HAPPY NEW YEAR 2023

Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Der Jahreswechsel steht an, und bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei allen meinen Followerinnen und Followern in Deutschland und weltweit für ihre Treue bedanken!! Manche von ihnen begleiten mich auf den Wegen kreuz und quer durch England schon seit vielen Jahren und darüber freue ich mich immer wieder sehr. Ich wünsche allen ein gutes neues Jahr!

Die Bilder in meinem letzten Blogeintrag des Jahres 2022 zeigen das Riesenrad London Eye am Ufer der Themse am Silvesterabend, illuminiert und mit Feuerwerk.

Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 31. Dezember 2022 at 02:00  Comments (11)  

Napoleon Bonaparte und sein Aufenthalt in der Cawsand Bay in Cornwall im Jahr 1815 an Bord der HMS Bellerophon

Cawsand Bay.
Photo © Darren Rosson (cc-by-sa/2.0)

Die beiden kleinen Dörfer Cawsand und Kingsand an der Cawsand Bay im äußersten Südosten der Grafschaft Cornwall, nur wenige Kilometer südlich der Stadt Plymouth in Devon, erlebten im Jahr 1815 einen noch nie dagewesenen Ansturm von Menschen aus dem ganzen Land. Ganze Heerscharen wollten einen Mann sehen, der für zwei Wochen in der Bay auf dem Schiff der Royal Navy HMS Bellerophon „ausgelagert“ war: Napoleon Bonaparte.

Nach seiner Zeit im Exil auf der Insel Elba und seiner Niederlage in der Schlacht von Waterloo am 18. Juni 1815 hatten die Briten ihn an Bord der HMS Bellerophon in die Cawsand Bay gebracht, um in Ruhe zu überlegen, was man mit dem Franzosen anstellen sollte. Vielleicht fand man ja irgendwo in England ein Anwesen, in das man ihn bringen konnte. Während der Zeit in der Bay in Cornwall genoss der Kaiser sichtlich die Aufmerksamkeit, die ihm die englische Bevölkerung widmete. Mit allem möglichem schwimmfähigen Gerät ruderten und paddelten die Menschen zu dem großen Kriegsschiff, das schon an den Seeschlachten von Abukir und Trafalgar teilgenommen hatte, und auf dem sich der Kaiser am 15. Juli 1815 dem Kommandanten des Schiffes Frederick Lewis Maitland ergeben hatte. Zweimal am Tag erschien der noch immer stolze Franzose an Deck des Schiffes, fein herausgeputzt in seiner Uniform und mit weißen Handschuhen und winkte huldvoll den Massen zu.

Als entschieden worden war, dass Napoleon sein zukünftiges Leben nicht auf einem englischen Schloss, sondern auf der einsamen Insel St Helena im Südatlantik verbringen sollte, fuhr die HMS Bellerophon aus der Cawsand Bay heraus, in den beiden Dörfern kehrte wieder Ruhe ein, und der ehemalige Kaiser wechselte das Schiff. Er wurde an Bord der HMS Northumberland gebracht, die mit ihm nach St Helena fuhr, wo er bis zu seinem Tod am 5. Mai 1821 im Longwood House lebte, das heute als Museum und Sitz des französischen Konsuls auf der Insel dient (das Haus ist im Besitz der französischen Nation).

Dieser Film zeigt den Flug einer Drohne über die Cawsand Bay.

Die HMS Bellerophon in der Cawsand Bay, umlagert von Menschen, die Napoleon sehen wollen.
Gemälde von John James Chalon in den Royal Museums in Greenwich.
This work is in the public domain.

Published in: on 30. Dezember 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Sledging im Cricket – Anzügliche Bemerkungen, die den Gegner irritieren sollen

Ein „Cricket-Idyll“, hier in Cockington (Devon).
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Cricket, der Lieblingssport vieler Briten, der mir auch nach mehreren Erklärungsversuchen noch immer verschlossen geblieben ist. Ein Sonntagvormittag im Sommer bei strahlendem Sonnenschein, Männer in schneeweißen Anzügen auf dem grünen Rasen eines Village Greens, im Hintergrund die Dorfkirche, Zuschauer sitzen teeschlürfend vor dem Cricket Pavilion, eine friedliche Atmosphäre, die nur hin und wieder von dem Klatschen des Balles auf einem Cricketschläger unterbrochen wird…dieses Bild erscheint vor meinem geistigen Auge, wenn ich das Wort „Cricket“ höre.

Doch es kann bei dem Sport auch ganz anders zugehen, zumal bei großen nationalen und internationalen Turnieren, denn da gibt es das Wort „Sledging„, das nichts anderes besagt, als dass ein Spieler einen anderen der gegnerischen Mannschaft mit mehr oder weniger anzüglichen Bemerkungen versucht, aus dem Konzept zu bringen. Das kann ganz harmlos sein wie wenn ein Bowler dem Batter sagt „Pass auf, da hinten sind Fenster“. Ein wenig schärfer ist dann schon: „Nun mach schon hin, das ist doch kein Scheiß Test Match“. Die Antwort: „Natürlich nicht, Du bist ja da“.

Ein Klassiker, hier im Original: „I can see why you are batting so badly, you’ve got some shit on the end of your bat.“ Wenn der Batter nun das Ende seines Schlägers betrachtet, kommt eine weitere Bemerkung des Bowlers: „Wrong end mate„.

Ganz schön heftig war dieser Schlagabtausch zweier gegnerischer Spieler: „How’s your wife and my two kids?„. Die Antwort: „The wife’s fine, the kids are retarded though„.

Noch eine Stufe weiter unter der Gürtellinie (und damit ist dann auch Schluss mit den Beispielen), ein verbaler Schlagabtausch zwischen zwei Spielern des selben Teams, nachdem einer von ihnen einen Ball durch die Beine hat passieren lassen: „Sorry, I should’ve kept my legs closed„, woraufhin sein Partner meinte: „So should your mother„.

Wer nicht genug vom Sledging bekommen kann, hier sind noch viel mehr Beispiele.

Zum Thema Cricket habe ich im Laufe der Jahre eine ganze Reihe von Blogeinträgen getätigt.

Hier kann es schon einmal ruppiger zugehen: Der berühmte Londoner Lord’s Cricket Ground.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. Dezember 2022 at 02:00  Comments (1)  

Das Marine Theatre in Lyme Regis (Dorset)

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Schon seit 1962 sorgt das Marine Theatre in dem Badeort Lyme Regis in der Grafschaft Dorset für die Bespaßung der Bevölkerung und der Touristen. Es hat eine ideale Lage direkt am Meer, die Vorstellungen finden zum Teil vor und zum Teil im Theater statt. Betrieben wird das Marine Theatre vom LymeArts Community Trust, einer Wohltätigkeitsorganisation, die auch für das Jugendtheater zuständig ist. Die Geschichte des Hauses geht bis auf das frühe 19. Jahrhundert zurück, als hier Meereswasser nach oben gepumpt wurde, damit man darin baden konnte. Das alte Pumpenhaus ist in das Theater integriert worden.

Das Marine Theatre bietet einen ganzen Strauß von Veranstaltungen an: Theater- und Filmaufführungen, Comedy, Musikdarbietungen, Kunstausstellungen, Festivals aller Art und so weiter. Im kommenden Jahr bietet das Theater zum Beispiel Aufführungen des mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Stückes „Glengarry Glen Ross“ des US-amerikanischen Dramatikers David Mamet an, das den deutschen, in diesem Fall viel passenderen Titel, „Hanglage Meerblick“ hat. Das Kino zeigt unter anderem Filme über Elvis Presley und Paul Cézanne. Der örtliche Shantychor The Chantry Buoys wird Seemannslieder singen, in der Bar des Theaters gibt es eine Reihe von Jazzveranstaltungen, Jazz in the Bar, bei denen beispielsweise die Musik von Charlie Parker und von Duke Ellington im Mittelpunkt steht.

Es ist schon erstaunlich, was hier in diesem kleinen Ort kulturell alles geboten wird. Das Theater steht auch für Hochzeiten zur Verfügung, die Lage ist dafür natürlich ideal.

Marine Theatre
Church Street
Lyme Regis
DT7 3QA

Zu dem Ort Lyme Regis siehe auch meine anderen Blogeinträge.

Blick vom Theater auf die Jurassic Coast von Dorset.
Photo © Chris Talbot (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. Dezember 2022 at 02:00  Comments (1)  

Musikvideos – The Lotus Eaters: The First Picture of You (1983)

Hier, am Ende der Ferry Road in Walberswick in Suffolk, wurde das Musikvideo gedreht.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

1983 debütierte eine Band aus Liverpool namens The Lotus Eaters mit dem Song „The First Picture of You„, ihre erste Single, die ein Jahr später auf ihrem ersten Album „No Sense of Sin“ enthalten war. Die Single schaffte es bis auf Platz 15 der britischen Charts, der größte Erfolg der Lotus Eaters, alle weiteren Singles landeten nur unter ferner liefen. Aufgenommen wurde der Song in den Surrey Sound Studios in der Kensington Road Nummer 70 in Leatherhead (Surrey), in dem auch The Police Ende der 1970er Jahre zwei Alben produziert hatten. Die Studios wurden 1987 geschlossen.

„The First Picture of You“ ist ein angenehm zu hörender Song, dem ein Musikvideo zugeordnet wurde, das in Suffolk, in dem Küstendorf Walberswick entstand, genauer gesagt, in der Ferry Road und am Strand des Ortes. In Walberswick haben sich viele Prominente aus Film und Fernsehen niedergelassen, fast die Hälfte aller Häuser hier dienen als Zweitwohnsitz oder werden an Urlauber vermietet.

The Lotus Eaters trennten sich 1985, fanden aber viele Jahre später in unterschiedlichen Zusammensetzungen wieder zusammen.

Hier ist „The First Picture of You“ zu hören und zu sehen.

Die Kensington Road in Leatherhead (Surrey). In dem linken Haus waren die Surrey Sound Studios untergebracht.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 27. Dezember 2022 at 02:00  Comments (2)  

Der Grimsby Dock Tower – Wahrzeichen der Stadt Grimsby in Lincolnshire

Photo © Chris (cc-by-sa/2.0)

Schon von weitem ist er zu sehen, der Grimsby Dock Tower, Wahrzeichen der Stadt an der Küste von Lincolnshire, dort wo der River Humber in die Nordsee fließt. Am 27. März 1852 wurde er fertiggestellt, sein Zweck: Der 94 Meter hohe Turm diente als Hydraulikspeicher und wurde von William George Armstrong, 1st Baron Armstrong (1810-1900) konzipiert, dem wir schon einmal in meinem Blogeintrag über das Cragside House in Northumberland begegnet sind. Der Speicher versorgte die Maschinen, die im Hafen im Einsatz waren, mit hydraulischer Energie. Auch Schiffe und Häuser auf dem Hafengelände erhielten ihre Frischwasservorräte durch den Grimsby Dock Tower.

Beim Betrachten des Turms fällt eine gewisse Ähnlichkeit mit Bauwerken aus Italien auf, und so ist es auch: Vorbild für den Turm in Lincolnshire war der Torre del Mangia auf dem Palazzo Pubblico in Siena in der Toskana. Gebaut hatte ihn der Architekt James William Wild (1814-1892), der auch die Christ Church im Londoner Stadtteil Streatham entworfen und sie mit einem ähnlichen Campanile versehen hatte.

Vierzig Jahre lang war der Hydraulikspeicher in Betrieb, dann übernahm ein anderer Speicher, nicht weit entfernt, dessen Aufgabe. Im Zweiten Weltkrieg überlegte man, den Turm abzureißen, denn er diente als Orientierungspunkt für die Bomber der deutschen Luftwaffe, doch man entschied sich dann doch dagegen.

Hin und wieder wird der Turm freigegeben für Kletterer, die ihn besteigen und sich anschließend wieder von ihm abseilen. Im Inneren führen 445 Stufen bis zur Spitze, doch er ist für die Öffentlichkeit geschlossen.
Hier ist ein Film über den Turm.

Es gibt noch einen weiteren Turm, der nach dem Vorbild des Torre del Mangia erbaut worden ist, der Joseph Chamberlain Memorial Clock Tower auf dem Gelände der Universität von Birmingham in Edgbaston, benannt nach dem ersten Kanzler der Universität.

Photo © Steve Fareham (cc-by-sa/2.0)

James William Wilds Campanile der Christ Church in Streatham.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Der Joseph Chamberlain Memorial Clock Tower der Universität von Birmingham.
Photo © Andrew Abbott (cc-by-sa/2.0)

Und hier das Original: Der Torre del Mangia in Siena.
Photo: David McSpadden.
Creative Commons 2.0

Published in: on 26. Dezember 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Hawkstone Park Follies bei Wem in Shropshire

Hawkstone Hall.
Photo © Steve McShane (cc-by-sa/2.0)

Die Hawkstone Hall ist ein imposantes Gebäude in dem weitläufigen Hawkstone Park in der Grafschaft Shropshire, gut zu erreichen über die A49, östlich der Kleinstadt Wem. Ich habe den Park schon einmal kurz in meinem Blogeintrag über Ziereremiten erwähnt. Dieser „ornamental hermit“ passte wunderbar in dieses von Follies überzogene Parkgelände, die wir uns heute einmal näher ansehen werden.

Sir Rowland Hill, 1st Baronet (1705–1783), ließ Hawkstone Hall 1707 als Familiensitz für sich erbauen, und er, sowie seine Nachfolger, sorgten dafür, dass überall im Park Follies errichtet wurden.

Da ist die Hermitage, in der der Einsiedler Father Francis sein Heim hatte. Der White Tower, der jetzt eigentlich Red Tower heißen müsste, aber ursprünglich weiß angestrichen war, diente als Unterschlupf bei schlechtem Wetter, ein Kamin verschaffte wohlige Wärme. Die Swiss Bridge sollte für ein wenig Schweizer Flair sorgen, sie wurde in den 1990er Jahren restauriert, da sie baufällig geworden war. Der Turm The Monument ist dreißig Meter hoch und verfügt im Inneren über eine Wendeltreppe, über die man die Aussichtsplattform erreichen kann. Von dort oben soll man bei schönem Wetter einen Blick über dreizehn Grafschaften haben. The Grotto ist eine Ansammlung von Höhlen und schmalen Durchgängen, die in den weichen Sandstein geschlagen worden sind. Mein Lieblings-Folly ist die Gingerbread Hall, die früher einmal Temple of Patience hieß, weil die Besucher des Parks dort auf ihren Führer warten mussten.

Eingebettet sind all diese Follies in eine wildromantische Landschaft. Man braucht circa drei Stunden bis man den Park erkundet hat. Von November bis Januar ist der Park geschlossen; im Dezember aber gibt es an einigen Tagen Fahrten mit einem Landrover zur Grotto, deren Höhlen weihnachtlich beleuchtet sind, und wo Santa Claus auf die Besucher wartet.

Dieser Film zeigt einen Spaziergang durch den Park.

Hawkstone Park Follies
Weston-under-Redcastle
Shrewsbury
Shropshire
SY4 5JY

The Hermitage.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

The White Tower.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

The Swiss Bridge.
Photo © Chris Gunns (cc-by-sa/2.0)

The Monument.
Photo: IBBoard.
Creative Commons 2.0

The Grotto.
Photo © Chris Gunns (cc-by-sa/2.0)

Gingerbread Hall.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. Dezember 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Christmas Common in Oxfordshire – Ein Dorf und seine Weihnachtsbäume

Photo: Manic Street Preacher.
Creative Commons 2.0

Christmas Common in den Chiltern Hills ist doch ein hübscher Name für ein englisches Dorf. Der kleine Weiler liegt einige wenige Kilometer von Watlington und Thame entfernt, in Oxfordshire an der Grenze zur Nachbargrafschaft Buckinghamshire.

Dreimal hat Christmas Common schon die große Ehre gehabt, den Weihnachtsbaum zu liefern, der vor dem Amtssitz des britisches Premierministers in der Londoner Downing Street No. 10 aufgestellt wird: 2011, 2013 und 2015. Genauer gesagt gebührt diese Ehre der Tree Barn, einer Weihnachtsbaumfarm. Die in Harrogate (North Yorkshire) ansässige British Christmas Tree Growers Association schreibt seit 1999 alljährlich einen Wettbewerb aus, bei dem der schönste Weihnachtsbaum prämiert wird und die Reise in die Downing Street antreten darf. Die letzten fünf Jahre sorgte die Tree Barn für die Dekoration des Baumes des britischen PM. In diesem Jahr lieferte Bishops Offley Christmas Trees aus Staffordshire den Weihnachtsbaum nach London, den Kranz an der Tür von Number 10 kreierte Santa Trees aus Cornwall. Premierminister Rishi Sunak entzündete die Beleuchtung des Baumes erstmalig Ende November diesen Jahres.
Hier ist ein Film über die Christmas Tree Barn plantation in Christmas Common.

Allzu viel gibt es über Christmas Common sonst nicht zu sagen. Das Dorf verfügt über einen sehr hübschen Pub „The Fox & Hounds„, der zu der Brakspear Brewery gehört. In zwei Folgen der TV-Krimiserie „Inspector Barnaby“ ist das Dorf kurz zu sehen und zwar in Episode 1 „The Killings at Badger’s Drift“ (dt. „Tod in Badger’s Drift“) und in Episode 22 „Ring Out Your Dead“ (dt. „Glockenschlag zum Mord“).

Wie das Aufstellen und Dekorieren des Weihnachtsbaums vor No. 10 Downing Street vor sich geht, zeigt dieser Film im Schnelldurchlauf.

Die verschneiten Chilterns bei Christmas Common.
Photo: Richard Baker.
Creative Commons 2.0


The Fox & Hounds.
Photo © Bikeboy (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 24. Dezember 2022 at 02:00  Comments (3)  

„A Ghost Story for Christmas“ – Verfilmte Gespenstergeschichten der BBC zur Weihnachtszeit

Für manche Menschen in Großbritannien gehört die „Ghost Story for Christmas“ der BBC genauso zu Weihnachten wie die Ansprache der Queen, jetzt des Königs, und man versammelt sich am Heiligen Abend, manchmal auch einen Tag davor oder danach, vor dem Fernsehgerät und lässt sich wohlig-gruselige Schauer den Rücken herunterlaufen, wenn wieder einmal eine der verfilmten Gespenstergeschichten von Montague Rhodes James (1862-1936) gezeigt wird. M.R. James, wie er meist abgekürzt genannt wird, war ein Meister seines Fachs und kaum jemand konnte solch fesselnde und gruselige Geschichten schreiben, von der BBC adäquat umgesetzt.

Die erste Ghost Story for Christmas wurde am 24. Dezember 1971 gezeigt, „The Stalls of Barchester“ mit Robert Hardy (der viele Jahre den Siegfried in „All Creatures Great and Small“ spielte). Acht Jahre lang lief die Serie, dreimal wurde keine M.R. James Erzählung verfilmt, eine von diesen war „The Signal Man“ von Charles Dickens (siehe dazu diesen Blogeintrag), die beiden anderen,“Stigma“ und „The Ice House„, wurden extra für die Serie geschrieben. Mit einer Episode im Jahr 1978 wurde die TV-Serie eingestellt, aber 27 Jahre später wieder ins Leben gerufen und, mit kurzen Unterbrechungen, bis heute wieder mit neuen Folgen gezeigt.

Am 24. Dezember 2010 war eine der für mich persönlich besten Gespenstergeschichten an der Reihe: M.R. James‘ „Oh, Whistle, and I’ll Come to You, My Lad“ (hier ist mein Blogeintrag dazu), wunderbar verfilmt vor der Kulisse der Küste East Anglias mit John Hurt in der Hauptrolle.

In diesem Jahr, am 23. Dezember, zeigt die BBC „Count Magnus„, von M.R. James 1904 veröffentlicht, in seiner Sammlung „Ghost Stories of an Antiquary“ enthalten und ins Deutsche übersetzt unter dem Titel „Liber nigrae peregrinationis“. Die Geschichte spielt sowohl in Schweden als auch in England. Die Macht eines ehemaligen hartherzigen Landbesitzers reicht auch nach seinem Tod über sein Grab hinaus. Jason Watkins und die schwedische Schauspielerin MyAnna Buring besetzen die Hauptrollen.

Es gibt eine DVD-Box mit sechs DVDs und dreizehn Stunden Spielzeit, auf der nicht alle, aber doch viele Episoden zu sehen sind.

Published in: on 23. Dezember 2022 at 02:00  Comments (4)  

Die weihnachtliche Lichtershow in Cowdray Park in West Sussex

Wo sich sonst die Gemeinde der britischen Polospieler und deren Fans treffen, in Cowdray Park in West Sussex (siehe dazu meinen Blogeintrag), findet dieses Jahr seit dem 1. Dezember wieder eine großartige weihnachtliche Lichtershow statt. Man liebt in England die vorweihnachtlichen Illuminationen sehr, ob in den Städten oder auf dem Land, wo sich die großen Herrenhäuser gern mit tausenden von Lichtern schmücken.

Die kleine, erst vor zwei Jahren gegründete Firma Light Up Trails hat in diesem Jahr in Cowdray Park ein Winterwunderland geschaffen, das die romantischen Ruinen von Cowdray House mit einbezieht. Der illuminierte Spazierweg führt 1,5 Kilometer durch das Parkgelände, auf dem für die Besucher etliche Überraschungen warten. Man begegnet Father Christmas und seinen Rentieren, neben den Ruinen ist Santa’s Grotto aufgebaut, und sowohl am Eingang als auch am Wegesrand kann man sich mit winterlichen Getränken und Naschereien stärken. Das Motto der diesjährigen Lichtershow heißt „Peace and Tranquility„, also „Friede und Stille“. Die Lichtkünstler haben, wie schon im vorigen Jahr, ganze Arbeit geleistet und Millionen von LED-Lämpchen installiert, die den Park in ein magisches Licht tauchen.
Der Eintritt ist nicht ganz billig, er kostet £20 für einen Erwachsen und £12 pro Kind. Die Veranstaltung ist noch bis zum 31. Dezember zu sehen.

Parallel zu der Lightshow in Cowdray Park hat die Firma Light Up Trails in diesem Jahr eine weitere Attraktion geschaffen, in dem Arboretum Sir Harold Hillier Gardens in Ampfield in Hampshire.

Published in: on 22. Dezember 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Famous Graves – Oscar Wildes Grabmal auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise

Von einer wenig schönen, vollgeschmierten Glaswand geschützt, das Grab Oscar Wildes.
Photo: Agateller.
Creative Commons 1.0

Der Pariser Friedhof Père Lachaise ist für mich der romantischste, den ich kenne. Ich habe ihn bei glühender Hitze durchwandert und im Januar bei leichtem Schneefall und tiefen Temperaturen, kaum ein Mensch war unterwegs. Überall trifft man auf dem Friedhof auf prominente Namen, unter anderem auch auf das Grabmal des englischen Schriftstellers Oscar Wilde. Es fällt in der Division 89 sofort ins Auge.

Der englische Bildhauer Jacob Epstein (1880-1959) hat das Monument geschaffen, ein nicht unumstrittener Künstler, der in seinem Heimatland mit seinen Werken hin und wieder angeeckt ist; ich denke da zum Beispiel an die Skulpturen am Londoner Zimbabwe House (siehe dazu meinen Blogeintrag). Als Epstein das Werk 1914 schuf, stand er gerade unter dem Einfluss ägyptischer Kunst und so zeigt das Grabmal eine Sphinx, möglicherweise trug Oscar Wildes Gedicht „The Sphinx“ auch dazu bei. Im August 1914 fand die Einweihung des Grabmals statt, die von dem Okkultisten Aleister Crowley (1875-1947) vorgenommen wurde.

Das aus Stein aus den Steinbrüchen von Hopton Wood bei Middleton-by-Wirksworth in Derbyshire geschaffene Grabmal war nicht jedermanns Sache, so nahmen viele Anstoß an den übergroßen Hoden der Figur, die immer wieder von der Friedhofsverwaltung abgedeckt und 1961 von Vandalen sogar abgeschlagen wurden. Bei der Einweihung des Monumentes blieb Epstein fern, da er wütend war, dass man die Hoden mit einer Bronzeplakette in Form eines Schmetterlings verdeckt hatte. Heute ist Oscar Wildes Grabstelle von einer gläsernen Schutzwand umgeben, da sie immer wieder von Graffiti verunstaltet worden ist und durch zahllose Lippenstiftabdrücke, die das Kunstwerk auf Dauer beschädigen.

Die Prüderie mit dem Umgang des Grabmals des englischen Schriftstellers fand ihren Niederschlag nicht auf dem Grabstein des französischen Journalisten Victor Noir (1848-1870) in der 92. Division auf dem Père Lachaise, der von einem Neffen Napoleons erschossen worden ist. Der Bildhauer Aimé-Jules Dalou zeigt den auf dem Grab niedergestreckten jungen Mann mit einer deutlichen Schwellung in seiner Hose, die ziemlich blank gerieben ist, da das Berühren dieser Stelle, per Hand oder anderweitig, die Fruchtbarkeit der Frauen erhöhen soll.

Zum Thema Oscar Wilde siehe auch diese Blogeinträge.

Die Steinbrüche von Hopton Wood in Derbyshire, die den Stein für Oscar Wildes Grabmal lieferten.
Photo © Richard Bird (cc-by-sa/2.0)

Oscar Wildes Friedhofsnachbar Victor Noir.
Photo: Gael Chardon.
Creative Commons 2.0

Published in: on 21. Dezember 2022 at 02:00  Comments (1)  

The Royal Harbour of Ramsgate in Kent – Der einzige königliche Hafen Großbritanniens

Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Ich besuchte Ramsgate in Kent und seinen Hafen einmal an einem sonnigen Sonntagvormittag, und der Royal Harbour hatte bei dieser Beleuchtung schon etwas Mediterranes an sich. Es gibt nur einen Hafen im Königreich, der sich mit dem Zusatz „Royal“ schmücken darf, und das ist der von Ramsgate. George IV. hatte das zu verantworten, der König, der 1821 den Thron bestiegen hatte. Im September des Jahres plante der König einen Abstecher nach Hannover zu machen und wollte diese Reise von Ramsgate aus antreten. Die Bürger der Stadt waren stolz darauf und bereiteten George IV. einen grandiosen Empfang. Die Hauptstraßen waren geschmückt, Fahnen hingen überall und viele Fenster waren mit Lorbeerzweigen dekoriert. Abends gab es ein großes Bankett, und am nächsten Morgen fuhr der König in einer offenen Kutsche zum Hafen. Bevor er in seiner königlichen Yacht „The Royal Sovereign“ davonfuhr, bedankte er sich ausdrücklich für den Empfang, den er in Ramsgate erhalten hatte und versprach, bald wiederzukommen.

Ein Jahr später, 1822, bedankte sich der König noch einmal, indem er den Hafen zum Royal Harbour of Ramsgate ernannte, eine Ehre, den nie zuvor ein anderer Hafen erfahren hatte und was auch später nie wieder geschehen sollte. Die Stadtoberen von Ramsgate stellten in Erinnerung an den königlichen Besuch einen Obelisken auf. Am 19. Juli 1823 wurde der hundert Tonnen schwere und 18 Meter hohe Obelisk von Lord Liverpool, dem damaligen Lord Warden of the Cinque Ports, eingeweiht. Etwas despektierlich nannte man das Kunstwerk „Der königliche Zahnstocher“. Zu finden ist er vor dem Royal Victoria Pavilion am Beginn der East Pier.

Hier ist ein Film über die Feierlichkeiten anlässlich des 200. Jahrestages der Ernennung des Hafens von Ramsgate zum Royal Harbour.

Der Obelisk am Hafen von Ramsgate.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Pubs in the snow

Ich liebe die verschneiten englischen Landschaften; ich liebe verschneite Pubs. Was für eine wunderschöne Stimmung! Ich habe heute einmal einige, wie ich finde, besonders ansprechende Fotos zusammengestellt, die Pubs in the snow zeigen. Ich hoffe, sie gefallen.

The Ypres Castle Inn in Rye (East Sussex.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Zwei Pubs in der George Street in Hastings (East Sussex). Links The Anchor, rechts Ye Olde Pumphouse.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

The Newbold Crown in Newbold on Avon (Warwickshire).
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Von Schneemassen begraben: The Lion Inn im North York Moors National Park (North Yorkshire).
Photo © Colin Grice (cc-by-sa/2.0)

The Plough in Cuddy Hill (Lancashire).
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

The Snowshill Arms in Snowshill (Gloucestershire).
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

The George and Dragon in Shutford (Oxfordshire).
Photo © G Olsson (cc-by-sa/2.0)

The Crown in Badshot Lea (Surrey).
Photo © Tim Wilcock (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. Dezember 2022 at 02:00  Comments (3)  

The Secret Garden Party in Abbots Ripton in Cambridgeshire

Photo: Angel Ganev.
Creative Commons 2.0

Ich knüpfe heute nahtlos an das Thema „Secret Garden“ in meinem gestrigen Beitrag über Frances Hodgson Burnett an; allerdings geht es heute um etwas ganz anderes.

The Secret Garden Party ist ein Musikfestival in Abbots Ripton, in der Nähe von Huntingdon in Cambridgeshire. Es wendet sich an Freunde der Elektronischen Musik, der Indie Music und gilt als Alternative zu den herkömmlichen Musikfestivals. Schauplatz ist das Gelände der Abbots Ripton Hall; der Sohn des Besitzers, Fred Fellowes, gehörte mit zu den Gründern dieser Musikveranstaltung, die das erste Mal im Jahr 2004 stattfand und gerade einmal 300 Besucher anlockte. Zu den wenigen Künstlern, die damals auftraten, gehörte auch die Schottin KT Tunstall, die in diesem Jahr ihre Karriere begann. In 2022 kamen etwa 30 000 Fans dieser Musik zur Secret Garden Party für vier Tage nach Cambridgeshire. Eigentlich ist das Festival schon 2017 totgesagt worden, doch nach fünf Jahren Funkstille ist es jetzt wieder voll durchgestartet, und der Temin für 2023 steht auch schon fest: 20. bis 23. Juli.

An namhaften Künstlern sind im Laufe der Jahre hier unter anderem aufgetreten: Blondie, Jarvis Cocker, Florence and the Machine, Echo and the Bunnymen, Arlo Guthrie und Lily Allen.

Wie das bei dem Festival zugeht, zeigt dieser Film.

Abbots Ripton Hall ist der Familiensitz der Familie Fellowes. Besitzer ist zur Zeit John Fellowes, 4th Baron de Ramsey. An einigen wenigen Tagen im Sommer sind Teile des Hauses und die Gärten für Führungen freigegeben.

Photo: Angel Ganev.
Creative Commons 2.0

Abbots Ripton Hall.
Photo © Hugh Venables (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. Dezember 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Schriftstellerin Frances Hodgson Burnett (1849-1924) – Ihr Leben und ihre Bücher

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Es ist Vorweihnachtszeit und damit auch Zeit, sich den Spielfilm „Der kleine Lord“ (im Original „Little Lord Fauntleroy“) wieder einmal anzusehen, natürlich den mit Alec Guinness als Earl of Dorincourt und Ricky Schroder in der Titelrolle. Bei den Zuschauern ist vielleicht nicht so bekannt, dass der Film auf einem Roman der Schriftstellerin Frances Hodgson Burnett beruht. Die Romane dieser Autorin sind heute kaum noch bekannt, ausgenommen der oben genannte und „The Secret Garden“ (dt. „Der geheime Garten“) und vielleicht noch „A Little Princess“ (dt. „Sara, die kleine Prinzessin“). Aber wer kennt noch „Racketty-Packetty House“ (dt. „Das Puppenhaus“) oder „The Proud Little Grain of Wheat“?

Geboren wurde Frances Hodgson Burnett am 24. November 1849 in Cheetham, einem Stadtteil von Manchester, in der York Street, die heute Cheetham Hill Road heißt. An der Hausnummer 38 ist eine blaue Plakette angebracht. Schon in ihrer Kindheit fiel sie durch ihre Fantasie auf und durch ihre Geschichten, die sie sich ausdachte. Im Alter von 15 Jahren emigrierte sie mit ihrer Mutter in die USA, wo sie zu ihrem Onkel nach Knoxville in Tennessee zogen. Ihr ganzes Leben pendelte sie zwischen den Vereinigten Staaten und England. Von 1898 bis 1907 wohnte sie zum Beispiel in der Great Maytham Hall, einem Landsitz bei Rolvenden in der Grafschaft Kent. Hier entstand die Idee zu ihrem 1911 veröffentlichten Roman „The Secret Garden“, der mehrfach verfilmt worden ist (siehe dazu meine beiden Blogeinträge). Hier führte sie, wie in den Filmen zu sehen ist, ein Rotkehlchen zu einer zugewachsenen Tür in einer Mauer, hinter der sich ein verwunschener Garten befand.

Frances Hodgson Burnetts Romane waren sehr erfolgreich und wurden gut verkauft. Ihr Theaterstück „Esmerelda“ war das am längsten aufgeführte am New Yorker Broadway im 19. Jahrhundert.

Die Schriftstellerin lebte die letzten 17 Jahre ihres Lebens im US-Bundesstaat New York in Plandome Manor, einem kleinen Ort an der Nordküste von Long Island, wo sie am 29. Oktober 1924 verstarb. Beerdigt wurde sie auf dem nahe gelegenen Roslyn Cemetery von Greenvale.

Noch eine kleine Bemerkung am Rande: Ricky Schroder, der amerikanische Schauspieler, der im Alter von 10 Jahren den kleinen Lord spielte, ist als Erwachsener in dem Musikvideo „Whiskey Lullaby“ von Brad Paisley und Alison Krauss als heimkehrender Soldat zu sehen. Das kleine Mädchen im schwarzen Kleid, das kurz am Ende des Videos bei der Beerdigungszeremonie erscheint, ist Ricky Schroders Tochter. Sind da Ähnlichkeiten mit dem kleinen Lord zu sehen?

Das Buch zum Artikel:
Gretchen Gerzina: Frances Hodgson Burnett – The Unexpected Life of the Author of the Secret Garden. Rutgers University Press 2004. 359 Seiten. ISBN 978-0813533827.

Die Cheetham Hill Road in Manchester, wo die Schriftstellerin das Licht der Welt erblickte.
Photo © Anthony Parkes (cc-by-sa/2.0)

Great Maytham Hall in Kent.
Photo © Stephen Nunney (cc-by-sa/2.0)

Die Mauer im Garten von Great Maytham Hall, die den geheimen Garten umschließt.
Photo © Stephen Nunney (cc-by-sa/2.0)

Plandome Manor auf Long Island im US-Bundesstaat New York, wo die Schriftstellerin ihre letzten Jahre verbrachte.
Photo: AITFFan1.
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Published in: on 17. Dezember 2022 at 02:00  Comments (2)  

The Brewers Arms – Ein wiederauferstandener Pub in West Malvern (Worcestershire)

Photo © Dave Croker (cc-by-sa/2.0)

Wenn man die ganzen Negativmeldungen über geschlossene Pubs hört, so freut es besonders, wenn eigentlich schon totgesagte Gasthäuser durch Reanimation doch wieder ins Leben zurückgeführt werden. So gerade eben geschehen in dem 1385 Einwohner zählenden Dorf West Malvern in der Grafschaft Worcestershire. Dort wurde im Juni der 190 Jahre alte Pub The Brewers Arms geschlossen, Zukunft ungewiss. Damit wollten sich die Bewohner von West Malvern auf keinen Fall zufrieden geben. Sie setzten sich vehement für den Erhalt ihres Dorfpubs ein, sammelten £400,000 und kauften ihn. Ein Heer von freiwilligen Helfern, inklusive der Pfarrerin der örtlichen Gemeinde St James, brachten The Brewers Arms wieder auf Vordermann und eröffneten ihn am letzten Samstag, dem 10. Dezember. Da noch kein neuer Wirt gefunden werden konnte, stellen sich einige Dorfbewohner eben selbst hinter den Tresen und zapfen Bier, wiederum inklusive der Pfarrerin.

In der Vergangenheit ist The Brewers Arms schon mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem als Best Village Pub durch die CAMRA ( Campaign for Real Ale) im Jahr 2008 und Pub of the Year in Worcestershire im Jahr 2010, ebenfalls durch die CAMRA. Da der Pub eine außergewöhnlich schöne Lage mit Blick auf die Malvern Hills hat, erhielt er auch einmal die Auszeichnung Best Pub View der Regionalzeitung Morning Advertiser. Da der Gasthof nicht direkt an der Hauptdurchfahrtsstraße, der B4232, der West Malvern Road, liegt, muss man schon darauf achten, dass man nicht an ihm vorbei fährt, wenn man dort ein Pint trinken möchte.

The Brewers Arms ist der einzige noch verbliebene Pub in West Malvern, nachdem The Lamb vor zehn Jahren geschlossen worden ist.

The Brewers Arms
Lower Dingle
Malvern WR14 4BQ

St James in West Malvern. Wenn die Pfarrerin etwas Zeit erübrigen kann, hilft sie im The Brewers Arms aus.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Dezember 2022 at 02:00  Comments (1)  

Mary Amelia Cecil, Marchioness of Salisbury (1750-1835), und ihr tragischer Tod im Hatfield House in Hertfordshire

Gemälde der Marchioness von Joshua Reynolds. This work is in the public domain.

In früheren Zeiten trugen adelige Damen gern Turmfrisuren, hochgesteckte Haare, manchmal noch mit Federn verziert. Auch Mary Amelia Cecil, die Marchioness of Salisbury (1750-1835), favorisierte diese Frisur noch im Alter von 85 Jahren…und sie wurde ihr zum Verhängnis. Am Abend des 22. November 1835 saß sie in ihrem Arbeitszimmer im Westflügel vom Hatfield House. Dieses Country House nördlich von London in der Grafschaft Hertfordshire ist auch heute noch der Familiensitz der Salisburys. Als sich die Marchioness von ihrem Schreibtisch erhob, dachte sie nicht daran, dass sich direkt über ihr ein Leuchter mit Kerzen befand. Die Federn ihres Kopfschmucks fingen sofort Feuer, das ihr Haar und schließlich ihre Kleider erfasste. Sie stand in Flammen und niemand konnte ihr helfen, denn ihr Sohn und ihre Schwiegertochter hielten sich in einem andern Teil des Palastes auf. Als die beiden von dem Feuer im Westflügel alarmiert wurden, war es schon zu spät. Dieser ganze Teil des Hatfield House stand in Flammen, die herbeigerufenen Feuerwehren schafften es gerade noch zu verhindern, dass das Feuer auch noch den anderen Teil des Hauses vernichtete. Alles was von der Marchioness übriggeblieben war, war ein Häufchen verkohlter Knochen. Der junge Charles Dickens wurde als Reporter nach Hatfield geschickt, um über den Brand zu berichten; die Eindrücke fanden später in seinem Buch „Oliver Twist“ Niederschlag.

Die auch als Emily Mary Cecil bekannte Marchioness galt als Exzentrikerin und hatte sich durch ihre Gesellschaften im Hatfield House einen Namen gemacht. Sie liebte es, Karten zu spielen, vor allem an Sonntagvormittagen, was mit den Gottesdiensten im Ort Hatfield kollidierte. Manchmal wurden diese einfach abgesagt…weil der Pfarrer gern selbst an den Kartenspielen teilnahm. Emily Mary Cecil war bis ins hohe Alter eine begeisterte Jägerin. Obwohl sie zum Ende ihres Lebens immer schlechter sehen konnte, ließ sie es sich nicht nehmen, hoch zu Pferd an Jagden teilzunehmen, auch an dem Tag, als sie so tragisch ums Leben kam.

Das Hatfield House wurde 1611 von dem ersten Earl of Salisbury Robert Cecil erbaut; heute lebt dort der 7. Marquess of Salisbury, Baron Gascoyne-Cecil. Das Haus ist zu besichtigen (erst wieder ab Frühjahr 2023). Hatfield House gehört zu den ersten Landsitzen, die ich mir auf meinen Englandreisen angesehen habe; hier ist das Country House im Film von einer Drohne aus zu sehen.

Über den Ort Hatfield siehe auch diesen Blogeintrag.

Der Westflügel vom Hatfield House.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Mein Buchtipp – W.R. Parsons: Singing for our Supper

Foto meines Exemplares.

Will(iam Parsons) und Ed gehen gern zu Fuß, am liebsten Hunderte von Kilometern. Über ihre Wanderung von Canterbury (Kent) an die äußerste Südwestspitze von Cornwall hat W.R. Parsons in seinem Buch „Singing for our Supper: Walking an English Songline from Kent to Cornwall“ geschrieben. Sie lassen sich für Ihre „Pilgerfahrt“ viel Zeit, ausgerüstet mit jeweils einem Rucksack und Schlafsack ziehen sie los, ohne Geld und voller Zuversicht, dass sie schon über die Runden kommen werden. Nachts schlafen sie meistens irgendwo in Wald und Feld, es sei denn, irgendjemand lädt sie zu sich ins Haus ein, was auch vorkommt. Für das nötige Geld sorgen sie, indem sie in den Orten, die sie besuchen, als Straßensänger auftreten; auch in Pubs geben sie ihre Sangeskunst zum Besten, wofür sie dann häufig mit Drinks und kostenlosem Essen versorgt werden. Will und Ed singen folkloristische Lieder, die bei ihrem Publikum gut ankommen und so manche Münze in ihren aufgestellten Hut schwemmt, haben doch beide gute und angenehme Stimmen. Zu ihren Favoriten gehören Lieder wie „Adieu sweet lovely Nancy„, „The burning of Auchindoun“ und „John Barleycorn“ um nur drei Beispiele zu nennen.

Auf ihrer Reise treffen sie auf sehr viele freundliche und hilfsbereite Menschen. Es hat sich im Land herumgesprochen, dass zwei junge Männer singenderweise den Süden Englands durchqueren, so dass sie sogar einen Plattenvertrag angeboten bekommen, der sie verpflichten würde, sechs Alben aufzunehmen, wodurch sie zehntausende von Pfund bekämen; aber nach kurzem Überlegen lehnen Will und Ed ab, sie wollen ihre Unabhängigkeit nicht verlieren.

Zum Thema Straßensänger, oder „busker“ wie sie im englischen Sprachraum genannt werden, siehe auch meine Buchvorstellung von Justin Browns „UK on a g-string“ und meinen Blogeintrag über einen Mann, der diese Musiker überhaupt nicht leiden konnte.

W.R. Parsons: Singing for our Supper – Walking an English Songline from Kent to Cornwall. Independently published 2022. 218 Seiten. ISBN 979-8351546889.

Published in: on 14. Dezember 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Napery im Walpole Bay Hotel in Cliftonville (Kent) – Kunst auf Stoffservietten

Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Cliftonville ist ein östlicher Stadtteil von Margate in Kent (wo im Jahr 1913 der berühmte Schauspieler Trevor Howard geboren wurde). Hier liegt nur wenige Schritte vom Strand entfernt das Walpole Bay Hotel, ein 3-Sterne-Haus, das im Jahr 1914 erbaut worden ist. Hier erinnert noch so manches an vergangene Zeiten, so gibt es im Hotel einen Ballroom und einen fast hundert Jahre alten Lift mit Scherengittern. So wundert es nicht, dass das Hotel gern von Filmproduktionsgesellschaften gebucht wird. Im Walpole Bay Hotel findet man im Living History Museum, das über alle Stockwerke verteilt ist, unzählige alte Gegenstände, die dem Haus ein ganz besonderes Flair verleihen.

The Napery ist ein weiteres Highlight im Hotel, eine Sammlung von Stoffservietten, die alle von ehemaligen Gästen bemalt worden sind. Zurückzuführen ist das auf den Aufenthalt von Curtis Tappenden, einem Schriftsteller und Illustrator, der sich darüber beklagte, dass beim Abendessen keine Stoffservietten auf dem Tisch lagen. Nachdem ihm eine gebracht wurde, gab er sie nach dem Essen wieder zurück, versehen mit einer Skizze der Bar. Diese ganz besondere Serviette wurde gerahmt und im Restaurant aufgehängt. Gäste fragten nach, was es denn mit dem Bild auf sich hätte, baten darum, auch eine mitnehmen und mit einer Zeichnung versehen zu dürfen, um sie dann ins Walpole Bay Hotel zurückzuschicken. So nahm die Sammlung ihren Lauf, die mittlerweile über 200 dieser kleinen Kunstwerke umfasst. Sogar die weltberühmte Künstlerin Tracey Emin, die in Margate lebt, hat zwei Servietten beigesteuert. Alle wurden sie gerahmt und im Restaurant sowie den Gängen und Fluren des Hotels aufgehängt.

Hier ist ein Film mit der Hotelbesitzerin Jane Bishop, die ihre Napery vorstellt.

Mrs Booth – Eine Skulptur von Ann Carrington in Margate (Kent)

Photo © Keith Edkins (cc-by-sa/2.0)

Dort, wo heute das im April 2011 eröffnete Kunstmuseum Turner Contemporary in Margate (Kent) steht, befand sich einmal die Pension einer Mrs Sophie Booth, die im 19. Jahrhundert einen prominenten Gast beherbergte, den Maler Joseph Mallord William Turner (1775-1851). Sophie und Joseph kamen sich näher, wurden ein Liebespaar und lebten, zwar nicht verheiratet, als Mr und Mrs Booth zwanzig Jahre lang zusammen, wobei Sophie den Maler finanziell unterstützte. Das Leben Turners wurde im Jahr 2014 verfilmt unter dem Titel „Mr. Turner“ (dt. „Mr Turner – Meister des Lichts“) mit Timothy Spall in der Titelrolle, die Person der Mrs Booth verkörperte Marion Bailey; hier ist der Trailer.

Die englische, in Margate ansässige Künstlerin Ann Carrington hat Sophie Booth ein Denkmal gesetzt, indem sie eine vier Meter hohe Bronzeskulptur von ihr angefertigt hat, die in Margates Old Town am Harbour Arm aufgestellt worden ist. Der Harbour Arm ist eine von 1812 bis 1815 erbaute steinerne Mole. Die Skulptur ist den „shell ladies“ nachempfunden, die man in den Souvenirshops von Margate kaufen kann, also kleinen, aus Muscheln angefertigten Frauengestalten. Das hätte sich Sophie damals nie träumen lassen, dass sie später einmal mit einem Denkmal geehrt werden würde, und was für einen grandiosen Ort sie erhalten hat, am Hafen, nicht weit von dem weißen Gebäude entfernt, der nach ihrem Lebensgefährten benannten Turner Contemporary Gallery.

Joseph Mallord William Turner hat in Margate einige seiner bekanntesten Werke gemalt, er fand das Licht in dem Küstenort als eines der schönsten in ganz Europa.

Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Turner Contemporary Gallery.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. Dezember 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Sir Winston Churchill und seine Vorliebe für die Champagnermarke Pol Roger

Photo: ScottLilly.
Creative Commons 2.0

In dem Champagnerort Epernay in Frankreich ziehen sich an der Avenue de Champagne die Firmen, die dieses großartige Getränk herstellen, wie Perlen an der Schnur entlang. Moët & Chandon, Perrier-Jouët, Mercier, de Venoge, De Castellane und Pol Roger, um nur einige zu nennen, haben an dieser Straße ihren Firmensitz.
Um das 1849 gegründete Champagnerhaus Pol Roger soll es in meinem heutigen Blogeintrag gehen und zwar in Zusammenhang mit dem großen britischen Staatsmann Sir Winston Churchill (1874-1965). Eines von Pol Rogers Jahrgangscuvées wird nach Sir Winston benannt, weil der Champagner dieses Hauses sein Lieblingsgetränk war. Er soll sage und schreibe 42 000 Flaschen allein von Pol Roger gekauft haben, frei nach Napoleons Motto “In defeat I need it, in victory I deserve it”. Im Durchschnitt soll er zwei Flaschen am Tag getrunken haben. Sir Bernard Montgomery sagte einmal zu Churchill: „Ich trinke nie Alkohol und bin zu 100% fit“, worauf dieser ihm antwortete: „Ich trinke immer Alkohol und bin zu 200% fit“. Immerhin erreichte Sir Winston ein Alter von 90 Jahren.

Bei einem Mittagessen nach der Befreiung von Paris im Zweiten Weltkrieg traf Churchill bei einem Essen auf Odette Pol-Roger, die damalige Chefin des Champagnerhauses, bei dem ein Jahrgangscuvée der Firma ausgeschenkt wurde. Der Brite unterhielt sich mit der Französin und es entstand eine Freundschaft, die bis zum Tode des Politikers anhielt. Er hatte sogar eines seiner Rennpferde Pol Roger genannt, und da er es nie zu einem Besuch in Epernay gebracht hatte, schickte er Odette ein Exemplar seiner Memoiren mit der Inschrift „Cuvée de Réserve, mise en bouteille au Château de Chartwell“ (Chartwell war der Name seines Hauses in Kent). Nach seinem Ableben wurden die Etiketten des Champagnerhauses eine Zeit lang mit einer schwarzen Umrandung versehen und später die besten Jahrgangschampagner nach ihm benannt.

Die deutsche Weinhandelsfirma Tesdorpf hat zur Zeit eine Magnumflasche im Angebot auf deren Geschenkbox Sir Winstons Gemälde „The Goldfish Pool of Chartwell“ abgebildet ist.

Hier ist ein Film über die Firma Pol Roger.

Das Champagnerhaus Pol Roger in Epernay.
Photo: G. Garitan.
Creative Commons 3.0

Published in: on 11. Dezember 2022 at 02:00  Comments (2)  

David Bowie (1947-2016) und seine 100 Lieblingsbücher

Wandbild in der Ada Street im Londoner Stadtteil Hackney.
Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)

David Bowie gehört zu den erfolgreichsten und größten Sängern der internationalen Rockszene. Er wurde 1947 im Londoner Stadtteil Brixton geboren, und er starb 2016 in New York. Neben seiner Liebe zur Musik hatte er eine mindestens ebenso starke Verbindung zur Literatur. Wann immer es seine Zeit erlaubte, steckte er seine Nase in ein Buch; ob auf Tour oder zuhause Bücher gehörten zu seinem Leben. Manchmal las er drei bis vier in einer Woche, seine Privatbibliothek soll riesig gewesen sein. Als er einmal zu Dreharbeiten zu dem Film „The Man Who Fell To Earth“ (dt. „Der Mann, der vom Himmel fiel“) nach Mexiko flog, nahm er dazu 400 seiner Bücher mit.

Es gibt eine Liste mit David Bowies hundert Lieblingsbüchern und von dieser Liste möchte ich einige vorstellen. Die Top 100-Liste enthält einige Werke der Weltliteratur wie Gustave Flauberts „Madame Bovary„, Albert Camus‘ „Der Fremde„, Vladimir Nabokovs „Lolita„, Homers „Ilias“ und F. Scott Fitzgeralds „Der große Gatsby„.

Einige deutsche Autorinnen und Autoren gehörten zu Bowies Favoriten wie Christa Wolfs „Nachdenken über Christa T.“ und Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ (David Bowie lebte von 1976 bis 1978 in Berlin).

Der Sänger interessierte sich natürlich auch für die Lebenswege einiger seiner Kollegen, und so stand Charles Whites Buch „The Life And Times Of Little Richard“ auf der Top 100-Liste. Zum Thema Musik finden wir dort „The Sound Of The City: Die Geschichte der Rockmusik“ von Charlie Gillette, Nik Cohns „AWopBopaLooBop ALopBamBoom – Nik Cohn’s Pop History“ und John Cages „Silence„.

David Bowie liebte das Buch „Das Ende der Kopflosigkeit: Einfach sehen, wer ich wirklich bin“ des englischen Philosophen und spirituellen Lehrers Douglas Harding und war begeistert von „Der Ursprung des Bewusstseins durch den Zusammenbruch der bikameralen Psyche“ des US-Psychologen Julian Jaynes.

Auf Platz 1 von David Bowies Lieblingsbüchern stand „Gespräche mit Francis Bacon“ von David Sylvester, womit nicht der englische Philosoph aus dem 16./17. Jahrhundert gemeint ist, sondern der gleichnamige in Irland geborene Maler, der von 1909 bis 1992 lebte und der David Bowies eigene Malerei beeinflusste.

Wer sich für die komplette Liste interessiert, der findet sie hier.

Zu David Bowie siehe auch diese Blogeinträge.

Published in: on 10. Dezember 2022 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – Robin Ince: Bibliomaniac – An Obsessive’s Tour of the Bookshops of Britain

Foto meines Exemplares.

Als ich am 9. November diesen Jahres Robin Inces Buch „Robin Ince’s Bad Book Clubin meinem Blog vorstellte, schrieb ich, dass ich sein aktuelles Buch „Bibliomaniac – An Obsessive’s Tour of the Bookshops of Britain“ bereits gekauft hatte und es demnächst an dieser Stelle präsentieren werde. Jetzt habe ich es gelesen, und es knöpft direkt an den Vorgängerband an. Der Comedian und Schriftsteller erzählt erneut von seiner Bücherbesessenheit, er kann an ein keiner Buchhandlung beziehungsweise an keinem Charity Shop mit Buchabteilung vorbeigehen, ohne etwas zu kaufen. Robin Ince hat nicht etwa ein spezielles Sammelgebiet, er kauft, was ihm unter die Finger kommt, auch Bücher, die er vielleicht nie lesen wird.

In seinem neuen, am 6. Oktober erschienen Buch beschreibt Ince eine zweimonatige Lesetour kreuz und quer durch Großbritannien, auf der er seine Bücher in „independent bookstores“ signiert; die großen Buchhandelsketten ignoriert er (bis auf eine Ausnahme: Waterstone’s in Piccadilly). Dabei legt er fast 13 000 Kilometer zurück, besucht 104 Buchhandlungen und gestaltet 111 Events. Wie viele Bücher er in dieser Zeit gekauft hat? Sehr, sehr viele!

Im Anhang seines Buches listet Robin Ince alle von ihm besuchten Buchhandlungen auf, von Beerwolf Books (siehe dazu meinen Blogeintrag) in Falmouth (Cornwall) bis zu Wrecking Ball Press in Hull (East Riding of Yorkshire). Daran schließt sich eine zwölfseitige Auflistung der Bücher an, die er in den zwei Monaten gekauft beziehungsweise in seinem Buch erwähnt hat. Ein paar Beispiele: „Cannibals and Human Sacrifice“ von Garry Hogg, „Flying Saucers and Commonsense“ von Waveney Girvan, „Fruit of Knowledge: The Vulva vs the Patriarchy“ und „Do Miners Read Dickens?“ von Hywel Francis und Siân Williams. Das ist nur eine kleine, willkürlich herausgegriffene Auswahl.

Wer sich für die britische Buchhandelslandschaft und für kuriose, ungewöhnliche Bücher interessiert, wird Robin Inces „Bibliomaniac“ mit Vergnügen lesen und darin die eine oder andere Anregung bekommen.

Auch zu empfehlen: „Bookshop Tours of Britain“ von Louise Boland, 2020 bei Fairlight Books erschienen.

Robin Ince: Bibliomaniac – An Obsessive’s Tour of the Bookshops of Britain. Atlantic Books 2022. 311 Seiten. ISBN 978-1-83895-769-8.

Published in: on 9. Dezember 2022 at 02:00  Comments (1)  

The Valhalla Museum im Tresco Abbey Garden auf den Isles of Scilly

Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Wir bleiben heute noch einmal auf den Cornwall vorgelagerten Isles of Scilly und begeben uns auf St Mary’s Nachbarinsel Tresco, wo es den Tresco Abbey Garden zu besichtigen gibt, die im 19. Jahrhundert von dem Politiker und Philanthropen Augustus John Smith (1804-1872) angelegt worden sind. Smith war als Verwalter der Scilly-Inseln eingesetzt und wohnte hier auch. Den Garten legte er auf dem Gelände einer ehemaligen Benediktinerabtei an, doch der Garten steht nicht im Mittelpunkt meines heutigen Blogeintrags, sondern ein Museum darin, das Valhalla Museum, das eine Sammlung von Galionsfiguren zeigt. Diese aus Holz geschnitzten Figuren waren häufig am Bug von Segelschiffen angebracht. Dreißig dieser Figuren werden im Museum zur Schau gestellt, alle von Schiffen, die an den Felsen der Scilly-Inseln zerschellt sind. Augustus John Smith begann mit der Sammlung im Jahr 1840 und hinter jeder Galionsfigur verbirgt sich das Schicksal eines Schiffes und seiner Besatzung, oft endeten diese Schiffbrüche tödlich.

Im Valhalla Museum sind noch weitere Gegenstände aus gestrandeten Schiffen zu sehen wie eine Bordkanone der HMS Association, einem Schiff der Royal Navy, das 1707 vor den Scilly-Inseln, zusammen mit drei weiteren Schiffen, auf Grund lief. Bei der Katastrophe sollen zwischen 1400 und 2000 Seeleute ihr Leben verloren haben.

Der Tresco Abbey Garden ist ganzjährig an jedem Tag von 10 Uhr bis 16 Uhr geöffnet.

Hier ist ein Film über das Valhalla Museum und dieser Film zeigt den Tresco Abbey Garden.

Die Galionsfigur der „Eliza“, die 1867 an den Felsen der Scilly-Inseln zerschellte.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Die Bordkanone der HMS Association.
Photo © Andrew Abbott (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. Dezember 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The World Pilot Gig Championships auf den Isles of Scilly

Photo © Andrew Abbott (cc-by-sa/2.0)

Über die Isles of Scilly, die der Küste Cornwalls vorgelagert sind, habe ich in meinem Blog nur einmal geschrieben, in Zusammenhang mit dem Radiosender Radio Scilly auf der Insel St Mary’s. Und genau hier findet alljährlich ein Event statt, dass viele Besucher auf die Inseln bringt: The World Pilot Gig Championships. Pilot gigs waren/sind Ruderboote, mit denen Lotsen an Bord von Schiffen gebracht wurden, die diese dann sicher in den Hafen von St Mary’s brachten. Zeigte sich ein Schiff am Horizont, dann stürzten sich die Männer von den Isles of Scilly in ihre Ruderboote und versuchten als erste an Bord zu kommen, um dort ihren jeweiligen Lotsen abzusetzen. Wer es nicht schaffte, der ging natürlich leer aus. Diese Lotsendienste stellten einen wichtigen Teil des Einkommens für einige Familien dar. Zerschellte ein Schiff auf den gefährlichen Klippen der Inseln fuhren diese „pilot gigs“ ebenfalls aus dem Hafen, um Menschenleben zu retten und um sich Teile der Fracht zu sichern.

Daraus entwickelten sich die World Pilot Gig Championships, an denen sowohl Ruderprofis als auch Amateure teilnehmen können. Die Cornish Pilot Gig Association, in der zur Zeit 86 Ruderclubs organisiert sind, kümmert sich um die Belange dieser Sportart, die auch in anderen Teilen Cornwalls ausgeübt wird. Die ersten World Championships wurden im Jahr 1990 ausgetragen, an denen nur wenige Boote teilnahmen, mittlerweile ist daraus ein Großereignis geworden, mit Teilnehmern aus dem ganzen Südwesten Englands und sogar manchmal aus dem Ausland. Die beiden Rennstrecken, das St Agnes Race und das Nut Rock Race, müssen von den teilnehmenden Männern und Frauen zurückgelegt werden, in den Alterskategorien Veterans (40+), Super Veterans (50+) und Open (16+). Die Rennen finden immer am Wochenende vor dem May Day Bank Holiday von Freitag bis Sonntag statt, im Jahr 2023 vom 28. bis zum 30. April.

Hier ist ein Film über die WPGCs.

Ein „pilot gig“.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Dezember 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Kirchenbänke in englischen Kirchen und ihre geschnitzten Seitenteile im Bild

St Peter in Walpole St Peter (Norfolk) – St Edmund, von einem Wolf bewacht.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Was war das für eine Erleichterung für die Kirchenbesucher in England als im 15. Jahrhundert erstmals Bänke aufgestellt wurden und man nicht mehr an die Kirchenmauern gelehnt dem Gottesdienst folgen musste. Die hölzernen Kirchenbänke, im Englischen „pew“ genannt, wurden häufig an ihren Enden mit mehr oder weniger kunstvollen Schnitzereien versehen, „poppy heads“ genannt. Das konnten zum Beispiel Tierfiguren, menschliche Gesichter, Heilige oder Fantasiegestalten sein. In der elisabethanischen und jakobinischen Zeit wurden „box pews“ eingeführt, von Flügeltüren umschlossene Bänke, die auch oft mit Schnitzereien versehen waren.

Heute möchte ich einige besonders interessante Exemplare dieser „carved pew ends“ vorstellen.

St Margaret’s in Barking (Greater London).
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

St Peter Hungate in Norwich (Norfolk) – Keine Kirche mehr, sondern ein Zentrum für mittelalterliche Kunst.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

St Kenelm’s in Sapperton (Gloucestershire).
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Verzierte „box pew“ in St Helen’s in Norwich (Norfolk).
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

St Mary’s in Earl Soham (Lincolnshire).
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Dezember 2022 at 02:00  Comments (2)  

Henry Trengrouse (1772-1854) – Erfinder einer Apparatur, die vielen Menschen das Leben gerettet hat

Photo: Helston Folk Museum.
This work is in the public domain

Geboren wurde Henry Trengrouse am 18. März 1772 in der Kleinstadt Helston im Südwesten der Grafschaft Cornwall, und in Helston starb er auch am 14. Februar 1854. Man erinnert sich in seiner Heimatstadt vor allem durch eine Erfindung, durch die unzähligen Menschen das Leben gerettet wurde: Die Schiffsrettungsrakete. Inspiriert wurde der gelernte Schreiner durch ein schreckliches Schiffsunglück, das sich am 29. Dezember 1807 nur wenige Hundert Meter von Helston entfernt an der Küste Cornwalls zugetragen hatte. Die HMS Anson, ein Schiff der Royal Navy, rammte bei einem schweren Sturm die Felsenküste, brach auseinander und ein großer Teil der Besatzung ertrank. Die Bewohner von Helston sahen sich das Drama vom Strand aus an und konnten nicht helfen, auch Rettungsboote konnten auf Grund der hohen Wellen nicht auslaufen.

Henry Trengrouse war ein Tüftler und überlegte sich wie man schiffbrüchigen Menschen in Zukunft helfen könnte. Da kam er auf die Idee, eine Rakete zu entwickeln, mit deren Hilfe man ein Seil auf das Schiff in Seenot (oder auch andersherum vom Schiff zum Land) schießen und über ein Gestell die Menschen an Land holen kann; eine spätere Weiterentwicklung war dann die Hosenboje.

Henry Trengrouse stellte seinen Apparat der Admiralität in London vor, die davon sehr angetan war und ihre Schiffe damit ausrüstete. Nur leider fertigte die Royal Navy die Apparatur selber an, der Erfinder ging leer aus, abgesehen von einer mickrigen Abfindung, die nicht der Rede wert war. Die Londoner Society of Arts verlieh ihm noch eine Medaille und 30 Guineas, das war es aber auch schon. Der Mann, der durch seine Erfindung zahllose Menschenleben gerettet hatte, verschwand wieder in der Bedeutungslosigkeit. In Helston selbst wurde eine Straße nach Henry Trengrouse benannt, der Trengrouse Way, der durch ein ganz hübsches Wohngebiet führt. Sein Wohnhaus in der Meneage Street Nummer 122 ist mit einer Plakette verziert. Auf dem Kirchhof von St Michael’s steht auf seinem Grab ein steinernes Denkmal, das an ihn erinnert, verziert mit einem Anker; auf einer Steintafel ist festgehalten, was Henry für die Menschheit geleistet hat.

Hier ist ein kurzer Film über Henry Trengrouse.

Das Buch zum Artikel:
Bridget and Richard Larn: Henry Trengrouse – the Cornish inventor of the rocket life saving apparatus. Truran 2006. 40 Seiten. ISBN 978-1850222026.


Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

„Der Untergang der HMS Anson“ von William Elmes.
This work is in the public domain

Published in: on 5. Dezember 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Woods of Windsor – Schönheitsprodukte, die durch die Landschaft von Windsor inspiriert werden

Eigenes Foto.

Ich mag gut duftende Seifen sehr, wie zum Beispiel die von Bronnley und die von Yardley, die ich beide in meinem Blog schon vorgestellt habe. In den Badezimmern von englischen Countryhouse-Hotels werden meist sehr schöne Seifen dieser Art zur Verfügung gestellt. Neu entdeckt habe ich jetzt die Seifen von Woods of Windsor, die zur selben Firma wie Yardley gehört.

Woods of Windsor kann auf eine lange Vergangenheit zurückblicken. Die Geburtsstunde schlug im Jahr 1770 in einer Apotheke in der Stadt Windsor in Berkshire. Von hier aus wurde auch das Königshaus beliefert, dessen Burg nur wenige Schritte entfernt war. Im Jahr 1970 entdeckte man in dieser Apotheke jahrhundertealte Rezepte und Anleitungen für die Herstellung von Schönheitsprodukten, und ein Jahr später wurde die Produktmarke Woods of Windsor ins Leben gerufen. Geschmückt werden einige Verpackungen mit einer alten, aus dem Jahr 1850 stammenden Radierung des Windsor Castles. Die alte Woods Apotheke in der High Street von Windsor ist im Jahr 2017 umgezogen und zwar in den Daniel Department Store in der Peascod Street, also nicht weit entfernt.

Auf meiner Seifenverpackung (True Rose) steht zu lesen: „Woods of Windsor…bietet eine Auswahl von natürlichen Schönheitsprodukten an, die durch die schöne Landschaft von Windsor und die nostalgische Romantik, den Charme und die wilde Schönheit englischer Gärten inspiriert wurden.“ Die Produkte bestehen zu 98% aus natürlich gewonnen Zutaten und kommen ausschließlich aus Großbritannien. Auf Tierversuche wird komplett verzichtet. In ausgewählten deutschen Parfümerien sind die Schönheitsprodukte von Woods of Windsor zu bekommen.

Hier ist eine Werbefilm der Firma.

Published in: on 4. Dezember 2022 at 02:00  Comments (1)  

The Curious Brewery in Ashford (Kent)

Photo: Ritchie 333.
Creative Commons 4.0

Die meisten Brauereien in England, die ich kennengelernt habe, befanden sich in alten Backsteingebäuden und existierten schon recht lange. Ganz anders ist es mit der Curious Brewery in der Stadt Ashford in Kent. Sie befindet sich in einem architektonisch sehr modern gestalteten, £3.6 Millionen teuren Glaskomplex (vom Londoner Architektenbüro Holloway Studios entworfen), der 2019 eröffnet wurde (die Brauerei selbst gibt es seit 2011). Gleich im selben Jahr wurde die Curious Brewery zum UK Brewer of the Year gewählt und ihr Curious Beer Lager erhielt bei den World Beer Awards die Goldmedaille. Im Jahr 2021 ging es weiter mit der nochmaligen Verleihung des Preises UK Brewer of the Year. Vielleicht liegt es an dem Wasser von Ashford, dass die hier produzierten Biere so gut gelingen.

Die Namen der Biere sind nicht so fantasiereich wie wir sie von so vielen anderen Brauereien kennen; sie heißen Curious Pilsner, Curious Session IPA oder Curious Brew (das mit Champagner Weinhefe fermentiert wird). Brauereitouren werden von Mittwoch bis Sonntag angeboten.

Das Brauhaus hat den Namen Miss Ellen Adams erhalten, in Anerkennung einer Leistung der Lehrerin Ellen Adams, die am 24. März 1943 vielen Kindern das Leben gerettet hat. Auf dem heutigen Brauereigelände stand zur damaligen Zeit die Beaver Road Primary School und an dem besagten Tag wurde Ashford und die nahe gelegene Eisenbahntrasse von der deutschen Luftwaffe mit Bomben angegriffen. Als Ellen Adams die Sirenen hörte, handelte sie sofort; sie schaffte auf schnellstem Wege alle Kinder der Schule in den örtlichen Luftschutzbunker, wo sie vor den Bomben sicher waren. Nachdem Entwarnung gegeben wurde und alle wieder ans Tageslicht kamen, sahen die Kinder, dass nichts von ihrer Schule übrig geblieben war, es gab nur noch einen Haufen Trümmer. Dank Ellen Adams war keinem Kind etwas passiert.

CURIOUS BREWERY
UNIT 1, VICTORIA ROAD
ASHFORD, KENT
TN23 7HQ

Photo: foilman.
Creative Commons 2.0

Published in: on 3. Dezember 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Fred Rosner – Der älteste englische Fußballspieler aller Zeiten

Downham im Südosten Londons.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Viel ist über den 1922 geborenen Fred Rosner nicht bekannt, das Internet gibt nur wenig über ihn her und selbst die „Encyclopaedia of British Football“ erwähnt ihn nur kurz in einem Absatz. Fred gilt als der älteste Fußballspieler aller Zeiten in England. Die letzte Erwähnung seiner fußballerischen Aktivitäten als Linksaußen stammt aus dem Jahr 1999 und da war er 77 Jahre alt.

Natürlich spielte Fred Rosner nicht in einer der großen englischen Ligen, sondern in der Division Four in der Hackney and Leighton League, „The Home of Grassroots Football since 1946“, für den Downham Football Club, den er 1948 selbst gegründet hatte. Dabei handelt es sich um eine der Sonntags-Fußballligen aus dem Osten Londons. Downham ist ein Londoner Stadtteil im Südosten der Stadt.

Fred Rosner galt in seiner ganzen „Fußballkarriere“ immer als fairer Spieler, der nur ein einziges Mal im Alter von 68 Jahren vom Platz gestellt worden war, wegen Meckerns. Nach seinen eigenen Worten wollte er der Schiedsrichterin nur klar machen, dass er nicht im Abseits gestanden hatte, was dieser aber nicht passte und ihn vom Platz schickte. Ärgerlich, leider hatte Freds blütenreine Weste einen Fleck bekommen.

Published in: on 2. Dezember 2022 at 02:00  Kommentar verfassen