Barrington Court in Somerset – Eines der ältesten Besitztümer des National Trusts

Man liest hin und wieder, dass Barrington Court das erste Haus war, das der National Trust (NT) nach seiner Gründung im Jahr 1895 erworben hatte, was aber nicht stimmt, denn das trifft auf das Alfriston Clergy House in East Sussex zu (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Barrington Court ist ein stattliches Manor House im Dorf Barrington, nordöstlich von Ilminster in der Grafschaft Somerset. Es ist, wie viele andere Häuser aus der elisabethanischen Zeit auch in E-Form gebaut (E wie Elizabeth). Als der NT das Haus 1907 übernahm, musste er sehr viel Geld in die Reparaturen und in die Instandhaltung investieren, mehr als man ursprünglich gedacht hatte. Damals verfügte der Trust noch nicht über so viel Geld wie heute (zur Zeit zählt er 5,6 Millionen Mitglieder weltweit, die Jahresgebühr beträgt £72 für Erwachsene).

Den Garten von Barrington Court hat übrigens die legendäre Landschaftsgestalterin Gertrud Jekyll (nicht verwandt oder verschwägert mit Mr Jekyll und Mr Hyde) kreiert, da konnte man sicher sein, dass da etwas Gutes entstehen würde. Wie es bei vielen anderen Manor Houses auch der Fall war, ging das Anwesen im Lauf der Jahrhunderte durch viele Hände, unter anderem auch durch die von Abram Arthur Lyle vom Zuckerimperium Tate & Lyle, der Barrington Court in den 1920er Jahren vom NT pachtete.

Im Augenblick ist während der Coronakrise das Haus nicht zugänglich, die Gärten aber sind geöffnet, wobei man vorab buchen sollte, da der Zugang begrenzt ist.

Barrington Court war einer vielen Drehorte der TV-Serie „Wolf Hall“ (dt. „Wölfe“ bei ARTE) und stellte York Place dar.

Hier ist ein Besuch in Barrington Court im Film zu sehen.

Barrington Court
Barrington
Ilminster TA19 0NQ

Published in: on 26. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Das Chateau Impney in Worcestershire – Ein Hotel, das dem Coronavirus zum Opfer gefallen ist

Ich las es mit großem Bedauern, dass das Coronavirus einem wunderschönen Hotel, dem Chateau Impney in Worcestershire, den Garaus gemacht hat. Am 16. März verkündete das Management das Ende des Hotels.

Erst einmal zur Orientierung: Das Chateau Impney liegt an der A38, rund einen Kilometer von der Autobahn M5 entfernt, am Rand der Stadt Droitwich. Es wurde im Stil eines französischen Schlosses erbaut und könnte genau so gut irgendwo an der Loire stehen. Der Industrielle John Corbett ließ es zwischen 1873 bis 1875 erbauen; genug Geld hatte der „Salt King“ durch den Salzabbau in der Region Droitwich verdient. Corbett investierte £247,000 in das Schlösschen und schenkte es seiner Frau Hannah Eliza O’Meara, die er in Paris kennengelernt hatte und die nur widerstrebend von der französischen Metropole in die englische Provinz gezogen war. Um ihr ein wenig französisches Flair in Worcestershire zu vermitteln, beauftragte er den Pariser Architekten Auguste Tronquois mit dem Entwurf des Schlosses, dessen Bau von dem englischen Architekten Richard Phené Spiers beaufsichtigt wurde.

Doch so richtig wohl fühlte sich John Corbetts Ehefrau auch im Chateau Impney nicht, und so zog sie in eines der anderen Anwesen ihres Mannes. Nachdem John Corbett 1901 gestorben war, ging das Schloss durch viele Hände bis es 1925 als Impney Manor Hotel eröffnet wurde. In den Kriegswirren des Zweiten Weltkriegs litt das Chateau sehr, als es vom War Office requiriert worden war, und der neue Besitzer, Ralph Edwards, musste sehr viel Geld in die Hand nehmen, um das Haus wiederherzustellen und erneut als Hotel zu eröffnen. Nachdem Edwards das Haus in den 1960er Jahren verkauft hatte, wechselten die Besitzer wieder mehrere Male, aber es blieb als Hotel erhalten. Jetzt ist es leider geschlossen worden und die Zukunft des Chateaus ist ungewiss. Ich hoffe nur, dass es nicht in die Hände eines russischen Oligarchen, eines Scheichs oder eines superreichen Chinesen fällt, sondern eines Tages erneut als Hotel seine Tore für jedermann öffnet.

Der Schriftsteller Pelham Grenville Wodehouse (1881-1975) war häufig hier zu Gast, und das Chateau diente als Vorbild für Sir Buckstone Abbotts Walsingford Hall in dem Roman „Summer Moonshine“ (1938), das Wodehouse so beschreibt: „a vast edifice constructed of glazed red brick, in some respects resembling a French chateau“.

Viele Jahre war das Hotel der Austragungsort des Chateau Impney Hill Climb, einer Autosportveranstaltung, die 2019 zum letzten Mal stattfand. Hier sind einige Bilder davon.

Mein Buchtipp – Tony Cherry and Meg Wise: Thornbury Castle Revisited

Foto meines Exemplares.

Wenn mich jemand fragt, ob ich in England einen Lieblingsplatz habe, dann muss ich nicht lange überlegen: Mein absoluter Favorit ist das Thornbury Castle in South Gloucestershire, nördlich von Bristol. Ich habe mehrere Male in meinem Blog über meine neun Besuche in diesem wunderschönen Castle Hotel geschrieben, das für mich eine außergewöhnliche Atmosphäre hat und die ich am liebsten im Winter genieße. Diesen kurzen Film habe ich vor einigen Jahren im Tudor Garten zwischen dem Hotel und der Kirche St Mary’s mit meinem Handy gemacht, und vielleicht gibt der ein wenig von dieser speziellen Atmosphäre wieder (obwohl er zugegebenermaßen nicht oscarwürdig ist!).

Tony Cherry und Meg Wise vom Thornbury & District Museum haben 2019 ein Buch veröffentlicht, in dem sie sich mit der Geschichte des Thornbury Castles beschäftigen, das Anfang des 16. Jahrhunderts von Edward Stafford, dem dritten Duke of Buckingham, erbaut wurde. Nach dessen Hinrichtung gelangte die Burg in die Hände Heinrichs VIII., der aber hier nur einmal für wenige Tage zusammen mit Anne Boleyn weilte. Ich will hier nicht näher auf die einzelnen Stationen in der Geschichte der Burg eingehen, aber noch einiges über die letzten fünfzig Jahre berichten.

1966 kaufte Kenneth Bell Thornbury Castle und richtete darin ein Restaurant ein, das sich zu den besten Großbritanniens entwickeln sollte. 1972 legte er wieder einen Weingarten an, der noch heute existiert und dessen Erträge auf Flaschen aufgezogen werden. Man kann den Wein im Restaurant des Hotels zum Essen bestellen (ich habe ihn einmal probiert). Nach Kenneth Bell, der bereits einige Räume der Burg in Hotelzimmer umgewandelt hatte, war ab 1986 Maurice Taylor, der Baron of Porthlethen, der neue Besitzer, der Thornbury Castle jetzt zu einem  richtigen Hotel machte. 1999 benannte das renommierte Condé Nast Traveller Magazin Thornbury Castle zum zweitbesten Hotel der Welt (die Nummer 1 war das Windsor Court Hotel in New Orleans). Bei meinen ersten Aufenthalten hier habe ich den Baron noch kennengelernt, der 2017 starb und dessen Asche in dem kleinen Castle Cemetery beigesetzt ist.

Als Maurice Taylor sein Hotel im Jahr 2000 verkaufte, ging es in den Besitz der Von Essen Hotelgruppe über, die 2011 Konkurs anmeldete (ich war wenige Tage nach dem 11. September 2001 zu Gast, als sämtliche Buchungen aus den USA storniert worden waren, und meine Frau und ich fast die einzigen Hotelgäste waren, ein ganz besonderes Erlebnis, die Burg beinahe für sich ganz allein zu haben!). Die Zukunft der Burg war damals im Jahr 2011 ungewiss, bis eine andere Hotelgruppe, Luxury Family Hotels, Thornbury Castle übernahm.

Bei meinem letzten Besuch im Oktober 2019 sagte mir der General Manager, dass das Haus jetzt einer arabischen Investmentgruppe gehört, die es komplett umgestalten will. Zur Zeit ist das Hotel geschlossen, einmal wegen der Corona-Krise und einmal wegen der noch laufenden Bauarbeiten. Ich hoffe nur, dass Thornbury Castle, das mir so ans Herz gewachsen ist, behutsam umgebaut wird und dass ich es, wenn es wiedereröffnet wird, noch wiedererkennen werde!!

Ich habe Tony Cherrys und Meg Wises Buch mit großem Genuss gelesen und bin dadurch dem Castle noch ein Stück nähergerückt. Meg Wise habe ich im Museum von Thornbury persönlich kennen gelernt.

Tony Cherry and Meg Wise: Thornbury Castle Revisited. Redcliffe Press 2019. 138 Seiten. 

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Die Lounge, mein Lieblingsplatz im Hotel.
Eigenes Foto.

 

Das Saltwood Castle in Saltwood bei Hythe in Kent

Wenn Mauern reden könnten…dann hätten die Mauern des Saltwood Castles so einiges zu erzählen. Die alte Burg liegt in Kent und zwar in Saltwood, einem Dorf, das so gut wie nahtlos in die Stadt Hythe an der Südküste übergeht. Die Ursprünge der Burg reichen bis in das 11. Jahrhundert zurück, aber ich möchte nur auf einige Details in der Geschichte eingehen.

Im Jahr 1170 sollen sich hier die vier Ritter getroffen haben, die am Mord des Erzbischofs von Canterbury, Thomas Beckett (1118-1170), beteiligt waren: Reginald Fitzurse, Hugh de Morville, William de Tracy und Richard Brito. Vom Saltwood Castle machten sich die vier Ritter auf den Weg nach Canterbury, wo sie am 29. Dezember 1170 in die Kathedrale eindrangen und Thomas Beckett erschlugen. Etwas über zwei Jahre später wurde der Geistliche heilig gesprochen. Noch heute pilgern viele Menschen in die Kathedrale, um sich den Stein anzusehen, der den Schauplatz des Mordes markiert.

Saltwood Castle war damals im Besitz der Kirche, ging unter Heinrich VIII. in das Eigentum der Krone über und im 19. Jahrhundert war die Burg wieder Residenz für den Erzbischof von Canterbury.

Im Zweiten Weltkrieg ereignete sich etwas Seltsames in Hythe, das heißt, eigentlich ereignete sich gar nichts, denn die deutschen Bomber ließen die kleine Stadt links liegen. Keine Bombe fiel auf den Ort…weil Hermann Göring das so angeordnet hatte. Der Hintergrund: Der Reichsmarschall plante, nach einer erfolgreichen Invasion, sich in Saltwood Castle niederzulassen. Er soll früher einmal einige Wochen in Hythe zugebracht und sich in die Burg verliebt haben. Glück für die Bewohner von Hythe, dass sie nicht bombardiert wurden und glücklicherweise kam es nie zu einer Invasion, so dass Saltwood Castle niemals einen deutschen Burgherrn bekam.

1955 kaufte der Kunsthistoriker und Kunstsammler Kenneth Clark (1903-1983) die Burg, die nach seinem Tod in den Besitz seines Sohnes Alan Clark (1928-1999) überging, der auch auf der Burg starb. Alan Clark hatte unter der Regierung Margaret Thatcher mehrere Ministerämter inne und war Parlamentsmitglied erst für Plymouth Sutton in Devon und später für Kensington and Chelsea. Bekannt als Buchautor wurde Alan Clark vor allem durch seine dreibändigen Tagebuchaufzeichnungen „Diaries“. Er war eine umstrittene Persönlichkeit, machte keinen Hehl aus seinen außerehelichen Eskapaden und war in der Wortwahl anderen Politikern gegenüber nicht zimperlich. Er liebte seine Hunde, einen nannte er Eva Braun, nach Hitlers Geliebten. Sein Grab ist auf dem Gelände des Saltwood Castles zu finden.

Die Burg ist nach wie vor in Privatbesitz. Jane Clark, die Witwe Alan Clarks, ist die Hausherrin. Zweimal im Jahr öffnet sie die Burggärten für die Öffentlichkeit.

Die königliche Eiche auf dem Gelände des Boscobel House in Staffordshire, die König Charles II. einmal als Zuflucht diente

The Royal Oak in Boscobel, entstanden aus einem Samenkorn der echten Eiche.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Es gibt in England sehr viele Pubs, die den Namen Royal Oak führen. Das geht auf die Flucht Charles II. im Jahre 1651 zurück, nachdem er die Schlacht von Worcester am 3. September verloren hatte. Im Laufe dieser Flucht kam er nach Boscobel House im Grenzbereich von Shropshire und Staffordshire, wo ihm geholfen wurde. Als die feindlichen Truppen auf der Suche nach dem König nach Boscobel kamen, versteckte der sich zusammen mit William Carless, einem der letzten überlebenden Royalisten der Schlacht von Worcester, einen Tag lang auf einer großen Eiche des Anwesens, die von da ab The Royal Oak genannt wurde. Charles II. wurde nicht im Blätterwerk entdeckt, trotzdem versteckte er sich am nächsten Tag (die Eiche war dann doch zu unbequem) in einem der sogenannten Priest Holes in Boscobel House, das waren schwer zu findende Verstecke für Priester, die man in manchen großen Häusern angelegt hatte. In diesem Film wird die Geschichte vom König in der Eiche noch einmal nacherzählt.

Die königliche Eiche wurde später von vielen Menschen aufgesucht, die sich gern als Souvenir ein Stück davon abbrachen, was letztlich zum Tode des Baumes führte.

Bei meinem Besuch im Boscobel House konnte ich im angeschlossenen Shop feststellen, dass man mit der königlichen Eiche auch heute noch Geschäfte machen kann, denn viele Souvenirs, die dort zum Verkauf stehen, sind mit der Royal Oak versehen.

Boscobel House, das dem English Heritage gehört, bleibt wegen umfangreicher Umbauarbeiten bis voraussichtlich Frühjahr 2021 geschlossen.

Boscobel House
Brewood
Bishop’s Wood
Shropshire ST19 9AR

Eines der vielen Pubschilder, die den König auf der Eiche zeigen; hier in Wootton Rivers in Wiltshire.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Boscobel House.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 6. Juli 2020 at 02:00  Comments (4)  
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Oakham Castle in Rutland, wo Adelige nur mit Hufeisen Zutritt haben

Rutland ist Großbritanniens kleinste Grafschaft, in der es lediglich zwei Städte gibt: Oakham und Uppingham. Eingerahmt wird Rutland von Lincolnshire, Leicestershire und Northamptonshire.

In der Grafschaftshauptstadt Oakham steht gleich hinter dem Marktplatz das Oakham Castle, oder besser, das was davon noch übrig geblieben ist: Die Great Hall. Das Gebäude ist uralt; zwischen 1180 und 1190 wurde es von einem gewissen Walkelin de Ferrers erbaut, Lord of the Manor von Oakham.

Eine Burg stellt man sich eigentlich etwas anders vor, größer und mächtiger, aber Rutland ist ja auch eine kleine Grafschaft…

Wenn man die Great Hall betritt, fallen einem als erstes die vielen Hufeisen auf, die die Wände bedecken. 230 Exemplare sollen es sein, und wie kamen die dort alle hin? Es ist eine alte Tradition, dass alle Mitglieder des englischen Hochadels, die Oakham zum ersten Mal besuchen, dem Lord of the Manor der Stadt ein Hufeisen mitbringen. Das Hufeisen war im Wappen der de Ferrers zu finden, seitdem die Familie 1066 aus Frankreich nach England kam.

Das älteste Hufeisen in der Great Hall stammt aus dem Jahr 1470 und wurde von König Edward IV mitgebracht; der letzte Neuzugang kam von der Duchess of Cornwall, die im Jahr 2014 Oakham einen Besuch abstattete.

Man kann Oakham Castle täglich außer dienstags  kostenfrei besichtigen, und natürlich kann man in der Great Hall auch heiraten (in welchem historischen Gebäude Englands kann man das nicht?).

Wie das früher einmal ausgesehen haben mag, kann man sehr schön in dieser Animation sehen.

Oakham Castle
c/o Rutland County Museum
Catmose Street
Oakham
LE15 6DR
 

Das Buch zum Artikel:
Sue Jennings & Robert Brook: Curious about…Oakham – Walks of Discovery In and Around Oakham. Lightbeam UK 2011. 16 Seiten. ISBN 978-1907752131.

Published in: on 1. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Brocket Hall bei Hatfield – Ein sehr schönes Country House in Hertfordshire

35 Kilometer nördlich von London, ganz in der Nähe von Hatfield, liegt in der Grafschaft Hertfordshire eines der schönsten Country Houses Englands, Brocket Hall, das heute ein exklusives Konferenzzentrum beherbergt; angeschlossen ist ein Golfplatz und die Palmerston Golf Academy.

Ich las vor einiger Zeit eine Biografie über Lady Caroline Lamb, die mit William Lamb, 2nd Viscount Melbourne, verheiratet war, dem Premierminister des Landes von 1835-1841. Beide wohnten damals auf Brocket Hall.

1760 wurde das Haus für Sir Matthew Lamb, 1. Viscount Melbourne, erbaut, nach den Plänen des Architekten James Paine. Nach dem Tod William Lambs ging Brocket Hall in den Besitz seiner Schwester Emily Lamb über, die mit einem weiteren Premierminister, Lord Palmerston, verheiratet war, der auf dem Landsitz starb.
Queen Victoria war häufig Gast auf  Brocket Hall und Margaret Thatcher schrieb hier ihre Memoiren.

Brocket Hall beherbergt auch ein Restaurant, das mit 2 AA-Rosetten ausgezeichnet ist: Auberge du Lac, das in der früheren Hunting Lodge untergebracht ist und zur Zeit von Chefkoch Matthew Edmonds geführt wird.

Hier ist ein Film über Brocket Hall.

Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Ein Treppenhaus in Brocket Hall.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Die Auberge du Lac.
Author: Ewan Munro
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Published in: on 30. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Allington Castle bei Maidstone in Kent – Drehort zahlreicher Filme

Dover Castle, Leeds Castle, Hever Castle, das sind alles touristische Hotspots in der Grafschaft Kent, die die meisten Englandreisenden schon einmal besucht haben. Kent ist das burgenreichste County im ganzen Land. Das Allington Castle hingegen kennen nur wenige, vor allem diejenigen, die schon einmal an einer Hochzeitsfeier hier teilgenommen haben, denn die Burg ist in Privatbesitz, nicht zu besichtigen und steht nur für Hochzeiten zur Verfügung; hier sind einige Bilder.

Doch Stop! Vielleicht haben einige die Burg doch schon einmal gesehen, aber ohne es zu wissen, denn Allington Castle ist sehr beliebt, um hier Filme zu drehen. Die Kulisse ist einfach perfekt, und die Location Scouts der Produktionsfirmen lieben die alte Burg. Ich habe einmal einige Filme zusammengestellt, die, zumindest zum Teil, hier vor den Toren der Stadt Maidstone am River Medway gedreht wurden.

Heinrich VIII. war im 16. Jahrhundert mehrfach auf der Burg zu Besuch und so passte es doch hervorragend, dass 1972 hier Teile des Spielfilms „Henry VIII and His Six Wives“ (dt. „Heinrich VIII. und seine sechs Frauen“) mit Keith Mitchell, Donald Pleasance und Charlotte Rampling in den Hauptrollen gedreht wurden.

In der selben Zeit spielt „The Twisted Tale of Bloody Mary„, ein Film, in dem Henrys Tochter Mary im Mittelpunkt steht, verkörpert von Miranda French, Jason Sharp spielt ihren Vater. Der Film kam 2008 in die Kinos.

1984 fanden im Allington Castle die Dreharbeiten zu dem Fernsehfilm „The Zany Adventures of Robin Hood“ (dt. „Die verrückten Abenteuer des Robin Hood“) statt mit George Segal als Robin Hood, Morgan Fairchild als Lady Marian und Roddy McDowall als Prince John.

Die TV-Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ war in den 1960er Jahren in Deutschland sehr populär; sie hieß im Original „The Avengers„. John Steed (Patrick Mcnee) und Emma Peel (Diana Rigg) klärten auf unkonventionelle Weise Dutzende von Verbrechen auf, darunter auch eines in der Folge „Castle De’ath“ und dafür bot sich das Allington Castle an.

Die historische TV-Serie „Covington Cross“ aus dem Jahr 1992 spielt im 14. Jahrhundert. Die Intrigen des Sir Thomas Grey stehen im Mittelpunkt der 13 Episoden; Covington Cross heißt die Burg des Sir Thomas und das ist Allington Castle.

Die Burg diente auch als Schauplatz eines ziemlich albernen Musikvideos: „Lover Chanting“ von der (mir bisher unbekannten) schwedischen Formation Little Dragon.

 

Aida in Winslow – Freiluftopern-Aufführungen in Buckinghamshire

Jedes Jahr im Juli machen sich Opernfans aus London und anderen Teilen des Landes auf den Weg nach Winslow, einer Kleinstadt nördlich von Aylesbury in der Grafschaft Buckinghamshire. Vor der Kulisse von Winslow Hall werden dort Opern aufgeführt, deren Inszenierungen einen sehr guten Ruf genießen. Vom 1. bis zum 12. Juli wird Verdis Oper „Aida“ gezeigt, unter der musikalischen Leitung von Oliver Gilmour, dem Bruder des Hausherrn von Winslow Hall, Christopher Gilmour. Oliver Gilmour hat sich bereits einen Namen gemacht als Dirigent der bulgarischen Staatsoper und des Sofia Symphonieorchesters.

Winslow Hall Opera scheut keine Vergleiche mit Glyndebourne und Garsington und ist bestrebt, namhafte Sängerinnen und Sänger in die Provinz zu holen, offensichtlich mit Erfolg, denn jedes Jahr kommen etwa 1600 Zuschauer bzw. Zuhörer hierher. Die Aufführungen in den letzten Jahren bestanden ebenfalls aus Verdi-Opern „Il Trovatore“ (2018) und „Un Ballo in Maschera“ (2017). 2012 wurde die Winslow Hall Opera ins Leben gerufen, nachdem Christopher Gilmour das Haus zwei Jahre zuvor gekauft hatte.

Winslow Hall wurde um das Jahr 1700 herum gebaut und soll von Sir Christopher Wren entworfen worden sein, wobei man sich aber nicht ganz sicher ist. Das Haus erlebte eine wechselvolle Geschichte, diente Mitte des 19. Jahrhunderts einige Jahre lang als Irrenanstalt, wurde von der Northampton Glass Bottle Company übernommen und im Zweiten Weltkrieg vom RAF Bomber Command reqiriert. Nach dem Krieg war Winslow Hall in einem schlechten Zustand und konnte gerade noch einem Abbruch entkommen. Es wechselte mehrfach den Besitzer (Tony Blair soll an einem Kauf interessiert gewesen sein). Schließlich kaufte es Christopher Gilmour, der umfangreiche Renovierungsarbeiten vornahm. Jetzt ist das attraktive Haus also wieder in guten Händen und zieht alljährlich durch die Opernfestspiele Besucher an.

Hier ist ein Ausschnitt aus Donizettis „Lucia di Lammermoor“ zu hören, die 2014 aufgeführt wurde.

Winslow Hall Opera
Sheep Street
Winslow
Buckinghamshire
MK18 3HL

Die Sheep Street in Winslow, die an der Hall vorbeiführt.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Canons Ashby Manor House in Northamptonshire

Das Dörfchen Canons Ashby liegt etwa auf halbem Wege zwischen Banbury in Oxfordshire und Northampton in…natürlich Northamptonshire. Der Ort besteht nur aus einer Handvoll Häuser und wird beherrscht von der Parish Church St Mary, ein Überbleibsel der einstigen Canons Ashby Priory, und dem Canons Ashby Manor House, das dem National Trust gehört.

Das Manor House war über mehrere Jahrhunderte der Familiensitz der Drydens, die es im 16. Jahrhundert erbauten und im Laufe der Zeit immer wieder Veränderungen an ihm vornahmen. Vorher war auf dem Gelände eine Priorei, von deren Mönchen man sagte, dass sie lieber alkoholischen Getränken zusprachen als sich um ihre geistlichen Aufgaben zu kümmern.

Sir Henry Edward Leigh Dryden bewohnte das Manor House im 19. Jahrhundert, das er im Alter von 19 Jahren geerbt hatte, leider auch mit den dazugehörigen Schulden. Sir Henry schwor sich, nicht eher den Bund der Ehe einzugehen, bis er nicht auch das letzte Pfund dieser Schulden getilgt haben würde. Ein Mann, ein Wort, er hielt durch und zwar bis zu seinem 47. Lebensjahr, dann war Canons Ashby House schuldenfrei, und er konnte seine Geliebte, die sieben Jahre jüngere Frances Tredcroft ehelichen, die so lange auf ihn gewartet hatte. Bald kam auch ein Kind ins Haus, ein Mädchen namens Alice. Sir Henry hätte zwar lieber einen Sohn gehabt (für seinen Geschmack gab es im Haus zu viele Frauen; er soll deswegen zwei Dienstmädchen entlassen haben, die seine Frau aber gleich wieder einstellte), aber bald gewöhnte er sich an den Gedanken einer weiteren Frau im Haus, und er schloss Alice in sein Herz. Aus ihr wurde später eine begeisterte Fotografin, mit einer Vorliebe für historische Gebäude, und Historikerin, die mehrere Bücher veröffentlichte. Nachdem ihre Eltern gestorben waren, zog sie aus Canons Ashby House aus, da sie als Frau den Familiensitz nicht erben konnte (das Haus ging an ihren Onkel, Sir Alfred Erasmus Dryden).

Haus, Garten und Park stehen für Besuche offen (£11 kostet der Eintritt). Wen danach gelüstet, im Canons Ashby House einmal zu wohnen, der hat die Gelegenheit dazu, denn der Landmark Trust vermietet ein Apartment im oberen Teil des Turmes; hier sind weitere Informationen darüber.

Dieser Film zeigt einen Besuch im Manor House.

St Mary’s Parish Church.
Photo © David P Howard (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Minster Lovell Hall bei Witney in Oxfordshire – Eine romantische Ruine

Da meine Frau ja eine glühende Anhängerin von Richard III  und seit vielen Jahren Mitglied der Richard III Society ist, mussten wir natürlich auch einmal die Ruinen von Minster Lovell Hall in der Nähe von Witney in Oxfordshire aufsuchen.
1435 wurde das Haus erbaut und war der Wohnsitz der Lovell-Familie. Francis Lovell kämpfte an der Seite von Richard III in der Schlacht von Bosworth, in der der König starb. Lovell floh nach dem Ende der Schlacht und über sein weiteres Schicksal ist wenig bekannt. Er wurde des Hochverrats angeklagt und Minster Lovell Hall fiel an die Krone. In der Mitte des 18. Jahrhunderts ließ der damalige Besitzer Thomas Coke, der Earl of Leicester, das Haus niederreißen und seitdem steht es als romantische Ruine am Rande der Cotswolds.

Eine Legende rankt sich um Minster Lovell Hall, die sich im 16. Jahrhundert abgespielt haben soll. Bei einer Hochzeitsfeier spielten Braut,  Bräutigam und Gäste, wie es damals üblich war, „hide and seek„, also Verstecken. Die Braut versteckte sich und wurde nie wieder gefunden. Nach vielen Jahren entdeckten die neuen Besitzer des Hauses zufällig in einer großen Kiste, die als Vorratsbox für Gemüse benutzt wurde, das Skelett der Braut. Sie hatte sich offensichtlich in der Kiste verstecken wollen, wobei ihr der schwere Deckel auf den Kopf gefallen war, sie ohnmächtig wurde und schließlich erstickte. Ist es ein Wunder, dass es in der Minster Lovell Hall spukt und die Mistletoe Bride in ihrem Brautgewand verschiedentlich gesichtet wurde?
Auch Francis Lovell soll in den Ruinen umgehen. Man sagt, dass er sich in einem Geheimzimmer versteckt hielt und von einem treuen Diener mit Essen und Trinken versorgt wurde. Als der Diener starb, versiegte die Nahrungszulieferung und auch Francis Lovell ging  jämmerlich zugrunde.

Wer einen Nerv für diese Geschichten und romantische Ruinen hat, der wird in Minster Lovell Hall mit Sicherheit auf seine Kosten kommen.

In diesem Film sind die Ruinen der Hall von einer Drohne aus zu sehen.

Eigenes Foto meines Guidebooks.

Foto meines Guidebooks.

Published in: on 29. Januar 2020 at 02:00  Comments (4)  
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Shardeloes – Ein ehemaliges Manor House bei Old Amersham (Buckinghamshire)

Fährt man in Buckinghamshire auf der A413 von Old Amersham in Richtung Little Missenden sieht man auf der linken Seite, etwa einen Kilometer entfernt, ein großes weißes Haus stehen, das ist das ehemalige Manor House Shardeloes. Ein paar Kilometer weiter auf der A413 bin ich einmal mit meinem Auto liegengeblieben, weil ich einen Schaden am Kühlsystem hatte, der nicht behoben werden konnte und der zum Abbruch meiner Reise führte (ich berichtete in meinem Blog darüber).

Shardelos war der Sitz der Familie Tyrwhitt-Drake, Lords of the Manor von Amersham. Gebaut wurde das Manor House von 1758 bis 1766, nach Plänen des Architekten Stiff Leadbetter, der viel für aristokratische Familien tätig war und unter anderem auch Newton Park in Somerset und Nuneham House in Oxfordshire erbaute. Für die Inneneinrichtung des Hauses wurde ein anderer namhafter Architekt hinzugezogen, der Schotte Robert Adam, der zum Beispiel die berühmte Pulteney Bridge in Bath entwarf. Humphrey Repton war für die Gestaltung der Parkanlagen zuständig. William Drake Sr, für den Shardeloes gebaut wurde, hatte also keine Kosten und Mühen gescheut, um sich einen schönen Familiensitz vor den Toren von Amersham zu schaffen, für das er, wie schon seine Vorfahren, als Parlamentsmitglied zuständig war. Die Drakes, und später dann die Tyrwhitt-Drakes, waren eine wohlhabende Familie und errichteten schon 1682 in Amersham die Market Hall, gegenüber vom Crown Hotel, und 1657 die Alms Houses in der High Street.

Leider ging es mit dem Reichtum der Familie später bergab, woran unter anderem die extrem hohen Erbschaftssteuern (death duties) Schuld waren. In den 1930er Jahren wurden Teile ihrer Besitztümer versteigert, im Zweiten Weltkrieg diente Shardeloes als Entbindungsheim, in dem mehrere tausend Babies geboren wurden, und 1953 sollte das Haus sogar abgerissen werden, wogegen sich die damals gegründete Amersham Society mit Händen und Füße wehrte und schließlich auch siegte. Die neuen Eigentümer restaurierten das Haus und wandelten es in komfortable Wohnungen um, die in den 1970er Jahren verkauft wurden. Auf dem Gelände findet sich auch der Shardeloes Lake (hier ist ein Film), der vom River Misbourne gespeist wird. Shardeloes ist also in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden (es sei denn, man kennt einen der Bewohner, der einem das Haus zeigt).

Shardeloes liegt übrigens auf der geplanten Trasse des Hochgeschwindigkeitszugs HS2, so dass es hier eines Tages mit der Ruhe vorbei sein könnte.

Der Shardeloes Lake.
Photo © Peter S (cc-by-sa/2.0)

Old Amershams Market Hall, ein Geschenk der Drake Family aus dem Jahr 1682 an die Stadt.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Tafel an den Almshouses in der High Street von Old Amersham.
Photo © David Hillas (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 20. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Halloween im Berkeley Castle (Gloucestershire)

Das wuchtige Berkeley Castle in der Grafschaft Gloucestershire ist mir vor allem durch die gruselige Geschichte in Erinnerung geblieben, dass hier König Edward II am 21. September 1327 auf bestialische Weise ermordet worden sein soll, indem man ihm eine rotglühende Stange in den Anus schob. Noch heute kann der Burgbesucher die Zelle sehen, in der der König gefangen gehalten und ermordet wurde, ebenso wie der elf Meter tiefe Kerker, der mit einem Metallgitter abgedeckt ist. So bietet Berkeley Castle die optimale Atmosphäre für gruselige Halloween-Events.

Halloween hat in England eine ganz andere Bedeutung als in Deutschland. Kaum ein Schaufenster in den High Streets, in dem nicht mindestens einige Kürbisse präsent sind. Eigentlich wollte ich am 27. Oktober Dyrham Park in South Gloucestershire besuchen, doch der Parkplatz dort war schon vormittags um 10.30 Uhr so voll (Eltern strömten mit verkleideten Kindern zu dem Landhaus, in dem bereits vor dem 31. Oktober Halloween-Parties gefeiert wurden), dass ich umdrehte und stattdessen das Berkeley Castle besuchte, in dem es aber ähnlich zuging. Die gesamte Burg war fest in der Hand von Kindern, die von Raum zu Raum rannten, um die Halloween-Dekorationen zu bestaunen, die in liebevoller Weise von den „Burggeistern“ angefertigt worden waren. Viele Quadratmeter Spinnengewebe breiteten sich überall aus, furchterregende Gestalten standen in den Ecken, hier lag ein toter Rabe, dort stand ein Totenschädel auf einem Tisch und immer wieder geschnitzte Kürbisse, kleine und große. Man hatte sich im Berkeley Castle noch einmal richtig Mühe gegeben, drei Tage später war dann der Spuk vorbei, denn die Burg schließt den Winter über, um erst am 29. März 2020 die Pforten wieder zu öffnen.

Zugegeben, ich hätte die Burg lieber ohne schreiende Kinder erlebt, aber auch die Halloween-Stimmung in dem alten Gemäuer war eine besondere Erfahrung.

Es ist angerichtet für Halloween 2019.
Eigenes Foto.

Es spukt im Berkeley Castle.
Eigenes Foto.

Im Weinkeller der Burg.
Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Published in: on 5. November 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Das Muncaster Castle bei Ravenglass in Cumbria

Phyllada and Patrick McGordon-Duff-Pennington sind die heutigen Besitzer des imposanten Muncaster Castle, das am Esk River liegt, knapp 2 Kilometer südlich der Küstenstadt Ravenglass in Cumbria.

Die Penningtons wohnen hier seit etwa 800 Jahren, ein Zeichen, dass sich die Familie im Schloss immer wohl gefühlt hat. Da aber der Unterhalt eines so großen Gebäudes viel Geld kostet, haben sich die Penningtons einiges einfallen lassen, um Touristen anzulocken.

Hochzeiten im Schloss sind in England sehr beliebt, so bietet auch das Muncaster Castle seine Räumlichkeiten für eine stilvolle Hochzeit an. Die Great Hall bietet Platz für einen Empfang für 100 Personen. Auch für Firmen-Meetings und Konferenzen kann das Castle gebucht werden.

Ferner findet sich im Muncaster Castle das Hauptquartier des World Owl Trust, einer Organisation, die sich um die wissenschaftliche Erforschung von Eulen kümmert. Im Hawk & Owl Centre findet sich eine der größten Sammlungen von Eulen weltweit.

Was wäre ein englisches Schloss ohne seine Geister? Muncaster Castle zählt zu den „most haunted castles“ in England. „Tom the Fool„, ein Hofnarr, der Ende des 16. Jahrhunderts seine Späße im Schloss trieb, aber auch eine bösärtige Ader hatte, indem er Menschen in das Sumpfgebiet in der Umgebung schickte, die nie wieder auftauchten, soll hier sein Unwesen treiben. Auch Heinrich VI, dem man im Schloss Asyl gewährte, spukt des Nachts im Haus. Viele Jahre lang hat Jason Braithwaite von der Universität von Birmingham diese Phänomene untersucht, ohne allerdings bisher zu konkreten Ergebnissen gekommen zu sein.

Ich habe das Muncaster Castle zweimal besucht, es ist auf jeden Fall eine Stippvisite wert, wenn man einmal im Nordwesten Englands ist.

Hier ist ein Film über die Burg.

Published in: on 2. November 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Wentworth Woodhouse in South Yorkshire – Großbritanniens größtes Stately Home und seine Renovierungskosten

Zu den bekanntesten und größten englischen Stately Homes zählen der Blenheim Palace in Oxfordshire und Chatsworth House in Derbyshire. Diese imposanten Gebäude sind aber gar nichts im Vergleich zu dem weniger bekannten Wentworth Woodhouse in der Grafschaft South Yorkshire. Es hat die längste Fassade eines Landhauses in ganz Europa,184 Meter, und eine Wohnfläche von 23.000 m². Für jeden Tag des Jahres gibt es ein Zimmer, also 365; ob wohl jemand die alle schon einmal betreten hat? 1000 Fenster sind zu putzen und 14 Treppenhäuser führen in die jeweiligen Stockwerke. Die Korridore im Wentworth Woodhouse erstecken sich über acht Kilometer, so dass man sich darin ohne weiteres verlaufen kann.

Die Familie Watson-Wentworth benötigte im 18. Jahrhundert offensichtlich so viel Platz, die das Haus erbauen ließen; vererbt wurde es an die Fitzwilliams, deren Familiensitz Wentworth Woodhouse wurde. Unter dem Anwesen entdeckte man riesige Kohlelagerstätten, die abgebaut wurden. Der Abbau zog sich direkt bis zum Herrenhaus vor, wobei große Flächen Natur zerstört wurden.

Auf die Geschichte des Hauses näher einzugehen, würde den Rahmen meines Blogs sprengen, darum verweise ich hier auf die Artikel in der deutsch- bzw. englischsprachigen Wikipedia.

Wentworth Woodhouse ist in einem sehr schlechten Zustand; es wurde immer wieder zum Verkauf angeboten und schließlich im Jahr 2016 für £7 Millionen vom Wentworth Woodhouse Preservation Trust übernommen, der jetzt vor der gewaltigen Aufgabe steht, das Haus zu renovieren, was nach Schätzungen £130 Millionen kosten soll. In vielen Teilen des Gebäudes sieht es schlimm aus, durch Undichtigkeiten im Dach ist Wasser eingedrungen, wertvolle Tapeten haben sich abgelöst, Teppichböden sind ruiniert und Schimmel hat sich breitgemacht.

Der Staat hat bisher £7.6 Millionen zur Verfügung gestellt, ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Trust hat als erstes mit der kompletten Dacherneuerung begonnen, damit nicht noch mehr Wasser von oben in das Haus dringt. Mehr als 350 Tonnen Schutt sind bereits abtransportiert worden, es gibt viele Freiwillige aus der Region, die mithelfen. Wie lange die Renovierungsarbeiten dauern werden, kann noch niemand präzise voraussagen.
Trotzdem bleibt das eingerüstete Wentworth Woodhouse für Besucher offen. Außer Montag finden täglich von 10 Uhr bis 16 Uhr geführte Touren statt. Man braucht sicher das Geld aus den Einnahmen für die Renovierung.

Natürlich wird auch Wentworth Woodhouse von Geistern heimgesucht, was das TV-Team von „Most Haunted“ beweisen wollte.

Hier ist ein Film über das beeindruckende Gebäude.

Wentworth Woodhouse
Preservation Trust
Wentworth
Rotherham
S62 7TQ

Published in: on 28. Juni 2019 at 02:00  Comments (5)  
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Sheriff Hutton Castle – Eine romantische Burgruine in North Yorkshire

Viele Male bin ich durch das Dorf Sheriff Hutton in North Yorkshire gefahren, meist auf dem Weg von bzw. nach York, und dabei die eindrucksvollen Ruinen der nach dem Ort benannten Burg gesehen. Meines Wissens konnte man sich früher in der Farm, auf deren Gelände die Burg lag, einen Schlüssel besorgen, um Zugang zum Gelände zu bekommen, was ich aber nie getan habe, obwohl meine Frau, eine glühende Ricardianerin, neben mir saß. Richard III. hielt sich nämlich in der Zeit von 1471 bis zu seinem Tod im Jahr 1485 häufig auf der Burg auf. Er erhielt sie, nachdem sein Schwiegervater, Richard Neville, 1471 gestorben war, und da Sheriff Hutton Castle nicht allzu weit von York entfernt ist, war die Lage für Richard III. sehr günstig. Der sogenannte Council of the North, der von 1472 bis 1537 existierte, versammelte sich eine Zeit lang regelmäßig in Sheriff Hutton.

Nach Richards Tod in der Schlacht von Bosworth wechselten die Besitzer der Burg mehrfach; doch zu Beginn des 17. Jahrhunderts verfiel sie allmählich. Viele Steine wurden abgetragen, um damit Häuser zu bauen, und das Burggelände wurde zum Teil eines Bauernhofes. Im Jahr 2007 kam die Burg samt Farmgebäuden und umgebenden Land auf den Markt und wurde von seinem Besitzer Dr Richard Howarth (der auch eine kurze Geschichte seiner Burg geschrieben hat), für £1,5 Millionen angeboten. Da es zu keinem Verkauf kam, zog er das Angebot 2011 wieder zurück, nur um es 2017 erneut, dieses Mal für  £1,1 Millionen, auf den Markt zu bringen. Anfang 2019 fand Sheriff Hutton Castle endlich einen neuen Besitzer, der es für eine unbekannte Summe erwarb.

Dieser von einer Drohne aus aufgenommene Film zeigt die Burg  aus der Vogelperspektive.

Das Restoration House in Rochester (Kent) oder Wie ein Emu ein historisches Haus vor dem Abriss rettete

Mitten in der Charles Dickens-Stadt Rochester in Kent steht in der Crow Lane, gegenüber vom Park The Vines, ein Haus, das den Namen Restoration House trägt. König Charles II war hier zu Gast, kurz bevor die während des Englischen Bürgerkriegs abgeschaffte Monarchie  wiederhergestellt wurde, eine Zeit die Restoration genannt wird. Im 17. Jahrhundert verband man zwei nebeneinander stehende Gebäude und machte daraus eines, so entstand ein schönes Stadtpalais in Rochester. Der allgegenwärtige Charles Dickens, der nicht weit vom Restoration House wohnte, integrierte es in seinen Roman „Great Expectations“ (dt. „Große Erwartungen“) unter dem Namen Salis House und ließ darin seine Miss Havisham wohnen.

So stand das schöne, alte Haus, das direkt an die Vines Church grenzt, friedlich vor sich hin, als Mitte der 1980er Jahre die gefürchteten „developer“ auf die Idee kamen, das Haus platt zu machen und auf dem entstehenden Freiraum einen Parkplatz anzulegen; was auch um ein Haar geklappt hätte, wäre da nicht plötzlich ein Mann auf der Bildfläche erschienen, den in Großbritannien jedes Kind kannte und der durch seine Fernsehsendungen, in denen er mit seinem Emu auftrat, berühmt geworden war: Rod Hull (ich berichtete über ihn in meinem Blog). Der Emu, der durch seine Beißlust jeden zur Verzweiflung bringen konnte, hatte seinem Herrn und Meister sehr viel Geld eingebracht, und so kaufte Rod Hull 1986 Restoration House für £270,000, um es zu retten, außerdem war er ein großer Fan der Romane von Charles Dickens. Rod Hull zog in den bewohnbaren Teil des Gebäudes ein und gab eine sehr aufwendige Restaurierung des Hauses in Auftrag, die etwa eine halbe Million Pfund kosten sollte. Und dann zogen schwarze Wolken für Rod Hull am Horizont auf: Seine Fernsehsendungen wurden abgesetzt, sein Einkommen verringerte sich dramatisch, seine Steuerschulden türmten sich auf, und er konnte die Rechnungen nicht mehr bezahlen. Restoration House war zu dieser Zeit, in der eine schwere Rezession herrschte und der Immobilienmarkt danieder lag, nicht verkäuflich. Ein Konkursverwalter übernahm das Gebäude, der Mann mit dem Emu war pleite. Seine Frau verließ ihn mit ihren gemeinsamen Kindern und zog nach Australien. Ein Freund überließ ihm ein Cottage in der Nähe von Rye, wo Rod Hull 1999 bei einem häuslichen Unfall starb (er stürzte vom Dach, als er dort oben eine Fernsehantenne richten wollte, um einen besseren Empfang eines Champion League-Fußballspiels zu bekommen).

Das Restoration House ist besuchbar, im Sommerhalbjahr immer donnerstags und freitags von 10 Uhr bis 17 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt £8.50. Hier ist ein Film über das Haus.

Eine kleine Bemerkung am Rande: Die Verfilmung des Charles Dickens-Romans „Great Expectations“ aus dem Jahre 2012 fand zu großen Teilen auf der Isle of Sheppey in Kent statt…und dort wurde Rod Hull am 13. August 1935 geboren und dort ging er auch zur Schule.

The Restoration House
17-19 Crow Lane
Rochester
Kent ME1 1RF

 

Ein Besuch im Leeds Castle bei Maidstone in Kent, das in diesem Jahr sein 900-jähriges Bestehen feiert.

Wie oft bin ich schon am Leeds Castle in der Nähe von Maidstone in Kent vorbeigefahren, ohne es jemals zu besichtigen? Die Burg liegt dicht an der Autobahn M20, die zum Eurotunnel führt, und die Gelegenheit ergab sich auf der Rückfahrt einfach nie. So habe ich es mir bei meinem letzten Besuch in England im März vorgenommen, dort gleich nach der Ankunft einmal vorbeizuschauen. Leeds Castle nennt sich etwas großspurig „The loveliest castle in the world„, und das durfte ich mir nicht mehr länger entgehen lassen.

Leider war der Sonntagvormittag total verregnet und es pfiff ein eiskalter Wind durch das Parkgelände. An der Rezeption, die ziemlich weit von der Burg entfernt ist, wurde ich erst einmal £48 los, also ca 55 Euro für zwei Personen, ein ganz schön happiger Eintrittspreis. Die freundliche Dame an der Kasse sagte mir aber, dass die Tickets ein Jahr lang ihre Gültigkeit behalten, so dass man damit so oft man mag, Leeds Castle besuchen kann. OK, das relativiert den Ticketpreis natürlich.

Zur Burg kann man entweder zu Fuß über gewundene Wege im Park gehen (was mir empfohlen wurde) oder mit einer kleinen Bahn fahren. Wir entschieden uns trotz des schlechten Wetters auf die Empfehlung einzugehen. Der Park ist wirklich sehr hübsch und muss bei Sonnenschein noch sehr viel schöner aussehen. Nach ca 20 Minuten erreichten wir die von Wasser umgebene Burg und freuten uns, wieder ins Warme zu kommen. Im Gatehouse wird man über die Geschichte des alten Gemäuers informiert, das in diesem Jahr sein 900-jähriges Bestehen feiert. Dann musste man (leider) wieder ins Freie, um über mehrere Treppen ins Haupthaus zu gelangen. Für Gehbehinderte wird sich der Besuch der Burg als schwierig erweisen. Wieder im Trockenen angelangt, unternahmen wir die Besichtigung der vielen, attraktiven Räumlichkeiten der Wasserburg. Überall standen freundliche und mitteilsame Damen und Herren bereit, Fragen zu beantworten.

Auf die Geschichte von Leeds Castle möchte ich nicht weiter eingehen, die kann man in der Wikipedia nachlesen; was mich vor allem interessierte, war die Zeit der 1930er Jahre, als die damalige Besitzerin Olive, Lady Baillie (1899-1974) in der Burg rauschende Feste abhielt, bei denen jede Menge Prominenz aus Adel, Politik und Showbusiness anwesend war. Beispiele: Der Prince of Wales und Wallis Simpson, Antony Eden, Charlie Chaplin, Erroll Flynn und zahllose andere. Nach dem Ableben von Lady Baillie ging die Burg in den Besitz der Leeds Castle Foundation über, die Dame wollte sie nicht dem National Trust überlassen, der sicher nichts dagegen gehabt hätte.

Viele Filme, meist mit historischen Themen, wurden auf dem Gelände gedreht, der berühmteste sicher „Kind Hearts and Coronets“ (1949) mit Alec Guinness, in Deutschland als „Adel verpflichtet“ bekannt., zuletzt die „Games of Throne“-Parodie „Purge of Kingdoms“ (2019).

Anlässlich der 900-Jahr-Feier werden in diesem Jahr zahlreiche Veranstaltungen angeboten wie ein Medieval Jousting Tournament (25. bis 27. Mai), ein Carnival of History (27. und 28. Juli) und ein Fireworks Spectacular (2. und 3. November). Gut, dass die Eintrittskarten ein Jahr lang gültig bleiben!

Im Leeds Castle befindet sich auch das kuriose Hundehalsbandmuseum, über das ich in meinem Blog einmal berichtete. Siehe auch meinen Bericht über die unterschiedlichen Übernachtungsarten auf de Gelände.

Leeds Castle
Maidstone, Kent ME17 1PL

In einem der Burgzimmer.
Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

 

Published in: on 29. April 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Spukorte – Nunnington Hall (North Yorkshire) und seine Proud Lady

Es gibt in England nicht allzu viele Burgen, Schlösser und alte Gemäuer, die sich nicht eines Geistes rühmen können, der des Nachts, manchmal auch bei Tag, dort spukt.
Auch Nunnington Hall in North Yorkshire, ein Haus aus dem 17. Jahrhundert am Rande der Howardian Hills, östlich von Oswaldkirk, kann mehrere Ghosts vorweisen, von denen die Proud Lady of Nunnington der bekannteste ist. Sie pflegt die Treppen des Hauses hinauf und herunter zu gehen, wobei man das Rascheln ihrer Röcke hören kann. Warum ist die Dame so ruhelos und kann sich von der Hall nicht trennen?

Folgende Geschichte wird erzählt: Lady Nunnington war die zweite Frau des Besitzers des Hauses, sie hatte einen eigenen Sohn, den sie sehr liebte, und einen Stiefsohn, den sie absolut nicht mochte. Nachdem ihr Mann gestorben war, sperrte sie ihren Stiefsohn hoch oben unter dem Dach in einen Raum ein. Ihr eigener Sohn war der einzige, der ihn besuchen durfte und der ihm zu essen und zu trinken brachte. Die beiden verstanden sich gut und spielten gern miteinander. Eines Nachts verschwand der Stiefsohn aus seinem Dachbodenraum, möglicherweise half ihm dabei einer der Bediensteten, und wurde nie wieder gesehen. Lady Nunnington war froh, den Jungen los zu sein, sein Halbbruder aber nicht, der seinen Spielgefährten sehr vermisste. Immer wieder hielt er nach ihm Ausschau, in der Hoffnung, dass er zurückkehren würde. Einmal lehnte er sich dabei so weit aus einem der Fenster der Hall, dass er hinunterstürzte und starb. Die Lady war untröstlich und wanderte oft stundenlang durch die Gänge und Flure von Nunnington Hall. Nach ihrem Tode wollen die neuen Besitzer des Hauses gehört haben wie die Lady weiterhin ihre ruhelosen Wanderungen durch das Haus fortsetzte, was auch heute noch der Fall sein soll.

Das Fernsehteam von „Most Haunted“ stattete Nunnington Hall einen Besuch ab und dieser Film zeigt, was sie innerhalb 24 Stunden dort erlebten.

Nunnington Hall gehört seit 1952 dem National Trust und kann besichtigt werden. Die Öffnungszeiten sind hier zu sehen.

Einer der Räume im Dachgeschoss.
Photo © Carol Walker (cc-by-sa/2.0)

Einer der Kamine in Nunnington Hall.
Photo © Mark Anderson (cc-by-sa/2.0)

Pele Towers – Wachtürme im Grenzbereich zwischen England und Schottland

 

Dieser Turm in Shilbottle in Northumberland wurde Anfang des 15. Jahrhunderts erbaut und in ein Wohnhaus umgewandelt.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

Um es gleich vorwegzusagen, mit dem ehemaligen brasilianischen Fußballstar Pele haben die Pele Towers im Norden Englands und im Süden Schottlands nichts zu tun. Man nennt sie auch „Peel Towers„, was schon wieder englischer klingt. Die Wikipedia erläutert: „Der Name wird zwar auf das lateinische Wort „pilum“ zurückgeführt, bedeutet hier aber „Pfosten“ oder „angespitzte Stange“.

Also: Pele Towers sind Wachtürme im englisch-schottischen Grenzbereich, die dafür vorgesehen waren, vor marodierenden und mordenden Banden, den sogenannten „border reivers„, zu warnen, die sich sowohl aus Schotten als auch aus Engländern zusammensetzten und die sich nicht darum kümmerten, welcher Nationalität ihre Opfer angehörten. War der Feind in Sicht, wurde von den Türmen aus mit Hilfe von Feuer- oder Rauchzeichen die Nachbarschaft gewarnt, die sich dann auf den Weg machte, um in den Pele Towers Schutz zu suchen, in denen manchmal auch die Grundbesitzer mit ihren Familien wohnten.

Aufgrund ihrer stabilen Bauweise mit meterdicken Mauern sind noch heute einige dieser Türme erhalten geblieben (hier ist eine großartige Lichtershow zu sehen, projiziert auf den Vicar’s Pele Tower in Corbridge in Northumberland), im englischen Bereich vorwiegend in Northumberland und Cumbria.
Hier sind einige Beispiele:

Clifton in Cumbria.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Pele Tower auf Farne Island (Northumberland).
Photo © Trevor Littlewood (cc-by-sa/2.0)

Der Stricklands Tower am Rose Castle bei Raughton Head in Cumbria.
Photo © Rose and Trev Clough (cc-by-sa/2.0)

Der Horsley Tower in Longhorsley (Northumberland)
Photo © Sandra White (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. Januar 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Gatehouse Lodges – Die Eingangstore zu Herrenhäusern

Viele Herrenhäuser auf dem Land sind nur durch vorgeschaltete Torhäuser zugänglich, in denen früher Pförtner mit ihren Familien wohnten, deren Aufgabe es war, die Zugangskontrolle zum Haupthaus vorzunehmen und die Tore zu öffnen und zu schließen. Manchmal wurden diese Gatehouse Lodges in einem architektonisch imposanten Stil erbaut, um Besuchern schon vorab zu zeigen, was sie dann erst im Manor House erwartet. Hin und wieder sind die Haupthäuser abgerissen worden, die Torhäuser aber sind stehengeblieben.

In meinem heutigen Blogeintrag möchte ich einige dieser schönen Gatehouses im Bild vorstellen:

Das vielleicht schönste Gatehouse in ganz England: Layer Marney Tower bei Colchester in Essex.
Photo © Derek Voller (cc-by-sa/2.0)

Der Eingang zu Gisburne Park in Lancashire. Die beiden Häuser stehen unter Denkmalschutz.
Photo © Bill Harrison (cc-by-sa/2.0)

Clifton Lodge, ein großartiges Torhaus, das Zugang zum Ashton Court Estate in North Somerset gewährt.
Photo © David Hallam-Jones (cc-by-sa/2.0)

Dieses romantische Haus bewacht nichts mehr, denn das Haupthaus Great Bounds bei Southborough in Kent wurde schon 1958 abgerissen.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Sauber und herausgeputzt präsentiert sich dieses Lodge House der Warfield Hall bei Bracknell in Berkshire, das heute einem wohlhabenden Saudi gehört.
Photo © Alan Hunt (cc-by-sa/2.0)

Die Gate Lodges des Syon Parks im Westen von London.
Photo © John Slater (cc-by-sa/2.0)

Wer einmal in einem Gatehouse wohnen möchte: Der Landmark Trust bietet zum Beispiel Apartments im Wolveton Gatehouse bei Dorchester in Dorset oder im Shute Gatehouse bei Axminster in Devon an.

 

Published in: on 16. November 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Bramall Hall – Ein wunderschönes Haus in der Region Greater Manchester

Der Stockport Metropolitan Borough Council betreibt seit 1974 eines der schönsten Tudorhäuser in der Region Greater Manchester: Bramall Hall, das für £1.6 Millionen renoviert wurde, dank eines Zuschusses vom Heritage Lottery Fund.
Gerade einmal drei Familien haben in den letzten 800 Jahren dieses wunderschöne Haus bewohnt: die Davenports, die De Bromales und die Nevills.
Bramall Hall und seine Gärten sind zu besichtigen, es gibt eine ganze Reihe von Aktivitäten, so zum Beispiel in diesem Jahr mehrere Weihnachtskonzerte im Dezember, u.a. mit Gordon Giltrap. Die Hall sieht bei weihnachtlicher Dekoration und beleuchtet besonders schön aus.
Man kann in der Hall seine Hochzeit feiern und dort Konferenzen und Bankette buchen. Irgendwie muss das Geld, das man für den Unterhalt des Gebäudes und seiner Gärten ausgibt, ja wieder hereinbekommen.

Gern stellt man Bramall Hall auch für Filmaufnahmen zur Verfügung. So wurden hier vor Ort schon Folgen von den beliebten TV-Serien „Coronation Street“, „Cash in the Attic“, „The Making of a Lady“ und „Prank Patrol“ gedreht.

Und selbstverständlich gibt es hier auch einen Gift Shop und für Erfrischungen das The Stables Kitchen Café. Was will man mehr?

Wer sich für die Geschichte von Bramall Hall näher interessiert, kann sich in der Wikipedia darüber informieren.

Dieser Film zeigt die Hall, von einer Drohne aus, in unterschiedlichen Perspektiven, und hier sind Innenaufnahmen nach der Renovierung zu sehen.

Bramal Hall Rd
Bramhall
Stockport SK7 3NX

Published in: on 14. November 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Tixall Gatehouse in Staffordshire – Ein historisches Torhaus, das man mieten kann

Wer keine Lust hat in Hotels, B&Bs oder in Mietcottages zu wohnen, dem bietet der Landmark Trust eine Fülle von Apartments an, die alle in historischen Häusern untergebracht sind (über den Landmark Trust berichtete ich in meinem Blog).
Ein besonders schönes dieser Landmark Trust-Objekte ist das Tixall Gatehouse, östlich von Stafford in der Grafschaft Staffordshire. 1968 hat der Trust das vollkommen heruntergekommene Torhaus übernommen, das seit 1927 ungenutzt herumstand, nachdem die Tixall Hall abgerissen worden war. Sowohl die Hall als auch das Gatehouse wurden im 16. Jahrhundert errichtet. Ein besonderes historisches Ereignis für die Hall fand im Jahr 1586 statt, als Maria Stuart zwei Wochen lang hier eingesperrt war.

1975 begannen die Restaurierungsarbeiten am Torhaus, die der Architekt Lawrence Bond vornahm, unterstützt von einem außerordentlich fähigen Spezialisten für Maurerarbeiten, der zwei Jahre lang auf sehr schonende Weise die Erneuerungsarbeiten am Mauerwerk vornahm.

Das Tixall Gatehouse bietet auf zwei Stockwerken Platz für maximal 6 Personen, verfügt über eine große Küche und hat als Besonderheit eine Dachterrasse, auf der man neben den Türmchen mit ihren goldverzierten Wetterfahnen bei schönem Wetter Platz nehmen kann.

Die Übernachtungspreise hängen stark von der Saison ab, so bekommt man das Gatehouse im Januar für £994 für 7 Nächte; im Juni kostet das dann schon £1,798. Wenn man das aber durch 6 teilt, bleiben pro Nacht und Person in der Hauptsaison nur noch rund £43 über. Dafür wohnt man aber in einem außergewöhnlichen historischen Gebäude.

Hier ist das Tixall Gatehouse von einer Drohne aus gefilmt zu sehen.

Dorneywood in Buckinghamshire – Landsitz des britischen Schatzkanzlers

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Theresa Mays Chequers Brexit Plan stieß sowohl im Inland wie auch im Ausland auf keine große Gegenliebe. Vorgestellt wurde der Plan in Chequers, das den britischen Premierministern als Landsitz zur Verfügung steht (s. dazu meinen Blogeintrag). Auch der Außenminister hat seinen Landsitz, auf den er sich manchmal am Wochenende zurückzieht, der heißt Chevening House und liegt bei Sevenoaks in Kent (ich berichtete in meinem Blog darüber).

Damit der Schatzkanzler (Chancellor of the Exchequer) in dieser Hinsicht nicht zu kurz kommt, hat man auch ihm einen Landsitz zur Verfügung gestellt: Dorneywood in Buckinghamshire, am Rande der Burnham Beeches. Seit 2016 verbringt Philip Hammond, wenn es ihm seine knappe Zeit zulässt, seine Wochenenden hier; vor ihm war es George Osborne.

Dorneywood (nicht zu verwechseln mit Dorney Court bei Windsor) ist ein Haus, das im 18. Jahrhundert erbaut wurde. Nach einem Brand im Jahr 1910 wurde es von dem namhaften schottischen Architekten Sir Robert Lorimer neu gestaltet. Ein Geschäftsmann mit dem schönen Namen Courtauld Greenwood Courtauld-Thomson, 1st Baron Courtauld-Thomson war der letzte Besitzer von Dorneywood, der seinen Landsitz dem National Trust übertrug und ihn der Regierung zur Verfügung stellte. Namhafte Bewohner des Hauses am Rande des Naturschutzgebietes Burnham Beeches waren John Prescott, Alec Douglas-Home und John Major.

Dorneywood liegt in einem Park, und die Bewohner können sich an einem sehr schönen Garten erfreuen, der zu bestimmten Zeiten auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Ganz in der Nähe von Dorneywood liegen zwei Pubs, die hin und wieder von vom Schatzkanzler und seinen illustren Gästen aufgesucht werden: The Blackwood Arms und The Jolly Woodman in Littleworth Common.

Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. Oktober 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Das Sudeley Castle bei Winchcombe in Gloucestershire

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Das herrlich gelegene Sudeley Castle bei Winchcombe in den Cotswolds besuchte ich zuletzt an einem warmen Sommertag und an den Spaziergang durch den wunderschönen Park erinnere ich mich immer wieder gern.

Sudeley Castle wurde im 10. Jahrhundert erbaut, aber der heute noch bewohnte Teil stammt aus der elisabethanischen Zeit. Im Park steht die kleine Kapelle St. Mary’s Sudeley, in der Katherine Parr beerdigt wurde, eine der Frauen Heinrichs VIII (ich berichtete in meinem Blog darüber).

Die heutigen Eigentümer sind Lady Ashcombe und ihre beiden Kinder Henry and Mollie Dent-Brocklehurst.
Sudeley Castle ist sehr beliebt für Hochzeiten, die dort arrangiert werden können, auch Firmenmeetings, Konferenzen, private Dinnerpartys oder Murder Mysteries können dort gebucht werden.

1995 wurde der Film „Heavy Weather“ (mit Peter O’Toole und Richard Briers in den Hauptrollen) im Sudeley Castle gedreht. 1933 schrieb P.G. Wodehouse den gleichnamigen Roman und das fiktive Blandings Castle, wo dieser Roman und noch mehrere weitere spielen, soll nach dem Vorbild des Sudeley Castles entstanden sein.

Hier
ist ein filmischer „Appetitmacher“ für einen Besuch in der Burg.

Das Sudeley Castle ist in diesem Jahr täglich bis zum 21. Dezember für Besucher geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt £16.50.

Sudeley Castle
Winchcombe
Gloucestershire
GL54 5JD

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Die Schafe im Park suchten Schatten unter einem Baum.
Eigenes Foto.

Published in: on 12. September 2018 at 02:00  Comments (4)  
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Die schöne Nackte von Rokeby Park im County Durham

This work is in the public domain.

£500 bezahlte John Bacon Sawrey Morritt (1772? – 1843) dem Kunsthändler William James Buchanan im Jahr 1813 für ein Gemälde des spanischen Malers Diego Velazquez und hängte es in seinem Wohnsitz Rokeby Park in der Nähe von Barnard Castle im heutigen County Durham auf. Die vorigen Eigentümer des Bildes waren der spanische Kunstsammler Gaspar de Haro y Guzmán und der Politiker mit dem schönen Namen Manuel de Godoy y Álvarez de Faria Rios Sanchez Zarzosa.

Venus del espejo“ hatte Velazquez sein Gemälde genannt, „Venus vor dem Spiegel“. Es zeigt die nackte Göttin Venus mit dem Rücken zum Betrachter; Amor, ihr Sohn, hält ihr einen Spiegel vor, der ihr Gesicht zeigt.

Auf Grund des Standortes des Bildes spricht man in England auch von der Rokeby Venus. Rokeby Park wurde 1735 von dem Architekten Sir Thomas Robinson, 1st Baronet (1703–1777) im palladianischen Stil erbaut; ein großer Teil der Innenarchitektur stammt von John Carr, der zahreiche englische Herrenhäuser gestaltete. Die „Venus vor dem Spiegel“ hing fast ein Jahrhundert in dem Landhaus, bis sie 1905 für die Londoner National Gallery erworben wurde, wo sie bis heute zur Schau gestellt wird. Im Salon von Rokeby Park finden wir eine Kopie des Gemäldes, das der Maler W.A. Menzies angefertigt hat. Wer sich mit dieser Kopie zufrieden gibt, kann sie sich direkt in Rokeby Park ansehen; der Landsitz ist an bestimmten Tagen für Besucher geöffnet, hier sind die Zeiten. Dieser Film zeigt die frühere Wohnstatt der Göttin.

Die Ruhe der nackten Göttin in der National Gallery wurde am 10. März 1914 empfindlich gestört, da an diesem Tag die Frauenrechtlerin Mary Richardson einen Angriff auf die Venus unternahm und ihr einige Schnitte zufügte. Grund des Attentats war die Verhaftung einer anderen Frauenrechtlerin, Emmeline Pankhurst.
I have tried to destroy the picture of the most beautiful woman in mythological history as a protest against the Government for destroying Mrs Pankhurst, who is the most beautiful character in modern history“, war die Erklärung von Mary Richardson für ihre Tat. Außerdem mochte sie nicht, dass die Nackte von Männern angestarrt wurde. Glücklicherweise waren die Beschädigungen am Gemälde nicht so dramatisch und es konnte wieder restauriert werden.

Rokeby Park.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)

Spukorte – Arundel Castle in Arundel (West Sussex)

Das Arundel Castle in der Grafschaft West Sussex ist eine Burg wie man sie sich schöner kaum vorstellen kann. Sie liegt am Rand der Ortschaft Arundel, die vom River Arun durchzogen wird. Ich habe die Burg einmal besichtigt und anschließend in Arundel im Norfolk Arms übernachtet.

Roger de Montgomery hat Arundel Castle gegen Ende des 11. Jahrhunderts erbauen lassen und seit mehr als 400 Jahren ist die Burg im Familienbesitz der Howards, der Dukes of Norfolk. Ein Besuch des Castles lohnt sich sehr, es verfügt über wunderschöne Räumlichkeiten wie zum Beispiel den Drawing Room und die Bibliothek.

Aber ich möchte an dieser Stelle nicht über die Geschichte des Arundel Castles berichten, sondern über die zahlreichen Spukgeschichten, die man sich hier erzählt. Fast jedes alte Schloss in Großbritannien hat seinen Hausgeist, eine Grey Lady, eine White Lady, einen ruhelosen Mönch oder irgendeine andere rastlose Seele, die früher einmal auf unnatürliche Weise dort ums Leben gekommen ist. Das Arundel Castle hat gleich eine ganze Handvoll von Geistern, manche sprechen von fünf, manche sogar von sieben, darunter auch sein Erbauer, Roger de Montgomery, der von einem der Türme aus genau beobachten soll, was da so alles in seiner Burg abläuft (vielleicht rümpft er die Nase angesichts der Touristenströme).

Gehört, aber nicht gesehen, wurde schon häufig der Geist eines Küchenjungen, der das Pech hatte unter einem äußerst strengen Küchenchef zu arbeiten, der ihn immer wieder schlug, einmal so schlimm, dass der Junge an den Schlägen starb.

Eine ähnlich tragisch Geschichte ereignete sich vor langer Zeit im Arundel Castle: Ein junges Mädchen hatte sich unsterblich verliebt, doch ihr Angebeteter wies sie zurück, so sah das Mädchen  keinen anderen Weg, als sich vom Hiorne Tower zu stürzen, der auf dem Burggelände steht. Dort geht das arme Kind nun als White Lady um.

Neben der White Lady findet man im Castle auch einen Blue Man, der sich gern in der Bibliothek aufhält und dort etwas zu suchen scheint, denn er wurde mehrfach gesehen wie er in Büchern blättert. Nach kurzer Zeit löst sich der Blue Man in Nichts auf. Wer er ist, weiß niemand, er trägt ein blaues Seidengewand wie es zur Zeit Charles II. in Mode war.

In der Bibliothek wurde auch schon einige Male ein kleiner schwarzer Hund gesehen, häufig von Kindern, der angeblich einmal dem 13. Earl of Arundel gehört hatte. Der Edelmann verbrachte elf Jahre seines Lebens im Tower of London, in Begleitung eben jenes Hundes.

Wer diese Geschichten für blanken Unfug hält, sollte sich einmal für eine Nacht in der Burg einschließen lassen und auf eigene Faust im Dunkeln die alten Gemäuer durchstreifen…

Die Burg ist in diesem Jahr bis zum 28. Oktober täglich, außer montags, von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Das All Inclusive Ticket kostet £22.

Hier ist ein Film über die Burg.

Von diesem Turm aus soll Roger de Montgomery das Geschehen in der Burg beobachten.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Der Hiorne Tower.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)

Noël Coward und „The Stately Homes of England“

Noël Coward.
Author: Allan Warren.
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Was wäre England ohne seine Stately Homes? Sie sind die Besuchermagneten, die Touristen in Scharen anziehen wie Chatsworth, Blenheim, Highclere Castle, Castle Howard, Longleat, Burghley House und wie sie alle heißen.
Die heute kaum noch bekannte Dichterin Felicia Hemans (1793-1835) widmete den Stately Homes ein Gedicht, das 1827 in Blackwood’s Edinburgh Magazine erschien und das der Schauspieler, Schriftsteller und Komponist Noël Coward über hundert Jahre später wieder entdeckte und in seine Musikkomödie „Operette“ integrierte, die am 17. Februar 1938 im Manchester Opera House uraufgeführt und 132mal gespielt wurde. Kenneth Carten, Ross Landon, John Gatrell and Hugh French sangen damals „The Stately Homes of England„, das es noch in mehreren Coverversionen gibt, zum Beispiel von den King’s Singers, den Lissa Gray Singers und Peter Pringle. Und  Noël Coward nahm den Song selbst auch auf.

„The Stately Homes of England“ ist eine Satire auf die Bewohner jener großartigen Häuser, die, um sie erhalten zu können, schon einmal einen Van Dyck verkaufen oder einen Bechstein-Flügel beleihen müssen, aber „The playing fields of Eton have made us frightfully brave“. Lord Elderley, Lord Borrowmere, Lord Sickert und Lord Camp sind jene vier junge Herren, die sich damit herumschlagen müssen, ihre ererbten Häuser zu unterhalten („frequently mortgaged to the hilt“), die gern auch von Geisterjägern aufgesucht werden („The Stately Homes of England, though rather in the lurch, provide a lot of chances for psychical research“).
Ein wirklich witziger Text, der aber die Realität in manchen Stately Homes realistisch abbildet. Hier ist die Version von  Noël Coward zu hören.

Chatsworth House in Derbyshire.
Photo © J W Wagner (cc-by-sa/2.0)

Highclere Castle in Hampshire.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. Februar 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Kentwell Hall in Long Melford (Suffolk) und das Dickensian Christmas

Über meinen mehrtägigen Aufenthalt im The Bull Hotel in Long Melford in der Grafschaft Suffolk habe ich in meinem Blog bereits berichtet. Wenn man vom Hotel aus weiter auf der B1064 nach Norden fährt, kommt man erst an der Melford Hall (National Trust) vorbei und dann, am Cherry Lane Garden Centre, zweigt links die Zufahrt zur Kentwell Hall ab; beides sehenswerte Herrenhäuser.

In der Vorweihnachtszeit schmücken sich viele englische „stately homes“ heraus, sei es mit besonderen Illuminationen wie im Waddesdon Manor oder mit Bezügen zur viktorianischen Zeit wie es die Kentwell Hall mit dem jährlich stattfindenden Dickensian Christmas tut.
Sein Besitzer, Patrick Phillips, hat das Tudorhaus 1971 vor dem Verfall gerettet, sehr viel Geld hineingesteckt und Kentwell Hall zu einem sehr attraktiven Besuchermagnet gemacht. Das weihnachtliche Spektakel rund um den in England sehr populären Schriftsteller Charles Dickens findet jedes Jahr großen Anklang. In diesem Jahr wurde/wird es an zwei Wochenenden durchgeführt; letztmals jetzt am 16. und 17. Dezember.

Was erwartet den Besucher beim Dickensian Christmas in Kentwell Hall? Man bekommt einen Einblick in das Leben in einem Herrenhaus in der viktorianischen Zeit; das Haus wird festlich dekoriert, so wie es damals üblich war. Der Besucher sieht wie es „upstairs/downstairs“ zuging und wie man in der Küche arbeitete. Charles Dickens‘ berühmte Weihnachtsgeschichte „A Christmas Carol“ wird vorgelesen und von Charakteren daraus begleitet. Im  Christmas Courtyard werden Weihnachtslieder gesungen, in der Music Hall treten Laienschauspieler auf und in der Rose and Crown Tavern kann man sich mit einem Bier oder einem Glühwein zwischendurch stärken.

Dieser Film vermittelt einen Eindruck wie es beim Victorian Christmas in Kentwell Hall zugeht.

Published in: on 16. Dezember 2017 at 02:00  Kommentar verfassen  
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New Lodge bei Windsor (Berkshire) – Ein im neugotischen Stil erbautes Haus aus der viktorianischen Zeit

Queen Victoria liebte New Lodge, und so zog es sie und ihre Kinder immer wieder hierhin; das in neugotischem Stil erbaute Haus war ja vom Windsor Castle aus fast zu Fuß zu erreichen. New Lodge liegt rund drei Kilometer südlich von einem meiner Lieblingshotels, dem Oakley Court in Water Oakley.
Erbaut wurde es im Jahre 1857 von dem Architekten Thomas Talbot Bury, im Auftrag des US-Amerikaners  John Bates, der New Lodge seiner Tochter Elizabeth und seinem Schwiergersohn Jan Sylvain Van der Weyer, dem belgischen Botschafter in Großbritannien, zu ihrer Hochzeit schenkte. Die Wellingtonia-Bäume, die die Zufahrt zum Haus säumen, sollen u.a. von Queen Victoria gespendet worden sein.

1920 wurde New Lodge von der Van der Weyer-Familie verkauft und es wurde dort ein Krankenhaus eingerichtet, dann diente das Haus ab 1939 als Unterkunft für Flüchtlinge, dann von 1950 bis 1955 als Waisenhaus. 1956 kaufte es die British Transport Commission und richtete darin die British Railways School of Transport ein. In den 1970er Jahren schließlich wurde New Lodge umgebaut und als Bürogebäude für diverse Firmen genutzt. Auch diese Zeiten sind jetzt vorbei, denn momentan arbeitet das Architektenbüro Lewandowski Architects aus Eton  daran, New Lodge wieder als Familienwohnsitz umzugestalten. Das wunderschöne Gebäude wurde von den Brüdern Daniel und Benjamin Wallace gekauft.

Bevor New Lodge damals in den 1970er Jahren als Bürogebäude fungierte, wurden dort zwei Horrorfime gedreht. Zuerst 1970 „Trog“ (dt. „Das Ungeheuer“) mit Joan Crawford in der Hauptrolle, die eine Anthropologin spielt und einen urzeitlichen Höhlenmenschen entdeckt, der ihr und der Umgebung das Leben nicht gerade leicht macht. Für weitere Aufnahmen standen die nahegelegenen Bray Studios zur Verfügung, die direkt neben dem Oakley Court Hotel lagen. Hier ist der Trailer zum Film.

1972 folgte der Film „Asylum“ (dt. „Asylum – Irrgarten des Schreckens“), dessen Drehbuch Robert Bloch schrieb. Darsteller waren u.a. Peter Cushing, Britt Ekland und Charlotte Rampling. New Lodge ist die psychiatrische Klinik in der ein großer Teil des Films spielt. In den Shepperton Studios wurde ebenfalls gedreht. Hier ist der Trailer.

 

 

Published in: on 11. November 2017 at 02:00  Kommentar verfassen  
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