Chesney’s Antique Fireplace Warehouse in London – Ein Dorado für Kaminliebhaber

In einem englischen Haus spielt der Kamin im Dressing Room eine wichtige Rolle. Er verbreitet nicht nur (etwas) Wärme, er sorgt auch für Gemütlichkeit. Ein Glas Whisky in der Hand und die Beine wohlig vor dem Kaminfeuer positioniert, das ist für viele auf der Insel der Gipfel der Behaglichkeit.
Wer sich einen Kamin zulegen möchte, für den ist Chesney’s Antique Fireplace Warehouse in der Battersea Park Road in London der Ort mit der größten Auswahl in der Stadt. Hier kann man entweder englische und französische Originale aus dem 18. und 19. Jahrhundert kaufen, sich Reproduktionen aus der eigenen Werkstatt zulegen oder sich einen Kamin nach eigenen Vorstellungen bauen lassen.

Die Brüder Paul und Nick Chesney gründeten ihre Firma 1983 und neben dem Hauptgeschäft in der Battersea Park Road haben sie noch Showrooms in der Londoner Holloway Road und in der New Yorker 3rd Avenue.

Außer Kaminen und Holzöfen biete Chesney’s auch noch ein breites Spektrum an Zubehör an wie gusseiserne Gitter und Roste, sogenannte „Firedogs“, also Kaminböcke, und Körbe, in denen man die Holzscheite aufbewahren kann.
Ein Besuch in der Battersea Park Road ist also für alle an Kaminen Interessierte sehr zu empfehlen.

Published in: on 12. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Edinburgh Woollen Mill – Eine typische High Street Ladenkette

In Rye (Kent).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Wenn ich an meine Englandreisen zurückdenke, erinnere ich mich immer wieder an die Ladenkette The Edinburgh Woollen Mill (EWM), die meines Erachtens mehr im Norden Englands als im Süden des Landes zu finden ist. Das letzte Mal, als meine Frau und ich ein EWM-Geschäft aufsuchten, war das in Marlborough in Wiltshire in der High Street Nummer 109.

Eigentlich hätte man die Ladenkette, die hauptsächlich Textilien anbietet, seit kurzem auch in Carlisle Woollen Mill umbenennen können, denn das Hauptquartier der Firma wurde von Langholm in Schottland nach Carlisle in Cumbria verlegt, in das Global House in der Castle Street.

1946 wurde die Firma in Langholm von Drew Stevenson gegründet, die damals noch Langholm Dyeing and Finishing Company Limited hieß. Das erste Ladengeschäft öffnete 1970 im schottischen Edinburgh seine Pforten, zwei Jahre später das erste englische in Carlisle in Cumbria. Heute existieren rund 250 EWM-Läden in Großbritannien. Die Produktpalette richtet sich vorwiegend an Frauen und Männer jenseits der 40; Hochmodernes wird man hier nicht finden, dafür Traditionelles wie Tweed- und Countrystyle-Kleidung.

Im Laufe der Jahre hat die Firma mehrere Marken dazugekauft wie Peacocks und Jane Norman, andere wieder verkauft. EWM geriet in unruhiges Fahrwasser, stand im vorigen Jahr sogar kurzzeitig vor dem Aus, was den Verlust von Tausenden von Arbeitsplätzen bedeutet hätte. Eine Gruppe von Investoren sprang ein und rettete die Firma erst einmal, 85 Läden mussten allerdings dauerhaft geschlossen bleiben. Was die Zukunft für EWM bringt, ist noch nicht abzusehen.

Die Covid-Epidemie tat ihr übriges, die Läden mussten geschlossen bleiben, die Kunden orientierten sich in Richtung Online-Handel, eine Bewegung, die auch andere High Street-Läden wie Boots, Marks&Spencer oder Topshop zu spüren bekamen. Seit dem ersten Lockdown findet ein beängstigender Stellenabbau statt, der bei über 200 000 liegen soll und namhafte Firmen betrifft.

Diese Filiale in Market Harborough in Leicestershire hat es leider erwischt.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)
Gekauft in der Edinburgh Woollen Mill in Marlborough in Wiltshire.
Eigenes Foto

Published in: on 16. Mai 2021 at 02:00  Comments (1)  

Ironbridge in Shropshire – Heimat der letzten noch in Großbritannien hergestellten Teddybären

Die Merrythought Factory.
Photo © Gordon Cragg (cc-by-sa/2.0)

Mein Teddybär (hier porträtiert er sich selbst), den ich vor 27 Jahren in Broadway in den Cotswolds kaufte, wurde noch in Großbritannien hergestellt, von der Firma Deans in Pontypool in Wales. Heute werden deren Bären in Indonesien produziert. Es gibt nur noch eine Firma in Großbritannien, die Teddybären und andere Stofftiere selbst herstellt, die Firma Merrythought in Ironbridge in Shropshire.

Hier in den Midlands wurde Merrythought im Jahr 1930 von William Gordon Holmes gegründet. Holmes war ursprünglich Besitzer einer Spinnerei in Yorkshire, kannte sich also mit Textilien aus. Er beauftragte Florence Attwood, eine taubstumme Frau, mit dem Entwurf seiner ersten Kollektion von Teddybären, die gut ankam, und noch heute werden in demselben Fabrikgebäude Teddybären ans Licht der Welt gebracht, zur Freude zahlloser Kinder, aber auch Erwachsener, selbstverständlich in Handarbeit. Die Firma ist nach wie vor in der Hand der Familie Holmes, mittlerweile in der vierten Genration. Teddybären sollten nicht im fernen Asien massenweise produziert, sondern liebevoll Stück für Stück, wie hier in Ironbridge, angefertigt werden.
Dieser Film zeigt den Geburtsprozess eines Teddybären .

Merrythought stellt traditionelle Bären her, aber auch limitierte Editionen. Prince George und Princess Charlotte haben welche bekommen; die Queen war auch schon einmal zu Besuch. Besonders beliebt sind die  Merrythought Bears übrigens in Japan. Ein großer Fan ist Ronnie Wood von den Rolling Stones, der für seine Enkel Bären der Firma gekauft hat.

Auf dem Fabrikgelände in Ironbridge gibt es ein kleines Museum und einen Laden, in dem man die Produkte der Firma kaufen kann; er ist täglich geöffnet.

Merrythought Ltd
Dale End
Ironbridge
Shropshire
TF8 7NJ

Shop und Museum.
Author: ell brown
Creative Commons 2.0
Ein Merrythought Bär
Author: Keith Williamson
Creative Commons 2.0
Published in: on 6. Mai 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das weltweit größte Fish and Chips-Restaurant auf der Cleethorpes Pier in Lincolnshire

Photo © Steve Fareham (cc-by-sa/2.0)

Die gut hundert Meter lange Pier von Cleethorpes an der Küste von Lincolnshire wurde 1873 eröffnet und brannte schon dreißig Jahre später wieder ab, ein Schicksal, das mehrere Seebrücken Englands ereilte. Zwei Jahre später stand die Pier wieder und erfreute sich großer Beliebtheit bei den Einheimischen und den Gästen des Seebads. Im Laufe der nächsten hundert Jahre wurde die Pier mehrfach umgebaut und die Besitzer wechselten häufig, zuletzt im September 2016, da übernahm die Papa’s Fish and Chips Company die Seebrücke. Die griechisch-stämmige Familie mit Firmensitz in Kingston-upon-Hull (East Yorkshire) gründete die Firma bereits 1966 und arbeitet heute in der dritten Generation. Sie betreibt zu Zeit sechs Fish and Chips-Läden in Yorkshire und einen auf der Pier von Cleethorpes.

Im Jahr 2015 eröffnete sie in einem Vorort von Kingston-upon-Hull, in Willerby, das weltweit größte Fish and Chips-Restaurant mit 320 Sitzplätzen. Zwei Jahre später übertrumpfte Papa’s sich mit seiner Filiale in Cleethorpes selbst, wo er 500 Plätze anbietet. Am Eröffnungstag im Jahr 2017 bot die Firma ihre frittierten Fische zu einem Sonderpreis von einem Penny an, kein Wunder, dass die Menschen Schlange standen wie dieser Film zeigt.

Ob hier auch die besten Fish and Chips Großbritanniens angeboten werden, wie es auf der Webseite der Firma zu lesen ist, ist eine andere Frage. Bei der Vergabe der Seafish National Fish & Chip Awards 2019 landete das Pier-Restaurant unter den ersten zehn. In diesem Jahr werden auf Grund der Corona-Pandemie keine Preise vergeben.

Im vorigen Jahr in der Weihnachtszeit stellte Papa’s in Cleethorpes einen weiteren Weltrekord auf: Sie verkauften auf der Pier das längste Pig in the Blanket, oder Würstchen im Schlafrock wie man in Deutschland dazu sagt. Sagenhafte 60 cm lang war dieses Teil, das £3.99 kostete und The hog in a duvet genannt wurde.

Photo © Oliver Mills (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 5. Mai 2021 at 02:00  Comments (1)  

Faszinierendes York Teil 1: The House of the Trembling Madness

48 Stonegate, York
Author: Adam Bruderer
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York gehört zu den englischen Städten, in denen ich am häufigsten zu Besuch war. Der Ort besitzt einfach eine einmalige Atmosphäre, vor allem am Abend, wenn die Straßen in dämmeriges Licht getaucht sind. Oft bin ich die Stonegate in Richtung Münster hinuntergeschlendert, entlang der vielen denkmalgeschützten Häuser, habe im Ye Olde Starre Inn ein Pint getrunken und mir die Auslagen der vielen sehr unterschiedlichen Geschäfte angesehen.

In meinen nächsten Blogeinträgen werde ich einen Schwerpunkt auf die Stadt in North Yorkshire legen.

Neben Betty’s Tea Room steht ein Haus in der Nummer 48 mit einem unheimlich klingenden Namen, das eigentlich nicht unbedingt zu einem Besuch einlädt: The House of the Trembling Madness. Aber es handelt sich hier nicht etwa um eine Nervenheilanstalt, sondern um eine der besten Craft Beer-Handlungen im ganzen Königreich. Man kann also unbesorgt eintreten und sich die große Auswahl an Biersorten ansehen. Das Haus ist uralt und steht dort, wo sich im 15. Jahrhundert einmal ein Augustinerkloster befand. Im Stockwerk über dem Laden kann man essen und trinken und die Biere unten aus dem Laden ausprobieren. Dabei sollte man aber Vorsicht walten lassen, denn der Name des Etablissements verheißt nichts Gutes (trembling madness = delirium tremens). Hier ist ein kurzer filmischer Blick in Laden und Pub.
Übrigens kann man hier auch wohnen; hinter dem Gebäude stehen zwei Appartements zur Verfügung: The Old Gallery und The Haunted Chamber. In letzterem, wir sind schließlich in Großbritanniens Geister-Hauptstadt, spukt es, wie es der Name schon verrät.

Unter der Adresse 14 Lendal gibt es in York noch ein weiteres House of the Trembling Madness mit einem vergleichbaren Angebot wie in der Stonegate, ein Craft Beer Mansion mit Verkauf im Erdgeschoss und Pub im ersten Stock. Das Gebäude entstand im 18. Jahrhundert, ist also für Yorksche Verhältnisse noch recht jung.

14 Lendal, York
Author: Malcolmxl5
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Published in: on 26. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Christmas Shop in der High Street von Lechlade in Gloucestershire

Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Lechlade in der Grafschaft Gloucestershire am Rand der Cotswolds ist ein hübscher angenehmer Ort, über den ich in meinem Blog schon einige Male schrieb. Dabei standen meine Besuche bei Old Father Thames an der St John’s Schleuse und im Trout Inn an der St John’s Bridge im Mittelpunkt. Auch der Dichter Percy Bysshe Shelley wusste den Ort an der noch jungen Themse zu schätzen und schrieb dort auf dem Kirchhof von St Lawrence das Gedicht „Elegy Written in a Country Churchyard„ (hier ist der Link zu meinem Blogeintrag).

In der High Street von Lechlade steht ein Laden, der das ganze Jahr über Weihnachtsartikel anbietet und der seit kurzem Cotswold Christmas Shop heißt, übernommen von den drei Damen Sarah, Mandy & Gillian. Seit 1985 gibt es diesen Laden schon, womit er der älteste seiner Art in Großbritannien ist. Käthe Wohlfahrt, die Pionierin der ganzjährig geöffneten Weihnachtsgeschäfte, eröffnete im August 2016 eine Filiale in der Stonegate in York, den ich in meinem Blog vorstellte. Gut, nach York kommen Touristen aus aller Welt, die auch gern bei brütender Hitze im August Christbaumkugeln und Weihnachtsdeko kaufen, aber Lechlade? Immerhin existiert das Geschäft schon 36 Jahre lang, also muss es genügend Menschen geben, die auch außerhalb der Vorweihnachtszeit hier einkaufen gehen.

Der Christmas Shop führt auch viele Artikel aus Deutschland wie Nussknacker, Weihnachtspyramiden, Räuchermännchen, Baumbehang usw. Engel, Feen, Weihnachtsmänner und alle möglichen Gestalten, die in irgendeiner Form mit dem Weihnachtsfest zu tun haben (oder auch nicht wie Alligatoren, Lamas, Meerjungfrauen, um nur einige zu nennen) bevölkern das Geschäft in Lechlades High Street. Wem also der Sinn danach steht, auch im Sommer für kurze Zeit in den Weihnachtsmodus umzuschalten, der ist hier genau richtig.

THE CHRISTMAS SHOP
High Street
LECHLADE
Gloucestershire
GL7 3AD

Published in: on 24. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Bookbarn International – England’s Largest Used Book Warehouse in Hallatrow (Somerset)

In der internationalen Bücherscheune, der Bookbarn International,  im Gewerbegebiet von Hallatrow (Somerset) an der A37 südwestlich von Bath stehen ständig so um und bei 1,5 Millionen gebrauchte Bücher, wobei sie die größte ihrer Art in England ist und sogar zu den größten weltweit zählt. Ohne die Online-Plattformen des Internets wäre so etwas gar nicht möglich, denn die Bookbarn verkauft den größten Teil des Lagers nicht vor Ort, sondern national und international.

Etwa 40 000 Bücher kommen pro Woche hier in der tiefen Provinz in Somerset an, werden online katalogisiert und auf mehreren Verkaufsplattformen wie Amazon Marketplace ins Internet gestellt, und tausende Bestellungen gehen täglich ein und werden weltweit versendet. Die internationalen Hauptabnehmer sind unter anderem die USA, Australien, Japan und Deutschland.

Viele der Bücher, die in Hallatrow angeliefert werden, kommen aus ausgemusterten Bibliotheksbeständen, Schulen oder von Leuten, die zuhause einfach keinen Platz mehr haben. Ein Teil der Bücher landet gleich in der £1-Abteilung, es gibt aber auch einen Sektor in der Bookbarn, in der seltene antiquarische Bücher stehen, und zwar im Darwin Room. Warum der Name Darwin Room? William Pryor, der Chairman von Bookbarn International, ist der Ur-Ur-Urenkel von Charles Darwin (ich hoffe, dass ich das mit den „Urs“ richtig hinbekommen habe). In dieser Abteilung stehen denn auch höherpreisige Bücher wie zum Beispiel „The Farmers Companion“ aus dem Jahr 1813, das für €538 angeboten wird.

Die Bookbarn verkauft auch Bücher nach laufendem Meter, das heißt, wenn beispielsweise Filmproduktionsgesellschaften oder Möbelhäuser zu Dekorationszwecken Bücher brauchen, bei denen es egal ist, um welche Titel es sich handelt, werden die hier in Somerset fündig.

Hier ist ein Film über die Bookbarn.

Bookbarn International
1 Hallatrow Business Park
Wells Road
Hallatrow
Bristol BS39 6EX

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Published in: on 12. März 2021 at 02:00  Comments (4)  
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The Haunted Bookshop in Cambridge

Haben Geister eine besondere Affinität zu alten Büchern? Mehrfach habe ich diese Verbindung erlebt (nicht persönlich!), zum Beispiel in der wunderschönen Bibliothek des Ettington Park Hotels in Warwickshire, in der ich einige Male das Abendessen und das Frühstück zu mir genommen habe (siehe dazu meinen Blogeintrag). Das Antiquariat Maggs Brothers am Berkeley Square galt einmal als „the most haunted house in London“… und in Cambridge gibt es eine Buchhandlung, die sich sogar The Haunted Bookshop nennt.

Angesiedelt ist diese auf antiquarische Kinderbücher spezialisierte Buchhandlung in Cambridge in einer ganz schmalen Fußgängerstraße namens St Edward’s Passage, die die King’s Parade mit der Straße Peas Hill verbindet. Das King’s College und seine Chapel liegen direkt gegenüber. Sarah Key und ihr Mann Phil führen The Haunted Bookshop schon seit 1993; das Haus diente vor langer Zeit als Studentenunterkunft. Als Sarah Key die Buchhandlung vom Vorbesitzer übernahm, behielt sie den Namen bei. Ihr Vorgänger hatte von Geistererscheinungen in dem Laden berichtet, und auch die neue Besitzerin will kurz nach der Übernahme eine weibliche Gestalt in einem weißen Gewand gesichtet haben, die allerdings seitdem nicht wieder in Erscheinung getreten ist.

The Haunted Bookshop ist Mitglied der Provinicial Booksellers Fairs Association, das heißt, dass die Buchhandlung aus Cambridge landesweit auf Buchmessen zu finden ist, die leider alle in den letzten Monaten auf Grund der Pandemie ausgefallen sind.

The Haunted Bookshop
9 St. Edward’s Passage
Cambridge
CB2 3PJ 

Sammler alter Kinderbücher werden entzückt sein über diese alten Ausgaben von Enid Blytons „Adventure“-Serie (die ich als Kind mit großer Begeisterung gelesen habe) im Haunted Bookshop.
Author: evelina ander
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Published in: on 24. Januar 2021 at 02:00  Comments (2)  
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Alice’s Shop in Oxford – Hier kaufte schon Alice Liddell Süßigkeiten ein

83 St Aldates in Oxford, direkt gegenüber von den Christ Church Memorial Gardens, so  lautet die Adresse eines kleinen historischen Hauses, in dem Alice’s Shop untergebracht ist und bei Alice handelt es sich wirklich um die junge Dame aus dem Wunderland. Die „richtige“ Alice trug den Nachnamen Liddell und war die Tochter des Dekans des Christ Church College Henry George Liddell und der war wiederum mit einem gewissen Charles Lutwidge Dodgson befreundet, der Tutor für Mathematik am gleichen College tätig war. Dodgson unternahm gern Bootsausflüge mit den Dekanstöchtern Lorina Charlotte, Alice und Edith Liddell. Auf einer dieser Flussfahrten erzählte Dodgson den dreien eine Geschichte von einem Mädchen namens Alice, das durch ein Kaninchenloch fällt und in eine unterirdische Fantasiewelt gerät. Die Mädchen waren begeistert und Dodgson machte sich daran, die Geschichte aufzuschreiben und zu veröffentlichen, allerdings nicht unter seinem Namen, sondern unter dem Pseudonym Lewis Carroll. „Alice im Wunderland“ ist bis heute eines der berühmtesten Kinderbücher weltweit und wurde mehrfach verfilmt.

Alice Liddell (1852-1934) hatte damals einen Lieblingsladen, in dem sie gern Süßigkeiten einkaufte, gegenüber von dem College gelegen, in dem ihr Vater arbeitete. Und diesen Laden gibt es tatsächlich heute noch. Er nennt sich passenderweise Alice’s Shop und steht ganz im Zeichen der Fantasiefigur und ihrer Freunde. Hier gibt es alles zu kaufen, was in irgendeiner Form mit den Fantasiefiguren zu tun hat, als da unter anderem wären:

Eine White Rabbit und Mad Hatter Uhr, Teekannen-Untersetzer mit Motiven der Mad Tea Party, eine Alice’s Shop-Coronaschutzmaske, eine Cheshire Cat-Halskette, Stoffservietten auf denen alle Romanfiguren zu sehen sind, ein 1000-Teile-Puzzle von der Mad Tea Party und jede Menge Alice-Figurinen. In diesem Film kann man sich das genauer ansehen.

Alice Liddell starb am 16. November 1934 in Westerham (Kent) und wurde auf dem Friedhof von St Michael and All Angels in Lyndhurst in Hampshire beigesetzt.

Zu Lewis Carroll siehe meine Blogeinträge über seinen Geburtsort und seinen Sterbeort.

Alices Grab in Lyndhurst (Hampshire)
Author: Niek Willems.
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Die Jacka Bakery in Plymouth (Devon) – Die älteste Bäckerei in Großbritannien

6. September 1620. Im Hafen der Stadt Plymouth lag das Segelschiff Mayflower, das 102 Passagiere und 31 Mann Besatzung von Devon nach Amerika bringen sollte. Wie mag es wohl den Pilgervätern zumute gewesen sein, als sie sich auf diese lange Reise begaben, über einen riesigen Ozean voller Gefahren? Vielleicht haben sie die Snacks ein wenig aufgemuntert, die sie sich von einer nahe gelegenen Bäckerei mit an Bord genommen hatten, der Jacka Bakery in der Southside Street, mitten in der heutigen Touristenhochburg The Barbican. Southside ist auch die Straße, in der sich die berühmte Plymouth Gin Distillery befindet, die allerdings erst 1793 in Betrieb genommen wurde. Eigentlich schade, denn die Pilgerväter hätten einige Flaschen Gin auf der Reise gut gebrauchen können (oder durften die keinen Alkohol trinken?).

Die Jacka Bakery existiert noch heute in der Southside Street Nummer 38 und ist damit die älteste Bäckerei im Königreich. Die Besitzer erfreuen sich eines hervorragenden Rufes, denn sie bieten eine breite Palette an Brotsorten an (sie beliefern auch eine ganze Reihe von Restaurants in der Stadt), legen Wert auf erstklassigen Kaffee, den man vor Ort verkosten kann und haben kleine Speisen im Angebot.

Die Familie Laughton hat die historische Bäckerei im Jahr 2015 übernommen und ist schon nach kurzer Zeit beim Tripadvisor zur besten „bakery“ in der Grafschaft Devon ernannt worden.

Die Jacka Bakery findet man in der schmalen Southside Street zwischen einem kleinen Schmuckladen und dem Restaurant Le Monde. Von hier aus ist es nur einen Katzensprung bis zum Hafen und dem Mayflower Steps Memorial, von wo aus die Pilgerväter mit Keksen aus der Jacka Bakery gen Amerika zogen.

Das Mayflower Steps Memorial im Hafen von Plymouth
Author: barryskeates
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Published in: on 12. Dezember 2020 at 02:00  Comments (3)  
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LCY2 – Amazons Fulfilment Centre in Tilbury (Essex)

Im Jahr 2017 eröffnete Amazon in einem Gewerbegebiet in Tilbury (Essex) ein weiteres riesiges sogenanntes Fulfilment Centre, das 13. in Großbritannien. Es ist das größte Warenlager Amazons im Königreich und sogar das zweitgrößte weltweit; nur ein Centre in den USA ist noch größer. Das Tilbury Lagerhaus umfasst eine Fläche von 28 Fußballfeldern und bietet 4000 Menschen einen Arbeitsplatz. Die Lage ist optimal, direkt vor den Toren von London, die Autobahn M25 ist schnell zu erreichen. Das Tilbury Fulfilment Centre trägt den Code LCY2. Bekommt man ein Päckchen oder Paket von der Firma, so kann man auf dem aufgeklebten Code erkennen, woher die Warenlieferung stammt. Die Codebuchstaben richten sich immer nach dem nächstgelegenen Flughafen, in diesem Falle ist LCY2 der Code vom London City Airport (LTN1 steht für  Amazon Milton Keynes, nahe des Flughafens von Luton, MAN2 für Amazon Warrington nahe des Flughafens von Manchester).

In den Lagerhallen in Tilbury hat man sich auf kleinere Artikel spezialisiert, die von State-of-the-art-Robotern bewegt werden. Größere Artikel sind zum Beispiel im Fulfilment Centre in Doncaster (LBA3) gelagert. In Tilbury wird rund um die Uhr gearbeitet; selbst bei einem regionalen Zusammenbruch der Stromversorgung kann weiter gearbeitet werden, da LCY2 über eigene Generatoren und über Solaranlagen auf dem Dach verfügt.

Tilbury gehört zu den schnellsten Auslieferungslagern von Amazon in Großbritannien. Von dem Moment, wenn jemand seine Bestellung online aufgibt bis zur Versandbereitstellung soll es nur zwischen 15 Minuten und einer Stunde dauern.

Hier ist ein Film über Amazons LCY2.

Siehe auch meinen Blogeintrag über das Warenlager in Ridgmont (Bedfordshire).

Published in: on 31. August 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die ehemalige Bata-Schuhfabrik in East Tilbury (Essex)

Die Statue des Firmengründers neben den ehemaligen Fabrikhallen.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Über 70 Jahre lang wurden in East Tilbury in der Grafschaft Essex Schuhe der berühmten tschechischen Firma Bata hergestellt. In der Fabrik arbeiteten viele Menschen, und Bata war ein bedeutender Arbeitgeber in diesem Ort am Mündungstrichter der Themse.

Tomáš Baťa
hatte die Firma 1894 im heutigen Tschechien gegründet; 1932 baute er die Fabrik in East Tilbury auf Grund der Nähe zu London und zu den Seehäfen. Noch im gleichen Jahr kam Baťa bei einem Flugzeugabsturz ums Leben und konnte so den Erfolg seiner englischen Dependance nicht mehr miterleben. Die tschechische Firma sorgte für das Wohl ihrer Arbeiterinnen und Arbeiter, indem sie dicht an den Fabrikhallen eine Siedlung mit Häusern errichtete, die bald „Bata-ville“ genannt wurde und alle Annehmlichkeiten enthielt, die zufriedene Schuhhersteller brauchten. Es gab Einkaufsmöglichkeiten, Freizeiteinrichtungen, Sportanlagen, ein Restaurant und ein eigenes Postamt. Das Fabrikdorf entstand nach Entwürfen von tschechischen Architekten.

Eigentlich hätte es in dieser Ecke von Essex immer so weitergehen können, aber leider veränderten sich die Zeiten. Etwa ab den 1960er Jahren verloren die Fabrikanlagen in East Tilbury an Bedeutung; die Firma Bata verlegte die Produktion ihrer Schuhe in andere Länder, und die Automatisierung der Herstellungsprozesse nahm von Jahr zu Jahr zu. 2005 war dann endgültig Schluss, und die Fabrik wurde geschlossen; ein herber Verlust für die kleine Stadt, die danach erst einmal in Elend versank.

Die Fabrikhallen wurden nicht abgerissen und stehen noch heute. Glücklicherweise hat sich in den letzten Jahren hier einiges getan: Der Thames Industrial Park entstand entlang der Princess Margaret Road, und eine ganze Reihe von Firmen haben sich hier niedergelassen. Auf der Rasenfläche neben dem ehemaligen Bata-Gebäude ist ein Statue zu Ehren des tschechischen Firmengründers errichtet worden. In der East Tilbury Library, direkt gegenüber, ist das Bata Heritage Centre entstanden, das sich um die Erinnerung an die Schuhfabrik und ihre Arbeiterinnen und Arbeiter kümmert. In diesem Film wird die Geschichte von Bata in East Tilbury noch einmal gezeigt.

Die verlassenen Fabrikanlagen in East Tilbury im Jahr 2015.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Die Bata Avenue mit Häusern der damals gebauten Bata-Siedlung.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. Juni 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Carlisle in der Grafschaft Cumbria – Home of Biscuits

Carr’s bzw. McVitie’s Biscuit Factory.
Photo © Andrew Curtis (cc-by-sa/2.0)

Das Krümelmonster aus der Sesamstraße würde sich in Carlisle in der Grafschaft Cumbria pudelwohl fühlen…werden hier doch massenweise Kekse hergestellt, in der größten Keksfabrik Englands, die schon 1831 von Jonathan Dodgson Carr gegründet wurde. Was wäre eine Tasse Tee in England ohne ein „biscuit“? Ich finde die Namen mancher dieser Kekssorten eher abschreckend wie „digestive biscuits„, der Verdauungskeks, oder „table water biscuits„, die überwiegend aus Mehl und Wasser bestehen. Carr’s Table Water Biscuits und all die anderen Sorten bekommt man so ziemlich in jedem Supermarkt des Landes, und wenn die einmal ausgehen sollten, gehen die Kunden auf die Barrikaden. Im Dezember 2015 kam es zu einem solchen „Keks-Engpass“, als die Fabrik in Carlisle von den Fluten des River Eden  überschwemmt wurde und erst im April des folgenden Jahres wieder hochgefahren werden konnte. Da gab es eine Zeit lang weder ginger nuts, custard creams oder water biscuits, und das war schon beinahe eine nationale Katastrophe. Von der Great British Biscuit Crisis wurde gesprochen; vielen schmeckte der Tee ohne eingetunkten Keks nicht mehr so richtig.

Etwa 80 000 Tonnen Kekse werden in der Fabrik in Carlisle hergestellt, die damit eine der größten der Welt ist. Würde man alle in einem Jahr hier produzierten Kekse nebeneinander legen, so würden diese zweimal die Erde umspannen. Die Briten verzehren mehr biscuits als jedes andere Land der Welt.

Wem die Fabrik in Carlisle, die offiziell McVitie’s heißt, aber immer noch Carr’s genannt wird, nun eigentlich gehört, ist im Laufe der Jahre immer undurchschaubarer geworden. United Biscuits? Pladis? Yildiz Holding? Diese Firmen sind alle irgendwie ineinander verwoben, aber egal, die Hauptsache ist, die Kekse schmecken den Briten nach wie vor.

Das Buch zum Artikel:
Hunter Davies: The Biscuit Girls – Love, life and hardship in a northern factory. Ebury Press 2014. 352 Seiten. ISBN 978-0091957643.  (Arbeiterinnen aus Carr’s Factory erzählen aus ihrem Leben).

Überflutungen in Carlisle im Dezember 2015. Die Keksfabrik ist rechts im Hintergrund zu sehen.
Photo © Rose and Trev Clough (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Mai 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Medical Detection Dogs in Great Horwood (Buckinghamshire)

Hier an der Winslow Road, südlich von Great Horwood, liegt der Greenway Business Park mit dem Ausbildungszentrum der Medical Detection Dogs.
Photo © Mr Biz (cc-by-sa/2.0)

Südwestlich von Milton Keynes in der Grafschaft Buckinghamshire liegt ein kleiner Ort namens Great Horwood. Die Gemeindekirche hier an der High Street heißt St James, der Dorfpub, The Swan Inn, liegt am Village Green und es gibt ein kleines Gewerbegebiet an der Winslow Road, den Greenway Business Park. Gewerbegebiete sind meistens sehr öde und bestehen überwiegend aus großen Lagerhallen, der Greenway Business Park hat aber eine Besonderheit, die in den letzten Wochen in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit gelangt ist. Hier werden die Medical Detection Dogs ausgebildet, in einem Flachbau, umgeben von Wiesen und Feldern. Diese hochspezialisierten Hunde sind in der Lage, Krankheiten des Menschen an deren Geruch zu erkennen, zum Beispiel Krebs oder Diabetes. Es dauert zwischen sechs und acht Monate, bis die Hunde in der Lage sind, diese Aufgaben zu übernehmen, und es spielt keine Rolle, welcher Rasse die Tiere angehören; ob Spaniel oder Labrador, die Hauptsache ist, dass sie eine gute Nase haben und dass ihnen die Aufgaben Spaß machen. Wenn man sich diesen Film ansieht, kann man erkennen, dass die Hunde mit viel Ehrgeiz und auch Spaß bei der Sache sind. Sie wohnen übrigens nicht in Ställen, sondern zuhause bei den Trainern bzw. bei Menschen, die sie in ihre Familien integriert haben.

In die Schlagzeilen gerieten die Medical Detection Dogs, weil man in Great Horwood gerade dabei ist, die Tiere zu trainieren, das Coronavirus zu erkennen. Zusammen mit der Durham University und der London School of Hygiene and Tropical Medicine werden zurzeit Tests unternommen. Sobald die Hunde in der Lage sind, das Virus zu erschnüffeln, könnte man sie beispielsweise an Flughäfen einsetzen, um ankommende Passagiere zu überprüfen, on sie das Virus in sich tragen.

Wenn man sich vorstellt, dass in China auf Märkten Hunde in Käfigen zum Verkauf angeboten und diese dann geschlachtet werden (jährlich werden dort mehr als zehn Millionen Hunde gegessen), und man die Bilder von den fröhlichen und für den Menschen so wichtigen Vierbeinern in Great Horwood sieht, kann es einem das Herz zerbrechen.

Medical Detection Dogs
3 Millfield
Greenway Business Park
Winslow Road
Great Horwood
Milton Keynes MK17 0NP

Published in: on 20. April 2020 at 02:00  Comments (2)  
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IKEA in Coventry – Ein Möbelhaus schließt seine Pforten

Am 16. Dezember 2007 war der Teufel los in der Innenstadt von Coventry (Warwickshire): Eine neue IKEA-Filiale wurde an der Croft Road eröffnet. Die Menschen standen Schlange und warteten, dass sich die Eingangstüren endlich öffneten, dann stürmten sie hinein, Kinder schwenkten gelbe IKEA-Fähnchen, es gab jede Menge Sonderangebote, der Laden brummte. Für £35 Millionen hatte das schwedische Möbelhaus ein architektonisch eindrucksvolles Gebäude in das Zentrum geklotzt, das auf sieben Verkaufsebenen seine Produkte feil bot.

Jetzt ist Katerstimmung in das Möbelhaus eingekehrt, denn vor einigen Tagen kündigte IKEA an, seine Filiale, eine von 22 in Großbritannien, im Laufe des Jahres zu schließen; so etwas hat es bisher noch nicht gegeben. 352 Arbeitsplätze werden wegfallen. Die Firma hatte schon über eine längere Zeit rote Zahlen geschrieben, die Kunden blieben mehr und mehr aus, so dass IKEA jetzt die Reißleine zog und das Ende seines riesigen Ladens ankündigte.

Wie konnte es dazu kommen? Hatten die Einwohner Coventrys keine Lust mehr, ihre gekauften Möbel mühsam selbst zusammenzuschrauben (was ich absolut nachvollziehen könnte!)? Es war wohl ein Fehler von Seiten der Firma, mitten im Stadtzentrum ein Kaufhaus zu erbauen. In den meisten Fällen werden diese Riesenkaufhäuser draußen auf der sogenannten „grünen Wiese“ konzipiert, mit entsprechend großen Parkflächen. Die Kosten für den Unterhalt des mehrstöckigen Gebäudes waren höher und die „shopping experience“ war für die Kunden geringer, das Aus für das Möbelhaus lag auf der Hand. Dazu kommt, dass sich das Kaufverhalten der Menschen nach und nach verändert hat; das heißt, Kunden ziehen die großen Einkaufszentren am Stadtrand vor, wo sie alles unter einem Dach haben, und dann kommt natürlich der ständig wachsende Online-Handel dazu. Ein Problem, mit dem selbstverständlich nicht nur IKEA zu kämpfen hat.

Wer in der nächsten Zeit in Coventry Appetit auf Köttbullar verspürt oder sich unbedingt ein Billy-Regal zulegen möchte, der muss die nächstgelegenen IKEA-Häuser in Birmingham, Nottingham oder Milton Keynes aufsuchen.

 

Published in: on 15. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Wer war eigentlich…“Fraser“ im Namen der Kaufhauskette House of Fraser?

Das weihnachtlich dekorierte House of Fraser in Manchester.
Photo © Matt Harrop (cc-by-sa/2.0)

Ich habe nur einmal ein Kaufhaus der Gruppe House of Fraser betreten und das war vor ein paar Jahren an einem total verregneten Tag in Aylesbury in Buckinghamshire. Ob wohl die Kunden dieser Kaufhäuser wissen, nach wem diese benannt worden sind? Eigentlich müssten sie House of Fraser and Arthur heißen, denn die Namen der beiden Firmengründer waren Hugh Fraser und James Arthur, die 1849 im schottischen Glasgow ein Textilwarengeschäft eröffneten. Währen sich James Arthur bald dem Großhandelsgeschäft widmete, konzentrierte sich Hugh Fraser (1815 – 1873) auf den Einzelhandel und baute seinen Laden zu einem der größten der Stadt aus. Als er 1873 starb, vermachte er seine Firma an seine fünf Söhne, von denen drei die Firma managten und zu weiteren Erfolgen führte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm House of Fraser andere Kaufhäuser und expandierte von Schottland nach England. Ende der 1950er Jahre gehörte sogar das Luxuskaufhaus Harrod’s zu der Firmengruppe. 1974 existierten Pläne, dass sich House of Fraser und die Drogeriekette Boots zusammenschließen wollten, was aber die Regierung verhinderte. 1985 übernahm die Familie Al-Fayed House of Fraser und expandierte weiter. 2006 ging House of Fraser in den Besitz der Highland Group Holdings Limited über, acht Jahre später kündigte sich ein neuer Besitzer an, die chinesische Warenhauskette Nanjing Xinjiekou Department Store Co. Konnte der ständige Eigentümerwechsel der Firma auf Dauer gut tun? Offensichtlich nicht, denn Mitte des vorigen Jahres schlossen 31 der 58 Kaufhäuser. Die britische Firma Sports Direct International übernahm die angeschlagene Warenhauskette und versucht diese am Leben zu halten durch Investitionen aber auch durch weitere Schließungen. Für Ende Januar 2020 soll voraussichtlich das House of Fraser in Milton Keynes geschlossen werden, wodurch 172 Arbeitsplätze wegfallen würden.

Eine Neuausrichtung der Kaufhäuser in Richtung „luxury lifestyle stores“ ist für das Jahr 2020 geplant. Es bleibt zu hoffen, dass es wieder einen Aufwärtstrend geben wird. Möge die von Hugh Fraser gegründete Firmengruppe erhalten bleiben (auch Morrisons, Debenhams, Sainsbury’s und Argos mussten in diesem Jahr Filialen schließen).

Ein HoF zur Weihnachtszeit in der Londoner Oxford Street.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die witzigen Werbspots von Hamlet Cigars

Eigentlich hasse ich Werbespots im Fernsehen und schalte sofort den Ton auf stumm, wenn ich schon wieder mit unzähligen pharmazeutischen Produkten zugedröhnt werden soll. Manchmal gibt es aber auch kleine Highlights in der Werbung, die sich Agenturen mit humorvollen Menschen ausgedacht haben. Dazu zählen die Werbspots der Hamlet Cigars, die im britischen Fernsehen seit den 1990er Jahren nicht mehr gesendet werden dürfen, da Tabakwerbung untersagt worden ist.

Hamlet Cigars kamen 1964 auf den britischen Markt und um die neuen Zigarren bekannt zu machen, wurde die Werbeagentur Collett Dickenson Pearce eingeschaltet, die sich den Werbespruch „Happiness is a cigar called Hamlet“ einfallen ließ. Ian Warriner und Rob Currothers dachten sich auch die kurzen witzigen Werbespots aus, mehr als hundert sollten es werden, von denen einige mit Preisen ausgezeichnet wurden. So bezeichnete eine internationale Jury den Spot „Photobooth„, in dem Schauspieler und Comedian Gregor Fisher zu sehen ist, als den besten der Welt.

Hier sind einige weitere Werbespots zu sehen wie „Airport„, „Balloonist„, „Beach Telescope“ und „Sidecar„.

Published in: on 26. Oktober 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Dies und das über McDonald’s UK

McDonald’s UK Headquarter in East Finchley, London.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

In den USA gibt es einen Punkt im Bundesstaat South Dakota, wo die dort ansässigen Menschen etwa 200 Kilometer fahren müssen, um zum nächsten McDonald’s zu kommen. Rekord für die USA (ausgenommen sind die Staaten Alaska und Hawaii). Da haben es die Burger-Fans in England besser, wo niemand so viele Kilometer zurücklegen muss, um seinen geliebten Big Mac verzehren zu können. Das Filialnetz der US-Firma ist dicht gewebt in England, knapp 1300 McD-Stationen gibt es im Land, von denen mehrere hundert sogar rund um die Uhr geöffnet haben und in denen über 115 000 Menschen arbeiten.

Das erste McDonald’s im Königreich wurde im Oktober 1974 im Süd-Londoner Stadtteil Woolwich in der Powis Street eröffnet, und seitdem gibt es überall im Land die Schnellrestaurants mit den goldenen Bögen, das heißt bis auf die kleine Grafschaft Rutland, die sich bisher erfolgreich gegen die Firma gewehrt hat. Das könnte sich aber ändern, denn McDonald’s hat jetzt seine Scheinwerfer auf Oakham gerichtet, die County-Hauptstadt, doch das wollen die Bürger unbedingt verhindern; was die Bewohner von Tavistock in Devon schon einmal geschafft haben, nachdem die Burger-Kette 1997 ein Restaurant dort eröffnet hatte. Viele Bürger (nicht Burger!) gingen dort einfach nicht hin, sie boykottierten es, und nach neun Jahren entschied sich McDonald’s, den Laden zu schließen und Tavistock den Rücken zu kehren.

In London gibt es selbstverständlich die meisten McDs, am dichtesten ist das Netz in Westminster. Mirror Online hat vor drei Jahren die Dichte der McDonald’s-Filialen in Großbritannien untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass in Westminster ein McD auf 13,461 Menschen kommt; im Landesdurchschnitt sind es 1: 52 763. Erstaunlich ist, dass der zweite Platz von einer Provinzstadt eingenommen wird, von Bolsover in Derbyshire, wo das Verhältnis McD:Einwohner bei 19,445 liegt.

BirminghamLive hat 2018 festgestellt, dass nach London die zahlenmäßig meisten Filialen in Birmingham zu finden sind, nämlich 22. Es folgen Glasgow mit 18 und Leeds mit 15.

Das Hauptquartier von McDonalds UK befindet sich in Nord-London, im Stadtteil East Finchley in der High Road.

Ein rund um die Uhr geöffnetes McDonald’s im Londoner Stadtteil Wandsworth.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Eines der 22 McDonald’s-Restaurants in Birmingham.
Photo © Michael Westley (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. Oktober 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Wer war eigentlich… Ann Summers?

Das Hauptquartier der Firma in Whiteyleafe (Surrey).
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

In meiner losen Serie über englische Firmennamen komme ich heute auf die Ladenkette Ann Summers zu sprechen, die in vielen High Streets des Landes zu finden ist. Ann Summers ist etwa vergleichbar mit den deutschen Beate Uhse-Geschäften, hier werden also in erster Linie sexy Lingerie und Sexspielzeug verkauft.

Das Unternehmen Ann Summers entstand 1970, und das erste Geschäft öffnete in diesem Jahr in der Londoner Wardour Street. Gründer war der Unternehmer Michael Caborn-Waterfield (1930-2016), der den Spitznamen Dandy Kim hatte, eine schillernde Figur der Londoner Society, der sich zahlloser Affären mit Frauen rühmte. Eine davon war die 1941 geborene Annice Summer, die auch für ihn arbeitete. Als er für seine geplanten Sex Shops einen Namen suchte, wollte er seinen eigenen nicht verwenden, sondern benutzte den seiner Freundin, den er leicht abwandelte. Von nun an konnten die Damen des Landes ihre erotischen/sexuellen Wünsche in Ann Summers-Läden wahr werden lassen.

Die Namensgeberin überwarf sich bald mit ihrem Arbeitgeber, verließ die Firma und siedelte sich in Italien an. Im Jahr 2012 starb sie an Krebs.

Die Geschäftsführerin des Unternehmens ist seit 1987 Jacqueline Gold, die zu den wohlhabendsten Frauen des Königreichs gehört, und die Ann Summers zu einer florierenden Firma ausgebaut hat, mit einem Jahresumsatz jenseits der £100 Millionen. Eine Besonderheit von Ann Summers sind die Verkaufsparties wie man sie von der Firma Tupperware her kennt. Bei privaten Verkaufsveranstaltungen, zum Beispiel bei einem Glas Sekt, werden die Produkte einem kleinen Kreis von interessierten Damen präsentiert, die sich dann vor Ort für die passende Unterwäsche oder für das interessanteste Sexspielzeug entscheiden können.

Das Hauptquartier von Ann Summers liegt an der A22, der Godstone Road, in Whiteyleafe in Surrey. Dort gibt es auch einen Factory Shop, in dem man Produkte des Hauses zu reduzierten Preisen erstehen kann.

Das Buch zum Artikel:
Jacqueline Gold: Good Vibrations – True Story of „Ann Summers“. Pavillion Books 1995. 192 Seiten.  978-1857937428.

Der Factory Shop.
Photo © tristan forward (cc-by-sa/2.0)

Eine Filiale in Huddersfield (West Yorkshire).
Photo © Betty Longbottom (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. Oktober 2019 at 07:15  Kommentar verfassen  
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Geo. F. Trumper – Londons erste Adresse für die perfekte Rasur und den optimalen Haarschnitt

Das Hauptgeschäft in der Curzon Street.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Der richtige Londoner Gentleman kennt nur eine Adesse, wenn er sein Haar perfekt schneiden lassen oder sich eine optimale Rasur gönnen will: Geo. F. Trumper in der Curzon Street Nummer 9 in Mayfair. Seit 1875 gibt es diesen „traditional hairdresser“ hier schon, und das Geschäft bzw. die Geschäfte, es gibt noch eins in der Duke of York Street Nummer 1 in St James’s, wird noch immer von jemandem aus der Trumper-Familie geleitet.

Was erwartet den Gentleman nun hier bei Trumper’s? Hier wird nicht nur einfach rasiert, hier wird ein Ritual zelebriert. Die Gesichtshaut wird mit edlen Tinkturen vorbereitet, mit heißen Tüchern verhüllt, dann kommt die Rasur, wieder wird das Gesicht, diesmal mit kalten Tüchern, verhüllt; anschließend kommt noch eine Gesichtsmassage dazu und als Krönung dieser wahrhaft royalen Rasur wird noch ein Feuchtigkeitscreme aufgetragen. Fertig!

Die Kunden von Geo. F. Trumper können die Kunst des Rasierens auch gern erlernen und zwar in der „Shaving School„, wo die Profis zeigen, was der Normalrasierer alles falsch macht und wie man es richtig anstellt.

Natürlich arbeitet die Abteilung „Hairdresser“ nach den gleichen traditionellen Methoden.

Wem der Weg in die Curzon Street bzw. in die Duke of York Street zu weit ist, der kann sich zumindest mit den erlesenen Produkten zur Haarpflege oder zur Rasur der Firma Geo. F. Trumper via Online-Kauf eindecken. Dass diese Dinge alle ihren Preis haben, versteht sich von selbst. So kann ein „Travel Shaving Set“ schon einmal bis zu £200 kosten.

Am besten, man sieht sich das alles einmal in einem Film an.

Das Buch zum Artikel:
Michael Ham: Leisureguy’s Guide to Gourmet Shaving. CreateSpace 2011. 142 Seiten. ISBN 978-1463595340

The Mayfair Shop
9 Curzon Street
London W1J 5HQ
 

Published in: on 21. September 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Henry Poole & Co. – Royal Livery Maker in Londons Savile Row

Die Uniformen der Bediensteten des englischen Königshofes kann man nicht von der Stange kaufen, dafür gibt es ein spezielles Geschäft in London. Henry Poole & Co. hat die Ehre, seit der Herrschaft Königin Victorias, das Königshaus mit Livreen zu beliefern. Seit 1869, als die Firma den Royal Warrant erhielt, tragen also die Diener, Chauffeure und andere Bedienstete des Hofes Dienstkleidung aus der noblen Savile Row, wo der Firmensitz des „Livery Tailors“ ist.

Doch nicht nur Livreen werden hier hergestellt, sondern auch exklusive Anzüge. „Bespoke Tailoring“ ist eine der Spezialitäten der Firma, d.h. die Anzüge werden exakt nach den Wünschen des Kunden in Absprache mit dem Schneider durchgeführt, so dass eine Passgenauigkeit garantiert wird.
Henry Poole bietet darüber hinaus auch die passenden Accessoires wie Krawatten, Manschettenknöpfe oder Regenschirme. Dass alle diese Gegenstände aus dem besten Material sind, versteht sich von selbst.

Wer nicht in London wohnt, kann sich von der Firma auch in seinem Heimatland beraten lassen und Aufträge erteilen, denn Henry Poole reist in der ganzen Welt herum und bietet seine Serviceleistungen in Hotels der großen Städte an, wo man sich in aller Ruhe Maß nehmen lassen kann.

Hier ist ein Film über die Londoner Firma.

Henry Poole & Co
15 Savile Row
London W1S 3PJ 

Published in: on 3. Juli 2019 at 05:50  Kommentar verfassen  
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John Lobb – Ein Schuhmacher der Extraklasse in London

So wenig man bei der High Street-Ladenkette Boots, trotz des Namens, Schuhe kaufen kann, so wenig kann man bei John Lobb Bootmaker in der Londoner St James’s Street Nummer 9 Schuhe „von der Stange“ kaufen. Wer schnell ein paar Schuhe benötigt, ist bei der Firma Lobb am falschen Platz, denn man muss in der Regel ca sechs Monate warten, bis sie fertig werden, hier wird alles von Hand hergestellt. Der Edelschuhmacher hat sogar Repräsentanten, die regelmäßig durch die Welt fahren und die Maße der Füße ihrer wohlhabenden Klientel nehmen. Bei diesem Aufwand ist es nicht verwunderlich, dass die „hand-made shoes“ nicht unter tausend Pfund zu haben sind. Der Käufer muss schon tief in die Tasche greifen, wenn er bei John Lobb etwas erwerben möchte, dafür halten dann die Schuhe auch ein Leben lang.

Prince Charles, Frank Sinatra, Rex Harrison, Aristoteles Onassis und Margaret Thatcher gehören/gehörten zum Kundenkreis der Firma, die schon 1849 von besagtem John Lobb (1829-1895) gegründet wurde. Bis heute ist die Firma erstaunlicherweise noch immer in der Hand der Familie. Es gibt noch einen zweiten Strang, John Lobb Paris, der 1976 von der Firmengruppe Hermès  übernommen worden ist (der Firmengründer hatte im Jahr 1900 einen weiteren Laden in der französischen Hauptstadt eröffnet) und dort kann man „ready-to-wear shoes“ kaufen.

Natürlich hat das Unternehmen in der St James’s Street auch Royal Warrants; es ist Hoflieferant für Prince Charles und den Duke of Edinburgh.

Dieser Film der British Pathé aus dem Jahr 1945 zeigt wie damals die Schuhe angefertigt wurden und in diesem Film kann man sehen wie es heute bei der Firma John Lobb zugeht (auch nicht viel anders).

John Lobb
9 St. James’s Street
London
SW1A 1E

„The most beautiful shop in the world“, so das Esquire Magazine.
Author: OlafJanssen
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Published in: on 28. Mai 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Ghost signs in London – Alte Fassadenreklamen, die wieder eine Fangemeinde gefunden haben

In der Tottenham High Road.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Um wieder einmal auf eine Wikipedia-Definition zurückzugreifen: „A ghost sign is an old hand-painted advertising sign that has been preserved on a building for an extended period of time. The sign may be kept for its nostalgic appeal, or simply indifference by the owner“. Ghost signs sind also alte Fassadenreklamen, die mehr oder weniger verblichen sind, die aber einen gewissen Charme entwickelt haben. Die Firmen oder Fabriken für die sie geworben haben, existieren längst nicht mehr an der Stelle, man hat sich aber nicht mehr darum gekümmert, die Schriftzüge zu entfernen.
Diese Art „Industriekunst“ hat inzwischen Interessenten gefunden und in London werden Führungen angeboten, bei denen in bestimmten Stadtteilen diese ghost signs vorgestellt werden. Am 23. Mai bietet beispielsweise Jane Parker von 11 Uhr bis 12.30 Uhr die Tour „Ghost Signs of Holloway – handpainted history of N7“ an, bei der sie die Besucher durch den nördlichen Londoner Stadtteil Holloway führt und ihnen mehr als zehn ghost signs zeigt. Bereits am 17. Mai unternimmt sie eine Tour durch Islington mit dem Titel „Boxes, Babies, Beans and Bras… ghostsigns above and around the Regents Canal„.

Man kann sich auch eine App herunterladen, um auf eigene Faust eine Tour auf den Spuren von alten Fassadenreklamen zu unternehmen.

Der History of Advertising Trust hat ein Ghostsigns Archive zusammengestellt, in dem über 1100 Fassadenreklamen aus ganz Großbritannien dokumentiert sind.
Seine ganz persönlichen Londoner Top 10 hat der Experte Sam Roberts auf den Webseiten von „londonist.com“ veröffentlicht.

Man findet übrigens beide Schreibweisen im Englischen, einmal „ghost sign“ in zwei Wörtern und einmal „ghostsign“ zusammengeschrieben.

Im Stadtteil Highgate.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

In der Union Street in Southwark.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Am Acton Lane in Acton.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

…und noch einmal an der Tottenham High Road.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Mai 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Die Poppy Factory in Richmond (Surrey) – Seit 1922 im Zeichen der Klatschmohnblüte

Author: Nickeaglesfield.
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Seit 1921 wird in England jedes Jahr am 11. November der Remembrance Day gefeiert. Zur Erinnerung an den 1. Weltkrieg steckt man sich dort an diesem Tag eine Klatschmohnblüte, eine Poppy, aus Papier ans Revers. Die Poppies sind in der englischsprachigen Welt zum Symbol für den „Großen Krieg“ geworden.
John McCrae schrieb in seinem Gedicht „In Flanders Fields„:

In Flanders fields the poppies blow
Between the crosses, row on row,
That mark our place; and in the sky
The larks, still bravely singing, fly
Scarce heard amid the guns below

Die künstlichen Klatschmohnblüten werden seit 1922 in der Poppy Factory hergestellt, die zuerst in London an der Old Kent Road lag, 1933 aber nach Richmond (Surrey) umzog.
Die nach dem 1. Weltkrieg gegründete Disabled Society hatte das Ziel, den im Krieg verwundeten und dadurch behinderten Soldaten zu helfen und so kam man auf die Idee, die Poppies durch diese Menschen herstellen zu lassen. Nach Absprache mit der Royal British Legion entwickelte man Poppies, die auch ein Behinderter mit nur einer Hand herstellen konnte. Schon nach wenigen Monaten stieg die Zahl der Beschäftigten von 5 auf 50.

Auch heute werden die Poppies von Männern und Frauen hergestellt, die einmal in der Armee gedient haben und behindert sind. 50 davon arbeiten in der Fabrik und etwa 50 sind Heimarbeiter. Viele Millionen Poppies für den Remembrance Day werden hier jährlich hergestellt, sowie 86 000 Kränze und Sträuße und 900 000 Remembrance Kreuze.

Man kann die Poppy Factory auch besichtigen: Zweimal am Tag werden Führungen für Gruppen durchgeführt, die jeweils zwei Stunden dauern.

Hier ist ein Film über die Factory.

In Schottland gibt es etwas Vergleichbares: Lady Haig’s Poppy Factory in Edinburgh.

The Poppy Factory
20 Petersham Road
Richmond, Surrey, TW10 

Published in: on 13. Mai 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Purdey & Sons – Londons berühmter Hersteller von Jagdwaffen

Audley House in Mayfair.
Author: Joshua Wood
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57-58 South Audley Street (Audley House), London, lautet die Adresse des Waffenherstellers Purdey & Sons im noblen Stadtteil Mayfair und das schon seit 1882, obwohl die Firma schon länger existiert und zwar seit 1814. James Purdey war der Gründer der Firma, die bis zum Jahr 1946 in der Hand der Familie blieb. Heute ist sie im Besitz des Schweizer Luxusgüterkonzerns Compagnie Financière Richemont.

Wer sich den Jagdfreuden hingab bzw. noch heute hingibt, für den ist eine Waffe aus dem Hause Purdey das Nonplusultra, wenn er sich es denn leisten kann, denn die „bespoke rifles“, also die nach den Wünschen des Auftraggebers hergestellten Waffen, sind sehr teuer. Für eine neue Purdey Gun sollte man schon ein Minimum von rund £90 000 einkalkulieren. Zum Service der Firma gehört auf Wunsch auch die sichere Aufbewahrung der Gewehre, die Wartung und Pflege und die Wertermittlung älterer Modelle.

Royal Warrants sind für eine Firma natürlich Gold wert. Hoflieferant ist auch Purdey & Sons, und zwar gleich dreimal: Für die Queen, ihren Ehemann Prinz Philip und für Prinz Charles. Schon 1868 erkor der damalige Prince of Wales (der spätere Edward VII.) Purdey zum royalen Waffenlieferanten, 1878 folgte Queen Victoria.

Die Firma bietet neben ihren Schusswaffen auch noch andere „Jagdaccessoires“ an wie Jagdmesser (deren Preise schon einmal vierstellig sein können), Ferngläser, Handschuhe, Kappen und entsprechende Kleidung für die Dame und den Herrn, alles zu recht hohen Preisen, aber wer sich ein Purdey-Gewehr leisten kann, für den spielt das keine so große Rolle.

Hier ist ein Film, der die Firma vorstellt.

Das Buch zum Artikel:
Donald Dallas: James Purdey & Sons – Gun & Riflemakers: Two Hundred Years of Excellence. Quiller Publishing 2013. 472 Seiten. ISBN 978-1846891649.

Ein Blick in das Schaufenster von Purdey & Sons in der Audley Street.
Photo © Anthony O’Neil (cc-by-sa/2.0)

Eine sidelock shotgun der Firma Purdey.
Photo © Des Colhoun (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. April 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Bicester Village – Ein Factory-Outlet-Centre in der Nähe von Oxford

Mir fällt kein deutsches Wort für Factory-Outlet-Centre ein. Die Wikipedia bietet Fabrikverkaufszentrum, Herstellerdirektverkaufszentrum und Fabrikabsatzzentrum an, doch im Deutschen hat sich der englische Begriff eingebürgert. Man bekommt in diesen Einkaufszentren Produkte namhafter Hersteller unter dem Normalpreis angeboten.
Das 1995 eröffnete Bicester Village, nördlich von Oxford am Rand der Stadt Bicester gelegen, ist ein solches Outlet-Centre, in Form einer Dorfstraße angelegt,  und es gehört zu den größten dieser Art in Großbritannien. Hier werden hauptsächlich Textilien, aber auch Schuhe, Schmuck und andere Dinge angeboten, überwiegend im oberen Preisbereich.
Bei meinem Besuch regnete es die meiste Zeit und da das Outlet-Centre nicht überdacht ist, musste man ständig von einer Markise, die glücklicherweise ausgefahren waren, schnell zur nächsten laufen und bei Tommy Hilfiger, Versace oder Armani Unterschlupf suchen. Hier finden sich so ziemlich alle namhaften Modefirmen Europas, die einen zum Teil erheblichen Preisnachlass gewähren, daher war der riesige Parkplatz morgens um 10 Uhr schon fast voll. Wem die Parkplatzsuche zu mühsam ist, kann sich für £35 vorab einen Wagenparkdienst bestellen, der einem die Arbeit abnimmt.

Auffällig ist im Bicester Village die ungewöhnlich hohe Zahl an chinesischen Besucherinnen (ja, es sind meist jüngere Damen aus dem Fernen Osten); es heißt, dass für chinesische Touristen das Bicester Village gleich an zweiter Stelle nach dem Londoner Buckinghampalast als beliebteste Sehenswürdigkeit in Großbritannien kommt. In vielen Schaufenstern findet man chinesische Schriftzeichen, und man sieht auch viele chinesische Verkäuferinnen. Von London aus bringen die Züge der Chiltern Railways kaufwütige Touristen aus China und aus anderen Länden in 46 Minuten von Marylebone bis zur Bicester Village Station. Damit sich die Damen und Herren aus Fernost nicht mit englischem Essen herumschlagen müssen, gibt es im Centre auch das chinesische Shan Shui Restaurant. Wer mehr auf britischer Kost steht, kann den ganzen Tang lang im The Wolseley (ein Ableger des berühmten gleichnamigen Londoner Restaurants) frühstücken, lunchen und dinieren.

Da ich die Hemden des Londoner Modelabels Ted Baker sehr mag, kaufte ich in der Nummer 61 des Centres sehr günstig ein.

Das Outlet-Centre ist an jedem Tag geöffnet, selbst sonntags von 10 Uhr bis 19 Uhr.

Wer mag, kann in diesem Film einer hübschen jungen Dame auf ihrem ausgiebigen Shopping Trip folgen.

Bicester Village
50, Pingle Drive
Bicester
Oxfordshire OX266WD

Der immer volle Parkplatz.
Photo © Jeremy Bolwell (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. März 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Wer war eigentlich…Boots the Chemist?

Boots in der High Street von Guildford (Surrey).
Photo © Stacey Harris (cc-by-sa/2.0)

Die Drogeriekette Boots gehört zu den typischen High Street-Läden englischer Städte. Hier kann man alles kaufen, was in irgendeiner Form mit Gesundheit und Schönheit zu tun hat. Es gibt eine eigene Abteilung „Apotheke“, wo man seine Rezepte einlösen kann, Kosmetika werden in großer Auswahl angeboten, sogar Spielzeug und Fotoartikel. Wenn man einmal dringend etwas braucht, bei Boots wird man meistens fündig.

Woher kommt nun der Name? Hat er etwas mit Stiefeln (boots) zu tun? Nein. Es gab tatsächlich einmal vor langer Zeit jemanden mit dem Nachnamen Boot und zwar der Firmengründer. 1849 gründete John Boot  (1815–1860), die Firma, die seinen Namen trug und sein Sohn Jesse Boot, 1st Baron Trent (1850-1931), machte daraus eine Einzelhandelskette, die sich „Chemists to the Nation“ nannte. Dann folgte eine turbulente Zeit. Die Firma wurde an ein US-Unternehmen verkauft, dann wieder nach England zurückverkauft. Boots kaufte andere Firmen auf und stieß sie wieder ab. 2006 verbanden sich Boots und Alliance UniChem unter dem Namen Alliance Boots plc, das wiederum von dem New Yorker Unternehmen Kohlberg Kravis Roberts & Co übernommen wurde. Von diesen ganzen Veränderungen nahmen wohl die Leute, die bei Boots regelmäßig ihre Zahnpasta oder ihr Haarspray kaufen, kaum etwas mit.

In der High Street von Dorking (Surrey).
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. März 2019 at 02:00  Comments (6)  
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M. Manze – Londons ältester Pie, Mash and Eel Shop

M. Manze in der Tower Bridge Road.
Copyright: Kake
Creative Commons 2.0

In früheren Zeiten gab es in der Themse so viele Aale, dass sie massenhaft gefangen werden konnten und als Arme-Leute-Essen galt. Jellied Eel, also Aal in Gelee, wurde in vielen Londoner Lokalen serviert, von denen eines aus dem Jahr 1902 erhalten geblieben ist: M. Manze, „The Home of Pie and Mash“, dessen Spezialität nach wie vor diese besondere Zubereitungsform des Aals ist. In der Tower Bridge Road eröffnete Michele Manze sein Restaurant, heute gibt es noch zwei weitere „Zweigstellen“, eine in der High Street von Peckham und eine in der High Street von Sutton, beide im Süden der Stadt gelegen.

Die 1878 aus Ravello in Süditalien eingewanderte Manze Familie etablierte sich bald in der Londoner Restaurantszene, da sich auch Micheles Brüder mit eigenen Lokalen selbständig machten. Luigi Manze eröffnete 1929 zum Beispiel in der High Street von Walthamstow seinen Eel, Pie and Mash Shop, der mittlerweile unter Denkmalschutz steht. Hier ist ein Film über das Lokal.

M. Manze ist so populär geworden, dass sie sogar eigene T-Shirts, Kaffeebecher und Geschirrhandtücher mit einem entsprechenden Aufdruck verkaufen. Wer möchte, kann seinen Aal in Gelee vor Ort essen, ihn mitnehmen oder sich zuschicken lassen.

M. Manze
87 Tower Bridge Road
London SE1 4TW

Aal in Gelee.
This work is released into the public domain.

M. Manze in der High Street von Peckham.
Photo © Robin Stott (cc-by-sa/2.0)

Luigi Manzes Lokal in der High Street von Walthamstow.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. März 2019 at 02:02  Comments (3)  
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Was der River Soar in Leicestershire und der indische Ganges gemeinsam haben

Von hier aus in Barrow on Soar starten die Fahrten der Firma Barrow Boating.
Photo © Roger Kidd (cc-by-sa/2.0)

Der River Soar ist etwa 95 Kilometer lang und fließt überwiegend in der Grafschaft Leicestershire. Er entspringt in der Nähe von Hinckley und mündet in den River Trent. Ich bin ihm einmal in der Stadt Leicester begegnet, wo angeblich der Leichnam von König Richard III. nach der Schlacht von Bosworth hineingeworfen worden sein soll, was sich aber vor wenigen Jahren als Irrtum erwies, als man sein Skelett unter einem Parkplatz mitten in der Stadt fand.

Im Vergleich zu dem über 2600 Kilometer langen Ganges in Indien ist der Soar natürlich nicht der Rede wert, aber beide Flüsse haben eine Gemeinsamkeit: Sie werden als Ort benutzt, in denen die Asche verstorbener Hindus verstreut wird. Es gibt eine große asiatische Gemeinde in England und nicht viele können es sich leisten, die Asche ihrer Verstorbenen nach Indien zu bringen, um sie dort dem Ganges zu übergeben, also suchte man in England nach einer Alternative und fand sie im River Soar bei dem Dorf Barrow on Soar. Dort betreibt die Firma Barrow Boating am Ende des Mill Lane einen Bootsverleih und hat sich auf die Ausführung von Flussbestattungen spezialisiert. In einer ruhigen, etwas abgeschiedenen Biegung des Flusses wird die Asche in den Soar verstreut und das geschieht mit den gleichen Zeremonien wie sie in Indien üblich sind.

Natürlich musste erst die Environment Agency ihre Einwilligung für die Flussbestattungen geben, aber diese sah keine grundsätzlichen Probleme, erließ aber einige Auflagen, die zu beachten sind, so dürfen bei den Zeremonien keine Gegenstände ins Wasser geworfen werden, die an das Ufer getrieben werden können. Barrow Boating setzt ein Boot ein, auf das bis zu zwölf Personen passen, die Zeremonie dauert in der Regel bis zu einer Stunde. Diese Form der Beisetzung ist nicht nur auf Hindus und Sikhs beschränkt, sie kann von jedermann in Anspruch genommen werden.

Die Environment Agency hat noch einige andere Stellen an englischen Flüssen freigegeben, an denen Bestattungen dieser Art durchgeführten können wie zum Beispiel auf der Themse bei Kingston, Richmond und der Lambeth Bridge im Zentrum von London.

Der River Soar bei Barrow in Leicestershire.
Photo © Roger Kidd (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Februar 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Blockley (Gloucestershire) – Hier werden Beiwagen für Motorräder hergestellt

Blockley in den Cotswolds.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

Blockley ist ein Dorf in den Cotswolds, das zur Grafschaft Gloucestershire gehört. Hier gibt es zwei Pubs, einen Dorfladen und die Kirche St Peter and St Paul, die für die BBC-Serie „Father Brown“ verwendet wurde und noch wird; darin heißt sie St Mary’s Roman Catholic Church.

Im außerhalb des Ortes gelegenen Northwick Business Centre finden wir die Firma Watson Squire Ltd die sich auf die Herstellung von Motorradbeiwagen spezialisiert hat. Die Kombination Motorrad plus Beiwagen ist sowohl auf deutschen als auch auf englischen Straßen eher selten zu sehen (laut Wikipedia beträgt in Deutschland der Zulassungsanteil im Segment Krafträder 0,6 Prozent).

1912 gründete T.F. Watson in Birmingham die Watsonian Folding Sidecar Co., deren Produkte im Ersten Weltkrieg eingesetzt wurden. Auch nach dem Krieg war immer eine gewisse Nachfrage nach Mororradbeiwagen da, und die Produktion florierte besonders in den 1950er Jahren, bevor sie in den 1960er Jahren, als sich immer mehr Menschen Autos leisten konnten, drastisch abnahm. 1984 zog die Firma nach Blockley in Gloucestershire um und fusionierte vier Jahre später mit Squire Sidecars, die 1973 in Bidford-on-Avon (Warwickshire) gegründet worden war und die sich, neben der Produktion von Beiwagen, auf die Herstellung von Motorradanhängern spezialisiert hatte. Heute ist  Watson Squire Ltd der größte Produzent für „sidecars“ in Großbritannien.

Ein Beiwagen der Firma Watson Squire Ltd.
Author: Steve Parker
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