Der Farbhersteller Dulux und sein berühmter Werbehund

Photo: Mixtography.
Creative Commons 2.0

Die Firma Dulux ist einer der weltweit bekanntesten Farbhersteller, der seit den 1930er Jahren tätig ist. Dulux steht für Durable and Luxury und gehört heute zu dem niederländischen Konzern Akzo Nobel N.V. Das britische Produktionszentrum steht seit wenigen Jahren in Ashington, nördlich von Newcastle-on-Tyne in Northumberland, und nennt sich “ the world’s most advanced and sustainable paint factory„, weil in den für 100 Millionen teuren Fabrikationsanlagen sehr viel Wert auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit gelegt wird. 200 Millionen Liter Farbe werden hier oben im Norden Englands hergestellt. Hier ist ein Film über die Fabrik.

Im Jahr 1961 führte die Firma für ihre Werbekampagnen den Dulux-Hund ein, einen Old English Sheepdog beziehungsweise einen Bobtail wie er in Deutschland genannt wird. Dash hieß der erste Hund, gehörte dem Chef der Werbefirma, und er tollte bei den Dreharbeiten immer mit durch die Gegend. Eigentlich war Dash für die Werbespots gar nicht vorgesehen, aber es ergab sich dann doch, dass er mit auftrat und das mit großem Erfolg. Als Dash in Rente ging, wurde sein Job neu ausgeschrieben, worauf sich 450 Bobtails bewarben. Der Sieger und Dashs Nachfolger wurde Digby, der sogar einen eigenen Spielfilm bekam: „Digby: The Biggest Dog in the World“ (dt.“Digby – Der größte Hund der Welt“) , mit Spike Milligan an seiner Seite. Welcher Bobtail kann von sich behaupten, einen eigenen Chauffeur zu haben? Digby konnte das, er wurde immer mit seinem eigenen Fahrer zum Aufnahmestudio transportiert. 14 Dulux-Hunde gab es bereits seit 1961. Sie sind so populär geworden, dass viele nicht mehr vom Old English Sheepdog, sondern nur noch vom Dulux Dog sprechen.

Hier ist ein Beispiel für einen dieser Werbespots.

Published in: on 26. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Recycled Candle Company in Exeter (Devon)

Exeters Gandy Street.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

„Was passiert eigentlich mit den vielen Kerzenresten aus Privathaushalten, Kirchen, Restaurants usw.?“ fragten sich vor einigen Jahren Richard Hills-Ingyon und Sargon Latchin aus Devon. Nun, sie landen im Restmüll, kommen auf Deponien, werden verbrannt. Das ist doch eigentlich schade, sagten sich die beiden, und es entstand eine Geschäftsidee, die sie in die Praxis umsetzten. Die Reycled Candle Company wurde im Jahr 2015 ins Leben gerufen und ein Geschäft, erst in Ottery St Mary, dann in Exeters Gandy Street eröffnet, das ist eine schmale Fußgängerpassage mit hübschen kleinen Läden und Häusern überwiegend aus dem 19. Jahrhundert, also ideal für einen Laden mit einem speziellen Angebot.

Es sprach sich schnell herum, dass da jemand in Exeter Kerzenreste sammelte, und seit Bestehen der Recycled Candle Company kommen jährlich rund 40 Tonnen Wachs zusammen, aus denen 30 000 neue Kerzen entstehen. Aus der Kathedrale von Exeter erhält die Firma eine Menge Kerzenreste, und in der Bath Abbey befindet sich eine Sammelstelle, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Das eingesammelte Wachs wird eingeschmolzen, mit unterschiedlichen Duftstoffen versehen und zu neuen Kerzen umgewandelt, also eine sehr umweltfreundliche Angelegenheit. So hat der Kerzenladen in der Gandy Street schon einige Auszeichnungen erhalten wie den Exeter Living Award, den Green Apple Environment Award und den Best Small Shop Award.

In diesem Film kann man einen Blick in den Laden werfen.

The Recycled candle Shop
16 Gandy Street
Exeter
Devon, EX4 3LS

Ein Seitenaltar der Exeter Cathedral, dessen beide Kerzen wohl bald recycelt werden.
Photo: Peter 2010.
Creative Commons 2.0
Published in: on 17. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Paxton&Whitfield – Londons beste und älteste Käsehandlung

Foto: Philafrenzy.
Creative Commons 4.0

Wenn man in Paris exzellenten Käse kaufen möchte, dann geht man zu Androuet, der in der Stadt mit mehreren Geschäften vertreten ist. Der Maître Fromager Affineur ist seit 1909 in Paris ansässig, und ich sah einmal auf einer Speisekarte eines angeschlossenen Restaurants, dass dort ein mehrgängiges Menü angeboten wurde, dass ausschließlich aus Käse bestand.

Was Androuet für Paris ist, das ist Paxton & Whitfield für London, ein Super-Käseladen in der Jermyn Street Nummer 93. Die Ursprünge der Käsehandlung gehen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück; die Partnerschaft zwischen Harry Paxton & Charles Whitfield wurde im Jahr 1797 besiegelt.
Winston Churchill sagte einmal: „Ein Gentleman kauft seine Hüte bei Locks, seine Schuhe bei Lobbs, seine Hemden bei Harvey & Hudson, seine Anzüge bei Huntsman und seinen Käse bei Paxton & Whitfield„. Aber nicht nur Gentlemen gehen zum Käsekauf in die Jermyn Street, auch die königliche Familie ist dort Stammkunde. Schon Queen Victoria ließ Paxton & Whitfield 1850 einen Royal Warrant zukommen und mit Unterbrechungen ist die Firma auch heute noch Hoflieferant sowohl für Queen Elizabeth II als auch für HRH The Prince of Wales.

Die Käsehandlung durchlebte im Laufe ihres Bestehens viele Höhen und Tiefen; vor allem in wirtschaftlich schwierigen  Zeiten stand die Firma mehrmals kurz vor dem Aus. Was sie immer wieder auf die Beine brachte, war der unermüdliche Einsatz ihrer diversen Eigentümer, die es schafften, stets eine gleichbleibend hohe Qualität ihrer Produkte zu gewährleisten. Man steht in ständigem Kontakt zu den Produzenten im Land und importiert ausgesuchte Käse auch aus anderen Ländern.

Die Auswahl ist riesig (circa 250 Sorten), und so kommt der Londoner in den Genuss, so ausgefallene Käsesorten wie Robin Congdons Beenleigh Blue aus Devon oder Simon und Tim Jones‘ Lincolnshire Poacher kaufen zu können.
Neben dem Hauptgeschäft in London gibt es noch weitere Filialen von Paxton & Whitfield, zum Beispiel in Bath in Somerset und in Bourton-on-the-Water in Gloucestershire. Wer nicht in einem dieser Orte wohnt, kann sich den Käse auch direkt ins Haus schicken lassen.

Hier ist ein Besuch in der Londoner Käsehandlung im Film zu sehen.

Paxton & Whitfield
93 Jermyn Street
London SW1Y 6JE


Foto: satoridork.
Creative Commons 2.0
Published in: on 9. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Roys of Wroxham – „The World’s Largest Village Store“ in Hoveton (Norfolk)

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Nahe der Badlands im US-Staat South Dakota steht einer der größten Drugstores der USA, Wall Drug, der jedes Jahr an die zwei Millionen Touristen anlockt, und das in einem abgelegenen Dorf namens Wall. Der Siegeszug des Ladens begann in den 1930er Jahren als der Besitzer die vorbeifahrenden Autofahrer mit „Free icewater“ anlockte.
An diesen Drugstore muss ich denken, wenn ich jetzt über Roys of Wroxham schreibe, ein Kaufhaus in dem kleinen Ort Hoveton in Norfolk, das sich „The World’s Largest Village Store“ nennt. Alfred und Arnold Roy gründeten ihren Dorfladen ursprünglich 1895 in dem Nachbarort Coltishall, eröffneten vier Jahre später einen weiteren in Hoveton. Die beiden Orte Hoveton und Wroxham in der Seenlandschaft der Norfolk Broads gehen ineinander über und sind nur durch den River Bure getrennt über den eine Brücke führt. So hätte die Firma eigentlich Roys of Hoveton heißen müssen. Das Kaufhaus war bis heute so erfolgreich, dass noch weitere Filialen, sowohl in Norfolk als auch in Suffolk, gegründet wurden.

In Hoveton selbst findet man neben dem eigentlichen Department Store an der Stalham Road noch die Roys of Wroxton Food Hall, an der Church Road Roys DIY Store und das Spielzeuggeschäft Roys Toys und, gegenüber vom Kaufhaus, Roys Garden Centre.

Bei Roys of Wroxham legt man viel Wert darauf, möglichst viele Produkte aus der Region anzubieten. Über hundert Lieferanten aus der näheren Umgebung versorgen Roys mit Obst und Gemüse, Fleisch, Bier und sogar Wein. Darüber hinaus bringt sich die Firma in das kommunale Leben ein, indem sie Geld für wohltätige Zwecke spendet.

Am 6. Mai 1995 wurde das Kaufhaus in Hoveton von einem Feuer zerstört (hier ist ein Film darüber); schon ein Jahr später konnte man in den Neubau an gleicher Stelle einziehen. Bis zum heutigen Tag ist die Firma ein Familienunternehmen und wird zur Zeit von Edward und Paul Roy geleitet. Filialen gibt es unter anderem in den Kleinstädten Thetford, Dereham und North Walsham, alle in Norfolk gelegen, und in Beccles und Sudbury in Suffolk.

Photo © Stacey Harris (cc-by-sa/2.0)
Roys Toys.
Photo © Hugh Venables (cc-by-sa/2.0)
Roys Garden Centre.
Photo: Glen Bowman.
Creative Commons 2.0
Published in: on 7. April 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Hastings in East Sussex Teil 3: Die Shirley Leaf & Petal Company in der High Street

Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

58a High Street in Hastings (East Sussex) lautet die Adresse eines ganz besonderen Geschäfts namens Shirley Leaf & Petal Company, das bereits seit 1910 in der Stadt an der englischen Südküste ansässig ist. Die vielen Blumen und Blütenblätter, die man sich im Schaufenster ansehen kann, sind nicht echt, sie sind alle künstlich, aber so naturgetreu nachempfunden, dass sie von echten kaum zu unterscheiden sind.

Brenda Wilson ist die Schöpferin der vielen „leaves and petals“, die sie in die ganze Welt liefert, und die aus den unterschiedlichsten Materialien hergestellt werden. Abnehmer ihrer Kunstwerke sind immer wieder gern Film- und TV-Produktionsgesellschaften, so hat sie schon für die Disney-Studios („Pocahontas“), für Ridley Scott („Gladiator“), für Steven Spielberg und für die Westend-Produktion „Frozen: The Musical“ (dt. „Die Eiskönigin“) gearbeitet. Für die Festspiele in Oberammergau hat Brenda Wilson Olivenbaumblätter hergestellt, Dahlien für die Aufführungen in Glyndebourne geliefert und die großen Theater Großbritanniens mit Blumen versorgt.

Im Keller des Geschäfts an der High Street gibt es auch noch ein Museum zu besichtigen, das Flower Makers‘ Museum, das alles umfasst, was in irgendeiner Form mit künstlichen Blumen zu tun hat.

Shirley Leaf and Petal Co.
58a High Street
Hastings
TN34 3EN

Published in: on 26. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Schaukelpferde in Shropshire, the Rocking Horse County

Nur wenige Kilometer auseinander liegen zwei der renommiertesten englischen Hersteller von Schaukelpferden: The Rocking Horse Workshop in Hodnet und The Original Rocking Horse Works in Tyrley, beide Orte liegen im Dunstkreis der nächst größeren Stadt Market Drayton in Shropshire.

Schaukelpferde wurden im 17. Jahrhundert in den USA erfunden, und sie traten von dort aus ihren Siegeszug quer durch Europa an. Auch heute erfreuen sie sich noch großer Beliebtheit, aber ich glaube eher bei Sammlern als dass sie in Kinderzimmern stehen. Gute, in Handarbeit hergestellte „rocking horses“ können schon einmal mehrere tausend Euro kosten.

David und Noreen Kiss gründeten 1987 ihre Firma The Rocking Horse Workshop in Wem (Shropshire), später zogen sie in das Dörfchen Hodnet, wo sie ihre hübschen Pferde herstellten. David Kiss hat ein Standardwerk über das Thema geschrieben: „A Kiss of Rocking Horses: A Directory of British Rocking Horse Makers (Pre 1950)„, in dem er alle britischen Hersteller von Schaukelpferden auflistet, etwa 150, und mit Hilfe von den 750 Fotos des Buches kann man sein Schaukelpferd dem jeweiligen Produzenten zuordnen.

Nur wenige Kilometer entfernt, in Tyrley, werden im The Original Rocking Horse Works ebenfalls sehr hübsche Schaukelpferde hergestellt und das schon seit 1985. In jedes Schaukelpferd wird sehr viele Liebe „injiziert“, echte Pferdehaare werden verwendet; „our rocking horses exude a friendly warmth„, so liest man es auf den Webseiten der Firma, die ihre Produkte in die ganze Welt liefert. Wer möchte, kann sein ramponiertes „rocking horse“ auch zur Reparatur und zur Auffrischung nach Tyrley bringen.


Published in: on 7. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

John Edgington and Co. – Exklusiver Hersteller von Henkerseilen

Author: Eitan Ferman.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution 3.0 Unported license.

Old Kent Road Nummer 108, so lautete die Adresse der alteingesessenen Londoner Firma John Edgington and Co., die 1805 gegründet wurde. Das Familienunternehmen produzierte unter anderem Zeltplanen und ähnliche Dinge, doch sie hatte in ihrem Portfolio ein ganz spezielles Produkt, für das sie in Großbritannien und dem gesamten Commonwealth die Exklusivrechte hatte: Henkerseile. Hier an der Ausfallstraße aus London im Südosten der Stadt (heute die A2) wurden ab 1888 diese Seile hergestellt, mit denen zum Beispiel die Henker John Ellis, Albert Pierrepoint und Harry Allen zum Tode Verurteilte ins Jenseits beförderten.

Auftraggeber für die Herstellung der Seile war die Prison Commission of the Home Office. Das optimale Material für die Seile war Hanf; im Laufe der Jahrzehnte nahm John Edgington and Co. immer wieder Veränderungen daran vor (von „Verbesserungen“ möchte ich hier lieber nicht sprechen). Kurz vor dem Einsatz eines solchen Henkerseils wurde es gedehnt, in dem man einen Sandsack, der in etwa das Gewicht des „Opfers“ hatte, durch die Klappe unter dem Galgen fallen und ihn über Nacht hängen ließ. Dadurch wurde die Dicke des Seils reduziert, das sich dann beim tatsächlichen Akt nicht mehr dehnen konnte und den Tod des armen Menschen beschleunigte.

Jedes dieser Henkerseile durfte in Großbritannien nur einmal für Hinrichtungen benutzt werden (ich weiß nicht, was danach mit ihnen geschah). In den Commonwealthstaaten dagegen sah man das nicht so eng und hielt nichts von Einwegseilen. Diese Staaten schickten John Edgingtons Produkte in die Firma zurück, wo sie überprüft, gegebenenfalls wieder instandgesetzt und anschließend zur erneuten Verwendung an die Absender geschickt wurden. Nachdem die Todesstrafe in Großbritannien im Jahr 1965 durch den Murder (Abolition of Death Penalty) Act abgeschafft worden war, stellte die Firma die Produktion ein.

Die Werkstätten John Edgingtons an der Old Kent Road 108 lagen in etwa dort, wo jetzt mehrere große Wohnblocks hochgezogen worden sind, gegenüber von einem Aldi.

Published in: on 7. November 2021 at 02:00  Comments (1)  

Die Namensgebung der berühmten David Austin-Rosen aus Albrighton (Shropshire)

Photo © Hilary Wright (cc-by-sa/2.0)

Rosenliebhaber in ganz Europa bekommen glänzende Augen, wenn sie den Namen David Austin hören, denn die Familie Austin züchtet hier in Albrighton in der Grafschaft Shropshire seit 1961 die schönsten Rosen, die man sich vorstellen kann.

David Austin (1926-2018) wurde für seine Arbeit mit dem Order of the British Empire (OBE) ausgezeichnet. Seine erste 1961 gezüchtete Rose erhielt den Namen „Constance Spry„, benannt nach der englischen Floristin (1886-1960), die ebenfalls den Orden OBE innehatte. Seitdem sind Hunderte verschiedener Rosen gezüchtet worden, die alle mehr oder weniger interessante Namen tragen und von denen ich an dieser Stelle einige Beispiele nennen möchte.

Das britische Königshaus ist mit mehreren Generationen vertreten, beginnend mit „Queen Mother„, dann folgen „Queen Elizabeth„, „Prince Charles“ und „William and Catherine„.
Da wir uns in der Grafschaft Shropshire befinden, tragen einige Rosen Namen mit Bezug auf das County wie „A Shropshire Lad“ (nach der Gedichtsammlung von Alfred Edward Housman), „The Albrighton Rambler„, „Boscobel“ (nach dem Haus mit der Eiche, in der sich einst Charles II. versteckte), „Wollerton Old Hall“ (nach dem alten Herrenhaus mit seinem berühmten Garten) und „Brother Cadfael“ (nach Ellis Peters‘ Romanfigur, die in Shrewsbury wohnt).

Englands Fernsehgärtner Nummer Eins „Alan Titchmarsh“ wurde mit einer Rose geehrt, die seinen Namen trägt, das gleiche gilt für den Dichter „Sir John Betjeman„, die Schriftstellerin „Emily Brontë“ und den Schriftsteller „Roald Dahl„.

Es gibt aber auch Rosen mit den profanen Namen „Erfurt„, „Dortmund“ und „Leverkusen„; da klingt doch „Ghislaine de Féligonde“ ganz anders. Sie war die Tochter (1914–1994) eines Ehepaares, das mit dem französischen Landschaftsarchitekten Jean Claude Nicolas Forestier befreundet war.

Noch profaner ist der Rosenname „Sexy Rexy„; „Golden Showers“ scheint mir etwas verunglückt.

In diesem Film werden die Top 12 von David Austins Rosen vorgestellt und hier ist ein Rundgang durch das Gartencenter.

The David Austin Plant Centre and Rose Gardens
Bowling Green Lane
Albrighton, Shropshire, WV7 3HB

Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)
„Constance Spry“.
Author: Rosa Staropramen.
Creative Commons 3.0
„Brother Cadfael“.
Author: digiteyes.
Creative Commons 2.0
Published in: on 1. Oktober 2021 at 02:00  Comments (1)  

Snugburys – Ein Eiscremehersteller bei Nantwich in Cheshire und seine Strohskulpturen an der A51

Photo © Mike Pennington (cc-by-sa/2.0)

Auf der Ile Saint Louis in Paris gibt es den legendären Eishersteller Berthillon, vor dessen Verkaufsstelle oft lange Menschenschlangen zu sehen sind. Etwas Ähnliches gibt es in der Grafschaft Cheshire. An der A51, nördlich von Nantwich, zweigt eine Zufahrtsstraße zu Snugburys ab, deren Parkplatz meist gut gefüllt ist.

Chris und Cheryl Sadler begannen hier 1986 in ihrem Bauernhaus Eis herzustellen und das von ihrem Küchenfenster aus zu verkaufen. Die Qualität ihrer Eissorten sprach sich in der Umgebung schnell herum, und die Nachfrage wurde immer größer, so dass sie eine Scheune umbauten, um die Besucher von hier aus zu bedienen. Die Erfolgsstory ging immer weiter, und heute verkaufen Chris und Cheryls drei Töchter Hannah, Kitty und Cleo ihre 55 Eissorten an über 300 000 Besucher jährlich.

Bei Snugburys bekommt man neben den Standardeissorten auch viele exotische Mixturen wie „Schlehenbeerengin mit Zwetschgen“, „Lakritze mit Himbeeren“ oder „Meeressalz-Karamel“.

Seit 1998 überrascht jedes Jahr eine neue Strohskulptur die Gäste, die jeweils auf einer Wiesenfläche neben Snugburys an der A51 aufgestellt wird. Eine direkte logische Verbindung zu der Eiscremefabrikation gibt es nicht, vielleicht dienen die Skulpturen aber auch nur für Werbezwecke. Da gab unter anderem einen Dinosaurier mit dem Namen Coneastrawus (Cone=Eistüte, man liebt in England diese Wortspiele), ein elf Meter hohes Erdmännchen, einen ebenfalls elf Meter hohen Dalek (Fans der Endlos-TV-Serie „Doctor Who“ wissen, was damit gemeint ist) oder zuletzt eine zwölf Meter große Biene.

Snugburys überweist regelmäßig einen Geldbetrag an wohltätige Organisationen, die meist mit den Skulpturenthemen in Zusammenhang stehen wie zuletzt an den Bumble Bee Conservation Trust.

Snugburys Ice Cream,Park Farm
Hurleston
Nantwich

Cheshire, CW5 6BU

Author: Wildlife Terry.
Creative Commons 2.0
Das Erdmännchen.
Author: Paolo Camera.
Creative Commons 2.0
Der Dalek.
Photo © Oliver Mills (cc-by-sa/2.0)
Die Riesenbiene.
Photo © Jeff Buck (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. September 2021 at 02:00  Comments (1)  

Coates English Willow – Weidenverarbeitende Industrie in den Somerset Levels

Eine überdimensionierte Gießkanne im Besucherzentrum.
Author: zoer.
Creative Commons 2.0

Die Somerset Levels gehören zu den größten Feuchtgebieten Englands mit einer großen Vielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt. Leider gibt es für die Bewohner dieser Region immer wieder Probleme mit Überflutungen wie zuletzt Anfang des Jahres 2014 als Ortschaften evakuiert werden mussten beziehungsweise von der Außenwelt abgeschnitten waren. Edward Platt berichtet ausführlich darüber in seinem Buch „The Great Flood: Travels Through a Sodden Landscape“ im Kapitel „The Anchorage“ (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Die Levels sind das ideale Wachstumsgebiet für Weiden, und so findet sich hier auch Englands Zentrum für weidenverarbeitende Industrie. Die Firma Coates English Willow baut schon seit über 200 Jahren Weiden an; gegründet wurde sie im Jahr 1819 von Robert Coate. Ansässig ist sie in dem Ort Stoke St Gregory. Korbweiden eignen sich vorzüglich zum Flechten von allen möglichen Gegenständen, vor allem, wie der Name schon sagt, für Körbe. Es werden hier aber auch in zunehmendem Maße Särge aus Korbweiden hergestellt, eine umweltfreundliche Alternative zu den Standardsärgen. Hier sind die Erzeugnisse der Firma Coates in diesem speziellen Bereich zu sehen.

Einen guten Überblick über alles was mit Weidenverarbeitung zu tun hat, bietet das Besucherzentrum mit dem angeschlossenen Basket Museum, das eine Sammlung von aus Weiden hergestellten Gegenständen seit 1850 beherbergt. Hier beginnen auch die Rundwege durch das Weidenanbaugebiet der Firma Coates.

Eine weitere Besonderheit ist die Produktion von Zeichenkohle, die ebenfalls aus Weiden hergestellt wird. Etwa 80% der weltweit verwendeten Zeichenkohle kommt von hier aus Stoke St Gregory.

Dieser Film informiert über Coates English Willow in den Somerset Levels.

Coates English Willow
Meare Green Court
Stoke St Gregory

Taunton
Somerset TA3 6HY

Ein Fisch aus Weidengeflecht im Besucherzentrum.
Author: zoer.
Creative Commons 2.0
Published in: on 6. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Ede & Ravenscroft – Londons ältester Schneider und Spezialist für Perücken

Das Hauptgeschäft in der Chancery Lane.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

93 Chancery Lane lautet die Adresse der edlen Schneiderei Ede & Ravenscroft in London, die 1689 gegründet wurde und sich auf die Anfertigung juristischer, akademischer und klerikaler Kleidung spezialisiert hat. Richter und Anwälte kaufen hier ihre Roben und Perücken, denn auch diese werden von der Firma hergestellt. Drei bis vier Wochen dauert es, bis eine solche Perücke, die meist aus Pferdehaar besteht, in Handarbeit fertiggestellt ist. Etwa 1000 Anwaltsperücken und 120 Perücken für Richter verkauft die Firma pro Jahr.

Worauf Ede & Ravenscroft besonders stolz sind, ist die Tatsache, dass sie zwei Royal Warrants besitzen, dass heißt, sie sind königliche „robemaker“ für Königin Elizabeth II und für Prinz Charles. Die königliche Kleidung für besondere Anlässe wird also hier hergestellt, so z.B. die Roben für die Krönungsfeierlichkeiten 1952, aber auch schon vorher wie 1937 für König Georg VI oder 1902 für König Edward VII.

Man muss aber weder zur königlichen Familie gehören noch einen juristischen Beruf haben, um bei Ede & Ravenscroft einkaufen zu können; die Firma bietet auch „normale“ Kleidung für die Dame und den Herren an, selbstverständlich auch maßgeschneidert.

Neben dem Hauptgeschäft in der Chancery Lane unterhält die Firma noch einen Laden in der Savile Row, sowie Filialen in Oxford, Cambridge und Edinburgh.

Hier ist ein Film über einen Besuch in der Filiale in der Savile Row.

Ede & Ravenscroft Ltd
93 Chancery Lane
London
WC2A 1DU

Published in: on 24. August 2021 at 02:47  Kommentar verfassen  

Poundland – Eine Kette von Billigwarenläden in englischen High Streets

In Stroud (Gloucestershire).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Wie „Heinrich“ in seinem Kommentar zu meinem Blogpost über Chipping Sodbury vor einigen Tagen schon schrieb, wird das Bild englischer Highstreets nicht nur von Charity Shops, sondern auch in zunehmendem Maße von anderen Billigwarenläden geprägt wie Poundstretcher oder Poundland.

Poundland wurde 1990 von Dave Dodd und Steven Smith und dessen Vater Keith gegründet. Die Idee: Jeder Artikel in ihren Geschäften sollte £1 kosten. Ihren ersten Shop eröffneten sie in Burton upon Trent in Staffordshire. Offensichtlich trafen sie mit dieser Idee genau in das Herz der überwiegend weiblichen Shopper, denn der Laden florierte, weitere wurden gegründet und heute gibt es über 900 Poundlands, die einen Umsatz von weit über einer £1 Milliarde erwirtschaften.

Mittlerweile bietet Poundland rund 3500 verschiedene Produkte an, von denen allerdings nicht alle £1 kosten. Im Jahr 2016 kam Poundland in die Hände des Konzerns Steinhoff International. Die Billigladenkette ist jetzt der Marktführer in dieser Kategorie, nachdem der Konkurrent Poundworld vor drei Jahre aufgab.

Mitgründer Keith Smith hatte sich 1997 nach Shropshire zurückgezogen, wo er sich die 400 Jahre alte Ludstone Hall bei Claverley zulegte, ein sehr schönes Gebäude, das auf drei Seiten von einem Wassergraben umgeben ist. Keith Smith hat im Jahr 2008 auf Ludstone Hall das Coach House Museum eröffnet, in dem Erinnerungsstücke aus der Geschichte der Hall gezeigt werden. Neben dieser Sammlung hat er auch noch das Poundland Museum eingerichtet, in dem man sich über den Aufstieg des Wirtschaftsunternehmens informieren kann. Dieses Museum ist allerdings in der Regel nur am Gardens Open Day für die Allgemeinheit geöffnet, der im Juli jeden Jahres stattfindet.

Hier ist ein Film, in dem Keith Smith über sein Leben spricht und in dem Ludstone Hall und das Museum zu sehen sind.

Ludstone Hall bei Claverley in Shropshire.
Photo © John M (cc-by-sa/2.0)
Im Poundland Museum.
Author: Mariegriffiths.
Creative Commons 4.0
Published in: on 21. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Chesney’s Antique Fireplace Warehouse in London – Ein Dorado für Kaminliebhaber

In einem englischen Haus spielt der Kamin im Dressing Room eine wichtige Rolle. Er verbreitet nicht nur (etwas) Wärme, er sorgt auch für Gemütlichkeit. Ein Glas Whisky in der Hand und die Beine wohlig vor dem Kaminfeuer positioniert, das ist für viele auf der Insel der Gipfel der Behaglichkeit.
Wer sich einen Kamin zulegen möchte, für den ist Chesney’s Antique Fireplace Warehouse in der Battersea Park Road in London der Ort mit der größten Auswahl in der Stadt. Hier kann man entweder englische und französische Originale aus dem 18. und 19. Jahrhundert kaufen, sich Reproduktionen aus der eigenen Werkstatt zulegen oder sich einen Kamin nach eigenen Vorstellungen bauen lassen.

Die Brüder Paul und Nick Chesney gründeten ihre Firma 1983 und neben dem Hauptgeschäft in der Battersea Park Road haben sie noch Showrooms in der Londoner Holloway Road und in der New Yorker 3rd Avenue.

Außer Kaminen und Holzöfen biete Chesney’s auch noch ein breites Spektrum an Zubehör an wie gusseiserne Gitter und Roste, sogenannte „Firedogs“, also Kaminböcke, und Körbe, in denen man die Holzscheite aufbewahren kann.
Ein Besuch in der Battersea Park Road ist also für alle an Kaminen Interessierte sehr zu empfehlen.

Published in: on 12. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Edinburgh Woollen Mill – Eine typische High Street Ladenkette

In Rye (Kent).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Wenn ich an meine Englandreisen zurückdenke, erinnere ich mich immer wieder an die Ladenkette The Edinburgh Woollen Mill (EWM), die meines Erachtens mehr im Norden Englands als im Süden des Landes zu finden ist. Das letzte Mal, als meine Frau und ich ein EWM-Geschäft aufsuchten, war das in Marlborough in Wiltshire in der High Street Nummer 109.

Eigentlich hätte man die Ladenkette, die hauptsächlich Textilien anbietet, seit kurzem auch in Carlisle Woollen Mill umbenennen können, denn das Hauptquartier der Firma wurde von Langholm in Schottland nach Carlisle in Cumbria verlegt, in das Global House in der Castle Street.

1946 wurde die Firma in Langholm von Drew Stevenson gegründet, die damals noch Langholm Dyeing and Finishing Company Limited hieß. Das erste Ladengeschäft öffnete 1970 im schottischen Edinburgh seine Pforten, zwei Jahre später das erste englische in Carlisle in Cumbria. Heute existieren rund 250 EWM-Läden in Großbritannien. Die Produktpalette richtet sich vorwiegend an Frauen und Männer jenseits der 40; Hochmodernes wird man hier nicht finden, dafür Traditionelles wie Tweed- und Countrystyle-Kleidung.

Im Laufe der Jahre hat die Firma mehrere Marken dazugekauft wie Peacocks und Jane Norman, andere wieder verkauft. EWM geriet in unruhiges Fahrwasser, stand im vorigen Jahr sogar kurzzeitig vor dem Aus, was den Verlust von Tausenden von Arbeitsplätzen bedeutet hätte. Eine Gruppe von Investoren sprang ein und rettete die Firma erst einmal, 85 Läden mussten allerdings dauerhaft geschlossen bleiben. Was die Zukunft für EWM bringt, ist noch nicht abzusehen.

Die Covid-Epidemie tat ihr übriges, die Läden mussten geschlossen bleiben, die Kunden orientierten sich in Richtung Online-Handel, eine Bewegung, die auch andere High Street-Läden wie Boots, Marks&Spencer oder Topshop zu spüren bekamen. Seit dem ersten Lockdown findet ein beängstigender Stellenabbau statt, der bei über 200 000 liegen soll und namhafte Firmen betrifft.

Diese Filiale in Market Harborough in Leicestershire hat es leider erwischt.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)
Gekauft in der Edinburgh Woollen Mill in Marlborough in Wiltshire.
Eigenes Foto

Published in: on 16. Mai 2021 at 02:00  Comments (1)  

Ironbridge in Shropshire – Heimat der letzten noch in Großbritannien hergestellten Teddybären

Die Merrythought Factory.
Photo © Gordon Cragg (cc-by-sa/2.0)

Mein Teddybär (hier porträtiert er sich selbst), den ich vor 27 Jahren in Broadway in den Cotswolds kaufte, wurde noch in Großbritannien hergestellt, von der Firma Deans in Pontypool in Wales. Heute werden deren Bären in Indonesien produziert. Es gibt nur noch eine Firma in Großbritannien, die Teddybären und andere Stofftiere selbst herstellt, die Firma Merrythought in Ironbridge in Shropshire.

Hier in den Midlands wurde Merrythought im Jahr 1930 von William Gordon Holmes gegründet. Holmes war ursprünglich Besitzer einer Spinnerei in Yorkshire, kannte sich also mit Textilien aus. Er beauftragte Florence Attwood, eine taubstumme Frau, mit dem Entwurf seiner ersten Kollektion von Teddybären, die gut ankam, und noch heute werden in demselben Fabrikgebäude Teddybären ans Licht der Welt gebracht, zur Freude zahlloser Kinder, aber auch Erwachsener, selbstverständlich in Handarbeit. Die Firma ist nach wie vor in der Hand der Familie Holmes, mittlerweile in der vierten Genration. Teddybären sollten nicht im fernen Asien massenweise produziert, sondern liebevoll Stück für Stück, wie hier in Ironbridge, angefertigt werden.
Dieser Film zeigt den Geburtsprozess eines Teddybären .

Merrythought stellt traditionelle Bären her, aber auch limitierte Editionen. Prince George und Princess Charlotte haben welche bekommen; die Queen war auch schon einmal zu Besuch. Besonders beliebt sind die  Merrythought Bears übrigens in Japan. Ein großer Fan ist Ronnie Wood von den Rolling Stones, der für seine Enkel Bären der Firma gekauft hat.

Auf dem Fabrikgelände in Ironbridge gibt es ein kleines Museum und einen Laden, in dem man die Produkte der Firma kaufen kann; er ist täglich geöffnet.

Merrythought Ltd
Dale End
Ironbridge
Shropshire
TF8 7NJ

Shop und Museum.
Author: ell brown
Creative Commons 2.0
Ein Merrythought Bär
Author: Keith Williamson
Creative Commons 2.0
Published in: on 6. Mai 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das weltweit größte Fish and Chips-Restaurant auf der Cleethorpes Pier in Lincolnshire

Photo © Steve Fareham (cc-by-sa/2.0)

Die gut hundert Meter lange Pier von Cleethorpes an der Küste von Lincolnshire wurde 1873 eröffnet und brannte schon dreißig Jahre später wieder ab, ein Schicksal, das mehrere Seebrücken Englands ereilte. Zwei Jahre später stand die Pier wieder und erfreute sich großer Beliebtheit bei den Einheimischen und den Gästen des Seebads. Im Laufe der nächsten hundert Jahre wurde die Pier mehrfach umgebaut und die Besitzer wechselten häufig, zuletzt im September 2016, da übernahm die Papa’s Fish and Chips Company die Seebrücke. Die griechisch-stämmige Familie mit Firmensitz in Kingston-upon-Hull (East Yorkshire) gründete die Firma bereits 1966 und arbeitet heute in der dritten Generation. Sie betreibt zu Zeit sechs Fish and Chips-Läden in Yorkshire und einen auf der Pier von Cleethorpes.

Im Jahr 2015 eröffnete sie in einem Vorort von Kingston-upon-Hull, in Willerby, das weltweit größte Fish and Chips-Restaurant mit 320 Sitzplätzen. Zwei Jahre später übertrumpfte Papa’s sich mit seiner Filiale in Cleethorpes selbst, wo er 500 Plätze anbietet. Am Eröffnungstag im Jahr 2017 bot die Firma ihre frittierten Fische zu einem Sonderpreis von einem Penny an, kein Wunder, dass die Menschen Schlange standen wie dieser Film zeigt.

Ob hier auch die besten Fish and Chips Großbritanniens angeboten werden, wie es auf der Webseite der Firma zu lesen ist, ist eine andere Frage. Bei der Vergabe der Seafish National Fish & Chip Awards 2019 landete das Pier-Restaurant unter den ersten zehn. In diesem Jahr werden auf Grund der Corona-Pandemie keine Preise vergeben.

Im vorigen Jahr in der Weihnachtszeit stellte Papa’s in Cleethorpes einen weiteren Weltrekord auf: Sie verkauften auf der Pier das längste Pig in the Blanket, oder Würstchen im Schlafrock wie man in Deutschland dazu sagt. Sagenhafte 60 cm lang war dieses Teil, das £3.99 kostete und The hog in a duvet genannt wurde.

Photo © Oliver Mills (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 5. Mai 2021 at 02:00  Comments (1)  

Faszinierendes York Teil 1: The House of the Trembling Madness

48 Stonegate, York
Author: Adam Bruderer
Creative Commons 2.0

York gehört zu den englischen Städten, in denen ich am häufigsten zu Besuch war. Der Ort besitzt einfach eine einmalige Atmosphäre, vor allem am Abend, wenn die Straßen in dämmeriges Licht getaucht sind. Oft bin ich die Stonegate in Richtung Münster hinuntergeschlendert, entlang der vielen denkmalgeschützten Häuser, habe im Ye Olde Starre Inn ein Pint getrunken und mir die Auslagen der vielen sehr unterschiedlichen Geschäfte angesehen.

In meinen nächsten Blogeinträgen werde ich einen Schwerpunkt auf die Stadt in North Yorkshire legen.

Neben Betty’s Tea Room steht ein Haus in der Nummer 48 mit einem unheimlich klingenden Namen, das eigentlich nicht unbedingt zu einem Besuch einlädt: The House of the Trembling Madness. Aber es handelt sich hier nicht etwa um eine Nervenheilanstalt, sondern um eine der besten Craft Beer-Handlungen im ganzen Königreich. Man kann also unbesorgt eintreten und sich die große Auswahl an Biersorten ansehen. Das Haus ist uralt und steht dort, wo sich im 15. Jahrhundert einmal ein Augustinerkloster befand. Im Stockwerk über dem Laden kann man essen und trinken und die Biere unten aus dem Laden ausprobieren. Dabei sollte man aber Vorsicht walten lassen, denn der Name des Etablissements verheißt nichts Gutes (trembling madness = delirium tremens). Hier ist ein kurzer filmischer Blick in Laden und Pub.
Übrigens kann man hier auch wohnen; hinter dem Gebäude stehen zwei Appartements zur Verfügung: The Old Gallery und The Haunted Chamber. In letzterem, wir sind schließlich in Großbritanniens Geister-Hauptstadt, spukt es, wie es der Name schon verrät.

Unter der Adresse 14 Lendal gibt es in York noch ein weiteres House of the Trembling Madness mit einem vergleichbaren Angebot wie in der Stonegate, ein Craft Beer Mansion mit Verkauf im Erdgeschoss und Pub im ersten Stock. Das Gebäude entstand im 18. Jahrhundert, ist also für Yorksche Verhältnisse noch recht jung.

14 Lendal, York
Author: Malcolmxl5
Creative Commons 4.0
Published in: on 26. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Christmas Shop in der High Street von Lechlade in Gloucestershire

Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Lechlade in der Grafschaft Gloucestershire am Rand der Cotswolds ist ein hübscher angenehmer Ort, über den ich in meinem Blog schon einige Male schrieb. Dabei standen meine Besuche bei Old Father Thames an der St John’s Schleuse und im Trout Inn an der St John’s Bridge im Mittelpunkt. Auch der Dichter Percy Bysshe Shelley wusste den Ort an der noch jungen Themse zu schätzen und schrieb dort auf dem Kirchhof von St Lawrence das Gedicht „Elegy Written in a Country Churchyard„ (hier ist der Link zu meinem Blogeintrag).

In der High Street von Lechlade steht ein Laden, der das ganze Jahr über Weihnachtsartikel anbietet und der seit kurzem Cotswold Christmas Shop heißt, übernommen von den drei Damen Sarah, Mandy & Gillian. Seit 1985 gibt es diesen Laden schon, womit er der älteste seiner Art in Großbritannien ist. Käthe Wohlfahrt, die Pionierin der ganzjährig geöffneten Weihnachtsgeschäfte, eröffnete im August 2016 eine Filiale in der Stonegate in York, den ich in meinem Blog vorstellte. Gut, nach York kommen Touristen aus aller Welt, die auch gern bei brütender Hitze im August Christbaumkugeln und Weihnachtsdeko kaufen, aber Lechlade? Immerhin existiert das Geschäft schon 36 Jahre lang, also muss es genügend Menschen geben, die auch außerhalb der Vorweihnachtszeit hier einkaufen gehen.

Der Christmas Shop führt auch viele Artikel aus Deutschland wie Nussknacker, Weihnachtspyramiden, Räuchermännchen, Baumbehang usw. Engel, Feen, Weihnachtsmänner und alle möglichen Gestalten, die in irgendeiner Form mit dem Weihnachtsfest zu tun haben (oder auch nicht wie Alligatoren, Lamas, Meerjungfrauen, um nur einige zu nennen) bevölkern das Geschäft in Lechlades High Street. Wem also der Sinn danach steht, auch im Sommer für kurze Zeit in den Weihnachtsmodus umzuschalten, der ist hier genau richtig.

THE CHRISTMAS SHOP
High Street
LECHLADE
Gloucestershire
GL7 3AD

Published in: on 24. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

Bookbarn International – England’s Largest Used Book Warehouse in Hallatrow (Somerset)

In der internationalen Bücherscheune, der Bookbarn International,  im Gewerbegebiet von Hallatrow (Somerset) an der A37 südwestlich von Bath stehen ständig so um und bei 1,5 Millionen gebrauchte Bücher, wobei sie die größte ihrer Art in England ist und sogar zu den größten weltweit zählt. Ohne die Online-Plattformen des Internets wäre so etwas gar nicht möglich, denn die Bookbarn verkauft den größten Teil des Lagers nicht vor Ort, sondern national und international.

Etwa 40 000 Bücher kommen pro Woche hier in der tiefen Provinz in Somerset an, werden online katalogisiert und auf mehreren Verkaufsplattformen wie Amazon Marketplace ins Internet gestellt, und tausende Bestellungen gehen täglich ein und werden weltweit versendet. Die internationalen Hauptabnehmer sind unter anderem die USA, Australien, Japan und Deutschland.

Viele der Bücher, die in Hallatrow angeliefert werden, kommen aus ausgemusterten Bibliotheksbeständen, Schulen oder von Leuten, die zuhause einfach keinen Platz mehr haben. Ein Teil der Bücher landet gleich in der £1-Abteilung, es gibt aber auch einen Sektor in der Bookbarn, in der seltene antiquarische Bücher stehen, und zwar im Darwin Room. Warum der Name Darwin Room? William Pryor, der Chairman von Bookbarn International, ist der Ur-Ur-Urenkel von Charles Darwin (ich hoffe, dass ich das mit den „Urs“ richtig hinbekommen habe). In dieser Abteilung stehen denn auch höherpreisige Bücher wie zum Beispiel „The Farmers Companion“ aus dem Jahr 1813, das für €538 angeboten wird.

Die Bookbarn verkauft auch Bücher nach laufendem Meter, das heißt, wenn beispielsweise Filmproduktionsgesellschaften oder Möbelhäuser zu Dekorationszwecken Bücher brauchen, bei denen es egal ist, um welche Titel es sich handelt, werden die hier in Somerset fündig.

Hier ist ein Film über die Bookbarn.

Bookbarn International
1 Hallatrow Business Park
Wells Road
Hallatrow
Bristol BS39 6EX

Embed from Getty Images

Embed from Getty Images

Published in: on 12. März 2021 at 02:00  Comments (4)  
Tags:

The Haunted Bookshop in Cambridge

Haben Geister eine besondere Affinität zu alten Büchern? Mehrfach habe ich diese Verbindung erlebt (nicht persönlich!), zum Beispiel in der wunderschönen Bibliothek des Ettington Park Hotels in Warwickshire, in der ich einige Male das Abendessen und das Frühstück zu mir genommen habe (siehe dazu meinen Blogeintrag). Das Antiquariat Maggs Brothers am Berkeley Square galt einmal als „the most haunted house in London“… und in Cambridge gibt es eine Buchhandlung, die sich sogar The Haunted Bookshop nennt.

Angesiedelt ist diese auf antiquarische Kinderbücher spezialisierte Buchhandlung in Cambridge in einer ganz schmalen Fußgängerstraße namens St Edward’s Passage, die die King’s Parade mit der Straße Peas Hill verbindet. Das King’s College und seine Chapel liegen direkt gegenüber. Sarah Key und ihr Mann Phil führen The Haunted Bookshop schon seit 1993; das Haus diente vor langer Zeit als Studentenunterkunft. Als Sarah Key die Buchhandlung vom Vorbesitzer übernahm, behielt sie den Namen bei. Ihr Vorgänger hatte von Geistererscheinungen in dem Laden berichtet, und auch die neue Besitzerin will kurz nach der Übernahme eine weibliche Gestalt in einem weißen Gewand gesichtet haben, die allerdings seitdem nicht wieder in Erscheinung getreten ist.

The Haunted Bookshop ist Mitglied der Provinicial Booksellers Fairs Association, das heißt, dass die Buchhandlung aus Cambridge landesweit auf Buchmessen zu finden ist, die leider alle in den letzten Monaten auf Grund der Pandemie ausgefallen sind.

The Haunted Bookshop
9 St. Edward’s Passage
Cambridge
CB2 3PJ 

Sammler alter Kinderbücher werden entzückt sein über diese alten Ausgaben von Enid Blytons „Adventure“-Serie (die ich als Kind mit großer Begeisterung gelesen habe) im Haunted Bookshop.
Author: evelina ander
Creative Commons 2.0

 

Published in: on 24. Januar 2021 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

Alice’s Shop in Oxford – Hier kaufte schon Alice Liddell Süßigkeiten ein

83 St Aldates in Oxford, direkt gegenüber von den Christ Church Memorial Gardens, so  lautet die Adresse eines kleinen historischen Hauses, in dem Alice’s Shop untergebracht ist und bei Alice handelt es sich wirklich um die junge Dame aus dem Wunderland. Die „richtige“ Alice trug den Nachnamen Liddell und war die Tochter des Dekans des Christ Church College Henry George Liddell und der war wiederum mit einem gewissen Charles Lutwidge Dodgson befreundet, der Tutor für Mathematik am gleichen College tätig war. Dodgson unternahm gern Bootsausflüge mit den Dekanstöchtern Lorina Charlotte, Alice und Edith Liddell. Auf einer dieser Flussfahrten erzählte Dodgson den dreien eine Geschichte von einem Mädchen namens Alice, das durch ein Kaninchenloch fällt und in eine unterirdische Fantasiewelt gerät. Die Mädchen waren begeistert und Dodgson machte sich daran, die Geschichte aufzuschreiben und zu veröffentlichen, allerdings nicht unter seinem Namen, sondern unter dem Pseudonym Lewis Carroll. „Alice im Wunderland“ ist bis heute eines der berühmtesten Kinderbücher weltweit und wurde mehrfach verfilmt.

Alice Liddell (1852-1934) hatte damals einen Lieblingsladen, in dem sie gern Süßigkeiten einkaufte, gegenüber von dem College gelegen, in dem ihr Vater arbeitete. Und diesen Laden gibt es tatsächlich heute noch. Er nennt sich passenderweise Alice’s Shop und steht ganz im Zeichen der Fantasiefigur und ihrer Freunde. Hier gibt es alles zu kaufen, was in irgendeiner Form mit den Fantasiefiguren zu tun hat, als da unter anderem wären:

Eine White Rabbit und Mad Hatter Uhr, Teekannen-Untersetzer mit Motiven der Mad Tea Party, eine Alice’s Shop-Coronaschutzmaske, eine Cheshire Cat-Halskette, Stoffservietten auf denen alle Romanfiguren zu sehen sind, ein 1000-Teile-Puzzle von der Mad Tea Party und jede Menge Alice-Figurinen. In diesem Film kann man sich das genauer ansehen.

Alice Liddell starb am 16. November 1934 in Westerham (Kent) und wurde auf dem Friedhof von St Michael and All Angels in Lyndhurst in Hampshire beigesetzt.

Zu Lewis Carroll siehe meine Blogeinträge über seinen Geburtsort und seinen Sterbeort.

Alices Grab in Lyndhurst (Hampshire)
Author: Niek Willems.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Die Jacka Bakery in Plymouth (Devon) – Die älteste Bäckerei in Großbritannien

6. September 1620. Im Hafen der Stadt Plymouth lag das Segelschiff Mayflower, das 102 Passagiere und 31 Mann Besatzung von Devon nach Amerika bringen sollte. Wie mag es wohl den Pilgervätern zumute gewesen sein, als sie sich auf diese lange Reise begaben, über einen riesigen Ozean voller Gefahren? Vielleicht haben sie die Snacks ein wenig aufgemuntert, die sie sich von einer nahe gelegenen Bäckerei mit an Bord genommen hatten, der Jacka Bakery in der Southside Street, mitten in der heutigen Touristenhochburg The Barbican. Southside ist auch die Straße, in der sich die berühmte Plymouth Gin Distillery befindet, die allerdings erst 1793 in Betrieb genommen wurde. Eigentlich schade, denn die Pilgerväter hätten einige Flaschen Gin auf der Reise gut gebrauchen können (oder durften die keinen Alkohol trinken?).

Die Jacka Bakery existiert noch heute in der Southside Street Nummer 38 und ist damit die älteste Bäckerei im Königreich. Die Besitzer erfreuen sich eines hervorragenden Rufes, denn sie bieten eine breite Palette an Brotsorten an (sie beliefern auch eine ganze Reihe von Restaurants in der Stadt), legen Wert auf erstklassigen Kaffee, den man vor Ort verkosten kann und haben kleine Speisen im Angebot.

Die Familie Laughton hat die historische Bäckerei im Jahr 2015 übernommen und ist schon nach kurzer Zeit beim Tripadvisor zur besten „bakery“ in der Grafschaft Devon ernannt worden.

Die Jacka Bakery findet man in der schmalen Southside Street zwischen einem kleinen Schmuckladen und dem Restaurant Le Monde. Von hier aus ist es nur einen Katzensprung bis zum Hafen und dem Mayflower Steps Memorial, von wo aus die Pilgerväter mit Keksen aus der Jacka Bakery gen Amerika zogen.

Das Mayflower Steps Memorial im Hafen von Plymouth
Author: barryskeates
Creative Commons 2.0

Published in: on 12. Dezember 2020 at 02:00  Comments (3)  
Tags: ,

LCY2 – Amazons Fulfilment Centre in Tilbury (Essex)

Im Jahr 2017 eröffnete Amazon in einem Gewerbegebiet in Tilbury (Essex) ein weiteres riesiges sogenanntes Fulfilment Centre, das 13. in Großbritannien. Es ist das größte Warenlager Amazons im Königreich und sogar das zweitgrößte weltweit; nur ein Centre in den USA ist noch größer. Das Tilbury Lagerhaus umfasst eine Fläche von 28 Fußballfeldern und bietet 4000 Menschen einen Arbeitsplatz. Die Lage ist optimal, direkt vor den Toren von London, die Autobahn M25 ist schnell zu erreichen. Das Tilbury Fulfilment Centre trägt den Code LCY2. Bekommt man ein Päckchen oder Paket von der Firma, so kann man auf dem aufgeklebten Code erkennen, woher die Warenlieferung stammt. Die Codebuchstaben richten sich immer nach dem nächstgelegenen Flughafen, in diesem Falle ist LCY2 der Code vom London City Airport (LTN1 steht für  Amazon Milton Keynes, nahe des Flughafens von Luton, MAN2 für Amazon Warrington nahe des Flughafens von Manchester).

In den Lagerhallen in Tilbury hat man sich auf kleinere Artikel spezialisiert, die von State-of-the-art-Robotern bewegt werden. Größere Artikel sind zum Beispiel im Fulfilment Centre in Doncaster (LBA3) gelagert. In Tilbury wird rund um die Uhr gearbeitet; selbst bei einem regionalen Zusammenbruch der Stromversorgung kann weiter gearbeitet werden, da LCY2 über eigene Generatoren und über Solaranlagen auf dem Dach verfügt.

Tilbury gehört zu den schnellsten Auslieferungslagern von Amazon in Großbritannien. Von dem Moment, wenn jemand seine Bestellung online aufgibt bis zur Versandbereitstellung soll es nur zwischen 15 Minuten und einer Stunde dauern.

Hier ist ein Film über Amazons LCY2.

Siehe auch meinen Blogeintrag über das Warenlager in Ridgmont (Bedfordshire).

Published in: on 31. August 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags: ,

Die ehemalige Bata-Schuhfabrik in East Tilbury (Essex)

Die Statue des Firmengründers neben den ehemaligen Fabrikhallen.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Über 70 Jahre lang wurden in East Tilbury in der Grafschaft Essex Schuhe der berühmten tschechischen Firma Bata hergestellt. In der Fabrik arbeiteten viele Menschen, und Bata war ein bedeutender Arbeitgeber in diesem Ort am Mündungstrichter der Themse.

Tomáš Baťa
hatte die Firma 1894 im heutigen Tschechien gegründet; 1932 baute er die Fabrik in East Tilbury auf Grund der Nähe zu London und zu den Seehäfen. Noch im gleichen Jahr kam Baťa bei einem Flugzeugabsturz ums Leben und konnte so den Erfolg seiner englischen Dependance nicht mehr miterleben. Die tschechische Firma sorgte für das Wohl ihrer Arbeiterinnen und Arbeiter, indem sie dicht an den Fabrikhallen eine Siedlung mit Häusern errichtete, die bald „Bata-ville“ genannt wurde und alle Annehmlichkeiten enthielt, die zufriedene Schuhhersteller brauchten. Es gab Einkaufsmöglichkeiten, Freizeiteinrichtungen, Sportanlagen, ein Restaurant und ein eigenes Postamt. Das Fabrikdorf entstand nach Entwürfen von tschechischen Architekten.

Eigentlich hätte es in dieser Ecke von Essex immer so weitergehen können, aber leider veränderten sich die Zeiten. Etwa ab den 1960er Jahren verloren die Fabrikanlagen in East Tilbury an Bedeutung; die Firma Bata verlegte die Produktion ihrer Schuhe in andere Länder, und die Automatisierung der Herstellungsprozesse nahm von Jahr zu Jahr zu. 2005 war dann endgültig Schluss, und die Fabrik wurde geschlossen; ein herber Verlust für die kleine Stadt, die danach erst einmal in Elend versank.

Die Fabrikhallen wurden nicht abgerissen und stehen noch heute. Glücklicherweise hat sich in den letzten Jahren hier einiges getan: Der Thames Industrial Park entstand entlang der Princess Margaret Road, und eine ganze Reihe von Firmen haben sich hier niedergelassen. Auf der Rasenfläche neben dem ehemaligen Bata-Gebäude ist ein Statue zu Ehren des tschechischen Firmengründers errichtet worden. In der East Tilbury Library, direkt gegenüber, ist das Bata Heritage Centre entstanden, das sich um die Erinnerung an die Schuhfabrik und ihre Arbeiterinnen und Arbeiter kümmert. In diesem Film wird die Geschichte von Bata in East Tilbury noch einmal gezeigt.

Die verlassenen Fabrikanlagen in East Tilbury im Jahr 2015.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Die Bata Avenue mit Häusern der damals gebauten Bata-Siedlung.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. Juni 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags: ,

Carlisle in der Grafschaft Cumbria – Home of Biscuits

Carr’s bzw. McVitie’s Biscuit Factory.
Photo © Andrew Curtis (cc-by-sa/2.0)

Das Krümelmonster aus der Sesamstraße würde sich in Carlisle in der Grafschaft Cumbria pudelwohl fühlen…werden hier doch massenweise Kekse hergestellt, in der größten Keksfabrik Englands, die schon 1831 von Jonathan Dodgson Carr gegründet wurde. Was wäre eine Tasse Tee in England ohne ein „biscuit“? Ich finde die Namen mancher dieser Kekssorten eher abschreckend wie „digestive biscuits„, der Verdauungskeks, oder „table water biscuits„, die überwiegend aus Mehl und Wasser bestehen. Carr’s Table Water Biscuits und all die anderen Sorten bekommt man so ziemlich in jedem Supermarkt des Landes, und wenn die einmal ausgehen sollten, gehen die Kunden auf die Barrikaden. Im Dezember 2015 kam es zu einem solchen „Keks-Engpass“, als die Fabrik in Carlisle von den Fluten des River Eden  überschwemmt wurde und erst im April des folgenden Jahres wieder hochgefahren werden konnte. Da gab es eine Zeit lang weder ginger nuts, custard creams oder water biscuits, und das war schon beinahe eine nationale Katastrophe. Von der Great British Biscuit Crisis wurde gesprochen; vielen schmeckte der Tee ohne eingetunkten Keks nicht mehr so richtig.

Etwa 80 000 Tonnen Kekse werden in der Fabrik in Carlisle hergestellt, die damit eine der größten der Welt ist. Würde man alle in einem Jahr hier produzierten Kekse nebeneinander legen, so würden diese zweimal die Erde umspannen. Die Briten verzehren mehr biscuits als jedes andere Land der Welt.

Wem die Fabrik in Carlisle, die offiziell McVitie’s heißt, aber immer noch Carr’s genannt wird, nun eigentlich gehört, ist im Laufe der Jahre immer undurchschaubarer geworden. United Biscuits? Pladis? Yildiz Holding? Diese Firmen sind alle irgendwie ineinander verwoben, aber egal, die Hauptsache ist, die Kekse schmecken den Briten nach wie vor.

Das Buch zum Artikel:
Hunter Davies: The Biscuit Girls – Love, life and hardship in a northern factory. Ebury Press 2014. 352 Seiten. ISBN 978-0091957643.  (Arbeiterinnen aus Carr’s Factory erzählen aus ihrem Leben).

Überflutungen in Carlisle im Dezember 2015. Die Keksfabrik ist rechts im Hintergrund zu sehen.
Photo © Rose and Trev Clough (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Mai 2020 at 02:00  Comments (2)  
Tags: ,

Medical Detection Dogs in Great Horwood (Buckinghamshire)

Hier an der Winslow Road, südlich von Great Horwood, liegt der Greenway Business Park mit dem Ausbildungszentrum der Medical Detection Dogs.
Photo © Mr Biz (cc-by-sa/2.0)

Südwestlich von Milton Keynes in der Grafschaft Buckinghamshire liegt ein kleiner Ort namens Great Horwood. Die Gemeindekirche hier an der High Street heißt St James, der Dorfpub, The Swan Inn, liegt am Village Green und es gibt ein kleines Gewerbegebiet an der Winslow Road, den Greenway Business Park. Gewerbegebiete sind meistens sehr öde und bestehen überwiegend aus großen Lagerhallen, der Greenway Business Park hat aber eine Besonderheit, die in den letzten Wochen in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit gelangt ist. Hier werden die Medical Detection Dogs ausgebildet, in einem Flachbau, umgeben von Wiesen und Feldern. Diese hochspezialisierten Hunde sind in der Lage, Krankheiten des Menschen an deren Geruch zu erkennen, zum Beispiel Krebs oder Diabetes. Es dauert zwischen sechs und acht Monate, bis die Hunde in der Lage sind, diese Aufgaben zu übernehmen, und es spielt keine Rolle, welcher Rasse die Tiere angehören; ob Spaniel oder Labrador, die Hauptsache ist, dass sie eine gute Nase haben und dass ihnen die Aufgaben Spaß machen. Wenn man sich diesen Film ansieht, kann man erkennen, dass die Hunde mit viel Ehrgeiz und auch Spaß bei der Sache sind. Sie wohnen übrigens nicht in Ställen, sondern zuhause bei den Trainern bzw. bei Menschen, die sie in ihre Familien integriert haben.

In die Schlagzeilen gerieten die Medical Detection Dogs, weil man in Great Horwood gerade dabei ist, die Tiere zu trainieren, das Coronavirus zu erkennen. Zusammen mit der Durham University und der London School of Hygiene and Tropical Medicine werden zurzeit Tests unternommen. Sobald die Hunde in der Lage sind, das Virus zu erschnüffeln, könnte man sie beispielsweise an Flughäfen einsetzen, um ankommende Passagiere zu überprüfen, on sie das Virus in sich tragen.

Wenn man sich vorstellt, dass in China auf Märkten Hunde in Käfigen zum Verkauf angeboten und diese dann geschlachtet werden (jährlich werden dort mehr als zehn Millionen Hunde gegessen), und man die Bilder von den fröhlichen und für den Menschen so wichtigen Vierbeinern in Great Horwood sieht, kann es einem das Herz zerbrechen.

Medical Detection Dogs
3 Millfield
Greenway Business Park
Winslow Road
Great Horwood
Milton Keynes MK17 0NP

Published in: on 20. April 2020 at 02:00  Comments (2)  
Tags: ,

IKEA in Coventry – Ein Möbelhaus schließt seine Pforten

Am 16. Dezember 2007 war der Teufel los in der Innenstadt von Coventry (Warwickshire): Eine neue IKEA-Filiale wurde an der Croft Road eröffnet. Die Menschen standen Schlange und warteten, dass sich die Eingangstüren endlich öffneten, dann stürmten sie hinein, Kinder schwenkten gelbe IKEA-Fähnchen, es gab jede Menge Sonderangebote, der Laden brummte. Für £35 Millionen hatte das schwedische Möbelhaus ein architektonisch eindrucksvolles Gebäude in das Zentrum geklotzt, das auf sieben Verkaufsebenen seine Produkte feil bot.

Jetzt ist Katerstimmung in das Möbelhaus eingekehrt, denn vor einigen Tagen kündigte IKEA an, seine Filiale, eine von 22 in Großbritannien, im Laufe des Jahres zu schließen; so etwas hat es bisher noch nicht gegeben. 352 Arbeitsplätze werden wegfallen. Die Firma hatte schon über eine längere Zeit rote Zahlen geschrieben, die Kunden blieben mehr und mehr aus, so dass IKEA jetzt die Reißleine zog und das Ende seines riesigen Ladens ankündigte.

Wie konnte es dazu kommen? Hatten die Einwohner Coventrys keine Lust mehr, ihre gekauften Möbel mühsam selbst zusammenzuschrauben (was ich absolut nachvollziehen könnte!)? Es war wohl ein Fehler von Seiten der Firma, mitten im Stadtzentrum ein Kaufhaus zu erbauen. In den meisten Fällen werden diese Riesenkaufhäuser draußen auf der sogenannten „grünen Wiese“ konzipiert, mit entsprechend großen Parkflächen. Die Kosten für den Unterhalt des mehrstöckigen Gebäudes waren höher und die „shopping experience“ war für die Kunden geringer, das Aus für das Möbelhaus lag auf der Hand. Dazu kommt, dass sich das Kaufverhalten der Menschen nach und nach verändert hat; das heißt, Kunden ziehen die großen Einkaufszentren am Stadtrand vor, wo sie alles unter einem Dach haben, und dann kommt natürlich der ständig wachsende Online-Handel dazu. Ein Problem, mit dem selbstverständlich nicht nur IKEA zu kämpfen hat.

Wer in der nächsten Zeit in Coventry Appetit auf Köttbullar verspürt oder sich unbedingt ein Billy-Regal zulegen möchte, der muss die nächstgelegenen IKEA-Häuser in Birmingham, Nottingham oder Milton Keynes aufsuchen.

 

Published in: on 15. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags: ,

Wer war eigentlich…“Fraser“ im Namen der Kaufhauskette House of Fraser?

Das weihnachtlich dekorierte House of Fraser in Manchester.
Photo © Matt Harrop (cc-by-sa/2.0)

Ich habe nur einmal ein Kaufhaus der Gruppe House of Fraser betreten und das war vor ein paar Jahren an einem total verregneten Tag in Aylesbury in Buckinghamshire. Ob wohl die Kunden dieser Kaufhäuser wissen, nach wem diese benannt worden sind? Eigentlich müssten sie House of Fraser and Arthur heißen, denn die Namen der beiden Firmengründer waren Hugh Fraser und James Arthur, die 1849 im schottischen Glasgow ein Textilwarengeschäft eröffneten. Währen sich James Arthur bald dem Großhandelsgeschäft widmete, konzentrierte sich Hugh Fraser (1815 – 1873) auf den Einzelhandel und baute seinen Laden zu einem der größten der Stadt aus. Als er 1873 starb, vermachte er seine Firma an seine fünf Söhne, von denen drei die Firma managten und zu weiteren Erfolgen führte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm House of Fraser andere Kaufhäuser und expandierte von Schottland nach England. Ende der 1950er Jahre gehörte sogar das Luxuskaufhaus Harrod’s zu der Firmengruppe. 1974 existierten Pläne, dass sich House of Fraser und die Drogeriekette Boots zusammenschließen wollten, was aber die Regierung verhinderte. 1985 übernahm die Familie Al-Fayed House of Fraser und expandierte weiter. 2006 ging House of Fraser in den Besitz der Highland Group Holdings Limited über, acht Jahre später kündigte sich ein neuer Besitzer an, die chinesische Warenhauskette Nanjing Xinjiekou Department Store Co. Konnte der ständige Eigentümerwechsel der Firma auf Dauer gut tun? Offensichtlich nicht, denn Mitte des vorigen Jahres schlossen 31 der 58 Kaufhäuser. Die britische Firma Sports Direct International übernahm die angeschlagene Warenhauskette und versucht diese am Leben zu halten durch Investitionen aber auch durch weitere Schließungen. Für Ende Januar 2020 soll voraussichtlich das House of Fraser in Milton Keynes geschlossen werden, wodurch 172 Arbeitsplätze wegfallen würden.

Eine Neuausrichtung der Kaufhäuser in Richtung „luxury lifestyle stores“ ist für das Jahr 2020 geplant. Es bleibt zu hoffen, dass es wieder einen Aufwärtstrend geben wird. Möge die von Hugh Fraser gegründete Firmengruppe erhalten bleiben (auch Morrisons, Debenhams, Sainsbury’s und Argos mussten in diesem Jahr Filialen schließen).

Ein HoF zur Weihnachtszeit in der Londoner Oxford Street.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

Die witzigen Werbspots von Hamlet Cigars

Eigentlich hasse ich Werbespots im Fernsehen und schalte sofort den Ton auf stumm, wenn ich schon wieder mit unzähligen pharmazeutischen Produkten zugedröhnt werden soll. Manchmal gibt es aber auch kleine Highlights in der Werbung, die sich Agenturen mit humorvollen Menschen ausgedacht haben. Dazu zählen die Werbspots der Hamlet Cigars, die im britischen Fernsehen seit den 1990er Jahren nicht mehr gesendet werden dürfen, da Tabakwerbung untersagt worden ist.

Hamlet Cigars kamen 1964 auf den britischen Markt und um die neuen Zigarren bekannt zu machen, wurde die Werbeagentur Collett Dickenson Pearce eingeschaltet, die sich den Werbespruch „Happiness is a cigar called Hamlet“ einfallen ließ. Ian Warriner und Rob Currothers dachten sich auch die kurzen witzigen Werbespots aus, mehr als hundert sollten es werden, von denen einige mit Preisen ausgezeichnet wurden. So bezeichnete eine internationale Jury den Spot „Photobooth„, in dem Schauspieler und Comedian Gregor Fisher zu sehen ist, als den besten der Welt.

Hier sind einige weitere Werbespots zu sehen wie „Airport„, „Balloonist„, „Beach Telescope“ und „Sidecar„.

Published in: on 26. Oktober 2019 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Dies und das über McDonald’s UK

McDonald’s UK Headquarter in East Finchley, London.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

In den USA gibt es einen Punkt im Bundesstaat South Dakota, wo die dort ansässigen Menschen etwa 200 Kilometer fahren müssen, um zum nächsten McDonald’s zu kommen. Rekord für die USA (ausgenommen sind die Staaten Alaska und Hawaii). Da haben es die Burger-Fans in England besser, wo niemand so viele Kilometer zurücklegen muss, um seinen geliebten Big Mac verzehren zu können. Das Filialnetz der US-Firma ist dicht gewebt in England, knapp 1300 McD-Stationen gibt es im Land, von denen mehrere hundert sogar rund um die Uhr geöffnet haben und in denen über 115 000 Menschen arbeiten.

Das erste McDonald’s im Königreich wurde im Oktober 1974 im Süd-Londoner Stadtteil Woolwich in der Powis Street eröffnet, und seitdem gibt es überall im Land die Schnellrestaurants mit den goldenen Bögen, das heißt bis auf die kleine Grafschaft Rutland, die sich bisher erfolgreich gegen die Firma gewehrt hat. Das könnte sich aber ändern, denn McDonald’s hat jetzt seine Scheinwerfer auf Oakham gerichtet, die County-Hauptstadt, doch das wollen die Bürger unbedingt verhindern; was die Bewohner von Tavistock in Devon schon einmal geschafft haben, nachdem die Burger-Kette 1997 ein Restaurant dort eröffnet hatte. Viele Bürger (nicht Burger!) gingen dort einfach nicht hin, sie boykottierten es, und nach neun Jahren entschied sich McDonald’s, den Laden zu schließen und Tavistock den Rücken zu kehren.

In London gibt es selbstverständlich die meisten McDs, am dichtesten ist das Netz in Westminster. Mirror Online hat vor drei Jahren die Dichte der McDonald’s-Filialen in Großbritannien untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass in Westminster ein McD auf 13,461 Menschen kommt; im Landesdurchschnitt sind es 1: 52 763. Erstaunlich ist, dass der zweite Platz von einer Provinzstadt eingenommen wird, von Bolsover in Derbyshire, wo das Verhältnis McD:Einwohner bei 19,445 liegt.

BirminghamLive hat 2018 festgestellt, dass nach London die zahlenmäßig meisten Filialen in Birmingham zu finden sind, nämlich 22. Es folgen Glasgow mit 18 und Leeds mit 15.

Das Hauptquartier von McDonalds UK befindet sich in Nord-London, im Stadtteil East Finchley in der High Road.

Ein rund um die Uhr geöffnetes McDonald’s im Londoner Stadtteil Wandsworth.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Eines der 22 McDonald’s-Restaurants in Birmingham.
Photo © Michael Westley (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. Oktober 2019 at 02:00  Comments (1)  
Tags: