Mein Buchtipp – Tom Bolton: Low Country – Brexit on the Essex Coast

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Am 22. Mai diesen Jahres stellte ich an dieser Stelle Justin Hoppers Buch „The Old Weird Albion“ vor, das in dem Londoner Verlag Penned in the Margins erschienen ist und von den Wanderungen des Autors durch Hampshire und Sussex erzählt. Im gleichen Verlag erschien ein ähnlich gelagertes Buch mit dem Titel „Low Country – Brexit on the Essex Coast“ von Tom Bolton. Bolton und seine Partnerin berichten darin von ihren Wanderungen entlang der Küste der Grafschaft Essex.

Die Reise beginnt dort, wo Greater London auf Essex trifft, eine nicht sehr attraktive Region, die von Industriebauten und riesigen Lagerhallen beherrscht wird. Amazon hat dort in Tilbury sein größtes Warenlager in Europa errichtet. Weiter geht die Reise über die Halbinsel Canvey Island und Southend-on-Sea zu der höchst merkwürdigen Foulness Island, die dem britischen Verteidigungsministerium gehört und die häufig mit der amerikanischen Area 51 in Nevada verglichen wird (ich berichtete in meinem Blog über die Insel). Weitere Stationen sind die Dengie-Halbinsel, Northey Island und Osea Island im Mündungstrichter des River Blackwater und die Mersea Island. Bei Manningtree an der Grenze zu Suffolk geht die Reise zu Ende.

Wir erleben die Grafschaft Essex wie sie die die meisten Touristen nicht zu sehen bekommen. Von den unansehnlichen Industriegebieten im Westen zu den gering besiedelten Marschlandschaften im Osten, wo Land und See manchmal fließend ineinander übergehen. Tom Bolton schreibt außerordentlich fesselnd; man erfährt ständig Interessantes und Merkwürdiges, das Buch wird nie langweilig. Außerdem ist der Autor ein entschiedener Gegner des Brexits, was ihn mir noch sympathischer macht.

Absolut empfehlenswert!!

Tom Bolton: Low Country – Brexit on the Essex Coast. Penned in the Margins 2018. 292 Seiten. ISBN 978-1-908058-59-1.

Die weniger schöne Seite von Essex: Öltanks an der Küste.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Und das andere Essex: Mersea Island.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 3. Juli 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – Harry Mount: How England Made the English

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Wenn man England und die Engländer richtig verstehen möchte, dann empfehlen sich dafür zwei Bücher: Kate Fox‘ „Watching the English“ und Harry MountsHow England Made the English„. Ersteres habe ich in meinem Blog bereits vorgestellt, letzeres stelle ich heute vor.

Der Londoner Harry Mount, Jahrgang 1971, ist ein Journalist, der unter anderem für den Daily Telegraph gearbeitet hat, ist mit Ex-Premierminister David Cameron verwandt und studierte am Magdalen College in Oxford. „How England Made the English“ ist bereits sein viertes Buch, das den Untertitel hat „From Why We Drive on the Left to Why We Don’t Talk to Our Neighbours„. Es hat nur sehr wenige Überschneidungen mit dem Buch von Kate Fox. Auf der Rückseite des Buches steht zu lesen: „The English character is principally an accident of geography and weather…Harry Mount scours the length and breadth of the country to find the curiosities, idiosyncrasies and pecularities that have made us who and what we are„.
Diese Worte beschreiben sehr gut den Inhalt des Buches, das mit einem Kapitel über das Wetter beginnt, ein Thema das unausrottbar mit allem Englischen verbunden ist. In einem weiteren Kapitel beschäftigt er sich mit dem Nord-Süd-Gefälle in England, in einem anderen geht es um das Dauerthema Verfall der High Streets. In „The Rolling English Road“ steht das englische Straßen- und Verkehrssystem im Mittelpunkt und in „A Nation of Gardeners“ schreibt Harry Mount über die Faszination seiner Landsleute mit Gärten.

Harry Mount muss sehr viel Zeit mit Recherchen für sein Buch verbracht haben, denn es ist voll gestopft mit Zahlen und Fakten. Alle Angaben sind gut dokumentiert, die Bibliografie umfasst sechs Seiten.

Das Buch ist zwar als Hardcover bereits 2012 erschienen (ich besitze die Taschenbuchausgabe aus dem Jahr 2013), es hat sich aber bis heute kaum etwas geändert. Ein richtig interessantes Buch, das ich jedem an England Interessierten sehr empfehlen kann! In diesem Film stellt Harry Mount sein Buch vor.

Harry Mount: How England Made the English. Penguin Books 2013. 340 Seiten. ISBN 978-0-670-91914-7.

Published in: on 6. Juni 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Justin Hopper: The Old Weird Albion

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Ich nehme heute noch einmal mein gestriges Blogthema auf: Beachy Head in East Sussex. Das Thema Selbstmord am Beachy Head zieht sich wie ein roter Faden durch Justin Hoppers Buch „The Old Weird Albion„, das 2017 im Londoner Verlag Penned in the Margins erschienen ist.
Justin Hopper ist US-Amerikaner, der mit seiner Familie in Suffolk lebt. In seinem Buch begibt er sich auf eine Reise durch die Grafschaften Hampshire und West- und East-Sussex. Die erste Frau von Justin Hoppers Großvater soll sich vor vielen Jahren die Klippen hinuntergestürzt haben; dem Autor gelingt es am Ende des Buches die Fakten zu verifizieren. Ja, sie ist gesprungen, hat den Sturz aber schwer verletzt überlebt.

„The Old Weird Albion“ ist ein „poetic essay interrogating the high, haunted landscape of the English South“. Auf seiner Reise begegnet Justin Hopper New Age Exzentrikern, Kornkreisarchitekten, Geister der Vergangenheit werden in dem Küstenort Peacehaven (East Sussex) wachgerufen, mit seinem kleinen Sohn besucht er die Hügelfigur The Long Man of Wilmington in East Sussex, und er stattet der prähistorischen Wallburg Chanctonbury Ring (West Sussex) einen Besuch ab.

Der Chanctonbury Ring scheint es dem Autor des Buches besonders angetan zu haben, denn basierend auf dem entsprechenden Kapitel seines Buches, hat Justin Hopper, gemeinsam mit Sharron Kraus, eine CD bzw. eine Vinyl-LP veröffentlicht mit dem Titel „Chanctonbury Rings„, worauf Folksongs und Sprechgesang zu hören sind. Als Beispiel sei hier der Titel „Slow Air“ genannt.

Mich hat diese etwas andere Art einer Wanderung durch Englands Süden sehr angesprochen. Sie fällt aus dem Rahmen der üblichen Reisebeschreibungen. Hier ist der Booktrailer.

Justin Hopper: The Old Weird Albion. Penned in the Margins 2017. 247 Seiten. ISBN 978-1-908058-37-9.

Die Roderick Avenue in Peacehaven, die der Autor entlang wandert.
Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)

The Long Man of Wilmington in East Sussex.
Photo © Len Williams (cc-by-sa/2.0)

Chanctonbury Ring in West Sussex.
Photo © Chris Heaton (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 22. Mai 2020 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – Kate Fox: Watching the English – The Hidden Rules of English Behaviour

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Ich habe in meinem Blog schon einige Male Bezug genommen auf Kate Fox‘ Buch „Watching the English – The Hidden Rules of English Behaviour„, das ich erstmals im Jahr 2004 gelesen habe. Zehn Jahre später erschien eine aktualisierte und erweiterte Auflage, die ich mir jetzt noch einmal vorgenommen und erneut mit großer Begeisterung studiert habe. Es gibt wahrscheinlich kein besseres Buch, das das englische Wesen derart gut herausarbeitet, und das auch noch auf sehr humorvolle Weise.

Kate Fox ist Anthropologin, Tochter des Anthropologen Robin Fox, studierte in Cambridge und ist Ko-Direktorin des Social Issues Research Centres in Oxford. Nach der Lektüre des 583 Seiten starken Buches betrachtet man die Eigenarten und Verhaltensweisen der Engländer mit ganz anderen Augen. In einigen Dingen fühlte ich meine eigenen Erfahrungen bestätigt wie zum Beispiel das Verhalten der Engländer im Urlaub in anderen Ländern oder das Auftreten Jugendlicher am Freitag- und Samstagabend in den Städten.

Eine Eigenschaft, eine der wichtigsten des englischen Wesens überhaupt, ist „The English Sense of Humour„. Ohne Humor läuft in England gar nichts; Kate Fox spricht von „The Importance of Not Being Earnest„. Selbst in brenzligen Situationen verliert der Engländer seinen Sinn für Humor nicht, und das zeichnet ihn aus im Vergleich mit anderen Nationen.

Das Thema „Wetter“ ist ein ganz wichtiges, viele Gespräche beginnen damit und es kann eine Art „Eisbrecher“ sein, um mit anderen Menschen Kontakt aufzunehmen. Die englische Klassengesellschaft spielt in jedem Kapitel eine Rolle, egal ob es dabei um „dress codes“ geht, um Tischmanieren, um die Ausgestaltung von Hochzeitsfeiern, das geschulte Auge sieht sofort, ob jemand zur Arbeiterklasse, zur Oberklasse oder den drei Mittelklassen (lower middle, middle-middle, upper middle) gehört.

Kate Fox hat ihre Landsleute hautnah beobachtet, indem sie sich beispielsweise (was ihr sehr schwer gefallen ist) als queue-jumper betätigt hat, also die eiserne Regeln des Schlangestehens missachtet hat, indem sie sich vordrängelte und auf die Reaktionen achtete. Bei zahllosen Pubbesuchen lauschte sie auf die Gespräche der Männer am Tresen, sah wie wichtig die Regel des Rundenausgebens ist und dass einige Regeln im normalen Leben im Pub ausgesetzt werden.

Ich kann dieses wunderbare Buch jedem empfehlen, der genauer wissen möchte wie die Engländer wirklich „ticken“. Es lohnt sich und es ist auf keiner Seite langweilig!

Siehe zum Thema auch Ben Fogles Buch „English: A Story of Marmite, Queuing and Weather„.

Kate Fox: Watching the English – The Hidden Rules of English Behaviour. Hodder&Stoughton 2014. 583 Seiten. ISBN 978-1-44478520-3.

 

Published in: on 15. Mai 2020 at 02:00  Comments (3)  

Mein Buchtipp – Mike Carter: All Together Now? – One Man’s Walk in Search of His Father and a Lost England

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Der Titel von Mike Carters Buch „All Together Now? – One Man’s Walk in Search of His Father and a Lost England“ nimmt Bezug auf einen Song der Band The Farm aus dem Jahr 1991.
Im Mai 1981 standen 300 arbeitslose Menschen zusammen, als sie sich zu Fuß auf den Weg von Liverpool nach London machten, um dadurch gegen die hohe Arbeitslosigkeit zu demonstrieren. Nach einem Monat erreichte der People’s March for Jobs die Hauptstadt, wo die Teilnehmer eine Petition mit 250 000 Unterschriften an die Regierung überreichten, in der sie die Wiederherstellung von verlorenen Arbeitsplätzen forderten. Die Regierungschefin Margaret Thatcher weigerte sich, die Menschen aus dem Norden Englands zu empfangen.

Mike Carters Vater Pete hatte an dem Marsch teilgenommen, und der war damals beeindruckt von der Unterstützung der Marschierenden durch die Bevölkerung in den Städten, die sich mit ihnen solidarisierte. 35 Jahre später folgt Mike Carter noch einmal ganz allein dem Weg, den der People’s March for Jobs genommen hatte. Von der St George’s Hall in Liverpool  geht es über Manchester, Wolverhampton, Birmingham, Coventry und Bedford bis zum Endpunkt, dem Londoner Trafalgar Square.

Der Autor erwähnt in seinem Buch die Besonderheiten der Städte am Wegesrand, kommt immer wieder auf die Problematik in seiner Beziehung zu seinem Vater zu sprechen und trifft viele Menschen, die ihm von den gesellschaftlichen Problemen Englands erzählen. Die Schere zwischen Arm und Reich wird ständig größer, immer mehr Menschen rutschen in die Armut ab; durch die Privatisierung ganzer Bereiche, die eigentlich in die öffentliche Hand gehören, ist dem Neoliberalismus Tür und Tor geöffnet. In manchen Städten müssen die Menschen bis zur Hälfte ihres Einkommens an Miete bezahlen, in der Londoner Innenstadt gibt es Viertel, in denen kaum noch jemand wohnt, da die superteueren Wohnungen von Geldanlegern aus dem Ausland aufgekauft worden sind und überwiegend leer stehen.

Mike Carter findet auf seinem Weg High Streets, die fast nur noch aus Charity Shops, Wettbüros und Payday Loan Companies bestehen (die Kurzzeitkredite zu sehr hohen Zinsen vergeben).

Mike Carters Buch hat mich sehr beeindruckt und bei mir einen pessimistischen Ausblick auf die Zukunft des Landes hinterlassen. Einer Regierung unter Führung von Boris Johnson wird es wohl kaum gelingen, dieser Entwicklung Einhalt zu bieten (wenn sie es denn überhaupt will).
Ich kann dieses Buch allen sehr empfehlen, denen dieses Land am Herzen liegt!!

Mike Carter: All Together Now? – One Man’s Walk in Search of His Father and a Lost England. Guardian Faber 2019. 391 Seiten. ISBN 978-1-78335-156-5.

Siehe auch diesen Blogeintrag zu einem anderen Buch des Autors.

Der Ausgangspunkt des Marsches: St George’s Hall in Liverpool.
Photo © roger geach (cc-by-sa/2.0)

Das Ziel: Der Londoner Trafalgar Square.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 19. April 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Edward Parnell: Ghostland – In Search of a Haunted Country

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Hier haben wir es mit einem ganz besonderen Buch zu tun, das ich mit großem Interesse gelesen habe: „Ghostland – In Search of a Haunted Country“ von Edward Parnell, im Oktober vorigen Jahres erschienen. Der Autor ist 2014 bereits einmal auf dem Buchmarkt durch sein Buch „The Listeners“ in Erscheinung getreten, das mit dem Escalator Award des National Centre of Writing in Norwich (Norfolk) ausgezeichnet wurde. Parnell lebt auch in Norfolk, er ist sehr an der Vogelwelt seines Landes interessiert, was man beim Lesen von „Ghostland“ immer wieder feststellt.

Edward Parnells Buch ist eine literarische Spurensuche, die ihn quer durch England, Schottland und Wales führt. Es sind die Spuren britischer Schriftsteller, die sich in ihren Werken schwerpunktmäßig mit dem Übernatürlichen beschäftigt haben, wie es im Untertitel des Buches ja anklingt. Einige Beispiele:
Wir treffen bei der Lektüre immer wieder auf M(ontague) R(hodes) James (1862-1936), einen Altertumsforscher, der bis heute durch seine Sammlungen von „ghost stories“ bekannt geblieben ist (ich stellte in meinem Blog seine Geschichte „Whistle and I’ll Come to You“ vor). Weiterhin beschäftigt sich Parnell mit Algernon Blackwood (1869-1951), dessen Kurzgeschichte „The Willows“ (dt. „Die Weiden“) für mich eine der beeindruckendsten Geistergeschichten überhaupt ist. Wir treffen auf Arthur Machen (1863-1947), bekannt geworden durch seine fantastischen Geschichten und seinen Roman „The Great God Pan“ (von Stephen King hoch geschätzt). In einem Kapitel des Buches steht der Deutsche W.G. Sebald (1944-2001) im Mittelpunkt, der an der University of East Anglia in Norwich lehrte und insgeheim für den Literatur-Nobelpreis gehandelt wurde, aber leider auf tragische Weise ums Leben kam; siehe dazu meinen Blogeintrag. Sebald hat sich zwar keinen Namen durch das Schreiben von Geistergeschichten gemacht, aber er hat es auf großartige Weise verstanden, die spezielle Atmosphäre East Anglias einzufangen.

„Ghostland“ ist auch ein sehr emotionales Buch, denn Edward Parnell flicht in seine Reisebeschreibungen immer wieder tragische Erlebnisse ein, mit denen er in seinem Leben konfrontiert worden ist wie das allmähliche krankheitsbedingte Sterben seiner Eltern und seines Bruders.

Ein wunderbares, atmosphärisch sehr dichtes Buch!

Hier ist der Autor in einem kurzen Fernsehauftritt zu sehen.

Edward Parnell: Ghostland – In Search of a Haunted Country. William Collins 2019. 468 Seiten. ISBN 978-0-00-827195-4.

 

Published in: on 3. April 2020 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – Nicola Sly: A Horrid History of Christmas – Horrible Happenings & Frightening Festivities

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„Historical true-crime writer, retired criminology and psychology tutor, passionate speedway and Northern Soul fan“, so steht es auf Nicola Slys Twitter Account zu lesen, einer außerordentlich produktiven Autorin, die bereits viele Bücher über Mordfälle in den einzelnen englischen Grafschaften geschrieben hat (in meinem Blog erwähnte ich einen von ihr behandelten Mordfall in Shutford in Oxfordshire). Für die „Grim Almanac-Buchreihe des Verlages The History Press verfasste Nicola Sly mehrere Bände.

Weihnachten ist nun schon mehr als drei Monate her, trotzdem möchte ich hier auf ein Buch der Autorin eingehen, das ich eher der Kuriosität halber vorstelle: „A Horrid History of Christmas – Horrible Happenings & Frightening Festivities„. Darin sind Unglücke und Mordfälle anhand zeitgenössischer Quellen aufgeführt, die sich alle zur Weihnachtszeit in Großbritannien zugetragen haben. Nicola Sly hat sich durch Berge archivierter Zeitungen gewühlt, um an diese meist längst vergessenen Geschehnisse zu gelangen. Zu den von ihr genutzten Quellen zählen unter anderem Berrow’s Worcester Journal, das Ipswich Journal und der Newcastle Courant.

Da geht es um Eisenbahnunglücke in Oxfordshire, Bedfordshire und Cumbria, Menschen, die auf dünnem Eis überfrorener Seen eingebrochen sind, Kinder, deren Kleidung am Heiligen Abend an Kerzen Feuer gefangen hat und immer wieder um Tötungsdelikte auf Grund übermäßigen Alkoholkonsums.
Full of merry madness and hearty heartache, A Horrid History of Christmas might make you want to bypass the festivities altogether!“ heißt es in dem Buch, das wohl auch nur im Land des schwarzen Humors erscheinen konnte.

Nicola Sly: A Horrid History of Christmas – Horrible Happenings & Frightening Festivities. The History Press 2012. 223 Seiten. ISBN 978-0-7524-7645-2.

Ob dieses Eis wohl hält?
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Bahnt sich hier ein Unfall an?
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Published in: on 30. März 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Noel Botham: The Murder of Princess Diana – The Truth Behind the Assassination of the People’s Princess

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Was geschah wirklich kurz nach Mitternacht am 31. August 1997 im Alma-Tunnel in Paris? Der mit vier Personen besetzte schwarze Mercedes 280S mit dem Kennzeichen  688LTV75  knallte mit ca 100 km/h gegen einen der Tunnelpfeiler und kam fast vollständig zerstört zum Stillstand. Die Insassen: Henri Paul, der Fahrer, war sofort tot, sein Beifahrer, Bodyguard Trevor Rees-Jones, überlebte, erlitt aber schwerste Verletzungen; im Fond saßen Dodi Al-Fayed, auch er starb auf der Stelle, neben ihm saß Diana, Princess of Wales, sie wurde schwer verletzt und starb im Krankenhaus Pitié-Salpêtrière.

Der Journalist Noel Botham (1940-2012) geht in seinem Buch „The Murder of Princess Diana – The Truth Behind the Assassination of the People’s Princess“ der eingangs gestellten Frage nach und kommt zu dem für ihn eindeutigen Schluss: Lady Diana wurde ermordet. Die Täter waren seiner Ansicht nach Geheimdienste aus Großbritannien, Frankreich und den USA. Gründe für das Attentat im Tunnel gab es mehrere, darunter die Vermutung, dass die Ex-Frau vom Prinzen von Wales von Dodi Al-Fayed schwanger war, womit das britische Königshaus unmöglich leben konnte, denn dann wäre das neu geborene Kind ein Halbbruder bzw. Halbschwester vom zukünftigen Thronfolger Prinz William. Ein weiterer möglicher Grund für eine Ermordung der Königin der Herzen war ihr Engagement gegen Landminen, wodurch sie sich  in der Rüstungsindustrie mächtige Feinde gemacht hatte.

Noel Botham deckt in seinem Buch eine Fülle von Unstimmigkeiten und Nachlässigkeiten in der Untersuchung des Falles durch die französischen Behörden auf. Nach der Lektüre des fesselnden Buches kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass es sich im Tunnel unterhalb der Pont de l’Alma um keinen Unfall gehandelt haben kann.

Das Buch erschien bereits im Jahr 2004 unter dem Titel „The Assassination of Princess Diana“, wurde 2007 anlässlich des zehnten Jahrestages des Todes von Lady Diana neu aufgelegt und zehn Jahre später, 2017, noch einmal, nur mit einem anderen Umschlagbild.

Siehe auch meine Blogeinträge über Lady Dianas letzte Ruhestätte, Althorp, und das Londoner Café Diana.

Noel Botham: The Murder of Princess Diana – The Truth Behind the Assassination of the People’s Princess. John Blake 2017. 252 Seiten. ISBN 978-1-78606-476-9.

Der Alma-Tunnel in Paris.
Author: EuguenyIr.
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Mein Buchtipp – John McShane: Savile The Beast – The Inside Story of the Greatest Scandal in TV History

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Sir Jimmy Savile (1926-2011) war in Großbritannien eine Legende und das über viele Jahrzehnte hinweg. Man verehrte den Exzentriker, der als DJ und als Fernsehmoderator Karriere gemacht hatte. Er arbeitete bei Radio Luxembourg, moderierte für die BBC die Sendung „Top of the Pops“ und wurde mit der TV-Sendung „Jim’ll fix it“ Quotenkönig im englischen Fernsehen. Jimmy Savile war, was seine Popularität angeht,  so etwas wie Thomas Gottschalk hoch zwei. Er setzte sich für wohltätige Zwecke ein, sammelte Millionen für das Krankenhaus in Stoke Mandeville (wie ich vorgestern in meinem Blog schrieb) und auch für die psychiatrische Hochsicherheits-Klinik Broadmoor bei Crowthorne in Berkshire setzte er sich ein, so dass er dort ein und aus gehen konnte.

Aber: Jimmy Savile hatte auch eine dunkle Seite, die er jahrzehntelang verbergen konnte und darüber schreibt John McShane in seinem Buch “ Savile The Beast – The Inside Story of the Greatest Scandal in TV History„. Kurz nachdem Savile am 29. Oktober 2011 in seinem Penthouse in Leeds gestorben war, traten Frauen an die Öffentlichkeit und berichteten darüber wie sie von dem DJ sexuell belästigt worden waren. Es wurden immer mehr Frauen, und die eingeschalteten Polizeibehörden konnten es kaum glauben, dass ein Mann, der den größten Teil seines Lebens im Rampenlicht verbracht hatte, über Jahrzehnte hinweg speziell sehr junge Mädchen sexuell belästigte und vergewaltigte. Diese Taten spielten sich überall ab, zum Beispiel im Gebäude der BBC, in den beiden genannten Krankenhäusern und in Schulen. Auch vor laufender Kamera schreckte er nicht davor zurück, junge Mädchen zu begrapschen wie dieser Film zeigt.

Nach einer intensiven polizeilichen Untersuchung kamen die Behörden zu dem Ergebnis, dass er sich mindestens an 450 Mädchen und jungen Frauen vergangen hatte, die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen. Ein Fünftel der Opfer waren Jungen, darunter Kinder unter zehn Jahren. In der britischen Kriminalgeschichte hatte es bis dahin keinen Fall gegeben, in dem ein Mann derart viele Minderjährige sexuell missbraucht hatte.

Natürlich fragt man sich, warum keines der Opfer sich an die Eltern, die Lehrer oder an die Polizei gewendet hatte. Einige hatten es getan, aber entweder glaubte man ihnen nicht, schließlich war Jimmy Savile eine Berühmtheit, der ständig karitativ unterwegs war, oder die Kinder hatten einfach Angst vor ihm. Außerdem wollte man nicht die Spendensammlungen gefährden, die durch den DJ ins Haus kamen.

Bei der BBC soll es ein offenes Geheimnis gewesen sein, dass ihr berühmter DJ und TV-Moderator eine Schwäche für sehr junge Mädchen gehabt hatte, aber man bewahrte Stillschweigen. „It’s just Jimmy“ hieß es immer wieder verharmlosend.

Jimmy Savile wurde schon früh zum Officer of the Order of the British Empire ernannt und zum Ritter geschlagen, war Ehrendoktor der Universitäten von Leeds und von Bedfordshire. Zu Margaret Thatcher hatte er ein inniges Verhältnis und auch mit Prince Charles und Lady Diana stand er auf vertrautem Fuß.

1974 erschien Jimmy Saviles Autobiografie „As it Happens„, und mehrere TV-Dokumentationen wurden über ihn erstellt wie zum Beispiel diese.

John McShanes Untersuchung ist schockierend, und es ist kaum zu glauben, dass es heute im 20. und 21. Jahrhundert noch einen Fall Jekyll und Hyde geben kann, der jahrzehntelang unentdeckt blieb.

John McShane: Savile The Beast – The Inside Story of the Greatest Scandal in TV History. John Blake 2013. 251 Seiten. ISBN 978-1-78219-359-3.

Published in: on 14. März 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Steven Primrose-Smith: No Place Like Home, Thank God – A 22,000 Mile Bicycle Ride Around Europe

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Über Steven Primrose-Smiths Bücher über seine Fahrradtour durch Großbritannien, während der er sämtliche Grafschaften besuchte, habe ich in meinem Blog vom 11. September 2019 geschrieben. „Route Britannia“ heißen die beiden Bände, die ich mit sehr viel Vergnügen gelesn habe.
Eine weit längere Tour, quer durch Europa, unternahm Primrose-Smith und schrieb darüber in seinem Buch „No Place Like Home, Thank God – A 22,000 Mile Bicycle Ride Around Europe„, das ich ebenfalls sehr empfehlen kann. Der Autor wollte mit seinem Fahrrad alle europäischen Hauptstädte besuchen, was er dann auch, aufgeteilt auf drei Jahre, tat und…fast schaffte. Lediglich Moskau ließ er aus, obwohl er dorthin schon auf dem Weg war, aber der Verkehr auf den russischen Straßen war so mörderisch, dass er um sein Leben bangen musste und umkehrte. 22 000 Meilen war Primrose-Smith unterwegs, besuchte 52 Hauptstädte und versuchte, in jedem Land irgendetwas Außergewöhnliches zu essen, darunter ein Murmeltier wie auf dem Buchumschlag zu lesen ist.

Der Fahrradtourist beginnt seine Reise auf der Isle of Man und beendet sie dort auch. Die erste Station ist Blackburn in Lancashire, wo Primrose-Smith seine Kindheit verbrachte. Die Stadt hat nicht den besten Ruf und taucht regelmäßig in den Top 10-Listen der „worst places to live in England“ auf. Der Autor vergleicht auf seiner Europatour immer wieder die Städte, die er besucht, mit Blackburn, und da gibt es tatsächlich einige, die, seiner Beurteilung nach, noch schlechter abschneiden.

Primrose-Smith trifft auf seinen Länderdurchquerungen überwiegend auf freundliche und hilfsbereite Menschen. Ich mag seinen typisch britischen Humor, und so wird das Buch auf keiner der 351 Seiten langweilig; ich finde es schade, dass es nicht noch mehr Hauptstädte in Europa gibt, die er hätte besuchen können.
Übrigens: Während seiner Europatour nimmt der Autor auch noch an einem Mathematikkurs der Open University teil. Respekt!
Das Buch hat meine uneingeschränkte Empfehlung!!

Steven Primrose-Smith: No Place Like Home, Thank God – A 22,000 Mile Bicycle Ride Around Europe. Rosebery Publications 2014. 351 Seiten. ISBN 978-1501067983.

Hier in Port St Mary auf der Isle of Man beginnt und endet Steven Primrose-Smiths Europareise.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. März 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Richard O. Smith: Oxford Student Pranks – A History of Mischief & Mayhem

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Eigentlich sollte man meinen, dass die Studenten in den Elite-Universitäten Cambridge und Oxford mit ihrem Studium alle Hände voll zu tun hätten, aber ganz offensichtlich bleibt noch genügend Zeit, allerlei Unsinn zu verzapfen, und das schon seit Jahrhunderten.

Jamie Collinson hat sich in seinem Buch „ Cambridge Student Pranks – A History of Mischief & Mayhem“ darüber ausgelassen wie das in meinem Blogeintrag zu lesen ist, Richard O. Smith hat das Gleiche in seinem Buch „Oxford Student Pranks – A History of Mischief & Mayhem“ für den Konkurrenten Oxford getan. Smith geht das Thema chronologisch an und beginnt mit dem 13. Jahrhundert, als auch damals schon Studenten der Colleges sich Streiche ausdachten, mit denen sie ihre Mitstudenten oder das Lehrpersonal nerven konnten. Der Autor beschäftigt sich ebenfalls mit den ständigen Auseinandersetzungen zwischen Town and Gown, also der Stadt Oxford und der Universität Oxford.

Im Laufe der Jahrhunderte ersannen sich die Studenten sowohl harmlose Streiche und Wetten wie diese: Mehrere Studenten wetteten, dass ein Kommilitone des Oriel Colleges es nicht schaffen würde, drei Pints Wein (etwa eineinhalb Liter) zu trinken und anschließend eine längere Passage aus dem Neuen Testament leserlich abzuschreiben. Binnen zehn Minuten trank der Student den Wein, verlor daraufhin für einige Stunden das Bewusstsein, und als er wieder aufwachte, teilten ihm seine Wett-Herausforderer mit, dass er die Wette verloren hatte und er ihnen eine halbe Krone schuldete (das Ganze ereignete sich im Jahr 1761).

Doch es gab auch „pranks“, die nicht so gut bei den College-Oberen ankamen: So fanden es einige Studenten des University Colleges im Jahr 1868 unheimlich lustig, des Nachts die Tür des Zimmers, in dem ein nicht sehr beliebter Lehrer wohnte, mit langen Schrauben unpassierbar zu machen; anschließend veranstalteten sie das Gleiche von außen mit dem Fenster des Raumes. Als der Lehrer am nächsten Morgen merkte, dass er gefangen war, schlug er die Fensterscheibe ein und rief lauthals „Help! I’ve been screwed!!“. Die Collegeleitung fand diesen Streich überhaupt nicht lustig und suspendierte alle Studenten des Colleges, bis sich die Übeltäter meldeten, was erst nach zwei Wochen geschah. Die Strafe: Sie wurden des Colleges verwiesen. Dumm gelaufen…

Richard O. Smith: Oxford Student Pranks – A History of Mischief & Mayhem. The History Press 2015 (Reprint). 127 Seiten. ISBN 078-0-7524-5650-8.

Das Oriel College.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Das University College.
Photo © Christopher Hilton (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 26. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Steve Haywood: One Man and a Narrowboat

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Anders als Paul Gogarty (siehe dazu meinen Blogeintrag), der 900 Meilen auf englischen Kanälen gefahren ist, hat Steve Haywood  nur die Stecke Oxford – Bristol mit einem Hausboot abgefahren. Da ich selbst einmal die Strecke Evesham – Stratford – Evesham mit einem Narrowboat gefahren bin, las ich mit großem Interesse Steve Haywoods Buch „One Man and a Narrowboat: Slowing Down Time on England’s Waterways„.

A very enjoyable book  to read – light-hearted, interesting and informative. What a way to travel!“ meint David Suchet, der als Darsteller des Hercule Poirot in der Fernsehserie „Poirot“ Erfolg hatte und der auch als Vizepräsident des Lichfield and Hatherton Canals Trusts an englischen Kanälen sehr interessiert ist.

Man lernt eine ganze Menge aus diesem Buch, das im Zeitlupentempo durch die englische Landschaft über Banbury, Stratford-upon-Avon, Tewkesbury, Gloucester, über die Severnmündung (die nicht ganz so einfach mit einem Narrowboat zu bewältigen ist) bis nach Bristol führt. Wer eine Hausboot-Tour auf diesem Streckenabschnitt plant, kann sich mit diesem Buch optimal vorbereiten. Der Narrowboat-Neuling sollte das aber nicht allein wie Haywood tun, sondern mindestens zu zweit unterwegs sein, denn es erwarten den „Kapitän“ Dutzende von Schleusen unterwegs und die sind nicht so ganz leicht allein zu bewältigen!

Steve Haywood: One Man and a Narrowboat: Slowing Down Time on England’s Waterways. Summersdale 2009. 309 Seiten. ISBN 978-1-84024-736-7.

 

Published in: on 18. Februar 2020 at 02:00  Comments (6)  

Mein Buchtipp – John Bercow: Unspeakable – The Autobiography

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In meinem letzten Blogeintrag des Jahres 2019 stellte ich den neuen Speaker des britischen Unterhauses, Sir Lindsay Hoyle, vor, der dem legendären John Bercow folgte. Bercow hatte dieses Amt von 2009 bis zum 4. November 2019 inne. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern war er auch außerhalb Großbritanniens bekannt geworden, nicht zuletzt durch seine „Oooooorder„-Rufe, wenn es im Parlament einmal wieder hoch her ging.

John Bercows Autobiografie „Unspeakable“ ist am 6. Februar erschienen, und ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen, denn es gibt einen tiefen Einblick in die parlamentarischen Abläufe Großbritanniens. Der Politiker, MP der Stadt Buckingham, nimmt in seinen Memoiren kein Blatt vor den Mund und sagt darin klipp und klar, wen er in den zehn Jahren seines Amtes als Speaker mochte und nicht mochte. Zu seinen Gegnern zählt unter anderen der Ex-Premierminister David Cameron („David Cameron was vehemently opposed to my election and attempted, clumsily and ineffectively, to prevent it“). John Bercow lässt auch kein gutes Haar an Camerons Nachfolgerin Teresa May und schreibt: „Her performance was off-the-scale awful – toe-curling, cringe-making, spine-chilling and medal-winning in the infliction of self-harm“.
Natürlich nehmen die endlosen Brexit-Debatten einen guten Teil des Buches ein. Zu dem Thema bezieht Bercow klar Stellung: „Brexit is the most chronic threat to the British national interest“.

Interessant sind auch John Bercows Meinungen über Staatsmänner anderer Länder wie Donald Trump („Trump is a bigot, a menace and a global embarrassment“) und Xi Jinping, dessen Rede er vor den beiden Häusern des Parlaments so beschreibt: „It was staggeringly, mind-numbingly, ball-breakingly dull“.

Bercow formuliert seinen politischen Werdegang so: „…from a right-wing Thatcherite to left-of-centre, one-nation, socially liberal, equality-supporting back-bencher who was widely -though wrongly – suspected of having contemplated defecting to Labour“.

Ein höchst lesenswertes Buch!!

Am 19. März erscheint ein weiteres Buch über den Ex-Speaker: „John Bercow: Call to Order“ von Sebastian Whale, einem Insider, der für das wöchentlich erscheinende Parlamentsmagazin The House arbeitet.

John Bercow: Unspeakable – The Autobiography. Weidenfeld & Nicolson 2020. 451 Seiten. ISBN 978-1-4746-1662-1.

 

Mein Buchtipp – Edward Platt: The Great Flood – Travels Through a Sodden Landscape

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Ciara heißt der Sturm, der am Wochenende und am Montag über Großbritannien hinwegfegte („the worst of the century“ laut dem Met Office) und der starke Regenfälle mit sich brachte. Die Folge: Neben den Sturmschäden traten auch wieder Flüsse über die Ufer. 214 Warnungen vor Überflutungen wurden am Sonntag ausgesprochen.

Mit dem Thema Überflutungen beschäftigt sich Edward Platt in seinem Buch „The Great Flood – Travels Through a Sodden Landscape„, und er vertritt die Meinung, dass diese immer häufiger und immer heftiger ausfallen.

Im Laufe von zwei Jahren, von 2013 bis 2014 hat der Autor die Ortschaften aufgesucht, die am häufigsten von Überflutungen heimgesucht worden sind und hat mit den Hausbewohnern gesprochen, die verzweifelt gegen die Wassermassen angekämpft haben, in den meisten Fällen ohne Erfolg.

Edward Platt besuchte beispielsweise die Somerset Levels in der gleichnamigen Grafschaft, ein niedrig gelegenes Gebiet, das von mehreren Flüssen durchzogen wird wie dem River Parrett, der im Winter 2013/14 zu einem reißenden Strom wurde und weite Teile der Levels unter Wasser setzte wie dieser Film zeigt.

Das Themsetal, zum Beispiel in der Region Windsor/Datchett ist immer wieder betroffen, dort stehen dicht am Ufer des Flusses wunderschöne und sehr teuere Häuser, vor denen die Fluten auch keinen Halt machen.

Manche der Bewohner der betroffenen Häuser geben auf und ziehen weg, die meisten jedoch bleiben, in der Gewissheit, dass sie früher oder später erneut Opfer der Wassermassen werden.

Edward Platt: The Great Flood – Travels Through a Sodden Landscape. Picador 2019. 303 Seiten. ISBN 978-1-4472-9819-9.

Die überfluteten Somerset Levels.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 10. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Matt Gaw: The Pull of the River – A journey into the wild and watery heart of Britain

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The Pull of the River – A journey into the wild and watery heart of Britain“ ist Matt Gaws erstes Buch. Er arbeitet als Journalist für mehrere britische Zeitungen und für das Suffolk Wildlife Trust Magazine. Er lebt in Bury St Edmunds und ist fest in der Grafschaft Suffolk verankert.

In seinem Buch unternimmt Matt Gaw, meistens zusammen mit seinem Freund James Treadaway, Kanufahrten auf britischen Flüssen. Was mir besonders an dem Buch gefallen hat, ist Gaws wunderbare, gepflegte Sprache mit der er die Natur beschreibt. Ein Beispiel auf Seite 9: „The water is full of lilies too. Their buttery, bright-yellow flowers are tightly closed, but their buds periscope out of the water like stalked alien eyes charting our progress„.

Matt und James befahren sowohl kleine Flüsse als auch große wie die Themse und den Severn. Der River Lark zum Beispiel (Suffolk/Cambridgeshire) hat an seinem Oberlauf überhaupt nichts Lerchenhaftes an sich. Im Gegenteil, er ist stark verschmutzt und übersät mit weggeworfenem Unrat und anfangs so flach, dass die beiden ihr Kanu, das den Namen Pipe trägt und das von James Treadaway selbst gebaut wurde, erst einmal eine Strecke tragen müssen. Ganz anders sieht es bei der Themsefahrt der beiden aus, dabei geraten sie mit ihrem Kanu bei Lechlade, also am oberen Teil der Themse in Lebensgefahr als ihr Boot kentert und sie sich nur mit größter Not aus dem Fluss retten können.

Im letzten Kapitel nehmen sich Matt und James den Great Glen Trail in Schottland vor, der sie durch mehrere Lochs, auch Loch Ness, bis nach Inverness führt.

Ich kann das Buch allen empfehlen, die sich für detaillierte Naturbeschreibungen erwärmen können. Man lernt einiges über die britische „waterworld“ und das in einem wunderbaren Schreibstil.

Matt Gaw: The Pull of the River – A journey into the wild and watery heart of Britain. Elliott&Thompson 2019. 268 Seiten. ISBN 978-1-78396-435-2.

Der River Lark in Suffolk.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Die Themse bei Lechlade in Gloucestershire.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Loch Ness in Schottland, nicht ganz ungefährlich für Kanufahrer.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 1. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Miranda Vickers: Eyots and Aits – Islands of the River Thames

Eigenes Foto.

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…und wieder ein wunderschönes Buch aus dem Hause „The History Press“ (s. dazu auch meinen Blogeintrag). Miranda Vickers, eigentlich eine ausgewiesene Albanien-Expertin, hat sich in diesem Buch den Themseinseln angenommen, von denen es etwa 190 gibt. Sie beginnt ihre Flussreise mit der Canvey Island in der Themsemündung, gleichzeitig die größte und bevölkerungsreichste Insel, die man eigentlich gar nicht als solche wahrnimmt. Dann geht es flußaufwärts bis zur St John’s Island (dort wo Old Father Thames seinen Fluss bewacht). Viele der Eyots und Aits, so die Bezeichnung der kleinen Themseinseln, sind unbewohnt und von so dichter Vegetation bestanden, dass man sie vom Ufer aus gar nicht als Inseln erkennt.

Aber es gibt auch größere und bewohnte Eyots wie z.B. die hier von mir schon einmal vorgestellte Eel Pie Island; da ist die 300m lange, bananenförmige Thames Ditton Island, auf der 100 Menschen leben, oder Wheatley’s Ait bei Sunbury.

Das Buch von Miranda Vickers macht Appetit auf eine Themsefahrt! Es beinhaltet zahlreiche Farb- und Schwarz-Weiß-Fotos und ein weiterführendes Literaturverzeichnis. Wer Jerome K. Jeromes Buch „Drei Mann in einem Boot“ gelesen hat (das hier auch mehrfach zitiert wird), dürfte auch dieses sehr schöne Buch in sein Herz schließen.

Miranda Vickers: Eyots and Aits – Islands of the River Thames. The History Press 2012. 144 Seiten. ISBN 9780752462134.

Wheatley’s Eyot bei Walton-on-Thames in Surrey.
Photo © Alan Hunt (cc-by-sa/2.0)

River Thames Eyot bei Old Windsor.
Photo © Alan Hunt (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 26. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Daniel Gray: Hatters, Railwaymen and Knitters – Travels through England’s Football Provinces

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Daniel Gray macht sich in seinem Buch „Hatters, Railwaymen and Knitters – Travels through England’s Football Provinces“ auf eine Reise durch Englands Fußballwelt und besucht Vereine von der Premier League bis hinunter zu den untersten Spielklassen, dabei lässt er die ganz großen Stars in London, Manchester und Liverpool aus.

Daniel Gray beginnt seine Reise in Middlesbrough in North Yorkshire, wo er ein Spiel des örtlichen Vereins Middlesbrough FC gegen Brighton & Hove Albion im Riverside Stadium besucht. Wer sich für die detaillierten Spielbeschreibungen in den einzelnen Kapiteln des Buches nicht so interessiert, kann diese natürlich überschlagen, aber es bleibt noch genügend Interessantes über, denn Gray beschäftigt sich auch intensiv mit den Städten, die er besucht. Die Leser des Buches bekommen Hintergrundinformationen beispielsweise über Sheffield (South Yorkshire) und Luton (Bedfordshire), Watford (Hertfordshire) und Carlisle (Cumbria).

Daniel Grays letzte Reise von seinem Wohnort Edinburgh führt ihn in die tiefe Provinz, nämlich nach Newquay in Cornwall, zum Newquay AFC Football Club, wo die Peppermints beheimatet sind, die zur Zeit in der Southwest Peninsula League spielen. Der Autor besucht ein Spiel des Verein in ihrem Mount Wise Stadium gegen den Ivybridge Town Football Club aus Devon.

Die im Buchtitel genannten „nicknames“ beziehen sich auf die Fußballvereine Luton Town (The Hatters) aus Bedfordshire, Crewe Alexandra (The Railwaymen) aus Cheshire und Hinckley United (The Knitters) aus Leicestershire. Letzerer wurde 2013 aufgelöst und sowohl durch den Hinckley A.F.C. als auch den Leicester Road Football Club (deren Spieler sich nach wie vor The Knitters nennen) ersetzt.

Mir als gemäßigtem Fußballfan hat die Lektüre sehr viel Spaß gemacht, vor allem die Passagen, in denen Daniel Gray die Städte vorstellt.

Daniel Gray: Hatters, Railwaymen and Knitters – Travels through England’s Football Provinces. Bloomsbury 2014. 312 Seiten. ISBN 978-1-4088-3099-4.

Das Stadion der Hatters (Luton Town FC) .
Photo © Barry Ephgrave (cc-by-sa/2.0)

Hier ist der Club Crewe Alexandra (The Railwaymen) beheimatet.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

…und hier im Marston’s Stadium trugen die Knitters von Hinckley United ihre Heimspiele aus.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Clemency Burton-Hill: Year of Wonder – Classical Music for Every Day

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Das erste Mal, dass ich mit dem Namen Clemency Burton-Hill konfrontiert wurde, war in der „Inspector Barnaby„-Episode 37 „Dead in the Water“ (dt. „Nass und tot“), wo sie die Hetty Trent spielte; eine sehr hübsche junge Dame. Ich schrieb über sie in meinem Blog.

Clemency Burton-Hill ist außerordentlich vielseitig; neben ihren Aktivitäten als Schauspielerin, die sie inzwischen aufgegeben bzw. zurückgestellt hat, machte sie vor allem durch ihre musikalischen Auftritte von sich reden. Als Violinistin spielte sie bereits in der Mailänder Scala, in der Boston Symphony Hall und in anderen namhaften Veranstaltungsorten. Im britischen Rundfunk moderierte sie Sendungen mit klassischer Musik und ist jetzt Creative Director beim New Yorker Sender WQXR, der ausschließlich dieses Musikgenre spielt.

Im Jahr 2017 veröffentlichte Clemency Burton-Hill das Buch „Year of Wonder – Classical Music for Every Day„, das im Oktober letzten Jahres auf Deutsch unter dem Titel „Ein Jahr voller Wunder: Klassische Musik für jeden Tag“ erschien. Mit diesem Buch versucht sie, das Interesse an klassischer Musik zu wecken: „What I am determined to do…is to extend a hand to those who feel that the world of classical music is a party to which they haven’t been invited„. Für jeden Tag des Jahres hat die Autorin ein Musikstück ausgewählt, das sie auf jeweils einer Seite vorstellt und auch über die Komponisten informiert.  Das beginnt bei Hildegard von Bingen im Mittelalter und endet bei Alissa Firsova, einer russisch-britischen Komponistin Jahrgang 1986.

Dank youtube und anderen Streamingdiensten kann man sich die ausgewählten Musikstücke täglich anhören (wie ich das tue), eine sehr interessante Möglichkeit, klassischer Musik näherzukommen. Ein Beispiel: Für den heutigen Tag, den 13. Januar, hat Clemeny Burton-Hill Clara Schumanns „Drei Romanzen opus 22 Andante Molto“ ausgesucht.

Ein hochinteressantes Buch, das ich sehr empfehlen kann!!

Clemency Burton-Hill: Year of Wonder – Classical Music for Every Day. Headline Publishing 2018. 442 Seiten. ISBN 978-1-4722-5230-2 (Taschenbuchausgabe).

Clemency Burton-Hill: Ein Jahr voller Wunder – Klassische Musik für jeden Tag. Diogenes-Verlag 2019. 464 Seiten. ISBN 978-3257070897.

Published in: on 13. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Richard O. Smith: Britain’s Most Eccentric Sports

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„Die spinnen, die Briten“ sagte Obelix einmal in dem Buch „Asterix bei den Briten“, ein Satz, der schon zum geflügelten Wort geworden ist. Nach der Lektüre des Buches „Britain’s Most Eccentric Sports“ von Richard O. Smith kann man das nur bestätigen. Was der Autor hier so alles an „Sportarten“ zusammengetragen hat, lässt manchmal am Verstand der teilnehmenden Sportler zweifeln…aber trotzdem ist das so richtig schön exzentrisch und liebenswert (zumindest für mich).

Olympiareif ist keiner der vorgestellten Wettbewerbe, aber immerhin gibt es zahlreiche Weltmeisterschaften, obwohl sich der Teilnehmerkreis oft lediglich aus Bewohnern der näheren Umgebung zusammensetzt. Richard O. Smith hat einen wunderbaren Humor, der die Lektüre zu einem Vergnügen werden lässt. Über viele der „eccentric sports“ habe ich im Lauf der Jahre in meinem Blog bereits berichtet; man findet diese Blogartikel in der Kategorie „Skurriles und Kurioses“.

Hier sind einige Beispiele aus dem Buch:
Die Black Pudding Throwing World Championship findet einmal im Jahr in Ramsbottom in Lancashire statt. Ich zitiere mich selbst: „Das Ziel der Blutwurstwerfer ist es, möglichst viele der jeweils 12 auf einem Gerüst in sechs Metern Höhe liegenden Yorkshire-Puddings abzuräumen“.

Bedeutend gefährlicher ist das Cheese Rolling am Cooper’s Hill bei Brockworth in Gloucestershire. Von einem extrem steilen Hügel wird ein Käselaib heruntergerollt, dem todesmutige Menschen hinterherrennen, wobei es immer wieder zu schweren Stürzen kommt.

Chess Boxing ist ein sehr ungewöhnlicher Wettbewerb, bei dem die Teilnehmer jeweils abwechselnd vier Minuten Schach spielen und eine Runde in den Boxring steigen müssen. Hier ist ein Film darüber.

Kein blaues Auge holt man sich bei den World Gurning Championships in Egremont in Cumbria, wo es darum geht, so verrückte Grimassen wie möglich zu schneiden.

Für Heiterkeit sorgen die World’s Biggest Liar Championships im Bridge Inn in Santon Bridge (Cumbria), bei der die Wettbewerbsteilnehmer innerhalb von fünf Minuten die haarsträubendsten Lügen erzählen.

Das mit vielen Farbfotos illustrierte Buch im Querformat ist das ideale Geschenk für jeden, der sich mit britischen Exzentrikern identifizieren kann.

Richard O. Smith: Britain’s Most Eccentric Sports. The History Press 2012. 160 Seiten. ISBN 978-0-7524-6413-8.

 

 

Published in: on 25. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Tom Jeffreys: Signal Failure – London to Birmingham, HS2 on foot

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HS1, oder auch Channel Tunnel Rail Link genannt, ist eine Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsstrecke, die London mit dem Channel Tunnel bei Folkestone verbindet. Schon lange wird von HS2 geredet, eine Strecke, die von London nach Norden und zwar nach Birmingham führen soll (über die Auswirkungen auf die Grafschaft Buckinghamshire berichtete ich in meinem Blog).

Der Autor des Buches „Signal Failure – London to Birmingham, HS2 on foot„, Tom Jeffreys, wollte gern wissen, was die Menschen, die entlang der geplanten Bahntrasse einmal wohnen werden, von High Speed 2 halten und machte sich zu Fuß auf den Weg von der Londoner Euston Station nach Birmingham, dem (vorläufigen) Endpunkt der Bahnlinie, auf der Züge mit bis zu 350 km/h fahren sollen. Die Reisezeit würde sich etwa halbieren (49 Minuten). Ob die voraussichtlichen Baukosten in Höhe von rund £56 Milliarden dafür stehen, wird unterschiedlich diskutiert. Wie Tom Jeffreys das mitbekommt, sieht es so aus, dass das Thema HS2 in London selbst keine besonders große Rolle spielt, in Birmingham wird der Bau der Strecke überwiegend begrüßt, erwartet man sich davon einen wirtschaftlichen Aufschwung, auf dem Lande aber ist der Widerstand groß, denn dort sieht man keinen Nutzen, sondern nur Nachteile: Baulärm über viele Jahre hinweg, Lärm der schnell fahrenden Züge, Umweltzerstörung, Wertverfall der Häuser entlang der Trasse usw usw.

Jeffreys spricht mit Menschen, die betroffen sein könnten, und trifft kaum jemanden, der den Bau begrüßt. Im Gegenteil, es gibt sogar Leute, die Selbstmordgedanken haben, wenn die Bahnlinie direkt an ihrem Haus vorbeiführen bzw. wenn ihr Haus sogar enteignet werden sollte. Der Autor weitet das Thema HS2 aus und macht sich Gedanken über Kapitalismus, Bürokratie, Architektur und Agrarwirtschaft.

Ein sehr lesenswertes Buch, das zum Nachdenken anregt!

Tom Jeffreys: Signal Failure – London to Birmingham, HS2 on foot. Influx Press 2017. 405 Seiten. ISBN 978-1-910312-14-8.

 

 

Published in: on 22. Dezember 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – A.A. Gill: The Angry Island – Hunting the English

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Adrian Anthony Gill (1954-2016), meist nur kurz A.A. Gill genannt, war ein scharfzüngiger Journalist, der vor allem für seine Artikel in der Sunday Times bekannt war, in denen er über seine Reisen berichtete und Restaurantkritiken verfasste. Da Gill in seinen Artikeln kein Blatt vor den Mund nahm, hatte das zur Folge, dass gegen ihn mehrere Dutzend Male Beschwerden bei der Press Complaints Commission (PCC) eingereicht wurden, was den Journalisten aber nicht daran hinderte, seine Meinung auch weiterhin klar und deutlich zum Ausdruck zu bringen.

In seinem bereits 2005 erschienen Buch „The Angry Island„, das den bezeichnenden Untertitel „Hunting the English“ trägt, legt er die englische Volksseele auf den Seziertisch und nimmt sie mit dem Skalpell auseinander. In 16 Kapiteln beschäftigt sich A.A. Gill unter anderem mit den Themen „Englischer Humor“, „Sport“, Schlangestehen“, „Gärten“ usw.
Am Beispiel des Kapitels „Cotswolds“ möchte ich zeigen, warum er so häufig mit der PCC in Konflikt geraten ist. Über den Touristenort Stow-on-the Wold schreibt er „What makes Stow so catastrophically ghastly is its steepling piss-yellow vanity„. Die kleine Stadt wird gern von Senioren aufgesucht: “ A bus-load of old people looks like a window full of fairy tombstones„. Für Gill ist Stow „the worst place in the world„. Über die allgegenwärtigen Morris Men, die natürlich auch in den Cotswolds zu finden sind: „They aren’t nice people. They have too much hair and are ripe-bellied, twisted, drunk, bellicose, foul-breathed and tongued„. Auch der Blenheim Palace bekommt sein Fett weg: „...the most miserably dour gaff in England – an architectural evocation of bi-polar depression…in a Valium landscape„.

Zweifelsohne ist Gill ein Meister im Formulieren geistreicher Sätze, so findet man im Kapitel „Drink“ diese Anmerkung über die Engländer und ihre Problematik mit dem Trinken: „Drink is the key that unlocks the cellar door to their dark side„.

Ich habe das Buch mit sehr viel Genuss gelesen; das eine oder andere mag übertrieben und zugespitzt formuliert sein, doch der Leser bekommt einen tiefen Einblick in das Seelenleben der Engländer, und man versteht nach der Lektüre besser wie sie „ticken“.

A.A. Gill: The Angry Island – Hunting the English. Phoenix 2006. 237 Seiten. ISBN 978-0753820964 (dies ist die Taschenbuchausgabe, die gebundene Ausgabe erschien 2005).

Noch eine kleine Anmerkung am Rande: A.A. Gills Mutter war die Schauspielerin Yvonne Janette Gilan (1931-2018), die Fans der TV-Serie „Fawlty Towers“ vielleicht noch in Erinnerung geblieben ist, als sie in der Episode „The Wedding Party“ Madame Peignoir spielte.

Stow-on-the Wold – The worst place in the world?
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Morris Men.
Photo © Paul Anderson (cc-by-sa/2.0)

Blenheim Palace bei Woodstock (Oxfordshire) –  A miserably dour gaff?
Photo © Francois Thomas (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Jamie Collinson: Cambridge Student Pranks – A History of Mischief & Mayhem

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Schon seit Jahrhunderten hatten die Studenten der Universitätsstädte Oxford und Cambridge ihren Spaß daran, anderen Streiche zu spielen. Jamie Collinson hat in seinem Buch „ Cambridge Student Pranks – A History of Mischief & Mayhem“ einige davon zusammengestellt (über den Parallelband “ Oxford Student Pranks – A History of Mischief & Mayhem“ werde ich demnächst berichten).

Da ich selbst eine Vorliebe für „pranks“ und „hoaxes“ habe, findet man in meinem Blog einige meiner Favoriten wie die Geschichte vom Sultan von Sansibar, den Dreadnought Hoax und vor wenigen Tagen erst den Streich, in dem ein imaginärer Schulleiter einer imaginären Schule im Mittelpunkt steht.

Jamie Collinson, der Autor des Buches, absolvierte das Sidney Sussex College in Cambridge und ist heute Managing Director der Firma Cambridge Software Ltd. In seinem Buch erzählt er auch die Geschichte eines der wohl berühmtesten (und aufwändigsten) Streiche, die jemals in der Universitätsstadt stattgefunden haben: Der Austin Seven auf dem Dach des Senate House. Eine Gruppe von Studenten hatte sich im Juni 1958 zusammengefunden, um ein Auto des Typs Austin Seven auf das Dach dieses Hauses zu hieven, was mit wochenlangen Vorbereitungen verbunden war und was dann in einer Nacht-und-Nebel Aktion durchgeführt wurde. Sogar die überregionale Presse berichtete von diesem außergewöhnlichen Streich. Ein Problem stellte sich den Verantwortlichen, die das Auto wieder vom Dach herunterholen mussten, was nicht gelang und so wurde der Austin Seven oben mit Schweißbrennern in mehrere Teile zerlegt, die man dann leichter „entsorgen“ konnte.

Das Buch ist mit kleinen witzigen Zeichnungen von Catherine Cox und mit Schwarz-Weiß-Fotos illustriert. Ich kann es nur allen empfehlen, die einen Nerv für diese schrägen Späße haben!

Jamie Collinson: Cambridge Student Pranks – A History of Mischief & Mayhem. The History Press 2012. 124 Seiten. ISBN 978-0-7524-5395-8.

Das illuminierte Senate House, auf dessen Dach der Austin Seven gehievt wurde.
Photo © David Purchase (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 28. November 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Gareth E. Rees: Car Park Life – A Portrait of Britain’s Unexplored Urban Wilderness

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Heute möchte ich eines der interessantesten Bücher vorstellen, die ich seit langem gelesen habe, das im Oktober diesen Jahres erschienene „Car Park Life – A Portrait of Britain’s Unexplored Urban Wilderness“ von Gareth E. Rees.

Zugegeben, es ist schon etwas exzentrisch, sich mit intensiv dem Thema „Parkplätze“ zu beschäftigen, in diesem Falle mit Parkplätzen von Supermärkten und Einkaufszentren. Was kann man da schon groß darüber berichten? Außer Autos und deren Insassen gibt es da doch nichts, oder? Stimmt nicht! Überall, wo Gareth Rees hinkommt, muss er einfach die Parkplätze von Morrison’s, Sainsbury’s, ASDA, Tesco und wie sie alle heißen, aufsuchen, sie haben alle ihre Besonderheiten und es passiert dort eine Menge, nur sehen es die meisten „Shopper“ nicht. Da wird mit Drogen gehandelt, es passieren Verbrechen, sogar Morde, Jugendliche benutzen sie, um dort Skateboard zu fahren oder mit ihren Autos zu nächtlicher Stunde gefährliche Kunststücke zu vollbringen, sexuelle Handlungen werden in den Autos vollzogen und und und.

Von Schottland bis nach Cornwall hat Gareth Rees Parkplätze aufgesucht, und er hat auch hinter die Supermärkte geschaut, hinter Restaurants wie KFC, Pizza Express und McDonald’s, um zu sehen wie es dort aussieht, wo manchmal Rattenfallen aufgestellt sind und wo Unrat jeglicher Art abgeladen wird.

Der Autor besucht zum Beispiel Bristols Cribbs Causeway Retail Park, ein riesiges Einkaufszentrum mit 7000 Parkplätzen, in dem alle die üblichen Verdächtigen zu finden sind wie Argos, B&Q, Costa Coffee, Currys, KFC, John Lewis, um nur einige zu nennen. Beim vierten World Congress of Psychogeography in Huddersfield (West Yorkshire) führt er eine Gruppe von Teilnehmern über die Parkplätze von Sainsbury’s und Tesco.

Das Buch ist nie langweilig, fesselnd zu lesen und auch traurig, als Rees über seine zerbrochene Ehe berichtet.

Es gibt noch ein weiteres Buch, das sich mit dem Thema beschäftigt: „Parking Mad: Car Parks From Heaven (or Hell)“ von Kevin Beresford, das 2006 erschien.

Auch in den USA wurden Bücher über Parkplätze geschrieben, und das Thema findet seinen Niederschlag in zahlreichen Songs, von denen ich hier stellvertretend nur zwei Countrysongs nennen möchte: Chris Cagles „Wal-Mart Parking Lot“ und Jordan Davis‘ „Slow Dance in a Parking Lot„.

Nach der Lektüre des Buches fährt man mit ganz anderen Augen auf den Parkplatz eines Supermarkts.

Gareth E. Rees: Car Park Life – A Portrait of Britain’s Unexplored Urban Wilderness. Influx Press 2019. 240 Seiten. ISBN 978-1-910312-35-3.

Cribbs Causeway Retail Park in Bristol.
Photo © don cload (cc-by-sa/2.0)

Sainsbury’a in Huddersfield.
Photo © Alex McGregor (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. November 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – David Skelton: Little Platoons

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Das im September 2019 erschienene Erstlingswerk von David Skelton trägt den Titel „Little Platoons: How a Revived One Nation Can Empower England’s Forgotten Towns and Redraw the Political Map„. Das zentrale Thema des Buches klingt im Untertitel an, die „Forgotten Towns„, das sind die Städte im Norden Englands, die früher durch Kohlebergbau und Stahlindustrie prosperierten und die nach dem Niedergang der Schwerindustrie am Boden lagen bzw. noch liegen.
Am Beispiel von Consett im County Durham (siehe dazu meinen Blogeintrag), wo der Autor des Buches aufgewachsen ist, zeigt er, dass die Regierungen in London an diesen abgehängten Regionen nur wenig Interesse bekundeten. Die Kohlekumpels und die Stahlarbeiter hatten plötzlich keine Jobs mehr, die Folge: Eine hohe Arbeitslosenquote, wachsender Drogen- und Alkoholkonsum, Hoffnungslosigkeit und teilweise auch Abwanderung in den Süden des Landes. Beim Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der EU 2016 stimmten aus Frustation besonders viele Menschen aus dem Norden Englands für den Brexit.

David Skelton wirbt in seinem Buch für eine neue Vision des sogenannten One Nation-Konservatismus, und ich zitiere hier die Wikipedia:

Der Begriff One-Nation-Konservatismus geht auf eine Äußerung des damaligen Premierministers Benjamin Disraeli zurück. Er meinte, es gäbe eigentlich zwei Nationen im Land: eine der Reichen und eine der Armen, die kaum miteinander in Kontakt stünden. Er betrachtete es als seine Aufgabe, soziale Harmonie zwischen den verschiedenen Klassen und gesellschaftlichen Gruppen herzustellen„.

Skelton meint, dass eine starke Regierung für eine ausgeglichenere Gesellschaft sorgen und verkrustete Strukturen aufbrechen kann. Indem man die abgehängten und vernachlässigten Kommunen wiederbelebt und den Menschen dort neue Perspektiven aufzeigt, können diese auch wieder die Kontrolle über ihr Leben und ihre Zukunft bekommen.

Ein sehr lesenswertes Buch, das hin und wieder auch an die deutsche Ost-West-Problematik erinnert; das Thema „abgehängte Dörfer und Städte im Osten“ ist auch in unserem Land aktuell.

David Skelton: Little Platoons: How a Revived One Nation Can Empower England’s Forgotten Towns and Redraw the Political Map. Biteback Publishing 2019. 284 Seiten. ISBN 978-1-78590-512-4.

The Old Transformers, östlich von Consett, erinnern an die ehemalige Kohle- und Stahlindustrie.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 20. November 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Ben Fogle: English – A Story of Marmite, Queuing and Weather

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Was der 1973 geborene Ben Fogle in seinem Leben alles schon gemacht hat, ist unwahrscheinlich: Er hat den Mount Everest bestiegen, hat in einem Ruderboot den Atlantik überquert, war am Südpol und hat den Dschungel von Papua-Neuguinea durchquert. Er hat Dutzende von TV-Dokumentationen erstellt, war Moderator der beliebten BBC-Sendung „Countryfile“ und moderiert bei ITV die ähnlich gelagerte Serie „Countrywise„. Außerdem hat er bisher neun Bücher geschrieben, darunter eines über den Land Rover und eines über die Hunderasse Labrador. So verwundert es nicht, dass der Mann bereits in jungen Jahren als Wachsfigur in Madame Tussaud’s Museum in Blackpool verewigt worden ist.

In „English – A Story of Marmite, Queuing and Weather“ macht sich Ben Fogle Gedanken über das „Englisch-Sein“, was ist das Besondere an den Engländern, wie ticken die Menschen auf der Insel? Das Buch erinnert mich an Kate Fox‘ „Watching the English„, das ich in meinem Blog auch vorgestellt habe.
In Fogles Buch werden wir mit allen Themen konfrontiert, die man allgemein für typisch englisch hält: Dazu gehören beispielsweise die Haßliebe für den Brotaufstrich Marmite, die Bedeutung des Tees in der Gesellschaft, das „Queuing„, also die Kunst des Schlangestehens, die Wellington Boots, die beinahe jeder Engländer besitzt, die Shipping Forecast, die sich Millionen Menschen täglich anhören, ohne dass sie davon in irgendeiner Weise betroffen sind, bizarre Sportarten, Exzentriker und natürlich das Thema Nummer 1, das Wetter.

Ben Fogle versteht es, sehr amüsant zu schreiben, so dass man beim Lesen immer ein Lächeln auf dem Gesicht hat, und nach der Lektüre kann man wirklich sagen: Jetzt verstehe ich die Engländer besser. Ein richtig tolles Buch!! Ich war traurig, als ich es zu Ende gelesen hatte, ich hätte mich über ein paar hundert Seiten mehr sehr gefreut.

Ben Fogle: English – A Story of Marmite, Queuing and Weather. William Collins 2018. 291 Seiten. ISBN 978-0-00-822228-4.

Published in: on 4. November 2019 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – John Ambrose Hide: Black Plaques – Memorials to Misadventure – London

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In meinen Blogeinträgen ist häufig von Blue Plaques, von blauen Plaketten an Hauswänden, die Rede, die daran erinnern, wer dort einmal gewohnt hat. Es gibt Bücher darüber und Webseiten, aber es sind fast immer die blauen Plaketten, die in England eine Rolle spielen, schwarze gibt es nicht. Und trotzdem ist in diesem Jahr im Verlag History Press ein Buch erschienen mit dem Titel „Black Plaques: Memorials to Misadventure – London“ von John Ambrose Hide. Darin geht es um virtuelle Plaketten, die es also in Wirklichkeit nicht gibt, die es aber geben könnte. Schwarz, weil sie auf Geschehnisse der Vergangenheit hinweisen, auf „awkward stories„, und solche Plaketten möchte niemand gern an seiner Hauswand haben. In diesem Band geht es also um London (vielleicht folgen noch weitere Bände für andere Landesteile). Der Autor warnt seine Leser schon in der Einführung des Buches über den Charakter seiner Geschichten, die gespickt sind mit „lewd and lurid details that are perhaps not everyone’s cup of tea„; „Black Plaques mark sites where, to put it bluntly, shit happened„.

Da berichtet John Ambrose Hide beispielsweise unter der Überschrift „Anatomy Theatre“ über das in den 1970er Jahren Royalty Theatre genannte Gebäude (das spätere Peacock Theatre), in dem Paul Raymond seine für damalige Begriffe sehr extravaganten Revuen aufführte wie die Great International Nude Show und die Royalty Follies (letztere erwiesen sich für Raymond als finanziell desaströs).

In „Breeding Ground“ hören wir die Geschichte vom Schomberg House in der Straße Pall Mall 80-82, in der ein Dr James Graham einen luxuriösen Treffpunkt für Pärchen einrichtete, der die optimale Umgebung bieten sollte, um dort perfekte Kinder zu zeugen, denn der gute Doktor war der Meinung, dass der Zustand des britischen Nachwuchses, sowohl in körperlicher als auch in geistiger Hinsicht, sehr zu wünschen übrig ließ (s. dazu auch meinen früheren Blogeintrag).

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel vorwegnehmen; wer das Buch liest, wird sich streckenweise amüsieren, manchmal aber auch erschauern ob der schrecklichen Dinge, die sich einst in der britischen Metropole abgespielt haben. Ein sehr empfehlenswertes Buch dieses Erstlingswerk von John Ambrose Hide!!

John Ambrose Hide: Black Plaques – Memorials to Misadventure – London. The History Press 2019. 360 Seiten. ISBN 978-0-7509-8995-4.

Das Peacock Theatre in der Portugal Street (Holborn).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Das Schomberg House in der Straße Pall Mall.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 22. Oktober 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Victoria Mather and Sue Macartney-Snape : There’ll Always be an England

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Social stereotypes from the Daily Telegraph„, so steht es auf dem Umschlag des Buches „There’ll Always be an England„, geschrieben von Victoria Mather und gezeichnet von Sue Macartney-Snape.
Über 15 Jahre erschien die wöchentliche Kolumne „Social stereotypes“ in der Tageszeitung Daily Telegraph, und daraus entstanden schon mehrere Bücher, von denen „There’ll Always be an England“ das zuletzt erschienene ist.

Victoria Mather ist Reisejournalistin, Sue Macartney-Snipe ist eine sehr erfolgreiche Karikaturistin, auch als „Wodehouse of Art“ bezeichnet, über deren Bilder der britische Schriftsteller John Julius Norwich einmal gesagt hat „They illustrate the English social scene more brilliantly and with greater accuracy than those of any other painter working today“.

In dem hier von mir empfohlenen Band geht es unter anderem um den Nichtraucher, den Milchmann, den Opernhasser  oder das heimwehkranke Kind, aber es geht nicht nur um Personen, sondern auch um andere Themen wie „Decorating the church“ oder „The afternoon snooze“.
Text und Bild sind jeweils wie aus einem Guss, englischer Humor „at its best“.

Hier einige weitere Titel aus der Reihe:
The wicked teenager
The appalling guests
The smelly dog
The mid-life crisis usw.

Alles sehr nett zu lesende Bücher und ideale Geschenke für Englandfans.

Victoria Mather and Sue Macartney-Snipe: There’ll always be an England.
London: Constable & Robinson 2010. 126 Seiten. ISBN 978-1849015578.

Published in: on 12. Oktober 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Dee Gordon: Essex’s Own

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Es ist zwar schon zehn Jahre her als Dee Gordons Buch „Essex’s Own“ erschien, und so einiges bedürfte einer Aktualisierung, trotzdem ist es interessant zu lesen. Vielen im Lande fällt, wenn sie den Namen der Grafschaft Essex vor den Toren Londons hören, erst einmal „Essex Girls“ ein, ein Begriff, der die jungen Frauen von dort in einem eher ungünstigen Licht erscheinen lässt, ein bisschen vulgär, kurze Röcke, tiefe Dekolletés, immer auf der Suche nach einem amourösen Abenteuer.

Dee Gordons Buch beinhaltet Kurzbiografien von Prominenten, die in irgendeiner näheren Beziehung zu der Grafschaft stehen, und da sind auch Essex Girls dabei, allerdings keine, die in das oben erwähnte Klischee passen.

Da ist beispielsweise die Krimiautorin Ruth Rendell (1930-2015), die vor allem durch ihre Inspector Wexford-Romane weltweit bekannt wurde (ich persönlich ziehe ihre anderen Krimis vor). Ruth Rendell arbeitete zu Beginn ihrer Karriere bei der Lokalzeitung Chigwell Times, die in Essex erschien und die es heute nicht mehr  gibt. Geboren wurde sie 1930 in South Woodford, das bis zum Jahr 1965 zu Essex gehörte, dann Greater London zugeschlagen wurde.
Weitere Essex Girls sind die Sängerinnen Sandie Shaw und Sade. Sandie wurde 1947 in Dagenham geboren (auch dieser früher in Essex gelegene Ort wurde 1965 in London eingemeindet), Sade (eigentlich Helen Folesade Adu, 1959 in Nigeria geboren) lebte als Teenager in Clacton-on-Sea und besuchte die dortige High School.

Dee Gordons Buch porträtiert natürlich auch „Essex Boys“, darunter ist der Kultautor Douglas Adams (1952-2001), der einen Teil seiner Kindheit in Brentwood und in Stondon Massey verbrachte, der Jazzmusiker Kenny Ball (1930-2013), der in Essex geboren wurde und dort auch starb, und die Fußball-Ikone Bobby Moore (1941-1993), der in Barking (damals Essex, heute Greater London) geboren wurde, eine Zeit lang die Mannschaft von Southend United trainierte und einige Jahre in Leigh-on-Sea wohnte.

Die Autorin ist selbst ein Essex Girl und hat viele weiterer Bücher geschrieben, die meisten über Essex und speziell Southend-on-Sea, wo sie auch wohnt.

Dee Gordon: Essex’s Own. The History Press 2009. 127 Seiten. ISBN 978-0-7509-5121-0.

Southend-on-Sea in Essex.
Photo © Oliver Mills (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. Oktober 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Rosie Sanders: Rosen – Meisterin der Blumenkunst

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Wenn man einmal ein Buch sucht, das zur Entschleunigung, Entspannung und zum Wohlbefinden beitragen soll, dann kann diese Dienste Rosie Sanders‚ „Rosen: Meisterin der Blumenkunst“ in einzigartiger Weise leisten. Die Farbexplosionen der rund 80 Rosenporträts der englischen Künstlerin nehmen den Betrachter sofort gefangen und führen ihn in eine andere Welt, in der die Trumps und Johnsons unserer Zeit nicht existieren. Schade, dass es (noch) keine Bücher gibt, die man auch riechen kann, der Duft der Rosen in diesem Buch muss betörend sein. Rosie Sanders (was für ein passender Vorname!) hat bis auf eine Ausnahme nur Rosen aus ihrem eigenen Garten in Devon gemalt: Da ist David Austins zerzauste Mortimer-Sackler-Rose zu sehen, in deren Porträt Kobaltviolett vorherrscht, die sonnengelbe Celebration, ebenfalls von Großbritanniens Rosenzüchter Nummer Eins kreiert, und eine wunderschöne Tuscany Superb („red as a cherry harvest“).

Rosie Sanders hat jedem Gemälde einen Namen gegeben: Das Porträt eines Rosenbuschs heißt „Lied von der Erde„, nach Gustav Mahlers Komposition, bei der Betrachtung einer Rose kam ihr Pink Floyds (auch das wäre ein treffender Name für eine Rose) „The dark side of the moon“ in den Sinn, und als ich mir das wunderschöne Gemälde einer Rose namens „Summer Wine“ ansah, musste ich unwillkürlich an den gleichnamigen Song von Lee Hazlewood und Nancy Sinatra denken.

Die kurzen Begleittexte zu jedem Bild stammen ebenfalls von Rosie Sanders und entsprechen jeweils der Stimmung in der sie war, als sie die Pinsel in die Hand nahm, um ihre Rosen detailgetreu auf die Leinwand zu versetzen.

Die sehr interessante Einleitung „Eine kleine Geschichte der Rose“ schrieb Jane McMorland Hunter, die selbst mehrere Gartenbücher veröffentlicht hat.
Das wunderschöne Coffee Table-Book ist gerade Ende September, zeitgleich mit dem englischen Ausgabe, erschienen.

Von Rosie Sanders liegen bereits das im gleichen Verlag 2015 erschienene „Überwältigende Blüten“ vor und das 2012 veröffentlichte „Apfel-Buch“ (Delius Klasing-Verlag). Angekündigt für den 5. Januar 2020 ist das Buch „Winterblumen“ (auch im Verlag Elisabeth Sandmann).

Die vielfach ausgezeichnete Künstlerin lebt in Bovey Tracey (Devon) am Rand des Dartmoors in dem einstöckigen weißen Front House am Anfang der schmalen East Street. Hier ist ein Film über sie.

Rosie Sanders: Rosen – Meisterin der Blumenkunst. Elisabeth Sandmann-Verlag 2019. 144 Seiten. ISBN 978-3-945543-70-2.

Published in: on 30. September 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Steven Primrose-Smith: Route Britannia – A Spontaneous Bicycle Ride through Every County in Britain Teil 1 und 2

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Steven Primrose-Smith ist mit seinem 2001 in Österreich gekauften KTM-Fahrrad schon mehr als 50 000 Kilometer kreuz und quer durch Europa gefahren und hat darüber in seinen Büchern „No Place Like Home, Thank God“ und „Hungry For Miles“ berichtet. In seinem Heimatland Großbritannien hatte er sich vorgenommen, ebenfalls per Fahrrad und Zelt, sämtliche 97 Grafschaften abzuklappern, was er dann auch tat und darüber in seinen beiden Büchern „Route Britannia – A Spontaneous Bicycle Ride through Every County in Britain „, aufgeteilt in Teil 1 „The Journey South“ und Teil 2″ The Journey North„, geschrieben.

Ich kann die beiden Bücher sehr empfehlen, denn sie sind zum einen sehr witzig geschrieben und bringen zum anderen viele, oft recht kuriose, Informationen über die bereisten Gebiete. Steven Primrose-Smith beginnt die 8000 Kilometer lange Fahrradtour in Liverpool, die ihn im Zickzack durch alle Grafschaften von Wales und des südlichen Englands führt. Teil 2 der Reise beginnt in Bedfordshire, führt in den hohen Norden nach Schottland und endet in Blackpool in Lancashire.

Gleich am Beginn der Tour erfahren wir, dass Liverpool die „breast augmentation capital of the world“ und das nicht weit entfernte St Helens (Merseyside) die „teen pregnancy capital“ Großbritanniens ist. Und da in St Helens auch noch extrem viele übergewichtige Menschen wohnen (73%) stellt Primrose-Smith die kühne These auf, dass die vielen übergewichtigen Mädchen dort wohl nicht schnell genug vor den geilen Männern von St Helens weglaufen können (tongue-in-cheek!!).

Es macht einfach Spaß, diese beiden Bücher zu lesen, denn der Autor verfügt über einen wunderbaren Humor!

Noch einige ergänzende Worte zum Autor. Steven Primrose-Smith stammt aus Blackburn (Lancashire). Er hat Englisch, Mathematik und Philosophie studiert. Im Jahr 2009 wäre er fast an einer Gehirnblutung gestorben, zurückzuführen auf einen sehr hohen Blutdruck. Seitdem ist sein Lebensmotto „Wenn du etwas tun möchtest, dann tue es jetzt, sonst könnte es vielleicht zu spät sein“.

Steven Primrose-Smith: Route Britannia – A Spontaneous Bicycle Ride through Every County in Britain Teil 1 und 2. Rosebery Publications 2016/2017. 277 bzw. 263 Seiten. ISBN 978-1540516374 bzw. 978-1974098323.

Published in: on 11. September 2019 at 02:00  Comments (4)