungen zog, folgte er der Fährte. Und tatsächlich kam er auf diese Weise, am Ende seiner Kräfte, zu dem Pub The White Lion in dem Dorf Cray, wo man seine Hilferufe hörte und ihn rettete. Die Familie Parker, die den Pub betrieb, nahm sich seiner an, und da Joe Fusniak des Englischen nicht mächtig war, dauerte es seine Zeit bis er ihr klar machen konnte, dass sein Kamerad oben in den Bergen dringend Hilfe brauchte. Wegen der hohen Schneewehen konnte sich erst am Tag darauf ein Suchtrupp auf den Weg zum Flugzeug machen, wo der mittlerweile verstorbene Kamerad gefunden wurde.

Seitdem war es für Joe Fusniak ein Herzensanliegen, an der Unfallstelle auf dem Buckden Pike ein Denkmal für die Todesopfer zu errichten, was schließlich im Jahr 1973 verwirklicht werden konnte. An der Absturzstelle stellte Joe das Buckden Pike Memorial Cross auf, ein steinernes Kreuz und eine Erinnerungstafel aus schwarzem Marmor, die die Inschrift trägt:

THANKSGIVING TO GOD
THE PARKER FAMILY AND LOCAL PEOPLE
AND IN MEMORY OF
FIVE POLISH R.A.F MEN WHO DIED
HERE ON 31/1/42 – BURIED IN NEWARK
THE SURVIVOR

Mit dem „Survivor“ ist natürlich Joe Fusniak gemeint. Das Datum der Inschrift ist nicht korrekt, es müsste richtig 30/1/42 heißen. Unterhalb der Tafel schaut ein Fuchskopf aus dem Stein, den Joe aus Dankbarkeit angebracht hat; ohne die Fuchsfährte hätte er an jenem eiskalten Januartag in den Yorkshire Dales nicht überlebt.

Joe Fusniak starb im Juli 2017 im Alter von 95 Jahren in Cambridge.

In diesem Film ist die tragische Geschichte noch einmal zu sehen und diese Webseite enthält noch viele weitere Informationen.

Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
In Dankbarkeit für den unbekannten Fuchs.
Photo © Steve Partridge (cc-by-sa/2.0)
The White Lion in Cray (North Yorkshire).
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 17. Juli 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Meine Lieblings-Pubs: The Buck Inn in Buckden (North Yorkshire)

Photo © Mark Percy (cc-by-sa/2.0)

Es gibt ein Buckden in der Grafschaft Cambridgeshire, um den es heute aber nicht geht, sondern um den Namensvetter im hohen Norden, in North Yorkshire. Es ist ein Dorf am River Wharfe, also im Wharfedale, mit knapp 200 Einwohnern. Auf der B6160 ist man ruckzuck durch Buckden hindurchgefahren, man sollte aber dem Dorfpub, dem Buck Inn, einen Besuch abstatten, der verkehrsgünstig an der Durchgangsstraße liegt.

Bei meinem Besuch vor einigen Jahren im Buck Inn erlaubte das Wetter es leider nicht, draußen zu sitzen, von wo aus man einen sehr schönen Blick auf die Yorkshire Dales gehabt hätte. So saßen wir drinnen in den gemütlichen Räumen des Pubs, der für ein Jahr geschlossen war, und erst im Jahr 2018, nach einer Komplettrenovierung, erneut seine Pforten öffnete. Beliebt ist der Buck Inn nicht nur bei den Einheimischen und bei durchfahrenden Touristen, sondern auch bei den zahlreichen Wanderern, die die Dales durchstreifen.

Im Restaurant wird gehobene Pubküche serviert wie  Steak & Ale Pie,  Gammon & Fried Eggs oder Beer Battered Fish & Chips, aber auch eine Auswahl von Sandwichs wird angeboten. In der Bar gibt es meist sechs verschiedene Biere vom Fass, darunter die der Moorhouse Brewery aus Burnley in Lancashire.

Für müde Häupter stehen acht Zimmer zur Verfügung, die £95 beziehungsweise £110 pro Nacht kosten, das Yorkshire Breakfast ist inklusive. 

The Buck Inn
Buckden
North Yorkshire
BD23 5JA

Das Restaurant des Buck Inn.
Photo: mole-volio.
Creative Commons 2.0
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 16. Juli 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Aylesbury in Buckinghamshire – „The worst place to live in the UK“

Die John Hampden-Statue auf dem Market Place.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Anfang des Jahres veröffentlichte die Webseite http://www.ilivehere.co.uk wieder die Liste der „Top 50 worst places to live in the UK„, eine Umfrage, an der über 110 000 Menschen teilgenommen haben, die ihren jeweiligen Wohnort selbst beurteilten. Bei vielen der genannten Städte überrascht es nicht, vor allem nicht bei den im Norden liegenden. Mit dem Thema habe ich mich in meinem Blog schon mehrfach beschäftigt, indem ich die Buchreihe „Crap Towns“ vorgestellt habe.

Wir haben einen neuen Spitzenreiter, der das zuletzt immer wieder führende Peterborough in Cambridgeshire abgelöst hat, nämlich:

Aylesbury in Buckinghamshire. Die Einwohner der Hauptstadt des wohlhabenden Buckinghamshire haben mit Abstand Aylesbury als die am „unlebenswerteste“ Stadt gewählt. Meine eigenen Erfahrungen decken sich etwas damit, bin ich doch mit meinem defekten Auto zweimal dort liegen geblieben und habe nicht viel Hilfe von den Autowerkstätten erhalten. Nur die beiden Männer vom Royal Automobile Club waren sehr hilfreich, doch die kamen aus Oxfordshire.
Aylesbury hat knapp 60 000 Einwohner, David Bowie hatte eine enge Verbindung zur Stadt, ebenfalls die Band Marillion. Auf dem Market Square steht eine Statue des Politikers John Hampden (1594-1643), der die Stadt im Parlament vertrat, 1964 fand der Prozess gegen die Täter des Great Train Robbery in Aylesbury statt, das sind nur ein paar Dinge, die mir spontan zu der Stadt einfallen, die ich meist bei strömendem Regen erlebt habe.
Bei den Teilnehmern der Umfrage sprechen einige von den Bürgern als loud, obnoxious and dumb“ oder als „trashy citizens„, sie bezeichnen Aylesbury als  sh#t little town„, fühlen sich in ihr nicht sicher und beklagen den immer schlimmer werdenden Verkehr (die unsicherste Stadt Englands ist nach einer Erhebung der Firma Homedit übrigens Harlow in Essex, die sicherste erstaunlicherweise Manchester).

Auf den Plätzen 2 bis 5 liegen die Städte Huddersfield (West Yorkshire), Luton (Bedfordshire), Liverpool (Merseyside) und Peterborough (Cambridgeshire).

Die David Bowie-Statue auf dem Market Place.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 15. Juli 2022 at 02:00  Comments (4)  

Der Mordfall Kitty Breaks am Heiligen Abend des Jahres 1919 in den Dünen von St Annes-on-the-Sea (Lancashire)

Die Dünen von St Annes in Lancashire.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Die 26 Jahre alte Kitty Breaks galt als das hübscheste Mädchen in Bradford (West Yorkshire) als sie den ehemaligen Soldaten Frederick Rothwell Holt kennenlernte. Holt hatte als Offizier im Ersten Weltkrieg an der Front gekämpft und war schwer traumatisiert wieder nach Haus zurückgekommen. Sein Zuhause war der Küstenort St-Annes-on-Sea, südlich von Blackpool, heute Lytham St Annes genannt. Kitty und Frederick verliebten sich ineinander und wohnten eine Zeit lang zusammen.

In den Morgenstunden des 24. Dezember des Jahres 1919 fand ein Mann, der am Strand von St Annes Treibholz sammelte, die Leiche Kittys in den Sanddünen; sie war mehrere Male in den Kopf geschossen worden. Als die Polizei am Tatort ankam, fand sie bei ihr einen Brief, der von Frederick Rothwell Holt an sie geschrieben worden war, ein Paar Männerhandschuhe und einen Revolver. Selten war es der Polizei so leicht gemacht worden, den Mörder zu überführen. Nur wenige Stunden später nahm sie ihn im Clifton Hotel in Lytham fest; die Beweislage war eindeutig und Holt stritt die Tat auch nicht ab.

Es kam zur Gerichtsverhandlung in Manchester, bei der Holt zum Tod durch den Strang verurteilt wurde. Am 13. April 1920 kam es im Strangeways Prison in Manchester zur Vollstreckung des Urteils, ausgeführt durch den Henker John Ellis.

Was hatte Frederick Rothwell Holt veranlasst, seine hübsche Lebensgefährtin zu erschießen? Die allgemeine Meinung, und auch die des Gerichts, ging dahin, dass Holt Kitty Breaks‘ Lebensversicherung kassieren wollte, zu deren Abschluss er Kitty gedrängt hatte. Wahrscheinlich kam aber auch hinzu, dass der Ex-Soldat durch die Traumatisierung, die er im Krieg erlitten hatte, geisteskrank geworden war wie es dir Verteidigung bei der Gerichtsverhandlung vorgebracht hatte.

Es gibt Leute in Lytham St Annes, die die Gestalt der weinenden Kitty in den Dünen gesehen haben wollen, was die Band Phantom Voices aus Blackpool veranlasste, der jungen Frau 2018 ein musikalisches Denkmal zu setzen mit dem Song „Kitty Breaks„.

Das Clifton Arms Hotel in Lytham, in dem Kittys Mörder verhaftet wurde.
Photo © R lee (cc-by-sa/2.0)
Manchesters Strangeways Prison wie es heute aussieht.
Photo © Robert Wade (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 14. Juli 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Brighton Greeters – Individuelle Stadtspaziergänge mit kenntnisreichen Führern

Blick vom i360 auf Brighton.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)

Wenn man eine Stadt kennenlernen möchte, bietet sich als erstes eine Rundfahrt mit einem Bus an, um sich einen Überblick zu verschaffen, anschließend kann man dann die Stadt auf eigene Faust erkunden. Brighton in East Sussex bietet eine interessante Variante der Stadterkundung an: The Brighton Greeters. Das sind keine professionellen Stadtführer, sondern Menschen, die auf freiwilliger Basis Besuchern ihren Ort zeigen. Damit die Führung auch individuell bleibt, werden maximal sechs Besucher auf die etwa zweistündige Tour mitgenommen, auch Einzelpersonen werden akzeptiert. Man kann sich einfach den Vorschlägen der Greeter hingeben, kann andererseits auch seine Wünsche äußern und die Stadt unter einem bestimmten Blickwinkel erkunden. In Brighton gibt es so viel zu sehen, dass man bei seinem Besuch vielleicht ganz gern auf die Kenntnisse der Einheimischen zurückgreift. Das Besondere an dem Brighton Greeters Scheme ist, dass er absolut kostenlos ist, nicht einmal Trinkgelder werden angenommen. Gebucht werden die freundlichen Damen und Herren über www.visitbrighton.com. Hier ist ein Film über die Brighton Greeters.

Alternativ gibt es in dem Seebad an der englischen Südküste auch geführte Touren von professionellen Blue Badge Guides wie Only in Brighton oder Brighton Walks.

Die Idee mit dem Greeter Scheme entwickelte Lynn Brooks 1992 in New York, seitdem wurde sie in vielen Ländern der Welt aufgegriffen, auch in Deutschland. In England gibt es sie noch in London und in Dover. Hier ist die Website der International Greeter Association.

Published in: on 13. Juli 2022 at 02:00  Comments (3)  

The Angmering Car Jumping Spectactular in West Sussex

Der Oval Raceway, auch Angmering Raceway genannt, ist eine Autorennstrecke in der Grafschaft West Sussex, dicht an der A27 gelegen, am Rande des Ortes Angmering. An der Zufahrt zu der Rennstrecke ist ein Schild angebracht „Motor Racing is Dangerous“ und darunter ist die Höchstgeschwindigkeit mit 10 Meilen angegeben. Englischer Humor?

Hier wird das Angerming Car Jumping Spectactular ausgetragen, wobei Männer (die Mehrzahl der Fahrer sind männlich), die so richtig Bock darauf haben, Autos zu demolieren, voll auf ihre Kosten kommen und das Risiko in Kauf nehmen, gesundheitliche Schäden zu erleiden.

Bei der „Sportart“ Car Jumping geht es darum, mit einem Auto über eine Rampe zu fahren und über eine Reihe von dahinter geparkten Fahrzeugen zu springen. Dass die dabei agierenden Autos keine Neufahrzeuge sind, liegt auf der Hand. Meist ist das „Springerauto“ nach erfolgter Landung komplett schrottreif und hat vielleicht auch noch im Todeskampf eines der zu überspringenden Autos mit in den Tod gerissen. Es gibt sogar Fahrer, die einen alten Wohnwagen hinter sich herziehen, Anlauf nehmen und dann mit dem Gespann den Sprung wagen.

Gewinner des Wettbewerbs ist, wer am weitesten und höchsten gesprungen ist und den meisten Applaus der Zuschauer bekommen hat. £50 beträgt das Preisgeld.

Mir tun die Autos leid, die jahrelang treu ihren Dienst getan haben und auf diese unwürdige Weise ihr Leben beenden müssen.

Published in: on 12. Juli 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Historic Houses Garden of the Year Award 2022 – Die nominierten Gärten

Der Vorjahressieger: Der Gordon Castle Walled Garden in Schottland.
Photo © Anne Burgess (cc-by-sa/2.0)

Seit 1984 wird jedes Jahr, in Zusammenarbeit mit dem Auktionshaus Christie’s, der Garden of the Year Award der Historic Houses Association vergeben (den Gewinner des Jahres 2017, die Helmingham Hall Gardens in Suffolk, stellte ich in meinem Blog schon einmal vor). Im vorigen Jahr erhielt der Gordon Castle Walled Garden im schottischen Moray mit überwältigender Mehrheit der Abstimmenden den Preis. Parallel wird auch noch der Judge’s Choice Award vergeben, also der Garten, den allein die Jury für den besten des Jahres hält, und das waren im vergangenen Jahr die Gärten von Elton Hall in Cambridgeshire.

Bewerben für den Preis können sich alle Mitglieder der Historic Houses Association. Die Jury stellt aus den Bewerbungen eine Shortlist zusammen und daraus kann sich jeder der möchte seinen Favoriten aussuchen und ihn wählen.

Für das Jahr 2022 stehen acht Gärten auf der Shortlist:

Die Abbotsford Gardens im schottischen Melrose, die von ihrem früheren Besitzer, dem berühmten Schriftsteller Sir Walter Scott (1771-1832) geprägt worden sind. Sein Geburtstag jährte sich 2021 zum 250. Mal, daher gab und gibt es hier zahlreiche Veranstaltungen wie das Scottfest 2022 vom 12. bis zum 14. August. Ich habe Abbotsford einmal besichtigt und kann das wunderschöne Haus und die Gärten sehr empfehlen. Hier ist ein kurzer Film.

Grimsthorpe Castle Garden bei Bourne (Lincolnshire). Die Besitzerin des sehr schönen Anwesens ist Jane Marie Heathcote-Drummond-Willoughby, 28. Baroness Willoughby de Eresby, die Enkelin von Nancy Astor, die in Grimsthorpe auch starb. Dieser Film zeigt die Gärten und das Haus.

Pashley Manor Gardens bei Wadhurst in East Sussex, über die ich in meinem Blog einen Beitrag verfasste. Die Gärten hier sind ein Musterbeispiel für einen typischen English Country Garden. Einer der jährlichen Höhepunkte ist das Tulpenfestival. Mehr über die Gärten in diesem Film.

Sausmarez Manor Garden auf der Kanalinsel Guernsey. Das besondere Klima der Kanalinseln macht es möglich, dass hier in den Gärten subtropische Pflanzen gedeihen können. Im Wild Subtropical Garden findet man exotische Bäume, Palmen, Farnpflanzen vom anderen Ende der Welt und vieles mehr wie hier im Film zu sehen.

Bressingham Hall Garden in Bressingham (Suffolk). Das Anwesen ist sehr begehrt für Hochzeitsfeiern und bietet auch eine sehr ansprechende Kulisse dafür. Die Hochzeitsgäste können sich in der wunderschönen Gartenanlage ergehen (hier zu sehen).

Mount Ephraim Gardens bei Faversham in Kent. Seit 300 Jahren im Besitz der Dawes-Familie gibt es hier einen Wassergarten, in Form geschnittene Hecken (topiaries), einen Rosengarten und ein Arboretum zu sehen. Die Grafschaft Kent, die ja als Garden of England bezeichnet wird, muss einfach mit einem Vertreter auf der Shortlist vorhanden sein. Hier ist ein Film.

Parcevall Hall Gardens im Wharfedale in North Yorkshire. Im Yorkshire Dales National Park gelegen, bietet die Gartenanlage Pflanzen aus aller Welt, mit dem Schwerpunkt Himalayagebirge und China. Die Gärten sind das Lebenswerk von Sir William Milner, 8th Baronet of Nun Appleton (1893-1960), der 30 Jahre lang hier lebte. Dieser Film zeigt die Anlage.

Wentworth Woodhouse Gardens bei Rotherham in South Yorkshire. Siehe dazu meinen Blogeintrag über das riesige Haus. Ein großer Teil der ehemaligen Gärten ist durch den Abbau der Kohlelagerstätten zerstört worden, und man ist dabei, sie in großem Stil wieder herzurichten. Auch das Haus selbst hat sehr gelitten, so dass ich persönlich diesem Bewerber die Daumen drücke. Hier ist das Bewerbungsvideo.

Der Judge’s Choice Award 2021 ging an die Gärten von Elton Hall in Cambridgeshire.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 11. Juli 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die All Saints Church in Culmstock (Devon) und der ungewöhnliche Standort einer Eibe

Photo © Nick Chipchase (cc-by-sa/2.0)

Über meine Vorliebe für Eiben, yew trees im Englischen, habe ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben, meine Favoriten finden sich auf dem Kirchhof von St Mary’s in Painswick in Gloucestershire.
In der Regel stehen die Bäume in den churchyards fest im Boden verwurzelt, doch es gibt auch Eiben, die diese Regel missachten und sich einen ganz anderen Standort ausgesucht haben wie der yew tree auf dem Turm der All Saints Church in Culmstock in der Grafschaft Devon. Culmstock ist ein Dorf am westlichen Rand der Blackdown Hills, nicht weit von der Autobahn M5 und der A38 entfernt.

Wie lange der Baum, der sich an das Gemäuer des Kirchturms in luftiger Höhe von über dreißig Metern festgekrallt hat, dort schon steht, darüber gehen die Meinungen auseinander. Da ist vom Jahr 1776 die Rede, aber auch, dass er schon 400 bis 500 Jahre alt ist.
In einem anonymem Gedicht aus dem Jahr 1900 heißt es:

„The aged say no one can guess,
When it began to thrive;
The same in youth, no more nor less
Of the oldest man alive.“

In Margaret Bromwichs Artikel „The Taxus on the Tower“ kann man sich noch weitgehend detaillierter über die absonderliche Eibe informieren, die von den Bewohnern Culmstocks sehr ins Herz geschlossen worden ist, denn in heißen und trockenen Sommermonaten schleppen sie manchmal Gießkannen mit Wasser auf den Turm, um sie nicht verdursten zu lassen.

Der zumindest in England sehr bekannte Schriftsteller Richard Doddridge Blackmore (1825-1900) lebte als Kind einige Jahre in Culmstock, sein Vater war Hilfspfarrer in All Saints, und schrieb 1894 den Roman „Perlycross“ (wurde nicht ins Deutsche übersetzt), der in der Umgebung spielt, und in dem der fiktive Ort Perlycross Culmstock nachempfunden ist. Darin erwähnt Blackmore auch den „sturdy yew-tree“ auf dem Kirchturm von All Saints.

Photo © Martin Dawes (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 10. Juli 2022 at 02:00  Comments (1)  

Woolsthorpe Manor in Lincolnshire und sein weltberühmter Apfelbaum

Woolsthorpe Manor.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Woolsthorpe Manor in der Nähe von Grantham in Lincolnshire gehört heute dem National Trust und war das Geburtshaus des berühmten englischen Naturforschers Isaac Newton (1643 – 1727), das von Anfang März bis Ende Oktober für Besucher geöffnet ist.

Newton kam immer wieder nach Woolsthorpe Manor zurück, so auch 1660, als in Cambridge, wo er studierte, die Pest ausgebrochen war. Im Garten des Hauses soll er eines Tages unter einem der Apfelbäume gesessen und beobachtet haben wie ein Apfel herunterfiel. Warum, so fragte sich Newton, fällt der Apfel nicht waagerecht oder seitwärts herunter, sondern genau senkrecht in Richtung des Erdmittelpunktes? Der junge Student folgerte daraus, dass die Erde den Apfel anziehen muss.
In seinem Werk „Philosophiae Naturalis Principia Mathematica“,  formulierte Newton später das sogenannte Gravitationsgesetz.

Jener berühmte Apfelbaum im Garten von Woolsthorpe Manor wurde 1820 von einem Sturm umgeworfen, doch der Baum ließ sich so leicht nicht unterkriegen und entwickelte neue Wurzeln aus denen dann ein neuer etwas merkwürdig geformter Apfelbaum entstand. Diese Attraktion zieht Jahr für Jahr zahlreiche Besucher nach Lincolnshire, vielleicht sogar zu viele, denn jeder will  gern einmal unter dem Isaac-Newton-Baum stehen, was wiederum die Wurzeln in Mitleidenschaft zieht. So sah man sich gezwungen, einen 60 cm hohen Weidenzaun um den Baum herum zu ziehen, um das Wurzelwerk zu schonen.
Die Äpfel gehören übrigens zur Sort „Flower of Kent„, ein Kochapfel, und man darf sie sich vom Baum pflücken, sofern man jetzt noch herankommt.
Ein kleines Stück des Baumes wurde 2010 mit dem Space Shuttle Atlantis ins Weltall genommen. Wenn das Isaac Newton damals gewusst hätte…

Hier sind einige stimmungsvolle Aufnahmen von Woolsthorpe Manor im Film und hier vom berühmten Apfelbaum.

Woolsthorpe Manor
Water Lane
Woolsthorpe by Colsterworth, near Grantham, Lincolnshire NG33 5PD

Der berühmte Apfelbaum.
Photo: BsOu10e01.
Creative Commons 4.0
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 9. Juli 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – John Bevis: An English Library Journey

Foto meines Exemplares.

John Bevis hat eine Leidenschaft, die er mit keinem anderen Menschen teilt: Er sammelt Bibliotheksausweise von englischen Öffentlichen Bibliotheken und hat darüber ein Buch geschrieben: „An English Library Journey With Detours to Wales and Northern Ireland

Auf vielen Reisen, die im Mai 2010 beginnen und im Oktober 2019 enden, sucht er die Bibliotheken selbst auf und lässt sich vor Ort einen Ausweis ausstellen, was manchmal schwierig ist, da er eine Londoner Adresse hat. Mancherorts ist die Ausleihe von Büchern nur an Ortsansässige erlaubt. Nach vielen Jahren ist es John Bevis gelungen, sich von jeder englischen „library authority“ einen Ausweis zu beschaffen. Lediglich die Isles of Scilly musste er links liegen lassen, weil der Aufwand zu groß gewesen wäre. Die dort ansässige Bibliothek hat ihm aber eine „library card“ zugeschickt.

Was auf den ersten Blick etwas skurril zu sein scheint, entpuppt sich im Laufe der Lektüre des Buches aber immer mehr zu einer Standortbestimmung des englischen Bibliothekswesens, dem es gar nicht gut geht. Im Zeitraum von John Bevis‘ Reisen wurden 773 Bibliotheken im Vereinigten Königreich geschlossen, 10 000 Jobs gingen verloren, rund 30 Millionen Bücher weniger stehen zur Verfügung und die Ausleihzahlen sind drastisch zurückgegangen.
Die Library of Birmingham am Centenary Square, die für £189 Millionen erbaut worden war und die zu den größten Europas zählt, musste schon nach kurzer Zeit ihre Öffnungszeiten von 73 Stunden auf 40 Stunden pro Woche reduzieren und das Personal, ursprünglich 188 Stellen, wurde um die Hälfte gekürzt. Das sind nur einige Beispiele, die John Bevan in seinem Buch anführt.

Noch einige Worte über die Gestaltung der englischen Bibliotheksausweise. Da gibt es die unterschiedlichsten Motive, die darauf gezeigt werden. Die der Liverpool Libraries zeigen zum Beispiel das Vereinswappen des Liverpool Football Clubs mit dem Motto „You’ll never walk alone“ und der Aufschrift „Love the Reds“. Es fehlt eigentlich nur noch das Konterfei von Jürgen Klopp.

Viele Bibliotheken haben ihren Wahlspruch auf ihren Bibliotheksausweis gesetzt. „Imagine, inspire, discover“ (Stoke-on-Trent), „Read, learn, discover“ (Dudley) oder „Enjoy and explore“ (Islington).

Jedes Kapitel des Buches beginnt mit einem Zitat zum Thema Bibliothek, sehr sorgfältig zusammengestellt und absolut treffend. Nur zwei Beispiele: „The only thing that you absolutely have to know is the location of a library“ von Albert Einstein und „When I got my library card, that’s when my life began“ von Rita Mae Brown.

Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle, die sich für Bibliotheken interessieren.

John Bevis: An English Library Journey With Detours to Wales and Northern Ireland. Eye Books 2022. 268 Seiten. ISBN 978-1785633089.

Die Birmingham Library.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)
Ersatz für eine geschlossene Bibliothek? In Sloley (Norfolk).
Photo © David Pashley (cc-by-sa/2.0)
Protest gegen Bibliotheksschließungen in Gloucester.
Photo: quisnovus.
Creative Commons 2.0

Great Chalfield Manor in Wiltshire – Ein Herrenhaus, das für mehrere Filme und TV-Serien als Drehort diente

Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Das Great Chalfield Manor in der Nähe der Stadt Bradford-on-Avon in der Grafschaft Wiltshire (hier im Film zu sehen) hat ein Schicksal, das es mit vielen seiner Artgenossen in England teilt. Jahrhundertelang diente es als Familiensitz mehr oder weniger wohlhabender Familien bis es schließlich in die Hände des National Trusts übergeben wurde, der sich liebevoll darum kümmert und es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.

Das Manor House entstand Ende des 15. Jahrhunderts und wurde im Auftrag eines Rechtsanwalts und Landbesitzers namens Thomas Tropenell erbaut. Es erlebte im Laufe der Zeit einige Erweiterungen und Umbauten bis es 1943 der National Trust übernahm.

Ein so attraktives und romantisches Manor House entgeht natürlich keinem Location Scout einer Filmproduktionsgesellschaft, der beauftragt wird, für einen historischen Film die passende Kulisse zu finden.

Das war zum Beispiel so, als „Poldark“ (dt. „Poldark“, von Sony Entertainment TV gezeigt) von 2015 bis 2019 erneut als TV-Serie verfilmt wurde. Der größte Teil der Serie wurde natürlich in Cornwall gedreht, aber nicht nur, so benötigte man für das Haus Killewarren, in dem der reiche Ray Penwenen, gespielt von John Nettles, wohnt, ein geeignetes Manor House. Hier wurde Location Manager David Johnson mit dem Great Chalfield Manor fündig, das in den Staffeln zwei bis fünf zu sehen ist, sowohl bei Außen- als auch bei Innenaufnahmen.

Gedreht wurde hier in Wiltshire auch im Jahr 2008 für den Spielfim „The Other Boleyn Girl“ (dt. „Die Schwester der Königin“) mit Scarlett Johansson und Natalie Portman in den Hauptrollen. In den ersten 25 Minuten des Films ist einiges von dem Manor House zu sehen, das als Familiensitz der Boleyns dient. Heinrich VIII. und seine Entourage statten dem Haus einen Besuch ab, das in einem großen Fest mündet.

Auch der BBC-Sechsteiler „Wolf Hall“ (dt. „Wölfe“, von ARTE gezeigt) aus dem Jahr 2015, der zur selben Zeit wie „The Other Boleyn Girl“ spielt, mit Mark Rylance als Thomas Cromwell, Damian Lewis als Heinrich VIII. und Clare Foy als Anne Boleyn, wurde im Great Chalfield Manor gedreht; die Dreharbeiten zogen sich über zwölf Tage hin. Unter anderem ist die Great Hall zu sehen, in der die Abendessen im Film eingenommen werden.

Die BBC-Verfilmung von Elizabeth Gaskells Roman „Wives and Daughters“ aus dem Jahr 1999 als TV-Serie fand im Manor House statt, das in diesem Fall als Familiensitz der Hamleys dient. In dieser TV-Serie sind noch so manche andere Herrenhäuser zu sehen wie zum Beispiel Dyrham Park, das ebenfalls dem National Trust gehört, Wentworth Woodhouse in South Yorkshire und Levens Hall in Cumbria.

Das Manor House liegt etwa auf halbem Weg zwischen Bradford-on-Avon und Melksham und ist von Anfang April bis Ende Oktober geöffnet (wenn nicht gerade wieder ein Film gedreht wird).

Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

The Oldie of the Year Awards

Im Jahr 1992 gründete der Journalist Richard Ingrams eine Zeitschrift namens „The Oldie„, die sich an die ältere Generation wendet, aber auch interessante Artikel für Jüngere beinhaltet. Das Magazin stellt eine Alternative zu den unzähligen anderen da, in denen fast nur schöne, junge Menschen abgebildet sind und die sogenannte Promi-Szene im Mittelpunkt steht. Es konnten namhafte Autorinnen und Autoren gewonnen werden wie Auberon Waugh, Germaine Greer und Beryl Bainbridge. Die Startauflage lag bei über 100 000 Exemplaren, die auch komplett verkauft wurde. Im Laufe der Jahren geriet The Oldie ins Trudeln, wechselte mehrfach die Besitzer und die Chefredakteure, scheint aber heute wieder in ruhigerem Fahrwasser zu sein, obwohl sich die Auflagenhöhe jetzt unterhalb der 50 000-Marke bewegt. Chefredakteur ist zur Zeit Harry Mount, von dem ich in meinem Blog zwei Bücher vorgestellt habe.

Jedes Jahr werden von dem Magazin The Oldie of the Year Awards verliehen, an Menschen, die sich in irgendeiner Weise, etwa durch ihr Lebenswerk oder durch besondere Aktionen, verdient gemacht haben. Zu den bisherigen Preisträgern zählen beispielsweise die Schauspielerinnen Glenda Jackson und Sheila Hancock, der Sänger und Comedian Ken Dodd und die Künstler David Hockney und Peter Blake.

Da gibt es unter anderem den Lionel d’Or-Preis, den Oldie Keep Calm and Carry On Award, den Tigress We’d Like to Have to Tea Award und den Oldie Silver Screen Star of the Year Award. Die Preisverleihung läuft in lockerer Atmosphäre ab, es werden humorvolle Reden gehalten. Die letztjährige Verleihung der Preise fand im Londoner Savoy-Hotel statt, in Anwesenheit der Duchess of Cornwall. Zu den Gewinnern der Preise gehörten die berühmte Fernsehköchin und Buchautorin Delia Smith, Whispering Bob Harris, ein seit Jahrzehnten sehr populärer BBC-Musikmoderator, der australische Komiker Barry Humphries und der ehemalige Fußballspieler Sir Geoff Hurst.

Published in: on 6. Juli 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Car Park Appreciation Society

Ein Multi-Storey-Car Park in Milton Keynes (Buckinghamshire).
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

Parkplätze scheinen auf einige Menschen (es sind wohl vor allem Männer) eine gewisse Faszination auszuüben. Sie werden besungen und es werden Bücher über sie geschrieben. Gareth Rees‚ „Car Park Life – A Portrait of Britain’s Unexplored Urban Wilderness“ habe ich an dieser Stelle schon vorgestellt. Dort habe ich auch auf ein weiteres Buch verwiesen: „Parking Mad: Car Parks From Heaven (or Hell)“ von einem gewissen Kevin Beresford. Dieser Kevin Beresford ist zum einen Präsident der UK Roundabout Appreciation Society, zum anderen Präsident der Car Park Appreciation Society, die er im Jahr 2010 gründete.

Kevin Beresford ist einer jener sogenannten „dull men„, jener angeblich „langweiligen Männer“, die einem besonders exotischen Hobby frönen. Nun, ihm haben es die Parkplätze in Großbritannien angetan und das schon seit über zehn Jahren. Er reist durch das ganze Land und fotografiert sie, die mehrstöckigen Parkhäuser („there is something quite menacing and scary going on in these dark, dank, brooding places„) und die ebenerdigen Park&Display-Plätze. Ich habe einige kleine Parkplätze in Yorkshire gesehen, die irgendwo in der Wildnis angelegt und kostenpflichtig waren. In der Umzäunungsmauer war ein Schlitz eingelassen, in den man die Parkgebühren stecken sollte.

Kevin Beresford hat für seine Leidenschaft schon viel Geld ausgegeben, allein schon für die Parkgebühren kamen mehrere tausend Pfund zusammen. Um wenigstens einen kleinen Teil davon zurückzubekommen, hat er einen Kalender veröffentlicht „Car Parks of Britain 2021„, in dem er zwölf Fotos von Parkhäusern zusammengestellt hat und der gar nicht so schlecht verkauft worden ist (er hat auch schon Kalender über Kreisverkehre und über Denkmäler für Fußballspieler erstellt).

Kevin Beresford ist Präsident der Car Park Appreciation Society…und einziges Mitglied (Stand 2021).

Ein ebenerdiger Parkplatz und ein Parkhaus in Whickham (Tyne and Wear).
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)
Diesem Parkhaus in Hyde bei Manchester ist ein Ende bereitet worden.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)
Nicht so richtig gemütlich… In Tiverton (Devon).
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 5. Juli 2022 at 02:00  Comments (1)  

The March March March – Eine über 40 Kilometer lange Wanderung durch die Fens in Cambridgeshire

Der Bahnhof von March in Cambridgeshire.
Photo © Robert Eva (cc-by-sa/2.0)

March ist eine Kleinstadt in der Grafschaft Cambridgeshire, mitten im Gebiet der Fens. Ein gewisser Jonathan Partington hatte im Jahr 1979 dort eine grandiose Idee (im Pub entstanden?): Der Monat März heißt im Englischen ja ebenfalls „March“ und der Marsch, ein längerer Spaziergang, auch. Warum also nicht alle drei miteinander kombinieren und daraus einen March March March machen, einen langen Spaziergang im März, der in March beginnt?

Und seitdem teffen sich wanderungswillige Menschen, meist am letzten Samstag im März, früh morgens am Bahnhof von March und legen die rund 30 Meilen von dort bis nach Cambridge, dem Ziel, zurück. Zu sehen gibt es auf dieser Strecke durch das absolut platte Fen-Gebiet so gut wie nichts, es gibt auch nichts zu gewinnen, zum Beispiel wer als Erster in Cambridge ankommt. Es handelt sich, wie es auf der Webseite der Veranstalter zu lesen steht, um einen „long, flat, pointless walk across the Fens„. In manchen Jahren fiel der Marsch auch aus, mal schaffte keiner die gesamte Strecke, mal war das Ziel Ely statt Cambridge, mal wurde die Route nach Cambridge geändert. Wie man sieht, ist der Umgang mit den Regeln recht lax. Am Beginn der Veranstaltung wird eine Ansichtskarte von March geschrieben, die mit witzigen, fiktiven Namen unterschrieben und an das Department of Pure Mathematics and Mathematical Statistics in Cambridge geschickt wird. Die Karte kommt natürlich erst an, wenn die Wanderer längst wieder zurück in Cambridge sind. Um sich die Langeweile auf der ereignisarmen Strecke zu vertreiben, wird manchmal der March March March March gesungen, nach der Melodie des Liedes „Frère Jacques“, der einige Etappen der Mammutwanderung nennt:

 Wimblington, Doddington,
 Chatteris, Crafty Fox,
 Somersham and Earith,
 Willingham and Girton,
 March March march!
 March March march!

Es gibt auch noch einen kleinen Ableger des March March March, der sich May Manea Mania nennt und, wie der Name schon sagt, im Mai stattfindet. Diese Wanderung ist kürzer, etwa 20 Meilen, beginnt in dem Fen-Dorf Manea und führt ebenfalls nach Cambridge. Da dieser Walk sehr früh morgens beginnt, hat ein Spaßvogel den Dorfnamen Manea als Abkürzung für „Many Are Not Even Awake“ bezeichnet.

Alle weiteren Informationen zum March March March sind auf dieser Webseite, zur May Manea Mania hier zu finden.

Eine hoch interessante Wegstrecke bei Wimblington.
Photo © Keith Edkins (cc-by-sa/2.0)
Nur noch 11 Meilen von Earith bis nach Cambridge.
Photo © Ben Harris (cc-by-sa/2.0)
Hier wird die Ansichtskarte von March hingeschickt: Das Centre for Mathematical Sciences mit dem Department of Pure Mathematics and Mathematical Statistics in Cambridge.
Photo © Jim Barton (cc-by-sa/2.0)
Und hier beginnt die May Manea Mania.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Juli 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der vierte Sockel auf dem Trafalgar Square in London – Ausstellungsort für zeitgenössische Künstler

„Alison Lapper Pregnant“ von Marc Quinn.
Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

Der Trafalgar Square in London ist sicher einer der bekanntesten Plätze Großbritanniens; die Nelson-Säule und die Löwen, die Horatio Nelson zu Füßen liegen, gehören zum Programm jedes London-Touristen. Der Platz wird von vier Sockeln eingerahmt, von denen drei besetzt sind, mit den beiden Generälen Charles James Napier und Henry Havelock und dem Reiterstandbild Georgs IV.
Der vierte Sockel ist leer, das heißt, er war viele Jahre verwaist. William IV sollte dort ursprünglich mit einem Standbild geehrt werden, aber man hatte schlichtweg kein Geld dafür und so blieb der Sockel leer. Bis man auf die Idee kam, ihn für künstlerische Zwecke zu verwenden, und diese Idee war von Erfolg gekrönt. 1999 wurde das „Fourth Plinth Project“ ins Leben gerufen und der vierte Sockel stand von nun an als Ausstellungsort für zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler zur Verfügung.

Hier sind einige Beispiele:
2005 sorgte Marc Quinn mit seiner Skulptur „Alison Lapper Pregnant“ für Diskussionen, die die hochschwangere nackte Künstlerin Alison Lapper zeigte, die ohne Arme und mit verkürzten Beinen auf die Welt kam.

Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt Anthony Gormleys Projekt „One and Other“ im Jahr 2009. 100 Tage lang konnten sich Menschen nonstop für jeweils eine Stunde auf den Sockel stellen und dort tun, was immer sie wollten.

Der nigerianisch-britische Künstler Yinka Shonibare war als nächster dran, und er hatte die Idee ein großes Buddelschiff auf den Sockel zu stellen. Der Titel: „Nelson’s Ship in a Bottle„.

Die Düsseldorferin Katharina Fritsch durfte 2013 ihren ultramarin-blauen Riesenhahn auf dem vierten Sockel zur Schau stellen.

Von 2016 bis 2018 zierte ein nach oben gereckter Daumen den Sockel. „Really Good“ nannte David Shrigley sein Kunstwerk.

Aktuell, noch bis September diesen Jahres, kann man „The End“ von Heather Phillipson betrachten, das einen Klacks Sahne mit einer Kirsche obendrauf zeigt, an der eine Drohne angebracht ist, die Bilder von den Passanten auf einen Bildschirm projiziert. Eine Fliege ist auch noch an der Sahne befestigt.

Anthony Gormley: One and Other.
Photo © Steve Fareham (cc-by-sa/2.0)
„Nelson’s Ship in a Bottle“ von Yinka Shonibare.
Photo © Robin Sones (cc-by-sa/2.0)
„Hahn/Cock“ von Katharina Fritsch.
Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)
„Really Good“ von David Shrigley.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)
„The End“ von Heather Phillipson.
Photo © Bartolo Creations (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 3. Juli 2022 at 02:00  Comments (1)  

Die Keighley Public Library in West Yorkshire – Englands erste Carnegie-Bibliothek

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Auf dem Weg in das Brontë-Dorf Haworth in West Yorkshire bin ich einige Male durch die Stadt Keighley gefahren und habe sie als ziemlich grau in Erinnerung, was einmal an den Häusern liegt, aber auch an dem trüben Wetter, das dort immer herrschte. Über die dort ansässige Timothy Taylor Brewery habe ich in meinem Blog einmal geschrieben.

In Keighley wurde im Jahr 1904 die erste öffentliche Bibliothek Englands eröffnet, die von dem schottisch-amerikanischen Stahlmagnaten und Philanthropen Andrew Carnegie (1835-1919) aus der Taufe gehoben worden war. 659 weitere Bibliotheken allein in Großbritannien und Irland sollten folgen, weltweit waren es über 2500. Die erste Carnegie Library errichtete er in seiner Geburtsstadt Dunfermline in Schottland.

Wenn Andrew Carnegie eine Kommune mit einer Spende unterstützte, erwartete er von ihr aber auch unter anderem, dass sie für entsprechendes Personal sorgte und es bezahlte, ein Baugrundstück zur Verfügung stellte und den Bibliotheksservice kostenlos für jedermann anbot. Waren diese und einige andere Bedingungen erfüllt, dann floss auch Geld aus Carnegies prall gefüllter Börse.

Am 9. August 1902, der Tag an dem Edward VII. gekrönt wurde, wurde auch der Grundstein für die Bibliothek in Keighley gelegt. Den Zuschlag für den Bau bekamen die beiden Architekten Arthur McKewan und James Arthur Swan aus Birmingham, die nach Meinung der Stadt Keighley “ one of the most remarkable public buildings in the North of England“ schufen. Andrew Carnegie steuerte £10,000 bei.
Am 20. August 1904 wurde die Keighley Public Library durch den Duke of Devonshire der Öffentlichkeit übergeben. Warum gerade der Duke of Devonshire fragt man sich. Die Antwort: Der Duke hatte gleichzeitig auch den Titel Baron Cavendish of Keighley.

Die Bibliothek ist noch heute in Betrieb, sie wurde 1961 mit einem Anbau versehen und 2007 von Grund auf restauriert.

Photo © Alexander P Kapp (cc-by-sa/2.0)
Photo: Elijah The Yorkshireman.
Creative Commons 4.0
Published in: on 2. Juli 2022 at 02:00  Kommentar verfassen