Snugburys – Ein Eiscremehersteller bei Nantwich in Cheshire und seine Strohskulpturen an der A51

Photo © Mike Pennington (cc-by-sa/2.0)

Auf der Ile Saint Louis in Paris gibt es den legendären Eishersteller Berthillon, vor dessen Verkaufsstelle oft lange Menschenschlangen zu sehen sind. Etwas Ähnliches gibt es in der Grafschaft Cheshire. An der A51, nördlich von Nantwich, zweigt eine Zufahrtsstraße zu Snugburys ab, deren Parkplatz meist gut gefüllt ist.

Chris und Cheryl Sadler begannen hier 1986 in ihrem Bauernhaus Eis herzustellen und das von ihrem Küchenfenster aus zu verkaufen. Die Qualität ihrer Eissorten sprach sich in der Umgebung schnell herum, und die Nachfrage wurde immer größer, so dass sie eine Scheune umbauten, um die Besucher von hier aus zu bedienen. Die Erfolgsstory ging immer weiter, und heute verkaufen Chris und Cheryls drei Töchter Hannah, Kitty und Cleo ihre 55 Eissorten an über 300 000 Besucher jährlich.

Bei Snugburys bekommt man neben den Standardeissorten auch viele exotische Mixturen wie „Schlehenbeerengin mit Zwetschgen“, „Lakritze mit Himbeeren“ oder „Meeressalz-Karamel“.

Seit 1998 überrascht jedes Jahr eine neue Strohskulptur die Gäste, die jeweils auf einer Wiesenfläche neben Snugburys an der A51 aufgestellt wird. Eine direkte logische Verbindung zu der Eiscremefabrikation gibt es nicht, vielleicht dienen die Skulpturen aber auch nur für Werbezwecke. Da gab unter anderem einen Dinosaurier mit dem Namen Coneastrawus (Cone=Eistüte, man liebt in England diese Wortspiele), ein elf Meter hohes Erdmännchen, einen ebenfalls elf Meter hohen Dalek (Fans der Endlos-TV-Serie „Doctor Who“ wissen, was damit gemeint ist) oder zuletzt eine zwölf Meter große Biene.

Snugburys überweist regelmäßig einen Geldbetrag an wohltätige Organisationen, die meist mit den Skulpturenthemen in Zusammenhang stehen wie zuletzt an den Bumble Bee Conservation Trust.

Snugburys Ice Cream,Park Farm
Hurleston
Nantwich

Cheshire, CW5 6BU

Author: Wildlife Terry.
Creative Commons 2.0
Das Erdmännchen.
Author: Paolo Camera.
Creative Commons 2.0
Der Dalek.
Photo © Oliver Mills (cc-by-sa/2.0)
Die Riesenbiene.
Photo © Jeff Buck (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. September 2021 at 02:00  Comments (1)  

Sind britische Parlamentsmitglieder abergläubisch? oder Die Skulpturen in der Members‘ Lobby im House of Commons

Sir Winston Churchill in der Members‘ Lobby.
As a work of the U.S. federal government, the image is in the public domain.

In der Members‘ Lobby im britischen Parlament treffen sich die MPs, um miteinander zu diskutieren oder um Informationen auszutauschen. Beobachtet werden sie dabei von einer ganzen Phalanx von Skulpturen ehemaliger Premierminister, darunter sind die Bronzefiguren von David Lloyd George, Winston Churchill, Clement Attlee and Margaret Thatcher. Eigentlich müssten diese Skulpturen ja eine Ewigkeit überstehen, da sie keinen Naturgewalten ausgesetzt sind und sich im Trockenen befinden…wenn es nicht die Parlamentsmitglieder gäbe. Die sind nämlich in der Tradition verfangen, bevor sie die Commons Chamber betreten, eine der vier Figuren, die sie am liebsten mögen, zu berühren, in den meisten Fällen an den Füßen. Bronzefiguren müssten das eigentlich ab können, doch wenn das so oft geschieht, bekommen die drei Herren und die Dame Probleme. Das Berühren soll den MPs Glück bringen, zum Beispiel wenn sie eine Rede halten müssen, doch bringt dieser Aberglaube die für das Parlamentsgebäude zuständigen Kuratoren auf die Palme, die für die Hege und Pflege der Skuplturen zuständig sind. Besonders Sir Winston Churchill, von dem Bildhauer Oscar Nemon geschaffen, erfreut sich bei den parlamentarischen Füßestreichlern großer Beliebtheit, so dass schon größere Schäden aufgetreten sind und ein Fuß von ihm restauriert werden musste. Per Rundschreiben sind die MPs schon mehrfach aufgefordert worden, mit dieser Tradition zu brechen. Es wurden schon Überlegungen angestellt, die vier Statuen mit Seilen zu umspannen, ließ es dann aber doch bei „Do Not Touch„-Hinweisschildern. Neuen Parlamentsmitgliedern verschweigt man diese Tradition…

John Major ist der letzte Premierminister, der in der Members‘ Lobby in Form einer Bronzebüste vertreten ist; mit dessen Nachfolger Tony Blair tut man sich schwer. Seine Büste war bereits 2012 geplant, doch hat er zur Zeit keine gute Karten im Land, denn sein Engagement im Irakkrieg hängt ihm immer noch nach.

Published in: on 29. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Skulpturen im Wasser Teil 2 – „The Diver“ von John Kaufman

Die Gegend um Rainham im Osten Londons gehört nicht gerade zu den schönsten der Stadt; sie ist geprägt von Industrieanlagen, die mehr oder weniger dicht an der Themse liegen. In Rainham, in der Themse, findet sich aber auch ein beachtliches Kunstwerk, das manchmal, bei Niedrigwasser, komplett zu sehen ist, sonst nur zum Teil aus dem Wasser ragt, manchmal aber, bei Hochwasser, ganz untergetaucht ist.

The Diver“, also „Der Taucher“, heißt diese Skulptur, die von John Kaufman (1941-2002) geschaffen wurde und die am 23. August 2000 um 3.30 Uhr nachts in der Themse installiert wurde. Die aus den Fluten des Flusses auftauchende Gestalt besteht aus verzinktem Stahl, wiegt drei Tonnen und ist 4,60m hoch.
John Kaufman, der im Osten Londons wohnte, verbrachte fünf Jahre mit der Realisierung seines Projekts, von der Idee bis zur Installation der Skulptur im Schlick des Flusses. Sie soll an seinen Vater Friederich Johann Andreas Kaufmann erinnern, der  selbst Taucher in den London Docks war, und an alle Männer, die gefährliche Jobs auf der Themse ausüben.

Im März 2009 hatte der damalige Bürgermeister von London, Boris Johnson, die Skulptur in seine Liste „100 reasons to visit London“ aufgenommen.

Dieser Film zeigt die einsame Figur im Wasser der Themse.

Published in: on 17. September 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Skulpturen im Wasser Teil 1 – „Couple“ von Sean Henry

Für einige britische Künstler muss es einen besonderen Reiz ausüben, wenn sie ihre Skulpturen ins Meer oder in einen Fluss stellen. Ich denke da an Antony Gormleys gusseiserne Männer am Strand von Crosby Beach in Merseyside oder an Jason deCaires Taylors „The Rising Tide“, vier Reiterfiguren in der Themse.
In zwei Blogeinträgen möchte ich weitere Objekte vorstellen. Hier in Teil 1 Sean HenrysCouple„, eine Skulptur, die der Künstler im Jahr 2007 300 Meter vor der Küste von Northumberland in Newbiggin-by-the-Sea aufgestellt hat. „Couple“ zeigt ein Pärchen aus Stahl und Bronze, das von einem Gerüst auf einem Wellenbrecher aus ins weite Meer blickt. Die Spezialität des 1965 geborenen Künstlers ist die Schaffung von lebensgroßen oder überlebensgroßen menschlichen Figuren, die er bemalt und an mehr oder wenigen ungewöhnlichen Plätzen aufstellt. Sein „Woman“ steht zuum Beispiele in einer Einkaufspassage in Woking (Surrey), Henry Geburtsort, und seine „Seated Figure“ in der Einsamkeit der Moore von North Yorkshire.

Die beiden Figuren in Newbiggin-by-the-Sea, die im Rahmen des Newbiggin Bay Replenishment Projects aufgestellt wurden, sind etwa fünf Meter hoch, und sie haben ein Gegenstück an Land, das sich „Land Couple“ nennt, eine Miniatur-Version des Originals.

Ich finde die Figuren des Künstlers, der sein Atelier in der Nähe von Winchester in Hamsphire hat, sehr ansprechend. Einige seiner Werke wurden auch schon in Deutschland gezeigt wie in Bad Homburg und in Neu-Anspach.

„Land Couple“.
Photo © Andrew Curtis (cc-by-sa/2.0)

Sean Henrys „Woman“ im Peacock Centre von Woking (Surrey).
Author: RJCook
This work is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 License.

„Seated Man“ in den Mooren von North Yorkshire.
Author: BScar23625
This file is made available under the Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication.

Published in: on 16. September 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Jacob Epsteins umstrittene Skulpturen am Zimbabwe House am Londoner Strand

Das Londoner Zimbabwe House. Die Skulpturen Epsteins sind auf halber Höhe des Gebäudes zu sehen.
This work has been released into the public domain.

Im Jahr 1908 bekam der damals 28jährige Architekt Jacob Epstein den Auftrag, das Gebäude der  British Medical Association (BMA) an der Londoner Straße Strand mit Skulpturen zu verzieren, sein erster großer Auftrag. Mit Begeisterung machte er sich an die Aufgabe und schuf achtzehn etwa 2,50 Meter hohe Figuren, die er „Ages of Man“ nannte. Kaum war die Figurengruppe oben am Haus angebracht, brach ein Sturm der Entrüstung los, denn die Skulpturen zeigten die nackten Körper von Männern und Frauen, und das fanden viele Londoner obszön. Je mehr über die Epsteinschen Kunstwerke diskutiert wurde, umso mehr Menschen kamen extra nach London, um sie sich anzusehen. Bestrebungen, die Skulpturen wieder zu entfernen, widerstand die BMA und nach und nach beruhigten sich die Menschen wieder… bis 30 Jahre später, die nackten Damen und Herren erneut ins Rampenlicht rückten. Das Gebäude an der Ecke Strand/Agar Street wurde von der Rhodesian High Commission übernommen und nannte sich von da an Rhodesia House. Die Londoner Abgase hatten in den vergangenen 30 Jahren erbebliche Schäden an den Figuren angerichtet, es bröckelte und bröselte an allen Ecken und Enden. Eines Tages fiel ein Körperteil einer der Skulpturen herunter und traf dabei einen Passanten, und da gibt es unterschiedliche Aussagen, um was es sich da handelte. Da ist einmal die Rede von einem Penis und ein anderes Mal von einem Kopf.  Simon Leyland spricht sich in seinem Buch „A Curious Guide to London“ für die Penisvariante aus und meint sogar, dass der Passant gestorben ist. Was nun auch immer stimmt, die Eigentümer des Gebäudes, die die bröckelnden Nackten sowieso nicht mochten, ließen sämtliche hervorstehenden Körperteile entfernen, damit sich so ein Unfall nicht mehr wiederholen konnte.

Heute sieht man die achtzehn unglücklichen, entmannten und entstellten Skulpturen noch immer in luftiger Höhe in ihren Nischen stehen, und der Zahn der Zeit nagt weiter an ihnen wie dieser Film zeigt. Ihr Schöpfer, Jacob Epstein, der von 1880 bis 1959 lebte, gehört zu den wichtigsten englischen Bildhauern des 20. Jahrhunderts.

In dem jetzt Zimbabwe House genannten Gebäude befindet sich die Botschaft des Staates Zimbabwe.

Copyright: „LondonRemembers.com

Published in: on 25. April 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Freilandskulpturen Teil 3: Der Tout Quarry auf der Isle of Portland (Dorset)

Blick vom Tout Quarry Sculpture Park auf die Isle of Portland.   © Copyright Adrian King and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Blick vom Tout Quarry Sculpture Park auf die Isle of Portland.
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Die Londoner St Paul’s Cathedral, der Buckingham Palace und das Banqueting House sind nur drei Beispiele für berühmte Gebäude, die aus Portland-Stein gebaut worden sind, jenem Naturstein, der aus den Steinbrüchen auf der Isle of Portland in der Grafschaft Dorset  herausgebrochen wird.

Einer dieser vielen Steinbrüche ist der Tout Quarry, der von 1750 bis 1982 das Baumaterial für unzählige Häuser lieferte. Nachdem er geschlossen worden war, gründete der Portland Sculpture and Quarry Trust hier einen Park, in dem Lehrgänge für Bildhauer und Steinmetze angeboten werden. Stein steht nach wie vor in jeder Menge zur Verfügung, und die Kunstwerke, die hier geschaffen worden sind, kann man besichtigen.
Die Zufahrt zum Tout Quarry erfolgt von Weymouth aus über die A354. Südlich von Fortuneswell biegt an einem Kreisverkehr die Wide Street ab, von der es wiederum zum Tradecroft Estate abgeht. Dort ist der Steinbruch zu finden.

Zahlreiche Kunstwerke sind in dem Skulpturenpark zu sehen, temporäre als auch permanente. Eine kleine Auswahl möchte ich hier vorstellen:

  • Antony Gormley ist wohl der berühmteste und bekannteste Künstler, der im Tout Quarry gearbeitet hat. „Still Falling“ heißt seine Skulptur, die er in den Stein des Tout Quarry gemeißelt hat.
  • 1992 entstand „Window“ von Justin Nichol, das sich großer Beliebtheit bei den Besuchern erfreut.
  • Eine Gruppe niederländische Bildhauer, die sich Group 85 nannte, schuf den „Circle of Stones„, in dessen Mitte ein Tisch steht, der von steinernen Sitzen umgeben ist. Dieser Steinkreis ist von einem weiteren umgeben, der aus bankartigen Steinblöcken besteht.
  • Ein Schiffswrack gestaltete die Londoner Künstlerin Rosie Leventon, das sie „Wreck“ nannte und nach einem Boot namens Lerret geformt wurde, das in dieser Region von Fischern verwendet wurde.

Dieser Film zeigt einige besonders schöne Kunstwerke in dem Steinbruch auf der Isle of Portland.

"Still Falling" von Antony Gormley.   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Still Falling“ von Antony Gormley.
    © Copyright Oliver Dixon and
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"Window" von Justin Nichol.   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Window“ von Justin Nichol.
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"Circle of Stones" von Group 85.   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Circle of Stones“ von Group 85.
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"Wreck" von Rosie leventon.   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Wreck“ von Rosie Leventon.
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Published in: on 9. Dezember 2016 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Freilandskulpturen Teil 2: Silvas Capitalis im Kielder Forest (Northumberland)

   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Der Kielder Forest ist ein großes Waldgebiet im Norden Englands in der Grafschaft Northumberland. Auch hier finden wir abseits aller vielbefahrenen Wege mitten im Wald ein Kunstwerk, das auf den ersten Blick etwas erschreckend wirkt: Silvas Capitalis heißt es, also „Der Waldkopf“. Durch den weitgeöffneten Mund wird der Wanderer ermutigt, in den Kopf zu steigen, wo er Unterschlupf findet und in dem er einige Stufen nach oben steigen und aus den Augen der Figur nach draußen schauen kann.
Inspiriert wurde die US-amerikanische Künstlergruppe SIMPARCH, die Silvas Capitalis konzipierte, von der keltischen Mythologie, in der die „Watcher“ darauf aufpassten, was im Wald und mit seinen Bewohnern vor sich ging. SIMPARCH (Simple Architecture) wurde 1996 in New Mexico gegründet; ihre Werke wurden u.a. schon in der Londoner Tate Modern und bei der Kasseler Documenta ausgestellt.

Silvas Capitalis wurde 2009 aus rund 3000 Einzelteilen in einem Atelier in Kielder Village von sechs erfahrenen Künstlern zusammengesetzt. Das Holz stammt von der Europäischen Lärche. Im Laufe der Jahre hat der Wald allmählich von der Skulptur Besitz ergriffen, indem sich eine Moosschicht über den Kopf gelegt hat, was sicher im Sinne der Erbauer liegt.

Um sich Silvas Capitalis anzusehen, muss man schon eine Strecke zurücklegen, denn das Kunstwerk liegt rund eine Wanderstunde vom Kielder Castle Visitor Centre entfernt und ist über den Lakeside Way zu erreichen. Die Skulptur ist eines von mehreren Kunstwerken auf dem Art & Architecture Trail, die entlang des Kielder Water aufgestellt sind; wir finden dort zum Beispiel noch das Minotaur Maze, die Janus Chairs und das Kielder Observatory wie dieser Film zeigt.
Die Campaign to Protect Rural England hat den Kielder Forest einmal als den stillsten Ort Englands bezeichnet.

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Die Augen der Skulptur von Innen aus gesehen.   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Augen der Skulptur von Innen aus gesehen.
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Published in: on 8. Dezember 2016 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Freilandskulpturen Teil 1: „Eat For England“ von Bob Budd

Leider ist der Löffel durch Graffiti schon verunstaltet worden.   © Copyright Christine Westerback and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Leider ist der Löffel durch Graffiti schon verunstaltet worden.
 © Copyright Christine Westerback and
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Skulpturen von namhaften Künstlern finden sich meist in Museen oder an exponierten Stellen in Städten, an denen täglich viele Menschen vorbeigehen. Ganz anders sieht es mit einem Kunstwerk aus, das in der nördlichsten Grafschaft Englands, in Northumberland, aufgestellt ist und das auch noch an einem abgelegenen Feldweg. Man kann es besichtigen, wenn man vom östlichen Ortsrand von Cramlington in Richtung Seghill geht. Dort wird  man plötzlich mit einem rund fünf Meter hohen Löffel konfrontiert, der mit der Spitze im Erdreich steckt. Dieses Kunstwerk ist eines von fünfen, die in der Region um Cramlington installiert worden sind und zum Wildspace Network gehören (die anderen heißen zum Beispiel „Footsteps in the Snow“ und „No Entry Gates“). „Eat For England“ nennt sich die Skulptur, auf die ich in meinem heutigen Blogeintrag aufmerksam machen möchte, und der Künstler heißt Bob Budd.

Budd studierte Bildhauerei in Stuttgart und hat sein Atelier in Woodbury bei Exeter in Devon. Einige seiner Werke sind auch in Österreich und in Deutschland anzutreffen.
„Eating For England“ wurde im Jahr 2006 aufgestellt und ist Teil des oben erwähnten Wildspace Networks, das damals eine kräftige Finanzspritze vom Big Lottery Fund erhielt. Bob Budd hat auch eine Erklärung parat, warum sein großer Löffel ausgerechnet auf einem Feld außerhalb eines Ortes steht. Hier draußen auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche ist der Ursprung unserer Nahrung, meint er, und dieser Löffel soll das verdeutlichen.

Ganz in der Nähe von Cramlington ist noch ein Kunstwerk zu bestaunen, über das ich in meinem Blog schon einmal geschrieben habe: The Naked Lady of Cramlington“.

Published in: on 7. Dezember 2016 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Das Broomhill Art Hotel, ein Skulpturenpark und der National Sculpture Prize

Im Norden der Grafschaft Devon, nur wenige Kilometer von Barnstaple entfernt, findet man das Broomhill Art Hotel, ein Hotel der besonderen Art, das sich ganz der Kunst gewidmet hat. Es verfügt nur über acht Zimmer und ein mehrfach ausgezeichnetes Restaurant, das Terra Madre.

Die Besonderheit des Hotels ist die Kunstgalerie und der Skulpturenpark, der 1997 von Rinus und Aniet van de Sande angelegt wurde. Überall in dem das Hotel umschließenden Waldgebiet sind Skulpturen installiert. Da finden sich z.B. Stahlgebilde des niederländischen Künstlers Ronald A. Westerhuis, Carol Peace ist mit Werken vertreten und natürlich werden hier auch die Werke der Preisträger des National Sculpture Prize ausgestellt.

Jedes Jahr vergibt die Broomhill Art and Sculpture Foundation zwei Preise für Bildhauer, die in Großbritannien ansässig sind; einmal den Preis der Jury, der mit £3500 dotiert ist, und den Publikumspreis, mit £1500. Da die eingereichten Werke im Freien aufgestellt werden, müssen sie aus Materialien bestehen, die das auch vertragen können.

Im Jahr 2014 erhielt die seit 2002 in England lebende chinesische Künstlerin Tian Zhu den Preis der Jury für ihr Werk „Hiccup„, eine überdimensionale Teetasse, die zu einem Teil im Boden vergraben ist.

Der Publikumspreis 2014 wurde an den Londoner Alex Glass für seine Skulptur „The Gateway“ vergeben.
Besonders eindrucksvoll finde ich Shaun Stamps „While you slept I was alone in my own eternity„, eine Skulptur, die in die Shortlist aufgenommen wurde.

Die Übernachtungspreise im Broomhill Art Hotel sind für englische Verhältnisse sehr niedrig; das Standard-Doppelzimmer kostet nur £75, die Suite £110.

Broomhill Art Hotel
Muddiford Road
Barnstaple
EX31 4EX

 

SandWorld 2013 – Das Sandskulpturen-Festival in Weymouth (Dorset)

"Alien" von Radovan Zivny. With freindly permission of Sheilabythesea.

„Alien“ von Radovan Zivny.
With friendly permission of Sheilabythesea.

Einige der weltbesten Sandkünstler der Welt haben sich auch in diesem Jahr wieder in Weymouth in Dorset zusammengefunden, um hier im Lodmoor Country Park ihre atemberaubenden Skulpturen zu bauen. In diesem Jahr steht das Sandskulpturen-Festival unter dem Motto „Science Fiction„. Aus 2000 Tonnen Sand sind bis zu fünf Meter hohe Gebilde entstanden und hier finden wir sie alle wieder, die Figuren aus Star Wars, Star Strek oder Doctor Who.

Das Bauen mit Sand hat Tradition in Weymouth, denn bereits in den 1920er Jahren beschäftigte sich ein gewisser Fred Darrington mit dieser Kunst. Zur Freude der Touristen schuf er bei Ebbe am Strand Sandburgen, die dann bei einsetzender Flut leider wieder zerstört wurden. Das waren die Anfänge. Heute ist Mark Anderson, Freds Enkel, der Sandbaumeister Nummer Eins in Weymouth, der in die Fußstapfen seines Großvaters getreten ist. Er genießt internationales Ansehen und hat bereits den World Championship Sculptors Choice Award gewonnen.

SandWorld 2013 zeigt in diesem Jahr u.a. Skulpturen von Dave Hicks (dem Erbauer von SandWorld und Freund von Mark Anderson), dem Iren Daniel Doyle, Fergus Mulvany (der H.G.Wells „Zeitmaschine“ baute), dem Tschechen Radovan Zivny (sein Beitrag ist „The Alien“), der Kanadierin Karen Fralich (sie schuf „Star Trek“) und den beiden Niederländern Wilf Stijger und Edith Van Der Wettering, die die Star Wars-Skulptur schufen.

SandWorld 2013 ist noch bis zum 3. November geöffnet und täglich ab 10.30 Uhr zu besichtigen. Der Eintrittspreis beträgt £6.50.

Hier ist eine Tour durch die Welt der Sandskulpturen.

SandWorld
Lodmoor Country ParkPreston Beach Road
Weymouth
DT4 7SX
Tel. 07411 387529

Das Buch zum Artikel:
Lucinda Wierenga: Sandcastles Made Simple – Step-by-step Instructions, Tips, and Tricks for Building Sensational Sand Creations. Stewart, Tabori & Chang Inc 2009. 128 Seiten. ISBN 978-1584797678.

Time Machine von Fergus Mulvany. Wirh freindly permission of Sheilabythesea.

„Time Machine“ von Fergus Mulvany.
With friendly permission of Sheilabythesea.

Published in: on 10. Juli 2013 at 02:00  Comments (3)  
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Glynde Forge – Die alte Schmiede in Glynde (East Sussex) und der Künstler Thomas Gontar

The Old Forge (bevor Thomas Gontar einzog).
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Schmiede, die in früheren Zeiten in den meisten Dörfern zu finden waren, gehören heute zu der Zunft der aussterbenden Berufe. Kunstschmiede dagegen, die keine landwirtschaftlichen Geräte reparieren oder Hufbeschläge anfertigen, haben ihre feste Klientel und ihre Produkte sind gefragt. Einer von ihnen ist Thomas Gontar, der im Mai 2016 die Old Forge in Glynde in East Sussex übernommen hat. Glynde ist „just down the road“ von Glyndebourne, Englands berühmtem Opernhaus, für dessen Aufführungen es so schwer ist Karten zu bekommen.

Im Jahr 1907 wurde die alte Schmiede erbaut, so wie wir sie heute sehen; davor standen noch weitere Schmieden an dieser Stelle, die aber alle abgerissen worden sind. Vorbild für den Bau war eine Schmiede in Penshurst in Kent. Bevor Thomas Gontar die Schmiede übernahm, werkte hier Terry Tyhurst, der sich auf die Anfertigung von Wetterfahnen und eisernen Bänken spezialisiert hatte, auch restaurierte er alte Traktoren.

Im Portfolio von Thomas Gontar stehen beispielsweise kunstvoll verzierte Treppengeländer, Haustore, Kamingitter, Möbelstücke und Skulpturen. Er gibt auch eintägige Kurse im Schmieden, die in seinem alten Haus in den South Downs stattfinden. In diesem Film ist der Kunstschmied bei der Arbeit zu sehen.

Glynde Forge 
Glynde
The Street
Lewes
BN8 6SU

Im Inneren der Schmiede.
Photo © Peter Whitcomb (cc-by-sa/2.0)

The National Firefighters Memorial vor der Londoner St Paul’s Cathedral

Photo: Ronnie Macdonald.
Creative Commons 2.0

Am 4. Mai 1991 begab sich Elizabeth Bowes-Lyon, die Queen Mother, zur Londoner St Paul’s Cathedral, um dort ein Denkmal einzuweihen, das den Feuerwehrleuten gewidmet ist, die im Zeiten Weltkrieg während des sogenannten „Blitz“ gegen die Brände angekämpft hatten, die durch die deutschen Bombenangriffe auf die Stadt ausgelöst worden waren. Das kam zwar recht spät, aber die mutigen Männer und Frauen hatten es sich verdient. Das Denkmal zeigt einen „sub-officer“, das ist ein Rang in der Londoner Feuerwehr, ein Truppführer, und zwei „branch-men“, deren Aufgabe es ist, die Flammen zu löschen.

Cyril Demarne (1905-2007), einer der leitenden Feuerwehrmänner in London während des Zweiten Weltkriegs, der mehrere Bücher über diese Zeit geschrieben hat (zum Beispiel „The London Blitz – A Fireman’s Tale„), war der Initiator des National Firefighters Memorial, und der „sub-officer“ soll nach ihm gestaltet worden sein. Auf dem Sockel sind zwei Feuerwehrfrauen zu sehen und die Namen von 1027 Männern und Frauen, die damals im Einsatz ums Leben gekommen sind.

Zwölf Jahre später wurde das Denkmal verändert, indem der Sockel erhöht und die Namen von weiteren 1192 Feuerwehrleuten hinzugefügt wurden, die in Friedenszeiten bei Einsätzen gestorben sind. In Auftrag gegeben wurde das Denkmal an den renommierten Bildhauer John Mills, der sowohl in Großbritannien als auch in den USA eine Fülle von Skulpturen geschaffen hat. Ich denke da vor allem an das Monument to the Women of World War II im Londoner Regierungsviertel (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Einmal im Jahr, immer im September, findet an dem Denkmal ein Gedenkgottesdienst und eine Kranzniederlegung statt, initiiert vom Firefighters‘ Memorial Charitable Trust.

Jeweils am 4. Mai ist der Firefighters Memorial Day (wie auch der International Firefighters Day’); hier ist ein Tribut an die britischen Feuerwehrleute, die „in the line of duty“ ums Leben gekommen sind.

Photo: Snapshooter46.
Creative Commons 2.0
Published in: on 4. April 2022 at 02:01  Kommentar verfassen  

Surrealistische Picknicks im Farleys House in Muddles Green (East Sussex)

Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Farleys House, Muddles Green, Chiddingly, East Sussex, BN8 6HW„, so oder ähnlich hätten seinerzeit die Künstler Pablo Picasso, Max Ernst, Joan Miro und Man Ray die Adresse in ihre Navigationsgeräte eingeben müssen, um zu dem Dörfchen Muddles Green zu gelangen…wenn es diese Geräte damals schon gegeben hätte. Sie alle kamen hierher nach East Sussex, um ihre Freunde Lee Miller und Roland Penrose zu besuchen. Lee Miller (1907-1977) war zuerst Fotomodell, später stand sie selbst hinter der Kamera und wurde berühmt als Kriegsfotografin. Verheiratet war sie mit dem surrealistischen Künstler Roland Penrose (1900-1984) und beide zogen 1948 in das Farleys House in Muddles Green, wo sie auch starben.

Roland Penrose hatte sich in dem Haus eine umfangreiche Sammlung von surrealistischen Bildern zugelegt, aber auch von Plastiken und Skulpturen. In der Farleys Gallery kann man sich die Sammlung ansehen, die 2020 eröffnete Lee Miller Gallery steht für Ausstellungen zur Verfügung. Beide Galerien sind für die Öffentlichkeit zugänglich, von April bis Oktober jeweils donnerstags und sonntags von 10 Uhr bis 16.30 Uhr.

Seit 2017 wird im Garten des Farley House jeweils im August ein „Surrealist Picnic“ veranstaltet, bei dem sich die Gäste entsprechend kleiden sollen, wobei der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. Auch das Essen ist surrealistisch gestaltet, so gab es bei der ersten Gartenparty unter anderem beleuchtete Kakerlaken in blauem Gelee zu essen. Farben spielen bei der Zusammenstellung des Picknicks eine große Rolle, da gab es bisher Muddles Green green chicken, Pink cauliflower breasts, blue pasta salad und marshmallow Coca Cola ice cream.
Das nächste Picknick findet am 28. August 2022 statt, hoffen wir, dass das Wetter besser sein wird als im Jahr 2018; damals goss es wie aus Kannen, und die Gäste mussten sich in das Haus zurückziehen.

Hier ist ein Film über Man Ray und Lee Miller, mit Antony Penrose als Führer durch Farleys House.

The Fallen Giant von Michael Werner im Garten vom Farleys House.
Photo © Robin Stott (cc-by-sa/2.0)
Sea Creature von Antony Penrose (Lees und Rolands Sohn).
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 20. Januar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Scenes in the Square – Populäre Filmfiguren auf dem Londoner Leicester Square

Mr Bean.
Photo: Mx Granger.
Creative Commons 1.0

Londons Leicester Square ist so etwas wie ein Mekka für Filmenthusiasten. Hier finden häufig Filmpremieren statt, oft in Anwesenheit der mitwirkenden Stars. Das Odeon und das Empire sind die großen Namen unter den Kinos der Hauptstadt.

Seit dem Februar des Jahres 2020 sind hier Filmfiguren aufgestellt worden, die auf die Bedeutung des Platzes für die britische Filmgeschichte hinweisen sollen. Es handelt sich dabei um acht berühmte Charaktere, die so gut wie jeder kennt: später wurden noch zwei weitere hinzugefügt, nämlich Harry Potter und The Iron Throne aus der TV-Serie Game of Thrones.

Werfen wir einen Blick auf die ursprünglichen Acht des Scenes of the Square genannten Skulpturenwegs. Da finden wir, auf einer Bank sitzend, Mr. Bean und denken sofort an seinen Sketch „How to make a sandwich“ Ebenfalls auf einer Bank sitzend, treffen wir auf Paddington Bear, über den 2014 und 2017 Filme in die Kinos gekommen sind, Paddington 3 ist für das Jahr 2023 geplant. Mary Poppins steht, so wie wir sie aus dem 1964 gedrehten Film kennen, mit einem aufgespannten Regenschirm auf dem Platz. Die Bugs Bunny-Figur wurde im vorigen Jahr durch einen Basketballkorb, eine Rückwand und einen QR-Code ergänzt; der Grund war die Veröffentlichung des Films „Space Jam: A New Legacy“, der in Deutschland unter dem selben Titel gezeigt wird, in dem Basketball eine Rolle spielt. Über den QR-Code kann man mit seinem Smartphone auf interaktive „Space Jam“-Webseiten zugreifen.
„Singing in the Rain“-Star Gene Kelly ist als Don Lockwood mit Regenschirm in der Hand an einer Laterne hängend zu sehen, und die Lasso schwingende Wonderwoman kann man an der Wand des Vue West End-Kinos bestaunen.

Auf das Dach des Odeon-Kinos wurde die Figur des Batman verfrachtet; ebenfalls auf einem Dach stehend, auf dem einer Kinokarten-Verkaufsstelle, finden wir Laurel and Hardy alias Dick und Doof. Das soll an eine haarsträubende Szene aus ihrem Film „Liberty“ (dt. „Die Sache mit der Hose“) erinnern, in dem sie in schwindelnder Höhe an einem Wolkenkratzer balancieren.

Paddington Bear.
Photo: Matt Brown.
Creative Commons 2.0
Mary Poppins.
Photo: Matt Brown.
Creative Commons 2.0
Laurel and Hardy.
Photo: Matt Brown.
Creative Commons 2.0
Published in: on 9. Januar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Dunham Massey Hall (Greater Manchester) und die umstrittene Skulptur eines schwarzen Mannes

Photo © Peter Turner (cc-by-sa/2.0)

Im Zuge der Black Lives Matter Bewegung in den USA gerieten dort einige Denkmäler ins Fadenkreuz, die Personen darstellten, mit denen Teile der Bevölkerung nichts mehr zu tun haben wollten. Es ging hier überwiegend um das Thema Sklaverei.

Die Bewegung griff auch in Großbritannien um sich, und immer mehr Leute hinterfragten die Skulpturen, die hier schon seit Menschengedenken standen. Waren es diese Männer wirklich wert, in dieser Form geehrt zu werden? Für Schlagzeilen sorgte beispielsweise die gewaltsame Entfernung der Statue des Edward Colston am 7. Juni 2020 in Bristol (ich berichtete darüber in meinem Blog).

Für eine Kontroverse sorgte auch eine Figur vor dem Eingang zur Dunham Massey Hall (Greater Manchester), ein Anwesen bei Altrincham, das dem National Trust gehört. Die Skulptur zeigt einen knienden, schwarzen, halbnackten Mann, der auf seinem Kopf eine Sonnenuhr trägt. Seit dem frühen 18. Jahrhundert kniet der Mann schon hier, bei dem es sich um keinen Sklaven sondern einen „Mohren“ handeln soll. Sie wird dem englischen Bildhauer Andries Carpentière (1672-1737) zugeschrieben beziehungsweise dessen Lehrmeister John Nost. „Blackamoor“ wurde diese Kunstrichtung genannt, die immer schwarze Männer abbildete, oft in erniedrigender Art und Weise.

Im Juni 2020 entschied sich der National Trust, die Figur abzubauen, da sie zunehmend für Unmut sorgte und sie einer anderen Verwendung zuzuführen, die die Grausamkeiten des Sklavenhandels mit einbezieht. An der Stelle der Figur hat der National Trust eine Tafel aufgestellt, auf der er erklärt, warum der schwarze Mann mit der Sonnenuhr entfernt wurde.

Es gibt zwei Strömungen im Land: Die eine möchte alles entfernen, was noch an den Sklavenhandel erinnert, die andere betrachtet das Thema zwar als eine dunkle Seite der britischen Geschichte, meint aber, dass man das nicht einfach ausradieren kann, indem man Denkmäler entfernt, sondern dass man sich damit auseinandersetzen muss.

Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Die Stadt Manchester und die Arbeitsbienen

„22 Bees“ von Russell Meeham.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Auf dem Logo der Brauerei Boddingtons, in Manchester ansässig, ist eine Biene zu sehen und schon seit den Zeiten der Industriellen Revolution gilt die „worker bee„, die Arbeitsbiene, als Symbol der Stadt Manchester. Die fleißigen Arbeiter in den Fabriken der Stadt wurden immer wieder mit Arbeitsbienen verglichen. Man findet Bilder von Bienen auf den städtischen Abfallkörben, auf dem Zifferblatt der großen Uhr am Palace Hotel und auf dem Mosaikfußboden der Town Hall.

Nach dem verheerenden Selbstmordattentat vom 22. Mai 2017, als sich nach einem Konzert der US-amerikanischen Sängerin Ariana Grande ein Islamist in der Manchester Arena in die Luft sprengte und dabei 22 Besucher mit in den Tod riss (es gab über 800 Verletzte) fanden sich die traumatisierten Bewohner der Stadt unter dem Symbol der Arbeitsbiene wieder zusammen. Es gab eine Welle der Hilfsbereitschaft für die flüchtenden Konzertbesucher; Taxifahrer boten kostenlose Heimfahrten an und Hotels in der Nähe des Tatortes öffneten ihre Häuser für kostenfreie Übernachtungen.

In einigen Tattoostudios in Manchester konnte man sich umsonst ein Bienen-Tattoo stechen lassen, wenn man dafür eine Spende für die Opfer des Attentats gab. Der Straßenkünstler Russell Meeham schuf im Auftrag der Manchester Evening News ein riesiges Wandbild, „22 Bees„, das an die 22 Opfer erinnern sollte.

Bee in the City“ hieß ein Event in der Stadt, bei dem vom 23. Juli bis zum 23. September 2018 über 100 Bienenskulpturen aus Fiberglas aufgestellt worden waren.

Beespotting“ lohnt sich in den Straßen von Manchester, man wird die fleißigen Insekten an vielen Stellen finden.

Das Ziffernblatt auf der Uhr des Palace Hotels.
Photo: Gene Hunt.
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Eine Biene auf dem Mosaikfußboden der Town Hall.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Eine Christmas Bee auf dem Exchange Square.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Eine der „Bee in the City“-Bienen.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 8. Dezember 2021 at 02:00  Comments (3)  

Weymouth in Dorset Teil 2 – „Fantasies and Fairytales“ in der Sandworld

Author: andreboeni.
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Und noch einmal komme ich auf die Stadt Weymouth an der Küste von Dorset zu sprechen. Nachdem ich gestern über den inzwischen wieder abgebauten Jurassic Tower geschrieben habe, möchte ich heute die Sandworld vorstellen, eine weitere Besucherattraktion. Hier sind wahre Künstler am Werke, die aus Sand und Wasser großartige Skulpturen herstellen, deren „Lebenszeit“ allerdings, wie schon die des Turmes, begrenzt sind.

Mark Anderson, World Class Sand Sculptor Master, und David Hicks sind die Gründer von Sandworld, die es jedes Jahr wieder schaffen, mit ihren Kreationen die Besucher in Staunen zu versetzen. Das Motto der diesjährigen Ausstellung lautet „Fantasies and Fairytales„, geöffnet vom 22. Mai bis zum 31. Oktober, täglich von 10.30 Uhr bis 16 Uhr, am Wochenende bis 16.30 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt £7.50. Sehr schön finde ich die Formulierung, dass „well behaved and emptied dogs“ willkommen sind. Sandworld liegt auf dem Gelände des Lodmoor Country Parks.

Für die Skulpturen werden 2000 Tonnen Sand benötigt und für die Anfertigung der Kunstwerke brauchen die Künstler je nach Größe zwischen fünf Tagen und drei Wochen.
In diesem Film kann man den Sandbildhauern bei der Arbeit zusehen.

Zum Thema siehe auch diesen früheren Blogeintrag von mir.

Author: neonbubble.
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Author: neonbubble.
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Published in: on 7. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Bruton in Somerset und eine weltberühmte Kunstgalerie

Photo © Sarah Smith (cc-by-sa/2.0)

New York, Los Angeles, London, Hongkong…und Bruton in Somerset: Das sind einige der Standorte der Kunstgalerien von Hauser&Wirth, einer Firma, die sich weltweit einen Namen gemacht hat und die 1992 von Iwan und Manuela Wirth und Ursula Hauser in Zürich gegründet wurde. Neben den bereits erwähnten Metropolen (Bruton gehört natürlich nicht dazu) gibt es noch mehrere Außenstellen in mondänen Orten wie St Moritz, Gstaad und Monaco.

Hauser&Wirth baut gern historische Häuser um, damit in ihnen ein entsprechendes Umfeld für zeitgenössische Kunst geschaffen werden kann. So war es auch in Bruton in der Grafschaft Somerset, wo die Firma 2014 die Durslade Farm am Dropping Lane erwarb, weit weg von den nächsten größeren Orten. Die Farm stand jahrelang leer und verfiel immer mehr, bis sie von dem Pariser Architektenbüro Laplace komplett renoviert und umgebaut wurde. In dem ehemaligen Bauernhaus stehen mehrere Zimmer für Übernachtungen zur Verfügung, einige neue Gebäude wurden hinzugefügt, und der renommierte Landschaftsarchitekt Piet Oudolf schuf hinter der Galerie einen sehenswerten Garten.

Wer sich an den ausgestellten Kunstwerken satt gesehen hat, trotzdem aber noch Appetit hat, dem steht das Restaurant Roth Bar & Grill zur Verfügung, wo man unter anderem einen ganzen Dorset-Hummer für £48 verspeisen kann.

Zwei große Ausstellungen finden in der zweiten Jahreshälfte hier in Bruton statt. Da werden einmal Werke von Gustav Metzger (1926-2017) ausgestellt; das ist ein in Nürnberg geborener und in London gestorbener Aktionskünstler. Parallel dazu werden Skulpturen des spanischen Bildhauers  Eduardo Chillida (1924 – 2002) gezeigt, dessen Werke auch in mehreren deutschen Städten aufgestellt sind, zum Beispiel vor dem Bundeskanzleramt in Berlin.

Hier ist ein Film über ein Besuch in der Galerie.

Über den Ort Bruton schrieb ich schon einmal in meinem Blog in Zusammenhang mit dem US-amerikanischen Schriftsteller John Steinbeck.

Author: yellow book.
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Das ehemalige Farmhaus.
Photo © Sarah Smith (cc-by-sa/2.0)

The Painswick Rococo Gardens in Gloucestershire

Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

Es regnete ziemlich stark und anhaltend als ich Painswick in der Grafschaft Gloucestershire besuchte. Der Ort ist sehenswert vor allem durch die wunderschön geschnittenen 99 Eiben auf dem Kirchhof von St Mary’s (siehe dazu meinen Blogeintrag), die wie überdimensionierte Regenschirme wirkten, unter die man sich gut unterstellen konnte. Vom Kirchturm von St Mary’s findet alljährlich das von den Teddybären des Ortes gefürchtete Fallschirmspringen statt; Näheres dazu hier.

Ein Stückchen nördlich von Painswick an der B4073 gibt es eine besondere Sehenswürdigkeit, die in dieser Form nur einmal in England existiert, der Painswick Rococo Garden. Ursprünglich wurde der Garten in den 1740er Jahren angelegt; er zieht sich um das Painswick House herum, dessen damaliger Bewohner, Benjamin Hyett II (1708–1762), ihn konzipierte. Glücklicherweise wurde der Garten 1748 von Thomas Robins the Elder gemalt, so dass er anhand dieses Bildes originalgetreu wiederhergestellt werden konnte, denn in den 1950er Jahren war von dem einstmaligen Rokokogarten kaum noch etwas zu erkennen, so verwildert war er.

Der mit dem Cotswold Tourism Green Leaf Award ausgezeichnete Garten beherbergt kleine architektonisch ungewöhnliche Bauten, romantische Spazierwege, Skulpturen, einen Küchengarten, einen Irrgarten und jede Menge Blumenbeete…und natürlich ein Restaurant und einen Shop. Der Eintrittspreis beträgt £10.30.

Painswick Rococo Garden
Painswick
Gloucestershire
GL6 6TH

Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)
The Maze.
Photo © andrew auger (cc-by-sa/2.0)
Painswick House.
Photo © Mike Baldwin (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 20. Mai 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Treibholzpferde der Heather Jansch

Bei meinen Aufenthalten im Oakley Court Hotel bei Windsor an der Themse bin ich immer wieder von der Holzskulpturen fasziniert, die im Park und vor dem Hoteleingang aufgestellt sind. James Doran Webb heißt der Künstler, der Tiere aus Treibholz gestaltet, die wunderschön anzusehen sind. Ich porträtierte ihn in meinem Blog. Besonders schön finde ich seine Pferdeskulptur The „Foal at Canter“, und da schlage ich den Bogen zu einer anderen englischen Künstlerin, die ebenfalls aus Treibholz lebensgroße Pferde formt: Heather Jansch.

Die in Devon lebende und arbeitende Künstlerin sammelt an den Stränden angeschwemmtes Treibholz, aus dem sie dann Pferde anfertigt. Heather Jansch wurde 1948 in Essex geboren und hatte schon als Kind eine ausgeprägte Vorliebe für Pferde. Sie studierte an zwei Londoner Kunsthochschulen, heiratete den bekannten Folksinger Bert Jansch, von dem sie sich später wieder scheiden ließ, züchtete Pferde in Wales und zog schließlich nach Devon. Dort entdeckte sie die Möglichkeit aus Treibholz Skulpturen anzufertigen, was sie dann für die nächsten Jahrzehnte mit Leidenschaft tat. In der Galerie Courcoux and Courcoux, die heute in Nether Wallop bei Stockbridge (Hampshire) ansässig ist, konnte sie ihre Kunstwerke ausstellen, allmählich wurde ihr Name in der Kunstwelt bekannt, und sie bekam Angebote, ihre Treibgutpferde auszustellen. So konnte man die hübschen Tiere zum Beispiel in der Pferdestadt Newmarket bewundern, in der Canwood Gallery in Hereford oder in der Gallery 161 in London.

Heather Jansch hat an ihrem Studio einen Skulpturengarten angelegt, in dem einige ihrer Pferde zu sehen sind. Er befindet sich in Olchard bei Newton Abbot in der Grafschaft Devon, geöffnet normalerweise im Rahmen des National Garden Scheme und der Devon Open Studios.

Dieser Film zeigt einige der schönsten Kunstwerke Heather Janschs.

Published in: on 28. Januar 2021 at 02:00  Comments (4)  
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Die Hexen vom Belvoir Castle – Eine Geschichte aus dem 17. Jahrhundert

Belvoir Castle.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)

Der Film „Der kleine Lord“ (im Original „Little Lord Fauntleroy“) wird jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit von der ARD ausgestrahlt. Für viele Menschen (mich eingeschlossen) gehört die rührende Geschichte einfach dazu. Gedreht wurde der Film 1980 in dem wunderschönen Belvoir Castle in der Grafschaft Leicestershire, Stammsitz der Dukes of Rutland und das schon seit vielen Jahrhunderten. David Manners ist heute der elfte Duke of Rutland, und die Geschichte, die ich heute erzählen möchte, spielte sich zur Zeit seines Vorfahren Francis Manners ab, seinerzeit der sechste Earl of Rutland (1578-1632).

Der Earl brauchte zusätzliches Personal in seinem Schloss, da sich hoher Besuch angesagt hatte; König James I. wollte Belvoir Castle einen Besuch abstatten. Also wurden Joan, Margaret and Philippa Flowers aus dem benachbarten Bottesford  eingestellt, eine Mutter (Joan) und ihre beiden Töchter, offensichtlich keine gute Wahl, denn die drei Frauen waren beim Stammpersonal unbeliebt und man unterstellte ihnen Diebstähle und andere Unregelmäßigkeiten. Daher wurden die drei bald wieder entlassen, was ihnen gar nicht gefiel, und jetzt begannen schwere Zeiten für das Belvoir Castle und seine Bewohner. Wurden sie von den drei Frauen verhext?

Zuerst traf es den Earl und seine Frau, die plötzlich und unerklärlicherweise erkrankten. Dann kam es noch schlimmer, denn ihr kleiner Sohn Henry starb, sieben Jahre später sein Bruder Francis, damit waren keine männlichen Erben auf den Titel mehr vorhanden (ihre Schwester Katherine durfte als Frau den Titel nicht übernehmen). Der Fluch der Witches of Belvoir, wie Joan, Margaret and Philippa Flowers genannt wurden, schien zu wirken.

Zu der damaligen Zeit ging es sehr schnell, dass Frauen in den Ruf kamen, Hexen zu sein, und so wurden die drei auch bald der Hexerei angeklagt. Ihr merkwürdiges Verhalten trug dazu bei, denn sie beschuldigten sich gegenseitig. Die Mutter Joan beschwor ihre Unschuld und wollte sie beweisen. Man sollte ihr ein Stück Brot bringen, und wenn sie einen Hexe wäre, würde sie daran ersticken. Sie erstickte daran…

Margaret und Philippa wurden in Lincoln vor Gericht gestellt, zum Tode verurteilt und im März 1619 aufgehängt.

Die Rutlands hatten damals ihre Familiengruft in der Kirche St Mary’s in Bottesford (Leicestershire) und da finden wir auch das Grabmal von Francis Manners, dem sechsten Earl, sowie Skulpturen seiner beiden so früh verstorbenen Söhne Henry und Francis.

Hier ist ein Film über das Thema.

Das Buch zum Artikel: 
Tracy Borman: Witches – A Tale of Sorcery, Scandal and Seduction. Jonathan Cape 2013. 320 Seiten. ISBN  978-0224090568.

Das Grabmal des sechsten Earl of Rutland.
Photo © J.Hannan-Briggs (cc-by-sa/2.0)

Die beiden (verhexten) Söhne Henry (vorn) und Francis in St Mary’s in Bottesford.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. November 2020 at 02:00  Comments (1)  
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The Mercury Fountain des Christ Church College in Oxford

Das altehrwürdige Christ Church College in Oxford kann sich rühmen, den größten Innenhof, Quad, von allen Colleges der Stadt zu besitzen. Die Anlage des rund 80×80 Meter großen Quads begann bereits in den Jahren 1525 bis 1529 unter Kardinal Wolsey, und auch heute noch ist er ein imposanter Anblick. Der Tom Tower (siehe dazu meinen Blogeintrag) überragt das College, und daher wird das Geviert auch Tom Quad benannt.

Eine Besonderheit des Christ Church College Quads ist der Mercury Fountain, ein Springbrunnen auf der Rasenfläche, der dem römischen Gott Merkur gewidmet ist, dem Gott der Händler und Diebe, aber vor allem als Götterbote bekannt. In dem Brunnen schwimmt ein großer Koi-Karpfen, den die Kaiserin von Japan im Jahr 2007 dem College schenkte. Glücklicherweise gab es den Koi noch nicht, als im College ein merkwürdiger Brauch ausgeübt wurde (der allerdings vor dem Zweiten Weltkrieg eingestellt wurde), bei dem die Studenten, die sich besonders sportlich hervortaten, die Kollegen, die eher intellektueller Natur waren, in den Mercury Fountain warfen. So etwas wäre sicher ganz nach dem Geschmack Boris Johnsons gewesen, der war aber im Balliol College.

Der bronzene Merkur, der heute den Brunnen bewacht, ist nicht der ursprüngliche, 1695 aufgestellte und dem College von dem berühmten Arzt John Radcliffe geschenkte Götterbote. Der wurde 1817 nämlich von dem 14. Earl of Derby, dem späteren Premierminister, als Studentenstreich von seinem Sockel geholt. Merkurs Kopf wird in der College-Bibliothek aufbewahrt. Über hundert Jahre stand der Brunnen „gottlos“ auf dem Rasen des Tom Squads bis schließlich 1928 ein neuer Merkur den Platz des früheren einnahm, das Geschenk eines wohlmeinenden Gönners. Diese Figur ist die Kopie einer Merkurstatue des Giovanni da Bologna, der sich im 16. Jahrhundert mit seinen Skulpturen und Brunnenfiguren in Italien einen Namen gemacht hatte.

1951 gelang dem Kapitän der Golfmannschaft des Christ Church College, P.F. Gardiner Hill, ein einmaliger Schlag, der nie wiederholt werden konnte. Vom Peckwater Building aus schlug er den Golfball über das Dach der Bibliothek direkt in den Merkurbrunnen auf dem Tom Squad, ein Hole-in-One wie es besser nicht sein kann.

Der Tom Quad mit dem Brunnen in der Mitte.
Author: roger4336
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Famous Graves – Bruce Reynolds‘ Grab auf dem Londoner Highgate Cemetery

In den 1960er Jahren gab  es im deutschen Fernsehen immer wieder sogenannte Straßenfeger, meist mehrteilige Fernsehspiele, bei denen so viele Zuschauer abends vor ihren TV-Geräten saßen, dass die Straßen Deutschlands wie leer gefegt wirkten. Das gibt es heute alles nicht mehr. Einer dieser Straßenfeger war „Die Gentlemen bitten zur Kasse„, in dem der berühmte Überfall auf den Postzug von Glasgow nach London am 8. August 1963 nachgespielt wurde. Mehr als £2.6 Millionen erbeuteten die Täter, die unter dem Kommando des „Superhirns“ Bruce Reynolds standen, damals sehr gut von Horst Tappert verkörpert, der im Film allerdings Michael Donegan hieß. Reynolds floh für einige Jahre ins Ausland, wurde aber am 9. November 1968 in Torquay in Devon festgenommen, wo er sich unter einem falschen Namen angesiedelt hatte. Reynolds wurde zu 25 Jahren Haft verurteilt, kam aber schon zehn Jahre später wieder auf freien Fuß. 1995 erschien sein Buch „The Autobiography of a Thief„, am 28. Februar 2013 starb er im Alter von 81 Jahren.

Seine letzte Ruhestätte bezog Bruce Reynolds am 8. August 2013 auf dem Londoner Highgate Cemetery, auf den Tag genau 50 Jahre nach dem Postzugraub, in Anwesenheit seines Ex-Räuberkollegen Ronnie Biggs. Für das Grabmal sorgte Bruce Reynolds‘ Sohn Nick Reynolds, ein Musiker und Bildhauer, der sofort nach dem Tod seines Vaters ihm seine Totenmaske abnahm. Diese Totenmaskenskulptur, umgeben von einem torartigen Stein, bildet den Mittelpunkt des Grabsteins. Auf der einen Seite des Steins sind die Worte “This is it” eingemeißelt, die Reynolds am 8. August 1963 aussprach als sich der Postzug näherte, auf der anderen Seite „C’est la vie„, was er schicksalsergeben bei seiner Verhaftung sagte.

Nick Reynolds hat sich auf die Anfertigung von Totenmasken spezialisiert. Auf dem Highgate Cemetery finden wir auch seine Bronzeskulpturen von Malcolm McLaren (siehe dazu meinen Blogeintrag), auch diese kurz nach dessen Tod erstellt, und die des iranischen Oppositionellen und Arztes Dr Manuchehr Sabetian.

 

Published in: on 3. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der nackte Mann auf dem Dach eines Hauses in der Broad Street in Oxford

In der Polizeizentrale von Oxford ging einmal an einem regnerischen Tag der Ruf einer Frau ein, die sich darüber beklagte, dass auf dem Dach eines Hauses an der Broad Street Ecke Turl Street ein nackter Mann stünde, der auf die Passanten urinieren würde. Ob dieser Ruf einen sofortigen Einsatz eines Streifenwagens veranlasste oder ob der Beamte an der Telefonleitung in lautes Gelächter ausbrach, weiß ich nicht. Die Anruferin hatte insofern recht, als da tatsächlich ein nackter Mann auf dem Gebäude stand, in dem unten Blackwell’s Art and Poster Shop untergebracht ist, doch dieser Mann besteht aus Eisen, und da der Körper mit allen männlichen Attributen ausgestattet ist und wenn der Regen auf ihn herabfällt, nun, da sieht es wirklich so aus, als ob…

Es handelt sich hier um ein Kunstwerk des berühmten Bildhauers Antony Gormley, der immer wieder damit überrascht, wo man seine Skulpturen finden kann. Seine Serie „Another place“ am Crosby Beach in Lancashire (ich berichtete in meinem Blog darüber) besteht aus 100 identischen Männerfiguren, die am Strand alle zum Meer ausgerichtet sind; die andere Figurenserie namens „Another time“ besteht aus den gleichen 100 identischen Skulpturen, die aber alle in der Welt verstreut sind; eine davon eben auch in Oxford. Antony Gormley hat sie nach seinem eigenen Körper geformt.

Der eiserne Mann auf dem Dach des Blackwell’s Shop gehört dem Exeter College, das für die Anschaffung des Kunstwerks eine anonyme Spende von über £250 000 erhielt, worüber man sich in dem College natürlich sehr freute. Im Februar 2009 wurde Gormleys Kreation auf das Dach gehievt und in Anwesenheit der Rektorin des Exeter College, der Bürgermeisterin von Oxford und des Künstlers selbst eingeweiht. Die Figur ist über zwei Meter groß und wiegt zehn Zentner. Viele Passanten werden sie gar nicht wahrnehmen wenn sie an dem Gebäude vorbeigehen. Da wir in Oxford sind, ist die Skulptur schon mehrfach von Studenten für „pranks“ benutzt und in witzige Kleidungsstücke gehüllt worden.

Hier ist ein Film von der Eröffnungszeremonie.

Published in: on 4. September 2020 at 02:00  Comments (3)  
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The Rush of Green – Eine Skulptur des Bildhauers Jacob Epstein neben One Hyde Park in Kensington

Nachdem ich gestern in meinem Blog über One Hyde Park geschrieben habe, bleibe ich heute noch einmal in Kensington und stelle die Skulptur The Rush of Green des amerikanisch-britischen Bildhauers Jacob Epstein (1880-1959) vor. Wir begegneten Jacob Epstein schon einmal in meinem Blogeintrag vom 25. April 2018, als ich seine umstrittenen Skulpturen am Londoner Zimbabwe House vorstellte.

The Rush of Green, die auch Pan Statue genannt wird, war Epsteins letztes Werk, bevor er, ganz in der Nähe in Kensington, 1959 starb. Posthum wurde es in Bronze gegossen und 1961 am Bowater House aufgestellt. Hier blieb die Skulptur bis zum Abriss des Bürogebäudes im Jahr 2006 stehen, wo anschließend One Hyde Park errichtet wurde. Nachdem sie vier Jahre lang während der Bauarbeiten entfernt worden war, fand die Pan Statue ihr neues Zuhause neben dem Luxus-Wohnkomplex wieder.

The Rush of Green zeigt eine Familie, bestehend aus Vater, Mutter, Kind und Hund, die in Richtung Hyde Park flüchtet (vielleicht verabscheuen sie das neue Gebäude), verfolgt vom flötespielenden Gott Pan. Epstein soll sogar an seinem Todestag noch letzte Hand an das Ensemble gelegt haben.

Die Meinung der Kunstkritiker über die Familiengruppe Epsteins ging weit auseinander. Von „An embarrassing decline from his works of a few years before“ (Buildings of England) bis zu „“the almost reckless sense of energy that Epstein may have guessed would be his last“ (Richard Cork).

Published in: on 16. Juli 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Die GoGo Hares von Norwich (Norfolk) – Bunte Hasen, die die Stadt im Sommer 2018 bevölkerten

George the Watchmaker.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Es ist jetzt zwei Jahre her, dass eine Invasion von bunten Hasen die Stadt Norwich in der Grafschaft Norfolk heimsuchte. Elf Wochen lang, im Sommer 2018, standen an strategischen Punkten der Stadt fünfzig große Hasenskulpturen, die der Stadt einen freundlichen Anstrich verliehen. Leider wurden sie nach der Aktion wieder entfernt und bei einer Auktion versteigert. Neben diesen Stadthasen gab es auch noch „county hares“ und 164 „leverets“, also Häschen, die alle für einen guten Zweck eingesetzt wurden, nämlich zur finanziellen Unterstützung von Norfolks Break, einer Wohltätigkeitsorganisation, die sich um benachteiligte Kinder kümmert und sieben Kinderheime in Norfolk und Cambridgeshire unterhält.

Die GoGo Hares, wie die Hasen genannt wurden, brachten eine Menge Geld ein; £409.600 waren es, die bei der Auktion zusammen kamen. Die Hasen wurden überwiegend von lokalen und regionalen Firmen und Organisationen gesponsert und von Künstlern bemalt.

Hier ist der offizielle „Hoppy-Film“. Einige der schönsten Exemplare habe ich im Folgenden zusammengestellt.

Etwas Ähnliches fand in Stockport (Greater Manchester) statt, dort waren es allerdings Frösche (ich berichtete in meinem Blog darüber).

Professor Hare and his Magic Library.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Lewis the Timely Hare.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Hare LeQuin.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Wonderland Hare.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. Juli 2020 at 02:00  Comments (7)  
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Der englische Künstler Jamie McCartney aus Brighton und seine Genital Art

Früher lag Jamie McCartneys Studio in Ship Street Gardens, einer winzigen Gasse in dem englischen Badeort Brighton, nicht weit von der Strandpromenade entfernt. Jetzt hat der Künstler sein Studio Brighton Body Casting im Hove Enterprise Centre in der Basin Road North, und ich könnte mir denken, dass er gezielt Brighton als Wohn- und Arbeitsort aussuchte, denn diese Stadt gilt als eine der liberalsten und tolerantesten im ganzen Land. Ob andere Städte sich dabei wohl gefühlt hätten, Aktionen wie „Free the Nipple“ durchzuführen wie im letzten Jahr im Juli geschehen, bei der Jamie McCartney Hunderte Gipsabdrücke von weiblichen Brustwarzen als Kühlschrankmagneten verteilt hatte?

Jamie McCartney, geboren im Jahr 1975 mit künstlerischer Ausbildung in den USA, ist schon ein ungewöhnlicher und bemerkenswerter Mann, der sich nicht scheut, mit Tabus zu brechen. International bekannt wurde er durch seine Genital Art und speziell durch seine „Great Wall of Vagina„, das sind Abgüsse von 400 weiblichen Genitalien, die er im Laufe von fünf Jahren von Frauen im Alter von 18 bis 76 Jahren nahm. Auf zehn Paneelen mit jeweils 40 Gipsabdrücken hat Jamie McCartney sein Kunstwerk untergebracht, das die unterschiedlichen Formen der Vulva darstellen soll. Es wurde schon international auf mehreren Ausstellungen gezeigt und erzeugte verständlicherweise große Aufmerksamkeit.

Weitere Werke seiner Genital Art sind seine Penis Works, ein Gegenstück zu der Wall of Vagina, einmal 16 Penisse in erregtem Zustand („4×4„) und 15 Penisse im entspannten Zustand („15 Minutes„). „The Spice of Life“ schuf McCartney 2006 für die Ausstellung Amora London, und dieses Werk zeigt sowohl männliche als auch weibliche Genitalien und Brüste auf einem einzigen Tableau. „Old Glory“ schließlich zeigt die Flagge der USA, zusammengestellt aus 335 Abdrücken seines eigenen Peniskopfes.

Jamie McCartneys Schaffen umfasst darüber hinaus noch Skulpturen nackter weiblicher und männlicher Körper in Lebensgröße, Flaggen mehrerer Länder, die aus Scanografien von Frauen in roten, schwarzen und gelben BHs bestehen, und vielen anderen Dingen mehr.
In seinem Shop bietet der Künstler viele seiner Werke zum Kauf an. Wer möchte, kann auch Abgüsse seiner eigenen Körperteile im Studio Jamie McCartneys nehmen lassen und diese dann beispielsweise in Kristallglas oder Bronze anfertigen lassen.

In diesem Film ist der Meister bei der Arbeit zu sehen.

 

Published in: on 20. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The National K9 Police Dog Memorial in Chelmsford (Essex)

Die Medical Detection Dogs, über die ich kürzlich berichtete, haben noch keines, ihre Kollegen von der Polizei aber schon: Ein Denkmal, das an ihre Verdienste erinnert. Auf dem Gelände des Chelmsford and Essex Regiment Museums in Chelmsford (Essex), im Oaklands Park, wurde am 12. April 2019 das National K9 Police Dog Memorial eingeweiht (K9=canine), eine Statue, die einen Polizeibeamten, einen Schäferhund und einen Cockerspaniel zeigt. Bei den Hunden handelt es sich um Karly von der Metropolitan Police und Ludo von der Essex Police.
Der Schäferhund Karly hatte sich auf „Victim Recovery and Blood Detection“ spezialisiert und sich bei der Metropolitan Police seine Verdienste erworben. Sie war zuletzt in Wales im Einsatz und ist dort leider gestorben.
Cockerspaniel Ludo war äußerst beliebt bei den Beamten der Polizei von Essex, hatte er doch dazu beigetragen, viele Kriminalfälle zu lösen. Heute ist er im Ruhestand.

John Doubleday hat das Denkmal in Chelmsford geschaffen. Der Künstler hat sein Atelier in Great Totham (Essex), rund 20 Kilometer von Chelmsford entfernt. Bekannt geworden ist er unter anderem durch seine beiden Sherlock Holmes-Skulpturen, die eine in London (Marylebone Road/Baker Street), die andere in Meiringen in der Schweiz.

Das Denkmal entstand durch eine Initiative des Polizeibeamten Paul Nicholls aus Essex, dessen Hund Sabre im Jahr 2006 an Krebs starb. Die Einweihung des National K9 Police Dog Memorials erfolgte durch Cressida Dick, Commissioner der Metropolitan Police, nachdem der Bischof von Chelmsford es gesegnet hatte. Anwesend waren viele Polizeibeamtinnen und -beamte, natürlich mit ihren Hunden, die an diesem Tag die Hauptpersonen waren. Dieser Film zeigt die Zeremonie.

Jason deCaires Taylors „Alluvia“ im River Stour in Canterbury (Kent)

Ich bin sicher, dass viele Besucher der Stadt Canterbury in Kent sich fürchterlich erschrocken haben, wenn sie einmal von der Westgate Bridge in den River Stour hinuntergeschaut und dort auf dem Grund des Flusses zwei leblose Körper gesehen haben. Beim näheren Hinblicken erkennt man dann erst, dass es sich glücklicherweise nicht um zwei Wasserleichen handelt, sondern um die Skulpturen zweier Frauenkörper, geschaffen von dem Künstler Jason deCaires Taylor, der sich auf Unterwasserskulpturen spezialisiert hat. In meinem Blog stellte ich ihn schon einmal mit seinem Themse-Kunstwerk „The Rising Tide“ vor.

Aus Glasharz, Zement und recyceltem Glas bestehen die beiden Skulpturen im River Stour, die sich „Alluvia“ (alluvial=durch einen Fluss abgelagert) nennen und 2008 installiert wurden. Noch eindrucksvoller wirken die beiden nackten Damen im Dunkeln, denn sie sind beleuchtet. Die Menge der auf den Figuren abgelagerten Algen dienen als Hinweis darauf wie sauber bzw. wie verschmutzt der River Stour ist.

Vorbild für das Kunstwerk war für Jason deCaires Taylor das Bild „Ophelia„, das Mitte des 19. Jahrhunderts von dem Maler Sir John Everett Millais (1829-1896) geschaffen wurde und das im Museum Tate Britain in London hängt.

Taylor wuchs in Canterbury auf und wohnte in der St Augustine’s Road. Er besuchte die Chaucer Technology School und wollte gern auf das Kent Institute of Art and Design, das ihn jedoch nicht annahm. Jetzt ist er weltweit einer der angesehensten Unterwasserkünstler.

Der River Stour in Canterbury an der Westgate Bridge.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

 

Published in: on 14. April 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Das Shelley Memorial in Oxfords University College

Aller guten Dinge sind drei könnte man sagen, denn ich habe in meinem Blog bereits über zwei Denkmäler des englischen Dichters Percy Bysshe Shelley (1792-1822) berichtet, eines in der Priory Church in Christchurch und ein ziemlich ungewöhnliches in Horsham (West Sussex). Heute stelle ich Denkmal Nummer Drei vor, das im University College in Oxford zu finden ist.

Shelley besuchte dieses College als Student in den Jahren 1810/11 und niemand hätte damals gedacht, dass ihm dort einmal ein Denkmal gesetzt werden würde, denn der junge Mann erwies sich als widerborstig und unkonventionell, so dass er 1811 des Colleges verwiesen wurde.  Er dachte sich so manchen Streich aus (einmal setzte er den Türgriff an einer Wohnung eines unbeliebten Lehrers unter Strom); der eigentliche Grund, warum er aus dem College geworfen wurde, war aber, dass er ein Pamphlet mit dem Titel „The Necessity of Atheism“ verfasste, das gar nicht gut ankam. Also, hinaus mit dem jungen Mann.

Elf Jahres später, Percy hatte sich mittlerweile einen Ruf als romantischer Dichter erworben, ertrank er am 8. Juli 1822 in den Fluten des Mittelmeeres bei Viareggio in Italien. Seine Leiche wurde an den Strand gespült und genauso wurde auch die Marmorskulptur in Oxford gestaltet, der nackte, liegende Körper des Dichters auf einem bronzenen Sockel. Eigentlich wollte Shelleys Schwiegertochter Jane dieses Memorial Ende des 19. Jahrhunderts auf dem Grab in Rom errichten lassen, doch es erwies sich als zu groß für die Grabstelle, so bot sie es Shelleys ehemaligem College an, das akzeptierte. 1893 wurde das Denkmal offiziell eingeweiht.

Geschaffen hat es der Londoner Bildhauer Edward Onslow Ford, Schöpfer zahlloser Skulpturen und Büsten prominenter Menschen. Ursprünglich trug Shelleys Figur einen bronzenen Lorbeerkranz auf der Stirn, doch wurde der bei einem Studentenstreich in den 1930er Jahren entwendet. Die Skulptur wurde noch mehrfach zur Zielscheibe studentischer Streiche, doch Shelley würde das wahrscheinlich gut gefunden haben, war er doch selbst auch ein berüchtigter „prankster“.

Oxfords University College.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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