Mein Buchtipp – Mike Pannett: „Now then Lad…“ – Tales of a Country Bobby

Foto meines Exemplares.

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Der in York geborene Mike Pannett begann seine Polizeilaufbahn 1988 bei der Londoner Metropolitan Police, wo er unter anderem bei der Murder Squad und der Riot Police arbeitete. 1997 zog es ihn wieder in das heimische Yorkshire zurück, wo es doch etwas ruhiger zuging als in der Hauptstadt, und so nahm er eine Stelle als Streifenpolizist in Malton (North Yorkshire) an. Was er da so alles erlebte, schildert er in seinem Buch „“Now then, Lad…: Tales of a Country Bobby„. Hier im ländlichen North Yorkshire hat er es jetzt mit entlaufenen Bullen, Lärmbelästigung bei Rockkonzerten und nächtlichen Streifen zu tun. Außerdem trifft er auf eine sehr reizvolle neue Kollegin… Mike Pannett, dessen Frau auch im Polizeidienst steht, entschloss sich aus dem Buch eine Serie zu machen, in der ein halbes Dutzend Bände erschienen sind. Als Gegenpol verfasste der Polizist auch ein Buch über die Verbrechensszene in London unter dem Titel „Crime Squad: Life and Death on London’s Front Line„.

In der BBC Doku-Serie „Country Cops„, die im Jahr 2005 in und um Malton gedreht wurde, spielte Mike Pannett sich selbst.

PC Pannett ist übrigens der Cousin von Peter Walker, der besser unter seinem Pseudonym Nicholas Rhea bekannt ist, und der die „Constable„-Serie geschrieben hat, die unter dem Titel „Heartbeat“  in mehreren hundert Episoden für das Fernsehen verfilmt wurde und in England Kultstatus hat. Peter Walker ist im vorigen Jahr verstorben; siehe dazu meinen Blogeintrag.

Mike Pannett:  „Now then Lad…“ – Tales of a Country Bobby. Constable 2008. 258 Seiten. ISBN 978-1-84529-811-1

 

Published in: on 12. Juni 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Towpath Talk – Das Magazin für Freunde des britischen Wasserstraßensystems

 

Unser Narrowboat auf dem River Avon.
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In Großbritannien gibt es eine zunehmende Zahl von Menschen, die ihren Urlaub gern auf den Kanälen verbringen, sei es auf eigenen oder auf gemieteten Narrowboats oder anderen Motorbooten. Das Kanalsystem im Land ist weitverzweigt und man kann z.B. von London aus problemlos bis in den Norden fahren. Ein gemächlicher Urlaub (wenn da nicht die vielen Schleusen wären…).

Für alle, die sich für die britischen Kanäle interessieren, gibt es ein Magazin namens Towpath Talk. Es erscheint jeweils am letzten Donnerstag eines Monats in einer Auflage von ca 29 000 Exemplaren bei der Mortons Media Group Ltd in Horncastle in Lincolnshire. Auf in der Regel 64 Seiten wird man mit diesem Magazin über alles informiert, was es an Wissenswertem über die Kanäle zu berichten gibt. Die zurzeit aktuelle Ausgabe vom Juni 2018 hat u.a. als Thema das 41. Easter Boat Gathering im National Waterways Museum in Ellesmere Port (Cheshire) und das jährliche Treffen der Schleppboote im Black Country Living Museum in Dudley (West Midlands).

In erster Linie ist der Towpath Talk aber ein Werbeblatt für Verkäufer und Vermieter von Narrowboats, für Marina-Betreiber, für Werften und für Inneneinrichter von Booten.

Man kann sich Towpath Talk auch nach Deutschland schicken lassen; das kostet £17.50 für 12 Ausgaben.

Towpath Talk
Media Centre
Morton Way
Horncastle
Lincs
LN9 6JR
 

Wir machten unser Boot in Stratford-upon-Avon fest.
Eigenes Foto.

Published in: on 2. Juni 2018 at 02:00  Comments (4)  
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Mein Buchtipp – Richard Muir: How To Read a Village

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Ich habe mich in der letzten Zeit etwas intensiver mit englischen Dörfern beschäftigt, daher auch meine Buchtipps wie Richard Askwiths „The Lost Village“ und Brian Baileys „The English Village Green„. Ein weiteres Buch zum Thema ist Richard MuirsHow To Read a Village„, erschienen 2007 bei der Ebury Press.

Dr Richard Muir hat seine Dissertation bei der Universität von Aberdeen geschrieben und ist zu einem Experten für „landscape interpretation“ geworden. 1989 erschien sein „Shell Guide to Reading the Landscape„, im Jahr 2000 sein „The New Reading the Landscape: Fieldwork in Landscape History„.

In der „How To Read…“-Serie der Ebury Press verfasste Dr Muir sein „How To Read a Village“, in dem er sich mit allen Aspekten des britischen Dorfes beschäftigt und dem Leser Ratschläge an die Hand gibt wie er selbst aus bestimmten Anzeichen Rückschlüsse auf die Geschichte eines Dorfes ziehen kann. Er untersucht u.a. wesentliche Elemente eines Dorfes wie die Kirche, das Village Green, den Pub, Cottages und den Dorfteich.

Auch Richard Muir sorgt sich um die Zukunft des Dorfes: „With more and more of our countryside disappearing under tarmac and brick, it is time to reassess, appreciate and understand our villages„.

Das Buch ist mit sehr eindrucksvollen Fotos ausgestattet, manche in Schwarz-Weiß, die meisten in Farbe, davon auch einige doppelseitig.

Für alle, die sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen möchten, sehr zu empfehlen.

Richard Muir: How To Read a Village. Ebury Press 2007. 272 Seiten. ISBN 978-0-09-192011-1

Eines meiner Lieblingsdörfer: Turville in Buckinghamshire.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 28. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Mein Buchtipp – Peter A. McCue: Paranormal Encounters on Britain’s Roads

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Anfang diesen Jahres erschien im Verlag The History Press, immer noch eine der besten Adressen für alle, die sich für England interessieren, das Buch „Paranormal Encounters on Britain’s Roads: Phantom Figures, UFOs and Missing Time“ von Peter A. McCue. McCue ist ein klinischer Psychologe aus Schottland, der seinen Doktortitel mit einer Arbeit über Hypnose von der Universität Glasgow erhalten hat. Schon in seinem Buch „Zones of Strangeness: An Examination of Paranormal and UFO Hot Spots“ (AuthorHouse UK 2012) hat er sich mit paranormalen Phänomenen auseinandergesetzt und den Orten, an denen sich diese Dinge ereignet haben.

In seinem aktuellen Buch beschäftigt sich Peter A. McCue schwerpunktmäßig mit den unheimlichen Begegnungen, die Menschen auf den Straßen Großbritanniens hatten. Und es gibt da tatsächlich „hot spots“, wo sich diese Phänomene häufen.

Beispiel Cannock Chase, eine bewaldete Region in Staffordshire, von wo es immer wieder Berichte von „paranormal encounters“ gibt. Auf der Slitting Mill Road werden über Jahre hinweg Menschen mit einer mysteriösen schwarz gekleideten Gestalt konfrontiert, die sich bei einer versuchten Kontaktaufnahme in Luft auflöst. Mehrere Male erzählten Autofahrer von einer Frau, die an der Stile Cop Road, ganz in der Nähe des Friedhofeingangs, stand und mitgenommen werden wollte. Sie stieg jeweils im Fonds ein und verschwand während der Fahrt.

Ein weiterer Hotspot ist der Blue Bell Hill, ein Hügel zwischen Maidstone und Rochester in Kent, der von der A229 überquert wird. Hier berichteten Autofahrer immer wieder, davon, dass vor ihnen plötzlich eine Gestalt auftauchte, die sie mit ihrem Fahrzeug erfassten. Wenn sie ausstiegen, um nach ihr zu sehen, war diese Person nicht mehr auffindbar. Auch Polizeibeamte, die zur Untersuchung hinzugezogen wurden, konnten sich keinen Reim darauf machen. Sean Tudor hat sich in seinem Buch „The Ghosts of Blue Bell Hill & Other Road Ghosts“ (White Ladies Press 2017) näher mit dieser Region beschäftigt.

Schließlich noch ein weiterer Ort, um den sich zahllose unheimliche Geschichten ranken: Warminster in Wiltshire, am Rande des riesigen militärischen Sperrgebiets Salisbury Plain. Hier werden ähnliche Vorfälle wie in den Blue Bell Hills erzählt, vor allem aber berichten Menschen, die in der Region leben, immer wieder, unabhängig voneinander, von UFO-Sichtungen und das schon seit vielen Jahren. Gibt es da einen Zusammenhang zu der Militärbasis?

Peter A. McCue: Paranormal Encounters on Britain’s Roads: Phantom Figures, UFOs and Missing Time. The History Press 2018. 176 S. ISBN 978-0-7509-8438-6.

Die Slitting Mill Road, südlich von Rugeley (Staffordshire) in der Region Cannock Chase.
Photo © A Holmes (cc-by-sa/2.0)

Der Stile Cop Cemetery, ebenfalls südlich von Rugeley gelegen.
Photo © John M (cc-by-sa/2.0)

Der Blue Bell Hill in Kent.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Der Cley Hill bei Warminster – Ein UFO-Hotspot.
Photo © Phil Williams (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Harris’s List of Covent Garden Ladies – Ein Führer durch das Prostituierten-Milieu des 18. Jahrhunderts


This work is in the public domain

Der irische Schriftsteller Samuel Derrick (1724-1769) soll der Herausgeber eines Führers durch das Londoner Prostituierten-Milieu des 18. Jahrhunderts gewesen sein, der sich „Harris’s List of Covent Garden Ladies“ nannte und in den Jahren 1757 bis 1795 erschien.
Das heutige Covent Garden Viertel wird geprägt vom Royal Opera House, dem Theatre Royal Drury Lane und einer Vielzahl von Pubs, Bars und Restaurants. Im 18. Jahrhundert hatte Covent Garden allerdings keinen guten Ruf, denn hier war ein Schwerpunkt der Prostitution der Hauptstadt. Herren, die sich des sexuellen Vergnügens hingeben wollten, hatten eine große Auswahl an Damen, die ihrerseits ihre Dienste feilboten. Damit die Auswahl etwas leichter fiel, gab es die besagte „Harris’s List of Covent Garden Ladies“, benannt nach dem Zuhälter Jack Harris, der sich selbst in seiner Autobiografie „“Pimp General to the People of England“ nannte. In dieser Liste, die immer wieder neu aufgelegt wurde, fand man die Damen des horizontalen Gewerbes penibel aufgelistet, mit allen ihren Vorzügen und Nachteilen. Über 250 000 Exemplare sollen in den knapp dreißig Jahren verkauft worden sein.

Werfen wir einmal einen Blick in die Liste. Da finden wir zum Beispiel  eine Miss Dav-s (die Namen sind nie vollständig ausgeschrieben), die in der Margaret Street 28 wohnte. Sie war ca 18 Jahre alt und hatte hübsche Gesichtszüge; vor allem ihr Mund war sehr schön und erinnerte an eine Rose, kurz bevor sie zu blühen begann. Nur ihre Augen gereichten zu ihrem Nachteil, denn sie waren schmal und grau.

Miss Ke-t von der Warren Street Nummer 9, 20 Jahre alt mit dunklen Augen und schwarzen Haaren, wird poetisch so beschrieben: „Whenever she is offering incense at the shrine of Venus, her whole frame is agitated with pleasure, her eyes languish, her breasts heave, and her limbs quiver, while involuntary sighs and murmurs burst forth from her tender bosom, provoking the transports of the happy priest who administers with her“. Welcher Herr konnte da widerstehen?

Miss Sh-rd aus der Goodge Street Nummer 46 nahm für ihre Dienstleistungen eine Guinea und der Verfasser ihrer Kurzvita schwärmt: „Her hand and arm are uncommonly neat; and her leg, thigh, and the demesnes adjacent remarkably tempting“.

Die Historikerin Hallie Rubenhold hat sich mit der Thematik intensiv beschäftigt und einige Bücher darüber geschrieben; in Deutschland erschien ihr „Covent Garden Ladies: Ein Almanach für den Herrn der Welt“ (Osburg-Verlag 2009).

In der BBC-Dokumentation „The Harlot’s Handbook“ schildert Hallie Rubenhold das Prostituierten-Milieu der damaligen Zeit: Teil 1 und Teil 2.

Covent Garden Market.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Mein Buchtipp – Richard Askwith: The Lost Village

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Richard Askwiths Buch „The Lost Village„, bereits 2008 erschienen, trägt den Untertitel „In Search of a Forgotten Rural England„. Darin untersucht er, was aus dem typisch englischen Dorf geworden ist. „Typisch“ bedeutet, jeder kennt jeden, man trifft sich im Pub, im Dorfladen und in der Kirche, man hilft sich untereinander, schließt die Türen seines Hauses nicht ab usw.
Gut, das Türenabschließen ist angesichts der Kriminalität auch im ländlichen Bereich schon lange üblich, aber leider verschwinden auch immer mehr Pubs und Läden aus den Dörfern, Schulen werden geschlossen und der Pfarrer „bedient“ mehrere Ort gleichzeitig und ist nur noch selten zu sehen.

Viele „locals“ fühlen sich in ihrem Dorf nicht mehr wohl, weil immer mehr Häuser, die sie sich selbst nicht mehr leisten können, von Fremden aus den großen Städten gekauft werden, die sich aber nicht in eine (falls noch existierende) Dorfgemeinschaft einfügen wollen, man kennt sich nicht mehr und die Strukturen brechen allmählich auseinander.

Richard Askwith ist durch ganz England gereist, hat mit den Einheimischen gesprochen, hat von den Nöten der Farmer gehört, von denen es immer weniger gibt, weil sich die Arbeit nicht mehr lohnt.
Einige Beispiele:
In Abbotts Ann in Hamphire trifft Richard Askwith auf einen der wenigen noch verbliebenen Reetdachdecker, in Polperro in Cornwall hört er wie die Touristenströme das Ortsbild verändert haben, in Threlkeld in Cumbria unterhält er sich mit einem Jäger, der sich vehement gegen das Verbot der Fuchsjagd ausspricht und erlebt in Haxey in Lincolnshire hautnah die alte Tradition des Haxey Hood mit.

Ein hochinteressantes, nachdenklich machendes Buch, dessen Lektüre ich jedem empfehlen kann, der sich für englische Dörfer interessiert.

Richard Askwith: The Lost Village – In Search of a Forgotten Rural England. Ebury Press 2008. 356 Seiten. ISBN 978-0-09-190913

Abbots Ann in Hampshire.
Photo © John Firth (cc-by-sa/2.0)

Polperro in Cornwall.
Photo © Robin Drayton (cc-by-sa/2.0)

The Haxey Hood in Haxey (Lincolnshire).
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. Mai 2018 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – Brian Bailey: The English Village Green

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Zu einem richtigen englischen Dorf, wie man sich das so vorstellt und vielleicht auch ein wenig von Miss Marples St Mary Mead beeinflusst worden ist, gehören unbedingt der gemütliche Pub, die Kirche, daneben des Haus des Vikars, das Manor House und der Dorfanger, also das Village Green. Während die Literatur über Pubs, Kirchen und Manor Houses zahlreich ist, gibt es nur ganz wenige Bücher, die sich mit dem Thema „Village Green“ beschäftigen.

Brian Bailey hat bereits 1985 das Buch „The Village Green“ veröffentlicht, danach ist nichts Nennenswertes mehr darüber erschienen. „The village green, whatever its original purpose may have been, remains one of the most ancient and characteristic symbols of Englishness...“. so Brian Bailey. Leider droht auch diesem „symbol of Englishness“ die Ausrottung, denn in vielen Dörfern sind sie bereits verschwunden, zubetoniert, um Parkplätze zu schaffen oder um Straßen anzulegen.

Nach zwei einführenden Kapiteln über den Ursprung und den Sinn und Zweck englischer Dorfanger, stellt Brain Bailey, nach Regionen geordnet, die schönsten und sehenswertesten Greens vor. Manche Grafschaften können eine stattliche Zahl vorweisen, in anderen muss man sie mit der Lupe suchen (wie in Cornwall, Staffordshire oder Shropshire). Der Autor muss riesige Strecken zurückgelegt haben, um sich die (noch) vorhandenen Village Greens anzusehen. Das Buch endet mit dem Kapitel „The Future of Village Greens“ und einer Top Twenty-Liste von Baileys Lieblings-Greens, auf der sich u.a. die von Aldbury in Hertfordshire (bei meinem Besuch im letzten Jahr sah das leider etwas ungepflegt aus), Haddenham in Buckinghamshire (da stimme ich völlig zu), Tolpuddle in Dorset (klein, aber fein) und Finchingfield in Essex (vielleicht das schönste im ganzen Land) befinden.

Obwohl das vergriffene, aber leicht antiquarisch zu bekommene Buch schon 33 Jahre alt ist und einige der erwähnten Greens wohl nicht mehr existieren, kann ich es allen sehr empfehlen, die sich mit dieser Materie näher beschäftigen möchten.

Hier ist eine kleine Auswahl meiner persönlichen Lieblinge.

Brian Bailey: The English Village Green. Robert Hale 1985. 223 Seiten. ISBN 0-7090-2339-1.

Meine persönliche Nummer 1: The Lee in Buckinghamshire.
Eigenes Foto.

Littlewick Green bei Maidenhead in Berkshire. Village Green mit Pub, The Cricketers. Hier wird natürlich auch Cricket gespielt. 
Eigenes Foto.

Brill in Buckinghamshire.
Eigenes Foto.

Haddenham in Buckinghamshire mit Kirche und Dorfteich.
Eigenes Foto.

Westlington in Buckinghamshire.
Eigenes Foto.

Warborough in Oxfordshire: Hier gibt es einen Pub, The Six Bells, und auf dem Green wird Cricket gespielt.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 22. April 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Mein Buchtipp – Tom Chesshyre: From Source to Sea – Notes From a 215-Mile Walk Along the River Thames

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Tom Chesshyre, Reisejournalist der Times, hat schon über 90 Länder der Welt bereist und darüber geschrieben. Sein Buch „To Hull and Back: On Holiday in Unsung Britain“ habe ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt.In seinem aktuellen Buch „From Source to Sea – Notes From a 215-Mile Walk Along the River Thames„, 2017 erschienen, berichtet Tom Chesshyre von seiner Wanderung auf dem Thames Path, von der Quelle des Flusses bis zur Mündung in die Nordsee; dabei hat er in 21 Tagen insgesamt 590 Kilometer zurückgelegt, einen Tagesdurchschnitt von 28 Kilometern gehabt, 821 722 Schritte getan und 79 623 Kalorien verbrannt.

Der Start seiner Wanderung  ist Trewsbury Mead, eine Wiese nur ein paar Schritte vom Thames Head Inn entfernt, auf der die Themse das Licht der Welt erblickt, nur war davon so gut wie nichts zu sehen („there is no water whatsoever“). Toms erste Übernachtung entlang des Themsepfades  findet auch im Thames Head Inn in der Nähe von Kemble in Gloucestershire statt. Sein wichtigster Führer für die Wanderung wird Joel Newtons „Thames Path: Thames Head to the Thames Barrier“ sein, 2015 bei Trailblazer Publications erschienen, ein Buch mit vielen praktischen Tipps.
In den drei Wochen trifft Tom Chesshyre entlang des Flusses auf viele interessante Menschen, entdeckt mehr oder weniger empfehlenswerte Hotels und Pubs, trifft auf manchen Strecken oftmals nur wenige Leute, dafür wird es bei der Durchquerung Londons erheblich lebhafter. Das Ende der Wanderung liegt auf der Isle of Grain, eine von Touristen eher wenig besuchte Region auf der Hoo Peninsula, dort, wo die Themse endgültig in der Nordsee aufgegangen ist.

Ich habe das Buch mit sehr viel Vergnügen und Interesse gelesen, obwohl ich auf dem Thames Path nur wenige Meter zurückgelegt habe, zuletzt im September bei Cookham in Berkshire. Auch für alle, die nicht vorhaben, die Komplett- bzw. eine Teilwanderung entlang der Themse zu machen, ist Tom Chesshyres Buch sehr zu empfehlen!

Tom Chesshyre: From Source to Sea – Notes From a 215-Mile Walk Along the River Thames. Summersdale 2017. 319 Seiten. ISBN 978-1-84953-921-0.

Der Thames Head Inn bei Kemble in Gloucestershire.
Eigenes Foto.

Die Themse bei Cookham (Berkshire).
Eigenes Foto.

Die Themse in Marlow (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

Einer meiner Lieblingsplätze an der Themse am Oakley Court Hotel in Berkshire.
Eigenes Foto.

The London Stone auf der Isle of Grain, hier ist die Themse in der Nordsee aufgegangen.
Photo © Roger W Haworth (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. April 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Graham Uney: Oxfordshire – The Glorious County

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Graham Uney hat schon zahlreiche Bücher geschrieben, speziell Wanderführer für viele Regionen Großbritanniens, aber auch Porträts englischer Counties.
Ein sehr schöner Bildband ist „Oxfordshire: The Glorious County„, in dem Uney die Facetten dieser englischen Grafschaft zeigt. Besonders die Dörfer haben es ihm angetan, so finden sich in dem Buch sehr stimmungsvolle Fotos von Goring, Wroxton, Deddington und Benson, um nur einige Dörfer zu nennen.

„It is a county of light and colour, of big skies and intimate corners. Oxfordshire’s palate runs through warming tones of red and orange stonework in the walls of old farms, villages and towns, topped by earthly tones of thatched cottages“, so Uney in der Einführung zu seinem Buch. Genauso habe ich die Grafschaft auch immer wieder erlebt.

Graham Uney: Oxfordshire – The Glorious County. Halsgrove 2008. 144 Seiten. ISBN 978-1841148113. Bildband im Querformat.

Die Themse bei Wallingford (Oxfordshire). – Eigenes Foto.

Ewelme in Oxfordshire. – Eigenes Foto.

Published in: on 1. April 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – Tom Fort: The Village News – The Truth Behind England’s Rural Idyll

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Der ehemalige BBC-Mitarbeiter Tom Fort versteht es, interessante Bücher zu schreiben. Vorgestellt habe ich in meinem Blog bereits „The A 303: Highway to the Sun“ und „Channel Shore: From the White Cliff’s to Land’s End„.“
In seinem aktuellen Buch aus dem Jahr 2017 „The Village News: The Truth Behind England’s Rural Idyll“ beschäftigt er sich mit dem Dorfleben in England. Da er selbst in einem Dorf lebt, in Sonning Common in Oxfordshire, kann er das auch gut beurteilen. 21 Dörfer stellt Tom Fort vor und verknüpft jedes mit einem speziellen Thema. Hier sind einige Beispiele:

Das kleine Dorf Slad in Gloucestershire würde kaum jemand außerhalb der Region kennen, hätte nicht der Schriftsteller Laurie Lee (1914-1997)  seinen  Roman „Cider With Rosie“ (dt. „Des Sommers ganze Fülle“) hier spielen lassen. Lee hatte seine Kindheit nach dem Ersten Weltkrieg in Slad verbracht und berichtet darüber. Das Buch wurde mehrere Millionen mal in der ganzen Welt verkauft und für das Fernsehen mehrmals verfilmt.

Dir Rolle des Dorfpfarrers erläutert Tom Fort am Beispiel von Eversley in Hampshire. Hier in St Mary’s wirkte Charles Kingsley von 1842 bis zu seinem Tod 1875. Kingsley ging in die englische Literaturgeschichte durch sein Kinderbuch „The Water Babies“ (dt. „Die Wasserkinder“) und seinen Roman „Westward Ho!“ (dt. „Westward ho“) ein.

Am interessantesten fand ich den 21. Artikel „My Village“, in dem Tom Fort sein Dorf Sonning Common in Oxfordshire (nicht zu verwechseln mit dem nur wenige Kilometer entfernten Sonning an der Themse) beschreibt. Auf sehr humorvolle Weise berichtet er über seine Mitarbeit im Parish Council, der seinerzeit von einer herrschsüchtigen Dame dominiert wurde, der niemand zu widersprechen wagte, bis sie schließlich zu aller Erleichterung von einem wagemutigen ehemaligen Lehrer vom Thron gestürzt werden konnte. Tom Fort liebt sein Dorf, obwohl es nach seinen eigenen Worten „deeply unremarkable“ ist.

Das Buch ist sehr lesenswert und gibt einen tiefen Einblick in die Rolle des Dorfes in der englischen Gesellschaft, wobei frühere und heutige Probleme ausführlich erörtert werden.

Tom Fort: The Village News: The Truth Behind England’s Rural Idyll. Simon & Schuster 2017. 392 Seiten. ISBN 978-1-4711-5109-5.

Slad in Gloucestershire.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

St Mary’s in Eversley (Hamphire). Hier wirkte der Pfarrer Charles Kingsley.
Photo © Andrew Mathewson (cc-by-sa/2.0)

Die Peppard Road in Sonning Common (Oxfordshire).
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Mein Buchtipp – Em Marshall: Music in the Landscape – How the British Countryside Inspired Our Greatest Composers

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Britische Komponisten sind, mit wenigen Ausnahmen, fast nur im eigenen Land bekannt: der „Rest Europas“ kennt Benjamin Britten, Gustav Holst und Edward Elgar, aber das war es wohl auch schon.

Wer sich näher mit britischer klassischer Musik beschäftigen möchte, dem kann ich ein Buch empfehlen, das den Einfluss der britischen Landschaft auf  Kompositionen untersucht.
Em Marshall ist Vorsitzende der Ralph Vaughan Williams Society und häufig in Klassiksendern zu hören. In ihrem Buch „Music in the Landscape: How the British Countryside Inspired our Greatest Composers“ zeigt sie, dass die meisten britischen Komponisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von der Landschaft, in der sie aufwuchsen bzw. wohnten, inspiriert wurden, so beispielsweise Edward Elgar von den Malvern Hills und Benjamin Britten von der Küste Suffolks.

Doch Em Marshall nimmt sich auch weniger bekannter Komponisten an und so erfahren wir von Arnold Bax, der von Tintagel an der Nordküste Cornwalls seine Inspirationen bezog, Ivor Gurney von der Landschaft South Gloucestershires und John Ireland vom Maiden Castle in Dorset und von der Insel Guernsey.
Ein sehr schönes und empfehlenswertes Buch!

Em Marshall ist auch Chefin des Plattenlabels EM Records in Wimbledon (London) und hat kürzlich eine Doppel-CD mit Aufnahmen zeitgenössischer englischer Komponisten zum Thema „König Richard III“ veröffentlicht. Der Titel der CD lautet „Richard III“ und beinhaltet u.a. Kompositionen von Paul Carr („Sonatina“), Richard Pantcheff („King Richard III: Suite for solo violin“) und Paul Lewis („Threnody“).

Em Marshall: Music in the Landscape: How the British Countryside Inspired Our Greatest Composers. Robert Hale 2011. 272 Seiten. ISBN 978-0709084686.

Published in: on 13. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Mein Buchtipp – Jamie Manners: The Seven Noses of Soho

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Seit Juni 2014 schreibt Jamie Manners in seinem Blog The Baedeker Raids über seine Reisen durch ganz Europa. Am 1. Oktober 2015 erschien sein erstes Buch „The Seven Noses of London and 191 Other Curious Details From the Streets of London„, in dem er sich mit Kuriositäten aus seiner Wahlheimat London beschäftigt. Manners stammt aus Belfast und arbeitet zurzeit in einer Londoner Bibliothek.

In seinem Buch über die sieben Londoner Nasen (s. dazu auch meinen Blogeintrag) stellt uns Manners in kurzen, meist nur eine Seite langen Artikeln verborgene, ungewöhnliche Dinge der Hauptstadt vor. „While the masses crowd around icons such as St Paul’s and the Tower of London, there are other layers of the city that are often overlooked„; ein Buch also, das sich nicht an den Erstbesucher der Stadt richtet, sondern an den, der schon an alle „must see“-Sehenswürdigkeiten ein Häkchen gesetzt hat und nun die Touristenpfade verlassen möchte. Selbst viele Londoner werden in dem Buch Dinge entdecken, von denen sie bisher noch nichts wussten. „This book is populated with tigers and flamingos, Roman emperors and Crusader knights, elves and devils, dead rock stars and Soviet spies„, so fasst es Jamie Manners in dem Vorwort zu seinem Buch zusammen. Entlang der U-Bahnlinien machen wir Spaziergänge durch die Stadt und begegnen dabei an der Bakerloo Line Eric Gills Prospero and Ariel am Broadcasting House, an der Piccadilly Line dem Swiss Glockenspiel, an der Circle Line dem Anglo-Belgian Memorial und an der Jubilee Line einer V2-Rakete an einer Hauswand in der Tooley Street.

Ein sehr interessantes und empfehlenswertes Buch!

Jamie Manners: The Seven Noses of London and 191 Other Curious Details From the Streets of London. Michael O’Mara 2015. 256 Seiten. ISBN 978-1-78243-461-0.

Das Swiss Glockenspiel zwischen Leicester Square und Piccadilly Circus.
Photo © Robert Lamb (cc-by-sa/2.0)

Das Anglo-Belgian Memorial am Victoria Embankment.
Photo © Chris Talbot (cc-by-sa/2.0)

Die V2-Rakete in der Tooley Street.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Mein Buchtipp – Henry Eliot & Matt Lloyd-Rose: Curiocity – In Pursuit of London

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Es gibt Bücher, die man nach Beendigung der Lektüre weglegt und sie schnell vergessen hat; dann gibt es Bücher über die man noch längere Zeit nachdenkt, und es gibt Bücher, die so großartig sind, dass man richtig traurig ist, dass man sie schon ausgelesen hat und wünscht, sie hätten den doppeltem Umfang.
In die letzte Kategorie gehört das 2016 erschienene „Curiocity: In Pursuit of London“ von Henry Eliot & Matt Lloyd-Rose. Es gibt ganze Bibliotheken voller Bücher zum Thema „London“, die über die Jahrhunderte geschrieben worden sind, „Curiocity“ ist eines der besten, kuriosesten, skurrilsten, großartigsten und am liebevollsten gestalteten London-Bücher aller Zeiten. Ich habe es im vorigen Jahr entdeckt und bin absolut begeistert. Wer sich für die Stadt interessiert, muss es einfach besitzen, und es ist das ideale Geschenk für einen London-Fan.

Henry Eliot ist u.a. Tour Guide, kennt sich also in London bestens aus; Matt Lloyd-Rose war Lehrer, Polizeibeamter und Sozialforscher. Beide haben das Print-Magazin „Curiocity“ herausgegeben, aus dem das Buch entstanden ist. Dabei haben sie Unterstützung von ganz vielen Autoren und Illustratoren bekommen wie Monica Ali, Michael Moorcock und Philip Pullman (Autoren) und Steven Appleby, Daniel Duncan und Faye Moorhouse (Illustratoren), um nur einige zu nennen.

„Curiocity“ ist alphabetisch aufgebaut, wobei jedem Buchstaben ein bestimmtes Thema zugeordnet ist wie E=Eros, L=Livery oder X=Xenophilia. Bleiben wir bei dem X. Dort finden wir Kurzartikel über die einzelnen Bevölkerungsgruppen in der Stadt, wie viele es sind und wo sie sich angesiedelt haben. So gibt es in London über 55 000 Deutsche; ein Lokaltipp wird gleich mitgegeben, nämlich Katzenjammers Bierkeller in der Southwark Street.

Die manchmal doppelseitigen Illustrationen in dem Buch sind phantastisch und nehmen die im Textteil beschriebenen Themen auf sehr phantasievolle Weise wieder auf! Es gibt unzählige Querverweise und ein ausführliches Register. Man kann „Curiocity“ von vorn bis hinten in einem Zug lesen (wie ich es getan habe) oder einfach nur darin blättern und sich festlesen.

Dieses Buch ist für mich ein Ereignis auf dem britischen Buchmarkt; es wird möglicherweise nie in deutscher Übersetzung erscheinen. Ich darf zum Abschluss Philip Pullman zitieren, der gesagt hat: „The most ingenious, informative, inimitable, individual, innovative, insightful, inspiring, instructive, intelligible, intoxicating, intricate guide to the great city that I have ever seen. Bravo!“

Thank you Henry and Matt!!!

Henry Eliot & Matt Lloyd-Rose: Curiocity – In Pursuit of London. Particular Books 2016. 450 Seiten. ISBN 978-1-846-14867-5. Und das Buch kostet (zum Beispiel bei Amazon Deutschland) nur lächerliche €18.99 als Hardcover.

 

Published in: on 27. Februar 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Martyn Cornell: Strange Tales of Ale

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Martyn Cornell ist Mitglied der British Guild of Beer Writers, der sich in seinen Büchern und Fachartikeln intensiv mit dem Thema „Geschichte des Biers“ auseinandersetzt. So hat er zum Beispiel die Bücher „Beer: The Story of the Pint“ und „Amber, Gold and Black: The History of Britain’s Great Beers“ verfasst. In seinem Blog „Zythophile“ schreibt er regelmäßig über sein Lieblingsthema. Ich habe gerade sein letztes Buch „Strange Tales of Ale“ gelesen, in dem er sich mit Kuriositäten rund um Bier und Pubs beschäftigt und für das der Autor tief in Archive und Bibliotheken eingedrungen ist, um dort für sein Werk zu recherchieren.

Hier sind einige Beispiele für diese „Strange Tales“:

Gleich in der ersten Geschichte „The Great London Beer Flood“ hören wir von dem verheerenden Unglück in der Londoner Meux Brewery in der Tottenham Court Road am 17. Oktober 1814, als ein riesiges Bierfass in sich zusammenfiel und sich daraus über 570 Tonnen Gerstensaft in die umliegenden Straßen ergossen, wobei acht Menschen ertranken. Über diesen Vorfall berichtete ich früher schon einmal in meinem Blog.

Der zweite Artikel in Martyn Cornells Buch beschäftigt sich mit der Geschichte des Ploughman’s Lunch, einem beliebten Gericht, das in vielen Pubs erhältlich ist und das man gern zu einem Pint Bier zu sich nimmt.

Auch der dritte Beitrag in dem Buch ist sehr interessant. „In „Putting Beer in Spitfire Fuel Tanks“ geht es um die Bierversorgung britischer und alliierter Soldaten nach dem D-Day in der Normandie im Jahr 1944, als man sehr erfindungsreich war und das Bier aus der Heimat in den Tanks von Spitfire-Jagdflugzeugen an die Front brachte.

Weitere Themen sind „The British National Dinner – Roast Beef, Plum Pudding and Ale„, „The Potboy in History, Literature and Art“ (potboy = „A boy or young man employed in a public house, etc., to serve drinks or collect glasses“, so die Definition der Oxford Living Dictionaries) und „The True Story Behind Britain’s Most Popular Pub Name„, in dem es um den Pubnamen „The Red Lion“ geht. Siehe dazu meinen Blogeintrag über Cathy Price, die jeden einzelnen Red Lion im Land aufgesucht hat.

Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle Biertrinker!

Martyn Cornell: Strange Tales of Ale. Amberley Publishing 2015. 224 Seiten. ISBN 978-1-4456-4797-5

 

Mein Buchtipp – Dixe Wills: Tiny Histories

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Wie kürzlich angekündigt, stelle ich heute ein weiteres Buch aus der Feder von Dixe Wells vor: „Tiny Histories: Trivial Events & Trifling Decisions That Changed British History„. Nach den „Tiny Islands“ und den „Tiny Churches“ hat sich Dixe Wells nun die kleinen Ereignisse vorgenommen, die den Lauf der Geschichte verändert haben und das ist hochinteressant.

Die Geschichte „A British soldier shows mercy to a future German Chancellor“ hat mich am meisten beeindruckt. Sie ereignete sich am 28. September 1918 im Ersten Weltkrieg auf französischem Boden bei Marcoing. Der 29jährige Soldat Adolf Hitler geriet in das Visier eines britischen Soldaten, der eigentlich abdrücken wollte, aber da der Deutsche offensichtlich verwundet war, brachte der Brite es nicht über das Herz, ihn zu erschießen. So entkam der spätere „German Chancellor“ oder besser Massenmörder. Wie wäre die Weltgeschichte verlaufen, wenn der britische Soldat damals abgedrückt hätte?

Sehr interessant ist auch die Geschichte „A key to a locker is accidentally taken off a ship„. Bevor die Titanic im April 1912 ihre Jungfernfahrt antrat, wurde noch ein hochrangiger Offizier von dem Schwesterschiff Olympic versetzt, was bedeutete, dass alle Titanic-Offiziere einen Rang herunterrutschten. Den letzten beißen die Hunde könnte man in diesem Fall sagen, denn einer der rangniedrigen Offiziere, David Blair, wurde ganz von dem Schiff genommen. Dummerweise hatte Blair vergessen den Schlüssel zu einer Kiste an Bord zu lassen, die sich oben im Krähennest befand. In dieser Kiste war ein Fernglas, mit dem der Ausguck eigentlich die Umgebung absuchen sollte… Da die Eisberge damals auf dieser Route eine große Gefahr für die Schifffahrt darstellten, hätte der Ausguck im Krähennest mit Fernglas möglicherweise den verhängnisvollen Eisberg frühzeitig erkannt und die Titanic hätte ein Ausweichmanöver durchführen können. Aber die Kiste war verschlossen, und der Schlüssel steckte in der Hosentasche von David Blair. Das Schiff kollidierte am 14. April 1912 mit dem eisigen Koloss.

Das Buch von Dixe Wells erinnert mich an die von Robert Cowley herausgebene Reihe „What if?“, in der ähnliche Szenarien durchgespielt werden.

Dixe Wells: „Tiny Histories: Trivial Events & Trifling Decisions That Changed British History“. Quadrille 2017. 223 Seiten. ISBN 978-1-78713-098-2

 

Published in: on 9. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Mein Buchtipp – Dixe Wills: Tiny Churches

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Von Dixe Wills, Journalist und Autor von mehreren Büchern, habe ich in meinem Blog bereits sein „Tiny Islands“ und sein „The Z – Z of Great Britain“ vorgestellt. Über sein Buch „Tiny Histories“, das ich gerade lese, werde ich demnächst berichten.

Heute möchte ich das Buch „Tiny Churches“ vorstellen, das erstmals 2016 erschien und 2017 zweimal nachgedruckt wurde. Das Buch gefällt schon, wenn man es in die Hand nimmt. Ein durchbrochener Schutzumschlag zeigt ein schon fast dreidimensionales Bild von einem Kirchenfenster; genauso schön ist der Buchdeckel gestaltet. Der erste positive Eindruck setzt sich fort, wenn man das Buch aufschlägt und darin blättert. Das Thema ist kleine und kleinste Kirchen in ganz Großbritannien, illustriert mit zahlreichen Bildern.

Da gibt es Kirchen, die weit weg von allem stehen wie zum Beispiel St Peter-on-the Wall bei Bradwell-on-Sea (Essex), die rund um die Uhr geöffnet und nur zu Fuß erreichbar ist. Auch St Michael de Rupe bei Brentor (Devon) im Dartmoor ist nicht leicht zugänglich, weil sie hoch oben auf einem Felsen liegt.
In manchen Kirchen werden nie mehr Gottesdienste abgehalten, in anderen wiederum hin und wieder einmal. Die Bremilham Church bei Malmesbury in Wiltshire wird nur einmal im Jahr am sogenannten Rogation Sunday, das ist der Sonntag vor Christi Himmelfahrt, benutzt.

Dixe Wills gibt bei jedem Eintrag exakt an, wie die Kirche mit dem öffentlichen Nahverkehr und zu Fuß zu erreichen ist, wann sie geöffnet hat und wo man sich gegebenenfalls den Schlüssel holen kann. Auch die Zeiten, falls und wann darin Gottesdienste abgehalten werden.

Wer sich für britische Winzlings-Kirchen interessiert, wird mit diesem Buch hochzufrieden sein. Highly recommended!!!

Dixe Wills: Tiny Churches. The AA Publishing 2017. 320 Seiten. ISBN 978-0-7495-7768-1

St Peter-on-the-Wall bei Bradwell-on-Sea in Essex.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

St Michael de Rupe bei Brentor in Devon.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

Bremilham Church bei Malmesbury in Wiltshire.
Photo © White Socks (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Februar 2018 at 02:00  Comments (3)  

Mein Buchtipp – Martyn Downer: The Sultan of Zanzibar – The Bizarre World and Spectacular Hoaxes of Horace de Vere Cole

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Ich möchte noch einmal ein Thema aufnehmen, das ich kürzlich in meinem Blogeintrag über The Dreadnought Hoax verwandte. Dieser Streich, der die Briten im Jahr 1910 amüsierte, die Marine jedoch nicht, wurde von Horace De Vere Cole (1881-1936) ausgeheckt, über den es nur eine einzige Biografie in Buchform gibt: „The Sultan of Zanzibar – The Bizarre World and Spectacular Hoaxes of Horace de Vere Cole„, geschrieben von Martyn Downer, einem Schriftsteller und Kunsthändler, der einmal Direktor des Londoner Auktionshauses Sotheby war.

De Vere Cole wurde 1881 im County Cork in Irland geboren und entstammte der berühmten De Vere Familie, deren männliche Erben den Titel Earl of Oxford trugen. Zu seinen exzentrischen Gewohnheiten zählte viele Jahre lang das Streichspielen anderen Menschen gegenüber, was manchmal schon ganz schöne Ausmaße annehmen konnte wie die oben erwähnte „Dreadnought“-Geschichte. Ein Vorgänger davon spielte sich in seiner Studentenzeit in Cambridge ab, als er den Bürgermeister der Stadt veräppelte, indem er sich als Sultan von Sansibar ausgab.

Downer taucht in seiner Biografie aber sehr viel tiefer in das Leben De Vere Coles ein, der heute fast schon vergessen ist und dessen Gedichte auch kaum noch einer kennt. Der Mann verfügte zeitweise über sehr viel Geld und konnte sich ein luxuriöses Leben leisten. Er verkehrte gern in der Londoner Bohème-Szene, die ihr Hauptquartier im Café Royal in der Regent Street hatte. Zu seinen Freunden gehörten u.a. die Maler Augustus John, der ihm gern die Frauen ausspannte, und James Dickson Innes, der schon mit 27 Jahren starb und dessen Bilder De Vere Cole sammelte.

Cole hatte einen Hang zu sehr jungen Frauen. So heiratete er mit 37 Jahren die 18jährige Denise Lynch; sie hatten zusamen eine Tochter, die Ehe wurde nach zehn Jahren geschieden. Auch die zweite Ehe im Jahr 1931, De Vere Cole war mittlerweile 50, mit der 24jährigen Mabel Wright war nicht von langer Dauer. Ihr Sohn Tristan soll wohl von Augustus John gezeugt worden sein.

Der „prankster“ und Dichter hatte mittlerweile alle seine Geldmittel verloren, sein Bruder Jim unterstützte ihn finanziell. De Vere Cole lebte zum Schluss seines Lebens in ärmlichen Verhältnissen in Frankreich, wo er am 25. Februar 1936 in Honfleur in der Normandie starb.

Ein sehr interessantes Buch über einen ungewöhnlichen Menschen. Dieser Film erzählt die Geschichte der „pranks“ noch einmal nach.

Martyn Downer: The Sultan of Zanzibar – The Bizarre World and Spectacular Hoaxes of Horace de Vere Cole. Black Springs Press 2010. 310 Seiten. ISBN 978-0-948238-46-8

 

 

Published in: on 14. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Mein Buchtipp – Derek Pykett: British Horror Film Locations

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Derek Pykett, 1972 in Derbyshire geboren, ist Schauspieler, Regisseur und Autor einiger Bücher, darunter „MGM British Studios: Hollywood in Borehamwood“ und „British Horror Film Locations„, das ich heute vorstellen möchte.

Wer sich für britische Horrorfilme und deren Drehorte interessiert, wird mit diesem bereits 2008 erschienenen Buch hochzufrieden sein. Darin erfährt man alles, wo Vincent Price, Christopher Lee und  Peter Cushing gearbeitet haben; oft waren es recht unheimlich aussehende Häuser, die in Schwarz-Weiß-Fotos des Autors und von Simon Flynn, der auch das Nachwort beigesteuert hat, festgehalten sind. In alphabetischer Reihenfolge nach den Filmtiteln werden die jeweiligen Drehorte detailliert beschrieben. Ich habe einmal fünf Beispiele herausgesucht, Orte, die ich in meinem Blog auch schon vorgestellt habe.

Wykehurst Place bei Bolney in West Sussex, „probably the most haunting of all the film locations“ meint Derek Pykett und Simon Flynn fügt hinzu „totally unique and terrifying“. Gedreht wurden in diesem unheimlichen Haus die Filme „Demons of the mind“ (1972), „The Legend of Hell House“ (1973) und „Son of Dracula“ (1974).

Harlaxton Manor bei Grantham in Lincolnshire, für mich eines der faszinierendsten Häuser in ganz Großbritannien, das leider im Besitz der US-amerikanischen University of Evansville ist und nicht besichtigt werden kann. Hier wurden 1999 Teile des Horrorfilms „The Haunting“ gedreht, der hin und wieder im deutschen Fernsehen gezeigt wird.

Ettington Park bei Alderminster in Warwickshire. Ich hatte einmal das Vergnügen, in diesem Haus, das jetzt ein Hotel ist, zu wohnen. Es gibt so einige Spukgeschichten über dieses Haus und eine der Rezeptionsdamen erzählte mir von ihren nächtlichen Erfahrungen. Gedreht wurden hier die Filme „The Haunting“ (1963), eine frühere Version des o.a. Films, und 1980 „The Watcher in the Woods“.

Oakley Court bei Windsor in Berkshire, über das ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben habe und wo ich auch schon einige Male übernachtet habe. Dieses Haus wurde von den benachbarten Bray Studios sehr häufig als Drehort für deren Horrorfilme benutzt. Die Lage des jetzigen Hotels direkt an der Themse ist einzigartig, genauso wie der Baustil des gruseligen Gebäudes. Ich kann die Filme gar nicht alle aufzählen, die im Oakley Court produziert worden sind, nur drei Beispiele: „The Curse of Frankenstein“ (1957), „And Now the Screaming Starts!“ (1972) und „The Rocky Horror Picture Show“ (1975).

Grim’s Dyke Hotel im London Borough of Harrow, das Haus, das einmal William Schwenck Gilbert gehörte, der, zusammen mit Arthur Sullivan, durch seine Operetten weltberühmt wurde. Auch in diesem Haus waren Vincent Price, Christopher Lee, Boris Karloff und wie die Größen des Horrorfilms alle hießen tätig und drehten Filme wie „The Curse of the Crimson Altar“ (1968) und „Haunted House of Horror“ (1969) und „Cry of the Banshee“ (1970).

Derek Pykett: British Horror Film Locations. McFarland and Co 2008. 206 Seiten. ISBN 978-0-7864-3329-2. Das Buch ist zurzeit vergriffen, aber zum Beispiel bei Amazon Marketplace leicht zu beschaffen, allerdings zu einem verhältnismäßig hohen Preis.

 

Wykehurst Place.
Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)

Harlaxton Manor.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Ettington Park.
Eigenes Foto.

Oakley Court.
Eigenes Foto.

Grim’s Dyke Hotel.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Mein Buchtipp – William Parker: Amersham At Work – People and Industries Through the Years

Foto meines Exemplares.

Über Old Amersham in der Grafschaft Buckinghamshire, einem meiner Lieblingsorte im Königreich, habe ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben, so u.a.  über meine Aufenthalte im The Kings Head Hotel und über die Drehorte für einige „Inspector Barnaby„-Episoden.

Der zweigeteilte Ort gliedert sich in das bei Touristen beliebte sehenswerte Old Amersham und in das größere modernere Amersham-on-the-Hill, wo es nicht allzu viel zu sehen gibt. Die beiden Amershams liegen mitten im Speckgürtel Londons, das mit der Bahn schnell zu erreichen ist.

Ich freute mich, als am 15. November ein Buch über Amersham erschien, das ich natürlich sofort kaufen musste. Es heißt „Amersham At Work – People and Industries Through the Years“ und wurde von William Parker geschrieben, einem Autor aus Buckinghamshire, der in Great Kimble, südlich von Aylesbury, lebt. Illustriert mit zahlreichen historischen Fotografien, die das Amersham Museum in der High Street zur Verfügung gestellt hat, informiert das Buch über die Entwicklung Amershams im Lauf der Jahrhunderte. Wir erfahren zum Beispiel, dass dort, wo heute der Tesco Superstore steht (einer der ersten dieser Art in Großbritannien) früher einmal eine Produktionsstätte für Fleischverarbeitung war, wo der Familienbetrieb Brazil’s sich zu einem der größten „pie-maker“ entwickelte und im Zweiten Weltkrieg das Militär belieferte. Weiterhin ist es interessant zu zu wissen, dass in The Maltings (ein „Barnaby“-Drehort) ebenfalls im Zweiten Weltkrieg sogenannte „barrage balloons“ hergestellt wurden.  Diese „Sperrballone sollten durch ihre Anwesenheit feindlichen Piloten den Anflug auf Bodenziele erschweren oder unmöglich machen, da die angreifenden Flugzeuge durch die Seile der Ballons zum Absturz gebracht werden konnten“ (so die Wikipedia). Von 1946 bis 1985 war im Badminton Court in der Church Street die Firma Goya ansässig, die Kosmetikartikel und Parfüms herstellte. Sehr schön angelegt sind die Amersham Memorial Gardens am Broadway.

Das ist nur eine kleine Auswahl an Informationen, die wir über die hübsche Kleinstadt am River Misbourne von William Parker mitgeteilt bekommen. Ich kann sowohl das Buch als natürlich auch einen Aufenthalt in Amersham sehr empfehlen!

William Parker: Amersham At Work – People and Industries Through the Years. Amberley Publishing 2017. 95 Seiten. ISBN 978-1445674827.

Das Amersham Museum in der High Street.
Photo © Christina Burford (cc-by-sa/2.0)

The Maltings.
Eigenes Foto.

Amersham Memorial Gardens.
Eigenes Foto.

Der River Misbourne in Amersham Old Town.
Photo © John Lord (cc-by-sa/2.0)

 

Streetwise Opera und das Projekt „The Unofficial Countryside“

Ein leerstehendes Grundstück, auf dem zeitweise die Natur die Herrschaft übernommen hat.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

„Streetwise Opera is an award-winning charity that uses music to help people make positive changes in their lives“. So steht es auf der Homepage der Organisation Streetwise Opera zu lesen, die 2002 von Matt Peacock in London gegründet wurde, und die obdachlosen Menschen  durch Musik Hilfestellung bei der Bewältigung ihres Schicksals geben will.

Ein spezielles Projekt, das nichts mit Musik, sondern mit Fotografie zu tun hatte, war „The Unofficial Countryside„, das von dem gleichnamigen Buch von Richard Mabey inspiriert wurde. Mabey hatte für die BBC mehrere TV-Dokumentationen produziert und war sehr an dem Thema Natur und Umwelt interessiert. Viele Bücher stammen aus seiner Feder, darunter das oben erwähnte, das er bereits 1973 schrieb und das 2010 bei Little Toller Books in einer Neuauflage erschien. Darin beschäftigt er sich mit der Natur im Großraum London, die immer mehr unter Asphalt und Beton verschwindet und die dennoch immer wieder irgendwelche Ritzen und Spalten findet, um dort wieder ans Tageslicht zu kommen und zu überleben. Hier ist Richard Mabey im Film zu sehen.

Aufgabe für die Teilnehmer des Streetwise Opera-Projektes war, diese Stellen und Orte aufzuspüren und sie im Bild festzuhalten. Sie gingen mit offenen Augen durch ihre Stadt und fanden lohnende Motive für ihre Kameras. Dieser Film zeigt Beispiele aus dem Projekt.

Ein ähnliches Buch wie das von Richard Mabey ist „Edgelands: Journey Into England’s True Wilderness“ von Paul Farley und Michael Symmons Roberts, das 2012 bei Vintage erschien.

Mein Buchtipp – Tom Chesshyre: To Hull and Back – On Holiday in Unsung Britain

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Tom Chesshyre arbeitet für mehrere englische Zeitungen und ist hauptsächlich in deren Reiseressort tätig.
Als Reisejournalist ist man in der Regel in den Teilen der Welt unterwegs, in denen es besonders schön und angenehm ist. In seinem Buch „To Hull and back: On holiday in unsung Britain“ macht es Tom Chesshyre einmal anders. Er fährt übers Wochenende in die Städte Großbritanniens, in denen Touristen eigentlich nie ihren Urlaub verbringen würden und schaut einmal nach, ob diese Orte wirklich nichts zu bieten haben:
Seine Ziele sind Hull, Slough, Salford, Derry, Port Talbot, Milton Keynes, Coventry, South Shields und Croydon.
Zu seinem großen Erstaunen findet Chesshyre in diesen Städten mit schlechtem Ruf überwiegend freundliche, hilfsbereite Menschen; er entdeckt interessante Dinge, von denen er vorher meist nichts wusste und so sind diese „crap towns“ gar nicht so schlimm.

Tom Chesshyre wandelt in Hull auf den Spuren des Dichters Philip Larkin, macht in der Nähe von Port Talbot in Wales wunderschöne Mountainbike-Touren, trifft in Coventry Lady Godiva und unternimmt in Slough eine Rundfahrt in einem der größten Gewerbegebiete des Landes.
Zum Abschluss der Fahrten in das „unbesungene“ England begibt er sich noch auf eine Tour in die Hölle, zur Hell Bay auf den Scilly-Inseln.

Das Buch ist wirklich hoch interessant geschrieben und rückt so manches falsche Bild, das man sich von einigen Städten macht, gerade.

Tom Chesshyre: To Hull and Back – On Holiday in Unsung Britain. Summersdale 2010. 320 Seiten. ISBN 9781849530606.

Die City Hall von Hull bei einer Lichtershow.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Die Hell’s Bay auf den Scilly Inseln.
Photo © wnoble (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Dezember 2017 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – Dixe Wills: The Z -Z of Great Britain

Foto meines Exemplares.

Foto meines etwas angestoßenen Exemplares.

Bisher kannte ich nur Nachschlagewerke, die alles von „A-Z“ ordneten. Jetzt habe ich ein Buch gefunden, das die Buchstaben „A-Y“ einfach weglässt und nur den Buchstaben „Z“ verwendet: Dixe Wills und „The Z-Z of Great Britain“.

Auf außerordentlich humorvolle Weise verzeichnet Dixe Wills, Reisejournalist beim „Guardian“, sämtliche britischen Orte, die mit dem Buchstaben „Z“ beginnen; das sind immerhin so viele, dass sie 269 Seiten füllen (obwohl kaum jemand diese Orte je gesehen oder von ihnen gehört hat).

Das Buch beginnt mit „Zabulon„, einer Farm in Wales: „Population: 2 + sundry animals including two dogs, one called Tim, the other one not“ und endet mit der „Zulu Farm“ in Oxfordshire: „Zulu Farm is probably best known as a handy jumping-off point for Harwell’s atomic research station„.

Jede Eintragung hat u.a die Rubriken „Things to do“, „Nearest pub“, „Claim to fame“ und „Killer fact“ und endet mit einer witzigen Zeichnung des Autors. Schwarz-Weiß-Fotos (die leider von schlechter Qualität sind, was aber irgendwie nicht stört) garnieren das Ganze.
Das Buch ist ein einziges Lesevergnügen, randvoll mit britischem Humor, von dem Stephen Fry meint: „Exquisitely dotty, yet irresistibly charming. A project so pointless as to be vital to our national well-being„.

Sehr empfehlenswert!!!

Ich habe noch weitere Bücher von Dixe Wells wie „Tiny Islands„, über das ich in meinem Blog schon geschrieben habe. „Tiny Churches“ (2006) und „Tiny Histories“ (2017) werde ich im nächsten Jahr an dieser Stelle vorstellen.

Dixe Wills: The Z – Z of Great Britain. Icon Books 2005, ISBN 1-84046-689-8.

Die Zabulon Farm in Wales.   © Copyright Roger W Haworth and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Zabulon Farm in Wales.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Roger W Haworth and
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Die Zulu Far, bei Harwell in Oxfordshier.   © Copyright Steve Daniels and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Zulu Farm bei Harwell in Oxfordshire.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Steve Daniels and
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Published in: on 23. November 2017 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – Justin Brown: UK on a g-string – adventures of the world’s first and worst door-to-door busker

Foto meines Exemplares.

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Wieder eine nette Lektüre aus dem Verlag Summersdale Publishers aus Chichester. Justin Brown ist ein „Kiwi“, also ein Neuseeländer, der gegen einen Aussie, also einen Australier, eine Wette verliert. Der Verlierer muss als „door-to-door busker„, als Straßenmusikant, nach England fahren und sich dort das Geld für den Rückflug nach Neuseeland musikalisch zusammenbetteln, aber ausschließlich, indem er von Tür zu Tür zieht und den Leuten (gegen eine entsprechende Geldspende) ein Lied vorsingt.
Also fliegt Justin nach London und beginnt dort mit den ersten Versuchen. Leider ist es Dezember, eiskalt und seine Gitarre muss permanent neu gestimmt werden. Justins Repertoire ist äußerst  überschaubar; es besteht aus einem selbstgeschriebenen Harry Potter-Song und einem Lied mit dem Titel „Kentucky Fried Kitten„. Sonst hat er nur noch einige Lieder auf Lager, die nicht so ganz jugendfrei sind.
Es ist ein mühsames Geschäft; viele Hausbewohner schlagen ihm die Tür vor der Nase zu oder machen gar nicht erst auf. Auch außerhalb Londons läuft das Geschäft nicht viel besser. Aber es gibt einige Ausnahmen: Der Ort Devizes in Somerset und Sheffield in South Yorkshire sind spendabel, während Reading in Berkshire und Harlington in Bedfordshire Door-to-Door Buskern gegenüber, milde ausgedrückt, sehr zurückhaltend sind.

Justin Brown: UK on a g-string – adventures of the world’s first and worst door-to-door busker“. Summersdale Publ. 2006. 317 Seiten. ISBN 978-1-84024-379-6.

Published in: on 16. November 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Mein Buchtipp – Paul Gogarty: The Water Road – A Narrowboat Odyssey Through England

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In einem früheren Blogeintrag stellte ich Paul Gogartys Buch „The Coast Road“ vor, in dem er seine Reise mit einem Wohnmobil entlang der englischen Küste beschreibt.
Gogarty hatte davor schon einmal eine Reise quer durch England unternommen und zwar mit einem Hausboot und diese Reise fand Niederschlag in seinem Buch „The Water Road: A Narrowboat Odyssey through England“.
In vier Monaten fuhr Paul Gogarty 900 Meilen auf englischen Kanälen, beginnend in London auf der Themse. Seine Fahrt mit einem „narrowboat“ führte ihn bis in den Norden Englands, wobei er u.a. den Grand Union Canal, den Oxford Canal und den Leeds & Liverpool Canal benutzte.
Die gemächliche Fahrt führte ihn durch Dutzende von Schleusen, verträumte Bilderbuch-Landschaften, durch nordenglische Städte, in denen er mit den Schattenseiten der Gesellschaft konfrontiert wurde (z.B. mit aggressiven Jugendlichen), und er begegnete vielen interessanten, hilfsbereiten und freundlichen Menschen.

„The Water Road“ führt den Leser in das „slow England„, abseits der Autobahnen und Schnellstraßen, in stimmungsvolle River-Pubs, in denen man mit anderen Menschen schnell ins Gespräch kommt.

Das bereits 2002 erschienene Buch ist nicht mehr lieferbar, aber antiquarisch leicht zu bekommen. Ich habe es mit sehr viel Vergnügen gelesen!

Paul Gogarty: The Water Road. Robson Books 2003. 364 Seiten. ISBN 1-86105-655-9.

Hausboote auf dem Grand Union Canal (hier bei Marsworth in Buckinghamshire).
Photo © Chris Reynolds (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. November 2017 at 02:00  Comments (4)  

Mein Buchtipp – Paul Moody & Robin Turner: The Search for the Perfect Pub

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Paul Moody und Robin Turner sind immer auf der Suche nach „Juwelen“ in der sich ständig verändernden britischen Publandschaft. In ihrem Buch „The Rough Pub Guide: A Celebration of the Great British Boozer“ (Orion Books 2008) haben sie ein Countdown der 50 eigenwilligsten Pubs zusammengestellt (Platz 1: The Montague Arms, New Cross, London; Platz 2: The Dyffryn Arms, Pontfaen, Dyfed; Platz 3: The Temple, Manchester).

In Moody und Turners letztem Buch, „The Search For the Perfect Pub„, machen sie sich auf die Suche nach dem perfekten Pub. Das Buch trägt den Untertitel „Looking For the Moon Under Water„, und die Autoren nehmen damit Bezug auf ein Essay, das George Orwell 1946 verfasste, in dem er den fiktiven Pub „The Moon Under Water“ beschrieb, seine Vorstellung damals von dem perfekten britischen Pub.

Das Buch ist gleichzeitig eine locker geschriebene Untersuchung über die Rolle und die Problematik des Pubs im 21. Jahrhundert:
Wirte versuchen die schwindenden Gästezahlen aufzufangen, indem sie ihre Häuser in Gastro-Pubs, Themen-Pubs oder Musik-Pubs umwandeln.

Die großen Pubcos, das sind die großen Gesellschaften, denen Tausende von Pubs gehören, lassen die Wirte oft im Regen stehen und helfen ihnen nicht, sondern schließen die Gasthöfe kurzerhand, wenn sie nicht die geforderten Umsatzzahlen bringen.

Die großen Supermarktketten bieten Bier deutlich billiger an, was dazu führt, dass die Pints zuhause getrunken werden.

Das Rauchverbot hat ein übriges getan und den Pubs Umsatzverluste eingebracht.

Schwere Zeiten stehen der britischen Institution „Pub“ bevor, aber: Es gibt sie glücklicherweise immer noch, die „Boozer“, und sie spielen nach wie vor eine außerordentlich wichtige gesellschaftliche Rolle. Dieses Buch kann ich jedem empfehlen, der sich für dieses Thema interessiert. Auf meinen Reisen sind Pubbesuche immer sehr wichtig und ich fahre nie nach England, ohne meinen „The Good Pub Guide“ dabeizuhaben.

Hier ist ein Video, in dem ein Publican von den Problemen seiner Zunft singt.

Paul Moody & Robin Turner: The Search For the Perfect Pub – Looking For the Moon Under Water. Orion Books 2011. 288 Seiten. ISBN 978-1409112679.

Mein persönlicher „Perfect Pub“: The Falkland Arms in Great Tew (Oxfordshire). – Eigenes Foto.

Published in: on 26. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Neue Kochbücher auf dem britischen Buchmarkt

Obwohl man über das Internet so ziemlich alle Rezepte dieser Welt in Sekundenschnelle aufrufen kann, genießen Kochbücher in Großbritannien nach wie vor die Gunst vieler Käufer. Auf den Bestsellerlisten sind sie eigentlich immer zu finden und jetzt im Herbst sind eine ganze Menge von ihnen neu erschienen. Hier sind nur einige wenige Beispiele:

Stephen Harris: The Sportsman (Phaidon Press, seit heute erhältlich). In meinem Blogeintrag über die besten Restaurants Englands des Jahres 2017 außerhalb von London führte The Sportsman bei Seasalter in Kent die Liste an. Inhaber und Chefkoch Stephen Harris verrät in seinem Buch die Rezepte, die ihn in seinem Restaurant so berühmt machten und die zum Nachkochen anregen sollen.

Rick Stein: The Road to Mexico – 120 Vibrant Recipes From California and Mexico (Ebury, erscheint am 19. Oktober). Das Begleitbuch zur TV-Serie der BBC. Rick Stein ist ein Urgestein unter den britischen Köchen und sein Wohnort Padstow in Cornwall, wo er mehrere Restaurants betreibt, ist so stark von ihm geprägt, dass man ihn schon Padstein nennt.

Nigella Lawson: At My Table (Chatto&Windus, am 21. September erschienen). Die mehrfach ausgezeichnete Kochbuchautorin und Fernsehköchin ist von britischen Fernsehschirmen nicht mehr wegzudenken; fünf ihrer Bücher sind schon ins Deutsche übersetzt worden. In ihrem aktuellen Buch, ebenfalls Begleitmaterial zu einer sechsteiligen Fernsehserie auf BBC2, gibt sie Rezepte preis, die sie zuhause für ihre Familie und für Freunde kocht.

Jamie Oliver: 5 Ingredients – Quick and Easy Food (Michael Joseph). Auch dieses bereits im August erschienene Buch des „Naked Chefs“, das sich ganz oben auf den Bestsellerlistenlisten tummelt, ist wieder ein TV-Serien-Begleitbuch. Auf Channel 4 bzw. in seinem Buch präsentiert er Rezepte, die alle auf fünf Bestandteilen beruhen: Olivenöl, Natives Olivenöl, Rotweinessig, Meersalz und schwarzer Pfeffer. Jamie Oliver verspricht, dass alle seine Gerichte in maximal dreißig Minuten zubereitet werden können.

Yotam Ottolenghi: Sweet (Ebury Press, am 7. September erschienen). Dieser israelisch-englische Koch hat schon so viele Auszeichnungen, das man sie fast nicht mehr zählen kann. Er besitzt mehrere Delikatessenläden in London und ist Inhaber von fünf Restaurants in der Stadt. In seinem aktuellen Buch geht es um Süßspeisen und Desserts

Published in: on 22. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Mein Buchtipp – Hunter Davies: Behind the Scenes at the Museum of Baked Beans

Foto meines Exemplares.

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Ein merkwürdiger Titel, den sich Hunter Davies (oder sein Verlag) da ausgedacht hat: „Behind the Scenes at the Museum of Baked Beans„.  Aber der Untertitel macht es deutlicher: „My Search for Britain’s Maddest Museums„. Pate für den Titel stand da sicher Kate Atkinsons Roman „Behind the scenes at the museum“.

Hunter Davies ist Journalist, der regelmäßig für mehrere englische Zeitungen schreibt, hat Bücher u.a über die Beatles und das Thema Fußball veröffentlicht und als Ghostwriter für Wayne Rooney und John Prescott fungiert.

In seinem Buch über die „verrückten Museen“ Großbritanniens stellt er Sammlungen von Menschen vor, die etwas merkwürdige Dinge zur Schau stellen wie das titelgebende “ The Baked Bean Museum of Excellence„“ in Port Talbot in Wales. Dort hat ein Captain Beany („Great British Eccentric of the Year 2009“) genannter Mann in seiner Wohnung alles zusammengetragen, was auch nur im entferntesten mit gebackenen Bohnen zusammenhängt und da gibt es einiges.

Ein alter Herr betreibt in Dulwich in London das British Vintage Wireless and Television Museum„; allerdings öffnet er die Tore nur nach telefonischer Anmeldung. Dann kann man sich hunderte von alten Radios ansehen.

Das „Chantry Bagpipe Museum“ in Morpeth (Northumberland) sammelt und stellt Dudelsäcke aus Northumberland aus (s. dazu meinen Blogeintrag) und in Ulverston (Cumbria) kann man sich im „Laurel and Hardy Museum“ über das Komikergespann Dick und Doof informieren (Stan Laurel wurde in Ulverston geboren).

Ein angenehm zu lesendes vergnügliches Buch!

Hunter Davies: Behind the Scenes at the Museum of Baked Beans. Virgin Books 2010. ISBN: 978-0-7535-2213-4

Published in: on 20. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Mein Buchtipp – Roy Hattersley: In Search of England

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Der 1932 geborene Roy Hattersley war eine bekannte Persönlichkeit in der britischen Politik; er war Member of Parliament und wirkte unter mehreren Regierungen in unterschiedlichen Ministerien mit; lange Jahre war er Deputy Leader der Labour Party. Anfang der 90er Jahre zog er sich aus der Politik zurück, war aber als Journalist weiterhin tätig u.a. für die Daily Mail, den Spectator und den Guardian.

Für die Daily Mail schreibt er eine regelmäßige Kolumne „In Search of England„; genauso heißt auch sein Buch, das 2009 bei Little, Brown erschien und in dem Hattersley Zeitungsartikel aus den letzten 40 Jahren zusamengestellt hat, in denen er sich mit seinem Heimatland auseinandersetzt. Hattersley stammt aus Sheffield und seine  besondere Liebe gehört dem westlich der Stadt gelegenen Peak District, in dem er heute auch wohnt. Viele seiner Artikel beschäftigen sich mit dieser rauen Landschaft, die er mit seinem Hund Busker unzählige Male durchwandert hat.
Ein empfehlenswertes Buch, das es sowohl als gebundene Ausgabe als auch als Paperback zu kaufen gibt.

Roy Hattersley: In Search of England. Little, Brown 2009. 368 Seiten. ISBN 978-1408700969 (gebundene Ausgabe).

 

Published in: on 17. September 2017 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – David Long: Tunnels, Towers & Temples: London’s 100 Strangest Places

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Von dem produktiven Autor David Long habe ich an dieser Stelle schon mehrere Bücher vorgestellt, zuletzt „Lost Britain: An A-Z of Forgotten Landmarks and Lost Traditions„.
Mein heutiger Buchtipp lautet „Tunnels, Towers & Temples: London’s 100 Strangest Places„, bereits 2007 erst bei Sutton Publishing, dann als Reprint bei The History Press erschienen, ein Ergänzungsband zu „Spectacular Vernacular: London’s 100 Most Extraordinary Buildings“, der ein Jahr zuvor veröffentlicht wurde. Beide Bücher sind noch lieferbar.

David Long beschäftigt sich in seinen Büchern gern mit dem Ungewöhnlichen und Exzentrischen, und so hat er in diesem Band 100 Londoner Bauwerke zusammengestellt, die in irgendeiner Weise aus dem Rahmen fallen und deren Geschichte selbst vielen Londonern nicht bekannt ist. „From ancient courtyards often hidden from view to the tangle of tunnels which run beneath the streets, it tells the strange stories of some genuine oddities„, so David Long im Vorwort. Hier sind einige Beispiele:

Das Broadcasting House der BBC am Portland Place mit der umstrittenen Skulptur Eric Gills.

Die Abbey Mills Pumping Station in Stratford, Joseph Bazalgettes Abwasser-Pumpwerk, das er in byzantinischem Stil gebaut hat und das auch The Cathedral of Sewage genannt wird.

Die Gaslaterne beim Savoy Hotel, die als letzte erhaltene dieser Art immer noch mit Methangas betrieben wird.

Die Burlington Arcade in Piccadilly, eine Einkaufsgalerie, in der Beadles noch immer darauf achten, dass hier nicht gepfiffen oder gerannt wird und niemand mit geöffnetem Regenschirm die Arkaden betritt.

Der Savoy Court vor dem gleichnamigen Hotel am Strand, die einzige Straße in Großbritannien, auf der Rechtsverkehr herrscht.

Zu jeder Beschreibung der 100 vorgestellten Gebäude wird ein großformatiges Schwarz-Weiß-Foto gegenübergestellt. Wieder ein interessantes Buch aus der Feder des Journalisten David Long.

David Long: Tunnels, Towers & Temples: London’s 100 Strangest Places. The History Press 2008 (Reprint). 230 Seiten. ISBN 978-0-7509-4509-7.

 

Published in: on 7. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Mein Buchtipp – Tim Moore: You Are Awful (But I Like You) – Travels Through Unloved Britain

Foto meines Exemplares.

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Vor fünf Jahren erschien ein Buch in Großbritannien, an dem ich viel Vergnügen hatte: „You Are Awful (But I Like You) – Travels Through Unloved Britain“ von Tim Moore. Moore ist Reiseschriftsteller, und er schreibt für große britische Tageszeitungen.
In diesem Buch begibt er sich auf eine Reise in den „underbelly“ Großbritanniens, zu den Städten, die nicht auf der Sonnenseite des Landes stehen. Um das auch entsprechend „standesgemäß“ zu tun, unternimmt er die Reise in einem alten klapprigen Austin Maestro namens Craig, wohnt nur in den schäbigsten Hotels und sucht die Lokale mit der ungesundesten Ernährung auf. Mutig!

Seine Reise führt ihn u.a. in Küstenorte wie Leysdown-on-Sea auf der Isle of Sheppey, nach Skegness und Great Yarmouth, die schon einmal bessere Tage gesehen haben. Weitere Stationen sind Sheffield, Middlesborough, Hartlepool und Hull, sowie Cumbernauld in Schottland und Merthyr Tydfil in Wales („Britain’s capital of blank-faced, empty-headed, chip-fed loitering“).
Viele der von Moore aufgesuchten Orte im Norden des Landes leiden noch immer unter dem Zusammenbruch der Schwerindustrie bzw. unter der Aufgabe des Bergbaus, der oft die einzige Einnahmequelle der Bewohner war. Entsprechend desolat sieht es in diesen Regionen auch aus.

Damit der ein wenig masochistisch veranlagte Autor des Buches auch noch zusätzlich leiden muss, hat er sich für unterwegs die (nach seiner Meinung) schlimmste Musik zusammengestellt. Ozzy Osbourne erschallt häufig in Moores Austin Maestro („Ozzy’s relentless nasal profanity was already causing my jaw to clench“) und wenn er sich mal so richtig quälen möchte, spielt er „Orville’s Song“ mit Keith Harris.

Ich sagte schon , dass Moore sich für seine Übernachtungen die schäbigsten Hotels ausgesucht hat; er tut das anhand von TripAdvisor-Wertungen; je schlechter die Bewertung, desto eher kommt das Etablissement für ihn in Frage. Als Höhepunkt hat er für seine letzte Übernachtung das Gresham Hotel im Londoner Stadtteil Ealing ausgesucht, das sich im TripAdvisor u.a. über folgende Eintragungen freuen kann: „Checked in, ten minutes later checked out“ oder „I wouldn’t let my dog stay there“. Aber auch diese letzte Hürde seiner Reise nimmt Tim Moore bravourös.
Das Buch ist einerseits witzig zu lesen, macht aber auch andererseits nachdenklich; ich kann es sehr empfehlen!

Tim Moore: You Are Awful (But I Like You) – Travels Around Unloved Britain: Travels Through Unloved Britain. Jonathan Cape 2012. 276 Seiten. ISBN 978-0224090117.

Leysdown-on-Sea auf der Isle of Sheppey, wo Tim Moores Reise beginnt.
Photo © Penny Mayes (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. August 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar