Die Jane Austen Society

Das Museum in Chawton (Hampshire).
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Über die Schriftstellerin Jane Austen (1775-1817) habe ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben, zum Beispiel über das Jane Austen Centre in Bath. Im Gegensatz zu den meisten anderen Autoren ihrer Zeit, ist Jane Austen auch heute noch unvergessen. Ihre Romane werden nach wie vor gelesen, nicht zuletzt auch durch die Verfilmungen, die die Erinnerung an sie immer wieder wachgehalten haben.

Die britische Jane Austen Society trägt ebenfalls ihr Scherflein dazu bei, dass man die nur 41 Jahre alt gewordene Schriftstellerin nicht vergisst. Dorothy Darnell und ihre Schwester Beatrix gründeten die Gesellschaft im Jahr 1940, mit dem Ziel Chawton Cottage in Chawton (Hampshire) zu erwerben, in dem Jane Austen von 1809-1817 gewohnt hatte. Neun Jahre später wurde das Haus als Jane Austen’s House Museum eröffnet.

Die Gesellschaft hat sich vier Aufgaben gesetzt:

– Das Andenken an die Schriftstellerin hochzuhalten
– Dafür zu sorgen, dass ihr Nachlass in Form von Manuskripten, Briefen und Erinnerungsstücken erhalten bleibt
– Publikationen über Jane Austen und ihre Familie zu fördern
– Den Jane Austen Memorial Trust in der Erhaltung des Museums in Chawton zu unterstützen

Jedes Jahr finden Treffen der Gesellschaft statt, einmal das Annual General Meeting in Chawton (zuletzt am 14. Juli) und die dreitägige Annual Conference in unterschiedlichen Orten (fällt in diesem Jahr aus, soll aber 2019 wieder stattfinden).

In einzelnen Regionen Großbritanniens haben sich „Zweigstellen“ der Jane Austen Society gebildet, die eigene Veranstaltungen durchführen. In Kent gibt es zum Beispiel Berührungspunkte mit der Familie Jane Austens, die gern von der Kent Branch der Gesellschaft aufgesucht werden, wie Godmersham Park, wo Janes Bruder Edward aufwuchs und später mit seiner Familie lebte. Jane war dort häufig zu Besuch.

Die Mitgliedschaft in der Jane Austen Society kostet £28 (außerhalb Großbritanniens £38), dafür bekommt man regelmäßig die Newsletter und den Report, der u.a. über Neuerscheinungen zum Thema informiert.

Weitere Jane Austen Societies gibt es noch in Nordamerika, Australien, Brasilien, Tschechien und in den Niederlanden.

Godmersham Park in Kent.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 10. August 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Thockrington (Northumberland) und die Asche des Tom Sharpe

St Aidan in Thockrington.
Photo © Phil Thirkell (cc-by-sa/2.0)

Die Kirche St Aidan in Thockrington steht ziemlich einsam auf einem Hügel neben einer Farm in der Grafschaft Northumberland, also im hohen Norden Englands. Was heißt „in Thockrington“? Das Dorf gibt es schon lange nicht mehr, denn es wurde vom Schicksal ereilt, als im Jahre 1847 ein Seemann in seinen Heimatort zurückkehrte und die gesamte Dorfbevölkerung mit Cholera ansteckte. Alle starben, Thockrington wurde niedergebrannt. Nur die Farm und St Aidan überlebten; in der Kirche wurden weiterhin Gottesdienste abgehalten.

Einer der Pfarrer von St Aidan, Reverend George Sharpe, war der Vater eines Jungen, der später durch seine drastischen humorvollen Werke in die Literaturgeschichte Englands eingehen sollte: Tom Sharpe (1928-2013). Ich habe alle seine Romane gelesen, sie sind nichts für Zartbesaitete. Aber wer schwarzen Humor mag, wird Sharpes Bücher lieben. Im Jahr 2010 erschien sein letzter Roman „The Wilt Inheritance“ (dt. „Henry haut ab“).

Der Schriftsteller zog 1995 nach Spanien, wo er sich an der Costa Brava niederließ. Er trennte sich von seiner Frau und ging eine Beziehung mit der Spanierin Montserrat Verdaguer i Clavera ein. Als er am 6. Juni 2013 starb, wurde er in Spanien eingeäschert und die Asche an seine Frau und seine Lebensgefährtin verteilt. Die Spanierin fand in Sharpes Unterlagen seinen Wunsch, dass er einmal auf dem Kirchhof von Thockrington beigesetzt werden möchte, und so machte sie sich ein Jahr später mit einer Urne und Sharpes Asche auf den langen Weg von der Costa Brava nach Northumberland. Dort angekommen, buddelte sie mit bloßen Händen ein Loch auf dem Kirchhof, auf dem auch der Reverend George Sharpe liegt, deponierte dort die Asche, zusammen mit einer Flasche Whisky der Marke Famous Grouse, die Tom Sharpe besonders gern mochte, einer kubanischen Zigarre, seinem Lieblingsfüllfederhalter mit dem er einige seiner Bücher geschrieben hatte, und einem Bild aus seiner Kindheit. Dann hielt sie eine kurze Ansprache:
In this ancient church in Northumberland in which your father was buried you will remain for eternity. In the middle of nowhere, in an empty place, surrounded by grass and sheep. Tom Sharpe, rest in peace forever.“

Sollte Tom Sharpe vom Himmel aus dieser Zeremonie zugesehen haben, hätte er sich mit Sicherheit köstlich amüsiert.

Montserrat Verdaguer i Clavera, die das sehr spezielle Begräbnis von einem spanischen Fernsehteam filmen ließ, hatte die für St Aidan zuständigen Kirchenbehörden nicht um Erlaubnis gefragt, ob sie das überhaupt tun durfte…durfte sie natürlich nicht. Als die lokale Presse darüber berichtete, kam das auch der Kirche zu Ohren und so buddelte der Pfarrer von St Aidan alles wieder aus und die Church of England verhängte gegen die Spanierin eine Strafe in Höhe von £1,320. Erst nach Bezahlung der Strafe könnte sie den Inhalt des „Grabes“ wieder zurückbekommen. Die Dame von der iberischen Halbinsel hatte mittlerweile behauptet, dass die Zeremonie auf dem Kirchhof von Thockrington nur für das spanische Fernsehen inszeniert worden wäre, und sie hätte dort gar keine menschlichen Überreste beerdigt.

Tom Sharpe hätte sich das nicht besser für einen seiner Romane ausdenken können!

Hier ist ein Ausschnitt aus dem Film „Wilt„, nach dem gleichnamigen Roman von Tom Sharpe, derin Deutschland unter dem Titel „Puppenmord“ gezeigt wurde.

Grabsteine auf dem Kirchhof von St Aidan in Thockrington.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)

Ländliche Idylle mit Lämmern auf dem Kirchhof von St Aidan.
Photo © P Glenwright (cc-by-sa/2.0)

Cumberland Clark – Ein englischer Dichter und die Küstenstadt Bournemouth

Das Highcliff Hotel in Bournemouth, in dem Cumberland Clark eine Zeit lang wohnte.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Vor kurzem stellte ich in einem meiner Blogartikel den Dichter John Clare vor, der in Deutschland nur wenig bekannt ist. Noch unkannter dürfte der Dichter Cumberland Clark sein, den außerhalb der Region Bournemouth an der englischen Südküste auch in seinem Heimatland kaum noch jemand kennen dürfte. Ich bin auf Cumberland Clark gestoßen, als ihn einmal jemand als „England’s most awful poet“ bezeichnete, habe mir aber leider nicht notiert, wer diese Äußerung gemacht hat.

Mr Clark wurde 1862 in London geboren, er starb in der Nacht vom 10. auf den 11. April 1941 während eines Luftangriffs der deutschen Luftwaffe auf Bournemouth (Dorset). Er führte jahrzehntelang ein abenteuerliches Leben in Australien, Neuseeland, Südafrika und Nordamerika, u.a. als Schafzüchter, Goldwäscher und Pfarrer. Ab 1933, als seine Frau gestorben war, ließ er sich für den Rest seines Lebens in Bournemouth nieder.

Literarisch betätigte sich Cumberland Clark auf zwei Feldern. Er beschäftigte sich intensiv mit William Shakespeare und Charles Dickens und schrieb mehrere Bücher über sie, und er veröffentlichte Gedichte, in deren Mittelpunkt hauptsächlich die Stadt Bournemouth und die nähere Umgebung standen. Gesammelt wurden diese im „The Bournemouth Songbook„.

Einige Beispiele zur Veranschaulichung: In „The Bournemouth Hotels“ stellt  Clark einige Hotels seines Wohnortes vor:
„You visit the Savoy; you’ll soon be filled with joy“, „The Canford Cliffs Hotel will do you very well“, „The Highcliffe can’t be matched – the finest ever hatched“. Eine kleine Anmerkung: Das Savoy Hotel existiert noch in der West Hill Road, das Canford Cliffs Hotel nicht mehr, das Highcliffe Hotel gibt es noch unter dem heutigen Namen Bournemouth Highcliff Marriott Hotel in der St Michael’s Road.

Den jungen Damen von Dorsets Hauptstadt widmet Cumberland Clark Aufmerksamkeit in seinem Gedicht „The Bournemouth Girls„, darin lobt er ihre körperlichen Vorzüge („Look close from all directions – their figures bear inspections“) und ist der festen Überzeugung, dass jedermann  die Mädchen einfach lieben muss („And even old men, gay old dogs, admit that they adore them“).

Auch den „Bournemouth Schoolgirls“ widmet der ältere Herr einige Zeilen („Bournemouth is full of them. Getting to know them is not a mere frivolous treat“) sowie der Bournemouth Regatta, den Boarding Houses, dem Sonnenuntergang, der Luft, der Landwirtschaftsschau, den Schlangen Arbeitsloser vor dem Arbeitsamt, den Schwalben usw. usw. Cumberland Clark war ein echter Fan der Küstenstadt.

Wer dem Dichter einen Besuch abstatten möchte, der sollte sich auf den East Cemetery von Bournemouth begeben, wo seine Grabstelle leicht zu finden ist: Ein großer steinerner Engel ragt über all die  anderen Gräber hinaus und weist den Weg.

Fern Bank in der St Stephens Road in Bournemouth: Hier starb der Dichter während eines Angriffs der deutschen Luftwaffe im April 1941.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Dichter John Clare (1793-1864), „The Peasant Poet“, und sein Heimatort Helpston (Cambridgeshire)

Das John Clare Cottage am Woodgate in Helpston.
Photo © Paul Bryan (cc-by-sa/2.0)

Die Einwohner des kleinen Ortes Helpston wussten lange Zeit nicht so recht, zu welcher Grafschaft sie nun eigentlich gehörten, mal war es Northamptonshire, dann Huntingdonshire und jetzt ist es (bis auf weiteres) Cambridgeshire. In diesem nördlich von Peterborough gelegenen Dorf mit weniger als 1000 Bewohnern erblickte am 13. Juli 1793 John Clare das Licht der Welt, der später als „The Peasant Poet“ in die englische Literaturgeschichte eingehen sollte.
Er wurde in einem Cottage geboren, das nur ein paar Schritte vom Dorfpub, The Bluebell, entfernt ist und dort arbeitete er als Dreizehnjähriger, wobei eine seiner Aufgaben darin bestand, des Nachts aus dem Nachbardorf Mehl zu holen. Um sich bei seinen einsamen Gängen die Zeit zu vertreiben, verfasste er Gedichte, die er laut vor sich hinsagte. Diese nächtlichen Gänge waren sozusagen die Initialzündung für seine „Karriere“ als Dichter. Im Jahr 1820 erschien seine erste Gedichtsammlung „Poems Descriptive of Rural Life and Scenery„, der mehrere andere folgten wie „The Shepherd’s Calendar with Village Stories and Other Poems„; man sieht an den Titeln, dass John Clare sich am wohlsten auf dem Lande fühlte. Er heiratete, hatte viele Kinder und war hin und her gerissen zwischen seiner Leidenschaft, dem Schreiben von Gedichten, und der Notwendigkeit, für seine immer größer werdende Familie Geld zu verdienen. Er bekam Depressionen, die noch dadurch verstärkt wurden, dass sich seine Bücher nicht mehr so gut verkauften. Nach und nach verfiel John Clare in geistige Umnachtung und verbrachte die letzten 23 Jahre seines Lebens in mehreren Nervenheilanstalten. Am 20. Mai 1864 verstarb er im Alter von 71 Jahren.

Begraben wurde der „Peasant Poet“ in seinem Heimatdorf Helpston, auf dem Kirchhof von St Botolph’s. Man hat ihn hier nie vergessen und so findet an seinem Todestag jedes Jahr die „Cushion Ceremony“ statt, bei der Kinder von der nach ihm benannten John Clare School Blumenkissen um sein Grab dekorieren. Es gibt eine John Clare Society, sogar mit einem Ableger in den USA, was sich der Poet damals sicher nicht hätte träumen lassen. In diesem Jahr findet in Helpston vom 13. bis zum 15. Juli das John Clare Society Festival statt, wobei die St Botoph’s Church, The Bluebell und das John Clare Cottage eine zentrale Rolle spielen. Letzteres wurde 2005 vom John Clare Trust übernommen und es kann besichtigt werden.

Auf dem kleinen Village Green, gegenüber der Kirche, hat man zur Erinnerung ein Denkmal für John Clare errichtet.

Hier ist John Clares Gedicht „Autumn“, gelesen von Richard Burton.

Das Buch zum Artikel:
Jonathan Bate: John Clare – A biography. Picador, London 2003. 648 Seiten. ISBN 978-0374179908.

Das John Clare Memorial auf dem Village Green.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

John Clares Grab auf dem Kirchhof von St Botolph’s.
Author: Magnus Manske.
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St Botolph’s.
Photo © Chris McAuley (cc-by-sa/2.0)

The Bluebell am Woodgate.
Photo © Rodney Burton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. April 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Miss Read, die Meisterin der englischen Dorfgeschichten

Chelsfield (Greater London), einer der Orte, in denen Miss Read lebte und der für Fairacre bzw. Thrush Green Pate stand.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

The Market Square“ und „Battles at Thrush Green“ sind die Titel zweier Bücher, die ich einmal von der englischen Autorin Miss Read gelesen habe, deren eigentlicher Name Dora Jessie Saint  lautet. Das „Read“ in dem Pseudonym hat nichts mit dem Wort „Lesen“ zu tun, es ist nur der Geburtsname ihrer Mutter. Sie wurde 1913 in den südlichen Außenbezirken von London geboren, in South Norwood, um genau zu sein, das heute zum London Borough of Croydon gehört.

Wer es bei seiner Lektüre gern gemütlich hat und englische Dorfgeschichten mag, der ist bei Miss Read genau richtig. Sex, Drugs and Rock ’n‘ Roll wird man darin vergeblich suchen. „Cozy“ trifft am besten auf die Bücher zu, die in den kleinen fiktiven Orten Fairacre und Thrush Green spielen. Miss Read hat als Vorbild dafür die Dörfer genommen, in denen sie selbst einmal gelebt hat wie Chelsfield, jetzt London Borough of Bromley, Woodgreen, Ortsteil von Witney in Oxfordshire, und Chieveley in Berkshire. Spektakuläre Dinge passieren in ihren Büchern nicht; man trifft darin zum Beispiel auf Dolly Clare, eine ehemalige Volksschullehrerin, auf die Klatschbasen Mrs Pringle und Betty Bell, auf den griesgrämigen Friedhofswärter Albert Piggott und seine Frau Nelly und auf die Lovelock-Schwestern Bertha, Ada und Violet. In diesem Mini-Universum geht es u.a. um eine Schuljubiläumsfeier („Village Centenary“ bzw. dt. „Die Hundertjahrfeier„), um kleine Liebeleien („Return to Thrush Green“ bzw. dt. „Harold auf Freiersfüßen„), und die Dorfschule steht immer wieder im Mittelpunkt („Village Affairs“ bzw. dt. „Ein böses Gerücht“).

Miss Reads erster Roman „Village School“ (dt. „Dorfschule“) aus der Fairacre-Serie erschien 1955, ihr letzter „The Year at Thrush Green“ (dt. „Turbulenzen auf dem Lande“) aus der Parallel-Reihe „Thrush Green“ 1995. Ihre Bücher wurden alle ins Deutsche übersetzt und erschienen bei dtv und Piper. Sie sind zwar alle im regulären Buchhandel vergriffen, doch bekommt man sie leicht antiquarisch; in England sind die Bücher natürlich noch lieferbar. Sowohl die englischen als auch die deutschen Ausgaben haben  Umschlagbilder, die der gemütlichen Atmosphäre Rechnung tragen; als Beispiel möchte ich hier „Christmas at Thrush Green“ nennen.

Dora Jessie Saint verbrachte die letzten Jahre ihres Lebens in Great Shefford in der Grafschaft Berkshire, wo sie kurz vor ihrem 99. Lebensjahr am am 7. April 2012 starb. Am 17. Mai des Jahres wurde ihr zu Ehren eine Trauerfeier in der örtlichen Dorfkirche St Mary’s eine Trauerfeier abgehalten. Ein Grab von ihr wird man vergebens suchen, sie wurde eingeäschert und ihre Asche an die Familie übergeben.

Hier wird ein kleiner Ausschnitt aus Miss Reads „Celebrations at Thrush Green“ vorgelesen.

 

St Mary’s in Great Shefford, wo die Trauerfeier für Miss Read stattfand.
Photo © ChurchCrawler (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Penguin Books – Die ersten zehn Titel aus dem Jahr 1935

St David’s Railway Station in Exeter (Devon) – Hier und auf dem Weg nach London hatte Allen Lane die Idee zu den Penguin Books.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Als der Verleger Allen Lane 1934 von einem Besuch bei Agatha Christie in Devon wieder nach London zurückfuhr, suchte er auf dem Bahnhof von Exeter nach Lesestoff für die Zugfahrt, wurde aber nicht fündig. So musste er während der langen Fahrt aus dem Fenster schauen und die Landschaft genießen. Dabei kam ihm die Idee, eine Buchreihe ins Leben zu rufen, die möglichst preiswert herzustellen und auch für Leser mit schmalem Geldbeutel erschwinglich war. Die Idee zu den Penguin Books, wie die Buchreihe heißen sollte, war geboren. Auf dem St David’s Bahnhof von Exeter erinnert eine orangefarbene Plakette an Sir Allen Lane und die Inspiration, die er hier erhielt.

Am 30. Juli 1935 wurden die ersten zehn Titel veröffentlicht und für sechs Pence verkauft. Die Reihe mit dem Pinguin als Logo war nicht vom Start weg ein großer Erfolg, etliche der ersten zehn Titel blieben bei Buchhändlern im Regal liegen, doch nach und nach nahm der Verkauf an Fahrt auf, und die Buchreihe gehört seitdem zu den bekanntesten und erfolgreichsten der Welt.

Werfen wir einmal einen Blick auf die ersten zehn Titel:

Penguin Book Nummer 1:
André Maurois: Arielle
Erstaunlicherweise eröffnete ein französischer Schriftsteller die Buchreihe. André Maurois (1885-1967) beschäftigt sich in seinem Werk mit dem englischen Schriftsteller Percy Bysshe Shelley. Das Buch wurde auch unter dem Titel „Ariel oder das Leben Shelleys“ ins Deutsche übersetzt.

Penguin Book Nummer 2:
Ernest Hemingway: A Farewell to Arms
Der Literaturnobelpreistrager Ernest Hemingway (1899-1961) erzählt in diesem Roman von der Liebe zwischen einem in der italienischen Armee dienenden Amerikaner und einer britischen Krankenschwester während des Ersten Weltkriegs. Auf Deutsch erschien das Buch unter dem Titel „In einem andern Land“.

Penguin Book Nummer 3:
Eric Linklater: Poet’s Pub
Der Schotte Eric Linklater (1899-1974) schrieb zahlreiche Romane, Sachbücher und Biografien. In „Poet’s Pub“ steht ein Gasthaus mit dem Namen „The Pelican“ in Oxford im Mittelpunkt, um den sich humorvolle Geschichten ranken. Das Buch wurde nicht ins Deutsche übersetzt.

Penguin Book Nummer 4:
Susan Ertz: Madame Clare
Die heute weitgehend vergessene Susan Ertz (1887-1985) veröffentlichte zwei Dutzend Romane. „Madame Clare“ war ihr Erstlingswerk, das nicht in deutscher Übersetzung vorliegt.

Penguin Book Nummer 5:
Dorothy L. Sayers: The Unpleasantness of the Bellona Club
Ein Krimi-Klassiker aus dem Jahr 1928 aus der Feder der berühmten Dorothy L. Sayers (1893-1957), der fünfte Band aus der Lord Peter Wimsey-Serie, der auf Deutsch unter dem Titel „Ärger im Bellona Club“ erschien.

Penguin Book Nummer 6:
Agatha Christie: The Mysterious Affair at Styles
Der erste Roman der Queen of Crime Agatha Christie (1890-1976), den man auf Deutsch als „Das fehlende Glied in der Kette“ lesen kann.

Penguin Book Nummer 6A:
Agatha Christie: The Murder on the Links
Agatha Christie kam gleich im Doppelpack heraus. „Mord auf dem Golfplatz“, so der deutsche Titel, ist ihr dritter Kriminalroman.

Penguin Book Nummer 7:
Beverley Nichols: Twenty-Five
Die Autobiografie des Schriftstellers Beverley Nichols (1898-1983), der vor allem durch seine Gartenbücher in Erinnerung geblieben ist. Viele seiner Werke wurden übersetzt, seine Autobiografie jedoch nicht.

Penguin Book Nummer 8:
E.H. Young: William
Emily Hilda Young (1880-1949) dürfte auch kaum noch jemand kennen. Sie schrieb ein Dutzend Romane. „William“ erschien bereits 1925 und wurde 1947 unter dem gleichen Titel ins Deutsche übersetzt.

Penguin Book Nummer 9:
Mary Webb: Gone to Earth
Auch Mary Webb (1881-1927) dürfte heute nur noch wenigen bekannt sein. Ihr Roman „Gone to Earth“ war 1917 erschienen, wurde 1950 verfilmt und unter dem Titel „Heim zur Erde“ ins Deutsche übersetzt.

Penguin Book Nummer 10:
Compton Mackenzie: Carnival
Compton Mackenzie (1883-1972)  kennt man in Deutschland vor allem durch seinen heiteren Roman „Das Whiskyschiff“. „Carnival“ wurde nicht übersetzt.

Siehe zum Thema auch meinen anderen Blogartikel über Penguin Books.

Published in: on 2. Februar 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Der Dichter Philip Larkin und die Kröten von Hull (East Riding of Yorkshire)

Philip Larkins Statue auf dem Bahnhof von Hull.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

In meinem gestrigen Blogeintrag schrieb ich über Tom Chesshyres Buch „To Hull and Back“, in dem der Autor Städte besucht, die gegen ihren schlechten Ruf ankämpfen. Auch Hull, kurz für Kingston upon Hull, im Nordosten des Landes hat damit ein Problem. Die Stadt tut aber im kulturellen Bereich so einiges, um sich von diesem Ruf zu befreien.

Philip Arthur Larkin ist zum Beispiel eine Person, die sich um Hull verdient gemacht hat und der man in der Stadt auch in unterschiedlicher Weise huldigt. Larkin (1922-1985) war Schriftsteller, Dichter und Bibliothekar in der Bibliothek der Universität von Hull. Auf dem Bahnhofsgelände von Hull hat man eine Statue von ihm errichtet, es gibt einen Larkin Trail, auf dem man sich auf die Spuren des Dichters machen kann und es existiert die 1995 gegründete Philip Larkin Society, die sich die Aufgabe gestellt hat: „To promote awareness of the life and work of Philip Larkin (1922-1985) and his literary contemporaries“.

Unter dem Titel Larkin 25 wurde im Jahr 2010, also 25 Jahre nach dem Tod des Schriftstellers, ein Kunstfestival in Hull ins Leben gerufen, bei dem u.a. oben erwähnte Statue enthüllt wurde. Im Mittelpunkt dieses Festivals standen vierzig bunt angemalte Kröten aus Fiberglas, die im ganzen Stadtgebiet verteilt waren. Der Hintergrund: Larkin hatte einmal zwei Gedichte über Kröten geschrieben: „Toads“ und „Toads Revisited„.

Die witzigen Kröten, die mich an die bunten Bären erinnern, die in Berlin aufgestellt worden sind, heißen zum Beispiel „Tigger the Toad„(eine Kreuzung von Tiger und Kröte), „Global Pop Toad„, an der Universität von Hull platziert, „Kiss Me Quick Toad“ (mit Lippenstiftabdrücken verziert) und „Fish and Chips Toad„, auf deren Körper man im Bild alle Zutaten finden kann, die für dieses britische Nationalgericht verwendet werden.
Die Fiberglaskröten entwickelten eine derartige Popularität, dass Menschenmengen nach Hull strömten, um sich die possierlichen Tiere anzusehen (und dabei auch noch zur Freude der Einzelhändler in der Stadt  £500 000 ausgaben). Leider gab es auch in Hull Vandalen, die einige der Kröten beschädigten und eine sogar stahlen, die „Magenta Toad“.

Nach Ende des Festivals Larkin 25 wurden die meisten Kröten versteigert und der Erlös von insgesamt £60,000 für wohltätige Zwecke verwendet. Die restlichen Skulpturen blieben der Stadt erhalten. Fünf Jahre später tauchten einige der Originalkröten noch einmal für wenige Tage im Stadtbild von Hull auf, während der Veranstaltung „Toads Revisited„, die zu Ehren von Larkins 93. Geburtstag im August 2015 abgehalten wurde.

Wer sich für Philip Larkin und für die Kröten von Hull interessiert, der wird diesen Film sehr informativ finden.

Tigger thr Toad.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Global Pop Toad.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Kiis Me Quick Toad.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Fish and Chips Toad.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Dezember 2017 at 02:00  Comments (1)  
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The Gentle Author – Ein Londoner Blogger, der sich speziell mit dem East End beschäftigt

Brick Lane in Spitalfields, eine Straße. über die Monica Ali einen Roman geschrieben hat.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Heute möchte ich einen Londoner Blogger vorstellen, der, genau wie ich, jeden Tag einen Blogpost verfasst. Allerdings hat er sich auf eine ganz bestimmte Region spezialisiert, auf das Londoner East End. Er selbst nennt sich The Gentle Author (GA) und sein Blog Spitalfields Life. Spitalfields ist Teil des Londoner Stadtbezirks Tower Hamlets, den manche vielleicht  mit den Jack the Ripper-Morden verbinden; alle fünf Opfer lebten in diesem Teil Londons, zwei wurden in Spitalfields ermordet.

The Gentle Author begann seinen Blog am 26. August 2009 und in seinen ersten Beiträgen beschäftigte er sich beispielsweise mehrfach mit dem Columbia Road Market, mit der Queen of Spitalfields, Sandra Esqulant, mit Graffiti in der Sclater Street und mit Straßenpfosten in Spitalfields. Mittlerweile hat The Gentle Author schon mehrere Tausend Blogposts verfasst, und er hat sich ein hohes Ziel gesteckt: Er möchte mindestens 10 000 Artikel in seinem Blog schreiben, was etwa 27 Jahre und vier Monate dauern würde. Das Ziel wäre damit im Jahre 2037 erreicht, also in „nur“ 20 Jahren.

Der schreibfreudige GA hat auch schon mehrere Bücher veröffentlicht, die sich alle mit London bzw. dem East End befassen wie „Spitalfields Life: In the midst of life I woke to find myself  living in an old house beside Brick Lane in the East of London“ (Saltyard Books 2013), „The Gentle Author’s London Album“ (Spitalfields Life 2013) und, gerade im Oktober erschienen,  „East End Vernacular: Artists who painted London’s East End streets in the 20th century“ (Spitalfields Life 2017).

Ich wünsche meinem Bloggerkollegen Durchhaltevermögen und vor allem auch viel Spaß mit seinen Recherchen!

Christ Church in Spitalfields.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Oktober 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Schriftsteller Arthur Machen und Old Amersham (Buckinghamshire)

Die High Street von Old Amersham mit dem Crown Hotel.
Eigenes Foto.

Ich besaß früher einmal fast alle Bände der Reihe „Die Bibliothek des Hauses Usher“ des Insel-Verlages, auf grünem Papier gedruckt und von Kalju Kirde herausgegeben, den ich noch persönlich kennenlernen konnte. In der 26bändigen Reihe erschienen Werke der unheimlichen Literatur wie von Howard Phillips Lovecraft (über den ich meine Examensarbeit geschrieben habe), Algernon Blackwood und Clark Ashton Smith. Ein Band der Reihe hieß „Die leuchtende Pyramide und andere Geschichten des Schreckens“ und enthielt Erzählungen des 1863 in Wales geborenen Schriftstellers Arthur Machen. Mit ihm kreuzten sich meine Wege vor einigen Tagen als ich in Old Amersham in Buckinghamshire weilte.

Arthur Machen lebte die meiste Zeit seines Lebens in London, wo er als Journalist arbeitete. In den 1920er Jahren erlebten seine Werke einen Boom in den USA, der wieder nach Großbritannien überschwappte. Doch da der Autor die Rechte an seinen Werken schon lange verkauft hatte, profitierte er nicht besonders von der erhöhten Nachfrage nach seine Büchern. Ab 1925 war es dann mit den Erfolgsjahren vorbei, und Machen zog 1929 mit seiner Frau nach Old Amersham, wo sie sich in der High Street Nummer 48 in einem Haus namens Lynwood niederließen. Dieses Haus, dessen Name noch heute über der Eingangstür steht, ist nur wenige Schritte von meinem Hotel The Kings Arms entfernt und liegt auf der selben Straßenseite. Im Crown Hotel (über das ich demnächst noch berichten werde), das wenige Meter vom Kings Arms auch an der High Street zu finden ist, soll Machen regelmäßig „Hof gehalten haben“. Besucht wurde er in seinem Haus u.a. von dem Komponisten John Ireland und von Sir John Betjeman.

Der Schriftsteller starb im Alter von 84 Jahren am 15. Dezember 1947 im St. Joseph’s Nursing Home (das nicht mehr existiert) im nahegelegenen Beaconsfield und wurde auf dem Kirchhof von St Mary’s in Old Amersham beerdigt. Seinen verwitterten Grabstein findet man auf dem Teil des Friedhofs, der hinter der Kirche jenseits des River Misbourne an einem grasbewachsenen Hang liegt (dort, wo auch Ruth Ellis beigesetzt ist, die letzte Frau, die in Großbritannien hingerichtet wurde).

Hier ist ein Interview mit Arthur Machen aus dem Jahr 1937 zu hören.

Der Friedhof von St Mary’s in Old Amersham jenseits des River Misbourne.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

St Mary’s in Old Amersham.
Eigenes Foto.

Published in: on 21. Oktober 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Berkhamsted in Hertfordshire und der Romanautor Graham Greene

Berkhamsted High Street.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

Kürzlich war ich wieder einmal in Berkhamsted, einem recht lebhaften Städtchen in Hertfordshire, gleich hinter der „Grenze“ zu Buckinghamshire. Auf der High Street, die sich quer durch den Ort zieht, herrschte starker Verkehr mit den üblichen Parkplatzproblemen.

Berkhamsted berühmtester Sohn war Graham Greene (1904-1991). Er gehört zu den großen britischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts, dessen Werke auch in Deutschland bekannt waren bzw. sind. Zu seinen größten Erfolgen zählen die Romane „The Third Man“ (dt. „Der dritte Mann“), „Brighton Rock“ (dt. „Am Abgrund des Lebens“) oder „The Human Factor“ (dt. „Der menschliche Faktor“). Viele seiner Romane wurden auch verfilmt, zuletzt „Brighton Rock„.

Geboren wurde Graham Greene am 2. Oktober 1904 in Berkhamsted im Westen der Grafschaft Hertfordshire, wo sein Vater Schulleiter war und wo Graham auch zur Schule ging. Einer seiner Vorfahren, Benjamin Greene, gründete übrigens die Greene King Brewery, die noch heute in Bury St Edmunds (Suffolk) Bier braut.

Die Stadt Berkhamsted hält die Erinnerung an Graham Greene auch heute noch wach, indem hier jährlich das Graham Greene International Festival veranstaltet wird. Organisiert wird das Festival, das gerade erst vom 21. bis zum 24. September stattfand, vom Graham Greene Birthplace Trust, der sich die Aufgabe gestellt hat, das Studium der Werke Greenes zu fördern. Gesponsert wurde das Festival natürlich von der…. Greene King Brauerei.

Das Programm des diesjährigen Festivals war vollgepackt mit Workshops, Vorträgen (z.B. „Guy Burgess, Soviet Spy, and Graham Greene“ oder “ ‘Vivat Bristowa‘: Graham Greene, Berkhamsted and the unfinished novel“) und Filmvorführungen. Das Festival endete wie immer mit einem Farewell Lunch am Sonntagmittag.
Wer sich für den Romanautor interessiert, für den gibt es einen Spaziergang durch den Ort auf seinen Spuren. Hier kann man den Graham Greene Trail herunterladen.

Berkhamsted ist übrigens auch der Geburtsort von Sarah Brightman, die hier am 14. August 1960 zur Welt kam und die u.a. durch das Duett mit Andrea Boccelli  „Time to Say Goodbye“ in der ganzen Welt berühmt wurde.

Hier ist eine Film über Berkhamsted zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Scott Hastie: Berkhamsted – An Illustrated Guide. Alpine Press 1999. 176 Seiten. ISBN 978-0952863113.

Graham Greenes Geburtshaus in Berkhamsted mit blauer Plakette.
Author: Wikidwitch.
This file is made available under the Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication.

 

In dieser Kapelle wurde Graham Greene 1904 getauft.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Die Jerome K. Jerome Society – Sie kümmert sich um das Andenken eines großartigen Schriftstellers

Jeromes Grabstein, und der seiner Frau, auf dem Friedhof von St Mary the Virgin in Ewelme (Oxfordshire).
Eigenes Foto.

In meinem Blog kommt der englische Schriftsteller Jerome K. Jerome (1859 – 1927) immer mal wieder vor. Vor einigen Jahren besuchte ich sein Grab in Ewelme (Oxfordshire) auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin.

Nicht zuletzt auf Grund seines Klassikers „Three Men in a Boat“ (dt. „Drei Mann in einem Boot“) ist Jerome auch heute noch weit über die Grenzen seines Heimatlands bekannt. Um sein Andenken kümmert sich seit 1984 liebevoll die Jerome K. Jerome Society, die mittlerweile über Mitglieder in der ganzen Welt verfügt. Die Ziele der Gesellschaft in ihren eigenen Worten:

„To provide opportunities for interested people to meet, correspond and share their enjoyment of his works, to promote lectures and exhibitions and to encourage research into Jerome’s life and writings“.

Belsize House, Walsall (West Midlands) ist das Geburtshaus Jeromes und hier wurde 1984 ein kleines Museum eingerichtet. Um die Finanzierung des Museums zu gewährleisten, wurde die Gesellschaft gegründet, die heute aber weit mehr auf die Beine stellt. U.a. gibt sie das Magazin“ Idle Thoughts“ heraus und hat die erste vollständige Bibliografie über Jerome und seine Werke zusammengestellt.

Die Lieblingsbeschäftigung der Jerome-Anhänger ist aber, wie das auch auf der Homepage  mitgeteilt wird, eine Fahrt auf der Themse, gekleidet in gestreiften Blazern und Strohhut, mit einigen Flaschen Champagner an Bord (und gegebenenfalls auch mit einem Hund) in memoriam an George, Harris, Jerome und Hund Montmorency.

Die Mitgliedschaft in der Jerome K. Jerome Society kostet lediglich bescheidene 12 Pfund.

Hier ist ein Mini-Filmclip, auf dem Jerome zu sehen ist, und hier der komplette Film „Three Men in a Boat“ aus dem Jahr 1956.

Jerome K. Jerome Society
The Laurels
1 Knight’s Hill
Aldridge
Walsall

Das Buch zum Artikel:
Jerome K. Jerome: The Other Jerome K Jerome. Nonsuch Publishing 2008. 160 Seiten. ISBN 978-1845886356.

Jeromes Geburtshaus in Walsall (West Midlands).
Photo © Derek Bennett (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Warum das Kinderkrankenhaus in der Londoner Great Ormond Street noch heute von Peter Pan profitiert

Peter Pan und Tinkerbell am Haupteingang des Great Ormond Street Hospitals in London.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Die Figur des Peter Pan, der 1902 das Licht der Welt erblickte, der Junge der niemals erwachsen wird und im Nimmerland wohnt, gehört zu den bekanntesten der internationalen Kinderliteratur. James Matthew Barrie (1860-1937) hat sich Peter Pan ausgedacht, und wir treffen das Kind nicht nur in Büchern an, sondern auch in einem guten Dutzend Filmen und in mehreren Musicals. 1978 veröffentlichte Kate Bush einen Song mit dem Titel „In Search of Peter Pan„. Die Schweizer Sängerin sang 1982 das Lied „Peter Pan“ und viele weitere Musiker verwendeten Motive aus Barries Kinderbüchern.

Da fielen natürlich eine ganze Menge Lizenzgebühren an, und da James Matthew Barrie ein großes Herz für Kinder hatte, überlegte er sich, was er mit dem Geld Gutes tun konnte. Da er und seine Frau kinderlos waren, vermachte er 1929 sämtliche Rechte an „Peter Pan“ an das Londoner Kinderkrankenhaus Great Ormond Street Hospital (GOSH) im Stadtteil Bloomsbury und das auch über seinen Tod hinaus. Fünfzig Jahre nach dem Tod des Schriftsteller, 1987, verlängerte die Regierung das Recht, Lizenzgebühren verlangen zu können. Barrie machte dem Krankenhaus damals die Auflage, die Höhe der eingenommenen Gebühren niemals zu veröffentlichen, woran man sich dort auch hielt.

Zur Erinnerung an den großzügigen Schriftsteller wurde eine Statue des kleinen Jungen am Haupteingang des Krankenhauses aufgestellt, die der Londoner Bildhauer Diarmud Byron O’Connor schuf. Fünf Jahre später ergänzte O’Connor seine Skulptur durch eine weitere Figur aus den Peter Pan-Büchern, die Fee Tinkerbell, die sich hier mit Peter um einen Fingerhut streitet. Ganze 18cm ist Tinkerbell groß.

Das Great Ormond Street Hospital verfügt auch über eine Sammlung von Peter Pan-Buchausgaben aus aller Welt, die allerdings nicht öffentlich zugänglich ist.

Nicht nur James Matthew Barrie, sondern auch andere Künstler setzten sich für das Kinderkrankenhaus ein, so taten sich 1987 viele Sänger (u.a. Boy George, Hazel O’Connor, Grace Kennedy) zusammen und nahmen die Single „The Wishing Well“ auf, deren Erlös dem GOSH zugute kam. Die Teilnehmer am Finale der Castingshow „The X Factor“ nahmen 2009 den Michael Jackson-Song „You Are Not Alone“ auf und von jeder verkauften Single ging £1 an das Krankenhaus in der Great Ormond Street.

Siehe auch meinen Blogeintrag über die Peter Pan-Statue in den Kensington Gardens.

Das Krankenhaus in Bloomsbury.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

„Bleeding London“ – Ein Buch und eine Bildersammlung

Etwa 58 000 Straßen soll es in London geben…
Photo © Richard Cooke (cc-by-sa/2.0)

Es hätte nicht viel gefehlt und der englische Schriftsteller Geoff Nicholson (geboren 1953) hätte 1997 für seinen Roman „Bleeding London“ den begehrten Whitbread Prize erhalten. Er stand schon auf der Shortlist, dann entschied sich die Jury aber doch für Jim Craces „Quarantine“. In Nicholsons Roman steht ein Mann namens Stuart London im Mittelpunkt, dessen Obsession es ist, jede Londoner Straße einmal besucht zu haben. Das ruft Erinnerungen wach an Phyllis Pearsall, die das gleiche getan haben soll, um ihren Straßenatlas „London A-Z“ zu erstellen. Ich berichtete in meinem Blog über sie. Nicholsons Roman ist 1999 auf Deutsch unter dem Titel „London, London“ im Haffmans Verlag erschienen.

Vor einigen Jahren wurde ein Projekt ins Leben gerufen, das den Romantitel „Bleeding London“ im Namen führt und das mit Unterstützung von Geoff Nicholson entstand. Del Barrett von der Royal Photographic Society hatte die Idee, ein Archiv aufzubauen, in dem von jeder Londoner Straße ein Foto enthalten sein soll. Jeder ist dazu aufgerufen, an dem Projekt teilzunehmen und man braucht schon eine Menge Mitwirkende, um alle rund 58 000 Straßen der Hauptstadt im Bild festzuhalten. 600 Profi- und Hobbyfotografen haben bisher ihre Fotos an das „Bleeding London“-Projekt geschickt. Um einen Vorgeschmack von dieser riesigen Bildersammlung zu bekommen, wurden schon einmal vom 8. Juli bis zum 4. September 2015 1200 Exponate in der City Hall ausgestellt.

Mehr als 58 000 Fotos sind schon in der Datenbank enthalten, die ständig anwächst und die auch einmal online abrufbar sein wird. Hier ist ein Film über den Start des Projekts mit einer witzigen Rede von Geoff Nicholson.

…und hier sind sie alle verzeichnet.
Foto meines Exemplares.

 

Peter Walker alias Nicholas Rhea (1936-2017) – Der Autor der „Constable“-Bücher ist gestorben

Hier wurde Peter Walker 1936 geboren.
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Am 21. April in diesem Jahr starb Peter Walker in Ampleforth in North Yorkshire, dem Ort, in dem er den größten Teil seines Lebens zugebracht hat. Ihn kennt man vor allem als Autor der „Constable„-Romane (sie wurden leider nicht ins Deutsche übersetzt), die er unter dem Pseudonym Nicholas Rhea schrieb. Mehr als 130 Bücher verfasste der Mann aus Yorkshire im Laufe seines Lebens, viele mit Bezug zu der Grafschaft im Norden Englands.

Geboren wurde Peter Walker 1936 in Glaisdale, einem Dorf im North York Moors National Park, 13 Kilometer westlich von Whitby entfernt, da, wo er auch zur Schule ging. Schon früh beschloss er Polizist zu werden und seine erste Runden als Bobby drehte er ebenfalls in der Hafenstadt Whitby. Weitere Einsatzorte waren Northallerton und Oswaldkirk in North Yorkshire. 1968 wurde er zum Sergeant und 1976 zum Inspector befördert. Nach 30 Jahren Polizeiarbeit schied er 1982 aus dem Dienst aus, um sich ganz dem Schreiben zu widmen, einer Liebe, die er schon als junger Mann entdeckt hatte.

Seine jahrelangen Erfahrungen als Dorfpolizist fanden ihren Niederschlag in den Romanen um Constable Nick Rhea. „Constable on the Hill“ erschien 1979 und da lernen wir den jungen Mann kennen, der seinen Einsatzort in dem fiktiven Dorf Aidensfield hat. 32 Jahre später geht er in dem Band „Constable over the Hill“ in Pension. Wer die Moore Yorkshires liebt, wird auch diese Bücher lieben, die sehr viel Lokalkolorit beinhalten. Adäquat verfilmt wurden sie durch die äußerst populäre Fernsehserie namens „Heartbeat„, die der Sender ITV von 1992 bis 2010 ausstrahlte, 372 Episoden in 18 Staffeln. Ich besitze noch die ersten Folgen auf Video, als PC Nick Rowan (gespielt von Nick Berry) mit seiner Frau Kate (gespielt von Niamh Cusack) nach Yorkshire zieht und sie sich beide erst einmal an das fremde Umfeld und die anders tickenden Menschen gewöhnen müssen. Die Titelmelodie wurde von Nick Berry selbst gesungen (hier zu hören). Gedreht wurde die Serie vor Ort in North Yorkshire, vor allem in Goathland und Umgebung. Hier ist die erste Folge der ersten Staffel zu sehen.
Merkwürdigerweise hat sich kein deutscher Fernsehsender für die Serie interessiert, die man am ehesten mit „All Creatures Great and Small“ (dt. „Der Doktor und das liebe Vieh“) vergleichen kann, der Tierarztserie nach den Romanen von James Herriott, die auch in North Yorkshire spielt und die in Deutschland sehr beliebt war.

Peter Walker benutzte noch andere Pseudonyme, unter denen er Krimis schrieb wie Christopher Coram, Tom Ferris und Andrew Arncliffe. Hier ist eine Liste sämtlicher Bücher.

Wie ich bereits oben erwähnte, wohnte Peter Walker mit seiner Familie lange Zeit in Ampleforth am Südrand des North York Moors National Parks, auf halbem Weg zwischen Coxwold und Oswaldkirk. Am 28. April fand die Trauerfeier im Ort in der Kirche Our Lady and St Benedict’s statt. Seine Tochter Tricia Walker hielt eine Rede auf ihren Vater und erwähnte darin, dass er ein Yorkshireman aus Schrot und Korn war und seine Heimat über alles liebte.
Tricia Walker ist auch Schriftstellerin und wurde durch ihren ersten Roman „Benedict’s Brother“ (2007) bekannt, der im nächsten Jahr verfilmt werden soll.

Dreharbeiten zu „Heartbeat“ in Goathland (North Yorkshire).
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Our Lady and St Benedict’s in Ampleforth.
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Eine Auswahl meiner Peter Walker-Bücher und meine Videokassette der ersten „Heartbeat“-Staffel.

Published in: on 14. Mai 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Margaret Yorke – Eine Krimiautorin, die in Long Crendon in Buckinghamshire lebte

Margaret Yorkes ehemaliges Wohnhaus, Oriel Cottage, in der High Street von Long Crendon.
Eigenes Foto

Margaret Yorke, (1924 – 2012), ist für mich eine der besten englischen Krimiautorinnen. Sie schrieb ihre Bücher zwischen 1970 und 1990 und mein absoluter Lieblingskrimi von ihr ist der 1974 erschienene „No medals for the Major“ (auf Deutsch „Der Hass der Selbstgerechten“). In der Idylle des Dorfes Wiveldown gerät Major Johnson, der dort ein ruhiges Dasein führt, in den Verdacht, ein Mädchen aus dem Ort ermordet zu haben. Die Gerüchteküche in Wiveldown kocht hoch und der (natürlich unschuldige) alte Herr sieht keinen anderen Ausweg, als sich das Leben zu nehmen. Ein ganz hervorragender Krimi!
In Margaret Yorkes Romanen ist es oft so, dass in der Idylle eines Dorfes oder einer Kleinstadt plötzlich ein Gewaltverbrechen alles durcheinander bringt: Vandalismus, Vergewaltigung und Jugendkriminalität passen eigentlich hier gar nicht hin, aber Verbrechen, die man vorwiegend aus Großstädten kennt, halten leider auch Einzug in das Dorfleben.

Margaret Yorke lebte viele Jahre in dem hübschen Long Crendon in Buckinghamshire, über das ich in meinem Blog schon mehrmals berichtete. Hier findet man reetgedeckte Häuser, mehrere Dorfpubs und das großartige Long Crendon Manor House. Das Courthouse aus dem 15. Jahrhundert ist schon seit 1900 im Besitz des National Trusts; das obere Stockwerk ist zu besichtigen.

Margaret Yorke hatte ihren Wohnsitz im Oriel Cottage in der High Street, nur ein paar Schritte von der St Mary’s Church entfernt, auf deren Kirchhof sie auch beerdigt wurde. Leider ist es mir nicht gelungen, ihre Grabstelle zu finden. Auch ein Bediensteter der Kirche und die Bibliothekarin der Public Library, rund hundert Meter von der Kirche entfernt, konnten mir darüber keine Auskunft geben. Ein Foto von Margaret Yorke war in der Bibliothek ausgestellt, deren Eröffnung sie beiwohnte und bei diesem Anlass ein Interview gab (hier zu sehen).

Long Crendon gehört zu den Dörfern in Buckinghamshire, die am häufigsten als Drehort für die TV-Kimiserie Midsomer Murders benutzt wurden. Die Folgen „Garden of death“ (dt. „Der Garten des Todes“), „The axeman cometh“ (dt. „Mord mit Groove“), „Things that go bump in the night“ (dt. „Nachts, wenn du Angst hast“), „A tale of two hamlets“ (dt. „Das Haus des Satans“) und „The Dagger Club“ (dt. „Britisches Roulette“) wurden hier zum Beispiel gedreht.
Long Crendon liegt 3 km nordwestlich von Thame in Oxfordshire, auch das ein Ort, der häufig von Inspector Barnaby aufgesucht wurde.

Foto meiner Exemplare.

S Mary’s in Long Crendon. Hier liegt Margaret Yorke begraben.
Eigenes Foto.

Die Long Crendon Public Library.
Eigenes Foto.

Das Court House gegenüber der Kirche.
Eigenes Foto.

Long Crendon Manor House.
Eigenes Foto.

  

 

Published in: on 19. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Broadbridge Heath und Warnham in West Sussex und der Dichter der Romantik Percy Bysshe Shelley

Field Place bei Broadbridge Heath, Geburtsort von Percy Bysshe Shelley.
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Dicht an der A24 in West Sussex liegen die beiden Ortschaften Warnham und Broadbridge Heath, die für den Dichter Percy Bysshe Shelley (1792-1822) in seinem kurzen Leben eine wichtige Rolle spielten. Am 4. August 1792 wurde er in Field Place geboren, einem Herrenhaus am nördlichen Ortsrand von Broadbridge Heath, das seiner Familie gehörte und das bis 1850 auch im Familienbesitz blieb, später in den Besitz der Eigentümer der Londoner Charrington Brewery kam. Field Place ist in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden.

Getauft wurde Percy am 7. September 1792 in der Kirche St Margaret’s im benachbarten Warnham, deren Ursprünge bis in das 14. Jahrhundert zurückreichen. Der Taufstein, der sogar noch älter ist, mutmaßlich aus dem 12. Jahrhundert, ist noch heute in der Kirche zu sehen. Auch ein Facsimile der Geburtseinträge aus dem Kirchenbuch des Jahres 1792, auf dem die Name Shelleys und seiner Eltern verzeichnet sind, ist in einer Glasvitrine ausgestellt. In St Margaret findet man zahlreiche Memorials der Shelley-Familie, so ist in der Caryll Chapel ein Stein im Boden eingelassen, der an Timothy Shelley (gestorben 1771) und seine Frau Joanna (gestorben 1770) erinnert, die Urgroßeltern des Dichters. An einer Wand auf der Südseite der Kirche findet man eine Tafel, auf der die Namen Helen und Elizabeth Shelley eingetragen sind, die in der Kirche beerdigt wurden, sowie der Name Charles Bysshe Shelley, ein Sohn des Dichters, der im Alter von 11 Jahren starb und hier ebenfalls beigesetzt wurde.

In Broadbridge Heath steht in der Old Guildford Road ein Pub namens The Shelley Arms, der aus dem 14. Jahrhundert stammt und in den der junge Percy öfter einmal nach einem Streit mit seinem Vater Zuflucht gesucht haben soll. Weiterhin erinnern an den Dichter in Broadbridge Heath eine Straße, der Shelley Drive, und die Shelley Primary School.

St Margaret’s in Warnham (West Sussex).
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Der Taufstein in St Margaret’s.
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The Shelley Arms in Broadbridge Heath.
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Top Withens – Eine Ruine mitten im Brontë Country

Top Withens.   © Copyright Graham Hogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Top Withens.
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Bei meinen beiden Besuchen in Haworth in West Yorkshire, in der die drei Schriftsteller-Schwestern Emily, Charlotte und Anne Brontë lebten, war ich immer wieder überrascht über die vielen Touristen, die sich dort aufhielten; auf dem Hauptparkplatz wurde man sogar auf einen Stellplatz eingewiesen. Und dann die vielen Besucher aus Ostasien, in erster Linie aus Japan, die sich im Brontë-Pfarrhaus tummelten und in den Läden der Kleinstadt einkauften! Die drei jungen Fauen und ihre wenigen Romane, die sie einst im 19. Jahrhundert schrieben, müssen im Land der aufgehenden Sonne noch sehr populär sein.

Wer sich nicht nur besagtes Pfarrhaus, in dem die Brontë-Familie wohnte, und den daneben liegenden Kirchhof ansehen und ein bisschen Moorluft schnuppern möchte, der sollte sich auf den Brontë-Way begeben, der aus Haworth hinausführt. Dieser insgesamt 69 Kilometer lange Rundweg, auf dem man die beeindruckende, karge Moorlandschaft geniessen kann, führt unter anderem über die Brontë-Bridge, an den Brontë-Waterfalls vorbei, zu einem verfallenen Bauernhaus namens Top Withens, etwa sechs Kilometer von Haworth entfernt.

Der Name Top Withens klingt ein wenig so wie Emily Brontës Roman „Wuthering Heights“ aus dem Jahr 1847, der in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Sturmhöhe“ veröffentlicht und so wunderschön von Kate Bush in ihrem gleichnamigen Song interpretiert wurde. „Withens“ und „Wuthering“ liegen nicht weit auseinander und „Top“ und „Heights“ bedeuten das gleiche. Schon seit ewigen Zeiten wird darüber diskutiert, ob das elisabethanische Farmhaus Modell gestanden hat für Emilys weltberühmten Roman. Die Schwestern machten ausgedehnte Spaziergänge über das Moor und kannten das Haus sehr gut. Hatte Emily es im Sinn, als sie die Farm, in der in ihrem Roman die Earnshaws lebten, in ihr Buch einfügte? Die Brontë Society ließ 1964 an den Ruinen eine Plakette anbringen, die Klarheit darüber schaffen sollte. Darauf steht, dass die früheren Farmgebäude keinerlei Ähnlichkeit mit dem von Emily beschriebenen Haus hatten, dass es aber durchaus möglich sein kann, dass ihr das abgelegene Anwesen beim Schreiben des Romans vorschwebte.

Auf Top Withens wurde ursprünglich einmal Milch erzeugt, bis der Hof gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurde. In den 1920er Jahren kam noch einmal etwas Leben hierher, als man eine Hühnerfarm einrichtete; doch auch die wurde bald wieder eingestellt, und seitdem stehen die Überreste einsam und allein im Moor von Haworth, gern aufgesucht von japanischen Touristen, für die man extra Hinweisschilder in ihrer Sprache angebracht hat.

Die Farmhausruinen in der Einsamkeit des Moores vo Haworth,   © Copyright Steve Partridge and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Farmhausruine in der Einsamkeit des Moores von Haworth.
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Hier finden auch japanische Touristen den richtigen Weg.   © Copyright Chris Heaton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier finden auch japanische Touristen den richtigen Weg.
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Auf dem Weg nach Top Withens: DieBrontë Bridge und die Brontë Waterfalls.   © Copyright Gary Rogers and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auf dem Weg nach Top Withens: Die Brontë Bridge und die Brontë Waterfalls.
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Die Krimiautorin Gladys Mitchell und die Verfilmung ihrer Bücher

Corfe Mullen in Dorset, wo Gladys Mitchell von 1961 bis 1982 lebte.   © Copyright John Palmer and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Corfe Mullen in Dorset, wo Gladys Mitchell von 1961 bis 1983 lebte.
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Gladys Mitchell (1901-1983) war eine Krimiautorin, deren Werke in Deutschland kaum bekannt sind. Gerade einmal drei Romane aus ihrem umfangreichen Werk wurden ins Deutsche übersetzt: „Das Geheimnis der Zwillinge“ (Originaltitel: „The Echoing Strangers“) und „Des Teufels Ellenbogen“ (Originaltitel: „The Devil’s Elbow“), beide 1953 erschienen, und „Mord auf Skeleton Island“ (Originaltitel: „Skeleton Island“) aus dem Jahr 1969.

Gladys Mitchell wurde 1901 in Cowley in Oxfordshire geboren, dort, wo sich einige Jahre später die Autofabrik Morris niederließ. Ein Krimi aus dem Jahr 1936 heißt denn auch „Dead Men’s Morris„. Die Dame war Lehrerin von Beruf und unterrichtete in mehreren Schulen im Großraum London. Nach ihrer Pensionierung siedelte sie nach Corfe Mullen in Dorset über, wo sie weitere Krimis schrieb; in der Regel einen pro Jahr. 1976 erhielt sie den Silver Dagger der Crime Writers Association und eine Zeitlang wurde sie auf die gleiche Stufe wie Agatha Christie und Dorothy Sayers gestellt. Doch dann verblasste ihr Ruhm allmählich. Auf dem britischen Buchmarkt sind einige von Mitchells Werken noch heute erhältlich, die meisten in E-Book-Form.

Die Protagonistin der Werke Gladys Mitchells heißt Beatrice Adela Lestrange Bradley und nach ihr wurde auch eine TV-Serie benannt, die die BBC von 1998 bis 2000 ausstrahlte. „The Mrs Bradley Mysteries“ umfassten nur fünf Episoden, Stoff genug für weitere 61 Folgen hätte es noch gegeben, doch die Fernsehserie schlug nicht so ein wie man es erhofft hatte, obwohl Mrs Bradley von einer sehr bekannten Schauspielerin verkörpert wurde, nämlich von Diana Rigg, unvergesslich als Emma Peel in „The Avengers“ (dt. „Mit Schirm, Charme und Melone“). An ihrer Seite spielt Neil Dudgeon, den wir als DCI John Barnaby in „Midsomer Murders“ kennen. Dudgeon ist der Chauffeur George, der Mrs Bradley in einem Rolls Royce durch das Land fährt.

Ich habe mir einmal die Episode 2 „The Rising of the Moon“ angesehen, die auf dem gleichnamigen Roman aus dem Jahr 1945 basiert. Diana Rigg schafft es immer noch, auf dem Bildschirm sehr präsent zu sein und spielt ihre Rolle gut. Gedreht wurde diese Folge zu weiten Teilen auf dem Village Green von The Lee und in Little Missenden, beide in Buckinghamshire gelegen. In Deutschland wurde die TV-Serie nie gezeigt.

Wer sich näher mit Gladys Mitchell beschäftigen möchte: Es gibt eine umfangreiche „Tribute“-Website über die Autorin.

The British Guild of Beer Writers Awards

Impression vom Manchester Beer Festival 2016.   © Copyright Dave Pickersgill and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Da schlägt das Herz eines Bierliebhabers höher: Impression vom Manchester Beer & Cider Festival 2016.
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Bier hat im täglichen Leben der englischen Gesellschaft eine bedeutendere Rolle als bei uns in Deutschland, daher nehmen in meinem Blog Artikel über Bier, Brauereien und Pubs einen relativ großen Teil ein. Es gibt auf dem englischen Buchmarkt eine Vielzahl von Veröffentlichungen, die sich mit dieser Thematik befassen und einige Autoren der „Bier-Bücher“ haben sich in der British Guild of Beer Writers zusammengefunden, die jedes Jahr im Dezember einige besonders herausragende Autoren mit Preisen prämieren. Hier sind einige der ausgezeichneten „Beer Writer“ der letzten Jahre:

Den Guild Award for Best Beer & Travel Writer des Jahres 2015 erhielt Des De Moor für sein Buch „The CAMRA Guide to London’s Best Beers, Pubs and Bars“ (CAMRA Books 2015), ein umfassender Führer durch die Londoner Pubszene (über 200 Pubs werden detailliert dargestellt), Brauereien und ihre Biere; das ist bereits die zweite Auflage seines Führers. Der 1961 in Ipswich geborene De Moor ist ein Experte in Sachen Bier, der schon weltweit in Jurys gesessen und unzählige Biere beurteilt hat.

Den zweiten Platz im Jahr 2015 teilten sich Roger Protz und Adrian Tierney-Jones; sie erhielten den Preis für ihr gemeinsames Buch „Britain’s Beer Revolution“ (CAMRA Books 2014). Beides sind erfahrene Buchautoren; Roger Protz ist u.a. Herausgeber des jährlich erscheinenden „Good Beer Guide“ (die Ausgabe 2017 mit mehr als 1000 Seiten erscheint am 15. September), Adrian Tierney-Jones schrieb zum Beispiel „1001 Beers: You Must Try Before You Die“ (Cassell 2013). In ihrem prämierten Buch berichten sie von ihrer Tour durch Großbritannien auf der Suche nach innovativen und kreativen Brauereien.

Den Guild Award for Best Beer & Travel Writer des Jahres 2014 erhielten Ray Newman und Jessica Slack für ihr Buch „Brew Britannia: The Strange Rebirth of British Beer“ (Aurum Press 2014), das sie unter ihren Bloggernamen Jessica Boak and Ray Bailey veröffentlichten. Das Buch ist inhaltlich ähnlich wie das oben erwähnte „Britain’s Beer Revolution“; ich stellte es in meinem Blog schon einmal vor.

Will Hawkes freute sich 2013 darüber, dass er mit dem Award ausgezeichnet wurde. Hawkes arbeitet für mehrere englische und amerikanische Zeitungen als „Drink, food and travel writer“ und schrieb das Buch „Craft Beer London“ (Vespertine Press 2012).

Pete Brown war der Preisträger des Jahres 2012 (und 2009). Er schrieb unter vielen anderen das Buch „Man Walks Into a Pub: A Sociable History of Beer“ (Pan 2010). Browns neues Werk, das am 18. August erscheint, trägt den vielversprechenden Titel „The Pub: A Cultural Institution – From Country Inns to Craft Beer Bars and Corner Locals“ (Jacqui Small).

Von der British Guild of Beer Writers werden jedes Jahr noch weitere Auszeichnungen vergeben, hinter denen jeweils Brauereien stehen wie Shepherd Neame 1698 Award for Best Beer & Food Writer, Fuller’s ESB Award for Best Beer Writer – Trade Media und Molson Coors Award for Best Beer Writer – National Media.

Das Buch erhielt den British Guild of Beer Writers Awards im Jahr 2014. Foto meines Exemplares.

Das Buch erhielt den British Guild of Beer Writers Award im Jahr 2014.
Foto meines Exemplares.

 

 

Published in: on 15. August 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Der Türkisring Jane Austens, der beinahe den Finger einer US-amerikanischen Popsängerin geziert hätte

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Die englische Erfolgsschriftstellerin Jane Austen (1775-1817) besaß einmal einen hübschen goldeingefassten Türkisring (hier ist ein Foto davon), den man heute im Jane Austen’s House Museum in Chawton (Hampshire) besichtigen kann. Nach ihrem Tod ging der Ring in den Besitz ihrer Schwester Cassandra über, die ihn wiederum ihrer Schwägerin Eleanor Austen schenkte. Der Ring blieb im Besitz der Familie bis er im Jahr 2012 auf einer Londoner Auktion angeboten wurde. Der festgesetzte Mindestpreis betrug £30 000, eine ziemlich hohe Summe, aber angesichts der Tatsache, dass aus dem Nachlass der Autorin nur drei Schmuckstücke existieren, ein durchaus realistisches Angebot. Doch was dann tatsächlich als Gebot auf den Tisch kam, überraschte alle Interessenten, nämlich £152 450, also mehr als das fünffache des Mindestpreises. Wer war denn bereit, so viel Geld für das Schmuckstück auszugeben? Die US-amerikanische Popsängerin Kelly Clarkson, ein Fan Jane Austens und Sammlerin von Memorabilien der Autorin. Die Texanerin wurde durch die Castingshow American Idol entdeckt und hat seitdem Karriere gemacht. Mehrere ihrer Alben erreichten Platz 1 der amerikanischen Charts. Hier ist sie mit ihrem Song „Because of you“ zu hören.
Doch Kelly Clarkson hatte sich zu früh gefreut, der amtierende Minister für kulturelle Angelegenheiten Ed Vaizey erließ ein Exportverbot für den Ring, denn der sollte im Lande bleiben. Eine Spendenkampagne „Bring the ring home“ wurde ins Leben gerufen, um den Ring der Sängerin wieder abzukaufen und tatsächlich kam genügend Geld zusammen, darunter eine anonyme Spende über £100 000.

Kelly Clarkson war fair, das muss man schon sagen, denn sie stimmte dem Rückkauf zu, ohne Anwälte damit zu beauftragen, Vaizeys Entscheidung anzufechten. Vielleicht kommt sie ja eines Tages in Chawton vorbei und sieht sich den Ring und andere Erinnerungsstücke von Jane Austen in dem ihr gewidmeten Museum an; es liegt an der A31 Winchester-Guildford.

Kelly Clarkson. Author: vagueonthehow. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Kelly Clarkson.
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Published in: on 21. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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D’Arcy House in Tolleshunt D’Arcy (Essex) Teil 2: Margery Allingham (1904-1966)

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Nachdem Dr. John Henry Salter, über den ich gestern in meinem Blog berichtete, gestorben war, zog 1935 die Kriminalromanautorin Margery Allingham in das D’Arcy House in Tolleshunt D’Arcy (Essex), in dem sie ebenfalls bis zu ihrem Tode im Jahr 1966 leben sollte. Ihr Vorgänger hatte noch zu Lebzeiten dafür gesorgt, dass seine Jagdtrophäen an Museen verteilt wurden, so dass Margery Allingham und ihr Ehemann Philip Youngman Carter, kurz „Pip“ genannt, in ein Haus ohne ausgestopfte Tiere ziehen konnte.

Allingham war eine bedeutende Autorin von Kriminalromanen; sie stand allerdings nicht in der ersten Reihe wie Agatha Christie oder Dorothy Sayers. Im Mittelpunkt ihrer Krimis steht der Gentleman-Detektiv Albert Campion, der erstmals 1929 in dem Buch „The Crime at Black Dudley“ (dt. „Der italienische Dolch“) auftaucht und letztmals 1968 in dem von Pip Carter vollendeten Buch „Cargo of Eagles“ (dt. „Verschwundene Fracht“). Viele von Allinghams Kriminalromanen wurden ins Deutsche übersetzt, sind aber alle vergriffen und nur noch antiquarisch oder als E-Book erhältlich. Die BBC verfilmte von 1989 bis 1990 einige Romane und Kurzgeschichten unter dem Titel „Campion“ (zwei Staffeln mit insgesamt 16 Episoden); den Titelhelden spielte damals Peter Davison. Hier ist der Vorspann der Serie zu sehen.

In ihrem einzigen Sachbuch, das Margery Allingham 1941 veröffentlichte und das unter dem Titel „The Oaken Heart: The Story of an English Village at War„“ erschien, beschäftigt sie sich mit ihrem Wohnort Tolleshunt D’Arcy zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. D’Arcy House wurde zu einem Air Raid Precautions Post umfunktioniert und Soldaten dort einquartiert. Sie schrieb zu dieser Zeit gerade an ihrem Roman “ Traitor’s Purse“ (dt. „Judaslohn“), konnte sich aber nicht so richtig darauf konzentrieren, da es in ihrem Haus doch recht unruhig zuging. Allingham zeigt den „spirit“, der damals im Dorf herrschte angesichts der Invasionsgefahr und die Hilfsbereitschaft der Bewohner gegenüber den aus der Hauptstadt flüchtenden Menschen.

Margery und Pip waren in das Dorfleben integriert, sie besuchten die örtlichen Pubs und Pip organisierte die jährlichen Cricketmatches zwischen einer Dorfauswahl und dem Londoner Thursday Club, in dem er Mitglied war.

Bis in die 1960er Jahre schrieb Margery Allingham weiter Krimis mit ihrem Serienhelden Albert Campion, bis sie an Krebs erkrankte und am 30. Juni 1966 starb, das heißt, dass sich ihr Todestag in diesem Jahr zum 50mal jährt. Beigesetzt wurde sie auf dem Kirchhof von St Nicholas. Pip Carter starb drei Jahre später und auf ihrem gemeinsamen Grabstein steht zu lesen:

Margery Louise
Wife Of
Philip
Youngman Carter
Who Wrote As
Margery Allingham
1904-1966
To Know Her Was To Love Her

Philip
Her Dearly Beloved Husband
1904-1969

Der Essex County Council hat am D’Arcy House oberhalb der Eingangstür eine blaue Plakette angebracht, mit der daran erinnert wird, dass Margery Allingham hier gewohnt hat. Neben der Tür findet man die Plakette für Dr. Salter. Nach den beiden Hausbewohnern hat man im Dorf zwei Straßen benannt; direkt gegenüber Salter’s Meadow, eine Sackgasse, und ein Stückchen die South Street hinunter, Margery Allingham Place, ebenfalls eine Sackgasse.

Margery Allingham Place in Tolleshunt D'Arcy.   © Copyright Bikeboy and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Margery Allingham Place in Tolleshunt D’Arcy.
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Eine Auswahl meiner Margery Allingham-Romane.

Eine Auswahl meiner Margery Allingham-Romane.

D’Arcy House in Tolleshunt D’Arcy (Essex) Teil 1: Dr. John Henry Salter (1841-1932), der unermüdliche Tagebuchschreiber

D'Arcy House.   © Copyright Bikeboy and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

D’Arcy House an der South Street von Tolleshunt D’Arcy.
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Ich bin immer wieder entzückt mit welchen hübschen Ortsnamen man in England konfrontiert wird; besonders toll fand ich Tolleshunt D’Arcy in der Grafschaft Essex, nicht weit vom Blackwater Estuary entfernt, dort, wo sich die B1023 und die B1026 kreuzen. Ich möchte an dieser Stelle aber nicht näher auf den Ursprung des Namens eingehen, sondern auf ein Haus, das an der South Street liegt und D’Arcy House heißt. Hier wohnte einmal von 1864–1932 Dr John Henry Salter, ein Arzt, der nicht nur durch seine medizinischen Verdienste bekannt wurde, sondern auch durch seine Tagebücher, die er im Alter von 8 Jahren begann und erst mit 91 Jahren beendete (in seinem Sterbejahr). 80 Bände hatte Salter gefüllt und dabei über zehn Millionen Wörter geschrieben. Er äußerte sich darin über das Leben auf dem Land, seine Arztpraxis, Freimaurerei, Persönlichkeiten aus der Region und seine Meinung über sie, den Krimkrieg, den Ersten Weltkrieg usw. usw. 1933 wurde eine Zusammenfassung aus den Tagebüchern unter dem Titel „Dr Salter of Tolleshunt D’Arcy in the County of Essex: His Diary and Reminiscences„, herausgegeben von John Ockelford Thomson, in London veröffentlicht. Ich glaube kaum, dass jemand das komplette Tagebuch jemals gelesen hat.
Dr. Salter war außerdem ein leidenschaftlicher Jäger, der auch in ferne Länder reiste, um dort Großwild zu schießen. Die Trophäen hatte er alle im D’Arcy House untergebracht. Direkt vor seiner Haustür, in der Marschlandschaft des Blackwater Estuary, lebten unzählige Vögel, die er mit seinem Gewehr gern reduzierte. Auch über seine gefiederten Freunde schrieb er Bücher, zum Beispiel „Bird Life Throughout the Year“ (London 1913). Der Mann muss einen sagenhaften Verbrauch an Tinte gehabt haben, denn zusätzlich zu seinen Tagebüchern und den Büchern über die Vogelwelt verfasste er auch noch einen Führer für die Themse, von der Quelle bis zur Mündung, und Monografien über Pflanzen in Wales.

So ganz nebenbei soll er auch noch 7000 Kindern in die Welt verholfen und sich natürlich um das Wohl seiner Patienten gekümmert haben. Ach ja, Salter hatte ebenfalls einen hohen Posten in der Freimaurerloge und war Vizepräsident des English Kennel Clubs, denn er erschoss nicht nur Tiere, sondern liebte sie auch, zumindest Hunde. Was für ein Leben!

Am 17. April 1932 starb er in Tolleshunt D’Arcy und wurde auf dem Kirchhof von St Nicholas an der Church Road beigesetzt. Am D’Arcy House wurde ihm zu Ehren eine blaue Plakette angebracht

1935 zog eine in der Welt der Kriminalliteratur bekannte Frau in das D’Arcy House in, über die ich in meinem nächsten Blogeintrag schreiben werde.

St Nicholas Church in Tolleshunt D'Arcy. Hier auf dem Kirchhof ruht Dr. Salter nach eineme langen erfüllten Leben.   © Copyright Robert Edwards and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Nicholas Church in Tolleshunt D’Arcy. Hier auf dem Kirchhof ruht Dr. Salter nach einem langen erfüllten Leben.
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Barbara Cartland (1901-2000) und ihr Anwesen Camfield Place in Hertfordshire

Das Eingangstor zu Camfield Place.   © Copyright Robert Edwards and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Eingangstor zu Camfield Place.
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Woran erinnert man sich am ehesten, wenn man den Namen Barbara Cartland hört? Sicher an ihre ungeheure Produktivität, was die Zahl ihrer romantischen Liebesromane angeht; 723 sollen es gewesen sein. Niemand weiß genau wie viele ihrer Bücher verkauft worden sind, die Schätzungen schwanken zwischen 750 Millionen und 2 Milliarden. Dann erinnert man sich bestimmt noch an ihren extravaganten Kleidungsstil, der von der Farbe Rosa klar dominiert wurde wie dieser Film zeigt. Die Dame ließ sich in einem weißen Rolls Royce chauffieren und hatte einen Koch eingestellt, der sich um ihr leibliches Wohl kümmerte.

Seit dem Jahr 1950 wohnte Barbara Cartland in der Nähe von Essendon in Hertfordshire in ihrem Landsitz Camfield Place. Dieses Haus wurde 1867 von Beatrix Potters Großvater erbaut, in dem die Schriftstellerin ihr weltberühmtes Kinderbuch „The Tale of Peter Rabbit“ schrieb. Es steht ganz in der Nähe von Hatfield House, das einmal Heinrich VIII. gehörte und in dem seine Kinder Mary und Elizabeth aufwuchsen. Im Jahr 1550 schoss Elizabeth auf dem weitläufigen Gelände von Hatfield House ihren ersten Hirsch und an dieser Stelle ließ sie eine Eiche pflanzen, The Deer Oak, die später zu dem Anwesen Camfield Place gehörte.

Barbara Cartland liebte diesen 400 Jahre alten Baum und 1976 ließ sie eine Weihnachtskarte anfertigen, auf dem sie und ihr Pekinese Mai-Mai unter der Eiche zu sehen waren. Bevor sie am 21. Mai 2000 im Alter von 98 Jahren  in Camfield Place starb, äußerte sie den Wunsch, unter The Deer Oak begraben zu werden und zwar in einem Sarg aus Pappe, denn die Dame war sehr umweltbewusst und wollte nicht, dass das Holz eines Baumes dafür verwendet wurde. Die Beerdigungsfeier wurde von Reverend John Cotton geleitet, dem früheren Pfarrer von St Mary’s im benachbarten Essendon. Die Trauergemeinde sang Barbara Cartlands Lieblingslied „I Believe“, das durch den US-amerikanischen Sänger Perry Como bekannt gemacht worden war. Ihr Enkel William trug eines ihrer Gedichte vor und ihre Tochter Raine, Stiefmutter von Diana, Princess of Wales, las eine Passage aus der Bibel. Dieser Film zeigt die Ankunft der Trauergäste in Camfield Place.

Es gibt zurzeit noch kein „richtiges“ Barbara Cartland Museum, aber ein virtuelles, das man sich hier ansehen kann.

In einem Cottage auf dem Gelände von Camfield Place erblickte am 14. November 1967 Letitia Dean das Licht der Welt, die später Schauspielerin wurde und allen, die die Endlos-TV-Serie „EastEnders“ kennen, ein Begriff ist; darin spielt sie die Rolle der Sharon Watts. Als Letitias Mutter kurz vor der Geburt ihrer Tochter stand, schickte Barbara Cartland eine alte Tür in das Cottage, mit dem Hinweis, sie unter das Bett zu legen, damit sie beim Geburtsvorgang einen festen Halt hätte. Ja, ein wenig exzentrisch war sie schon, die Lady in Pink.

Camfield Place liegt östlich von Hatfield in Hertfordshire an der B158, die von Essendon nach Brookman’s Park führt.

 

Beatrix Potter (1866-1943) – England feiert ihren 150. Geburtstag

Hill Top House in Near Sawrey (Cumbria).   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hill Top House in Near Sawrey (Cumbria).
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Was haben William Shakespeare, Roald Dahl und Beatrix Potter gemein? Ja, sie sind alle Schriftsteller in der „Oberliga“ der englischen Literatur und alle drei haben in diesem Jahr ein Jubiläum: Shakespeare starb vor 400 Jahren, Dahl wurde vor 100 Jahren geboren und Beatrix Potter vor 150 Jahren.

Beatrix Potter ist die Schöpferin von Peter Rabbit, jenem Kaninchen, das im Jahr 1901 das Licht der Welt erblickte und wohl das berühmteste Kaninchen der Weltliteratur ist. Mit 45 Millionen verkauften Exemplaren ist das Buch „The Tale of Peter Rabbit“ (dt. „Die Geschichte von Peter Hase“) eines der erfolgreichsten Kinderbücher aller Zeiten, und da seine literarische Mutter in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag feiert, darf sich Peter darüber freuen, auf einer 50 Pence-Münze abgebildet zu werden, die ihm bzw. ihr zu Ehren in Großbritannien in diesem Jahr geprägt wird. Das ist übrigens das erste Mal, dass eine Figur aus einem Kinderbuch auf einer britischen Münze erscheint.

Beatrix Potter wurde 1866 in London geboren, sie verbrachte aber einen großen Teil ihres Lebens im Lake District, einer Region, die ihr zur Heimat wurde. Ihr Haus, die Hill Top Farm, die heute dem National Trust gehört, steht in Near Sawrey und ist zu besichtigen. Fans ihrer Bücher zieht es auch nach Bowness-on-Windermere, wo sich mitten im Ort „The World of Beatrix Potter“ etabliert hat und wo man auf Schritt und Tritt dem Kaninchen Peter Rabbit begegnet. Hier am Lake Windermere feiert man in diesem Jahr nicht nur Beatrix Potters 150. Geburtstag, sondern auch noch das 25-jährige Bestehen dieses Museums.

Jede Menge Events werden in diesem Jahr in „The World of Beatrix Potter“ angeboten, u.a. vom 27. Juni bis zum 4. September eine Bühnenshow mit dem Titel „Where is Peter Rabbit?“. Es gibt Peter Rabbit Frühstücksparties und Peter Rabbit Afternoon Tea Parties. Am 28. Juli, dem Geburtstag von Beatrix Potter, kann man den ganzen Tag lang von reduzierten Eintrittspreisen profitieren.
Peter Rabbit dominiert dieses Museum eindeutig, da haben es die anderen Kinderbuchfiguren wie Jemima Puddle-duck und Mrs. Tiggy-winkle nicht ganz leicht, sich gegen das Kaninchen zu behaupten.

Im Lake District gibt es zu Ehren von Beatrix Potter so viele Veranstaltungen, dass es den Rahmen meines Blogs sprengen würde, sie alle aufzuzählen. Hier ist eine Übersicht.

Die Beatrix Potter Society beschäftigt sich seit 1980 intensiv mit der Autorin und veranstaltet vom 5. bis 9. Juli in Bowness-on-Windermere eine International Study Conference unter dem Titel „Beatrix Potter – A Lasting Legacy„, auf der Vorträge gehalten werden wie „In the shadow of Aesop: Beatrix Potter’s retelling of The Town Mouse and the Country Mouse“.

Der Spielfilm „Miss Potter“ (dt. „Miss Potter“) aus dem Jahr 2006 zeigt das Leben der Schriftstellerin, verkörpert von Renée Zellweger.
Hier sind die beliebtesten Figuren aus den Beatrix Potters Büchern zu sehen.

Ein besonders schönes Buch mit wunderbaren Fotografien erschien im Jahr 2000: „Die Welt der Beatrix Potter: Künstlerin, Märchenerzählerin, Farmersfrau“ von Susan Denyer (Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 144 Seiten. ISBN 978-3875848199. Das Buch ist leider vergriffen, aber antiquarisch problemlos zu bekommen.

The World of Beatrix Potter in Bowness-on-Windermere.   © Copyright Brian Clift and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Foto meines Exemplars.

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Published in: on 14. Mai 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Lewis Carroll Teil 2: Sein Sterbeort Guildford (Surrey)

The Chestnuts in Guildford.   © Copyright David960 and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Nachdem ich in meinem gestrigen Blogpost über Lewis Carroll und seinen Geburtsort Daresbury in Cheshire geschrieben habe, möchte ich heute über Guildford in Surrey schreiben und die Beziehung des Schriftstellers zu dieser Stadt. Charles Lutwidge Dodgson, wie sein richtiger Name lautet, verbrachte hier die letzten Jahre seines Lebens, in einem Haus namens The Chestnuts. Er hatte das Haus nach dem Tode seines Vaters im Jahr 1868 gekauft, denn er war jetzt an das neue Familienoberhaupt und musste sich um seine sechs unverheirateten Schwestern kümmern, die er alle in The Chestnuts unterbrachte. Das Haus steht noch heute an der steilen Straße Castle Hill; nicht weit davon entfernt, an der Castle Street Nummer 12, gibt es einen kleinen Laden, der The Mad Hatter heißt und natürlich…Hüte herstellt und verkauft.

Am 14. Januar 1898 starb Dodgson alias Carroll in The Chestnuts, in dem er 1872 sein zweites erfolgreiches Buch „Through the Looking- Glass“ (dt. „Alice hinter den Spiegeln“) geschrieben hatte. Kurz vor seinem Tod hinterließ er noch Instruktionen wie seine Beerdigungsfeier ablaufen sollte: Ohne großes Brimborium und mit möglichst geringen Kosten. Beerdigt wurde er auf dem Guildford Cemetery an der Straße The Mount im Süden der Stadt. Sein Grabstein trägt den Bibelspruch „Where I Am There Shall Also My Servant Be“ und die Inschrift „Revd Charles Lutwidge Dodgson (Lewis Carroll) Fell Asleep Jan. 14. 1898, Aged 65 Years“.

Die Figuren, die er sich für seine beiden Alice-Bücher erdachte, sind leider nicht auf dem Grab verewigt, die finden wir aber an einer anderen Stelle in Guildford. Am 11. Juli 1984 wurde die Figurengruppe „Alice and the White Rabbit“ in der Nähe des Stadtzentrums am River Wey eingeweiht, die ein lokaler Bildhauer, Edwin Russel, geschaffen hatte und die in London in Bronze gegossen wurde. Die beiden Mädchen, die dort zu sehen sind, wurden nach dem Abbild zweier Freundinnen der Töchter des Bildhauers geformt.

Da Lewis Carroll seinen Roman „Through the Looking-Glass“ in Guildford geschrieben hatte, errichtete man 1990 in den Castle Gardens eine Skulptur von Jeanne Argent, die Alice zeigt wie sie durch einen Spiegel blickt. Die Figur ist nur wenige Meter von Carrolls The Chestnut entfernt.

Das Hutgeschäft The Mad Hatter in der Castle Street.   © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Hutgeschäft The Mad Hatter in der Castle Street.
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Lewis Carrolls Grab.   © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Lewis Carrolls Grab.
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Alice and the White Rabbit am River Wey.   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Alice and the White Rabbit am River Wey.
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Alice Through The Looking-Glass" in den Castle Gardens.   © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Alice Through The Looking-Glass in den Castle Gardens.
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Published in: on 28. April 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Lewis Carroll Teil 1: Sein Geburtsort Daresbury (Cheshire)

The Lewis Carroll Centre in Daresbury.   © Copyright Stephen Craven and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Lewis Carroll Centre in Daresbury.
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Reverend Charles Dodgson arbeitete 16 Jahre lang, von 1827 bis 1843, als Vikar an der All Saints‘ Church in Daresbury in der Grafschaft Cheshire und hier in The Old Parsonage kamen Charles Lutwidge Dodgson, der sich später als Schriftsteller das Pseudonym Lewis Carroll zulegte, und neun seiner Brüder und Schwestern zur Welt. The Old Parsonage existiert schon lange nicht mehr, doch der National Trust hegt und pflegt die Stelle, an der der  „Alice in Wonderland„-Erfinder geboren wurde und die ersten elf Jahre seines Lebens verbrachte, noch immer, obwohl es außer einigen Gedenktafeln an dieser Stelle nichts mehr zu sehen gibt.

In Daresbury ist der Name Lewis Carroll noch immer präsent und es kommen regelmäßig Verehrer aus der ganzen Welt hierher, um den Spuren des Schriftstellers zu folgen. Da gibt es das Lewis Carroll Centre in der Daresbury Lane, ein Anbau an die All Saints‘ Church, das erst 2012 eröffnet wurde und in dem man sich sehr gut über das Leben des Mannes informieren kann, der eines der klassischen Kinderbücher überhaupt geschrieben hat. Im Centre hängt auch noch jene Glocke mit der sein Vater auf dem benachbarten Kanal die Flussschiffer zur Andacht auf seine schwimmende Kapelle rief. Man kann sich die berühmten Geschichten von Alice und ihren Freunden anhören, die zum Beispiel von Ken Dodd gelesen werden. Das Lewis Carroll Centre ist täglich geöffnet und der Eintritt ist kostenlos.

Viele kommen auch nach Daresbury, um sich in der All Saints‘ Church das berühmte Glasfenster anzusehen, auf dem Szenen aus dem Leben Carrolls und aus „Alice in Wonderland“ dargestellt sind. Da finden wir sie alle wieder, den Mad Hatter, die Cheshire Cat und The White Rabbit. 1935 wurde das Glasfenster anlässlich Carolls 100. Geburtstag eingeweiht.

Die Figuren, die wir in dem Glasfenster bewundern können, finden wir in Warrington wieder, das nur wenige Kilometer von Daresbury entfernt ist. Seit 1984 steht dort auf dem Market Square die acht Tonnen schwere Granitskulptur Mad Hatter’s Tea Party, die von Prinzessin Diana anlässlich eines Besuches in der Stadt eingeweiht wurde.

All Saints' Church.   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

All Saints‘ Church.
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Das Lewis Carroll-Gedenkfenster in All Saints' in Daresbury.   © Copyright Rich Tea and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Lewis Carroll-Gedenkfenster in All Saints‘ in Daresbury.
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Mad Hatters Tea Party in Warrington (Cheshire).   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mad Hatters Tea Party in Warrington (Cheshire).
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Mein Buchtipp – Luise Berg-Ehlers: Mit Virginia Woolf durch England

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplars.

Schon lange wollte ich dieses Buch in meinem Blog vorstellen, jetzt ist es soweit. Luise Berg-Ehlers, deren wunderschöne Bücher „Mit Miss Marple aufs Land“ und „Extravagante Engländerinnen“ ich an dieser Stelle bereits präsentiert habe, hat im Jahr 2012 als Insel-Taschenbuch „Mit Virginia Woolf durch England“ veröffentlicht, in dem sie den Spuren dieser Schriftstellerin nachgeht. Das Umschlagbild zeigt, unschwer zu erkennen, die Mermaid Street in Rye (East Sussex) mit dem Mermaid Inn auf der rechten Seite, eines der am häufigsten fotografierten Motive im ganzen Land. Virginia Woolf war hier in Rye im Lamb House zu Gast, das gleich am oberen Ende der Mermaid Street, in der West Street, zu finden ist. Henry James wohnte hier, ein Freund ihres Vaters, von dem sie, wie Luise Berg-Ehlers schreibt, nicht sehr angetan war. Auch der Mermaid Inn sagte Virginia nicht sehr zu, weil sie von einer alten Frau aus dem Gasthof hinausgejagt worden war.

Die einzelnen Lebensstationen der am 25. Januar 1882 in 22 Hyde Park Gate in London geborenen Schriftstellerin werden in dem Buch detailliert dargestellt, als da sind: London, Surrey, Cambridge und Oxford, Cornwall, Kent und Sussex. Die ausdrucksstarken Fotografien stammen von Luise Berg-Ehlers selbst. „Wer also bei seiner Reise durch England Virginia Woolf als Begleiterin, vielleicht sogar als Reiseführerin wählt, wird manches andere sehen, als es Travel Guides gemeinhin zu präsentieren pflegen“, so die Autorin des Buches und das macht es so besonders interessant für den literarisch interessierten Englandreisenden.

Das Buch schließt mit dem Tode Virginia Woolfs am 28. März 1941 bei Rodmell in East Sussex, wo sie sich im River Ouse das Leben nahm. Ihr Wohnhaus dort, Monk’s House, das seit 1980 dem National Trust gehört, kann besichtigt werden.

Hier ist eine Dokumentation über Virginia Woolf.

Luise Berg-Ehlers: Mit Virginia Woolf durch England. Insel-Verlag 2012. 199 Seiten. ISBN 978-3-458-35806-0

Monk's House inRodmell.   © Copyright PAUL FARMER and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Monk’s House in Rodmell.
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Virginia Woolfs Büste im Garten von Monk's House in Rodmell.   © Copyright PAUL FARMER and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Virginia Woolfs Büste im Garten von Monk’s House in Rodmell.
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Published in: on 18. April 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Charles Clark (1806-1880) – The Bard of Totham

Heybridge Basin am River Blackwater.   © Copyright John Winfield and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Heybridge Basin am River Blackwater.
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Für einen Dichter und Schriftsteller ist es eine tolle Sache, wenn er über ein eigene Druckerpresse verfügt und seine Werke selbst herstellen kann, ohne einen lästigen Verleger mit einbeziehen zu müssen, der erst von der Qualität der literarischen Ergüsse überzeugt werden muss. In dieser glücklichen Lage war im 19. Jahrhundert Charles Clark (1806-1880), der vor allem Gedichte, gern in regionaler Mundart, schrieb, die vielleicht niemals die Verlegerhürde genommen hätten. Zu seinen Werken gehörten u.a. „The Trip to Tiptree or A Lover’s Triumph presented to the Philologist as a specimen of the dialect of the peasantry of Essex“ und „Tiptree Races: All on the heath„, beide 1842 erschienen. Das in den beiden Titeln erwähnte Tiptree ist die Marmeladenstadt in Essex. Essex ist die Grafschaft, in der sich das Leben von Charles Clark vornehmlich abspielte. Geboren wurde er in Heybridge, wo er auch starb, und eine Zeit lang lebte er im benachbarten Great Totham auf Totham Hall, daher wurde er auch The Bard of Totham genannt. Clark verwendete gern Pseudonyme wie Malthus Merryfellow und Doggrel Drydog.

Der leicht exzentrische Schriftsteller beschäftigte sich auch mit Luftballons, an denen er seine Adresse befestigte und losfliegen ließ. Er freute sich immer sehr, wenn jemand den Ballon fand und ihn daraufhin kontaktierte. Manchmal versah er die Ballons mit seinen literarischen Erzeugnissen, eine Art Werbung für sich und seine Gedichte.

Great Totham Hall gibt es noch heute (es ist in Privatbesitz). Heybridge liegt direkt neben Maldon im Mündungsbereich des River Blackwater. Begraben wurde der heute weitgehend in Vergessenheit geratene Dichter in der St Andrew’s Church in Heybridge.

Alan Brignull hat 1990 eine Biografie über Charles Clark veröffentlicht mit dem Titel „Charles Clark: The Bard of Totham. Presenting Pieces, Poems and Biographical Bits, Pertaining to a Particular Printing Personage of the Past“ (The Hedgehog Press).

Hier
ist ein Beispiel für seine Art der Poesie. Ein sehr interessanter Blog „Finding Charles Clark“ beschäftigt sich ausführlich mit dem Dichter.

Hier in Great Totham lebte und schrieb Charles Clark einige Jahre lang.   © Copyright Adrian Cable and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier in Great Totham (Essex) lebte und schrieb Charles Clark einige Jahre lang.
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St Andrew's Church in Heybridge (Essex).   © Copyright Peter Stack and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Andrew’s Church in Heybridge (Essex). Hier wurde Charles Clark begraben.
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Published in: on 18. März 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Charlotte Brontë (1816 – 1855) – Yorkshire feiert ihren 200. Geburtstag

Charlottes Gebutshaus..   © Copyright David Spencer and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Charlottes Geburtshaus in Thornton.
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Am 21. April 1816 wurde Charlotte Brontë in der Market Street Nummer 74 in Thornton in West Yorkshire geboren, dort, wo auch ihre Geschwister Patrick Branwell, Emily Jane und Anne in den Jahren darauf zur Welt kommen sollten. Das Haus steht noch heute in Thornton und beherbergt zurzeit die italienische Cafébar „Emily’s by De Luca Boutique„. Wer also ein wenig „Brontë-Luft“ schnuppern möchte, kann das hier bei einer Tasse Kaffee tun.

In diesem Jahr wird die 200. Wiederkehr des Geburtstags von Charlotte Brontë gefeiert und wo erwartet man das in erster Linie? Natürlich in Haworth (West Yorkshire), im ehemaligen Pfarrhaus, wo die drei jungen Damen ihre berühmten Romane schrieben, die in die Weltliteratur eingegangen sind. Charlottes bekanntestes Werk ist sicher „Jane Eyre„, das nach seinem Erscheinen im Jahr 1847 bis heute immer wieder neu aufgelegt worden ist. Rund ein Dutzend Mal wurde der Stoff verfilmt, zuletzt 2011 mit Mia Wasikowska als Jane Eyre und Michael Fassbender als Edward Rochester (hier ist der Trailer).

Das Brontë Parsonage Museum in Haworth zeigt ab dem 1. Februar bis zum Ende des Jahres eine Sonderausstellung, die sich ganz dem Leben und Schaffen Charlottes widmet, und die den Titel „Charlotte Great and Small“ tragen wird. Zusammengestellt hat diese Ausstellung die Schriftstellerin Tracy Chevalier, die auch in Deutschland mit ihrem Roman „Girl With a Pearl Ear Ring“ (dt. „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“) bekannt geworden ist. Die in London lebende US-Amerikanerin hat mit viel Engagement Objekte aus dem Leben der so früh verstorbenen Frau zusammengetragen wie Kleidungsstücke, Briefe und ihre Miniatur-Bücher, in die sie mit winziger Schrift ihre Eintragungen vorgenommen hat und sich dadurch die Augen verdorben hat. Im ganzen Pfarrhaus werden Kunstinstallationen zu sehen sein, die Künstler aus dem In- und Ausland angefertigt haben.
„Brontë 200“ wird sicher noch mehr Menschen aus aller Welt als sonst nach Haworth bringen. Bei meinen beiden Besuchen im Brontë Parsonage Museum war es jeweils rappelvoll.

Die Erinnerungsplakette in der Market Street in Thornton.   © Copyright David Spencer and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Erinnerungsplakette in der Market Street in Thornton.
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Das Brontë Parsonage Museum in Haworth.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Brontë Parsonage Museum in Haworth.
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Published in: on 8. Januar 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton und Beaconsfield in Buckinghamshire

The White Hart, erste Anlaufstation für Chesterton und seine Frau.   © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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In Deutschland ist der Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton (1874-1936) , vor allem durch seine Pater Brown-Romane bekannt geworden, die mehrfach verfilmt wurden, zuletzt von der BBC in der TV-Serie „Father Brown“ (dt. „Father Brown – Immer einen Tick voraus“).
Chesterton verbrachte die letzten 27 Jahre seines Lebens in der Kleinstadt Beaconsfield in Buckinghamshire (ich berichtete in meinem Blog über meinen Besuch dort). Der Zufall führte den Londoner hierhin. Eines Tages im Jahr 1909 gingen er und seine Frau zu dem Londoner Bahnhof Paddington Station und fragten am Ticketschalter, wohin der nächste Zug fahren würde. Slough war die Antwort, also stiegen sie ein und fuhren in die westlich von London gelegene Stadt. Von hier aus wanderten die Chestertons nach Norden, bis sie zufällig nach Beaconsfield kamen. Hier nahmen sie ein Zimmer in The White Hart, der noch heute an der großen Straßenkreuzung steht, an der vier Straßen in einem Kreisverkehr aufeinanderstoßen. Gilbert Keith und Frances Chesterton gefiel es hier so gut, dass sie sich entschlossen, von London nach Beaconsfield zu ziehen. Ihr erstes Haus, Overroads, liegt an der Grove Road, die von der Station Road abzweigt und heute die Hausnummer 2 trägt. 1922 zogen sie auf die andere Straßenseite, wo sie ein größeres Haus, Top Meadow, gekauft hatten. Dort erinnert eine blaue Plakette über der Eingangstür an den früheren berühmten Bewohner. Die Grove Road ist eine hübsche baumbestandene Straße mit sehr ansehnlichen Häusern. Man merkt, dass Beaconsfield zu den wohlhabendsten Städten im Speckgürtel von London gehört.

Ein gern gesehener Gast in der Grove Road war Father John O’Connor, ein katholischer Priester aus Yorkshire, der Chesterton zu seiner literarischen Figur des Pater Brown inspirierte. 1926 wurde in Beaconsfield eine neue katholische Kirche gebaut, die Church of St Teresa, der sich Chesterton sehr verbunden fühlte und in der sich mehrere Erinnerungsstücke an ihn befinden. Die der Heiligen Thérèse von Lisieux gewidmete Kirche in der Warwick Road im neuen Teil von Beaconsfield steht übrigens genau gegenüber des Eingangs zum Bekonscot Model Village (ich berichtete in meinem Blog darüber). Hier ist ein Film über die Kirche.

Der Schriftsteller starb am 14. Juni 1936 in seinem Haus Top Meadow und wurde auf dem Friedhof an der Shepherds Lane beerdigt, nur wenige Schritte von der Grove Road entfernt. Sein Grabstein wurde von dem berühmten Bildhauer Eric Gill entworfen und trägt die Inschrift

Pray for the souls of Gilbert Keith Chesterton born May 29 1874 died June 14 1936 & of Frances his wife born June 28 1869 died Dec 12 1938. Termino nobis donet in patria. And for Dorothy Collins born 11 June 1984 died 8 September 1988„.
Dorothy Collins war Chestertons langjährige Sekretärin, die so etwas wie eine Tochterrolle des kinderlosen Ehepaars angenommen hatte.
Der Originalgrabstein wurde im Jahr 2006 durch einen neuen ersetzt, da dieser im Laufe der Jahre sehr in Mitleidenschaft gezogen worden war.

Wer einmal in diese Gegend von Buckinghamshire kommt, dem kann ich einen Besuch in dieser außergewöhnlich schönen Kleinstadt sehr empfehlen. Inspector Barnaby-Fans werden hier voll auf ihre Kosten kommen, denn hier fanden immer wieder Dreharbeiten statt.

Church of St Teresa in der Warwick Road.   © Copyright Basher Eyre and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Erinnerungstafel an Chesterton in der Church of St Teresa.   © Copyright Basher Eyre and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Erinnerungstafel an Chesterton in der Church of St Teresa.
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