It’s Halloween again…

The Haunted House in der Victoria Street in Norwich, das jedes Jahr zu Halloween entsprechend dekoriert wird.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Im Clarendon Drive im Londoner Stadtteil Putney.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)


In Bolton-by-Bowland in Lancashire.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)

In Barton bei Torquay in Devon.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

In Whitby (North Yorkshire).
Photo © Alison Rogers (cc-by-sa/2.0)

Das extra für Halloween illuminierte Castle Howard in North Yorkshire.
Photo © DS Pugh (cc-by-sa/2.0)

The End…
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 31. Oktober 2022 at 02:00  Comments (1)  

Der Schriftsteller Joseph Conrad (1857-1924) und Bishopsbourne in Kent

This work is in the public domain

Die Werke des Joseph Conrad (1857-1924), der als Józef Teodor Nałęcz Konrad Korzeniowski geboren wurde, zählen zur Weltliteratur, ob sie aber heute noch viel gelesen werden, mag ich nicht beurteilen. Erhältlich sind sie aber noch im Buchhandel, auch in Deutschland. Das Licht der Welt erblickte er in Berdytschiw, einer Stadt, die heute zur Ukraine gehört, und in der Honoré de Balzac 1850 Ewelina Hanska heiratete.

Joseph Conrad verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in dem kleinen Dorf Bishopsbourne, südlich von Canterbury in Kent, wo er am 3. August 1924 auch starb. Er lebte im Oswalds House, einem zweistöckigen Haus aus dem 18. Jahrhundert, am Frog Lane, das noch immer hier steht, und das durch eine blaue Plakette neben der Eingangstür auf den Schriftsteller aufmerksam macht. Es ist in Privatbeitz und kann nicht besichtigt werden.

An den Autor, der mit Werken wie „Lord Jim“ (dt. „Lord Jim“), „Almayer’s Folly“ (dt. „Almayers Wahn“) und „Heart of Darkness“ (dt. „Herz der Finsternis“) berühmt wurde, erinnert auch der Name der Village Hall in Bishopsbourne, die Conrad Hall genannt und zwei Jahre nach Conrads Tod erbaut wurde. Sie liegt an der Straße mit dem simplen Namen The Street.

Die 1973 in London gegründete Joseph Conrad Society hält die Erinnerung an den Schriftsteller wach, sie veranstaltet jährliche internationale Konferenzen und gibt das zweimal jährlich erscheinende Journal of the Joseph Conrad Society, The Conradian, heraus.

Joseph Conrads Grab sucht man auf dem Kirchhof von St Mary’s in Bishopsbourne vergebens, das liegt auf dem City Cemetery von Canterbury an der Westgate Court Avenue.

Oswalds House.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)
Conrad Hall.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Joseph Conrads Grab auf dem Canterbury City Cemetery.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Widecombe-in-the-Moor (Devon) und eine Katastrophe, die das Dorf im Jahr 1638 heimsuchte

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Widecombe-in-the-Moor (Devon) ist ein Dorf im Dartmoor, das im Sommer in der Hauptsaison von Touristenbussen regelrecht überrollt wird, im Winterhalbjahr jedoch ein recht ruhiges Leben führt. Schon von weitem kann man die Dorfkirche sehen, St Pancras, auch Cathedral of the Moor genannt, weil sie einen 36 Meter hohen Turm besitzt und ihr Innenraum sehr viel Platz für die Gemeindemitglieder bietet. In früheren Jahrhunderten kamen die Gläubigen von weit her, um dem Gottesdienst beizuwohnen, sie mussten lange Strecken zurücklegen, im Sommer wie im Winter, was manchmal bei schlechtem Wetter ganz schön herausfordernd war.

An einem Sonntag am 21. Oktober des Jahres 1638 war die Kirche wieder einmal mit 300 Menschen sehr gut gefüllt, was den Pfarrer George Lyde sicher sehr gefreut hat und was Pfarrer in der heutigen Zeit noch viel mehr freuen würde… Der Vikar war erst seit zwei Jahren in dem Dartmoor-Dörfchen und sollte es bis zu seinem Tod im Jahr 1673 auch bleiben. Während seiner Predigt an jenem verhängnisvollen Sonntag zogen plötzlich schwarze Wolken über Widecombe-in-the-Moor auf, es begann wie aus Kannen zu regnen, und ein schweres Gewitter entlud sich über dem Ort. Ein Blitz schlug in eine der vier Fialen auf dem Kirchturm ein, die daraufhin das Dach durchschlug und in den vollbesetzten Innenraum stürzte, in zeitgenössischen Berichten war auch von einem Kugelblitz die Rede, der durch die Kirche schoss. Vier Gemeindemitglieder waren sofort tot, mehr als sechzig wurden zum Teil schwer verletzt. George Lyde selbst entkam der Katastrophe unverletzt, seine Frau erlitt schwere Verbrennungen.

Sofort nach dem Great Thunderstorm entstanden Legenden, dass der Teufel seine Hand im Spiel gehabt hatte, befeuert durch einen Bericht der Wirtin des Tavistock Inns in Poundsgate, nicht weit entfernt. Sie erzählte, dass ein schwarzgekleideter Reiter bei ihr auf dem Weg nach Widecombe eingekehrt war und ein Bier trank, das zischte als es durch seine Kehle rann. Außerdem war ihr aufgefallen, dass unter seinem langen schwarzen Mantel Klauen hervorlugten.

Nach den starken Beschädigungen an der Kirche machte man sich bald an die Reparaturarbeiten, die £300 verschlangen, in der damaligen Zeit sehr viel Geld.

Siehe auch meinen Blogeintrag über die Widecombe Fair.

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
Darstellung der Ereignisse während des Great Thunderstorms im Inneren von St Pancras.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 29. Oktober 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Village Signs – Mayfield in East Sussex

Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Südlich von Tunbridge Wells (Kent) liegt in der Grafschaft East Sussex das Dorf Mayfield, sehr hübsch anzusehen mit schönen Häusern und einer attraktiven High Street. Hier wollte ich einmal an einem Sonntagmittag im Middle House einen Lunch zu mir nehmen, was mir aber leider nicht gelang, da absolut kein Parkplatz zu finden war. Das Middle House ist ein Hotel in einem wunderschönen Gebäude aus dem Jahr 1575; schade, es sollte wohl nicht sein.

Direkt gegenüber von dem Hotel steht in der High Street das sehr aufwendig gestaltete Village Sign des Ortes. Ganz oben zeigt es eine junge Frau und Kinder in einer Blumenwiese, was Bezug nimmt auf den Namen des Dorfes, Maghefeld oder Maid’s Field. Unter dem Schriftzug „Mayfield“ sehen wir einen roten Teufel, dem jemand mit einer langen Zange in die Nase kneift. Dieser Jemand ist St Dunstan, der ursprünglich Schmied war und eines Tages vom Teufel besucht wurde, der sich als attraktive Frau verkleidet hatte. Doch der Teufel konnte dem zukünftigen Heiligen nichts vormachen, denn der hatte unter dem Rock die Klauen gesehen, und so griff er zu seiner glühenden Zange und kniff dem Höllenfürst damit in die Nase, der daraufhin mit einem Schmerzensschrei die Schmiede verließ. Die Gemeindekirche von Mayfield ist nach St Dunstan benannt worden, sowie eine Mädchenschule und eine Apotheke in der High Street.

Zurück zum Dorfschild. Dort finden wir noch Plaketten der Erzbischöfe von Canterbury und der Diözese von Chichester. Am Pfahl sind weitere Tafeln angebracht, die anzeigen, dass Mayfield in mehreren Jahren als „Best Kept Large Village“ ausgezeichnet worden ist.

Angefertigt hat das Dorfschild Geoffrey Fuller Webb (1879-1954), ein namhafter Künstler aus East Grinstead, der viele Kirchenfenster und anderes Kircheninventar geschaffen hat. Am 27. Juli 1922 wurde das Village Sign enthüllt. Die Daily Mail hatte Anfang der 1920er Jahre einen Dorfschild-Wettbewerb ausgeschrieben und ein Preisgeld von £2200 eingesetzt. Der Entwurf von Geoffrey Fuller Webb erzielte den zweiten Preis und erhielt £500.

Das Middle House Hotel in der High Street von Mayfield.
Photo © David M Clark (cc-by-sa/2.0)
St Dunstan’s Church.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 28. Oktober 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Fred the Weatherman und seine ungewöhnliche Art, das Wetter vorherzusagen

Die „Wetterinsel“ im Royal Albert Dock in Liverpool.
Photo © Mike Pennington (cc-by-sa/2.0)

Am 3. Oktober 1988 startete ITV die Morgenshow „This Morning“ im britischen Fernsehen, präsentiert von Richard Madeley und Judy Finnigan, einem Moderatorenehepaar, das in Großbritannien seitdem, auch mit anderen Shows, bis heute aktiv ist. Vergleichbar mit dem ARD- beziehungsweise ZDF-Morgenmagazin wechseln sich in der Sendung tagesaktuelle Nachrichten mit wirtschaftlichen, kulturellen und anderen Themen ab. In „This Morning“ traten regelmäßig die Briefkastentante Denise Robertson, der ärztliche Berater der Sendung Chris Steele, die Fernsehköchin Susan Brookes… und der Wetterfrosch Fred Talbot auf.

In den ersten Jahren wurde „This Morning“ vom Royal Albert Dock in Liverpool ausgestrahlt, und das Wetter prognostizierte Fred the Weatherman vom Wasser aus. Man hatte im Becken des Docks die Umrisse Großbritanniens in Form einer Insel gebaut und dort sprang Fred von England nach Schottland nach Wales und über eine Wasserrinne nach Nordirland (hier im Film zu sehen). Mit seiner exzentrischen Art der Wettervorhersage hatte sich Fred the Weatherman eine Menge Freunde unter den Fernsehzuschauern erworben. Einmal wurde er etwas aus dem Konzept gebracht, als plötzlich ein Streaker auf seiner „Wetterinsel“ auftauchte. Es handelte sich dabei um Mark Roberts, einen „Serienflitzer“, der gern nackt gegen alles mögliche demonstrierte.
Im Jahr 1990 erschien eine Single mit dem Titel „Let’s Call the Weatherman„, gesungen von der Fred Talbot Experience (die es allerdings nicht in die Charts schaffte).

1998 war der Höhepunkt von Freds Karriere als er auf dem Annual International Weather Festival in Paris zum Weatherman of the Year gekürt wurde.

Ende des Jahres 2012 zogen dunkle Wolken am Horizont des Lebens von Fred Talbot auf, denn er wurde beschuldigt, während seiner Zeit als Lehrer in den 1970er und 1980er Jahren in der Altrincham Grammar School (Greater Manchester), sich mehrfach an Kindern vergangen zu haben. 2015 kam es zum Prozess in Manchester; unter den Zeugen war auch Ian Brown, Sänger der Band Stone Roses, damals in Altrincham Schüler Talbots. Der homosexuelle Ex-Wettermann wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Es kam ein weiterer Prozess in Schottland auf ihn zu, wegen der gleichen Delikte, der ihm vier Jahren Gefängnis einbrachte, abzusitzen nach der Hälfte des ersten Aufenthalts, und dann noch ein dritter Prozess, der weitere acht Monate hinzufügte. Ende 2019 wurde Fred Talbot aus dem Gefängnis entlassen.

Published in: on 27. Oktober 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Larmer Tree Gardens bei Tollard Royal in Wiltshire

Photo © Peter Beaven (cc-by-sa/2.0)

Augustus Henry Lane Fox Pitt Rivers war ein Generalleutnant, der von 1827 bis 1900 lebte. Sein Name ist bis heute aber nicht durch seine militärische Karriere in Erinnerung geblieben, sondern durch seinen Ruf als Archäologe und Ethnologe. Jeder, der schon einmal in Oxford war, kennt sicher das dort ansässige berühmte Pitt-Rivers Museum, das auf der Schenkung von 18 000 Objekten aus der Sammlung des Generalleutnants basierte. Auch das Salisbury Museum in Wiltshire erhielt eine großzügige Schenkung und zwar von archäologischen Funden rund um Stonehenge.

Ebenfalls in Wiltshire begann Pitt Rivers im Jahr 1880 in der Region Cranborne Chase auf seinem Besitz Rushmore Estate die Larmer Tree Gardens anzulegen, und zwar nicht nur zu seinem eigenen Vergnügen, sondern auch zum Vergnügen und zur Erholung aller Menschen (das Rushmore House war der Familiensitz der Pitt Rivers, wo Augustus am 4. Mai 1900 auch starb). So etwas gab es bisher in Großbritannien noch nicht, selbst der Eintritt in die Gärten war frei. 1885 wurden die ersten Besucher eingelassen.

Die Gärten in der Nähe von Tollard Royal werden von English Heritage als Garden of National Importance bezeichnet, darin finden die Besucher außergewöhnliche Gebäude wie den Roman Temple, indische und nepalesische Bauten sowie das Singing Theatre, in dem in den Sommermonaten Konzerte und Theateraufführungen stattfinden.

Der Name Larmer Tree Gardens leitet sich von einem uralten Baum dieses Namens ab, eine Bergulme, die einmal im Grenzbereich zwischen Wiltshire und Dorset stand, Ende des 19. Jahrhunderts aber ihr Leben beendete; in dem verrotteten Baumstumpf wurde eine Eiche gepflanzt.

Seit 1990 wird alljährlich das dreitägige Larmer Tree Festival gefeiert, in dem Musik und Comedy im Mittelpunkt stehen. „Dank“ Corona ist es jetzt schon dreimal ausgefallen und soll 2023 wieder stattfinden. Stattgefunden hat jedoch ein weiteres Musikfestival (seit 2006) in den Larmer Tree Gardens, das End of the Road Festival im September diesen Jahres.

Die Gärten werden sehr gern für Hochzeitsfeiern gebucht wie dieser Film zeigt.

Larmer Tree Gardens
Tollard Royal
Salisbury
Wiltshire SP5 5PT

The Singing Theatre.
Photo: Dorset Photographic.
Creative Commons 2.0
The Roman Temple
Photo: Dorset Photographic.
Creative Commons 2.0
Ein in indischem Stil erbauter Folly.
Photo © Nigel Mykura (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. Oktober 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Ungewöhnliche Pubnamen – The Five Miles From Anywhere No Hurry Inn in Upware (Cambridgeshire)

Photo © Hugh Venables (cc-by-sa/2.0)

Der Pub in England mit dem längsten Namen ist der The Old Thirteenth Cheshire Astley Volunteer Rifleman Corps Inn in Stalybridge (Greater Manchester) und steht im Guinness Book of Records (siehe dazu meinen Blogeintrag). Einen auch sehr ungewöhnlichen langen Namen trägt ein Pub in Upware, einem Dörfchen in Cambridgeshire: The Five Miles From Anywhere No Hurry Inn.

Das Gasthaus ist noch nicht so alt, es wurde 1995 in Betrieb genommen und liegt südlich der Kathedralenstadt Ely, direkt am River Cam. Die Wiesen des Pubs reichen bis ans Ufer des Flusses, an dem es eigene Anlegestellen gibt, an denen gern Narrowboats oder andere Schiffe festmachen, deren Eigner sich dann im The Five Miles stärken. 72 Stunden dürfen die Boote hier maximal liegen, auf der anderen Flussseite 48 Stunden.

An dieser Stelle gibt es schon seit dem 18. Jahrhundert einen Pub, erst hieß er The Black Swan, dann The Lord Nelson; der heutige lange Name wurde schon im 19. Jahrhundert verwendet. Nachdem ein Brand das ursprüngliche Gebäude in den 1950er Jahren komplett zerstörte, erbaute man Anfang der 1980er ein neues, in das dann 1995 der Pub einzog und den ehemaligen Namen The Five Miles From Anywhere No Hurry Inn verwendete. Hier soll man sich also Zeit lassen und in Ruhe sein Pint trinken und vielleicht dazu noch ein No Hurry Lamb essen.

Five Miles From Anywhere No Hurry Inn
Old School Lane
Upware
Ely, Cambridgeshire, CB7 5ZR 

Photo © Rose and Trev Clough (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 25. Oktober 2022 at 02:00  Comments (1)  

Sir Frederick Henry Royce (1863-1933), Alwalton in Cambridgeshire und West Wittering in West Sussex

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Jeder Fahrer eines Rolls Royce müsste eigentlich einmal in seinem Leben nach Alwalton in Cambridgeshire fahren, um Sir Frederick Henry Royce, First Baronet of Seaton, einen Besuch abzustatten, ohne den es diese Nobelkarossen nie gegeben hätte. Am 27. März 1863 wurde Frederick Henry in Alwalton geboren, das damals noch in Huntingdonshire, heute in Cambridgeshire, am westlichen Stadtrand von Peterborough liegt. Sein Vater betrieb eine Mühle, die es inzwischen nicht mehr gibt. Getauft wurde der kleine Frederick Henry in der Dorfkirche St Andrew’s, wo eine Tafel an den berühmten Sohn erinnert, dessen Asche hier auch untergebracht ist. Eine Statue hat man ihm in Alwalton nicht errichtet (dafür steht eine Statue von ihm am Rolls Royce Moor Lane in Derby), stattdessen wurde eine Straße nach ihm benannt, die Royce Road. Im benachbarten Peterborough ist das Parkhaus Royce Red Car Park des Queensgate Shopping Centre nach ihm benannt worden…und das war es auch schon. Dort in Alwalton, wo die Royce Road auf die Oundle Street stößt, ist übrigens ein sehr angenehmer Pub zu finden, The Cuckoo.

Ein weiteres Dorf spielte im Leben des Frederick Henry Royce eine große Rolle: West Wittering an der Südküste in der Grafschaft West Sussex (ich berichtete über den Ort in meinem Blog in einem anderen Zusammenhang). Hier lebte und arbeitete er von 1917 bis zu seinem Tod am 22. April 1933. In seinem Studio, Camacha genannt (nach einem Kirchenlied von B. Mansell Ramsay, der 1923 in West Wittering starb) an der Rookwood Road, tüftelte er an neuen Entwicklungen, deren Ergebnisse er an das Rolls Royce-Werk nach Derby übermittelte. Elmstead hieß das Haus in West Wittering in dem er wohnte, und wo er noch in den letzten Stunden bevor er starb, eine Skizze von einem Stoßdämpfer anfertigte. Hier gibt es auch eine nach ihm benannte Straße, den Royce Way.

St Andrew’s in Alwalton.
Photo © Bikeboy (cc-by-sa/2.0)
Die Royce Road in Alwalton.
Photo © Alex McGregor (cc-by-sa/2.0)
Das Studio Camacha in West Wittering.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)
Plakette am Studio.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0
Der Royce Way in West Wittering.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 24. Oktober 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Julian Bishop: High, Wide, & Handsome – An American Journey

Foto meines Exemplares

Im Laufe der Jahre habe ich an dieser Stelle schon mehrere Bücher vorgestellt, die sich mit den USA befassen, aber von englischen Autorinnen und Autoren geschrieben worden sind. Heute möchte ich auf ein weiteres Buch hinweisen, das 2021 erschienen ist und das Debut von Julian Bishop ist: „High, Wide, & Handsome: An American Journey„. Julian Bishop ist ein englischer Geschäftsmann, der mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia lebt. Mitten in der ersten Coronawelle macht er sich mit seiner Frau mit einem Mietwagen auf eine Reise quer durch die USA, die die beiden von Savannah in Georgia bis zur Pazifikküste nach Seattle in Washington und anschließend nach Kalifornien führt. Dabei versuchen sie auf der Strecke möglichst viele Nationalparks aufzusuchen. Viele Museen, Hotels und Restaurants waren in dieser Zeit geschlossen, so dass Mr und Mrs Bishop manchmal improvisieren müssen.

Doch die Reise selbst spielt in diesem Buch eine untergeordnete Rolle, denn Julian Bishop beschäftigt sich in erster Linie mit dem politischen, gesellschaftlichen und kulturellem Leben in den USA, oft zieht er dabei Vergleiche zu seinem Heimatland und arbeitet die Unterschiede heraus. Einige willkürlich herausgegriffene Beispiele:

  • Das Schulsystem und das Leben an den Universitäten, so wie es Julian Bishops Töchter erlebt haben
  • Das komplizierte Wahlsystem auf Bundes-, Staaten- und Countyebene
  • Die Essgewohnheiten der Amerikaner
  • Die Lewis and Clarke-Expedition 1804-1806
  • Europäische Vorurteile gegenüber den Amerikanern
  • Waffenbesitz in den USA

Das Buch ist hochinteressant und kann vor einer USA-Reise wertvolle Tipps zum besseren Verständnis des Landes geben.

Julian Bishop: High, Wide, & Handsome – An American Journey. Travellers Press 2021. ISBN 978-1-7364460-0-3. 231 Seiten.

Published in: on 23. Oktober 2022 at 02:00  Comments (1)  

Drei Pubs in Northumberland und wie sie frierenden Menschen in diesem Winter helfen wollen

The Anglers Arms in Longframlington.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)

Die derzeitige britische Regierung unter Noch-Premierministerin Liz Truss erweckt den Eindruck, dass sie nicht so recht weiß wie sie die Probleme des Landes in den Griff bekommen kann. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nehmen zu (auch auf Grund des Brexits?), immer mehr Menschen wissen nicht wie sie in den kommenden Wintermonaten über die Runden kommen sollen, die Energiepreise sind in ungeahnte Höhen geklettert, so dass manche fürchten, es sich nicht mehr leisten zu können, die Heizung anzustellen.

In Englands nördlichster Grafschaft Northumberland, dort wo es kälter werden kann als im Süden, haben sich drei Pubs dazu entschlossen, für diese Menschen aktiv zu werden und ihnen zu helfen: The Anglers Arms in Longframlington, The Percy Arms in Chatton und The Olde Ship in Seahouses. Sie gehören alle drei zu der Inn Hospitality Group, die in der Coronazeit gegründet wurde und zu der auch noch The Derwent Arms in Edmundbyers gehört. Die Pubs halten ihre Türen für jedermann offen, der/die zu Hause friert, einsam ist und Gesellschaft sucht, wobei diese Menschen nicht unbedingt etwas trinken oder verzehren müssen. Das den ganzen Tag über prasselnde Kaminfeuer sorgt für Wärme und jeder kann solange bleiben wie er/sie möchte. Die drei Pubs haben sogar jeweils eine Mini-Bibliothek aus Buchspenden eingerichtet, zu der beitragen kann wer möchte und dafür ein kostenloses heißes Getränk erhält. Auch Thermosflaschen werden kostenlos mit heißem Wasser aufgefüllt. Im Anglers Arms gibt es mittags zusätzlich für alle, die über sechzig Jahre alt sind, eine Suppe, auch das ohne Berechnung.

Eine großartige Idee!!

The Percy Arms in Chatton.
Photo © Bill Harrison (cc-by-sa/2.0)
The Olde Ship in Seahouses.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 22. Oktober 2022 at 02:00  Comments (2)  

Brambletye Manor – Wunderschöne Ruinen in East Sussex

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Mal nennt man es Brambletye Manor, mal Brambletye Castle oder Brambletye House, bleiben wir bei der ersten Version. Es handelt sich hier um die Überreste eines einstmals beeindruckenden Bauwerks, im Ashdown Forest in der Grafschaft East Sussex. Der nächstgelegene Ort ist Forest Row, die nächste Stadt East Grinstead. Das Manor House liegt am Brambletye Lane auf dem Gelände der Brambletye Manor Farm. So, jetzt haben wir die Ruinen ziemlich genau eingenordet.

1634 erbaute Sir Henry Compton in der Regierungszeit von James I. das Haus; er war Parlamentsmitglied für den Bezirk East Grinstead. Der letzte Bewohner des Manor soll ein gewisser Sir James Richards gewesen, dem Verrat vorgeworfen wurde und der 1683/84 fluchtartig das Land, und damit auch Brambletye Manor, verließ. Das schöne Gebäude fand keinen neuen Besitzer, mit dem Resultat, dass es allmählich verfiel. Die Menschen aus dem Umland bedienten sich an den heruntergefallenen Steinen, es blieben die „romantischen Ruinen“ zurück, die wir heute noch sehen können.

Im Jahr 1826 erschien ein Roman des Schriftstellers Horace Smith (1779-1849), der den Titel „Brambletye House or, Cavaliers and Roundheads“ trug und der als Reprint 2018 von dem Londoner Verlag Forgotten Books neu aufgelegt worden ist. Darin beschreibt Smith die mehr oder weniger fiktive Geschichte der Compton-Familie und damit auch die des Brambletye Manors.

Mit Unterstützung von English Heritage wurden die Ruinen kürzlich stabilisiert, denn sie drohten zusammenzustürzen. Da sie auf privatem Land stehen, ist der Zugang untersagt und man kann nicht ganz dicht an sie herangehen.

Der Bald Explorer nimmt uns in diesem Film mit auf einen Spaziergang zum Brambletye Manor.

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Spencer – Ein Spielfilm über Lady Diana… und seine Drehorte

Schloss Nordkirchen.
Photo: Günter Seggebäing.
Creative Commons 3.0

Am 13. Januar 2022 kam der Film „Spencer“ in die deutschen Kinos, in der die Weihnachtsfeier der britischen Königsfamilie im Jahr 1991 im Sandringham House den Hintergrund bildet für die dargestellten Probleme der Noch-Ehefrau des Prinzen von Wales, Lady Diana Spencer. Sie ist ein Fremdkörper unter den Royals und wäre ohne ihre beiden Kinder bei der Feier wahrscheinlich mental ganz zusammengebrochen. Die Titelrolle wird von der US-Amerikanerin Kristen Stewart gespielt, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Diana hat. Jack Farthing verkörpert Prince Charles und Stella Gonet die Queen.

Der Film ist eine Koproduktion Großbritanniens, der USA, Chiles und Deutschlands (der Regisseur ist der Chilene Pablo Larraín). Ich möchte in meinem heutigen Blogeintrag nicht näher auf den Film eingehen, sondern auf die Drehorte, die erstaunlicherweise überwiegend in Deutschland liegen. Der deutsche Location Manager Constantin Brandenburg ist auf der Suche nach einem Sandringham-Ersatz (in dem Schloss in Norfolk durfte nicht gedreht werden) fündig geworden. Die Außenaufnahmen fanden in dem imposanten Schloss Nordkirchen statt, einem riesigen Barock-Wasserschloss im Münsterland, das für die Dreharbeiten komplett abgeriegelt worden war, damit in aller Ruhe gearbeitet werden und keine neugierigen Reporter Fotos machen konnten. Auch die Parkanlagen sind in dem Spielfilm zu sehen.

Schloss Marquardt in der Nähe von Potsdam, in dem schon sehr viele Filme und Musikvideos gedreht worden sind, diente als Park House, in dem Lady Diana ihre Kindheit verbracht hatte und das auf dem Sandringham Estate liegt. Im Film begibt sich Diana eines Nachts in das düstere, halb verfallene Gebäude, das von der Filmcrew entsprechend hergerichtet worden ist.

Am interessantesten aber für mich persönlich war, dass ein Großteil der Innenaufnahmen im Schlosshotel Kronberg im Taunus gedreht worden sind, ein Hotel, das ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt und in dem ich mich wie in England gefühlt habe. Im Grünen Salon des Hotels wurde zum Beispiel die Dinnerszene gedreht. Die wunderschöne Lobby mit Kamin ist mit einbezogen worden sowie die Bibliothek.

Doch auch in England ist gedreht worden; die Strandszenen mit Diana und ihrer Assistentin Maggie (Sally Hawkins), die sich in sie verliebt hat, am Old Hunstanton Beach in Norfolk. Die Kirche, in der der Weihnachtsgottesdienst der Royals im Film zelebriert wird (im Original St. Mary Magdalene Church in Sandringham), war die St Peter & St Paul’s Church in Shropham, nahe der A11 in Norfolk.

Mir hat „Spencer“ gut gefallen, keine hektisch geschnittenen Filmszenen, was heute eher selten ist, die sehr guten Darsteller und die wunderschönen Interieurs der deutschen Schlösser.

Hier ist der Trailer zum Film, der bei Amazon Prime im Streaming zu sehen ist.

Schloss Marquardt.
Photo: Doris Antony.
Creative Commons 3.0
Schlosshotel Kronberg.
Photo: dontworry.
Creative Commons 3.0
Die Bibliothek im Schlosshotel Kronberg.
Eigenes Foto
Old Hunstanton Beach.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)
St Peter and St Paul in Shropham (Norfolk).
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 20. Oktober 2022 at 02:00  Comments (2)  

Mein Zeitschriften-Tipp – Best of British: Britain’s Nostalgia & Heritage Magazine

Das Konterfei Roger „007“ Moores ziert die Oktoberausgabe des Best of British“ Magazines, das den Zusatz“ Britain’s Nostalgia & Heritage Magazine“ trägt. Die monatlich erscheinende Zeitschrift beschäftigt sich mit Themen aus Großbritanniens jüngster Vergangenheit, von den 1930er Jahren bis heute und bietet nach den Worten des Editors Simon Stabler „classic entertainment, heritage transport, sport, fashion, food and drink, the great British countryside“.

Bleiben wir bei der Oktoberausgabe. Der Grund, warum Roger Moore auf der Titelseite abgebildet ist: Im Oktober 1962, also vor sechzig Jahren, wurde die erste Folge der TV-Serie „Simon Templar“ von der ITV gezeigt, deren Titelheld der spätere James Bond-Darsteller Roger Moore verkörperte.
Um James Bond geht es auch um einen weiteren Artikel in der aktuellen Ausgabe: „The Gold Coast – Examining the connection between James Bond and south-east Kent„. Zu diesem Thema habe ich in meinem Blog auch schon einmal geschrieben.
Weitere Themen: Ein Porträt des Schauspielers David Warner, der in unzähligen Filmen mitspielte (auch in „Midsomer Murders“, Staffel 14, Episode 1 „Death in the Slow Lane“, deutsch: „Unter Oldtimern“) und der am 24. Juli diesen Jahres im Alter von fast 81 Jahren starb. Porträtiert werden weiterhin die am 8. August verstorbene Sängerin und Schauspielerin Olivia Newton John und der Tenor David Hughes, dessen Todestag sich in diesem Oktober zum fünfzigsten Mal jährt.

Das Jahresabonnement von „Best of British“ kostet in Großbritannien £42.95, im restlichen Europa, inklusive Porto, £54.95. Die Digitalausgabe der Zeitschrift kostet £41.99 pro Jahr.

Published in: on 19. Oktober 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Londons OXO Tower – Vom Lagerhaus zur exklusiven Wohn- und Shoppinganlage

Photo © Robert Lamb (cc-by-sa/2.0

OXO-Brühwürfel habe ich in deutschen Supermärkten noch nicht gesehen, Maggi und Knorr sind in diesem Sektor bei uns vorherrschend. Die Marke OXO gehört heute zu dem großen Lebensmittelkonzern Premier Foods mit Sitz in St Albans (Hertfordshire), der unter anderem auch die Mr Kipling und die Lyons Cakes herstellt. 1899 entstand der Markenname OXO, die Brühwürfel basierten auf dem von Justus von Liebig entwickelten Fleischextrakt.

In den 1920er Jahren suchte die Firma The Liebig Extract of Meat Company, die die OXO-Produkte herstellte und vertrieb in London eine Möglichkeit ihre Produkte zu lagern und fand am Südufer der Themse, zwischen Blackfriars Bridge und Waterloo Bridge, ein stillgelegtes Kraftwerk, das sie erwarb. Es wurde abgerissen und durch ein neues Gebäude ersetzt, das der Architekt Albert Moore im Art Déco-Stil erbaute. Besonders auffällig war der hoch aufragende Turm der das Gebäude überragte. Nun wollte die Firma ihr schönes neues, turmgekröntes Lagerhaus auch gern als Werbefläche für ihre OXO-Produkte nutzen, doch war es verboten, entlang des Themseufers zu werben. So kam man beim Bau des Turms auf die geniale Idee, in ihn drei große Mosaikfenster untereinander einzubauen, die aus einem Kreis, einem X und wieder einem Kreis bestanden, was dann „zufällig“ den Namen OXO ergab…und das auf allen vier Seiten. Es gab keine Einwände von den zuständigen Behörden…

In den 1970er Jahren verließ die Firma das Gebäude, das lange Jahre leer stand. Doch dann erwachte es in den 1990er Jahren zu neuem Leben, als das Londoner Architektenbüro Lifschutz Davison es in ein Zentrum umwandelte, in dem luxuriöse Apartments, Geschäfte, Ausstellungsflächen und ein Restaurant untergebracht wurden.

Das OXO Tower-Restaurant ist ein Fine Dining-Etablissement mit entsprechenden Preisen, in der OXO Tower-Brasserie (hier ein Film) geht es deutlich legerer zu, aber auch hier muss man etwas tiefer in die Tasche greifen, dafür hat man einen fantastischen Blick auf die Themse und die gegenüber liegende Seite von London.

Hier ist ein Film über eine Begehung des Turmes.

Der Turm, die Apartments und darüber die beiden Restaurants.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 18. Oktober 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Piratenstädte Hastings (East Sussex) und Penzance (Cornwall) – Ein Wettstreit um einen Eintrag in das Guinness Buch der Rekorde

Hastings Pirate Day.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Seit dem Jahr 2009 gibt es in der Stadt Hastings (East Sussex) an der englischen Südküste einen Pirate Day (zuletzt im Juli 2022), an dem es in den Straßen von Piraten nur so wimmelt. Da gibt es eine Parade am Meer entlang, einen „pirates fancy dress competition“, man kann Pirates Burger essen, und die Pubs der Stadt steigen voll in das Geschehen mit ein, indem Bands dort aufspielen. Hier sind einige filmische Impressionen vom diesjährigen Pirates Day. Seit zehn Jahren ist Hastings jetzt schon die „Pirate Capital of the World„.

Machen wir einen Schwenk an die äußerste Südwestspitze Englands, nach Penzance in Cornwall. Auch diese Stadt wird mit Piraten in Verbindung gebracht, durch die Oper „The Pirates of Penzance“ von Arthur Sullivan und Sir William Schwenck Gilbert, am 30. Dezember 1879 uraufgeführt, nicht in Penzance sondern in Paignton in Devon. 1983 wurde das Bühnenstück auch verfilmt mit Kevin Kline und der vor wenigen Tagen verstorbenen Angela Lansbury in den Hauptrollen.

Zwischen Hastings und Penzance besteht seit Jahren ein erbitterter Wettstreit um den Eintrag in das Guinness Buch der Rekorde: Wer schafft es, zu einem bestimmten Zeitpunkt die meisten als Piraten verkleidete Menschen zusammenzubringen? Klingt ganz nach Thomas Gottschalks „Wetten dass…?“

Im Jahr 2011 gelang es der Stadt in Cornwall mit 8,734 „pirates“ in das Book of Records zu gelangen, was aber Hastings zwei Jahre später zunichte machte, indem sie mit einem Kraftakt 14 231 verkleidete Piraten versammeln konnte. Diese Demütigung wollte Penzance auf gar keinen Fall hinnehmen und startete 2014 einen neuen Versuch, Hastings zu übertrumpfen. Fast wäre es der kornischen Stadt auch gelungen, aber es fehlten 77 Piraten. Es hieß, dass einige von ihnen sich in den Pubs „festgetrunken“ und entweder keine Lust mehr hatten, sich der Zählung anzuschließen oder dazu gar nicht mehr in der Lage waren. Das gleiche wiederholte sich im Jahr 2017, auch da gelang es Penzance nicht, bei seinem Pirates on the Prom-Festival, den Rekord zu brechen und wieder könnten es die „Pubpiraten“ gewesen sein, die sich von ihren Pints nicht rechtzeitig trennen konnten, um an dem Rekordversuch teilzunehmen. In Hastings hat man sicher über den zweiten Misserfolg in der über 500 Kilometer entfernten Stadt gejubelt.

Penzance in Cornwall, die Stadt, die nicht mehr im Guinness Buch der Rekorde steht.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 17. Oktober 2022 at 02:00  Comments (3)  

Old Canterbury (Kent) Teil 3: Die Escape Rooms in den Westgate Towers

Schauplatz der Escape Room Games: Die Westgate Towers.
Photo © Helmut Zozmann (cc-by-sa/2.0)

Escape Rooms sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Kaum eine größere Stadt, die dieses Freizeitvergnügen nicht anbietet. Auch in Canterbury gibt es mehrere Escape Rooms, darunter einige in den Westgate Towers, das mit 18 Metern Höhe das größte Torhaus Englands und das letzte der ehemals sieben Torhäuser in der Stadtmauer von Canterbury ist. Was für ein idealer Platz für Escape Rooms! Das im 14. Jahrhundert erbaute Gebäude, das eine Zeit lang als Gefängnis diente, bietet eine gruselige Atmosphäre, was den Reiz des Spiels noch verstärkt.

Im Escape In The Towers stehen drei Räume zur Verfügung, in denen die Spieler Rätsel lösen müssen, um ihnen wieder zu entfliehen: The Crime&Punishment Lab, The Comms Room und Magna Carta Murder.

The Crime & Punishment Lab ist in einer ehemaligen Gefängniszelle untergebracht, wo die Spieler mit dem Labor des mysteriösen Dr Wellington konfrontiert werden, der hier seine Experimente durchführte und spurlos verschwand.

Im The Comms Room-WW2 The Blitz Experience müssen die Aufgaben eines kürzlich verstorbenen Luftschutzwarts im Zweiten Weltkrieg übernommen und Canterbury vor Luftangriffen geschützt werden. Verrat und Sabotage machen den Spielern diese Aufgabe noch schwerer.

In Magna Carta Murder geht es um den Raub eines der seltenen Manuskripte, die dem Westgate Towers Museum geliehen worden sind. Dieses Escape Room Game findet auch oben auf den Türmen und im Museum selbst statt.

Zwei bis fünf Teilnehmer sind jeweils möglich; man muss die Termine online buchen, das Escape in the Towers ist täglich geöffnet. Die Preise für das Vergnügen liegen, je nach Teilnehmerzahl, zwischen £21 und £31 pro Person.

Escape in the Towers
1 Pound Lane
Canterbury, Kent, CT1 2BZ

P.S. Falls jemand mit dem Begriff Escape Rooms nichts anzufangen weiß, hier ist die Definition in der Wikipedia: „Kleine Personengruppen werden … gemeinsam in einem Raum oder eine kleine Anzahl Räume eingesperrt und müssen ihr Gefängnis innerhalb einer vorgegebenen Zeit (zumeist 60 Minuten) mit Hilfe der darin versteckten Hinweise und Gegenstände wieder verlassen“.

Published in: on 16. Oktober 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Old Canterbury (Kent) Teil 2: The Butchery Lane

Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Was die Shambles für die Stadt York in North Yorkshire sind, ist der Butchery Lane für Canterbury in der Grafschaft Kent. In beiden Straßen, die heute Fußgängerzonen sind, hatten sich Schlachter mit ihren Läden angesiedelt, daher auch der Name der Straße in Canterbury (butcher =Schlachter). Wie schon das Crooked House, über das ich gestern berichtete, ist auch der katzenkopfbepflasterte Butchery Lane ein sehr beliebtes Fotomotiv, vor allem von der Perspektive aus, von der im Hintergrund die Kathedrale zu sehen ist. Hier hängen überall vor den Geschäften und Lokalen Schilder, die auf die Etablissements hinweisen. Ursprünglich hieß die Straße Golden Angel Lane, doch dann wurde sie im 18. Jahrhundert umbenannt, weil die Statue des goldenen Engels gestohlen worden war.

In der Nummer 5 befindet sich The Shakespeare, ein Pub mit Weinbar, der zu der Shepherd Neame Brauereigruppe gehört, ein denkmalgeschütztes Haus aus dem Mittelalter. Gleich daneben, in der Nummer 7, ist der City Arms Inn ansässig, der sich auf thailändische Küche spezialisiert hat. Dieses Haus gibt es schon seit dem 15. Jahrhundert.

Gegenüber von den beiden Pubs bilden zwei große Säulen den Eingang zum Canterbury Roman Museum, das sich mit der römischen Vergangenheit der Stadt beschäftigt. Es wurde an der Stelle errichtet, an der bei Bauarbeiten im 19. Jahrhundert ein sehr gut erhaltener römischer Mosaikfußboden ans Tageslicht kam. Weitere römische Artefakte kamen in der Butchery Lane zum Vorschein als bei Aufräumarbeiten nach Bombenabwürfen im Zweiten Weltkrieg weitere Mosaike und ein Heizungssystem gefunden wurden. Es handelt sich hier offenbar um die Überreste eines römischen Stadthauses.

Ganz in der Nähe des Butchery Lane liegt übrigens der Mercery Lane, den ich in meinem Blog schon einmal vorstellte.

Photo © Michael Dibb (cc-by-sa/2.0)
Eingang zum Roman Museum.
Photo: Linda Spashett.
Creative Commons 3.0
Published in: on 15. Oktober 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Old Canterbury (Kent) Teil 1: The Crooked House in der Palace Street

Photo: Mihai Olaru
Creative Commons 4.0

An der Ecke Palace Street/King Street in Canterbury (Kent) steht ein Haus, das dem Besucher der Stadt sofort ins Auge springt und ein beliebtes Fotomotiv darstellt: The Crooked House. Die einzelnen Stockwerke überragen einander, und die Eingangstür ist das kurioseste Merkmal des krummen und schiefen Hauses. 1617 ist das Geburtsjahr des Crooked House und in diesen mehr als vierhundert Jahren hat es so einiges erlebt und diente den verschiedensten Zwecken. Aktuell ist dort im Erdgeschoss der Catching Lives Bookshop untergebracht, ein Buchladen der Wohlfahrtsorganisation, der gebrauchte Bücher zum Verkauf anbietet. Catching Lives kümmert sich in erster Linie um obdachlose Menschen.

Wie kam es dazu, dass das Haus an der Palace Street so schief geworden ist? Grund dafür waren nicht ordnungsgemäß ausgeführte Umbauarbeiten an einem internen Rauchfang. Erst ein eingebauter Stahlträger sorgte dafür, dass das Haus an Stabilität gewann und nicht in sich zusammenfiel. The Crooked House wird auch als Sir John Boys House bezeichnet, nach einem früheren Parlamentsabgeordneten, der aber nicht darin gewohnt haben kann, da er schon 1612 gestorben ist.

Das kuriose Haus wird immer wieder mit Charles Dickens in Verbindung gebracht, das in seinem Roman „David Copperfield“ als Wohnort der Agnes Wickfield diente (ohne dass er es beim Namen nannte). Über der schiefen Eingangstür steht die Passage aus dem Buch zu lesen: ”a very old house bulging over the road…leaning forward, trying to see who was passing on the narrow pavement below….” Charles Dickens 1849.

Hier ist ein Film über das Haus.

The Crooked House
28 Palace Street
Canterbury
Kent CT1 2DZ

Published in: on 14. Oktober 2022 at 02:00  Comments (2)  

Masham in North Yorkshire und seine Mauersegler

Der Lieblings-Aufenthaltsort der Mauersegler von Masham: Der Marktplatz und die Kirche St Mary’s.
Photo © Peter Wood (cc-by-sa/2.0)

Woran denkt ein englischer Biertrinker, wenn er den Ortsnamen Masham hört? Mit großer Wahrscheinlichkeit an das berühmte Bier „Old Peculier„, das in dem Dorf in North Yorkshire in der Theakston Brewery hergestellt wird. Möglicherweise aber auch an die drei Monty Python-Biere „Holy Grail“, „Flying Circus“ und „Brian“ aus der Black Sheep Brewery, die ebenfalls ihre Biere in Masham produziert.

Mauersegler (in England „swifts“ genannt) mögen meines Wissens kein Bier, aber sie lieben die kleine Stadt am River Ure im Wensleydale, und darum kommen sie alle Jahre im Mai wieder nach einem 5000 Kilometer langen Flug aus Afrika hierher nach Masham zurück, wo sie ihre Nester bauen und ihre Jungen zur Welt bringen. Einige Bürger des Ortes haben den Vögeln schon die Arbeit des Nestbaus abgenommen, indem sie selbst welche gebaut haben. Am liebsten halten sich die Mauersegler am Marktplatz auf, vielleicht weil der Turm der angrenzenden Kirche St Mary’s einer ihrer Lieblings-Nistplätze ist. So kann es manchmal am Market Place ganz schön laut werden, wenn die kreischenden Vögel auf Nahrungssuche für ihren Nachwuchs sind. So gegen Ende August wird es in Masham wieder ruhiger, denn dann ziehen die Mauersegler die Temperaturen Afrikas denen North Yorkshires vor und fliegen den langen Weg erneut zurück.

Weil man die Tiere in Masham sehr gern hat, wurde im Jahr 2015 ein Swift Trail angelegt, der sich durch den ganzen Ort zieht und auf dem die Künstler Adrian Wood, Katherine Dereli, Jennifer Tetlow, Michael Kusz und Gaynor Pearson zehn Skulpturen von Mauerseglern aufgestellt haben. Auf diesem Plan kann man sehen, wo die Skulpturen zu finden sind. Auf den Webseiten von Jennifer Tetlow sind die Mauersegler-Skulpturen zu sehen.

Siehe auch meinen Blogeintrag über die Mauersegler des Oxford University Museums of Natural History.

Published in: on 13. Oktober 2022 at 02:00  Comments (2)  

The Panacea Society – Eine ehemalige religiöse Bewegung in Bedford (Bedfordshire)

The Ark in Bedfords Albany Road, daneben wohnte Mabel Barltrop.
Photo: Simon Speed.
This work is released into the public domain.

Sollte Jesus auf die Idee kommen, noch einmal zurück auf die Erde zu kommen, wo sollte er dann wohl auftauchen: In Jerusalem, in Bethlehem, in Nazareth? Falsch: In Bedford in der Grafschaft Bedfordshire, 94 Kilometer nördlich von London gelegen. Das war jedenfalls die Meinung einer religiösen Gemeinschaft, die sich The Panacea Society nannte und die im Jahr 1919 von Mabel Barltrop (1866-1934) gegründet worden war. Die Dame erklärte sich selbst als Tochter Gottes und nahm den Namen Octavia an. 12 Albany Road in Bedford, dort, wo die Gemeinschaft entstand, war nach Octavias Meinung, der ehemalige Garten Eden, Wohnort von Adam, Eva und der Schlange.

Grundlage der Panacea Society waren die Lehren der Joanna Southcott (1750-1814), einer selbsternannten Prophetin, die im Alter von 64 Jahren verkündete, dass sie mit dem Messias schwanger sei, was sich aber nicht bewahrheitete. Auch ihre Wiederauferstehung nach ihrem Tod, an die viele ihrer Anhänger glaubten, klappte nicht. Irgendwas muss da wohl schief gelaufen sein. Dafür hinterließ Octavia eine Holzkiste mit wichtigen Prophezeiungen, die nur in der Gegenwart aller Bischöfe der anglikanischen Kirche und auch nur in Zeiten nationaler Krisen geöffnet werden sollte (was wohl jetzt nach Boris Johnson und Liz Truss durchaus denkbar wäre…). Bisher hat sich die Kirchenführung aber geweigert, ihre Bischöfe nach Bedford zu ordern, um die Kistenöffnung durchzuführen, obwohl dort Mabel Barltrop ein Haus in der Newnham Road mit vielen Schlafzimmern für die geistlichen Herren eingerichtet hatte. Für Jesus wurde ebenfalls ein Haus in Bedfords Albany Road eingerichtet, The Ark genannt, in dem dieser alle Annehmlichkeiten der heutigen Zeit vorfinden würde.

In den 1930er Jahren zählte die Panacea Society weltweit 120 000 Mitglieder, das letzte starb 2012 und damit auch die religiöse Gemeinschaft. Im selben Jahr wurde aus der Panacea Society der Panacea Charitable Trust, eine Wohltätigkeitsorganisation, die unter anderem mit finanziellen Mitteln die Armut in Bedford bekämpft.

In dem Haus in der Newnham Road Nummer 9 in Bedford, das für die Zusammenkunft der Bischöfe geplant war, befindet sich jetzt das Panacea Museum, das ebenfalls im Jahr 2012 entstanden ist und das über die Geschichte der religiösen Bewegung informiert. Dort steht auch die ominöse Kiste der Joanna Southcott, allerdings nur eine Replika, das Original wird ungeöffnet an einem geheimen Ort verwahrt.

Hier ist ein Film über die Panacea Society, auch mit historischen Aufnahmen.

Das Panacea Museum in der Newnham Road in Bedford.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)
Joanna Southcotts mysteriöse Holzkiste.
Photo: Alan Denney.
Creative Commons 2.0
Published in: on 12. Oktober 2022 at 02:00  Comments (1)  

Die Savoy Steps in London und ein Musikvideo von Bob Dylan

Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

Das Savoy am Strand in London gehört zu den großen Luxushotels der Stadt (hier sind meine Blogeinträge über das Hotel). Die internationalen Gäste genießen den Komfort, den das berühmte Hotel zu bieten hat, kommen wohl aber eher nicht in die Bereiche hinter dem Haus, die nicht ganz so ansehnlich sind. Die „anrüchige“ Straßenlaterne in der Carting Lane, über die ich in meinem Blog geschrieben habe, steht sicher nicht auf dem Besuchsprogramm, und auch bestimmt nicht die Savoy Steps, eine Sackgasse, in der Mülltonnen abgestellt sind und die nachts unheimlich wirken muss.

1965 gastierte Bob Dylan im Savoy Hotel im Zuge seiner Großbritannien-Tour. Er hatte im März sein neues Album „Bringing It All Back Home“ veröffentlicht und wollte die neuen Songs dem Publikum im Königreich vorstellen. Der amerikanische Regisseur Donn Alan Pennebaker drehte damals einen Film über die Tournee, „Don’t Look Back„, auf dem unter anderem eines der ersten Musikvideos überhaupt zu sehen ist, Bob Dylans „Subterranean Homesick Blues“ aus dem oben erwähnten Album. Eigentlich sollte das Video am nahegelegenen Victoria Embankment gedreht werden, dazu kam es aber nicht, und so wurde kurzerhand die Gasse Savoy Steps gewählt, die sich genau so gut irgendwo in New York befinden könnte, was viele auch annahmen. Das Video war eigentlich ganz einfach gestrickt: Dylan hat einen Packen von Papptafeln in der Hand, auf der Wörter aus den Textzeilen seines Songs geschrieben sind, und diese Tafeln hält er in die Kamera, während der „Subterranean Homesick Blues“ gespielt wird. Ich habe immer die Befürchtung, dass er Schwierigkeiten hat, mit dem Hochhalten der Tafeln nicht in Verzug zu geraten, da der Song ziemlich schnell ist, oder sie fallen zu lassen, doch er schafft es. Beschrieben wurden die Tafeln von ihm selbst, dem britischen Sänger Donovan, dem Dichter der Beat-Generation Allen Ginsberg (1927-1997) und dem Singer-Songwriter Bob Neuwirth (1939-2022), Freunde Dylans; die beiden letztgenannten sind im Hintergrund des Videos zu sehen. Hier ist der „Subterranean Homesick Blues“ am Originalschauplatz Savoy Steps zu sehen und hier eine Alternativversion, die zum Teil auf dem Dach des Savoy Hotels gedreht wurde.

Die Zufahrt zum Savoy Hotel.
Photo © Len Williams (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 11. Oktober 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das Londoner Wembley Stadion und seine Toiletten

Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Das Wembley Stadion in London ist ein gigantisches Bauwerk, das in den Jahren von 2003 bis 2007 nach den Plänen der berühmten Architektenbüros Foster & Partners und HOK Sport (das heute Populous heißt) erbaut wurde. £789 Millionen war das Preisschild, das an dem Stadion hing, das größte im Königreich und das zweitgrößte in Europa, nach dem Camp Nou in Barcelona. 90 000 Menschen sollen maximal hineinpassen, beim Ed Sheeran-Konzert im Juni diesen Jahres sollen es sogar 100 000 gewesen sein.

Solche Menschenmengen haben nach gewisser Zeit, und nach dem Genuss des einen oder anderen Getränks, auch das Bedürfnis, die Flüssigkeit wieder loszuwerden. Die Architekten haben sich mit dem Thema Toiletten ausgiebig beschäftigt und dafür Sorge getragen, dass sich nicht allzu lange Schlangen davor bilden. Sage und schreibe 2618 Toiletten gibt es im Wembley Stadium, so viele wie in keinem anderen Gebäude der Welt. Da bei Fußballspielen die Zahl der männlichen Besucher in der Regel höher ist als die der weiblichen, gibt es im Stadion auch mehr WCs für Männer. Für körperlich behinderte Menschen sind 147 Toiletten installiert worden. 34 Bars und 688 „drink and food service points“ sorgen dafür, dass die WCs ständig in Betrieb sind, 8 Restaurants gibt es zusätzlich. In 98 Küchen wird zubereitet, was die Herzen der Fußballfans beziehungsweise der Konzertbesucher begehren.

Noch ein paar beeindruckende Zahlen: Der Umfang des Stadions beträgt einen Kilometer; würde man alle Stadionsitze nebeneinander stellen, käme man auf eine Länge von 54 Kilometern. Rund 40 000 Menschen kommen im Durchschnitt bei einem Sport- oder Konzertereignis in der U-Bahnstation Wembley Park an.

Sie alle müssen früher oder später eine der 2618 Toiletten aufsuchen.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 10. Oktober 2022 at 02:00  Comments (1)  

Der Künstler Sam Cox und sein „Doodle House“ in Tenterden (Kent)

Kaum eine Zeitung Großbritanniens, die in der vergangenen Woche nicht über den Doodle-Künstler Sam Cox berichtete, der Anfang Oktober sein verrücktes Haus in Tenterden in der Grafschaft Kent fertig gestellt hat. „To doodle“ heißt soviel wie kritzeln oder Männchen malen; das englische Wort hat auch schon in der deutschen Sprache Fuß gefasst.

Sam Cox, oder auch Mr Doodle, Absolvent der University of West England in Bristol, ist ein junger Künstler, dessen Karriere vor zwei Jahren so richtig durchstartete, als seine Werke, hauptsächlich auf dem asiatischen Markt, hohe Preise erzielten. Die sozialen Medien verhalfen ihm dazu, international bekannt zu werden. Sam Cox liebte es schon als Kind, zu doodeln, und so kam ihm vor einiger Zeit die Idee, sein ganzes Haus auf diese Weise zu verzieren, innen wie außen. Also machte er sich ans Werk, zusammen mit 900 Litern weißer Farbe, 400 Spraydosen mit schwarzer Farbe, 286 Flaschen schwarzer Malfarbe und 2,296 Malstiften, mit denen Sam seine Doodles auf die Wände applizierte. Zwölf Zimmer sind in seinem Haus und alle sind sie komplett mit Doodeln versehen. Da die Kleidung des Künstlers auch oft „bedoodelt“ ist, ist er vor seinen Wänden kaum zu erkennen. Sam Cox hat vor den Wänden nicht halt gemacht, auch die Badewanne, die Bettwäsche im Schlafzimmer, das Toilettenbecken, die Kochtöpfe…und sein Tesla. Sam kann sich glücklich schätzen, dass seine Frau Alena dieses skurrile Spiel mitspielt, auch sie ist auf Filmen meist in Doodle-Kleidung zu sehen.

Nach der weltweiten Berichterstattung über Sam Cox’s Mansion in Tenterden ist sein internationaler Ruf noch größer geworden, und seine zukünftigen künstlerischen Projekte dürften preislich noch mehr durch die Decke gehen. Eines seiner Werke wurde schon für knapp unter einer Million US-Dollar verkauft.

Published in: on 9. Oktober 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Jon Askew: Rock & Stroll: A Walk Around London’s Greatest Hits

Foto meines Exemplares.

In meinem Blog führe ich eine Kategorie „Songs About London„, in der ich schon seit einigen Jahren Songs vorstelle, die in irgendeiner Form mit der britischen Hauptstadt zu tun haben. Jon Askew hat in seinem Buch „Rock & Stroll: A Walk Around London’s Greatest Hits“ sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigt, sehr umfangreiche Recherchen angestellt und ist dann den Spuren dieser Songs in London gefolgt. Jon Askew lebt in Bedford (Bedfordshire), ist also als Nicht-Londoner nicht mit allen Ecken der Stadt vertraut, und entdeckt für sich so manches Neue, vor allem auf der Südseite der Themse.

Über London sind hunderte Songs geschrieben worden; manche singen ein Loblied auf die Stadt, manche verabscheuen sie, manche Texte bleiben im allgemeinen, manche anderen beschäftigen sich mit bestimmten Stadtteilen.

Jon Askew beginnt seine musikalische Reise passenderweise in Camden, wo es auf der High Street den Camden Town Music Walk of Fame gibt, der an die Bands, Sängerinnen und Sänger erinnert, die in diesem geschäftigen Viertel der Stadt tätig waren wie Amy Winehouse, Madness, The Who und so weiter.

Der Autor stellt uns schräge Songs vor wie Jay Foremans „Every Tube Station Song„, dessen Text aus den Namen der 270 U-Bahnstationen Londons besteht oder „Northern Line“ von LV featuring Joshua Idehen. Wir begleiten Jon Askew in die Carnaby Street, über die The Jam einen Song geschrieben haben, in die Denmark Street, die in der Geschichte der Rock- und Popmusik eine wichtige Rolle gespielt hat, schauen beim Brompton Oratory vorbei, dem Nick Cave einen Song gewidmet hat und statten Brixton einen Besuch ab, einem in den 1980er Jahren durch die Unruhen dort in Verruf geratenen Stadtteil, dem Eddy Grant mit seinem „Electric Avenue“ ein Denkmal setzte.

Ein wunderbares Buch, mit nur einem Nachteil: Es gibt kein Register. Wenn man etwas Bestimmtes sucht, blättert man sich einen Wolf.

Jon Askew: Rock & Stroll: A Walk Around London’s Greatest Hits. Independently Published 2022. 242 Seiten. ISBN 979-8408203734.

Published in: on 8. Oktober 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

„Transport“ – Ein Kunstwerk Antony Gormleys in der Kathedrale von Canterbury

Photo © Gary Rogers (cc-by-sa/2.0)

Antony Gormley, 1950 in London geboren. ist einer der bedeutendsten Bildhauer Großbritanniens, und ich schätze seine Werke wegen ihrer Originalität sehr. In meinem Blog habe ich bisher den Angel of the North, Another Place am Strand von Crosby Beach, Another Time in Oxford und The Room im Londoner Beaumont Hotel vorgestellt. Heute folgt ein weiteres: Transport in der Kathedrale von Canterbury in Kent.

Im Januar 2011 wurde das Kunstwerk enthüllt, dort in der Kathedrale, wo sich früher das erste Grab Thomas Beckets in der Eastern Crypt befand, der im Jahr 1170 ermordet wurde. Das Besondere an Gormleys zwei Meter langem Kunstwerk, das frei schwebend in der Luft hängt, ist, dass der Meister es aus alten Nägeln hergestellt hat, die bei der Erneuerung eines Teils des Daches des Querschiffs angefallen sind. Anstatt die uralten, handgeschmiedeten Nägel wegzuwerfen, entwarf Gormley diesen menschlichen Körper, von dem er sagte: „Mind and body, church and state are polarities evoked by the life and death of Thomas Becket. We are all the temporary inhabitants of a body. It is our house, instrument and medium. Through it, all impressions of the world come and from it all our acts, thoughts and feelings are communicated“.

Hier ist ein Film über Transport.

Es ist nicht das erste Werk des Bildhauers, das in einer Kathedrale beherbergt ist. In der Winchester Cathedral ist Sound II in der Krypta anzutreffen, eine mysteriöse Figur, die, wie schon bei anderen Kunstwerken Gormleys, nach seinem eigenem Körper geformt ist.

Sound II in der Winchester Cathedral.
Photo © Graham Horn (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 7. Oktober 2022 at 02:00  Comments (1)  

Jean Charles de Menezes (1978-2005) und sein Tod in der U-Bahnstation Stockwell im Süden Londons

Das Memorial vor der U-Bahnstation Stockwell.
Photo © Robin Sones (cc-by-sa/2.0)

Als sich am Morgen des 21. Juli 2005 der junge aus Brasilien stammende Elektriker Jean Charles de Menezes (er war britischer Staatsbürger) auf den Weg zur Arbeit machte, ging er wie immer zur U-Bahnstation Stockwell, die inmitten des Little Portugal genannten Stadtteils von Lambeth in London liegt. Dort leben besonders viele portugiesisch sprechende Menschen aus Portugal und Brasilien. Jean Charles betrat den Bahnsteig der Victoria Line und erreichte noch den Zug, der gerade eingefahren war. Kaum hatte er sich auf einen freien Platz gesetzt, als drei Männer auf ihn einstürmten, ihn festhielten, herauszerrten und insgesamt elf Mal mit einer Pistole auf ihn schossen, die meisten der Schüsse trafen den jungen Mann in den Kopf. Er war sofort tot. Bei den drei Männern handelte es sich um Polizisten der Metropolitan Police in Zivil, die Jean Charles irrtümlicherweise für einen Terroristen hielten. Am Tag zuvor hatte es in London Attentatsversuche gegeben, die aber alle gescheitert waren, zwei Wochen davor die blutigen Bombenanschläge, bei denen 52 Menschen ums Leben kamen und über 700 verletzt wurden. Die Polizei der Stadt war hochgradig nervös, suchte fieberhaft nach den Bombenlegern des Vortages, und da geriet der völlig unschuldige Jean Charles de Menezes ins Visier der Fahnder.

Der Fall wurde untersucht, es kam zu Verstimmungen zwischen Großbritannien und Brasilien, Scotland Yard gab ihren fatalen Fehler zu, die Polizisten wurden für ihren Einsatz in der U-Bahn nicht belangt. Die Einsatzleiterin Cressida Dick, die später von 2017 bis 2022 als erste Frau die Metropolitan Police leiten sollte, wurde damals nicht zur Rechenschaft gezogen, sondern befördert.

Die Familie des erschossenen Mannes in Brasilien erhielt eine Abfindung von £100 000. Dier vierfache Summe erhielt der damalige Polizeichef Ian Blair als er drei Jahre nach der Tat zurücktrat.

Als Erinnerung an den tragischen Tod von Jean Charles Menezes wurde vor dem Eingang der Stockwell-U-Bahnstation ein Memorial errichtet mit einem Bild des jungen Mannes, darunter steht
Innocent. Jean Charles de Menezes, born Ganzaga MG Brazil, 07.01.1972. Shot dead here 22.07.2005. Sadly missed„.
Am 7. Januar 2010 wurde es enthüllt, an dem Tag wäre Jean Charles 38 Jahre alt geworden.

Der brasilianische Regisseur Henrique Goldman verfilmte die letzten Lebenswochen des Mannes unter dem Titel „Jean Charles„. Hier ist der Trailer zu sehen.

Der Bahnsteig der Victoria Line im U-Bahnhof Stockwell.
Photo © Oxyman (cc-by-sa/2.0)
Stockwell Underground Station.
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 6. Oktober 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die St Lawrence Church in Ipswich (Suffolk) mit dem ältesten Geläut der Welt

Der Glockenturm von St Lawrence.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Die Stadt Ipswich in der Grafschaft Suffolk kann sich eines Eintrages im Guinness Book of Records rühmen: Sie hat das älteste Geläut der Welt in der St Lawrence Church. Die älteste Glocke wurde etwa um das Jahr 1440 herum gegossen, die anderen vier folgten bald darauf. Der Politiker und Kaufmann Edmund Daundy soll die jüngste der Glocken aus dem Jahr 1480 in Auftrag gegeben haben; er war der Onkel des mächtigen Staatsmanns und Erzbischofs von York Thomas Wolsey, und so werden die Glocken von St Lawrence manchmal auch Wolsey’s Bells genannt, obwohl streng genommen Daundy’s Bell richtiger wäre.

Die Glocken hingen rund 500 Jahre im Turm der Kirche, bis dieser langsam begann, seine Tragkraft zu verlieren. Die Glocken wurden aus Sicherheitsgründen ab 1985 nicht mehr geläutet, später aber etwas weiter unten im Turm in eine neue Glockenhalterung eingebaut, und im Jahr 2009 wieder umgehängt.

Da die Kirchengemeinde von St Lawrence immer kleiner geworden war und in den 1970er Jahren gar keine Mitglieder mehr hatte, wurde sie schließlich dicht gemacht und in die Obhut des Ipswich Historic Churches Trust übergeben. Trotzdem verschlechterte sich der Zustand von St Lawrence rapide, so dass niemand mehr die Kirche betreten durfte. Die Pubkette Wetherspoon’s interessierte sich einmal dafür, das leerstehende Gotteshaus in einen Pub umzuwandeln, aber das verlief sich im Sande. Schließlich wurden  £1,2 Millionen an Geldern aufgebracht, St Lawrence restauriert und ein Gemeinschaftshaus mit angeschlossenem Café darin eingerichtet.

Wie die Glocken klingen, kann man hier hören.

Übrigens ist die Ipswich Tourist Information ebenfalls in einer aufgelassenen Kirche, St Stephen’s, untergebracht.

Das Taufbecken in St Lawrence.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)
Eines der gut erhaltenen Kirchenfenster.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)
St Stephen’s beziehungsweise die Ipswich Tourist Information.
Photo © David Smith (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 5. Oktober 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Are You Being Served? – Eine Comedy-TV-Serie der BBC, die von 1972 bis 1985 gezeigt wurde

Are You Being Served?„, auf Deutsch „Werden Sie schon bedient?“, hieß eine langlebige Comedy-TV-Serie, die die BBC von 1972 bis 1985 ausstrahlte, in zehn Staffeln mit insgesamt siebzig Folgen, und damit in Großbritannien viele Menschen vor ihren Bildschirmen erfreute. David John Croft (1922-2011) hatte sich die Comedy-Serie ausgedacht und die Drehbücher dafür geschrieben (er schrieb auch die Drehbücher für „Dad’s Army“ und „“Allo ‚Allo“). Die Handlung spielt in dem fiktiven Londoner Kaufhaus Grace Brothers und da in der Abteilung für Damen- und Herrenbekleidung. Im Mittelpunkt stehen die Verkäuferinnen und Verkäufer, und natürlich spielen auch die Kunden eine Rolle.

Wir treffen auf den hochnäsigen Abteilungsleiter Captain Stephen Peacock, auf Mrs Betty Slocombe, die die Damenbekleidungsabteilung leitet und ihre Assistentin Miss Shirley Brahms, ein junges attraktives Mädchen mit Cockneyakzent, auf Mr Wilberforce Claybourne Humphries, einen Verkäufer in der Herrenabteilung mit homosexuellen Zügen und den Verkäufer und Schürzenjäger Dick Lucas, um nur einige zu nennen.

Die Handlung ist witzig und mit vielen Doppeldeutigkeiten versehen; ein Running Gag ist zum Beispiel Mrs Slocombes Katze Pussy, mit deren Namen man so manche Wortspielereien verbinden kann. Einige Beispiele sind in diesem Film zusammengefasst.

1977 wurde ein ganzer Spielfilm mit den Darstellern der TV-Serie gedreht, der ebenfalls „Are You Being Served?“ hieß (hier ist der Trailer zu sehen). Die Handlung: Während das Kaufhaus renoviert wird, schickt das Management seine Angestellten in einen bezahlten Urlaub nach Costa Planka in Spanien. Wie das häufig so ist: Eine dreißigminütige TV-Folge kann sehr witzig sein, ein drei Mal so langer Spielfilm meist nicht. Der Film wurde unter dem Titel „Are You Being Served? – Werden Sie schon bedient“ in Deutschland gezeigt, besonders gute Kritiken bekam er nicht.

Als Beispiel für die TV-Serie ist hier die Folge „German Week“ zu sehen, in der sich so richtig schön über die Deutschen lustig gemacht wird.

Published in: on 4. Oktober 2022 at 02:00  Comments (2)  

The Warwick Words History Festival 2022

Die Castle Hill Baptist Church.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Im Oktober 2002 startete in der Stadt Warwick (Warwickshire) das Warwick Literary Weekend, aus dem sich dann das The Warwick Words History Festival entwickelte. Sonst fanden die Veranstaltungen in dem wunderschönen Lord Leycester Hospital statt; da dieses aber wegen Renovierungsarbeiten vorübergehend geschlossen ist, entschieden sich die Veranstalter, in die Castle Hill Baptist Church umzuziehen, die zu den ältesten Baptistengemeinden der Welt zählt. Das Kirchengebäude dagegen ist neu und stammt aus dem Jahr 1999.

In diesem Jahr beginnt das Festival am 3. Oktober und endet am 9. Oktober. In dieser Zeit werden eine Fülle von Vorträgen angeboten, die sich zum Teil mit der Geschichte Warwicks beschäftigen, aber auch mit gänzlich anderen Themen.

Im ersten Vortrag am 3.10. geht es um Warwick the Kingmaker, das ist Richard Neville, der 16. Earl of Warwick, der im 15. Jahrhundert eine wesentliche Rolle spielte und Königen auf den Thron verhalf. Aaron Manning hält den Vortrag, er ist der Festivaldirektor und Historiker am Warwick Castle.
Eine Führung durch die Burg und die Gärten steht am 8. Oktober auf dem Programm, und wer es gern ein wenig gruselig mag, kommt am 7. Oktober auf seine Kosten, wenn Graham Sutherland einen „Twilight Warwick Walk“ unternimmt, unter dem Titel „When night falls…“; auch die Stadt am River Avon hat seine dunklen, unheimlichen Seiten.

Am 4. Oktober wird Charles Spencer, der 9. Earl Spencer und Bruder von Lady Diana, sich in einem Vortrag mit dem Weißen Schiff beschäftigen, bei dessen Untergang am 25. November 1120 vor der Küste der Normandie der englische Thronfolger William Ætheling und viele andere Menschen ums Leben kamen.
Die Schriftstellerin und Historikerin Rachel Trethewey ist beimWarwick Words History Festival mit einem Vortrag vertreten, in dem sie sich mit den Töchtern Sir Winston Churchills befasst. Ihr Buch „The Churchill Sisters: The Extraordinary Life of Winston’s and Clementine’s Daughters“ ist vor einem Jahr im Verlag St Martin’s Press erschienen.

Also: Das Festival in Warwick, eine Stadt, die ich mehrfach besuchte und die mir immer wieder gut gefiel, ist vollgepackt mit sehr interessanten Vorträgen und anderen Veranstaltungen. Hier ist das vollständige Programm nachzulesen.

Warwick Castle.
Photo © Chris‘ Buet (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. Oktober 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Englische Exzentriker – Dorothy Paget (1905-1960)

Hier am Nightingales Lane in Chalfont St Giles wohnte Dorothy Paget.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

In meiner Lieblings-Grafschaft Buckinghamshire fuhr ich einmal den Nightingales Lane entlang, eine von Wäldern begrenzte Landstraße, die Little Chalfont mit Chalfont St Giles verbindet. Hier stehen die Anwesen, sie Grundstücke zu nennen, wäre untertrieben, weit auseinander; viele von ihnen sind mit hohen Eingangstoren versehen, so dass man die Häuser dahinter nur erahnen kann. Wer es sich leisten kann, am Nightingales Lane zu wohnen, der hat es zu etwas gebracht.

Dort, wo heute ein Apartmenthaus mit Luxus-Wohnungen namens Ellwood steht, wohnte und starb einmal in ihrem Haus Hermit’s Wood die steinreiche englische Rennpferd-Liebhaberin Dorothy Paget (1905-1960). Sie brauchte sich in ihrem Leben nie Geldsorgen machen, denn sie stammte aus einer äußerst wohlhabenden Familie. Ich werde auf ihre beiden Faible Rennpferde und Motorsport nicht weiter eingehen, sondern auf ihre sehr exzentrischen Gewohnheiten.

Dorothy Paget führte ein Leben, das ganz anders war als das des „Normalbürgers“. Sie frühstückte stets um 20.30 Uhr und nahm ihr Dinner morgens um 7 Uhr zu sich. Tagsüber schlief sie, nachts war sie wach und tätig. So kontaktierte sie zum Beispiel nachts ihre Buchmacher (sehr zu deren Leidwesen), um Wetten auf Pferderennen abzugeben. Dorothy wettete kurioserweise auch auf Rennen, die schon am Vortag stattgefunden hatten; da sie den ganzen Tag schlief, kannte sie die Ergebnisse ja nicht…und die Buchmacher ließen sich darauf auch ein.

Die Kettenraucherin (sie rauchte bis zu hundert Zigaretten pro Tag) legte auf ihr Äußeres keinerlei Wert. Sie trug immer einen formlosen Tweedmantel; war dieser nach jahrelangem Tragen fadenscheinig geworden, kaufte sie den gleichen erneut. Fuhr sie manchmal doch höchstpersönlich zu einem Rennen, so tat sie das mit zwei Rolls Royces im Konvoi, denn einmal war sie mit ihrem Luxusgefährt liegengeblieben und, um pünktlich zum Beginn des Rennens vor Ort zu sein, kaufte sie einfach einem Fleischer sein Auslieferungsfahrzeug ab und ließ sich damit zum Rennplatz kutschieren. Damit das nicht noch einmal passieren konnte, legte sie sich eben einen zweiten RR zu.

In Dorothys engstem Umfeld arbeiteten nur Frauen, denn sie konnte die Gegenwart von Männern nur schwer ertragen. Auch Besucher in Hermit’s Wood waren nicht erwünscht, was auch für Familienangehörige galt. Ziemlich vereinsamt starb die Exzentrikerin am 9. Februar 1960 in ihrem Haus an Herzversagen.

Graham Sharpe hat ein Buch über sie geschrieben: „Dorothy Paget: The Eccentric Queen of the Sport of Kings„, 2017 im Verlag Racing Post Books in Newbury (Berkshire) erschienen.

Published in: on 2. Oktober 2022 at 02:00  Comments (4)