Mein Buchtipp – D.J. Kelly: Buckinghamshire Spies and Subversives

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„Buckinghamshire has a 600 year history of subversion, sedition and espionage…Many of our stately homes housed wartime codebreakers, eavesdroppers, boffins, intelligence chiefs and even Nazi officers“, so steht es auf D.J. Kellys Buch „Buckinghamshire Spies and Subversives“ zu lesen. Die Autorin, die selbst in Buckinghamshire lebt, in Chalfont St Peter, hat ein hoch interessantes Buch geschrieben, in dem sie sich mit Spionage, Gegenspionage, Umstürzlern und Unruhestiftern beschäftigt, die die Grafschaft jahrhundertelang in Atem gehalten haben.

Männer aus Buckinghamshire waren maßgeblich beim Gunpowder Plot im Jahr 1605 und bei den Swing Riots 1830 beteiligt. Im Ersten Weltkrieg waren zahlreiche Spioninnen im Gefängnis von Aylesbury eingesperrt. Joachim von Ribbentrop, deutscher Botschafter von 1936 bis 1938 in London, der nach der geplanten Invasion Duke of Cornwall werden wollte, residierte im Fulmer Rise Manor in Fulmer. Mehrere Landhäuser in Buckinghamshire dienten britischen, aber auch Abwehrdiensten aus anderen Ländern als Hauptquartier. Die Tschechen nutzten beispielsweise Chicheley Hall als Trainingszentrum, um Agenten auf ihren Einsatz vorzubereiten. Polnische Agenten wurden wiederum in Pollards Park House und in Pollards Wood Grange in Chalfont St Giles ausgebildet.

Das GCHQ, das Government Communications Headquarters, ging aus der Government Code and Cipher School hervor, die im Zweiten Weltkrieg in Bletchley Park angesiedelt war, wo der Enigmacode entschlüsselt wurde.

Abdullah Shaheed Jamal, einer der vier Terroristen, durch deren Anschläge am 7. Juli 2005 in London viele Menschen ums Leben kamen und verletzt wurden, stammte aus Aylesbury. Mehrere Jihadisten, deren geplante Terroranschläge von der Polizei gerade noch verhindert werden konnten, hatten ihren Wohnsitz in High Wycombe.

Das ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt aus Kellys Buch, das ich allen empfehlen kann, die sich für dieses Thema interessieren.

D.J. Kelly: Buckinghamshire Spies and Subversives. FeedARead Books 2015. 302 Seiten. ISBN 978-1785108471.

Eingang zum Fulmer Rise Manor in Fulmer.
Photo © Shazz (cc-by-sa/2.0)

Chicheley Hall.
Photo © Stuart Taylor (cc-by-sa/2.0)

Bletchley Park, wo der Enigmacode entschlüsselt wurde.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 6. Dezember 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Dixe Wills: At Night – A Journey Round Britain From Dusk to Dawn

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Ich bin ein großer Fan der Bücher von Dixe Wills und habe in meinem Blog schon mehrere vorgestellt, zuletzt „Tiny Histories„. Gerade habe ich die Lektüre seines „At Night – A Journey Round Britain From Dusk to Dawn“ beendet und bin auch von diesem Buch wieder begeistert. Dixe Wills pflegt einen sehr guten Stil und hat einen trockenen Humor. In „At Night“ bewegt er sich im nächtlichen Großbritannien. „Britain by night is a magical kingdom few of us know. A place familiar to us in daylight can seem suddenly strange and unknowable at night„.

Wenn andere Menschen sich die Bettdecke über die Ohren ziehen, hält sich Dixe Wills an unwirtlichen Orten auf wie im Wistman’s Wood mitten im einsamen Dartmoor; das ist ein kleines Wäldchen voller krummer und vom Wind gebeutelter Eichen, in dem es nicht mit rechten Dingen zugehen soll und wo der Teufel angeblich höchstpersönlich residiert. Der Autor berichtet von seiner einsamen Nacht dort oben und erzählt noch die eine und andere Geschichte über die geheimnisvolle Moorlandschaft.

Die nächste Station der nächtlichen Reise ist die Insel Skomer vor der Küste von Pembrokeshire in Wales, die als Brutstätte von unzähligen Atlantiksturmtauchern („Manx shearwater“) bekannt ist. In deren Gesellschaft verbringt Dixe Wills eine Nacht, die von kreischenden, Nahrung herbeischaffenden Vögeln bestimmt ist, die ständig auf der Hut sein müssen, um nicht von den großen Seemöwen attackiert zu werden.

Dann steht eine nächtliche Tour durch den Sherwood Forest an, wo Robin Hood und seine Mannen einst gewirkt haben sollen. Mit seinem Fahrrad macht sich der Autor auf den Weg durch den stockdunklen Wald, wo er eine Reifenpanne erleidet (ohne einen Ersatzschlauch dabei zu haben) und wo, wie durch ein Wunder, mitten in der Einsamkeit des Waldes, ein hilfsbereiter moderner Robin Hood erscheint und ihm mit einem Reserveschlauch aushilft.

Mit dem „Caledonian Sleeper“ unternimmt Dixe Wills eine nächtliche Zugfahrt von Fort William in Schottland nach London, wobei er in seinem Schlafwagenabteil aber nicht die Augen zumacht, sondern die ganze Nacht hindurch wach bleibt und von seinen Eindrücken auf der langen Reise erzählt.

Im letzten Kapitel spaziert der Autor in einer kalten Winternacht auf den Spuren von Charles Dickens durch London. Start- und Endpunkt ist Bethnal Green im East End der Stadt. Während der Tour erfahren wir so manches über den großen Literaten, was wir bisher vielleicht noch nicht wussten.

Mein Fazit: Ein großartiges Buch!!

Dixe Wills: At Night – A Journey Round Britain From Dusk to Dawn. AA Publishing 2015. 272 Seiten. ISBN 978-0-7495-7709-4.

Wistman’s Wood im Dartmoor.
Photo © Alan Hunt (cc-by-sa/2.0)

Skomer Island vor der Küste von Pembrokeshire.
Photo © Hugh Venables (cc-by-sa/2.0)

Robin Hood im Sherwood Forest.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Der „Caledonian Sleeper“ im Bahnhof von Inverness.
Photo © Andrew Abbott (cc-by-sa/2.0)

London bei Nacht. Hier: Die St Paul’s Cathedral.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 3. Dezember 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – David Kidd-Hewitt: Berkshire Tales of Mystery & Murder

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Zum wiederholten Male möchte ich ein Buch von David Kidd-Hewitt vorstellen, der es versteht, mysteriöse Vorfälle auf spannende und interessante Art zu erzählen. „Berkshire Tales of Mystery & Murder“ heißt es,  aus der „Tales of Mystery & Murder“-Serie des Verlages Countryside Books, der in Newbury in Berkshire ansässig ist.

13 Geschichten sind in dem Band versammelt, von denen mich die letzte, „A Brief Moment of Time„, besonders angesprochen hat, da sie sich in der High Street von Cookham ereignet hat, wo ich erst im letzten Jahr war und dort das Stanley Spencer Museum besuchte (ich berichtete in meinem Blog). Hier soll sich im Oktober 1993 ein Fall von „timeslip“, also Zeitverwerfung, zugetragen haben, bei dem ein junges Paar auf dem Weg nach Marlow betroffen war. In Cookham hielten sie Ausschau nach einem indischen Restaurant, in dem sie auf dem darauf folgenden Abend feiern wollten. Als sie schon wieder eine Weile auf der Straße in Richtung Bourne End und Marlow unterwegs waren, befanden sie sich plötzlich wieder auf der High Street von Cookham, genau dort, wo sie gerade eben erst nach dem Restaurant geschaut hatten. Beide waren erschüttert, konnten sich diesen Zeitsprung nicht erklären und werden diese höchst eigenartige Situation bis ans Ende ihres Lebens nicht vergessen.

Dann schreibt Kidd-Hewitt über den bis heute ungeklärten Fall des „Man in the Blue Suit„, der sich am 22. Juni 1929 in der Cross Street in Reading ereignete. Der Inhaber des kleinen Tabakwarenladens Alfred Oliver wurde am Abend von einer unbekannten Person in dem Laden ermordet. Es gab mehrere Passanten, die an dem Abend in der Cross Street einen Mann in einem blauen Jacket gesehen haben wollen, doch dieser Mann (der Mörder?) wurde nie gefunden.

Ein drittes Beispiel: „The Night Lambourn Was Set on Fire„. 1832 wäre um ein Haar das Dorf Lambourn im Westen Berkshires abgefackelt worden, als der Brandstifter John Carter mehrere Brände legte, einen im Red Lion am Market Place und einen in Mr Spicer’s Malthouse Barn. Glücklicherweise konnte das Feuer rechtzeitig bekämpft werden; John Carter wurde für seine Taten am 16. März 1933 in Reading hingerichtet, der letzte in England, der für Brandstiftung die Todesstrafe erhielt.

Ich kann dieses Buch von David Kidd-Hewitt wieder sehr empfehlen, für alle, die einen Nerv für Mysteriöses haben.

David Kidd-Hewitt: Berkshire Tales of Mystery & Murder. Countryside Books 2004. 126 Seiten. ISBN 1-85306-880-2.

Die High Street von Cookham, in der sich der „timeslip“ ereignet haben soll.
Photo © Robert Eva (cc-by-sa/2.0)

Die Cross Street in Reading, Schauplatz eines ungeklärten Mordes.
Photo © Andrew Smith (cc-by-sa/2.0)

Der ehemalige Red Lion am Market Square von Lambourn, in dem 1832 ein Brand gelegt wurde.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 28. Oktober 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – David Kidd-Hewitt: Buckinghamshire – Stories of the Supernatural

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Von David Kidd-Hewitt habe ich bisher seine beiden Bücher „Buckinghamshire: Tales of Mystery and Murder“ und „Buckinghamshire Heroes“ vorgestellt. In „Buckinghamshire: Stories of the Supernatural“ beschäftigt sich der Autor und Kriminologe mit dem Übernatürlichen in der Grafschaft in der er lebt und da gibt es eine Menge zu berichten. Kidd-Hewitt hat versucht, möglichst Berichte aus erster Hand zu bekommen und diese dann auch zu verifizieren. Herausgekommen ist eine Sammlung sehr ungewöhnlicher Geschichten, in denen Menschen mit Ereignissen konfrontiert worden sind, für die es keine natürliche Erklärung gibt.

In „The Haunted Taplow Hospital“ erzählt Kidd-Hewitt von einem ehemaligen Krankenhaus, dem Canadian Red Cross Memorial Hospital, auf dem Gelände des Cliveden Estates auf dem jetzt das Cliveden Village steht. Dieses Krankenhaus wurde 1986 geschlossen und stand bis zu seinem Abriss im Jahr 2006 leer. In den Räumlichkeiten waren während dieser Zeit noch medizinische Geräte und Betten zu finden, Aktenordner mit persönlichen Unterlagen und Röntgenbilder lagen verstreut auf dem Boden herum und es herrschte eine düstere Atmosphäre. Ideal für Geisterjäger, denn Geschichten häuften sich von unheimlichen Geschehnissen in den Korridoren und Gängen. Ein Wesen, dem man den Namen The Flincher gab, soll sein Unwesen hier getrieben und die Menschen, die sich in das Hospital hineinwagten, zu Tode erschreckt haben.

In einem Kapitel unternimmt der Autor einen „Buckinghamshire Supernatural Pub Crawl“ auf dem wir „haunted pubs“ kennenlernen wie den berüchtigten The Chequers in Old Amersham (ich berichtete bereits ausführlich in meinem Blog über diesen Pub), den Greyhound Inn in Chalfont St Peter, in dem der Hanging Judge George Jeffries im 17. Jahrhundert seine Urteile gesprochen hat.

Ganz besondes mysteriös ist die Geschichte vom Quarrendon Centaur aus dem Jahr 1988, in der zwei Männer und ihr Hund an einem warmen Sommerabend in der Nähe von Aylesbury auf einem Gelände, auf dem einmal ein mittelalterliches Dorf gestanden hat, eine Gestalt sahen, die halb Mensch halb Pferd war. Beide schworen Stein und Bein, dass es sich bei der Kreatur um keine Halluzination gehandelt hatte, und dass ihr Hund in panischer Angst davongelaufen war. Bei seinen Recherchen stellte David Kidd-Hewitt fest, dass es ähnliche Geschichten über solche Zentauren auch in anderen Teilen der Welt gibt.

Ein sehr interessantes Buch, ob man nun an Übernatürliches glaubt oder nicht.

David Kidd-Hewitt: Buckinghamshire: Stories of the Supernatural. Countryside Books 2008. 128 Seiten. ISBN 978-1-84674-118-0

The Chequers in Old Amersham.
Photo © Stacey Harris (cc-by-sa/2.0)

The Greyhound Inn in Chalfont St Peter.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Quarrendon bei Aylesbury.
Photo © Andrew Smith (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 20. Oktober 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Alles was man schon immer über die Autobahn M 25 wissen wollte

Wer kennt ihn nicht den Motorway 25, Londons 188 Kilometer lange, stets verstopfte Ringautobahn. Margaret Thatcher eröffnete die M 25 im Oktober 1986. Ich bin die Autobahn in Teilstrecken viele Male gefahren und besonders im Westen, dort wo die M 4 auf die M 25 stößt, war immer ein gewaltiger Verkehr. Viel von der Landschaft  kann man nicht sehen, da man stets konzentriert den Verkehr beobachten muss.

Es gibt zwei Bücher, die sich mit der M 25 beschäftigen und die hoch interessant zu lesen sind.

Da ist einmal Iain Sinclairs „London Orbital: A Walk Around the M 25„. Sinclair ist ein Jahr lang mit Unterbrechungen die gesamten 188 Kilometer Autobahn entlang gewandert, was sich manchmal als schwierig erwies, da die Straße teilweise durch Industrieansiedlungen für Fußgänger gar nicht erreichbar war und der Autor Umwege machen musste. In diesem Buch lernt man die Ortschaften näher kennen, deren Namen  man man nur von den Ausfahrtschildern her kennt. Ein sehr empfehlenswertes Buch!

Das zweite Buch heißt „M 25: Travelling Clockwise“ und wurde von Roy Phippen geschrieben. In diesem Buch erfährt man so ziemlich alles, was man über die Ringautobahn wissen sollte. Wer sich z.B. dafür interessiert, wie viele Nieten in der Dartford Bridge verbaut worden sind oder welcher Fluß die M 25 überquert, hier wird er fündig.

Siehe auch meinen Buchtipp Ray Hamilton: „M25 – A Circular Tour of the London Orbital„.

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Published in: on 17. Oktober 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – John Wade: London Curiosities

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Bücher über Londons Kuriositäten gibt es viele, von denen ich in meinem Blog einige vorgestellt habe wie:

Simon Leyland: A Curious Guide to London

David Long: Tunnels, Towers & Temples: London’s 100 Strangest Places

Tom Quinn: Eccentric London

Jamie Manners: The Seven Noses of Soho

Auch John Wade hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und „London Curiosities: The Capital’s Odd & Obscure, Weird & Wonderful Places“ geschrieben, für Besucher der Metropole, die nicht nur den Buckingham Palast, den Trafalgar Square und die St Paul’s Kathedrale sehen wollen. John Wade ist sowohl Journalist als auch Fotograf und war an mehr als 30 Büchern beteiligt, die in Großbritannien und den USA erschienen sind.

Einige der Kapitelüberschriften in John Wades Buch lauten „Weird Houses“, „Windmills and Lighthouses“, „Peculiar Parks “ und Tunnels under London“. Als kleine Appetithäppchen für dieses Buch nenne ich hier einige Beispiele:

Auf einer kleinen Insel im See des St James’s Park liegt die Duck Island und darauf das Duck Cottage, in dem einmal der Dichter Stephen Duck gewohnt hat.

An der Old Bond Street in Mayfair steht eine Bank, die ständig besetzt ist: Von Winston Churchill und Franklin Roosevelt, beide in Lebensgröße und in Bronze. Es bleibt zwischen ihnen etwas Platz, auf den sich gern jemand setzt und sich dort fotografieren lässt.

Im Stadtteil Bermondsey findet man am Mandela Way auf einem kleinen Grundstück einen ausgemusterten russischen Panzer, dessen Rohr in Richtung Stadtverwaltung zeigt. Über die Hintergründe dieser Kuriosität habe ich in meinem Blog geschrieben.

John Wade: London Curiosities: The Capital’s Odd & Obscure, Weird & Wonderful Places. Pen & Sword Books 2017. 211 Seiten. ISBN 978-1-47387-911-9. 

Das Duck Cottage auf Duck Island im St James’s Park.
Photo © Robert Lamb (cc-by-sa/2.0)

Churchill und Roosevelt machen es sich auf dieser Bank in Mayfair gemütlich.
Photo © John Allan (cc-by-sa/2.0)

Der russische Panzer am Mandela Way.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 11. Oktober 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

M(K)ein Buchtipp – Jon Bounds and Danny Smith: Pier Review – A Road Trip in Search of the Great British Seaside

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Als ich von dem Buch „Pier Review – A Road Trip in Search of the Great British Seaside“ von Jon Bounds und Danny Smith erstmals hörte, musste ich es mir unbedingt kaufen, denn ich fand die Idee der beiden Autoren interessant, binnen zwei Wochen sämtliche Piers in England und Wales aufzusuchen, insgesamt 55 Stück. Mit einem alten Renault Clio brechen sie auf, am Steuer ihr Kumpel Midge, und beginnen die Rundreise in Weston-super-Mare (Somerset) am Grand Pier (Westons Birnbeck Pier ist seit 1994 für die Öffentlichkeit geschlossen). Die Drei beenden ihre Tour gegenüber von Weston-super-Mare an der Seebrücke im walisischen Penarth.

Das klingt alles sehr interessant, aber eigentlich haben Jon, Danny und Midge gar keine richtige Lust auf ihre Fahrt. Sie haken eine Pier nach der anderen ab, finden viele „boring“ (was sicher auch für einige zutrifft); überhaupt findet sich das Wort „boring“ erstaunlich häufig in dem Buch, nur noch getoppt von „fuck“ und „fucking“ („fucking boring as shit“). Die Sprache, mit der die drei Männer untereinander kommunizieren, ist gewöhnungsbedürftig. Sie sind sehr viel mehr mit sich selbst beschäftigt, als mit dem eigentlichen Thema, den Piers, und weil vieles für sie so langweilig ist, suchen sie immer wieder Trost in Pubs und trinken dort jede Menge Bier („We’re drinking to kill time“).

Mit Hilfe von Crowdfunding haben die Männer ein wenig Geld gesammelt und können damit keine großen Sprünge machen; sie übernachten bei Freunden, Bekannten oder im Zelt. Beim Übernachten auf dem kleinen Zeltplatz am Castle Inn in Ramsey (Essex) werden sie von einer Gruppe übler Typen überfallen. Dort im Pub ereignete sich am 22. März 1979 eine Schießerei, bei der der 18jährige flüchtige Verbrecher Paul Howe von einem Polizisten niedergestreckt wurde.

Mein Fazit: Wenn ich noch nie in England war und dieses Buch gelesen habe, würde ich es mir sehr genau überlegen, ob ich wirklich dort hinfahren möchte. Bei den Amazon Customer Reviews kommt „Pier Review“ erstaunlich gut weg, lediglich zwei Rezensenten sind meiner Meinung (“ bad language“, „More interested in talking about themselves than the places that they visit“).

Jon Bounds and Danny Smith: Pier Review – A Road Trip in Search of the Great British Seaside. Summersdale 2017. 319 Seiten. ISBN 978-1-84953-811-4

The Grand Pier in Weston-super-Mare – Beginn der Reise.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Der Penarth Pier – Ende der Reise.
Photo © John Lord (cc-by-sa/2.0)

The Castle in Ramsey (Essex).
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Oktober 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Top Ten der britischen Buchbestsellerlisten am 1. Oktober 2018

Hin und wieder werfe ich in meinem Blog einen Blick auf die aktuellen Bücherbestsellerlisten in Großbritannien. Heute nehme ich die Top Ten bei W.H. Smith unter die Lupe, in der Rubrik Sachbücher. Wie so oft werden die Bestsellerlisten auch in dieser Woche wieder von Kochbüchern dominiert, vier Stück finden wir unter den ersten zehn. Hier ist die Liste vom Stand 1. Oktober 2018:

Platz 1. Adam Kay: This is Going to Hurt – Secret Diaries of a Junior Doctor.
Das Buch erscheint auf Deutsch am 17. Dezember 2018 im Goldmann-Verlag unter dem Titel „Jetzt tut es gleich ein bisschen weh: Die geheimen Tagebücher eines Assistenzarztes“. „Kays Tagebücher bringen alles ans Tageslicht, was Sie jemals über den Krankenhausalltag wissen wollten – und auch einiges, was besser im Verborgenen geblieben wäre“, so heißt es in der Vorschau zur deutschen Ausgabe. Adam Kay war Assistenzarzt in einem NHS-Krankenhaus, bevor er unter die Comedians gegangen ist und sich in diesem Genre eine Karriere aufgebaut hat.

Platz 2. The Hubb Community Kitchen: Our Community Cookbook.
Nach dem verheerenden Brand in dem Londoner Hochhaus Grenfell Tower, taten sich Frauen aus unterschiedlichen Kulturen zusammen, die in diesem Viertel wohnen, um für die Nachbarschaft zu kochen und damit auch die Gemeinschaft zu fördern. The Hubb Community Kitchen nennen sie sich, und sie sind über die Grenzen Londons bekannt geworden, als sie kürzlich von Meghan Markle, der Herzogin von Sussex, besucht wurden, die auch das Vorwort zu dem Buch geschrieben hat.

Platz 3. Bob Woodward: Fear – Trump in the White House.
Das Buch erscheint am 8. Oktober 2018 bei Rowohlt auf Deutsch unter dem Titel „Furcht: Trump im Weißen Haus“.
Einer der berühmtesten Journalisten der USA wirft  einen Blick hinter die Kulissen des Weißen Hauses und kommt zu erschreckenden Ergebnissen. Ich habe das Buch gerade gelesen und war davon fasziniert.

Platz 4. Joe Wicks: Joe’s 30 Minute Meals – 100 Quick and Healthy Recipes.
Fitness-Guru Joe Wicks alias The Body Coach beschäftigt sich in seinem Buch erneut mit gesunder Ernährung.

Platz 5. Jamie Oliver: Jamie Cooks Italy.
Das Buch liegt in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Jamie kocht Italien: Aus dem Herzen der italienischen Küche“ im Verlag Dorling Kindersley vor. Einer der bekanntesten Köche Großbritanniens mit seinem aktuellen Buch über Italiens kulinarische Genüsse, basierend auf seiner TV-Serie.

Platz 6. Sir Max Hastings: Vietnam – An Epic Tragedy 1945-1975.
Der Kriegsreporter und Auslandskorrespondent Sir Max Hastings schreibt über die Vietnamkriege, deren letzten er selbst hautnah miterlebte.

Platz 7. Guinness World Records 2019.
Das Buch erschien im September 2018 auf Deutsch unter dem selben Titel im Ravensburger Buchverlag.

Platz 8. Yotam Ottolenghi: Simple.
Gerade vor wenigen Tagen in deutscher Übersetzung unter dem selben Titel bei Dorling Kindersley erschienen.
Die Bücher des israelisch-britischen Kochs werden alle zum Bestseller. Sein aktuelles Buch: „S – short on time: less than 30 minutes I – 10 ingredients or less M – make ahead P – pantry L – lazy E – easier than you think“.

Platz 9. Peter Crouch: How to be a Footballer.
Der ehemalige Fußballnationalspieler Peter Crouch („The funniest man in British sport“), der jetzt für Stoke City spielt und immer für seine Körpergröße auffiel (er misst 2,01 Meter) schreibt über die Welt des Fußballs.

Platz 10. Yuval Noah Harari: Sapiens – A Brief History of Humankind.
Deutsch: „Eine kurze Geschichte der Menschheit“, bereits 2015 im Pantheon-Verlag erschienen.
Der Buchtitel des israelischen Autors spricht für sich selbst.

Published in: on 2. Oktober 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Hidden Villages of Britain: Histories and Tradition Past and Present

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In meinem Blogeintrag über die TV-Serie „Hidden Villages„, moderiert von Penelope Keith, erwähnte ich das Begleitbuch, das ich an dieser Stelle vorstellen wollte und was ich hiermit tue.
Hidden Villages of Britain: Histories and Tradition Past and Present„, so der Titel, ist 2017 im Londoner Batsford Verlag erschienen, und der 1843 gegründete Verlag spielt auch eine Rolle in dieser Veröffentlichung. In den 1930er Jahren bis in die 1950er Jahre erschienen die Batsford Guides, Reiseführer zu einzelnen Regionen Großbritanniens, die nicht zuletzt auch durch die wunderschönen Illustrationen von Brian Cook bekannt geworden sind. Sir Brian Caldwell Cook Batsford, so sein vollständiger Name, wurde 1910 in Gerrards Cross (Buckinghamshire) geboren und starb 1991 in Winchelsea (East Sussex). Er wohnte übrigens eine Zeit lang in dem jetzt zum National Trust gehörenden Lamb House in Rye (East Sussex), gleich um die Ecke vom Mermaid Hotel.
Das erste von Brian Cook entworfene Buch hieß „The Villages of England„, 1932 erschienen, zeigte schon die kräftigen Farben, die zum Markenzeichen der zukünftigen Guides werden sollten.

„Hidden Villages“ übernimmt einige dieser Abbildungen, und das Buch macht sich auf die Spurensuche nach „verborgenen“ Dörfern im heutigen Großbritannien. Darin sind allerdings auch einige Dörfer enthalten, die heute alles andere als „hidden“ sind wie zum Beispiel Clovelly in Devon, Castle Combe in Wiltshire und Goathland in North Yorkshire, die im Sommer ganz schön überlaufen sein können.

Das Buch lebt besonders von dem exzellenten Zusammenspiel zwischen den Cookschen Illustrationen und den hervorragenden Fotos, die ausgewählt worden sind. Es ist eine Freude, in dem Buch zu blättern, und es macht Appetit auf die Fernsehserie, die auch auf DVD erhältlich ist.

Hidden Villages of Britain: Histories and Tradition Past and Present. Batsford 2017. 183 Seiten. ISBN 978-1-84994-448-9

 

Published in: on 28. September 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – David Kidd-Hewitt: Buckinghamshire Tales of Mystery & Murder

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Vor einigen Jahren stellte ich in meinem Blog schon einmal ein Buch von David Kidd-Hewitt vor: „Buckinghamshire Heroes„. Kidd-Hewitt ist Kriminologe und Schriftsteller und hat eine regelmäßige Radioshow beim Sender Wycombe Sound 106.6 FM in High Wycombe. „If it’s wicked, supernatural, mysterious or downright spooky that’s what I write about“, so steht es in seinem Blog zu lesen und genau das finden wir auch in seinem Buch „Buckinghamshire Tales of Mystery & Murder„, das schon im Jahr 2003 erschienen, aber noch lieferbar ist (einen Parallelband „Berkshire Mystery & Murder“ hat er auch geschrieben).

In seinem Buch geht David Kidd-Hewitt sowohl auf bekannte als auch auf weniger bekannte Mordfälle und mysteriöse Geschichten ein, die sich in der Grafschaft Buckinghamshire ereignet haben. In „The Final Resting Place of Ruth Ellis“ rekapituliert er noch einmal den berühmten Fall der Ruth Ellis (die letzte Frau, die in Großbritannien hingerichtet wurde), die ihren Liebhaber David Blakely am 10. April 1955 erschoss. Der „Final Resting Place“ ist der Friedhof von St Mary’s in Old Amersham. Ihr Grab ist nicht markiert (ich habe vergeblich versucht, es aufzuspüren). Siehe zum Fall Ruth Ellis auch meinen Blogeintrag.

Weniger bekannt dürfte „The Tragedy of Alice Turney“ aus Winslow sein, die 1923 ihren vier Monate alten, unehelich geborenen Sohn umbrachte. Sie wurde zum Tod verurteilt, doch die Geschworenen sprachen sich dafür aus, dass sie stattdessen in eine geschlossene Anstalt eingewiesen werden sollte, denn Alice war offensichtlich geistig verwirrt.

In das Jahr 1773 führt der Fall „Like a Rat in a Trap“ zurück. Der Rattenfänger Edward Corbet ermordete in diesem Jahr aus habgierigen Gründen den Bauern Richard Holt auf seiner Farm in Bierton und wurde dafür zum Tode verurteilt. Er war der letzte Übeltäter in Buckinghamshire, der an einem Galgen (gibbet) aufgeknüpft wurde und daran jahrelang hängen blieb, bis kaum noch etwas von ihm übrig war.

David Kidd-Hewitt: Buckinghamshire Tales of Mystery Murder. Countryside Books 2003. 127 Seiten. ISBN 978-1853068096.

Published in: on 8. September 2018 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – Wendy Hughes: The A-Z of Curious Sussex

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Ende 2017 erschien im Verlag The History Press das Buch „The A-Z of Curious Sussex: Strange Stories of Mysteries, Crimes and Eccentrics“ von Wendy Hughes. Die Autorin hat schon mehrere Bücher über Wales, wo sie geboren wurde, und über Sussex geschrieben wie „Shipwrecks of Sussex“, „Haunted Worthing“ und „Not a Guide to Worthing“. Wendy Hughes ist Mitglied der Society of Woman Writers and Journalists und der Society of Authors; sie hat den Worthy Words Workshop gegründet, eine Schreibwerkstatt, die sich regelmäßig in der Worthing Library trifft, und sie wohnt in Rustington (West Sussex), einem Küstenort, westlich von Worthing.

Immer wenn sie auf Interessantes und Kurioses über ihre Grafschaft aufmerksam wurde, notierte sie sich das, und schließlich reichten ihre Notizen aus, um daraus ein Buch zu machen. In alphabetischer Reihenfolge, von Albourne bis Yapton, stellt sie Ortschaften in East und West Sussex vor, die in irgendeiner Weise Kuriositäten zu bieten haben. In Albourne wurde James Starley geboren, ein Erfinder, der sich zuerst mit Nähmaschinen beschäftigte und dann das Fahrrad weiterentwickelte, so dass er in England als Begründer der Fahrradindustrie gilt. Der Ort Yapton ging in die englische Kriminalgeschichte ein, weil hier The Black Widow lebte, eine Frau, die es immer wieder auf das Leben ihrer Ehemänner abgesehen hatte.

Eine lohnende Lektüre, nicht nur für Freunde der schönen Grafschaften East und West Sussex!

Wendy Hughes: The A-Z of Curious Sussex – Strange Stories of Mysteries, Crimes and Eccentrics. The History Press 2017. 159 Seiten. ISBN 978-0-7509-5604-8.

Albourne in West Sussex.
Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)

Yapton in West Sussex.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 1. September 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – David McKie: Bright Particular Stars – A Gallery of Glorious British Eccentrics

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Und noch einmal stelle ich in meinem Blog ein Buch von David McKie vor: „Bright Particular Stars – A Gallery of Glorious British Eccentrics„, erschienen im Jahr 2011. Darin nimmt er sich 26 britische Exzentriker und die Orte vor, in denen sie wirkten.

Da ist zum Beispiel das hübsche Cotswolds-Städtchen Broadway (Worcestershire), im Sommer von Touristen überlaufen, in dem im 19. Jahrhundert Sir Thomas Phillipps alles daran setzte, jedes in der Welt erhältliche Buch zu besitzen. Rund 40 000 Bücher und noch mehr Manuskripte soll der Bibliomane besessen haben, wofür er Unsummen ausgab.

Wir treffen auf die Theatertruppe von Alwyn D. Fox, der in den 1950er Jahren immer wieder versuchte, in der Provinz, in Horsham in Sussex, genügend Interessenten für sein Theater zu finden, damit es dort existieren konnte…und begegnen dort einem gewissen Maurice Joseph Micklewhite Jr., der in Horsham seine ersten Schritte ins Rampenlicht unternimmt und der später unter dem Namen Michael Caine weltberühmt wurde.

In Drayton Bassett (Staffordshire), dort, wo jetzt der Drayton Manor Vergnügungspark Besucher anlockt, stand früher das 1929 abgerissene Drayton Manor, in dem mehrere Generationen der Peel-Familie wohnten, deren Oberhäupter alle Robert Peel hießen und nicht ganz leicht auseinander zuhalten sind. Für diese Dynastie gilt das Sprichwort über schnell erworbenes Geld „One generation to make it, one to enjoy it, one to lose it“.

David McKie beschert seinen Lesern wieder einmal viele interessante Lesestunden wie schon in seinen an dieser Stelle vorgestellten Büchern „Great British Bus Journeys„, „Riding Route 94“ und „McKie’s Gazetteer„.

David McKie: Bright Particular Stars – A Gallery of Glorious British Eccentrics. Atlantic Books 2011. 353 Seiten. ISBN 978-1-184887-248-6

 

Published in: on 26. August 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Tom Parker Bowles: Full English – A Journey Through the British and Their Food

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Tom Parker Bowles ist der Sohn von Camilla, Duchess of Cornwall. Er hat sich einen Namen als Journalist gemacht, der sich hauptsächlich mit dem Thema Ernährung beschäftigt und schreibt für mehrere britische Zeitungen. Außerdem kennt man ihn von zahllosen TV-Auftritten in britischen Kochshows. Für sein Engagement für die britische Küche erhielt er 2010 eine Auszeichnung der Guild of Food Writers. Hier ist ein Auftritt von Tom Parker Bowles im US-Fernsehen zu sehen, bei dem es um die English Tea Time geht.

In seinem Buch „Full English: A Journey Through the British and Their Food“ beschäftigt er sich mit den britischen Essgewohnheiten. Er nimmt sich die einzelnen Regionen vor und bringt so einiges Interessante ans Tageslicht, z.B. die Vorliebe einiger Engländer für Innereien (offal), stellt Englands Lieblingsgericht Nummer Eins vor, Chicken Tikka Masala, und beschäftigt sich mit der Herstellung des Cheddar-Käses.

Am jeweiligen Kapitelende bringt er einige für die Region typische Rezepte zum Nachkochen. Für den Norden z.B. „Lancashire Hotpot“, für den Westen „Pigeons in cider with apples“ und für den Osten „Stephen Harris‘ angels on horseback“.
Ein interessantes, angenehm zu lesendes Buch!

Tom Parker Bowles: Full English – A Journey Through the British and Their Food. Ebury Press 2009. 320 Seiten. ISBN 978-0091926687.

Published in: on 15. August 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – John Osborne: Radio Head

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John Osborne ist ein Radio-Besessener. Er hört stundenlang Tag und Nacht englische Rundfunksender und hat aus dieser Begeisterung ein Buch gemacht: „Radio Head: Up and Down the Dial of British Radio“ (bei Simon & Schuster 2009 erschienen).  Einen Monat lang hörte er jeden Tag einen anderen Sender und dabei entdeckte er auch weniger bekannte wie z.B.  BBC Asian Network, Resonance 104.4 FM oder The Jazz.
John Osborne schreibt über Piratensender, den legendären BBC Radio 1-Moderator und DJ John Peel und führt Interviews mit Mark Radcliffe (BBC Radio 2) und Nicholas Parsons (BBC Radio 4).

Osborne reizte es, auch selbst bei einem Rundfunksender tätig zu werden, was ihm auch gelingt und so arbeitet er für Future Radio 96.9 in Norwich (Norfolk), wo er zum Beispiel „The People’s Playlist“ moderiert.

Eine sehr interessante und amüsante Reise durch die englische Rundfunklandschaft!

Siehe auch meine Buchempfehlung von John Osbornes „Don’t Need The Sunshine„, in dem er sich mit britischen Seebädern beschäftigt.

John Osborne: Radio Head: Up and Down the Dial of British Radio. 289 Seiten. ISBN 978-1-84737-230-7.

Published in: on 29. Juli 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – David McKie: McKie’s Gazetteer – A Local History of Britain

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1374 Gramm wiegt „David McKie’s Gazetteer: A Local History of Britain„, zwar schon 2008 erschienen, aber nach wie vor sehr zu empfehlen. Ein richtig schweres Buch, aber leicht zu lesen. Wer meinen Blog verfolgt, merkt vielleicht, dass ich eine Schwäche für die Bücher David McKies habe; kürzlich stellte ich sein „Riding Route 94 – An Accidental Journey through the Story of Britain vor, früher schon „Great British Bus Journeys: Travels Through Unfamous Places“. 

Sein Gazetteer (=lexicon of geographical places) beinhaltet „A treasure trove of fascinating and unfamiliar stories from the localities of Britain, born of a lifetime exploring our country’s hidden history„, so steht es im Buch zu lesen. Die Reise durch Großbritanniens Geschichte, festgemacht an geografischen Orten, beginnt in alphabetischer Reihenfolge mit dem Flüsschen Aan in den schottischen Grampians (heute Water of Aven genannt) und endet mit dem Zoze Point (heute Zone Point) an der Südspitze der Roseland Peninsula in Cornwall. Auf 668 Seiten werden wir mit Geheimnissen, Skandalen, exzentrischen Menschen konfrontiert, viele der in dem Buch wiedergegebenen Geschichten sammelte der Autor während seiner jahrzehntelangen Arbeit als Journalist (er war lange beim Guardian beschäftigt). Fast alle in seinem Buch vorgestellten Orte hat er extra für sein schwergewichtiges Werk noch einmal aufgesucht und dabei Tausende von Meilen zurückgelegt. Das Buch kann man in einem Rutsch von vorn bis hinten lesen, wie ich es getan habe, oder darin einfach nur darin blättern und sich überraschen lassen, was David McKie alles so zu erzählen hat. Es lohnt sich wirklich! Das Buch ist zwar vergriffen, doch man kann es gebraucht schon für wenige Euros bekommen.

David McKie: McKie’s Gazetteer – A Local History of Britain. Atlantic Books 2008. 668 Seiten. ISBN 978-1- 84354-654-2.

Der erste Eintrag des Buches: Der River Aan bzw. Water of Aven in Schottland.
Photo © William Starkey (cc-by-sa/2.0)

Der letzte Eintrag des Buches: Zoze Point bzw. Zone Point in Cornwall.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 22. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – David McKie: Riding Route 94 – An Accidental Journey through the Story of Britain

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David McKies Buch „Great British Bus Journeys: Travels Through Unfamous Places“ habe ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt. Darin schreibt er von seinen Reisen quer durch Großbritannien, bei denen er ausschließlich Linienbusse benutzt.
Auch in McKies aktuellem Buch „Riding Route 94 – An Accidental Journey through the Story of Britain“ reist er mit Linienbussen durch das Land, allerdings nur mit denen, die eine Route befahren, in der die Nummer „94“ vorkommt, wobei auch „394“, „494“ oder „594“ zulässig sind. Er hätte auch jede andere Busroute mit einer anderen Nummer wählen können, aber McKie meinte, dass die „94“ am besten passen würde.

„This is a book not about buses, it’s a book about where they take you“, so beginnt „Riding Route 94“ und beschreibt, was den Leser erwartet. Links und rechts am Straßenrand begegnen wir Dörfern und Städten, über die es viel zu sagen gibt, und David McKie macht das auf eine äußerst interessante Weise. Hier sind einige Beispiele:

Eine der Linien 94 führt von Oxford über Charlton-on-Otmoor nach Bicester und in diesem Kapitel stehen die Otmoor Riots im Mittelpunkt, bei denen die Menschen in dieser Region in den Jahren 1829 bis 1835 dagegen protestierten, dass man ihnen ihr Recht entzog, auf „common land“ ihre Tiere weiden zu lassen.

Die Linie 494 verbindet Selby und Tadcaster in North Yorkshire und führt an dem Schlachtfeld von Towton vorbei, wo am 29. März 1461 eine der blutigsten Schlachten der englischen Geschichte ausgetragen wurde, und die Truppen des Hauses York auf die des Hauses Lancaster stießen. McKie geht ausführlich auf dieses Ereignis ein.

Im Nordosten Englands führt eine Buslinie 94 von Gateshead über Team Valley, Low Fell, Felling und Heworth wieder nach Gateshead zurück. Im Mittelpunkt dieses Kapitels steht die Stadt Gateshead und die Rivalität mit Newcastle, beide durch den River Tyne getrennt. Gateshead gilt als das hässliche Entlein, auf das das stolze Newcastle mit Verachtung von der anderen Flussseite herüberblickt.

Ein richtig interessantes und empfehlenswertes Buch!!

David McKie: Riding Route 94 – An Accidental Journey through the Story of Britain. Pimpernel Press 2017. 246 Seiten. ISBN 978-1-910258-34-7.

Auch mit diesem Bus der Linie 94 von Gloucester nach Cheltenham war David McKie unterwegs.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Charlton-on-Otmoor.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Das Schlachtfeld von Towton mit einer Erinnerungsstätte.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Gateshead (links) und Newcastle (rechts) am River Tyne.
Photo © Andrew Tryon (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 14. Juli 2018 at 02:00  Comments (2)  

Mein Buchtipp – Simon Leyland: A Curious Guide to London – Tales of a City

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Wie Simon Leyland im Vorwort zu „A Curious Guide to London – Tales of a City“ berichtet, entstand die Initialzündung zu seinem Buch an einem regnerischen Tag in London, als er in einem Pub zufällig auf einen Mann trifft, der seit zwanzig Jahren an einer Straßenecke Zeitungen verkauft und der ihm im Laufe der Unterhaltung, garniert mit einigen Pints, kuriose Geschichten über London erzählt, die Leyland erst einmal für nicht recht wahrscheinlich hält. Doch später stellt sich heraus, dass der Zeitungsverkäufer keine „tall tales“ verbreitet hat, sondern, dass alles stimmte. Von diesem Treffen im Pub inspiriert, macht sich Simon Leyland auf die Suche nach weiteren Londoner Kuriositäten und hat diese in seinem Buch zusammengefasst.

Der ehemalige Aktienhändler in der Londoner City hat eine Menge Witziges, Skurriles und Kurioses ausgegraben wie etwa

Mr Crapper’s Bottom Slapper, die Erfindung von Thomas Crapper, einem Experten für Sanitärinstallationen (ja, der hieß wirklich so!), bei der es sich um einen neuartigen Toilettensitz handelte, der aber nicht so funktioniertr wie er eigentlich sollte (der Name „Bottom Slapper“ deutet auf die Fehlfunktion hin).

Londons smuttiest windows, bei denen es um den Penis von Prince Albert geht, eingeritzt in die Milchglasfenster eines Pubs (ich berichtete in meinem Blog davon, in meinem erotischen Spaziergang durch London).

Die kleine Londoner Straße Carting Lane, die aus gutem Grund gern auch Farting Lane genannt wird. Näheres in meinem früheren Blogeintrag.

Mr Kessler’s Birthday Party, die legendäre Geburtstagsfeier eines reichen Amerikaners im Luxushotel Savoy, wobei die Lagunenstadt Venedig als Thema gewählt wurde, Enrico Caruso sang und ein Elefant eine riesige Geburtstagstorte zu den Gästen brachte.

Wer Kurioses mag und eine andere Seite der Stadt London kennen lernen möchte, wird dieses sehr empfehlenswerte Buch mit viel Vergnügen lesen!

Simon Leyland: A Curious Guide to London – Tales of a City. Bantam Press 2014. 218 Seiten. ISBN 978-0-59307-323-0.

Published in: on 9. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – Mike Pannett: „Now then Lad…“ – Tales of a Country Bobby

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Der in York geborene Mike Pannett begann seine Polizeilaufbahn 1988 bei der Londoner Metropolitan Police, wo er unter anderem bei der Murder Squad und der Riot Police arbeitete. 1997 zog es ihn wieder in das heimische Yorkshire zurück, wo es doch etwas ruhiger zuging als in der Hauptstadt, und so nahm er eine Stelle als Streifenpolizist in Malton (North Yorkshire) an. Was er da so alles erlebte, schildert er in seinem Buch „“Now then, Lad…: Tales of a Country Bobby„. Hier im ländlichen North Yorkshire hat er es jetzt mit entlaufenen Bullen, Lärmbelästigung bei Rockkonzerten und nächtlichen Streifen zu tun. Außerdem trifft er auf eine sehr reizvolle neue Kollegin… Mike Pannett, dessen Frau auch im Polizeidienst steht, entschloss sich aus dem Buch eine Serie zu machen, in der ein halbes Dutzend Bände erschienen sind. Als Gegenpol verfasste der Polizist auch ein Buch über die Verbrechensszene in London unter dem Titel „Crime Squad: Life and Death on London’s Front Line„.

In der BBC Doku-Serie „Country Cops„, die im Jahr 2005 in und um Malton gedreht wurde, spielte Mike Pannett sich selbst.

PC Pannett ist übrigens der Cousin von Peter Walker, der besser unter seinem Pseudonym Nicholas Rhea bekannt ist, und der die „Constable„-Serie geschrieben hat, die unter dem Titel „Heartbeat“  in mehreren hundert Episoden für das Fernsehen verfilmt wurde und in England Kultstatus hat. Peter Walker ist im vorigen Jahr verstorben; siehe dazu meinen Blogeintrag.

Mike Pannett:  „Now then Lad…“ – Tales of a Country Bobby. Constable 2008. 258 Seiten. ISBN 978-1-84529-811-1

 

Published in: on 12. Juni 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Towpath Talk – Das Magazin für Freunde des britischen Wasserstraßensystems

 

Unser Narrowboat auf dem River Avon.
Eigenes Foto.

In Großbritannien gibt es eine zunehmende Zahl von Menschen, die ihren Urlaub gern auf den Kanälen verbringen, sei es auf eigenen oder auf gemieteten Narrowboats oder anderen Motorbooten. Das Kanalsystem im Land ist weitverzweigt und man kann z.B. von London aus problemlos bis in den Norden fahren. Ein gemächlicher Urlaub (wenn da nicht die vielen Schleusen wären…).

Für alle, die sich für die britischen Kanäle interessieren, gibt es ein Magazin namens Towpath Talk. Es erscheint jeweils am letzten Donnerstag eines Monats in einer Auflage von ca 29 000 Exemplaren bei der Mortons Media Group Ltd in Horncastle in Lincolnshire. Auf in der Regel 64 Seiten wird man mit diesem Magazin über alles informiert, was es an Wissenswertem über die Kanäle zu berichten gibt. Die zurzeit aktuelle Ausgabe vom Juni 2018 hat u.a. als Thema das 41. Easter Boat Gathering im National Waterways Museum in Ellesmere Port (Cheshire) und das jährliche Treffen der Schleppboote im Black Country Living Museum in Dudley (West Midlands).

In erster Linie ist der Towpath Talk aber ein Werbeblatt für Verkäufer und Vermieter von Narrowboats, für Marina-Betreiber, für Werften und für Inneneinrichter von Booten.

Man kann sich Towpath Talk auch nach Deutschland schicken lassen; das kostet £17.50 für 12 Ausgaben.

Towpath Talk
Media Centre
Morton Way
Horncastle
Lincs
LN9 6JR
 

Wir machten unser Boot in Stratford-upon-Avon fest.
Eigenes Foto.

Published in: on 2. Juni 2018 at 02:00  Comments (4)  
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Mein Buchtipp – Richard Muir: How To Read a Village

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Ich habe mich in der letzten Zeit etwas intensiver mit englischen Dörfern beschäftigt, daher auch meine Buchtipps wie Richard Askwiths „The Lost Village“ und Brian Baileys „The English Village Green„. Ein weiteres Buch zum Thema ist Richard MuirsHow To Read a Village„, erschienen 2007 bei der Ebury Press.

Dr Richard Muir hat seine Dissertation bei der Universität von Aberdeen geschrieben und ist zu einem Experten für „landscape interpretation“ geworden. 1989 erschien sein „Shell Guide to Reading the Landscape„, im Jahr 2000 sein „The New Reading the Landscape: Fieldwork in Landscape History„.

In der „How To Read…“-Serie der Ebury Press verfasste Dr Muir sein „How To Read a Village“, in dem er sich mit allen Aspekten des britischen Dorfes beschäftigt und dem Leser Ratschläge an die Hand gibt wie er selbst aus bestimmten Anzeichen Rückschlüsse auf die Geschichte eines Dorfes ziehen kann. Er untersucht u.a. wesentliche Elemente eines Dorfes wie die Kirche, das Village Green, den Pub, Cottages und den Dorfteich.

Auch Richard Muir sorgt sich um die Zukunft des Dorfes: „With more and more of our countryside disappearing under tarmac and brick, it is time to reassess, appreciate and understand our villages„.

Das Buch ist mit sehr eindrucksvollen Fotos ausgestattet, manche in Schwarz-Weiß, die meisten in Farbe, davon auch einige doppelseitig.

Für alle, die sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen möchten, sehr zu empfehlen.

Richard Muir: How To Read a Village. Ebury Press 2007. 272 Seiten. ISBN 978-0-09-192011-1

Eines meiner Lieblingsdörfer: Turville in Buckinghamshire.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 28. Mai 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Peter A. McCue: Paranormal Encounters on Britain’s Roads

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Anfang diesen Jahres erschien im Verlag The History Press, immer noch eine der besten Adressen für alle, die sich für England interessieren, das Buch „Paranormal Encounters on Britain’s Roads: Phantom Figures, UFOs and Missing Time“ von Peter A. McCue. McCue ist ein klinischer Psychologe aus Schottland, der seinen Doktortitel mit einer Arbeit über Hypnose von der Universität Glasgow erhalten hat. Schon in seinem Buch „Zones of Strangeness: An Examination of Paranormal and UFO Hot Spots“ (AuthorHouse UK 2012) hat er sich mit paranormalen Phänomenen auseinandergesetzt und den Orten, an denen sich diese Dinge ereignet haben.

In seinem aktuellen Buch beschäftigt sich Peter A. McCue schwerpunktmäßig mit den unheimlichen Begegnungen, die Menschen auf den Straßen Großbritanniens hatten. Und es gibt da tatsächlich „hot spots“, wo sich diese Phänomene häufen.

Beispiel Cannock Chase, eine bewaldete Region in Staffordshire, von wo es immer wieder Berichte von „paranormal encounters“ gibt. Auf der Slitting Mill Road werden über Jahre hinweg Menschen mit einer mysteriösen schwarz gekleideten Gestalt konfrontiert, die sich bei einer versuchten Kontaktaufnahme in Luft auflöst. Mehrere Male erzählten Autofahrer von einer Frau, die an der Stile Cop Road, ganz in der Nähe des Friedhofeingangs, stand und mitgenommen werden wollte. Sie stieg jeweils im Fonds ein und verschwand während der Fahrt.

Ein weiterer Hotspot ist der Blue Bell Hill, ein Hügel zwischen Maidstone und Rochester in Kent, der von der A229 überquert wird. Hier berichteten Autofahrer immer wieder, davon, dass vor ihnen plötzlich eine Gestalt auftauchte, die sie mit ihrem Fahrzeug erfassten. Wenn sie ausstiegen, um nach ihr zu sehen, war diese Person nicht mehr auffindbar. Auch Polizeibeamte, die zur Untersuchung hinzugezogen wurden, konnten sich keinen Reim darauf machen. Sean Tudor hat sich in seinem Buch „The Ghosts of Blue Bell Hill & Other Road Ghosts“ (White Ladies Press 2017) näher mit dieser Region beschäftigt.

Schließlich noch ein weiterer Ort, um den sich zahllose unheimliche Geschichten ranken: Warminster in Wiltshire, am Rande des riesigen militärischen Sperrgebiets Salisbury Plain. Hier werden ähnliche Vorfälle wie in den Blue Bell Hills erzählt, vor allem aber berichten Menschen, die in der Region leben, immer wieder, unabhängig voneinander, von UFO-Sichtungen und das schon seit vielen Jahren. Gibt es da einen Zusammenhang zu der Militärbasis?

Peter A. McCue: Paranormal Encounters on Britain’s Roads: Phantom Figures, UFOs and Missing Time. The History Press 2018. 176 S. ISBN 978-0-7509-8438-6.

Die Slitting Mill Road, südlich von Rugeley (Staffordshire) in der Region Cannock Chase.
Photo © A Holmes (cc-by-sa/2.0)

Der Stile Cop Cemetery, ebenfalls südlich von Rugeley gelegen.
Photo © John M (cc-by-sa/2.0)

Der Blue Bell Hill in Kent.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Der Cley Hill bei Warminster – Ein UFO-Hotspot.
Photo © Phil Williams (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. Mai 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Harris’s List of Covent Garden Ladies – Ein Führer durch das Prostituierten-Milieu des 18. Jahrhunderts


This work is in the public domain

Der irische Schriftsteller Samuel Derrick (1724-1769) soll der Herausgeber eines Führers durch das Londoner Prostituierten-Milieu des 18. Jahrhunderts gewesen sein, der sich „Harris’s List of Covent Garden Ladies“ nannte und in den Jahren 1757 bis 1795 erschien.
Das heutige Covent Garden Viertel wird geprägt vom Royal Opera House, dem Theatre Royal Drury Lane und einer Vielzahl von Pubs, Bars und Restaurants. Im 18. Jahrhundert hatte Covent Garden allerdings keinen guten Ruf, denn hier war ein Schwerpunkt der Prostitution der Hauptstadt. Herren, die sich des sexuellen Vergnügens hingeben wollten, hatten eine große Auswahl an Damen, die ihrerseits ihre Dienste feilboten. Damit die Auswahl etwas leichter fiel, gab es die besagte „Harris’s List of Covent Garden Ladies“, benannt nach dem Zuhälter Jack Harris, der sich selbst in seiner Autobiografie „“Pimp General to the People of England“ nannte. In dieser Liste, die immer wieder neu aufgelegt wurde, fand man die Damen des horizontalen Gewerbes penibel aufgelistet, mit allen ihren Vorzügen und Nachteilen. Über 250 000 Exemplare sollen in den knapp dreißig Jahren verkauft worden sein.

Werfen wir einmal einen Blick in die Liste. Da finden wir zum Beispiel  eine Miss Dav-s (die Namen sind nie vollständig ausgeschrieben), die in der Margaret Street 28 wohnte. Sie war ca 18 Jahre alt und hatte hübsche Gesichtszüge; vor allem ihr Mund war sehr schön und erinnerte an eine Rose, kurz bevor sie zu blühen begann. Nur ihre Augen gereichten zu ihrem Nachteil, denn sie waren schmal und grau.

Miss Ke-t von der Warren Street Nummer 9, 20 Jahre alt mit dunklen Augen und schwarzen Haaren, wird poetisch so beschrieben: „Whenever she is offering incense at the shrine of Venus, her whole frame is agitated with pleasure, her eyes languish, her breasts heave, and her limbs quiver, while involuntary sighs and murmurs burst forth from her tender bosom, provoking the transports of the happy priest who administers with her“. Welcher Herr konnte da widerstehen?

Miss Sh-rd aus der Goodge Street Nummer 46 nahm für ihre Dienstleistungen eine Guinea und der Verfasser ihrer Kurzvita schwärmt: „Her hand and arm are uncommonly neat; and her leg, thigh, and the demesnes adjacent remarkably tempting“.

Die Historikerin Hallie Rubenhold hat sich mit der Thematik intensiv beschäftigt und einige Bücher darüber geschrieben; in Deutschland erschien ihr „Covent Garden Ladies: Ein Almanach für den Herrn der Welt“ (Osburg-Verlag 2009).

In der BBC-Dokumentation „The Harlot’s Handbook“ schildert Hallie Rubenhold das Prostituierten-Milieu der damaligen Zeit: Teil 1 und Teil 2.

Covent Garden Market.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Mein Buchtipp – Richard Askwith: The Lost Village

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Richard Askwiths Buch „The Lost Village„, bereits 2008 erschienen, trägt den Untertitel „In Search of a Forgotten Rural England„. Darin untersucht er, was aus dem typisch englischen Dorf geworden ist. „Typisch“ bedeutet, jeder kennt jeden, man trifft sich im Pub, im Dorfladen und in der Kirche, man hilft sich untereinander, schließt die Türen seines Hauses nicht ab usw.
Gut, das Türenabschließen ist angesichts der Kriminalität auch im ländlichen Bereich schon lange üblich, aber leider verschwinden auch immer mehr Pubs und Läden aus den Dörfern, Schulen werden geschlossen und der Pfarrer „bedient“ mehrere Ort gleichzeitig und ist nur noch selten zu sehen.

Viele „locals“ fühlen sich in ihrem Dorf nicht mehr wohl, weil immer mehr Häuser, die sie sich selbst nicht mehr leisten können, von Fremden aus den großen Städten gekauft werden, die sich aber nicht in eine (falls noch existierende) Dorfgemeinschaft einfügen wollen, man kennt sich nicht mehr und die Strukturen brechen allmählich auseinander.

Richard Askwith ist durch ganz England gereist, hat mit den Einheimischen gesprochen, hat von den Nöten der Farmer gehört, von denen es immer weniger gibt, weil sich die Arbeit nicht mehr lohnt.
Einige Beispiele:
In Abbotts Ann in Hamphire trifft Richard Askwith auf einen der wenigen noch verbliebenen Reetdachdecker, in Polperro in Cornwall hört er wie die Touristenströme das Ortsbild verändert haben, in Threlkeld in Cumbria unterhält er sich mit einem Jäger, der sich vehement gegen das Verbot der Fuchsjagd ausspricht und erlebt in Haxey in Lincolnshire hautnah die alte Tradition des Haxey Hood mit.

Ein hochinteressantes, nachdenklich machendes Buch, dessen Lektüre ich jedem empfehlen kann, der sich für englische Dörfer interessiert.

Richard Askwith: The Lost Village – In Search of a Forgotten Rural England. Ebury Press 2008. 356 Seiten. ISBN 978-0-09-190913

Abbots Ann in Hampshire.
Photo © John Firth (cc-by-sa/2.0)

Polperro in Cornwall.
Photo © Robin Drayton (cc-by-sa/2.0)

The Haxey Hood in Haxey (Lincolnshire).
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. Mai 2018 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – Brian Bailey: The English Village Green

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Zu einem richtigen englischen Dorf, wie man sich das so vorstellt und vielleicht auch ein wenig von Miss Marples St Mary Mead beeinflusst worden ist, gehören unbedingt der gemütliche Pub, die Kirche, daneben des Haus des Vikars, das Manor House und der Dorfanger, also das Village Green. Während die Literatur über Pubs, Kirchen und Manor Houses zahlreich ist, gibt es nur ganz wenige Bücher, die sich mit dem Thema „Village Green“ beschäftigen.

Brian Bailey hat bereits 1985 das Buch „The Village Green“ veröffentlicht, danach ist nichts Nennenswertes mehr darüber erschienen. „The village green, whatever its original purpose may have been, remains one of the most ancient and characteristic symbols of Englishness...“. so Brian Bailey. Leider droht auch diesem „symbol of Englishness“ die Ausrottung, denn in vielen Dörfern sind sie bereits verschwunden, zubetoniert, um Parkplätze zu schaffen oder um Straßen anzulegen.

Nach zwei einführenden Kapiteln über den Ursprung und den Sinn und Zweck englischer Dorfanger, stellt Brain Bailey, nach Regionen geordnet, die schönsten und sehenswertesten Greens vor. Manche Grafschaften können eine stattliche Zahl vorweisen, in anderen muss man sie mit der Lupe suchen (wie in Cornwall, Staffordshire oder Shropshire). Der Autor muss riesige Strecken zurückgelegt haben, um sich die (noch) vorhandenen Village Greens anzusehen. Das Buch endet mit dem Kapitel „The Future of Village Greens“ und einer Top Twenty-Liste von Baileys Lieblings-Greens, auf der sich u.a. die von Aldbury in Hertfordshire (bei meinem Besuch im letzten Jahr sah das leider etwas ungepflegt aus), Haddenham in Buckinghamshire (da stimme ich völlig zu), Tolpuddle in Dorset (klein, aber fein) und Finchingfield in Essex (vielleicht das schönste im ganzen Land) befinden.

Obwohl das vergriffene, aber leicht antiquarisch zu bekommene Buch schon 33 Jahre alt ist und einige der erwähnten Greens wohl nicht mehr existieren, kann ich es allen sehr empfehlen, die sich mit dieser Materie näher beschäftigen möchten.

Hier ist eine kleine Auswahl meiner persönlichen Lieblinge.

Brian Bailey: The English Village Green. Robert Hale 1985. 223 Seiten. ISBN 0-7090-2339-1.

Meine persönliche Nummer 1: The Lee in Buckinghamshire.
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Littlewick Green bei Maidenhead in Berkshire. Village Green mit Pub, The Cricketers. Hier wird natürlich auch Cricket gespielt. 
Eigenes Foto.

Brill in Buckinghamshire.
Eigenes Foto.

Haddenham in Buckinghamshire mit Kirche und Dorfteich.
Eigenes Foto.

Westlington in Buckinghamshire.
Eigenes Foto.

Warborough in Oxfordshire: Hier gibt es einen Pub, The Six Bells, und auf dem Green wird Cricket gespielt.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 22. April 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Mein Buchtipp – Tom Chesshyre: From Source to Sea – Notes From a 215-Mile Walk Along the River Thames

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Tom Chesshyre, Reisejournalist der Times, hat schon über 90 Länder der Welt bereist und darüber geschrieben. Sein Buch „To Hull and Back: On Holiday in Unsung Britain“ habe ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt.In seinem aktuellen Buch „From Source to Sea – Notes From a 215-Mile Walk Along the River Thames„, 2017 erschienen, berichtet Tom Chesshyre von seiner Wanderung auf dem Thames Path, von der Quelle des Flusses bis zur Mündung in die Nordsee; dabei hat er in 21 Tagen insgesamt 590 Kilometer zurückgelegt, einen Tagesdurchschnitt von 28 Kilometern gehabt, 821 722 Schritte getan und 79 623 Kalorien verbrannt.

Der Start seiner Wanderung  ist Trewsbury Mead, eine Wiese nur ein paar Schritte vom Thames Head Inn entfernt, auf der die Themse das Licht der Welt erblickt, nur war davon so gut wie nichts zu sehen („there is no water whatsoever“). Toms erste Übernachtung entlang des Themsepfades  findet auch im Thames Head Inn in der Nähe von Kemble in Gloucestershire statt. Sein wichtigster Führer für die Wanderung wird Joel Newtons „Thames Path: Thames Head to the Thames Barrier“ sein, 2015 bei Trailblazer Publications erschienen, ein Buch mit vielen praktischen Tipps.
In den drei Wochen trifft Tom Chesshyre entlang des Flusses auf viele interessante Menschen, entdeckt mehr oder weniger empfehlenswerte Hotels und Pubs, trifft auf manchen Strecken oftmals nur wenige Leute, dafür wird es bei der Durchquerung Londons erheblich lebhafter. Das Ende der Wanderung liegt auf der Isle of Grain, eine von Touristen eher wenig besuchte Region auf der Hoo Peninsula, dort, wo die Themse endgültig in der Nordsee aufgegangen ist.

Ich habe das Buch mit sehr viel Vergnügen und Interesse gelesen, obwohl ich auf dem Thames Path nur wenige Meter zurückgelegt habe, zuletzt im September bei Cookham in Berkshire. Auch für alle, die nicht vorhaben, die Komplett- bzw. eine Teilwanderung entlang der Themse zu machen, ist Tom Chesshyres Buch sehr zu empfehlen!

Tom Chesshyre: From Source to Sea – Notes From a 215-Mile Walk Along the River Thames. Summersdale 2017. 319 Seiten. ISBN 978-1-84953-921-0.

Der Thames Head Inn bei Kemble in Gloucestershire.
Eigenes Foto.

Die Themse bei Cookham (Berkshire).
Eigenes Foto.

Die Themse in Marlow (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

Einer meiner Lieblingsplätze an der Themse am Oakley Court Hotel in Berkshire.
Eigenes Foto.

The London Stone auf der Isle of Grain, hier ist die Themse in der Nordsee aufgegangen.
Photo © Roger W Haworth (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. April 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Graham Uney: Oxfordshire – The Glorious County

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Graham Uney hat schon zahlreiche Bücher geschrieben, speziell Wanderführer für viele Regionen Großbritanniens, aber auch Porträts englischer Counties.
Ein sehr schöner Bildband ist „Oxfordshire: The Glorious County„, in dem Uney die Facetten dieser englischen Grafschaft zeigt. Besonders die Dörfer haben es ihm angetan, so finden sich in dem Buch sehr stimmungsvolle Fotos von Goring, Wroxton, Deddington und Benson, um nur einige Dörfer zu nennen.

„It is a county of light and colour, of big skies and intimate corners. Oxfordshire’s palate runs through warming tones of red and orange stonework in the walls of old farms, villages and towns, topped by earthly tones of thatched cottages“, so Uney in der Einführung zu seinem Buch. Genauso habe ich die Grafschaft auch immer wieder erlebt.

Graham Uney: Oxfordshire – The Glorious County. Halsgrove 2008. 144 Seiten. ISBN 978-1841148113. Bildband im Querformat.

Die Themse bei Wallingford (Oxfordshire). – Eigenes Foto.

Ewelme in Oxfordshire. – Eigenes Foto.

Published in: on 1. April 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – Tom Fort: The Village News – The Truth Behind England’s Rural Idyll

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Der ehemalige BBC-Mitarbeiter Tom Fort versteht es, interessante Bücher zu schreiben. Vorgestellt habe ich in meinem Blog bereits „The A 303: Highway to the Sun“ und „Channel Shore: From the White Cliff’s to Land’s End„.“
In seinem aktuellen Buch aus dem Jahr 2017 „The Village News: The Truth Behind England’s Rural Idyll“ beschäftigt er sich mit dem Dorfleben in England. Da er selbst in einem Dorf lebt, in Sonning Common in Oxfordshire, kann er das auch gut beurteilen. 21 Dörfer stellt Tom Fort vor und verknüpft jedes mit einem speziellen Thema. Hier sind einige Beispiele:

Das kleine Dorf Slad in Gloucestershire würde kaum jemand außerhalb der Region kennen, hätte nicht der Schriftsteller Laurie Lee (1914-1997)  seinen  Roman „Cider With Rosie“ (dt. „Des Sommers ganze Fülle“) hier spielen lassen. Lee hatte seine Kindheit nach dem Ersten Weltkrieg in Slad verbracht und berichtet darüber. Das Buch wurde mehrere Millionen mal in der ganzen Welt verkauft und für das Fernsehen mehrmals verfilmt.

Dir Rolle des Dorfpfarrers erläutert Tom Fort am Beispiel von Eversley in Hampshire. Hier in St Mary’s wirkte Charles Kingsley von 1842 bis zu seinem Tod 1875. Kingsley ging in die englische Literaturgeschichte durch sein Kinderbuch „The Water Babies“ (dt. „Die Wasserkinder“) und seinen Roman „Westward Ho!“ (dt. „Westward ho“) ein.

Am interessantesten fand ich den 21. Artikel „My Village“, in dem Tom Fort sein Dorf Sonning Common in Oxfordshire (nicht zu verwechseln mit dem nur wenige Kilometer entfernten Sonning an der Themse) beschreibt. Auf sehr humorvolle Weise berichtet er über seine Mitarbeit im Parish Council, der seinerzeit von einer herrschsüchtigen Dame dominiert wurde, der niemand zu widersprechen wagte, bis sie schließlich zu aller Erleichterung von einem wagemutigen ehemaligen Lehrer vom Thron gestürzt werden konnte. Tom Fort liebt sein Dorf, obwohl es nach seinen eigenen Worten „deeply unremarkable“ ist.

Das Buch ist sehr lesenswert und gibt einen tiefen Einblick in die Rolle des Dorfes in der englischen Gesellschaft, wobei frühere und heutige Probleme ausführlich erörtert werden.

Tom Fort: The Village News: The Truth Behind England’s Rural Idyll. Simon & Schuster 2017. 392 Seiten. ISBN 978-1-4711-5109-5.

Slad in Gloucestershire.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

St Mary’s in Eversley (Hamphire). Hier wirkte der Pfarrer Charles Kingsley.
Photo © Andrew Mathewson (cc-by-sa/2.0)

Die Peppard Road in Sonning Common (Oxfordshire).
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Em Marshall: Music in the Landscape – How the British Countryside Inspired Our Greatest Composers

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Britische Komponisten sind, mit wenigen Ausnahmen, fast nur im eigenen Land bekannt: der „Rest Europas“ kennt Benjamin Britten, Gustav Holst und Edward Elgar, aber das war es wohl auch schon.

Wer sich näher mit britischer klassischer Musik beschäftigen möchte, dem kann ich ein Buch empfehlen, das den Einfluss der britischen Landschaft auf  Kompositionen untersucht.
Em Marshall ist Vorsitzende der Ralph Vaughan Williams Society und häufig in Klassiksendern zu hören. In ihrem Buch „Music in the Landscape: How the British Countryside Inspired our Greatest Composers“ zeigt sie, dass die meisten britischen Komponisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von der Landschaft, in der sie aufwuchsen bzw. wohnten, inspiriert wurden, so beispielsweise Edward Elgar von den Malvern Hills und Benjamin Britten von der Küste Suffolks.

Doch Em Marshall nimmt sich auch weniger bekannter Komponisten an und so erfahren wir von Arnold Bax, der von Tintagel an der Nordküste Cornwalls seine Inspirationen bezog, Ivor Gurney von der Landschaft South Gloucestershires und John Ireland vom Maiden Castle in Dorset und von der Insel Guernsey.
Ein sehr schönes und empfehlenswertes Buch!

Em Marshall ist auch Chefin des Plattenlabels EM Records in Wimbledon (London) und hat kürzlich eine Doppel-CD mit Aufnahmen zeitgenössischer englischer Komponisten zum Thema „König Richard III“ veröffentlicht. Der Titel der CD lautet „Richard III“ und beinhaltet u.a. Kompositionen von Paul Carr („Sonatina“), Richard Pantcheff („King Richard III: Suite for solo violin“) und Paul Lewis („Threnody“).

Em Marshall: Music in the Landscape: How the British Countryside Inspired Our Greatest Composers. Robert Hale 2011. 272 Seiten. ISBN 978-0709084686.

Published in: on 13. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Jamie Manners: The Seven Noses of Soho

Foto meines Exemplares.

Seit Juni 2014 schreibt Jamie Manners in seinem Blog The Baedeker Raids über seine Reisen durch ganz Europa. Am 1. Oktober 2015 erschien sein erstes Buch „The Seven Noses of London and 191 Other Curious Details From the Streets of London„, in dem er sich mit Kuriositäten aus seiner Wahlheimat London beschäftigt. Manners stammt aus Belfast und arbeitet zurzeit in einer Londoner Bibliothek.

In seinem Buch über die sieben Londoner Nasen (s. dazu auch meinen Blogeintrag) stellt uns Manners in kurzen, meist nur eine Seite langen Artikeln verborgene, ungewöhnliche Dinge der Hauptstadt vor. „While the masses crowd around icons such as St Paul’s and the Tower of London, there are other layers of the city that are often overlooked„; ein Buch also, das sich nicht an den Erstbesucher der Stadt richtet, sondern an den, der schon an alle „must see“-Sehenswürdigkeiten ein Häkchen gesetzt hat und nun die Touristenpfade verlassen möchte. Selbst viele Londoner werden in dem Buch Dinge entdecken, von denen sie bisher noch nichts wussten. „This book is populated with tigers and flamingos, Roman emperors and Crusader knights, elves and devils, dead rock stars and Soviet spies„, so fasst es Jamie Manners in dem Vorwort zu seinem Buch zusammen. Entlang der U-Bahnlinien machen wir Spaziergänge durch die Stadt und begegnen dabei an der Bakerloo Line Eric Gills Prospero and Ariel am Broadcasting House, an der Piccadilly Line dem Swiss Glockenspiel, an der Circle Line dem Anglo-Belgian Memorial und an der Jubilee Line einer V2-Rakete an einer Hauswand in der Tooley Street.

Ein sehr interessantes und empfehlenswertes Buch!

Jamie Manners: The Seven Noses of London and 191 Other Curious Details From the Streets of London. Michael O’Mara 2015. 256 Seiten. ISBN 978-1-78243-461-0.

Das Swiss Glockenspiel zwischen Leicester Square und Piccadilly Circus.
Photo © Robert Lamb (cc-by-sa/2.0)

Das Anglo-Belgian Memorial am Victoria Embankment.
Photo © Chris Talbot (cc-by-sa/2.0)

Die V2-Rakete in der Tooley Street.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. März 2018 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – Henry Eliot & Matt Lloyd-Rose: Curiocity – In Pursuit of London

Foto meines Exemplares.

Es gibt Bücher, die man nach Beendigung der Lektüre weglegt und sie schnell vergessen hat; dann gibt es Bücher über die man noch längere Zeit nachdenkt, und es gibt Bücher, die so großartig sind, dass man richtig traurig ist, dass man sie schon ausgelesen hat und wünscht, sie hätten den doppeltem Umfang.
In die letzte Kategorie gehört das 2016 erschienene „Curiocity: In Pursuit of London“ von Henry Eliot & Matt Lloyd-Rose. Es gibt ganze Bibliotheken voller Bücher zum Thema „London“, die über die Jahrhunderte geschrieben worden sind, „Curiocity“ ist eines der besten, kuriosesten, skurrilsten, großartigsten und am liebevollsten gestalteten London-Bücher aller Zeiten. Ich habe es im vorigen Jahr entdeckt und bin absolut begeistert. Wer sich für die Stadt interessiert, muss es einfach besitzen, und es ist das ideale Geschenk für einen London-Fan.

Henry Eliot ist u.a. Tour Guide, kennt sich also in London bestens aus; Matt Lloyd-Rose war Lehrer, Polizeibeamter und Sozialforscher. Beide haben das Print-Magazin „Curiocity“ herausgegeben, aus dem das Buch entstanden ist. Dabei haben sie Unterstützung von ganz vielen Autoren und Illustratoren bekommen wie Monica Ali, Michael Moorcock und Philip Pullman (Autoren) und Steven Appleby, Daniel Duncan und Faye Moorhouse (Illustratoren), um nur einige zu nennen.

„Curiocity“ ist alphabetisch aufgebaut, wobei jedem Buchstaben ein bestimmtes Thema zugeordnet ist wie E=Eros, L=Livery oder X=Xenophilia. Bleiben wir bei dem X. Dort finden wir Kurzartikel über die einzelnen Bevölkerungsgruppen in der Stadt, wie viele es sind und wo sie sich angesiedelt haben. So gibt es in London über 55 000 Deutsche; ein Lokaltipp wird gleich mitgegeben, nämlich Katzenjammers Bierkeller in der Southwark Street.

Die manchmal doppelseitigen Illustrationen in dem Buch sind phantastisch und nehmen die im Textteil beschriebenen Themen auf sehr phantasievolle Weise wieder auf! Es gibt unzählige Querverweise und ein ausführliches Register. Man kann „Curiocity“ von vorn bis hinten in einem Zug lesen (wie ich es getan habe) oder einfach nur darin blättern und sich festlesen.

Dieses Buch ist für mich ein Ereignis auf dem britischen Buchmarkt; es wird möglicherweise nie in deutscher Übersetzung erscheinen. Ich darf zum Abschluss Philip Pullman zitieren, der gesagt hat: „The most ingenious, informative, inimitable, individual, innovative, insightful, inspiring, instructive, intelligible, intoxicating, intricate guide to the great city that I have ever seen. Bravo!“

Thank you Henry and Matt!!!

Henry Eliot & Matt Lloyd-Rose: Curiocity – In Pursuit of London. Particular Books 2016. 450 Seiten. ISBN 978-1-846-14867-5. Und das Buch kostet (zum Beispiel bei Amazon Deutschland) nur lächerliche €18.99 als Hardcover.

 

Published in: on 27. Februar 2018 at 02:00  Comments (1)  
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