Mein Buchtipp – Mark Probert: Another Journey through Britain

Foto meines Exemplares.

John Hillaby (1917-1996) war ein Reiseschriftsteller, dessen Buch „Journey through Britain“ 1968 erschien und in dem er von seiner Wanderung von Land’s End nach John O’Groats berichtete. Diese 1349 Kilometer lange, auch LEJOG genannte Route (siehe dazu meinen Blogeintrag) ist äußerst populär und wurde schon auf alle möglichen (und unmöglichen) Arten zurückgelegt.
Mark Probert, ein ehemaliger Kartograf im Ruhestand, möchte fünfzig Jahre nach Erscheinen des Hillabyschen Buches, dessen Wanderung noch einmal nachvollziehen und sehen, was sich in dieser Zeit in Großbritannien verändert hat. Allerdings ist Mark Probert nicht zu Fuß unterwegs, sondern mit einem Motorrad, einer Royal Enfield Classic 500. Er hält sich auch nicht sklavisch an die Strecke, die John Hillaby zurückgelegt hat, er macht auch Abstecher zu besonderen Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten. Was er in diesen fünfzehn Tagen alles erlebte, hat er in seinem Buch „Another Journey through Britain: A light-hearted motorcycle road trip through the back lanes of Great Britain, retracing John Hillaby’s classic journey“ fest gehalten.

1861 Meilen, das sind fast genau 3000 Kilometer, ist Mark Probert mit seinem Motorrad gefahren und hat wettermäßig sehr viel Glück gehabt, denn es hat nur an einem Tag geregnet. Auf seiner Reise traf der Autor fast durchweg auf freundliche und hilfsbereite Menschen.

Hat sich in den fünfzig Jahren nach Erscheinen der beiden Bücher etwas grundsätzlich in Großbritannien verändert? Glücklicherweise gibt es noch immer große, unberührte, landschaftlich schöne Regionen. Die traditionellen britischen Industrien sind überwiegend verschwunden wie Bergbau, Stahlindustrie, Textilindustrie und Schiffbau. Einen sehr starken Wandel hat die Energiewirtschaft durchgemacht, die immer mehr auf alternative und regenerative Energien übergegangen ist. Die Rollen, die die Kirchen und die Pubs in Dorfgemeinschaften spielten, sind zurückgegangen; immer mehr Menschen treten aus den Kirchen aus und Pubs schließen ihre Pforten in beängstigendem Ausmaß. Die Problematik der britischen High Streets, über die ich in meinem Blog schon mehrere Male geschrieben habe, ist nach wie vor da; das Einkaufsverhalten der Menschen hat sich geändert, die Leerstände in den High Streets nehmen zu.

Ich kann Mark Proberts Buch sehr empfehlen; es ist zwar schon das x-te Buch über LEJOG, aber der Autor versteht es trotzdem, seine Leserinnen und Leser zu fesseln!

Mark Probert: Another Journey through Britain. MGP Publishing 2020. 240 Seiten. ISBN 978-1-916305601.

Zum Thema siehe auch meine Buchempfehlungen von Mark Mason und George Mahood.

Hier beginnt Mark Proberts Motorradreise…
Photo © Steven Haslington (cc-by-sa/2.0)
…und hier endet sie.
Photo © Robin Drayton (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 8. Mai 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Merlin Waterson: A Noble Thing – The National Trust and Its Benefactors

Foto meines Exemplares.

Ich kann mir vorstellen, dass Merlin Watersons Buch „A Noble Thing – The National Trust and Its Benefactors“ in so mancher Bibliothek eines britischen Country Houses zu finden ist. Es ist eines jener großformatigen Coffee Table Books, die man gern in die Hand nimmt und darin blättert.

Merlin Waterson kennt den National Trust in- und auswendig, denn er hat für ihn über dreißig Jahre gearbeitet, zuletzt als Director of Historic Properties. Waterson war für die Akquisition vieler historischer Häuser für den Trust verantwortlich. Er studierte Kunstgeschichte am King’s College in Cambridge, war Chairman des Architectural Heritage Fund und erhielt im Jahr 2005 den Orden Commander of the British Empire.

In seinem Buch setzt sich Merlin Waterson damit auseinander, wer die Männer und Frauen waren, die ihre historischen Häuser dem National Trust übergeben haben und die Beweggründe dafür. Oft waren die horrenden „death duties„, die Erbschaftssteuern, ausschlaggebend, manchmal gab es keine Erben mehr und manchmal lag es an den extrem hohen Unterhaltskosten, die nun einmal große, alte Häuser mit sich bringen.

Zwei Beispiele:
Waddesdon Manor in Buckinghamshire, für mich eines der schönsten Häuser in England, ging 1957 an den National Trust über. Die damaligen Besitzer, James und Dorothy de Rothschild, hatten keine Kinder, an die sie das Schloss hätten vererben können, James Rothschild starb im selben Jahr, Dorothy zog aus und der Trust öffnete Waddesdon Manor zwei Jahre später für die Öffentlichkeit.

Tyntesfield, ein großartiges Haus im Gothic Revival-Stil bei Wraxall in Somerset, war Familiensitz der Gibbs-Familie. Als George Richard Lawley Gibbs, 2nd Baron Wraxall im Juli 2001 starb, kam Tyntesfield auf den Markt. Damit das Haus nicht in Privatbesitz überging (Interessenten sollen unter anderem Madonna und Lord Andrew Lloyd Webber gewesen sein) und für die Öffentlichkeit zugänglich war, übernahm es der National Trust für sehr viel Geld, man spricht von £37 Millionen, wovon allerdings der National Heritage Memorial Fund einen großen Teil zugeschossen hat.

Im Jahr 1945 hatte der National Trust 7850 Mitglieder, im Jahr 2007 stieg die Zahl auf 3,5 Millionen an, heute sollen es 5,6 Millionen sein.

Ein sehr lesenswertes und interessantes Buch, das zwar im Buchhandel vergriffen, aber leicht online zu beschaffen ist.

Merlin Waterson: A Noble Thing – The National Trust and Its Benefactors. Scala Publishers 2011. 336 Seiten. ISBN 978-1-85759-669-4.

Waddesdon Manor.
Eigenes Foto
Tyntesfield House.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 1. Mai 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Anna McNuff: Fifty Shades of the USA

Foto meines Exemplares.

Die Londonerin Anna McNuff ist eine Abenteuererin, die schon Erstaunliches geleistet hat. Mit ihrem Bürojob unzufrieden, erfüllt sie sich Träume, die sie schon in viele Länder der Welt geführt haben. In Neuseeland lief sie den 3000 Kilometer langen Te Araroa Trail, in Südamerika bereiste sie die mit dem Fahrrad die Anden, lief als römischer Soldat verkleidet, den Hadrian’s Wall entlang und im Dinosaurierkostüm die Jurassic Coast.

In ihrem Buch „Fifty Shades of the USA: One woman’s 11 000 mile cycling adventure through every state of America“ schreibt Anna von ihrer Fahrradtour durch die Vereinigten Staaten, die sie tatsächlich durch jeden der fünfzig Staaten führte, und das zum Teil unter außerordentlich widrigen Umständen.

Die Fahrradtour beginnt in Anchorage im Bundesstaat Alaska und endet am Vulkan Haleakala auf der Hawaii-Insel Maui. Ihr pinkfarbenes Fahrrad, dem sie den Namen Boudica gegeben hat, ist ihr ständiger, zuverlässiger Begleiter.

Anna McNuff versteht es, ihre Leserinnen und Leser in ihren Bann zu ziehen; man fiebert regelrecht mit, wenn sie von ihren Begegnungen mit Grizzlybären schreibt, von ihren stundenlangen Fahrten durch heiße, menschenleere Wüsten und schneebedeckte Pässe. Sie ist begeistert von den großartigen Landschaften mit denen sie konfrontiert wird und von den großartigen Menschen, die sie auf ihrer Reise trifft. Es sind hilfsbereite Menschen, die ihr ein Dach über dem Kopf anbieten und sie regelrecht von Freund zu Freund weiterreichen, so dass sich die junge Engländerin nur selten über ihr Übernachtungsquartier Sorgen machen muss.
Anna geht aber auch Risiken ein, die gefährlich sind und böse hätten enden können, doch sie hat Glück und sie schafft es immer wieder, Hindernisse zu meistern.

Ich kann dieses Buch sehr empfehlen, denn es gibt Einblicke in das US-amerikanische Leben, die man in Reiseführern nicht bekommt.

Annas letztes Abenteuer war ein Lauf über 2352 Meilen durch Großbritannien…barfuß.

Anna McNuff: Fifty Shades of the USA: One woman’s 11 000 mile cycling adventure through every state of America. Self-published 2018. 478 Seiten. ISBN 978-1-999765811.

Published in: on 25. April 2021 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – Paul Archer & Johno Ellison: It’s on the Meter

Foto meines Exemplares.

Die besten Ideen, oder besser gesagt die schrägsten, entwickeln sich immer wieder im Pub. Bei einem Besuch in einem Londoner Pub entstand die Idee von drei jungen Männern, Paul Archer, Johno Ellison und Leigh Purnell, die teuerste und längste Taxifahrt, die es jemals gegeben hat, zu unternehmen. Dazu benötigten die drei ein gebrauchtes Londoner Taxi, das sie bei Ebay auch fanden und für £1350 kauften. Es handelte sich dabei um das Modell Austin LTI FX4, Baujahr 1992, mit rund 300 000 Meilen auf dem Tacho. Mit diesem betagten Vehikel, das in seinem Leben nur die Straßen Londons kennen gelernt hatte und das sie Hannah nannten, wollten Paul, Johno und Leigh die Strecke London-Sydney zurücklegen, quer durch Europa und Asien, durch riskante Regionen wie Iran und Pakistan. Mutig, mutig. Um es gleich vorwegzunehmen: Sie haben es tatsächlich geschafft (in knapp 15 Monaten), und nicht nur bis Australien, sondern auch noch quer durch die USA, also eine komplette Weltumrundung. Sie haben über ihre abenteuerliche Reise ein Buch geschrieben mit dem Titel „It’s on the meter: One taxi, three mates and 43 000 miles of misadventures around the world„; es liegt auch in deutscher Übersetzung vor: „Drei Freunde, ein Taxi, kein Plan…, aber einmal um die Welt„, erschienen bei Dumont.

Hier sind einige interessante Zahlen:
Da das Taxameter ständig mitlief, konnten die entstandenen Taxikosten exakt berechnet werden; sie beliefen sich auf £ 79 006,80. Die zurückgelegte Gesamtstrecke in Kilometern: 69 716.
5 225 Meter musste Hannah einmal im Himalaya erklimmen, so hoch hatte es noch nie zuvor ein Taxi geschafft (Eintrag im Guinness Buch der Rekorde!).
Die höchste im Taxi gemessene Temperatur: 60,4° Celsius im Iran, die niedrigste: -19,4° Celsius in Finnland.
Insgesamt durchquerten die drei Männer zusammen mit Hannah 50 Länder; letztere verbrauchte dabei 8000 Liter Diesel. Wieviel Liter Bier die Insassen verbrauchten, ist nicht festgehalten worden.

Es ist ein Vergnügen, dieses Buch zu lesen, und nicht nur das, man lernt auch gleichzeitig so einiges über die jeweiligen Länder. Hier ist ein Film, um die drei Männer und Hannah kennenzulernen.

Paul Archer & Johno Ellison: It’s on the meter: One taxi, three mates and 43 000 miles of misadventures arounf the world. Summerdale 206. 319 Seiten. ISBN 978-1-84953-825-1.

Vor der Golden Gate Bridge in San Francisco.
Author: Johno Ellison.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license
Published in: on 15. April 2021 at 02:00  Comments (2)  

Mein Buchtipp – Lauren Juliff: How Not to Travel the World

Foto meines Exemplares.

Lauren Juliff ist eine junge Londonerin, die es in die weite Welt hinauszieht, deshalb arbeitet sie so lange, bis sie genug Geld zusammengespart hat, um diesen Schritt zu wagen. Lauren ist eine eher schüchterne, nicht sehr kommunikative junge Frau mit etwas seltsamen Essgewohnheiten (sie hat noch nie ein Ei oder Reis gegessen und auch Kaffee war ihr bislang ein fremdes Getränk). Sie neigt zu Panikattacken und ist sehr ängstlich; alles keine guten Voraussetzungen, um allein als Rucksacktouristin andere Kontinente zu besuchen.

Lauren setzt sich in London in ein Flugzeug nach Kroatien, wo der Start in ein neues, komplett anderes Leben beginnt. Von dort führt sie der Weg über die Ukraine nach China, Thailand, Laos und Kambodscha. In ihrem Buch „How Not to Travel the World: Adventures of a disaster-prone backpacker“ schreibt die Reisebloggerin von einer faszinierenden Welt, vor allem die in Südostasien. Lauren lernt über das Internet Dave kennen, einen Australier, der ebenfalls als Backpacker in dieser Region Asiens unterwegs ist. Sie treffen sich, verlieben sich ineinander und reisen von da an gemeinsam. Wie es in dem Untertitel des Buches gesagt wird: Lauren ist „disaster-prone„, das heißt, sie zieht, Katastrophen und Unfälle magisch an. Einige Beispiele:
In eine Hostel in Kiew wird sie von dem Besitzer sexuell belästigt, in Shanghai gelangt sie in die Fänge zweier Betrügerinnen, in Thailand gerät sie an eine unfähige Zahnärztin, in Pattaya steht sie Todesängste aus wegen eines vermeintlichen Tsunamis, in Laos leidet sie Höllenqualen wegen Sandflöhen, die sich ihren Körper als Angriffsziel ausgesucht haben, auf dem Mekong stirbt an Bord eines kleinen Schiffes eine Frau, deren Leiche unter ihrer Sitzbank gelagert wird. So geht es immer weiter, eine Katastrophe jagt die nächste, trotzdem genießt Lauren ihr neues Leben in vollen Zügen und mag nicht mehr nach London zurückkehren.

In ihrem Blog Neverending Footsteps, in dem Lauren von ihren Reisen berichtet, führt sie eine Rubrik „The Incidents„, in der sie alle ihre Desaster aufgelistet hat.
Mir hat das Buch viel Spaß gemacht, und Lauren tat mir immer wieder leid wie sie von einem Unglück ins nächste stolpert.

Lauren Juliff: How Not to Travel the World: Adventures of a disaster-prone backpacker. Summersdale 2015. 319 Seiten. ISBN 978-1-84953-727-8.

Published in: on 3. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – George Mahood: Operation Ironman

Foto meines Exemplares.

…und noch einmal George Mahood. Ich stellte bereits seine anderen Bücher über den LEJOG (Land’s End to John O’Groats-Trip), seine Reise durch die USA, sein Jahr der „schrägen Feiertage“ und seine Erfahrungen als Hochzeitsfotograf vor…und ich kann sie alle empfehlen!

Heute geht es in seinem Buch „Operation Ironman: One Man’s Four Month Journey from Hospital Bed to Ironman Triathlon“ um eine ursprünglich ernste Angelegenheit. George Mahood hat einen Tumor im Rücken, der operativ entfernt werden muss, keine einfache Operation. Als er in seinem Krankenhausbett liegt und sich in den ersten Tagen kaum bewegen kann, kommt er plötzlich auf die Idee, sobald als möglich an einem Ironman Triathlon teilzunehmen. Seine Frau und seine Familie erklären ihn für verrückt, so schnell nach einer schweren Operation an einer der anstrengendsten Sportveranstaltungen überhaupt teilzunehmen. Ironman bedeutet, an einem Tag hintereinander 3,8 Kilometer zu schwimmen, 180 Kilometer radzufahren und zum Schluss einen Marathon über 42 Kilometer zu laufen. Dabei kann George nur schlecht schwimmen (eine Strecke im Schwimmbad), mit dem Fahrrad fährt er nur hin und wieder kurze Strecken und gelaufen ist er in den letzten 18 Monaten nicht mehr als 10 Kilometer am Stück. Kann das gutgehen?

Da alle Ironman-Veranstaltungen in Großbritannien bereits ausgebucht sind, meldet sich George in Vichy in Zentralfrankreich an, wo in vier Monaten ein Ironman stattfinden wird. Langsam nimmt er das Training auf, wobei er mit dem Schwimmen die größten Probleme hat, er fährt immer längere Stecken mit dem Fahrrad und beginnt das Lauftraining. Kurz vor dem Ironman-Start in Vichy fühlt er sich soweit fit, hat aber auch noch immer etwas Angst vor seiner eigenen Courage. Er muss die Gesamtstrecke innerhalb von sechzehn Stunden zurücklegen, und das bei 40 Grad Hitze. George Mahood schafft den Ironman tatsächlich in knapp vierzehn Stunden.

Wieder ist das Buch mit viel Humor gewürzt, und die Familie Mahood mit George, seiner Frau Rachel und den Kindern Layla. Leo und Kitty sind mir richtig ans Herz gewachsen. Wer einmal das Thema Corona für einige Stunden ausblenden und sich amüsieren möchte, dem kann ich alle Bücher des Autors sehr empfehlen!!

George Mahood: Operation Ironman: One Man’s Four Month Journey from Hospital Bed to Ironman Triathlon. Self-published 2015. 315 Seiten. ISBN  978-1522884217.

 

Published in: on 26. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

Mein Buchtipp – George Mahood: How Not to Get Married

Foto meines Exemplares.

Das ist jetzt schon mein vierter Buchtipp für ein Buch von George Mahood. Er schreibt einfach großartig und humorvoll! 2019 veröffentlichte er seine Erlebnisse als Hochzeitsfotograf „How Not o Get Married: A no-nonsense guide to weddings from a photographer who has seen it ALL„.

Mehr als zehn Jahre lang fotografierte George Mahood über 250 Hochzeiten in Northampton und Umgebung, und da weiß er wovon er spricht. Der Aufwand, der in England für Hochzeiten betrieben wird, scheint mir größer als in Deutschland zu sein. Wer über die nötigen Geldmittel verfügt, feiert gern in einem exklusiven Hotel oder auch in einem der vielen Herrenhäuser, die für Hochzeiten zur Verfügung stehen.

George Mahood geht in seinem Buch anhand der Hochzeit von Jen und Matt alle Stufen von der Planung bis zur Disco am Hochzeitsabend durch, natürlich auf seine witzige Weise. Was ist da nicht alles zu beachten: Die Auswahl des Hochzeitskleides, das Catering, die Auswahl der Brautjungfern und des „best man“, die Reden, die gehalten werden müssen, die abendliche Disco beziehungsweise die Live-Band…und natürlich die Anweisungen für den Fotografen. Manche Brautpaare möchten gern Sepia-Fotos haben, eine Braut wollte, dass sie nur von der linken Seite fotografiert werden sollte. Da ist von den Stag und Hen Parties die Rede, die Junggesellen- und Junggesellinnenabschiede, die oft in anderen Ländern gefeiert werden und bei denen es schon ganz schön zur Sache gehen kann, worüber der „best man“ des Bräutigams in seiner Rede besser nicht ins Detail gehen sollte. Hier ist ein Beispiel für einen sehr originellen Auftritt eines „best man“, der vergessen hat, den Text für seine Rede zur Hochzeit mitzubringen.

George Mahood berichtet darüber wie es zu den traditionellen Abläufen bei Hochzeiten gekommen ist. Warum darf der Bräutigam am Morgen der Hochzeit seine Braut erst in der Kirche sehen? Warum mussten früher Braut und Bräutigam ihren „Vollzug der Ehe“ im Hochzeitsbett vor den Augen der Familie und der Freunde durchführen (was für eine merkwürdige Idee!!)?

Dieser Film zeigt eine traditionelle kirchliche Trauung.

Ich kann auch dieses Buch von George Mahood, der inzwischen kein Hochzeitsfotograf mehr ist, voll und ganz empfehlen!

George Mahood: How Not to Get Married. Self-published 2019. 234 Seiten. ISBN 979-8677469930.

Published in: on 7. März 2021 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – George Mahood: Everyday Is a Holiday

Foto meines Exemplares.

Als ich kürzlich George Mahoods Buch „Not Tonight Josephine“ vorstellte, erwähnte ich, dass ich gerade ein weiteres Buch von ihm angefangen habe, das den Titel „Everyday Is a Holiday“ trägt. Dieses wunderschöne, humorvolle Buch, bei dessen Lektüre man unentwegt schmunzeln muss, soll heute im Mittelpunkt meines Blogeintrags stehen.

An jedem Tag eines Jahres wird irgendwo auf der Welt an irgendetwas erinnert; diese „Gedenktage“ sind oft völlig verrückt und genau das reizt George Mahood, so dass er sich vorgenommen hat, vom 1. Januar bis zum 30. Juni, an jedem einzelnen Tag so einen „unofficial holiday“ zu feiern. Zum größten Teil sind diese Tage in den USA entstanden.

Das Jahr beginnt am 1. Januar mit dem Zombie Day und dem New Year’s Dishonour List Day. Im ersten Fall wird an die Untoten gedacht, im zweiten Fall handelt es sich um eine jährlich veröffentlichte Liste, auf der Wörter und Sätze stehen, die auf Grund ihrer häufigen Nutzung ausgemerzt werden sollten.

Der 7. Februar ist der Wave All Your Fingers At Your Neighbour Day, was man schnell und problemlos ausführen kann.

Ein Highlight stellt für George Mahood der 14. März dar, denn da „feiert“ man den Steak and Blowjob Day; da können sich die Damen erkenntlich zeigen für die einen Monat zuvor am Valentinstag von den Herren erhaltenen Geschenke.

Weniger interessant ist der 15. April, der Income Tax Pay Day; etwas schwieriger auszuführen ist der Hug an Australian Day (26. April), was George aber gelingt, indem er die australische Schwimmlehrerin seines kleinen Sohnes in den Arm nimmt.

Der 14. Mai steht ganz im Zeichen des Hühnchens, denn das ist der Dance Like a Chicken Day. Am 22. Mai ist der Buy a Musical Instrument Day, was George auch prompt tut und seinen drei kleinen Kindern jeweils eine Mundharmonika kauft. Das erweist sich als ein schwerer Fehler, den er sofort bereut, als die Kleinen voller Begeisterung ihr neues Spielzeug ausgiebig ausprobieren.

Es macht einfach Spaß, dieses Buch zu lesen und man ist etwas traurig, als am 30. Juni alles vorbei ist…aber George Mahood macht weiter und deckt auch noch das zweite Halbjahr in dem Fortsetzungsband „Life’s a Beach“ ab.

George Mahood: Everyday Is a Holiday. Self-published 2014. 325 Seiten. ISBN 978-11-496157294.

Foto meines Exemplares.

Published in: on 1. März 2021 at 02:00  Comments (3)  

Mein Buchtipp – George Mahood: Not Tonight Josephine – A Road Trip Through Small-Town America

Foto meines Exemplares.

George Mahood ist zur Zeit mein absoluter Lieblingsautor. Schon sein Buch „Free Country: A Penniless Adventure the Length of Britain„, in dem er von seiner Fahrradtour von Land’s End nach John O’Groats berichtete, die er nur mit Unterhose bekleidet, ohne einen Penny und ohne Fahrrad, an der äußersten Westspitze Cornwalls zusammen mit seinem Freund Ben begann, war wunderbar zu lesen. George Mahood  hat einen Humor, der seinesgleichen sucht.
Das gilt auch für sein Buch „Not Tonight Josephine – A Road Trip Through Small-Town America„; darin erzählt er von seiner Reise quer durch die USA und wieder zurück. In diesem Fall legt er die Tausenden von Kilometern nicht mit dem Fahrrad zurück, sondern mit einem klapprigen, im Bundesstaat New York für $850 gekauften Minivan Dodge Caravan, der den Namen Josephine trägt. Natürlich bleibt das Auto bald mit einem ziemlich großen Schaden liegen, der Georges knapp bemessene Kasse stark belastet. Er ist mit seinem Freund Mark unterwegs, und die beiden übernachten meistens in ihrer Josephine, um Geld zu sparen. Ihr Ziel ist Petaluma, nördlich von San Francisco, wo George die Ranch seines Onkels eine Zeit lang hüten soll. Der Weg der beiden führt über die Südroute  der USA, unter anderem über Tennessee, Louisiana, Texas bis nach Kalifornien.

Als Mark von San Francisco wieder nach Hause fliegen muss, kommt Georges Freundin Rachel aus England nach Kalifornien, und beide fahren über die Nordroute nach New York zurück, wo sie Josephine wieder für eine Handvoll Dollars verkaufen.

Das Buch ist nicht nur humorvoll geschrieben, man erfährt auch sehr viel über die unendliche Weite der USA, über die Welt von „small-town America“, aus der Sicht eines Engländers.

Auf Seite 360 zieht George Mahood ein Resumé seiner monatelangen Reise quer durch die USA, und da skizziert er in wenigen Sätzen auf großartige Weise das Wesen der US-Amerikaner. Ein wunderbares Buch, das jeden, der schon einmal in den USA war, begeistern, und die, die noch nie dort waren, zum Nachdenken bringen wird, das Land einmal zu erkunden. Absolut empfehlenswert!!!
Zur musikalischen Untermalung passt perfekt dieser Song von Granger Smith: „Tailgate town„; das Musikvideo wurde westlich von Dallas in Texas gedreht.

Ich lese gerade ein weiteres Buch des Autors, „Everyday is a Holiday„, bei dem ich unentwegt schmunzeln muss, und das ich demnächst in meinem Blog vorstellen werde.

George Mahood: Not Tonight Josephine – A Road Trip Through Small-Town America. CreateSpace Independent Publishing Platform 2016. 368 Seiten.  978-1539342991 (wenn man das Buch bei amazon.de bestellt, wird es extra in Polen gedruckt).

In so einem Dodge Caravan, Baujahr 1989, fuhren George und Ben bzw. Rachel quer durch die USA und zuück.
This work is released into the public domain.

 

 

Published in: on 16. Februar 2021 at 02:00  Comments (4)  

Mein Buchtipp – Ed Glinert: The London Compendium

Foto meines Exemplares.

Es gibt einige sehr interessante Nachschlagewerke über London, von denen ich im Laufe der Jahre mehrere vorgestellt habe. Ich denke da an das großartige „Curiocity“ von Henry Eliot & Matt Lloyd-Rose, das Mammutwerk „The London Enyclopedia„, Christopher Winns „I Never Knew That About London“ oder Ed Glinerts „Literary London„, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Ed Glinert hat dazu noch einen Parallelband veröffentlicht, mit dem Titel „Literary London: A street-by-street exploration of the hidden metropolis„, ursprünglich 2003 erschienen; ich habe die New Expanded Edition aus dem Jahr 2012. Das Buch ist mittlerweile schon neun Jahre alt, man muss bei der Aktualität also einige Abstriche machen, trotzdem ist es zum aller größten Teil nicht veraltet.

Der Autor ist gebürtiger Londoner, arbeitet als Journalist für große Tageszeitungen und kennt sich auch in Liverpool und Manchester sehr gut aus; über Manchester hat Glinert ebenfalls ein „Compendium“ geschrieben.

In dem heute vorgestellten Buch nimmt sich der Autor die einzelnen Londoner Stadtteile und ihre Straßen vor, die er näher beschreibt hinsichtlich Architektur, Literatur, Kriminalität, Skandale, Politik usw. usw. Wer wohnte in welchem Haus? Historische Persönlichkeiten oder Rockstars, Komponisten oder Maler, Schriftsteller oder Verbrecher – zwischen den 523 Seiten des Buches treffen wir sie alle an. Die Paläste und Hotels, die Pubs und Kaufhäuser, die Elendsviertel und die Straßen, in denen die Superreichen wohnen, alles schildert Ed Glinert detailliert auf seinen Spaziergängen durch die britische Metropole.
Jeder, der sich für London interessiert, wird an diesem Buch Gefallen finden!

Ed Glinert: The London Compendium: A street-by-street exploration of the hidden metropolis, Penguin 2012. 523 Seiten. ISBN 978-0-718-19204-4.

 

Published in: on 10. Februar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Iain Spragg: London Underground’s Strangest Tales

Foto meines Exemplares.

Der Londoner Journalist Iain Spragg ist vor allem durch seine Sportbücher bekannt geworden wie Biografien über die Fußballspieler Cristiano Ronaldo, Kylian Mbappé und Gareth Bale. Für die „Strangest Tales„-Serie des Verlages Portico Books hat er ebenfalls einige Bände verfasst wie „Cycling’s Strangest Tales“ oder „Running’s Strangest Tales“ und das Buch, das ich heute vorstellen möchte: „London Underground’s Strangest Tales: Extraordinary But True Stories„.

Iain Spragg kennt sich also nicht nur bei Sportthemen gut aus, sondern auch in der Londoner U-Bahn. In seinem Buch hat er einige Dutzend Geschichten versammelt, die kurios, skurril oder einfach nur interessant sind. Wer hätte schon gewusst, dass mehr als die Hälfte der 249 Meilen U-Bahnstrecke gar nicht unterirdisch verläuft oder dass die Rolltreppe in der Station Angel mit 60 Metern die drittlängste in ganz Europa ist? Während des Zweiten Weltkriegs diente ein Tunnelabschnitt zur Produktion von Ausrüstungsgegenständen für die Armee; 2000 Menschen arbeiteten dort. Iain Spragg schreibt von der Arbeit der „fluffer“, die nachts das Schienenbett von dem Unrat säubern müssen, der sich dort tagsüber angesammelt hat (weist aber gleichzeitig darauf hin, dass sich diese Arbeit sehr von der der „fluffer“ in der Pornoindustrie unterscheidet).

Der Autor nennt die Horrorfilme, die in der „tube“ gedreht worden sind (siehe dazu meinen Blogeintrag), schreibt von den Tauben, die mit der U-Bahn durch London reisen (vielleicht weil sie zu faul geworden sind zu fliegen). Wir hören von dem einbeinigen Bumper Harris, der bei der Ersteinführung der Rolltreppen eingestellt worden sein soll, den ganzen Tag abwärts und aufwärts zu fahren, um den Leuten zu zeigen wie ungefährlich das ist (warum man dafür einen Einbeinigen ausgewählt hat, ist rätselhaft; die U-Bahnpassagiere hätten sich ja fragen können, wodurch der Mann sein Bein verloren hat…). In der letzten Geschichte des Buches kommt Iain Spragg noch einmal auf das Thema Rolltreppe zurück und berichtet von dem japanischen Geschäftsmann, der, wahrscheinlich nach einem Drink  zuviel, eine Rolltreppe unbedingt in der verkehrten Richtung bewältigen wollte wie dieser Film zeigt:

Iain Spragg: London Underground’s Strangest Tales. Portico 2013. 173 Seiten. ISBN 978-1-907554-97-1.

Published in: on 6. Februar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

Mein Buchtipp – Sabine Schreiner & Joan Street: Inspector Barnaby – Die Drehorte der beliebten ZDF-Serie

Foto meines Exemplares

Bereits im Jahr 2009 erschien ein Buch, das allen Inspector Barnaby-Fans als Leitfaden für ihre Reisen in das fiktive Midsomer County diente: „Midsomer Murders on Location„, geschrieben von den beiden Spezialistinnen zu dem Thema, Sabine Schreiner und Joan Street, herausgegeben von Antony Richards, der selbst Bustouren durch Buckinghamshire und Oxfordshire veranstaltet. Die deutsche Ausgabe dieses Buches wurde im Kellner-Verlag in Bremen veröffentlicht unter dem Titel „Inspector Barnaby: Die Drehorte der beliebten ZDF-Serie„. Diese Ausgabe liegt jetzt bereits in der fünften Auflage vor, ein Zeichen, dass das Interesse an Tom Barnaby, John Barnaby, ihren Assistenten und vor allem an den Drehorten der TV-Serie in Deutschland nach wie vor groß ist. Die Pilotepisode „The Killings at Badger’s Drift“ (dt. „Tod in Badger’s Drift“) wurde von ITV am 23. März 1997 ausgestrahlt. In Deutschland wurde man erst mehr als acht Jahre später auf die britische Erfolgsserie aufmerksam, und das ZDF zeigte die Pilotepisode am 26. Juni 2005.

Wenn ich die englische Originalausgabe mit der deutschen Übersetzung vergleiche, stelle ich als erstes fest, dass das Bildmaterial in der deutschen Ausgabe erheblich besser und umfangreicher ist. Statt 90 Seiten im Original haben wir 140 Seiten in der Übersetzung. Die beschriebenen Drehorte sind dieselben und sind im Laufe der Jahre nicht erweitert worden. Der Verlagschef Klaus Kellner hat eigene Fotos beigesteuert.

Jeder der im Buch genannten Drehorte in den Grafschaften Berkshire, Buckinghamshire, Hertfordshire und Oxfordshire wird im einzelnen beschrieben und die Episoden genannt, die hier spielen. Im Anhang finden wir ein Episodenverzeichnis, das bis Staffel 20 reicht, die Staffel 21 wird zur Zeit im ZDF gezeigt, die Arbeiten zu Staffel 22 laufen noch.

Ich habe den Eindruck gewonnen, dass man bei ITV etwas lustlos an die Fortsetzung von „Midsomer Murders“ herangeht, es dauert manchmal ziemlich lange, bis die neuen Episoden im eigenen Land gezeigt werden, während sie in anderen Ländern schon längst ausgestrahlt worden sind. Die letzten Detective Sergeants Charlie Nelson und Jamie Winter haben nicht mehr die Ausstrahlung ihrer Vorgänger, die Gerichtsmediziner*innen wechseln ständig; wir erinnern uns noch an den legendären Dr. George Bullard, der bis Episode 81 „Fit for Murder“ („Gesund aber tot“) ein wichtiger Partner und Freund Tom Barnabys war und nur noch kurz an der Seite von Toms Nachfolger John Barnaby arbeitete, bis „The Oblong Murders“ (dt. „Ein Funke genügt“) .

Beim Kauf des Buches sollte man sich auf jeden Fall für die deutsche Übersetzung und nicht für das Original entscheiden!

Verlagsleiter Klaus Kellner führt selbst auch Busreisen ins Barnaby-Land durch, worüber ich morgen in meinem Blog schreiben werde.

Sabine Schreiner & Joan Street: Inspector Barnaby – Die Drehorte der beliebten ZDF-Serie. Kellner-Verlag 2018. 140 Seiten. ISBN  978-3956512087.

 

Published in: on 26. Januar 2021 at 02:00  Comments (2)  

Mein Buchtipp – Pen Vogler: Scoff – A History of Food and Class in Britain

Foto meines Exemplares.

Das Wort „scoff“ hat im Englischen mehrere Bedeutungen. Zum einen kann es „Spott und Hohn“ bedeuten, zum anderen soviel wie „Essen und Nahrung“. Um Essen geht es in dem Buch „Scoff – A History of Food and Class in Britain„, im Kontext mit der britischen Klassengesellschaft. Um es einmal flapsig auszudrücken: Welche Rolle spielt die Möhre in der oberen Mittelklasse Großbritanniens?

Pen Vogler ist Food Historian, sie beschäftigt sich mit der Geschichte des Essens, mit alten Rezepten und hat bereits mehrere Bücher darüber geschrieben wie“Dinner with Darcy“ (2013), in dem sie sich mit Rezepten aus der Zeit Jane Austens beschäftigt, und „Christmas with Dickens“ (2018), in dem es um weihnachtliche Rezepte der Charles Dickens-Ära geht.

Voglers Buch ist an der Grenze zwischen einem populärwissenschaftlichen und einem wissenschaftlichen Werk anzusiedeln. Die Bibliografie umfasst 23 Seiten, der Anmerkungsapparat 22 Seiten. „Scoff“ war im vorigen Jahr das History Book of the Year der Sunday Times. Die Autorin taucht mit ihren Recherchen tief in die vergangenen Jahrhunderte ein und zitiert Quellen aus historischen Fachbüchern der Zeit.

Um den Inhalt des Buches etwas näher zu veranschaulichen, sind Beispiele am besten geeignet:

In dem Kapitel „Rooms, Plates and Cutlery“ geht es unter anderem um die Themen Fischbestecke, Servietten und Tischtücher und die Sitzordnung bei geladenen Gästen. Ein eigenes Kapitel ist dem Thema „Erbsen“ gewidmet, ein Gemüse, das man am häufigsten mit der britischen Küche in Verbindung bringt. Wie man diese kleinen, grünen, runden Dinger mit der Gabel isst, lässt Rückschlüsse auf die Gesellschaftsklassen zu. In „Foreign introductions“ beschäftigt sich Pen Vogler mit den äußeren Einflüssen auf die britische Küche aus Frankreich, Italien und dem asiatischen Raum. „Disappearances and reappearances“ hat Nahrungsmittel zum Inhalt, die mal mehr, mal weniger populär waren wie Austern, Kutteln und Saloop (ein heißes Getränk aus pulverisierter Salepwurzel mit Milch u. Zucker).

Wer sich für Essen, Nahrungsmittel und Tischmanieren in Großbritannien interessiert, wird mit diesem Buch voll auf seine/ihre Kosten kommen!

Hier ist ein Film mit Pen Vogler zu sehen, in dem sie einiges über ihr aktuelles Buch erzählt.

Pen Vogler: Scoff – A History of Food and Class in Britain. Atlantic Books 2020. 470 Seiten. ISBN 978-1-78649-647-8.

 

 

Published in: on 23. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp: Strumpshaw, Tincleton & Giggleswick’s Marvellous Maps

Foto meiner Map.

Eigentlich ist mein heutiger Buchtipp ein „Kartentipp“. „Marvellous Maps“ heißen sie, die großartigen Karten von Strumpshaw, Tincleton & Giggleswick. Was für merkwürdige Namen! Es handelt sich hierbei nicht um Personen (was in England durchaus möglich wäre), sondern um Ortsnamen, die die Herausgeber der Karten gewählt haben (warum auch immer). Strumpshaw ist ein Dorf in der Nähe  von Norwich in Norfolk, Tincleton liegt in Dorset und Giggleswick bei Settle in North Yorkshire.

Die Kartenserie im Format 100cm x 89 cm beschäftigt sich jeweils mit einem Thema. Nehmen wir als Beispiel die „Great British Film & TV Map„, „a location scout’s dream“ wie es heißt. Darauf sind rund 2000 Schauplätze und Drehorte eingezeichnet, die in irgendeiner Weise mit Spielfilmen und TV-Serien zusammenhängen. Aber nicht nur das, auch besondere Kinos, Filmfestivals und „shrines to dear departed stars“ finden wir darauf.
Beispiel: Portland Bill an der Südspitze von Dorset, Drehort des Films „£1000 Reward“ aus dem Jahr 1973, in dem es um ausgebrochene Häftlinge geht. Dieser Film kam auf die schwarze Liste, weil er richtige Gefangene möglicherweise auf dumme Ideen bringen könnte.
Die Village Hall von Kettlewell in North Yorkshire: Hier wurde der Film „Calendar Girls“ gedreht. Winchester in Hampshire: Hier ist das Wessex Film and Sound Archive beheimatet und hier findet das Winchester Film Festival statt. Außerdem wird auf das Everyman Cinema in der Southgate Street hingewiesen.

Nehmen wir uns noch eine andere Karte vor, die „Fastidiously Orchestrated Great British Music Map„. Gleicher Aufbau wie die „Film & TV Map“. Rund 2000 Orte in Großbritannien, die in irgendeiner Form mit Musik zu tun haben: Drehorte von Musikvideos, Musikfestivals, Orte, die in Songtexten erwähnt werden usw. usw.

Auch hier Beispiele: Northampton in Northamptonshire, Schauplatz des „Singing Sticks Didgeridoo and World Music Weekends„. Chippenham in Wiltshire: Hier erinnert das Eddie Cochran Memorial an den Unfalltod des amerikanischen Sängers am 16. April 1960 (ich berichtete darüber in meinem Blog). Framlingham in Suffolk: Geburtsort von Ed Sheeran und Drehort (unter mehreren anderen in Suffolk) für sein Musikvideo „Castle on the Hill„).

Die Marvellous Maps sind Fundgruben, in denen man sich für lange Zeit verlieren kann. Weitere Karen behandeln unter anderem die Themen „Literary Locations“, „Food and Drink Hotspots“ und „Funny Place Names“.

SEHR EMPEHLENSWERT!!

Foto meiner Map.

Published in: on 4. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Susan McGowan: The A-Z of Curious Kent

Foto meines Exemplares.

Der Verlag The History Press ist außerordentlich produktiv und hat ein Programm, das jedem, der an England interessiert ist, etwas bietet. Nach dreißig Jahren in Stroud in Gloucestershire zog der Verlag 2019 nach Cheltenham, ebenfalls in Gloucestershire gelegen.

Aus dem Programm für das Jahr 2020 habe ich mir unter anderem auch das Buch „The A-Z of Curious Kent: Strange Stories of Mysteries, Crimes and Eccentrics“ von Susan McGowan zugelegt. Die Grafschaft Kent hat einiges an Mysteriösem und Kuriosem zu bieten wie bereits die beiden Bücher „Kent’s Strangest Tales“ von Martin Latham und „Kent Urban Legends“ von Neil Arnold gezeigt haben.

Susan McGowan listet die ungewöhnlichen Dinge und Ereignisse in ihrem Buch, das von Colin McGowan sehr hübsch illustriert ist, in alphabetischer Reihenfolge auf und beginnt ihre Kuriositätensammlung mit einem kurzen Artikel über „Alluvia„, dem Kunstwerk von Jason deCaire, das im River Stour in Canterbury liegt (siehe dazu meinen Blogeintrag) und beendet das Buch mit „The Zombie Apocalypse: Hollywood Comes to East Kent„; darin schreibt sie, dass der Zombie-Film „World War Z“ (dt. „World War Z“) mit Brad Pitt in der Hauptrolle in Teilen in den ehemaligen Laboratorien der amerikanischen Pharmaziefirma Pfizer in Sandwich gedreht wurden (die hier unter anderem das Potenzmittel Viagra produzierten).

„The A-Z of Curious Kent“ takes you off the beaten track, to a world of daddlums and hufflers, gavelkind and grotters“ heißt es in dem Buch, das ich sehr als Ergänzung zu einem Standardreiseführer empfehlen kann (daddlum=ein Pubspiel, huffler=der Beruf eines Transporteurs an der Küste Kents, gavelkind=Lehnsbesitz, der beim Tode des Inhabers den ehelichen Abkömmlingen zu gleichen Teilen zufällt, so das Langenscheidts Wörterbuch, grotter=kleine Grotten, die aus Austernschalen gebaut werden).

Susan McGowan: The A-Z of Curious Kent – Strange Stories of Mysteries, Crimes and Eccentrics. The History Press 2020. 158 Seiten. ISBN 978-0-7509-9126-1.

Published in: on 18. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

Mein Buchtipp – James Ball: Should I Stay or Should I Go

Foto meines Exemplares.

Was für ein herrlich amüsantes Buch von Ball, J! Es ist gewöhnungsbedürftig, dass der Autor von „Should I Stay or Should I Go and 87 Other Serious Answers to Questions in Songs“ von den Rocksängerinnen- und -sängern in seinem Buch nicht von Mick Jagger oder Freddie Mercury spricht, sondern von Jagger, M und Mercury F, aber nach und nach findet man sich damit ab.

Worum geht es in dem Buch? Der Autor nimmt 88 Rocksongs überwiegend britischer und US-amerikanischer Provenienz unter die Lupe und beschäftigt sich mit Fragen, die in diesen Songs aufgeworfen werden.

Nehmen wir ein Beispiel:
Die Girlgroup Labelle nahm 1974 den Song „Voulez-vous coucher avec moi ce soir?“ auf. Dieser bedeutsamen Frage geht Ball, J nach und bezieht sich auf eine wissenschaftliche Untersuchung zweier amerikanischer Psychologen, die Studentinnen und Studenten auf einem Collegecampus losgeschickt haben, und die jeweils unbekannte junge Männer bzw. junge Frauen des anderen Geschlechts die Fragen gestellt haben: „Würdest Du heute Abend mit mir ausgehen?„, „Würdest Du mit mir in mein Apartment kommen?“ und „Würdest Du mit mir schlafen?„. Die Antworten wurden von den Psychologen ausgewertet und es ergab sich: 50% sagten bei Frage 1 „Ja“; bei Frage 2 lehnten fast alle Frauen ab, 69% der gefragten Männer sagten zu und bei Frage 3? Alle Frauen sagten „Nein“, aber 75% der Männer sagten „Ja, gerne“. In einer anderen Umfrage aus dem Jahr 2005 wurde nach der Häufigkeit von Sex gefragt, und da ergab sich, dass Griechinnen und Griechen die höchste Sexrate mit 138mal pro Jahr hatten. Fazit: Wer die größte Erfolgsquote bei der anfangs gestellten Frage haben möchte, sollte sie an eine Griechin oder einen Griechen stellen.

Ein zweites Beispiel:
Im Jahr 2000 fragten die Baha Men in ihrem Song “ Who Let the Dogs Out? „, wer denn verdammt noch mal die Hunde freigelassen hat. Die mögliche Antwort:  Es waren Tierschutzaktivisten, die die Hunde, die für Tierversuche vorgesehen waren, aus ihren Käfigen ließen, um sie vor Quälereien zu schützen.

Mein Favorit: „What Does the Fox Say?“ von Ylvis aus dem Jahr 2013. Da geht der Buchautor mit den norwegischen Interpreten hart ins Gericht und lehnt alle Vorschläge im Song wie „ring-ding-ding“ oder fraka-kaka“ kategorisch ab und verweist auf die spitzen Schreie der Füchsinnen in der Paarungszeit im Januar.

Weitere Fragen, denen Ball, J nachgeht, lauten „Are Friends Electric?“ (Gary Numan), „Are We Out of the Woods Yet?“ (Taylor Swift) und „Where Have All the Flowers Gone?“ (Peter, Paul and Mary).

Ich habe sehr viel Vergnügen an dem Buch gehabt und kann es nur weiter empfehlen!

James Ball: Should I Stay or Should I Go and 87 Other Serious Answers to Questions in Songs. Boxtree 2018. 183 Seiten. ISBN 978-0-7522-6652-7.

 

Published in: on 15. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Nick Hayes: The Book of Trespass – Crossing the Lines That Divide Us

Foto meines Exemplares.

Guy Shrubsole hat sich in seinem Buch „Who Owns England? – How We Lost Our Green & Pleasant Land & How to Take It Back“ (siehe dazu meinen Blogeintrag) die Frage gestellt, wem Englands Grund und Boden eigentlich gehört und ist dabei zu ernüchternden Ergebnissen gekommen. Nick Hayes geht noch einen Schritt weiter und begibt sich dahin, wo Schilder ausdrücklich darauf hinweisen, dass das Betreten der Ländereien verboten ist. In seinem Buch „The Book of Trespass: Crossing the Lines That Divide Us“ macht er darauf aufmerksam, dass man 92% des Landes nicht so einfach betreten darf, und, was vielleicht noch weniger bekannt ist, dass 97% aller Flussläufe ebenfalls nicht ohne Genehmigung befahren werden dürfen. Das Wasser in den Flüssen gehört der Krone, die Ufer bis zur Flussmitte gehören den jeweiligen Landbesitzern, das heißt von den 42 700 Meilen Flussläufen sind lediglich 1400 Meilen bzw. 3% frei zugänglich.

Nick Hayes setzt sich, entweder allein oder mit Freunden, über die „No Trespassing„-Schilder der großen Landsitze hinweg und verbringt  eine Nacht auf verbotenem Gelände, zum Beispiel im Highclere Castle, im Arundel Castle und im Belvoir Castle. Erwischt wird er dabei nicht.

Selbst die großen Moorflächen im Norden Englands sind oft in privater Hand und werden gern von den Besitzern und dessen Freunden zum Moorhuhnschießen benutzt, einige wenige Male im Jahr, sonst liegt das Gelände brach und niemand darf es betreten.

The vast majority of our country is entirely unknown to us because we are banned from setting foot on it“ heißt es im Buch und „„The Book of Trespass“ will transform the way you see the land„.

Ein hoch interessantes Buch, ideale Ergänzung zu Guy Shrubsoles oben erwähnter Untersuchung und zu Rowland AtkinsonsAlpha City – How London Was Captured By The Super-Rich„, das sich mit einem ähnlichen Thema beschäftigt, nur auf London bezogen (siehe hierzu meinen Blogeintrag).

Nick Hayes: The Book of Trespass – Crossing the Lines That Divide Us. Bloomsbury Circus 2020. 443 S. ISBN 978-1-5266-0469-9.

Ist das nicht ziemlich überzogen? Gesehen in Tennessee in den USA.
Author: Brian Stansberry
This file is licensed under the Creative Commons Attribution 3.0 Unported license.

 

Published in: on 7. Dezember 2020 at 02:00  Comments (2)  

Mein Buchtipp – Paul Sullivan: The Secret History of Oxford

 

Foto meines Exemplares.

Frogley, Cockhead & Crutch: A Celebration of Humorous Names From Oxfordshire’s History“ heißt das Buch Paul Sullivans, das ich im August letzten Jahres in meiner „Buchtipp“-Serie vorstellte. Sullivan ist Spezialist für alles, was mit der Stadt Oxford und der Grafschaft Oxfordshire zusammenhängt. Schon 2013 (2019 reprinted) erschien sein „The Secret History of Oxford“ im Verlag The History Press, eine „off the beaten track tour of the city’s landmarks and streets„.

Gemeinsam mit Paul Sullivan blicken wir hinter die Kulissen der Universitätsstadt und werden mit Interessantem, Kuriosem und Amüsantem konfrontiert. In jeweils einzelnen Kapiteln behandelt der Autor unter anderem die Colleges, die Gebäude, die Denkmäler und die Museen. Wir begegnen Persönlichkeiten wie John Radcliffe (1650-1714; nach ihm sind die Radcliffe Camera und das Radcliffe Hospital benannt worden), Walter Savage Landor (1775-1864), einem Studenten, der vom Trinity College verwiesen wurde, weil er auf einen der Fellows geschossen hatte und William Buckland (1784-1856), der behauptete, so gut wie jedes Lebewesen einmal gegessen zu haben, wobei der Maulwurf und die Schmeißfliege in seinen Top 100 ganz unten gestanden haben (siehe dazu meinen Blogeintrag vom 8. Februar 2015).

Das Buch eignet sich nicht so gut dafür, es in einem Rutsch zu lesen, da man von den unzähligen Fakten und Geschichten beinahe erschlagen wird; es ist mehr dazu da, in ihm genüsslich blättern und zu schmökern.

Paul Sullivan: The Secret History of Oxford. The History Press 2019. 256 Seiten. ISBN 978-0-7524-9956-7.

Oxford aus der Luft gesehen, mit der Radcliffe Camera in der Mitte des Bildes.
Photo © Bill Nicholls (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

Mein Buchtipp – Gail Simmons: The Country of Larks

Foto meines Exemplares.

In seinem Buch „Signal Failure – London to Birmingham, HS2 on foot„ berichtet der Autor Tom Jeffreys von seiner Wanderung von London nach Birmingham, entlang der geplanten Trasse des Hochgeschwindigkeitszuges HS2. Gail Simmons, die an den Universitäten von Cambridge und Bath Spa „travel writing“ lehrt, hat eine ähnliche Wanderung unternommen, die sie von High Wycombe in Buckinghamshire nach Tring in Hertfordshire führt. Sie hat darüber in ihrem Buch „The Country of Larks: In the Footsteps of Robert Louis Stevenson and the Footprint of HS2“ geschrieben. Die Autorin möchte herausfinden wie sich die wunderschöne Landschaft der Chiltern Hills verändert hat seit Robert Louis Stevenson („Die Schatzinsel“, „Der seltsame Fall des Dr Jekyll und Mr Hyde“) im Herbst 1874 dieselbe Strecke gelaufen ist und darüber in seinem Reisebericht „In the Beechwoods“ geschrieben hat. Außerdem möchte Gail Simmons in Erfahrung bringen welche Auswirkungen HS2 auf die Chilterns und die Menschen die dort leben, haben wird. Es ist sicher keine Überraschung, dass der größte Teil der Bewohner dort, sich deutlich gegen HS2 aussprechen, da die Bahnstrecke nur Negatives für sie bringt und überhaupt keine Vorteile. Viele sprechen von dem Projekt von einem Weißen Elefanten, der mehr Ärger macht als dass er Nutzen bringt.
Die Chilterns haben sich seit Stevensons Reise verändert, aber es gibt auch Landstriche, die fast gleich geblieben sind und die jetzt durch die Bahnlinie, auf der Züge eines Tages mit mehr als 300 Kilometern pro Stunde entlang donnern, stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Gail Simmons spricht vom „The Chiltern Chainsaw Massacre„.

Gail Simmons‘ Buch über ihre dreitägige Wanderung ist sehr anschaulich und atmosphärisch dicht geschrieben. Sie hat ihre Kindheit in den Chilterns verbracht (in Ashley Green an der Grenze von Buckinghamshire zu Hertfordshire) und ist natürlich nach wie vor sehr an der Zukunft dieser Region interessiert. Ein sehr empfehlenswertes Buch!

Gail Simmons: The Country of Larks – In the Footsteps of Robert Louis Stevenson and the Footprint of HS2. Bradt Travel Guides 2019. 181 Seiten. ISBN 978-1-78477-080-8.

Protest gegen HS2, weil dieser Pub in Hyde Heath (Buckinghamshire) wegen geplanter Bauarbeiten (die dann doch nicht an dieser Stelle stattfanden) geschlossen werden musste.
Author: R-P-M
Creative Commons 2.0

 

Bürgerproteste in Great Missenden (Buckinghamshire) gegen HS2.
Author: djim
Creative Commons 2.0 

Mantles Wood in den Chilterns. Noch herrscht hier Ruhe, aber nicht mehr lange, denn hier soll der Eingang zu dem geplanten Tunnelbau liegen.
Author: djim
Creative Commons 2.0

Published in: on 28. Oktober 2020 at 02:00  Comments (1)  
Tags: ,

Mein Buchtipp und mein persönliches Buch des Jahres – Gareth Rees: Unofficial Britain – Journeys Through Unexpected Places

Foto meines Exemplares.

Das Jahr 2020 hat zwar noch mehr als zwei Monate, aber mein persönliches Buch des Jahres steht schon fest. Es ist Gareth Rees‚ „Unofficial Britain – Journeys Through Unexpected Places„. Das Buch „Car Park Life: A Portrait of Britain’s Unexplored Urban Wilderness“ des Autors stellte ich in meinem Blog am 24. November 2019 vor.

Am 17. September diesen Jahres erschien Gareth Rees‘ aktuelles Werk, das uns zu Schauplätzen führt, die zum täglichen Leben gehören wie Parkhäuser, Autobahnen, Strommasten, über die sich die meisten Menschen keine großen Gedanken machen. Doch Gareth Rees geht ganz dicht ran an diese Orte und blickt auch dorthin, wo man im Allgemeinen nicht hinguckt wie unter Autobahnüberführungen, leer stehende Fabrikgebäude, in die sterilen Gänge von Krankenhäusern usw. „Unofficial Britain“ ist ein faszinierendes, fesselnd geschriebenes Buch, “ a personal journey along the edges of an urban landscape brimming with mystery, folklore and myth„.

Um nur einige wenige Beispiele zu nennen:
Gareth Rees schreibt von englischen Parkhäusern, die durch ihre meist offene Bauweise zu einem Anziehungspunkt für Menschen geworden sind, die sich das Leben nehmen wollen. Er berichtet von zwei Nachtwächtern, die in dem mehrgeschossigen Parkhaus an der Nelson Street in Bristol unheimliche Erlebnisse hatten. In dem Kapitel „In Worship of the Hum“ schreibt er über die Anziehungskraft und Faszination von Strommasten. Da ist von mysteriösen Menschen die Rede, die im Schatten der Gesellschaft in industriellen Brachlandschaften leben wie dem Catman im schottischen Greenock. In dem Kapitel „Memory Motorways“ unternimmt Gareth Rees eine Fahrt auf der Autobahn M6, die über 373 Kilometer bis an die schottische Grenze führt. Dabei besucht er Rasthöfe wie die Hilton Park Services und Lancaster (Forton) Services , letzterer mit dem lange ausgemustertem und leer stehendem Aussichtsrestaurant Pennine Tower, das einem UFO ähnelt.

Das Buch ist großartig und dürfte jeden interessieren, der neugierig genug ist, einmal einen Blick auf „unexpected places“ zu werfen. Es gibt auch eine Webseite namens „Unofficial Britain„, die das Thema noch vertieft.

Gareth Rees: Unofficial Britain – Journeys Through Unexpected Places. Elliott&Thompson 2020. 268 Seiten. ISBN 978-1-78396-514-4.

Ein multi-storey carpark, immer häufiger von Selbstmördern aufgesucht.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Der Pennine Tower auf dem Gelände der Lancaster (Forton) Services 
Author: itmpa
Creative Commons 2.0

Published in: on 19. Oktober 2020 at 02:00  Comments (2)  

Mein Buchtipp – Harry Mount: A Lust For Window Sills

Foto meines Exemplares.

Den Londoner Journalisten Harry Mount stellte ich schon einmal vor in meinem Buchtipp „How England Made the English„. Heute möchte ich auf sein Buch „A Lust For Window Sills: a lover’s guide to British buildings from portcullis to pebble-dash“ hinweisen, das für alle gedacht ist, die sich mit den Baustilen in Großbritannien vertraut machen möchten, aber keine trockenen Abhandlungen lesen wollen. Harry Mounts Buch ist, wie der Titel schon andeutet, in lockerem Stil geschrieben und Clive Aslet fasst es sehr gut in einem Satz zusammen: „I felt I was at a dinner party, being entertained by an unusually well-informed and amusing guest„.

Gothic Revival, Perpendicular Gothic, Palladian houses, Georgian terraces – das sind alles Begriffe aus der Architekturgeschichte, die Harry Mount in seinem Buch näher erläutert und mit vielen Beispielen untermauert. „The Empire Style strikes back“, „Ginger Rogers goes to Arsenal“, so lauten zwei der Kapitelüberschriften, die Lust darauf machen, sich nicht nur mit „window sills“ näher zu beschäftigen. Das Buch endet mit Spaziergängen durch die architektonische Geschichte Londons, einer Fahrt auf der Autobahn M4, auf der der Autor auf architektonische Sehenswürdigkeiten links und rechts der Straße hinweist und mit einer Zugfahrt von London nach Edinburgh, bei der man an vielen interessanten Bauten vorbeikommt und auf der man sein Wissen, das man in dem Buch gelernt hat, gleich anwenden kann.

Sehr empfehlenswert!

Harry Mount: A Lust For Window Sills – a lover’s guide to British buildings from portcullis to pebble-dash. Abacus 2011. 374 Seiten. ISBN 978-0-349-12106-2.

Ein „portcullis„, ein Fallgitter, hier im Leeds Castle in Kent.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Pebble-dash“ = Kieselrauputz. Hier ein entsprechend verputztes Haus am Stadtrand von Leicester (Leicestershire).
Photo © Roger Templeman (cc-by-sa/2.0)

…und zu guter Letzt: Ein „window sill„, ein Fensterbrett. Hier ein Beispiel aus Rosebush in Pembrokeshire.
Photo © ceridwen (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 13. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Peter Ross: A Tomb With a View – The stories & glories of graveyards

Foto meines Exemplares.

Peter Ross ist ein preisgekrönter, schottischer Journalist, der regelmäßig für den Guardian und die Times schreibt. Er hat eine spezielle Vorliebe für Friedhöfe, die Gegenstand seines am 3. September diesen Jahres erschienen Buches „A Tomb With a View : The stories & glories of graveyards“ sind. Der Autor wandert gern auf den Friedhöfen Großbritanniens, liest die Inschriften auf alten, verwitterten Grabsteinen und versucht sich vorzustellen, wer die dort beerdigten Menschen wohl einmal gewesen sind.

Der Londoner Friedhof Highgate nimmt ein ganzes Kapitel ein, denn es gibt da unheimlich viel zu sehen, wobei das Wort „unheimlich“ absichtlich von mir gewählt worden ist, wenn man da an den Highgate Vampire denkt… Das am meisten besuchte Grab dürfte das von Karl Marx sein, der noch heute Fans in aller Welt hat.

Weitere Spaziergänge führen uns zu den Grabstätten dreier Verfasser von Geistergeschichten, nämlich Joseph Sheridan Le Fanu, Montague Rhodes James und Amelia B. Edwards. Peter Ross nimmt uns mit zu einem Besuch der Kirchen St Leonard’s in Hythe (Kent) und Holy Trinity in Rothwell (Northamptonshire), die beide durch ihre Ossuarien bekannt geworden sind. Wir statten dem Grab Peter the Wild Boy in Northchurch (Hertfordshire) einen Besuch ab und beobachten die Arbeit des ältesten britischen Bestattungsunternehmens für Muslims in Whitechapel (London), Haji Taslim Funerals.

Das Buch ist außergewöhnlich interessant und hat meine volle Empfehlung!

Peter Ross: A Tomb With a View: The stories & glories of graveyards. Headline Publishing 2020. 351 Seiten. ISBN 978-1-4722-6779-5.

Das Grab Karl Marx‘ auf dem Highgate Cemetery.
Photo © Oxyman (cc-by-sa/2.0)

Das Ossuarium in St Leonard’s in Hythe (Kent).
Photo © Clive Thompson (cc-by-sa/2.0)

Peter The Wild Boy in Northchurch (Hertfordshire).
Author: Gareth Bellamy.
Creative Commons 2.0

 

Published in: on 7. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Martin Latham: Kent’s Strangest Tales

Foto meines Exemplares

Die meisten Englandbesucher reisen per Fähre oder per Eurotunnel über die Grafschaft Kent auf die Insel ein und bekommen gleich einen positiven Eindruck über das Land, seien es die Kreidefelsen bei Dover auf dem Seeweg oder das hübsche weiße Pferd  an der Tunnelausfahrt bei Folkestone. Der Garten Englands, wie Kent auch genannt wird, ist einer der schönsten Teile des Landes.

Martin Latham beschäftigt sich mit der Grafschaft in seinem Buch „Kent’s Strangest Tales: Extraordinary but true stories from a very curious county„, indem er einen „fascinating treasure trove of stories“ öffnet. Martin Latham ist Manager der Waterstones Buchhandlung in Canterbury, hat sich einen Doktortitel in Geschichte an der London University erworben, und sein Buch „The Bookseller’s Tale“ ist gerade Anfang September diesen Jahres erschienen.

Der Autor kennt sich also gut in Kent aus, wo er schon seit Jahrzehnten wohnt. Es macht Spaß dieses hoch interessante Buch zu lesen, das ich hiermit jedem empfehlen kann der sich für diesen wunderschönen Landstrich Englands interessiert.

Latham geht in seiner Geschichtensammlung chronologisch vor. Er beginnt 600 000 Jahre vor Christus als England noch mit dem Kontinent verbunden war und endet im Jahr 2015 mit einer Geschichte über Peter Benjamin aus Tonbridge, der letzte verbliebene Tunbridge Ware Maker, das ist eine besondere Kunst der Holzverarbeitung mit Einlegearbeiten (Tonbridge und Royal Tunbridge Wells sind benachbarte Städte in Kent).

Das Buch gehört in die „Strangest„-Serie, in der es unter anderen die Bände „Golf’s Strangest Rounds“, „Law’s Strangest Cases“ und „Medicine’s Strangest Cases“ gibt.

Martin Latham: Kent’s Strangest Tales: Extraordinary but true stories from a very curious county. Portico 2019. 256 Seiten. ISBN 978-1-910232-97-2.

Published in: on 3. Oktober 2020 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Mein Buchtipp – Steven Primrose-Smith: Hungry for Miles – Cycling Across Europe on £1 a Day

Foto meines Exemplares.

Ich liebe die Bücher von Steven Primrose-Smith und habe einige von ihnen in meinem Blog vorgestellt:  „No Place Like Home, Thank God – A 22,000 Mile Bicycle Ride Around Europe„ und „Route Britannia – A Spontaneous Bicycle Ride through Every County in Britain „.

Gestern habe ich das nächste Buch von ihm ausgelesen, das den Titel “ Hungry for Miles – Cycling Across Europe on £1 a Day“ trägt und das mir wieder sehr viel Vergnügen bereitet hat. Steven hat sich im Jahr 2005 erneut auf sein Fahrrad geschwungen und ist von Liverpool aus über Frankreich, Spanien und Portugal bis zum Felsen von Gibraltar gefahren, eine über 5000 Kilometer lange Route. Dieses Mal fuhr er nicht allein, sondern wurde von Joe und Dave begleitet (Sabby, der Vierte im Bunde, stieg während der Reise aus), die er im Internet gesucht und gefunden hatte. Die besondere Erschwernis dieser Fahrradtour: Jeder hatte pro Tag nur £1 zur Verfügung…für alle anfallenden Ausgaben. Das größte Problem hatten die drei Langstreckenfahrer mit ihrer Ernährung, denn wo bekommt man in einem Supermarkt für so wenig Geld etwas zu essen zu kaufen. Die billigste Marmelade, Nudeln, Tomatensoße, Sojasoße, Baguettes, das waren im Wesentlichen die Hauptnahrungsmittel auf der Fahrt; dazu kam, was sie so am Wegesrand von den Bäumen pflücken konnten. Übernachtet wurde anfangs in England und Wales auf Feldern, die zu Farmen gehörten, später in Frankreich, Spanien und Portugal gab es nur noch „wild camping“. Die Drei schlugen sich bis Gibraltar durch, hatten dann aber auch die Schn… voll.

Steven Primrose-Smiths Bücher sind leider nicht ins Deutsche übersetzt worden. Im Juli 2020 erschien sein aktuelles Buch „The Quest for the Holy Quail: A 3000 Mile Plague-Time Bicycle Ride through Morocco and its Freakiest Food„. Im Augenblick lese ich gerade Stevens 2019 erschienenes „Biking Broken Europe: 6000 Miles though an Unstable Continent„.

Steven Primrose-Smith: Hungry for Miles – Cycling Across Europe on £1 a Day. Rosebery Publications 2015. 309 Seiten. ISBN  978-1519327260.

Startpunkt der Reise: Der Eingang des Mersey Tunnels in Liverpool.
Photo © chestertouristcom (cc-by-sa/2.0)

Das Ziel der Reise, rund 5000 Kilometer entfernt: Gibraltar.
Author: jmsolerb.
Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

 

Published in: on 6. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – David Ramshaw: The Little Book of Cumbria

Foto meines Exemplares.

Für alle, die ihren Urlaub im Lake District im Nordwesten Englands verbringen wollen (vom Kontinent werden es in diesem Jahr sicher nur wenige sein), bietet sich David RamshawsThe Little Book of Cumbria“ als idealer Reisebegleiter an. Der Autor (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Maler) ist Experte für diese Region und hat schon viele Bücher darüber geschrieben. Für dieses „Little Book“ hat er im vorigen Jahr den Striding Edge Prize for Guides and Places erhalten (siehe dazu auch meinen Blogeintrag „The Lakeland Book of the Year Awards„).

Kleine Zeichnungen und Schwarz-Weiß-Fotos illustrieren diesen hübschen Band aus der Reihe, die im Verlag The History Press erschienen ist.

Einige wenige Beispiele für die Kurzartikel, die in dem Buch enthalten sind: Die Überflutung der Stadt Workington im November 2009, die Einstellung des ersten schwarzen Polizisten in Carlisle 1837, das Theatre by the Lake am Ufer des Derwentwater, die Hilltop Farm und Beatrix Potter und der Castlerigg Stone Circle.
David Ramshaw deckt also ein weites Feld an Themen ab. Wem der Lake District in diesem Jahr wegen Corona verschlossen bleibt, kann dieses Buch auch als „armchair traveller“ zuhause lesen.

David Ramshaw: The Little Book of Cumbria. The Histoty Press 2018. 191 Seiten. ISBN 978-0-7509-8479-9.

 

Published in: on 20. August 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

Mein Buchtipp – Tony Cherry & Meg Wise: Thornbury Through Time

Foto meines Exemplares.

Über 500 000 Exemplare hat der Verlag Amberley Publishing in Stroud (Gloucestershire) bereits von seiner historischen „Through Time„-Serie verkauft, eine Buchreihe, die einzelne Städte Großbritanniens porträtiert, indem sie historische Fotos neben heutige stellt.

Tony Cherry und Meg Wise habe ich erst kürzlich in meinem Blog mit ihrem gemeinsamen Buch über das Thornbury Castle vorgestellt. Beide haben auch schon in der „Through Time“-Serie die Stadt Thornbury in South Gloucestershire selbst porträtiert. Die Kleinstadt hat rund 12 000 Einwohner und liegt 12 Kilometer nördlich von Bristol. Ich bin ein paar dutzend Mal durch den Ort gelaufen, und ich mag ihn sehr. Das Zenrum ist dort, wo die High Street, die Castle Street und die Straße The Plain aufeinander treffen; dort steht eine alte Wasserpumpe, The Pump, hübsch bepflanzt und mit einem Gitter umgeben.

Die Fotos des Buches zeigen markante Stellen des Ortes in historischen Fotos aus den letzten 130 Jahren, viele gegenübergestellt mit Fotos von heute, aus der gleichen Perspektive aufgenommen, so dass man sehr schön erkennen kann, was sich in der Zwischenzeit alles verändert hat. Im Mittelpunkt des Buches stehen die Gebäude auf der High Street, wo die meisten Geschäfte und Pubs des Ortes zu finden sind.

Ein sehr interessantes Buch für diejenigen, die schon einmal in der Stadt gewesen sind.

Tony Cherry & Meg Wise: Thornbury Through Time. Amberley Publishing 2015. 94 Seiten. ISBN 978-1-4456-5247-4.

The Pump.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

The White Lion auf der High Street.
Photo © Neil Owen (cc-by-sa/2.0)

Die High Street.
Photo © Robin Stott (cc-by-sa/2.0)

 

 

Mein Buchtipp – Tony Cherry and Meg Wise: Thornbury Castle Revisited

Foto meines Exemplares.

Wenn mich jemand fragt, ob ich in England einen Lieblingsplatz habe, dann muss ich nicht lange überlegen: Mein absoluter Favorit ist das Thornbury Castle in South Gloucestershire, nördlich von Bristol. Ich habe mehrere Male in meinem Blog über meine neun Besuche in diesem wunderschönen Castle Hotel geschrieben, das für mich eine außergewöhnliche Atmosphäre hat und die ich am liebsten im Winter genieße. Diesen kurzen Film habe ich vor einigen Jahren im Tudor Garten zwischen dem Hotel und der Kirche St Mary’s mit meinem Handy gemacht, und vielleicht gibt der ein wenig von dieser speziellen Atmosphäre wieder (obwohl er zugegebenermaßen nicht oscarwürdig ist!).

Tony Cherry und Meg Wise vom Thornbury & District Museum haben 2019 ein Buch veröffentlicht, in dem sie sich mit der Geschichte des Thornbury Castles beschäftigen, das Anfang des 16. Jahrhunderts von Edward Stafford, dem dritten Duke of Buckingham, erbaut wurde. Nach dessen Hinrichtung gelangte die Burg in die Hände Heinrichs VIII., der aber hier nur einmal für wenige Tage zusammen mit Anne Boleyn weilte. Ich will hier nicht näher auf die einzelnen Stationen in der Geschichte der Burg eingehen, aber noch einiges über die letzten fünfzig Jahre berichten.

1966 kaufte Kenneth Bell Thornbury Castle und richtete darin ein Restaurant ein, das sich zu den besten Großbritanniens entwickeln sollte. 1972 legte er wieder einen Weingarten an, der noch heute existiert und dessen Erträge auf Flaschen aufgezogen werden. Man kann den Wein im Restaurant des Hotels zum Essen bestellen (ich habe ihn einmal probiert). Nach Kenneth Bell, der bereits einige Räume der Burg in Hotelzimmer umgewandelt hatte, war ab 1986 Maurice Taylor, der Baron of Porthlethen, der neue Besitzer, der Thornbury Castle jetzt zu einem  richtigen Hotel machte. 1999 benannte das renommierte Condé Nast Traveller Magazin Thornbury Castle zum zweitbesten Hotel der Welt (die Nummer 1 war das Windsor Court Hotel in New Orleans). Bei meinen ersten Aufenthalten hier habe ich den Baron noch kennengelernt, der 2017 starb und dessen Asche in dem kleinen Castle Cemetery beigesetzt ist.

Als Maurice Taylor sein Hotel im Jahr 2000 verkaufte, ging es in den Besitz der Von Essen Hotelgruppe über, die 2011 Konkurs anmeldete (ich war wenige Tage nach dem 11. September 2001 zu Gast, als sämtliche Buchungen aus den USA storniert worden waren, und meine Frau und ich fast die einzigen Hotelgäste waren, ein ganz besonderes Erlebnis, die Burg beinahe für sich ganz allein zu haben!). Die Zukunft der Burg war damals im Jahr 2011 ungewiss, bis eine andere Hotelgruppe, Luxury Family Hotels, Thornbury Castle übernahm.

Bei meinem letzten Besuch im Oktober 2019 sagte mir der General Manager, dass das Haus jetzt einer arabischen Investmentgruppe gehört, die es komplett umgestalten will. Zur Zeit ist das Hotel geschlossen, einmal wegen der Corona-Krise und einmal wegen der noch laufenden Bauarbeiten. Ich hoffe nur, dass Thornbury Castle, das mir so ans Herz gewachsen ist, behutsam umgebaut wird und dass ich es, wenn es wiedereröffnet wird, noch wiedererkennen werde!!

Ich habe Tony Cherrys und Meg Wises Buch mit großem Genuss gelesen und bin dadurch dem Castle noch ein Stück nähergerückt. Meg Wise habe ich im Museum von Thornbury persönlich kennen gelernt.

Tony Cherry and Meg Wise: Thornbury Castle Revisited. Redcliffe Press 2019. 138 Seiten. 

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Die Lounge, mein Lieblingsplatz im Hotel.
Eigenes Foto.

 

Mein Buchtipp – Rowland Atkinson: Alpha City – How London Was Captured By The Super-Rich

Foto meines Exemplares.

In meinem Blogeintrag vom 21. Juni diesen Jahren erwähnte ich am Ende das Buch „Alpha City – How London Was Captured By The Super-Rich„, das Ende Juni erscheinen sollte und das ich mir gleich zugelegt und gelesen habe. Autor ist Rowland Atkinson (nicht zu verwechseln mit Rowan „Mr. Bean“ Atkinson) von der Universität von Sheffield.

Das Thema des Buches ist der Einfluss der Superreichen, die sich in London niedergelassen bzw. dort Eigentum erworben haben, auf die Infrastruktur und Gesellschaft der Stadt. Milliarden, oft aus dubiosen Quellen, sind in den letzten Jahren in die Stadt geflossen, die teuersten Immobilien, die oft den größten Teil des Jahres leer stehen, sind gekauft worden. Viele dieser russischen Oligarchen, arabischen Fürsten und chinesischen Neureichen leben in einem luxuriösen Ghetto, bewacht von Sicherheitsfirmen, ohne besonderen Kontakt zur Stadt zu haben. Als Käufer der superteueren Immobilien treten oft Offshore-Firmen mit Sitz auf kleinen Karibikinseln auf, hinter denen sich die eigentlichen Eigentümer der Objekte befinden, die es vorziehen, im Dunkeln zu bleiben. London gilt als eines der größten Geldwäschezentren der Welt.

Die Immobilienmakler frohlocken über diesen Boom und für sie spielt es keine Rolle, wo dieses viele Geld herkommt. Die Dokumentation „From Russia With Cash“ zeigt mit versteckter Kamera wie es hinter den Kulissen zugeht.

Nirgendwo auf der Welt gibt es im Dunstkreis der von Milliardären und Millionären bevorzugten Wohnviertel mehr 5*-Hotels als in London; zur Zeit sind es 75, mit steigender Tendenz.

Leidtragende dieser Entwicklung ist, laut Atkinson, die „normale“ Bevölkerung der Stadt, die sich die ständig wachsenden Immobilienpreise bzw. Mieten nicht mehr leisten kann und immer mehr an den Rand Londons und weit darüber hinaus verdrängt wird. Marode Sozialwohnungen werden abgerissen und durch neue Gebäude mit erheblich höheren Mietpreisen ersetzt.

Ein hoch interessantes Buch; sehr zu empfehlen!!

Rowland Atkinson: Alpha City – How London Was Captured By The Super-Rich. Verso 2020. 247 Seiten. ISBN 978-1-78873-797-5.

Kensington Palace Gardens: Eine der teuersten Straßen Londons.
Photo © Nigel Mykura (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 27. Juli 2020 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – Tom Bolton: Low Country – Brexit on the Essex Coast

Foto meines Exemplares.

Am 22. Mai diesen Jahres stellte ich an dieser Stelle Justin Hoppers Buch „The Old Weird Albion“ vor, das in dem Londoner Verlag Penned in the Margins erschienen ist und von den Wanderungen des Autors durch Hampshire und Sussex erzählt. Im gleichen Verlag erschien ein ähnlich gelagertes Buch mit dem Titel „Low Country – Brexit on the Essex Coast“ von Tom Bolton. Bolton und seine Partnerin berichten darin von ihren Wanderungen entlang der Küste der Grafschaft Essex.

Die Reise beginnt dort, wo Greater London auf Essex trifft, eine nicht sehr attraktive Region, die von Industriebauten und riesigen Lagerhallen beherrscht wird. Amazon hat dort in Tilbury sein größtes Warenlager in Europa errichtet. Weiter geht die Reise über die Halbinsel Canvey Island und Southend-on-Sea zu der höchst merkwürdigen Foulness Island, die dem britischen Verteidigungsministerium gehört und die häufig mit der amerikanischen Area 51 in Nevada verglichen wird (ich berichtete in meinem Blog über die Insel). Weitere Stationen sind die Dengie-Halbinsel, Northey Island und Osea Island im Mündungstrichter des River Blackwater und die Mersea Island. Bei Manningtree an der Grenze zu Suffolk geht die Reise zu Ende.

Wir erleben die Grafschaft Essex wie sie die die meisten Touristen nicht zu sehen bekommen. Von den unansehnlichen Industriegebieten im Westen zu den gering besiedelten Marschlandschaften im Osten, wo Land und See manchmal fließend ineinander übergehen. Tom Bolton schreibt außerordentlich fesselnd; man erfährt ständig Interessantes und Merkwürdiges, das Buch wird nie langweilig. Außerdem ist der Autor ein entschiedener Gegner des Brexits, was ihn mir noch sympathischer macht.

Absolut empfehlenswert!!

Tom Bolton: Low Country – Brexit on the Essex Coast. Penned in the Margins 2018. 292 Seiten. ISBN 978-1-908058-59-1.

Die weniger schöne Seite von Essex: Öltanks an der Küste.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Und das andere Essex: Mersea Island.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 3. Juli 2020 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

Mein Buchtipp – Harry Mount: How England Made the English

Foto meines Exemplares.

Wenn man England und die Engländer richtig verstehen möchte, dann empfehlen sich dafür zwei Bücher: Kate Fox‘ „Watching the English“ und Harry MountsHow England Made the English„. Ersteres habe ich in meinem Blog bereits vorgestellt, letzeres stelle ich heute vor.

Der Londoner Harry Mount, Jahrgang 1971, ist ein Journalist, der unter anderem für den Daily Telegraph gearbeitet hat, ist mit Ex-Premierminister David Cameron verwandt und studierte am Magdalen College in Oxford. „How England Made the English“ ist bereits sein viertes Buch, das den Untertitel hat „From Why We Drive on the Left to Why We Don’t Talk to Our Neighbours„. Es hat nur sehr wenige Überschneidungen mit dem Buch von Kate Fox. Auf der Rückseite des Buches steht zu lesen: „The English character is principally an accident of geography and weather…Harry Mount scours the length and breadth of the country to find the curiosities, idiosyncrasies and pecularities that have made us who and what we are„.
Diese Worte beschreiben sehr gut den Inhalt des Buches, das mit einem Kapitel über das Wetter beginnt, ein Thema das unausrottbar mit allem Englischen verbunden ist. In einem weiteren Kapitel beschäftigt er sich mit dem Nord-Süd-Gefälle in England, in einem anderen geht es um das Dauerthema Verfall der High Streets. In „The Rolling English Road“ steht das englische Straßen- und Verkehrssystem im Mittelpunkt und in „A Nation of Gardeners“ schreibt Harry Mount über die Faszination seiner Landsleute mit Gärten.

Harry Mount muss sehr viel Zeit mit Recherchen für sein Buch verbracht haben, denn es ist voll gestopft mit Zahlen und Fakten. Alle Angaben sind gut dokumentiert, die Bibliografie umfasst sechs Seiten.

Das Buch ist zwar als Hardcover bereits 2012 erschienen (ich besitze die Taschenbuchausgabe aus dem Jahr 2013), es hat sich aber bis heute kaum etwas geändert. Ein richtig interessantes Buch, das ich jedem an England Interessierten sehr empfehlen kann! In diesem Film stellt Harry Mount sein Buch vor.

Harry Mount: How England Made the English. Penguin Books 2013. 340 Seiten. ISBN 978-0-670-91914-7.

Published in: on 6. Juni 2020 at 02:00  Comments (1)