Anna Sewell (1820 – 1878), die Frau, die das berühmte Kinderbuch „Black Beauty“ schrieb – Einige Stationen aus ihrem Leben

his image is in the public domain because its copyright has expired.

This image is in the public domain because its copyright has expired.

Anna Sewell sollte nie selbst erleben, dass ihr Buch „Black Beauty“ (dt. „Black Beauty: Die Lebensgeschichte eines Pferdes von sich selbst erzählt“), das 1877 erschien, zu einem Weltbestseller wurde, denn sie starb im Jahr 1878. £20 zahlte ihr damals der Verleger Jarrolds in Norwich (Norfolk), bis heute sind über 50 Millionen Exemplare verkauft worden. Sewell setzte sich in ihrem Buch für den Tierschutz ein, denn zu ihrer Zeit wurden Pferde häufig grausam behandelt. Black Beauty erfährt diese Behandlung am eigenen Leib, doch die Geschichte hat ein Happy End: Kurz bevor es mit dem Tier zu Ende geht, gerät es in die Hände seines ehemaligen Stallburschen, der es aus dem bisherigen Elend erlöst und es bei sich aufnimmt.

Hier sind einige Stationen aus ihrem Leben:
Anna Sewell wurde am 30 März 1820 in dem Seebad Great Yarmouth (Norfolk) geboren und zwar in einem alten Fachwerkhaus ganz in der Nähe der St Nicholas Church, in der Straße Church Plain. Dieses schmale Häuschen gibt es noch heute, darin befindet sich zurzeit ein Tea Room.

Anna Sewells Geburtshaus in Great Yarmouth    © Copyright Pierre Terre and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Anna Sewells Geburtshaus in Great Yarmouth (das kleine Fachwerkhaus).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Pierre Terre and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

In einem Haus in der Spixworth Road Nummer 125 in Old Catton schrieb Anna Sewell ihren Roman „Black Beauty“. Der Ort liegt am nördlichen Rand der Stadt Norwich.

Annas Bruder Philip besaß ein Pferd namens Black Bess, das sie zu ihrem Roman angeregt haben soll. Die Scheune in der Black Bess untergebracht war, beherbergt heute das Sewell Barn Theatre am Constitution Hill in Norwich.

Das Sewell Barn Theatre in Norwich. Copyright: Literary Norfolk

Das Sewell Barn Theatre in Norwich.
Copyright: Literary Norfolk

Anna Sewell starb am 25. April 1878 und wurde in Lamas, 12 Kilometer nordöstlich von Norwich, auf dem Gelände der Old Quaker Chapel beigesetzt. Das Haus ist heute in Privatbesitz; die Eigentümer haben Anna Sewells Grabstein in die Außenmauer, die das Haus umgibt, integriert, so dass Black Beauty-Fans auch heute noch der Autorin huldigen können.

Lamas (Norfolk): Anna Sewells Grabstein in der Außenmauer.    © Copyright Evelyn Simak and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Lamas (Norfolk): Anna Sewells Grabstein in der Außenmauer der ehemaligen Quäker-Kapelle..
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Evelyn Simak and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Geschichte des schwarzen Hengstes wurde mehrfach verfilmt, u.a. 1994 mit Jim Carter („Downton Abbey“), Sean Bean und Andrew Knott („The Secret Garden“). Hier ist der Trailer.

Published in: on 27. März 2014 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

Mein Buchtipp – Oliver Tearle: Britain by the Book – A Curious Tour of Our Literary Landscape

Foto meines Exemplares.

Dr. Oliver Tearle ist Programme Director for English an der Loughborough University, und der Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt in der Forschung zur Literatur in der Zeit von 1880-1930, und da beschäftigt er sich speziell mit der Dichtkunst des 20. Jahrhunderts und mit Ghost Stories. Seine Doktorarbeit wurde unter dem Titel „Bewilderments of Vision“ 2013 veröffentlicht. Hier ist er in einem Film zu sehen.

2017 erschien sein Buch „Britain by the Book – A Curious Tour of Our Literary Landscape„, in dem er sich in kurzen Kapiteln mit der literarischen Topografie Großbritanniens beschäftigt, das heißt, er ordnet bestimmte Orte Dichtern und Schriftstellern zu. Schon im Vorwort erfahren wir einige interessante Fakten wie zum Beispiel, dass Sir Arthur Conan Doyle seine Augenarztpraxis in der Nähe der Londoner Baker Street hatte, dort, wo sein berühmter Detektiv Sherlock Holmes wohnte, und dass ihn dort nicht ein einziger Patient aufsuchte.

Ich nenne hier nur einige wenige Schriftsteller-Stadt-Verbindungen, mit denen sich Dr. Tearle in seinem Buch auseinandersetzt:

Bram „Dracula“ Stoker und Whitby im Osten von Yorkshire

Lawrence „Tristram Shandy“ Sterne und Coxwold (North Yorkshire)

Alfred Edward „A Shropshire Lad“ Housman und Ludlow (Shropshire)

John „Paradise Lost“ Milton und Chalfont St Giles (Buckinghamshire)

Anna „Black Beauty“ Sewell und Norfolk

Ein lesenswertes Buch für jeden, der sich für die britische Literaturgeschichte interessiert!

Oliver Tearle: Britain by the Book – A Curious Tour of Our Literary Landscape. John Murray 2017. 230 Seiten. ISBN 978-1-473-66603-0.

The Dracula Experience in Whitby.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Shandy Hall in Coxwold.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Ein A.E. Housman Memorial an der St Laurence Church in Ludlow.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

John Miltons Cottage in Chalfont St Giles.
Author: MortimerCat
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Anna Sewells Haus in Great Yarmouth in Norfolk, in dem sie „Black Beauty“
schrieb.
Photo © Paul Shreeve (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. Februar 2019 at 02:00  Comments (1)  

Village Signs – Felthorpe in Norfolk

   © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

  © Copyright Evelyn Simak and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Dort wo die Taverham Road auf die Hauptstraße von Felthorpe (Norfolk), die nur  einfach The Street heißt, stößt, findet man auf einer kleinen Rasenfläche das Village Sign des Ortes. Felthorpe liegt ein paar Kilometer nordwestlich von Norwich.

Das hübsche bunte Schild bietet so einiges zum Ansehen, was auf den ersten Blick nicht selbst erklärbar ist. St Margaret’s Church im Hintergrund ist nicht schwer zu erkennen, aber was hat es mit dem schwarzen Pferd auf sich, das zwei Damen auf einem kleinen Wagen zieht? Was bedeutet das Victoria Cross ganz oben und die Bäume und die Abbildung eines Mammuts im unteren Teil des Bildes?

Ein wenig Unterstützung bei der Erklärung dieses Dorfschildes habe ich mir bei John Timpson und dessen Buch „Timpson on the Verge“ geholt. Darin schreibt er, dass es 1998 errichtet wurde, als Ersatz für ein anderes Schild, das reparaturbedürftig war.

Dominiert wird das Village Sign von Felthorpe von dem erwähnten kleinen Gespann in der Mitte des Bildes. Bei den beiden Damen handelt es sich um die Schriftstellerinnen Anna Sewell (ich berichtete über sie in meinem Blog) und ihre Mutter Mary Wright Sewell. Anna Sewell ist die Autorin des weltbekannten Romans „Black Beauty: The Autobiography of a Horse “ (dt. „Black Beauty: Die Autobiografie eines Pferdes“), der 1877 erschien und in dem der schwarze Hengst mit dem titelgebenden Namen aus seinem Leben erzählt. Die Sewells wohnten eine Zeit lang nicht weit von hier. Bei dem stolzen Dorfschild-Pferd dürfte es sich wohl um Black Beauty handeln.

Der Orden auf dem Bild stellt das Victoria-Cross dar, das Claud Thomas Bourchier für seine Tapferkeit im Krimkrieg verliehen bekam, als er am 20. November 1854 in Sebastopol zusammen mit einem anderen Offizier eine Stellung hielt, obwohl sie unter starkem Beschuss von russischen Soldaten standen. In der Kirche St Margaret’s findet man ein Fenster, das an den mutigen Mann erinnert, der in der Nähe auf dem Kirchhof von St Andrew’s in Buxton beerdigt wurde.

Die Abbildung des Mammuts weist darauf hin, dass in der Nähe einmal die Stoßzähne und die Knochen eines solches Tieres in einer Kiesgrube gefunden wurden. Die Bäume auf dem Dorfschild symbolisieren den Felthorpe Forest, der sich entlang der Straßen The Street und Shortthorn Road zieht.

Es ist schade, wenn man an den Village Signs in englischen Dörfern immer nur vorbeifährt. Sie sind mit sehr viel Liebe gestaltet und sehr informativ.

Das Ostfenster von St Margaret's, dessen unterer Teil an Claud Thomas Bourchier erinnert.   © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Ostfenster von St Margaret’s, dessen unterer Teil an Claud Thomas Bourchier erinnert.
    © Copyright Evelyn Simak and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

   © Copyright Adrian Cable and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

   © Copyright Adrian Cable and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 1. Juni 2016 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

The Chilterns Teil 2: The Home of Rest for Horses bei Princes Risborough (Buckinghamshire)

Ein Bewohner des Home of Rest for Horses auf der Speen farm.    © Copyright Andrew Smith

Ein Bewohner des Home of Rest for Horses auf der Speen Farm.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Andrew Smith

Was macht man eigentlich mit ausgemusterten oder ausgedienten Pferden, die jahrelang beim Militär oder bei der Polizei ihre Arbeit verrichtet haben? In England finden viele dieser Tiere eine Art Seniorenresidenz im Home of Rest for Horses auf der Speen Farm, die sich außerhalb von Princes Risborough, zwischen Aylesbury und High Wycombe, in Buckinghamshire in den Chiltern Hills befindet. Hier leben hundert Pferde und einige Esel, die in ihrem Leben von ihren Besitzern grausam behandelt bzw. vernachlässigt worden sind.

Bereits 1886 wurde der Horse Trust von Ann Lindo in London gegründet, um den überstrapazierten Kutschpferden in der Hauptstadt eine Art Kur anzubieten, während der sich die Tiere erholen konnten, um dann wieder gestärkt und erfrischt ihre Arbeit wiederaufnehmen zu können. Inspiriert wurde Ann Lindo durch den Roman „Black Beauty“ der Schriftstellerin Anna Sewell aus dem Jahr 1877, in dem es um das traurige Schicksal des Londoner Droschkenpferdes Black Beauty geht.

Das Home of Rest for Horses befand sich erst in verschiedenen Teilen der Hauptstadt, zog dann nach Hertfordshire um, bis es 1971 dann seinen endgültigen Stützpunkt auf der Speen Farm in den Chiltern Hills gefunden hat. Hier in der Ruhe und Abgeschiedenheit können die Tiere ihren Lebensabend verbringen. Auf der Speen Farm wohnen z.B.:
Chester – der in London bei der Household Cavalry gedient hat, aber wegen Arthritis nicht mehr weiter arbeiten konnte
Clyde – „the bravest police horse that Thames Valley Police has ever known“
Tom – der seinen Dienst im The Royal Mews Buckingham Palace and Sandringham versah
Ryan – ein einstmals abgemagertes, vernachlässigtes und lethargisches Tier, das der Horse Trust wieder zu einem lebensfrohen Pferd gemacht hat.

Der Trust exisitiert ausschließlich durch Spenden.

Wer sich The Home of Rest for Horses einmal ansehen möchte: Donnerstags bis Sonntags, jeweils von 14 Uhr bis 16 Uhr sind die Tore für jedermann geöffnet. £5 kostet der Eintritt pro Auto (bis zu 6 Personen).

Auf dieser Webseite ganz unten ist ein Film über die Speen Farm zu sehen.

The Horse Trust
Home of Rest for Horses
Speen
Princes Risborough
Buckinghamshire
HP27 OPP

Die Speen Farm in den Chiltern Hills.    © Copyright Andrew Smith

Die Speen Farm in den Chiltern Hills.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Andrew Smith

Published in: on 28. Juli 2013 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

Stamford (Lincolnshire) – Ein Paradies für Filmproduzenten

Die St Mary's Street in Stamford. Eigenes Foto.

Die St Mary’s Street in Stamford.
Eigenes Foto.

Über die Stadt Stamford in Lincolnshire berichtete ich schon zweimal; einmal über das empfehlenswerte George Hotel, in dem ich bei meinen beiden Besuchen übernachtete und einmal im Zusammengang mit Daniel Lambert, dem einst dicksten Mann Englands, der hier starb und auf dem Kirchhof der St Mary’s Church begraben wurde.

In Stamford findet man noch viele alte und gut erhaltene Straßenzüge, ideal für Filmproduktionen, was die Location Scouts auch bald herausbekamen. 1993 drehte man hier z.B. die BBC-Mini-Serie „Middlemarch“ nach dem gleichnamigen Buch von George Eliot aus dem Jahr 1871. In den Hauptrollen wirkten Juliet Aubrey (Inspector Barnaby-Fans erkennen in ihr sicher die Ginny Lamington aus Episode 49 „Country Matters“ wieder, die im ZDF unter dem Titel „Pikante Geheimnisse“ gezeigt wurde), Rufus Sewell und Douglas Hodge mit. Viele Änderungen musste man in den Straßen gar nicht vornehmen, damit aus Stamford die Kleinstadt Middlemarch werden konnte. Gedreht wurde am St George’s Square, am Browne’s Hospital, am Mill Lane und am Stamford Arts Centre in der St Mary’s Street, das als White Hart Hotel fungierte. Das vor den Toren Stamfords gelegene berühmte Burghley House (das einen Besuch wirklich lohnt!) mit seinem Park bietet sich geradezu an, auch hier Dreharbeiten vorzunehmen, was man für „Middlemarch“ auch tat. Wie es bei der Produktion der Mini-Serie am St Georges’s Square zuging, zeigt dieser Film. Hier ist der deutschsprachige Trailer.

Auch für die Verfilmung von Jane Austens „Pride and Prejudice“ (dt. „Stolz und Vorurteil“) mit Keira Knightley, Carey Mulligan und Donald Sutherland wählte man zehn Jahre später wieder die Straßen Stamfords, dieses Mal fungierte die Stadt als das Dorf Meryton. Gedreht wurde am St George’s Square und in der St Mary’s Street. Hier ist der Trailer der BBC-Produktion.

In Stamford wurden zwei Männer geboren, auf die die Stadt nur zum Teil stolz sein kann. Da ist einmal Colin Dexter, einer der für mich besten englischen Krimiautoren, der den unvergesslichen Inspector Morse aus Oxford schuf. Am 29. September 1930 erblickte er das Licht der Welt hier in Lincolnshire. Das „schwarze Schaf“ Stamfords ist sicherlich John George Haigh, der am 24. Juli 1909 in der Stadt geboren wurde und der in die Annalen der englischen Kriminalgeschichte als der „Säurebadmörder“ einging. Ich berichtete über ihn in meinem Blog.

Bei den Dreharbeiten zu "Pride and Prejudice" vor dem Stanford Arts Centre.   © Copyright Nat Bocking and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bei den Dreharbeiten zu „Pride and Prejudice“ vor dem Stamford Arts Centre.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Nat Bocking and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St George's Square in Stamford.   © Copyright Dave Hitchborne and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St George’s Square in Stamford.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Dave Hitchborne and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 

Published in: on 18. Oktober 2014 at 02:00  Comments (3)  
Tags: