Wie kam es eigentlich zur Namensgebung der Supermarktkette Asda?

Die Asda-Zentrale in Leeds (West Yorkshire).
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Nach Tesco und Sainsbury handelt es sich bei Asda um Großbritanniens drittgrößte Supermarktkette mit 145 000 Angestellten und über 600 Filialen. Sie ist im Besitz der beiden Geschäftsleute Mohsin und Zuber Issa, mehrfache Milliardäre mit indischen Wurzeln, die sie im Jahr 2020 von dem US-amerikanischen Konzern Walmart übernommen haben. Die Zentrale ist im Asda House in Leeds (West Yorkshire).

Die Gründung des Unternehmens geht in die 1920er Jahre zurück und führt in die Kleinstadt Knottingley in West Yorkshire. Dort hatte die Familie Asquith ein gut gehendes Fleischergeschäft; ja, es ging so gut, dass sie sich noch sechs weitere Filialen zulegten. Dabei blieb es, bis Peter und Fred Asquith im Jahr 1963 in Castleford, nicht weit von Knottingley entfernt und ebenfalls in West Yorkshire gelegen, in einem ehemaligen Kino einen Supermarkt eröffneten. Darin betrieb die Firma Dairy Associates ein Fleischergeschäft. Beide Firmen taten sich zusammen und nannten sich von da an Asda (Asquith + Dairy Associates). Erst wurden oben im Nordwesten Supermärkte aufgebaut, dann, in den 1970er Jahren, auch im Süden des Landes.

Neben Lebensmitteln verkauft Asda heute ein breites Spektrum von anderen Waren, hat eine eigene Modelinie, bietet Versicherungen an und hat eine eigene Radiostation, die alle Märkte rund um die Uhr mit Musik und Informationen versorgt.

Das Management von Asda plant, in den nächsten vier Jahren 300 neue Märkte zu eröffnen und Sainsbury vom zweiten Platz im Vereinigten Königreich zu verdrängen. Ob sich das Sainsbury gefallen lassen wird?

Peter Asquith, einer der Firmengründer, vor dem Asda House in Leeds.
Photo: Mtaylor848.
Creative Commons 4.0

Ein Asda-Supermarkt in Bodmin (Cornwall).
Photo © David Smith (cc-by-sa/2.0)

Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. Januar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

Maldon Sea Salt – Meersalzflocken, die in Essex gewonnen werden

Meersalzflocken aus Maldon.
Photo: ehpien.
Creative Commons 2.0

Frankreich hat sein „Fleur de Sel„, das in Handarbeit zum Beispiel in der Bretagne und der Camargue dem Meerwasser entzogen wird, England setzt sein Maldon Sea Salt dagegen, das bei englischen Spitzenköchen in deren Küchen zum Einsatz kommt.
Maldon ist eine Ortschaft in der Grafschaft Essex, am Beginn des Mündungstrichters des River Blackwater, der sich dann bald in die Nordsee ergießt. 1882 begann die Produktion von Meersalz hier an der südostenglischen Küste und ist bis heute fortgesetzt worden, von einem Familienunternehmen, den Osbornes, die ihre Firma, The Maldon Salt Company, mittlerweile in der vierten Generation betreibt.

Nachdem die Queen den Salzherstellern in Essex 2010 einen Besuch abgestattet hatte, war sie von dem Geschmack und der Qualität des Meersalzes offensichtlich so angetan, dass sie zwei Jahre später die Maldon Salt Company zum königlichen Hoflieferanten ernannte, eine Auszeichnung, mit der sich englische Firmen nur zu gern schmücken. Da wir gerade bei den Royals sind, die Salzproduzenten sind auch Mitglied der angesehenen Royal Academy of Culinary Arts, einem 1980 gegründeten Berufsverband, in dem „head chefs, pastry chefs, restaurant managers and quality suppliers“ organisiert sind. Die Craft Guild of Chefs zählt die Maldon Salt Company ebenfalls zu ihren Partnern.

Das Spezielle an dem Meersalz aus Essex sind die Pyramidenkristalle, die als Flocken in den Handel kommen, auch in einer geräucherten Version, und dass das Salz  nach den gleichen traditionellen Handwerksmethoden wie früher hergestellt wird.
Hier ist ein Film über das Meersalz.

Man findet Maldon Sea Salt in einigen deutschen Supermärkten, zum Beispiel bei Kaufland, zum Preis für etwas über vier Euro für 250 Gramm.

Photo: sousvideguy.
Creative Commons 2.0

The Maldon Sea Salt Works.
Photo © Chris Holifield (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. Januar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

Woods of Windsor – Schönheitsprodukte, die durch die Landschaft von Windsor inspiriert werden

Eigenes Foto.

Ich mag gut duftende Seifen sehr, wie zum Beispiel die von Bronnley und die von Yardley, die ich beide in meinem Blog schon vorgestellt habe. In den Badezimmern von englischen Countryhouse-Hotels werden meist sehr schöne Seifen dieser Art zur Verfügung gestellt. Neu entdeckt habe ich jetzt die Seifen von Woods of Windsor, die zur selben Firma wie Yardley gehört.

Woods of Windsor kann auf eine lange Vergangenheit zurückblicken. Die Geburtsstunde schlug im Jahr 1770 in einer Apotheke in der Stadt Windsor in Berkshire. Von hier aus wurde auch das Königshaus beliefert, dessen Burg nur wenige Schritte entfernt war. Im Jahr 1970 entdeckte man in dieser Apotheke jahrhundertealte Rezepte und Anleitungen für die Herstellung von Schönheitsprodukten, und ein Jahr später wurde die Produktmarke Woods of Windsor ins Leben gerufen. Geschmückt werden einige Verpackungen mit einer alten, aus dem Jahr 1850 stammenden Radierung des Windsor Castles. Die alte Woods Apotheke in der High Street von Windsor ist im Jahr 2017 umgezogen und zwar in den Daniel Department Store in der Peascod Street, also nicht weit entfernt.

Auf meiner Seifenverpackung (True Rose) steht zu lesen: „Woods of Windsor…bietet eine Auswahl von natürlichen Schönheitsprodukten an, die durch die schöne Landschaft von Windsor und die nostalgische Romantik, den Charme und die wilde Schönheit englischer Gärten inspiriert wurden.“ Die Produkte bestehen zu 98% aus natürlich gewonnen Zutaten und kommen ausschließlich aus Großbritannien. Auf Tierversuche wird komplett verzichtet. In ausgewählten deutschen Parfümerien sind die Schönheitsprodukte von Woods of Windsor zu bekommen.

Hier ist eine Werbefilm der Firma.

Published in: on 4. Dezember 2022 at 02:00  Comments (1)  

The  Independent Bookseller of the Year Award 2022 – The Bookery in Crediton (Devon)

Creditons High Street.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

£5000 erhält der jeweilige Preisträger des jährlich vergebenen Independent Bookseller of the Year Awards, und diese Buchhandlungen können dieses Preisgeld sehr gut brauchen, müssen sie sich doch gegen die großen Ketten und durch die Konkurrenz aus dem Internet durchsetzen.

Der Gewinner des Jahres 2022 ist The Bookery in der Kleinstadt Crediton, zwölf Kilometer nordwestlich von Exeter, in der Grafschaft Devon. Das Geschäft in der High Street, zwischen einem Charity Shop und einem Burgerladen gelegen, macht durch einen Schriftzug über dem Schaufenster darauf aufmerksam, dass es seit 2013 „Community owned“ ist, das heißt, die Buchhandlung hat mehr als 300 Anteilseigner und ist ein “ not-for-profit independent bookshop„, der durch die Arbeit von vielen Ehrenamtlichen unterstützt wird.
Was hier in The Bookery gemacht wird, geht weit über das hinaus, was eine Buchhandlung im Allgemeinen leistet. Man geht in die Schulen in der näheren Umgebung, um hier den Schülern, die durch körperliche Behinderungen keine Buchhandlung oder Bibliothek aufsuchen können, Bücher direkt vor Ort zu bringen. Man geht in die Pflegeheime und liest dort den alten Menschen am Bett vor. Man spendet Geld für die örtliche Lebensmitteltafel. Es werden Veranstaltungen und Lesungen mit Autoren organisiert.

The Bookery geht gern die „Extra-Meile“, um einen perfekten Service zu bieten, so werden auf Wunsch bestellte Bücher auch ins Haus geliefert. Die Buchhandlung ist zu einem festen Bestandteil des Gemeinwesens von Crediton geworden und hat die diesjährige Auszeichnung wirklich verdient.

Zusätzlich hat sie in diesem Jahr auch noch den British Book Award for Children’s Bookseller of the Year erhalten, der vom Verlag Macmillan Children’s Books vergeben wird.

The Bookery
21 High Street
Crediton
EX17 3AH

Published in: on 29. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Master Ropemakers im Chatham Dockyard in Kent – Hersteller von Seilen aller Art

Die viktorianische Produktionshalle.
Photo © Dave Bevis (cc-by-sa/2.0)

Über das Thema „Seilherstellung“ habe ich in meinem Blog bereits zweimal geschrieben. Einmal über Bridport, die Stadt der Seile und Netze und einmal über die Londoner Firma John Edgington, die sich auf Henkerseile spezialisiert hatte und die nicht mehr existent ist.

Heute möchte ich die Firma Master Ropemakers vorstellen, die in den Chatham Dockyards in Kent ansässig ist. Hier in den Dockanlagen werden schon seit über 400 Jahren Seile in allen Längen und Stärken produziert. Die heutige Ropery stellt die Seile in einem riesigen viktorianischen Gebäude her, das über 330 Meter lang ist, so viel Platz wird für die Fertigung langer Seile benötigt.

Eine wichtige Rolle bei der Seilherstellung spielten im 19. Jahrhundert die Frauen…weil sie billige Arbeitskräfte waren. Zuerst stellte man Witwen und die Töchter der männlichen Arbeiter ein, später kamen „normale“ Arbeiterinnen hinzu. Als in den 1860er Jahren Maschinen eingesetzt wurden, nahm die Zahl der männlichen Arbeitskräfte dramatisch ab, die Frauen kümmerten sich um die Instandhaltung der neuen Maschinen, von denen heute noch mehrere im Einsatz sind.

Master Ropemakers stellt Seile aus natürlichen und synthetischen Materialien für alle möglichen Zwecke her; zum Beispiel für Kinderschaukeln, Spielplätze, Strickleitern, Treppengeländer, Absperrungen und natürlich auch für Schiffe.

Es gibt geführte Touren durch die Victorian Ropery, ein Museum of Knots & Sailor’s Ropework und einen Gift Shop, in dem man Geschenke aus Seilen und Stricken kaufen kann.

Dieser Film zeigt einen Rundgang durch die Produktionshalle.

Master Ropemakers
The Historic Dockyard
Chatham
Kent
ME4 4TG

Photo © Ian Taylor (cc-by-sa/2.0)

Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. November 2022 at 02:00  Comments (2)  

Baggins Book Bazaar in Rochester (Kent) – Englands größte Buchhandlung für gebrauchte Bücher

Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)

Man findet sie in der High Street von Rochester in Kent, neben dem Pizza Express, Englands größte Buchhandlung für Second Hand Books, Baggins Book Bazaar. Es muss ja nicht immer alles in London sein, so freut sich die Charles Dickens-Stadt Rochester über diese Besonderheit. Ich mag die High Street dieser Stadt am River Medway, mit ihren alten Häusern, Hotels und Pubs.

Paul Minet, ehemaliger Präsident der Antiquarian Booksellers Association, gründete BBB im Jahr 1986. Antiquarische Bücher standen im Zentrum seines Lebens (er starb am 6. Februar 2012), und er schrieb über seine Leidenschaft in seinem 1989 erschienen Buch „Late Booking : My First Twenty-Five Years in the Secondhand Book Trade„.

In Baggins Book Bazaar findet man so alles, was das Herz eines Buchliebhabers höher schlagen lässt. Kaum ein Themenbereich, der im Erdgeschoss und im ersten Stock nicht zu finden ist. Man kann sich in den Regalreihen regelrecht verlaufen, und man fragt sich manchmal, ob die Angestellten der Buchhandlung überhaupt noch den Überblick haben. Die Öffnungszeiten sind sehr großzügig: Jeden Tag von 10 Uhr bis 17.30 Uhr, auch am Wochenende.

Any visit to Rochester would be incomplete without a browse around Baggins„, so steht es auf den Webseiten der Buchhandlung zu lesen. Doch es ist nicht ganz ungefährlich, die Türschwelle von BBB zu überschreiten, denn man vergisst hier die Zeit und kommt manchmal mit sehr viel mehr Büchern wieder heraus, als man eigentlich geplant hat.
Hier ist ein Film über BBB.

Baggins Book Bazaar
19 High Street
Rochester
ME1 1PY

Published in: on 14. November 2022 at 02:00  Comments (1)  

Wer waren eigentlich…? Mills & Boon

Photo: Book Thingo.
Creative Commons 2.0

Der Verlagsname Mills & Boon steht in Großbritannien schlechthin für Liebesromane (manche sagen auch Schundromane) und sind seit Bestehen des Verlages im Jahr 1908 zig-millionenfach verkauft worden. Die Zielgruppe sind überwiegend Frauen, die Buchcover wurden früher von muskelbepackten Männern mit mehr oder weniger nackten Oberkörpern beherrscht, in deren Armen junge Damen mit freizügigen Dekolletés mit schmachtenden Blicken lagen; auch in Deutschland gab es diese Buchcover zuhauf.

Der Verlag, dessen Firmensitz heute im Eton House in der Paradise Road in Richmond (Greater London) liegt, wurde von Gerald Rusgrove Mills und von Charles Boon gegründet. Die beiden Verleger publizierten anfangs Sachbücher, aber auch Werke von beispielsweise Hugh Walpole und Jack London; erst in den 1930er Jahren setzte man voll auf „Romance“. Der 1877 in Stourbridge (West Midlands) geborene Mills studierte am Gonville and Caius College in Cambridge und arbeitete nach seinem Abschluss in Londoner Verlagen, vor allem in dem renommierten Verlagshaus Methuen, wo er auf den ebenfalls 1877 geborenen Charles Boon traf, der dort im Verkauf tätig war. Boon konnte aus finanziellen Gründen nicht studieren, musste die Schule schon früh abbrechen, um seine Familie zu unterstützen, da sein Vater gestorben war. Er arbeitete in einer Buchhandlung, stieg mit 16 Jahren bei Methuen als Bürogehilfe ein und stieg dort tatsächlich bis zum Verlagschef auf. Mills und Boon taten sich zusammen und gründeten dann den nach ihnen benannten Verlag.
Gerald Rusgrove Mills starb schon früh im Jahr 1928 in London, Charles Boon überlebte seinen Partner um 15 Jahre und starb 1943.

Das Verlagshaus Mills&Boon, das 1971 von Harlequin Enterprises of Canada übernommen worden ist,  veröffentlicht heute monatlich über 100 Bücher, die Umschlagsbilder sind moderner geworden, die Buchtitel grenzwertig wie eh und je wie zum Beispiel „A Stolen Kiss With the Midwife“, „Awakening His Shy Vet“ oder „Intimate Negotiations“.

Siehe auch meinen Blogeintrag, in dem ich über die Verwendung von 2,5 Millionen Mills&Boon-Taschenbücher beim Bau der Autobahn M6 Toll Road bei Birmingham berichtete.

Photo: Cockburn Libraries.
Creative Commons 2.0

Das Eton House in Richmond (Greater London).
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The National Collection of Cider and Perry auf der Middle Farm bei Firle in East Sussex

Hier kann man seinen Lieblingscider beziehungsweise -perry vom Fass kaufen.
Photo © Chris Gunns (cc-by-sa/2.0)

Apfelwein spielt in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle und ist vor allem als Äppelwoi regional in Hessen beliebt. In England dagegen gibt es sehr viele Fans von Cider, der allerdings etwas anders produziert wird. In jedem englischen Pub bekommt man Cider, oft auch vom Fass; die großen, populären Marken sind Bulmers, Strongbow und Thatchers, doch gibt es auch sehr viele regionale Ciderproduzenten, hauptsächlich im Süden und Südwesten des Landes. Perry dagegen, der auf Birnenbasis hergestellt wird, hat nicht so viele Anhänger.

Die größte Auswahl in ganz England an diesen beiden Getränken findet man auf der Middle Farm an der A27 bei Firle in East Sussex, dort ist die National Collection of Cider and Perry beheimatet. Mehr als einhundert verschiedene Sorten aus dem ganzen Land vom Fass warten in der Cider Barn auf eine Verkostung, die vorher sorgfältig von den Farmbesitzern ausgewählt worden sind, bevor sie in den Verkauf gehen. Man bringt sein Gefäß zum Abfüllen mit oder kauft vor Ort ein wiederverwendbares, also vom Umweltgesichtspunkt her eine saubere Angelegenheit. Darüber hinaus werden auf der Farm rund 250 Sorten Cider and Perry in Flaschen angeboten.

Die Middle Farm hat neben dem riesigen Getränkeangebot (man kann hier auch regionale Biere und Weine kaufen) noch einen Hofladen mit ebenfalls regionalen Spezialitäten wie Käse aus Sussex und Fleisch von den auf der Farm gehaltenen Tieren, die man (bevor sie leider geschlachtet werden) im Rahmen der Open Farm besuchen kann. Da wir in England sind, gibt es hier natürlich auch einen Tearoom.

Die Middle Farm ist täglich von 9.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Dieser Film zeigt einen Besuch auf der Farm.

Middle Farm
West Firle
Lewes BN8 6LJ 

Rund 250 Sorten Cider und Perry gibt es in Flaschen.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)
Hier hat man die Qual der Wahl.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0
Published in: on 19. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Bourn Hall Clinic in Bourn (Cambridgeshire) – Ein sehr wichtiger Ort in der Geschichte der Medizin

Photo © Bikeboy (cc-by-sa/2.0)

Wie so viele andere Herrenhäuser in England auch, hatte Bourn Hall im Süden der Grafschaft Cambridgeshire eine wechselvolle Geschichte mit vielen Besitzern, doch keiner von ihnen wird geahnt haben, dass dieses Haus einmal in der Geschichte der Medizin eine bedeutende Rolle spielen sollte. Die Familie Hagar war Besitzerin Nummer 1 im 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts, es folgten die De La Warrs, auf deren Namen man in England immer wieder trifft, die hier von 1733 bis 1883 wohnten. Im Jahr 1980 schließlich kauften die beiden Mediziner Patrick Steptoe (1913-1988) und Robert Edwards (1925-2013) Bourn Hall und gründeten darin eine Klinik, die sich darauf spezialisierte, unfruchtbare Menschen zu behandeln.
Der Durchbruch gelang Steptoe und Edwards 1978, als sie, gemeinsam mit Jean Purdy (1945-1985) bei Lesley Brown eine künstliche Befruchtung durchführten, die darin mündete, dass sie am 25. Juli 1978 in Oldham (Greater Manchester) Louise Brown gebar, das erste „test-tube baby“ der Welt, der erste in vitro gezeugte Mensch, damals eine Sensation in der Medizin. Bis heute arbeiten Spezialisten in Bourn Hall, die bis Ende 2021 24 339 Babies „erschaffen“ und damit zahlreiche Ehepaare glücklich gemacht haben.

Im Jahr 2010 erhielt Robert Edwards den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin „für seine Entwicklung der  In-vitro-Fertilisation“, so die Begründung für die Preisvergabe.
Der jetzige „Science Director“ in der Bourn Hall Clinic ist Martyn Blayney, ein Schüler des Nobelpreisträgers.

Auch die Bourn Hall Fertility Clinic hat sich sozusagen mehrfach neu erzeugt, denn in East Anglia gibt es mittlerweile sechs weitere Fruchtbarkeitskliniken, die zum „Mutterhaus“ gehören, in Cambridge, in Colchester, in Norwich, in Wickford, in King’s Lynn und in Peterborough.

Bourn Hall Clinic
High Street
Bourn
Cambridge CB23 2TN

Hillbrush – Bürsten und Besen aus Mere in Wiltshire

Das Besucherzentrum Visit Hillbrush.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Sir Harrison Birtwistle (1934-2022) ist bisher der bekannteste Sohn des Dorfes Mere in Wiltshire, der am 18. April diesen Jahres hier verstarb und der sich einen Namen als Komponist klassischer, zeitgenössischer Musik gemacht hat.

Mere ist auch das Hauptquartier einer Firma, die international bekannt ist, die Bürsten und Besen in jeder Art und Form herstellt: Hillbrush. In diesem Jahr feiert die Firma ihr hundertjähriges Bestehen, denn sie wurde 1922 von Fred und Bill Coward in Mere gegründet. Die Produktpalette wurde im Laufe der Zeit immer mehr ausgeweitet. Ursprünglich stellten die beiden Cowards Bürsten und Besen für die Landwirtschaft her; jetzt produziert man hier in Wiltshire diese Reinigungsgeräte auch für den Einsatz in hochsensiblen Bereichen wie in der pharmazeutischen und der Lebensmittelindustrie. Mittlerweile gibt es eine weitere Produktionsstätte in Baltimore, im US-Bundesstaat Maryland.
Dieser Film wirft einen Blick in die Produktionshallen von Hillbrush.

Im April hat Hillbrush in Mere ein Besucherzentrum eröffnet, in dem man sich über die Gegenstände informieren kann, die hier hergestellt werden. Visit Hillbrush heißt das Zentrum, dass das einzige Bürstenmuseum in Großbritannien beherbergt. Und dass Bürsten und Besen offensichtlich auf Interesse stoßen, zeigen die Besucherzahlen, die auf über 50 000 pro Jahr geklettert sind. In dem interaktiven Museum wird gezeigt wie sich die Produktion innerhalb der vier Generationen der Besitzerfamilie von den 1920er Jahren bis heute verändert hat. Stolz ist man in der Firma darauf, dass sie einen Royal Warrant hat, also Hoflieferant ist. Vielleicht fegt die Queen ja hin und wieder ihr Wohnzimmer im Buckingham Palast oder im Windsor Castle mit einem Besen aus, der in Mere hergestellt worden ist.

Das Besucherzentrum ist montags bis freitags von 9 Uhr bis 16 Uhr geöffnet. Es gibt zusätzlich noch ein Restaurant und einen Shop, in dem die Produkte aus den Werkshallen von Mere, aber auch anderes angeboten wird.

Aus Anlass des 100jährigen Bestehens der Firma hat ihr Chairman Philip Coward ein Buch herausgegeben, das sich mit der Geschichte von Hillbrush beschäftigt. Von dessen Verkaufspreis in Höhe von £15 werden £5 an den Royal Warrant Holders Association Charity Fund überwiesen.

Der Ort Mere liegt an der A303 am westlichen Rand des Landschaftsschutzgebiets Cranborne Chase, das Besucherzentrum an der B3092.

Visit Hillbrush
Norwood Park
Mere
Wiltshire BA12 6FE

Published in: on 11. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der GWR Medical Fund – Vorbild für Großbritanniens National Health Service

Daniel Gooch (1816-1889)
This is a faithful photographic reproduction of a two-dimensional, public domain work of art.

Meine erste und einzige Erfahrung mit dem National Health Service (NHS) liegt schon eine Weile zurück, als meine Frau mit einem gesundheitlichen Problem die Accident & Emergency- Abteilung des York Hospitals in North Yorkshire aufsuchen musste. Sie wurde dort sehr freundlich empfangen und kompetent behandelt, eine Rechnung bekam sie nie zu Gesicht, denn nicht nur die Briten haben das Recht auf kostenlose Behandlung, auch die Besucher aus anderen Ländern.

Der NHS ist einer der größten Arbeitgeber der Welt; rund 1,7 Millionen Menschen greifen täglich auf das britische Gesundheitssystem zurück. Gegründet wurde der NHS 1948 von dem damaligen Gesundheitsminister Aneurin Bevan (1897-1960) in der Regierung Clement Attlee, der eigentlich nichts anderes zu tun brauchte als auf ein bereits bestehendes Gesundheitssystem zurückzugreifen, das es schon seit hundert Jahren gab, den Medical Fund der Great Western Railway (GWR), einer Eisenbahngesellschaft in Swindon (Wiltshire). Daniel Gooch (1816-1889), erst Chefingenieur, später Vorsitzender der GWR, rief den Medical Fund für die Arbeiter des Unternehmens ins Leben. Es war das erste Mal weltweit, dass es eine komplett kostenlose Gesundheitsversorgung gab, die ein breites Spektrum abdeckte, von der Schwangerschaftsvorsorge bis zu physiotherapeutischen Maßnahmen. „There it was. A complete health service in Swindon. All we had to do was expand it to the whole country„, sagte Aneurin Bevan und gründete den NHS, was auch das Ende des Medical Funds bedeutete.

Aneurin Bevan (1897-1960).
© National Portrait Gallery, London
Creative Commons 3.0
The York Hospital in der Wigginton Road in York (North Yorkshire).
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 16. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Edward Reeves Photography in Lewes (East Sussex) – Das älteste Fotostudio der Welt

Photo: Andrew M Butler.
Creative Commons 2.0

Geht man die High Street in der Stadt Lewes in East Sussex entlang, so passiert man an der Nummer 159, gleich neben der Kirche St Michael, ein rot angestrichenes Geschäft mit der Aufschrift „EDWARD REEVES – PHOTOGRAPHER„, die sich auf den beiden Türen wiederholt, dort steht zusätzlich noch der Vermerk zu lesen „EST. 1855„. Dieses Geschäft wurde also vor 167 Jahren gegründet und ist damit das älteste Fotostudio der Welt…und noch immer im Besitz derselben Familie.

Der Firmengründer Edward Reeves (1824-1905) zog 1859 in diese Adresse in der High Street von Lewes und befasste sich in erster Linie mit der Porträtfotografie; rund 700 derartige Aufnahmen soll er jährlich angefertigt haben, darüber hinaus auch noch zahlreiche lokale und regionale Fotos.

Auf Edward Reeves folgte sein Sohn Benjamin V. Reeves (1875-1948), der in 159 High Street auch geboren wurde. Er beschäftigte sich mit neuen technischen, fotografischen Verfahren, machte ebenfalls zahlreiche Porträts von „Lewesianern“ und hielt viele Ereignisse und Festivitäten der Stadt im Bild fest.

Benjamins Sohn Edward Reeves (1908-1980), auch er wurde in dem Haus in der High Street geboren, übernahm das Geschäft seines Vaters. Er wurde ebenfalls mit neuen Techniken der Fotografie konfrontiert, die er in seine Arbeit mit einbezog. Edward spezialisierte sich auf Landschafts- und Industriefotografie.

Edwards Sohn Tom Reeves, 1960 geboren, aber nicht in der High Street von Lewes, schließlich führt das Familienunternehmen heute. Er hat in London das Fach Fotografie studiert und das Geschäft 1982 übernommen. Der Wandel von der analogen zur digitalen Fotografie war ein wichtiges Element in seinem bisherigen Berufsleben.

Die Bandbreite des Fotostudios heute umfasst nach wie vor die Porträt- und Hochzeitsfotografie, zuzüglich Industrie-, Werbe- und Architekturfotografie. Das Archiv der Firma umfasst mehrere hunderttausend Fotos.

Edward Reeves Photography
159 High Street
Lewes, East Sussex
BN7 1XU

Photo: Andrew M Butler.
Creative Commons 2.0
Published in: on 1. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Farbhersteller Dulux und sein berühmter Werbehund

Photo: Mixtography.
Creative Commons 2.0

Die Firma Dulux ist einer der weltweit bekanntesten Farbhersteller, der seit den 1930er Jahren tätig ist. Dulux steht für Durable and Luxury und gehört heute zu dem niederländischen Konzern Akzo Nobel N.V. Das britische Produktionszentrum steht seit wenigen Jahren in Ashington, nördlich von Newcastle-on-Tyne in Northumberland, und nennt sich “ the world’s most advanced and sustainable paint factory„, weil in den für 100 Millionen teuren Fabrikationsanlagen sehr viel Wert auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit gelegt wird. 200 Millionen Liter Farbe werden hier oben im Norden Englands hergestellt. Hier ist ein Film über die Fabrik.

Im Jahr 1961 führte die Firma für ihre Werbekampagnen den Dulux-Hund ein, einen Old English Sheepdog beziehungsweise einen Bobtail wie er in Deutschland genannt wird. Dash hieß der erste Hund, gehörte dem Chef der Werbefirma, und er tollte bei den Dreharbeiten immer mit durch die Gegend. Eigentlich war Dash für die Werbespots gar nicht vorgesehen, aber es ergab sich dann doch, dass er mit auftrat und das mit großem Erfolg. Als Dash in Rente ging, wurde sein Job neu ausgeschrieben, worauf sich 450 Bobtails bewarben. Der Sieger und Dashs Nachfolger wurde Digby, der sogar einen eigenen Spielfilm bekam: „Digby: The Biggest Dog in the World“ (dt.“Digby – Der größte Hund der Welt“) , mit Spike Milligan an seiner Seite. Welcher Bobtail kann von sich behaupten, einen eigenen Chauffeur zu haben? Digby konnte das, er wurde immer mit seinem eigenen Fahrer zum Aufnahmestudio transportiert. 14 Dulux-Hunde gab es bereits seit 1961. Sie sind so populär geworden, dass viele nicht mehr vom Old English Sheepdog, sondern nur noch vom Dulux Dog sprechen.

Hier ist ein Beispiel für einen dieser Werbespots.

Published in: on 26. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Recycled Candle Company in Exeter (Devon)

Exeters Gandy Street.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

„Was passiert eigentlich mit den vielen Kerzenresten aus Privathaushalten, Kirchen, Restaurants usw.?“ fragten sich vor einigen Jahren Richard Hills-Ingyon und Sargon Latchin aus Devon. Nun, sie landen im Restmüll, kommen auf Deponien, werden verbrannt. Das ist doch eigentlich schade, sagten sich die beiden, und es entstand eine Geschäftsidee, die sie in die Praxis umsetzten. Die Reycled Candle Company wurde im Jahr 2015 ins Leben gerufen und ein Geschäft, erst in Ottery St Mary, dann in Exeters Gandy Street eröffnet, das ist eine schmale Fußgängerpassage mit hübschen kleinen Läden und Häusern überwiegend aus dem 19. Jahrhundert, also ideal für einen Laden mit einem speziellen Angebot.

Es sprach sich schnell herum, dass da jemand in Exeter Kerzenreste sammelte, und seit Bestehen der Recycled Candle Company kommen jährlich rund 40 Tonnen Wachs zusammen, aus denen 30 000 neue Kerzen entstehen. Aus der Kathedrale von Exeter erhält die Firma eine Menge Kerzenreste, und in der Bath Abbey befindet sich eine Sammelstelle, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Das eingesammelte Wachs wird eingeschmolzen, mit unterschiedlichen Duftstoffen versehen und zu neuen Kerzen umgewandelt, also eine sehr umweltfreundliche Angelegenheit. So hat der Kerzenladen in der Gandy Street schon einige Auszeichnungen erhalten wie den Exeter Living Award, den Green Apple Environment Award und den Best Small Shop Award.

In diesem Film kann man einen Blick in den Laden werfen.

The Recycled candle Shop
16 Gandy Street
Exeter
Devon, EX4 3LS

Ein Seitenaltar der Exeter Cathedral, dessen beide Kerzen wohl bald recycelt werden.
Photo: Peter 2010.
Creative Commons 2.0
Published in: on 17. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Paxton&Whitfield – Londons beste und älteste Käsehandlung

Foto: Philafrenzy.
Creative Commons 4.0

Wenn man in Paris exzellenten Käse kaufen möchte, dann geht man zu Androuet, der in der Stadt mit mehreren Geschäften vertreten ist. Der Maître Fromager Affineur ist seit 1909 in Paris ansässig, und ich sah einmal auf einer Speisekarte eines angeschlossenen Restaurants, dass dort ein mehrgängiges Menü angeboten wurde, dass ausschließlich aus Käse bestand.

Was Androuet für Paris ist, das ist Paxton & Whitfield für London, ein Super-Käseladen in der Jermyn Street Nummer 93. Die Ursprünge der Käsehandlung gehen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück; die Partnerschaft zwischen Harry Paxton & Charles Whitfield wurde im Jahr 1797 besiegelt.
Winston Churchill sagte einmal: „Ein Gentleman kauft seine Hüte bei Locks, seine Schuhe bei Lobbs, seine Hemden bei Harvey & Hudson, seine Anzüge bei Huntsman und seinen Käse bei Paxton & Whitfield„. Aber nicht nur Gentlemen gehen zum Käsekauf in die Jermyn Street, auch die königliche Familie ist dort Stammkunde. Schon Queen Victoria ließ Paxton & Whitfield 1850 einen Royal Warrant zukommen und mit Unterbrechungen ist die Firma auch heute noch Hoflieferant sowohl für Queen Elizabeth II als auch für HRH The Prince of Wales.

Die Käsehandlung durchlebte im Laufe ihres Bestehens viele Höhen und Tiefen; vor allem in wirtschaftlich schwierigen  Zeiten stand die Firma mehrmals kurz vor dem Aus. Was sie immer wieder auf die Beine brachte, war der unermüdliche Einsatz ihrer diversen Eigentümer, die es schafften, stets eine gleichbleibend hohe Qualität ihrer Produkte zu gewährleisten. Man steht in ständigem Kontakt zu den Produzenten im Land und importiert ausgesuchte Käse auch aus anderen Ländern.

Die Auswahl ist riesig (circa 250 Sorten), und so kommt der Londoner in den Genuss, so ausgefallene Käsesorten wie Robin Congdons Beenleigh Blue aus Devon oder Simon und Tim Jones‘ Lincolnshire Poacher kaufen zu können.
Neben dem Hauptgeschäft in London gibt es noch weitere Filialen von Paxton & Whitfield, zum Beispiel in Bath in Somerset und in Bourton-on-the-Water in Gloucestershire. Wer nicht in einem dieser Orte wohnt, kann sich den Käse auch direkt ins Haus schicken lassen.

Hier ist ein Besuch in der Londoner Käsehandlung im Film zu sehen.

Paxton & Whitfield
93 Jermyn Street
London SW1Y 6JE


Foto: satoridork.
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Roys of Wroxham – „The World’s Largest Village Store“ in Hoveton (Norfolk)

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Nahe der Badlands im US-Staat South Dakota steht einer der größten Drugstores der USA, Wall Drug, der jedes Jahr an die zwei Millionen Touristen anlockt, und das in einem abgelegenen Dorf namens Wall. Der Siegeszug des Ladens begann in den 1930er Jahren als der Besitzer die vorbeifahrenden Autofahrer mit „Free icewater“ anlockte.
An diesen Drugstore muss ich denken, wenn ich jetzt über Roys of Wroxham schreibe, ein Kaufhaus in dem kleinen Ort Hoveton in Norfolk, das sich „The World’s Largest Village Store“ nennt. Alfred und Arnold Roy gründeten ihren Dorfladen ursprünglich 1895 in dem Nachbarort Coltishall, eröffneten vier Jahre später einen weiteren in Hoveton. Die beiden Orte Hoveton und Wroxham in der Seenlandschaft der Norfolk Broads gehen ineinander über und sind nur durch den River Bure getrennt über den eine Brücke führt. So hätte die Firma eigentlich Roys of Hoveton heißen müssen. Das Kaufhaus war bis heute so erfolgreich, dass noch weitere Filialen, sowohl in Norfolk als auch in Suffolk, gegründet wurden.

In Hoveton selbst findet man neben dem eigentlichen Department Store an der Stalham Road noch die Roys of Wroxton Food Hall, an der Church Road Roys DIY Store und das Spielzeuggeschäft Roys Toys und, gegenüber vom Kaufhaus, Roys Garden Centre.

Bei Roys of Wroxham legt man viel Wert darauf, möglichst viele Produkte aus der Region anzubieten. Über hundert Lieferanten aus der näheren Umgebung versorgen Roys mit Obst und Gemüse, Fleisch, Bier und sogar Wein. Darüber hinaus bringt sich die Firma in das kommunale Leben ein, indem sie Geld für wohltätige Zwecke spendet.

Am 6. Mai 1995 wurde das Kaufhaus in Hoveton von einem Feuer zerstört (hier ist ein Film darüber); schon ein Jahr später konnte man in den Neubau an gleicher Stelle einziehen. Bis zum heutigen Tag ist die Firma ein Familienunternehmen und wird zur Zeit von Edward und Paul Roy geleitet. Filialen gibt es unter anderem in den Kleinstädten Thetford, Dereham und North Walsham, alle in Norfolk gelegen, und in Beccles und Sudbury in Suffolk.

Photo © Stacey Harris (cc-by-sa/2.0)
Roys Toys.
Photo © Hugh Venables (cc-by-sa/2.0)
Roys Garden Centre.
Photo: Glen Bowman.
Creative Commons 2.0
Published in: on 7. April 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Hastings in East Sussex Teil 3: Die Shirley Leaf & Petal Company in der High Street

Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

58a High Street in Hastings (East Sussex) lautet die Adresse eines ganz besonderen Geschäfts namens Shirley Leaf & Petal Company, das bereits seit 1910 in der Stadt an der englischen Südküste ansässig ist. Die vielen Blumen und Blütenblätter, die man sich im Schaufenster ansehen kann, sind nicht echt, sie sind alle künstlich, aber so naturgetreu nachempfunden, dass sie von echten kaum zu unterscheiden sind.

Brenda Wilson ist die Schöpferin der vielen „leaves and petals“, die sie in die ganze Welt liefert, und die aus den unterschiedlichsten Materialien hergestellt werden. Abnehmer ihrer Kunstwerke sind immer wieder gern Film- und TV-Produktionsgesellschaften, so hat sie schon für die Disney-Studios („Pocahontas“), für Ridley Scott („Gladiator“), für Steven Spielberg und für die Westend-Produktion „Frozen: The Musical“ (dt. „Die Eiskönigin“) gearbeitet. Für die Festspiele in Oberammergau hat Brenda Wilson Olivenbaumblätter hergestellt, Dahlien für die Aufführungen in Glyndebourne geliefert und die großen Theater Großbritanniens mit Blumen versorgt.

Im Keller des Geschäfts an der High Street gibt es auch noch ein Museum zu besichtigen, das Flower Makers‘ Museum, das alles umfasst, was in irgendeiner Form mit künstlichen Blumen zu tun hat.

Shirley Leaf and Petal Co.
58a High Street
Hastings
TN34 3EN

Published in: on 26. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Schaukelpferde in Shropshire, the Rocking Horse County

Nur wenige Kilometer auseinander liegen zwei der renommiertesten englischen Hersteller von Schaukelpferden: The Rocking Horse Workshop in Hodnet und The Original Rocking Horse Works in Tyrley, beide Orte liegen im Dunstkreis der nächst größeren Stadt Market Drayton in Shropshire.

Schaukelpferde wurden im 17. Jahrhundert in den USA erfunden, und sie traten von dort aus ihren Siegeszug quer durch Europa an. Auch heute erfreuen sie sich noch großer Beliebtheit, aber ich glaube eher bei Sammlern als dass sie in Kinderzimmern stehen. Gute, in Handarbeit hergestellte „rocking horses“ können schon einmal mehrere tausend Euro kosten.

David und Noreen Kiss gründeten 1987 ihre Firma The Rocking Horse Workshop in Wem (Shropshire), später zogen sie in das Dörfchen Hodnet, wo sie ihre hübschen Pferde herstellten. David Kiss hat ein Standardwerk über das Thema geschrieben: „A Kiss of Rocking Horses: A Directory of British Rocking Horse Makers (Pre 1950)„, in dem er alle britischen Hersteller von Schaukelpferden auflistet, etwa 150, und mit Hilfe von den 750 Fotos des Buches kann man sein Schaukelpferd dem jeweiligen Produzenten zuordnen.

Nur wenige Kilometer entfernt, in Tyrley, werden im The Original Rocking Horse Works ebenfalls sehr hübsche Schaukelpferde hergestellt und das schon seit 1985. In jedes Schaukelpferd wird sehr viele Liebe „injiziert“, echte Pferdehaare werden verwendet; „our rocking horses exude a friendly warmth„, so liest man es auf den Webseiten der Firma, die ihre Produkte in die ganze Welt liefert. Wer möchte, kann sein ramponiertes „rocking horse“ auch zur Reparatur und zur Auffrischung nach Tyrley bringen.


Published in: on 7. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

John Edgington and Co. – Exklusiver Hersteller von Henkerseilen

Author: Eitan Ferman.
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Old Kent Road Nummer 108, so lautete die Adresse der alteingesessenen Londoner Firma John Edgington and Co., die 1805 gegründet wurde. Das Familienunternehmen produzierte unter anderem Zeltplanen und ähnliche Dinge, doch sie hatte in ihrem Portfolio ein ganz spezielles Produkt, für das sie in Großbritannien und dem gesamten Commonwealth die Exklusivrechte hatte: Henkerseile. Hier an der Ausfallstraße aus London im Südosten der Stadt (heute die A2) wurden ab 1888 diese Seile hergestellt, mit denen zum Beispiel die Henker John Ellis, Albert Pierrepoint und Harry Allen zum Tode Verurteilte ins Jenseits beförderten.

Auftraggeber für die Herstellung der Seile war die Prison Commission of the Home Office. Das optimale Material für die Seile war Hanf; im Laufe der Jahrzehnte nahm John Edgington and Co. immer wieder Veränderungen daran vor (von „Verbesserungen“ möchte ich hier lieber nicht sprechen). Kurz vor dem Einsatz eines solchen Henkerseils wurde es gedehnt, in dem man einen Sandsack, der in etwa das Gewicht des „Opfers“ hatte, durch die Klappe unter dem Galgen fallen und ihn über Nacht hängen ließ. Dadurch wurde die Dicke des Seils reduziert, das sich dann beim tatsächlichen Akt nicht mehr dehnen konnte und den Tod des armen Menschen beschleunigte.

Jedes dieser Henkerseile durfte in Großbritannien nur einmal für Hinrichtungen benutzt werden (ich weiß nicht, was danach mit ihnen geschah). In den Commonwealthstaaten dagegen sah man das nicht so eng und hielt nichts von Einwegseilen. Diese Staaten schickten John Edgingtons Produkte in die Firma zurück, wo sie überprüft, gegebenenfalls wieder instandgesetzt und anschließend zur erneuten Verwendung an die Absender geschickt wurden. Nachdem die Todesstrafe in Großbritannien im Jahr 1965 durch den Murder (Abolition of Death Penalty) Act abgeschafft worden war, stellte die Firma die Produktion ein.

Die Werkstätten John Edgingtons an der Old Kent Road 108 lagen in etwa dort, wo jetzt mehrere große Wohnblocks hochgezogen worden sind, gegenüber von einem Aldi.

Published in: on 7. November 2021 at 02:00  Comments (2)  

Die Namensgebung der berühmten David Austin-Rosen aus Albrighton (Shropshire)

Photo © Hilary Wright (cc-by-sa/2.0)

Rosenliebhaber in ganz Europa bekommen glänzende Augen, wenn sie den Namen David Austin hören, denn die Familie Austin züchtet hier in Albrighton in der Grafschaft Shropshire seit 1961 die schönsten Rosen, die man sich vorstellen kann.

David Austin (1926-2018) wurde für seine Arbeit mit dem Order of the British Empire (OBE) ausgezeichnet. Seine erste 1961 gezüchtete Rose erhielt den Namen „Constance Spry„, benannt nach der englischen Floristin (1886-1960), die ebenfalls den Orden OBE innehatte. Seitdem sind Hunderte verschiedener Rosen gezüchtet worden, die alle mehr oder weniger interessante Namen tragen und von denen ich an dieser Stelle einige Beispiele nennen möchte.

Das britische Königshaus ist mit mehreren Generationen vertreten, beginnend mit „Queen Mother„, dann folgen „Queen Elizabeth„, „Prince Charles“ und „William and Catherine„.
Da wir uns in der Grafschaft Shropshire befinden, tragen einige Rosen Namen mit Bezug auf das County wie „A Shropshire Lad“ (nach der Gedichtsammlung von Alfred Edward Housman), „The Albrighton Rambler„, „Boscobel“ (nach dem Haus mit der Eiche, in der sich einst Charles II. versteckte), „Wollerton Old Hall“ (nach dem alten Herrenhaus mit seinem berühmten Garten) und „Brother Cadfael“ (nach Ellis Peters‘ Romanfigur, die in Shrewsbury wohnt).

Englands Fernsehgärtner Nummer Eins „Alan Titchmarsh“ wurde mit einer Rose geehrt, die seinen Namen trägt, das gleiche gilt für den Dichter „Sir John Betjeman„, die Schriftstellerin „Emily Brontë“ und den Schriftsteller „Roald Dahl„.

Es gibt aber auch Rosen mit den profanen Namen „Erfurt„, „Dortmund“ und „Leverkusen„; da klingt doch „Ghislaine de Féligonde“ ganz anders. Sie war die Tochter (1914–1994) eines Ehepaares, das mit dem französischen Landschaftsarchitekten Jean Claude Nicolas Forestier befreundet war.

Noch profaner ist der Rosenname „Sexy Rexy„; „Golden Showers“ scheint mir etwas verunglückt.

In diesem Film werden die Top 12 von David Austins Rosen vorgestellt und hier ist ein Rundgang durch das Gartencenter.

The David Austin Plant Centre and Rose Gardens
Bowling Green Lane
Albrighton, Shropshire, WV7 3HB

Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)
„Constance Spry“.
Author: Rosa Staropramen.
Creative Commons 3.0
„Brother Cadfael“.
Author: digiteyes.
Creative Commons 2.0
Published in: on 1. Oktober 2021 at 02:00  Comments (1)  

Snugburys – Ein Eiscremehersteller bei Nantwich in Cheshire und seine Strohskulpturen an der A51

Photo © Mike Pennington (cc-by-sa/2.0)

Auf der Ile Saint Louis in Paris gibt es den legendären Eishersteller Berthillon, vor dessen Verkaufsstelle oft lange Menschenschlangen zu sehen sind. Etwas Ähnliches gibt es in der Grafschaft Cheshire. An der A51, nördlich von Nantwich, zweigt eine Zufahrtsstraße zu Snugburys ab, deren Parkplatz meist gut gefüllt ist.

Chris und Cheryl Sadler begannen hier 1986 in ihrem Bauernhaus Eis herzustellen und das von ihrem Küchenfenster aus zu verkaufen. Die Qualität ihrer Eissorten sprach sich in der Umgebung schnell herum, und die Nachfrage wurde immer größer, so dass sie eine Scheune umbauten, um die Besucher von hier aus zu bedienen. Die Erfolgsstory ging immer weiter, und heute verkaufen Chris und Cheryls drei Töchter Hannah, Kitty und Cleo ihre 55 Eissorten an über 300 000 Besucher jährlich.

Bei Snugburys bekommt man neben den Standardeissorten auch viele exotische Mixturen wie „Schlehenbeerengin mit Zwetschgen“, „Lakritze mit Himbeeren“ oder „Meeressalz-Karamel“.

Seit 1998 überrascht jedes Jahr eine neue Strohskulptur die Gäste, die jeweils auf einer Wiesenfläche neben Snugburys an der A51 aufgestellt wird. Eine direkte logische Verbindung zu der Eiscremefabrikation gibt es nicht, vielleicht dienen die Skulpturen aber auch nur für Werbezwecke. Da gab unter anderem einen Dinosaurier mit dem Namen Coneastrawus (Cone=Eistüte, man liebt in England diese Wortspiele), ein elf Meter hohes Erdmännchen, einen ebenfalls elf Meter hohen Dalek (Fans der Endlos-TV-Serie „Doctor Who“ wissen, was damit gemeint ist) oder zuletzt eine zwölf Meter große Biene.

Snugburys überweist regelmäßig einen Geldbetrag an wohltätige Organisationen, die meist mit den Skulpturenthemen in Zusammenhang stehen wie zuletzt an den Bumble Bee Conservation Trust.

Snugburys Ice Cream,Park Farm
Hurleston
Nantwich

Cheshire, CW5 6BU

Author: Wildlife Terry.
Creative Commons 2.0
Das Erdmännchen.
Author: Paolo Camera.
Creative Commons 2.0
Der Dalek.
Photo © Oliver Mills (cc-by-sa/2.0)
Die Riesenbiene.
Photo © Jeff Buck (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. September 2021 at 02:00  Comments (1)  

Coates English Willow – Weidenverarbeitende Industrie in den Somerset Levels

Eine überdimensionierte Gießkanne im Besucherzentrum.
Author: zoer.
Creative Commons 2.0

Die Somerset Levels gehören zu den größten Feuchtgebieten Englands mit einer großen Vielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt. Leider gibt es für die Bewohner dieser Region immer wieder Probleme mit Überflutungen wie zuletzt Anfang des Jahres 2014 als Ortschaften evakuiert werden mussten beziehungsweise von der Außenwelt abgeschnitten waren. Edward Platt berichtet ausführlich darüber in seinem Buch „The Great Flood: Travels Through a Sodden Landscape“ im Kapitel „The Anchorage“ (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Die Levels sind das ideale Wachstumsgebiet für Weiden, und so findet sich hier auch Englands Zentrum für weidenverarbeitende Industrie. Die Firma Coates English Willow baut schon seit über 200 Jahren Weiden an; gegründet wurde sie im Jahr 1819 von Robert Coate. Ansässig ist sie in dem Ort Stoke St Gregory. Korbweiden eignen sich vorzüglich zum Flechten von allen möglichen Gegenständen, vor allem, wie der Name schon sagt, für Körbe. Es werden hier aber auch in zunehmendem Maße Särge aus Korbweiden hergestellt, eine umweltfreundliche Alternative zu den Standardsärgen. Hier sind die Erzeugnisse der Firma Coates in diesem speziellen Bereich zu sehen.

Einen guten Überblick über alles was mit Weidenverarbeitung zu tun hat, bietet das Besucherzentrum mit dem angeschlossenen Basket Museum, das eine Sammlung von aus Weiden hergestellten Gegenständen seit 1850 beherbergt. Hier beginnen auch die Rundwege durch das Weidenanbaugebiet der Firma Coates.

Eine weitere Besonderheit ist die Produktion von Zeichenkohle, die ebenfalls aus Weiden hergestellt wird. Etwa 80% der weltweit verwendeten Zeichenkohle kommt von hier aus Stoke St Gregory.

Dieser Film informiert über Coates English Willow in den Somerset Levels.

Coates English Willow
Meare Green Court
Stoke St Gregory

Taunton
Somerset TA3 6HY

Ein Fisch aus Weidengeflecht im Besucherzentrum.
Author: zoer.
Creative Commons 2.0
Published in: on 6. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Ede & Ravenscroft – Londons ältester Schneider und Spezialist für Perücken

Das Hauptgeschäft in der Chancery Lane.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

93 Chancery Lane lautet die Adresse der edlen Schneiderei Ede & Ravenscroft in London, die 1689 gegründet wurde und sich auf die Anfertigung juristischer, akademischer und klerikaler Kleidung spezialisiert hat. Richter und Anwälte kaufen hier ihre Roben und Perücken, denn auch diese werden von der Firma hergestellt. Drei bis vier Wochen dauert es, bis eine solche Perücke, die meist aus Pferdehaar besteht, in Handarbeit fertiggestellt ist. Etwa 1000 Anwaltsperücken und 120 Perücken für Richter verkauft die Firma pro Jahr.

Worauf Ede & Ravenscroft besonders stolz sind, ist die Tatsache, dass sie zwei Royal Warrants besitzen, dass heißt, sie sind königliche „robemaker“ für Königin Elizabeth II und für Prinz Charles. Die königliche Kleidung für besondere Anlässe wird also hier hergestellt, so z.B. die Roben für die Krönungsfeierlichkeiten 1952, aber auch schon vorher wie 1937 für König Georg VI oder 1902 für König Edward VII.

Man muss aber weder zur königlichen Familie gehören noch einen juristischen Beruf haben, um bei Ede & Ravenscroft einkaufen zu können; die Firma bietet auch „normale“ Kleidung für die Dame und den Herren an, selbstverständlich auch maßgeschneidert.

Neben dem Hauptgeschäft in der Chancery Lane unterhält die Firma noch einen Laden in der Savile Row, sowie Filialen in Oxford, Cambridge und Edinburgh.

Hier ist ein Film über einen Besuch in der Filiale in der Savile Row.

Ede & Ravenscroft Ltd
93 Chancery Lane
London
WC2A 1DU

Published in: on 24. August 2021 at 02:47  Kommentar verfassen  

Poundland – Eine Kette von Billigwarenläden in englischen High Streets

In Stroud (Gloucestershire).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Wie „Heinrich“ in seinem Kommentar zu meinem Blogpost über Chipping Sodbury vor einigen Tagen schon schrieb, wird das Bild englischer Highstreets nicht nur von Charity Shops, sondern auch in zunehmendem Maße von anderen Billigwarenläden geprägt wie Poundstretcher oder Poundland.

Poundland wurde 1990 von Dave Dodd und Steven Smith und dessen Vater Keith gegründet. Die Idee: Jeder Artikel in ihren Geschäften sollte £1 kosten. Ihren ersten Shop eröffneten sie in Burton upon Trent in Staffordshire. Offensichtlich trafen sie mit dieser Idee genau in das Herz der überwiegend weiblichen Shopper, denn der Laden florierte, weitere wurden gegründet und heute gibt es über 900 Poundlands, die einen Umsatz von weit über einer £1 Milliarde erwirtschaften.

Mittlerweile bietet Poundland rund 3500 verschiedene Produkte an, von denen allerdings nicht alle £1 kosten. Im Jahr 2016 kam Poundland in die Hände des Konzerns Steinhoff International. Die Billigladenkette ist jetzt der Marktführer in dieser Kategorie, nachdem der Konkurrent Poundworld vor drei Jahre aufgab.

Mitgründer Keith Smith hatte sich 1997 nach Shropshire zurückgezogen, wo er sich die 400 Jahre alte Ludstone Hall bei Claverley zulegte, ein sehr schönes Gebäude, das auf drei Seiten von einem Wassergraben umgeben ist. Keith Smith hat im Jahr 2008 auf Ludstone Hall das Coach House Museum eröffnet, in dem Erinnerungsstücke aus der Geschichte der Hall gezeigt werden. Neben dieser Sammlung hat er auch noch das Poundland Museum eingerichtet, in dem man sich über den Aufstieg des Wirtschaftsunternehmens informieren kann. Dieses Museum ist allerdings in der Regel nur am Gardens Open Day für die Allgemeinheit geöffnet, der im Juli jeden Jahres stattfindet.

Hier ist ein Film, in dem Keith Smith über sein Leben spricht und in dem Ludstone Hall und das Museum zu sehen sind.

Ludstone Hall bei Claverley in Shropshire.
Photo © John M (cc-by-sa/2.0)
Im Poundland Museum.
Author: Mariegriffiths.
Creative Commons 4.0
Published in: on 21. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Chesney’s Antique Fireplace Warehouse in London – Ein Dorado für Kaminliebhaber

In einem englischen Haus spielt der Kamin im Dressing Room eine wichtige Rolle. Er verbreitet nicht nur (etwas) Wärme, er sorgt auch für Gemütlichkeit. Ein Glas Whisky in der Hand und die Beine wohlig vor dem Kaminfeuer positioniert, das ist für viele auf der Insel der Gipfel der Behaglichkeit.
Wer sich einen Kamin zulegen möchte, für den ist Chesney’s Antique Fireplace Warehouse in der Battersea Park Road in London der Ort mit der größten Auswahl in der Stadt. Hier kann man entweder englische und französische Originale aus dem 18. und 19. Jahrhundert kaufen, sich Reproduktionen aus der eigenen Werkstatt zulegen oder sich einen Kamin nach eigenen Vorstellungen bauen lassen.

Die Brüder Paul und Nick Chesney gründeten ihre Firma 1983 und neben dem Hauptgeschäft in der Battersea Park Road haben sie noch Showrooms in der Londoner Holloway Road und in der New Yorker 3rd Avenue.

Außer Kaminen und Holzöfen biete Chesney’s auch noch ein breites Spektrum an Zubehör an wie gusseiserne Gitter und Roste, sogenannte „Firedogs“, also Kaminböcke, und Körbe, in denen man die Holzscheite aufbewahren kann.
Ein Besuch in der Battersea Park Road ist also für alle an Kaminen Interessierte sehr zu empfehlen.

Published in: on 12. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Edinburgh Woollen Mill – Eine typische High Street Ladenkette

In Rye (Kent).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Wenn ich an meine Englandreisen zurückdenke, erinnere ich mich immer wieder an die Ladenkette The Edinburgh Woollen Mill (EWM), die meines Erachtens mehr im Norden Englands als im Süden des Landes zu finden ist. Das letzte Mal, als meine Frau und ich ein EWM-Geschäft aufsuchten, war das in Marlborough in Wiltshire in der High Street Nummer 109.

Eigentlich hätte man die Ladenkette, die hauptsächlich Textilien anbietet, seit kurzem auch in Carlisle Woollen Mill umbenennen können, denn das Hauptquartier der Firma wurde von Langholm in Schottland nach Carlisle in Cumbria verlegt, in das Global House in der Castle Street.

1946 wurde die Firma in Langholm von Drew Stevenson gegründet, die damals noch Langholm Dyeing and Finishing Company Limited hieß. Das erste Ladengeschäft öffnete 1970 im schottischen Edinburgh seine Pforten, zwei Jahre später das erste englische in Carlisle in Cumbria. Heute existieren rund 250 EWM-Läden in Großbritannien. Die Produktpalette richtet sich vorwiegend an Frauen und Männer jenseits der 40; Hochmodernes wird man hier nicht finden, dafür Traditionelles wie Tweed- und Countrystyle-Kleidung.

Im Laufe der Jahre hat die Firma mehrere Marken dazugekauft wie Peacocks und Jane Norman, andere wieder verkauft. EWM geriet in unruhiges Fahrwasser, stand im vorigen Jahr sogar kurzzeitig vor dem Aus, was den Verlust von Tausenden von Arbeitsplätzen bedeutet hätte. Eine Gruppe von Investoren sprang ein und rettete die Firma erst einmal, 85 Läden mussten allerdings dauerhaft geschlossen bleiben. Was die Zukunft für EWM bringt, ist noch nicht abzusehen.

Die Covid-Epidemie tat ihr übriges, die Läden mussten geschlossen bleiben, die Kunden orientierten sich in Richtung Online-Handel, eine Bewegung, die auch andere High Street-Läden wie Boots, Marks&Spencer oder Topshop zu spüren bekamen. Seit dem ersten Lockdown findet ein beängstigender Stellenabbau statt, der bei über 200 000 liegen soll und namhafte Firmen betrifft.

Diese Filiale in Market Harborough in Leicestershire hat es leider erwischt.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)
Gekauft in der Edinburgh Woollen Mill in Marlborough in Wiltshire.
Eigenes Foto

Published in: on 16. Mai 2021 at 02:00  Comments (1)  

Ironbridge in Shropshire – Heimat der letzten noch in Großbritannien hergestellten Teddybären

Die Merrythought Factory.
Photo © Gordon Cragg (cc-by-sa/2.0)

Mein Teddybär (hier porträtiert er sich selbst), den ich vor 27 Jahren in Broadway in den Cotswolds kaufte, wurde noch in Großbritannien hergestellt, von der Firma Deans in Pontypool in Wales. Heute werden deren Bären in Indonesien produziert. Es gibt nur noch eine Firma in Großbritannien, die Teddybären und andere Stofftiere selbst herstellt, die Firma Merrythought in Ironbridge in Shropshire.

Hier in den Midlands wurde Merrythought im Jahr 1930 von William Gordon Holmes gegründet. Holmes war ursprünglich Besitzer einer Spinnerei in Yorkshire, kannte sich also mit Textilien aus. Er beauftragte Florence Attwood, eine taubstumme Frau, mit dem Entwurf seiner ersten Kollektion von Teddybären, die gut ankam, und noch heute werden in demselben Fabrikgebäude Teddybären ans Licht der Welt gebracht, zur Freude zahlloser Kinder, aber auch Erwachsener, selbstverständlich in Handarbeit. Die Firma ist nach wie vor in der Hand der Familie Holmes, mittlerweile in der vierten Genration. Teddybären sollten nicht im fernen Asien massenweise produziert, sondern liebevoll Stück für Stück, wie hier in Ironbridge, angefertigt werden.
Dieser Film zeigt den Geburtsprozess eines Teddybären .

Merrythought stellt traditionelle Bären her, aber auch limitierte Editionen. Prince George und Princess Charlotte haben welche bekommen; die Queen war auch schon einmal zu Besuch. Besonders beliebt sind die  Merrythought Bears übrigens in Japan. Ein großer Fan ist Ronnie Wood von den Rolling Stones, der für seine Enkel Bären der Firma gekauft hat.

Auf dem Fabrikgelände in Ironbridge gibt es ein kleines Museum und einen Laden, in dem man die Produkte der Firma kaufen kann; er ist täglich geöffnet.

Merrythought Ltd
Dale End
Ironbridge
Shropshire
TF8 7NJ

Shop und Museum.
Author: ell brown
Creative Commons 2.0
Ein Merrythought Bär
Author: Keith Williamson
Creative Commons 2.0
Published in: on 6. Mai 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das weltweit größte Fish and Chips-Restaurant auf der Cleethorpes Pier in Lincolnshire

Photo © Steve Fareham (cc-by-sa/2.0)

Die gut hundert Meter lange Pier von Cleethorpes an der Küste von Lincolnshire wurde 1873 eröffnet und brannte schon dreißig Jahre später wieder ab, ein Schicksal, das mehrere Seebrücken Englands ereilte. Zwei Jahre später stand die Pier wieder und erfreute sich großer Beliebtheit bei den Einheimischen und den Gästen des Seebads. Im Laufe der nächsten hundert Jahre wurde die Pier mehrfach umgebaut und die Besitzer wechselten häufig, zuletzt im September 2016, da übernahm die Papa’s Fish and Chips Company die Seebrücke. Die griechisch-stämmige Familie mit Firmensitz in Kingston-upon-Hull (East Yorkshire) gründete die Firma bereits 1966 und arbeitet heute in der dritten Generation. Sie betreibt zu Zeit sechs Fish and Chips-Läden in Yorkshire und einen auf der Pier von Cleethorpes.

Im Jahr 2015 eröffnete sie in einem Vorort von Kingston-upon-Hull, in Willerby, das weltweit größte Fish and Chips-Restaurant mit 320 Sitzplätzen. Zwei Jahre später übertrumpfte Papa’s sich mit seiner Filiale in Cleethorpes selbst, wo er 500 Plätze anbietet. Am Eröffnungstag im Jahr 2017 bot die Firma ihre frittierten Fische zu einem Sonderpreis von einem Penny an, kein Wunder, dass die Menschen Schlange standen wie dieser Film zeigt.

Ob hier auch die besten Fish and Chips Großbritanniens angeboten werden, wie es auf der Webseite der Firma zu lesen ist, ist eine andere Frage. Bei der Vergabe der Seafish National Fish & Chip Awards 2019 landete das Pier-Restaurant unter den ersten zehn. In diesem Jahr werden auf Grund der Corona-Pandemie keine Preise vergeben.

Im vorigen Jahr in der Weihnachtszeit stellte Papa’s in Cleethorpes einen weiteren Weltrekord auf: Sie verkauften auf der Pier das längste Pig in the Blanket, oder Würstchen im Schlafrock wie man in Deutschland dazu sagt. Sagenhafte 60 cm lang war dieses Teil, das £3.99 kostete und The hog in a duvet genannt wurde.

Photo © Oliver Mills (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 5. Mai 2021 at 02:00  Comments (1)  

Faszinierendes York Teil 1: The House of the Trembling Madness

48 Stonegate, York
Author: Adam Bruderer
Creative Commons 2.0

York gehört zu den englischen Städten, in denen ich am häufigsten zu Besuch war. Der Ort besitzt einfach eine einmalige Atmosphäre, vor allem am Abend, wenn die Straßen in dämmeriges Licht getaucht sind. Oft bin ich die Stonegate in Richtung Münster hinuntergeschlendert, entlang der vielen denkmalgeschützten Häuser, habe im Ye Olde Starre Inn ein Pint getrunken und mir die Auslagen der vielen sehr unterschiedlichen Geschäfte angesehen.

In meinen nächsten Blogeinträgen werde ich einen Schwerpunkt auf die Stadt in North Yorkshire legen.

Neben Betty’s Tea Room steht ein Haus in der Nummer 48 mit einem unheimlich klingenden Namen, das eigentlich nicht unbedingt zu einem Besuch einlädt: The House of the Trembling Madness. Aber es handelt sich hier nicht etwa um eine Nervenheilanstalt, sondern um eine der besten Craft Beer-Handlungen im ganzen Königreich. Man kann also unbesorgt eintreten und sich die große Auswahl an Biersorten ansehen. Das Haus ist uralt und steht dort, wo sich im 15. Jahrhundert einmal ein Augustinerkloster befand. Im Stockwerk über dem Laden kann man essen und trinken und die Biere unten aus dem Laden ausprobieren. Dabei sollte man aber Vorsicht walten lassen, denn der Name des Etablissements verheißt nichts Gutes (trembling madness = delirium tremens). Hier ist ein kurzer filmischer Blick in Laden und Pub.
Übrigens kann man hier auch wohnen; hinter dem Gebäude stehen zwei Appartements zur Verfügung: The Old Gallery und The Haunted Chamber. In letzterem, wir sind schließlich in Großbritanniens Geister-Hauptstadt, spukt es, wie es der Name schon verrät.

Unter der Adresse 14 Lendal gibt es in York noch ein weiteres House of the Trembling Madness mit einem vergleichbaren Angebot wie in der Stonegate, ein Craft Beer Mansion mit Verkauf im Erdgeschoss und Pub im ersten Stock. Das Gebäude entstand im 18. Jahrhundert, ist also für Yorksche Verhältnisse noch recht jung.

14 Lendal, York
Author: Malcolmxl5
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Published in: on 26. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Christmas Shop in der High Street von Lechlade in Gloucestershire

Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Lechlade in der Grafschaft Gloucestershire am Rand der Cotswolds ist ein hübscher angenehmer Ort, über den ich in meinem Blog schon einige Male schrieb. Dabei standen meine Besuche bei Old Father Thames an der St John’s Schleuse und im Trout Inn an der St John’s Bridge im Mittelpunkt. Auch der Dichter Percy Bysshe Shelley wusste den Ort an der noch jungen Themse zu schätzen und schrieb dort auf dem Kirchhof von St Lawrence das Gedicht „Elegy Written in a Country Churchyard„ (hier ist der Link zu meinem Blogeintrag).

In der High Street von Lechlade steht ein Laden, der das ganze Jahr über Weihnachtsartikel anbietet und der seit kurzem Cotswold Christmas Shop heißt, übernommen von den drei Damen Sarah, Mandy & Gillian. Seit 1985 gibt es diesen Laden schon, womit er der älteste seiner Art in Großbritannien ist. Käthe Wohlfahrt, die Pionierin der ganzjährig geöffneten Weihnachtsgeschäfte, eröffnete im August 2016 eine Filiale in der Stonegate in York, den ich in meinem Blog vorstellte. Gut, nach York kommen Touristen aus aller Welt, die auch gern bei brütender Hitze im August Christbaumkugeln und Weihnachtsdeko kaufen, aber Lechlade? Immerhin existiert das Geschäft schon 36 Jahre lang, also muss es genügend Menschen geben, die auch außerhalb der Vorweihnachtszeit hier einkaufen gehen.

Der Christmas Shop führt auch viele Artikel aus Deutschland wie Nussknacker, Weihnachtspyramiden, Räuchermännchen, Baumbehang usw. Engel, Feen, Weihnachtsmänner und alle möglichen Gestalten, die in irgendeiner Form mit dem Weihnachtsfest zu tun haben (oder auch nicht wie Alligatoren, Lamas, Meerjungfrauen, um nur einige zu nennen) bevölkern das Geschäft in Lechlades High Street. Wem also der Sinn danach steht, auch im Sommer für kurze Zeit in den Weihnachtsmodus umzuschalten, der ist hier genau richtig.

THE CHRISTMAS SHOP
High Street
LECHLADE
Gloucestershire
GL7 3AD

Published in: on 24. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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