The National Fruit Collection auf der Brogdale Farm in Kent

Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)

Die Brogdale Farm, südlich von Faversham in der Grafschaft Kent, beherbergt seit 1952 eine der größten Sammlungen von Obstbäumen in der Welt, die National Fruit Collection. Sie gehört dem Department for Environment, Food and Rural Affairs, einer Regierungsbehörde, die für Umweltschutz, Lebensmittelproduktion, Landwirtschaft, Fischerei und Angelegenheiten ländlicher Gemeinden zuständig ist. Die University of Reading hat die Pflege der National Fruit Collection übernommen.

Was findet man hier nun alles auf der Brogdale Farm? Da gibt es über 2000 verschiedene Apfelsorten, 500 Birnenarten und 350 Pflaumenvarianten. Kirschsorten werden auf der Farm vorrätig gehalten, deren Namen wahrscheinlich die meisten noch nie gehört haben wie Knight’s Early Black, Smoky Dun oder Malling Black Eagle. Insgesamt sollen mehr als 4000 verschiedene Obstbaumsorten angebaut worden sein. Jeweils zwei Exemplare werden vorrätig gehalten, falls mal einer stirbt.

Inmitten der Obstbaumplantagen steht der World Music Garden, in dem Musikinstrumente aus Afrika, Asien und Südamerika wie Röhrengongs und Holztrommeln aufgestellt sind, an denen sich die Besucher versuchen können und die keine musikalische Vorbildung erfordern. Gedacht ist dieser Musikgarten in erster Linie für Kinder, die die Geräusche des Gartens durch die Vibrationen der Instrumente erleben können.

An bestimmten Tagen werden einige Bereiche der Plantagen freigegeben und dann kann man sich das Obst selbst pflücken. Von April bis Oktober werden täglich geführte Touren angeboten, aber jeder Besucher kann sich die Plantagen auch auf eigene Faust ansehen. The National Fruit Collection ist ganzjährig geöffnet.

Brogdale Farm
Brogdale Road
Faversham
Kent ME13 8XZ

Kirschblüten auf der Brogdale Farm.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Die Zwetschgen sind reif.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. November 2022 at 02:00  Comments (1)  

The  Independent Bookseller of the Year Award 2022 – The Bookery in Crediton (Devon)

Creditons High Street.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

£5000 erhält der jeweilige Preisträger des jährlich vergebenen Independent Bookseller of the Year Awards, und diese Buchhandlungen können dieses Preisgeld sehr gut brauchen, müssen sie sich doch gegen die großen Ketten und durch die Konkurrenz aus dem Internet durchsetzen.

Der Gewinner des Jahres 2022 ist The Bookery in der Kleinstadt Crediton, zwölf Kilometer nordwestlich von Exeter, in der Grafschaft Devon. Das Geschäft in der High Street, zwischen einem Charity Shop und einem Burgerladen gelegen, macht durch einen Schriftzug über dem Schaufenster darauf aufmerksam, dass es seit 2013 „Community owned“ ist, das heißt, die Buchhandlung hat mehr als 300 Anteilseigner und ist ein “ not-for-profit independent bookshop„, der durch die Arbeit von vielen Ehrenamtlichen unterstützt wird.
Was hier in The Bookery gemacht wird, geht weit über das hinaus, was eine Buchhandlung im Allgemeinen leistet. Man geht in die Schulen in der näheren Umgebung, um hier den Schülern, die durch körperliche Behinderungen keine Buchhandlung oder Bibliothek aufsuchen können, Bücher direkt vor Ort zu bringen. Man geht in die Pflegeheime und liest dort den alten Menschen am Bett vor. Man spendet Geld für die örtliche Lebensmitteltafel. Es werden Veranstaltungen und Lesungen mit Autoren organisiert.

The Bookery geht gern die „Extra-Meile“, um einen perfekten Service zu bieten, so werden auf Wunsch bestellte Bücher auch ins Haus geliefert. Die Buchhandlung ist zu einem festen Bestandteil des Gemeinwesens von Crediton geworden und hat die diesjährige Auszeichnung wirklich verdient.

Zusätzlich hat sie in diesem Jahr auch noch den British Book Award for Children’s Bookseller of the Year erhalten, der vom Verlag Macmillan Children’s Books vergeben wird.

The Bookery
21 High Street
Crediton
EX17 3AH

Published in: on 29. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

„Ripping Yarns“ – Eine Comedyserie der BBC aus den 1970er Jahren

Als „Monty Python’s Flying Circus“ nach 45 Episoden 1974 zu Ende ging, überlegten sich die Darsteller, welche neuen Projekte sie jeweils einzeln in Angriff nehmen wollten. Während John Cleese mit „Fawlty Towers“ große Erfolge feierte, erdachten sich Michael Palin und Terry Jones die Comedyserie „Ripping Yarns„, von der sie in den Jahren 1976-1979 neun Episoden produzierten. „Ripping Yarns“ bedeutet etwa soviel wie „Aufregende Geschichten“; im deutschen Fernsehen wurde die BBC-Serie nie gezeigt, vielleicht weil der britische Humor in deutscher Synchronisation nicht so richtig über kommt. „Ripping Yarns“ wurde nicht so populär wie „Fawlty Towers“, hatte aber auch einen gewissen Reiz.

Nehmen wir einmal als Beispiel die zweite Folge „The Testing of Eric Olthwaite„, die in der Moorlandschaft von West Yorkshire spielt (aber in der Grafschaft Durham gedreht wurde). Da verkörpert Michael Palin einen geistig etwas zurückgebliebenen jungen Mann, der bei seinen Eltern wohnt, die ihn nicht ausstehen können und über Nacht das Haus verlassen, seine Schwester Irene inklusive. Auch mit Erics Freundin Enid, bei der er sich ausweinen möchte, klappt es nicht. Deren Vater ist Geierzüchter, auch eine skurrile Gestalt. Eric bewirbt sich bei einer Bank, deren Manager, der auch von Michael Palin gespielt wird, ihn nicht haben will, weil er zu langweilig ist. Die Bank wird überfallen und Eric als Geisel mitgenommen. Gerade will ihn der Räuber erschießen, da entdecken beide ihre gemeinsame Vorlieben für Blutwurst, Schaufeln und Niederschlagsmuster in Yorkshire. Beide entschließen sich, eine Bande zu bilden; aus dem langweiligen Eric Olthwaite ist plötzlich ein Mann geworden, der Aufsehen erregt. Die Episode endet damit, dass er Bürgermeister seines Heimatortes Denley Moor wird.

Wer an dieser Art britischem Humor gefallen findet, wird „Ripping Yarns“ mögen. Die komplette Serie liegt als DVD vor.

Published in: on 28. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Filmschauspieler Cary Grant (1904-1986) und seine Beziehung zu Bristol

Cary Grants Statue im Millennium Square.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Bis vor kurzem hielt ich den Hollywood-Schauspieler Cary Grant immer für einen Amerikaner, ähnelte er in seiner Erscheinung doch vielen anderen amerikanischen Schauspielerkollegen. Aber Archibald Alec Leach, so sein richtiger Name, war Engländer, der am 18. Januar 1904 in Bristol geboren wurde, einer Stadt, zu der er zeitlebens ein enges Verhältnis pflegte. Bristol dankte es ihm, indem alle zwei Jahre das Cary Grant Comes Home Festival veranstaltet wird, zuletzt gerade vom 18. bis zum 20. November. Eröffnet wurde das Festival mit dem Film „The Bishop’s Wife“ aus dem Jahr 1947 in Bristols St Mary Redcliffe Church. Neben der Aufführung von weiteren Spielfilmen mit dem Sohn der Stadt gab es auch eine „Walking Tour of Cary Grant’s Bristol“.

Geboren wurde Archibald beziehungsweise Cary in der Hughenden Road Nummer 15 im Ortsteil Horfield, einem kleinen schmalen Reihenhaus, das heute mit einer blauen Plakette verziert ist. Zur Schule ging er zuerst in die Bishop Road Primary School im Ortsteil Bishopston. Im Alter von elf Jahren wechselte er in die Fairfield Grammar School im Ortsteil Montpelier.
Die Initialzündung für den Start seiner späteren Karriere war ein Job als Laufbursche, den er im Bristol Hippodrome angenommen hatte. In dieser Veranstaltungsstätte in der St Augustine’s Parade im Zentrum der Stadt wurden, und werden noch heute, Theaterstücke aufgeführt. Dort traf Archibald/Cary auf eine Theatertruppe, der er sich anschloss, und als diese 1920 eine Tournee in die USA machte, nahm er daran teil und blieb dort, während die anderen wieder zurück nach Hause fuhren. Cary Grants erster Hollywoodfilm war „This is the Night“ im Jahr 1932; nach „She Done Him Wrong“ ein Jahr später nahm seine Karriere an Fahrt auf.

Cary Grant kam immer wieder gern nach Bristol zurück, auch um seine Mutter zu besuchen, der er ein Haus in Westbury Park gekauft hatte. Gern wohnte er im  Avon Gorge Hotel nahe der Clifton Suspension Bridge. Im Dezember 2001 errichtete man ihm eine Statue im Millennium Square, die von seiner Witwe Barbara Jaynes enthüllt wurde.

Cary Grant starb am 29. November 1986 in Davenport im US-Bundesstaat Iowa im Alter von 82 Jahren. Seine Asche wurde wunschgemäß im Pazifik verstreut, es gab keine Beerdigungsfeier und es gibt kein Grab, ganz so wie es der Schauspieler wollte.

Das Buch zum Artikel:
Mark Glancy: Cary Grant – The Making of a Hollywood Legend. Oxford University Press 2020. 550 Seiten. ISBN  978-0190053130.

Die Bishop Road Primary School.
Photo © Linda Bailey (cc-by-sa/2.0)

Die Fairfield Grammar School.
Photo © Sharon Loxton (cc-by-sa/2.0)

Das Bristol Hippodrome.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. November 2022 at 02:00  Comments (3)  

The StarDisc bei Wirksworth (Derbyshire) – Stonehenge 2.0

Photo © David Hallam-Jones (cc-by-sa/2.0)

Wirksworth ist eine Kleinstadt im Peak District in der Grafschaft Derbyshire, früher einmal reich geworden durch ihre Bleiminen, Steinbrüche und Textilindustrie. Der Schriftsteller D.H. Lawrence lebte und arbeitete eine Zeit lang hier und die Schriftstellerin George Eliot soll die Textilfabrik Haarlem Mill (heute Veranstaltungsort für Hochzeitfeiern) als Vorbild für ihre Dorlcote Mill im Roman „The Mill on the Floss“ (dt. „Die Mühle am Floss“) genommen haben.

Oberhalb des Ortes gibt es eine kleine Attraktion, The StarDisc, die ein wenig an ein Stonehenge des 21. Jahrhunderts erinnert. Es handelt sich dabei um eine runde, schwarze Granitplatte mit 12 Metern Durchmesser, in die die Sternenkarte der nördlichen Hemisphäre eingeritzt ist. Wer hier oben nachts steht, kann anhand dieser steinernen Karte erkennen, um welche Sterne und Sternbilder es sich am Nachthimmel handelt. Die StarDisc ist nachts illuminiert. Am 10. September 2011 wurde dieses Kunstwerk „in Betrieb genommen“. Es stammt aus der Hand des Künstlers und Schriftstellers Aidan Shingler, der sich selbst als Realitätstester beschreibt. Seine Erfahrungen mit Schizophrenie und psychiatrischen Kliniken flossen immer wieder in sein künstlerisches Schaffen ein, das zum Beispiel in der Glasgow Gallery of Modern Art zu sehen ist.

Die Eröffnung der StarDisc an jenem Abend im September 2011 wurde von zwei prominenten Astronomen vorgenommen, die man aus der BBC-Sendung „The Sky at Night“ (siehe hierzu meinen Blogeintrag) kennt: Sir Patrick Moore und Peter Lawrence. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch eine Freiluft-Aufführung von Steven Spielbergs Film „Close Encounters of the Third Kind“ (dt. „Unheimliche Begegnung der dritten Art“).

The StarDisc liegt im nordwestlichen Teil von Wirksworth im Stoney Wood, einem neu angepflanzten Waldgebiet, das früher einmal Teil eines Steinbruchs war.
Hier ist ein Film über die StarDisc.

Photo: Community Spaces Fund.
Creative Commons 2.0

Published in: on 26. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – James Anthony: The Slow Road to Deadhorse

Foto meines Exemplares.

In meinem heutigen Buchtipp geht es wieder einmal um eine Reise quer durch die Vereinigten Staaten, geschrieben von einem Engländer (siehe dazu auch diesen kürzlichen Blogeintrag).
James Anthony war ein Unternehmer, der sich in den USA angesiedelt hatte und vor dort aus seine Geschäfte machte. Nach einem Burnout verkaufte er sein Unternehmen und erfüllte sich einen Traum: Einmal mit dem Auto quer durch die USA fahren, von Key West in Florida im äußersten Südosten bis nach Deadhorse, einem kleinen Ort am Arktischen Ozean in Alaska, eine Strecke von 5507 Meilen beziehungsweise 8862 Kilometern. Was er da alles erlebt hat, beschreibt er in seinem Buch „The Slow Road to Deadhorse: An Englishman’s Discoveries and Reflections on the Backroads of North America„.

James Anthony lässt die großen Interstates links liegen und bewegt sich mit seinem Ford Escape nur auf Landstraßen, geleitet von seinem Navigationssystem. Übernachtet wird manchmal in luxuriöseren Hotels, manchmal in Hotels, die ihren Namen eigentlich nicht tragen dürften wie dem White Bear Hotel in Saskatchewan in Kanada. Auf der gesamten Strecke trifft er nur auf freundliche und nette Leute. Er ist begeistert von der nordamerikanischen Landschaft, ein Höhepunkt für ihn war der einsame Alaska Highway, wo er von der Tierwelt, sprich Bären und Elchen, fasziniert, aber auch darauf bedacht ist, ihnen nicht zu nahe zu kommen.

Ich habe es sehr genossen, das Buch zu lesen, mich von der Atmosphäre der unendlichen Weite gefangen nehmen zu lassen und so manches neues über die USA und Kanada zu erfahren.

James Anthony: The Slow Road to Deadhorse: An Englishman’s Discoveries and Reflections on the Backroads of North America. Redbrick Books 2021. 249 Seiten. ISBN 978-1-9149270-8-9.

Startpunkt der Reise: Key West in Florida.
Photo: gabe popa.
Creative Commons 2.0

Und das Ziel: Deadhorse in Alaska.
Photo: travfotos.
Creative Commons 2.0

Published in: on 25. November 2022 at 02:00  Comments (5)  

The Cambridge Central Mosque – Europas umweltfreundlichste Moschee

Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Am 24. April 2019 wurde die Cambridge Central Mosque an der Mill Road in der Universitätsstadt eröffnet. Das Londoner Architektenbüro Marks Barfield hat mit der Moschee ein Gebäude geschaffen, das mit mehreren Auszeichnungen versehen worden ist. Es erhielt unter anderem den RIBA East Award 2021 und wurde zum RIBA East Building of the Year 2021 gekürt. Marks Barfield hatte zum Beispiel auch das London Eye und den Brighton i360 Tower konzipiert.

Das Besondere an dem Neubau ist, dass er konsequent auf Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit ausgerichtet worden ist. Das Baumaterial besteht überwiegend aus Holz, kohlenstoffarmer Beton und natürliche Dämmstoffe wurden verwendet, sowie das Cradle to Cradle Prinzip angewandt. Letzteres stellt Materialgesundheit, Kreislauffähigkeit und Erneuerbare Energien in den Mittelpunkt des Bauens.

Die Moschee ist so konzipiert, dass ihr Wasserverbrauch sehr gering ist und dass durch die großen Dachfenster und den konsequenten Einsatz von LED-Lampen der Stromverbrauch reduziert wird. Solaranlagen sind auf dem Dach installiert, Wärmepumpen im Keller, Regenwasser wird gesammelt, um damit die Toilettenspülung zu betreiben und den Garten zu bewässern. Autos sind in eine Tiefgarage verbannt, so dass mehr Fläche für die Moschee selbst und für den Garten zur Verfügung steht, dafür wird viel Platz für Fahrräder angeboten.

Europas umweltfreundlichste Moschee hat Platz für tausend Gläubige, bietet Veranstaltungsräume für die muslimische Gemeinschaft Cambridges an, aber auch nicht-muslimische Gemeinschaften sind eingeladen, sich hier zu treffen. Wer sich für das Gebäude näher interessiert, der kann an geführten Touren teilnehmen, die immer am Samstagvormittag stattfinden.
Hier ist ein Film über die Moschee.

Cambridge Central Mosque
313 Mill Road
Cambridge CB1 3DF

Photo: cmglee.
Creative Commons 4.0

Photo: Alarichall.
Creative Commons 4.0

Published in: on 24. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

George Vancouver (1757-1798) – Ein britischer Entdecker aus King’s Lynn (Norfolk) und seine Statuen in Kanada und England

Die Kuppel des Parlamantsgebäudes in Vancouver in Kanada.
Photo: Ryan Bushby.
Creative Commons 2.5

Vancouver ist ist eine kanadische Stadt an der Pazifikküste, Hauptstadt der Provinz British Columbia, mit einer einzigartigen Lage. Benannt wurde sie, wie auch Vancouver im US-Bundesstaat Washington und die vorgelagerte Vancouver Island, nach einem Mann aus East Anglia, George Vancouver, der von 1757 bis 1798 lebte. Geehrt wird er in der kanadischen Stadt mit einer lebensgroßen, goldenen Statue auf der Kuppel der British Columbia Parliament Buildings und mit einer weiteren Statue vor der Vancouver City Hall; letztere zeigt ihn mit einer Schriftrolle in der einen Hand, während die andere in Richtung Hafen weist. Bildhauer war der aus Italien stammende Charles Marega (1871-1939). Die goldene Statue auf der Kuppel des Parlamentsgebäudes schuf der Wiener Albert Franz Cizek.

Natürlich gedenkt auch George Vancouvers Geburtsort King’s Lynn in Norfolk mit einer Bronzestatue an seinen großen Sohn, geschaffen von der Bildhauerin Penelope Reeve, enthüllt im Jahr 2000. Der Standort ist der Purfleet Quay. George Vancouver steht auf einer Plinthe, die aus Stein von der kanadischen Westküste angefertigt worden ist; in der einen Hand hält er, wie auch sein Gegenstück in Kanada, eine Schriftrolle in der Hand, während die andere Hand ein Teleskop hält. Die in die Plinthe eingelassene Tafel weist unter anderem darauf hin, dass Vancouver zwischen 1791 und 1795 Tausende von Meilen der pazifischen Küste zwischen San Diego in Kalifornien und Anchorage in Alaska vermessen hat.

Gestorben ist George Vancouver am 10. Mai 1798 in Petersham (Greater London), wo auch sein Grab auf dem Kirchhof der St Peter’s Church zu finden ist, um dessen Pflege sich auch die City of Vancouver kümmert.

Statue vor der Vancouver City Hall.
Photo: Zhatt.
This photo is in the public domain.

Am Purfleet Quay in King’s Lynn (Norfolk).
Photo © Neil Theasby (cc-by-sa/2.0)

George Vancouvers Grab in Petersham (Greater London).
Photo © Mark Percy (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. November 2022 at 02:00  Comments (1)  

Mein DVD-Tipp – Detective Grace Staffel 1

Copyright: EDEL MOTION

Am 13. November startete das ZDF eine neue britische TV-Krimiserie mit dem Titel „Detective Grace„, deren erste Staffel aus zwei Teilen besteht „Stirb ewig“ und „Stirb schön„, schon am 25. November gibt es sie auf DVD bei EDEL MOTION. In Großbritannien wurde schon im Mai die zweite Staffel gesendet, Staffel drei ist für 2023 geplant.

„Detective Grace“ basiert auf den Kriminalromanen von Peter James, den ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt habe. Im Mittelpunkt vieler seiner sehr erfolgreichen Krimis steht Detective Superintendent Roy Grace aus Brighton in East Sussex. In der TV-Serie wird er von dem englischen Schauspieler John Simm verkörpert, der diese Rolle hervorragend spielt. Roy Grace leidet immer noch unter dem plötzlichen Verschwinden seiner Frau vor fünf Jahren. Durch seine manchmal unkonventionellen Methoden bei der Aufklärung von Verbrechen eckt er immer wieder bei seinen Vorgesetzten an, so hat er beispielsweise einmal im Zuge seiner Ermittlungen einen Hellseher eingeschaltet, wodurch er große Probleme bekommen hat. In den beiden Episoden geht es manchmal ziemlich brutal zu (in der ZDF-Mediathek ist die Serie nur zwischen 22 Uhr und 6 Uhr zu sehen). An der Seite von Roy Grace steht sein zuverlässiger Freund Detective Sergeant Glenn Branson, gespielt von Richie Campbell. Auf die anderen Mitglieder seines Teams kann sich der Detective Superintendent verlassen.

In „Stirb ewig“ (im Original „Dead Simple“) geht es um eine Junggesellenparty, die tragisch endet. Der Bräutigam verschwindet spurlos, die Braut ist verzweifelt. In „Stirb schön“ (im Original „Looking Good Dead“) sind äußerst brutale Verbrecher in der „Snuff-Filmszene“ unterwegs, die ihre grausamen Filme weltweit vertreiben. Vor allem diese Episode ist sehr spannend und geht richtig unter die Haut.

Die Kulisse dieser TV-Serie bildet die Stadt Brighton, die immer wieder mit in die Handlung einbezogen wird; großartige Luftaufnahmen tragen dazu bei, die berühmte Palace Pier und die verfallene West Pier sind häufig zu sehen.

„Detective Grace“ ist nichts für Zartbesaitete und die FSK 16-Freigabe ist sicher berechtigt. Hier ist der Trailer zur Serie.

Peter James hat einen großen Teil seines Lebens in und in der Nähe von Brighton verbracht, kennt sich also in der Stadt an der englischen Südküste gut aus.

Hauptdarsteller John Simm war schon in vielen TV-Serien, Spielfilmen und auf der Bühne zu sehen. Auch in zwei Musikvideos wirkte er mit: In „God has taken a vacation“ von The Leisure Society und in „Some better day“ von I Am Kloot (sehr beeindruckend!!).

In der TV-Serie häufig zu sehen: Die Brighton Palace Pier.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. November 2022 at 02:00  Comments (5)  

Die Energiekrise in Großbritannien und das fortschreitende Pubsterben

The Red White And Blue in Featherstone (Staffordshire) wurde in diesem Jahr geschlossen.
Photo © Christopher Hilton (cc-by-sa/2.0)

Die Energiekrise hat Großbritannien fest im Griff. Menschen mit niedrigem Einkommen wissen nicht mehr wie sie ihre Strom- und Gasrechnungen bezahlen sollen. Immer mehr müssen die Tafeln aufsuchen, wo sie Unterstützung bei der Essensbeschaffung erhalten. Woran kann diese Personengruppe noch sparen? Am Pubbesuch zum Beispiel.

Nachdem die Coronakrise und die damit verbundenen Lockdowns das sowieso schon alarmierende Pubsterben beschleunigt hatte, schlittern die Pubs nun in die nächste, wohl noch größere Krise. Die Energiekosten sind explodiert; wie soll man die auffangen? Erhöht man die Preise für Getränke und Essen kommen noch weniger Leute in die Pubs, also bleiben nur wenige Optionen: Reduzierung der Öffnungsstunden, Reduzierung der Öffnungstage, Personalentlassungen oder, als letzte Lösung, die komplette Schließung des Pubs.

Düstere Schlagzeilen sorgen für Entsetzen; da ist die Rede davon, dass 70% der britischen Pubs den Winter nicht überstehen werden, wenn keine finanzielle Unterstützung von Seiten der Regierung kommt. Schon im vorigen Jahren haben mehr als 400 Pubs ihre Pforten für immer geschlossen. Etwa 80% aller Pubbetreiber sagen, dass sie die hohen Energiekosten ohne Hilfe nicht mehr schultern können. Dazu kommt die hohe Inflation, die zur Zeit über 10% liegt.

Kurzfristig liegt die Hoffnung bei einigen Pubs auf dem Weihnachtsgeschäft und auf der Fußball-WM in Katar, die möglicherwiese vermehrt Leute in die Gaststuben zieht.

Hier ist ein Film über die Energiekrise der Pubs.

Published in: on 21. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

„The Last Bus“ oder „Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr“ – Ein Spielfilm über eine ungewöhnliche Reise von John O’Groats nach Land’s End

Hier in John O’Groats beginnt Tom Harpers Reise mit der Asche seiner verstorbenen Frau…
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Der deutsche Titel des 2021 veröffentlichten Spielfilms „Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr“ ist gegenüber dem Originaltitel „The Last Bus“ sehr viel sperriger und orientiert sich wohl an dem Hugh Grant-Film aus dem Jahr 1995 „Der Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam“. „The Last Bus“ sagt mit drei Worten mehr aus als die vierzehn Wörter des deutschen Filmtitels.

Tom Harper, ein 90jähriger, gebrechlicher und kranker Mann hat gerade seine Frau Mary verloren. Mit einem kleinen Koffer, in dem sich Wäsche zum Wechseln und eine Blechschachtel mit Marys Asche befindet, macht sich Tom vom äußersten Nordzipfel des britischen Festlands, John O’Groats, dem letzten Wohnsitz des Paares, auf den Weg nach Cornwall, wo sich Tom und Mary kennengelernt haben und wo sie früher lebten, um dort Marys Asche dem Meer zu übergeben. Für diese Reise benutzt der alte Mann nur Linienbusse, die er mit seinem Seniorenticket kostenlos nutzen kann. Er trifft auf nette freundliche Menschen, die ihm helfen, leider aber auch auf einige bösartige Zeitgenossen wie einen Rassisten und eine Busschaffner, der ihn aus einem Bus verweist. Der Film ist versetzt mit Rückblenden, die Tom und Mary als junges Paar zeigen, das ihr Kind schon ganz früh verliert. In Cornwall legt Tom einen kleinen Blumenstrauß an seinem Grab nieder.

Die Hauptrolle des 90jährigen Tom Harper spielt der erst 65jährige Timothy Spall, der schon in Dutzenden von Spielfilmen und TV-Serien zu sehen war (zuletzt in der Rolle des Major Alistar Gregory in „Spencer„). Seine Frau Mary verkörpert Phyllis Logan, vielen noch als Mrs Hughes in „Downton Abbey“ bekannt. Den jungen Tom spielt Ben Ewing, ein bisher noch nicht besonders in Erscheinung getretener Schauspieler, die junge Mary ist Natalie Mitson, ihre erste Rolle in einem Spielfilm.
Regisseur des Films ist der Schotte Gillies MacKinnon (zuletzt „Torvill and Dean“), den Soundtrack schrieb Nick Lloyd Webber, Sohn des berühmten Andrew Lloyd Webber.

Hier ist der Trailer des sehr bewegenden Films zu sehen. Die DVD ist seit dem 18. November in Deutschland auf dem Markt. Streaming möglich über Amazon Prime.

Über eine Reise von Land’s End nach John O’Groats in Linienbussen schreibt Mark Mason in seinem Buch „Move Along, Please: Land’s End to John O’Groats by Local Bus„.

…und hier in Land’s End geht sie zu Ende.
Photo © chestertouristcom (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 20. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Haunted Knowlton Church – Eine Kirchenruine in Dorset, in der es spuken soll

Photo © david coombes (cc-by-sa/2.0

Einsam, auf einer hügeligen Weise am Lumber Lane, der von der B3078 im ländlichen Dorset abzweigt, steht die Ruine der Knowlton Church. Die kleinen Hügel um die Kirche herum sind die Knowlton Circles, Grabhügel aus der Steinzeit und Bronzezeit. Die Kirche, die im 12. Jahrhundert erbaut worden ist, diente den Bewohner des Dorfes Knowlton, etwa 500 Meter weiter gelegen, als Andachtsstätte, doch als Ende des 15. Jahrhunderts die Beulenpest auch diesen Ort erreichte und fast alle Menschen hier starben, wurde sie kaum noch benötigt. Trotzdem suchten immer noch einige Gläubige Knowlton Church auf, bis das Dach im 18. Jahrhundert einstürzte, und das war dann auch das Ende der Kirche. Was heute von ihr übriggeblieben ist, sieht bei Tage romantisch aus, des Nachts dagegen ist es aber ziemlich unheimlich in den Ruinen.

Geisterjäger wollen gruselige Dinge erlebt haben; da ist die Rede von einem Reiter, der nachts auf seinem Pferd quer über die Grabhügel reitet, eine Nonne ist gesichtet worden, die in den Ruinen betet, geisterhafte Stimmen wurden vernommen, eine große, ganz in Schwarz gekleidete Gestalt tauchte wie aus dem Nichts auf und verschwand wieder auf die gleiche Weise, und eine nicht-existente Glocke läutete. Dieser Film zeigt die unheimliche, nächtliche Atmosphäre in den Ruinen der Knowlton Church.

Die beiden Eiben auf dem Gelände sind oft geschmückt mit farbigen Bändern, die an die Toten erinnern sollen, kleine Opfergaben finden sich ebenfalls. Knowlton Church und die Knowlton Circles sind schon sehr magische Orte. In diesem Film sind sie bei Tage zu sehen.

Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. November 2022 at 02:00  Comments (2)  

The Ceremony of the Keys im Londoner Tower

Photo: Serendigity.
This photo is in the public domain.

Sentry: Halt! Who comes there?
Chief Warder: The keys.
Sentry: Whose keys?
Chief Warder: King Charles’s keys
Sentry: Pass King Charles’s keys. All’s well
.

Exakt diese Worte werden seit mehreren hundert Jahren allabendlich anlässlich der Schlüsselzeremonie (Ceremony of the Keys) im Londoner Tower gewechselt. Genau um 7 Minuten vor 22 Uhr verlässt der „Chief Warder“ (der Leiter der historischen Wächtertruppe der Beefeater) mit einer Laterne in der einen und den Tower-Schlüsseln (The King’s Keys) in der anderen Hand, den Byward Tower und begibt sich feierlichen Schrittes entlang der Water Lane zum Traitor’s Gate (Verrätertor), wo ihn eine Eskorte regulärer Soldaten erwartet. Nachdem alle Tore des Towers abgeschlossen sind und obiger Wortwechsel stattgefunden hat, werden die Waffen präsentiert, der Chief Warder lüftet seinen Tudor-Hut und ruft „God preserve King Charles“, worauf die Wachen antworten „Amen“.Wenn Big Ben 22 Uhr schlägt, wird die Zeremonie mit dem Zapfenstreich eines Trompeters beendet.

Wer an dieser Zeremonie teilnehmen möchte, muss das viele Wochen im voraus direkt beim Tower of London beantragen und erhält dann einen Passierschein mit dem man einen nächtlichen Zugang zu dem alten Gemäuer an der Themse erhält.

Hier kann man sich die Ceremony of the Keys einmal ansehen, allerdings noch zu Zeiten von Queen Elizabeth.

Published in: on 18. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Master Ropemakers im Chatham Dockyard in Kent – Hersteller von Seilen aller Art

Die viktorianische Produktionshalle.
Photo © Dave Bevis (cc-by-sa/2.0)

Über das Thema „Seilherstellung“ habe ich in meinem Blog bereits zweimal geschrieben. Einmal über Bridport, die Stadt der Seile und Netze und einmal über die Londoner Firma John Edgington, die sich auf Henkerseile spezialisiert hatte und die nicht mehr existent ist.

Heute möchte ich die Firma Master Ropemakers vorstellen, die in den Chatham Dockyards in Kent ansässig ist. Hier in den Dockanlagen werden schon seit über 400 Jahren Seile in allen Längen und Stärken produziert. Die heutige Ropery stellt die Seile in einem riesigen viktorianischen Gebäude her, das über 330 Meter lang ist, so viel Platz wird für die Fertigung langer Seile benötigt.

Eine wichtige Rolle bei der Seilherstellung spielten im 19. Jahrhundert die Frauen…weil sie billige Arbeitskräfte waren. Zuerst stellte man Witwen und die Töchter der männlichen Arbeiter ein, später kamen „normale“ Arbeiterinnen hinzu. Als in den 1860er Jahren Maschinen eingesetzt wurden, nahm die Zahl der männlichen Arbeitskräfte dramatisch ab, die Frauen kümmerten sich um die Instandhaltung der neuen Maschinen, von denen heute noch mehrere im Einsatz sind.

Master Ropemakers stellt Seile aus natürlichen und synthetischen Materialien für alle möglichen Zwecke her; zum Beispiel für Kinderschaukeln, Spielplätze, Strickleitern, Treppengeländer, Absperrungen und natürlich auch für Schiffe.

Es gibt geführte Touren durch die Victorian Ropery, ein Museum of Knots & Sailor’s Ropework und einen Gift Shop, in dem man Geschenke aus Seilen und Stricken kaufen kann.

Dieser Film zeigt einen Rundgang durch die Produktionshalle.

Master Ropemakers
The Historic Dockyard
Chatham
Kent
ME4 4TG

Photo © Ian Taylor (cc-by-sa/2.0)

Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. November 2022 at 02:00  Comments (2)  

The De La Warr Pavilion in Bexhill-on-Sea in East Sussex

Photo © David M Clark (cc-by-sa/2.0)

Nur wenige Kilometer von Hastings entfernt, wo wir uns gestern in meinem Blog aufgehalten haben, liegt der Badeort Bexhill-on-Sea (East Sussex), dessen berühmtestes Bauwerk, der De La Warr Pavilion direkt am Strand liegt. Es ist ein weit über die Grenzen der Grafschaft hinaus bekanntestes Kulturzentrum, in dem ständig wechselnde Kunstausstellungen stattfinden; auch Musik und Comedy ist hier zuhause.

Das außergewöhnlich gestaltete Bauwerk wurde nach dem 9. Earl de la Warr (1900-1976) benannt, der mit vollem Namen Herbrand Edward Dundonald Brassey Sackville hieß. Man entschloss sich, die kürzere Namensform für das Gebäude zu wählen…

Der Earl war von 1932 bis 1934 Bürgermeister von Bexhill-on-Sea und die treibende Kraft für die Errichtung des Kulturzentrums, das erstmals 1935 sein Pforten öffnete. £80 000 hatten die beiden Architekten zur Verfügung, es waren ein Deutscher, Erich Mendelsohn, und ein russisch-stämmiger Brite, Serge Ivan Chermayeff.

In den Jahren 2004/2005 erfuhr der De La Warr Pavilion eine komplette Runderneuerung und konnte am 15. Oktober 2005 wieder neu eröffnet werden.

Das zweifellos imposante Gebäude, das sicher nicht jeder schön findet, bietet Platz für rund 1500 Personen. Der eine Zeit lang in Bexhill-on-Sea ansässige Schauspieler und Comedian Spike Milligan machte sich einmal über den Pavilion lustig, indem er schrieb, das Gebäude hätte nicht den geringsten architektonischen Wert. Und als es im Zweiten Weltkrieg durch einen Bombenabwurf Schaden erlitt, meinte der Comedian, das Flugzeug sei vom Royal Institute of Architects gechartert worden, am Steuer hätte der berühmte Architekt Sir Hugh Casson gesessen und für den Abwurf der Bombe hätte der nicht minder berühmte Sir John Betjeman gesorgt.

Noch einige Worte zu dem Namensgeber. Der 9. Earl De La Warr war nicht nur Bürgermeister von Bexhill-on-Sea, sondern auch ein hochrangiger Politiker, der in den folgenden Jahrzehnten mehrere Ministerposten inne hatte.

Noch eine Anmerkung am Rande: Während der Olympischen Spiele 2012 in London erregte eine Kunstinstallation auf dem Dach des Pavilions Aufsehen; dort wurde ein Bus platziert, der weit über das Dach hinausragte. Die Installation nannte sich „Hang On A Minute Lads, I’ve Got A Great Idea“ und bezog sich auf den letzten Satz, den Michael Caine in dem FilmThe Italian Job“ (dt. „Charlie staubt Millionen ab“) sprach, und in dem ein Bus in genau so einer Position über dem Abgrund stand.

Die Rückseite des Gebäudes.
Photo © John P Reeves (cc-by-sa/2.0)

Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

Die Kunstinstallaton „Hang On A Minute Lads, I’ve Got A Great Idea“ auf dem Dach des Pavilions.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Biddy the Tubman (1879-1964) – Ein Original in Hastings (East Sussex)

Die West Street in der englischen Küstenstadt Hastings (East Sussex) an der englischen Südküste ist eine sehr enge Straße mit ziemlich nichtssagenden Häusern. Am Haus mit der Nummer 12 prangt seit dem 11. August 2019 eine blaue Plakette, die darauf hinweist, dass hier am 17. November 1878 Alfred Mills Stonham geboren wurde. Unterhalb der Lebensdaten des Mannes, „1878-1964“, steht zu lesen „Biddy the Tubman“ und darunter ist die Abbildung eines Halbfasses und eines Ruders zu sehen. Wer war nun dieser Alfred Mills Stonham und was hat es mit dem halben Fass auf sich?

Mr Stonham hatte zeitlebens mit dem Meer zu tun. Er war Fischer und Seenotretter und hatte viele Menschen vor dem Ertrinken gerettet, wofür er mit einer Medaille der britischen Lebensrettungsgesellschaft RNLI ausgezeichnet wurde, die ihm im Buckingham Palace König Edward VII überreichte. Bei der Evakuierung alliierter Soldaten in Dünkirchen im Zweiten Weltkrieg war er ebenfalls dabei und sorgte mit dafür, dass die Männer sicher über den Ärmelkanal nach England zurückgebracht wurden.

Aber eigentlich war Alfred Mills Stonham in seiner Heimatstadt Hastings besser unter dem Namen Biddy the Tubman bekannt, weil er am Strand gern einige Kunststückchen mit einem Halbfass zur Freude der Zuschauer vorführte. Er machte darin einen Kopfstand, drehte sich mit Hilfe eines Ruders so lange im Kreis, bis er ins Wasser fiel und Ähnliches mehr. Originale dieser Art sind immer wieder beliebt.

Nach ihm wurde auch ein Pub in der Cambridge Road in Hastings benannt, The Tubman, der durch seine abenteuerliche Bemalung Aufsehen erregte und in der Goth-Szene beliebt war; ihn gibt es aber seit 2013 nicht mehr.

Die West Street in Hastings.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Der ehemalige Pub The Tubman in der Cambridge Road von Hastings.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Baggins Book Bazaar in Rochester (Kent) – Englands größte Buchhandlung für gebrauchte Bücher

Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)

Man findet sie in der High Street von Rochester in Kent, neben dem Pizza Express, Englands größte Buchhandlung für Second Hand Books, Baggins Book Bazaar. Es muss ja nicht immer alles in London sein, so freut sich die Charles Dickens-Stadt Rochester über diese Besonderheit. Ich mag die High Street dieser Stadt am River Medway, mit ihren alten Häusern, Hotels und Pubs.

Paul Minet, ehemaliger Präsident der Antiquarian Booksellers Association, gründete BBB im Jahr 1986. Antiquarische Bücher standen im Zentrum seines Lebens (er starb am 6. Februar 2012), und er schrieb über seine Leidenschaft in seinem 1989 erschienen Buch „Late Booking : My First Twenty-Five Years in the Secondhand Book Trade„.

In Baggins Book Bazaar findet man so alles, was das Herz eines Buchliebhabers höher schlagen lässt. Kaum ein Themenbereich, der im Erdgeschoss und im ersten Stock nicht zu finden ist. Man kann sich in den Regalreihen regelrecht verlaufen, und man fragt sich manchmal, ob die Angestellten der Buchhandlung überhaupt noch den Überblick haben. Die Öffnungszeiten sind sehr großzügig: Jeden Tag von 10 Uhr bis 17.30 Uhr, auch am Wochenende.

Any visit to Rochester would be incomplete without a browse around Baggins„, so steht es auf den Webseiten der Buchhandlung zu lesen. Doch es ist nicht ganz ungefährlich, die Türschwelle von BBB zu überschreiten, denn man vergisst hier die Zeit und kommt manchmal mit sehr viel mehr Büchern wieder heraus, als man eigentlich geplant hat.
Hier ist ein Film über BBB.

Baggins Book Bazaar
19 High Street
Rochester
ME1 1PY

Published in: on 14. November 2022 at 02:00  Comments (1)  

Der Rainham Welly Garden auf dem Bahnhof von Rainham bei Gillingham in Kent

Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Bahnsteige sind oft trist und zugig, man möchte sie so schnell wie möglich wieder verlassen. Gegen diese Tristesse kann man durchaus etwas tun wie Schülerinnen und Schüler der Thames View Primary School in Rainham (Kent) gezeigt haben. Rainham ist ein Stadtteil von Gillingham und liegt an der Bahnlinie, die die Stadt mit London Victoria Station verbindet. Der Bahnhof hat drei Bahnsteige, von denen einer von den Grundschülerinnen und Grundschülern verschönert worden ist, denn sie haben dort den Rainham Welly Garden angelegt, den Garten der Gummistiefel. Es ist ein Projekt, dass die Kinder im Sommer des Jahres 2021 gestartet haben, gemeinsam mit der Ratsfrau Kirstine Carr, dem Ratsherrn Martin Potter und der Künstlerin Natasha Steer. Die Kinder haben Gummistiefel aufgehübscht, indem sie sie bemalt, Blumenerde in sie gefüllt und anschließend Pflanzen in sie getan haben. Als alles fertig war, wurden die kleinen Kunstobjekte auf Bahnsteig 2 von Rainham an einen Zaun gehängt.
Der große Tag der Enthüllung des Rainham Welly Gardens war der 7. Juli 2021, als die Bürgermeisterin des Bezirks Medway, in dem Rainham liegt, Jan Aldous, in Anwesenheit der kleinen Künstlerinnen und Künstler, den Garten eröffnete.

Hier ist ein Film über das Projekt der Thames View Primary School.

Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 13. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Norfolk Wherries – Ehemalige Frachtsegler auf dem Seengebiet der Norfolk Broads

The Albion. Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Die Norfolk Broads im Osten Englands sind ein Seengebiet, das besonders bei Freizeitkapitänen sehr beliebt ist. Hier schippern alle möglichen Boote herum, die an vielen Orten gemietet werden können, zum Beispiel bei Norfolk Broads Direct in Wroxham, einer Firma, die schnittige Motorboote im Angebot hat.
Hin und wieder trifft man auf ein eigenartig geformtes Segelschiff, ein sogenanntes Norfolk Wherry, das in früheren Jahrhunderten zur Beförderung von Passagieren und Lasten genutzt wurde. Die Wherries hatten einen geringen Tiefgang, und die Besatzung bestand meistens aus ein bis zwei Personen. Bis zu dreißig Tonnen konnten die Boote bewältigen, die meist über schwarze Segel verfügten. In den 1940er Jahren ging es den Wherries an den Kragen, denn die Fracht wurde lieber auf der Schiene und der Straße transportiert.

Acht dieser Boote sind heute noch übrig geblieben, von denen die Hälfte im Besitz des Wherry Yacht Charter Charitable Trusts ist, dem Norfolk Wherry Trust gehört eines, der Rest ist in Privatbesitz. Da ist zum Beispiel die Albion, die älteste aller Wherries, die im Oktober 1898 vom Stapel lief oder die Solace, die fünf Jahre jünger ist.

Abbildungen von Wherries findet man unter anderem auf Grabsteinen wie dem von Joseph Bexfield auf dem Friedhof von All Saints‘ in Thurlton in Norfolk oder auf Village Signs, zum Beispiel von Salhouse und Rockland St Mary, beide ebenfalls in Norfolk. Auch auf Pubschildern sind die Norfolkboote zu finden wie dem vom The Wherry Inn in Geldeston.

Dieser Film zeigt eine Wherry in den Norfolk Broads.

The Solace. Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Eine Wherry auf Joseph Bexfields Grab in Thurlton in Norfolk.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)

Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)

The Wherry Inn in Geldeston (Norfolk).
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Cape Cornwall, der National Trust und eine großzügige Schenkung

Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Nur rund sechs Kilometer von dem trubeligen Land’s End entfernt, wo die Parkplätze in der Saison immer voll sind, liegt das sehr viel stillere Cape Cornwall, landschaftlich nicht minder schön. Im 19. Jahrhundert operierte hier am Kap eine Zinnmine, die schon von weitem durch ihren 1864 erbauten Schornstein zu sehen war. Dieser Schornstein, der so ein wenig wie ein Leuchtturm ohne Leuchten aussieht, ist das letzte, was von der Cape Cornwall Mine übrig geblieben ist und wird heute The Heinz Monument genannt. Warum?
Im Jahr 1987 kaufte die weltweit durch ihre Baked Beans und Tomaten-Ketchup bekannte Firma H. J. Heinz Company das Gelände an der Atlantikküste auf und schenkte es dem National Trust, der dieses Geschenk natürlich mit Kusshand annahm. Es ist jetzt Teil der Cornish Mining World Heritage Site. Die US-Firma, die Niederlassungen auch in Großbritannien hat, wollte mit dieser großzügigen Geste an die ersten hundert Jahre erinnern, dass Produkte der Heinz Company im Königreich verkauft wurden. Bauunternehmer hatten schon ein Auge auf diese großartige Landschaft geworfen, da kam dieser Eingriff von Seiten der Firma Heinz gerade recht. Eine Steintafel am Monument erinnert an die Schenkung, die die Inschrift trägt:

Cape Cornwall Purchased For The Nation By H.J. Heinz Company Ltd To Mark Their Centenary Year Presented To The National Trust 25 March 1987„.

Hier ist ein Film über das Cape Cornwall.

Noch eine Bemerkung am Rande. Vor der Küste von Cape Cornwall liegt im Meer eine Felsenformation, The Brisons, die in der Region noch einen anderen Namen hat, nämlich „De Gaulle in der Badewanne“. Und tatsächlich, wenn man genau hinschaut, sieht man den Kopf des früheren französischen Staatspräsidenten mit seiner charakteristischen Nase und seinem Bauch aus dem Meer herausragen.

Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

The Brisons oder De Gaulle in the Bathtub.
Photo © Rich Tea (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Grizzly – Ein kräftezehrendes Wettrennen in Seaton (Devon)

Das Rennen beginnt auf The Esplanade in Seaton.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

The Grizzly ist kein Rennen für Weicheier, selbst gestandene Marathonläufer kommen da an ihre Grenzen. Es findet einmal jährlich im März in und bei Seaton an der Südküste Englands in der Grafschaft Devon statt. Veranstaltet wird der Lauf von den Axe Valley Runners, die The Grizzly einmal so beschrieben haben: „20 muddy, hilly, boggy, beachy miles of the multiest terrain running experience you will find this side of the end of time“. Das klingt doch wohl verlockend! Rund sechs bis sieben Stunden benötigen die Teilnehmer in der Regel für die Bewältigung der über 30 Kilometer langen Strecke, die im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein verläuft. Je regenreicher die Tage vor The Grizzly waren, so schwerer wird das Rennen, wenn sich die Läufer durch Morast und aufgeweichtes Terrain bewegen müssen. Auch das Laufen auf Kiesstrand ist alles andere als angenehm.

Start und Ziel sind jeweils auf The Esplanade, der Strandstraße von Seaton. Ob die Teilnehmer an den Rennen wohl ein Auge für die wunderschöne Landschaft der Jurassic Coast World Heritage Site haben?

Das erste Grizzly-Rennen wurde 1988 im benachbarten Beer ausgetragen; damals war die Strecke nur 10 Kilometer lang und die Teilnehmerzahl betrug 27. Im Lauf der Jahr, nachdem das Rennen nach Seaton verlegt worden war, wurde die Strecke immer länger und die Zahl der Läufer immer größer.

Hier sind Impressionen vom Grizzly 2022.

Die Ziellinie auf The Esplanade.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Robin Ince: Robin Ince’s Bad Book Club

Foto meines Exemplares.

Robin Inces Jagdgründe sind die britischen Charity Shops (die Stadt mit der höchste Dichte an diesen Läden ist Newcastle-upon-Tyne, gefolgt von Lincoln und Oxford), und da es davon unendlich viele auf den High Streets des Landes gibt, sind das fette Jagdgründe. Wenn er einen dieser Läden betritt, zieht es ihn automatisch in die Ecke mit den gebrauchten Büchern, die dort meistens sehr billig zu haben sind, denn Robin sammelt Bücher mit kuriosen, seltsamen und ungewöhnlichen Titeln beziehungsweise Inhalten. Und darüber hat er ein Buch geschrieben: „Robin Ince’s Bad Book Club: One Man’s Quest to Uncover the Books That Taste Forgot„.

Ob es sich um Charity Shops der British Heart Foundation, des British Red Cross, Cancer Research, Sue Ryder oder Oxfam handelt, Robin wird da oft fündig. Er hat sein Buch in elf Rubriken eingeteilt, darunter Romance, Sex, Religion, New Age und Poetry. Bei Romance gibt es da natürlich ganz viele Bücher aus dem Haus Mills&Boon, über das ich kürzlich in meinem Blog geschrieben habe. In der Rubrik Sex stellt Robin Titel vor wie „The Secrets of Picking Up Sexy Girls„, „Starlust“ und Nancy Fridays „My Secret Garden„. In der Kategorie Religion (für mich das witzigste Kapitel) hat Robin Bücher gefunden, die da heißen „What Would Jesus Eat?„, „What God Does When Women Pray?“ von Evelyn Christenson (die sich bei Gott bedankt, dass sie an Krebs erkrankt ist) und „God is For Real, Man“ von Carl Burke, in dem er die Bibel auf nur 144 Seiten in der Sprache der 1960er Jahre nacherzählt.

Robin Ince ist ein Comedian, der durch seine Fernseh- und Stand Up-Auftritte bekannt geworden ist. Sein aktuelles Buch, erst vor einem Monat erschienen, heißt „Bibliomaniac: An Obsessive’s Tour of the Bookshops of Britain„, das schon auf meinem Schreibtisch liegt und das ich demnächst vorstellen werde.

Robin Ince: Robin Ince’s Bad Book Club – One Man’s Quest to Uncover the Books That Taste Forgot. Sphere 2011. 335 Seiten. ISBN 978-0-07515-4213-4.

Published in: on 9. November 2022 at 02:00  Comments (3)  

The Catherine of Aragon Tower Suite im Thornbury Castle Hotel in Gloucestershire

Dort oben im Turm ist die Catherine of Aragon Tower Suite untergebracht.
Eigenes Foto

Über kein anderes englisches Hotel habe ich so viele Blogeinträge verfasst wie über das Thornbury Castle Hotel in der Stadt Thornbury in South Gloucestershire. Neunmal habe ich dort übernachtet, und das alte Schloss ist mir sehr ans Herz gewachsen. Es ist das einzige Tudorschloss Englands, das als Hotel geführt wird und gehört seit kurzem zu der sehr angesehen Relais & Châteaux Hotelgruppe. Nach einer sehr aufwendigen Renovierung wurde es im vorigen Jahr wieder eröffnet.

Der Star unter den „bedchamber“ genannten Zimmern und Suiten ist die 71 Quadratmeter große Catherine of Aragon Tower Suite, ganz oben im Turm der Burg, nur über eine steile Wendeltreppe zu erreichen, also nicht für Menschen mit Gehschwierigkeiten zu empfehlen. Dort oben wohnte einst der frühere Besitzer des Thornbury Castles, Maurice Taylor, Baron of Portlethen, den ich noch persönlich kennengelernt habe. Nachdem er das Hotel verkauft hatte, wurde die Turmwohnung in eine Suite umgebaut, die ich mir bei meinem letzten Besuch dort angesehen habe. Von hier oben hat man einen wunderschönen Blick bis nach Wales hinüber. Die Besonderheit der jetzt nach der Renovierung Catherine of Aragon Tower Suite genannten „bedchamber“ ist das riesige Himmelbett, das größte Hotelbett Englands, in dem locker vier Personen nächtigen können.

Eine Übernachtung in der Suite kostet als Package, also zusammen mit Frühstück, Abendessen und einer halben Flasche Champagner ab, £779 je nach Wochentag.

Heinrich VIII., dem das Thornbury Castle gehörte, soll nur einmal hier übernachtet haben, zusammen mit Anne Boleyn; die Vorgängerin, Catherine of Aragon, hat meines Wissens nie einen Fuß in die Burg gesetzt.

Thornbury Castle
Castle Street
Thornbury
Bristol BS35 1HH

Published in: on 8. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Clissold Arms – Ein Londoner Pub und eine weltberühmte Rockgruppe

Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

Frederick George Davies (1902–1975) arbeitete in einem Londoner Schlachthaus, eine Arbeit, die offenbar sehr durstig machte. Wie gut, dass direkt gegenüber von seinem Wohnhaus Denmark Terrace Nummer 6 in der Straße Fortis Green (gleichzeitig die A504) im Londoner Stadtteil Muswell Hill der Pub The Clissold Arms auf Gäste wartete, und so wurde Frederick dort ein „Regular“. Zwei seiner Kinder, Raymond Douglas und David Russell Gordon erblickten in dem Reihenhaus das Licht der Welt; beide sollten als The Kinks zu Superstars in der Welt des Rock und Pop werden.

The Clissold Arms, der noch heute seine Pforten geöffnet hat, sollte für jeden Fan der Kinks ein Wallfahrtsort sein, denn der Pub beherbergt jede Menge Memorabilien von Ray und Dave. Da sind die Wände mit Fotos voll gehängt, Textzeilen von vielen berühmten Songs sind an den Wänden zu finden, es gibt eine Plakette mit der Aufschrift „Site of the 1957 performing debut of Ray and Dave Davies“, die erste mit Unterschriften versehene Single der beiden, eine Coverversion von Little Richards „Long Tall Sally“ (hier zu hören), und jede Menge Albumcover. Am 21. Dezember 2010 wurde der Kinks Room im Pub in Anwesenheit von Ray Davies feierlich eröffnet, wo alle diese Dinge zu bewundern sind.

Ray und Dave Davies sind dem Clissold Arms und der Straße Fortis Green immer treu geblieben; in dem Song „Fortis Green“ singt Dave „“Mum would shout and scream when dad would come home drunk, When she’d ask him where he’d been, he said Up The Clissold Arms, Chattin‘ up some hussy, but he didn’t mean no harm“. 

Heute ist The Clissold Arms ein stylish eingerichteter Pub mit Restaurant und Cocktailbar, in dem regelmäßig Bands auftreten und Veranstaltungen stattfinden wie Backgammon- und Schachabende.

The Clissold Arms
105 Fortis Green
Muswell Hill
London N2 9HR

Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

6 Denmark Terrace, Fortis Green. Geburtshaus der beiden Davies-Brüder.
Photo: I.M.S.
Creative Commons 3.0

Published in: on 7. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Wer waren eigentlich…? Mills & Boon

Photo: Book Thingo.
Creative Commons 2.0

Der Verlagsname Mills & Boon steht in Großbritannien schlechthin für Liebesromane (manche sagen auch Schundromane) und sind seit Bestehen des Verlages im Jahr 1908 zig-millionenfach verkauft worden. Die Zielgruppe sind überwiegend Frauen, die Buchcover wurden früher von muskelbepackten Männern mit mehr oder weniger nackten Oberkörpern beherrscht, in deren Armen junge Damen mit freizügigen Dekolletés mit schmachtenden Blicken lagen; auch in Deutschland gab es diese Buchcover zuhauf.

Der Verlag, dessen Firmensitz heute im Eton House in der Paradise Road in Richmond (Greater London) liegt, wurde von Gerald Rusgrove Mills und von Charles Boon gegründet. Die beiden Verleger publizierten anfangs Sachbücher, aber auch Werke von beispielsweise Hugh Walpole und Jack London; erst in den 1930er Jahren setzte man voll auf „Romance“. Der 1877 in Stourbridge (West Midlands) geborene Mills studierte am Gonville and Caius College in Cambridge und arbeitete nach seinem Abschluss in Londoner Verlagen, vor allem in dem renommierten Verlagshaus Methuen, wo er auf den ebenfalls 1877 geborenen Charles Boon traf, der dort im Verkauf tätig war. Boon konnte aus finanziellen Gründen nicht studieren, musste die Schule schon früh abbrechen, um seine Familie zu unterstützen, da sein Vater gestorben war. Er arbeitete in einer Buchhandlung, stieg mit 16 Jahren bei Methuen als Bürogehilfe ein und stieg dort tatsächlich bis zum Verlagschef auf. Mills und Boon taten sich zusammen und gründeten dann den nach ihnen benannten Verlag.
Gerald Rusgrove Mills starb schon früh im Jahr 1928 in London, Charles Boon überlebte seinen Partner um 15 Jahre und starb 1943.

Das Verlagshaus Mills&Boon, das 1971 von Harlequin Enterprises of Canada übernommen worden ist,  veröffentlicht heute monatlich über 100 Bücher, die Umschlagsbilder sind moderner geworden, die Buchtitel grenzwertig wie eh und je wie zum Beispiel „A Stolen Kiss With the Midwife“, „Awakening His Shy Vet“ oder „Intimate Negotiations“.

Siehe auch meinen Blogeintrag, in dem ich über die Verwendung von 2,5 Millionen Mills&Boon-Taschenbücher beim Bau der Autobahn M6 Toll Road bei Birmingham berichtete.

Photo: Cockburn Libraries.
Creative Commons 2.0

Das Eton House in Richmond (Greater London).
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Candida Lycett Green: Unwrecked England

Foto meines Exemplares.

Das Buch, das ich heute vorstellen möchte, ist zwar schon dreizehn Jahre alt, aber problemlos über den antiquarischen Buchhandel zu bekommen. Es heißt „Unwrecked England“ und ist eine Zusammenstellung von hundert Beiträgen aus der Zeitschrift „The Oldie“ (siehe dazu meinen Blogeintrag) aus der Feder von Candida Lycett Green, die auch heute noch für das Magazin schreibt. Seit Bestehen von „The Oldie“ im Jahr 1992 stellt die Autorin in ihrer Kolumne, die ebenfalls „Unwrecked England“ heißt, Orte in ihrem Heimatland vor, die sie aufgesucht hat und die in den meisten Fällen abseits der Touristenpfade liegen.

Candida Lycett Green ist die Tochter Sir John Betjemans (1906-1984), des sehr bekannten Dichters, Publizisten und Poet Laureate von 1972 bis 1984. Die Zeitschrift „Country Life“ nannte sie einmal „the finest writer of our time on the English countryside„. Das großformatige Buch nimmt man gern in die Hand, begeistert sich an den wunderbaren Fotos und liest die ansprechenden Beiträge. Candida Lycett Green stellt unter anderen diese Orte vor:

The Sapperton Canal Tunnel bei Coates in Gloucestershire
Die Great Coxwell Barn in Great Coxwell in Oxfordshire
Chettle House in Dorset
Cragside House bei Rothbury in Northumberland
Dorney Court bei Maidenhead in Berkshire

Wie bereits erwähnt, ist das Buch mit beeindruckenden Fotos ausgestattet, die überwiegend von Christopher Simon Sykes stammen, einem Meister seines Fachs, der auch ein Buch über seine Familie und das Sledmere House, in dem er aufgewachsen ist, geschrieben hat: „The Big House“ (HarperCollins 2005).

Candida Lycett Green: Unwrecked England. Oldie Publications 2009. 219 Seiten. ISBN 978-1-901170-10-8.

Published in: on 5. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der regenreichste Ort Englands liegt in…Seathwaite in Cumbria

Photo © Shaun Ferguson (cc-by-sa/2.0)

In Großbritannien ist es in Schottland mit Abstand am feuchtesten; aber auch in Cumbria im Nordwesten Englands ist es sehr regenreich. Feuchte Luft, die vom Atlantik hereinkommt, regnet sich an den hohen Bergen Cumbrias ab und manchmal, wie am 18. und 19. November 2009, kann das sogar zu Überflutungen ganzer Landstriche führen. Damals wurden Häuser zerstört und mehrere Brücken stürzten ein. Ein Wettersystem hatte sich entwickelt, das feuchtwarme Luft aus der Karibik gegen den Nordwesten Englands schaufelte und dort für 24 Stunden hängen blieb. Die Folge war eine neuer Niederschlagsrekord für ein bewohntes Gebiet in Großbritannien: 31,6 cm Regen fiel innerhalb von 24 Stunden in Seathwaite in Cumbria. Die Bewohner konnten sich sowieso schon rühmen, im regenreichsten Ort ganz Englands zu wohnen, ein etwas zweifelhafter Ruhm. Der Niederschlagsrekord für ein unbewohntes Gebiet liegt übrigens bei 34,1 cm, gemessen am 5. Dezember 2015 am Honister Pass im Lake District in Cumbria.

Seathwaite gehörte früher einmal zu den abgelegensten Dörfern in Cumbria, bis es von den „Fellwalkern“ entdeckt wurde, das sind die Bergwanderer, die von hier aus zum Beispiel zum Scafell Pike, dem höchsten Berg Englands, aufsteigen.

Schon Alfred Wainwright, der berühmteste Fellwalker überhaupt, kam nach Seathwaite, um von hier aus seine Bergwanderungen vorzunehmen, über die er in zahlreichen Büchern ausführlich berichtete.

Auch in England spielt das Wetter manchmal verrückt, so wurde aus dem regenreichsten Ort im April 2011 einer der trockensten in ganz England. In Seathwaite hatte es einen ganzen Monat nicht geregnet und es war so trocken, dass sogar schon von einem Gartenschlauchverbot die Rede war; ein Thema, das es in der Geschichte von Seathwaite noch nie gab.

Published in: on 4. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Pig Hotels – Eine kleine aber feine Hotelgruppe in Südengland

The Pig in Brockenhurst (Hampshire).
Photo © Trevor Harris (cc-by-sa/2.0)

Es begann im Jahr 2011 mit der Eröffnung des Pig Hotels in Brockenhurst (Hampshire) im New Forest, mittlerweile gibt es sieben weitere Hotels, die den Namen The Pig führen, jeweils mit einem Zusatz versehen. Es handelt sich dabei um „rural boutique hotels with acclaimed restaurants built on a commitment to environmental sustainability„. Die Hotelrestaurants versuchen soviel wie möglich selbst anzubauen, was nicht geht, kommt aus einem Radius von maximal 40 Kilometern. Umweltschutz und Nachhaltigkeit spielen bei den Pigs eine herausragende Rolle. Jedes Hotel der Gruppe hat etwa 30 Zimmer und ist in einem historischen Gebäude untergebracht, hat einen eigenen Charakter und eine eigene Atmosphäre, im Gegensatz zu vielen anderen Kettenhotels. Dafür gab es auch schon mehrere Auszeichnungen; so ernannte die Fachzeitschrift The Caterer die Pig Hotels „Most Innovative Hotel Group„. Für die Sunday Times war The Pig on the Beach das Hotel of the Year 2013, The Pig at Harlyn Bay war für das Magazin Tatler das Hotel of the Year 2020 und das National Restaurant Association’s Sustainable Restaurant of the Year im Jahr 2015 war das „Mutterschwein“, The Pig in Brockenhurst.

Hier ist eine Übersicht, wo die Pig Hotels zu finden sind:

The Pig in der Beaulieu Road in Brockenhurst (Hampshire) im New Forest

The Pig in the Southdowns in Madehurst in der Nähe von Arundel in West Sussex

The Pig in the Wall in Southampton an der Western Esplanade

The Pig near Bath in den Mendip Hills bei Hunstrete (Somerset)

The Pig at Combe im Otter Valley in Gittisham bei Honiton in Devon

The Pig at Bridge Place in Bridge südlich von Canterbury in Kent

The Pig on the Beach an der Studland Bay in Dorset

The Pig at Harlyn Bay bei Padstow in Cornwall

The Pig on the Beach an der Studland Bay in Dorset.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Oxnead Hall in Norfolk – Vom ehemaligen Wohnsitz der Paston Familie zu einem sehr lauten Veranstaltungsort für Hochzeiten

Photo © Glen Denny (cc-by-sa/2.0)

Selbst deutsche Zeitungen berichteten vor einigen Tagen über Oxnead Hall in Norfolk, über ein historisches Haus, das Ende des 16. Jahrhunderts erbaut worden ist und das einmal von 1597 bis 1732 der Wohnsitz der Paston Familie war. Die Korrespondenz dieser Familie, bekannt als die Paston Letters, dient bis heute vielen Historikern als Quellenmaterial für Forschungen über das Leben in England zur Zeit der Rosenkriege und des frühen Tudorzeitalters.
Von der ursprünglichen Oxnead Hall ist nicht mehr allzu viel übergeblieben, dafür erfuhr das Gebäude einige Anbauten und heute ist die Hall ein außerordentlich beliebter Veranstaltungsort für Hochzeiten. „A terrestrial paradise“ steht auf der Webseite der Hall zu lesen, und ein Paradies für Braut, Bräutigam und Hochzeitsgäste an diesem ganz besonderen Tag muss es wohl auch sein, immerhin darf das Brautpaar, beziehungsweise deren Eltern, einen fünfstelligen Betrag hinblättern, wenn sie Oxnead Hall nutzen wollen.

Was für die einen das Paradies ist, ist für andere die Hölle. Waren es anfangs nur einige wenige Hochzeitsfeiern, die hier stattfanden, sind es jetzt so viele geworden, dass die Bewohner von Oxnead auf die Barrikaden gehen und sich zu wehren versuchen, denn an den Feiern nehmen bis zu 200 Personen teil, und da ist ein hoher Lärmpegel vorprogrammiert. Die Parties gehen bis in die tiefe Nacht, laute Musik ergießt sich über die Anwohner, die nicht mehr schlafen können, Gäste urinieren in die Gärten und der Motorenlärm der an- und abreisenden Autos nervt die Menschen im Ort tierisch. Protestaktionen wurden ins Leben gerufen und Plakate aufgehängt; „Brides and grooms are not welcome in Oxnead“ und „No more weddings. We’ve had enough“ steht auf ihnen zu lesen. Die Betreiber der „wedding venue“ tun ihr möglichstes, um den Lärm einzudämmen, doch das ist bei alkoholisierten und feierlustigen Hochzeitsgästen nicht so einfach. Über 100 Hochzeitsfeiern soll es in diesem Jahr schon gegeben haben (hier ist ein Film über eine von ihnen) und da kann man den Frust der Dorfbewohner durchaus verstehen. Bleibt abzuwarten, ob es eine Lösung für diese komplizierte Sachlage in diesem an und für sich ruhigen Teil von Norfolk gibt.

Die Einfahrt zur Hall.
Photo © Glen Denny (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Fordwich in Kent – Großbritanniens kleinste Stadt

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Schon wenn man nach Fordwich in Kent hineinfährt, wird man mit einigen Informationen ausgestattet: Auf dem Ortseingangsschild steht zu lesen, dass wir nun Großbritanniens kleinste Stadt betreten, dass sie eine Patenstadt in Frankreich hat namens Aire Sur La Lys (sie liegt nahe Saint Omer im Pas de Calais und hat 9700 Einwohner) und dass sie einmal zu den Cinque Ports gehört hat.

Die Einwohnerzahl der Ministadt am River Great Stour beträgt rund 380, also wesentlich weniger als die der Partnerstadt auf der anderen Seite des Ärmelkanals. Die „Verfolger“ auf den Titel „Kleinste Stadt Großbritanniens“ sind Broughton-in-Furness im fernen Cumbria und Manningtree in Essex, doch mit ziemlichem Abstand.

Fordwich diente vor vielen Jahrhunderten einmal als Hafen für Canterbury. König Henry II. verlieh Fordwich 1184 die Stadtrechte, die der Ort 700 Jahre lang behielt. Bei einer Verwaltungs-Reorganisation im Jahr 1886 wurden dann die Stadtrechte aberkannt, doch 1972 bei einer weiteren Umorganisation wieder zuerkannt.

Fordwich darf sich aber noch einer weiteren Besonderheit brüsten: Es besitzt auch das kleinste Rathaus Großbritanniens, 1544 erbaut, in dem sich noch heute der Stadtrat regelmäßig trifft und wo standesamtliche Trauungen stattfinden. Das Rathaus ist im Sommerhalbjahr sonntags für Besucher geöffnet.

Zwei Pubs gibt es in der Stadt: The George & Dragon und The Fordwich Arms, beide am Fluss gelegen. Die Kirche St Mary the Virgin grenzt an den letztgenannten Pub an.

Das Dorf, pardon die Stadt, am östlichen Rand von Canterbury ist einen Besuch wert! Dieser Film zeigt einen längeren Spaziergang durch den Ort.

Fordwich Town Hall.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

The Fordwich Arms und St Mary the Virgin.
Photo © G Laird (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 1. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen