Herbert Adams – Ein fast vergessener Klassiker des englischen Kriminalromans

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Herbert Adams ist ein britischen Krimiautor, dessen Romane bereits in den 1930er Jahren ins Deutsche übersetzt wurden, später dann in den 1950er und 1960er Jahren noch einmal im Goldmann-Verlag erschienen und danach in Vergessenheit geraten sind, was leider auch für sein Heimatland gilt.

Über Adams‘ Leben ist nur sehr wenig bekannt. Er wurde 1874 geboren und über seinen Geburtsort gehen die Meinungen auseinander; London bzw. die Grafschaft Dorset werden da genannt. Auch über das Todesjahr gibt es unterschiedliche Auffassungen, die zwischen 1952 und 1958 schwanken. Verheiratet war er mit Jessie Louise Cooper. Die deutsche Wikipedia gibt an, dass Adams als Immobilienmakler tätig war; er war aber auch Mitglied des britischen Surveyors Institute. Alles sehr mysteriös wie seine Krimis, deren erster 1924 unter dem Titel „The Secret of the Bogey House“ erschien, in dem erstmals Amateurdetektiv Jimmie Haswell auftrat. Adams‘ zweiter Serien-Detektiv, Roger Bannion,  wurde 1928 in dem Roman „Exit the Skeleton“ eingeführt. Die Figur des Jimmie Haswell verschwand bald wieder, während Roger Bennion seinen letzten Fall 1958 in „Death of a Viewer“ löste.

Die Romane gehören in die Kategorie der „cozies“, also der gemütlichen Krimis und spielen oft auf Golfplätzen wie z.B. „The Nineteenth Hole Mystery“ (1939), „The Body in the Bunker“ (1935) oder „Death Off the Fairway“ (1936).

Susan Oleskiw schreibt in „Twentieth Century Crime and Mystery Writers“ zutreffend: „Despite the changes in the mystery novel that left Adams’s works dated, his stories contain a cleanness of vision and integrity of form that makes them attractive to many readers“.

Ich besitze glücklicherweise ein Dutzend seiner Werke und mir hat die Lektüre immer sehr viel Spaß gemacht. Die Romane sind schon seit langer Zeit, sowohl vom britischen wie vom deutschen Markt verschwunden, antiquarisch kann man sie natürlich zum Teil noch bekommen.

Published in: on 19. Juni 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Sir Arthur Conan Doyle und eine Gedenkfeier nach seinem Tod in der Londoner Royal Albert Hall

Die Royal Albert Hall.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Sir Arthur Conan Doyle (1859-1930) ist in Deutschland fast ausschließlich durch seine Romane und Kurzgeschichten um Sherlock Holmes populär geworden; eine andere Seite des Schriftstellers ist bei uns weniger bekannt, er war ein Mann, der sich sehr für Spiritismus interessierte und zu dem Thema auch das Buch „The History of Spiritualism“ (1926) schrieb. Doyle war Mitglied zum Beispiel im Ghost Club und in der Society for Psychical Research. Er war der Meinung, dass es ein Leben nach dem Tod gibt.

Am 7. Juli 1930 starb Sir Arthur in seinem letzten Wohnort Crowborough in der Grafschaft East Sussex. Sechs Tage später fand in der Londoner Royal Albert Hall eine Großveranstaltung statt, zu der die Spiritualist Association geladen hatte. Es war ein Memorial Service der besonderen Art, zu dem Tausende gekommen waren. Auf der Bühne der Hall nahmen Familienmitglieder der Doyles Platz, darunter auch Lady Doyle, Jean Elizabeth Leckie. Auf ihrer rechten Seite blieb ein Stuhl frei, auf dem ein Schild mit dem Namen des Verstorbenen lag. Mit auf der Bühne befand sich Mrs. Estelle Roberts, ein Medium, das mit dem Jenseits und mit Sir Arthur Kontakt aufnehmen sollte (sie schrieb 1959 ein Buch über ihr Leben mit dem Titel „Forty Years a Medium„).
Unter den erwartungsvollen Zuschauern machte sich Unruhe breit, als es Mrs Roberts allem Anschein nach gelang, den Kontakt herzustellen. Sie blickte auf den leeren Stuhl und rief laut „Er ist hier!“ und murmelte „Er trägt Abendkleidung“. Dann ging sie zu Lady Doyle und flüsterte ihr etwas ins Ohr, eine Mitteilung des Verstorbenen, die sie ihr ausrichten sollte. Die Anwesenden in der Royal Albert Hall erhoben sich und spendeten laut Beifall, während die Orgel, gespielt von Alford Armstrong, laut ertönte. Sie waren (überwiegend) der Meinung, dass der große Sir Arthur Conan Doyle ein Zeichen aus dem Jenseits gesendet hatte. Einige Skeptiker äußersten sich hingegen, dass sie gern Sherlock Holmes bei der Veranstaltung gehabt und seine Meinung über die Glaubwürdigkeit des Mediums gehabt hätten.

Der Schriftsteller wurde nicht in London beigesetzt, sondern erst in Crowborough; später wurden seine sterblichen Überreste in das kleine Dorf Minstead in Hampshire, auf den All Saints Churchyard, überführt (s. dazu meinen Blogeintrag).

Die Orgel in der Royal Albert Hall.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Sir Arthur Conan Doyles Statue in Crowborough (East Sussex).
Photo © E Gammie (cc-by-sa/2.0)

Doyles letzte Ruhestätte in Minstead (Hampshire).
Photo © Peter Whitcomb (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. Juni 2019 at 02:00  Comments (2)  
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John Ruskin (1819-1900), ein englischer Schriftsteller, Maler und Kunsthistoriker, der durch den Anblick weiblicher Schamhaare, die Lust am Sex verloren haben soll

John Ruskin (1819-1900) war ein vielseitig begabter Mann, der in der viktorianischen Zeit durch seine Arbeiten als Schriftsteller, Maler und Kunsthistoriker auf sich aufmerksam machte. Zu seinen Hauptwerken zählt das mehrbändige Werk  „Modern Painters„, eine Geschichte der modernen Malerei.

So großartig sein Werk damals im 19. Jahrhundert auch gewesen war, so stellt sich Ruskins Privatleben etwas merkwürdig dar. 1848 heiratete er im Alter von 29 Jahren die 19-jährige Euphemia Chalmers Gray, kurz Effie Gray genannt. Nun sollte man annehmen, dass, wenn ein Bräutigam seine Braut zum ersten Mal nackt sieht, sich bei ihm deutliche Regungen zeigen und es ihn danach drängt, mit ihr ins Bett zu gehen. Bei dem lieben John war die Reaktion eine ganz andere: Er war geschockt von dem Anblick, der sich ihm bot, denn er war nicht darauf gefasst, dass seine Ehefrau Schamhaare hatte. Offenbar, wie manche seiner Biografen behaupten, kannte Ruskin nackte Frauen nur in Form von Statuen, und diese von Bildhauern geschaffenen Damen hatten üblicherweise keine Schamhaare. Auf jeden Fall fand er seine behaarte Frau so abtörnend, dass er niemals in der gemeinsamen Zeit „die Ehe vollzog“, was ihm aber nicht besonders schwer gefallen ist, im Gegensatz zu Effie, der das schon zu schaffen machte.
Auf ihrer Venedigreise interessierte sich Ruskin nur für seine Malerei, während Effie von der Männerwelt umworben wurde, denn sie war eine attraktive, junge Frau. Doch sie war standhaft und ließ sich auf keine Affäre ein, denn als sie sich 1854 von ihrem Mann scheiden ließ, war sie noch immer Jungfrau, was sich aber bald ändern sollte, denn schon ein Jahr später ging sie die Ehe mit dem Prä-Raffaeliten John Everett Millais ein und da ging es wohl richtig zur Sache (Effie hatte Nachholbedarf), denn sie gebar von 1856 bis 1868 acht Kinder.

Ruskins Privatleben war nach wie vor recht problematisch, denn er hatte offensichtlich eine Vorliebe für sehr junge Mädchen. Rose La Touche war neun Jahre alt, als Ruskin ihr Privatlehrer war und es entwickelte sich im Lauf der Jahre eine romantische Beziehung zwischen den beiden, die darin gipfelte, dass er um ihre Hand anhielt. Roses Eltern lehnten das aber ab, weil sie von Effie gewarnt worden waren. Aus der Ehe wurde also nichts.
Auch Ruskins spätere Freundschaft mit Kate Greenaway schien sich auf rein platonischer Ebene abgespielt zu haben.

Das Thema Ruskin/Gray/Millais wurde mehrfach in Büchern, Filmen und sogar in einer Oper aufgegriffen („Modern Painters“, von dem US-Komponisten David Lang, 1995 uraufgeführt); zuletzt in dem atmosphärisch sehr dichten Film „Effie Gray“ (2014), hochkarätig besetzt mit Dakota Fanning als Effie, Greg Wise als John Ruskin und Tom Sturridge als John Everett Millais. Hier ist der Trailer.

Published in: on 30. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Schriftsteller John Buchan (1875-1940) und Elsfield in Oxfordshire

The Manor in Elsfield (Oxfordshire) – Hier wohnte John Buchan.
Photo © Jon S (cc-by-sa/2.0)

Hätte John Buchan (1875-1940) im Jahr 1915 nicht den Roman „The Thirty-Nine Steps“ (dt. „Die neununddreißig Stufen“) geschrieben und hätte Alfred Hitchcock 1935 das Buch nicht verfilmt (hier ist der Trailer), würde möglicherweise heute kaum noch jemand den Schriftsteller kennen, der 1935 den Titel 1. Baron Tweedsmuir erhielt. Dieses Buch machte ihn berühmt.

Der gebürtige Schotte war u.a. Kriegsberichterstatter im 1. Weltkrieg, Chef des Britischen Geheimdienstes und Generalgouverneur von Kanada; seine besondere Liebe gehörte aber der Schriftstellerei. Buchan schrieb zahlreiche Abenteuer- und Kriminalromane, aber auch Sachbücher, so z.B. Bücher über Julius Caesar, Augustus und Oliver Cromwell. Eine ganze Reihe seiner Bücher sind heute noch im englischen Buchhandel lieferbar, in Deutschland nur noch „Die neununddreißig Stufen“.

John Buchan ließ sich von 1919 bis 1935 im Elsfield Manor in dem winzigen Dorf Elsfield nördlich von Oxford nieder. Über sein Leben in Oxfordshire ist einiges in seiner Autobiografie „Memory Hold the Door“ (1940) nachzulesen, das zu John F. Kennedys Lieblingsbüchern gehörte.
John Buchan starb 1940 in Kanada; seine Asche wurde nach England zurückgebracht und auf dem Friedhof von St Thomas of Canterbury in Elsfield, ganz in der Nähe seines früheren Wohnhauses, beigesetzt.

Um sein Andenken kümmert sich heute die John Buchan Society: „The Society is dedicated to providing a resource for those who want to know more about John Buchan, to provide information to scholars and to those who have recently discovered his works alike.“

Die kleine Gemeinde von Elsfield unterhält eine exzellente Homepage, auf der man vieles über das Leben der Buchan-Familie im Dorf nachlesen kann.

Das Buch zum Artikel:
Mildred Masheder: Carrier’s Cart to Oxford – Growing Up in the 1920s in the Oxfordshire Village of Elsfield. Wychwood Press 2008. 140 Seiten. ISBN 978-1902279282 (Im Buchhandel vergriffen, aber problemlos antiquarisch erhältlich).

John Buchans Grab auf dem Kirchhof von St Thomas of Canterbury.
Photo © Bill Nicholls (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Ann Quin (1936-1973) – Eine wenig bekannte Schriftstellerin, die in Brighton Selbstmord beging

Hier an der Palace Pier von Brighton beendete Ann Quin ihr noch junges Leben.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Wenn man im englischen Seebad Brighton unterwegs ist, trifft man immer wieder auf die Brighton&Hove-Linienbusse, die Namen tragen von Personen, die in irgendeiner Weise mit der Region in Verbindung stehen/standen (ich schrieb in meinem Blog darüber). Einer von ihnen heißt Ann Quin (hier zu sehen), und ich könnte mir vorstellen, dass nicht jeder, der mit dem Bus fährt oder ihn im Straßenbild sieht, mit dem Namen etwas anzufangen weiß.

Ann Quin lebte von 1936 bis 1973; sie wurde in Brighton geboren, und sie starb auch dort auf tragische Weise. Sie war Schriftstellerin und ihre vier Romane, die sie schrieb (2018 erschien noch ein Band mit Kurzgeschichten und Fragmenten mit dem Titel „The Unmapped Country„) waren keine Bestseller, denn sie gehörte zu den experimentellen Autorinnen ihrer Zeit, die nicht die großen Massen an LeserInnen ansprachen. „Berg“ (dt. „Berg“) gilt als ihr bekanntester Roman, vielleicht weil er unter dem Titel „Killing Dad or How to Love Your Mother“ 1989 verfilmt wurde. Die drei anderen Bücher von Ann Quin haben ebenfalls nur kurze Titel: „Three“ (dt. „Drei“), „Passages“ (dt. „Passagen“) und „Tiptricks„.

Die Lokalzeitung von Brighton The Argus nannte Ann Quin einmal „gifted but troubled author„, denn mit ihrer psychischen Verfassung stand es nicht zum besten. Bereits als Kind hatte sie psychische Probleme, die sich in ihrem späteren Leben verstärkten. Obwohl sie viel reiste, zog es sie immer wieder in ihre Geburtsstadt zurück, wo sie gern die Öffentliche Bibliothek und das Theatre Royal aufsuchte. Auch die fiktive Stadt in ihrem Roman „Berg“ erinnert sehr stark an Brighton.

An einem Tag im August 1973 setzte die 37jährige ihrem Leben ein Ende. Am Palace Pier in Brighton ging sie ins Meer und ertrank. Ihre Leiche wurde am nächsten Tag im benachbarten Shoreham-on-Sea an Land gespült.

Der Amerikaner Robert Buckeye schrieb eine Biografie über die Schriftstellerin mit dem Titel „Re: Quin„, die 2013 in den USA erschien.

Published in: on 31. März 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wie die „Französische Revolution“ am Londoner Kensington Square einmal in Flammen aufging

Hier am Kensington Square Nummer 18 wohnte John Stuart Mill.
Author: Spudgun 67
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John Stuart Mill (1806-1873) war einer der ganz großen Denker und Ökonomen des 19. Jahrhunderts. Er wurde in London geboren und lebte am Kensington Square Nummer 18, einer sehr guten Wohngegend mit architektonisch sehenswerten Häusern. 1834 wurde er von seinem Verleger angesprochen, ob er daran interessiert wäre, ein Buch über die Französische Revolution zu schreiben. Interessiert war Mill schon, aber er hatte keine Zeit, da er sich damals gerade mit anderen Dingen beschäftigte. Aber sein Freund, der Historiker Thomas Carlyle (1795-1881), der auch in London lebte, und zwar am Cheyne Walk, die heutige Nummer 24, hätte vielleicht Lust dazu…und der hatte, auch weil er gerade Geld brauchte, und so stürzte sich der Schotte in die Arbeit, den größten Teil des Jahres 1834 recherchierte er und schrieb oft bis in die tiefe Nacht hinein. „The French Revolution“ war auf drei Bände angelegt, und als Carlyle den ersten Band fertig hatte, übergab er das natürlich handgeschriebene Manuskript an seinen Freund John Stuart Mill, mit der Bitte es durchzulesen und seine Meinung dazu zu sagen. Mill kam dem gern nach und nahm es mit nach Hause zum Kensington Square. Dort lag es nicht lange, denn sein Dienstmädchen, die des Lesens unkundig war und den Auftrag hatte, den Kamin anzuzünden, sah die vielen Blätter Papier und dachte sich, die eignen sich doch hervorragend dazu, und so ging die Französische Revolution sozusagen in Rauch und Asche auf. Als Mill das mitbekam, war er außer sich. Wie sollte er das seinem Freund beibringen? Die monatelange Arbeit alles umsonst?

John Stuart machte sich auf zu seinem Canossagang in den Cheyne Walk, wo er Carlyle das Missgeschick beichtete. Der nahm das relativ gefasst auf und musste erst einmal seinen Freund John Stuart trösten, dem das unendlich peinlich war. Mill bot ihm an, Geld für den Verlust zu geben, doch Carlyle lehnte ab. Schließlich ließ er sich doch erweichen, wenigstens Geld für neues Papier anzunehmen (den Carlyles ging es finanziell gar nicht gut) und das Ganze noch einmal neu zu schreiben (seine Notizen hatte er bereits weggeworfen). Doch erst schrieb er die Bände zwei und drei, bis er sich wieder dem ersten zuwandte und vieles noch in Erinnerung hatte.

Thomas Carlyles Monumentalwerk „The French Revolution“, das 1837 im Verlag Chapman&Hall erschien, war seitdem immer lieferbar und erschien gerade erst wieder im Januar bei der Oxford University Press als Reprint. In deutscher Übersetzung gibt es zurzeit mehrere Ausgaben, u.a. eine dreibändige im Golkonda Verlag.

Carlyles Haus am Cheyne Walk gehört heute dem National Trust und kann besichtigt werden. Seine Statue ist in dem Embankment Gardens am Cheyne Walk zu sehen. Nicht weit davon entfernt, in der Temple Sektion, findet man die Statue seines Freundes John Stuart Mill.

Thomas Carlyles Haus am Cheyne Walk.
Author: Spudgun67
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Thomas Carlyle in den Embankment Gardens am Cheyne Walk.
Author: Lonpicman
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John Stuart Mills Statue in den  Embankment Gardens (in der Temple Sektion).
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 14. Februar 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Thomas Hardys Beisetzung in der Londoner Westminster Abbey und seine prominenten Sargträger

Die Londoner Westminster Abbey.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Nachdem der Schriftsteller Thomas Hardy am 11. Januar 1928 in Dorchester (Dorset) gestorben war, kam es am 16. Januar zu zwei zeitgleichen Beerdigungsfeiern. Eine fand auf dem Kirchhof von St Michael’s in Stinsford (Dorset) statt, die andere in der Londoner Westminster Abbey. Eigentlich wollte Thomas Hardy in Stinsford beigesetzt werden, doch sein Testamentsvollstrecker Sir Sydney Cockerell entschied, dass ein so berühmter Literat in die Poet’s Corner der Westminster Abbey gehört. So wurde zwischen ihm und Hardys Familie ein Kompromiss geschlossen: Hardys Herz wird in Stinsford beigesetzt (ich schrieb in meinem Blog darüber), die Asche seines Körpers in der Westminster Abbey.

Die Beerdigungsfeier in der Hauptstadt war ein nationales Ereignis, was man daran erkennen kann, dass die Sargträger alle VIPs waren. Dazu gehörten
Rudyard Kipling, berühmt geworden durch das „Dschungelbuch“
George Bernard Shaw, Nobelpreisträger und Verfasser der Komödie „Pygmalion“
John Galsworthy, der Schriftsteller, der die „Forsyte-Saga“ verfasste
Alfred Edward Housman, der Dichter, der durch „A Shopshire Lad“ die Herzen vieler Engländer eroberte
James Matthew Barrie, der die Figur des „Peter Pan“ erschuf
Stanley Baldwin, 1st Earl Baldwin of Bewdley, Politiker und Premierminister von 1935 bis 1937
Edmund Gosse, Literaturhistoriker und Dichter

In der Poet’s Corner in der Westminster Abbey ist die Grabplatte von Thomas Hardy direkt neben der von Charles Dickens und von Rudyard Kipling zu finden.

Thomas Hardys Grabstein in Stinsford (Dorset).
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. Februar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Dramatiker Alan Ayckbourn und sein Schauspiel „Standing Room Only“

Verkehrsstau auf der Londoner Shaftesbury Avenue.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Die Küstenstadt Scarborough im Osten der Grafschaft Yorkshire ist eigentlich nicht der ideale Ort, um Theaterstücke uraufzuführen, da eignet sich das Londoner West End besser dafür. Doch der 1939 geborene Dramatiker Alan Ayckbourn ließ alle seine Schauspiele hier oben im Nordosten Englands zuerst aufführen, anfangs im Library Theatre (so genannt, weil das Theater im Haus der Öffentlichen Bibliothek untergebracht war), später im Stephen Joseph Theatre, benannt nach dem Leiter des Library Theatres, der auch der Mentor Ayckbourns war.

Am 13. Juli 1961 kam es zur Premiere von Alan Ayckbourns „Standing Room Only„. Stephen Joseph hatte ihn angeregt, einmal ein Theaterstück zum Thema Überbevölkerung zu schreiben, und Ayckbourn nahm die Anregung auf. Er siedelte das Stück im Jahr 1997 an, also 38 Jahre später, eine lange Zeit, die nun auch schon wieder 22 Jahre zurückliegt. „Standing Room Only“ spielt in London in der Shaftesbury Avenue, in der das totale Verkehrschaos herrscht. Auch im ganzen Land gibt es auf den Autobahnen permanent Staus, auf der Strecke von Birmingham nach London geht gar nichts mehr (vielleicht ein kleiner Vorgeschmack, was bei einem harten Brexit auf der M20 von London nach Dover passieren könnte?). Um sein Fahrzeug auf der Shaftesbury Avenue zu verlassen, benötigt man eine Genehmigung, ein Problem mit dem eine junge Frau kämpft, denn sie ist schwanger (was sie von rechts wegen nicht sein darf) und muss ihr Baby in einem Doppeldeckerbus, der ebenfalls im Dauerstau festsitzt, heimlich zur Welt bringen.

Ayckbourns Schauspiel schaffte es nicht, wie eigentlich geplant, auf die großen Bühnen im Londoner Westend, stattdessen wurde es noch einmal in der Provinz, im Victoria Theatre in Stoke-on-Trent (gibt es heute nicht mehr) im April 1963 aufgeführt, dann nie wieder. Im Ayckbourn Archive an der University Of York werden die einzelnen, mehrfach umgeschriebenen Versionen des Theaterstücks aufbewahrt. Wird es jemals wieder zu einer Aufführung kommen?

Das Stephen Joseph Theatre in Scarborough, wo viele von Ayckbourns Schauspielen uraufgeführt wurden.
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 1. Februar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„In Limehouse“ – Der britische Premierminister Clement Attlee (1883-1967) als Dichter

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Der 1883  in Putney im Südwesten Londons geborene Clement Attlee war einer der Vorgänger von Theresa May; er hatte das Amt des Premierministers von 1945 bis 1951 inne und war Nachfolger von Winston Churchill, der ihm auch wieder ab 1951 im Amt folgte. Attlee gehörte der Labour Party an. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg wurde er Bürgermeister vom Londoner Stadtteil Stepney, einem heruntergekommenen Problemviertel. Ab 1922 war er Member of Parliament für den Wahlbezirk Limehouse, der in Stepney lag.

In diesem Jahr betätigte sich Clement Attlee als Dichter, denn er verspürte den Drang, das Elend und die Hoffnungslosigkeit der Menschen in seinem Wahlbezirk in Form eines Gedichts zum Ausdruck zu bringen. Er nannte es kurz „In Limehouse“ und es wurde in der Zeitschrift „Socialist Review“ abgedruckt, deren Herausgeber Ramsay McDonald war, Premierminister 1924 und von 1929 bis 1935.

In seinem Gedicht schreibt er von London als grausamer Stadt, die kein Mitleid mit den Menschen kennt, die in ihr ein erbärmliches Leben führen (…“The grey and cruel City, Through streets that have no pity The streets where men decay„). Er fragt sich wie Kinder, die heute nichts zu essen haben, einmal die Arbeitskräfte von morgen sein sollen. Mütter weinen über ihre Babies, die sterben und er träumt von einer Zukunft

When evil time shall perish and be driven clean away,
When father, child and mother
Shall live and love each other,
And brother help his brother
In happy work and play„.

Hier ist der vollständige Text des Gedichts.

Clement Attlee unternahm während seiner Zeit als Premierminister einiges, um diesen desolaten Zustand zu beseitigen, indem er zahlreiche Reformen durchführte, so gründete er u.a. den National Health Service (NHS) und verabschiedete den National Insurance Act.

Eine Statue des ehemaligen Premierministers wurde im Jahr 1988 in der Commercial Road vor der Limehouse Library errichtet, die inzwischen geschlossen wurde. 2011 bekam sie einen neuen Standort auf dem Gelände des Queen Mary College.

Die Statue von Clement Attlee in Limehouse.
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Die Narrow Street in Limehouse.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. Januar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein DVD-Tipp – „Charles Dickens’s England“ mit Derek Jacobi

 

Foto meiner DVD.

Foto meiner DVD.

Der Sender Sky Arts strahlte 2009 eine Dokumentation aus, die auch auf DVD erhältlich ist, und die ich allen empfehlen kann, die sich für englische Literatur und speziell für Charles Dickens interessieren: „Charles Dickens’s England„, hervorragend präsentiert von Derek Jacobi, einem englischen Schauspieler, der 1994 einem breiten Fernsehpublikum bekannt wurde durch die Rolle des „Bruder Cadfael“ in den Verfilmungen der historischen Krimis von Ellis Peters.

Derek Jacobi führt in diesem zweistündigen Film zu allen wichtigen Plätzen, die mit Charles Dickens in Zusammenhang stehen: Von Portsmouth zur Isle of Wight, von Chatham nach Broadstairs und von Rochester nach Barnard Castle.  Auf dieser Rundreise trifft Jacobi auf eine Reihe von Dickens-Spezialisten, die ihr umfangreiches Wissen an die Zuschauer weitergeben.

So ist eine atmosphärisch dichte Dokumentation entstanden, nicht zuletzt durch Jacobis einfühlsame Präsentation.
Der DVD ist noch eine weitere hinzugefügt, mit einem „Making of“ und einer Zusammenfassung der im Hauptfilm durchgeführten Interviews und Lesungen von Dickens-Texten.

Die DVD ist zwar vergriffen, aber antiquarisch leicht zu bekommen. Hier ist ein kleiner Ausschnitt daraus.

Das Begleitbuch mit dem gleichen Titel ist 2009 bei Guerilla Books erschienen und noch lieferbar.

Ein Pub in der Union Street in Southwark, London.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Eine Statue des Meisters auf dem Guildhall Square in seiner Geburtsstadt Portsmouth.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 6. Januar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Dichter Thomas Gray und eine Katze, die im Goldfischbecken ertrank

Das Grabmal von Thomas Gray neben dem Friedhof von St Giles in Stoke Poges (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

Den englischen Dichter Thomas Gray (1716-1771) erwähnte ich schon einmal in meinem Blog, als ich sein Grabmal in Stoke Poges in Buckinghamshire besuchte. Sein berühmtestes, stimmungsvolles Gedicht ist „Elegy written in a country church-yard„, 1751 erschienen. Drei Jahre früher veröffentlichte er ein anderes Gedicht mit dem kuriosen Titel „Ode on the death of a favourite cat, drowned in a tub of gold fishes„, das in der deutschen Übersetzung „Ode auf den Tod einer Lieblingskatze, die in einer Goldfisch-Vase ertrank“ heißt.

Der Titel des Gedichts sagt schon aus, worum es inhaltlich geht. Bei der Katze handelt es sich um Selima, die einem Freund Thomas Grays gehörte, und die dieses Schicksal erleiden musste. Der Freund war niemand Geringeres als Horace Walpole (1717-1787), der Schöpfer des Schauerromans „The Castle of Otranto“ (dt. „Das Schloss von Otranto“), der die beiden Katzen Selima und Zara besaß. Thomas Gray lernte die beiden bei einem Besuch bei Horace Walpole kennen und erhielt etwas später die Nachricht, dass Selma, die unvorsichtigere der beiden Katzen, in einem Becken, in dem Walpole Goldfische hielt, ertrunken war. „So frevelnd beugt sie, unverwandt sich über des Gewässers Stand zum Abgrund stets gelenkt. Bis ach! (der Böse sieht’s vergnügt), ausgleitend sie die Sohle trügt, und in die Fluth versenkt„, so beschreibt Thomas Gray den Tod des armen (aber hungrigen) Kätzchens. Das tödliche Goldfischbecken stellte Walpole später in seinem Haus Strawberry Hill in Twickenham im Südwesten Londons auf einen Sockel.

Das Gedicht endet mit den Worten „Drum Mädchen! nehmt die Täuschung wahr; oft bringt ein einz’ger Schritt Gefahr, und seyd mit Vorsicht dreist. Nicht alles, was in’s Auge fällt, und Herzen täuscht, ist wohlbestellt, nicht alles Gold was gleißt„. Thomas Gray geht da weiter, als nur von dem Tod einer Katze zu erzählen, er gibt jungen Frauen Ratschläge mit auf den Weg, die Augen immer offen zu halten und nicht auf jede Versuchung einzugehen, denn nicht alles was glänzt ist Gold.

Horace Walpole, der Besitzer der ertrunkenen Katze. Das Porträt von John Giles Eccardt hängt in der National Portrait Gallery in London.
This work is in the public domain.

Horace Walpoles Strawberry Hill House in Twickenham bei London.
Author: Chiswick Chap
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Published in: on 17. Dezember 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„N or M?“ oder Wie Agatha Christie einmal vom britischen Inlandgeheimdienst MI5 unter die Lupe genommen wurde

Foto meines Exemplares.

Den Namen Bletchley Park kannte im Zweiten Weltkrieg kaum jemand, was auch absolut im Sinn der Bewohner bzw der dort arbeitenden war, denn was hier hinter verschlossenen Türen passierte, war Top Secret. In das Herrenhaus in Buckinghamshire hatte man die fähigsten und kreativsten Köpfe des Landes zusammengezogen, um den Enigma-Code zu knacken, mit dem der Nachrichtenverkehr der deutschen Wehrmacht verschlüsselt war… und es gelang ihnen. Unter vielen anderen waren Alan Turing und Dillwyn Knox an der Entschlüsselung des Codes beteiligt. Erst viele Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde bekannt, was sich da in Bletchley Park abgespielt hatte. Einige Militärhistoriker sind sogar der Meinung, dass durch die Entschlüsselung, der Krieg etwa zwei Jahre abgekürzt werden konnte.

1941 wurde der britische Inlandsgeheimdienst MI5 auf ein Buch aufmerksam, das in diesem Jahr veröffentlicht worden war und den Titel „N or M?“ trug (vier Jahre später erschien die deutsche Übersetzung unter dem Titel „Das Haus der Mrs. Perenna„, 1960 in „Rotkäppchen und der böse Wolf“ umbenannt). Autorin war die berühmte Agatha Christie. Das Buch gehört zu der in Deutschland weniger bekannten Tommy und Tuppence Beresford-Serie und ist ein Spionagethriller.

Sehr merkwürdig fand der Geheimdienst, dass eine der Personen im Roman Major Bletchley heißt, ein unangenehmer Mensch, der früher in Indien gedient hatte. War der Name zufällig von Agatha Christie gewählt worden oder steckte mehr dahinter? Als der MI5 herausbekam, dass die Dame auch noch freundschaftliche Beziehungen zu Dillwyn Knox hatte, einem der führenden Codeknacker in Bletchley Park, schrillten die Alarmglocken bei den Geheimdienstmitarbeitern. Hatte Knox da aus dem Nähkästchen geplaudert und der Queen of Crime einige Informationen zugesteckt? An Agatha Christie selbst mochte man nicht herantreten und sie befragen, bestand doch die Gefahr, dass dann das Geheimnis von Bletchley Park in die Öffentlichkeit getragen wurde, was man unter allen Umständen vermeiden wollte. Also nahm man sich Dillwyn Knox vor, der abstritt, jemals mit ihr über seine Arbeit gesprochen zu haben. Er erklärte sich bereit, ein Gespräch mit der Schriftstellerin zu führen, um vorsichtig auszuloten, ob sie etwa zuviel wusste und warum sie ihre Romanfigur Major Bletchley genannt hatte. Knox lud sie zum Tee in sein Haus in Naphill in Buckinghamshire ein und erfuhr zu seiner großen Erleichterung, dass der Name des Majors auf einer kleinen Begebenheit beruhte, die die Crime Lady auf dem Bahnhof von Bletchley erlebt hatte. Sie war mit dem Zug von Oxford nach London unterwegs gewesen und strandete dort für eine erhebliche Zeit, weil ihr Zug nicht weiterfahren konnte. Der unfreiwillige Aufenthalt auf dem Bahnsteig von Bletchley erzürnte Agatha Christie, und sie wollte auf ihre Weise Rache an dem Ort nehmen, indem sie eine ihrer weniger erfreulichen Romanfiguren nach ihm benannte. Das klang für Dillwyn Knox sehr glaubhaft, und er konnte den MI5-Leuten Entwarnung geben. Dort war man ebenso erleichtert, und Bletchley Park blieb auch weiterhin eine Einrichtung, die unter höchster Geheimhaltungsstufe arbeiten konnte.

Bletchley Park Mansion.
Photo © David P Howard (cc-by-sa/2.0)

Eine alte Aufnahme des Bahnhofs von Bletchley, auf dem Agatha Christie gestrandet war.
Photo © Ben Brooksbank (cc-by-sa/2.0)

Bletchley Railway Station heute.
Photo © Roy Hughes (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 15. Dezember 2018 at 02:00  Comments (1)  
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„The Tractate Middoth“ – Ein Gruselfilm nach der Erzählung von Montague Rhodes James

Montague Rhodes James, oder kurz M.R. James, ist einer berühmtesten, und nach meiner Ansicht besten, Verfasser von Gespenstergeschichten. Er lebte von 1862 bis 1936, und glücklicherweise ist sein Werk seit zwei Jahren wieder in deutscher Übersetzung im Festa-Verlag erhältlich. Eine seiner bekanntesten Geschichten „Whistle and I’ll Come to You“ stellte ich zu den Anfangszeiten meines Blogs einmal kurz vor.

Die Gespenstergeschichten von James werden gern im britischen Fernsehen zur Weihnachtszeit gesendet, zuletzt war das 2013 der Fall, als die Geschichte „The Tractate Middoth“ (dt. „Der Traktat Middoth“) verfilmt wurde. 1911 erschien sie erstmals in der Sammlung „More Ghost Stories„. Es geht darin um ein mysteriöses Buch, das in einer Bibliothek aufbewahrt wird, und um ein Testament, das darin versteckt sein soll. Der verstorbene Verfasser des Testaments spielt in der Geschichte eine unheimliche Rolle.

1951 wurde die Story von M.R. James erstmals in den USA unter dem Titel „The Lost Will of Dr Rant“ verfilmt. Die Hauptrolle des Bibliotheksangestellten William Garrett spielte damals der junge Leslie Nielsen (1926-2010). Wie schön, dass der Film noch erhalten geblieben und bei youtube zu sehen ist.

Mark Gatiss verfilmte „The Tractate Middoth“ im Jahr 2013 für die BBC für die Reihe „A Ghost Story for Christmas„. Die Rolle des William Garrett übernahm Sacha Dhawan (zuletzt in den TV-Serien „Marvel’s Iron Fist“ und „In the Club“ zu sehen). John Castle (spielte den Charles King in der Episode 54 „Ein Sarg aus China“ in der TV-Serie „Inspector Barnaby“) ist in dem Film als John Eldred zu sehen, der das geheimnisvolle Buch in der Bibliothek zwar findet, aber ein schlimmes Ende nimmt.

Die Filmaufnahmen in der Bibliothek fanden in der Chetham’s Library in Manchester statt, der ältesten Öffentlichen Bibliothek in der Englisch sprechenden Welt (so heißt es auf ihrer Homepage). Bretfield Hall im Film ist Browsholme Hall, ein elisabethanisches Haus im Ribble Valley in Lancashire.

Hier ist „The Tractate Middoth“ in voller Länge (36 Minuten) zu sehen.

Chetham’s Library in Manchester.
Photo © Anthony O’Neil (cc-by-sa/2.0)

Browsholme Hall in Lancashire.
Photo © Charles Rawding (cc-by-sa/2.0)

Uttoxeter in Staffordshire und der berühmte Dr Samuel Johnson

Das Johnson-Denkmal auf dem Marktplatz von Uttoxeter.
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

Wer sich mit der englischen Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts beschäftigt, kommt an einer Person nicht vorbei: Dr Samuel Johnson (1709-1784), meist nur kurz Dr Johnson genannt. Weltberühmt wurde er durch sein „Dictionary of the English Language„, an dem er neun Jahre arbeitete, bis es 1755 veröffentlicht wurde. Der in Lichfield in Staffordshire geborene Lexikograf wirkte überwiegend in London, wo wir ihm auf literarischen Spaziergängen häufig begegnen, doch auch in Uttoxeter, ebenfalls in Staffordshire gelegen, hat Dr Johnson seine Spuren hinterlassen. Der Katzenliebhaber war ein recht exzentrischer Mensch, dessen Vorlieben in Essen, Trinken und Lesen bestanden. Wenn er im Kreise von Freunden sein Abendessen zu sich nahm, war er nicht ansprechbar, da er seinen großen Appetit mit äußerster Intensität stillte und sich ausschließlich auf die Nahrungsaufnahme konzentrierte. Da Samuel Johnsons Vater in Lichfield eine Buchhandlung betrieb, war er schon von Kindesbeinen an mit Büchern vertraut, die in seinem Leben eine große Rolle spielten.

Kommen wir zurück auf Uttoxeter. Michael Johnson, Samuels Vater, hatte in dieser Stadt einmal einen Bücherstand am Marktplatz. Als er damals seinen halbwüchsigen Sohn bat, ihm beim Buchverkauf zu helfen, lehnte der das ab, wohl weil er keinen Bock auf die Arbeit hatte. Erst nach vielen Jahren, als Dr Johnson schon ein alter Mann war, regte sich bei ihm das schlechte Gewissen. Hätte er doch bloß damals seinem Vater den Gefallen getan. So überlegte er sich, wie er Buße leisten konnte und kam auf die ziemlich schräge Idee, sich an einem regnerischen Tag auf den Marktplatz von Uttoxeter zu stellen, dort, wo einmal der Bücherstand seines Vaters war, den Hut abzunehmen und mehrere Stunden lang gebeugten Hauptes im strömenden Regen zu stehen. Ob er sich dabei eine Erkältung geholt hatte, ist nicht bekannt.

Die Stelle, an der Samuel Johnson Buße tat, ist noch heute leicht zu finden, denn am Marktplatz ist ein Denkmal errichtet worden, dass auf der einen Seite ein Relief des büßenden Lexikografen zeigt. Jedes Jahr im September an einem Montag, der Johnsons Geburtstag, dem 18. September, am nächsten liegt, findet an dem Denkmal eine Feierstunde statt, bei der an Dr Johnson gedacht wird.

Übrigens gibt es auch ein Denkmal für Samuel Johnson auf dem Marktplatz in seinem Geburtsort Lichfield wie hier zu sehen ist (der Eindruck, dass der Mann gerade telefoniert, täuscht):

Published in: on 10. Dezember 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Schriftsteller Laurence Sterne (1713-1768) und der Leidensweg seines Leichnams

Hier in der Old Bond Street 41, wo jetzt die Cartierfiliale untergebracht ist, starb Laurence Sterne.
Photo © Enttauscht (cc-by-sa/2.0)

Der Schriftsteller Laurence Sterne lebte von 1713 bis 1768, und sein Hauptwerk, der Roman „The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman„, in deutscher Übersetzung „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman„, ist sowohl in seinem Heimatland als auch in Deutschland nach wie vor lieferbar, und das nach mehr als 250 Jahren. Sterne hat sich damit einen festen Platz in der Weltliteratur gesichert, umso trauriger, dass sein Leben ein so tragisches Ende gefunden hat, denn er starb mittellos und einsam in London in der Old Bond Street Nummer 41. Heute ist in dem Haus eine Filiale des französischen Schmuck- und Uhrenhändlers Cartier untergebracht.

Die Trauerfeier für Laurence Sterne fand in kleinem Kreis am 22. März 1768 in der St Georges Kirche am Hanover Square statt, auf deren Kirchhof er auch beerdigt wurde. Es sollen nicht einmal die Kirchenglocken geläutet haben als sein Leichnam in das Grab gesenkt wurde. Da St George’s Field nicht gut einsehbar war, bestand hier immer wieder die Gefahr, dass gerade erst beerdigte Menschen von Leichenräubern wieder ausgebuddelt wurden, um diese Anatomen an Universitäten anzubieten, die einen ständigen Bedarf an Leichnamen für ihre Vorlesungen hatten.
Genau das geschah auch mit dem Körper von Laurence Sterne, dessen Grab kurz nach der Beerdigung geöffnet und sein Leichnam nach Cambridge gebracht wurde, wo er auf dem Seziertisch von Professor Charles Collignon landete, einem anerkannten Anatomen und Chirurgen. Jetzt gibt es mehrere unterschiedliche Aussagen, wer dort Laurence Sterne wiedererkannte, ein Student oder ein zufällig Anwesender, auf jeden Fall unterbrach der Professor daraufhin die Sektion. Die Leiche des Schriftstellers wurde klammheimlich wieder zurück nach London geschickt, wo sie ein zweites Mal auf dem Kirchhof von St George’s beerdigt wurde. Man munkelte damals, dass der Anatomieprofessor den Kopf als Erinnerungsstück behalten hatte. Das muss aber nicht stimmen, denn als St George’s Field Ende der 1960er Jahre aufgegeben wurde, suchte der Laurence Sterne Trust nach den Überresten des Schriftstellers, wobei sie auf einen Schädel stießen, dessen Oberteil, wie bei einer Sektion üblich, abgesägt war. Der Trust vermutete, dass es sich hierbei tatsächlich um Sternes Kopf handelte, und er schaffte den Schädel mitsamt den dazugehörenden Knochen nach Coxwold in North Yorkshire, wo Laurence Sterne auf dem Kirchhof von St Michael’s ein neues Grab mit einem neuen Grabstein bekam.

Über Sterne und Coxwold habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben.

Die St George’s Kirche am Londoner Hanover Square, wo die Trauerfeier für den Schriftsteller stattfand.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Auf dem Kirchhof von St Michael’s in Coxwold (North Yorkshire) fand Lawrence Sterne seine letzte Ruhe.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Krimiautor Colin Dexter (1930-2017) und die Inspector Morse Society

Oxford Police Station St Aldate’s.
Photo © David Hillas (cc-by-sa/2.0)

Die TV-Krimiserie „Inspector Morse„, von 1983 bis 2000 gedreht, spielte im deutschen Fernsehen so gut wie keine Rolle; ein paar Folgen  liefen merkwürdigerweise nur im DDR-Fernsehen, das war es dann auch. Die Spin-offs dagegen, „Lewis“ und „Der junge Morse“ (im Original „Endeavour“), wurden im ZDF bzw ZDFneo gezeigt.
Colin Dexter
schrieb die Romane über den schrulligen, dem Whisky, Wagneropern und Kreuzworträtseln zugeneigten Inspektor aus Oxford, der auch eng an deren Verfilmung mitwirkte. Leider ist Colin Dexter am 21. März 2017 in seiner geliebten Universitätsstadt verstorben. Morse, dessen Vornamen Endeavour die Zuschauer der Serie erst in der letzten Folge erfuhren, war außerordentlich beliebt in Großbritannien, verkörpert wurde er im Film von John Thaw (1942-2002), an seiner Seite stand Sergeant Lewis (Kevin Whateley), der später nach seiner Beförderung seine eigene TV-Serie bekam.

Colin Dexter trat, wie seinerzeit Alfred Hitchcock, in den meisten Episoden für wenige Sekunden selbst auf; man musste schon sehr genau hinschauen, um ihn zu entdecken. Manchmal war er ein Chormitglied oder ein Passant. Die Inspector Morse Society hält die Erinnerung sowohl an den Mann hoch, der für die Thames Valley Police arbeitete, als auch an seinen Schöpfer, Colin Dexter, für den bald in Oxford ein Denkmal errichtet werden soll und zwar in Summertown, wo Dexter von 1966 bis 1988 für das Oxford Examining Board arbeitete. Das Denkmal wird ihn in Lebensgröße auf einer Säule zeigen, mit einer Ausgabe der Times in der Hand, auf der das tägliche Kreuzworträtsel zu sehen sein wird. Auf der einen Seite der Säule wird ein Kreuzworträtsel eingraviert sein, auf der anderen Seite findet man dann die Lösung. Der Bildhauer Alex Wenham wurde mit dem Denkmal beauftragt, das voraussichtlich Ende diesen oder Anfang des nächsten Jahres enthüllt wird. Der Colin Dexter Memorial Fund kümmert sich um die Beschaffung des Geldes; das Denkmal ist mit  £50 000 veranschlagt.

Es gibt in Oxford übrigens eine Plakette, die an Morse erinnert, angebracht am Hauptquartier der Oxford City Police St Aldate’s, wo viele Außenaufnahmen der Dreharbeiten für die TV-Serie stattfanden. Am 23. Juli 2006 enthüllte Colin Dexter diese Plakette selbst.

Die Inspector Morse Society widmete dem Morse-Darsteller John Thaw eine Bank im Londoner Covent Garden Viertel; neben der „Schauspielerkirche“ St Paul’s steht diese Bank, die am 21. März 2009 ebenfalls von Colin Dexter eingeweiht wurde.

Siehe zum Thema auch meinen Blogeintrag über geführte Touren durch Oxford auf den Spuren von Inspector Morse.

Die Plakette am Hauptquartier der Polizei von Oxford.
Public domain photo by Open Plaques.

Die John Thaw gewidmete Bank in London.
Copyright: Matt Brown
Creative Commons 2.0

 

Published in: on 21. Oktober 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Die Jane Austen Society

Das Museum in Chawton (Hampshire).
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Über die Schriftstellerin Jane Austen (1775-1817) habe ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben, zum Beispiel über das Jane Austen Centre in Bath. Im Gegensatz zu den meisten anderen Autoren ihrer Zeit, ist Jane Austen auch heute noch unvergessen. Ihre Romane werden nach wie vor gelesen, nicht zuletzt auch durch die Verfilmungen, die die Erinnerung an sie immer wieder wachgehalten haben.

Die britische Jane Austen Society trägt ebenfalls ihr Scherflein dazu bei, dass man die nur 41 Jahre alt gewordene Schriftstellerin nicht vergisst. Dorothy Darnell und ihre Schwester Beatrix gründeten die Gesellschaft im Jahr 1940, mit dem Ziel Chawton Cottage in Chawton (Hampshire) zu erwerben, in dem Jane Austen von 1809-1817 gewohnt hatte. Neun Jahre später wurde das Haus als Jane Austen’s House Museum eröffnet.

Die Gesellschaft hat sich vier Aufgaben gesetzt:

– Das Andenken an die Schriftstellerin hochzuhalten
– Dafür zu sorgen, dass ihr Nachlass in Form von Manuskripten, Briefen und Erinnerungsstücken erhalten bleibt
– Publikationen über Jane Austen und ihre Familie zu fördern
– Den Jane Austen Memorial Trust in der Erhaltung des Museums in Chawton zu unterstützen

Jedes Jahr finden Treffen der Gesellschaft statt, einmal das Annual General Meeting in Chawton (zuletzt am 14. Juli) und die dreitägige Annual Conference in unterschiedlichen Orten (fällt in diesem Jahr aus, soll aber 2019 wieder stattfinden).

In einzelnen Regionen Großbritanniens haben sich „Zweigstellen“ der Jane Austen Society gebildet, die eigene Veranstaltungen durchführen. In Kent gibt es zum Beispiel Berührungspunkte mit der Familie Jane Austens, die gern von der Kent Branch der Gesellschaft aufgesucht werden, wie Godmersham Park, wo Janes Bruder Edward aufwuchs und später mit seiner Familie lebte. Jane war dort häufig zu Besuch.

Die Mitgliedschaft in der Jane Austen Society kostet £28 (außerhalb Großbritanniens £38), dafür bekommt man regelmäßig die Newsletter und den Report, der u.a. über Neuerscheinungen zum Thema informiert.

Weitere Jane Austen Societies gibt es noch in Nordamerika, Australien, Brasilien, Tschechien und in den Niederlanden.

Godmersham Park in Kent.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 10. August 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Thockrington (Northumberland) und die Asche des Tom Sharpe

St Aidan in Thockrington.
Photo © Phil Thirkell (cc-by-sa/2.0)

Die Kirche St Aidan in Thockrington steht ziemlich einsam auf einem Hügel neben einer Farm in der Grafschaft Northumberland, also im hohen Norden Englands. Was heißt „in Thockrington“? Das Dorf gibt es schon lange nicht mehr, denn es wurde vom Schicksal ereilt, als im Jahre 1847 ein Seemann in seinen Heimatort zurückkehrte und die gesamte Dorfbevölkerung mit Cholera ansteckte. Alle starben, Thockrington wurde niedergebrannt. Nur die Farm und St Aidan überlebten; in der Kirche wurden weiterhin Gottesdienste abgehalten.

Einer der Pfarrer von St Aidan, Reverend George Sharpe, war der Vater eines Jungen, der später durch seine drastischen humorvollen Werke in die Literaturgeschichte Englands eingehen sollte: Tom Sharpe (1928-2013). Ich habe alle seine Romane gelesen, sie sind nichts für Zartbesaitete. Aber wer schwarzen Humor mag, wird Sharpes Bücher lieben. Im Jahr 2010 erschien sein letzter Roman „The Wilt Inheritance“ (dt. „Henry haut ab“).

Der Schriftsteller zog 1995 nach Spanien, wo er sich an der Costa Brava niederließ. Er trennte sich von seiner Frau und ging eine Beziehung mit der Spanierin Montserrat Verdaguer i Clavera ein. Als er am 6. Juni 2013 starb, wurde er in Spanien eingeäschert und die Asche an seine Frau und seine Lebensgefährtin verteilt. Die Spanierin fand in Sharpes Unterlagen seinen Wunsch, dass er einmal auf dem Kirchhof von Thockrington beigesetzt werden möchte, und so machte sie sich ein Jahr später mit einer Urne und Sharpes Asche auf den langen Weg von der Costa Brava nach Northumberland. Dort angekommen, buddelte sie mit bloßen Händen ein Loch auf dem Kirchhof, auf dem auch der Reverend George Sharpe liegt, deponierte dort die Asche, zusammen mit einer Flasche Whisky der Marke Famous Grouse, die Tom Sharpe besonders gern mochte, einer kubanischen Zigarre, seinem Lieblingsfüllfederhalter mit dem er einige seiner Bücher geschrieben hatte, und einem Bild aus seiner Kindheit. Dann hielt sie eine kurze Ansprache:
In this ancient church in Northumberland in which your father was buried you will remain for eternity. In the middle of nowhere, in an empty place, surrounded by grass and sheep. Tom Sharpe, rest in peace forever.“

Sollte Tom Sharpe vom Himmel aus dieser Zeremonie zugesehen haben, hätte er sich mit Sicherheit köstlich amüsiert.

Montserrat Verdaguer i Clavera, die das sehr spezielle Begräbnis von einem spanischen Fernsehteam filmen ließ, hatte die für St Aidan zuständigen Kirchenbehörden nicht um Erlaubnis gefragt, ob sie das überhaupt tun durfte…durfte sie natürlich nicht. Als die lokale Presse darüber berichtete, kam das auch der Kirche zu Ohren und so buddelte der Pfarrer von St Aidan alles wieder aus und die Church of England verhängte gegen die Spanierin eine Strafe in Höhe von £1,320. Erst nach Bezahlung der Strafe könnte sie den Inhalt des „Grabes“ wieder zurückbekommen. Die Dame von der iberischen Halbinsel hatte mittlerweile behauptet, dass die Zeremonie auf dem Kirchhof von Thockrington nur für das spanische Fernsehen inszeniert worden wäre, und sie hätte dort gar keine menschlichen Überreste beerdigt.

Tom Sharpe hätte sich das nicht besser für einen seiner Romane ausdenken können!

Hier ist ein Ausschnitt aus dem Film „Wilt„, nach dem gleichnamigen Roman von Tom Sharpe, derin Deutschland unter dem Titel „Puppenmord“ gezeigt wurde.

Grabsteine auf dem Kirchhof von St Aidan in Thockrington.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)

Ländliche Idylle mit Lämmern auf dem Kirchhof von St Aidan.
Photo © P Glenwright (cc-by-sa/2.0)

Cumberland Clark – Ein englischer Dichter und die Küstenstadt Bournemouth

Das Highcliff Hotel in Bournemouth, in dem Cumberland Clark eine Zeit lang wohnte.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Vor kurzem stellte ich in einem meiner Blogartikel den Dichter John Clare vor, der in Deutschland nur wenig bekannt ist. Noch unkannter dürfte der Dichter Cumberland Clark sein, den außerhalb der Region Bournemouth an der englischen Südküste auch in seinem Heimatland kaum noch jemand kennen dürfte. Ich bin auf Cumberland Clark gestoßen, als ihn einmal jemand als „England’s most awful poet“ bezeichnete, habe mir aber leider nicht notiert, wer diese Äußerung gemacht hat.

Mr Clark wurde 1862 in London geboren, er starb in der Nacht vom 10. auf den 11. April 1941 während eines Luftangriffs der deutschen Luftwaffe auf Bournemouth (Dorset). Er führte jahrzehntelang ein abenteuerliches Leben in Australien, Neuseeland, Südafrika und Nordamerika, u.a. als Schafzüchter, Goldwäscher und Pfarrer. Ab 1933, als seine Frau gestorben war, ließ er sich für den Rest seines Lebens in Bournemouth nieder.

Literarisch betätigte sich Cumberland Clark auf zwei Feldern. Er beschäftigte sich intensiv mit William Shakespeare und Charles Dickens und schrieb mehrere Bücher über sie, und er veröffentlichte Gedichte, in deren Mittelpunkt hauptsächlich die Stadt Bournemouth und die nähere Umgebung standen. Gesammelt wurden diese im „The Bournemouth Songbook„.

Einige Beispiele zur Veranschaulichung: In „The Bournemouth Hotels“ stellt  Clark einige Hotels seines Wohnortes vor:
„You visit the Savoy; you’ll soon be filled with joy“, „The Canford Cliffs Hotel will do you very well“, „The Highcliffe can’t be matched – the finest ever hatched“. Eine kleine Anmerkung: Das Savoy Hotel existiert noch in der West Hill Road, das Canford Cliffs Hotel nicht mehr, das Highcliffe Hotel gibt es noch unter dem heutigen Namen Bournemouth Highcliff Marriott Hotel in der St Michael’s Road.

Den jungen Damen von Dorsets Hauptstadt widmet Cumberland Clark Aufmerksamkeit in seinem Gedicht „The Bournemouth Girls„, darin lobt er ihre körperlichen Vorzüge („Look close from all directions – their figures bear inspections“) und ist der festen Überzeugung, dass jedermann  die Mädchen einfach lieben muss („And even old men, gay old dogs, admit that they adore them“).

Auch den „Bournemouth Schoolgirls“ widmet der ältere Herr einige Zeilen („Bournemouth is full of them. Getting to know them is not a mere frivolous treat“) sowie der Bournemouth Regatta, den Boarding Houses, dem Sonnenuntergang, der Luft, der Landwirtschaftsschau, den Schlangen Arbeitsloser vor dem Arbeitsamt, den Schwalben usw. usw. Cumberland Clark war ein echter Fan der Küstenstadt.

Wer dem Dichter einen Besuch abstatten möchte, der sollte sich auf den East Cemetery von Bournemouth begeben, wo seine Grabstelle leicht zu finden ist: Ein großer steinerner Engel ragt über all die  anderen Gräber hinaus und weist den Weg.

Fern Bank in der St Stephens Road in Bournemouth: Hier starb der Dichter während eines Angriffs der deutschen Luftwaffe im April 1941.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Dichter John Clare (1793-1864), „The Peasant Poet“, und sein Heimatort Helpston (Cambridgeshire)

Das John Clare Cottage am Woodgate in Helpston.
Photo © Paul Bryan (cc-by-sa/2.0)

Die Einwohner des kleinen Ortes Helpston wussten lange Zeit nicht so recht, zu welcher Grafschaft sie nun eigentlich gehörten, mal war es Northamptonshire, dann Huntingdonshire und jetzt ist es (bis auf weiteres) Cambridgeshire. In diesem nördlich von Peterborough gelegenen Dorf mit weniger als 1000 Bewohnern erblickte am 13. Juli 1793 John Clare das Licht der Welt, der später als „The Peasant Poet“ in die englische Literaturgeschichte eingehen sollte.
Er wurde in einem Cottage geboren, das nur ein paar Schritte vom Dorfpub, The Bluebell, entfernt ist und dort arbeitete er als Dreizehnjähriger, wobei eine seiner Aufgaben darin bestand, des Nachts aus dem Nachbardorf Mehl zu holen. Um sich bei seinen einsamen Gängen die Zeit zu vertreiben, verfasste er Gedichte, die er laut vor sich hinsagte. Diese nächtlichen Gänge waren sozusagen die Initialzündung für seine „Karriere“ als Dichter. Im Jahr 1820 erschien seine erste Gedichtsammlung „Poems Descriptive of Rural Life and Scenery„, der mehrere andere folgten wie „The Shepherd’s Calendar with Village Stories and Other Poems„; man sieht an den Titeln, dass John Clare sich am wohlsten auf dem Lande fühlte. Er heiratete, hatte viele Kinder und war hin und her gerissen zwischen seiner Leidenschaft, dem Schreiben von Gedichten, und der Notwendigkeit, für seine immer größer werdende Familie Geld zu verdienen. Er bekam Depressionen, die noch dadurch verstärkt wurden, dass sich seine Bücher nicht mehr so gut verkauften. Nach und nach verfiel John Clare in geistige Umnachtung und verbrachte die letzten 23 Jahre seines Lebens in mehreren Nervenheilanstalten. Am 20. Mai 1864 verstarb er im Alter von 71 Jahren.

Begraben wurde der „Peasant Poet“ in seinem Heimatdorf Helpston, auf dem Kirchhof von St Botolph’s. Man hat ihn hier nie vergessen und so findet an seinem Todestag jedes Jahr die „Cushion Ceremony“ statt, bei der Kinder von der nach ihm benannten John Clare School Blumenkissen um sein Grab dekorieren. Es gibt eine John Clare Society, sogar mit einem Ableger in den USA, was sich der Poet damals sicher nicht hätte träumen lassen. In diesem Jahr findet in Helpston vom 13. bis zum 15. Juli das John Clare Society Festival statt, wobei die St Botoph’s Church, The Bluebell und das John Clare Cottage eine zentrale Rolle spielen. Letzteres wurde 2005 vom John Clare Trust übernommen und es kann besichtigt werden.

Auf dem kleinen Village Green, gegenüber der Kirche, hat man zur Erinnerung ein Denkmal für John Clare errichtet.

Hier ist John Clares Gedicht „Autumn“, gelesen von Richard Burton.

Das Buch zum Artikel:
Jonathan Bate: John Clare – A biography. Picador, London 2003. 648 Seiten. ISBN 978-0374179908.

Das John Clare Memorial auf dem Village Green.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

John Clares Grab auf dem Kirchhof von St Botolph’s.
Author: Magnus Manske.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

St Botolph’s.
Photo © Chris McAuley (cc-by-sa/2.0)

The Bluebell am Woodgate.
Photo © Rodney Burton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. April 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Miss Read, die Meisterin der englischen Dorfgeschichten

Chelsfield (Greater London), einer der Orte, in denen Miss Read lebte und der für Fairacre bzw. Thrush Green Pate stand.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

The Market Square“ und „Battles at Thrush Green“ sind die Titel zweier Bücher, die ich einmal von der englischen Autorin Miss Read gelesen habe, deren eigentlicher Name Dora Jessie Saint  lautet. Das „Read“ in dem Pseudonym hat nichts mit dem Wort „Lesen“ zu tun, es ist nur der Geburtsname ihrer Mutter. Sie wurde 1913 in den südlichen Außenbezirken von London geboren, in South Norwood, um genau zu sein, das heute zum London Borough of Croydon gehört.

Wer es bei seiner Lektüre gern gemütlich hat und englische Dorfgeschichten mag, der ist bei Miss Read genau richtig. Sex, Drugs and Rock ’n‘ Roll wird man darin vergeblich suchen. „Cozy“ trifft am besten auf die Bücher zu, die in den kleinen fiktiven Orten Fairacre und Thrush Green spielen. Miss Read hat als Vorbild dafür die Dörfer genommen, in denen sie selbst einmal gelebt hat wie Chelsfield, jetzt London Borough of Bromley, Woodgreen, Ortsteil von Witney in Oxfordshire, und Chieveley in Berkshire. Spektakuläre Dinge passieren in ihren Büchern nicht; man trifft darin zum Beispiel auf Dolly Clare, eine ehemalige Volksschullehrerin, auf die Klatschbasen Mrs Pringle und Betty Bell, auf den griesgrämigen Friedhofswärter Albert Piggott und seine Frau Nelly und auf die Lovelock-Schwestern Bertha, Ada und Violet. In diesem Mini-Universum geht es u.a. um eine Schuljubiläumsfeier („Village Centenary“ bzw. dt. „Die Hundertjahrfeier„), um kleine Liebeleien („Return to Thrush Green“ bzw. dt. „Harold auf Freiersfüßen„), und die Dorfschule steht immer wieder im Mittelpunkt („Village Affairs“ bzw. dt. „Ein böses Gerücht“).

Miss Reads erster Roman „Village School“ (dt. „Dorfschule“) aus der Fairacre-Serie erschien 1955, ihr letzter „The Year at Thrush Green“ (dt. „Turbulenzen auf dem Lande“) aus der Parallel-Reihe „Thrush Green“ 1995. Ihre Bücher wurden alle ins Deutsche übersetzt und erschienen bei dtv und Piper. Sie sind zwar alle im regulären Buchhandel vergriffen, doch bekommt man sie leicht antiquarisch; in England sind die Bücher natürlich noch lieferbar. Sowohl die englischen als auch die deutschen Ausgaben haben  Umschlagbilder, die der gemütlichen Atmosphäre Rechnung tragen; als Beispiel möchte ich hier „Christmas at Thrush Green“ nennen.

Dora Jessie Saint verbrachte die letzten Jahre ihres Lebens in Great Shefford in der Grafschaft Berkshire, wo sie kurz vor ihrem 99. Lebensjahr am am 7. April 2012 starb. Am 17. Mai des Jahres wurde ihr zu Ehren eine Trauerfeier in der örtlichen Dorfkirche St Mary’s eine Trauerfeier abgehalten. Ein Grab von ihr wird man vergebens suchen, sie wurde eingeäschert und ihre Asche an die Familie übergeben.

Hier wird ein kleiner Ausschnitt aus Miss Reads „Celebrations at Thrush Green“ vorgelesen.

 

St Mary’s in Great Shefford, wo die Trauerfeier für Miss Read stattfand.
Photo © ChurchCrawler (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Penguin Books – Die ersten zehn Titel aus dem Jahr 1935

St David’s Railway Station in Exeter (Devon) – Hier und auf dem Weg nach London hatte Allen Lane die Idee zu den Penguin Books.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Als der Verleger Allen Lane 1934 von einem Besuch bei Agatha Christie in Devon wieder nach London zurückfuhr, suchte er auf dem Bahnhof von Exeter nach Lesestoff für die Zugfahrt, wurde aber nicht fündig. So musste er während der langen Fahrt aus dem Fenster schauen und die Landschaft genießen. Dabei kam ihm die Idee, eine Buchreihe ins Leben zu rufen, die möglichst preiswert herzustellen und auch für Leser mit schmalem Geldbeutel erschwinglich war. Die Idee zu den Penguin Books, wie die Buchreihe heißen sollte, war geboren. Auf dem St David’s Bahnhof von Exeter erinnert eine orangefarbene Plakette an Sir Allen Lane und die Inspiration, die er hier erhielt.

Am 30. Juli 1935 wurden die ersten zehn Titel veröffentlicht und für sechs Pence verkauft. Die Reihe mit dem Pinguin als Logo war nicht vom Start weg ein großer Erfolg, etliche der ersten zehn Titel blieben bei Buchhändlern im Regal liegen, doch nach und nach nahm der Verkauf an Fahrt auf, und die Buchreihe gehört seitdem zu den bekanntesten und erfolgreichsten der Welt.

Werfen wir einmal einen Blick auf die ersten zehn Titel:

Penguin Book Nummer 1:
André Maurois: Arielle
Erstaunlicherweise eröffnete ein französischer Schriftsteller die Buchreihe. André Maurois (1885-1967) beschäftigt sich in seinem Werk mit dem englischen Schriftsteller Percy Bysshe Shelley. Das Buch wurde auch unter dem Titel „Ariel oder das Leben Shelleys“ ins Deutsche übersetzt.

Penguin Book Nummer 2:
Ernest Hemingway: A Farewell to Arms
Der Literaturnobelpreistrager Ernest Hemingway (1899-1961) erzählt in diesem Roman von der Liebe zwischen einem in der italienischen Armee dienenden Amerikaner und einer britischen Krankenschwester während des Ersten Weltkriegs. Auf Deutsch erschien das Buch unter dem Titel „In einem andern Land“.

Penguin Book Nummer 3:
Eric Linklater: Poet’s Pub
Der Schotte Eric Linklater (1899-1974) schrieb zahlreiche Romane, Sachbücher und Biografien. In „Poet’s Pub“ steht ein Gasthaus mit dem Namen „The Pelican“ in Oxford im Mittelpunkt, um den sich humorvolle Geschichten ranken. Das Buch wurde nicht ins Deutsche übersetzt.

Penguin Book Nummer 4:
Susan Ertz: Madame Clare
Die heute weitgehend vergessene Susan Ertz (1887-1985) veröffentlichte zwei Dutzend Romane. „Madame Clare“ war ihr Erstlingswerk, das nicht in deutscher Übersetzung vorliegt.

Penguin Book Nummer 5:
Dorothy L. Sayers: The Unpleasantness of the Bellona Club
Ein Krimi-Klassiker aus dem Jahr 1928 aus der Feder der berühmten Dorothy L. Sayers (1893-1957), der fünfte Band aus der Lord Peter Wimsey-Serie, der auf Deutsch unter dem Titel „Ärger im Bellona Club“ erschien.

Penguin Book Nummer 6:
Agatha Christie: The Mysterious Affair at Styles
Der erste Roman der Queen of Crime Agatha Christie (1890-1976), den man auf Deutsch als „Das fehlende Glied in der Kette“ lesen kann.

Penguin Book Nummer 6A:
Agatha Christie: The Murder on the Links
Agatha Christie kam gleich im Doppelpack heraus. „Mord auf dem Golfplatz“, so der deutsche Titel, ist ihr dritter Kriminalroman.

Penguin Book Nummer 7:
Beverley Nichols: Twenty-Five
Die Autobiografie des Schriftstellers Beverley Nichols (1898-1983), der vor allem durch seine Gartenbücher in Erinnerung geblieben ist. Viele seiner Werke wurden übersetzt, seine Autobiografie jedoch nicht.

Penguin Book Nummer 8:
E.H. Young: William
Emily Hilda Young (1880-1949) dürfte auch kaum noch jemand kennen. Sie schrieb ein Dutzend Romane. „William“ erschien bereits 1925 und wurde 1947 unter dem gleichen Titel ins Deutsche übersetzt.

Penguin Book Nummer 9:
Mary Webb: Gone to Earth
Auch Mary Webb (1881-1927) dürfte heute nur noch wenigen bekannt sein. Ihr Roman „Gone to Earth“ war 1917 erschienen, wurde 1950 verfilmt und unter dem Titel „Heim zur Erde“ ins Deutsche übersetzt.

Penguin Book Nummer 10:
Compton Mackenzie: Carnival
Compton Mackenzie (1883-1972)  kennt man in Deutschland vor allem durch seinen heiteren Roman „Das Whiskyschiff“. „Carnival“ wurde nicht übersetzt.

Siehe zum Thema auch meinen anderen Blogartikel über Penguin Books.

Published in: on 2. Februar 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Der Dichter Philip Larkin und die Kröten von Hull (East Riding of Yorkshire)

Philip Larkins Statue auf dem Bahnhof von Hull.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

In meinem gestrigen Blogeintrag schrieb ich über Tom Chesshyres Buch „To Hull and Back“, in dem der Autor Städte besucht, die gegen ihren schlechten Ruf ankämpfen. Auch Hull, kurz für Kingston upon Hull, im Nordosten des Landes hat damit ein Problem. Die Stadt tut aber im kulturellen Bereich so einiges, um sich von diesem Ruf zu befreien.

Philip Arthur Larkin ist zum Beispiel eine Person, die sich um Hull verdient gemacht hat und der man in der Stadt auch in unterschiedlicher Weise huldigt. Larkin (1922-1985) war Schriftsteller, Dichter und Bibliothekar in der Bibliothek der Universität von Hull. Auf dem Bahnhofsgelände von Hull hat man eine Statue von ihm errichtet, es gibt einen Larkin Trail, auf dem man sich auf die Spuren des Dichters machen kann und es existiert die 1995 gegründete Philip Larkin Society, die sich die Aufgabe gestellt hat: „To promote awareness of the life and work of Philip Larkin (1922-1985) and his literary contemporaries“.

Unter dem Titel Larkin 25 wurde im Jahr 2010, also 25 Jahre nach dem Tod des Schriftstellers, ein Kunstfestival in Hull ins Leben gerufen, bei dem u.a. oben erwähnte Statue enthüllt wurde. Im Mittelpunkt dieses Festivals standen vierzig bunt angemalte Kröten aus Fiberglas, die im ganzen Stadtgebiet verteilt waren. Der Hintergrund: Larkin hatte einmal zwei Gedichte über Kröten geschrieben: „Toads“ und „Toads Revisited„.

Die witzigen Kröten, die mich an die bunten Bären erinnern, die in Berlin aufgestellt worden sind, heißen zum Beispiel „Tigger the Toad„(eine Kreuzung von Tiger und Kröte), „Global Pop Toad„, an der Universität von Hull platziert, „Kiss Me Quick Toad“ (mit Lippenstiftabdrücken verziert) und „Fish and Chips Toad„, auf deren Körper man im Bild alle Zutaten finden kann, die für dieses britische Nationalgericht verwendet werden.
Die Fiberglaskröten entwickelten eine derartige Popularität, dass Menschenmengen nach Hull strömten, um sich die possierlichen Tiere anzusehen (und dabei auch noch zur Freude der Einzelhändler in der Stadt  £500 000 ausgaben). Leider gab es auch in Hull Vandalen, die einige der Kröten beschädigten und eine sogar stahlen, die „Magenta Toad“.

Nach Ende des Festivals Larkin 25 wurden die meisten Kröten versteigert und der Erlös von insgesamt £60,000 für wohltätige Zwecke verwendet. Die restlichen Skulpturen blieben der Stadt erhalten. Fünf Jahre später tauchten einige der Originalkröten noch einmal für wenige Tage im Stadtbild von Hull auf, während der Veranstaltung „Toads Revisited„, die zu Ehren von Larkins 93. Geburtstag im August 2015 abgehalten wurde.

Wer sich für Philip Larkin und für die Kröten von Hull interessiert, der wird diesen Film sehr informativ finden.

Tigger thr Toad.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Global Pop Toad.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Kiis Me Quick Toad.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Fish and Chips Toad.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Dezember 2017 at 02:00  Comments (1)  
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The Gentle Author – Ein Londoner Blogger, der sich speziell mit dem East End beschäftigt

Brick Lane in Spitalfields, eine Straße. über die Monica Ali einen Roman geschrieben hat.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Heute möchte ich einen Londoner Blogger vorstellen, der, genau wie ich, jeden Tag einen Blogpost verfasst. Allerdings hat er sich auf eine ganz bestimmte Region spezialisiert, auf das Londoner East End. Er selbst nennt sich The Gentle Author (GA) und sein Blog Spitalfields Life. Spitalfields ist Teil des Londoner Stadtbezirks Tower Hamlets, den manche vielleicht  mit den Jack the Ripper-Morden verbinden; alle fünf Opfer lebten in diesem Teil Londons, zwei wurden in Spitalfields ermordet.

The Gentle Author begann seinen Blog am 26. August 2009 und in seinen ersten Beiträgen beschäftigte er sich beispielsweise mehrfach mit dem Columbia Road Market, mit der Queen of Spitalfields, Sandra Esqulant, mit Graffiti in der Sclater Street und mit Straßenpfosten in Spitalfields. Mittlerweile hat The Gentle Author schon mehrere Tausend Blogposts verfasst, und er hat sich ein hohes Ziel gesteckt: Er möchte mindestens 10 000 Artikel in seinem Blog schreiben, was etwa 27 Jahre und vier Monate dauern würde. Das Ziel wäre damit im Jahre 2037 erreicht, also in „nur“ 20 Jahren.

Der schreibfreudige GA hat auch schon mehrere Bücher veröffentlicht, die sich alle mit London bzw. dem East End befassen wie „Spitalfields Life: In the midst of life I woke to find myself  living in an old house beside Brick Lane in the East of London“ (Saltyard Books 2013), „The Gentle Author’s London Album“ (Spitalfields Life 2013) und, gerade im Oktober erschienen,  „East End Vernacular: Artists who painted London’s East End streets in the 20th century“ (Spitalfields Life 2017).

Ich wünsche meinem Bloggerkollegen Durchhaltevermögen und vor allem auch viel Spaß mit seinen Recherchen!

Christ Church in Spitalfields.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Oktober 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Schriftsteller Arthur Machen und Old Amersham (Buckinghamshire)

Die High Street von Old Amersham mit dem Crown Hotel.
Eigenes Foto.

Ich besaß früher einmal fast alle Bände der Reihe „Die Bibliothek des Hauses Usher“ des Insel-Verlages, auf grünem Papier gedruckt und von Kalju Kirde herausgegeben, den ich noch persönlich kennenlernen konnte. In der 26bändigen Reihe erschienen Werke der unheimlichen Literatur wie von Howard Phillips Lovecraft (über den ich meine Examensarbeit geschrieben habe), Algernon Blackwood und Clark Ashton Smith. Ein Band der Reihe hieß „Die leuchtende Pyramide und andere Geschichten des Schreckens“ und enthielt Erzählungen des 1863 in Wales geborenen Schriftstellers Arthur Machen. Mit ihm kreuzten sich meine Wege vor einigen Tagen als ich in Old Amersham in Buckinghamshire weilte.

Arthur Machen lebte die meiste Zeit seines Lebens in London, wo er als Journalist arbeitete. In den 1920er Jahren erlebten seine Werke einen Boom in den USA, der wieder nach Großbritannien überschwappte. Doch da der Autor die Rechte an seinen Werken schon lange verkauft hatte, profitierte er nicht besonders von der erhöhten Nachfrage nach seine Büchern. Ab 1925 war es dann mit den Erfolgsjahren vorbei, und Machen zog 1929 mit seiner Frau nach Old Amersham, wo sie sich in der High Street Nummer 48 in einem Haus namens Lynwood niederließen. Dieses Haus, dessen Name noch heute über der Eingangstür steht, ist nur wenige Schritte von meinem Hotel The Kings Arms entfernt und liegt auf der selben Straßenseite. Im Crown Hotel (über das ich demnächst noch berichten werde), das wenige Meter vom Kings Arms auch an der High Street zu finden ist, soll Machen regelmäßig „Hof gehalten haben“. Besucht wurde er in seinem Haus u.a. von dem Komponisten John Ireland und von Sir John Betjeman.

Der Schriftsteller starb im Alter von 84 Jahren am 15. Dezember 1947 im St. Joseph’s Nursing Home (das nicht mehr existiert) im nahegelegenen Beaconsfield und wurde auf dem Kirchhof von St Mary’s in Old Amersham beerdigt. Seinen verwitterten Grabstein findet man auf dem Teil des Friedhofs, der hinter der Kirche jenseits des River Misbourne an einem grasbewachsenen Hang liegt (dort, wo auch Ruth Ellis beigesetzt ist, die letzte Frau, die in Großbritannien hingerichtet wurde).

Hier ist ein Interview mit Arthur Machen aus dem Jahr 1937 zu hören.

Der Friedhof von St Mary’s in Old Amersham jenseits des River Misbourne.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

St Mary’s in Old Amersham.
Eigenes Foto.

Published in: on 21. Oktober 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Berkhamsted in Hertfordshire und der Romanautor Graham Greene

Berkhamsted High Street.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

Kürzlich war ich wieder einmal in Berkhamsted, einem recht lebhaften Städtchen in Hertfordshire, gleich hinter der „Grenze“ zu Buckinghamshire. Auf der High Street, die sich quer durch den Ort zieht, herrschte starker Verkehr mit den üblichen Parkplatzproblemen.

Berkhamsted berühmtester Sohn war Graham Greene (1904-1991). Er gehört zu den großen britischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts, dessen Werke auch in Deutschland bekannt waren bzw. sind. Zu seinen größten Erfolgen zählen die Romane „The Third Man“ (dt. „Der dritte Mann“), „Brighton Rock“ (dt. „Am Abgrund des Lebens“) oder „The Human Factor“ (dt. „Der menschliche Faktor“). Viele seiner Romane wurden auch verfilmt, zuletzt „Brighton Rock„.

Geboren wurde Graham Greene am 2. Oktober 1904 in Berkhamsted im Westen der Grafschaft Hertfordshire, wo sein Vater Schulleiter war und wo Graham auch zur Schule ging. Einer seiner Vorfahren, Benjamin Greene, gründete übrigens die Greene King Brewery, die noch heute in Bury St Edmunds (Suffolk) Bier braut.

Die Stadt Berkhamsted hält die Erinnerung an Graham Greene auch heute noch wach, indem hier jährlich das Graham Greene International Festival veranstaltet wird. Organisiert wird das Festival, das gerade erst vom 21. bis zum 24. September stattfand, vom Graham Greene Birthplace Trust, der sich die Aufgabe gestellt hat, das Studium der Werke Greenes zu fördern. Gesponsert wurde das Festival natürlich von der…. Greene King Brauerei.

Das Programm des diesjährigen Festivals war vollgepackt mit Workshops, Vorträgen (z.B. „Guy Burgess, Soviet Spy, and Graham Greene“ oder “ ‘Vivat Bristowa‘: Graham Greene, Berkhamsted and the unfinished novel“) und Filmvorführungen. Das Festival endete wie immer mit einem Farewell Lunch am Sonntagmittag.
Wer sich für den Romanautor interessiert, für den gibt es einen Spaziergang durch den Ort auf seinen Spuren. Hier kann man den Graham Greene Trail herunterladen.

Berkhamsted ist übrigens auch der Geburtsort von Sarah Brightman, die hier am 14. August 1960 zur Welt kam und die u.a. durch das Duett mit Andrea Boccelli  „Time to Say Goodbye“ in der ganzen Welt berühmt wurde.

Hier ist eine Film über Berkhamsted zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Scott Hastie: Berkhamsted – An Illustrated Guide. Alpine Press 1999. 176 Seiten. ISBN 978-0952863113.

Graham Greenes Geburtshaus in Berkhamsted mit blauer Plakette.
Author: Wikidwitch.
This file is made available under the Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication.

 

In dieser Kapelle wurde Graham Greene 1904 getauft.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Die Jerome K. Jerome Society – Sie kümmert sich um das Andenken eines großartigen Schriftstellers

Jeromes Grabstein, und der seiner Frau, auf dem Friedhof von St Mary the Virgin in Ewelme (Oxfordshire).
Eigenes Foto.

In meinem Blog kommt der englische Schriftsteller Jerome K. Jerome (1859 – 1927) immer mal wieder vor. Vor einigen Jahren besuchte ich sein Grab in Ewelme (Oxfordshire) auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin.

Nicht zuletzt auf Grund seines Klassikers „Three Men in a Boat“ (dt. „Drei Mann in einem Boot“) ist Jerome auch heute noch weit über die Grenzen seines Heimatlands bekannt. Um sein Andenken kümmert sich seit 1984 liebevoll die Jerome K. Jerome Society, die mittlerweile über Mitglieder in der ganzen Welt verfügt. Die Ziele der Gesellschaft in ihren eigenen Worten:

„To provide opportunities for interested people to meet, correspond and share their enjoyment of his works, to promote lectures and exhibitions and to encourage research into Jerome’s life and writings“.

Belsize House, Walsall (West Midlands) ist das Geburtshaus Jeromes und hier wurde 1984 ein kleines Museum eingerichtet. Um die Finanzierung des Museums zu gewährleisten, wurde die Gesellschaft gegründet, die heute aber weit mehr auf die Beine stellt. U.a. gibt sie das Magazin“ Idle Thoughts“ heraus und hat die erste vollständige Bibliografie über Jerome und seine Werke zusammengestellt.

Die Lieblingsbeschäftigung der Jerome-Anhänger ist aber, wie das auch auf der Homepage  mitgeteilt wird, eine Fahrt auf der Themse, gekleidet in gestreiften Blazern und Strohhut, mit einigen Flaschen Champagner an Bord (und gegebenenfalls auch mit einem Hund) in memoriam an George, Harris, Jerome und Hund Montmorency.

Die Mitgliedschaft in der Jerome K. Jerome Society kostet lediglich bescheidene 12 Pfund.

Hier ist ein Mini-Filmclip, auf dem Jerome zu sehen ist, und hier der komplette Film „Three Men in a Boat“ aus dem Jahr 1956.

Jerome K. Jerome Society
The Laurels
1 Knight’s Hill
Aldridge
Walsall

Das Buch zum Artikel:
Jerome K. Jerome: The Other Jerome K Jerome. Nonsuch Publishing 2008. 160 Seiten. ISBN 978-1845886356.

Jeromes Geburtshaus in Walsall (West Midlands).
Photo © Derek Bennett (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Warum das Kinderkrankenhaus in der Londoner Great Ormond Street noch heute von Peter Pan profitiert

Peter Pan und Tinkerbell am Haupteingang des Great Ormond Street Hospitals in London.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Die Figur des Peter Pan, der 1902 das Licht der Welt erblickte, der Junge der niemals erwachsen wird und im Nimmerland wohnt, gehört zu den bekanntesten der internationalen Kinderliteratur. James Matthew Barrie (1860-1937) hat sich Peter Pan ausgedacht, und wir treffen das Kind nicht nur in Büchern an, sondern auch in einem guten Dutzend Filmen und in mehreren Musicals. 1978 veröffentlichte Kate Bush einen Song mit dem Titel „In Search of Peter Pan„. Die Schweizer Sängerin sang 1982 das Lied „Peter Pan“ und viele weitere Musiker verwendeten Motive aus Barries Kinderbüchern.

Da fielen natürlich eine ganze Menge Lizenzgebühren an, und da James Matthew Barrie ein großes Herz für Kinder hatte, überlegte er sich, was er mit dem Geld Gutes tun konnte. Da er und seine Frau kinderlos waren, vermachte er 1929 sämtliche Rechte an „Peter Pan“ an das Londoner Kinderkrankenhaus Great Ormond Street Hospital (GOSH) im Stadtteil Bloomsbury und das auch über seinen Tod hinaus. Fünfzig Jahre nach dem Tod des Schriftsteller, 1987, verlängerte die Regierung das Recht, Lizenzgebühren verlangen zu können. Barrie machte dem Krankenhaus damals die Auflage, die Höhe der eingenommenen Gebühren niemals zu veröffentlichen, woran man sich dort auch hielt.

Zur Erinnerung an den großzügigen Schriftsteller wurde eine Statue des kleinen Jungen am Haupteingang des Krankenhauses aufgestellt, die der Londoner Bildhauer Diarmud Byron O’Connor schuf. Fünf Jahre später ergänzte O’Connor seine Skulptur durch eine weitere Figur aus den Peter Pan-Büchern, die Fee Tinkerbell, die sich hier mit Peter um einen Fingerhut streitet. Ganze 18cm ist Tinkerbell groß.

Das Great Ormond Street Hospital verfügt auch über eine Sammlung von Peter Pan-Buchausgaben aus aller Welt, die allerdings nicht öffentlich zugänglich ist.

Nicht nur James Matthew Barrie, sondern auch andere Künstler setzten sich für das Kinderkrankenhaus ein, so taten sich 1987 viele Sänger (u.a. Boy George, Hazel O’Connor, Grace Kennedy) zusammen und nahmen die Single „The Wishing Well“ auf, deren Erlös dem GOSH zugute kam. Die Teilnehmer am Finale der Castingshow „The X Factor“ nahmen 2009 den Michael Jackson-Song „You Are Not Alone“ auf und von jeder verkauften Single ging £1 an das Krankenhaus in der Great Ormond Street.

Siehe auch meinen Blogeintrag über die Peter Pan-Statue in den Kensington Gardens.

Das Krankenhaus in Bloomsbury.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

„Bleeding London“ – Ein Buch und eine Bildersammlung

Etwa 58 000 Straßen soll es in London geben…
Photo © Richard Cooke (cc-by-sa/2.0)

Es hätte nicht viel gefehlt und der englische Schriftsteller Geoff Nicholson (geboren 1953) hätte 1997 für seinen Roman „Bleeding London“ den begehrten Whitbread Prize erhalten. Er stand schon auf der Shortlist, dann entschied sich die Jury aber doch für Jim Craces „Quarantine“. In Nicholsons Roman steht ein Mann namens Stuart London im Mittelpunkt, dessen Obsession es ist, jede Londoner Straße einmal besucht zu haben. Das ruft Erinnerungen wach an Phyllis Pearsall, die das gleiche getan haben soll, um ihren Straßenatlas „London A-Z“ zu erstellen. Ich berichtete in meinem Blog über sie. Nicholsons Roman ist 1999 auf Deutsch unter dem Titel „London, London“ im Haffmans Verlag erschienen.

Vor einigen Jahren wurde ein Projekt ins Leben gerufen, das den Romantitel „Bleeding London“ im Namen führt und das mit Unterstützung von Geoff Nicholson entstand. Del Barrett von der Royal Photographic Society hatte die Idee, ein Archiv aufzubauen, in dem von jeder Londoner Straße ein Foto enthalten sein soll. Jeder ist dazu aufgerufen, an dem Projekt teilzunehmen und man braucht schon eine Menge Mitwirkende, um alle rund 58 000 Straßen der Hauptstadt im Bild festzuhalten. 600 Profi- und Hobbyfotografen haben bisher ihre Fotos an das „Bleeding London“-Projekt geschickt. Um einen Vorgeschmack von dieser riesigen Bildersammlung zu bekommen, wurden schon einmal vom 8. Juli bis zum 4. September 2015 1200 Exponate in der City Hall ausgestellt.

Mehr als 58 000 Fotos sind schon in der Datenbank enthalten, die ständig anwächst und die auch einmal online abrufbar sein wird. Hier ist ein Film über den Start des Projekts mit einer witzigen Rede von Geoff Nicholson.

…und hier sind sie alle verzeichnet.
Foto meines Exemplares.

 

Peter Walker alias Nicholas Rhea (1936-2017) – Der Autor der „Constable“-Bücher ist gestorben

Hier wurde Peter Walker 1936 geboren.
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Am 21. April in diesem Jahr starb Peter Walker in Ampleforth in North Yorkshire, dem Ort, in dem er den größten Teil seines Lebens zugebracht hat. Ihn kennt man vor allem als Autor der „Constable„-Romane (sie wurden leider nicht ins Deutsche übersetzt), die er unter dem Pseudonym Nicholas Rhea schrieb. Mehr als 130 Bücher verfasste der Mann aus Yorkshire im Laufe seines Lebens, viele mit Bezug zu der Grafschaft im Norden Englands.

Geboren wurde Peter Walker 1936 in Glaisdale, einem Dorf im North York Moors National Park, 13 Kilometer westlich von Whitby entfernt, da, wo er auch zur Schule ging. Schon früh beschloss er Polizist zu werden und seine erste Runden als Bobby drehte er ebenfalls in der Hafenstadt Whitby. Weitere Einsatzorte waren Northallerton und Oswaldkirk in North Yorkshire. 1968 wurde er zum Sergeant und 1976 zum Inspector befördert. Nach 30 Jahren Polizeiarbeit schied er 1982 aus dem Dienst aus, um sich ganz dem Schreiben zu widmen, einer Liebe, die er schon als junger Mann entdeckt hatte.

Seine jahrelangen Erfahrungen als Dorfpolizist fanden ihren Niederschlag in den Romanen um Constable Nick Rhea. „Constable on the Hill“ erschien 1979 und da lernen wir den jungen Mann kennen, der seinen Einsatzort in dem fiktiven Dorf Aidensfield hat. 32 Jahre später geht er in dem Band „Constable over the Hill“ in Pension. Wer die Moore Yorkshires liebt, wird auch diese Bücher lieben, die sehr viel Lokalkolorit beinhalten. Adäquat verfilmt wurden sie durch die äußerst populäre Fernsehserie namens „Heartbeat„, die der Sender ITV von 1992 bis 2010 ausstrahlte, 372 Episoden in 18 Staffeln. Ich besitze noch die ersten Folgen auf Video, als PC Nick Rowan (gespielt von Nick Berry) mit seiner Frau Kate (gespielt von Niamh Cusack) nach Yorkshire zieht und sie sich beide erst einmal an das fremde Umfeld und die anders tickenden Menschen gewöhnen müssen. Die Titelmelodie wurde von Nick Berry selbst gesungen (hier zu hören). Gedreht wurde die Serie vor Ort in North Yorkshire, vor allem in Goathland und Umgebung. Hier ist die erste Folge der ersten Staffel zu sehen.
Merkwürdigerweise hat sich kein deutscher Fernsehsender für die Serie interessiert, die man am ehesten mit „All Creatures Great and Small“ (dt. „Der Doktor und das liebe Vieh“) vergleichen kann, der Tierarztserie nach den Romanen von James Herriott, die auch in North Yorkshire spielt und die in Deutschland sehr beliebt war.

Peter Walker benutzte noch andere Pseudonyme, unter denen er Krimis schrieb wie Christopher Coram, Tom Ferris und Andrew Arncliffe. Hier ist eine Liste sämtlicher Bücher.

Wie ich bereits oben erwähnte, wohnte Peter Walker mit seiner Familie lange Zeit in Ampleforth am Südrand des North York Moors National Parks, auf halbem Weg zwischen Coxwold und Oswaldkirk. Am 28. April fand die Trauerfeier im Ort in der Kirche Our Lady and St Benedict’s statt. Seine Tochter Tricia Walker hielt eine Rede auf ihren Vater und erwähnte darin, dass er ein Yorkshireman aus Schrot und Korn war und seine Heimat über alles liebte.
Tricia Walker ist auch Schriftstellerin und wurde durch ihren ersten Roman „Benedict’s Brother“ (2007) bekannt, der im nächsten Jahr verfilmt werden soll.

Dreharbeiten zu „Heartbeat“ in Goathland (North Yorkshire).
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Our Lady and St Benedict’s in Ampleforth.
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Eine Auswahl meiner Peter Walker-Bücher und meine Videokassette der ersten „Heartbeat“-Staffel.

Published in: on 14. Mai 2017 at 02:00  Comments (2)  
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