Mein Buchtipp – Ruth Rendell’s Suffolk.

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Heute möchte ich ein Buch vorstellen, dass zwar schon 1989 erschienen ist, aber antiquarisch problemlos zu bekommen ist: „Ruth Rendell’s Suffolk„, eine Liebeserklärung der berühmten Krimischriftstellerin Ruth Rendell (1930-2015) an die Grafschaft Suffolk, in der sie lange Jahre wohnte. Baroness Rendell of Babergh, wie sie sich auch nennen durfte, gehört zusammen mit Agatha Christie, Dorothy Sayers und P.D. James zu den ganz großen Autorinnen von Kriminalromanen in England. Auch Sayers und James hatten eine enge Beziehung zu East Anglia, was sich in einigen ihrer Romane manifestierte wie „The Nine Taylors“ (dt. „Der Glocken Schlag“) respektive „Unnatural Causes“ (dt. „Ein unverhofftes Geständnis“).

In „Ruth Rendell’s Suffolk“ porträtiert die Autorin die Grafschaft aus ganz persönlicher Sicht, so schreibt sie beispielsweise über ihren Wohnort Polstead und ihr altes ehemaliges Farmhaus Nussteads. Sowohl Polstead als auch das benachbarte Nayland tauchen in ihrem Krimi „A Fatal Inversion“ (dt. „Es scheint die Sonne noch so schön“) auf, für den sie den Golden Dagger erhielt und den sie unter dem Pseudonym Barbara Vine schrieb.

Ruth Rendell stellt in ihrem Buch eine ihrer Lieblingskirchen in Suffolk vor: St Andrew’s in Covehithe, immer wieder hören wir von einem ihrer favorisierten Schriftsteller, Montague Rhodes James, Verfasser von Geistergeschichten, der ebenfalls eine ausgeprägte Vorliebe für Suffolk und Norfolk hatte. Sie besucht Aldeburgh an der Küste und die Snape Maltings am River Alde, bekannt geworden als Konzerthalle, wo das Aldeburgh Music Festival stattfindet, und die eine besondere Beziehung zu dem Komponisten Benjamin Britten hat.

Besonders hervorheben möchte ich die wunderschönen, stimmungsvollen Fotos des Londoner Fotografen Paul Bowden, der die Besonderheiten der Grafschaft Suffolk hervorragend in Bildern eingefangen hat, die das Buch perfekt ergänzen.

Ruth Rendell’s Suffolk. Frederick Muller 1989. 144 Seiten. ISBN 978-0091736699.

St Andrew’s in Covehithe.
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)
Aldeburgh.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)
Snape Maltings.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 26. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – John Bevis: An English Library Journey

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John Bevis hat eine Leidenschaft, die er mit keinem anderen Menschen teilt: Er sammelt Bibliotheksausweise von englischen Öffentlichen Bibliotheken und hat darüber ein Buch geschrieben: „An English Library Journey With Detours to Wales and Northern Ireland

Auf vielen Reisen, die im Mai 2010 beginnen und im Oktober 2019 enden, sucht er die Bibliotheken selbst auf und lässt sich vor Ort einen Ausweis ausstellen, was manchmal schwierig ist, da er eine Londoner Adresse hat. Mancherorts ist die Ausleihe von Büchern nur an Ortsansässige erlaubt. Nach vielen Jahren ist es John Bevis gelungen, sich von jeder englischen „library authority“ einen Ausweis zu beschaffen. Lediglich die Isles of Scilly musste er links liegen lassen, weil der Aufwand zu groß gewesen wäre. Die dort ansässige Bibliothek hat ihm aber eine „library card“ zugeschickt.

Was auf den ersten Blick etwas skurril zu sein scheint, entpuppt sich im Laufe der Lektüre des Buches aber immer mehr zu einer Standortbestimmung des englischen Bibliothekswesens, dem es gar nicht gut geht. Im Zeitraum von John Bevis‘ Reisen wurden 773 Bibliotheken im Vereinigten Königreich geschlossen, 10 000 Jobs gingen verloren, rund 30 Millionen Bücher weniger stehen zur Verfügung und die Ausleihzahlen sind drastisch zurückgegangen.
Die Library of Birmingham am Centenary Square, die für £189 Millionen erbaut worden war und die zu den größten Europas zählt, musste schon nach kurzer Zeit ihre Öffnungszeiten von 73 Stunden auf 40 Stunden pro Woche reduzieren und das Personal, ursprünglich 188 Stellen, wurde um die Hälfte gekürzt. Das sind nur einige Beispiele, die John Bevan in seinem Buch anführt.

Noch einige Worte über die Gestaltung der englischen Bibliotheksausweise. Da gibt es die unterschiedlichsten Motive, die darauf gezeigt werden. Die der Liverpool Libraries zeigen zum Beispiel das Vereinswappen des Liverpool Football Clubs mit dem Motto „You’ll never walk alone“ und der Aufschrift „Love the Reds“. Es fehlt eigentlich nur noch das Konterfei von Jürgen Klopp.

Viele Bibliotheken haben ihren Wahlspruch auf ihren Bibliotheksausweis gesetzt. „Imagine, inspire, discover“ (Stoke-on-Trent), „Read, learn, discover“ (Dudley) oder „Enjoy and explore“ (Islington).

Jedes Kapitel des Buches beginnt mit einem Zitat zum Thema Bibliothek, sehr sorgfältig zusammengestellt und absolut treffend. Nur zwei Beispiele: „The only thing that you absolutely have to know is the location of a library“ von Albert Einstein und „When I got my library card, that’s when my life began“ von Rita Mae Brown.

Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle, die sich für Bibliotheken interessieren.

John Bevis: An English Library Journey With Detours to Wales and Northern Ireland. Eye Books 2022. 268 Seiten. ISBN 978-1785633089.

Die Birmingham Library.
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Ersatz für eine geschlossene Bibliothek? In Sloley (Norfolk).
Photo © David Pashley (cc-by-sa/2.0)
Protest gegen Bibliotheksschließungen in Gloucester.
Photo: quisnovus.
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Mein Buchtipp – Henry R. Schlesinger: Honey Trapped – Sex, Betrayal and Weaponized Love

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Im vorigen Oktober erschien wieder ein hoch interessantes Buch im Verlag The History Press in Cheltenham in Gloucestershire: „Honey Trapped – Sex, Betrayal and Weaponized Love“ von Henry R. Schlesinger, Experte für alles, was mit Spionage und Geheimdiensten zu tun hat.

Im Wikiwörterbuch wird die „honey trap“ beziehungsweise „Honigfalle“ folgendermaßen definiert: „operative Maßnahme, bei der ein Agent/eine Agentin mittels vorgespielter Zuneigung und erotischer Verführung einer Zielperson an Informationen über diese zu gelangen beziehungsweise durch die Dokumentation dieser kompromittierenden Situationen zu erpressen oder zur Mitarbeit zu bewegen sucht„.

Bei den Geheimdiensten wohl aller Länder werden junge Damen engagiert, die sich an Männer heranmachen, die Zugang zu geheimen Informationen haben und diese beim „pillow talk“ oder auf andere Weise aus ihnen herauslocken wollen. Hier kommt oft auch das sogenannte „badger game“ zur Anwendung. Die Agentin liegt mit der Zielperson im Bett und plötzlich kommt der vermeintliche Ehemann ins Zimmer gestürmt und erwischt beide in flagranti. Er schießt Fotos und schon ist der Mann erpressbar.

Henry R. Schlesinger hat in seinem Buch viele Beispiele für diese „honey traps“ gesammelt. Das Buchcover zeigt das berühmt gewordene Foto der Christine Keeler, die nackt auf einem Stuhl sitzt. Durch ihr kurzzeitiges Verhältnis mit dem britischen Verteidigungsminister John Profumo 1962/63 geriet die ganze damalige Regierung ins Wanken, obwohl bei ihren sexuellen Begegnungen kaum geheime Informationen ausgeplaudert worden sind.

Der Name Mata Hari wird auch immer wieder mit der Honigfalle verknüpft, eine niederländische Tänzerin, die im Ersten Weltkrieg als Doppelagentin für Deutschland und Frankreich tätig war. Als „Mata Hari der Moderne“ bezeichnete die Süddeutsche Zeitung die junge attraktive Anna Wassiljewna Chapman, die für den russischen Geheimdienst tätig war und zahllosen Männern den Kopf verdrehte.

Wer sich für die Welt der Geheimdienste interessiert, wird in diesem Buch auf seine Kosten kommen.

Henry R. Schlesinger: Honey Trapped – Sex, Betrayal and Weaponized Love. The History Press 2021. 352 Seiten. ISBN 978-0-7509-9603-7.

Published in: on 17. Juni 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Alwyn Turner: All In It Together – England in the Early 21st Century

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In den ersten zwanzig Jahren des 21. Jahrhunderts hat sich in England beziehungsweise Großbritannien politisch so einiges getan. Ich denke da an die Ära Tony Blair und New Labour, an seine Nachfolger Gordon Brown und David Cameron, an das gescheiterte schottische Unabhängigkeitsreferendum und an das erfolgreiche EU-Austrittsreferendum, dessen Ergebnis alles andere als erfolgreich zu sein scheint.

Der Journalist Alwyn Turner hat sich in seinem Buch “ All In It Together – England in the Early 21st Century“ mit diesen Ereignissen näher beschäftigt und stellt vielen Politikern dieser Zeit ein ziemlich schlechtes Zeugnis aus. The Guardian hat es auf den Punkt gebracht: „Reading Alwyn Turner’s account of life in the first two decades of the 21st century is a bit like trying to recall a dream from three nights ago„.

Alwyn Turner ist der Meinung, dass die britische Gesellschaft ihr Vertrauen in das System verloren hat. Institutionen wie die Kirche und die BBC haben Schaden genommen, zum Beispiel durch Missbrauchsfälle. In der anglikanischen Kirche wurden immer mehr Fälle publik, bei denen sich Priester an Kindern vergangen haben sollen; die BBC soll ihren Superstar Jimmy Savile jahrzehntelang gedeckt haben, dem Hunderte von Missbrauchsfällen, vor allem sehr junger Mädchen vorgeworfen wurden.

Ein sehr interessantes Buch für alle, die sich mit der jüngsten Geschichte Großbritanniens auseinandersetzen wollen.

Alwyn Turner: All In It Together – England in the Early 21st Century. Profile Books 2021. 376 Seiten. ISBN 978-1-78816672-0.

Published in: on 21. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Ellie Seymour: Secret Sussex – An Unusual Guide

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Die beiden Grafschaften East und West Sussex an der englischen Südküste haben sehr viel zu bieten, und ich habe in meinem Blog häufig über sie berichtet. In der Buchreihe „Secret Guides“ des in Versailles ansässigen Verlages Jonglez ist im vorigen Jahr der Band „Secret Sussex: An Unusual Guide“ erschienen, den Ellie Seymour geschrieben hat. Die Autorin lebt seit 15 Jahren in Brighton, kennt sich hervorragend in Sussex aus und hat „a weakness for overgrown graveyards and bizarre local museums„.

In ihrem hier vorliegenden Buch stellt sie einige Dutzend Orte vor, von denen viele in Touristenkreisen nicht allzu bekannt sind. Die Stadt Brighton klammert sie aus, weil sie darüber einen eigenen Band in derselben Reihe verfasst hat: „Secret Brighton„.

Viele der in dem Buch vorgestellten geheimen Orte habe ich im Laufe der Jahre in meinem Blog auch vorgestellt. So finden wir einen Eintrag über den Snowdrop Inn in Lewes, der genau dort steht, wo im Jahr 1836 der schlimmste Lawinenabgang der britischen Geschichte zu verzeichnen war, bei dem acht Menschen ums Leben kamen. Ein weiterer „secret place“ ist ein Haus am Village Green von East Dean, in das sich der berühmte Detektiv Sherlock Holmes in den Ruhestand zurückgezogen und sich um seine Bienen gekümmert haben soll. Ellie Seymour weist in ihrem Buch auch auf die Lancing College Chapel hin, die größte Schulkapelle der Welt.
Am Ende des Buches empfiehlt die Autorin noch Bars, Cafés und Restaurants sowie „hidden vineyards“, die einen Besuch wert sind.
Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle, die diese interessante Region Englands einmal genauer unter die Lupe nehmen wollen.

Ellie Seymour: Secret Sussex – An Unusual Guide. Jonglez 2021. 237 Seiten. ISBN 978-2-36195-462-8.

Der Snowdrop Inn in Lewes.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)
East Dean, wo sich Sherlock Holmes niedergelassen haben soll (mit blauer Plakette).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Die Lancing College Chapel.
Photo © nick macneill (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 29. April 2022 at 02:01  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Colin Sutton: Manhunt – How I Brought Serial Killer Levi Bellfield to Justice

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Levi Bellfield war ein Londoner, der jede Menge Verbrechen auf dem Kerbholz hatte: Einbrüche, Autodiebstähle, Vergewaltigungen, die Liste ließe sich noch lange fortsetzen; doch dann nahm seine Gewalttätigkeit Anfang der 2000er Jahre zu. Er ermordete die jungen Mädchen Milly Dowler, Marsha McDonnell und Amélie Delagrange. Die 18jährige Kate Sheedy überrollte er absichtlich mit seinem Auto, doch sie konnte die Attacke überleben.

Detective Chief Inspector Colin Sutton von der Metropolitan Police und sein Team wurden auf die Mordfälle angesetzt, bei denen es keine Augenzeugen gab und die sehr schwer zu lösen waren. Es gab aber verschwommene Filmaufnahmen von den in London allgegenwärtigen Überwachungskameras von verdächtigen Fahrzeugen, die in außerordentlich mühsamer Kleinarbeit identifiziert werden konnten. Mithilfe von Funkmasten konnte ein Bewegungsprofil von Levi Bellfield aufgestellt werden, dessen Mobiltelefon sich automatisch in die jeweiligen Funkbereiche einloggte. Diese Bewegungsprofile deckten sich mit den Tatorten, an denen die Mädchen ermordet wurden.

Erst nach mehren Jahren kam es zum Prozess, die Ermittlungen dauerten so lange, bei dem Bellfield zu lebenslangem Gefängnis verurteilt wurde (der Fall Milly Dowler wurde separat später verhandelt, weil er sich in der Grafschaft Surrey ereignet hatte).

Der leitende Detective Colin Sutton hat über die Ermittlungen ein Buch geschrieben: “ Manhunt – How I Brought Serial Killer Levi Bellfield to Justice„, in dem er sehr detailliert beschreibt wie er den Serienmörder zur Strecke gebracht hat. Bevor Sutton in den Ruhestand ging, löste er einen weiteren Aufsehen erregenden Londoner Kriminalfall, den des Serienvergewaltigers Delroy Grant, auch The Night Stalker genannt (Sutton schrieb darüber das Buch „Manhunt – The Night Stalker„)

Die Fälle Bellfield und Grant wurden für den Sender ITV verfilmt, mit Martin Clunes (den wir aus der TV-Serie „Doc Martin“ kennen) in der Rolle von DCI Sutton.
Hier ist eine Dokumentation über die Morde des Levi Bellfield, in dem auch Colin Sutton zu Wort kommt.

Milly Dowler wurde zuletzt gesehen als sie den Bahnhof von Walton-on-Thames in Surrey verließ, sechs Monate später wurde sie im Yateley Heath Wood zwischen Reading und Guildford tot aufgefunden.

Marsha McDonnell wurde nachts an einer Bushaltestelle in der Percy Road im Westen Londons, in Hampton, attackiert und brutal erschlagen.

Die 22jährige französische Studentin Amélie Delagrange fand man, ebenfalls erschlagen, auf dem Twickenham Green.

Colin Sutton: Manhunt – How I Brought Serial Killer Levi Bellfield to Justice. John Blake Publishing 2018. 322 Seite. ISBN 978-1-78606-571-1.

Der Bahnhof von Walton-on-Thames in Surrey.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)
Die Percy Road in Hampton.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)
Twickenham Green.
Photo © Stephen Williams (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 15. April 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – David Videcette: Finding Suzy

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Am 28. Juli 1986 verließ die junge Immobilienmaklerin Suzy Lamplugh ihr Büro im Londoner Stadtteil Fulham, um angeblich einem Klienten, einem Mr Kipper, eine Wohnung in der Shorrolds Road zu zeigen. Seitdem ist sie spurlos verschwunden. Der Metropolitan Police gelang es nicht, irgendeine Spur von Suzy zu finden, geschweige denn ihren Entführer/Mörder ausfindig zu machen. Der Fall wurde als ungelöst zu den Akten gelegt, einige Male wieder neu aufgerollt, und schließlich machte die Polizei einen bereits wegen Vergewaltigung und Mordes verurteilten Mann ausfindig, der ihrer Meinung nach auch für Suzys Verschwinden verantwortlich war.

Dem ehemaligen Scotland Yard-Detektiv und Autor von Kriminalromanen David Videcette ließ der Fall Suzy Lamplugh keine Ruhe. Er machte sich auf eigene Faust auf die Suche nach der Lösung des mysteriösen Falles und schrieb ein Buch darüber: „Finding Suzy: The Hunt for Missing Estate Agent Suzy Lamplugh and „Mr Kipper“„. Dreißig Jahre nach dem Verschwinden der Frau noch neue Anhaltspunkte zu finden, scheint kaum möglich, doch David Videcette gelingt es tatsächlich, neue Spuren in dem Fall ausfindig zu machen, die in eine ganz andere Richtung führen, als die der Polizei. Dabei steht ein Pub im Fokus der Ermittlungen des Detektivs, der Prince of Wales in der Upper Richmond Road im Stadtteil Putney. Hier scheinen sich die Spuren der Immobilienmaklerin zu verlieren.

David Videcette hat zigtausend Meilen mit dem Auto zurückgelegt, um Zeugen erneut zu befragen; er hatte sich in den Fall regelrecht verbissen. Im letzten Kapitel seines Buches rekonstruiert er wie es damals am 28. Juli 1986 zugegangen sein muss, nennt den mutmaßlichen Mörder zwar nicht beim Namen, aber es ist eindeutig, wen er meint. Und er ist auch sicher, wo die Leiche Suzys abgelegt worden ist, in den höhlenartigen, verschachtelten Kellerräumen des Pubs. David Videcette hat seine gesammelten Informationen der Polizei übergeben, doch die will diese Spuren nicht verfolgen.
Hier ist ein Film über den Fall, der auch in „Crimewatch“ rekonstruiert wurde.

Manchem mag das Buch vielleicht zu detailliert sein, ich fand es sehr spannend und hochinteressant!

David Videcette: Finding Suzy: The Hunt for Missing Estate Agent Suzy Lamplugh and „Mr Kipper“. Videcette Limited 2021. 347 Seiten. ISBN 978-0-9934263-8-4.

Die Shorrolds Road in Fulham.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)
Der Prince of Wales Pub im Londoner Stadtteil Putney.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 29. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Jon Clarke: My Search for Madeleine

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Vor elf Jahren stellte ich in meinem Blog das Buch „Madeleine“ von Kate McCann vor, in dem sie über den Entführungsfall ihrer Tochter schrieb, die am 3. Mai 2007 aus einer Ferienwohnung im portugiesischen Praia da Luz entführt wurde und bis heute verschwunden ist.

Einer der britischen Journalisten, der sich in diesen Fall regelrecht verbissen hat, ist Jon Clarke, der vom ersten Tag an auf eigene Faust Ermittlungen durchgeführt und darüber ein Buch geschrieben hat: „My Search for Madeleine: One Reporter’s 14-Year Hunt to Solve Europe’s Most Harrowing Crime„. Jon Clarke hat den Schauplatz des Verbrechens und große Teile der portugiesischen Algarve viele Male aufgesucht und mit vielen Menschen gesprochen, die sich dort angesiedelt haben, darunter zwielichtige Gestalten, die der Drogen- und Pädophilenszene zuzurechnen sind.

Clarke macht der portugiesischen Justiz schwere Vorwürfe und wirft ihr Inkompetenz bei der Bearbeitung des Falles Madeleine McCann vor. Nach mittlerweile fast 15 Jahren nach dem Verschwinden des kleinen Mädchens kommt Jon Clarke zum Schluss, dass der mutmaßliche Täter ein Deutscher ist, der lange Zeit in Portugal lebte und zum Zeitpunkt der Entführung in unmittelbarer Nähe des Apartments der McCanns war. Er ist schon mehrfach wegen Drogendelikten, Vergewaltigung und anderen Vergehen verurteilt worden, war tief in Kinderpornografie verstrickt und sitzt zur Zeit in Oldenburg im Gefängnis. Ein weiteres Verfahren wegen Vergewaltigung steht noch an.

Es ist erschreckend was Jon Clarke, speziell in Portugal, alles ausgegraben hat, diese Region Europas scheint ein Paradies für Kinderschänder zu sein, die Polizei schaut weg oder ist desinteressiert.

Ob es jemals zu einer Anklage wegen Mordes im Falle Madeleine McCann geben wird ist fraglich. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig, die in Deutschland federführend ist, geht von einem Mordfall, nicht mehr von einem Entführungsfall, aus ohne das aber belegen zu wollen.

Jon Clarke: My Search for Madeleine. OP Books 2021. 273 S. ‎ISBN 979-8538010547.

Praia da Luz an der portugiesischen Algarveküste.
Photo: Bengt Nyman.
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Published in: on 13. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Philip R. Stone: 111 Dark Places in England That You Shouldn’t Miss

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Dr Philip Stone ist Direktor des 2012 gegründeten Institute for Dark Tourism Research, angesiedelt an der University of Central Lancashire in Preston. Dark tourism oder disaster tourism (auf Deutsch meist Katastrophentourismus genannt) ist eine besondere Art des Reisens, wobei Orte aufgesucht werden, an denen sich Tragödien unterschiedlichster Art zugetragen haben und eigentlich als Reiseziel nicht taugen. Philip Stone hat das Standardwerk zum Thema verfasst: „The Darker Side of Travel: The Theory and Practice of Dark Tourism“, 2009 erschienen. Er hat seine Doktorarbeit im Fach Thanatologie geschrieben, der Wissenschaft vom Tod und Sterben.

Ich möchte heute Philip Stones Buch „111 Dark Places in England That You Shouldn’t Miss“ vorstellen, ein Reiseführer zu eben jenen „dunklen“ Orten Englands, zu denen man nicht seinen Sonnenschirm und seine Strandliege mitnimmt.

Jedes der 111 Ziele wird exakt beschrieben, inklusive Anfahrtswegen und Webseiten, als Bonus gibt es jeweils noch einen Tipp zu einem weiteren interessanten Ziel in der Nähe. Viele der „dark places“ habe ich in den letzten zwölf Jahren in meinem Blog schon abgehandelt.

Hier sind drei Beispiele aus dem Buch:

Ort Nummer 19 führt zum Shot at Dawn Memorial im National Memorial Arboretum bei Alrewas in Staffordshire, das an die britischen Soldaten erinnert, die im Ersten Weltkrieg wegen angeblicher Feigheit vor dem Feind von einem Militärgericht zum Tode verurteilt und von den eigenen Leuten erschossen wurden (Näheres dazu in meinem Blog).

Ort Nummer 27 ist der Hillsborough Park in Sheffield, wo sich am 15. April 1989 das Hillsborough Disaster ereignete. Bei einem FA Cup-Fußballspiel zwischen dem Liverpool FC und dem Nottingham Forest FC kam es zu einer Massenpanik der Fans, bei der 96 Menschen starben.

Ort Nummer 95 ist der Londoner Skateboard Graveyard, zu finden unterhalb der Golden Jubilee Bridges. Es ist eine Gedenkstätte für einen ermordeten Skater, Timothy Baxter, der am 18. Juni 1999 nachts auf der Brücke zusammen mit seinem Freund von einer Gang Jugendlicher überfallen und in die Themse geworfen wurden. Baxter ertrank, sein Freund überlebte. Londoner Skater legen immer wieder ihre ausgemusterten Skateboards auf den Plattformen unterhalb der Brücke ab, so dass dort ein Skateboard Cemetery enstanden ist. Weitere Einzelheiten darüber sind in meinem Blog zu finden.

Philip R. Stone: 111 Dark Places in England That You Shouldn’t Miss. Emons 2021. 230 Seiten. ISBN 978-3-7408-0900-3.
Eine Bemerkung am Rande: Das Buch ist in einem deutschen Verlag erschienen und in Deutschland gedruckt worden, eine Seltenheit. Es wurde (noch) nicht übersetzt, obwohl es der umfangreichen Reihe „111 Orte…“ des Emons-Verlags angehört.

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The Shot at Dawn Memorial.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)
The Skateboard Graveyard in London.
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Published in: on 21. Februar 2022 at 02:00  Comments (2)  

Mein Buchtipp – Nigel Cawthorne: Prince Andrew – Epstein and the Palace

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Vorgestern war es als Eilmeldung zu lesen: Prince Andrew hat sich außergerichtlich mit seiner Klägerin Virginia Giuffre geeinigt. Geht damit ein Missbrauchsskandal zu Ende, der das britische Königshaus erschüttert hat? War das letztendlich ein Schuldeingeständnis des Prinzen?

Der renommierte Journalist und Kenner der Royal Family, Nigel Cawthorne, geht in seinem Buch „Prince Andrew – Epstein and the Palace“ den Verwicklungen des Prinzen in dem Missbrauchsskandal rund um den US-amerikanischen Milliardär Jeffrey Epstein und dessen Freundin Ghislaine Maxwell nach. Die beiden sollen unzählige minderjährige Mädchen über einen längeren Zeitlauf hinweg in die Villen Epsteins gelockt und sie dort missbraucht und an deren Freunde weitergereicht haben. Diese Freunde sollen den höchsten gesellschaftlichen und politischen Kreise angehört haben.

Einen großen Teil des Buches von Nigel Cawthorne nimmt die Biografie Prince Andrews ein, Lieblingskind seiner Eltern, Einsatz im Falklandkrieg, sein ausgeprägter Hang zu hübschen jungen Frauen („Randy Andy“), seine Heirat mit Sarah Ferguson und sein tiefer Fall zum „Prince Pariah“.

Das katastrophale Interview mit Emily Maitlis auf BBC Newsnight (hier noch einmal zu sehen) brach dem Prinzen das Genick. Nicht nur, dass sich daraufhin die Medien gegen ihn stellten, auch die eigene Familie wandte sich von ihm ab, sie hielt Andrews Aussagen wohl auch nicht für glaubhaft.

Wie wird es jetzt weitergehen? Ist nach der außergerichtlichen Einigung mit Virginia Giuffre alles wieder in Ordnung? Ich glaube, eher nicht.

Nigel Cawthorne: Prince Andrew – Epstein and the Palace. Gibson Square 2020. 303 Seiten. ISBN 978-1-78334-176-4.

Published in: on 17. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Jamie Douglas-Home: Stately Passions – The Scandals of Britain’s Great Houses

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„What the Butler Saw“ war der Name einer „amusement machine“, die in englischen Seebädern zu finden war (siehe dazu meinen Blogeintrag). Was die Butler in den Landsitzen des englischen Adels (durch die Schlüssellöcher) zu sehen bekamen, ging weit über dieses harmlose Vergnügen hinaus. Jamie Douglas Home hat sich in seinem Buch „Stately Passions – The Scandals of Britain’s Great Houses“ dieses Themas angenommen, und was er da zusammengetragen hat, verschlägt dem Leser doch streckenweise die Sprache.

Der Autor hat sich die Bewohner von 13 Landsitzen vorgenommen und über deren Liebesleben recherchiert. Da gab es unendlich viele Männer, die, zwar verheiratet, mehr oder weniger ihrem eigenen Geschlecht zugeneigt waren, und ihre Ehefrauen sexuell sehr vernachlässigten. Dann gab es die Adeligen, die ebenfalls verheiratet waren, aber ihre Ehefrauen links liegen ließen, weil sie mit ihren Mätressen alle Hände voll zu tun hatten, mit denen auch Kinder zeugten. Manchmal wusste man gar nicht mehr, wem die gezeugten Kinder zuzuordnen waren.

Zwei Beispiele gefällig? Sandringham House in Norfolk kennt man meist durch gefällige Bilder zur Weihnachtszeit, wenn die königliche Familie dort das Fest feiert und zur Kirche geht. Einer der früheren Bewohner, Albert Edward, Prince of Wales, der spätere König Edward VII (1841-1910), war mit Alexandra von Dänemark verheiratet, gestattete sich aber unzählige Mätressen und scheute auch nicht davor zurück, die Frauen ihren Ehemännern abspenstig zu machen. Lillie Langtry, die Countess of Warwick Daisy Greville und Alice Keppel sind die bekanntesten Damen, die es mit der ausgeprägten Libido des Prinzen zu tun bekamen, die Beziehung aber wohl auch genossen.

Sissinghurst Castle in Kent, heute wegen seiner Gärten fester Bestandteil einer jeden Südengland-Busrundreise für Touristen, gehörte in den 1930er Jahren dem Ehepaar Harold Nicolson und Vita Sackville West. Beide orientierten sich sexuell aber auch hin zu dem jeweils eigenen Geschlecht. So entstand eine wilde leidenschaftliche Affäre zwischen Vita und ihrer Geliebten Violet Trefusis, Tochter oben genannter Alice Keppel, die ebenfalls verheiratet war. Harold Nicolson kämpfte zwar um seine Ehe, hatte aber trotzdem nebenbei Affären mit anderen Männern laufen.

Weitere Schauplätze von Skandalen des englischen Adels, die in diesem Buch behandelt werden, sind unter anderem Chatsworth, Brocket Hall, Hampton Court und Cliveden.

Wem der Nachname des Autors, Douglas-Home, irgendwie bekannt vorkommt. Er ist der Neffe des ehemaligen Premierministers Sir Alec Douglas-Home, der dieses Amt von 1963 bis 1964 ausübte.

Ein ähnlich gelagertes Buch stellte ich in meinem Blog schon einmal vor: „Through the Keyhole: Sex, Scandal and the Secret Life of the Country House“ von Susan C. Law.

Jamie Douglas-Home: Stately Passions – The Scandals of Britain’s Great Houses. Michael O’Mara Books 2006. 272 Seiten. ISBN 978-1-84317-154-6.

Sandringham House in Norfolk.
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Sissinghurst Castle in Kent.
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Published in: on 13. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Fergus Butler-Gallie: Field Guide to the English Clergy

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Fergus Butler-Gallie ist ein junger Pfarrer der anglikanischen Kirche, der an den Universitäten von Oxford und Cambridge Geschichte und Theologie studiert und im Jahr 2018 sein erstes Buch geschrieben hat: „Field Guide to the English Clergy: A Compendium of Diverse Eccentrics, Pirates, Prelates and Adventurers; All Anglican, Some Even Practising„. Was für ein langer Titel! Er weist darauf hin, was wir hier zu erwarten haben, nämlich jede Menge Kurioses über Geistliche, die durch Ihr Tun außerhalb des „Mainstreams“ gestanden haben und nicht immer der Stolz ihrer Vorgesetzten waren.

Einige dieser exzentrischen Gottesmänner, die Fergus Butler-Gallie in seinem Buch vorstellt, haben schon in der Vergangenheit ihren Weg auf meinen Blog gefunden wie The Reverend Robert Hawker, Vicar of Morwenstow, The Reverend Frederick Densham, Vicar of Warleggan, The Reverend Jack Russell, Vicar of Swimbridge und The Reverend Harold Davidson, Rector of Stiffkey, der sich rührend, vielleicht allzu rührend, um junge Londoner Prostituierte gekümmert hatte und von einem Löwen aufgefressen worden ist, um nur einige zu nennen. Der Autor hat noch viel mehr kuriose Gestalten zusammengetragen, die es alle verdient haben, in diesem Kompendium erwähnt zu werden.

Es ist ein Vergnügen, dieses Buch zu lesen! Ein Vergnügen war es nicht immer für die Schäfchen in den jeweiligen Kirchengemeinden, einen so exzentrischen Pfarrer zu haben.

Fergus Butler-Gallie: Field Guide to the English Clergy. Oneworld Publications 2018. 175 Seiten. ISBN 978-1-78607-441-6.

Published in: on 31. Januar 2022 at 02:00  Comments (3)  

Mein Buchtipp – Patrick Scrivenor: Mad Toffs

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Warum gab/gibt es in Großbritannien so viele exzentrisch veranlagte Menschen? Und das auch noch besonders in den höchsten Kreisen. Kein Wunder, dass es eine ganze Fülle von Büchern gibt, die sich mit britischen Exzentrikern beschäftigen, einige davon habe ich in den letzten Jahren in meinem Blog vorgestellt. Hier ist ein weiteres: „Mad Toffs: The British Upper Classes At Their Best – And Worst“ von Patrick Scrivenor. Das 2016 erschienene Buch stellt eine Fülle von mehr oder weniger verrückten „toffs“ vor, was soviel wie „feine Pinkel“ oder „Aristos“ heißt, also abwertend für Aristokraten.

Ein Kapitel („Wayward Royal Behaviour„) befasst sich beispielsweise mit dem merkwürdigen Verhalten einiger Royals im Laufe der Jahrhunderte, bis in die Gegenwart, wo der kürzlich verstorbene Duke of Edinburgh mit so manchen spitzzüngigen Bemerkungen auffiel. So hatte er Helmut Kohl einmal mit „Reichskanzler“ angesprochen. In einer Unterhaltung mit dem US-amerikanischen Botschafter im Jahr 2000 sagte er „People think there’s a rigid class system here, but dukes have even been known to marry chorus girls. Some have even married Americans“. Ouch, das hat gesessen.

In dem Kapitel „Sex At The Top“ geht Patrick Scrivenor auf das sexuelle Verhalten des britischen Adels ein und da gibt es so viel zu berichten (…the sheer quantity of material could easily overwhelm a slim volume like this„), dass der berühmte Satz „No sex, please, we’re British“ ad absurdum geführt wird. So manche Blaublütige trieben es in ihren Landhäusern gern mit dem weiblichen Personal, oft zum Nachteil der jungen Damen, wenn die Affären ans Tageslicht kamen.

Das Titelbild zeigt übrigens Lionel Walter Rothschild, 2. Baron Rothschild, der gern mit einer von Zebras gezogenen Kutsche durch sein Anwesen Tring Park in Hertfordshire fuhr.
Ein höchst lesenswertes und amüsantes Buch!

Patrick Scrivenor: Mad Toffs: The British Upper Classes At Their Best – And Worst. Metro Publishing 2006. 218 Seiten. ISBN 978-1-78418-767-5.

Published in: on 16. Januar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Roger Lytollis: On a Pedestal – A Trip Around Britain’s Statues

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Hier ist mein persönliches Buch des Jahres 2021: „On a Pedestal: A Trip Around Britain’s Statues„, geschrieben von Roger Lytollis, erschienen am 4. November 2021. Wie es der Titel schon sagt, geht es hier um Statuen, die in ganz Großbritannien aufgestellt worden sind, ein Thema, das in meinem Blog schon seit Jahren eine gewisse Rolle spielt. Hochgekommen ist das Thema im Jahr 2020 als die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston in Bristol vom Sockel gestoßen und im Hafenbecken versenkt worden ist (ich berichtete darüber in meinem Blog).

Roger Lytollis schreibt auch über diese kontroversen Statuen in seinem Buch; ein weiteres Thema ist die Darstellung von Nacktheit in der Öffentlichkeit, wofür der fast nackte Achilles im Londoner Hyde Park und die noch nacktere Mary Wollstonecraft in Londons Newington Green als Beispiele dienen.

Manche Statuen werden von den Bürgern des Landes immer wieder verziert; ich denke da vor allem an das Reiterstandbild des Dukes of Wellington am  Royal Exchange Square in Glasgow, das den Duke fast ständig mit einem Verkehrskegel auf dem Kopf zeigt.

Ein eigenes Kapitel ist dem Bildhauer Antony Gormley gewidmet, der mit seinen Kunstwerken immer wieder für Aufsehen sorgt. Beispiele: The Angel of the North bei Gateshead (Tyne and Wear), Another Place am Strand von Crosby Beach in Lancashire und der nackte Mann auf dem Dach eines Hauses in Oxfords Broad Street aus der Figurenserie Another Time.

„On a Pedestal“ ist informativ und humorvoll, ein großartiges Buch, das ich sehr empfehlen kann!!

Roger Lytollis: On a Pedestal – A Trip Around Britain’s Statues. Robinson 2021. 296 Seiten. ISBN 978-1-4721-4613-7.

Achilles im Londoner Hyde Park.
Photo © Tim Westcott (cc-by-sa/2.0)
Der Duke of Wellington in Glasgow.
Photo © Richard Sutcliffe (cc-by-sa/2.0)
Antony Gormleys Angel of the North.
Photo © Jennifer Petrie (cc-by-sa/2.0)

Mein Buchtipp – David Reynolds: Slow Road to San Francisco

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Heute machen wir einen Abstecher in die USA, wo David Reynolds vor einigen Jahren den Kontinent von Ost nach West auf dem Highway 50 durchquerte und darüber das Buch „Slow Road to San Francisco: Across the USA from Ocean to Ocean“ schrieb, 2020 erschienen.

Reynolds war einer der Gründer des Londoner Verlags Bloomsbury Publishing und hat schon einmal ein Buch über eine USA-Durchquerung geschrieben: „Slow Road to Brownsville: A Journey to the Heart of the Old West“ (2014); damals führte ihn seine Reise auf dem Highway 83 von Manitoba in Kanada nach Brownsville in Texas.

Ocean City im Bundesstaat Maryland ist der Ausgangspunkt der Reise des Londoners David Reynolds, der sich mit seinem Mietwagen viel Zeit lässt, um sein Ziel an der Westküste in San Francisco zu erreichen. Rund 5000 Kilometer muss er dabei bewältigen. Er ist immer darauf bedacht, mit den Amerikanern entlang der Route in Kontakt zu kommen, vor allem in den Bars und Restaurants, wo er sich mit Vorliebe an die Theke setzt; „elbow rubbing“ also. Durch seinen Londoner Akzent wird er immer gleich als Engländer erkannt, und er trifft fast nur auf aufgeschlossene, freundliche und hilfsbereite Menschen. David Reynolds interessiert sich sehr für die Themen „Sklaverei“ und „Indianer“ und sucht dabei Stätten an der US 50 auf, die damit in Zusammenhang stehen.
Spektakulär ist seine Beschreibung des Skyline Drives in Colorado, den er mit seinem Auto befährt, eine extrem schmale Straße direkt an einem steilen Abgrund. Weiter im Westen bewältigt der Londoner auch den Abschnitt der US 50, der als „the loneliest road in America“ genannt wird, eine über 400 Kilometer lange, nahezu menschenleere Strecke im Bundesstaat Nevada.

Das Buch ist hoch interessant und macht Appetit darauf, die US 50 einmal selbst zu befahren.

Zum Thema siehe auch meinen Buchtipp „Not Tonight Josephine: A Road Trip Through Small-Town America“ des Engländers George Mahood.

David Reynolds: „Slow Road to San Francisco: Across the USA from Ocean to Ocean“. Muswell Press 2020. 413 Seiten. ISBN 978-1-9161292-0-7.

Ocean City, Maryland, Ausgangspunkt der Reise David Reynolds‘.
This image is in the public domain.
Das Ziel der Reise: San Francisco.
Photo: ncole458.
Creative Commons 2.0
Published in: on 20. Dezember 2021 at 02:00  Comments (3)  

Mein Buchtipp – Jasper Conran: Country

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Jasper Conran, Sohn des berühmten Designers Sir Terence Conran und der Schriftstellerin Shirley Conran, ist inzwischen selbst einer der gefragtesten britischen Designer geworden. Er ist auf vielen Feldern aktiv: Er entwirft unter anderem Schmuck, Keramik, Kleidung und Möbel und hat schon eine ganze Menge Auszeichnungen erhalten, so zum Beispiel den „Laurence Olivier Award for Costume Design„, den „Homes and Gardens ‚Classic Design‘ Award„, und er wurde auch schon zum „Designer of the Year“ gewählt.

Sein erstes Buch erschien im Jahr 2010 und war das Resultat einer einjährigen Reise quer durch das Vereinigte Königreich. Es heißt „Country“ und ist eine Liebeserklärung an das britische Landleben. Ein großartiges Buch!! Mehrere Pfund schwer, 304 Seiten stark, mit Dutzenden, zum Teil doppelseitigen Farbfotos von Andrew Montgomery.

Jasper Conran besucht auf seiner Reise durchs Land Freunde, die sich in alten Cottages eingerichtet haben, die zum großen Teil von den Erträgen ihrer Gärten leben und um nichts in der Welt in eine Großstadt ziehen würden. Dieses Buch macht Lust auf ein solches Leben wie zum Beispiel in Dorset oder Wiltshire, in der Nähe eines schönen alten Dorfpubs, wo man sich abends auf ein Pint trifft.

Ich kann dieses Buch sehr empfehlen. Eine deutsche Übersetzung liegt vor. Hier die bibliografischen Angaben.

Jasper Conran: Country. London: Conran Octopus 2010. ISBN: 978-1840915181. Das Buch ist out-of-print und wird derzeit für über £100 gehandelt.

oder auf Deutsch:
Jasper Conran: Country: Vom Charme des englischen Landlebens. München: DVA 2010. ISBN: 978-3421038050 . Gerade am 1. November 2021 neu im Bassermann-Verlag erschienen. ISBN: 978-3-8094-4500-5.

Published in: on 12. November 2021 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – Harvey Edgington and Lauren Taylor: National Trust on Screen

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Im Jahr 2003 gründete Harvey Edgington das National Trust Filming and Locations Office, zwei Jahre später stieß Lauren Taylor dazu; beide sind absolute Spezialisten darin, für Filme die passenden Drehorte zu finden, und welche Organisation in England kann eine breitere Palette bieten als der National Trust?

In ihrem 2020 erschienen Buch „National Trust on Screen: Discover the Locations That Made Film and TV Magic“ stellen Edgington und Taylor auf 143 Seiten die wichtigsten Häuser, Parks und Landstriche des National Trusts (N.T.) vor, die für Filmarbeiten verwendet wurden. In jedem Monat finden, so steht es in der Einleitung des Buches, durchschnittlich neun Dreharbeiten auf Besitztümern des N.T. statt. Das Filming and Locations Office ist Ansprechpartner der Filmproduktionsfirmen für alle Fragen im Vorfeld und während der Dreharbeiten, ob es jetzt um das Catering, das Parken der LKWs oder andere logistische Dinge geht.

Hier sind einige Beispiele für N.T.-Drehorte:

Die Lacock Abbey und das Lacock Village in Wiltshire gehören zu den am häufigsten genutzten Drehorten. Mehrere Harry Potter-Folgen wurden hier gedreht, sowie die Filme „The Other Boleyn Girl“ (2008), „Pride and Prejudice“ (1995), „Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald“ (2018), die TV-Serien „Downton Abbey“ (2010-2015) und „Cranford“ (2007 und 2009), um nur einige wenige zu nennen.

Ähnliches gilt für das sehr gefragte Ashridge Estate bei Berkhamstead in Hertfordshire, günstig gelegen zu einigen Filmstudios. Auch hier wurden Dreharbeiten zu einigen Harry Potter-Filmen durchgeführt, zu „Robin Hood“ (2010) mit Russell Crowe und „Maleficent“ (2014) mit Angelina Jolie.

Die wunderschöne Hardwick Hall in Derbyshire diente als Kulisse für die Filme „Harry Potter and the Deathly Hallows“ (2010) und „Mary Queen of Scots“ (2019).

Eine sehr interessante Lektüre für alle an „film locations“ Interessierte!

Harvey Edgington and Lauren Taylor: National Trust on Screen: Discover the Locations That Made Film and TV Magic. Pitkin Publishing 2020. 143 Seiten. ISBN 978-1-84165-866-7.

Lacock Abbey.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
Hardwick Hall.
Photo © Jeff Buck (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. November 2021 at 02:30  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Luise Berg-Ehlers: Mörderisches England

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Nach „England und die Detektive“ (Nicolaische Verlagsbuchhandlung 2002) und „Mit Miss Marple aufs Land“ (siehe dazu meinen Blogeintrag) hat die anglophile Bochumer Autorin Luise Berg-Ehlers wieder einige Reisen auf die Insel unternommen, um Material für ihr nächstes Buch zu sammeln, das im September diesen Jahres erschienen ist.

Mörderisches England: Eine Reise zu den Schauplätzen literarischer Verbrechen von Conan Doyle bis J.K. Rowling„, so lautet der Titel des Buches, in dem sich die Autorin auf 249 Seiten kreuz und quer durch England bewegt, die Standard-Sehenswürdigkeiten links liegen lässt und die „locations„, also die Schauplätze der Handlungen von Kriminalromanen, fest im Auge behält. Die Reise beginnt in der Hauptstadt London, wo wir unter anderem auf den wohl berühmtesten Detektiv aller Zeiten, Sherlock Holmes, treffen, dessen geistiger Vater ja schon im Buchtitel genannt wird. Wir besuchen Hampstead Heath und P.D. James, Ngaio Marsh und die Londoner Theaterlandschaft, John Mortimer und den Gerichtshof Old Bailey. Das sind nur einige wenige Beispiele für die im Buch genannten Autoren.

Sehr viel Aufmerksamkeit widmet Luise Berg-Ehlers der Stadt Brighton an der englischen Südküste, die eine sehr ansprechende Kulisse für Krimihandlungen bietet. Der Autor Peter James lässt seine Krimis gern in der Stadt am Meer spielen.

Das Buch „Mörderisches England“ widmet auch den Verfilmungen vieler Kriminalromane Aufmerksamkeit wie Colin Dexters in Oxford spielende „Inspector Morse“-Serie, James Runcies „Grantchester“ um den Pfarrer Sidney Chambers, angesiedelt in dem hübschen Dörfchen Grantchester bei Cambridge und natürlich Inspector Barnabys fiktiven Midsomer County, in dem es „locations“ in Hülle und Fülle gibt, die in natura meist in Buckinghamshire und Oxfordshire zu finden sind.

Luise Berg-Ehlers belässt es aber nicht nur bei den Krimi-Schauplätzen, sie gibt dem Reisenden ebenfalls Tipps für besonders zu empfehlende Restaurants, Tea Rooms und Hotels mit auf den Weg, schließlich muss man in der Welt des Verbrechens sich hin und wieder auch um sein leibliches Wohl kümmern.

Die Fotografien, einige davon doppelseitig, geben dem Buch einen zusätzlichen „atmosphärischen Kick“ und sind fast alle von der Autorin selbst aufgenommen worden. Sie belegen, gemeinsam mit dem einfühlsamen Text, dass Luise Berg-Ehlers es versteht, wie schon in ihren vorigen Büchern, die Leser gefangen zu nehmen und sie für England zu begeistern, auch wenn die Hürden für eine Reise dorthin momentan höher geworden sind.

Mir hat das Buch einige sehr angenehme Lesestunden bereitet und zur Lektüre von Krimiautoren angeregt, die ich bisher noch gar nicht kannte.

Luise Berg-Ehlers: Mörderisches England: Eine Reise zu den Schauplätzen literarischer Verbrechen von Conan Doyle bis J.K. Rowling. Corso 2021. 249 Seiten. ISBN 978-3-7374-0768-7.

St Andrew & St Mary in Grantchester (Cambridgeshire). Hier wirkt Pfarrer Sidney Chambers.
Eigenes Foto
Mitten im Midsomer County; hier das im Buch erwähnte Gasthaus The Six Bells in Warborough in Oxfordshire.
Eigenes Foto.
Published in: on 25. Oktober 2021 at 02:00  Comments (3)  

Mein Buchtipp – Maureen Johnson & Jay Cooper: Your Guide To Not Getting Murdered in a Quaint English Village

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Vielleicht kennt jemand die „Dokumentation“ mit dem Titel „Surviving Midsomer“ (hier ist ein Teil davon zu sehen), die darüber informiert, was man alles tun beziehungsweise lassen sollte, um in Inspector Barnabys Wirkungsbereich, dem Midsomer County, zu überleben. Da geht es unter anderem darum, die Wälder des Nachts zu meiden oder lieber nicht an Dorffesten teilzunehmen. Jetzt gibt es seit dem 14. September diesen Jahres ein Buch, das in die selbe Kerbe schlägt: „Your Guide To Not Getting Murdered in a Quaint English Village“ von Maureen Johnson und Jay Cooper, erschienen in dem New Yorker Verlag Ten Speed Press.

Die beiden Autoren (Maureen Johnson schrieb den Text, Jay Cooper illustrierte ihn) geben Verhaltensmaßregeln, um in dem angeblich idyllischem englischen Landleben nicht über die Klinge zu springen, denn schon Sir Arthur Conan Doyle hatte in seiner 1892 erschienenen Sherlock Holmes-Geschichte „The Adventure of the Copper Beeches“ (dt. „Die Blutbuchen“) gesagt: „It is my belief, Watson, founded upon my experience, that the lowest and vilest alleys in London do not present a more dreadful record of sin than does the smiling and beautiful countryside“ (so steht es auch eingangs des hier vorgestellten Buches zu lesen).

Sehen wir uns doch einmal einige Beispiele aus Maureens und Jays Buch an: Ein besonders gefährlicher Ort ist die Dorfkirche, und wenn der Vikar den Besucher einlädt, den Glockenturm zu besichtigen, sollte man entweder die Einladung in den Wind schlagen oder aber oben auf dem Turm höchste Vorsicht walten lassen. Das Dorffest ist eine absolute „No-Go area“ („the teapots are brimming with poison“, „there’s an axe in the fortune-telling tent“).
Den bereits erwähnten Vikar muss man auf jeden Fall meiden („When you see the vicar, run“) und auch dem Gärtner sollte man aus dem Wege gehen („The roses are perfect because of all the people under them“).
Das Buch verzeichnet weitere Tipps, was man beim Besuch des Manor House alles beachten muss (oder es lieber ganz sein lässt), aber das möchte ich nicht verraten.

Ein wunderschönes Buch zum Verschenken an England-Fans, die das Landleben mögen, oder alternativ ein Geschenk an sich selbst.

Maureen Johnson & Jay Cooper: Your Guide To Not Getting Murdered in a Quaint English Village. Ten Speed Press 2021. 127 Seiten. ISBN 978-1-9848-5962-4.

Hier bitte nicht hinaufsteigen!! (St James the Great in Saul in Gloucestershire)
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)
Lebensgefährlich, so eine Village Fete! (Sedlescombe, East Sussex).
Photo © Patrick Roper (cc-by-sa/2.0)
Warum gedeihen diese Rosen wohl so prachtvoll?? (Mount Ephraim Gardens in Kent).
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. Oktober 2021 at 02:00  Comments (2)  

Mein Buchtipp – Paul Stickler: The Long Silence

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In meinem Blogeintrag vom 11. Juli 2019 berichtete ich ausführlich über einen der spektakulärsten Kriminalfälle des 20. Jahrhunderts in England, der unter dem Namen „The A6 Murder“ in die Annalen der englischen Kriminalgeschichte eingegangen ist, weil der Mord auf einem Parkplatz an der A6 bei Clophill in Bedfordshire begangen wurde. Michael Gregsten war das Opfer und seine Geliebte Valerie Storie wurde so schwer verletzt, dass sie zeitlebens an den Rollstuhl gefesselt war.

James Hanratty wurde des Mordes überführt, vor Gericht gestellt, zum Tode verurteilt und am 4. April 1962 im Bedford Prison hingerichtet. Schon bald kamen Zweifel auf, ob Hanratty wirklich der Mörder war und ob man nicht doch den Falschen aufgehängt hatte. Viele Bücher wurden über den Fall geschrieben, zuletzt Paul SticklersThe Long Silence: The True Story of James Hanratty and the A6 Murder by Valerie Storie, the Woman who Lived to Tell the Tale„, am 26. August diesen Jahres im Verlag The History Press erschienen.

Paul Stickler, ein erfahrener Kriminalbeamter, hatte Zugang zu den Aufzeichnungen Valerie Stories, die am 26. März 2016 im Alter von 77 Jahren in Slough (Berkshire) gestorben war und nach langem Schweigen (daher der Titel des Buches) darin detailliert über die Schreckensnacht vom 22. August 1961 geschrieben hatte. Das Buch ist also eine Art posthume Autobiografie.

Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen, vielleicht auch weil ich den Ausgangsort der Entführung, Dorney Reach in Berkshire, ganz gut kenne. Valerie und Michael waren an diesem Abend im Frühjahr 1961 zur falschen Zeit am falschen Ort und gerieten so in die Fänge eines Kleinkriminellen, der die Situation nicht mehr im Griff hatte und überreagierte, mit der Folge, dass ein Menschenleben ausgelöscht und ein anderes schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Eine beeindruckende Lektüre!

Diese Dokumentation der BBC zeichnet den Fall Hanratty noch einmal nach.

Paul Stickler: The Long Silence: The True Story of James Hanratty and the A6 Murder by Valerie Storie , the Woman who Lived to Tell the Tale. The History Press 2021. 288 Seiten. ISBN ‎ 978-0750996761.

Die Harcourt Road in Dorney Reach (Berkshire), nicht weit vom Ort der Entführung entfernt.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 29. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Spencer Austin: Chasing the Eighties – The Ultimate North American Movie Location Roadtrip

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In meinen Buchtipps habe ich schon mehrere Bücher empfohlen, die von jungen Engländern und Engländerinnen geschrieben worden sind, in denen sie von ihren USA-Reisen berichten, die unter einem besonderen Aspekt stattgefunden haben (und die Ideen dazu manchmal nach einigen Pints im Pub entstanden sind). Ich denke da an Anna McNuffs „Fifty Shades of the USA„, George Mahoods „Not Tonight Josephine“ und an George Millers „This Is The Way to Amarillo“.

Im selben Verlag wie George Millers Buch ist auch Spencer Austins: Chasing the Eighties – The Ultimate North American Movie Location Roadtrip“ erschienen (Know the Score Books in Studley, Warwickshire). Spencer Austin, Film- und TV-Produzent, macht sich zusammen mit seinen Freunden Tom Thostrup und Luke Dolan auf eine mehrere tausend Kilometer lange Reise in einem Mietwagen quer durch die USA, um die Drehorte ihrer Lieblingsfilme aus den 1980er Jahren aufzusuchen. Vor Ort treffen sie sich mit einigen ehemaligen Schauspielern dieser Filme beziehungsweise mit Menschen, die sich noch an die Dreharbeiten erinnern können. Die Reise beginnt in Toronto in Kanada, führt an die Westküste, nach Texas und Florida, nach Philadelphia und New York und zurück nach Toronto.

Einige der aufgesuchten „movie locations“:
Der Lake Britton im Norden Kaliforniens, wo Teile des Films „Stand by me„, nach dem Roman von Stephen King, gedreht wurden, wie die Szenen, in denen die Kinder über die wackelige Eisenbahnbrücke laufen und ihnen ein Zug entgegenkommt.

Astoria in Oregon, Schauplatz des Kultfilms „The Goonies“ aus dem Jahr 1985. Der Film zeigt eine Gruppe von Kindern, die in der Umgebung ihres Heimatortes Abenteuer erleben. Berühmt geworden ist die Szene, in der Chunk seinen Truffle Shuffle aufführt.

In San Diego in Kalifornien besuchen Spencer, Tom und Luke The Kansas City Barbeque, Drehort einiger Szenen des Films „Top Gun“ (1986), wovon das Lokal heute noch zehrt (hier zu sehen).

Ich selbst bin ein wenig „location mad“, interessiere mich oft mehr für die Drehorte eines Films als für die Handlung, so habe ich dieses Buch mit großem Vergnügen gelesen.

Spencer Austin: Chasing the Eighties – The Ultimate North American Movie Location Roadtrip. Know the Score Books 2008. 368 S. ISBN 978-1-84818-951-5.

Published in: on 29. August 2021 at 02:00  Comments (3)  

Mein Buchtipp – Exploring Britain’s Historic Houses

Foto meines Exemplares
(Das Umschlagbild zeigt die Hardwick Hall in Derbyshire)

Die britische Automobile Association (AA) bringt oft sehr ansprechende Bücher auf den Markt, so auch das bereits 2011 erschienene „Exploring Britain’s Historic Houses: Discovering Britain’s most beautiful and fascinating buildings„. Ich habe mein Exemplar in einem National Trust Shop gekauft, in denen es immer wunderschöne Bücher gibt.

Das heute vorgestellte Buch umfasst alle bekannten und auch weniger bekannte Stately Homes, Manor Houses, Burgen und Schlösser, von denen es im Königreich nicht wenige gibt. „…but this is not just a story of bricks and mortar…for colourful characters and important historical figures also populate the pages of the book“, so steht es im Vorowort zu lesen.

In erster Linie erfreut man sich an den wunderschönen Fotografien der Häuser…und ist ein wenig traurig, dass man nicht an Ort und Stelle sein kann. Es ist ein Buch für Armchair Traveller, es eignet sich aber auch gut zur Vorbereitung einer Reise nach Großbritannien; Anregungen dafür bekommt man in Hülle und Fülle.

Den Anfang machen die Häuser im Südwesten: Athelhampton, Berkeley Castle, Dyrham Park und so weiter, den Abschluss bilden ihre schottischen Pendants wie der Scone Palace, das Inverary Castle und das Glamis Castle.

Ich kann bei der Lektüre des Buches einige Stunden Glückseligkeit und Entrücktheit garantieren!

Exploring Britain’s Historic Houses: Discovering Britain’s most beautiful and fascinating buildings. AA Publishing 2011. 224 Seiten. ISBN 978-0-7495-6803-0.

Mein Buchtipp – Die Bradt Travel Guides

Foto von einigen meiner Bradt Travel Guides.

Hilary und George Bradt schrieben ihren ersten Reiseführer 1974, als sie Südamerika bereisten. In den 1980er Jahren engagierte Hilary Bradt dann auch andere Reiseschriftsteller, deren Bücher sie in ihrem Verlag veröffentlichte. Aber auch heute noch ist sie Autorin beziehungsweise Co-Autorin vieler Reiseführer ihres Verlages.

Die Bradt Travel Guides gibt es für zahlreiche Länder der Welt; ob Usbekistan, Laos, Sierra Leone oder Bulgarien, die Reiseführer aus dem Verlag Bradt erfreuen sich großer Beliebtheit und wurden schon mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Uns interessieren natürlich in erster Linie die Travel Guides über England, von denen es zur Zeit achtzehn gibt. „Slow travel“ steht im Fokus dieser Reiseführer und das heißt „ditching the tourist ticklists – deciding not to try to see ‘too much’ – and instead taking time to get properly under the skin of a special region„. Die Autorinnen und Autoren der Führer stammen in der Regel aus der Region über die sie schreiben, und so können sie aus langjähriger Erfahrung Tipps geben über auch weniger bekannte, aber trotzdem interessante Sehenswürdigkeiten und über selbst ausprobierte Restaurants und Pubs. Die Bände „Cornwall & The Isles of Scilly“ und „North Devon & Exmoor“ wurden von der British Guild of Travel Writers mit den Best Guide Book Awards ausgezeichnet.

Beheimatet ist der Verlag Bradt in der High Street Nummer 31a von Chesham in Buckinghamshire, wo sich ein überwiegend weibliches Team um die Belange der Travel Guides kümmert.

Published in: on 9. August 2021 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – George Miller: This Is The Way To Amarillo – A Musical Odyssey Across The USA

Foto meines Exemplares.

Es war wieder einmal eine Idee, die in einem Pub entstand: George Miller und ein Freund tranken in Newcastle ein paar Biere und unterhielten sich dabei über Songs, in deren Titel US-amerikanische Städte vorkommen, zum Beispiel Tony Christies berühmtes „Is this the way to Amarillo?“ aus dem Jahr 1971. Da müsste man doch einfach mal hinfahren und sich die genannten Orte ansehen, sagte sich George Miller. Gesagt, getan, er flog in die USA und machte sich auf eine 8400 Kilometer lange Reise durch elf Staaten, die 39 Tage dauerte, mit dem Ziel: Amarillo in Texas. Das Resultat der Reise ist das Buch „This Is The Way To Amarillo: A Musical Odyssey Across The USA„.

Ausgangspunkt der Reise war Las Vegas, verkörpert in Elvis Presleys Song „Viva Las Vegas„. Weiter ging es unter anderem nach Phoenix in Arizona (Glen Campbell veröffentlichte 1967 das wunderschöne „By the time I get to Phoenix„), nach El Paso in Texas, wo Marty Robbins‚ Country-Ballade „El Paso“ angesiedelt ist. Weitere Orte der Reise sind Galveston in Texas (hier treffen wir noch einmal auf Glen Campbell und seinen Song „Galveston„), Nutbush, ein winziges Dörfchen in Tennessee, in dem Tina Turner geboren wurde und dem sie mit „Nutbush City limits“ ein Denkmal gesetzt hat, Wichita in Kansas (hier spielt das von Jimmy Webb geschriebene und von Glen Campbell interpretierte wunderschöne Lied „Wichita lineman„) und schließlich Amarillo in Texas, das in Europa vor Tony Christies Song wohl nur die wenigsten vom Namen her kannten.

George Miller ist freiberuflicher Autor, zu dessen Freizeitvergnügen „the masochistic pastime of supporting Newcastle United“ zählt.

Mich hat das Buch begeistert, einige der aufgesuchten Orte habe ich schon selbst bereist, und einige der Songs gehören zu meinen Favoriten.

George Miller: This Is The Way To Amarillo: A Musical Odyssey Across The USA. Know the Score Books 2008. 290 Seiten. ISBN 978-1-905449-98-9.

The Big Texan Steak Ranch in Amarillo, ein Restaurant, das George Miller auch aufgesucht hat.
Author: Nicholas Eckhart.
Creative Commons 2.0

Published in: on 16. Juli 2021 at 02:00  Comments (1)  

„The Ringing World“- Das Fachblatt aller britischen Bellringer

Bellringer bei der Arbeit in St Mary and St Gabriel in South Harting (West Sussex).
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Glöckner ist eigentlich die Übersetzung des englischen „bell ringer„, aber irgendwie trifft es das nicht so richtig. Man denkt unwillkürlich an den Glöckner von Notre Dame. Bleiben wir bei „bell ringer“, die in den Kirchen Großbritanniens eine wichtige Rolle spielen. Sie üben eine Kunst aus, die seit Jahrhunderten gepflegt wird; und auch sie haben natürlich eine Fachzeitschrift, die in diesem Jahr ihr einhundertzehntes Bestehen feierte: „The Ringing World„.

Am 24. März 1911 erschien die erste Ausgabe und bisher sind über 5000 Hefte veröffentlicht worden.  Die Zeitschrift erscheint wöchentlich und die meisten „Glockenläuter“ des Landes dürften das Blatt abonniert haben, denn „The Ringing World“ ist das Fachorgan des „Central Council of Church Bell Ringers„.

Es ist schon erstaunlich, was es alles aus der Welt des Glockenläutens zu berichten gibt. Hier ein paar Beispiele aus den letzten Heften :
– Bats, Belfries, Bellringers and Coronaviruses
– The bells and ringers of St Mary’s Ely
– Tolling for the Duke of Edinburgh’s funeral at the Curfew Tower, Windsor Castle

In der TV-Krimiserie „Inspector Barnaby“ gibt es eine großartige Folge mit dem Titel Ring out your dead“ (dt. „Glockenschlag zum Mord“) mit dem überragenden Adrian Scarborough, in der das Glockenläuten im Mittelpunkt der Handlung steht und in der es am Ende einige „bell ringer“ im Midsomer County weniger gibt.

Ich erinnere mich noch an einen wunderschönen Sonntagvormittag, als wir mit unserem Narrowboat von Bidford-on-Avon weiterfuhren und unsere Fahrt vom Klang der Glocken von St Laurence begleitet wurde; es war eine wunderschöne Stimmung!

Hier ist ein Film über die Kunst des bellringing.

The Ringing World Ltd
35A High St
Andover
SP10 1LJ

Das Buch zum Artikel:
John Camp: Bells and Bellringing. Shire Publications Ltd 2005. 64 Seiten. ISBN 978-0747803263.

Published in: on 5. Juli 2021 at 02:00  Comments (4)  

Mein Buchtipp – Phil Dampier & Ashley Walton: What’s in the Queen’s handbag and other Royal secrets

Foto meines Exemplares.
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Wer sich dafür interessiert, was hinter den Mauern der königlichen Paläste so alles vor sich geht, dem kann ich Phil Dampiers und Ashley Waltons amüsantes Buch „What’s in the Queen’s handbag and other Royal secrets“ empfehlen.
Da gibt es zum Beispiel ein Kapitel über die „Royal Wruffians„, die von der Queen (und wohl nur von ihr!) heiß geliebten Corgis, die, so wie es die Autoren beschreiben, richtige Biester zu sein scheinen. Darüber können zahlreiche Bedienstete der königlichen Paläste ein Klagelied singen. Wenn dann auch noch die Bullterrier von Princess Anne dazukommen, gibt es ein einziges Hauen und Stechen in der Hundeschar. Michael Avery illustriert das mit witzigen Zeichnungen.

Welche Rolle das Dienstpersonal spielt, wird in dem Kapitel „Servants: Upstairs and sometimes down the stairs“ ausführlich erläutert. Geringe Bezahlung und lange Arbeitsstunden sind hier offensichtlich die Regel. Hin und wieder wird dem Alkohol auch mehr zugesprochen als es geboten scheint. Da kam es schon einmal vor, dass während eines Staatsbanketts ein Bediensteter der Queen stark angetrunken eine Treppe, direkt vor die Füße der Monarchin fiel. Ihre Reaktion: „Would someone please come and pick…up, I think he’s a little under the weather“.

Interessant auch das Kapitel „Cars: Toot! Toot! Get out of our way!“, in dem das Fahrverhalten der Royals näher beleuchtet wird. Und damit sieht es gar nicht gut aus. Von der Queen selbst bis zu ihren Enkeln William und Harry wird ein sehr aggressiver und rücksichtsloser Fahrstil gepflegt, und da mussten schon Dutzende von Polizeibeamtenaugen zugedrückt werden, damit es nicht zu noch mehr Verwarnungen und Fahrverboten kam.

In weiteren Kapiteln geht es um die Pferdeliebe der Royals, um ihre Art Weihnachten zu feiern und um „Royal sneaks„, also ehemalige königliche Angestellte, die ihre Plappermäuler nicht halten konnten und in ihren Büchern intimste Geheimnisse des Königshauses ausplauderten.
Natürlich erfahren wir auch alles (wie es der Buchtitel schon sagt) über den Inhalt der royalen Handtasche.
Hier ist ein weiterer Blogeintrag zum Thema.

Phil Dampier & Ashley Walton: What’s in the Queen’s handbag and other Royal secrets. Brighton: Book Guild Publishing 2007. 141 Seiten. ISBN: 978-1-84624-194-9

Published in: on 26. Juni 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Michael Jenner: Victorian Britain

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In meinen Buchtipps stelle ich auch gern ältere Titel vor, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Wenn sie nicht mehr im Buchhandel erhältlich sind, ist es in der Regel kein Problem, sie antiquarisch über das Internet zu bestellen.

Bereits 1999 erschien das Buch „Victorian Britain“ von Michael Jenner, üppig illustriert und im Querformat. In der Regierungszeit von Queen Victoria von 1837 bis 1901 wurde in Großbritannien enorm viel gebaut und mit der architektonischen Vielfalt dieser Zeit beschäftigt sich dieses Buch.

Die viktorianischen Architekten und Künstler erschufen großartige Landhäuser, riesige Fabrikgebäude, Eisenbahnbrücken, am Meer langgestreckte Vergnügungspiers, Krankenhäuser und Gefängnisse, Denkmäler und Friedhöfe.

Um nur einige wenige Beispiel zu nennen:
1874 beauftragte Baron Ferdinand de Rothschild den französischen Architekten Gabriel-Hippolyte Destailleur mit dem Bau des fantastischen Waddesdon Manors in Buckinghamshire.

Der Industrielle William Hesketh Lever ließ 1888 für seine Arbeiter die Siedlung Port Sunlight (Merseyside) erbauen.

In Bradford (West Yorkshire) entstand 1873 das riesige Fabrikgebäude Manningham Mills.

Die Londoner waren fasziniert von dem beeindruckenden, von 1868 bis 1874 in neugotischem Stil erbauten Bahnhofsgebäude St Pancras, das der Architekt George Gilbert Scott entworfen hatte.

Weitere Highlights des viktorianischen Zeitalters waren die Royal Albert Hall, der Palace of Westminster, der Highgate Cemetery, alle in London, und mein Favorit: Das 1879 erbaute Royal Holloway College in Egham (Surrey).

Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle, die sich für die britische Architekturgeschichte interessieren.

Michael Jenner: Victorian Britain. Weidenfeld&Nicolson 1999. 160 Seiten. ISBN 978-1841880495.



Published in: on 19. Juni 2021 at 02:00  Comments (2)  

Mein Buchtipp – Mark Mower: Suffolk Tales of Mystery&Murder

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Mark Mower ist begeisterter Sherlock Holmes-Fan und hat eine ganze Serie von Büchern geschrieben, in denen der Detektiv von der Londoner Baker Street und sein Partner, Dr. John Hamish Watson, im Mittelpunkt stehen. Die „Chronicles of Sherlock Holmes“ beruhen auf Tagebüchern des Arztes, die sein Ur-Ur-Enkel James Innes Watson geerbt hat und nun veröffentlicht. Ich hoffe, Sir Arthur Conan Doyle hätte nichts dagegen gehabt.F

Mark Mower ist Mitglied der Sherlock Holmes Society, der Crime Writers‘ Association und der Londoner Solar Pons Society (Solar Pons ist ein Detektiv, den sich der US-Amerikaner August Derleth ausgedacht hat und der stark an Sherlock Holmes angelehnt ist).

Weiterhin beschäftigt sich Mark Mower gern mit East Anglia (er wohnt selbst in Suffolk) und da speziell mit historischen Kriminalfällen. Vor „Bloody British History: Norwich“ und „Suffolk Murders“ veröffentlichte er im Jahr 2006 das Buch „Suffolk Tales of Mystery&Murder„, das ich heute vorstellen möchte.

Die hier zusammengetragenen mysteriösen Geschichten („Enough to keep even the most rational and reasoned of you wide-eyed and restless“) handeln beispielsweise von den vielen Geistern, die Suffolks Haupstadt Ipswich heimsuchen, von den Sichtungen von Großkatzen, die immer wieder stattfinden, von Edmund the Martyr, der auf schreckliche Weise ums Leben kam (und nach dem die Stadt Bury St Edmunds benannt worden ist) und dem Waveney River Monster, das sich in diesem Fluss in Suffolk immer mal wieder Anglern und Bootsfahrern zeigt.

Das schmale Bändchen ist sehr interessant und regt dazu an, sich mit der einen oder anderen Geschichte näher zu beschäftigen; ein kleines Literaturverzeichnis ist im Anhang zu finden.

Mark Mower: Suffolk Tales of Mystery&Murder. Countryside Books 2006. 94 Seiten. ISBN  978-1853069987.

Published in: on 13. Juni 2021 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – Christopher Winn: I Never Knew That About Coastal England

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In der „I Never Knew That…“-Serie von Christopher Winn möchte ich heute das vierte Buch vorstellen, das den Titel „I Never Knew That About Coastal England“ trägt. Bereits vorgestellt habe ich die Bände über die Themse, über London und über „Royal Britain„.

Christopher Winn ist frei schaffender Journalist, der für die großen britischen Tageszeitungen und für das Fernsehen arbeitet. Er kommt also viel im Land herum, und diese Erfahrungen und Kenntnisse steckt er in seine Bücher. Wie immer ist auch der heute vorgestellte Band aus der Reihe von Christopher Winns Frau Mai Osawa dezent mit Zeichnungen illustriert.

Die Reise entlang der englischen Küste, die sich in etwa an dem England Coast Path orientiert (mit 4500 Kilometern der längste ausgeschilderte Küstenpfad der Welt), beginnt an der schottischen Grenze im Nordwesten des Landes bei dem Dörfchen Drumburgh an der Burgh Marsh und endet im Nordosten bei Berwick-on-Tweed in Northumberland, dort, wo drei Brücken den River Tweed überqueren. Auf der Reise begegnen wir Städten, Dörfern, Kirchen, Burgen, Herrenhäusern, Inseln und landschaftlichen Schönheiten.

Wie alle Bände aus Christopher Winns sehr empfehlenswerter Buchreihe eignet sich auch dieser nicht so sehr dazu, ihn in einem Rutsch durchzulesen, da man von den vielen Informationen regelrecht erschlagen wird. Einen gute Platz hat er beispielsweise auf dem Nachttisch, wo man in ihm vor dem Einschlafen ein wenig blättern kann. Das Buch eignet sich ebenfalls als Begleiter auf einer Reise durch die küstennahen Regionen Englands.

Christopher Winn: I Never Knew That About Coastal England. Ebury Press 2019. 273 Seiten. ISBN 978-1-78503-953-9.

Hier beginnt die Reise…
Photo © Rose and Trev Clough (cc-by-sa/2.0)
…und hier bei den drei Brücken über den River Tweed endet sie.
Photo © Graham Robson (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 1. Juni 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Mark Probert: Another Journey through Britain

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John Hillaby (1917-1996) war ein Reiseschriftsteller, dessen Buch „Journey through Britain“ 1968 erschien und in dem er von seiner Wanderung von Land’s End nach John O’Groats berichtete. Diese 1349 Kilometer lange, auch LEJOG genannte Route (siehe dazu meinen Blogeintrag) ist äußerst populär und wurde schon auf alle möglichen (und unmöglichen) Arten zurückgelegt.
Mark Probert, ein ehemaliger Kartograf im Ruhestand, möchte fünfzig Jahre nach Erscheinen des Hillabyschen Buches, dessen Wanderung noch einmal nachvollziehen und sehen, was sich in dieser Zeit in Großbritannien verändert hat. Allerdings ist Mark Probert nicht zu Fuß unterwegs, sondern mit einem Motorrad, einer Royal Enfield Classic 500. Er hält sich auch nicht sklavisch an die Strecke, die John Hillaby zurückgelegt hat, er macht auch Abstecher zu besonderen Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten. Was er in diesen fünfzehn Tagen alles erlebte, hat er in seinem Buch „Another Journey through Britain: A light-hearted motorcycle road trip through the back lanes of Great Britain, retracing John Hillaby’s classic journey“ fest gehalten.

1861 Meilen, das sind fast genau 3000 Kilometer, ist Mark Probert mit seinem Motorrad gefahren und hat wettermäßig sehr viel Glück gehabt, denn es hat nur an einem Tag geregnet. Auf seiner Reise traf der Autor fast durchweg auf freundliche und hilfsbereite Menschen.

Hat sich in den fünfzig Jahren nach Erscheinen der beiden Bücher etwas grundsätzlich in Großbritannien verändert? Glücklicherweise gibt es noch immer große, unberührte, landschaftlich schöne Regionen. Die traditionellen britischen Industrien sind überwiegend verschwunden wie Bergbau, Stahlindustrie, Textilindustrie und Schiffbau. Einen sehr starken Wandel hat die Energiewirtschaft durchgemacht, die immer mehr auf alternative und regenerative Energien übergegangen ist. Die Rollen, die die Kirchen und die Pubs in Dorfgemeinschaften spielten, sind zurückgegangen; immer mehr Menschen treten aus den Kirchen aus und Pubs schließen ihre Pforten in beängstigendem Ausmaß. Die Problematik der britischen High Streets, über die ich in meinem Blog schon mehrere Male geschrieben habe, ist nach wie vor da; das Einkaufsverhalten der Menschen hat sich geändert, die Leerstände in den High Streets nehmen zu.

Ich kann Mark Proberts Buch sehr empfehlen; es ist zwar schon das x-te Buch über LEJOG, aber der Autor versteht es trotzdem, seine Leserinnen und Leser zu fesseln!

Mark Probert: Another Journey through Britain. MGP Publishing 2020. 240 Seiten. ISBN 978-1-916305601.

Zum Thema siehe auch meine Buchempfehlungen von Mark Mason und George Mahood.

Hier beginnt Mark Proberts Motorradreise…
Photo © Steven Haslington (cc-by-sa/2.0)
…und hier endet sie.
Photo © Robin Drayton (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 8. Mai 2021 at 02:00  Kommentar verfassen