Invitation to View – Führungen durch historische Häuser

Hall, Bishops Tawton in Devon.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Viele der großen englischen Stately Homes sind für Besichtigungen geöffnet und in der Hauptsaison kann es da schon ganz schön voll werden; ich denke da zum Beispiel an Blenheim in Oxfordshire, Chatsworth in Derbyshire oder an Castle Howard in North Yorkshire. Die besondere Atmosphäre dieser Häuser kommt dann leider nicht zum Tragen, wenn sich Menschenmassen durch die Räume schieben.

Es gibt aber auch eine Fülle von Landhäusern in Privatbesitz, die in der Regel ihre Türen nicht für Besucher öffnen, in die man ebenfalls gern einen Blick werfen würde. Da kommt Invitation to View zum Tragen, ein Netzwerk historischer Häuser, die an ausgewählten Tagen des Jahres Führungen zulassen. Selbst wenn diese Häuser auch für die Öffentlichkeit zugänglich sind, bietet Invitation to View spezielle Touren in die Bereiche an, die sonst nicht Teil der Führungen sind.

In den meisten Fällen werden die Führungen von den Besitzern der historischen Häuser selbst vorgenommen, und die Besucher erhalten etwas zum Trinken und zum Essen, es ist also alles sehr privat und exklusiv.

Voraussetzung, um an einer dieser Touren teilzunehmen, ist die Mitgliedschaft (£56 im Jahr) bei der Historic Houses Association, einem Verbund von 1650 Häusern, Schlössern und Gärten in Privatbesitz. Präsidentin ist zur Zeit Martha Lytton Cobbold, verheiratet mit Henry Cobbold aus der berühmten Familie, die in der 19. Generation im Knebworth House wohnt.

Im Anschluss sind einige der Häuser im Bild aufgeführt, die man mit Hilfe von Invitation to View in der nächsten Zeit ansehen kann.

Goldsborough Hall in North Yorkshire.
Photo © Andrew Abbott (cc-by-sa/2.0)
Combermere Abbey in Cheshire.
Photo © Espresso Addict (cc-by-sa/2.0)
Acton Scott Hall in Shropshire.
Photo © Peter Whatley (cc-by-sa/2.0)
Ingatestone Hall in Essex.
Photo © John S Turner (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 23. Juli 2021 at 02:00  Comments (2)  

Das Manor House – Der Gutsherrensitz in englischen Dörfern

Photo © Geographer (cc-by-sa/2.0)

In klassischen, alten englischen Dorfkrimis spielt häufig das Manor House eine Rolle, in dem eine hochrangige Persönlichkeit wohnt. Clive Aslet hat in seinem Buch „Villages of Britain“ eine sehr treffende Beschreibung für das Manor House abgegeben: „The words conjure up a picturesque dream of roaring fires in whitewashed halls, of oak panelling and carved stonework glimpsed through the shadows, the glint of pewter, mysterious tapestries…Often built near the church, the manor house is part of the immemorial fabric of the countryside„. Clive Aslet, der ehemalige Herausgeber des Country Life Magazins, hat diese Beschreibung in einem Artikel über das Manor House von Hammoon in Dorset festgemacht, ein besonders schönes Exemplar.

In meinem Blog möchte ich heute einige Beispiele für diese Gutsherrenhäuser im Bild geben.

The Manor House in Hammoon (Dorset).
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)
Direkt neben der Kirche liegt das Manor House von Little Missenden in Buckinghamshire (siehe dazu auch meinen Blogeintrag).
Eigenes Foto.
Stoke Poges Manor House in Buckinghamshire, einst Wohnsitz der Penn-Familie, nach der der US-Bundesstaat Pennsylvania benannt wurde.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)
Das Manor House von Amberley, Teil des Amberley Castle Hotels in West Sussex (siehe dazu meinen Blogeintrag).
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)
Tarporley Manor in Cheshire aus dem Jahr 1585.
Photo © Jeff Buck (cc-by-sa/2.0)
Asthall Manor in Oxfordshire. Hier wohnte die berühmte Mitford-Familie von 1919 bis 1926.
Photo © Vieve Forward (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 21. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Seaton Delaval Hall in Northumberland – Wilde Parties und ein tödlicher Tritt ins Gemächt

Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)

Seaton Delaval Hall in Northumberland, das seit 2009 dem National Trust gehört, ist ein weiteres Meisterwerk des Stararchitekten Sir John Vanbrugh (1664-1726), zu dessen berühmtesten Leistungen der Blenheim Palace in Oxfordshire und Castle Howard in North Yorkshire gehören.

Der Admiral George Delaval, dessen Familie schon seit ewigen Zeiten hier nördlich von Newcastle-upon-Tyne wohnte, erteilte dem Architekten im Jahr 1718 den Auftrag, an Stelle des bisherigen Landhauses ein neues zu bauen, das dann 1728 fertig gestellt wurde, leider erst zwei Jahre nach dem Tod des Admirals. Statt seiner setzte sich sein Neffe Captain Francis Blake Delaval in das gemachte Nest.

Die sogenannten Gay Delavals waren damals berühmt-berüchtigt für ihre wilden Parties, die sie in den Räumlichkeiten des Landhauses abhielten. Da fanden Kostümbälle statt und den Gästen wurden häufig Streiche gespielt, was die Gastgeber in vollen Zügen genossen (die Gäste vielleicht nicht in gleichem Maße). Da verschwanden plötzlich Trennwände in den Zimmern, Einrichtungsgegenstände standen nicht auf dem Boden, sondern waren an der Decke befestigt und Gäste fanden sich plötzlich in eiskaltem Wasser wieder. Ein wenig davon hat sich auch in das 21. Jahrhundert gerettet in Form der Carnival Capers („English eccentricity in stately surroundings…designed to reflect the 18th century Delaval family’s notorious reputation for parties and capers“).

Dass es in Seaton Delaval Hall nicht immer nur lustig zugehen konnte, musste der 19jährige Sohn von Sir John Delaval (1728-1808), der auch John hieß, 1775 am eigenen Leib erfahren. Er näherte sich einer Hausangestellten in unziemlicher Weise, die sich nicht anders zu helfen wusste, als ihm einen ordentlichen Tritt ins Gemächt zu versetzen. Der Tritt hatte verheerende Folgen, denn der junge Mann erholte sich nicht davon und starb einige Zeit später. Der Maler John Bell hatte ihn noch vor dem tödlichen Tritt porträtiert (hier ist das Bild zu sehen). Sir John ließ seinen Sohn in der St Peter’s Church in Doddington in Lincolnshire beisetzen (den Delavals gehörte auch das Doddington Estate). Dafür wurde die Kirche im Inneren pechschwarz gestrichen, was auch für mehrere Jahrzehnte so blieb.

Im Jahr 1822 ging ein großer Teil des Hauses in Flammen auf. Teile davon wurden später restauriert, und diese Arbeiten ziehen sich tatsächlich bis in die heutige Zeit hin. Über £7 Millionen kamen vor einiger Zeit in Form von Spenden und Unterstützung durch den National Lottery Heritage Fund zusammen, um das Gebäude für die Zukunft zu sichern.
Für £8.80 kann man sich Sir John Vanbrughs Meisterwerk heute ansehen.

Hier ist ein Film über Seaton Delaval Hall.

Photo © Andrew Curtis (cc-by-sa/2.0)
Die Great Hall.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)
St Peter’s Church in Doddington (Lincolnshire).
Photo © Andrew Curtis (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 13. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Cragside House bei Rothbury in Northumberland – Das Haus eines genialen Erfinders

Photo © Andy F (cc-by-sa/2.0)

William George Armstrong, 1. Baron Armstrong war ein genialer Erfinder und außerordentlich erfolgreicher Industrieller. Geboren wurde er 1810 in Newcastle-on-Tyne, am 27.12.1900 starb er auf seinem Landsitz Cragside House bei Rothbury in Northumberland. Seinen Reichtum erwarb er sich in erster Linie durch die Herstellung von Waffen, so erfand er die nach ihm benannte Armstrong-Kanone. Als Armstrong starb, waren in seinen Unternehmen über 20 000 Menschen beschäftigt.

Cragside House wurde 1863 erbaut und Armstrong verwandelte seinen Landsitz immer mehr zu einem „Palace of a modern magician„. Er erfand immer neue Dinge und versuchte sie in seinem Haus einzubauen. Während er einmal im Dee angelte, kam ihm die Idee, Wasserkraft in elektrische Energie umzuwandeln. Genau das tat er dann auch 1868 und versorgte Cragside als erstes Haus in der ganzen Welt mit aus Wasserkraft gewonnener Energie. Er betrieb damit zum Beispiel einen Fahrstuhl und in der Küche einen rotierenden Bratspieß. In Cragside fand man damals schon eine Geschirrspülmaschine, fließendes kaltes und warmes Wasser und ein Türkisches Bad.

Armstrong lud einige Berühmtheiten in seinen „Zauberpalast“ ein, so staunten unter anderem der Schah von Persien und der König von Siam über die Erfindungen des Industriellen; auch der spätere König Edward VII und seine Frau Alexandra statteten Cragside einen Besuch ab.

Das im Tudor Revival Stil erbaute Haus wurde 1977 vom National Trust übernommen und 2007 generalüberholt. Das Haus und die ihn umgebenden Gärten (hier findet sich auch einer der größten Steingärten Europas) sind zu besichtigen (für den Preis von £13 pro Person).

Die BBC-Dokumentationsserie „Abroad Again in Britain„, von Jonathan Meades präsentiert, stellte Cragside vor. Hier ist der erste Teil zu sehen.

Cragside House
Rothbury
Morpeth NE65 7PX

Das Buch zum Artikel:
Henrietta Heald: William Armstrong – Magician of the North. Northumbria Press 2010. 320 Seiten. ISBN 978-1904794493.

Photo © Stuart Wilding (cc-by-sa/2.0)
Eines der Schlafzimmer in Cragside House.
Photo © Stuart Wilding (cc-by-sa/2.0)
Der Drawing Room.
Photo © Derek Voller (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 10. Juni 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mells Park in Somerset – Ein Haus, in dem Weltgeschichte geschrieben wurde

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Im Jahr 1917 brannte in Somerset der Landsitz der Horner-Familie, Mells Park, ab. Eigentlich wollten die Besitzer das Haus nicht mehr aufbauen, aber nach langen Überredungsversuchen des Stararchitekten Sir Edwin Lutyens (1869-1944) erklärte sich die Familie bereit, einem Neubau zuzustimmen, der von dem ehemaligen Innen- und Finanzminister Reginald McKenna vorgenommen wurde, der in die Familie eingeheiratet hatte. Also machte sich Lutyens ans Werk und errichtete Mells Park neu, im Stil des Neoklassizismus. In den 1930er Jahren zog McKenna aus und die Horners verkauften ihr Anwesen.

In den 1980er Jahren gehörte Mells Park der britischen Firma Consolidated Gold Fields, die Goldminen in Australien, den USA und Südafrika besaß. Und hier, in der tiefen Provinz der Grafschaft Somerset, geschah etwas, das tiefe Spuren in der Geschichte Südafrikas hinterlassen sollte. Unter absoluter Geheimhaltung trafen sich in Mells Park Vertreter der südafrikanischen Regierung mit Vertretern der ANC, der African National Congress Partei, unter Führung von Thabo Mbeki, der später Präsident Südafrikas werden sollte. Die Verhandlungen zogen sich von 1987 bis 1990 hin und endeten mit der Freilassung Nelson Mandelas. Vermittelt hatte die Gespräche Michael Young, ein ehemaliger Berater von Ministerpräsident Edward Heath und Angestellter von Consolidated Gold Fields. Was hier in Mells Park erreicht wurde, war die Abschaffung der Apartheid. Kaum jemand wusste damals von den geheimen Verhandlungen, die Abgeschiedenheit von Mells Park trug mit dazu bei.
Die Verhandlungspartner lebten eine Zeit lang zusammen, aßen zusammen und machten gemeinsam Spaziergänge im Park, auf diese Weise lernten sie sich besser kennen, und das Ergebnis der Gespräche war entsprechend positiv.

Die Vorgänge in Mells Park bildeten den Stoff für den Spielfilm „Endgame“ (dt. „Endgame“), der 2009 in die Kinos kam. Gedreht wurde nicht in Mells Park, sondern in der Umgebung von Reading in Berkshire. Hier ist der Trailer.

Mells Park ist in Privatbesitz und liegt wenige Kilometer westlich von Frome am Mells River.

Der musikalische Elefant im Waddesdon Manor in Buckinghamshire

Author: National Trust, Waddesdon Manor / Mike Fear
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Als der Schah von Persien, Nāser ad-Din Schāh, im Jahr 1889 das Waddesdon Manor in Buckinghamshire besuchte, das sein Besitzer Baron Ferdinand de Rothschild gerade hatte fertigstellen lassen, kam der Mann auf seiner Besichtigungstour durch das Haus auch in die East Gallery und da entdeckte er etwas, was er noch nie gesehen hatte und das sein Herz höher schlagen ließ. Es war ein Musikautomat in Form eines Elefanten, den der französische Uhrmacher Hubert Martinet etwa um das Jahr 1770 geschaffen hatte. Martinet arbeitete sowohl in Paris als auch in London, war für seine fantasievollen Kunstwerke bekannt, dieser Elefant aber gehört zu seinen absoluten Meisterwerken. Wo der musikalische Elefant überall war, bevor er in den Besitz des Barons kam, lässt sich nicht mehr eindeutig feststellen. Wenn er einen Mann wie den Schah, der in seinem Leben schon viel gesehen hatte, aber dermaßen faszinierte, dass er alles um sich herum vergaß und nur noch Augen für den Elefanten hatte, dann haben wir es hier wirklich mit etwas Einzigartigem zu tun.

Hubert Martinet hatte das „automaton„, wie es im Englischen heißt, aus Bronze gebaut. Zwei Schlüssel benötigt man, um den Elefanten zum Leben zu erwecken und die Musik erklingen zu lassen. Einer wird in den Bauch des Tieres gesteckt, der andere in die Plattform, auf der es steht. Jetzt beginnen sich die Ohren, die Augen, der Rüssel und der Schwanz zu bewegen, die vielen Figuren auf und neben dem Elefanten drehen sich und es gibt noch so manches andere zu bestaunen wie den orientalischen Herrscher, der zusammen mit seiner Frau auf einer Howdah steht wie man einen Elefantensitz in Indien bezeichnet. In diesem Film kann man sich das alles einmal ansehen.

Vier verschiedene Melodien kann man dem Kunstwerk entlocken, das allerdings selten in Aktion im Waddesdon Manor gezeigt wird, da es doch recht alt und empfindlich ist.

Ich finde das Waddesdon Manor wunderschön; es gehört für mich zu den eindrucksvollsten Bauwerken in England. Baron Ferdinand de Rothschild hat in seinem Haus eine Fülle von Kunstwerken zusammengetragen, aber der Elefant ist für viele Besucher die Nummer Eins.

Shipden Hall in West Yorkshire und die Abenteurerin Anne Lister (1791-1840)

Shibden Hall.
Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)

Vor zwei Jahren wurden im britischen Fernsehen eine achtteilige Serie gesendet, die den Titel „Gentleman Jack“ trug und die so gut bei den Zuschauern ankam, dass in diesem Jahr eine zweite Staffel gezeigt werden soll. Die TV-Serie basiert auf dem ungewöhnlichen Leben einer Frau, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte und die Anne Lister (1791-1840) hieß. Nur sehr wenige Frauen in der damaligen Zeit besaßen den Mut kreuz und quer durch die Welt zu ziehen und aus ihrer sexuellen Orientierung, sie war lesbisch, kein allzu großes Geheimnis zu machen. „Gentleman Jack“ war der Name mit dem sie von den Bewohnern der Stadt Halifax in West Yorkshire bezeichnet wurde, dort wo sie geboren wurde und wo sie ihren Landsitz Shibden Hall besaß.

Anne Lister führte ein sehr ausführliches Tagebuch, das insgesamt mehr als fünf Millionen Wörter umfasste, ein Teil davon in Geheimschrift geschrieben und zwar die Passagen, in denen es um ihre amourösen Beziehungen zu anderen Damen ging. Erst sehr viel später gelang es, diese Passagen zu entziffern. 1836 erbte Anne Shibden Hall, wo sie aber schon eine Weile gelebt hatte, von ihrer Tante. Zwei Jahre vorher ging sie zusammen am Ostersonntag mit ihrer Geliebten Ann Walker in die Holy Trinity Church in Yorks Godramgate zur Kommunion und von da an betrachteten sie sich anschließend als verheiratet, ohne dass die Beziehung legalisiert war. Eine Plakette an der Kirche erinnert an die „Eheschließung“.

Es würde zu weit führen, an dieser Stelle alle Reisen der Anne Lister aufzuführen; nur so viel, dass sie in viele europäische Länder reiste, den höchsten Berg in den französischen Pyrenäen bestieg und sich gern in Paris aufhielt. Ihre letzte Reise, die sie zusammen mit Ann Walker unternahm, führte die beiden Damen nach Osteuropa, nach Moskau und in den Kaukasus. Sie starb am 22. September 1840 in Georgien. Ihre Lebensgefährtin Ann brachte sie nach England zurück, wo sie im Halifax Minster beigesetzt wurde. Das ausgefüllte Leben der „first modern lesbian“ gäbe so viel Stoff her, das „Gentleman Jack“ noch viele weitere Staffeln erleben könnte.

Shibden Hall war dreihundert Jahre lang der Stammsitz der Familie Lister; er ging für einige Jahre in den Besitz von Ann Walker über, die 1854 starb. 1933 bekam die Halifax Corporation das Anwesen geschenkt, die in der Hall ein Museum einrichtete. Der Park und die Hall sind öffentlich zugänglich. Nach der Ausstrahlung von „Gentleman Jack“, das auch in Shibden Hall gedreht wurde, nahm der Besucherandrang deutlich zu.

Wer die Tagebücher einmal lesen möchte, bitte schön:
The Secret Diaries of Miss Anne Lister Vol. 1 and 2. Virago 2010. 448 Seiten und 352 Seiten. ISBN 978-1844087198 und 978-0349013336.

Hier „heirateten“ Anne Lister und Ann Walker: Die Holy Trinity Church in Yorks Goodramgate.
Eigenes Foto.

Published in: on 3. Februar 2021 at 02:00  Comments (1)  
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Barrington Court in Somerset – Eines der ältesten Besitztümer des National Trusts

Man liest hin und wieder, dass Barrington Court das erste Haus war, das der National Trust (NT) nach seiner Gründung im Jahr 1895 erworben hatte, was aber nicht stimmt, denn das trifft auf das Alfriston Clergy House in East Sussex zu (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Barrington Court ist ein stattliches Manor House im Dorf Barrington, nordöstlich von Ilminster in der Grafschaft Somerset. Es ist, wie viele andere Häuser aus der elisabethanischen Zeit auch in E-Form gebaut (E wie Elizabeth). Als der NT das Haus 1907 übernahm, musste er sehr viel Geld in die Reparaturen und in die Instandhaltung investieren, mehr als man ursprünglich gedacht hatte. Damals verfügte der Trust noch nicht über so viel Geld wie heute (zur Zeit zählt er 5,6 Millionen Mitglieder weltweit, die Jahresgebühr beträgt £72 für Erwachsene).

Den Garten von Barrington Court hat übrigens die legendäre Landschaftsgestalterin Gertrud Jekyll (nicht verwandt oder verschwägert mit Mr Jekyll und Mr Hyde) kreiert, da konnte man sicher sein, dass da etwas Gutes entstehen würde. Wie es bei vielen anderen Manor Houses auch der Fall war, ging das Anwesen im Lauf der Jahrhunderte durch viele Hände, unter anderem auch durch die von Abram Arthur Lyle vom Zuckerimperium Tate & Lyle, der Barrington Court in den 1920er Jahren vom NT pachtete.

Im Augenblick ist während der Coronakrise das Haus nicht zugänglich, die Gärten aber sind geöffnet, wobei man vorab buchen sollte, da der Zugang begrenzt ist.

Barrington Court war einer vielen Drehorte der TV-Serie „Wolf Hall“ (dt. „Wölfe“ bei ARTE) und stellte York Place dar.

Hier ist ein Besuch in Barrington Court im Film zu sehen.

Barrington Court
Barrington
Ilminster TA19 0NQ

Published in: on 26. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Das Chateau Impney in Worcestershire – Ein Hotel, das dem Coronavirus zum Opfer gefallen ist

Ich las es mit großem Bedauern, dass das Coronavirus einem wunderschönen Hotel, dem Chateau Impney in Worcestershire, den Garaus gemacht hat. Am 16. März verkündete das Management das Ende des Hotels.

Erst einmal zur Orientierung: Das Chateau Impney liegt an der A38, rund einen Kilometer von der Autobahn M5 entfernt, am Rand der Stadt Droitwich. Es wurde im Stil eines französischen Schlosses erbaut und könnte genau so gut irgendwo an der Loire stehen. Der Industrielle John Corbett ließ es zwischen 1873 bis 1875 erbauen; genug Geld hatte der „Salt King“ durch den Salzabbau in der Region Droitwich verdient. Corbett investierte £247,000 in das Schlösschen und schenkte es seiner Frau Hannah Eliza O’Meara, die er in Paris kennengelernt hatte und die nur widerstrebend von der französischen Metropole in die englische Provinz gezogen war. Um ihr ein wenig französisches Flair in Worcestershire zu vermitteln, beauftragte er den Pariser Architekten Auguste Tronquois mit dem Entwurf des Schlosses, dessen Bau von dem englischen Architekten Richard Phené Spiers beaufsichtigt wurde.

Doch so richtig wohl fühlte sich John Corbetts Ehefrau auch im Chateau Impney nicht, und so zog sie in eines der anderen Anwesen ihres Mannes. Nachdem John Corbett 1901 gestorben war, ging das Schloss durch viele Hände bis es 1925 als Impney Manor Hotel eröffnet wurde. In den Kriegswirren des Zweiten Weltkriegs litt das Chateau sehr, als es vom War Office requiriert worden war, und der neue Besitzer, Ralph Edwards, musste sehr viel Geld in die Hand nehmen, um das Haus wiederherzustellen und erneut als Hotel zu eröffnen. Nachdem Edwards das Haus in den 1960er Jahren verkauft hatte, wechselten die Besitzer wieder mehrere Male, aber es blieb als Hotel erhalten. Jetzt ist es leider geschlossen worden und die Zukunft des Chateaus ist ungewiss. Ich hoffe nur, dass es nicht in die Hände eines russischen Oligarchen, eines Scheichs oder eines superreichen Chinesen fällt, sondern eines Tages erneut als Hotel seine Tore für jedermann öffnet.

Der Schriftsteller Pelham Grenville Wodehouse (1881-1975) war häufig hier zu Gast, und das Chateau diente als Vorbild für Sir Buckstone Abbotts Walsingford Hall in dem Roman „Summer Moonshine“ (1938), das Wodehouse so beschreibt: „a vast edifice constructed of glazed red brick, in some respects resembling a French chateau“.

Viele Jahre war das Hotel der Austragungsort des Chateau Impney Hill Climb, einer Autosportveranstaltung, die 2019 zum letzten Mal stattfand. Hier sind einige Bilder davon.

Mein Buchtipp – Tony Cherry and Meg Wise: Thornbury Castle Revisited

Foto meines Exemplares.

Wenn mich jemand fragt, ob ich in England einen Lieblingsplatz habe, dann muss ich nicht lange überlegen: Mein absoluter Favorit ist das Thornbury Castle in South Gloucestershire, nördlich von Bristol. Ich habe mehrere Male in meinem Blog über meine neun Besuche in diesem wunderschönen Castle Hotel geschrieben, das für mich eine außergewöhnliche Atmosphäre hat und die ich am liebsten im Winter genieße. Diesen kurzen Film habe ich vor einigen Jahren im Tudor Garten zwischen dem Hotel und der Kirche St Mary’s mit meinem Handy gemacht, und vielleicht gibt der ein wenig von dieser speziellen Atmosphäre wieder (obwohl er zugegebenermaßen nicht oscarwürdig ist!).

Tony Cherry und Meg Wise vom Thornbury & District Museum haben 2019 ein Buch veröffentlicht, in dem sie sich mit der Geschichte des Thornbury Castles beschäftigen, das Anfang des 16. Jahrhunderts von Edward Stafford, dem dritten Duke of Buckingham, erbaut wurde. Nach dessen Hinrichtung gelangte die Burg in die Hände Heinrichs VIII., der aber hier nur einmal für wenige Tage zusammen mit Anne Boleyn weilte. Ich will hier nicht näher auf die einzelnen Stationen in der Geschichte der Burg eingehen, aber noch einiges über die letzten fünfzig Jahre berichten.

1966 kaufte Kenneth Bell Thornbury Castle und richtete darin ein Restaurant ein, das sich zu den besten Großbritanniens entwickeln sollte. 1972 legte er wieder einen Weingarten an, der noch heute existiert und dessen Erträge auf Flaschen aufgezogen werden. Man kann den Wein im Restaurant des Hotels zum Essen bestellen (ich habe ihn einmal probiert). Nach Kenneth Bell, der bereits einige Räume der Burg in Hotelzimmer umgewandelt hatte, war ab 1986 Maurice Taylor, der Baron of Porthlethen, der neue Besitzer, der Thornbury Castle jetzt zu einem  richtigen Hotel machte. 1999 benannte das renommierte Condé Nast Traveller Magazin Thornbury Castle zum zweitbesten Hotel der Welt (die Nummer 1 war das Windsor Court Hotel in New Orleans). Bei meinen ersten Aufenthalten hier habe ich den Baron noch kennengelernt, der 2017 starb und dessen Asche in dem kleinen Castle Cemetery beigesetzt ist.

Als Maurice Taylor sein Hotel im Jahr 2000 verkaufte, ging es in den Besitz der Von Essen Hotelgruppe über, die 2011 Konkurs anmeldete (ich war wenige Tage nach dem 11. September 2001 zu Gast, als sämtliche Buchungen aus den USA storniert worden waren, und meine Frau und ich fast die einzigen Hotelgäste waren, ein ganz besonderes Erlebnis, die Burg beinahe für sich ganz allein zu haben!). Die Zukunft der Burg war damals im Jahr 2011 ungewiss, bis eine andere Hotelgruppe, Luxury Family Hotels, Thornbury Castle übernahm.

Bei meinem letzten Besuch im Oktober 2019 sagte mir der General Manager, dass das Haus jetzt einer arabischen Investmentgruppe gehört, die es komplett umgestalten will. Zur Zeit ist das Hotel geschlossen, einmal wegen der Corona-Krise und einmal wegen der noch laufenden Bauarbeiten. Ich hoffe nur, dass Thornbury Castle, das mir so ans Herz gewachsen ist, behutsam umgebaut wird und dass ich es, wenn es wiedereröffnet wird, noch wiedererkennen werde!!

Ich habe Tony Cherrys und Meg Wises Buch mit großem Genuss gelesen und bin dadurch dem Castle noch ein Stück nähergerückt. Meg Wise habe ich im Museum von Thornbury persönlich kennen gelernt.

Tony Cherry and Meg Wise: Thornbury Castle Revisited. Redcliffe Press 2019. 138 Seiten. 

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Die Lounge, mein Lieblingsplatz im Hotel.
Eigenes Foto.

 

Das Saltwood Castle in Saltwood bei Hythe in Kent

Wenn Mauern reden könnten…dann hätten die Mauern des Saltwood Castles so einiges zu erzählen. Die alte Burg liegt in Kent und zwar in Saltwood, einem Dorf, das so gut wie nahtlos in die Stadt Hythe an der Südküste übergeht. Die Ursprünge der Burg reichen bis in das 11. Jahrhundert zurück, aber ich möchte nur auf einige Details in der Geschichte eingehen.

Im Jahr 1170 sollen sich hier die vier Ritter getroffen haben, die am Mord des Erzbischofs von Canterbury, Thomas Beckett (1118-1170), beteiligt waren: Reginald Fitzurse, Hugh de Morville, William de Tracy und Richard Brito. Vom Saltwood Castle machten sich die vier Ritter auf den Weg nach Canterbury, wo sie am 29. Dezember 1170 in die Kathedrale eindrangen und Thomas Beckett erschlugen. Etwas über zwei Jahre später wurde der Geistliche heilig gesprochen. Noch heute pilgern viele Menschen in die Kathedrale, um sich den Stein anzusehen, der den Schauplatz des Mordes markiert.

Saltwood Castle war damals im Besitz der Kirche, ging unter Heinrich VIII. in das Eigentum der Krone über und im 19. Jahrhundert war die Burg wieder Residenz für den Erzbischof von Canterbury.

Im Zweiten Weltkrieg ereignete sich etwas Seltsames in Hythe, das heißt, eigentlich ereignete sich gar nichts, denn die deutschen Bomber ließen die kleine Stadt links liegen. Keine Bombe fiel auf den Ort…weil Hermann Göring das so angeordnet hatte. Der Hintergrund: Der Reichsmarschall plante, nach einer erfolgreichen Invasion, sich in Saltwood Castle niederzulassen. Er soll früher einmal einige Wochen in Hythe zugebracht und sich in die Burg verliebt haben. Glück für die Bewohner von Hythe, dass sie nicht bombardiert wurden und glücklicherweise kam es nie zu einer Invasion, so dass Saltwood Castle niemals einen deutschen Burgherrn bekam.

1955 kaufte der Kunsthistoriker und Kunstsammler Kenneth Clark (1903-1983) die Burg, die nach seinem Tod in den Besitz seines Sohnes Alan Clark (1928-1999) überging, der auch auf der Burg starb. Alan Clark hatte unter der Regierung Margaret Thatcher mehrere Ministerämter inne und war Parlamentsmitglied erst für Plymouth Sutton in Devon und später für Kensington and Chelsea. Bekannt als Buchautor wurde Alan Clark vor allem durch seine dreibändigen Tagebuchaufzeichnungen „Diaries“. Er war eine umstrittene Persönlichkeit, machte keinen Hehl aus seinen außerehelichen Eskapaden und war in der Wortwahl anderen Politikern gegenüber nicht zimperlich. Er liebte seine Hunde, einen nannte er Eva Braun, nach Hitlers Geliebten. Sein Grab ist auf dem Gelände des Saltwood Castles zu finden.

Die Burg ist nach wie vor in Privatbesitz. Jane Clark, die Witwe Alan Clarks, ist die Hausherrin. Zweimal im Jahr öffnet sie die Burggärten für die Öffentlichkeit.

Die königliche Eiche auf dem Gelände des Boscobel House in Staffordshire, die König Charles II. einmal als Zuflucht diente

The Royal Oak in Boscobel, entstanden aus einem Samenkorn der echten Eiche.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Es gibt in England sehr viele Pubs, die den Namen Royal Oak führen. Das geht auf die Flucht Charles II. im Jahre 1651 zurück, nachdem er die Schlacht von Worcester am 3. September verloren hatte. Im Laufe dieser Flucht kam er nach Boscobel House im Grenzbereich von Shropshire und Staffordshire, wo ihm geholfen wurde. Als die feindlichen Truppen auf der Suche nach dem König nach Boscobel kamen, versteckte der sich zusammen mit William Carless, einem der letzten überlebenden Royalisten der Schlacht von Worcester, einen Tag lang auf einer großen Eiche des Anwesens, die von da ab The Royal Oak genannt wurde. Charles II. wurde nicht im Blätterwerk entdeckt, trotzdem versteckte er sich am nächsten Tag (die Eiche war dann doch zu unbequem) in einem der sogenannten Priest Holes in Boscobel House, das waren schwer zu findende Verstecke für Priester, die man in manchen großen Häusern angelegt hatte. In diesem Film wird die Geschichte vom König in der Eiche noch einmal nacherzählt.

Die königliche Eiche wurde später von vielen Menschen aufgesucht, die sich gern als Souvenir ein Stück davon abbrachen, was letztlich zum Tode des Baumes führte.

Bei meinem Besuch im Boscobel House konnte ich im angeschlossenen Shop feststellen, dass man mit der königlichen Eiche auch heute noch Geschäfte machen kann, denn viele Souvenirs, die dort zum Verkauf stehen, sind mit der Royal Oak versehen.

Boscobel House, das dem English Heritage gehört, bleibt wegen umfangreicher Umbauarbeiten bis voraussichtlich Frühjahr 2021 geschlossen.

Boscobel House
Brewood
Bishop’s Wood
Shropshire ST19 9AR

Eines der vielen Pubschilder, die den König auf der Eiche zeigen; hier in Wootton Rivers in Wiltshire.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Boscobel House.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 6. Juli 2020 at 02:00  Comments (4)  
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Oakham Castle in Rutland, wo Adelige nur mit Hufeisen Zutritt haben

Rutland ist Großbritanniens kleinste Grafschaft, in der es lediglich zwei Städte gibt: Oakham und Uppingham. Eingerahmt wird Rutland von Lincolnshire, Leicestershire und Northamptonshire.

In der Grafschaftshauptstadt Oakham steht gleich hinter dem Marktplatz das Oakham Castle, oder besser, das was davon noch übrig geblieben ist: Die Great Hall. Das Gebäude ist uralt; zwischen 1180 und 1190 wurde es von einem gewissen Walkelin de Ferrers erbaut, Lord of the Manor von Oakham.

Eine Burg stellt man sich eigentlich etwas anders vor, größer und mächtiger, aber Rutland ist ja auch eine kleine Grafschaft…

Wenn man die Great Hall betritt, fallen einem als erstes die vielen Hufeisen auf, die die Wände bedecken. 230 Exemplare sollen es sein, und wie kamen die dort alle hin? Es ist eine alte Tradition, dass alle Mitglieder des englischen Hochadels, die Oakham zum ersten Mal besuchen, dem Lord of the Manor der Stadt ein Hufeisen mitbringen. Das Hufeisen war im Wappen der de Ferrers zu finden, seitdem die Familie 1066 aus Frankreich nach England kam.

Das älteste Hufeisen in der Great Hall stammt aus dem Jahr 1470 und wurde von König Edward IV mitgebracht; der letzte Neuzugang kam von der Duchess of Cornwall, die im Jahr 2014 Oakham einen Besuch abstattete.

Man kann Oakham Castle täglich außer dienstags  kostenfrei besichtigen, und natürlich kann man in der Great Hall auch heiraten (in welchem historischen Gebäude Englands kann man das nicht?).

Wie das früher einmal ausgesehen haben mag, kann man sehr schön in dieser Animation sehen.

Oakham Castle
c/o Rutland County Museum
Catmose Street
Oakham
LE15 6DR
 

Das Buch zum Artikel:
Sue Jennings & Robert Brook: Curious about…Oakham – Walks of Discovery In and Around Oakham. Lightbeam UK 2011. 16 Seiten. ISBN 978-1907752131.

Published in: on 1. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Brocket Hall bei Hatfield – Ein sehr schönes Country House in Hertfordshire

35 Kilometer nördlich von London, ganz in der Nähe von Hatfield, liegt in der Grafschaft Hertfordshire eines der schönsten Country Houses Englands, Brocket Hall, das heute ein exklusives Konferenzzentrum beherbergt; angeschlossen ist ein Golfplatz und die Palmerston Golf Academy.

Ich las vor einiger Zeit eine Biografie über Lady Caroline Lamb, die mit William Lamb, 2nd Viscount Melbourne, verheiratet war, dem Premierminister des Landes von 1835-1841. Beide wohnten damals auf Brocket Hall.

1760 wurde das Haus für Sir Matthew Lamb, 1. Viscount Melbourne, erbaut, nach den Plänen des Architekten James Paine. Nach dem Tod William Lambs ging Brocket Hall in den Besitz seiner Schwester Emily Lamb über, die mit einem weiteren Premierminister, Lord Palmerston, verheiratet war, der auf dem Landsitz starb.
Queen Victoria war häufig Gast auf  Brocket Hall und Margaret Thatcher schrieb hier ihre Memoiren.

Brocket Hall beherbergt auch ein Restaurant, das mit 2 AA-Rosetten ausgezeichnet ist: Auberge du Lac, das in der früheren Hunting Lodge untergebracht ist und zur Zeit von Chefkoch Matthew Edmonds geführt wird.

Hier ist ein Film über Brocket Hall.

Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Ein Treppenhaus in Brocket Hall.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Die Auberge du Lac.
Author: Ewan Munro
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Published in: on 30. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Allington Castle bei Maidstone in Kent – Drehort zahlreicher Filme

Dover Castle, Leeds Castle, Hever Castle, das sind alles touristische Hotspots in der Grafschaft Kent, die die meisten Englandreisenden schon einmal besucht haben. Kent ist das burgenreichste County im ganzen Land. Das Allington Castle hingegen kennen nur wenige, vor allem diejenigen, die schon einmal an einer Hochzeitsfeier hier teilgenommen haben, denn die Burg ist in Privatbesitz, nicht zu besichtigen und steht nur für Hochzeiten zur Verfügung; hier sind einige Bilder.

Doch Stop! Vielleicht haben einige die Burg doch schon einmal gesehen, aber ohne es zu wissen, denn Allington Castle ist sehr beliebt, um hier Filme zu drehen. Die Kulisse ist einfach perfekt, und die Location Scouts der Produktionsfirmen lieben die alte Burg. Ich habe einmal einige Filme zusammengestellt, die, zumindest zum Teil, hier vor den Toren der Stadt Maidstone am River Medway gedreht wurden.

Heinrich VIII. war im 16. Jahrhundert mehrfach auf der Burg zu Besuch und so passte es doch hervorragend, dass 1972 hier Teile des Spielfilms „Henry VIII and His Six Wives“ (dt. „Heinrich VIII. und seine sechs Frauen“) mit Keith Mitchell, Donald Pleasance und Charlotte Rampling in den Hauptrollen gedreht wurden.

In der selben Zeit spielt „The Twisted Tale of Bloody Mary„, ein Film, in dem Henrys Tochter Mary im Mittelpunkt steht, verkörpert von Miranda French, Jason Sharp spielt ihren Vater. Der Film kam 2008 in die Kinos.

1984 fanden im Allington Castle die Dreharbeiten zu dem Fernsehfilm „The Zany Adventures of Robin Hood“ (dt. „Die verrückten Abenteuer des Robin Hood“) statt mit George Segal als Robin Hood, Morgan Fairchild als Lady Marian und Roddy McDowall als Prince John.

Die TV-Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ war in den 1960er Jahren in Deutschland sehr populär; sie hieß im Original „The Avengers„. John Steed (Patrick Mcnee) und Emma Peel (Diana Rigg) klärten auf unkonventionelle Weise Dutzende von Verbrechen auf, darunter auch eines in der Folge „Castle De’ath“ und dafür bot sich das Allington Castle an.

Die historische TV-Serie „Covington Cross“ aus dem Jahr 1992 spielt im 14. Jahrhundert. Die Intrigen des Sir Thomas Grey stehen im Mittelpunkt der 13 Episoden; Covington Cross heißt die Burg des Sir Thomas und das ist Allington Castle.

Die Burg diente auch als Schauplatz eines ziemlich albernen Musikvideos: „Lover Chanting“ von der (mir bisher unbekannten) schwedischen Formation Little Dragon.

 

Aida in Winslow – Freiluftopern-Aufführungen in Buckinghamshire

Jedes Jahr im Juli machen sich Opernfans aus London und anderen Teilen des Landes auf den Weg nach Winslow, einer Kleinstadt nördlich von Aylesbury in der Grafschaft Buckinghamshire. Vor der Kulisse von Winslow Hall werden dort Opern aufgeführt, deren Inszenierungen einen sehr guten Ruf genießen. Vom 1. bis zum 12. Juli wird Verdis Oper „Aida“ gezeigt, unter der musikalischen Leitung von Oliver Gilmour, dem Bruder des Hausherrn von Winslow Hall, Christopher Gilmour. Oliver Gilmour hat sich bereits einen Namen gemacht als Dirigent der bulgarischen Staatsoper und des Sofia Symphonieorchesters.

Winslow Hall Opera scheut keine Vergleiche mit Glyndebourne und Garsington und ist bestrebt, namhafte Sängerinnen und Sänger in die Provinz zu holen, offensichtlich mit Erfolg, denn jedes Jahr kommen etwa 1600 Zuschauer bzw. Zuhörer hierher. Die Aufführungen in den letzten Jahren bestanden ebenfalls aus Verdi-Opern „Il Trovatore“ (2018) und „Un Ballo in Maschera“ (2017). 2012 wurde die Winslow Hall Opera ins Leben gerufen, nachdem Christopher Gilmour das Haus zwei Jahre zuvor gekauft hatte.

Winslow Hall wurde um das Jahr 1700 herum gebaut und soll von Sir Christopher Wren entworfen worden sein, wobei man sich aber nicht ganz sicher ist. Das Haus erlebte eine wechselvolle Geschichte, diente Mitte des 19. Jahrhunderts einige Jahre lang als Irrenanstalt, wurde von der Northampton Glass Bottle Company übernommen und im Zweiten Weltkrieg vom RAF Bomber Command reqiriert. Nach dem Krieg war Winslow Hall in einem schlechten Zustand und konnte gerade noch einem Abbruch entkommen. Es wechselte mehrfach den Besitzer (Tony Blair soll an einem Kauf interessiert gewesen sein). Schließlich kaufte es Christopher Gilmour, der umfangreiche Renovierungsarbeiten vornahm. Jetzt ist das attraktive Haus also wieder in guten Händen und zieht alljährlich durch die Opernfestspiele Besucher an.

Hier ist ein Ausschnitt aus Donizettis „Lucia di Lammermoor“ zu hören, die 2014 aufgeführt wurde.

Winslow Hall Opera
Sheep Street
Winslow
Buckinghamshire
MK18 3HL

Die Sheep Street in Winslow, die an der Hall vorbeiführt.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Canons Ashby Manor House in Northamptonshire

Das Dörfchen Canons Ashby liegt etwa auf halbem Wege zwischen Banbury in Oxfordshire und Northampton in…natürlich Northamptonshire. Der Ort besteht nur aus einer Handvoll Häuser und wird beherrscht von der Parish Church St Mary, ein Überbleibsel der einstigen Canons Ashby Priory, und dem Canons Ashby Manor House, das dem National Trust gehört.

Das Manor House war über mehrere Jahrhunderte der Familiensitz der Drydens, die es im 16. Jahrhundert erbauten und im Laufe der Zeit immer wieder Veränderungen an ihm vornahmen. Vorher war auf dem Gelände eine Priorei, von deren Mönchen man sagte, dass sie lieber alkoholischen Getränken zusprachen als sich um ihre geistlichen Aufgaben zu kümmern.

Sir Henry Edward Leigh Dryden bewohnte das Manor House im 19. Jahrhundert, das er im Alter von 19 Jahren geerbt hatte, leider auch mit den dazugehörigen Schulden. Sir Henry schwor sich, nicht eher den Bund der Ehe einzugehen, bis er nicht auch das letzte Pfund dieser Schulden getilgt haben würde. Ein Mann, ein Wort, er hielt durch und zwar bis zu seinem 47. Lebensjahr, dann war Canons Ashby House schuldenfrei, und er konnte seine Geliebte, die sieben Jahre jüngere Frances Tredcroft ehelichen, die so lange auf ihn gewartet hatte. Bald kam auch ein Kind ins Haus, ein Mädchen namens Alice. Sir Henry hätte zwar lieber einen Sohn gehabt (für seinen Geschmack gab es im Haus zu viele Frauen; er soll deswegen zwei Dienstmädchen entlassen haben, die seine Frau aber gleich wieder einstellte), aber bald gewöhnte er sich an den Gedanken einer weiteren Frau im Haus, und er schloss Alice in sein Herz. Aus ihr wurde später eine begeisterte Fotografin, mit einer Vorliebe für historische Gebäude, und Historikerin, die mehrere Bücher veröffentlichte. Nachdem ihre Eltern gestorben waren, zog sie aus Canons Ashby House aus, da sie als Frau den Familiensitz nicht erben konnte (das Haus ging an ihren Onkel, Sir Alfred Erasmus Dryden).

Haus, Garten und Park stehen für Besuche offen (£11 kostet der Eintritt). Wen danach gelüstet, im Canons Ashby House einmal zu wohnen, der hat die Gelegenheit dazu, denn der Landmark Trust vermietet ein Apartment im oberen Teil des Turmes; hier sind weitere Informationen darüber.

Dieser Film zeigt einen Besuch im Manor House.

St Mary’s Parish Church.
Photo © David P Howard (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Minster Lovell Hall bei Witney in Oxfordshire – Eine romantische Ruine

Da meine Frau ja eine glühende Anhängerin von Richard III  und seit vielen Jahren Mitglied der Richard III Society ist, mussten wir natürlich auch einmal die Ruinen von Minster Lovell Hall in der Nähe von Witney in Oxfordshire aufsuchen.
1435 wurde das Haus erbaut und war der Wohnsitz der Lovell-Familie. Francis Lovell kämpfte an der Seite von Richard III in der Schlacht von Bosworth, in der der König starb. Lovell floh nach dem Ende der Schlacht und über sein weiteres Schicksal ist wenig bekannt. Er wurde des Hochverrats angeklagt und Minster Lovell Hall fiel an die Krone. In der Mitte des 18. Jahrhunderts ließ der damalige Besitzer Thomas Coke, der Earl of Leicester, das Haus niederreißen und seitdem steht es als romantische Ruine am Rande der Cotswolds.

Eine Legende rankt sich um Minster Lovell Hall, die sich im 16. Jahrhundert abgespielt haben soll. Bei einer Hochzeitsfeier spielten Braut,  Bräutigam und Gäste, wie es damals üblich war, „hide and seek„, also Verstecken. Die Braut versteckte sich und wurde nie wieder gefunden. Nach vielen Jahren entdeckten die neuen Besitzer des Hauses zufällig in einer großen Kiste, die als Vorratsbox für Gemüse benutzt wurde, das Skelett der Braut. Sie hatte sich offensichtlich in der Kiste verstecken wollen, wobei ihr der schwere Deckel auf den Kopf gefallen war, sie ohnmächtig wurde und schließlich erstickte. Ist es ein Wunder, dass es in der Minster Lovell Hall spukt und die Mistletoe Bride in ihrem Brautgewand verschiedentlich gesichtet wurde?
Auch Francis Lovell soll in den Ruinen umgehen. Man sagt, dass er sich in einem Geheimzimmer versteckt hielt und von einem treuen Diener mit Essen und Trinken versorgt wurde. Als der Diener starb, versiegte die Nahrungszulieferung und auch Francis Lovell ging  jämmerlich zugrunde.

Wer einen Nerv für diese Geschichten und romantische Ruinen hat, der wird in Minster Lovell Hall mit Sicherheit auf seine Kosten kommen.

In diesem Film sind die Ruinen der Hall von einer Drohne aus zu sehen.

Eigenes Foto meines Guidebooks.

Foto meines Guidebooks.

Published in: on 29. Januar 2020 at 02:00  Comments (4)  
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Shardeloes – Ein ehemaliges Manor House bei Old Amersham (Buckinghamshire)

Fährt man in Buckinghamshire auf der A413 von Old Amersham in Richtung Little Missenden sieht man auf der linken Seite, etwa einen Kilometer entfernt, ein großes weißes Haus stehen, das ist das ehemalige Manor House Shardeloes. Ein paar Kilometer weiter auf der A413 bin ich einmal mit meinem Auto liegengeblieben, weil ich einen Schaden am Kühlsystem hatte, der nicht behoben werden konnte und der zum Abbruch meiner Reise führte (ich berichtete in meinem Blog darüber).

Shardelos war der Sitz der Familie Tyrwhitt-Drake, Lords of the Manor von Amersham. Gebaut wurde das Manor House von 1758 bis 1766, nach Plänen des Architekten Stiff Leadbetter, der viel für aristokratische Familien tätig war und unter anderem auch Newton Park in Somerset und Nuneham House in Oxfordshire erbaute. Für die Inneneinrichtung des Hauses wurde ein anderer namhafter Architekt hinzugezogen, der Schotte Robert Adam, der zum Beispiel die berühmte Pulteney Bridge in Bath entwarf. Humphrey Repton war für die Gestaltung der Parkanlagen zuständig. William Drake Sr, für den Shardeloes gebaut wurde, hatte also keine Kosten und Mühen gescheut, um sich einen schönen Familiensitz vor den Toren von Amersham zu schaffen, für das er, wie schon seine Vorfahren, als Parlamentsmitglied zuständig war. Die Drakes, und später dann die Tyrwhitt-Drakes, waren eine wohlhabende Familie und errichteten schon 1682 in Amersham die Market Hall, gegenüber vom Crown Hotel, und 1657 die Alms Houses in der High Street.

Leider ging es mit dem Reichtum der Familie später bergab, woran unter anderem die extrem hohen Erbschaftssteuern (death duties) Schuld waren. In den 1930er Jahren wurden Teile ihrer Besitztümer versteigert, im Zweiten Weltkrieg diente Shardeloes als Entbindungsheim, in dem mehrere tausend Babies geboren wurden, und 1953 sollte das Haus sogar abgerissen werden, wogegen sich die damals gegründete Amersham Society mit Händen und Füße wehrte und schließlich auch siegte. Die neuen Eigentümer restaurierten das Haus und wandelten es in komfortable Wohnungen um, die in den 1970er Jahren verkauft wurden. Auf dem Gelände findet sich auch der Shardeloes Lake (hier ist ein Film), der vom River Misbourne gespeist wird. Shardeloes ist also in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden (es sei denn, man kennt einen der Bewohner, der einem das Haus zeigt).

Shardeloes liegt übrigens auf der geplanten Trasse des Hochgeschwindigkeitszugs HS2, so dass es hier eines Tages mit der Ruhe vorbei sein könnte.

Der Shardeloes Lake.
Photo © Peter S (cc-by-sa/2.0)

Old Amershams Market Hall, ein Geschenk der Drake Family aus dem Jahr 1682 an die Stadt.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Tafel an den Almshouses in der High Street von Old Amersham.
Photo © David Hillas (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 20. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Halloween im Berkeley Castle (Gloucestershire)

Das wuchtige Berkeley Castle in der Grafschaft Gloucestershire ist mir vor allem durch die gruselige Geschichte in Erinnerung geblieben, dass hier König Edward II am 21. September 1327 auf bestialische Weise ermordet worden sein soll, indem man ihm eine rotglühende Stange in den Anus schob. Noch heute kann der Burgbesucher die Zelle sehen, in der der König gefangen gehalten und ermordet wurde, ebenso wie der elf Meter tiefe Kerker, der mit einem Metallgitter abgedeckt ist. So bietet Berkeley Castle die optimale Atmosphäre für gruselige Halloween-Events.

Halloween hat in England eine ganz andere Bedeutung als in Deutschland. Kaum ein Schaufenster in den High Streets, in dem nicht mindestens einige Kürbisse präsent sind. Eigentlich wollte ich am 27. Oktober Dyrham Park in South Gloucestershire besuchen, doch der Parkplatz dort war schon vormittags um 10.30 Uhr so voll (Eltern strömten mit verkleideten Kindern zu dem Landhaus, in dem bereits vor dem 31. Oktober Halloween-Parties gefeiert wurden), dass ich umdrehte und stattdessen das Berkeley Castle besuchte, in dem es aber ähnlich zuging. Die gesamte Burg war fest in der Hand von Kindern, die von Raum zu Raum rannten, um die Halloween-Dekorationen zu bestaunen, die in liebevoller Weise von den „Burggeistern“ angefertigt worden waren. Viele Quadratmeter Spinnengewebe breiteten sich überall aus, furchterregende Gestalten standen in den Ecken, hier lag ein toter Rabe, dort stand ein Totenschädel auf einem Tisch und immer wieder geschnitzte Kürbisse, kleine und große. Man hatte sich im Berkeley Castle noch einmal richtig Mühe gegeben, drei Tage später war dann der Spuk vorbei, denn die Burg schließt den Winter über, um erst am 29. März 2020 die Pforten wieder zu öffnen.

Zugegeben, ich hätte die Burg lieber ohne schreiende Kinder erlebt, aber auch die Halloween-Stimmung in dem alten Gemäuer war eine besondere Erfahrung.

Es ist angerichtet für Halloween 2019.
Eigenes Foto.

Es spukt im Berkeley Castle.
Eigenes Foto.

Im Weinkeller der Burg.
Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Published in: on 5. November 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Das Muncaster Castle bei Ravenglass in Cumbria

Phyllada and Patrick McGordon-Duff-Pennington sind die heutigen Besitzer des imposanten Muncaster Castle, das am Esk River liegt, knapp 2 Kilometer südlich der Küstenstadt Ravenglass in Cumbria.

Die Penningtons wohnen hier seit etwa 800 Jahren, ein Zeichen, dass sich die Familie im Schloss immer wohl gefühlt hat. Da aber der Unterhalt eines so großen Gebäudes viel Geld kostet, haben sich die Penningtons einiges einfallen lassen, um Touristen anzulocken.

Hochzeiten im Schloss sind in England sehr beliebt, so bietet auch das Muncaster Castle seine Räumlichkeiten für eine stilvolle Hochzeit an. Die Great Hall bietet Platz für einen Empfang für 100 Personen. Auch für Firmen-Meetings und Konferenzen kann das Castle gebucht werden.

Ferner findet sich im Muncaster Castle das Hauptquartier des World Owl Trust, einer Organisation, die sich um die wissenschaftliche Erforschung von Eulen kümmert. Im Hawk & Owl Centre findet sich eine der größten Sammlungen von Eulen weltweit.

Was wäre ein englisches Schloss ohne seine Geister? Muncaster Castle zählt zu den „most haunted castles“ in England. „Tom the Fool„, ein Hofnarr, der Ende des 16. Jahrhunderts seine Späße im Schloss trieb, aber auch eine bösärtige Ader hatte, indem er Menschen in das Sumpfgebiet in der Umgebung schickte, die nie wieder auftauchten, soll hier sein Unwesen treiben. Auch Heinrich VI, dem man im Schloss Asyl gewährte, spukt des Nachts im Haus. Viele Jahre lang hat Jason Braithwaite von der Universität von Birmingham diese Phänomene untersucht, ohne allerdings bisher zu konkreten Ergebnissen gekommen zu sein.

Ich habe das Muncaster Castle zweimal besucht, es ist auf jeden Fall eine Stippvisite wert, wenn man einmal im Nordwesten Englands ist.

Hier ist ein Film über die Burg.

Published in: on 2. November 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Wentworth Woodhouse in South Yorkshire – Großbritanniens größtes Stately Home und seine Renovierungskosten

Zu den bekanntesten und größten englischen Stately Homes zählen der Blenheim Palace in Oxfordshire und Chatsworth House in Derbyshire. Diese imposanten Gebäude sind aber gar nichts im Vergleich zu dem weniger bekannten Wentworth Woodhouse in der Grafschaft South Yorkshire. Es hat die längste Fassade eines Landhauses in ganz Europa,184 Meter, und eine Wohnfläche von 23.000 m². Für jeden Tag des Jahres gibt es ein Zimmer, also 365; ob wohl jemand die alle schon einmal betreten hat? 1000 Fenster sind zu putzen und 14 Treppenhäuser führen in die jeweiligen Stockwerke. Die Korridore im Wentworth Woodhouse erstecken sich über acht Kilometer, so dass man sich darin ohne weiteres verlaufen kann.

Die Familie Watson-Wentworth benötigte im 18. Jahrhundert offensichtlich so viel Platz, die das Haus erbauen ließen; vererbt wurde es an die Fitzwilliams, deren Familiensitz Wentworth Woodhouse wurde. Unter dem Anwesen entdeckte man riesige Kohlelagerstätten, die abgebaut wurden. Der Abbau zog sich direkt bis zum Herrenhaus vor, wobei große Flächen Natur zerstört wurden.

Auf die Geschichte des Hauses näher einzugehen, würde den Rahmen meines Blogs sprengen, darum verweise ich hier auf die Artikel in der deutsch- bzw. englischsprachigen Wikipedia.

Wentworth Woodhouse ist in einem sehr schlechten Zustand; es wurde immer wieder zum Verkauf angeboten und schließlich im Jahr 2016 für £7 Millionen vom Wentworth Woodhouse Preservation Trust übernommen, der jetzt vor der gewaltigen Aufgabe steht, das Haus zu renovieren, was nach Schätzungen £130 Millionen kosten soll. In vielen Teilen des Gebäudes sieht es schlimm aus, durch Undichtigkeiten im Dach ist Wasser eingedrungen, wertvolle Tapeten haben sich abgelöst, Teppichböden sind ruiniert und Schimmel hat sich breitgemacht.

Der Staat hat bisher £7.6 Millionen zur Verfügung gestellt, ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Trust hat als erstes mit der kompletten Dacherneuerung begonnen, damit nicht noch mehr Wasser von oben in das Haus dringt. Mehr als 350 Tonnen Schutt sind bereits abtransportiert worden, es gibt viele Freiwillige aus der Region, die mithelfen. Wie lange die Renovierungsarbeiten dauern werden, kann noch niemand präzise voraussagen.
Trotzdem bleibt das eingerüstete Wentworth Woodhouse für Besucher offen. Außer Montag finden täglich von 10 Uhr bis 16 Uhr geführte Touren statt. Man braucht sicher das Geld aus den Einnahmen für die Renovierung.

Natürlich wird auch Wentworth Woodhouse von Geistern heimgesucht, was das TV-Team von „Most Haunted“ beweisen wollte.

Hier ist ein Film über das beeindruckende Gebäude.

Wentworth Woodhouse
Preservation Trust
Wentworth
Rotherham
S62 7TQ

Published in: on 28. Juni 2019 at 02:00  Comments (5)  
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Sheriff Hutton Castle – Eine romantische Burgruine in North Yorkshire

Viele Male bin ich durch das Dorf Sheriff Hutton in North Yorkshire gefahren, meist auf dem Weg von bzw. nach York, und dabei die eindrucksvollen Ruinen der nach dem Ort benannten Burg gesehen. Meines Wissens konnte man sich früher in der Farm, auf deren Gelände die Burg lag, einen Schlüssel besorgen, um Zugang zum Gelände zu bekommen, was ich aber nie getan habe, obwohl meine Frau, eine glühende Ricardianerin, neben mir saß. Richard III. hielt sich nämlich in der Zeit von 1471 bis zu seinem Tod im Jahr 1485 häufig auf der Burg auf. Er erhielt sie, nachdem sein Schwiegervater, Richard Neville, 1471 gestorben war, und da Sheriff Hutton Castle nicht allzu weit von York entfernt ist, war die Lage für Richard III. sehr günstig. Der sogenannte Council of the North, der von 1472 bis 1537 existierte, versammelte sich eine Zeit lang regelmäßig in Sheriff Hutton.

Nach Richards Tod in der Schlacht von Bosworth wechselten die Besitzer der Burg mehrfach; doch zu Beginn des 17. Jahrhunderts verfiel sie allmählich. Viele Steine wurden abgetragen, um damit Häuser zu bauen, und das Burggelände wurde zum Teil eines Bauernhofes. Im Jahr 2007 kam die Burg samt Farmgebäuden und umgebenden Land auf den Markt und wurde von seinem Besitzer Dr Richard Howarth (der auch eine kurze Geschichte seiner Burg geschrieben hat), für £1,5 Millionen angeboten. Da es zu keinem Verkauf kam, zog er das Angebot 2011 wieder zurück, nur um es 2017 erneut, dieses Mal für  £1,1 Millionen, auf den Markt zu bringen. Anfang 2019 fand Sheriff Hutton Castle endlich einen neuen Besitzer, der es für eine unbekannte Summe erwarb.

Dieser von einer Drohne aus aufgenommene Film zeigt die Burg  aus der Vogelperspektive.

Das Restoration House in Rochester (Kent) oder Wie ein Emu ein historisches Haus vor dem Abriss rettete

Mitten in der Charles Dickens-Stadt Rochester in Kent steht in der Crow Lane, gegenüber vom Park The Vines, ein Haus, das den Namen Restoration House trägt. König Charles II war hier zu Gast, kurz bevor die während des Englischen Bürgerkriegs abgeschaffte Monarchie  wiederhergestellt wurde, eine Zeit die Restoration genannt wird. Im 17. Jahrhundert verband man zwei nebeneinander stehende Gebäude und machte daraus eines, so entstand ein schönes Stadtpalais in Rochester. Der allgegenwärtige Charles Dickens, der nicht weit vom Restoration House wohnte, integrierte es in seinen Roman „Great Expectations“ (dt. „Große Erwartungen“) unter dem Namen Salis House und ließ darin seine Miss Havisham wohnen.

So stand das schöne, alte Haus, das direkt an die Vines Church grenzt, friedlich vor sich hin, als Mitte der 1980er Jahre die gefürchteten „developer“ auf die Idee kamen, das Haus platt zu machen und auf dem entstehenden Freiraum einen Parkplatz anzulegen; was auch um ein Haar geklappt hätte, wäre da nicht plötzlich ein Mann auf der Bildfläche erschienen, den in Großbritannien jedes Kind kannte und der durch seine Fernsehsendungen, in denen er mit seinem Emu auftrat, berühmt geworden war: Rod Hull (ich berichtete über ihn in meinem Blog). Der Emu, der durch seine Beißlust jeden zur Verzweiflung bringen konnte, hatte seinem Herrn und Meister sehr viel Geld eingebracht, und so kaufte Rod Hull 1986 Restoration House für £270,000, um es zu retten, außerdem war er ein großer Fan der Romane von Charles Dickens. Rod Hull zog in den bewohnbaren Teil des Gebäudes ein und gab eine sehr aufwendige Restaurierung des Hauses in Auftrag, die etwa eine halbe Million Pfund kosten sollte. Und dann zogen schwarze Wolken für Rod Hull am Horizont auf: Seine Fernsehsendungen wurden abgesetzt, sein Einkommen verringerte sich dramatisch, seine Steuerschulden türmten sich auf, und er konnte die Rechnungen nicht mehr bezahlen. Restoration House war zu dieser Zeit, in der eine schwere Rezession herrschte und der Immobilienmarkt danieder lag, nicht verkäuflich. Ein Konkursverwalter übernahm das Gebäude, der Mann mit dem Emu war pleite. Seine Frau verließ ihn mit ihren gemeinsamen Kindern und zog nach Australien. Ein Freund überließ ihm ein Cottage in der Nähe von Rye, wo Rod Hull 1999 bei einem häuslichen Unfall starb (er stürzte vom Dach, als er dort oben eine Fernsehantenne richten wollte, um einen besseren Empfang eines Champion League-Fußballspiels zu bekommen).

Das Restoration House ist besuchbar, im Sommerhalbjahr immer donnerstags und freitags von 10 Uhr bis 17 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt £8.50. Hier ist ein Film über das Haus.

Eine kleine Bemerkung am Rande: Die Verfilmung des Charles Dickens-Romans „Great Expectations“ aus dem Jahre 2012 fand zu großen Teilen auf der Isle of Sheppey in Kent statt…und dort wurde Rod Hull am 13. August 1935 geboren und dort ging er auch zur Schule.

The Restoration House
17-19 Crow Lane
Rochester
Kent ME1 1RF

 

Ein Besuch im Leeds Castle bei Maidstone in Kent, das in diesem Jahr sein 900-jähriges Bestehen feiert.

Wie oft bin ich schon am Leeds Castle in der Nähe von Maidstone in Kent vorbeigefahren, ohne es jemals zu besichtigen? Die Burg liegt dicht an der Autobahn M20, die zum Eurotunnel führt, und die Gelegenheit ergab sich auf der Rückfahrt einfach nie. So habe ich es mir bei meinem letzten Besuch in England im März vorgenommen, dort gleich nach der Ankunft einmal vorbeizuschauen. Leeds Castle nennt sich etwas großspurig „The loveliest castle in the world„, und das durfte ich mir nicht mehr länger entgehen lassen.

Leider war der Sonntagvormittag total verregnet und es pfiff ein eiskalter Wind durch das Parkgelände. An der Rezeption, die ziemlich weit von der Burg entfernt ist, wurde ich erst einmal £48 los, also ca 55 Euro für zwei Personen, ein ganz schön happiger Eintrittspreis. Die freundliche Dame an der Kasse sagte mir aber, dass die Tickets ein Jahr lang ihre Gültigkeit behalten, so dass man damit so oft man mag, Leeds Castle besuchen kann. OK, das relativiert den Ticketpreis natürlich.

Zur Burg kann man entweder zu Fuß über gewundene Wege im Park gehen (was mir empfohlen wurde) oder mit einer kleinen Bahn fahren. Wir entschieden uns trotz des schlechten Wetters auf die Empfehlung einzugehen. Der Park ist wirklich sehr hübsch und muss bei Sonnenschein noch sehr viel schöner aussehen. Nach ca 20 Minuten erreichten wir die von Wasser umgebene Burg und freuten uns, wieder ins Warme zu kommen. Im Gatehouse wird man über die Geschichte des alten Gemäuers informiert, das in diesem Jahr sein 900-jähriges Bestehen feiert. Dann musste man (leider) wieder ins Freie, um über mehrere Treppen ins Haupthaus zu gelangen. Für Gehbehinderte wird sich der Besuch der Burg als schwierig erweisen. Wieder im Trockenen angelangt, unternahmen wir die Besichtigung der vielen, attraktiven Räumlichkeiten der Wasserburg. Überall standen freundliche und mitteilsame Damen und Herren bereit, Fragen zu beantworten.

Auf die Geschichte von Leeds Castle möchte ich nicht weiter eingehen, die kann man in der Wikipedia nachlesen; was mich vor allem interessierte, war die Zeit der 1930er Jahre, als die damalige Besitzerin Olive, Lady Baillie (1899-1974) in der Burg rauschende Feste abhielt, bei denen jede Menge Prominenz aus Adel, Politik und Showbusiness anwesend war. Beispiele: Der Prince of Wales und Wallis Simpson, Antony Eden, Charlie Chaplin, Erroll Flynn und zahllose andere. Nach dem Ableben von Lady Baillie ging die Burg in den Besitz der Leeds Castle Foundation über, die Dame wollte sie nicht dem National Trust überlassen, der sicher nichts dagegen gehabt hätte.

Viele Filme, meist mit historischen Themen, wurden auf dem Gelände gedreht, der berühmteste sicher „Kind Hearts and Coronets“ (1949) mit Alec Guinness, in Deutschland als „Adel verpflichtet“ bekannt., zuletzt die „Games of Throne“-Parodie „Purge of Kingdoms“ (2019).

Anlässlich der 900-Jahr-Feier werden in diesem Jahr zahlreiche Veranstaltungen angeboten wie ein Medieval Jousting Tournament (25. bis 27. Mai), ein Carnival of History (27. und 28. Juli) und ein Fireworks Spectacular (2. und 3. November). Gut, dass die Eintrittskarten ein Jahr lang gültig bleiben!

Im Leeds Castle befindet sich auch das kuriose Hundehalsbandmuseum, über das ich in meinem Blog einmal berichtete. Siehe auch meinen Bericht über die unterschiedlichen Übernachtungsarten auf de Gelände.

Leeds Castle
Maidstone, Kent ME17 1PL

In einem der Burgzimmer.
Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

 

Published in: on 29. April 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Spukorte – Nunnington Hall (North Yorkshire) und seine Proud Lady

Es gibt in England nicht allzu viele Burgen, Schlösser und alte Gemäuer, die sich nicht eines Geistes rühmen können, der des Nachts, manchmal auch bei Tag, dort spukt.
Auch Nunnington Hall in North Yorkshire, ein Haus aus dem 17. Jahrhundert am Rande der Howardian Hills, östlich von Oswaldkirk, kann mehrere Ghosts vorweisen, von denen die Proud Lady of Nunnington der bekannteste ist. Sie pflegt die Treppen des Hauses hinauf und herunter zu gehen, wobei man das Rascheln ihrer Röcke hören kann. Warum ist die Dame so ruhelos und kann sich von der Hall nicht trennen?

Folgende Geschichte wird erzählt: Lady Nunnington war die zweite Frau des Besitzers des Hauses, sie hatte einen eigenen Sohn, den sie sehr liebte, und einen Stiefsohn, den sie absolut nicht mochte. Nachdem ihr Mann gestorben war, sperrte sie ihren Stiefsohn hoch oben unter dem Dach in einen Raum ein. Ihr eigener Sohn war der einzige, der ihn besuchen durfte und der ihm zu essen und zu trinken brachte. Die beiden verstanden sich gut und spielten gern miteinander. Eines Nachts verschwand der Stiefsohn aus seinem Dachbodenraum, möglicherweise half ihm dabei einer der Bediensteten, und wurde nie wieder gesehen. Lady Nunnington war froh, den Jungen los zu sein, sein Halbbruder aber nicht, der seinen Spielgefährten sehr vermisste. Immer wieder hielt er nach ihm Ausschau, in der Hoffnung, dass er zurückkehren würde. Einmal lehnte er sich dabei so weit aus einem der Fenster der Hall, dass er hinunterstürzte und starb. Die Lady war untröstlich und wanderte oft stundenlang durch die Gänge und Flure von Nunnington Hall. Nach ihrem Tode wollen die neuen Besitzer des Hauses gehört haben wie die Lady weiterhin ihre ruhelosen Wanderungen durch das Haus fortsetzte, was auch heute noch der Fall sein soll.

Das Fernsehteam von „Most Haunted“ stattete Nunnington Hall einen Besuch ab und dieser Film zeigt, was sie innerhalb 24 Stunden dort erlebten.

Nunnington Hall gehört seit 1952 dem National Trust und kann besichtigt werden. Die Öffnungszeiten sind hier zu sehen.

Einer der Räume im Dachgeschoss.
Photo © Carol Walker (cc-by-sa/2.0)

Einer der Kamine in Nunnington Hall.
Photo © Mark Anderson (cc-by-sa/2.0)

Pele Towers – Wachtürme im Grenzbereich zwischen England und Schottland

 

Dieser Turm in Shilbottle in Northumberland wurde Anfang des 15. Jahrhunderts erbaut und in ein Wohnhaus umgewandelt.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

Um es gleich vorwegzusagen, mit dem ehemaligen brasilianischen Fußballstar Pele haben die Pele Towers im Norden Englands und im Süden Schottlands nichts zu tun. Man nennt sie auch „Peel Towers„, was schon wieder englischer klingt. Die Wikipedia erläutert: „Der Name wird zwar auf das lateinische Wort „pilum“ zurückgeführt, bedeutet hier aber „Pfosten“ oder „angespitzte Stange“.

Also: Pele Towers sind Wachtürme im englisch-schottischen Grenzbereich, die dafür vorgesehen waren, vor marodierenden und mordenden Banden, den sogenannten „border reivers„, zu warnen, die sich sowohl aus Schotten als auch aus Engländern zusammensetzten und die sich nicht darum kümmerten, welcher Nationalität ihre Opfer angehörten. War der Feind in Sicht, wurde von den Türmen aus mit Hilfe von Feuer- oder Rauchzeichen die Nachbarschaft gewarnt, die sich dann auf den Weg machte, um in den Pele Towers Schutz zu suchen, in denen manchmal auch die Grundbesitzer mit ihren Familien wohnten.

Aufgrund ihrer stabilen Bauweise mit meterdicken Mauern sind noch heute einige dieser Türme erhalten geblieben (hier ist eine großartige Lichtershow zu sehen, projiziert auf den Vicar’s Pele Tower in Corbridge in Northumberland), im englischen Bereich vorwiegend in Northumberland und Cumbria.
Hier sind einige Beispiele:

Clifton in Cumbria.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Pele Tower auf Farne Island (Northumberland).
Photo © Trevor Littlewood (cc-by-sa/2.0)

Der Stricklands Tower am Rose Castle bei Raughton Head in Cumbria.
Photo © Rose and Trev Clough (cc-by-sa/2.0)

Der Horsley Tower in Longhorsley (Northumberland)
Photo © Sandra White (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. Januar 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Gatehouse Lodges – Die Eingangstore zu Herrenhäusern

Viele Herrenhäuser auf dem Land sind nur durch vorgeschaltete Torhäuser zugänglich, in denen früher Pförtner mit ihren Familien wohnten, deren Aufgabe es war, die Zugangskontrolle zum Haupthaus vorzunehmen und die Tore zu öffnen und zu schließen. Manchmal wurden diese Gatehouse Lodges in einem architektonisch imposanten Stil erbaut, um Besuchern schon vorab zu zeigen, was sie dann erst im Manor House erwartet. Hin und wieder sind die Haupthäuser abgerissen worden, die Torhäuser aber sind stehengeblieben.

In meinem heutigen Blogeintrag möchte ich einige dieser schönen Gatehouses im Bild vorstellen:

Das vielleicht schönste Gatehouse in ganz England: Layer Marney Tower bei Colchester in Essex.
Photo © Derek Voller (cc-by-sa/2.0)

Der Eingang zu Gisburne Park in Lancashire. Die beiden Häuser stehen unter Denkmalschutz.
Photo © Bill Harrison (cc-by-sa/2.0)

Clifton Lodge, ein großartiges Torhaus, das Zugang zum Ashton Court Estate in North Somerset gewährt.
Photo © David Hallam-Jones (cc-by-sa/2.0)

Dieses romantische Haus bewacht nichts mehr, denn das Haupthaus Great Bounds bei Southborough in Kent wurde schon 1958 abgerissen.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Sauber und herausgeputzt präsentiert sich dieses Lodge House der Warfield Hall bei Bracknell in Berkshire, das heute einem wohlhabenden Saudi gehört.
Photo © Alan Hunt (cc-by-sa/2.0)

Die Gate Lodges des Syon Parks im Westen von London.
Photo © John Slater (cc-by-sa/2.0)

Wer einmal in einem Gatehouse wohnen möchte: Der Landmark Trust bietet zum Beispiel Apartments im Wolveton Gatehouse bei Dorchester in Dorset oder im Shute Gatehouse bei Axminster in Devon an.

 

Published in: on 16. November 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Bramall Hall – Ein wunderschönes Haus in der Region Greater Manchester

Der Stockport Metropolitan Borough Council betreibt seit 1974 eines der schönsten Tudorhäuser in der Region Greater Manchester: Bramall Hall, das für £1.6 Millionen renoviert wurde, dank eines Zuschusses vom Heritage Lottery Fund.
Gerade einmal drei Familien haben in den letzten 800 Jahren dieses wunderschöne Haus bewohnt: die Davenports, die De Bromales und die Nevills.
Bramall Hall und seine Gärten sind zu besichtigen, es gibt eine ganze Reihe von Aktivitäten, so zum Beispiel in diesem Jahr mehrere Weihnachtskonzerte im Dezember, u.a. mit Gordon Giltrap. Die Hall sieht bei weihnachtlicher Dekoration und beleuchtet besonders schön aus.
Man kann in der Hall seine Hochzeit feiern und dort Konferenzen und Bankette buchen. Irgendwie muss das Geld, das man für den Unterhalt des Gebäudes und seiner Gärten ausgibt, ja wieder hereinbekommen.

Gern stellt man Bramall Hall auch für Filmaufnahmen zur Verfügung. So wurden hier vor Ort schon Folgen von den beliebten TV-Serien „Coronation Street“, „Cash in the Attic“, „The Making of a Lady“ und „Prank Patrol“ gedreht.

Und selbstverständlich gibt es hier auch einen Gift Shop und für Erfrischungen das The Stables Kitchen Café. Was will man mehr?

Wer sich für die Geschichte von Bramall Hall näher interessiert, kann sich in der Wikipedia darüber informieren.

Dieser Film zeigt die Hall, von einer Drohne aus, in unterschiedlichen Perspektiven, und hier sind Innenaufnahmen nach der Renovierung zu sehen.

Bramal Hall Rd
Bramhall
Stockport SK7 3NX

Published in: on 14. November 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Tixall Gatehouse in Staffordshire – Ein historisches Torhaus, das man mieten kann

Wer keine Lust hat in Hotels, B&Bs oder in Mietcottages zu wohnen, dem bietet der Landmark Trust eine Fülle von Apartments an, die alle in historischen Häusern untergebracht sind (über den Landmark Trust berichtete ich in meinem Blog).
Ein besonders schönes dieser Landmark Trust-Objekte ist das Tixall Gatehouse, östlich von Stafford in der Grafschaft Staffordshire. 1968 hat der Trust das vollkommen heruntergekommene Torhaus übernommen, das seit 1927 ungenutzt herumstand, nachdem die Tixall Hall abgerissen worden war. Sowohl die Hall als auch das Gatehouse wurden im 16. Jahrhundert errichtet. Ein besonderes historisches Ereignis für die Hall fand im Jahr 1586 statt, als Maria Stuart zwei Wochen lang hier eingesperrt war.

1975 begannen die Restaurierungsarbeiten am Torhaus, die der Architekt Lawrence Bond vornahm, unterstützt von einem außerordentlich fähigen Spezialisten für Maurerarbeiten, der zwei Jahre lang auf sehr schonende Weise die Erneuerungsarbeiten am Mauerwerk vornahm.

Das Tixall Gatehouse bietet auf zwei Stockwerken Platz für maximal 6 Personen, verfügt über eine große Küche und hat als Besonderheit eine Dachterrasse, auf der man neben den Türmchen mit ihren goldverzierten Wetterfahnen bei schönem Wetter Platz nehmen kann.

Die Übernachtungspreise hängen stark von der Saison ab, so bekommt man das Gatehouse im Januar für £994 für 7 Nächte; im Juni kostet das dann schon £1,798. Wenn man das aber durch 6 teilt, bleiben pro Nacht und Person in der Hauptsaison nur noch rund £43 über. Dafür wohnt man aber in einem außergewöhnlichen historischen Gebäude.

Hier ist das Tixall Gatehouse von einer Drohne aus gefilmt zu sehen.