Die Schriftstellerin Lucy M. Boston (1892-1990), ihre „Green Knowe“-Romane und das Hemingford Grey Manor in Cambridgeshire

Das Manor House in Hemingford Grey.
Photo © M J Richardson (cc-by-sa/2.0)

Am 3.Oktober 2014 schrieb ich in meinem Blog über meinen Besuch im Athelhampton House in Dorset, in dem Julian Fellowes das Kinderbuch „The Chimneys of Green Knowe“ von Lucy M. Boston unter dem Titel „From Time to Time“ verfilmt hat. Das Buch ist der zweite Band von sechsen der „Green Knowe„-Serie, die die Autorin zwischen 1954 und 1976 schrieb und die sich sehr gut verkauft haben. Der erwähnte zweite Band erschien in deutscher Übersetzung 1969 als „Die Kamine von Green Knowe“.

1939 hatte sich die im Jahr 1892 geborene Lucy M. Boston in dem Dorf Hemingford Grey in der Grafschaft Cambridgeshire angesiedelt und dort das Manor House gekauft, eines der ältesten, kontinuierlich bewohnten Häuser Großbritanniens. Sie nannte es Green Knowe und schrieb etliche Bücher in dem alten Gemäuer. Ihre Kinderbuchserie spielte zum größten Teil in dem Manor House, und wer die Bücher gelesen hat, wird einiges hier wiedererkennen. Auch ihren Garten, den sie selbst angelegt hat, verwendet Lucy M. Boston immer wieder als Schauplatz in ihren Kinderbüchern, die von ihrem Sohn Peter illustriert worden sind. In diesem Film aus dem Jahr 1983 spricht die Schriftstellerin über „The magic of the house“.

In der „Green Knowe“-Serie treffen wir auf den Jungen Toby und seine Großmutter Mrs. Oldknow. Toby hat Kontakt mit Bewohnern des Hauses aus früheren Zeiten, die längst verstorben sind (sehr gut in dem Film „From Time to Time“ dargestellt). Auch der Roman „The Children of Green Knowe“ (1954) wurde verfilmt und von der BBC als Vierteiler 1986 gesendet (hier ist Folge 1 zu sehen).

Die Autorin war nicht nur schriftstellerisch tätig, sie fertigte auch mit Begeisterung Quilts an, die im Haus zu sehen sind.

Im Manor House wohnt heute die Schwiegertochter der Autorin, Diana Boston, die auf Anfrage Führungen durch das alte Haus vornimmt; die Gärten sind täglich von 11 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.

Dieser Film zeigt das Manor House und die Gärten.

Im Garten des Manor House.
Photo © Rob Noble (cc-by-sa/2.0)

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Haunted Whittington Castle bei Oswestry in Shropshire

Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Der  1998 gegründete Whittington Castle Preservation Trust kümmert sich liebevoll um den Erhalt der Burg, die nach dem Dorf in Shropshire benannt ist, in dem sie liegt. Die Grenze nach Wales ist nicht weit, und Oswestry ist der nächst größere Ort. Vom Whittington Castle sind die beiden Türme des Gate House und das Tudor Cottage gut erhalten, der Rest der Burganlage besteht aus Ruinen, zwischen denen die „re-enactment society“ Historia Normannis jedes Jahr historische Szenen nachstellt wie dieser Film zeigt.

Die uralte Burg aus dem 13. Jahrhundert steht das ganze Jahr über Besuchern zur Verfügung; der Eintritt ist kostenlos, es sei denn, es findet eines der zahlreichen Events oder eine Hochzeit statt. Die Hochzeitszeremonie kann zum Beispiel in der Lady Eleanor Suite im restaurierten Torhaus stattfinden. In diesem Jahr sind Vorleseabende im Tudor Cottage geplant, bei denen Gruselgeschichten von M.R. James vorgelesen werden, von einem Schriftsteller, über den ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben habe.

Gruselig kann es im Whittington Castle auch werden, wenn die Geister, die hier residieren sollen, zum Vorschein kommen. Da erscheint hin und wieder ein Schmied in einer Lederschürze, unheimliche Stimmen sind im Torhaus zu hören, es gibt starke Temperaturschwankungen und manche Besucher wollen die Geister von Kindern gesehen haben. Das Fernsehteam der populären TV-Serie „Most Haunted“ war auch schon hier (Staffel 18, Folge 2 im Jahr 2016). „Haunted Houses„, die Ghost Hunts im ganzen Land durchführt, hat dem Whittington Castle auch schon einen Besuch abgestattet.
In diesem Film kann man an einer nächtlichen Geisterjagd in der Burg teilnehmen.

Whittington Castle ist mit der Legende verbunden, dass hier einmal der Heilige Gral aufbewahrt worden ist, mitgebracht von Sir Fulk FitzWarin, einem der Gralshüter.

Das Dorf Whittington und seine Burg sind gut erreichbar über die A5 und die A495.

Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

The Gatehouse der Upton Cresset Hall in Shropshire

Das Gatehouse.
Photo: carolyngifford.
Creative Commons 2.0

Upton Cressett Hall ist ein elisabethanisches Manor House, das im 16. Jahrhundert erbaut worden ist und das der Cressett-Familie einige Jahrhunderte lang als Familiensitz diente. Auch dieses Haus geriet in den 1960er Jahren in Gefahr, allmählich zu verfallen, bis es 1969 von dem konservativen Politiker und Parlamentsabgeordneten Sir William Cash gekauft wurde, der es restaurieren ließ und in dem heute sein Sohn, der Schriftsteller und Journalist William Cash, zusammen mit seiner Frau, Lady Laura Cathcart, wohnt, die sich in der britischen Gesellschaft durch ihre exklusive Hutmacherei einen Namen gemacht hat.

Vor Upton Cressett Hall steht das Gatehouse, das ebenfalls im 16. Jahrhundert erbaut worden ist und dessen Räume zu mieten sind. Shropshire Tourism hat dem Gatehouse fünf Sterne verliehen für seine außergewöhnliche Lage, seine Einrichtung und seinen sehr hohen Wohnkomfort. Zwei Suiten stehen in dem Gebäude zur Verfügung, die Prince Rupert Suite und die Thatcher Suite, benannt nach zwei prominenten Gästen, die hier schon übernachteten. Prince Rupert war eigentlich kein richtiger Gast, er versteckte sich vielmehr 1646 in dem Gatehouse vor den parlamentarischen Truppen. Die Suite erreicht man über eine hölzerne Wendeltreppe, die Highlights darin sind das Himmelbett und eine frei stehende Badewanne.

Margaret Thatcher und ihr Ehemann wohnten im Gatehouse einmal im Jahr 1994 auf Einladung ihres Parteifreundes und Besitzers von Upper Cressett Hall, Sir William Cash. Nach ihrem Besuch wurde die Suite nach der ehemaligen Premierministerin benannt. Zum Gatehouse gehört ein eigener Garten mit einem Springbrunnen.

Auf dem Gelände der Hall stehen noch weitere Unterkunftsmöglichkeiten zur Verfügung: Das Moat House, das Coach House und das Cider House.

Wer Upton Cressett Hall einmal besichtigen möchte, der kann das an einigen ausgewählten Tagen mittels „Invitation to View“ (siehe dazu meinen Blogeintrag) tun und wird dann vielleicht von den Hauseignern selbst geführt.

Hier ist ein Film über das Gatehouse und die Hall.

Upton Cressett Hall
Upton Cressett
Nr Bridgnorth
Shropshire
WV16 6UH

Das Gatehouse aus einer anderen Perspektive.
Photo: carolyngifford.
Creative Commons 2.0

Upton Cressett Hall.
Photo: Plashing Vole.
Creative Commons 2.0

Published in: on 11. Januar 2023 at 02:00  Comments (2)  

Mary Amelia Cecil, Marchioness of Salisbury (1750-1835), und ihr tragischer Tod im Hatfield House in Hertfordshire

Gemälde der Marchioness von Joshua Reynolds. This work is in the public domain.

In früheren Zeiten trugen adelige Damen gern Turmfrisuren, hochgesteckte Haare, manchmal noch mit Federn verziert. Auch Mary Amelia Cecil, die Marchioness of Salisbury (1750-1835), favorisierte diese Frisur noch im Alter von 85 Jahren…und sie wurde ihr zum Verhängnis. Am Abend des 22. November 1835 saß sie in ihrem Arbeitszimmer im Westflügel vom Hatfield House. Dieses Country House nördlich von London in der Grafschaft Hertfordshire ist auch heute noch der Familiensitz der Salisburys. Als sich die Marchioness von ihrem Schreibtisch erhob, dachte sie nicht daran, dass sich direkt über ihr ein Leuchter mit Kerzen befand. Die Federn ihres Kopfschmucks fingen sofort Feuer, das ihr Haar und schließlich ihre Kleider erfasste. Sie stand in Flammen und niemand konnte ihr helfen, denn ihr Sohn und ihre Schwiegertochter hielten sich in einem andern Teil des Palastes auf. Als die beiden von dem Feuer im Westflügel alarmiert wurden, war es schon zu spät. Dieser ganze Teil des Hatfield House stand in Flammen, die herbeigerufenen Feuerwehren schafften es gerade noch zu verhindern, dass das Feuer auch noch den anderen Teil des Hauses vernichtete. Alles was von der Marchioness übriggeblieben war, war ein Häufchen verkohlter Knochen. Der junge Charles Dickens wurde als Reporter nach Hatfield geschickt, um über den Brand zu berichten; die Eindrücke fanden später in seinem Buch „Oliver Twist“ Niederschlag.

Die auch als Emily Mary Cecil bekannte Marchioness galt als Exzentrikerin und hatte sich durch ihre Gesellschaften im Hatfield House einen Namen gemacht. Sie liebte es, Karten zu spielen, vor allem an Sonntagvormittagen, was mit den Gottesdiensten im Ort Hatfield kollidierte. Manchmal wurden diese einfach abgesagt…weil der Pfarrer gern selbst an den Kartenspielen teilnahm. Emily Mary Cecil war bis ins hohe Alter eine begeisterte Jägerin. Obwohl sie zum Ende ihres Lebens immer schlechter sehen konnte, ließ sie es sich nicht nehmen, hoch zu Pferd an Jagden teilzunehmen, auch an dem Tag, als sie so tragisch ums Leben kam.

Das Hatfield House wurde 1611 von dem ersten Earl of Salisbury Robert Cecil erbaut; heute lebt dort der 7. Marquess of Salisbury, Baron Gascoyne-Cecil. Das Haus ist zu besichtigen (erst wieder ab Frühjahr 2023). Hatfield House gehört zu den ersten Landsitzen, die ich mir auf meinen Englandreisen angesehen habe; hier ist das Country House im Film von einer Drohne aus zu sehen.

Über den Ort Hatfield siehe auch diesen Blogeintrag.

Der Westflügel vom Hatfield House.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Nordamerikanische Universitäten und ihre Zweitcampus in historischen Gebäuden in England

Für nordamerikanische Studentinnen und Studenten ist es sicher ein ganz besonderes Erlebnis, eine Zeit lang ihre Universitäten zu verlassen und ein oder mehrere Semester in England zu studieren, wo ihre Unis einen Zweitcampus in einem historischen Gebäude haben. Vier davon möchte ich in meinem Blog heute vorstellen.

Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Da ist einmal eines der für mich faszinierendsten Häuser Englands überhaupt: Harlaxton Manor nahe Grantham in Lincolnshire (siehe dazu meinen Blogeintrag). Leider kenne ich das Haus nur von außen, es ist nicht öffentlich zugänglich, nur zu besonderen Anlässen. Harlaxton Manor gehört seit 1986 der University of Evansville in Indiana. Gekauft wurde das Gebäude 1971 ursprünglich von einem wohlhabenden Gönner der Universität, von William Ridgway (1920-2013), der es großzügigerweise seiner Alma Mater überließ. Nach den Worten des Rektors von Harlaxton College, Gordon Kingsley, ist es „one of the finest study-abroad destinations in the world“.

Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Auch ein sehr imposantes Gebäude ist das Herstmonceux Castle bei Herstmonceux in East Sussex, das bis zum Jahr 1988 das Royal Greenwich Observatory beherbergte, das nach dem Auszug von dem kanadischen Geschäftsmann Alfred Bader (1924-2018) gekauft wurde, der in den 1940er Jahren an der Queen’s University in Kingston im kanadischen Ontario studiert hatte. Bader wollte die Burg ursprünglich seiner Frau zum Geschenk machen, doch da sie dankend abwinkte, ließ er Herstmonceux Castle von Grund auf renovieren und überließ sie seiner Alma Mater, die dankend zusagte. Aus dem bisherigen  Bader International Study Centre ist in diesem Jahr das umbenannte Bader College geworden. Siehe auch meinen Blogeintrag zum Herstmonceux Castle. Die Burg selbst ist nicht zu besichtigen, aber die Gartenanlagen.

Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

Hoch oben im Norden, in der Grafschaft Northumberland, in einem Teil des Alnwick Castles, hat die St Cloud State University aus dem US-Bundesstaat Minnesota seit 1981 einen Zweitcampus, in den sie einige ihrer Studentinnen und Studenten im Rahmen ihres International Study Programmes schickt (hier ist ein Film). Die Burg, in der Teile der TV-Serie „Downton Abbey“ und einige Harry Potter-Filme gedreht wurden, gehört heute Ralph Percy, dem 12. Duke of Northumberland. Jedes Jahr zieht es Hunderttausende von Besuchern in die Burg, sicher auch durch die hier gedrehten Filme. Ab dem 31. März 2023 steht Alnwick Castle wieder allen zur Verfügung, dann ist es mit der Ruhe für die Studenten vorbei. Siehe hier meine Blogbeiträge über Alnwick und die Burg.

Photo © David Stowell (cc-by-sa/2.0)

Die Wroxton Abbey in der Grafschaft Oxfordshire wurde im Jahr 1964 von der Fairleigh Dickinson University gekauft, die im US-Bundesstaat New Jersey ansässig ist, und stellt damit den ältesten Campus einer nordamerikanischen Universität in England dar. Die Studentinnen und Studenten des Wroxton Colleges wohnen in einem Haus, das ursprünglich eine Abtei war, von Heinrich VIII. im Zuge seiner Dissolution of the monasteries abgerissen und anschließend im jakobinischen Stil wieder neu erbaut wurde. Die Gärten der Wroxton Abbey sind ganzjährig zu besuchen.

Published in: on 1. Dezember 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Brambletye Manor – Wunderschöne Ruinen in East Sussex

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Mal nennt man es Brambletye Manor, mal Brambletye Castle oder Brambletye House, bleiben wir bei der ersten Version. Es handelt sich hier um die Überreste eines einstmals beeindruckenden Bauwerks, im Ashdown Forest in der Grafschaft East Sussex. Der nächstgelegene Ort ist Forest Row, die nächste Stadt East Grinstead. Das Manor House liegt am Brambletye Lane auf dem Gelände der Brambletye Manor Farm. So, jetzt haben wir die Ruinen ziemlich genau eingenordet.

1634 erbaute Sir Henry Compton in der Regierungszeit von James I. das Haus; er war Parlamentsmitglied für den Bezirk East Grinstead. Der letzte Bewohner des Manor soll ein gewisser Sir James Richards gewesen, dem Verrat vorgeworfen wurde und der 1683/84 fluchtartig das Land, und damit auch Brambletye Manor, verließ. Das schöne Gebäude fand keinen neuen Besitzer, mit dem Resultat, dass es allmählich verfiel. Die Menschen aus dem Umland bedienten sich an den heruntergefallenen Steinen, es blieben die „romantischen Ruinen“ zurück, die wir heute noch sehen können.

Im Jahr 1826 erschien ein Roman des Schriftstellers Horace Smith (1779-1849), der den Titel „Brambletye House or, Cavaliers and Roundheads“ trug und der als Reprint 2018 von dem Londoner Verlag Forgotten Books neu aufgelegt worden ist. Darin beschreibt Smith die mehr oder weniger fiktive Geschichte der Compton-Familie und damit auch die des Brambletye Manors.

Mit Unterstützung von English Heritage wurden die Ruinen kürzlich stabilisiert, denn sie drohten zusammenzustürzen. Da sie auf privatem Land stehen, ist der Zugang untersagt und man kann nicht ganz dicht an sie herangehen.

Der Bald Explorer nimmt uns in diesem Film mit auf einen Spaziergang zum Brambletye Manor.

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Camden Place (Kent) – Golfclub, Mordhaus und ehemaliger Wohnsitz Napoleons III.

Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

Camden Place, vor den Toren Londons in der Grafschaft Kent gelegen, ist der ganze Stolz des Chislehurst Golf Clubs, denn es fungiert als deren Clubhaus. Auch Hochzeitspaare lieben dieses sehr schöne Haus, das man für entsprechende Feiern mieten kann. Die Imperial Lounge oder der Eugenie Room bieten genau die richtige Atmosphäre, die man für den schönsten Tag des Lebens gern haben möchte.

Doch nicht jeder, der hier feiert wird wissen, was sich im Camden Place schon alles so abgespielt hat.
Im frühen 17. Jahrhundert wurde es erbaut und immer wieder von späteren Besitzern umgestaltet und erweitert. Im Jahr 1813 erlebte Camden Place eine Katastrophe. Der damalige Besitzer, ein gewisser Thomas Bonar, wurde am 31. Mai 1813, zusammen mit seiner Ehefrau, von einem ihrer Diener, Philip Nicolson, ermordet. Ein Motiv war nie erkennbar. Nicolson wurde nach seiner Flucht in London gefasst und für die beiden Morde gehängt. Dieser Mordfall sollte später Sir Arthur Conan Doyle zu seiner Sherlock Holmes-Geschichte „The Adventure of the Abbey Grange“ (dt. „Abbey Grange“) inspirieren.

Im Jahr 1860 kaufte der frankophile Nathaniel Strode das Haus und gab Camden Place einen französischen „Touch“. Als Napoleon III und seine Frau Eugenie ins Exil gehen mussten, bot ihnen Strode seinen schönen Landsitz an, und die beiden lebten hier, gemeinsam mit ihrem Sohn, in der ländlichen Idylle. 1873 starb Napoleon III. in Camden Place, und er wurde auf dem Kirchhof der St Mary’s Church in Chislehurst beigesetzt. Später holte ihn seine Witwe nach Farnborough in die St Michael’s Abbey, wo auch sein Sohn liegt, der 1879 während des Zulu-Krieges gefallen war. Kaiserin Eugenie fand ihre letzte Ruhestätte ebenfalls in der Abtei neben Mann und Sohn.

Nathaniel Strode ging wieder auf seinen Landsitz zurück. Nach seinem Tod im Jahr 1890 wurde das Anwesen an William Willett verkauft, der als Erfinder der Sommerzeit gilt (und der Ur-Ur-Großvater des Coldplay-Sängers Chris Martin ist).

Camden Place hat also eine interessante Geschichte hinter sich und erfreut sich heute an Brautpaaren und Golfern.

Camden Place
Camden Park Road
Chislehurst
Kent BR7 5HJ

Zu Chislehurst siehe auch diese beiden Blogeinträge.

St Mary’s in Chislehurst.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)
St Michael’s Abbey in Farnborough (Hampshire), wo Napoleon III. und seine Familie ruht.
Photo © Len Williams (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 10. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das Carn Brea Castle bei Redruth in Cornwall und ein Restaurant mit jordanischer Küche

Photo © Richard Rogerson (cc-by-sa/2.0)

Oberhalb von Redruth in der Grafschaft Cornwall, gut und schnell über die A30 zu erreichen, liegt auf einem Hügel die Burg Carn Brea Castle, was auf kornisch „Burg auf einem felsigen Hügel“ bedeutet. Ihre Ursprünge gehen bis in das 14. Jahrhundert zurück, als hier eine Kapelle erbaut wurde. Ende des 18. Jahrhunderts nahm die Familie Basset das Schicksal des Gebäudes in die Hand und machte daraus ein Jagdschlösschen. In Sichtweite der Burg steht das Basset Monument, ein 30 Meter hoher Obelisk, der 1836 in Erinnerung an Francis Bassett, Lord de Dunstanville, errichtet wurde. Von den 1950er bis in die 1970er Jahre stand die Burg leer, was ihr nicht gut bekam, denn sie begann allmählich zu verfallen. Glücklicherweise erbarmte sich die Baufirma Percy Williams aus Redruth dem Carn Brea Castle, die es komplett restaurierte und darin ein kleines Restaurant eröffnete. Anfang 1990 kam das Restaurant in neue Hände: Die aus Jordanien stammende Familie Sawalha übernahm es und noch heute, nach mehr als 30 Jahren, wird in den alten Burgmauern jordanische Küche serviert.

Jordanische Restaurants sind sehr selten in England wie auch in Deutschland. Auf der Karte im Carn Brea Castle Restaurant stehen zum Beispiel Gerichte wie Shish Tawuk (gegrillte Hühnchenbrust mit speziellen Gewürzen), Sayadeyhe (Garnelen mit Champignons, Knoblauch, Chilies auf Safranreis) und das Carn Brea Special (gebratenes Rumpsteak mit Zwiebeln, Champignons, Paprika und Pinienkernen). Gespeist wird hier abends bei Kerzenschein wie dieser Film zeigt. Das Restaurant ist täglich ab 18 Uhr geöffnet. Die mit vielen Schlaglöchern versehene, schmale Zufahrtsstraße ist nicht ganz leicht zu finden.

Von einer Drohne aus gesehen, zeigt dieser Film das Bassett Monument und die Burg auf dem Carn Brea Hill.

Photo © Derek Voller (cc-by-sa/2.0)
Das Basset Monument.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Woolsthorpe Manor in Lincolnshire und sein weltberühmter Apfelbaum

Woolsthorpe Manor.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Woolsthorpe Manor in der Nähe von Grantham in Lincolnshire gehört heute dem National Trust und war das Geburtshaus des berühmten englischen Naturforschers Isaac Newton (1643 – 1727), das von Anfang März bis Ende Oktober für Besucher geöffnet ist.

Newton kam immer wieder nach Woolsthorpe Manor zurück, so auch 1660, als in Cambridge, wo er studierte, die Pest ausgebrochen war. Im Garten des Hauses soll er eines Tages unter einem der Apfelbäume gesessen und beobachtet haben wie ein Apfel herunterfiel. Warum, so fragte sich Newton, fällt der Apfel nicht waagerecht oder seitwärts herunter, sondern genau senkrecht in Richtung des Erdmittelpunktes? Der junge Student folgerte daraus, dass die Erde den Apfel anziehen muss.
In seinem Werk „Philosophiae Naturalis Principia Mathematica“,  formulierte Newton später das sogenannte Gravitationsgesetz.

Jener berühmte Apfelbaum im Garten von Woolsthorpe Manor wurde 1820 von einem Sturm umgeworfen, doch der Baum ließ sich so leicht nicht unterkriegen und entwickelte neue Wurzeln aus denen dann ein neuer etwas merkwürdig geformter Apfelbaum entstand. Diese Attraktion zieht Jahr für Jahr zahlreiche Besucher nach Lincolnshire, vielleicht sogar zu viele, denn jeder will  gern einmal unter dem Isaac-Newton-Baum stehen, was wiederum die Wurzeln in Mitleidenschaft zieht. So sah man sich gezwungen, einen 60 cm hohen Weidenzaun um den Baum herum zu ziehen, um das Wurzelwerk zu schonen.
Die Äpfel gehören übrigens zur Sort „Flower of Kent„, ein Kochapfel, und man darf sie sich vom Baum pflücken, sofern man jetzt noch herankommt.
Ein kleines Stück des Baumes wurde 2010 mit dem Space Shuttle Atlantis ins Weltall genommen. Wenn das Isaac Newton damals gewusst hätte…

Hier sind einige stimmungsvolle Aufnahmen von Woolsthorpe Manor im Film und hier vom berühmten Apfelbaum.

Woolsthorpe Manor
Water Lane
Woolsthorpe by Colsterworth, near Grantham, Lincolnshire NG33 5PD

Der berühmte Apfelbaum.
Photo: BsOu10e01.
Creative Commons 4.0
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 9. Juli 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Great Chalfield Manor in Wiltshire – Ein Herrenhaus, das für mehrere Filme und TV-Serien als Drehort diente

Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Das Great Chalfield Manor in der Nähe der Stadt Bradford-on-Avon in der Grafschaft Wiltshire (hier im Film zu sehen) hat ein Schicksal, das es mit vielen seiner Artgenossen in England teilt. Jahrhundertelang diente es als Familiensitz mehr oder weniger wohlhabender Familien bis es schließlich in die Hände des National Trusts übergeben wurde, der sich liebevoll darum kümmert und es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.

Das Manor House entstand Ende des 15. Jahrhunderts und wurde im Auftrag eines Rechtsanwalts und Landbesitzers namens Thomas Tropenell erbaut. Es erlebte im Laufe der Zeit einige Erweiterungen und Umbauten bis es 1943 der National Trust übernahm.

Ein so attraktives und romantisches Manor House entgeht natürlich keinem Location Scout einer Filmproduktionsgesellschaft, der beauftragt wird, für einen historischen Film die passende Kulisse zu finden.

Das war zum Beispiel so, als „Poldark“ (dt. „Poldark“, von Sony Entertainment TV gezeigt) von 2015 bis 2019 erneut als TV-Serie verfilmt wurde. Der größte Teil der Serie wurde natürlich in Cornwall gedreht, aber nicht nur, so benötigte man für das Haus Killewarren, in dem der reiche Ray Penwenen, gespielt von John Nettles, wohnt, ein geeignetes Manor House. Hier wurde Location Manager David Johnson mit dem Great Chalfield Manor fündig, das in den Staffeln zwei bis fünf zu sehen ist, sowohl bei Außen- als auch bei Innenaufnahmen.

Gedreht wurde hier in Wiltshire auch im Jahr 2008 für den Spielfim „The Other Boleyn Girl“ (dt. „Die Schwester der Königin“) mit Scarlett Johansson und Natalie Portman in den Hauptrollen. In den ersten 25 Minuten des Films ist einiges von dem Manor House zu sehen, das als Familiensitz der Boleyns dient. Heinrich VIII. und seine Entourage statten dem Haus einen Besuch ab, das in einem großen Fest mündet.

Auch der BBC-Sechsteiler „Wolf Hall“ (dt. „Wölfe“, von ARTE gezeigt) aus dem Jahr 2015, der zur selben Zeit wie „The Other Boleyn Girl“ spielt, mit Mark Rylance als Thomas Cromwell, Damian Lewis als Heinrich VIII. und Clare Foy als Anne Boleyn, wurde im Great Chalfield Manor gedreht; die Dreharbeiten zogen sich über zwölf Tage hin. Unter anderem ist die Great Hall zu sehen, in der die Abendessen im Film eingenommen werden.

Die BBC-Verfilmung von Elizabeth Gaskells Roman „Wives and Daughters“ aus dem Jahr 1999 als TV-Serie fand im Manor House statt, das in diesem Fall als Familiensitz der Hamleys dient. In dieser TV-Serie sind noch so manche andere Herrenhäuser zu sehen wie zum Beispiel Dyrham Park, das ebenfalls dem National Trust gehört, Wentworth Woodhouse in South Yorkshire und Levens Hall in Cumbria.

Das Manor House liegt etwa auf halbem Weg zwischen Bradford-on-Avon und Melksham und ist von Anfang April bis Ende Oktober geöffnet (wenn nicht gerade wieder ein Film gedreht wird).

Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

The Langley Castle Hotel bei Haydon Bridge in Northumberland

Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Northumberland gehört vielleicht nicht zu den bevorzugten Reisezielen von Besuchern vom Kontinent, dabei hat die Grafschaft viel zu bieten, vor allem landschaftlich. Mitten in einer Wald- und Parklandschaft liegt ein eindrucksvolles Hotel in einer Burg aus dem 14. Jahrhundert, das Langley Castle Hotel. Die Burg kann auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken; Anfang des 15. Jahrhunderts stand sie im Mittelpunkt heftiger Kämpfe und wurde von den Truppen Heinrichs IV. stark beschädigt. Erst viele Jahrhunderte später erbarmte sich der Historiker Cadwallader John Bates (1853-1902) der Ruine und restaurierte sie. Die Fertigstellung erlebte er nicht mehr, da er sehr früh in der Burg starb. Im Zweiten Weltkrieg zogen Soldaten ein, in den 1980er Jahren ging es hier heiterer zu, wenn das Gekicher junger Mädchen durch die Räume schallte, denn Langley Castle diente eine Zeit lang als Mädchenschule. 1986 schließlich wurde die Burg von dem renommierten Informatik-Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology Dr Stuart Madnick gekauft, der sie in ein 4-Sterne-Hotel umwandelte.

Das alte Gemäuer sorgt für eine besondere Atmosphäre, und so erhielt das Hotel im Jahr 2018 die Auszeichnung „Best Hotel for Romance in the UK„. Im Haupthaus gibt es neun Zimmer, einige davon mit Himmelbetten, weitere 18 Zimmer sind in Nebengebäuden untergebracht. Die Preise für ein Doppelzimmer beginnen etwa bei 160 Euro während der Woche, sie ziehen am Wochenende aber deutlich an.

Es gibt zwei Restaurants im Langley Castle Hotel: Fine Dining gibt es in dem wunderschönem Josephine Restaurant, das Pavilion Restaurant ist modern und hell ausgestattet.

Täglich werden Führungen durch die Burg angeboten, die Battlement Tours, an denen auch Nicht-Hotelgäste teilnehmen können.

Erwähnen möchte ich noch die ausgezeichneten Webseiten des Hotels, auf denen man sich die Zimmer und die anderen Räumlichkeiten virtuell sehr genau ansehen kann!! Hier ist ein Film über Langley Castle.

Langley Castle Hotel
Langley
Hexham NE47 5LU

Photo © Andrew Curtis (cc-by-sa/2.0)
Photo: Jamie Penfold LBIPP.
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Chatsworth House in Derbyshire Teil 2: Der Emperor Fountain

Photo © Richard Sutcliffe (cc-by-sa/2.0)

Wenn sich auf englischen Schlössern und Landhäusern königlicher Besuch ansagte, war das meist ein zweifelhaftes Vergnügen, denn wenn der Besuch wieder abgereist war, war auch die Geldschatulle des Hausherrn deutlich schmaler als zuvor. Royals erwarteten eben einen All inclusive-Urlaub, die umfangreiche Entourage eingeschlossen.

Im Chatsworth House in Derbyshire hatte sich 1843 der russische Zar Nikolaus I. angesagt, und so überlegte sich der sechste Duke of Devonshire, dem das prachtvolle Haus gehörte, womit er den Russen beeindrucken konnte. Das war nicht leicht, denn der Zar war Prunk und Protz gewohnt. Da kam der Duke auf die Idee, einen neuen Springbrunnen zu bauen (es gab bereits einen seit dem ersten Duke of Devonshire) und zwar einen, dessen Fontäne höher war als die der Sommerresidenz des Zaren, Schloss Peterhof, in Sankt Petersburg. Es sollte die höchste der Welt sein, und so beauftragte er seinen Chefgärtner Joseph Paxton mit der Anlage des Emperor Fountains. Das erforderte umfangreiche Erdarbeiten, denn der Brunnen benötigte jede Menge Wasser. Oberhalb von Chatsworth House wurde dafür ein See angelegt, der Emperor Lake, von dem aus das Wasser etwa 110 Meter in Rohren bergab schoss und für den erforderlichen Druck für die Fontäne sorgte, die zu besten Zeiten bis zu 90 Meter hoch war; heute wird sie meist nicht mit Maximaldruck gefahren (hier ist ein Film).

Wie stolz mag der Duke wohl gewesen sein, als der Emperor Fountain fertig war, und sicher konnte er es kaum abwarten, ihn dem Zaren vorzuführen…doch der kam nicht zu seinem angekündigten Besuch und auch später nicht. Nun gut, dafür können sich heute die zahlreichen Touristen an dem Brunnen erfreuen, der an einem heißen Sommertag (auch den gibt es hin und wieder im Peak District) für Erfrischung sorgt.

Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)

Chatsworth House in Derbyshire Teil 1: The Painted Hall

Photo: Gauis Caecilius.
Creative Commons 2.0

Es kann im Sommer ganz schön voll werden im Chatsworth House in Derbyshire, einem der meist besuchten und schönsten Landsitze im Königreich und Familiensitz der Dukes of Devonshire seit dem 16. Jahrhundert. Bei meinem Besuch war der Parkplatz voll und Busladungen voller Touristen steuerten das Haus und die Gärten an.

Ich habe zwei Lieblingsräume in dem Haus: Da ist zum einen die großartige Bibliothek, über die ich in meinem Blog einmal berichtete und zum anderen die Painted Hall, ein riesiger Raum, bei dessen Betreten man gar nicht weiß, wo man zuerst hinblicken soll. Da haben sich Maler so richtig austoben können wie Louis Laguerre, der von 1692 bis 1694 die Decke und die Wände mit Szenen aus dem Leben Julius Caesars dekorierte. Was muss das für eine Anstrengung gewesen sein, auf einem Gerüst auf dem Rücken liegend diese Szenen zu malen. 1936 war die Decke in Gefahr einzustürzen, und sie musste aufwändig wieder neu gestützt werden. Vor einigen Jahren stellte das Designstudio von Thomas Heatherwick einige seiner sogenannten „spun chairs“ in der Painted Hall auf, damit man sich die Decke besser ansehen konnte.

Auch die Great Stairs, die monumentale Treppe, ist beeindruckend sowie der schwarz-weiße Marmorfußboden. Man müsste diese wunderschöne Halle ganz für sich allein haben, um sie zu genießen, nachdem alle Besucher Chatsworth verlassen haben, aber in diesen Genuss kommen wohl nur der gegenwärtige 12. Duke of Devonshire und seine Familie. Hier ist im Film ein kurzer Schwenk durch den Raum zu sehen.

Die englische Schauspielerin Keira Knightley drehte im Chatsworth House und in der Painted Hall zwei Filme: 2008 „The Duchess“ (dt. „Die Herzogin“), in dem sie Georgiana Dorothy Cavendish, die Duchess of Devonshire verkörperte. Drei Jahre zuvor war sie in „Pride and Prejudice“ (dt. „Stolz und Vorurteil“) zu sehen, da diente Chatsworth House als Pemberley, wo Mr. Darcy wohnte.

Photo: philhearing.
Creative Commons 2.0
Photo: ell brown.
Creative Commons 2.0
Published in: on 8. März 2022 at 02:00  Comments (4)  

The Millennium Seed Bank Partnership auf dem Gelände von Wakehurst Place (West Sussex) – Die größte Pflanzensamen-Sammlung der Welt

Photo © Raymond Knapman (cc-by-sa/2.0)

Wakehurst Place bei Ardingley in West Sussex ist ein Landhaus aus dem Jahr 1590, das…natürlich dem National Trust gehört. Seit 1965 haben die Royal Botanic Gardens in Kew das Gelände gepachtet und darauf die größte Pflanzensamen-Sammlung der Welt errichtet, The Millennium Seed Bank Partnership. In unterirdischen Räumen, in denen eine Temperatur von −20 °C herrscht, werden über zwei Milliarden Samen von mehr als 38 000 verschiedenen Pflanzen gelagert und es werden von Tag zu Tag mehr. Das Ziel des Projektes ist, von sämtlichen Pflanzen, die in Großbritannien wachsen, Samen vorrätig zu halten; weiterhin will man hier in Wakehurst von rund 25% aller weltweit bekannten Pflanzen Muster bereit halten. Es wird aber nicht nur gesammelt, sondern auch geforscht. In Zusammenarbeit mit über 100 Partnerschaften auf allen Kontinenten untersuchen Wissenschaftler unter anderem welche Pflanzen unter welchen Konditionen am besten wachsen und experimentieren mit Kryotechnik, der Tieftemperaturtechnik.

Die Forschungsarbeiten finden im Wellcome Trust Millennium Seed Bank Building statt, das Prince Charles im Jahr 2000 eröffnet hat. Der Wellcome Trust ist eine Stiftung, die die medizinische Forschung fördert.

Wer sich für das Thema interessiert: Die Seed Bank ist zu besichtigen wie auch Wakehurst Place selbst und die Gärten. Sich stärken kann man im Seeds Café und in der Stables Kitchen and Pantry.
Der Eintrittspreis: £14.95.

Hier ist ein Film über die Millennium Seed Bank Partnership.

The Wellcome Trust Millennium Seed Bank Building.
Photo: Patche99Z.
Creative Commons 3.0
Das Besucherzentrum.
Photo © Andy Potter (cc-by-sa/2.0)

Doyden Castle bei Port Quin in Cornwall

Photo © Sarah Charlesworth (cc-by-sa/2.0)

Samuel Symons war ein wohlhabender Geschäftsmann, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Wadebridge in Cornwall lebte. Mr Symons war ein Mann, der es sich gern gut gehen ließ, der gern trank, spielte und auch anderen Verlustierungen nicht aus dem Weg ging. Doch Wadebridge war dafür nicht so die ideale Location, er stand da zu sehr unter Beobachtung. Also baute er sich im Jahr 1832 seine eigene kleine Burg, weit entfernt von der Zivilisation, an der Nordküste von Cornwall, das nächste Dorf war Port Quin, und nannte sie Doyden Castle. Hier konnte er zusammen mit seinen Freunden (und Freundinnen?) den Vergnügungen nach gehen, die er so schätzte.

Doyden Castle steht noch immer und ist jetzt in der Obhut des National Trusts, kann zwar nicht besichtigt aber bewohnt werden. Die Burg ist ein voll ausgestattetes „Ferienhaus“ mit einem Schlafzimmer im ersten Stock, einem Wohnzimmer im Erdgeschoss, Küche, Badezimmer usw. Der Aufenthalt im Doyden Castle kostet je nach Saison für zwei Personen etwa ab £2000 pro Woche.

Fans der britischen TV-Serie „Doc Martin“ (in Deutschland wurde sie im Free-TV von Sat1 Gold gezeigt), überwiegend in Port Isaac in Cornwall gedreht, kennen die Burg aus der fünften Staffel, in der sie Pentire Castle heißt (hier ist ein längerer Ausschnitt, in dem die Burg gut zur Geltung kommt). Auch für die Fernsehserie „Poldark“ (die von 1975) wurde hier gedreht, da diente die Burg als Wohnort von Dr Dwight Enys (auch hier ein Filmausschnitt).

Photo © Andy F (cc-by-sa/2.0)
Photo: Christopher Dart.
Creative Commons 2.0
Published in: on 23. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die unheimlichen Drachenköpfe von Wallington Hall in Northumberland

Photo © Richard Sutcliffe (cc-by-sa/2.0)

Besonders unheimlich sieht das Gebäude von Wallington Hall bei Cambo in der Grafschaft Northumberland eigentlich gar nicht aus, doch soll es dort nicht mit rechten Dingen zugehen wie ich in meinem Blogeintrag vom 21. August 2015 schon einmal geschrieben habe. So richtig gruselig sehen allerdings die vier steinernen Drachenköpfe aus, die auf einer Wiese vor der Hall liegen. Grinsen sie oder sehen sie die Besucher auf böse Weise an? Wer weiß…

„Geboren“ wurden die vier nicht in der nördlichsten Grafschaft Englands, sondern in London. Ihre Heimat war eines der Stadttore von London, Bishopsgate, dort, wo häufig die abgeschlagenen Häupter von Kriminellen auf Stangen zur Schau gestellt wurden. Im Jahr 1760 riss man das Bishopsgate ab, da es sich zunehmend als Nadelöhr für den zunehmenden Verkehr der Hauptstadt erwies.

Sir Walter Calverley Blackett, Wallington Halls Besitzer, nahm sich der heimatlos gewordenen Drachenköpfe an und brachte sie auf einem Kohle transportierenden Schiff von London nach Newcastle (Sir Walter war ganz groß im Kohlehandel tätig). Von dort soll er sie zu seinem Rothley Castle gebracht haben, einem Folly, das Sir Walter in der Nähe von Wallington Hall erbaut hatte, wo die vier Köpfe erst einmal verschwanden. Erst 1928 fanden sie ihren jetzigen Platz auf der Wiese der Hall.

Photo © Andrew Curtis (cc-by-sa/2.0)
Rothley Castle.
Photo © Pete Saunders (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 11. Januar 2022 at 02:00  Comments (1)  

Dunham Massey Hall (Greater Manchester) und die umstrittene Skulptur eines schwarzen Mannes

Photo © Peter Turner (cc-by-sa/2.0)

Im Zuge der Black Lives Matter Bewegung in den USA gerieten dort einige Denkmäler ins Fadenkreuz, die Personen darstellten, mit denen Teile der Bevölkerung nichts mehr zu tun haben wollten. Es ging hier überwiegend um das Thema Sklaverei.

Die Bewegung griff auch in Großbritannien um sich, und immer mehr Leute hinterfragten die Skulpturen, die hier schon seit Menschengedenken standen. Waren es diese Männer wirklich wert, in dieser Form geehrt zu werden? Für Schlagzeilen sorgte beispielsweise die gewaltsame Entfernung der Statue des Edward Colston am 7. Juni 2020 in Bristol (ich berichtete darüber in meinem Blog).

Für eine Kontroverse sorgte auch eine Figur vor dem Eingang zur Dunham Massey Hall (Greater Manchester), ein Anwesen bei Altrincham, das dem National Trust gehört. Die Skulptur zeigt einen knienden, schwarzen, halbnackten Mann, der auf seinem Kopf eine Sonnenuhr trägt. Seit dem frühen 18. Jahrhundert kniet der Mann schon hier, bei dem es sich um keinen Sklaven sondern einen „Mohren“ handeln soll. Sie wird dem englischen Bildhauer Andries Carpentière (1672-1737) zugeschrieben beziehungsweise dessen Lehrmeister John Nost. „Blackamoor“ wurde diese Kunstrichtung genannt, die immer schwarze Männer abbildete, oft in erniedrigender Art und Weise.

Im Juni 2020 entschied sich der National Trust, die Figur abzubauen, da sie zunehmend für Unmut sorgte und sie einer anderen Verwendung zuzuführen, die die Grausamkeiten des Sklavenhandels mit einbezieht. An der Stelle der Figur hat der National Trust eine Tafel aufgestellt, auf der er erklärt, warum der schwarze Mann mit der Sonnenuhr entfernt wurde.

Es gibt zwei Strömungen im Land: Die eine möchte alles entfernen, was noch an den Sklavenhandel erinnert, die andere betrachtet das Thema zwar als eine dunkle Seite der britischen Geschichte, meint aber, dass man das nicht einfach ausradieren kann, indem man Denkmäler entfernt, sondern dass man sich damit auseinandersetzen muss.

Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Follies – The Sham Castle in Bath (Somerset)

Photo © Paul Brooker (cc-by-sa/2.0)

Der 1693 in Cornwall geborene Ralph Allen war ein wohlhabender Unternehmer, der das englische Postwesen reformierte und sich sehr um das Wohlergehen seine Wohnortes Bath in Somerset kümmerte, den er, zusammen mit dem „Master of Ceremonies“ Beau Nash und dem Architekten John Wood the Elder zu einem eleganten und mondänen Kurort entwickelte.

Ralph Allen besaß ein großes Haus mit 15 Zimmern in der Straße mit dem schönen Namen Old Lilliput Alley, von wo aus er einen wunderbaren Blick auf den Bathwick Hill oberhalb von Bath hatte. Irgendetwas fehlte ihm aber auf dem Hügel, und so kam er auf die Idee, dort oben eine Burg zu erbauen und sich an dem Anblick zu erfreuen. Eine richtige komplette Burg war aber eigentlich gar nicht nötig, eine Fassade reichte durchaus, und da Ralph Allen einige Steinbrüche in der Umgebung von Bath besaß, ließ er 1762 diese Burgattrappe, das Sham Castle, mit Steinen von dort erbauen. Das Folly besteht nur aus einer einzigen Mauer mit kunstvoll gestalteten Fenstern und Türmen, die Rückseite bietet überhaupt nichts Sehenswertes, Allen wollte sich ja nur an der Front seiner „Burg“ ergötzen.

Im Laufe der Zeit drohte das Sham Castle zu verfallen, denn nach dem Tod des Eigentümers interessierte sich niemand mehr dafür. 1921 ging es in den Besitz der Stadt Bath über, die es restaurieren ließ. Heute ziert das Castle den Bath Golf Club, einen privaten Golfplatz, so dass der Zugang nicht so ohne weiteres möglich ist.
Hier ist ein Film über das Sham Castle.

Es existieren noch weitere Sham Castles in England, Ralph Allen war nicht der einzige, der Burgattrappen bauen ließ. George Lyttelton, 1. Baron Lyttelton ließ sich zum Beispiel in Worcestershire auf seinem Landsitz das Hagley Park Castle erbauen; ebenfalls in Worcestershire ist das Clent Castle zu finden, eine hübsche kleine künstliche Burgruine aus dem 18. Jahrhundert.

…und die langweilige Rückseite des Sham Castles.
Photo © Neil Owen (cc-by-sa/2.0)
Hagley Park Castle in Worcestershire.
Photo © Paul Brooker (cc-by-sa/2.0)
Clent Castle in Worcestershire.
Photo © Paul Brooker (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. Dezember 2021 at 02:00  Comments (1)  

Christmas 2021 – Weihnachten im Belton House in Lincolnshire

Author: Myrialejean.
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Für mich ist die Vorweihnachts- und Weihnachtszeit in England etwas ganz Besonders; ich denke da vor allem an die herausgeputzten und illuminierten Landhäuser, die ihre Tore und ihre Gärten für Besucher öffnen. Im Laufe der Jahre habe ich einige dieser Häuser vorgestellt wie zum Beispiel das wunderschöne Waddesdon Manor in Buckinghamshire, Castle Howard in North Yorkshire oder Stockeld Park in West Yorkshire.

Heute möchte ich das vorweihnachtliche Belton House bei Grantham in Lincolnshire vorstellen. Belton House war das erste Country House in England, das ich bei meinen Reisen durch das Land besichtigt habe. Es war seit seiner Erbauung Ende des 17. Jahrhunderts bis 1984 Sitz der Brownlow-Familie. Edward Cust, siebter Baron of Brownlow übergab seinen Familiensitz 1984 an den National Trust, der damit wieder um ein Country House reicher war.

Ab dem 25. November werden die Gärten von Belton House für die Besucher geöffnet. Meister der Illuminationstechnik haben vorab viel Zeit investiert, um die Gärten in eine weihnachtliche Atmosphäre zu versetzen mit Lichttunneln und beleuchteten Bäumen. Wenn man den ganzen Christmas Trail entlang spaziert, braucht man dafür etwa neunzig Minuten.

In auf dem Gelände aufgestellten Buden kann man sich mit Glühwein oder heißer Schokolade aufwärmen und im National Trust Gift Shop vielleicht das eine oder andere Weihnachtsgeschenk finden. In diesen Shops fällt mir immer wieder ein ganz spezieller, angenehmer Duft auf, der wahrscheinlich von den Seifen, Parfüms und Kerzen kommt.

Der Eintritt zu diesem Spektakel kostet bei Vorausbuchung der Tickets £20, Kinder zwischen drei und sechzehn Jahren zahlen £14. Das nördlich von Grantham gelegene Belton House liegt verkehrsgünstig nahe der A1.

Dieser Film zeigt, was die Besucher erwarten wird.

Photo © Andrew Abbott (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Gawsworth Hall Open Air Theatre

Photo © Peter Turner (cc-by-sa/2.0)

Im Dunstkreis der Stadt Macclesfield liegt das Dorf Gawsworth in der Grafschaft Cheshire. Das Highlight des Dorfes ist die Gawsworth Hall, ein beeindruckendes Country House, das in Privatbesitz ist und das zu bestimmten Zeiten zur Besichtigung freigegeben ist. Seit 1969 finden hier im Sommer im Open Air Theatre kulturelle Veranstaltungen statt, die vor der Kulisse des Tudorhauses für die Besucher besonders stimmungsvoll sind. Wie in England üblich, sind die Gäste eingeladen, vor den Aufführungen ihr mitgebrachtes Picknick einzunehmen, das bei schönem warmem Wetter am See auf dem Gelände besonders gut schmeckt.

Die Theatersaison in Gawsworth Hall ist ein bunter Mix aus Schauspiel, Comedy und Konzerten. In diesem Jahr gab es vom 26. Juni bis zum 1. August beispielsweise eine Aufführung von William Shakespeares „Komödie der Irrungen“ und eine Reihe von Tributkonzerten (Queen, Tina Turner, Fleetwodd Mac). Die von mir erst kürzlich an dieser Stelle vorgestellte Foden’s Band trat auf und der Comedian Jimmy Carr ließ sich von den Besuchern feiern.

In diesem Jahr konnten die Gäste der Veranstaltungen nicht wie gewohnt unter einem großen Zeltdach sitzen, Zugeständnisse, die man wegen Corona machen musste.

Das über 500 Jahre alte Haus (hier einige Bilder) soll einmal der Wohnsitz von William Shakespeares mysteriöser Dark Lady gewesen sein, die in seinen Sonetten auftaucht. Möglicherweise war es Mary Fitton (1578-1647), Hofdame Königin Elizabeths I.

Photo © Neil Kennedy (cc-by-sa/2.0)

Mein Besuch in Birminghams Aston Hall

Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Auf der Suche nach Aston Hall strandeten wir mitten in der Großstadt Birmingham. Ich fuhr kurz auf einen Parkstreifen, damit wir unseren Stadtplan konsultieren konnten, da hielt ein Polizeiauto hinter uns, und wir wurden von zwei freundlichen Polizisten gefragt, ob sie helfen könnten. Wir sagten, dass wir die Aston Hall suchten und bekamen als Antwort: „No problem, just follow us“. Das Polizeiauto fuhr vorneweg, wir hinterher, und sie führten uns bis vor den Eingang von Aston Hall. Das kann man wirklich „Die Polizei, dein Freund und Helfer“ nennen. Thank you, Birmingham Police!!

Als wir uns nun das Schloss ansehen wollten, erfuhren wir, dass es an diesem Tage geschlossen war; da aber gerade eine angemeldete Schulklasse im Hause war, ließ man uns trotzdem hinein. So viel zur Freundlichkeit der Brummies wie die Bewohner Birminghams genannt werden!

Aston Hall ist ein imposantes Schloss, das im Besitz der Stadt Birmingham ist und in den Jahren 2008/09 komplett renoviert worden ist.
Das Schloss, im sogenannten „Jacobean Style“ erbaut, entstand in der Zeit von 1618 bis 1635 unter der Regie des Architekten John Thorpe, und der erste Besitzer und Bewohner von Aston Hall war ein gewisser Sir Thomas Holte.

Der Sohn des berühmten schottischen Erfinders James Watt übernahm das Schloss 1817, bis es 1864 in den Besitz der Stadt Birmingham überging.  Der Garten wurde neu angelegt, und man kümmerte sich intensiv um den Erhalt dieses wirklich sehr schönen Gebäudes.

Heute ist Aston Hall ein Museum (Eintrittspreis: £9), in dem man zum Beispiel. Räume aus verschiedenen Epochen besichtigen kann.
Nur etwa 200m entfernt liegt übrigens das Stadion des Fußballvereins Aston Villa.

Hier ist eine Film über Aston Hall.

Aston Hall
Trinity Road
Aston
Birmingham, B6 6JD

Author: scrappy annie.
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Eigenes Foto des Guidebooks.
Mein Guidebook..
Published in: on 13. November 2021 at 02:00  Comments (2)  

Prideaux Place bei Padstow in Cornwall – Rosamunde Pilcher-Verfilmungen, Geister und ein Teddybär mit einem merkwürdigen Namen

Photo © G Laird (cc-by-sa/2.0)

Millionen von deutschen Fernsehzuschauern kennen dieses schöne Herrenhaus bei Padstow in Cornwall; viele wissen aber nicht wie es heißt und wo es liegt. Das ZDF benutzte Prideaux Place viele Male als Kulisse für seine Verfilmungen von Rosamunde Pilcher-Geschichten („Heimkehr“, „Das Ende eines Sommers“, Das große Erbe“ etc.).

14 Generationen von Prideauxs wohnten nun schon in diesem Haus, seit es 1592 erbaut wurde. Peter & Elisabeth Prideaux-Brune sind die heutigen Besitzer und Bewohner von Prideaux Place, die ihr Haus für Besucher geöffnet haben, von denen viele aus Deutschland kommen. Aus diesem Grund werden die Touren durch das Haus auch in deutscher Sprache angeboten.

Prideaux Place wird von schönen Gärten und einem Wildpark umgeben. Es heißt, wenn das Wild hier einmal aussterben sollte, würde es die Prideaux-Familie ebenfalls. Kein Wunder, dass das Wild gehegt und gepflegt wird.

Die Geisterjäger-Serie „Most Haunted„von Living TV mit Medium Derek Acorah untersuchte das Haus schon einmal und natürlich wurde Acorah auch dieses Mal fündig (hier zu sehen).

Ein hübsches kleines Mitbringsel als Erinnerung an einen Besuch in Prideaux Place ist das kleine Buch „Me too: A bear’s eye view“ von Carmen Hocking, die im Haus arbeitet. Es handelt von den Abenteuern des kleinen Bären Me Too, der Peter Prideaux-Brune gehört und der tagsüber in der Bibliothek sitzt, des Nachts aber alle seine Freunde, wie andere Teddybären, Kaninchen und Katzen, um sich herum schart und die sich dann alle zusammen amüsieren und Spiele spielen. Der Name des Bären ist etwas unglücklich gewählt, aber das geschah bereits bevor die „Me too“-Bewegung ins Leben gerufen wurde.

Ein Besuch von Prideaux Place lohnt sich, nicht nur für Rosamunde Pilcher-Fans. Hier ist ein Film über das Haus.

Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)
Im Wildpark von Prideaux Place.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 28. Oktober 2021 at 02:01  Comments (2)  

Brereton Hall in Cheshire – Ein jähzorniger Landbesitzer und ein Braunbär

Photo © Lyn Haigh (cc-by-sa/2.0)

Brereton Hall in Cheshire, was für ein schönes Haus! Beschäftigt man sich mit England, stößt man ständig auf neue Landhäuser, die man vorher noch nicht kannte. Brereton Hall ist so ein Haus, das in Privatbesitz ist und nicht besiuchtigt werden kann. Es liegt zwischen der Autobahn M6 und der A54, nahe des gleichnamigen Ortes Brereton.

Wie üblich in meinem Blog gehe ich auch hier nicht ausführlich auf die Geschichte des Hauses ein, das kann man sehr gut andernorts nachlesen, sondern habe eine Begebenheit aus den Annalen der Hall herausgesucht, die recht ungewöhnlich ist.

Der Erbauer von Brereton Hall, Sir William Brereton (1550-1631) , war ein jähzorniger Mann, und wenn etwas nicht so lief wie er sich das vorstellte, konnte er schnell ausrasten, so geschehen an einem Abend, als Sir William sein Dinner zu sich nahm. Einer seiner Diener unterbrach sein genüssliches Abendessen, so dass er sofort in die Luft ging, dem in panischer Eile entfliehenden Mann hinterherrannte und ihn ermordete. Als Sir William sich wieder beruhigt hatte und sah, was er angerichtet hatte, begab er sich auf schnellstem Wege nach London zum König, um ihn um Gnade zu bitten. Der zauderte erst und wollte ihn nicht so davonkommen lassen, also bot er Sir Wiliam einen Deal an. Wenn es ihm in drei Tagen gelänge, für einen seiner Braunbären einen effektiven Maulkorb zu entwickeln, würde er ihn begnadigen, wenn nicht…dann würde der Bär schon für die Strafe sorgen! Sir William machte sich an die Arbeit, bastelte einen Maulkorb zusammen, und als er dem Bär gegenüber trat, warf er das Gerät über dessen Kopf und konnte unbeschadet den Käfig wieder verlassen. Gerade noch einmal gutgegangen. Von da an tauchte der Bär mit dem Maulkorb im Wappen der Familie Brereton auf.

In dem Dorf Brereton wird dieser Geschichte noch immer alljährlich im Juli auf dem Bear Festival gedacht.

Hier sind Bilder von der Hall zu sehen.

Auf dem Brereton Bear Festival.
Author: Kollage Kid.
Creative Commons 2.0
Published in: on 10. Oktober 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Owlpen Manor bei Uley in Gloucestershire – Ein Tudor-Manor House, in dem es spuken soll

Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Von dem kleinen Gloucestershire-Dorf Uley führt eine kleine sehr schmale Straße zu dem einsam gelegenen Owlpen Manor, ein romantisches Haus, „The loveliest place in England“ wie es ein Reiseführer einmal ausdrückte.
Über Uley habe ich in meinem Blog schon einmal berichtet; ein hübsches Dorf mit einem netten Pub, einer Brauerei und einer schönen Kirche.

Owlpen Manor, das auf eine sehr lange wechselvolle Geschichte zurückblicken kann, gehört seit 1974 Sir Nicholas Mander und ist für die Öffentlichkeit zugänglich, allerdings nur für Gruppenführungen; derzeit aber wegen Corona nicht.

In so einem alten Haus muss es einfach auch spuken und das tut es hier auch zur Genüge. Mehrere Gespenster sind im Owlpen Manor schon gesichtet worden, darunter auch Königin Margaret von Anjou, die hier 1471 auf dem Weg zur Schlacht von Tewkesbury Station machte.
Weiterhin treibt im Manor ein Schwarzer Mönch sein Unwesen, sowie Thomas Daunt, ein Zauberer und Alchimist, der hier einmal wohnte.

Die Crew der Fernsehserie „Most Haunted“ des Senders Living TV mit Yvette Fielding war im Owlpen Manor im März 2004 zu Gast und versuchte, den paranormalen Phänomenen auf die Spur zu kommen. Hier ist der erste Teil der Sendung zu sehen.

Das Manor-Haus ist bei Film und Fernsehen sehr beliebt; so wurden hier zahlreiche Dokumentationen, aber auch einige Spielfilme gedreht wie zum Beispiel“Tess of the d’Urbervilles„, „The Other Boleyn Girl“ und zuletzt im Jahr 2017Phantom Thread

Auf dem Owlpen Manor Estate liegen übrigens auch 9 Cottages, die man mieten kann und die beispielsweise Apple Loft, Summerfield und Peter’s Nest heißen.

Ein Besuch im Owlpen Manor lohnt auf jeden Fall (sobald es wieder geöffnet ist).

Owlpen Manor
near Uley
Gloucestershire GL11 5BZ

Author: carolyngifford.
Creative Commons 2.0
Author: carolyngifford.
Creative Commons 2.0


Sir Winston Churchills Landsitz Chartwell in Kent und seine Katzen

Photo © Richard Rogerson (cc-by-sa/2.0)

In meinen nun nahezu 4000 Blogeinträgen habe ich erstaunlicherweise noch nie über Sir Winston Churchills Landsitz Chartwell bei Westerham in Kent (der Ort ist definitiv auch einen Besuch wert, siehe dazu meinen Blogeintrag) geschrieben, obwohl ich ihn vor einigen Jahren besucht habe. Das sehr ansprechende Landhaus, das dem National Trust gehört, erweckt den Eindruck, als ob der frühere Eigentümer eben mal kurz um die Ecke verschwunden ist und gleich wieder zurückkommt. Alles ist so belassen wie es zu Churchills Zeiten war, der am 24. Januar 1965 starb, und der vielleicht von oben herab wohlwollend das Treiben in Chartwell betrachtet, das Besucher aus der ganzen Welt anlockt.

Sir Winston war ein sehr tierliebender Mensch und daher war Chartwell zu seinen Lebzeiten von allerhand Getier bevölkert. Sein absoluter Favorit war seine Katze Jock, die ihm einmal sein Privatseketrär Sir John Rupert Colville, genannt Jock, geschenkt hatte. Die Katze war eine sogenannte „marmalade cat„, das heißt, ihr Fell war orangefarben mit schmalen gelb-braunen Streifen. Jock wurde heiß geliebt und gegen Ende seines Lebens verfügte der große Staatsmann, dass auf seinem Landsitz immer eine Katze sein sollte, die so wie der „Original Jock“ aussieht.

Heute lebt seit Mai 2020 auf Chartwell Jock Nummer 7. Sunshine, so sein ursprünglicher Name, wurde zusammen mit vielen anderen Kätzchen von der Tierschutzorganisation RSPCA aus erbärmlichen Lebensverhältnissen gerettet, aufgepäppelt… und dann von Chartwells Visitor Experience Manager Viktoria Austen adoptiert. Besser hätte es das Schicksal mit der kleinen Marmeladenkatze nicht meinen können; Sunshine entsprach exakt den Vorgaben für eine Chartwell-Katze und so wurde aus ihr Jock VII. Der Vorgänger, Jock VI, lebte von 2014 bis 2020 auf Sir Winstons ehemaligem Landsitz, ihm ging es aber immer schlechter, er war fast blind, konnte sich nicht mehr richtig orientieren und ging in Rente, bei einem National Trust-Mitarbeiter.

Hier ist ein Film über Sir Winstons Landhaus.

Jock VI im Garten von Chartwell.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 27. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Apley Hall in Shropshire – Ein Herrenhaus, auf das Adolf Hitler ein Auge geworfen hatte

Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

In meinem Blogeintrag vom 5. September 2015 schrieb ich über die Rochdale Town Hall, ein neugotisches Bauwerk im Bezirk Greater Manchester, das Adolf Hitler im Zweiten Weltkrieg so faszinierte, dass er es, nach einer erfolgreichen Invasion Großbritanniens, Stein für Stein abtragen lassen und in Deutschland wieder aufbauen wollte. Was für eine verrückte Idee!

Doch Hitler hatte noch ein weiteres Gebäude ins Auge gefasst: Apley Hall in der Grafschaft Shropshire. Hier sollte sein Hauptquartier sein, das hatte er sich fest in den Kopf gesetzt, und so stand es auch in den Geheimplänen, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs entdeckt wurden.

Die ebenfalls im neugotischen Stil erbaute Apley Hall steht in der tiefen Provinz, die nächste erwähnenswerte Stadt ist Bridgnorth. In den 1940er Jahren war das Haus im Besitz eines Major A. W. Foster, der sich bereits im Burenkrieg und im Ersten Weltkrieg ausgezeichnet hatte und der im Falle einer deutschen Invasion schnell die Koffer hätte packen müssen, um dem Führer sein schönes Haus zu überlassen. Glücklicherweise wurde aus der Invasion nichts und Apley Hall blieb in englischer Hand.

In Bridgnorth munkelte man damals schon, dass die Bewohner möglicherweise bald einen neuen Nachbarn haben könnten, worüber in der kleinen Stadt natürlich niemand begeistert war.

Im Jahr 1811 ist Apley Hall fertiggestellt worden und diente der Familie Whitmore als Stammsitz. 1867 übernahm die Familie Foster das Haus und hier wurde 1883 der exzentrische Gerald Hugh Tyrwhitt-Wilson, 14th Baron Berners, geboren, den ich in meinem Blog schon einmal porträtierte (der Mann mit den bunt gefärbten Tauben). Apley Hall soll auch für P.G. Wodehouses Blandings Castle Pate gestanden haben, der Schriftsteller war mehrmals hier zu Gast.

Heute ist das Country House in Apartments unterteilt und dient als Wohnsitz für (wohlhabende) Familien.

Photo © Richard Law (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 11. September 2021 at 02:00  Comments (2)  

Der weltweit einzige Obstbaum-Irrgarten in der Combermere Abbey in Cheshire

Die Combermere Abbey ist ein sehr schön anzusehender Gebäudekomplex im Süden der Grafschaft Cheshire, deren Anfänge bis in das 13. Jahrhundert zurückreichen. Im Zuge der „Dissolution of the monasteries“ Heinrichs VIII. wurde die Abtei 1538 aufgelöst. Doch die Geschichte der Combermere Abbey soll nicht im Mittelpunkt meines heutigen Blogeintrages sein, sondern ein spezieller Aspekt, der mit einem Irrgarten und Hochzeitspaaren zu tun hat.

Auf dem Gelände der ehemaligen Abtei gibt es einen ummauerten Garten, der einen Rosengarten, einen Croquetrasen und einen Irrgarten beinhaltet; keinen gewöhnlichen Irrgarten, sondern einen aus Obstbäumen und Beerensträuchern, den einzigen dieser Art auf der ganzen Welt. Das „fruit maze“ wurde 1922 geschaffen, aus Apfel- und Birnenbäumen, dazwischen Johannisbeer- und Stachelbeersträucher. Bis zum Zentrum des Irrgartens und zurück muss man immerhin 600 Meter zurücklegen. Ist man dann im Zentrum angekommen, trifft man auf ein Glashaus aus edwardianischer Zeit, das für besondere Anlässe zur Verfügung steht, in erster Linie für Hochzeitsfeiern. Dort ist es möglich, sich zivil trauen zu lassen und das Ehegelöbnis abzulegen, anschließend wird im Pavilion diniert und getanzt, und das Hochzeitspaar kann in der Honeymoon Suite der Combermere Abbey übernachten. Klingt wirklich sehr verlockend, und viele angehende Hochzeitspaare konnten dieser Verlockung nicht widerstehen und buchten die Abbey für diesen besonderen Tag in ihrem Leben. Auf youtube gibt es eine ganze Menge Hochzeitsvideos, die hier gedreht wurden. Als Beispiel habe ich dieses Video herausgesucht (mit einer sehr hübschen Braut!!).

Combermere Abbey Estate
Nantwich

Cheshire, SY13 4AJ

Photo © Espresso Addict (cc-by-sa/2.0)

Mein Buchtipp – Exploring Britain’s Historic Houses

Foto meines Exemplares
(Das Umschlagbild zeigt die Hardwick Hall in Derbyshire)

Die britische Automobile Association (AA) bringt oft sehr ansprechende Bücher auf den Markt, so auch das bereits 2011 erschienene „Exploring Britain’s Historic Houses: Discovering Britain’s most beautiful and fascinating buildings„. Ich habe mein Exemplar in einem National Trust Shop gekauft, in denen es immer wunderschöne Bücher gibt.

Das heute vorgestellte Buch umfasst alle bekannten und auch weniger bekannte Stately Homes, Manor Houses, Burgen und Schlösser, von denen es im Königreich nicht wenige gibt. „…but this is not just a story of bricks and mortar…for colourful characters and important historical figures also populate the pages of the book“, so steht es im Vorowort zu lesen.

In erster Linie erfreut man sich an den wunderschönen Fotografien der Häuser…und ist ein wenig traurig, dass man nicht an Ort und Stelle sein kann. Es ist ein Buch für Armchair Traveller, es eignet sich aber auch gut zur Vorbereitung einer Reise nach Großbritannien; Anregungen dafür bekommt man in Hülle und Fülle.

Den Anfang machen die Häuser im Südwesten: Athelhampton, Berkeley Castle, Dyrham Park und so weiter, den Abschluss bilden ihre schottischen Pendants wie der Scone Palace, das Inverary Castle und das Glamis Castle.

Ich kann bei der Lektüre des Buches einige Stunden Glückseligkeit und Entrücktheit garantieren!

Exploring Britain’s Historic Houses: Discovering Britain’s most beautiful and fascinating buildings. AA Publishing 2011. 224 Seiten. ISBN 978-0-7495-6803-0.

Invitation to View – Führungen durch historische Häuser

Hall, Bishops Tawton in Devon.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Viele der großen englischen Stately Homes sind für Besichtigungen geöffnet und in der Hauptsaison kann es da schon ganz schön voll werden; ich denke da zum Beispiel an Blenheim in Oxfordshire, Chatsworth in Derbyshire oder an Castle Howard in North Yorkshire. Die besondere Atmosphäre dieser Häuser kommt dann leider nicht zum Tragen, wenn sich Menschenmassen durch die Räume schieben.

Es gibt aber auch eine Fülle von Landhäusern in Privatbesitz, die in der Regel ihre Türen nicht für Besucher öffnen, in die man ebenfalls gern einen Blick werfen würde. Da kommt Invitation to View zum Tragen, ein Netzwerk historischer Häuser, die an ausgewählten Tagen des Jahres Führungen zulassen. Selbst wenn diese Häuser auch für die Öffentlichkeit zugänglich sind, bietet Invitation to View spezielle Touren in die Bereiche an, die sonst nicht Teil der Führungen sind.

In den meisten Fällen werden die Führungen von den Besitzern der historischen Häuser selbst vorgenommen, und die Besucher erhalten etwas zum Trinken und zum Essen, es ist also alles sehr privat und exklusiv.

Voraussetzung, um an einer dieser Touren teilzunehmen, ist die Mitgliedschaft (£56 im Jahr) bei der Historic Houses Association, einem Verbund von 1650 Häusern, Schlössern und Gärten in Privatbesitz. Präsidentin ist zur Zeit Martha Lytton Cobbold, verheiratet mit Henry Cobbold aus der berühmten Familie, die in der 19. Generation im Knebworth House wohnt.

Im Anschluss sind einige der Häuser im Bild aufgeführt, die man mit Hilfe von Invitation to View in der nächsten Zeit ansehen kann.

Goldsborough Hall in North Yorkshire.
Photo © Andrew Abbott (cc-by-sa/2.0)
Combermere Abbey in Cheshire.
Photo © Espresso Addict (cc-by-sa/2.0)
Acton Scott Hall in Shropshire.
Photo © Peter Whatley (cc-by-sa/2.0)
Ingatestone Hall in Essex.
Photo © John S Turner (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 23. Juli 2021 at 02:00  Comments (4)  

Das Manor House – Der Gutsherrensitz in englischen Dörfern

Photo © Geographer (cc-by-sa/2.0)

In klassischen, alten englischen Dorfkrimis spielt häufig das Manor House eine Rolle, in dem eine hochrangige Persönlichkeit wohnt. Clive Aslet hat in seinem Buch „Villages of Britain“ eine sehr treffende Beschreibung für das Manor House abgegeben: „The words conjure up a picturesque dream of roaring fires in whitewashed halls, of oak panelling and carved stonework glimpsed through the shadows, the glint of pewter, mysterious tapestries…Often built near the church, the manor house is part of the immemorial fabric of the countryside„. Clive Aslet, der ehemalige Herausgeber des Country Life Magazins, hat diese Beschreibung in einem Artikel über das Manor House von Hammoon in Dorset festgemacht, ein besonders schönes Exemplar.

In meinem Blog möchte ich heute einige Beispiele für diese Gutsherrenhäuser im Bild geben.

The Manor House in Hammoon (Dorset).
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)
Direkt neben der Kirche liegt das Manor House von Little Missenden in Buckinghamshire (siehe dazu auch meinen Blogeintrag).
Eigenes Foto.
Stoke Poges Manor House in Buckinghamshire, einst Wohnsitz der Penn-Familie, nach der der US-Bundesstaat Pennsylvania benannt wurde.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)
Das Manor House von Amberley, Teil des Amberley Castle Hotels in West Sussex (siehe dazu meinen Blogeintrag).
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)
Tarporley Manor in Cheshire aus dem Jahr 1585.
Photo © Jeff Buck (cc-by-sa/2.0)
Asthall Manor in Oxfordshire. Hier wohnte die berühmte Mitford-Familie von 1919 bis 1926.
Photo © Vieve Forward (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 21. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen