Wer war eigentlich… John Lewis, nach dem die Kaufhauskette benannt wurde?

Das Flaggschiff in der Londoner Oxford Street-
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

50 John Lewis-Kaufhäuser gibt es Großbritannien; das ist im Vergleich zum Konkurrenten Marks&Spencer nicht allzuviel, der über 375 Läden im ganzen Land verfügt. Dafür gehört John Lewis zu den hochwertigeren Kaufhäusern auf dem britischen Markt mit einem Umsatz von geschätzten £3,7 Milliarden für dieses Jahr.

Die Kunden, die in der Warenhauskette ein und ausgehen, werden sich wohl kaum Gedanken darüber machen, wer John Lewis, der Gründer der Department Stores, eigentlich war.

John Lewis wurde 1836 im ländlichen Shepton Mallet in Somerset in der Town Street geboren. Er machte eine Lehre in einem örtlichen Textilwarengeschäft und ging schon im zarten Alter von 14 Jahren nach London, wo er eine Stelle im Textilkaufhaus von Peter Robinson in der Oxford Street  fand, sich dort langsam hocharbeitete und Spezialist für den Einkauf von Seide wurde. 1864 eröffnete John Lewis ein eigenes Geschäft, ebenfalls in der Oxford Street, das er so erfolgreich führte, dass er daraus später in den 1880er Jahren ein Kaufhaus machte, in dem er ein viel größeres Warenspektrum anbot. 1905 übernahm er das Kaufhaus von Peter Jones am Sloane Square in Chelsea, das noch heute zu der Firmengruppe von John Lewis gehört. Bis ins hohe Alter von 95 Jahren hielt der Firmenchef die Zügel in der Hand, unterstützt von seinen Söhnen Oswald und John Spedan, wobei sich aber letzterer stärker einbrachte, während sich Oswald in der Politik engagierte.
Am 8. Juni 1928 starb John Lewis in seinem Haus Spedan Tower in Hampstead, das er schon 1888 gekauft hatte. Dort am Grange Garden findet man an einer kleinen Mauer eine Plakette mit der Inschrift:

„John Lewis Silk Mercer Of Oxford Street Resided At Spedan Tower Hampstead From 1888 To 1928 As Did His Elder Son John Spedan Lewis Later Founder Of The John Lewis Partnership This Plaque Is Placed Near The Site Of Spedan Tower“.

Das Flaggschiff der Kaufhauskette John Lewis liegt nach wie vor in der Oxford Street (Nummer 300).

Hier ist einer der diesjährigen Weihnachtswerbespots von John Lewis und hier ein Rundgang durch das weihnachtlich geschmückte Kaufhaus in der Oxford Street.

Die Town Street in Shepton Mallet (Somerset), in der John Lewis 1836 geboren wurde.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

Eine Filiale in Newbury (Berkshire).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. November 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Pimlico Plumbers – Eine recht ungewöhnliche Sanitärinstallationsfirma in London

Vor einigen Jahren habe ich in meinem Blog über die englische Transportfirma Eddie Stobart und ihre LKWs geschrieben, die alle einen weiblichen Namen haben. Immer wenn ich einem dieser Trucks begegne, geht mein Blick automatisch zum Kühlergrill, wo dann Namen wie Anysia Rose, Nina Jonet oder Suki Alanna stehen.

Etwas Ähnliches macht die größte Londoner Firma für Sanitärinstallationen Pimlico Plummers (hier ist ein TV-Werbespot) mit ihren 200 Kleintransportern, deren Nummernschilder zum großen Teil in irgendeiner Form auf das Gewerbe hindeuten. Da gibt es Autos mit den Nummern „FIUSH“, „7OILET“, „B1DET“, „DRA11N“ oder „3LOO“. Der Firmenchef Charlie Mullins ist bereit, auch einmal tief in die Tasche zu greifen, um diese speziellen Nummernschilder zu erwerben, so gab er £35 000 für „CA11 OUT“ aus; schon ein bisschen schräg. Aber die Pimlico Plumbers machen immer wieder durch ungewöhnliche Aktionen von sich reden. Sie sind die Installateure der Stars und haben schon für Boy George, Chris Tarrant, Diana Rigg und Felicity Kendall gearbeitet. Die Firma zeichnet sich durch Qualitätsarbeit aus, verlangt dafür aber auch nicht gerade wenig Geld. In der Regel werden wochentags zur normalen Arbeitszeit £100 pro Stunde in Rechnung gestellt; das kann aber bis zu £250 hoch gehen, wenn man den nächtlichen Notdienst anfordert.

Der Firmenchef und Brexitgegner Mullins expandiert mit seinen Pimlico Plumbers von Jahr zu Jahr und gehört zu den erfolgreichsten Unternehmern Londons.

Ins Gespräch kam die Firma, als sie vor einigen Jahren Buster Martin im Alter von 97 Jahren anstellte, der noch bis zu seinem 104. Lebensjahr als Wagenpfleger für die Pimlico Plumbers arbeitete und damit der älteste Arbeitnehmer im Königreich war (er starb 2011).

Wie es in der Einsatzzentrale zugeht, zeigt dieser Film.

Jedes Jahr zu Weihnachten bzw. schon einige Wochen vorher, wird das Hauptquartier der Firma in der Sail Street in Lambeth entsprechend herausgeputzt, und das Switch-On ist immer ein riesiges Happening, das von einem Prominenten vorgenommen wird, im vorigen Jahr war es der Schauspieler und Comedian Bobby Davro. Hier ist ein Film darüber.

Der Firmensitz in der Sail Street in Lambeth.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Die Weihnachtsdekoration in der Sail Street.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 2. November 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Barter Books in Alnwick (Northumberland – Eine der interessantesten Buchhandlungen Englands

Als 1968 die „Beeching Axe“ auch die Bahnlinie von Alnwick in Northumberland traf, stand das Bahnhofsgebäude lange leer, bis es im Jahr 1991 von Stuart und Mary Manley übernommen wurde, die darin eine Buchhandlung mit gebrauchten Büchern eröffneten, die sie Barter Books nannten (von „barter“ = Tauschgeschäft). Damals hätten sie sich nicht träumen lassen, dass ihre Buchhandlung weit oben im Nordosten Englands derart erfolgreich sein würde, dass das New Statesman Magazine sie als „The British Library of secondhand bookshops“ titulierte. 2013 erhielt Barter Books die Auszeichnung „Vintage Shop of the Year“ im Rahmen der Homes & Antique Awards.

Was zeichnet diese Buchhandlung nun gegenüber anderen aus? Da ist zunächst einmal die Atmosphäre, die, wie man so schön sagt, zum Verweilen einlädt. Im Station Buffet kann man vormittags sein Frühstück zu sich nehmen und später aus einem Angebot von kleinen kalten und warmen Speisen wählen (Northumbrian Rarebit, Bangers and Mash usw.). Acht Kaffeesorten stehen zur Verfügung, mehrere Weine und zwei Biere, die nach Lokomotiven benannt sind (Golden Arrow und Evening Star). Ein Andenkenladen bietet zahlreiche Souvenirs an, die im Zusammenhang mit der Buchhandlung und dem Thema Eisenbahn stehen. Die Inhaber veranstalten regelmäßig Vorträge zu den unterschiedlichsten Themen, wobei auch schon namhafte Autoren gewonnen werden konnten.

Ein großes Wandgemälde von dem einheimischen Künstler Peter Dodd zeigt Berühmtheiten der Literaturgeschichte wie William Faulkner, Jane Austen, Samuel Beckett, Ernest Hemingway und viele andere mehr (es sind insgesamt 33). Dann gibt es noch eine Modelleisenbahn, die durch die Räume der Buchhandlung fährt.

Neben den vielen Büchern aus zweiter Hand werden aber auch richtige Schätze angeboten. Da stehen zurzeit „The Works of Geoffrey Chaucer“ in der Kelmscott Press Ausgabe von 1896 zum Verkauf, die für £39 000 angeboten wird oder die zweibändigen „Annals of the House of Percy“ für £1100 (die Percys wohnen seit Jahrhunderten im Alnwick Castle).

Wer also einmal nach Alnwick kommt, dem kann neben dem obligatorischen Besuch im Alnwick Castle (in dem zwei Harry Potter-Filme gedreht wurden) ein Besuch im alten Bahnhofsgebäude empfohlen werden.

Hier ist ein Film über die Buchhandlung Barter Books, die täglich, auch sonntags, geöffnet ist.

Barter Books
Alnwick Station
Northumberland NE66 2NP

Published in: on 22. Oktober 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Self Service Checkouts in englischen Supermärkten

Ein Tesco Superstore (allerdings nicht der in Amersham, sondern einer in Hereford).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Letzte Woche musste ich wieder einmal feststellen, dass englische Supermärkte in vielen Dingen den deutschen überlegen sind. Das beginnt bei den Öffnungszeiten und den Serviceangeboten und setzt sich bei den technischen Einrichtungen fort. Ich weilte erneut für einige Tage in Amersham in Buckinghamshire. In der Old Town an der London Road West steht der Tesco Superstore, der ganz erstaunliche Öffnungszeiten hat, wenn man bedenkt, dass lediglich 15 000 Menschen hier wohnen. An den meisten Tagen der Woche hat der riesige Supermarkt rund um die Uhr geöffnet, nur samstags schließt er „schon“ um 24 Uhr. Auch sonntags ist er von 10 Uhr bis 16 Uhr geöffnet.

Zu den Serviceleistungen gehören eine Apotheke, die jeden Tag von 8 Uhr bis 20 Uhr mit Fachpersonal besetzt ist, ein Travel Money Bureau, in dem man Geld in andere Währungen umtauschen kann, Grocery Collection (man bestellt seine Waren online und kann sie fix und fertig eingepackt am Store abholen), und die angeschlossene Tankstelle mit Autowäsche ist auch rund um die Uhr geöffnet.

In England eine Selbstverständlichkeit sind die Self Service Checkouts. Wer die Kassen, an denen noch „richtige Menschen“ sitzen, nicht in Anspruch nehmen möchte, ist sein eigener Kassierer; dafür stehen viele Terminals zur Verfügung, an denen man seine gekauften Waren einscannt und schließlich entweder bar oder mit Karte bezahlt. Dass es dabei nicht immer rund läuft, zeigt dieser Film.

Bequemer ist das Angebot von Tesco namens Scan As You Shop. Am Eingang nimmt man sich ein Lesegerät, stellt die mitgebrachten eigenen Einkaufstaschen in den Einkaufswagen und scannt mit dem Lesegerät den Barcode der ausgesuchten Waren ein, auf dessen Display man jederzeit die bisherige Zwischensumme sehen kann. Dann wird die Ware in die Einkaufstasche gelegt. Wenn man alles zusammen hat, geht man zu einem der Checkouts, scannt dessen Barcode ein und bezahlt, was in der Regel per Karte vorgenommen wird. Man braucht am Ende des Einkaufs also nicht mehr alles auspacken, aufs Band legen und anschließend wieder einpacken. Eine, wie ich finde, gute Lösung, um beim Einkaufen Zeit zu sparen. Dieser Film zeigt den Ablauf noch einmal detailliert.

Natürlich gibt es im Tesco Amersham Superstore überall kostenloses WLAN.

Die englische Firma Imperial Cars bietet sogar den Self Service Checkout beim Autokauf an wie in diesem Film zu sehen.

 

Published in: on 4. Oktober 2017 at 02:00  Comments (3)  
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Gray-Nicolls – Englands führender Hersteller von Cricketschlägern

Das Firmengebäude an der Station Road in Robertsbridge.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

16 km nördlich von Hastings in East Sussex an der A21 liegt das Dorf Robertsbridge, das sich brüsten kann, in seinen Mauern die renommierteste Firma, die Cricketschläger herstellt, zu beherbergen. Die Firma an der Station Road heißt Gray-Nicolls und entstand in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts durch den Zusammenschluss der beiden Firmen H.J. Gray and Sons und L.J. Nicolls.

Für Cricketlaien sieht sicher ein Schläger wie der andere aus, aber es gibt da sehr wohl große Unterschiede. Die Schläger werden aus Weidenholz hergestellt, das nicht älter als 15 Jahre sein sollte, da es sonst nicht mehr über die nötige Flexibilität besitzt. 90% der von Gray-Nicolls benötigten Weiden werden von ihr selbst angepflanzt. In der Produktion der „bats“ steckt sehr viel Handarbeit, die hier in Robertsbridge von erfahrenen Handwerkern verrichtet wird. Dieses Video zeigt den Herstellungsprozess von Cricketschlägern durch die Firma Gray-Nicolls in Robertsbridge.

Die „bats“ haben ihren Preis; so kostet beispielsweise der Profi-Schläger „Legend Bat Senior“ £749.99. Der billigste, der den beeindruckenden Namen Supernova Thunder hat, ist schon für £29.99 zu haben.
Gruppenführungen durch die Werkshallen sind nach vorheriger Anmeldung ab fünf Personen von Montag bis Freitag möglich.

Viele der weltbesten Cricketspieler benutzten/benutzen Schläger der Marke Gray-Nicolls, und die Nachfrage aus dem australischen Raum, in dem diese Sportart sehr populär ist, war so groß, dass man 1972 in Melbourne eine Filiale errichtete, um den Bedarf dort zu befriedigen.

Besonders berühmte Schlägerarten der Fa. Gray-Nicolls waren Dynadrive, Sabre, Millennium und Scoop 2000.

Wrightson & Platt – „World’s finest life-cast sculptors of babies‘ hands and feet“

Auf den ersten Blick klingen die Worte der Firma Wrightson & Platt etwas bedrohlich: „World’s finest life-cast sculptors of babies‘ hands and feet„. Was machen die denn mit den kleinen Händen und Füßen der Babys? Kein Grund zur Beunruhigung, denn man geht hier mit den winzigen Extremitäten sehr vorsichtig und sorgsam um, so dass keines der Babies in Tränen ausbrechen muss.

Im Brockley Cross Business Centre im Südosten Londons ist die Firma Wrightson & Platt ansässig, die von Denise Wrightson und Vicky Platt 1999 gegründet wurde, und die sich darauf spezialisiert hat, Abdrücke von den Händen und/oder Füßen von Babies zu nehmen und diese dann als Schmuckstücke weiterzuverarbeiten. Angeregt zu dieser Geschäftsidee wurden die beiden Damen durch Queen Victoria, die von den Füßen und Händen ihrer neun Kinder jeweils Alabasterskulpturen anfertigen ließ. Warum sollte die Nachfrage nach so etwas im 21. Jahrhundert nicht auch vorhanden sein, fragten sich die beiden und lagen dabei goldrichtig, denn ihr Geschäft florierte und ist jetzt weltweit führend. Angeboten werden Fuß- und Handabdrücke in Bronze, Sterlingsilber und farbigem und einfarbigem Glas. Die Mini-Kunstwerke kann man sich als Schmuck um den Hals hängen, als Manschettenknöpfe anfertigen lassen, als Buchstützen verwenden usw. usw.

Wrightson & Platt bietet weitere Dienstleistungen an: Schwangere können ihren Babybauch in Glas oder Bronze verewigen lassen, Eheringe werden mit den echten Fingerabdrücken der Brautpaare versehen und in Erinnerung an Babys erste Schuhe werden diese vergoldet oder versilbert.

Diese Unikate haben natürlich auch ihren Preis. So kosten beispielsweise ein Satz Babyhände und -füße in Sterlingsilber zwischen £5900 und £7390, in farbigem Glas zwischen £2380 und £2750.

Hier ist ein Film über die Firma Wrightson & Platt.

Published in: on 10. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Stanfords Bookshop in London – Die größte Spezialbuchhandlung der Welt für Landkarten und Reiseliteratur

Photo © Mr Biz (cc-by-sa/2.0)

Edward Stanford (1827 – 1904) hatte sein Leben lang eine ausgeprägte Vorliebe für Landkarten. Im Jahr 1853 übernahm er in London ein Geschäft, das u.a. auch mit Karten handelte und baute dieses unter seinem Namen in eine Spezialhandlung aus. Als in dieser Zeit durch die britische Kolonialisierung der Welt die Nachfrage nach Kartenmaterial stark zunahm, florierte seine Handlung im Covent Garden. Einen Namen machte sich Edward Stanford auch, als er 1862 den ersten umfassenden Stadtplan der Hauptstadt anfertigen ließ und der den Namen „Stanford’s Library Map of London“ trug, den die Royal Geographic Society seinerzeit „the most perfect map of London that has ever been issued“ bezeichnete. Dieser Plan ist noch heute lieferbar.

Edward Stanfords Laden in der Straße Long Acre 12-14 in der City of London hat sich bis zum heutigen Tag gehalten und gilt als die größte Spezialbuchhandlung der Welt für Karten und Reiseliteratur. Hier decken sich Weltenbummler mit allem ein, was sie für ihre Reise brauchen, denn nicht nur Karten und Bücher gibt es in dem mehrstöckigen Haus zu kaufen, sondern auch Rucksäcke, Moskitonetze, Taschenlampen, Insektenschutzmittel und und und.

Die Spezialbuchhandlung ist auch Sponsor einiger Preise wie zum Beispiel des Stanford Dolman Travel Book of the Year, mit dem das beste Reisebuch des Jahres ausgezeichnet wird. Der letzte Preisträger für das Jahr 2016 war Julian Sayarer, der den Preis für sein Buch „Interstate: Hitchhiking Through the State of a Nation“ erhielt, in dem er von seiner Reise per Anhalter von New York nach San Francisco erzählt. In diesem Film kann man den Autor bei einem Vortrag erleben.

Stanfords Travel Bookshop bietet auch Pferdekutschfahrten an, die durch die City of London führen. Drei Pferde ziehen eine viktorianische doppelstöckige Kutsche, in der bis zu 18 Personen Platz haben. Start und Ziel ist die Buchhandlung in Covent Garden.

Stanfords
Long Acre 12-14
Covent Garden,
London WC2E 9LP

 

Published in: on 5. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wer war eigentlich… Waitrose, der Gründer der Supermarktkette?

 

Der Firmensitz von Waitrose in Bracknell in Berkshire.
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Waitrose ist eine  britische Supermarktkette, die sich umsatzmäßig nicht mit den ganz Großen wie Tesco messen kann, die sich dafür an die Kunden mit gehobenen Ansprüchen wendet. 350 Filialen soll es zurzeit geben mit 91 000 Angestellten.

Gab es denn nun jemanden, der Waitrose hieß? Nein; die drei Firmengründer hießen Wallace Waite, Arthur Rose und David Taylor, die 1904 im Westen Londons ein kleines Lebensmittelgeschäft eröffneten. Nachdem Taylor die Partnerschaft verließ, warfen die beiden anderen einfach ihre Nachnamen zusammen und nannten sich fortan Waitrose.
1937 gab es bereits 10 Läden mit 160 Beschäftigten, die in diesem Jahr von der John Lewis Partnership übernommen wurden.
1955 wurde dann der erste Waitrose-Supermarkt im Süd-Londoner Stadtteil Streatham eröffnet, gefolgt von vielen anderen in den 60er und 70er Jahren; zuerst im Süden Englands, später im ganzen Land.
Waitrose acquirierte nach dem Jahr 2000 eine Fülle anderer Supermärkte, z.B. die von Safeway, Somerfield und Morrison’s.

Die Supermarktkette, deren Firmensitz in Bracknell (Berkshire) liegt, ist dafür bekannt, dass sie einen Teil ihrer Gewinne an Wohltätigkeitsorganisationen abgibt und dass die Angestellten „Partner“ genannt werden; sie sind Mitbesitzer und erhalten jährlich einen Bonus ausgezahlt, außerdem können sie in den Läden vergünstigt einkaufen.

Waitrose darf stolz darauf sein, dass die Firma Hoflieferant sowohl der Königin als auch ihres Sohnes, Prince Charles, ist.

Was für eine Entwicklung: Vom kleinen Tante-Emma-Laden zu einem Unternehmen mit einem Umsatz von 5 Milliarden Pfund!

Waitrose in Sevenoaks (Kent).
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Waitrose in der Londoner Kensington High Street.
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Published in: on 25. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Distinctly Different – Urlaub einmal anders

Bradford Old Windmill in Bradford-on-Avon (Wiltshire).
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Wer keine Lust hat, seinen Urlaub in England in einem Hotel, einem B&B oder einem Guest House zu verbringen, dem bieten sich eine Fülle von anderen Übernachtungsmöglichkeiten an. Wie wäre es mit einer Burg, einem ehemaligen Gefängnis, einer Windmühle oder einer Friedhofskapelle?

Die Firma „Distinctly Different“ mit Sitz in Bradford-on-Avon in Wiltshire ist Spezialist für außergewöhnliche und manchmal auch skurrile Häuser, in denen man seine Nächte verbringen kann.
Die angebotenen Häuser dienten vorher alle einem anderen Zweck, wurden aufgegeben und dann entsprechend umgebaut, um sie als Urlaubsdomizile anzubieten. Keine schlechte Idee.

Hier einige Beispiele aus dem umfangreichen Angebot von „Distinctly Different“:
– Ein Gypsy Wagon steht in dem Dörfchen Ewell Minnis, nordwestlich von Dover, für  £90 pro Nacht zur Verfügung.
– In Wirksworth, Derbyshire, steht „The Lock-Up at North End“ zur Verfügung, ein ehemaliges Gefängnis, das später auch die örtliche Polizeidienststelle beherbergte. Das Gebäude kann man ganzjährig mieten für ca £40-50 pro Nacht und Person.
– Ein Miniaturschloss, „The Citadel„, kann man in Weston-under-Redcastle in Shropshire mieten, mit in Rundtürmen gelegenen Schlafzimmern.
– Ein letztes Beispiel: Urlaub in der Windmühle ist möglich in der „Bradford Old Windmill“ in Bradford-on-Avon in Wiltshire (dort, wo auch „Distinctly Different“ beheimatet ist). Die Zimmer heißen hier Fantail, Great Spur und Damsel heißen und verfügen über ungewöhnliche Betten.

„Distinctly Different“ beschreibt seine Mietobjekte auf sehr witzige Weise und ein Blick auf deren Webseiten lohnt sich.

In meinem Blogeintrag vom 20.11.2010 stellte ich die Firma Landmark Trust vor, die ein ähnliches Angebot hat.

Snake River Press – Ein Verlagshaus in Lewes (East Sussex)

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Wer sich für die beiden englischen Grafschaften East Sussex und West Sussex interessiert und tiefer in das Thema einsteigen möchte, dem kann ich die Bücher aus dem Verlagshaus Snake River Press nachdrücklich empfehlen.
Peter Bridgewater gründete den Verlag im Jahr 2006, und er legt Wert darauf, dass sich seine Bücher vom Massenmarkt abheben, indem sie liebevoll gestaltet und hergestellt werden.
Die Snake River Press mit Sitz in in der High Street 210 in Lewes (East Sussex) publiziert ausschließlich Bücher über Sussex und nimmt sich Themen an, die man sonst woanders kaum veröffentlicht findet.

Einige Beispiele: „Old-Fashioned Family Days Out in Sussex“, „A Dictionary of the Sussex Dialect“ und „What the Victorians Did for Sussex“.

Ich besitze einige Bücher des Verlags wie „A Sussex Miscellany“ von Sophie Collins und „An Eccentric Tour of Sussex“ von Firmengründer Peter Bridgwater. Es ist einfach schön, diese Bücher in der Hand zu halten (leider „Printed and bound in China“, also nicht von einer englischen Druckerei hergestellt, aber ich muss sagen, die Chinesen verstehen sich auch auf das Handwerk, bibliophile Bücher zu produzieren) und darin zu blättern (sie sind mit hübschen Illustrationen versehen).

Der Name Snake River Press leitet sich von dem Cuckmere River ab, der sich durch die Grafschaft East Sussex in Richtung Ärmelkanal schlängelt und im Firmenlogo wiederzufinden ist.

Ein liebenswertes Verlagshaus, das hoffentlich noch lange in dieser Marktnische existieren kann.

 

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Der mäandrierende Cuckmere River, der dem Verlagshaus zu seinem Namen verhalf. Author: Marturius. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Der mäandrierende Cuckmere River, der dem Verlagshaus zu seinem Namen verhalf.
Author: Marturius.
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Bennetts in Derby (Derbyshire) – Das älteste Kaufhaus der Welt?

Das Kaufhaus Bennets in Derby ist hier auf der linken Seite zu sehen.   © Copyright David Hallam-Jones and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Kaufhaus Bennetts in Derby ist hier auf der linken Seite zu sehen.
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Im Jahre 2010 feierte Bennetts, ein Department Store in der Irongate der Stadt Derby sein 275jähriges Bestehen. Ist es damit das älteste Kaufhaus der Welt?
1734 wurde das Geschäft in der Nummer 10 in der Straße Irongate im Kathedralenviertel Derbys als Weatherhead Walters & Son gegründet. Damals verkaufte man hauptsächlich Eisenwaren, später kamen landwirtschaftliche Artikel in das Sortiment hinzu. Der Laden florierte und wurde viele Jahre später, 1864, von George Bennett übernommen, einem pensionierten Kapitän, nach dem das Geschäft bis zum heutigen Tag benannt ist. Bennett gestaltete das Innere seines Kaufhauses wie ein Segelschiff, wahrscheinlich fühlte er sich dadurch heimischer, denn das Meer und der nächste Hafen waren weit entfernt. Auch der neue Inhaber erweiterte sein Sortiment und nahm u.a. Sportartikel dazu.
Bis 1937 war Bennetts in Familienbesitz, dann wurde der Laden verkauft und firmierte von da an unter dem Namen Bennetts Irongate Limited. Auch unter den neuen Eigentümern stieg der Umsatz weiter, so dass das Nachbarhaus, die Nummer 8, ein ehemaliges Theater, in den 1980er Jahren dazugekauft wurde.

Bennets Department Store ist so seit langer Zeit eine feste Instanz in Derby, wo man alles Mögliche kaufen kann wie Möbel, Textilien, Porzellan und vieles mehr. Das Personal hat eine sehr enge Beziehung zu dem Kaufhaus, denn anders ist es nicht zu erklären, dass manche schon seit Jahrzehnten hier arbeiten. Zwischen den all den austauschbaren Kettenläden, wie man sie in nahezu jeder englischen Stadt in der High Street antrifft, ist Bennetts eine sehr angenehme Abwechslung. Wer nach dem Einkauf Hunger oder Durst bekommen hat, kann sich in der im gleichen Haus gelegenen Brasserie „Lisa Jean“ stärken, zum Beispiel mit einem Champagnerfrühstück, das montags bis samstags angeboten wird. Bennetts selbst ist an jedem Tag der Woche geöffnet, allerdings zu etwas altmodischen Zeiten, von 9 Uhr bis 17 Uhr (dafür aber auch sonntags von 11 Uhr bis 16 Uhr).

Bennetts unterhält noch eine Filiale in Ashbourne, ebenfalls in Derbyshire, eine andere in Bakewell wurde geschlossen.

Published in: on 7. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Penhaligon’s – Eine alteingesessene Kosmetikfirma aus London, die auch den britischen Hof beliefert

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

We strive to create original scents for the discerning eccentrics of today„, so lautet ein Wahlspruch der Kosmetikfirma Penhaligon’s aus London (und der in dieser Form wohl auch nur in Großbritannien möglich ist). Gegründet wurde sie 1870 von William Henry Penhaligon, einem Friseur aus Cornwall, der sich in der Hauptstadt in der Jermyn Street niedergelassen hatte. Es dauerte nicht lange und der Mann aus dem Südwesten hatte sich bald einen sehr guten Ruf in London zugelegt. Er wurde unter Königin Victoria zum Barber and Perfumer to the Royal Court ernannt, und einige Zeit später erhielt Penhaligon den Royal Warrant von Königin Alexandra, der Frau Edwards VII. Noch heute erfreut sich die Firma, Inhaberin zweier Royal Warrants zu sein, die ihr 1956 der Duke of Edinburgh und 1988 der Prince of Wales verliehen haben. Zumindest zwei hochrangige Herren am Hofe duften also nach Kosmetika der Firma Penhaligon’s.

38 verschiedene Düfte findet man heute in den Läden der Firma, von denen einige in der Londoner Innenstadt zu finden sind wie zum Beispiel in der Regent Street, Covent Garden und in der Burlington Arcade. Aber auch in anderen Teilen des Landes und in Paris, New York City und Hongkong kann man die Kosmetikprodukte in firmeneigenen Läden kaufen.

1902 wurde speziell für den Duke of Marlborough eine Duftnote entwickelt, nach dessen Wohnsitz, Blenheim Palace, Blenheim Bouquet benannt, das noch heute zu den beliebtesten Produkten von Penhaligon’s zählt. Winston Churchill parfümierte sich damit auch gern. Zitrone, Limette und Lavendel sind die Kopfnoten dieses Parfums. Dieser Film bringt weitere Informationen.

Weitere Penhaligon’s Serien u.a. The Revenge of Lady Blanche The Coveted Duchess Rose, The Tragedy of Lord George und  Much Ado About The Duke (2016 neu entwickelt), die auf zwei Ehepaare der Londoner Gesellschaft anspielen und deren Geschichten sehr schön hier nachzulesen sind. Die Flakons hat man sehr aufwendig gestaltet, mit jeweils unterschiedlichen goldenen Tierköpfen darauf. £178 kosten 75 ml.
Die Produkte sind in Deutschland promblemlos zu bekommen, u.a. bei der Parfümeriekette Douglas.

Dieser Film zeigt den Penhaligon’s-Laden in der Londoner Regent Street.

Der Blenheim Palace in Oxfordshire, nach dem die Produktserie Blenheim Bouquet benannt wurde.   © Copyright Francois Thomas and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Blenheim Palace in Oxfordshire, nach dem die Produktserie Blenheim Bouquet benannt wurde.
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Penhaligon's in der Londoner Burlington Arcade. Author: Gryffindor. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Penhaligon’s in der Londoner Burlington Arcade.
Author: Gryffindor.
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Published in: on 17. Januar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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John James Royle (1850-1919) – Der Erfinder des „Self-Pouring Tea Pot“

Die Ladenfront in der Londoner Cock Lane.   © Copyright Julian Osley and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Ladenfront in der Londoner Cock Lane.
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Cock Lane ist eine schmale Gasse in der City of London, die die Straßen Snow Hill und Giltspur Street verbindet. Gleich am Anfang der Gasse, von Snow Hill kommend, befinden sich auf der linken Seite die Saracen’s Head Buildings. In diesem Gebäudekomplex liegt im Erdgeschoss ein hübsch gestalteter Terracotta-Ladeneingang, über dem geschrieben steht: „John J. Royle of Manchester„. Hier waren einmal vor langer Zeit die Ausstellungsräume dieser Firma, die ihren Sitz in Manchester hatte und die alle möglichen Produkte für den gewerblichen und den privaten Gebrauch herstellte wie Wassererhitzer, Kondensatableiter, Eierkocher mit Zeitschaltuhr oder rauchfreie Bügeleisen. Der Firmeninhaber John James Royle war ein sehr erfinderischer Mann, der vor allem durch ein Produkt in Erinnerung geblieben ist, den sogenannten „Self-Pouring Tea Pot„. Er ließ sich diese spezielle Teekanne 1886 patentieren (Patentnummer 6327), die offensichtlich in der viktorianischen Zeit genau das war, was die Leute haben wollten, denn das Gerät wurde zu einem großen Verkaufserfolg. Ursprünglich hatte Royle die Teekanne als Werbegag für seine Großkunden gedacht, aber dann entwickelte sich das etwas anders, die Nachfrage wurde immer größer, und so ließ er Tausende davon von den Firmen Doulton & Co. in Burslem (Shropshire) und Joseph Dixon & Sons in Sheffield herstellen. Erstere stellte Keramik-, letztere silberne Versionen her.

Der Self-Pouring Tea Pot bestand aus einem eigentlich recht einfachen System, mit dem man Teetassen befüllen konnte, ohne die Kanne hochheben zu müssen. Zusätzlich zu dieser Bequemlichkeit kam noch hinzu, dass der Tee besser schmecken sollte. Wie das funktioniert, zeigt dieser kurze Film.

Königin Viktoria besaß so eine Teekanne, ebenso der russische Großfürst Sergei Alexandrowitsch Romanow und Alexandra von Dänemark. Heute taucht John James Royles Erfindung noch häufiger bei Auktionen auf.

Freunde und Sammler von Teekannen freuen sich sicherlich über den „Collectible Teapot & Tea Wall Calendar 2017„, in dem auch ein Foto der Royleschen Erfindung zu sehen ist.

Published in: on 1. Januar 2017 at 02:00  Comments (3)  
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Die Schiffsglocke der Lutine im Hauptgebäude von Lloyd’s of London

 

Die Lutine Bell. This work is in the public domain.

Die Lutine Bell.
This work is in the public domain.

Die „Lutine“ war eine französische Fregatte, deren Stapellauf 1779 erfolgte. Sie ging später als „HMS Lutine“ in den Besitz der Royal Navy über und sank am 9. Oktober 1799 vor der niederländischen Küste.

Am 17. Juli 1858 barg man die Schiffsglocke aus dem Wrack und hängte sie im Underwriting Room der Versicherungsgesellschaft Lloyd’s of London auf. Mittlerweile hat die Schiffsglocke mehrere Umzüge hinter sich und hängt jetzt in dem supermodernen aktuellen Gebäude von Lloyd’s of London in der Lime Street.

Die Glocke wurde ursprünglich angeschlagen, wenn ein Schiff überfällig war (Lloyd’s versicherte Schiffe). Ein Glockenschlag bedeutete schlechte Nachrichten, zwei Glockenschläge gute Nachrichten. Auf diese Weise wurden alle Lloyd’s-Angestellten gleichzeitig über eine Sachlage informiert.

Dieser Brauch wurde aufgegeben und die Lutine Bell schlägt nur noch bei besonderen Anlässen, z.B. wenn jemand aus dem Königshaus stirbt (das war bei Prinzessin Dianas Tod der Fall) oder bei Katastrophen (z.B. bei 9/11 oder bei den Londoner Bombenanschlägen am 7. Juli 2005). Hier kann man die Glocke einmal hören, aber wirklich nur einmal.

 

Published in: on 25. Mai 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Hertford in Hertfordshire und die Zahnbürsten

Die ehemaligen ADDIs_büros an der Ware Road in Hertford.   © Copyright Rob Candlish and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die ehemaligen ADDIS-Büros an der Ware Road in Hertford.
    © Copyright Rob Candlish and
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Gestern schrieb ich in meinem Blog über die Bedeutung der Stadt Lincoln für die Entwicklungsgeschichte des Panzers; eine ähnliche Bedeutung für einen wesentlich friedlicheren Gegenstand des täglichen Lebens hatte einmal die Stadt Hertford, nördlich von London, für die Massenproduktion der Zahnbürste.
William Addis (1734-1808) hatte im Newgate-Gefängnis mit der Herstellung einer Zahnbürste experimentiert und nach seiner Entlassung gründete er 1780 in London eine Firma, die diese Gegenstände für die Zahnhygiene herstellte und vertrieb, mit großem Erfolg. Die Firma entwickelte die Zahnbürste im Laufe der Jahrzehnte ständig weiter und führte neue Produktionsmethoden ein. Im Ersten Weltkrieg erhielt ADDIS einen Großauftrag von der Armee, die ihre Soldaten mit Zahnbürsten ausstattete.

Im Jahr 1920 übernahm die Firma die Steam Laundry an der Ware Road in Hertford und konvertierte sie in Produktionshallen, in denen sie weit über eine Million Zahnbürsten pro Jahr anfertigte. 1935 wurde eine neue Fabrik mit Bürogebäuden, ebenfalls an der Ware Road in Hertford, gebaut, entworfen von Douglas Hamilton. In den 1930er Jahren waren diese Gebäude schon aufsehenerregend und sie sind es noch heute. Die Fabrikanlagen sind zwar alle verschwunden und haben Platz für neue Apartmentgebäude machen müssen, aber die Bürotrakts stehen immer noch und sind mittlerweile unter Denkmalschutz gestellt worden. 1993 hatte sich ADDIS aus Hertford zurückgezogen, drei Jahre später wurde die Firma, die sich bis dahin über viele Generationen hinweg in Privatbesitz gefunden hatte, verkauft. In keiner anderen Stadt des Vereinigten Königreichs wurden so viele Zahnbürsten produziert wie in Hertford. Der Firmenname ADDIS existiert noch; das Sortiment hat sich allerdings erheblich erweitert.

Als sich ADDIS von der Stadt verabschiedete, übergab sie ihre riesige Zahnbürstensammlung an das Museum von Hertford, das damit über die größte Sammlung dieser Art im ganzen Land verfügt. 6000 Exponate sind hier vereint, beginnend mit Exemplaren aus dem 18. Jahrhundert. Wer sich dafür interessiert, sollte sich in die Straße Bull Plain Nummer 18 in Hertford begeben, wo das Museum zu finden ist. Die Ware Road, an der die ehemaligen ADDIS-Gebäude stehen, ist die A119, die von Hertford in die Nachbarstadt Ware führt.

Das Hertford Museum in der Bull Plain 18.    © Copyright Chris Reynolds and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Hertford Museum in der Bull Plain 18.
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Published in: on 26. März 2016 at 02:00  Comments (2)  

„First Shop In The World!“ in Greenwich (Greater London)

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Wenn man im Osten Londons, im Stadtteil Greenwich, spazieren geht oder aus dem National Maritime Museum kommt und den King William Walk entlangschlendert, passiert man den Pub Kings Arms, es folgt ein vietnamesisches Restaurant und dann steht man plötzlich an der Ecke Nelson Road vor einem Laden, der sich „First Shop In The World!“ nennt. Unwillkürlich denkt man, dass es sich hierbei um den ältesten Laden der Welt handelt – weit gefehlt. Aber wenn man sich daran erinnert, wo man gerade ist, fällt der Groschen. Greenwich, Nullmeridian, genau: Vom Nullmeridian aus gesehen, der ganz in der Nähe verläuft, ist dieses Geschäft in Richtung Westen tatsächlich das erste in der Welt.

Nauticalia“ ist der eigentliche Name des Ladens und damit auch jeder versteht, was mit dem „First Shop In The World!“ gemeint ist, stehen die exakten Längenangaben gleich dabei: 00’00.4′ W, also: Null Grad, Null Minuten, 4 Sekunden West.

Nauticalia“ ist eine Kette von 10 Läden, die über ganz England verteilt sind, in denen man alles kaufen kann, was im weitesten Sinne mit Schifffahrt zu tun hat: Schiffsglocken, Deckschuhe, wasserdichte Uhren, Teleskope, um nur einige Beispiele aus dem riesigen Angebot zu nennen. Hier im Laden in Greenwich kann man auch das wichtigste kaufen, was man an Bord eines Schiffes braucht: Alkoholika; zum Beispiel eine Flasche Black Tot Rum für £610 mit 54% Alkoholgehalt.

Frank Cooper’s Oxford Marmalade – Geliebt von der Queen und James Bond

Mein in The British Shop in Geesthacht gekauftes Glas. Eigenes Foto.

Mein bei British Shopping in Geesthacht gekauftes Glas.
Eigenes Foto.

Eigentlich müsste Frank Cooper’s Oxford Marmalade Sarah Jane Cooper’s Marmalade heißen, denn Franks Frau war es, die sich 1874 das Rezept dafür ausdachte. In der High Street 83/84 der Universitätsstadt Oxford  wurde der Frühstücksbrotaufstrich hergestellt, und da man in England gern an alles Mögliche mit blauen Plaketten erinnert, erhielt auch die Nummer 83 eine solche mit der Aufschrift:
Sarah Cooper
1848-1932
First made Oxford Marmalade
here in 1874

Auf dem Etikett des Marmeladenglases, das ich bei British Shopping  in Geesthacht gekauft habe, steht zu lesen: „The Oxford Marmalade is inspired by the original Sarah Jane Coopers 1874 recipe, made using a dark seriously intense coarse cut Seville orange marmalade. Sure to appeal to the mature palate of the true marmalade connoisseur„.

Die Marmelade erfreute sich in den Colleges der Universitätsstadt großer Beliebtheit und die Professoren und Studenten, die in die weite Welt hinauszogen, verbreiteten den Ruhm des Cooperschen Brotaufstrichs, woraufhin die Nachfrage immer mehr anstieg und die Produzenten eine größere Fabrik benötigten. Diese bauten sie in Oxford in der Park End Street, gleich beim Bahnhof, so dass die Transportwege kurz waren.
Bis 1967 kam die Oxford Marmalade wirklich aus Oxford, dann wurde die Produktion verlagert, erst nach Wantage (Oxfordshire), dann nach Redditch (Worcestershire). Heute wird sie in Histon in Cambridgeshire hergestellt.
In dem ehemaligen Gebäude in der Park End Street ist heute The Jam Factory untergebracht (hier ist ein Film über das Gebäude), ein cooles „stylishes“ Restaurant. Dort, wo die Marmelade ursprünglich entstand, in der High Street Nummer 84, findet sich ebenfalls ein Restaurant, The Grand Café.

Der Polarforscher Robert Falcon Scott liebte die Marmelade aus Oxford ebenfalls und nahm sie 1910 mit auf seine Antarktisexpedition, die niemand der Teilnehmer überlebte. Nach vielen Jahren fand man eine der  Marmeladendosen im ewigen Eis wieder, die heute im Museum of Oxford zu sehen ist (hier ist ein kleiner Film darüber).
Ein weiterer Fan von Frank Cooper’s Vintage Oxford Marmalade war James Bond, so ist es jedenfalls in Ian Flemings Roman „From Russia With Love“ (dt. „Liebesgrüße aus Moskau“) auf Seite 134 nachzulesen.

Beinahe hätte ich es vergessen: Auch die Queen weiß den Brotaufstrich zu schätzen, und so ist die Firma offizieller königlicher Hoflieferant.

Die Geburtsstätte der Marmelade: Oxford High Street 83/84. Links ist die blaue Plakette zu erkennen.   © Copyright Jaggery and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Geburtsstätte der Marmelade: Oxford High Street 83/84. Links ist die blaue Plakette zu erkennen.
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Hier an der Park End Street in Oxford wurde Frank Coopers Marmelade hergestellt.   © Copyright David Hallam-Jones and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier an der Park End Street in Oxford wurde Frank Coopers Marmelade hergestellt.
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Nipper – Der kleine Jack Russell-Terrier aus Bristol, den man in der ganzen Welt kennt

Francis Barrauds Originalbild von Nipper. This work is in the public Domain.

Francis Barrauds Originalbild von Nipper.
This work is in the public Domain.

Eines der bekanntesten Firmen-Logos weltweit ist der kleine Hund, der vor dem Trichter eines alten Grammophons sitzt und dort offensichtlich der Stimme seines Herrchens lauscht. Die Firmen EMI, RCA, Electrola und die Deutsche Grammophon verwenden/verwandten dieses Bild, das man allgemein als His Master’s Voice kennt. Wer ist nun dieser kleine Hund, der es zu Weltruhm brachte?

Nipper hieß er, was nichts Gutes verheißt, denn das bedeutet soviel wie „Wadenbeißer“. Der Jack Russell wurde 1884 in Bristol geboren und gehörte Mark Barraud, einem Bühnenbilder des Prince’s Theatre in der Stadt am Severn. Als Barraud 1887 starb, ging Nipper in die Hände seines Bruders Francis Barraud über, der seinen Lebensunterhalt mit dem Malen von Bildern verdiente. Francis porträtierte den kleinen Hund vor einem Grammophontrichter sitzend und bot das Bild der neu gegründeten Firma Grammophone Company an. Diese akzeptierte es und setzte den Schriftzug „His Master’s Voice“ hinzu. Im Jahr 1901 erschien erstmals eine Anzeige mit diesem Bild, das bis heute jedes Kind kennt.

Wie ging es nun mit Nipper weiter? Der Hund lebte bei seinem Maler-Herrchen bis er 1895 in Kingston-upon-Thames starb. Seine Heimatstadt Bristol ehrte ihn mit einer blauen Plakette an einem der Universitätsgebäude und gleich um die Ecke findet man am Merchant Venturers Building eine kleine Steinfigur von ihm über der Eingangstür.

Auch in Kingston-upon-Thames wird seiner gedacht. Über seinem ehemaligen Grab steht jetzt ein Gebäude der Lloyds Bank und dort findet man an der Wand der Eingangshalle ein Schild mit der Aufschrift:
At the rear of Lloyds Bank is the last known resting place of Nipper the famous HMV dog. This commemorative Plaque was unveiled by Mr. D.F. Johnson Chairman of HMV Shops Limited on 15th August 1984„.
Eine kleine Straße, nur 100 Meter von der Bank entfernt, wurde im Jahre 2010 zu Ehren des Hundes „Nipper Alley“ benannt.

Auch in den USA ist Nipper mit einer überlebensgroßen Statue zu finden und zwar in Albany im Bundesstaat New York. Dort sitzt er auf dem ehemaligen Gebäude der RCA am Broadway (ohne Grammophon).
In dem Musikvideo „Time After Time“ von Cyndi Lauper hält die Sängerin am Anfang des Liedes eine Kopie von Nipper im Arm.

Ein kleiner Hund – eine große Karriere. Wer hätte das von Nippers Herrchen wohl für möglich gehalten?

Nipper am Merchant. This work is in the public Domain.

Nipper am Merchant Venturers Building in Bristol.
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Lloyds Bank in der Clarence Street in Kingston-upon-Thames.   © Copyright Hugh Venables and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Lloyds Bank in der Clarence Street in Kingston-upon-Thames.
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Published in: on 1. März 2016 at 02:00  Comments (3)  
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William Cowley – Parchment Makers in Newport Pagnell (Buckinghamshire)

Die High Street von Newport Pagnell. Aus diesem Ort kommen die Pergamente der Firma William Cowley.   © Copyright Adrian Cable and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die High Street von Newport Pagnell. Aus diesem Ort kommen die Pergamente der Firma William Cowley.
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Vor einigen Tagen ging eine Meldung durch die deutsche Presse und auch das ZDF-Magazin „heute in Europa“ berichtete darüber: Die Zeit, dass in Großbritannien noch immer die Gesetzestexte auf Pergament aus Kuhhaut geschrieben werden, soll vorbei sein. Erst einmal wussten wohl in Deutschland die wenigsten von dieser alten Tradition und auch in GB war das vielleicht einigen nicht bekannt. Aber es ist tatsächlich so, dass von jedem neuen beschlossenen Gesetz ein Exemplar auf Pergament verewigt wird.

Das House of Lords hat jetzt einen Vorstoß gestartet, mit dieser Tradition zu brechen und Kosten zu sparen, denn Ankauf, Beschriftung und Archivierung der Pergamente kosten den britischen Steuerzahler pro Jahr rund 80 000 Pfund. Archivpapier tut auch seinen Zweck, meinen die Lords, und außerdem befinden wir uns im digitalen Zeitalter. Doch gegen diesen Vorschlag des Oberhauses läuft man in Großbritannien Sturm und auch der Premierminister David Cameron stellt sich dagegen. Das Kabinett wird im März darüber entscheiden wie es weitergehen soll mit der Archivierung der Gesetze.

Wer auf jeden Fall dagegen ist, ist der Lieferant des Pergaments, die Firma William Cowley, ansässig in Newport Pagnell im Norden der Grafschaft Buckinghamshire. Seit 1870 stellt man hier in der Caldecote Street Pergament aus Tierhäuten her, und wenn der Staat als Großabnehmer wegfiele, wäre das schon ein herber Schlag für die Firma. Seit vier Generationen ist sie ununterbrochen in Familienhand und die Technik des Herstellungsverfahrens wird stets mündlich weitergegeben.

Nicht nur Gesetzestexte werden auf den Tierhäuten der Firma William Cowley festgehalten, es gibt noch eine Fülle anderer Verwendungsmöglichkeiten wie Möbel- und Wandbezüge, Lampenschirme, Bucheinbände und Trommelfelle, um nur einige zu nennen. Auch das Königshaus hat die Dienste der Firma in Newport Pagnell schon in Anspruch genommen. Die Queen hatte anlässlich der Hochzeit von Prince William und Kate Middleton ihre Zustimmung zu der Ehe auf Pergament aus dem Hause William Cowley gegeben, das vorher in Schönschrift vom Royal Calligrapher vorbereitet worden war.

Wenn Druckereien nicht so genau wissen wie sie mit Pergament aus Tierhäuten umgehen sollen, bietet William Cowley auch einen Druckdienst an. Konkurrenz im Inland braucht die Firma nicht zu fürchten, denn sie ist die einzige in Großbritannien, die diese speziellen Fertigkeiten besitzt.
Hier ist ein Blick hinter die Kulissen der Firma.

Drücken wir William Cowleys Mitarbeitern die Daumen, dass sich das britische Kabinett für die Fortsetzung der Archivierung der Gesetze auf Tierhaut entscheidet.

Diese Kühe am Ortsrand von Newport Pagnell brauchen sich um ihre Häute keine Sorgen zu machen, denn sie sind aus Plastik.   © Copyright David Lally and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Diese Kühe am Ortsrand von Newport Pagnell brauchen sich um ihre Häute keine Sorgen zu machen, denn sie sind aus Plastik.
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Published in: on 29. Februar 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Amazon Locker in englischen Bibliotheken – Eine Alternative zur Hauslieferung

Die DHL-Packstationen in Deutschland haben sich bewährt und sind vor allem für all jene nützlich, die tagsüber, wenn der Paketbote klingelt, nicht zuhause sind. Die Firma Amazon macht sich eigene Gedanken wie sie ihre Kunden zukünftig noch schneller und zuverlässiger bedienen kann; da ist von der Auslieferung per Drohne die Rede und von einem eigenen Paketauslieferungsdienst.

Seit einigen Jahren setzt die Firma in den USA sogenannte Amazon Locker ein, das sind, ähnlich wie die DHL-Packstationen, große Schränke mit einzelnen Fächern, in denen die Pakete abgelegt werden. Per E-Mail oder per SMS erhält der Kunde eine Nachricht, dass er sein Amazon-Paket in dem von ihm gewählten Locker abholen kann.

In England gibt es diese Variante zur Hausbelieferung ebenfalls. Mit der Supermarktkette Co-Op wurden zum Beispiel Verträge abgeschlossen und auch mit drei Öffentlichen Bibliotheken in West Sussex. Bibliotheken haben den Vorteil, bis in den frühen Abend geöffnet zu sein und sie liegen meist zentral, so dass Berufstätige auf ihrem Weg nach Haus einen kurzen Schlenker bei ihrer Bibliothek vorbei machen und ihr Paket abholen können.

Für Bibliotheken ist eine derartige Kooperation mit dem Versandriesen interessant, denn sie bekommen Geld dafür, dass sie ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellen und dadurch eine zusätzliche Einnahmequelle haben. Der „Locker Service“ kann neue Kunden in die Bibliothek bringen, die bisher noch nicht dort waren. Der Aufwand für das Bibliothekspersonal ist minimal, da sich Amazon selbst um alles kümmert, wenn es zu Störungen kommt.

Der West Sussex County Council und Amazon haben sich darauf geeinigt, dass die Verträge jeweils eine Laufzeit von einem Jahr haben, die dann wieder verlängert werden kann. Das Angebot der Amazon Locker fand bisher in den drei Bibliotheken Anklang; rund 80 bis 100 Kunden suchen pro Woche jede der beteiligten Public Libraries auf, um ihre bestellten Pakete dort abzuholen.

Zu finden sind die Stationen in der Chichester Library in der Tower Street, in der Horsham Library am Lower Tanbridge Way und in der Crawley Library in der Southgate Avenue.

Chichester Library.   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Chichester Library.
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Horsham Library.   © Copyright Paul Gillett and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Crawley Library.   © Copyright Basher Eyre and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 17. Februar 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Wer war eigentlich…Molton Brown, der Hersteller von edlen Pflege- und Kosmetikprodukten?

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Man findet die Pflege- und Kosmetikprodukte der Londoner Firma Molton Brown in Edelkaufhäusern und Spitzenhotels, und selbst die Queen weiß die „Toiletries“ der Firma zu schätzen. Im Jahr 2013 wurde Molton Brown zum offiziellen Hoflieferanten ernannt.

Erst 1973 wurde Molton Brown als Friseursalon gegründet, über dem man damals schon Haarpflegeprodukte selbst herstellte. Einen Firmengründer mit dem Namen Molton Brown gab es nie; der Name setzt sich zusammen aus:
Molton„, einem Teil des Londoner Straßennamens South Molton Street. Diese Straße verläuft im Stadtteil Mayfair zwischen der Davies Street und der Brook Street, heute eine Fußgängerzone. Hier stand damals der Salon.
Brown„, der Name des Modegeschäfts „Brown’s“ in der selben Straße, dass den Eltern der Salonbesitzerin Caroline Burstein gehörte, und das noch heute existiert.

Molton Brown ist schon seit zehn Jahren kein Familienbetrieb mehr, sondern wurde 1975 von dem japanischen Kosmetikkonzern Kao Corporation übernommen. 1986 ging die Firma mit der Produktion ihrer Kosmetikartikel in ein altes Cottage nach Hertfordshire, wo es aber bald zu eng wurde. Zehn Jahre später siedelte Molton Brown in ein wesentlich größeres Firmengebäude um. Der neue Standort liegt im Industriepark Elsenham Meadows, direkt am Flughafen Stansted Airport.

In den 1990er Jahren machte die damals noch unbekannte Kate Moss Werbung für Produkte der Firma Molton Brown.

Die Produktpalette umfasst u.a. Shampoo, Body Lotion, Seife, Eau de Toilette, Handcreme usw. usw. Molton Brown besitzt eine Kette von eigenen Läden in ganz Großbritannien; auch in Deutschland kann man die Kosmetikartikel kaufen, z.B. im Hamburger Alsterhaus, im Berliner KaDeWe, aber auch in den Filialen der Parfumeriekette Douglas.

Hier ist ein Werbspot der Firma Molton Brown.

Die South olton Street in Mayfair.   © Copyright Peter Barr and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die South Molton Street in Mayfair.
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Das Dorfschild von Elsenham (Essex); hier werden die Produkte der Firma Molton Brown hergestellt.    © Copyright Bikeboy and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Dorfschild von Elsenham (Essex); hier werden die Produkte der Firma Molton Brown hergestellt.
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Published in: on 7. Februar 2016 at 02:00  Comments (1)  
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British Heritage Chauffeur Tours – Die etwas andere Art, sich England anzusehen

Eine der Touren der BHCT führt zum Highclere Castle.    © Copyright pam fray and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine der Touren der BHCT führt zum Highclere Castle.
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Es gibt immer wieder viele Menschen mit denen ich in Kontakt komme, für die ein Besuch Englands nicht in Frage kommt, weil sie erstens völlig falsche Vorstellungen von dem Land haben (schlechtes Wetter, schlechtes Essen) und weil sie zweitens vor dem Linksverkehr zurückschrecken. Manche schließen sich einer Reisegesellschaft an und fahren mit dem Bus nach England, wobei sie sich um nichts kümmern müssen, und einige wenige mieten sich vor Ort ein Auto. Es gibt noch eine Alternative, sich das Land in stilvollem Ambiente anzusehen: Man bucht eine Reise mit den British Heritage Chauffeur Tours (BHCT).

Gern wird dieser Service von Besuchern aus Übersee angenommen, die sich in einem der Autos der Luxusklasse chauffieren lassen. Zur Verfügung stehen zwei Jaguar XJL, ein Landrover Overfinch LR4 und ein Mercedes Viano SUV. Die Chauffeure, die gleichzeitig auch die Reiseführer sind und um ein umfangreiches Fachwissen verfügen, sind alles Fahrer, die eine bei der Polizei oder bei Sicherheitsdiensten erworbene Spezialausbildung haben. Aus dem umfangreichen Angebot der BHCT kann man Tagestouren oder auch mehrtägige Touren buchen oder sich ein Angebot für eine „Bespoke Tour“ machen lassen, also für eine maßgeschneiderte, individuelle Reise nach eigenen Vorgaben.

Tagestouren in die nähere Umgebung von London sind zum Beispiel das Highclere Castle und die Downton Abbey Tour. Für literarisch Interessierte gibt es eine Fahrt nach Oxford oder die Jane Austen Tour. Weiterhin stehen auf dem Programm eine English Garden Tour und eine Cotswolds Tour. Wer sich England, Schottland und Wales auf einer mehrtägigen Reise ansehen möchte, dem stehen zahlreiche Angebote zur Verfügung, darunter auch eine Tour für Feinschmecker, auf der die erlesensten und besten Restaurants angesteuert werden können.

Hier ist ein Werbefilm der BHCT, der über die angebotenen Leistungen informiert.

British Heritage Chauffeur Tours
7 St John’s Road
Harrow, HA1 2EY

Published in: on 1. Februar 2016 at 02:00  Comments (4)  
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216 The Strand in London – Ein Mekka für Teefreunde aus aller Welt

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Es begann alles im Jahr 1706 als ein gewisser Thomas Twining Tom’s Coffee House in der Londoner Straße The Strand übernahm. In dem Kaffeehaus, das die Adresse 216 The Strand hatte, traf man sich, tauschte den neuesten Klatsch aus und trank Kaffee dabei. Schon sehr früh bot Thomas Twining neben Kaffee auch Tee an, den man zusätzlich in getrockneter Form mit nach Hause nehmen konnte. Aus dem kleinen Laden im Zentrum Londons entwickelte sich im Laufe der Zeit einer der größten Teehändler der Welt, dessen Erzeugnisse man überall kaufen kann.

Bis zum Jahr 1964 blieb Twinings ein Familienunternehmen, dann wurde es von dem großen Konzern Associated British Foods übernommen. Das Stammhaus am Londoner Strand blieb bis heute erhalten, die Teemischungen werden allerdings nicht hier vorgenommen, sondern zum großen Teil in einer Fabrik am South Way in Andover in Hampshire.

Den Eingang zu dem Teeladen kann man leicht übersehen, wenn man die Straße entlanggeht, denn es handelt sich um ein sehr schmales Haus, das zwischen einem Pret A Manger-Lokal und einem Café der Apostrophe-Kette eingeklemmt ist. Direkt gegenüber stehen die imposanten Gebäude des Royal Court of Justice. Im Laden hat man eine riesige Auswahl an Teesorten, an der Tee Bar kann man gleich vor Ort einige der Tees aus dem Hause Twinings probieren. Ein angeschlossenes kleines Teemuseum informiert über die Familie Twinings und zeigt Gegenstände, die in irgendeiner Weise mit Tee zu tun haben.

Dieser Film vermittelt einen ersten Eindruck von dem 1706 gegründeten Geschäft im Zentrum Londons.
Hier ist ein witziger Werbespot für Twinings Earl Grey Tea mit Stephen Fry.

Hier in Andover (Hampshire) steht die Teefabrik der Firma Twining.   © Copyright Chris Talbot and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier in Andover (Hampshire) steht die Teefabrik der Firma Twinings.
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Published in: on 18. Januar 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The 15th Century Bookshop in Lewes (East Sussex)

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Lewes ist die Grafschaftshauptstadt von East Sussex und wirklich eine Reise wert. Ich habe hier einmal vor längerer Zeit im White Hart Hotel in der High Street übernachtet und mir am Nachmittag die Stadt „erwandert“. Auch in Lewes kann man an Ghost Walks teilnehmen, die kreuz und quer durch den Ort führen. Einer der Stopps dieser Geistertouren liegt an einem uralten Haus, das sofort ins Auge fällt und an der High Street, Ecke Keere Street liegt. Das Fachwerkhaus beherbergt den 15th Century Bookshop, in dem ein Geist umgehen soll, der so „menschlich“ aussieht, dass er von Kunden der Buchhandlung angesprochen worden ist, die eine Beratung brauchten. Zu einem so alten Gebäude gehören in England Geistergeschichten einfach dazu.

Die Eigentümerin, Susan Mirabaud, hat den 15th Century Bookshop 1986 übernommen und sich auf Kinderliteratur spezialisiert, was aber nicht heißt, dass es hier keine anderen Bücher gibt. Auch alle anderen Themen sowie Raritäten und Sammlerstücke werden in dieser Buchhandlung angeboten.

Ein hübsches Aushängeschild über den Fenstern des ersten Stockwerks macht auf die Buchhandlung aufmerksam, was sicher nicht erforderlich ist, denn dieses Haus aus dem 15. Jahrhundert kann man einfach nicht übersehen. Wer sich in den Räumen der Buchhandlung einmal umsehen möchte und mit dem Auto anreist, kann gegenüber in der Westgate Street an einer alten Mauer parken (wenn man Glück hat und einen freien Platz findet).

Über Lewes habe ich in meinem Blog schon zwei Beiträge geschrieben, einmal über die eigene Währung der Stadt und einmal über das größte Lawinenunglück, das das Land bisher erlebt hat.

The 15th Century Bookshop
99-100 High Street
Lewes
East Sussex BN7 1XH

 

Published in: on 17. Januar 2016 at 02:00  Comments (3)  
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„British Shopping“ – Jetzt in Geesthacht zu finden

Eigenes Foto.

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Über die Firma British Shopping, ansässig in Hamburg-Bergedorf, habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben. Jetzt ist das Geschäft von Hamburg in die Peripherie der Stadt umgezogen und zwar in das Gewerbegebiet an der Vierlander Strasse in Geesthacht. Es ist nicht ganz leicht zu finden, da es an der Hauptstraße, an der das Gewerbegebiet liegt, (noch) nicht ausgeschildert ist. Aber es scheint sich schon herumgesprochen zu haben, dass British Shopping jetzt hier anzutreffen ist, denn bei meinem Besuch dort waren vormittags einige Käufer im Laden.
Anders als in Bergedorf, wo es recht kuschelig und beengt zuging, herrscht in Geesthacht eine eher kühle Atmosphäre vor, die die Besitzer aber durch hübsche Dekorationen aufgelockert haben. Da steht zum Beispiel die lebensgroße Figur eines englischen Polizeibeamten in einer Ecke und kleine Tische mit besonderen Angeboten fallen ins Auge. Vor dem Lagerhaus gibt es keine Parkplatzprobleme; da sah es in dieser Beziehung in Bergedorf ganz anders aus.

Das Sortiment ist sehr groß; Konfitüren und Marmeladen gibt es in Hülle und Fülle, z.B. Frank Cooper’s Oxford Marmalade und Produkte aus dem Hause Stokes in Woodbridge (Suffolk). Schokolade und Süßigkeiten der Firmen Cadbury, Summerdown und Bassett’s sind im Sortiment zu finden wie auch viele Teesorten von Twinings und Taylors of Harrogate. Mulled Winter Punch der Belvoir Fruit Farms, über die ich in meinem Blog berichtete, gibt es hier in Geesthacht zu kaufen und viele alkoholfreie Getränke wie Fentimans Wild English Elderflower und Firefly Bramble Apple & Ginger. Alkoholika werden von British Shopping nicht angeboten.

Neben den Nahrungsmitteln kann man hier auch britische Souvenirs erstehen, so fand ich einen Keramikbecher, der aus Anlass der Geburt des Royal Babys, George of Cambridge, hergestellt wurde, Autoaufkleber „I Love Cornwall“ und eine Jutetasche mit dem Spruch „Keep Calm in London“.

Mehr als 2000 Artikel bietet British Shopping an, die natürlich auch über das Internet bestellt werden können. Der Empfang im Shop war sehr freundlich und es macht einfach Spaß, an den Regalen entlangzugehen und Produkte vorzufinden, die in Deutschland sonst kaum zu haben sind.

Das Gewerbegebiet an der Vierlander Straße geht direkt von der Straße Am Schleusenkanal ab, die an der Elbe in Richtung Hamburg-Bergedorf entlangführt.

Die Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 9 – 17 Uhr
Samstag 10 – 14 Uhr

Eigenes Foto.

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Published in: on 30. Dezember 2015 at 02:00  Comments (5)  
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Prestat – Feinste Schokolade aus London, die vor allem Roald Dahl sehr zu schätzen wusste

Die Queen liebt, wie schon ihre Mutter zuvor, Schokolade aus dem Hause Prestat , und daher besitzt die Firma auch einen Royal Warrant als Hoflieferant des Buckingham-Palastes. Der Schriftsteller Roald Dahl (1916-1990) hatte ebenfalls einen „sweet tooth“ und schätzte vor allem die Schokoladen-Trüffel der Firma. In seinem Roman „My Uncle Oswald“ ( dt. „Onkel Oswald und der Sudan-Käfer“) aus dem Jahr 1979 spielen die Prestat-Trüffel eine Rolle: Besagter Onkel Oswald „impft“ die Schokoladenspezialität mit einem Aphrodisiakum und hat damit einen durchschlagenden Erfolg. Dahls Vorliebe für Schokolade zeigte sich auch in seinem weltberühmten Kinderbuch „Charlie and the Chocolate Factory“ (dt. „Charlie und die Schokoladenfabrik“), das 1964 veröffentlicht wurde.

Die Anfänge der Firma Prestat gehen bis in das Jahr 1902 zurück, als der Franzose Antoine Dufour in der Londoner South Molton Street 24 sein erstes Schokoladengeschäft eröffnete. Bald zog er in einen attraktiveren Laden in die Oxford Street 405 um. Antoine und Amelia Dufours Sohn Tony Dufour übernahm später den Familienbetrieb, den er bis in die 1950er Jahre führte. Zwei Theaterleute, Neville und Maxwell Croft, übernahmen Prestat von Tony Dufour. Der nächste Besitzer war der Geschäftsmann Stanley Cohen und ihm kauften schließlich die beiden Brüder Nick Crean und William Keeling das Schokoladengeschäft ab, das man heute in der Princes Arcade findet, einer edlen Einkaufspassage an der Straße Piccadilly, nur ein paar Meter vom Kaufhaus Fortnum & Mason entfernt.

Nicht nur die Queen und Roald Dahl waren prominente Kunden von Prestats, auch Größen aus dem Showbusiness lieben die schokoladigen Köstlichkeiten wie Paul McCartney, Rod Stewart und Tina Turner. Man bekommt die Produkte der Firma nicht nur in der Princes Arcade, auch die großen Einkaufstempel wie Harrod’s und Selfridges’s führen sie. In Deutschland erhält man Prestat-Schokolade z.B. bei Chocolate-de-Luxe.de in Hannover. Dort kosten Onkel Oswalds Vollmilch-Trüffel (allerdings ohne die oben erwähnte Füllung!) 16.80 Euro (175 Gramm). Nicht ganz billig, aber dafür sehr edel und ebenso edel verpackt. Als Designerin für die Verpackung der Prestat-Produkte konnte man nämlich Kitty Arden gewinnen, die schon mit Christian Dior, John Galliano und Christian Lacroix zusammengearbeitet hat.

Prestat gehört, nach Aussage der Zeitschrift The Economist, zu den drei besten Schokoladengeschäften der Welt. In diesem Film porträtieren die beiden Besitzer ihre prestigeträchtige Firma.

Die Londonern Princes Arcade, die von Piccadilly zur Jermyn Street führt.   © Copyright Steve Fareham and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 15. Dezember 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Enfield Town (Greater London) – Hier wurde weltweit der erste Geldautomat in Betrieb genommen

Die Barclays Bank in Enfield Town.   © Copyright Mike Quinn and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Barclays Bank in Enfield Town.
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An der Außenwand einer Filiale der Barclays Bank am Ende der Church Street (Adresse: 20 The Town) in Enfield Town (Greater London) findet man eine Plakette, die daran erinnert, dass an dieser Stelle am 27. Juni 1967 der erste Geldautomat weltweit in Betrieb genommen wurde. Diese Cash Machines oder ATMs (Automated Teller Machines) sind also keine amerikanische Erfindung, wie ich immer dachte, sondern sind das Geistesprodukt eines Schotten namens John Shepherd-Barron (1925-2010). Dieser Mann war in den 1960er Jahren Manager in der Firma De La Rue, ein Unternehmen, das sich auf die Herstellung von Banknoten und Sicherheitsdokumenten wie Pässe, Bankkarten usw. spezialisiert hat.

John Shepherd-Barron hatte sich einmal darüber geärgert, dass seine Bank gerade geschlossen hatte, als er Geld abheben wollte. Das kann man doch anders regeln, dachte sich der Schotte und tüftelte ein Gerät aus, das in der Lage war, rund um die Uhr Bargeld auszugeben. Damit diese Art der Geldabhebung auch sicher war, erfand er den PIN-Code, der ursprünglich sechsstellig sein sollte. Shepherd-Barrons Frau erhob Einspruch und meinte, so viele Zahlen könne sich doch kein Mensch merken und schlug vor, den PIN-Code vierstellig zu machen, was ihr Mann dann auch akzeptierte. Weiterhin benötigte man Bankkarten, um der Maschine Geld zu entlocken; diese waren anfangs mit einem leicht radioaktiven Stoff versehen.

Der Schotte bot seine Erfindung der Barclays Bank an, die auch sofort Interesse zeigte und den ersten Geldautomaten in Enfield Town installierte. Die Einweihung dieses neuartigen Geräts wurde am 27. Juni 1967 groß gefeiert und Barclays gelang es, den populären Schauspieler Reg Varney dafür zu engagieren, der als erster Mensch dem Automaten Geld entnahm. Damit an diesem Tag auch wirklich alles klappte, hatte man zur Sicherheit unsichtbar hinter dem Automaten einen Bankangestellten positioniert, der die ersten Geldscheine durch den Schlitz schob.
Barclay’s Bank hatte anfangs noch weitere ATMs aufgestellt, in Hove, Ipswich, Luton, Peterborough und Southend. Das System bewährte sich schnell und erregte die Aufmerksamkeit von amerikanischen Banken, die es übernehmen wollten. Shepherd-Barron wurde noch im gleichen Jahr zu einer Konferenz von Bankern nach Florida eingeladen, um die Funktionsweise seiner Geldautomaten vorzustellen. Man war begeistert, und so begann der Siegeszug dieser Geräte, die aus dem heutigen Alltag nicht wegzudenken sind.

In diesem kurzen Film kann man sich die Geschichte der ATM noch einmal ansehen.

Wer sich für die Stadt Enfield im Norden Londons näher interessiert: Diese Bilder geben einen ersten Eindruck.

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Published in: on 30. November 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Atherstone in Warwickshire und seine vergangene Hutindustrie

Was von der einst florierenden Hutindustrie in Atherstone übrigblieb: Die Britannia Works.   © Copyright Nigel Cox and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Was von der einst florierenden Hutindustrie in Atherstone übrigblieb: Die Britannia Works der Firma Wilson & Stafford.
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Am 7. Oktober schrieb ich in meinem Blog über den Ort Atherstone und sein verrücktes Ball Game. Doch über die Kleinstadt in Warwickshire gibt es noch einiges mehr zu berichten. Abgesehen davon, dass der Discounter Aldi hier am Old Holly Lane seine UK-Zentrale hat, war die Stadt lange Zeit für ihre Hutfabrikation über die Grenzen des Königreichs bekannt.
Ursprünglich wurden hier in der Long Street schon seit dem 17. Jahrhundert Hüte in Heimarbeit hergestellt, so richtig in Schwung kam die Hutproduktion aber erst durch Charles Vero und James Everitt, die sich darauf spezialisierten, ihre Filzhüte in die Vereinigten Staaten und in die Karibik zu verkaufen, dort, wo man damals Sklaven hielt. Diese Männer trugen nämlich mit Vorliebe Filzhüte, die man seinerzeit „billycock“ nannte, eine Art Melone. Der Name des Hutes stammt von den Coke-Brüdern William und Edward von Holkham Hall in Norfolk, die diese Art Hüte für ihre Wildhüter entwickelten, damit diese bei Ausritten gegen tiefhängende Äste geschützt waren.

In Atherton wurden diese strapazierfähigen Filzhüte also in großen Stückzahlen angefertigt, wobei die Firmen Denham & Hargrave, Vero & Everitt und Wilson & Stafford tonangebend waren. Etwa 3000 Männer und Frauen waren in Spitzenzeiten in der Hutindustrie des Ortes beschäftigt. Doch dann kam der Einbruch, als die Sklaverei abgeschafft wurde. Einer der wichtigsten Absatzmärkte brach weg, was die Firmen in Atherstone zu spüren bekamen. Doch da in den vielen Kriegen des 19. Jahrhunderts ein ständiger Bedarf an Kopfbedeckungen für Soldaten herrschte, blieben die Firmen weiterhin im Geschäft.
Richtig bergab ging es dann nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Nachfrage nach Filzhüten stark zurückging und importierte Hüte billiger waren als die aus der heimischen Produktion. In den 1980er Jahren übernahm Wilson & Stafford die beiden oben genannten Konkurrenten. Doch auch sie mussten schließlich 1999 die Segel streichen und ihre Britannia Works an der Coleshill Road ein für alle Mal schließen.
Das große verfallene Fabrikgebäude soll jetzt teils abgerissen, teils umgebaut werden und daraus eine Apartmentanlage entstehen.

Übrigens stammt der Ausdruck „Mad as a hatter“ (soviel wie „total verrückt“) aus der Zeit der Hutmacherei im 18. und 19. Jahrhundert, als bei der Produktion von Filzhüten Quecksilber verwendet wurde. Arbeiter („hatter“), die täglich mit diesem giftigen Stoff in Berührung kamen, entwickelten häufig das Hutmachersyndrom, eine Krankheit, die das Nervensystem schädigt.

Das Buch zum Artikel:
Judy Vero: A Concern in Trade – Hatting and the Bracebridges of Atherstone 1612 – 1872. Warwickshire Books 1995. 112 Seiten. ISBN 978-1871942156.

Published in: on 20. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Fleetwood in Lancashire – Heimat der Fisherman’s Friends

Das Firmengelände in Fleetwood (Lancashire).   © Copyright Peter Bond and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Firmengelände in Fleetwood (Lancashire).
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Nördlich von Blackpool, an der Mündung des River Wyre, liegt die 26 000 Einwohner zählende Stadt Fleetwood in Lancashire. Nähert man sich Fleetwood von Süden auf der A585 kommt man auf einen großen Kreisverkehr, auf dessen Mitte ein wuchtiges Denkmal steht, das von der Figur des Eros gekrönt wird, eine Replika der Statue auf dem Londoner Piccadilly Circus. Auf einer Inschrift steht dort zu lesen: „Fisherman’s Friend Welcomes You To Fleetwood„. Die Eros-Statue ist ein Geschenk der Familie Lofthouse, Inhaberin der Marke Fisherman’s Friend, an die Stadt Fleetwood, wo ihre Fabrikgebäude stehen, in denen die weltberühmten Halspastillen hergestellt werden. Auch die Bronzeskulptur „Welcome Home“ an der Promenade von Fleetwood, die eine Mutter mit einem Baby auf dem Arm und ein kleines Mädchen zeigt, die alle aufs Meer hinausblicken und wohl den Vater willkommen heißen, wurde von der Firma Lofthouse of Fleetwood gesponsert.

Das Familienunternehmen geht auf das Jahr 1865 zurück, als der Apotheker James Lofthouse auf Wunsch der örtlichen Fischer eine Tinktur zusammenstellte, die ihnen bei ihrer schweren Arbeit auf dem Meer ein wenig half, kräftig durchatmen zu können. Aus der Tinktur, die aus Lakritze, Eukalyptus und Menthol besteht, wurden bald Pastillen, die die Fleetwood-Fischer sehr zu schätzen wussten. Hundert Jahre später ging es mit dem Fischfang bergab und das hätte auch das Ende der Pastillen sein können, wenn nicht Doreen Lofthouse so clever gewesen wäre, ihr Produkt auch anderweitig anzubieten, erst in ganz Lancashire, dann im ganzen Land und schließlich in allen Teilen der Welt. In mehr als 100 Länder werden die Pastillen heute verkauft, wobei Deutschland der größte Abnehmer ist. Fünf Milliarden Pastillen werden Jahr für Jahr in den Fabrikgebäuden in Fleetwood hergestellt. Waren es früher die Fischer, die auf Fisherman’s Friend schworen, sollen es heute u.a. die Opernsänger sein, die auf die Pastillen nicht verzichten möchten.

Dem Familienunternehmen hier oben in Lancashire geht es gut, und das scheint auch für die Arbeiter in der Fabrik zuzutreffen, denn ich las in einem Artikel der Mail Online, dass die Krankheitsquote deutlich unter dem Landesdurchschnitt liegt und dass einige Arbeiter seit Jahrzehnten nicht einen einzigen Ausfalltag hatten. Liegt das an der Luft in den Fabrikhallen, die mit Menthol und Eukalyptus geschwängert ist?

Bereits dreimal wurde die Firma Lofthouse of Fleetwood Ltd mit dem begehrten Preis Queen’s Award for Enterprise ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung, die ein britisches Unternehmen erhalten kann.

Das 60 000 Quadratmeter umfassende Gelände der Firma liegt an der Maritime Street, im Süden der Stadt, dicht an der A585.

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Der Fisherman's Friend Roundabout.   © Copyright Steve Fareham and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Fisherman’s Friend Roundabout.
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Die "Welcome Home"-Statue an der Promenade von Fleetwood.   © Copyright Barbara Carr and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die „Welcome Home“-Statue an der Promenade von Fleetwood.
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Published in: on 13. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Bernard Matthews (1930 – 2010) – Der Truthahn-König Englands

Great Witchingham Hall in Norfolk, hier residierte Bernard Matthews jahrzehntelang. Heute ist das Haus immer noch das Hauptquartier der Firma.   © Copyright Adrian S Pye and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Great Witchingham Hall in Norfolk; hier residierte Bernard Matthews jahrzehntelang. Heute ist das Haus immer noch das Hauptquartier der Firma.
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Es begann alles am 8. Mai 1950, als der 20jährige Versicherungsangestellte Bernard Matthews in Acle (Norfolk) zwanzig Truthahneier und einen gebrauchten Brutapparat kaufte. 12 der kleinen Truthähne schlüpften und Matthews verkaufte sie an einen Farmer. Aus dieser Transaktion sollte einmal die größte Truthahnfirma ganz Großbritannines entstehen. Schon drei Jahre später verkaufte der junge Mann 3000 der wohlschmeckenden Vögel, er gab seinen eigentlichen Beruf auf und widmete sich ganz der Truthahnaufzucht. Jetzt brauchte er mehr Platz und da wurde er auf ein heruntergekommenes Herrenhaus aufmerksam, das zum Verkauf stand: Great Witchingham Hall, 18 Kilometer nordwestlich von Norwich, in dem einmal die High Sheriffs von Norfolk gelebt hatten. Bernard Matthews kaufte das Haus für £3000 und  zog zusammen mit seiner Frau Joyce und Unmengen von Truthähnen ein. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn in allen Schlafzimmern wurden die Tiere untergebracht, während die beiden Hausbesitzer in zwei ungeheizten Räumen wohnten. Das muss ja wirklich urgemütlich gewesen sein. Geschlachtet wurden die Truthähne in der Küche des Country Houses. Noch heute ist Great Witchingham Hall das Hauptquartier der Firma Bernard Matthews Ltd, allerdings haben die Vögel das Haus längst verlassen.

Als auch das schöne Haus für die Aufzucht zu klein geworden war, entschied sich Matthews in die Vollen zu gehen und so kaufte er in großem Stil in Norfolk und Suffolk nicht mehr verwendete Flugplätze aus dem Zweiten Weltkrieg auf und baute darauf Truthahnfarmen. Bereits im Jahr 1964 galt Bernard Matthews weltweit als der Experte in Sachen Truthähnen und traf sogar mit dem damaligen sowjetischen Regierungschef Nikita Chruschtschow zusammen, um ihm Ratschläge für die Geflügelindustrie seines Landes zu geben.
1965 verkaufte B.M. schon über eine Millionen Vögel und kam ins Guinness Buch der Rekorde als größter Truthahnfarmer Europas. Er ließ es sich nicht nehmen, den jeweiligen Regierungschefs seines Landes zu Weihnachten persönlich einen Festtagsvogel in Downing Street 10 vorbeizubringen.

1980 kam sein erster Werbespot ins Fernsehen, in dem der Slogan „Bootiful“ auftauchte, der zum Markenzeichen des Unternehmens werde sollte. Hier ist der Spot zu sehen.

Das Unternehmen expandierte und hat heute einen Umsatz von rund £340 Millionen mit über 2500 Beschäftigten. Eine Tochtergesellschaft wurde in Oldenburg gegründet.

Leider gibt es auch eine dunkle Seite der Firma, die einige Male in den Schlagzeilen stand, weil die hygienischen Zustände in einigen Ställen sehr schlecht waren und die Truthähne von Arbeitern misshandelt wurden. 2007 wurde die Firma Bernard Matthews Ltd mit der Vogelgrippe konfrontiert, was zu einem dramatischen Absatzverlust führte. Dabei stellte sich heraus, dass einige Produkte gar nicht vom britischen Markt stammten, sondern importiert wurden, was wiederum zu einem Vertrauensverlust führte. Eine Marktuntersuchung kam damals zu dem Ergebnis, dass Bernard Matthews Ltd die britische Firma mit dem schlechtesten Ruf war. Das Management steuerte dagegen, indem es versicherte nur noch zu 100% britische Truthähne zu verwenden und den Spruch von „Simple Norfolk Goodness“ ins Programm aufnahm.

Am 25. November 2010 starb der Firmengründer in Great Witchingham Hall, dort, wo er den größten Teil seines Lebens zugebracht hatte. In diesem Film ist er noch einmal zu sehen.

Eine "Truthahnfabrik" auf dem ehemaligen Gelände der Royal Air Force Halesworth (Suffolk).   © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine „Truthahnfabrik“ auf dem ehemaligen Gelände der Royal Air Force  Halesworth (Suffolk).
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Published in: on 5. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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