Warum das Kinderkrankenhaus in der Londoner Great Ormond Street noch heute von Peter Pan profitiert

Peter Pan und Tinkerbell am Haupteingang des Great Ormond Street Hospitals in London.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Die Figur des Peter Pan, der 1902 das Licht der Welt erblickte, der Junge der niemals erwachsen wird und im Nimmerland wohnt, gehört zu den bekanntesten der internationalen Kinderliteratur. James Matthew Barrie (1860-1937) hat sich Peter Pan ausgedacht, und wir treffen das Kind nicht nur in Büchern an, sondern auch in einem guten Dutzend Filmen und in mehreren Musicals. 1978 veröffentlichte Kate Bush einen Song mit dem Titel „In Search of Peter Pan„. Die Schweizer Sängerin sang 1982 das Lied „Peter Pan“ und viele weitere Musiker verwendeten Motive aus Barries Kinderbüchern.

Da fielen natürlich eine ganze Menge Lizenzgebühren an, und da James Matthew Barrie ein großes Herz für Kinder hatte, überlegte er sich, was er mit dem Geld Gutes tun konnte. Da er und seine Frau kinderlos waren, vermachte er 1929 sämtliche Rechte an „Peter Pan“ an das Londoner Kinderkrankenhaus Great Ormond Street Hospital (GOSH) im Stadtteil Bloomsbury und das auch über seinen Tod hinaus. Fünfzig Jahre nach dem Tod des Schriftsteller, 1987, verlängerte die Regierung das Recht, Lizenzgebühren verlangen zu können. Barrie machte dem Krankenhaus damals die Auflage, die Höhe der eingenommenen Gebühren niemals zu veröffentlichen, woran man sich dort auch hielt.

Zur Erinnerung an den großzügigen Schriftsteller wurde eine Statue des kleinen Jungen am Haupteingang des Krankenhauses aufgestellt, die der Londoner Bildhauer Diarmud Byron O’Connor schuf. Fünf Jahre später ergänzte O’Connor seine Skulptur durch eine weitere Figur aus den Peter Pan-Büchern, die Fee Tinkerbell, die sich hier mit Peter um einen Fingerhut streitet. Ganze 18cm ist Tinkerbell groß.

Das Great Ormond Street Hospital verfügt auch über eine Sammlung von Peter Pan-Buchausgaben aus aller Welt, die allerdings nicht öffentlich zugänglich ist.

Nicht nur James Matthew Barrie, sondern auch andere Künstler setzten sich für das Kinderkrankenhaus ein, so taten sich 1987 viele Sänger (u.a. Boy George, Hazel O’Connor, Grace Kennedy) zusammen und nahmen die Single „The Wishing Well“ auf, deren Erlös dem GOSH zugute kam. Die Teilnehmer am Finale der Castingshow „The X Factor“ nahmen 2009 den Michael Jackson-Song „You Are Not Alone“ auf und von jeder verkauften Single ging £1 an das Krankenhaus in der Great Ormond Street.

Siehe auch meinen Blogeintrag über die Peter Pan-Statue in den Kensington Gardens.

Das Krankenhaus in Bloomsbury.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

„Bleeding London“ – Ein Buch und eine Bildersammlung

Etwa 58 000 Straßen soll es in London geben…
Photo © Richard Cooke (cc-by-sa/2.0)

Es hätte nicht viel gefehlt und der englische Schriftsteller Geoff Nicholson (geboren 1953) hätte 1997 für seinen Roman „Bleeding London“ den begehrten Whitbread Prize erhalten. Er stand schon auf der Shortlist, dann entschied sich die Jury aber doch für Jim Craces „Quarantine“. In Nicholsons Roman steht ein Mann namens Stuart London im Mittelpunkt, dessen Obsession es ist, jede Londoner Straße einmal besucht zu haben. Das ruft Erinnerungen wach an Phyllis Pearsall, die das gleiche getan haben soll, um ihren Straßenatlas „London A-Z“ zu erstellen. Ich berichtete in meinem Blog über sie. Nicholsons Roman ist 1999 auf Deutsch unter dem Titel „London, London“ im Haffmans Verlag erschienen.

Vor einigen Jahren wurde ein Projekt ins Leben gerufen, das den Romantitel „Bleeding London“ im Namen führt und das mit Unterstützung von Geoff Nicholson entstand. Del Barrett von der Royal Photographic Society hatte die Idee, ein Archiv aufzubauen, in dem von jeder Londoner Straße ein Foto enthalten sein soll. Jeder ist dazu aufgerufen, an dem Projekt teilzunehmen und man braucht schon eine Menge Mitwirkende, um alle rund 58 000 Straßen der Hauptstadt im Bild festzuhalten. 600 Profi- und Hobbyfotografen haben bisher ihre Fotos an das „Bleeding London“-Projekt geschickt. Um einen Vorgeschmack von dieser riesigen Bildersammlung zu bekommen, wurden schon einmal vom 8. Juli bis zum 4. September 2015 1200 Exponate in der City Hall ausgestellt.

Mehr als 58 000 Fotos sind schon in der Datenbank enthalten, die ständig anwächst und die auch einmal online abrufbar sein wird. Hier ist ein Film über den Start des Projekts mit einer witzigen Rede von Geoff Nicholson.

…und hier sind sie alle verzeichnet.
Foto meines Exemplares.

 

Peter Walker alias Nicholas Rhea (1936-2017) – Der Autor der „Constable“-Bücher ist gestorben

Hier wurde Peter Walker 1936 geboren.
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Am 21. April in diesem Jahr starb Peter Walker in Ampleforth in North Yorkshire, dem Ort, in dem er den größten Teil seines Lebens zugebracht hat. Ihn kennt man vor allem als Autor der „Constable„-Romane (sie wurden leider nicht ins Deutsche übersetzt), die er unter dem Pseudonym Nicholas Rhea schrieb. Mehr als 130 Bücher verfasste der Mann aus Yorkshire im Laufe seines Lebens, viele mit Bezug zu der Grafschaft im Norden Englands.

Geboren wurde Peter Walker 1936 in Glaisdale, einem Dorf im North York Moors National Park, 13 Kilometer westlich von Whitby entfernt, da, wo er auch zur Schule ging. Schon früh beschloss er Polizist zu werden und seine erste Runden als Bobby drehte er ebenfalls in der Hafenstadt Whitby. Weitere Einsatzorte waren Northallerton und Oswaldkirk in North Yorkshire. 1968 wurde er zum Sergeant und 1976 zum Inspector befördert. Nach 30 Jahren Polizeiarbeit schied er 1982 aus dem Dienst aus, um sich ganz dem Schreiben zu widmen, einer Liebe, die er schon als junger Mann entdeckt hatte.

Seine jahrelangen Erfahrungen als Dorfpolizist fanden ihren Niederschlag in den Romanen um Constable Nick Rhea. „Constable on the Hill“ erschien 1979 und da lernen wir den jungen Mann kennen, der seinen Einsatzort in dem fiktiven Dorf Aidensfield hat. 32 Jahre später geht er in dem Band „Constable over the Hill“ in Pension. Wer die Moore Yorkshires liebt, wird auch diese Bücher lieben, die sehr viel Lokalkolorit beinhalten. Adäquat verfilmt wurden sie durch die äußerst populäre Fernsehserie namens „Heartbeat„, die der Sender ITV von 1992 bis 2010 ausstrahlte, 372 Episoden in 18 Staffeln. Ich besitze noch die ersten Folgen auf Video, als PC Nick Rowan (gespielt von Nick Berry) mit seiner Frau Kate (gespielt von Niamh Cusack) nach Yorkshire zieht und sie sich beide erst einmal an das fremde Umfeld und die anders tickenden Menschen gewöhnen müssen. Die Titelmelodie wurde von Nick Berry selbst gesungen (hier zu hören). Gedreht wurde die Serie vor Ort in North Yorkshire, vor allem in Goathland und Umgebung. Hier ist die erste Folge der ersten Staffel zu sehen.
Merkwürdigerweise hat sich kein deutscher Fernsehsender für die Serie interessiert, die man am ehesten mit „All Creatures Great and Small“ (dt. „Der Doktor und das liebe Vieh“) vergleichen kann, der Tierarztserie nach den Romanen von James Herriott, die auch in North Yorkshire spielt und die in Deutschland sehr beliebt war.

Peter Walker benutzte noch andere Pseudonyme, unter denen er Krimis schrieb wie Christopher Coram, Tom Ferris und Andrew Arncliffe. Hier ist eine Liste sämtlicher Bücher.

Wie ich bereits oben erwähnte, wohnte Peter Walker mit seiner Familie lange Zeit in Ampleforth am Südrand des North York Moors National Parks, auf halbem Weg zwischen Coxwold und Oswaldkirk. Am 28. April fand die Trauerfeier im Ort in der Kirche Our Lady and St Benedict’s statt. Seine Tochter Tricia Walker hielt eine Rede auf ihren Vater und erwähnte darin, dass er ein Yorkshireman aus Schrot und Korn war und seine Heimat über alles liebte.
Tricia Walker ist auch Schriftstellerin und wurde durch ihren ersten Roman „Benedict’s Brother“ (2007) bekannt, der im nächsten Jahr verfilmt werden soll.

Dreharbeiten zu „Heartbeat“ in Goathland (North Yorkshire).
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Our Lady and St Benedict’s in Ampleforth.
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Eine Auswahl meiner Peter Walker-Bücher und meine Videokassette der ersten „Heartbeat“-Staffel.

Published in: on 14. Mai 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Margaret Yorke – Eine Krimiautorin, die in Long Crendon in Buckinghamshire lebte

Die High Street von Long Crendon.
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Margaret Yorke, (1924 – 2012), ist für mich eine der besten englischen Krimiautorinnen. Sie schrieb ihre Bücher zwischen 1970 und 1990 und mein absoluter Lieblingskrimi von ihr ist der 1974 erschienene „No medals for the Major“ (auf Deutsch „Der Hass der Selbstgerechten“). In der Idylle des Dorfes Wiveldown gerät Major Johnson, der dort ein ruhiges Dasein führt, in den Verdacht, ein Mädchen aus dem Ort ermordet zu haben. Die Gerüchteküche in Wiveldown kocht hoch und der (natürlich unschuldige) alte Herr sieht keinen anderen Ausweg, als sich das Leben zu nehmen. Ein ganz hervorragender Krimi!
In Margaret Yorkes Romanen ist es oft so, dass in der Idylle eines Dorfes oder einer Kleinstadt plötzlich ein Gewaltverbrechen alles durcheinander bringt: Vandalismus, Vergewaltigung und Jugendkriminalität passen eigentlich hier gar nicht hin, aber Verbrechen, die man vorwiegend aus Großstädten kennt, halten leider auch Einzug in das Dorfleben.

Margaret Yorke lebte viele Jahre in dem hübschen Long Crendon in Buckinghamshire, über das ich in meinem Blog schon mehrmals berichtete. Hier findet man reetgedeckte Häuser, mehrere Dorfpubs und das großartige Long Crendon Manor House. Das Courthouse aus dem 15. Jahrhundert ist schon seit 1900 im Besitz des National Trusts; das obere Stockwerk ist zu besichtigen.

Margaret Yorke hatte ihren Wohnsitz im Oriel Cottage in der High Street, nur ein paar Schritte von der St Mary’s Church entfernt, auf deren Kirchhof sie auch beerdigt wurde. Leider ist es mir nicht gelungen, ihre Grabstelle zu finden. Auch ein Bediensteter der Kirche und die Bibliothekarin der Public Library, rund hundert Meter von der Kirche entfernt, konnten mir darüber keine Auskunft geben. Ein Foto von Margaret Yorke war in der Bibliothek ausgestellt, deren Eröffnung sie beiwohnte und bei diesem Anlass ein Interview gab (hier zu sehen).

Long Crendon gehört zu den Dörfern in Buckinghamshire, die am häufigsten als Drehort für die TV-Kimiserie Midsomer Murders benutzt wurden. Die Folgen „Garden of death“ (dt. „Der Garten des Todes“), „The axeman cometh“ (dt. „Mord mit Groove“), „Things that go bump in the night“ (dt. „Nachts, wenn du Angst hast“), „A tale of two hamlets“ (dt. „Das Haus des Satans“) und „The Dagger Club“ (dt. „Britisches Roulette“) wurden hier zum Beispiel gedreht.
Long Crendon liegt 3 km nordwestlich von Thame in Oxfordshire, auch das ein Ort, der häufig von Inspector Barnaby aufgesucht wurde.

Foto meiner Exemplare.

S Mary’s in Long Crendon. Hier liegt Margaret Yorke begraben.
Eigenes Foto.

Die Long Crendon Public Library.
Eigenes Foto.

Das Court House gegenüber der Kirche.
Eigenes Foto.

Long Crendon Manor House.
Eigenes Foto.

  

 

Published in: on 19. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Broadbridge Heath und Warnham in West Sussex und der Dichter der Romantik Percy Bysshe Shelley

Field Place bei Broadbridge Heath, Geburtsort von Percy Bysshe Shelley.
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Dicht an der A24 in West Sussex liegen die beiden Ortschaften Warnham und Broadbridge Heath, die für den Dichter Percy Bysshe Shelley (1792-1822) in seinem kurzen Leben eine wichtige Rolle spielten. Am 4. August 1792 wurde er in Field Place geboren, einem Herrenhaus am nördlichen Ortsrand von Broadbridge Heath, das seiner Familie gehörte und das bis 1850 auch im Familienbesitz blieb, später in den Besitz der Eigentümer der Londoner Charrington Brewery kam. Field Place ist in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden.

Getauft wurde Percy am 7. September 1792 in der Kirche St Margaret’s im benachbarten Warnham, deren Ursprünge bis in das 14. Jahrhundert zurückreichen. Der Taufstein, der sogar noch älter ist, mutmaßlich aus dem 12. Jahrhundert, ist noch heute in der Kirche zu sehen. Auch ein Facsimile der Geburtseinträge aus dem Kirchenbuch des Jahres 1792, auf dem die Name Shelleys und seiner Eltern verzeichnet sind, ist in einer Glasvitrine ausgestellt. In St Margaret findet man zahlreiche Memorials der Shelley-Familie, so ist in der Caryll Chapel ein Stein im Boden eingelassen, der an Timothy Shelley (gestorben 1771) und seine Frau Joanna (gestorben 1770) erinnert, die Urgroßeltern des Dichters. An einer Wand auf der Südseite der Kirche findet man eine Tafel, auf der die Namen Helen und Elizabeth Shelley eingetragen sind, die in der Kirche beerdigt wurden, sowie der Name Charles Bysshe Shelley, ein Sohn des Dichters, der im Alter von 11 Jahren starb und hier ebenfalls beigesetzt wurde.

In Broadbridge Heath steht in der Old Guildford Road ein Pub namens The Shelley Arms, der aus dem 14. Jahrhundert stammt und in den der junge Percy öfter einmal nach einem Streit mit seinem Vater Zuflucht gesucht haben soll. Weiterhin erinnern an den Dichter in Broadbridge Heath eine Straße, der Shelley Drive, und die Shelley Primary School.

St Margaret’s in Warnham (West Sussex).
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Der Taufstein in St Margaret’s.
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The Shelley Arms in Broadbridge Heath.
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Top Withens – Eine Ruine mitten im Brontë Country

Top Withens.   © Copyright Graham Hogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Top Withens.
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Bei meinen beiden Besuchen in Haworth in West Yorkshire, in der die drei Schriftsteller-Schwestern Emily, Charlotte und Anne Brontë lebten, war ich immer wieder überrascht über die vielen Touristen, die sich dort aufhielten; auf dem Hauptparkplatz wurde man sogar auf einen Stellplatz eingewiesen. Und dann die vielen Besucher aus Ostasien, in erster Linie aus Japan, die sich im Brontë-Pfarrhaus tummelten und in den Läden der Kleinstadt einkauften! Die drei jungen Fauen und ihre wenigen Romane, die sie einst im 19. Jahrhundert schrieben, müssen im Land der aufgehenden Sonne noch sehr populär sein.

Wer sich nicht nur besagtes Pfarrhaus, in dem die Brontë-Familie wohnte, und den daneben liegenden Kirchhof ansehen und ein bisschen Moorluft schnuppern möchte, der sollte sich auf den Brontë-Way begeben, der aus Haworth hinausführt. Dieser insgesamt 69 Kilometer lange Rundweg, auf dem man die beeindruckende, karge Moorlandschaft geniessen kann, führt unter anderem über die Brontë-Bridge, an den Brontë-Waterfalls vorbei, zu einem verfallenen Bauernhaus namens Top Withens, etwa sechs Kilometer von Haworth entfernt.

Der Name Top Withens klingt ein wenig so wie Emily Brontës Roman „Wuthering Heights“ aus dem Jahr 1847, der in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Sturmhöhe“ veröffentlicht und so wunderschön von Kate Bush in ihrem gleichnamigen Song interpretiert wurde. „Withens“ und „Wuthering“ liegen nicht weit auseinander und „Top“ und „Heights“ bedeuten das gleiche. Schon seit ewigen Zeiten wird darüber diskutiert, ob das elisabethanische Farmhaus Modell gestanden hat für Emilys weltberühmten Roman. Die Schwestern machten ausgedehnte Spaziergänge über das Moor und kannten das Haus sehr gut. Hatte Emily es im Sinn, als sie die Farm, in der in ihrem Roman die Earnshaws lebten, in ihr Buch einfügte? Die Brontë Society ließ 1964 an den Ruinen eine Plakette anbringen, die Klarheit darüber schaffen sollte. Darauf steht, dass die früheren Farmgebäude keinerlei Ähnlichkeit mit dem von Emily beschriebenen Haus hatten, dass es aber durchaus möglich sein kann, dass ihr das abgelegene Anwesen beim Schreiben des Romans vorschwebte.

Auf Top Withens wurde ursprünglich einmal Milch erzeugt, bis der Hof gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurde. In den 1920er Jahren kam noch einmal etwas Leben hierher, als man eine Hühnerfarm einrichtete; doch auch die wurde bald wieder eingestellt, und seitdem stehen die Überreste einsam und allein im Moor von Haworth, gern aufgesucht von japanischen Touristen, für die man extra Hinweisschilder in ihrer Sprache angebracht hat.

Die Farmhausruinen in der Einsamkeit des Moores vo Haworth,   © Copyright Steve Partridge and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Farmhausruine in der Einsamkeit des Moores von Haworth.
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Hier finden auch japanische Touristen den richtigen Weg.   © Copyright Chris Heaton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier finden auch japanische Touristen den richtigen Weg.
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Auf dem Weg nach Top Withens: DieBrontë Bridge und die Brontë Waterfalls.   © Copyright Gary Rogers and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auf dem Weg nach Top Withens: Die Brontë Bridge und die Brontë Waterfalls.
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Die Krimiautorin Gladys Mitchell und die Verfilmung ihrer Bücher

Corfe Mullen in Dorset, wo Gladys Mitchell von 1961 bis 1982 lebte.   © Copyright John Palmer and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Corfe Mullen in Dorset, wo Gladys Mitchell von 1961 bis 1983 lebte.
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Gladys Mitchell (1901-1983) war eine Krimiautorin, deren Werke in Deutschland kaum bekannt sind. Gerade einmal drei Romane aus ihrem umfangreichen Werk wurden ins Deutsche übersetzt: „Das Geheimnis der Zwillinge“ (Originaltitel: „The Echoing Strangers“) und „Des Teufels Ellenbogen“ (Originaltitel: „The Devil’s Elbow“), beide 1953 erschienen, und „Mord auf Skeleton Island“ (Originaltitel: „Skeleton Island“) aus dem Jahr 1969.

Gladys Mitchell wurde 1901 in Cowley in Oxfordshire geboren, dort, wo sich einige Jahre später die Autofabrik Morris niederließ. Ein Krimi aus dem Jahr 1936 heißt denn auch „Dead Men’s Morris„. Die Dame war Lehrerin von Beruf und unterrichtete in mehreren Schulen im Großraum London. Nach ihrer Pensionierung siedelte sie nach Corfe Mullen in Dorset über, wo sie weitere Krimis schrieb; in der Regel einen pro Jahr. 1976 erhielt sie den Silver Dagger der Crime Writers Association und eine Zeitlang wurde sie auf die gleiche Stufe wie Agatha Christie und Dorothy Sayers gestellt. Doch dann verblasste ihr Ruhm allmählich. Auf dem britischen Buchmarkt sind einige von Mitchells Werken noch heute erhältlich, die meisten in E-Book-Form.

Die Protagonistin der Werke Gladys Mitchells heißt Beatrice Adela Lestrange Bradley und nach ihr wurde auch eine TV-Serie benannt, die die BBC von 1998 bis 2000 ausstrahlte. „The Mrs Bradley Mysteries“ umfassten nur fünf Episoden, Stoff genug für weitere 61 Folgen hätte es noch gegeben, doch die Fernsehserie schlug nicht so ein wie man es erhofft hatte, obwohl Mrs Bradley von einer sehr bekannten Schauspielerin verkörpert wurde, nämlich von Diana Rigg, unvergesslich als Emma Peel in „The Avengers“ (dt. „Mit Schirm, Charme und Melone“). An ihrer Seite spielt Neil Dudgeon, den wir als DCI John Barnaby in „Midsomer Murders“ kennen. Dudgeon ist der Chauffeur George, der Mrs Bradley in einem Rolls Royce durch das Land fährt.

Ich habe mir einmal die Episode 2 „The Rising of the Moon“ angesehen, die auf dem gleichnamigen Roman aus dem Jahr 1945 basiert. Diana Rigg schafft es immer noch, auf dem Bildschirm sehr präsent zu sein und spielt ihre Rolle gut. Gedreht wurde diese Folge zu weiten Teilen auf dem Village Green von The Lee und in Little Missenden, beide in Buckinghamshire gelegen. In Deutschland wurde die TV-Serie nie gezeigt.

Wer sich näher mit Gladys Mitchell beschäftigen möchte: Es gibt eine umfangreiche „Tribute“-Website über die Autorin.

The British Guild of Beer Writers Awards

Impression vom Manchester Beer Festival 2016.   © Copyright Dave Pickersgill and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Da schlägt das Herz eines Bierliebhabers höher: Impression vom Manchester Beer & Cider Festival 2016.
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Bier hat im täglichen Leben der englischen Gesellschaft eine bedeutendere Rolle als bei uns in Deutschland, daher nehmen in meinem Blog Artikel über Bier, Brauereien und Pubs einen relativ großen Teil ein. Es gibt auf dem englischen Buchmarkt eine Vielzahl von Veröffentlichungen, die sich mit dieser Thematik befassen und einige Autoren der „Bier-Bücher“ haben sich in der British Guild of Beer Writers zusammengefunden, die jedes Jahr im Dezember einige besonders herausragende Autoren mit Preisen prämieren. Hier sind einige der ausgezeichneten „Beer Writer“ der letzten Jahre:

Den Guild Award for Best Beer & Travel Writer des Jahres 2015 erhielt Des De Moor für sein Buch „The CAMRA Guide to London’s Best Beers, Pubs and Bars“ (CAMRA Books 2015), ein umfassender Führer durch die Londoner Pubszene (über 200 Pubs werden detailliert dargestellt), Brauereien und ihre Biere; das ist bereits die zweite Auflage seines Führers. Der 1961 in Ipswich geborene De Moor ist ein Experte in Sachen Bier, der schon weltweit in Jurys gesessen und unzählige Biere beurteilt hat.

Den zweiten Platz im Jahr 2015 teilten sich Roger Protz und Adrian Tierney-Jones; sie erhielten den Preis für ihr gemeinsames Buch „Britain’s Beer Revolution“ (CAMRA Books 2014). Beides sind erfahrene Buchautoren; Roger Protz ist u.a. Herausgeber des jährlich erscheinenden „Good Beer Guide“ (die Ausgabe 2017 mit mehr als 1000 Seiten erscheint am 15. September), Adrian Tierney-Jones schrieb zum Beispiel „1001 Beers: You Must Try Before You Die“ (Cassell 2013). In ihrem prämierten Buch berichten sie von ihrer Tour durch Großbritannien auf der Suche nach innovativen und kreativen Brauereien.

Den Guild Award for Best Beer & Travel Writer des Jahres 2014 erhielten Ray Newman und Jessica Slack für ihr Buch „Brew Britannia: The Strange Rebirth of British Beer“ (Aurum Press 2014), das sie unter ihren Bloggernamen Jessica Boak and Ray Bailey veröffentlichten. Das Buch ist inhaltlich ähnlich wie das oben erwähnte „Britain’s Beer Revolution“; ich stellte es in meinem Blog schon einmal vor.

Will Hawkes freute sich 2013 darüber, dass er mit dem Award ausgezeichnet wurde. Hawkes arbeitet für mehrere englische und amerikanische Zeitungen als „Drink, food and travel writer“ und schrieb das Buch „Craft Beer London“ (Vespertine Press 2012).

Pete Brown war der Preisträger des Jahres 2012 (und 2009). Er schrieb unter vielen anderen das Buch „Man Walks Into a Pub: A Sociable History of Beer“ (Pan 2010). Browns neues Werk, das am 18. August erscheint, trägt den vielversprechenden Titel „The Pub: A Cultural Institution – From Country Inns to Craft Beer Bars and Corner Locals“ (Jacqui Small).

Von der British Guild of Beer Writers werden jedes Jahr noch weitere Auszeichnungen vergeben, hinter denen jeweils Brauereien stehen wie Shepherd Neame 1698 Award for Best Beer & Food Writer, Fuller’s ESB Award for Best Beer Writer – Trade Media und Molson Coors Award for Best Beer Writer – National Media.

Das Buch erhielt den British Guild of Beer Writers Awards im Jahr 2014. Foto meines Exemplares.

Das Buch erhielt den British Guild of Beer Writers Award im Jahr 2014.
Foto meines Exemplares.

 

 

Published in: on 15. August 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Der Türkisring Jane Austens, der beinahe den Finger einer US-amerikanischen Popsängerin geziert hätte

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Die englische Erfolgsschriftstellerin Jane Austen (1775-1817) besaß einmal einen hübschen goldeingefassten Türkisring (hier ist ein Foto davon), den man heute im Jane Austen’s House Museum in Chawton (Hampshire) besichtigen kann. Nach ihrem Tod ging der Ring in den Besitz ihrer Schwester Cassandra über, die ihn wiederum ihrer Schwägerin Eleanor Austen schenkte. Der Ring blieb im Besitz der Familie bis er im Jahr 2012 auf einer Londoner Auktion angeboten wurde. Der festgesetzte Mindestpreis betrug £30 000, eine ziemlich hohe Summe, aber angesichts der Tatsache, dass aus dem Nachlass der Autorin nur drei Schmuckstücke existieren, ein durchaus realistisches Angebot. Doch was dann tatsächlich als Gebot auf den Tisch kam, überraschte alle Interessenten, nämlich £152 450, also mehr als das fünffache des Mindestpreises. Wer war denn bereit, so viel Geld für das Schmuckstück auszugeben? Die US-amerikanische Popsängerin Kelly Clarkson, ein Fan Jane Austens und Sammlerin von Memorabilien der Autorin. Die Texanerin wurde durch die Castingshow American Idol entdeckt und hat seitdem Karriere gemacht. Mehrere ihrer Alben erreichten Platz 1 der amerikanischen Charts. Hier ist sie mit ihrem Song „Because of you“ zu hören.
Doch Kelly Clarkson hatte sich zu früh gefreut, der amtierende Minister für kulturelle Angelegenheiten Ed Vaizey erließ ein Exportverbot für den Ring, denn der sollte im Lande bleiben. Eine Spendenkampagne „Bring the ring home“ wurde ins Leben gerufen, um den Ring der Sängerin wieder abzukaufen und tatsächlich kam genügend Geld zusammen, darunter eine anonyme Spende über £100 000.

Kelly Clarkson war fair, das muss man schon sagen, denn sie stimmte dem Rückkauf zu, ohne Anwälte damit zu beauftragen, Vaizeys Entscheidung anzufechten. Vielleicht kommt sie ja eines Tages in Chawton vorbei und sieht sich den Ring und andere Erinnerungsstücke von Jane Austen in dem ihr gewidmeten Museum an; es liegt an der A31 Winchester-Guildford.

Kelly Clarkson. Author: vagueonthehow. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

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Published in: on 21. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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D’Arcy House in Tolleshunt D’Arcy (Essex) Teil 2: Margery Allingham (1904-1966)

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Nachdem Dr. John Henry Salter, über den ich gestern in meinem Blog berichtete, gestorben war, zog 1935 die Kriminalromanautorin Margery Allingham in das D’Arcy House in Tolleshunt D’Arcy (Essex), in dem sie ebenfalls bis zu ihrem Tode im Jahr 1966 leben sollte. Ihr Vorgänger hatte noch zu Lebzeiten dafür gesorgt, dass seine Jagdtrophäen an Museen verteilt wurden, so dass Margery Allingham und ihr Ehemann Philip Youngman Carter, kurz „Pip“ genannt, in ein Haus ohne ausgestopfte Tiere ziehen konnte.

Allingham war eine bedeutende Autorin von Kriminalromanen; sie stand allerdings nicht in der ersten Reihe wie Agatha Christie oder Dorothy Sayers. Im Mittelpunkt ihrer Krimis steht der Gentleman-Detektiv Albert Campion, der erstmals 1929 in dem Buch „The Crime at Black Dudley“ (dt. „Der italienische Dolch“) auftaucht und letztmals 1968 in dem von Pip Carter vollendeten Buch „Cargo of Eagles“ (dt. „Verschwundene Fracht“). Viele von Allinghams Kriminalromanen wurden ins Deutsche übersetzt, sind aber alle vergriffen und nur noch antiquarisch oder als E-Book erhältlich. Die BBC verfilmte von 1989 bis 1990 einige Romane und Kurzgeschichten unter dem Titel „Campion“ (zwei Staffeln mit insgesamt 16 Episoden); den Titelhelden spielte damals Peter Davison. Hier ist der Vorspann der Serie zu sehen.

In ihrem einzigen Sachbuch, das Margery Allingham 1941 veröffentlichte und das unter dem Titel „The Oaken Heart: The Story of an English Village at War„“ erschien, beschäftigt sie sich mit ihrem Wohnort Tolleshunt D’Arcy zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. D’Arcy House wurde zu einem Air Raid Precautions Post umfunktioniert und Soldaten dort einquartiert. Sie schrieb zu dieser Zeit gerade an ihrem Roman “ Traitor’s Purse“ (dt. „Judaslohn“), konnte sich aber nicht so richtig darauf konzentrieren, da es in ihrem Haus doch recht unruhig zuging. Allingham zeigt den „spirit“, der damals im Dorf herrschte angesichts der Invasionsgefahr und die Hilfsbereitschaft der Bewohner gegenüber den aus der Hauptstadt flüchtenden Menschen.

Margery und Pip waren in das Dorfleben integriert, sie besuchten die örtlichen Pubs und Pip organisierte die jährlichen Cricketmatches zwischen einer Dorfauswahl und dem Londoner Thursday Club, in dem er Mitglied war.

Bis in die 1960er Jahre schrieb Margery Allingham weiter Krimis mit ihrem Serienhelden Albert Campion, bis sie an Krebs erkrankte und am 30. Juni 1966 starb, das heißt, dass sich ihr Todestag in diesem Jahr zum 50mal jährt. Beigesetzt wurde sie auf dem Kirchhof von St Nicholas. Pip Carter starb drei Jahre später und auf ihrem gemeinsamen Grabstein steht zu lesen:

Margery Louise
Wife Of
Philip
Youngman Carter
Who Wrote As
Margery Allingham
1904-1966
To Know Her Was To Love Her

Philip
Her Dearly Beloved Husband
1904-1969

Der Essex County Council hat am D’Arcy House oberhalb der Eingangstür eine blaue Plakette angebracht, mit der daran erinnert wird, dass Margery Allingham hier gewohnt hat. Neben der Tür findet man die Plakette für Dr. Salter. Nach den beiden Hausbewohnern hat man im Dorf zwei Straßen benannt; direkt gegenüber Salter’s Meadow, eine Sackgasse, und ein Stückchen die South Street hinunter, Margery Allingham Place, ebenfalls eine Sackgasse.

Margery Allingham Place in Tolleshunt D'Arcy.   © Copyright Bikeboy and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Margery Allingham Place in Tolleshunt D’Arcy.
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Eine Auswahl meiner Margery Allingham-Romane.

Eine Auswahl meiner Margery Allingham-Romane.

D’Arcy House in Tolleshunt D’Arcy (Essex) Teil 1: Dr. John Henry Salter (1841-1932), der unermüdliche Tagebuchschreiber

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D’Arcy House an der South Street von Tolleshunt D’Arcy.
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Ich bin immer wieder entzückt mit welchen hübschen Ortsnamen man in England konfrontiert wird; besonders toll fand ich Tolleshunt D’Arcy in der Grafschaft Essex, nicht weit vom Blackwater Estuary entfernt, dort, wo sich die B1023 und die B1026 kreuzen. Ich möchte an dieser Stelle aber nicht näher auf den Ursprung des Namens eingehen, sondern auf ein Haus, das an der South Street liegt und D’Arcy House heißt. Hier wohnte einmal von 1864–1932 Dr John Henry Salter, ein Arzt, der nicht nur durch seine medizinischen Verdienste bekannt wurde, sondern auch durch seine Tagebücher, die er im Alter von 8 Jahren begann und erst mit 91 Jahren beendete (in seinem Sterbejahr). 80 Bände hatte Salter gefüllt und dabei über zehn Millionen Wörter geschrieben. Er äußerte sich darin über das Leben auf dem Land, seine Arztpraxis, Freimaurerei, Persönlichkeiten aus der Region und seine Meinung über sie, den Krimkrieg, den Ersten Weltkrieg usw. usw. 1933 wurde eine Zusammenfassung aus den Tagebüchern unter dem Titel „Dr Salter of Tolleshunt D’Arcy in the County of Essex: His Diary and Reminiscences„, herausgegeben von John Ockelford Thomson, in London veröffentlicht. Ich glaube kaum, dass jemand das komplette Tagebuch jemals gelesen hat.
Dr. Salter war außerdem ein leidenschaftlicher Jäger, der auch in ferne Länder reiste, um dort Großwild zu schießen. Die Trophäen hatte er alle im D’Arcy House untergebracht. Direkt vor seiner Haustür, in der Marschlandschaft des Blackwater Estuary, lebten unzählige Vögel, die er mit seinem Gewehr gern reduzierte. Auch über seine gefiederten Freunde schrieb er Bücher, zum Beispiel „Bird Life Throughout the Year“ (London 1913). Der Mann muss einen sagenhaften Verbrauch an Tinte gehabt haben, denn zusätzlich zu seinen Tagebüchern und den Büchern über die Vogelwelt verfasste er auch noch einen Führer für die Themse, von der Quelle bis zur Mündung, und Monografien über Pflanzen in Wales.

So ganz nebenbei soll er auch noch 7000 Kindern in die Welt verholfen und sich natürlich um das Wohl seiner Patienten gekümmert haben. Ach ja, Salter hatte ebenfalls einen hohen Posten in der Freimaurerloge und war Vizepräsident des English Kennel Clubs, denn er erschoss nicht nur Tiere, sondern liebte sie auch, zumindest Hunde. Was für ein Leben!

Am 17. April 1932 starb er in Tolleshunt D’Arcy und wurde auf dem Kirchhof von St Nicholas an der Church Road beigesetzt. Am D’Arcy House wurde ihm zu Ehren eine blaue Plakette angebracht

1935 zog eine in der Welt der Kriminalliteratur bekannte Frau in das D’Arcy House in, über die ich in meinem nächsten Blogeintrag schreiben werde.

St Nicholas Church in Tolleshunt D'Arcy. Hier auf dem Kirchhof ruht Dr. Salter nach eineme langen erfüllten Leben.   © Copyright Robert Edwards and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Nicholas Church in Tolleshunt D’Arcy. Hier auf dem Kirchhof ruht Dr. Salter nach einem langen erfüllten Leben.
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Barbara Cartland (1901-2000) und ihr Anwesen Camfield Place in Hertfordshire

Das Eingangstor zu Camfield Place.   © Copyright Robert Edwards and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Eingangstor zu Camfield Place.
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Woran erinnert man sich am ehesten, wenn man den Namen Barbara Cartland hört? Sicher an ihre ungeheure Produktivität, was die Zahl ihrer romantischen Liebesromane angeht; 723 sollen es gewesen sein. Niemand weiß genau wie viele ihrer Bücher verkauft worden sind, die Schätzungen schwanken zwischen 750 Millionen und 2 Milliarden. Dann erinnert man sich bestimmt noch an ihren extravaganten Kleidungsstil, der von der Farbe Rosa klar dominiert wurde wie dieser Film zeigt. Die Dame ließ sich in einem weißen Rolls Royce chauffieren und hatte einen Koch eingestellt, der sich um ihr leibliches Wohl kümmerte.

Seit dem Jahr 1950 wohnte Barbara Cartland in der Nähe von Essendon in Hertfordshire in ihrem Landsitz Camfield Place. Dieses Haus wurde 1867 von Beatrix Potters Großvater erbaut, in dem die Schriftstellerin ihr weltberühmtes Kinderbuch „The Tale of Peter Rabbit“ schrieb. Es steht ganz in der Nähe von Hatfield House, das einmal Heinrich VIII. gehörte und in dem seine Kinder Mary und Elizabeth aufwuchsen. Im Jahr 1550 schoss Elizabeth auf dem weitläufigen Gelände von Hatfield House ihren ersten Hirsch und an dieser Stelle ließ sie eine Eiche pflanzen, The Deer Oak, die später zu dem Anwesen Camfield Place gehörte.

Barbara Cartland liebte diesen 400 Jahre alten Baum und 1976 ließ sie eine Weihnachtskarte anfertigen, auf dem sie und ihr Pekinese Mai-Mai unter der Eiche zu sehen waren. Bevor sie am 21. Mai 2000 im Alter von 98 Jahren  in Camfield Place starb, äußerte sie den Wunsch, unter The Deer Oak begraben zu werden und zwar in einem Sarg aus Pappe, denn die Dame war sehr umweltbewusst und wollte nicht, dass das Holz eines Baumes dafür verwendet wurde. Die Beerdigungsfeier wurde von Reverend John Cotton geleitet, dem früheren Pfarrer von St Mary’s im benachbarten Essendon. Die Trauergemeinde sang Barbara Cartlands Lieblingslied „I Believe“, das durch den US-amerikanischen Sänger Perry Como bekannt gemacht worden war. Ihr Enkel William trug eines ihrer Gedichte vor und ihre Tochter Raine, Stiefmutter von Diana, Princess of Wales, las eine Passage aus der Bibel. Dieser Film zeigt die Ankunft der Trauergäste in Camfield Place.

Es gibt zurzeit noch kein „richtiges“ Barbara Cartland Museum, aber ein virtuelles, das man sich hier ansehen kann.

In einem Cottage auf dem Gelände von Camfield Place erblickte am 14. November 1967 Letitia Dean das Licht der Welt, die später Schauspielerin wurde und allen, die die Endlos-TV-Serie „EastEnders“ kennen, ein Begriff ist; darin spielt sie die Rolle der Sharon Watts. Als Letitias Mutter kurz vor der Geburt ihrer Tochter stand, schickte Barbara Cartland eine alte Tür in das Cottage, mit dem Hinweis, sie unter das Bett zu legen, damit sie beim Geburtsvorgang einen festen Halt hätte. Ja, ein wenig exzentrisch war sie schon, die Lady in Pink.

Camfield Place liegt östlich von Hatfield in Hertfordshire an der B158, die von Essendon nach Brookman’s Park führt.

 

Beatrix Potter (1866-1943) – England feiert ihren 150. Geburtstag

Hill Top House in Near Sawrey (Cumbria).   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hill Top House in Near Sawrey (Cumbria).
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Was haben William Shakespeare, Roald Dahl und Beatrix Potter gemein? Ja, sie sind alle Schriftsteller in der „Oberliga“ der englischen Literatur und alle drei haben in diesem Jahr ein Jubiläum: Shakespeare starb vor 400 Jahren, Dahl wurde vor 100 Jahren geboren und Beatrix Potter vor 150 Jahren.

Beatrix Potter ist die Schöpferin von Peter Rabbit, jenem Kaninchen, das im Jahr 1901 das Licht der Welt erblickte und wohl das berühmteste Kaninchen der Weltliteratur ist. Mit 45 Millionen verkauften Exemplaren ist das Buch „The Tale of Peter Rabbit“ (dt. „Die Geschichte von Peter Hase“) eines der erfolgreichsten Kinderbücher aller Zeiten, und da seine literarische Mutter in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag feiert, darf sich Peter darüber freuen, auf einer 50 Pence-Münze abgebildet zu werden, die ihm bzw. ihr zu Ehren in Großbritannien in diesem Jahr geprägt wird. Das ist übrigens das erste Mal, dass eine Figur aus einem Kinderbuch auf einer britischen Münze erscheint.

Beatrix Potter wurde 1866 in London geboren, sie verbrachte aber einen großen Teil ihres Lebens im Lake District, einer Region, die ihr zur Heimat wurde. Ihr Haus, die Hill Top Farm, die heute dem National Trust gehört, steht in Near Sawrey und ist zu besichtigen. Fans ihrer Bücher zieht es auch nach Bowness-on-Windermere, wo sich mitten im Ort „The World of Beatrix Potter“ etabliert hat und wo man auf Schritt und Tritt dem Kaninchen Peter Rabbit begegnet. Hier am Lake Windermere feiert man in diesem Jahr nicht nur Beatrix Potters 150. Geburtstag, sondern auch noch das 25-jährige Bestehen dieses Museums.

Jede Menge Events werden in diesem Jahr in „The World of Beatrix Potter“ angeboten, u.a. vom 27. Juni bis zum 4. September eine Bühnenshow mit dem Titel „Where is Peter Rabbit?“. Es gibt Peter Rabbit Frühstücksparties und Peter Rabbit Afternoon Tea Parties. Am 28. Juli, dem Geburtstag von Beatrix Potter, kann man den ganzen Tag lang von reduzierten Eintrittspreisen profitieren.
Peter Rabbit dominiert dieses Museum eindeutig, da haben es die anderen Kinderbuchfiguren wie Jemima Puddle-duck und Mrs. Tiggy-winkle nicht ganz leicht, sich gegen das Kaninchen zu behaupten.

Im Lake District gibt es zu Ehren von Beatrix Potter so viele Veranstaltungen, dass es den Rahmen meines Blogs sprengen würde, sie alle aufzuzählen. Hier ist eine Übersicht.

Die Beatrix Potter Society beschäftigt sich seit 1980 intensiv mit der Autorin und veranstaltet vom 5. bis 9. Juli in Bowness-on-Windermere eine International Study Conference unter dem Titel „Beatrix Potter – A Lasting Legacy„, auf der Vorträge gehalten werden wie „In the shadow of Aesop: Beatrix Potter’s retelling of The Town Mouse and the Country Mouse“.

Der Spielfilm „Miss Potter“ (dt. „Miss Potter“) aus dem Jahr 2006 zeigt das Leben der Schriftstellerin, verkörpert von Renée Zellweger.
Hier sind die beliebtesten Figuren aus den Beatrix Potters Büchern zu sehen.

Ein besonders schönes Buch mit wunderbaren Fotografien erschien im Jahr 2000: „Die Welt der Beatrix Potter: Künstlerin, Märchenerzählerin, Farmersfrau“ von Susan Denyer (Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 144 Seiten. ISBN 978-3875848199. Das Buch ist leider vergriffen, aber antiquarisch problemlos zu bekommen.

The World of Beatrix Potter in Bowness-on-Windermere.   © Copyright Brian Clift and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The World of Beatrix Potter in Bowness-on-Windermere.
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Foto meines Exemplars.

Foto meines Exemplars.

Published in: on 14. Mai 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Lewis Carroll Teil 2: Sein Sterbeort Guildford (Surrey)

The Chestnuts in Guildford.   © Copyright David960 and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Chestnuts in Guildford.
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Nachdem ich in meinem gestrigen Blogpost über Lewis Carroll und seinen Geburtsort Daresbury in Cheshire geschrieben habe, möchte ich heute über Guildford in Surrey schreiben und die Beziehung des Schriftstellers zu dieser Stadt. Charles Lutwidge Dodgson, wie sein richtiger Name lautet, verbrachte hier die letzten Jahre seines Lebens, in einem Haus namens The Chestnuts. Er hatte das Haus nach dem Tode seines Vaters im Jahr 1868 gekauft, denn er war jetzt an das neue Familienoberhaupt und musste sich um seine sechs unverheirateten Schwestern kümmern, die er alle in The Chestnuts unterbrachte. Das Haus steht noch heute an der steilen Straße Castle Hill; nicht weit davon entfernt, an der Castle Street Nummer 12, gibt es einen kleinen Laden, der The Mad Hatter heißt und natürlich…Hüte herstellt und verkauft.

Am 14. Januar 1898 starb Dodgson alias Carroll in The Chestnuts, in dem er 1872 sein zweites erfolgreiches Buch „Through the Looking- Glass“ (dt. „Alice hinter den Spiegeln“) geschrieben hatte. Kurz vor seinem Tod hinterließ er noch Instruktionen wie seine Beerdigungsfeier ablaufen sollte: Ohne großes Brimborium und mit möglichst geringen Kosten. Beerdigt wurde er auf dem Guildford Cemetery an der Straße The Mount im Süden der Stadt. Sein Grabstein trägt den Bibelspruch „Where I Am There Shall Also My Servant Be“ und die Inschrift „Revd Charles Lutwidge Dodgson (Lewis Carroll) Fell Asleep Jan. 14. 1898, Aged 65 Years“.

Die Figuren, die er sich für seine beiden Alice-Bücher erdachte, sind leider nicht auf dem Grab verewigt, die finden wir aber an einer anderen Stelle in Guildford. Am 11. Juli 1984 wurde die Figurengruppe „Alice and the White Rabbit“ in der Nähe des Stadtzentrums am River Wey eingeweiht, die ein lokaler Bildhauer, Edwin Russel, geschaffen hatte und die in London in Bronze gegossen wurde. Die beiden Mädchen, die dort zu sehen sind, wurden nach dem Abbild zweier Freundinnen der Töchter des Bildhauers geformt.

Da Lewis Carroll seinen Roman „Through the Looking-Glass“ in Guildford geschrieben hatte, errichtete man 1990 in den Castle Gardens eine Skulptur von Jeanne Argent, die Alice zeigt wie sie durch einen Spiegel blickt. Die Figur ist nur wenige Meter von Carrolls The Chestnut entfernt.

Das Hutgeschäft The Mad Hatter in der Castle Street.   © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Hutgeschäft The Mad Hatter in der Castle Street.
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Lewis Carrolls Grab.   © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Lewis Carrolls Grab.
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Alice and the White Rabbit am River Wey.   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Alice and the White Rabbit am River Wey.
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Alice Through The Looking-Glass" in den Castle Gardens.   © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Alice Through The Looking-Glass in den Castle Gardens.
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Published in: on 28. April 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Lewis Carroll Teil 1: Sein Geburtsort Daresbury (Cheshire)

The Lewis Carroll Centre in Daresbury.   © Copyright Stephen Craven and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Lewis Carroll Centre in Daresbury.
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Reverend Charles Dodgson arbeitete 16 Jahre lang, von 1827 bis 1843, als Vikar an der All Saints‘ Church in Daresbury in der Grafschaft Cheshire und hier in The Old Parsonage kamen Charles Lutwidge Dodgson, der sich später als Schriftsteller das Pseudonym Lewis Carroll zulegte, und neun seiner Brüder und Schwestern zur Welt. The Old Parsonage existiert schon lange nicht mehr, doch der National Trust hegt und pflegt die Stelle, an der der  „Alice in Wonderland„-Erfinder geboren wurde und die ersten elf Jahre seines Lebens verbrachte, noch immer, obwohl es außer einigen Gedenktafeln an dieser Stelle nichts mehr zu sehen gibt.

In Daresbury ist der Name Lewis Carroll noch immer präsent und es kommen regelmäßig Verehrer aus der ganzen Welt hierher, um den Spuren des Schriftstellers zu folgen. Da gibt es das Lewis Carroll Centre in der Daresbury Lane, ein Anbau an die All Saints‘ Church, das erst 2012 eröffnet wurde und in dem man sich sehr gut über das Leben des Mannes informieren kann, der eines der klassischen Kinderbücher überhaupt geschrieben hat. Im Centre hängt auch noch jene Glocke mit der sein Vater auf dem benachbarten Kanal die Flussschiffer zur Andacht auf seine schwimmende Kapelle rief. Man kann sich die berühmten Geschichten von Alice und ihren Freunden anhören, die zum Beispiel von Ken Dodd gelesen werden. Das Lewis Carroll Centre ist täglich geöffnet und der Eintritt ist kostenlos.

Viele kommen auch nach Daresbury, um sich in der All Saints‘ Church das berühmte Glasfenster anzusehen, auf dem Szenen aus dem Leben Carrolls und aus „Alice in Wonderland“ dargestellt sind. Da finden wir sie alle wieder, den Mad Hatter, die Cheshire Cat und The White Rabbit. 1935 wurde das Glasfenster anlässlich Carolls 100. Geburtstag eingeweiht.

Die Figuren, die wir in dem Glasfenster bewundern können, finden wir in Warrington wieder, das nur wenige Kilometer von Daresbury entfernt ist. Seit 1984 steht dort auf dem Market Square die acht Tonnen schwere Granitskulptur Mad Hatter’s Tea Party, die von Prinzessin Diana anlässlich eines Besuches in der Stadt eingeweiht wurde.

All Saints' Church.   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

All Saints‘ Church.
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Das Lewis Carroll-Gedenkfenster in All Saints' in Daresbury.   © Copyright Rich Tea and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Lewis Carroll-Gedenkfenster in All Saints‘ in Daresbury.
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Mad Hatters Tea Party in Warrington (Cheshire).   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mad Hatters Tea Party in Warrington (Cheshire).
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Mein Buchtipp – Luise Berg-Ehlers: Mit Virginia Woolf durch England

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplars.

Schon lange wollte ich dieses Buch in meinem Blog vorstellen, jetzt ist es soweit. Luise Berg-Ehlers, deren wunderschöne Bücher „Mit Miss Marple aufs Land“ und „Extravagante Engländerinnen“ ich an dieser Stelle bereits präsentiert habe, hat im Jahr 2012 als Insel-Taschenbuch „Mit Virginia Woolf durch England“ veröffentlicht, in dem sie den Spuren dieser Schriftstellerin nachgeht. Das Umschlagbild zeigt, unschwer zu erkennen, die Mermaid Street in Rye (East Sussex) mit dem Mermaid Inn auf der rechten Seite, eines der am häufigsten fotografierten Motive im ganzen Land. Virginia Woolf war hier in Rye im Lamb House zu Gast, das gleich am oberen Ende der Mermaid Street, in der West Street, zu finden ist. Henry James wohnte hier, ein Freund ihres Vaters, von dem sie, wie Luise Berg-Ehlers schreibt, nicht sehr angetan war. Auch der Mermaid Inn sagte Virginia nicht sehr zu, weil sie von einer alten Frau aus dem Gasthof hinausgejagt worden war.

Die einzelnen Lebensstationen der am 25. Januar 1882 in 22 Hyde Park Gate in London geborenen Schriftstellerin werden in dem Buch detailliert dargestellt, als da sind: London, Surrey, Cambridge und Oxford, Cornwall, Kent und Sussex. Die ausdrucksstarken Fotografien stammen von Luise Berg-Ehlers selbst. „Wer also bei seiner Reise durch England Virginia Woolf als Begleiterin, vielleicht sogar als Reiseführerin wählt, wird manches andere sehen, als es Travel Guides gemeinhin zu präsentieren pflegen“, so die Autorin des Buches und das macht es so besonders interessant für den literarisch interessierten Englandreisenden.

Das Buch schließt mit dem Tode Virginia Woolfs am 28. März 1941 bei Rodmell in East Sussex, wo sie sich im River Ouse das Leben nahm. Ihr Wohnhaus dort, Monk’s House, das seit 1980 dem National Trust gehört, kann besichtigt werden.

Hier ist eine Dokumentation über Virginia Woolf.

Luise Berg-Ehlers: Mit Virginia Woolf durch England. Insel-Verlag 2012. 199 Seiten. ISBN 978-3-458-35806-0

Monk's House inRodmell.   © Copyright PAUL FARMER and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Monk’s House in Rodmell.
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Virginia Woolfs Büste im Garten von Monk's House in Rodmell.   © Copyright PAUL FARMER and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Virginia Woolfs Büste im Garten von Monk’s House in Rodmell.
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Published in: on 18. April 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Charles Clark (1806-1880) – The Bard of Totham

Heybridge Basin am River Blackwater.   © Copyright John Winfield and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Heybridge Basin am River Blackwater.
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Für einen Dichter und Schriftsteller ist es eine tolle Sache, wenn er über ein eigene Druckerpresse verfügt und seine Werke selbst herstellen kann, ohne einen lästigen Verleger mit einbeziehen zu müssen, der erst von der Qualität der literarischen Ergüsse überzeugt werden muss. In dieser glücklichen Lage war im 19. Jahrhundert Charles Clark (1806-1880), der vor allem Gedichte, gern in regionaler Mundart, schrieb, die vielleicht niemals die Verlegerhürde genommen hätten. Zu seinen Werken gehörten u.a. „The Trip to Tiptree or A Lover’s Triumph presented to the Philologist as a specimen of the dialect of the peasantry of Essex“ und „Tiptree Races: All on the heath„, beide 1842 erschienen. Das in den beiden Titeln erwähnte Tiptree ist die Marmeladenstadt in Essex. Essex ist die Grafschaft, in der sich das Leben von Charles Clark vornehmlich abspielte. Geboren wurde er in Heybridge, wo er auch starb, und eine Zeit lang lebte er im benachbarten Great Totham auf Totham Hall, daher wurde er auch The Bard of Totham genannt. Clark verwendete gern Pseudonyme wie Malthus Merryfellow und Doggrel Drydog.

Der leicht exzentrische Schriftsteller beschäftigte sich auch mit Luftballons, an denen er seine Adresse befestigte und losfliegen ließ. Er freute sich immer sehr, wenn jemand den Ballon fand und ihn daraufhin kontaktierte. Manchmal versah er die Ballons mit seinen literarischen Erzeugnissen, eine Art Werbung für sich und seine Gedichte.

Great Totham Hall gibt es noch heute (es ist in Privatbesitz). Heybridge liegt direkt neben Maldon im Mündungsbereich des River Blackwater. Begraben wurde der heute weitgehend in Vergessenheit geratene Dichter in der St Andrew’s Church in Heybridge.

Alan Brignull hat 1990 eine Biografie über Charles Clark veröffentlicht mit dem Titel „Charles Clark: The Bard of Totham. Presenting Pieces, Poems and Biographical Bits, Pertaining to a Particular Printing Personage of the Past“ (The Hedgehog Press).

Hier
ist ein Beispiel für seine Art der Poesie. Ein sehr interessanter Blog „Finding Charles Clark“ beschäftigt sich ausführlich mit dem Dichter.

Hier in Great Totham lebte und schrieb Charles Clark einige Jahre lang.   © Copyright Adrian Cable and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier in Great Totham (Essex) lebte und schrieb Charles Clark einige Jahre lang.
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St Andrew's Church in Heybridge (Essex).   © Copyright Peter Stack and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Andrew’s Church in Heybridge (Essex). Hier wurde Charles Clark begraben.
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Published in: on 18. März 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Charlotte Brontë (1816 – 1855) – Yorkshire feiert ihren 200. Geburtstag

Charlottes Gebutshaus..   © Copyright David Spencer and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Charlottes Geburtshaus in Thornton.
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Am 21. April 1816 wurde Charlotte Brontë in der Market Street Nummer 74 in Thornton in West Yorkshire geboren, dort, wo auch ihre Geschwister Patrick Branwell, Emily Jane und Anne in den Jahren darauf zur Welt kommen sollten. Das Haus steht noch heute in Thornton und beherbergt zurzeit die italienische Cafébar „Emily’s by De Luca Boutique„. Wer also ein wenig „Brontë-Luft“ schnuppern möchte, kann das hier bei einer Tasse Kaffee tun.

In diesem Jahr wird die 200. Wiederkehr des Geburtstags von Charlotte Brontë gefeiert und wo erwartet man das in erster Linie? Natürlich in Haworth (West Yorkshire), im ehemaligen Pfarrhaus, wo die drei jungen Damen ihre berühmten Romane schrieben, die in die Weltliteratur eingegangen sind. Charlottes bekanntestes Werk ist sicher „Jane Eyre„, das nach seinem Erscheinen im Jahr 1847 bis heute immer wieder neu aufgelegt worden ist. Rund ein Dutzend Mal wurde der Stoff verfilmt, zuletzt 2011 mit Mia Wasikowska als Jane Eyre und Michael Fassbender als Edward Rochester (hier ist der Trailer).

Das Brontë Parsonage Museum in Haworth zeigt ab dem 1. Februar bis zum Ende des Jahres eine Sonderausstellung, die sich ganz dem Leben und Schaffen Charlottes widmet, und die den Titel „Charlotte Great and Small“ tragen wird. Zusammengestellt hat diese Ausstellung die Schriftstellerin Tracy Chevalier, die auch in Deutschland mit ihrem Roman „Girl With a Pearl Ear Ring“ (dt. „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“) bekannt geworden ist. Die in London lebende US-Amerikanerin hat mit viel Engagement Objekte aus dem Leben der so früh verstorbenen Frau zusammengetragen wie Kleidungsstücke, Briefe und ihre Miniatur-Bücher, in die sie mit winziger Schrift ihre Eintragungen vorgenommen hat und sich dadurch die Augen verdorben hat. Im ganzen Pfarrhaus werden Kunstinstallationen zu sehen sein, die Künstler aus dem In- und Ausland angefertigt haben.
„Brontë 200“ wird sicher noch mehr Menschen aus aller Welt als sonst nach Haworth bringen. Bei meinen beiden Besuchen im Brontë Parsonage Museum war es jeweils rappelvoll.

Die Erinnerungsplakette in der Market Street in Thornton.   © Copyright David Spencer and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Erinnerungsplakette in der Market Street in Thornton.
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Das Brontë Parsonage Museum in Haworth.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Brontë Parsonage Museum in Haworth.
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Published in: on 8. Januar 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton und Beaconsfield in Buckinghamshire

The White Hart, erste Anlaufstation für Chesterton und seine Frau.   © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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In Deutschland ist der Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton (1874-1936) , vor allem durch seine Pater Brown-Romane bekannt geworden, die mehrfach verfilmt wurden, zuletzt von der BBC in der TV-Serie „Father Brown“ (dt. „Father Brown – Immer einen Tick voraus“).
Chesterton verbrachte die letzten 27 Jahre seines Lebens in der Kleinstadt Beaconsfield in Buckinghamshire (ich berichtete in meinem Blog über meinen Besuch dort). Der Zufall führte den Londoner hierhin. Eines Tages im Jahr 1909 gingen er und seine Frau zu dem Londoner Bahnhof Paddington Station und fragten am Ticketschalter, wohin der nächste Zug fahren würde. Slough war die Antwort, also stiegen sie ein und fuhren in die westlich von London gelegene Stadt. Von hier aus wanderten die Chestertons nach Norden, bis sie zufällig nach Beaconsfield kamen. Hier nahmen sie ein Zimmer in The White Hart, der noch heute an der großen Straßenkreuzung steht, an der vier Straßen in einem Kreisverkehr aufeinanderstoßen. Gilbert Keith und Frances Chesterton gefiel es hier so gut, dass sie sich entschlossen, von London nach Beaconsfield zu ziehen. Ihr erstes Haus, Overroads, liegt an der Grove Road, die von der Station Road abzweigt und heute die Hausnummer 2 trägt. 1922 zogen sie auf die andere Straßenseite, wo sie ein größeres Haus, Top Meadow, gekauft hatten. Dort erinnert eine blaue Plakette über der Eingangstür an den früheren berühmten Bewohner. Die Grove Road ist eine hübsche baumbestandene Straße mit sehr ansehnlichen Häusern. Man merkt, dass Beaconsfield zu den wohlhabendsten Städten im Speckgürtel von London gehört.

Ein gern gesehener Gast in der Grove Road war Father John O’Connor, ein katholischer Priester aus Yorkshire, der Chesterton zu seiner literarischen Figur des Pater Brown inspirierte. 1926 wurde in Beaconsfield eine neue katholische Kirche gebaut, die Church of St Teresa, der sich Chesterton sehr verbunden fühlte und in der sich mehrere Erinnerungsstücke an ihn befinden. Die der Heiligen Thérèse von Lisieux gewidmete Kirche in der Warwick Road im neuen Teil von Beaconsfield steht übrigens genau gegenüber des Eingangs zum Bekonscot Model Village (ich berichtete in meinem Blog darüber). Hier ist ein Film über die Kirche.

Der Schriftsteller starb am 14. Juni 1936 in seinem Haus Top Meadow und wurde auf dem Friedhof an der Shepherds Lane beerdigt, nur wenige Schritte von der Grove Road entfernt. Sein Grabstein wurde von dem berühmten Bildhauer Eric Gill entworfen und trägt die Inschrift

Pray for the souls of Gilbert Keith Chesterton born May 29 1874 died June 14 1936 & of Frances his wife born June 28 1869 died Dec 12 1938. Termino nobis donet in patria. And for Dorothy Collins born 11 June 1984 died 8 September 1988„.
Dorothy Collins war Chestertons langjährige Sekretärin, die so etwas wie eine Tochterrolle des kinderlosen Ehepaars angenommen hatte.
Der Originalgrabstein wurde im Jahr 2006 durch einen neuen ersetzt, da dieser im Laufe der Jahre sehr in Mitleidenschaft gezogen worden war.

Wer einmal in diese Gegend von Buckinghamshire kommt, dem kann ich einen Besuch in dieser außergewöhnlich schönen Kleinstadt sehr empfehlen. Inspector Barnaby-Fans werden hier voll auf ihre Kosten kommen, denn hier fanden immer wieder Dreharbeiten statt.

Church of St Teresa in der Warwick Road.   © Copyright Basher Eyre and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Erinnerungstafel an Chesterton in der Church of St Teresa.   © Copyright Basher Eyre and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Erinnerungstafel an Chesterton in der Church of St Teresa.
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Warwick Deeping – Ein heute fast vergessener Schriftsteller aus Southend-on-Sea (Essex)

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Ich kann mich noch daran erinnern, dass im Bücherschrank meiner Eltern ein Exemplar von Warwick Deepings Roman „Hauptmann Sorrell und sein Sohn“ stand, eine Ausgabe des Bertelsmann Leserings in der damals typischen Aufmachung der Buchgemeinschaften. Gelesen habe ich das Buch nie, aber der ungewöhnliche Name Warwick Deeping ist bei mir hängengeblieben.

Die Bücher des englischen Romanciers, der von 1877 bis 1950 lebte, sind vom deutschen Buchmarkt komplett verschwunden. Laut Katalog der Deutschen Nationabibliothek erschien als letzter Roman von Deeping „Licht im Dunkel“ (der Originaltitel lautet „Blind Man’s Year) im Jahr 1979, wieder als Buchgemeinschaftsausgabe. Auch auf dem englischen Buchmarkt sind nur noch eine Handvoll seiner Werke erhältlich.

Wer war nun dieser Mann mit dem Vornamen einer englischen Stadt?
Geboren wurde er am 28. Mai 1877 im Prospect House in der High Street von Southend-on-Sea (Essex), gegenüber vom Royal Hotel (das heute leer steht). Der Sohn eines Arztes wurde selber Arzt, der aber später merkte, dass ihm das Schreiben von Romanen mehr lag als das Diagnostizieren und Behandeln von Krankheiten. Im Alter von 26 Jahren veröffentlichte er seinen ersten Roman „Uther and Igraine“ (ein historischer Roman um König Arthur), ihm folgten im Jahrestakt bis zu seinem Tod weitere Romane und Kurzgeschichtensammlungen. Deeping konnte sich hoher Auflagen erfreuen und in den 1920er und 1930er Jahren gehörte er zu den meistgelesesenen Schriftstellern Großbritanniens. Das oben erwähnte „Sorrell and Son“ erschien 1925 und sollte der Roman bleiben, der ihn auch über die Grenzen seines Heimatlandes bekannt machte. 1927 und 1934 wurde das Buch verfilmt und 1984 produzierte Yorkshire Television eine sechsteilige Fernsehserie (hier ist die erste Folge zu sehen).

Warwick Deeping ließ sich 1919 in Weybridge in Surrey nieder, wo er bis zu seinem Tod wohnte. „Eastlands“ hieß sein Anwesen in der Brooklands Road in dem Prominenten-Wohnort, in dem später zahlreiche Fußballer und Leute aus der Unterhaltungsbranche lebten (Cliff Richard, Ringo Starr, John Lennon, Tom Jones). Die Schauspielerin und Schriftstellerin Fanny Kemble verbrachte einen Teil ihre Kindheit von 1825 bis 1827 in Eastlands.
Deeping fühlte sich in Weybridge, südwestlich von London, sehr wohl und wollte hier auch nie weg. Er starb dort am 20. April 1950; seine Asche wurde auf den Remembrance Gardens des Woking Crematoriums verstreut.

Nach Warwick Deeping wurde übrigens ein Trawler benannt; das Schiff sank 1940 vor der Küste der Isle of Wight und liegt dort immer noch in 35 Meter Tiefe und ist bei Wracktauchern sehr beliebt.

Das Buch zum Artikel:
Mary Grover: The Ordeal of Warwick Deeping. Fairleigh Dickinson University Press 2009. 232 Seiten. ISBN 978-0838641880.

Published in: on 25. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„Nearer, My God, To Thee“ – Ein Choral, den Sarah Flower Adams 1841 in Loughton (Essex) schrieb

Sarah Flower Adams. his image is in the public domain because its copyright has expired.

Sarah Flower Adams.
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In der Liedersammlung „Hymns and Anthems„, die William Johnson Fox 1841 zusammenstellte, befand sich ein Choral, dessen Text Sarah Flower Adams (1805-1848) geschrieben und den ihre Schwester Eliza Flower vertont hatte: „Nearer, My God, To Thee„. Noch heute wird dieses Lied gern auf Beerdigungen und Trauerfeiern gespielt. Sarah Flower Adams schrieb den Text an einem Nachmittag im Jahr 1841 in ihrem Haus Sunnybank in Loughton in Essex. Das Haus wurde 1888 abgerissen, heute steht die Nummer 9 Woodbury Hill an dieser Stelle. Eine blaue Plakette erinnert an sie und ihren Mann mit der Inschrift:
On this site lived William Bridges Adams (1797-1872) Inventor and polemicist, and his wife Sarah Flower (1805-1848) Hymnodist and poet„.

Gäbe es nicht „Nearer, My God, To Thee“ wäre Mrs Adams wahrscheinlich schon längst in der Vergessenheit versunken. Es gab später mehrere Nachvertonungen, sowohl in den USA, als auch in Großbritannien.

Wer einen der „Titanic“-Spielfilme gesehen hat, der kann sich sicher an die bewegende Szene erinnern, als kurz vor dem Untergang des Schiffes die kleine Bordkapelle dieses Lied spielt und da blieben nicht viele Augen trocken. Hier ist die Szene aus dem Film „A Night To Remember“ (dt.“Die letzte Nacht der Titanic“) aus dem Jahr 1958 zu sehen und hier einige Ausschnitte aus dem Film „Titanic“ aus dem Jahr 1997, unterlegt mit der Sarah Flower Adams-Hymne.

Als der amerikanische Präsident William McKinley acht Tage nach einem Attentat am 14. September 1901 in Buffalo, New York, seinen schweren Verletzungen erlag, soll er in seinen letzten Momenten noch einige Zeilen aus dem Choral leise zitiert haben.

Eine weitere Geschichte rankt sich um das Lied: Als der „Gold Rush“ in Alaska Tausende von Männern zum Yukon trieb und dort blanke Anarchie herrschte, ging Evangeline Booth und ein halbes Dutzend weitere Angehörige der Heilsarmee in die einsame, wilde Region und was sie hier vorfanden, erschütterte sie sehr. Am Abend ihres Ankunftstages zog das kleine Häuflein der Heilsarmee zum Ufer des Yukon Rivers und sang „Nearer, My God, To Thee“. Erst kamen einige Hundert der Goldsucher, dann Tausende (am Ende sollen es 25 000 gewesen sein) und alle sangen sie die Hymne mit. Das gemeinsame Singen wiederholte sich an den nächsten Tagen und das Lied muss einen beruhigenden Einfluss auf die wilde Horde ausgeübt haben, denn die Schießereien und Prügeleien gingen zurück.

Eine weitere blaue Plakette an einer Hauswand erinnert an Sarah Flower Adams, in ihrem Geburtsort Old Harlow, ebenfalls in Essex gelegen. In der Fore Street Nummer 2, einer Fußgängerzone, hängt diese Plakette neben der Eingangstür mit der Inschrift „Sarah Flower Adams 1805 – 1848 authoress of the hymn „Nearer my god to thee“ was born here„.

1848 starb Mrs Adams in London, wurde aber auf dem Foster Street Burial Ground bei Harlow beigesetzt.

Das Geburtshaus in Harlow (Essex) mit Erinnerungsplakette. Author: Sludge G. Attr.: Creative Commons 2.0

Das Geburtshaus in Harlow (Essex) mit Erinnerungsplakette.
Author: Sludge G.
Attr.: Creative Commons 2.0

Sarah Flower Adams' Grabmahl.   © Copyright Marathon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Sarah Flower Adams‘ Grabmahl.
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Published in: on 23. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp anlässlich des 125. Geburtstages von Agatha Christie – Hilary Macaskill: Agatha Christie At Home

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Am 15. September 1890, heute vor 125 Jahren, wurde die Schriftstellerin Agatha Christie in Torquay (Devon) geboren. Einen großen Teil ihrer Kindheit verbrachte sie im elterlichen Ashfield House in der Barton Road, ein Haus, das sie liebte und erst 1938 verkaufte. In den 1960er Jahren wurde Ashfield abgerissen, um Platz für einen neuen Wohnblock zu schaffen. Nur eine Plakette erinnert noch an den Ort, der Agatha Christie so wichtig war. Die Schriftstellerin war Zeit ihres Lebens besonders stark mit der Grafschaft Devon verbunden und auf diese enge Verbindung geht Hilary Macaskill in ihrem Buch „Agatha Christie At Home“ ein. Im Mittelpunkt des sehr ansprechend aufgemachten Buches steht vor allem Greenway, Christies Landsitz bei Galmpton am Ufer des River Dart. Über meinen Besuch dort habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben.

Der reich illustrierte Band zeigt Fotos aus Greenway, das im Jahr 2000 von den Nachkommen der Krimiautorin an den National Trust übergeben wurde, der mit großem finanziellen Aufwand das schöne Gebäude restaurierte.
Ein Kapitel des Buches ist Torquay gewidmet, wo alljährlich das International Agatha Christie Festival stattfindet. Auch in diesem Jahr werden vom 11. bis zum 20. September jede Menge Veranstaltungen angeboten; natürlich besonders viele am heutigen Tag, u.a. in der Torre Abbey und im Torquay Museum.

Ein weiteres Kapitel widmet Hilary Macaskill den beiden Dörfern Galmpton und Churston, die in ummittelbarer Nähe von Greenway liegen. Agatha Christie war im Schulbeirat der Galmpton Primary School und besuchte regelmäßig den Gottesdienst in der Kirche St Mary the Virgin in Churston (ich berichtete in meinem Blog über ein Kirchenfenster dort).
Nur kurz geht Macaskill auf Winterbrook House in Wallingford (Oxfordshire) ein, wo Agatha Christie am 12. Januar 1976 starb. Das Haus ist heute in Privatbesitz; neben der Eingangstür ist eine blaue Plakette angebracht. Ihr Grab findet man ganz in der Nähe von Winterbrook House, auf dem Kirchhof von St Mary’s im Nachbarort Cholsey. Ich berichtete früher schon einmal über den Dame Agatha Christie Trail in Wallingford.

Hilary Macaskill hat zwei weitere Bücher in der gleichen Aufmachung geschrieben: „Daphne Du Maurier At Home“ (2013) und „Charles Dickens At Home“ (2011).

Hilary Macaskill: Agatha Christie At Home“. Frances Lincoln 2009. 144 Seiten. ISBN 978-0-7112-3029-3

Greenway, Agatha Christies Landsitz in Devon. Eigenes Foto.

Greenway, Agatha Christies Landsitz in Devon.
Eigenes Foto.

Winterbrook House in Wallingford.   © Copyright Bill Nicholls and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Winterbrook House in Wallingford.
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Published in: on 15. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wessex – Der geliebte (und gefürchtete) Foxterrier des Schriftstellers Thomas Hardy

Max Gate in Dorchester (Dorset): Hier residierte Wessex von 1913 bis 1926.    © Copyright Gary Rogers and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Max Gate in Dorchester (Dorset): Hier residierte Wessex von 1913 bis 1926.
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Der berühmte englische Schriftsteller Thomas Hardy (1840-1928) lebte über 40 Jahre lang in seinem Haus Max Gate in der Alington Avenue in Dorchester in Dorset (nicht zu verwechseln mit dem anderen Dorchester an der Themse, über das ich in meinem Blog schon mehrfach berichtete). Hier entstanden viele seiner Romane, die oft in der Grafschaft Wessex spielten.
Im Garten von Max Gate gibt es einen kleinen Tierfriedhof, auf dem Hardy seine Hunde und Katzen begraben hatte, darunter auch seinen Foxterrier, der den Namen Wessex trug. 1913 bekam Hardy den Hund von seiner Frau Florence geschenkt und anfangs mochte er ihn gar nicht. Doch das änderte sich bald und Wessex wurde zu einem „pampered dog“, der von seinem Herrchen nach Strich und Faden verwöhnt wurde. Der Foxterrier hatte es also im Hause Max Gate gut getroffen, doch trotzdem kehrte der kleine Kerl häufig seine wenig liebenswerten Seiten heraus, vor allem wenn Gäste anwesend waren. Da wurden durchaus schon mal Hosenbeine zerfetzt und in Beine gebissen, was der Schriftstellerkollege John Galsworthy am eigenen Leibe erfahren durfte.
Lady Cynthia Asquith, auch sie eine Schriftstellerin, die einmal zum Abendessen eingeladen war, war überhaupt nicht darüber amüsiert, als Wessex, statt sich unter dem Tisch aufzuhalten, quer über den gedeckten Tisch lief und der Dame jeden Bissen in den Mund zählte. Hardy selbst hatte damit offenbar kein Problem.

Wessex liebte Radios bzw. die Musik, die sie verbreiteten, und so soll Hardy oft früh morgens aufgestanden sein, um zum Vergnügen des Foxterriers das Radio einzuschalten. Eine besondere Beziehung hatte der Hund zu einem Mann, der häufig in Max Gate zu Gast war, zu T.E. Lawrence, besser bekannt als Lawrence of Arabia. Dessen Hosenbeine blieben ungeschoren und da wurde auch nicht gebissen (vielleicht brachte Lawrence ja immer ein Würstchen mit, wenn er zu Besuch kam).

Wessex starb 1926, und ich bin sicher, dass da der eine oder andere Hardy-Gast im Stillen erleichtert aufgeatmet hatte.

Max Gate gehört seit 1940 dem National Trust und ist für Besucher geöffnet. Wer möchte, kann Wessex im „pet cemetery“ einen Besuch abstatten.
Hardy hatte seinem geliebten Foxterrier nach dessen Ableben ein Gedicht gewidmet, das hier nachzulesen ist.

 

Published in: on 11. Juni 2015 at 02:00  Comments (7)  
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Percy Bysshe Shelley und ein Sommerabend auf dem Kirchhof von St Lawrence in Lechlade (Gloucestershire)

Shelley's Walk auf dem Kirchhof von St Lawrence in Lechlade.    © Copyright Rob Noble and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Shelley’s Walk auf dem Kirchhof von St Lawrence in Lechlade.
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Vor einiger Zeit erwähnte ich in meinem Blog Thomas Grays Gedicht „Elegy Written in a Country Churchyard„, der durch einen Besuch auf dem Kirchhof von St Giles in Stoke Poges in Buckinghamshire dazu inspiriert wurde.

Etwas Ähnliches wiederfuhr dem Dichter Percy Bysshe Shelley im August 1815. Mit seiner späteren Frau Mary Wollstonecraft Goodwin und seinen Freunden Charles Claremont und Thomas Love Peacock war er von Windsor aus auf der Themse bis nach Lechlade in Gloucestershire gerudert. Das Quartett wohnte im New Inn, einer alten Kutschenstation aus dem 17. Jahrhundert, direkt am Marktplatz gelegen, die noch heute existiert. Durch einen Torbogen gelangt man auf den Hotelparkplatz, auf dem früher die Überlandkutschen abgestellt wurden.
Shelley & Co machten sich eines Abends vom Hotel aus auf den Weg zur Kirche St Lawrence, die nur wenige Schritte entfernt liegt. Dort genossen sie die Abendstimmung und den Sonnenuntergang auf dem Kirchhof, und der Dichter fühlte sich inspiriert, ein Gedicht über diese ganz besondere Atmosphäre zu schreiben, die dort herrschte: „A Summer Evening Churchyard, Lechlade„. Die Nähe zu den vielen Toten um hin herum, ließ ihn diese Zeilen schreiben:

„The dead are sleeping in their sepulchres:
And, mouldering as they sleep, a thrilling sound,
Half sense, half thought, among the darkness stirs,
Breathed from their wormy beds all living things around,
And mingling with the still night and mute sky
Its awful hush is felt inaudibly.“

Das komplette Gedicht ist hier nachzulesen bzw. hier zu hören.

Lechlade hat den Besuch des Dichters nicht vergessen und sowohl einen Weg durch den Kirchhof nach ihm benannt, den Shelley’s Walk, als auch dort eine Plakette angebracht, die an jenen abendlichen Spaziergang erinnert. In diesem Jahr jährt sich Shelleys Besuch in Lechlade zum 200. Mal.

In einem früheren Blogeintrag schrieb ich schon einmal über meinen Besuch in Lechlade. Dort findet sich der empfehlenswerte Trout Inn, von dem aus man Father Thames auf der anderen Seite der Brücke besuchen kann.

Die Erinnerungsplakette in Lechlade.    © Copyright Rob Noble and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Erinnerungsplakette in Lechlade.
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St Lawrence Church, von der Themse aus gesehen,    © Copyright Colin Smith and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Lawrence Church, von der Themse aus gesehen,
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The New Inn am Marktplatz von Lechlade.    © Copyright Paul Best and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The New Inn am Marktplatz von Lechlade.
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Published in: on 8. Mai 2015 at 02:00  Comments (1)  
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Rodney Legg (1947 – 2011) – Der Mann, der die Grafschaft Dorset wie kein anderer kannte

Brownsea Island in Dorset. Auch über diese Insel schrieb Rodney Legg ein Buch.    © Copyright David Dixon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Brownsea Island in Dorset. Auch über diese Insel schrieb Rodney Legg ein Buch.
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Wenn es ein „Guinness Book of Records“ nur für die Grafschaft Dorset gäbe, so würde Rodney Legg dort mehrfach verzeichnet sein. Niemand außer ihm hat so viele Bücher über Dorset geschrieben (ca 125) und wohl niemand hat so viele Kilometer auf den Straßen und Wegen des Counties zurückgelegt, um Recherchen für seine Bücher zu betreiben.

Rodney Frank Legg wurde 1947 in Bournemouth geboren und schon mit 16 Jahren begann er sich für Dorset zu interessieren. Im Alter von 21 Jahren gründete er die Zeitschrift „Dorset – The County Magazine„, später wurde daraus das noch heute existierende „Dorset Life„, in dem er über alle möglichen Aspekte in Zusammenhang mit der Grafschaft schrieb. Ein Thema, das ihm am meisten am Herzen lag, war der freie Zugang (public right of way) zu allen Teilen des Landes. 1963 schon trat er der Open Spaces Society bei, die sich genau dafür einsetzte, und 1989 wurde Legg der Vorsitzende der Gesellschaft, die er 20 Jahre lang leitete. Von 1990 bis 2010 gehörte er dem National Trust Council an, wobei sich seine Vorstellungen nicht immer mit denen des Trusts deckten. Er kämpfte jahrelang dafür, dass der NT seine Ländereien für die Öffentlichkeit zugänglich machte und hatte auch damit Erfolg.

Legg hatte sein Hauptquartier im National School Building in Wincanton (Somerset) aufgeschlagen, wo er inmitten seiner Bücher und Dorset Memorabilia arbeitete. 1982 schon hatte er hier seinen Verlag Wincanton Press gegründet.

Einige wenige Beispiele für sein umfangreiches literarisches Schaffen:
„Wartime Dorset – The Complete History“
„Dorset’s Hardy Country“
„Guide to Dorset’s Ghost“
„Brownsea – Dorset’s Fantasy Island“
„Literary Dorset“

…und viele, viele Wanderführer.

Rodney Legg starb am 22. Juli 2011 an Krebs. Auf seinen Wunsch hin wurde er auf der Higher Ground Meadow außerhalb von Dorchester bei Corscombe beigesetzt, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf das von ihm so geliebte Dorset hat.

Wincanton (Somerset) Town Hall. In dieser Kleinstadt hatte Rodney Legg sein Hauptquartier.    © Copyright Peter Wood and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wincanton (Somerset) Town Hall. In dieser Kleinstadt hatte Rodney Legg sein Hauptquartier.
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Published in: on 6. Mai 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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John Creasey (1908-1973) – Einer der produktivsten Krimiautoren aller Zeiten

Eigenes Foto.

Foto meiner beiden Creasey-Exemplare.

Ich kenne keinen Kriminalromanschriftsteller, der mehr Bücher geschrieben hat als der Engländer John Creasey. Die Schätzungen der von ihm veröffentlichten Bücher bewegen sich so um die 600 herum. Das Standardwerk „Twentieth Century Crime & Mystery Writers“ (St James Press 1991) benötigt 8 eng bedruckte DIN-A4-Seiten, um seine Werke aufzuzählen (darunter fallen allerdings auch einige Liebes- und Westernromane). Seine Jahresproduktion betrug im Schnitt 12 bis 15 Romane; sein Rekord lag bei 36 Büchern in einem besonders kreativen Jahr.

Creasey, den in Deutschland wohl nur noch wenige kennen und dessen zahlreiche Übersetzungen alle vergriffen sind, hatte anfangs Probleme überhaupt einen Verleger zu finden. Einige hundert Male wurden seine eingesandten Manuskripte wieder zurückgeschickt, bis schließlich sein „Seven Times Seven“ 1932 veröffentlicht wurde und dann kannte er kein Halten mehr und schrieb und schrieb…nicht nur unter seinem richtigen Namen, sondern auch noch unter 28 Pseudonymen. So nannte er sich u.a. auch noch Gordon Ashe, Margaret Cooke, Colin Hughes, Patrick Gill usw. usw.

Bekannt wurde John Creasey vor allem durch seine Krimiserie um den Honourable Richard Rollison, kurz The Toff, ein reicher Junggeselle aus dem noblen Londoner Mayfair, der an die 60 Kriminalfälle löste.

Wie er überhaupt noch den Überblick über seine zahllosen Figuren in seinen vielen Serien behalten konnte, ist mir schleierhaft. 1962 bekam er die höchste Auszeichnung, die ein Krimiautor in den USA bekommen kann, den Edgar Award der Mystery Writers of America für seinen Roman „Gideon’s Fire“, den er unter dem Pseudonym J.J. Marric schrieb. 1953 hatte er schon das britische Gegenstück gegründet, die Crime Writers‘ Association, die später einen nach ihm benannten Preis vergab, den John Creasey Memorial Award, der dann in New Blood Dagger umgetauft wurde, vergeben an das Erstlingswerk eines Krimiautoren.

John Creasey wurde 1908 in Southfields geboren, das heute zu Greater London gehört, und in dem seit 1926 die erste Moschee der Hauptststadt steht. Er verbrachte eine große Zeitspanne seines Lebens, bis zu seinem Tod, in einem großen Haus in Wiltshire. New Hall hieß es, in Bodenham bei Salisbury gelegen, wo er auch starb. In seinem Haus, in dem er so viele Romane schrieb, findet man heute das New Hall Hospital, wo man eine Station nach ihm benannte.

Mit der John Creasey Collection of Contemporary Art hat man dem Meister des Kriminalromans in der Salisbury Library and Galleries eine Gedenkstätte errichtet, in der seine Bücher, Manuskripte und andere Gegenstände aus seinem Leben ausgestellt sind.

Creaseys Grab ist auf dem Kirchhof von St Andrew in Nunton zu finden, nur ein paar Gehminuten von New Hall entfernt.

 

St Andrew in Nunton (Wiltshire). Hier liegt John Creasey begraben.

St Andrew in Nunton (Wiltshire). Hier liegt John Creasey begraben.

Published in: on 15. April 2015 at 02:00  Comments (1)  
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Agatha Christie, ihr mysteriöses Verschwinden im Dezember 1926 und die Schauplätze heute

Die Charters Road in Sunningdale (Berkshire). Hier wohnte Agatha Christie in ihrem Haus "Styles".    © Copyright Andrew Smith and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Charters Road in Sunningdale (Berkshire). Hier wohnte Agatha Christie in ihrem Haus „Styles“.
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Anlässlich des Agatha Christie-Jahres (ihr Geburtstag war am 15. September 1890) werde ich mich in meinem Blog wohl noch mehrere Male mit der großen Dame des englischen Kriminalromans beschäftigen.
Heute geht es um ihr mysteriöses Verschwinden im Dezember des Jahres 1926, das damals ganz England in Atem hielt und über das viel geschrieben und spekuliert worden ist. Ich möchte einmal die drei wichtigsten Schauplätze vorstellen, so wie sie heute aussehen.

Es begann alles am Abend des 3. Dezember, einem Freitag, als die 36jährige und bereits erfolgreiche Agatha Christie ihr Haus in Sunningdale in Berkshire verließ. Sie wohnte mit Mann und Tochter in diesem ansehnlichen Anwesen, das sie nach einem ihrer Roman „Styles“ getauft hatte („The Mysterious Affair at Styles“, 1921 in Großbritannien erschienen, die deutsche Übersetzung lautet „Das fehlende Glied in der Kette“). „Styles“ lag und liegt noch heute in der Charters Road, einer ruhigen baumbestandenen Straße in Sunningdale, an der sich noch andere sehenswerte Villen befinden. Der Ort gilt als sehr wohlhabend, liegt er doch im Speckgürtel von London, nicht weit vom Windsor Great Park und Ascot entfernt. Viele Prominente aus dem Showbusiness haben sich hier niedergelassen; man ist relativ schnell über die M3 und die M25 in London.

Agatha Christie fuhr an jenem Abend, nach einer heftigen Auseinandersetzung mit ihrem Mann Archie, in ihrem Morris Cowley in Richtung Süden nach Guildford und von dort ein Stückchen weiter nach Osten, wo sie ihr Auto in Newlands Corner abstellte, einem Höhenzug der North Downs. Ganz in der Nähe befindet sich ein kleiner See, The Silent Pool. Von dort verloren sich die Spuren der Kriminalromanautorin. Als ihr Auto verlassen aufgefunden wurde, schossen die Spekulationen ins Kraut; man munkelte, ihr Mann hätte sie ermordet oder sie hätte sich im Silent Pool ertränkt, der abgepumpt wurde. Über 15000 freiwillige Helfer suchten erfolglos das Gelände ab.

Während man im Bereich Newlands Corner nach ihr suchte (auch ihre Berufskollegen Sir Arthur Conan Doyle und Dorothy L. Sayers waren dabei involviert), befand sich Agatha Christie weit weg: Sie hatte sich im Norden des Landes, in Harrogate in Yorkshire in einem Hotel unter dem Namen Mrs. Neele (so hieß die Geliebte ihres Mannes) einquartiert und verbrachte hier elf Tage, die sie offensichtlich sehr  genoss. The Swan Hydro hieß das Hotel, das noch heute existiert, allerdings unter dem Namen The Old Swan. Das Haus liegt an der Swan Road, die von der Ripon Road, der A61, abgeht; es gehört heute zu der Hotelgruppe Classic Lodges.
Bob Tappin, ein Banjospieler im Hotel, erkannte die Frau, nach der ganz England suchte und informierte die Polizei, die wiederum Mr. Christie informierte, der sich sofort auf den Weg nach Harrogate machte, um seine Frau wieder einzusammeln.

1979 drehte Warner Bros. einen Film über das Verschwinden der A.C. unter dem Titel „Agatha„, mit Vanessa Redgrave,  Dustin Hoffman und Timothy Dalton in den Hauptrollen. Gedreht wurde an den Originalschauplätzen, so auch im Old Swan in Harrogate.

Hier ist ein Film über das Verschwinden Agatha Christies, präsentiert von David „Hercule Poirot“ Suchet.

Das Newlands Corner Visitor Centre bei Guildford.    © Copyright Alan Hunt and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Newlands Corner Visitor Centre bei Guildford.
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The Silent Pool, in dem man die leiche von Agatha Christie vermutete. This work is released  into the public domain.

The Silent Pool, in dem man die Leiche von Agatha Christie vermutete.
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The Old Swan in Harrogate.    © Copyright Keith Edkins and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Old Swan in Harrogate.
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Published in: on 12. April 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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George Orwell und Wallington in Hertfordshire

 

2, Kits Lane in Wallington (Hertfordshire), in dem George Orwell einige Jahre seines Lebens verbrachte.    © Copyright Julian Osley and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

2, Kit’s Lane in Wallington (Hertfordshire), in dem George Orwell einige Jahre seines Lebens verbrachte.
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Von 1936 bis 1940 wohnte der Schriftsteller George Orwell in einem winzigen Dorf in Hertfordshire namens Wallington (nicht zu verwechseln mit Watlington in Oxfordshire, über das ich einmal in meinem Blog berichtete). Der Ort liegt einige wenige Kilometer östlich von Letchworth Garden City und besteht eigentlich nur aus zwei Straßen: The Street und Kit’s Lane. In letzterer, in der Nummer 2,  steht noch immer das kleine Cottage, in dem Eric Blair alias George Orwell zusammen mit seiner Frau Eileen mehr schlecht als recht lebte. Hier gab es damals keinen Strom, kein heißes Wasser und die Toilette befand sich außerhalb des Hauses, das sich The Stores nannte. Orwell hatte im Erdgeschoss einen kleinen Laden eingerichtet, in dem die Bewohner von Wallington sich mit dem Nötigsten versorgen konnten. In der Ruhe und Abgeschiedenheit des Dorfes schrieb Orwell sein berühmtes Buch „Animal Farm“ (dt. „Farm der Tiere“) und holte sich dafür die eine oder andere Anregung von den umliegenden Bauernhöfen. Weitere Bücher, die hier in Wallington entstanden, sind „Homage to Catalonia“ (dt. „Mein Katalonien“), in dem er über seine Erlebnisse im spanischen Bürgerkrieg schrieb und „The Road to Wigan Pier“ (dt. „Der Weg nach Wigan Pier“), eine Reportage aus der nordenglischen Bergarbeiterstadt Wigan.

Obwohl Orwell und seine Frau nur über ein geringes Einkommen verfügten, genossen die beiden das Landleben, hielten sich ein paar Hühner und Ziegen und besuchten hin und wieder den Dorfpub „The Plough“, der heute nicht mehr existiert; es gibt überhaupt keinen Gasthof mehr in Wallington. Dafür gab/gibt es eine hübsche Kirche, St Mary’s, in der George Orwell und Eileen O’Shaughnessy am 9. Juni 1936 geheiratet haben.

Orwells Mietvertrag mit The Stores lief bis 1947, aber er suchte das Haus nach 1940 nur noch gelegentlich auf. 1989 wurde an der rechten Seite der Hauswand eine Plakette angebracht, die auf den berühmten früheren Bewohner aufmerksam macht.

Zweimal fanden im benachbarten Letchworth Garden City George Orwell Festivals statt, 2011 und 2012, mit einer Reihe von Vorträgen über den Schriftsteller, der schon sehr früh im Alter von 46 Jahren starb.

St Mary's in Wallington. Hier heiratete der Schriftsteller Eileen O'Shaughnessy.    © Copyright John Salmon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s in Wallington. Hier heiratete der Schriftsteller Eileen O’Shaughnessy.
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Agatha Christie und das Kirchenfenster von St Mary the Virgin in Churston Ferrers (Devon)

St Mary the Virgin in Churston Ferrers (Devon).    © Copyright Dave Kelly and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary the Virgin in Churston Ferrers (Devon).
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Am 15. September diesen Jahres feiern wir den 125. Geburstag von Agatha Christie, einer der außergewöhnlichsten Kriminalromanautorinnen der 20. Jahrhunderts. In ihrer Geburtsstadt Torquay in Devon wird vom 11. bis zum 19. September  das International Agatha Christie Festival veranstaltet, zu dem wieder Besucher aus nah und fern erwartet werden, die der Autorin ihre Ehre erweisen wollen.

Ganz in der Nähe von Torquay liegt Agatha Christies Landsitz Greenway, den ich im letzten Herbst besuchte und über den ich in meinem Blog berichtete. Immer wenn sie hier zu Besuch war, suchte sie sonntags die Kirche St Mary the Virgin in Churston Ferrers auf, die sie mit dem Auto in wenigen Minuten erreichen konnte. Mrs. Christie war eine gläubige Frau und nahm Anteil am Gemeindeleben. Sie mochte die Kirche, doch missfiel ihr das Fenster an der Ostseite, das war ihr zu einfach und zu langweilig. So sollte ein neues her, das sie aus eigener Tasche finanzieren wollte. Zu diesem Zweck schrieb sie die Geschichte „The Greenshore Folly“ (mit Hercule Poirot), deren Erlös durch die Abdrucksrechte in Zeitungen der Kirche zur Verfügung gestellt werden sollte (viele ihrer Werke erschienen zuerst als Serie in Zeitungen oder Zeitschriften und erst dann in Buchform). Doch leider klappte das nicht, denn „The Greenshore Folly“ war weder ein richtiger Roman noch eine Kurzgeschichte, und der Umfang der „novella“ eignete sich nicht für eine Veröffentlichung in einer Zeitschrift. Jetzt musste Agatha Christie sich etwas Neues einfallen lassen, was sie auch sofort tat: Eigentlich mochte sie ja „The Greenshore Folly“, und so entschied sie sich, daraus einen richtigen Roman zu gestalten, der dann unter dem Titel „Dead Man’s Folly“ (dt. „Wiedersehen mit Mrs. Oliver“) erschien. Für ihre Kirchenfensteraktion schrieb sie eine neue Kurzgeschichte, die den sehr ähnlichen Titel „Greenshaw’s Folly“ (dt. „Greenshaws Monstrum“) erhielt, in der statt Hercule Poirot Miss Marple agierte. Die Daily Mail druckte diese Geschichte im Dezember 1956 ab. In Buchform erschien sie 1960 in dem Sammelband „The Adventure of the Christmas Pudding„. Die deutsche Übersetzung findet sich in dem Sammelband „Der Unfall und andere Fälle„, der 1964 im Scherz-Verlag erschien.

St Mary the Virgin erhielt also doch das versprochene Geld für das neue Buntglasfenster, das Agatha Christie mithalf zu gestalten. Als Künstler wurde James Patterson (1916-1986) aus Bideford in Devon engagiert, der Jesus als guten Hirten in den Mittelpunkt des Fensters stellte. Patterson verwendete auf Wunsch von Agatha Christie auch grüne und malvenfarbige Elemente, Farben, die sie besonders mochte.

Die Krimiautorin wollte nicht, dass ihr Name als Spenderin des Fensters in der Kirche auftauchte, doch nach ihrem Tod ließ ihre Tochter Rosalind doch eine Plakette anbringen, auf der steht, dass A.C. Mallowan das Fenster „to the glory of God“ spendete.

Die Novelle „The Greenshore Folly“ erschien übrigens vor kurzem erstmals in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Das Geheimnis von Greenshore Garden: Ein Fall für Hercule Poirot“ in einer liebevoll gestalteten Ausgabe im Atlantik-Verlag.

Church of St Mary the Virgin
Green Lane
Churston Ferrers
Brixham
Devon TQ5 OJG

Greenways in Devon, Agatha Christie Landsitz. Eigenes Foto.

Greenway in Devon, Agatha Christie Landsitz.
Eigenes Foto.

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Published in: on 30. März 2015 at 02:00  Comments (1)  
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Die Schriftstellerin Beryl Bainbridge und ein Song, den ihr Mark Knopfler gewidmet hat

Beryl“ heißt ein Song auf Mark Knopflers aktuellem Album „Tracker„, das heute veröffentlicht wird. Er ist der Schriftstellerin Beryl Bainbridge gewidmet, die am 2. Juli 2010 in einem Londoner Krankenhaus an Krebs starb. Knopflers Song beginnt mit dem Textzeilen
Beryl,
Was on another level
When she got her Booker medal
She was dead in her grave
After all she gave

Im Klartext: Zu Lebzeiten hat die in Liverpool geborene Autorin nie den begehrten Booker Prize bekommen, obwohl sie fünfmal nominiert war und daher schon als „Booker Bridesmaid“ bezeichnet wurde. Knopfler bedauert, dass ihre literarischen Qualitäten immer wieder übersehen worden waren, bis die für die Preisvergabe Verantwortlichen wohl doch ein schlechtes Gewissen bekamen und ihr posthum einen eigens geschaffenen The Man Booker Best of Beryl Prize verliehen. In einer Umfrage im Jahr 2011 wurde der Roman ermittelt, der nach Meinung der Öffentlichkeit ihr bester von den fünf nominierten war und das war dann „Master Georgie“ (dt. „Master Georgie“) aus dem Jahr 1998.

Doch Mark Knopfler findet, dass diese Aktion Beryl Bainbridge nicht gerecht wird; er singt „It’s too late you dabbled, it is all too late“ und meint damit, dass die Booker Prize Foundation da ziemlich dilettantisch und zu spät gehandelt hat, jetzt liegt die Schriftstellerin in ihrem Grab und hat nichts mehr davon.

Ich glaube, dass sich Beryl Bainbridge, sollte sie den Song hören, wo immer sie jetzt gerade ist, sehr darüber freuen würde.

Hier ist Mark Knopfler mit seiner Hommage an die verkannte Schriftstellerin. Ein wunderschöner Song!

Das Buch zum Artikel:
Psiche Hughes: Beryl Bainbridge – Artist, Writer, Friend. Thames&Hudson 2012. 208 Seiten. ISBN 978-0500516515.

Published in: on 13. März 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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