Bramber – Ein hübsches Dorf in West Sussex

Die Hauptstraße von Bramber.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Nordwestlich von Brighton, an der A283, liegt das hübsche und sehenswerte Dorf Bramber in West Sussex. Am Rande des Ortes stehen die wenigen Überbleibsel des Bramber Castles, darunter die rund zehn Meter hohe Ruine des ehemaligen Torhauses. Die normannische Burg wurde im 11. Jahrhundert erbaut; gleich daneben die normannische Kirche St Nicholas, die etwa aus der selben Zeit wie die Burg stammt und die älteste normannische Kirche von Sussex ist (täglich geöffnet!).

Das Sahnestück des Dorfes Bramber ist aber die Hauptstraße, einfach nur The Street genannt. Im Sommer sind viele Häuser und die Straßenlaternen mit Blumen dekoriert, selbst die sonst eher schmucklosen indischen und chinesischen Restaurants, in diesem Fall das Maharajah und The New Bramber Dragon, sind mit Blumenampeln und Blumenkästen bunt herausgeputzt.

Großartig sieht auch die Front des Castle Inn Hotels aus, regelrecht in ein Blumenmeer gehüllt. Das 3*-Hotel rühmt sich seines „Old Worlde“-Charmes, „with nooks, crannies and probably not a right angle in the entire place“.

Der Star von Bramber ist zweifellos ein uraltes, grandios aussehende Fachwerkhaus an der Hauptstraße namens St Mary’s, das im 15. Jahrhundert erbaut wurde und dessen Fundamente sogar noch älter sind. Hier war schon Königin Elizabeth I. zu Gast und König Charles II. soll auf seiner Flucht nach Frankreich in dem Haus übernachtet haben.

Die Kellerräume von St Mary’s sollen Sir Arthur Conan Doyle zu seiner Sherlock Holmes Geschichte „The Musgrave Ritual“ (dt. „Das Musgrave Ritual“) inspiriert haben (Alfred Musgarve war der Besitzer des Hauses Anfang des 20.Jahrhunderts).

St Mary’s stand sogar einmal kurz davor, abgerissen zu werden, doch es fanden sich glücklicherweise immer wieder Menschen, die sich in St Mary’s verliebten und das Gebäude hegten und pflegten. Auch die verschiedenen Gärten sind sehenswert wie der Secret Garden, der Topiary Garden und der Terrace Garden.

Das ganze Jahr über finden Veranstaltungen und Konzerte im St Mary’s House statt, so wird es am 6. Oktober einen Abend mit dem Pianisten Phillip Dyson und am 3. November einen Operngala-Abend geben.

St Mary’s ist von April bis Ende September geöffnet, für Einzelpersonen nur zu bestimmten Zeiten, sonst nur für Gruppen. Hier sind die exakten Öffnungszeiten.

Hier ist ein stimmungsvoller Film über das Haus in West Sussex.

Die Ruinen des Bramber Castles.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

St Nicholas.
Photo © Ian Cunliffe (cc-by-sa/2.0)

The Castle Inn Hotel.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

St Mary’s.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Die Gärten von St Mary’s.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Die Top Ten der beliebtesten Hausnamen in Großbritannien

Alle Häuser in Großbritannien haben in der Regel eine Nummer, die zu der entsprechenden Straße gehört wie zum Beispiel „35, Church Street“. Die ungeraden Nummern befinden sich in den meisten Fällen auf der linken, die geraden Nummern auf der rechten Seite der Straße, ortsauswärts gesehen. Es hat sich, vor allem im dörflichen Bereich, eingebürgert, dass man seinem Haus zusätzlich noch einen Namen gibt, wodurch das Anwesen aus der Anonymität einer simplen Hausnummer herausgehoben wird.

Agatha Christies Miss Marple wohnt zum Beispiel in einem Haus in der High Street von St Mary Mead namens „Danesmead„. Die Schriftstellerin selbst wohnte von 1934 bis 1976 in Wallingford (Oxfordshire) in der Reading Road im Winterbrook House.

Die Halifax Building Society hat einmal die beliebtesten Hausnamen in Großbritannien aufgelistet, ebenfalls die Royal Mail, die mit 29,3 Millionen Adressen die größte Datenbank in Großbritannien hat. Hier ist die Hitliste der britischen Post:

Platz 1: The Orchard. Hier: South Luffenham in Rutland.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Platz 2: Meadow House. Hier: Hoo St Werburgh in Kent.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Platz 3: Rose Cottage. Hier: Barnsole in Kent.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Platz 4: Holly Cottage. Hier: Edmondthorpe in Leicestershire.
Photo © Jonathan Thacker (cc-by-sa/2.0)

Platz 5: Oak Cottage. Hier: Stalisfield in Kent.
Photo © Penny Mayes (cc-by-sa/2.0)

Platz 6: Willow Cottage. Hier: Farncombe in Surrey.
Photo © David960 (cc-by-sa/2.0)

Platz 7: School House. Hier: Morchard Bishop in Devon.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Platz 8: The Willows. Hier: Upper Tysoe in Warwickshire.
Photo © Michael Dibb (cc-by-sa/2.0)

Platz 9: Sunnyside. Hier: Edgmond in Shropshire.
Photo © Richard Law (cc-by-sa/2.0)

Platz 10: Springfield Cottage. Hier: Farley in Wiltshire.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. August 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Meridian Monument in Peacehaven an der Küste von East Sussex

Der Nullmeridian, oder auch Greenwich Meridian genannt, mit der Sternwarte von Greenwich in London als Bezugspunkt zieht sich quer durch England und beginnt (oder endet) auf dem Festland in der kleinen Stadt Peacehaven in East Sussex und endet (oder beginnt) in Sand le Mere an der Ostküste von Yorkshire, dort, wo jetzt ein Feriencamp steht; dann verschwindet der Nullmeridian im Meer.

Es gibt Fans, die diesen 439 Kilometer langen Meridian Trail erwandern, im Stück oder in Teilbereichen. Graham und Hilda Heap haben einen vierbändigen Führer über den Greenwich Meridian Trail geschrieben, der 2009, anlässlich des 125jährigen Bestehens des Nullmeridians, eingerichtet wurde.

Peacehaven, der Ausgangspunkt des Wanderwegs, liegt an der viel befahrenen A259, die von Eastbourne nach Brighton führt. Es ist ein Ort mit einer nicht weit in die Vergangenheit reichenden Geschichte; er wurde während des Ersten Weltkriegs 1915 von dem Geschäftsmann Charles Neville gegründet, der hier direkt an der Küste Land aufkaufte. Viele Kriegsveteranen ließen sich in Peacehaven nieder, aber auch Londoner, die sich in dem Ort mit dem idyllischen Namen ihre Ferienhäuser bauten.

1933, als man sich in Peacehaven bewusst wurde, dass man exakt auf dem Nullmeridian wohnte, kam man auf die Idee, ein Denkmal zu errichten, das sowohl an diese geografisch so bedeutungsvolle Stätte aufmerksam machen sollte, als auch gleichzeitig zu Ehren König Georgs V. gebaut werden sollte. Leider starb der König schon, bevor der Grundstein gelegt werden konnte.

Am 8. August 1936 wurde das nun King George V Memorial and Prime Meridian Obelisk genannte Denkmal enthüllt, wobei der Astronomer Royal Harold Spencer Jones eine Rede hielt. Die Lage des Denkmals ist zwar wunderbar, aber es ergab sich ein Problem: Die Küste erodierte, und das hieß, das Memorial musste landeinwärts versetzt werden, was in den 1960er Jahren und noch einmal 1981 geschah. 1987 wurde bei einem schweren Sturm die das Monument krönende Kugel ins Meer gespült, die aber bald durch eine neue ersetzt wurde.

Wer durch Peacehaven spazieren geht, wird ständig daran erinnert, dass man sich hier auf dem Nullmeridian befindet: Es gibt eine Meridian Surgery, eine Meridian Veterinary practice, eine Meridian Community Primary School, ein Meridian Shopping Centre, einen Meridian Way usw. usw.

Dieser Film zeigt das Monument und seine wunderschöne Lage oberhalb der Kreideklippen, von wo aus man in der Ferne die Stadt Brighton sehen kann.

Ausgangspunkt des Greenwich Meridian Trails: Die Klippen von Peacehaven in East Sussex.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Der Endpunkt des Greenwich Meridian Trails: Sand-le-Mere mit seinem Holiday Park an der Ostküste von Yorkshire.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Das Londoner Kaufhaus Selfridges und die Queen of Time Clock

Den Eingang des Londoner Kaufhauses Fortnum & Mason in Piccadilly ziert eine Uhr, neben der zwei Türen angebracht sind, aus der zu jeder vollen Stunde die Herren William Fortnum und Hugh Mason erscheinen, begleitet von Glockenspiel und Musik (ich berichtete in meinem Blog darüber). Über 30 Jahre vorher wurde über dem Haupteingang des Konkurrenz-Kaufhauses Selfridges in der Oxford Street etwas Ähnliches installiert: Die Queen of Time Clock, aus Anlass des 21. Geburtstages des Kaufhauses. Die Uhr hat zwei Zifferblätter und schlägt zu jeder Viertelstunde. Sie ist über einer aufwendig gestalteten geflügelten Bronzefigur, der Queen, angebracht, die auf dem Bug eines Schiffes steht, umgeben von weiteren Art Deco-Figuren wie Meerjungfrauen und anderen geflügelten Gestalten. In ihrer rechten Hand hält die Queen of Time eine Kugel, auf der eine weitere Figur mit Flügeln angebracht ist, die linke Hand umfasst Olivenzweige. Oberhalb der beiden Zifferblätter sieht man ein Segelschiff.

Der Bildhauer, der die Queen of Time angefertigt hat, heißt Gilbert Bayes (1872-1953). Der renommierte Künstler war u.a. für seine vielen Kriegerdenkmäler bekannt geworden. Gordon Selfridge war ein großer Bewunderer von Bayes, und so findet man an anderen Stellen des Kaufhauses weitere Kunstwerke des Bildhauers. Ursprünglich wollte Gilbert Bayes die rund vier Meter hohe Queen of Time aus Terracotta anfertigen, entschied sich dann aber doch für Bronze. Die Figur ist teils vergoldet und mit Fayencen und Steingut aus dem Hause Doulton verziert. Dieser Film zeigt den Künstler und einige seiner Werke, auch die Queen of Time.

Die Market Hall in Old Amersham (Buckinghamshire)

Über einen meiner Lieblingsorte in England, Old Amersham in Buckinghamshire, habe ich schon mehrere Male in meinem Blog geschrieben. Entlang der High Street reihen sich hübsche alte Häuser aneinander, dominiert von dem Hotel King’s Arms, dem Crown Hotel und der Market Hall am Anfang der High Street. Die Markthalle steht unter Denkmalschutz und wurde 1682 erbaut, ein Geschenk von Sir William Drake an Amersham, dessen Member of Parliament er war. Das Wappen der Familie Drake, die damals schon sehr lange in der kleinen Stadt ansässig war, ist in der Market Hall zu finden. Im Erdgeschoss des Gebäudes spielte sich das Markttreiben ab, die Räume darüber dienten und dienen noch für Versammlungen. Das Backsteinhaus wird von einem Türmchen gekrönt, in dem eine Glocke hängt und an dem eine Uhr angebracht ist. Im Jahr 1911 wurde die Market Hall generalüberholt, wofür William Wykeham Tyrwhitt Drake, ein Nachfahre von Sir William Drake, verantwortlich zeichnete. Eine Zeit lang wurde in dem Gebäude ein Feuerwehrfahrzeug untergestellt und es diente eine Weile als Gefängnis.

Der Amersham Town Council vermietet das Obergeschoss, das 1993 komplett renoviert wurde, für Veranstaltungen, Parties, Abendgesellschaften usw.

Old Amersham ist ideal als Drehort für Filme und so waren in den letzten Jahrzehnten immer wieder Filmcrews in der High Street zu sehen. Auch die Market Hall tauchte hin und wieder als Schauplatz in Filmen und TV-Serien auf, so zum Beispiel in „Circus of Horrors“ (dt. „Der rote Schatten“) aus dem Jahr 1960, in dem u.a. Donald Pleasance mitspielte.
1965 wurden Szenen des Musicalfilms „Three Hats for Lisa“ mit Joe Brown und Sophie Hardy in den Hauptrollen an der Market Hall gedreht. Auch in der zweiten Staffel der BBC3-Comedy-Serie „Cuckoo“ dt. („Cuckoo“), die 2012 vom Stapel lief, sind Old Amershams High Street und die Market Hall zu sehen.

Wenn ich mich nicht verzählt habe, wurden bisher neun Folgen der „Inspector Barnaby„-Krimiserie, zumindest in Teilen, in Old Amersham gedreht.

Ich wohnte bei meinen Aufenthalten dort immer im King’s Arms Hotel, einem uralten Haus mit viel Atmosphäre, das auch schon mehrfach für Filmaufnahmen genutzt wurde. Einen Aufenthalt in Old Amersham kann ich sehr empfehlen. Nur ein paar Meter von der Market Hall entfernt, liegt eines der besten Restaurants Englands, artichoke, daneben ein ebenfalls sehr gutes Restaurant, Gilbeys, das ich in meinem Blog schon vorgestellt habe.

Hinweistafel auf das Jahr der Erbauung der Market Hall.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

Der Eingang zur Gefängniszelle.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

Blick durch einen der Torbögen der Market Hall. Gleich links sind die beiden von mir empfohlenen Restaurants zu finden.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

Bei einem meiner Besuche erstrahlte der Union Jack an der Market Hall.
Eigenes Foto.

 

 

Pineapples – Die Ananas in der englischen Architektur

Schottland liegt zwar nicht in meinem Berichtsbereich, aber The Dunmore Pineapple, südöstlich von Stirling gelegen, muss ich einfach anführen, denn das Gebäude gilt als eines der kuriosesten Follies im ganzen Königreich.
Photo © kim traynor (cc-by-sa/2.0)

Über The Pineapple als Pubnamen habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben. Man trifft auf die Ananas aber auch in der Architektur als Verzierungselement auf Säulen, Dächern, Brücken usw.

Die Frucht galt viele Jahre lang, weil sie so selten war, als Symbol des Reichtums. Nur sehr wohlhabende Leute konnten sie sich leisten, und so wurde die Ananas häufig auf Landsitzen als architektonisches Stilmittel verwendet, aus Gips, Holz oder anderen Materialien.
Ich habe hier einmal einige Beispiele zusammengestellt:

Hier im Mount Edgcumbe House and Country Park in Cornwall wird ein Brückengeländer mit den exotischen Früchten verziert.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Die Spitze der Corn Exchange in Bridgwater (Somerset) wird von einer Ananas verschönert.
Photo © Neil Owen (cc-by-sa/2.0)

Zwei mit „pineapples“ gekrönte Obelisken zieren die Zufahrt zur Londoner Lambeth Bridge.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Steinerne Früchte auf einer Balustrade im Godmersham Park bei Chilham in Kent.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Das Manor Farmhouse in Urchfont, südlich von Devizes in Wiltshire.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Und auch in Kirchen ist die Ananas zu finden wie hier auf einem Taufstein in der Holy Trinity Church in Wensley bei Leyburn in North Yorkshire.
Photo © Bill Harrison (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 16. Juli 2018 at 02:00  Comments (6)  
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Westwood Quarry – Ein Steingruben-Tunnelsystem in Wiltshire

Ein Blick in einen der Tunnel.
Photo © Noel Jenkins (cc-by-sa/2.0)

Schon seit Mitte des 17. Jahrhunderts wurde in Westwood in Wiltshire, ein paar Kilometer westlich von Bradford-on-Avon, Stein abgebaut, um damit Häuser in Bath zu bauen. Auch die Holy Trinity Church in Trowbridge, ebenfalls in Wiltshire gelegen, wurde aus den Steinen vom Westwood Quarry gebaut. Im Laufe der Jahrhunderte entstand so ein weit verzweigtes Tunnelsystem, das für die unterschiedlichsten Zwecke verwendet wurde. So legte die Agaric Mushroom Company hier eine Champignonzucht an, da die Pilze das feuchte Klima lieben und entsprechend gut gedeihen. Im Zweiten Weltkrieg musste ein Teil der Pilzzucht weichen, um Platz zu machen für Werkstätten, in denen die Firma Royal Enfield spezielle Geräte für Luftabwehrgeschütze (anti-aircraft predictors), produzierte (hier ist ein Film wie die ehemaligen Produktionsanlagen heute aussehen).

Ebenfalls im Zweiten Weltkrieg beherbergte der Westwood Quarry riesige Kunstsammlungen, die hierher gebracht wurden, um sie vor den deutschen Luftangriffen zu schützen. London war das bevorzugte Ziel der Luftwaffe, die über der Stadt Unmengen an Bomben abwarfen. In den großen Museen fürchtete man, dass die dort untergebrachten Kunstschätze zerstört werden könnten und so suchte man im ganzen Land nach sicheren Unterbringungsmöglichkeiten. Abgelegene Landsitze boten sich dafür an, aber bei genauerem Hinsehen stellte man fest, dass die Sicherheit dort nicht immer gewährleistet war, und die Besitzer der Country Houses waren von dieser Idee nicht ganz so begeistert, als sie erfuhren, dass sie für die Unterbringung der Schätze kein Geld erhalten sollten.
So bot sich der Westwood Quarry an, in den Kunstgegenstände aus dem British Museum, dem Victoria & Albert Museum und der National Portrait Gallery gebracht wurden. Die weltberühmten Elgin Marbles aus dem British Museum fanden in den Höhlen eine Zeit lang sicheren Unterschlupf, das Flugzeug der Brüder Wright, das damals im London Science Museum untergebracht war, transportierte man nach Wiltshire, damit es den Krieg unbeschadet überstehen konnte, und auch die Kronjuwelen wurden in Westwood sicher gelagert, wovon sich Queen Mary bei einem Besuch im Jahr 1943 überzeugen konnte. Damit die wertvollen Gegenstände in der feuchten Luft keinen Schaden nahmen, installierte man eine Klimaanlage und sicherte das Tunnelsystem mit Spezialtüren ab.

Der Westwood Quarry wird auch heute noch als Lagerstätte für Archiv- und Dokumentationsmaterial genutzt.

Erbaut aus Steinen aus dem Westwood Quarry: Die Holy Trinity Church in Trowbridge (Wiltshire).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. Juli 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Spukorte – Racton Ruin bei Racton in West Sussex

Als ich Dave Hamiltons Buch „Wild Ruins“ in meinem Blog vorstellte, erwähnte ich ganz kurz das Racton Folly in West Sussex, auf das ich heute etwas ausführlicher eingehen möchte. Der romantische, verfallene Turm wird auch Racton Ruin und Racton Monument genannt. George Montagu-Dunk, 2nd Earl of Halifax, ließ den 24 Meter hohen, auf einem Hügel stehenden Turm zwischen 1766 und 1775 erbauen. Welches seine Beweggründe gewesen sein mögen, ist unklar. Möglicherweise wollte der Earl oben vom Turm die nahe Küste beobachten wie seine Handelsschiffe, aus Nordamerika kommend, dort im Hafen anlegten.

Seit mehr als 100 Jahren kümmerte sich niemand mehr um diese immer noch eindrucksvolle Ruine, die aber inzwischen wieder in privater Hand ist. Da der Turm sehr einsam in einem kleinen Wäldchen steht, ist er zu einem bevorzugten Ziel für einige zwielichtige Elemente geworden, die dort Drogen nehmen. Auch einige Okkultisten haben sich diesen Ort erwählt, um ihre Rituale an dem alten Gemäuer durchzuführen. Selbstmörder nutzten das Racton Monument, um sich hier vom Leben zu verabschieden.

Geisterjäger haben sich des Nachts mehrere Male am Turm eingefunden, denn es heißt, die Racton Ruin wäre „haunted“. Da ist die Rede davon, dass Steine von oben herunter geworfen werden, eine geisterhafte Frau soll um den Turm herumlaufen und einige nächtliche Besucher berichteten, dass sie plötzlich gestoßen worden sind.

Hier ist ein Film, der die geheimnisvolle Atmosphäre des Turms zeigt, von einer Drohne aus aufgenommen.

Wer jetzt Lust verspürt, die Racton Ruin einmal aufzusuchen: Sie liegt am Monument Lane, einem Weg, der von der B2147 bei Racton abzweigt, ein Ort der nur aus einer Handvoll Häusern besteht und wenige Kilometer von den Küstenorten Emsworth und Havant entfernt ist.

Haunted Racton Ruin.
Photo © Pete Diaper (cc-by-sa/2.0)

The Two Mice Eating Cheese – Londons kleinste Skulptur im Philpot Lane

Die Londoner Straßen Eastcheap und Philpot Lane werden von dem riesigen hässlichen Hochhaus beherrscht, dessen Adresse 20 Fenchurch Street lautet, das aber überall auf Grund seiner Form The Walkie Talkie genannt wird. Gegenüber diesem Gebäude wirken alle anderen winzig klein, dabei sind einige in den beiden oben genannten Straßen viel schöner anzusehen, zum Beispiel die Hausnummer 23 Eastcheap, ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude aus der viktorianischen Zeit, in dem Mitte des 19. Jahrhunderts die Gewürzhändler Hunt & Crombie ihre Geschäftsräume hatten.

Das Eckhaus auf der Seite zum Philpot Lane hin, verfügt über eine Besonderheit: An der Wand etwas oberhalb des Erdgeschosses, in dem eine Filiale der Ladenkette Joe & The Juice untergebracht ist, findet sich Londons kleinste Skulptur, die den Namen The Two Mice Eating Cheese trägt. Man muss schon die Augen nach oben richten, um die beiden Mäuse und das Stück Käse zu sehen, sonst läuft man achtlos daran vorbei.

Es gibt mehrere Versionen, was das zu bedeuten hat. Die am häufigsten erzählte, ist diese:

Beim Bau des Monuments, jener 62 Meter hohen Säule, die an den Großen Brand von London im Jahr 1666 erinnert, und die in den 1670er Jahren errichtet worden war, soll es zu einem Zwischenfall in luftiger Höhe gekommen sein. Zwei Bauarbeiter hatten dort oben eine Pause eingelegt, wobei es zu einem Streit um ein Sandwich kam. Der eine Arbeiter bezichtigte den anderen, er hätte sich an seinem mit Käse belegten Sandwich vergangen und dieses halb aufgegessen, was der Beschuldigte weit von sich wies. Es kam zu einem Gerangel, wobei die Streithähne vom Monument fielen und dabei zu Tode kamen. Erst später stellte sich heraus, dass es Mäuse waren, die sich in einem unbeobachteten Moment über das belegte Brot hergemacht hatten. In Erinnerung an die beiden zu Tode gestürzten Männer soll die „Maus-Käse-Skulptur“ an dem Haus Eastcheap/Philpot Lane angebracht worden sein.

Die zweite Version ist ähnlich, nur mit dem Unterschied, dass der Streit um das halb aufgegessene Sandwich nicht auf dem Monument, sondern auf einem Gerüst beim Bau eben jenes Gebäudes stattfand, an dem die Mini-Skulptur angebracht ist.

Was auch immer stimmt oder nicht stimmt, ich finde dieses kleine Kunstwerk schön.

23 Eastcheap.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Schauplatz des tragischen Sandwich-Zwischenfalls: The Monument.
Photo © Graham Horn (cc-by-sa/2.0)

Smallhythe Place bei Tenterden (Kent) – Der letzte Wohnsitz der Schauspielerin Ellen Terry (1847-1928)

Im vorigen Jahr kam ich wieder einmal am Smallhythe Place vorbei, an der B2082 südlich von Tenterden gelegen. Das dem National Trust gehörende schöne alte Fachwerkhaus war der letzte Wohnsitz der Schauspielerin Dame Ellen Terry (1847-1928), die schon als Kind Shakespeare-Rollen spielte und zu ihrer Zeit als die führende Shakespeare-Darstellerin galt. Hier ist ihre Stimme zu hören.

1899 kaufte Dame Ellen Terry Smallhythe Place, das wohl zu Beginn des 16. Jahrhunderts erbaut worden war, und lebte hier bis zu ihrem Tod im Jahr 1928. Ihre Tochter, Edith Craig, die auch im Schauspielbereich tätig war und zu den aktiven Frauenrechtlerinnen gehörte, öffnete 1929 Smallhythe Place für interessierte Besucher, die sich dort Terrys Sammlung von Theaterkostümen ansehen konnten. Der National Trust übernahm nach Edith Craigs Tod 1947 das Haus, das auch heute noch der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Zu sehen sind hier neben der Kostümsammlung unendlich viele Memorabilia aus der Welt des Theaters, so zum Beispiel ein Brief, den Oscar Wilde an Ellen Terry schrieb und das Monokel des berühmten Komponisten Sir Arthur Sullivan. Auf den knarzenden Fußböden des jahrhundertealten Hauses begibt man sich von Zimmer zu Zimmer und stellt sich vor wie es wohl gewesen sein muss, in so einem Gebäude zu leben.

Edith Craig installierte nach dem Tod ihrer Mutter 1929 das Barn Theatre auf dem Gelände des Smallhythe Place, in dem im Sommer Stücke aufgeführt werden, natürlich auch von William Shakespeare. Gartenliebhaber kommen hier auch auf ihre Kosten und können sich in dem wunderschönen Cottage Garden ergehen.

Es gibt weiterhin einen Tea Room und einen kleinen Laden, in dem regionale Produkte, Bücher und Haushaltsgegenstände angeboten werden. In Smallhythe Place kann man also gut ein paar angenehme Stunden verbringen.
Der Eintrittspreis beträgt £8.40. Das Haus ist von Mittwoch bis Sonntag von 11 Uhr bis 17 Uhr geöffnet; ab dem 29. Oktober ist Smallhythe Place für das Winterhalbjahr geschlossen.
Hier ist das Haus im Film zu sehen.

Smallhythe Place
Smallhythe
Tenterden, Kent, TN30 7NG

The Barn Theatre.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

The Aldgate Pump – Eine historische Wasserpumpe in der City of London

Dort, wo in der Londoner City die Fenchurch Street auf die Leadenhall Street trifft, steht eine alte, unter Denkmalschutz stehende Wasserpumpe, die Aldgate Pump, die früher einmal sowohl Segen als auch Fluch für die Bevölkerung darstellte. Segen in sofern, als sie sauberes Wasser nach oben transportierte, das sich die Londoner hier gern abholten; Fluch, weil um das Jahr 1875 herum aus dem einst sauberen Wasser eine widerliche Brühe wurde, denn der unterirdische Fluss passierte, bevor er an der Aldgate Pump ankam, mehrere Friedhöfe, aus denen organische Stoffe von den verwesenden Leichen mitgespült wurden, zum Beispiel Kalzium aus den Knochen der Toten. Die Menschen, die sich ihr Trinkwasser aus der Pumpe holten, wussten das natürlich nicht. Das Ergebnis des „Wassergenusses“: Mehrere hundert Menschen erkrankten und starben an den Folgen des verseuchten Wassers. Die Aldgate Pump wurde daraufhin still gelegt und später an das neue Leitungswassersystem der New River Company angeschlossen. Die Aldgate Pump Epidemie war damit glücklicherweise beendet.

So wie wir die Pumpe heute an der Straßenecke sehen, stammt sie aus dem Jahr 1876; die Vorgängerin wurde abgebaut und durch diese ersetzt. Das Besondere an der Aldgate Pump ist der Zapfhahn in Form eines Wolfskopfes, denn an dieser Stelle wurde der letzte Wolf erschossen, der durch London zog. Dieser Film zeigt die Pumpe.

Der Music Hall Sänger Arthur Lloyd (1839-1904) sang in den 1860er Jahren einmal ein Lied mit dem Titel „Aldgate Pump„, in dem es um eine Liebesgeschichte geht, in der die Wasserpumpe eine wesentliche Rolle spielt („I shall never forget the gal I met near Aldgate Pump“).

Published in: on 26. Juni 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Mersey Gateway Bridge – Sie verbindet Runcorn mit Widnes in Cheshire

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Am 14. Oktober 2017 wurde eine neue Brücke über den River Mersey eröffnet, die die bisherige Silver Jubilee Bridge, entlasten soll; letzere wird zurzeit generalüberholt. Die neue Mersey Gateway Bridge wurde erst jetzt, vor wenigen Tagen, offiziell eröffnet, in Anwesenheit der Queen und dem neuen Mitglied des Königshauses, der Duchess of Sussex, im früheren Leben Meghan Markle. Die Medien aus aller Welt berichteten von dem Ereignis, das heißt, die Brücke, die ja eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte, interessierte die anwesenden Reporter nicht; ihnen war viel wichtiger was die Duchess trug und wie sie mit der Queen kommunizierte. Daher gibt es auch erheblich mehr Fotos von den beiden Royals als von der Mersey Gateway Bridge.

Bei mir ist es genau andersherum, denn ich finde das im vorigen Jahr fertiggestellte Bauwerk viel interessanter als die Kleiderfarbe der Queen (giftgrün) oder wer das Outfit der Herzogin entworfen hat.

2,2 Kilometer lang ist die neue Brücke über den Mersey River, die die A533 von Runcorn nach Widnes führt, und sie hat drei Spuren in jede Richtung. £600 Millionen hat sie gekostet, eine Menge Geld, aber die alte Brücke war längst an ihre Belastungsgrenze angelangt mit mehr als 80 000 Fahrzeugen pro Tag. Das Befahren der Mersey Gateway Bridge ist kostenpflichtig. PKWs zahlen £2, LKWs je nach Größe bis zu £8. Und schon hat sich eine Protestbewegung gegen den Brückenzoll erhoben. Die Mitglieder von Scrap Mersey Tolls machen sich stark dafür, dass die Überquerung des Mersey kostenlos sein soll, so wie es bisher auf der alten Silver Jubilee Bridge war; doch auch diese wird nach ihrer Neueröffnung mit einer Maut belegt werden.

Hier sind Bilder von der (inoffiziellen) Eröffnung der Brücke im Oktober 2017.

Londons School of Oriental and African Studies, die Brunei Gallery und eine Entschuldigungsplakette

Die Brunei Gallery.
This work has been released into the public domain by its author, An Siarach

Die School of Oriental and African Studies (SOAS) in London wurde 1916 gegründet und ist „die wichtigste Universität für Studiengänge, die sich mit Afrika, Asien und dem Nahen Osten befassen“, so die Wikipedia. Bekannte Absolventen der Hochschule sind zum Beispiel die Friedensnobelpreisträgerin Aug San Suu Kyi, die Kronprinzessin von Norwegen Mette-Marit, der britische Politiker Enoch Powell und die ZDF-Moderatorin („heute in Europa“) Jasmin Hekmati. Die Gebäude der SOAS liegen zwischen dem Torrington Square und der Thornhaugh Street in Bloomsbury.

1995 bekam die SOAS ein neues Gebäude, das der Sultan von Brunei der Universität schenkte und das folglich Brunei Gallery genannt wird. Hier finden auf mehreren Stockwerken regelmäßig Ausstellungen statt, es gibt Konferenz- und Vorlesungsräume und eine Buchhandlung. Die Gallery, die von dem Architekturbüro Nicholas Hare Architects entworfen wurde, erhielt 1998 den Camden Environmental Design Award und stand im gleichen Jahr auf der Nominierungsliste für einen der RIBA Awards (Royal Institute of British Architects).

Obwohl die Brunei Gallery in Architektenkreisen hoch anerkannt war, bestand die Gefahr, dass das Haus gleich wieder hätte abgerissen werden können, denn… es wurde ohne Zustimmung der ursprünglichen Grundstückseigner, der Familie Russell, später die Dukes of Bedford, errichtet. Die University of London hatte zwar das Land den Bedfords abgekauft, aber im Kaufvertrag stand, dass jedes neu zu errichtende Gebäude erst deren Zustimmung bedurfte, was das Design anbelangt. Und die wurde in diesem Fall nicht eingeholt.

Natürlich kam es für die Bedfords nicht in Frage, die Brunei Gallery wieder dem Erdboden gleich zu machen, aber sie bestanden darauf, dass an dem Gebäude eine Entschuldigungsplakette angebracht werden musste, mit dem Wortlaut:

The University of London hereby records its sincere apologies that the plans of this building were settled without due consultation with the Russell family and their trustees and therefore without their approval of its design.“

…noch mal Glück gehabt!

Published in: on 9. Juni 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Gargoyles – Wasserspeier an historischen Gebäuden

Wasserspeier am unheimlichen Woodchester Mansion bei Nympsfield in Gloucestershire.
Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

Gargoyles sind Wasserspeier, die an historischen Gebäuden und vor allem an Kirchen angebracht sind und die dazu dienen, das Regenwasser abzuleiten, das sich auf den Dächern angesammelt hat. Dadurch, dass die Wasserspeier aus dem Mauerwerk herausragen, wird das Wasser daran gehindert, in die Mauern einzudringen und dort Schaden anzurichten.

Die Baumeister haben sich seinerzeit sehr viel Mühe mit der figürlichen Darstellung der Gargoyles gemacht; oft sind es unheimlich anmutende Chimären, Fratzen und Fantasiegestalten, durch deren weit geöffnete Mäuler das Regenwasser geleitet wird. Passanten, die unter ihnen entlanggehen, sollten Vorsicht walten lassen und einen Regenschirm aufspannen.

Meine erste Begegnung mit Gargoyles war in Paris an der Kirche Notre Dame, die über eine Vielzahl dieser Figuren verfügt. Auch in England trifft man sie an Kirchen, an Türmen und anderen historischen Bauwerken. Einige Collegegebäude in Oxford verfügen über besonders ansprechende, oder besser gesagt furchterregende Exemplare wie dieser Wasserspeier am Brasenose College:

Ich habe hier noch einige weitere Bilder von Gargoyles zusammengestellt, die sich auf bzw. an englischen Gebäuden befinden.

An der Holy Cross Church in Great Ponton (Lincolnshire).
Photo © J.Hannan-Briggs (cc-by-sa/2.0)

An der Kathedrale von Salisbury in Wiltshire.
Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

The Church of Our Lady and the English Martyrs in Cambridge.
Photo © Meirion (cc-by-sa/2.0)

St John the Baptist in Pilton (Somerset).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)


Published in: on 5. Juni 2018 at 02:00  Comments (4)  
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10 Hyde Park Place – Die Adresse des kleinsten Hauses in London

Ich bin sicher, dass die meisten Menschen, die die Straße Hyde Park Place entlang laufen, am kleinsten Haus Londons, das die Nummer 10 trägt, vorbeilaufen, ohne es überhaupt wahrzunehmen, denn es noch nicht einmal einen Meter breit. 1805 wurde das Mini-Haus gebaut; davor gab es an dieser Stelle einen Durchgang zum St George’s Friedhof. Und dieser Durchgang soll immer wieder von den „bodysnatcher“ benutzt worden sein, die Leichen auf dem Friedhof ausbuddelten und diese an Mediziner verkauften. Um diesem Treiben eine Riegel vorzuschieben, soll man dieses Häuschen dort errichtet haben. Der Friedhof wurde 1765 in Betrieb genommen und 1854 für Beerdigungen geschlossen. Danach wurde auf dem Areal ein Garten angelegt, während des Zweiten Weltkriegs entstanden hier Schrebergärten und später wurde die Fläche bebaut.

Im Zweiten Weltkrieg, genauer im Jahr 1941, fielen Bomben auf diesen Teil von London, wobei auch 10 Hyde Park Place beschädigt wurde.
Im Erdgeschoss des Hauses gibt es lediglich einen schmalen Flur, im ersten Stock ein Badezimmer. Gewohnt hat hier einmal Lewis Grant Wallace (1910-2002), ein Schriftsteller und Filmproduzent, der in den 1940er Jahren eine Handvoll unbedeutender und lange vergessener Filme produziert hat.

Das Haus gehört heute dem benachbarten Tyburn Convent, einem katholischen Nonnenorden, der sich auch The Adorers of the Sacred Heart of Jesus of Montmartre nennt.

 

Published in: on 3. Juni 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Die Londoner Albert Bridge – The Trembling Lady

Am 23. August 1873 wurde in London die Albert Bridge eröffnet, die die Stadtteile Chelsea und Battersea über die Themse verbindet. Benannt ist sie nach dem Gemahl Queen Victorias, Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Der Ingenieur Rowland Mason Ordish (1824-1886) konzipierte und baute die Albert Bridge, die 12 Meter breit und 220 Meter lang ist.

In den ersten sechs Jahren musste man eine Brückenmaut bezahlen, um von der einen auf die andere Seite der Themse zu gelangen; die Mauthäuschen stehen noch heute an der Brücke. An ihnen sind Schilder angebracht mit dem Hinweis: „All troups must break step when marching over this bridge„. Es wurde nämlich ziemlich schnell klar, dass, wenn Soldaten im Gleichschritt über die Brücken marschierten, diese anfing zu schwanken. Truppen von den nahe gelegenen Chelsea Barracks marschierten häufig über die Albert Bridge, und so wurde jeweils von den Truppführern angeordnet, dass die Männer im „Normalschritt“ die Brücke zu passieren hatten. Auf Grund dieser Eigenschaft nennt man die Brücke auch „The Trembling Lady„.

Nicht nur Soldaten und Zivilisten nutzten die Albert Bridge, auch viele Hunde wurden zum Gassigehen von den Bewohnern Chelseas in den Battersea Park geführt. Da es die Vierbeiner oft nicht bis zu den Bäumen des Parks schafften, hoben sie ihre Beine bereits auf der Brücke und das konnten die Holzplanken nun gar nicht vertragen, denn der Hundeurin führte dazu, dass sie allmählich verrotteten, was wiederum zu kostspieligen Reparaturarbeiten führte.

Die Albert Bridge hat im Laufe ihres Lebens viele Male ihre Farbe gewechselt. Anfangs war sie in eher unauffälligen Farben angemalt, was bei schlechtem Wetter und bei Nebel zu Kollisionen mit Schiffen führte. Heute trägt sie besser erkennbare Farben, zusätzlich sind noch sehr helle Halogenlampen an ihr angebracht.

Für einige Filme und Musikvideos diente die Albert Bridge als Hintergrund, so zum Beispiel in Peter Howitts Liebesdrama „Sliding Doors“ (dt. „Sie liebt ihn – Sie liebt ihn nicht“ aus dem Jahr 1998. Hier ist der entsprechende Filmausschnitt. Im Musikvideo „Don’t get me wrong“ der Pretenders ist die Brücke zu sehen und in „Misty Morning Albert Bridge“ der Pogues.

Das Problem der schwankenden Brücke gab es in London noch einmal, als die Millennium Bridge im Jahr 2000 eingeweiht wurde. Kaum war sie eröffnet, musste sie auch schon wieder geschlossen werden, denn als die neugierigen Besuchermassen die neue Brücke überquerten, fing diese an recht heftig zu schwanken. Die Trembling Lady hatte ein Schwester bekommen, die Wobbly Bridge (hier ist ein Film über sie).

Ein ehemaliges Mauthäuschen an der Albert Bridge mit dem Warnschild für die Truppen.
Photo © Eirian Evans (cc-by-sa/2.0)

Die Millennium Bridge, The Wobbly Bridge.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Der Royal Albert Hall Chimney

Kürzlich schrieb ich in meinem Blog über die Promenadenkonzerte der BBC, die jedes Jahr in der Royal Albert Hall veranstaltet werden. Wer eines der Konzerte besucht und vielleicht schon früh genug vor Beginn dort ist, um noch einen kleinen Spaziergang rund um das imposante Gebäude unternehmen zu können, wird am Südeingang mit einem hohen Schornstein konfrontiert. Üblicherweise findet man Schornsteine auf den Dächern von Häusern, dieser aber steht direkt daneben auf dem Boden. Was hat es damit auf sich, wird man sich fragen?

Bei der Eröffnung der Royal Albert Hall am 29. März 1871 war direkt am Südeingang ein riesiges gläsernes Gewächshaus der Royal Horticultural Society angebracht, ca 90 Meter lang und 25 Meter hoch, an das sich die Gärten der königlichen Gesellschaft anschlossen. Um das Gewächshaus zu beheizen, hatte man im Keller Heizungsanlagen eingebaut, zu denen eine Verbindung zu den Heizkesseln der Hall bestand; beide benutzen den besagten Schornstein, der 1884 abgerissen und durch einen neuen ersetzt wurde, den noch Henry Young Darracott Scott, der Erbauer der Royal Albert Hall, entworfen hatte. Fünf Jahre später wurde auch das Gewächshaus abgerissen; der Schornstein aber blieb bis heute unversehrt und ist noch immer mit den unterirdischen Dampfkesseln der Royal Albert Hall verbunden. Er wird regelmäßig inspiziert, ist schon einmal mit Metallbändern verstärkt worden und steht unter Denkmalschutz.

Die neue Botschaft der USA in London

Bis vor kurzem lag das Botschaftsgebäude der USA in London am Grosvenor Square, seit Januar 2018 lautet die neue Adresse 33 Nine Elms SW11 7US. Der Nine Elms -Bezirk liegt am Südufer der Themse und befindet sich in einem gewaltigen Wandel. Hier wird ein Hochhaus neben dem anderen hochgezogen und immer mehr Firmen verlegen ihre Zentren hierhin, zum Beispiel der Apple-Konzern. Allmählich nimmt die Bedeutung der South Bank gegenüber der Northbank zu.

In dieses aufstrebende Viertel zwischen dem Battersea Park und dem Vauxhall Park ist also die US-Botschaft gezogen, und Präsident Donald Trump schimpft unentwegt darüber, dass sich die Lage erheblich verschlechterte hätte und spricht von einer „lousy and horrible location„. Ich bezweifle, dass die London-Kenntnisse von Herrn Trump besonders gut sind, und er wahrscheinlich noch nie von Nine Elms gehört hat. Eigentlich sollte er im Januar anreisen und das Botschaftsgebäude eröffnen, aber die Stimmung in Großbritannien gegenüber dem US-Präsidenten war schlecht, viele wollten ihn nicht in London sehen und so sagte er (beleidigt?) seinen Besuch ab. Vielleicht ist das auch der Grund für seine ständigen abfälligen Bemerkungen über die Lage des Gebäudes.

Geplant war die neue Botschaft bereits unter den Regierungszeiten von George W. Bush und Barack Obama. Das alte Gebäude am Grosvenor Square war zu klein geworden und die geplanten Sicherheitsmaßnahmen konnten dort nicht durchgeführt werden. Die neue US Embassy soll ca eine Milliarde Dollar gekostet haben und wurde von dem US-amerikanischen Architektenbüro KieranTimberlake konzipiert, das seinen Sitz in Philadelphia hat und 1984 gegründet wurde. Das Gebäude in Form eines Glaswürfels hat zwölf Stockwerke. The Guardian bezeichnete es als „restrained, efficient, green… the antithesis of Donald Trump„. Es ist wie eine Burg konstruiert mit einem Wassergraben, der verhindern soll, dass Anschläge mit Fahrzeugen vorgenommen werden und gilt als das sicherste (und teuerste) Botschaftsgebäude der USA weltweit.

Der Herr des Hauses ist Botschafter Woody Johnson, ein 71jähriger steinreicher Mann aus der Wirtschaft, dessen Urgoßvater den Riesenkonzern Johnson&Johnson gründete, und der den Football-Club New York Jets einmal für  $635 Millionen gekauft hat.

Hier ist ein Film über die neue Botschaft.

Die frühere US-Botschaft am Grosvenor Square.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Mai 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Das Geheimnis um die Häuser 23/24 Leinster Gardens im Londoner Stadtteil Bayswater

Die Straße Leinster Gardens im Londoner Stadtteil Bayswater liegt in unmittelbarer Nähe des Hyde Parks und sie macht den Eindruck, dass hier viele wohlhabende Menschen wohnen. Es gibt hier zwei 4*-Hotels, das Henry VIII und das Blakemore Hyde Park Hotel, die beide einige mehrstöckige, zusammenhängende Wohnhäuser in die Mitte nehmen. Geht man daran vorbei, fällt dem Spaziergänger eigentlich nichts Besonderes daran auf. Sieht man sich die Häuser mit den Nummern 23/24 jedoch etwas genauer an, fällt auf, dass die Fenster keine Gardinen haben, und dass die Eingangstüren irgendwie merkwürdig aussehen, sie haben keine Türgriffe, es fehlen Briefkästen und ein Klingelbrett mit den Namen der Bewohner sucht man auch vergebens. Sonst sieht die Fassade genauso aus wie die der benachbarten Häuser. Was ist hier los?

Des Rätsels Lösung findet man, wenn man auf die rückwärtige Seite der Häuserreihe geht, zu einer Straße, die Portchester Terrace heißt. Dort, hinter einer Ziegelmauer, sieht man, dass es sich bei den Häusern 23/24 Leinster Gardens nur um eine vorgesetzte Fassade handelt, dahinter ist …nichts; nur einige Verstrebungen, die die beiden Nachbarhäuser abstützen. Durch eine Tunnelöffnung kann man U-Bahnzüge der Circle und der District Line vorbeifahren sehen.

Als man in den 1860er Jahren das Londoner U-Bahnnetz erweiterte, mussten die beiden Häuser an den Leinster Gardens abgerissen werden; man brauchte eine Tunnelöffnung, damit die dampfbetriebenen Zugwagen hier ihren Dampf ablassen konnten. Die Nachbarn der beiden abgerissenen Häuser waren „not amused“, sie fanden die Baulücke in ihrer schicken Häuserfront einfach nur schrecklich. Die Betreiber der U-Bahn kamen dann auf die Idee, einfach eine falsche Fassade hochzuziehen, die exakt so aussah wie die der umgebenden Häuser. Voila – Problem gelöst!

Dass im Laufe der Jahrzehnte der eine oder andere Schabernack mit den unbewohnten Häusern gespielt wurde, liegt natürlich auf der Hand. Taxifahrer oder Pizzaboten lassen sich heute nicht mehr hinters Licht führen, wenn sie Aufträge mit der Adresse in den Leinster Gardens bekommen.

Wer die dritte Episode der dritten Staffel der TV-Serie „Sherlock„, die den Namen „The Last Vow“ (dt. „Sein letzter Schwur“) trägt, gesehen hat, wurde mit den Fassaden in den Leinster Gardens konfrontiert, als Sherlock (Benedict Cumberbatch) Mary Watson (Amanda Abbingdon) dorthin führt und Marys Gesicht auf die Hauswand projiziert wird. Hier ist der Trailer zu der Episode.

Dieser kurze Film zeigt Leinster Gardens 23/24 von vorn und von hinten.

Ein Blick hinter die Fassade von der Portchester Terrace aus.
Photo © Kevin Leach (cc-by-sa/2.0)

Stephen und Stitt – Zwei Löwen, die vor dem Londoner HSBC-Gebäude Wache halten

Der aggressive Stephen.
Author: Daisyng
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Die Engländer hatten immer schon eine Vorliebe für Löwen, was sich beispielsweise auf Wappen und Pubschildern widerspiegelt (The Red Lion ist der häufigste Pubname im Königreich). Auf Plätzen und an Brücken trifft man die Könige des Tierreichs in steinerner oder bronzener Form an und so kommen sie hin und wieder auch in meinem Blog vor. Ich schrieb u.a. über den riesigen Maiwand Lion in Reading (Berkshire), den South Bank Lion an der Westminster Bridge und natürlich über die berühmtesten Löwen überhaupt, die vier Artgenossen auf dem Londoner Trafalgar Square, die es tagein, tagaus über sich ergehen lassen müssen, dass Touristenscharen sie besteigen und sich dort fotografieren lassen. Fotos von ihnen füllen millionenfach die Fotoalben bzw. die Festplatten in Fernost.

Da haben es die beiden Löwen Stephen und Stitt erheblich leichter, deren Aufgabe es ist, den Haupteingang der HSBC-Bank in der Londoner Canary Wharf zu bewachen. Sie werden mehr oder weniger in Ruhe gelassen, da es die meisten Besucher der Hauptstadt nicht gerade in Scharen zu dem Bankgebäude am Canada Square zieht. HSBC steht für The Hongkong and Shanghai Banking Corporation Limited, eine Bank, die 1865 in dem unter britischer Verwaltung stehenden Hongkong gegründet wurde. Die Bankzentrale ist in dem 200 Meter hohen 45stöckigen Wolkenkratzer in London untergebracht, der nach 16jähriger Bauzeit 2002 fertiggestellt wurde.

Da es vor den beiden Bankgebäuden in Shanghai und in Tokio jeweils zwei Löwen vor den Haupteingängen gab, die Stephen und Stitt genannt wurden, ließ man vor der Londoner Bankzentrale auch zwei Mähnenträger installieren, denen man die selben Namen gab. Benannt wurden sie nach zwei Topmanagern in Shanghai, deren Namen A G Stephen und G H Stitt waren. Stephen ist der aggressive Löwe mit dem offenen Maul, während Stitt der ruhigere und besonnenere der beiden ist. Man sagt, dass sich die Temperamente der beiden Manager in den beiden Löwen wiederfinden.

Gegossen wurden Stephen und Stitt in Mark Kennedys Bronze Age Sculpture Casting Foundry im nahe gelegenen Stadtteil Limehouse (die Gießerei kann besichtigt  werden). Mark Kennedy war auch der Schöpfer der  umstrittenen Prinzessin Diana/Dodi Fayed-Statue im Londoner Kaufhaus Harrod’s, die den Namen „Innocent Victims“ trägt. Diese von Mohamed Al-Fayed in Auftrag gegebene Bronzestatue wird jetzt aus dem Kaufhaus entfernt und an den Auftraggeber zurückgegeben.

Der ruhige Stitt.
Author: LeonGo
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Die HSBC-Bank in der Canary Wharf, die von Stephen und Stitt bewacht wird.
Author: Michael Pead.
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Published in: on 2. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Great Wheel of London – Ein Vorgänger des London Eye

This work is in the public domain

Das Riesenrad London Eye am Themseufer ist mittlerweile schon zu einem Wahrzeichen der Hauptstadt und zu einem Touristenmagneten geworden. Das 135 Meter hohe London Eye hatte schon einmal einen Vorgänger, der es allerdings „nur“ auf eine Höhe von 94 Metern brachte und damit seinerzeit das höchste Riesenrad der Welt war.

Erbaut wurde The Great Wheel of London 1894/95 anlässlich der Empire of India Exhibition, die im Stadtteil Earl’s Court stattfand. Vorbild für das Riesenrad war das 80 Meter hohe Ferris Wheel in Chicago, das George Washington Gale Ferris Jr. 1893 zur World’s Columbian Exposition errichten ließ. Das Londoner Pendant war nicht nur größer, es hatte auch mehr Gondeln, nämlich 40, in die jeweils 40 Personen hineinpassten. 20 Minuten dauerte eine komplette Fahrt (das London Eye braucht 30 Minuten), also Zeit genug, um das Panorama Londons von luftiger Höhe aus genießen zu können. 2,5 Millionen Menschen konnten das Spektakel damals erleben, bis das Great Wheel im Jahr 1907 wieder abgebaut wurde, weil es die Unterhaltskosten nicht mehr einspielte.

So wie das London Eye im Oktober 2016 durch einen technischen Defekt für mehrere Stunden außer Gefecht gesetzt wurde, und die Passagiere in den Gondeln ausharren musste, so hatte auch The Great Wheel bzw. dessen Fahrgäste zweimal Probleme. Im Mai 1896 kam es zu einem Kabelschaden, wodurch die Riesenradreisenden vier Stunden lang in ihren Gondeln eingesperrt waren. Wesentlich schlimmer erwischte es die Passagiere bei einem anderen technischen Defekt, als ca 70 von ihnen die ganze Nacht in den oberen Gondeln des Great Wheel verbringen mussten. Man schaffte zwar heißen Tee und Sandwiches nach oben, aber es dauerte bis zum Morgen, bis die Eingeschlossenen von der Feuerwehr befreit werden konnten… doch einige von ihnen hatten eine nicht ganz so unangenehme Nacht hoch über London verbracht. Eine Dame und ein Herr kamen miteinander ins Gespräch und schlossen später den Bund fürs Leben, und es ging das Gerücht um, dass sich in der einen oder anderen Gondel recht lustvolle Begegnungen zugetragen haben sollen. Ob es da Spätfolgen gegeben hat, ist nicht bekannt.

Crinkle-Crankle Walls auf englischen Landsitzen

Die Crinkle-Crankle Wall in Easton (Suffolk).
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Vielleicht hat schon einmal jemand auf englischen Landsitzen diese eigenartigen gewundenen Mauern gesehen, die sich Crinkle-Crankle Walls oder auch Serpentine Walls nennen. Sie sind hauptsächlich in East Anglia zu finden, wo sie häufig als Gartenmauern fungieren. Durch ihre gewundene Bauform haben sie mehr Stabilität als eine gerade Mauer und außerdem geben die Nischen empfindlichen Pflanzen einen gewissen Schutz, so dass man die Crinkle-Crankle Walls gern um Küchengärten herum baute.

In der Grafschaft Suffolk stehen rund fünfzig Exemplare, von denen die Mauer von Easton Park mit rund vier Kilometern einmal die längste im ganzen Land gewesen sein soll. Das Manor House von Easton, der langjährige Landsitz der Dukes of Hamilton, wurde leider 1924 abgerissen. Im November 2013 stürzte ein Teil der Mauer ein, als ein unbekannter Autofahrer dagegen stieß und dabei einen Schaden von £20,000 verursachte. Im Jahr darauf wurde die Mauer wieder hergerichtet und eine Geschwindigkeitsbegrenzung von zwanzig Meilen eingeführt, damit so etwas nicht noch einmal passieren kann.

Ein weiteres sehr schönes Beispiel für eine Crinkle-Crankle Wall in Suffolk findet sich auf dem Gelände der Bramfield Hall bei Halesworth an der Walpole Road.
Doch nicht nur in Suffolk sind diese speziellen Mauern zu finden, so steht ein sehr langes Exemplar im Dean’s Court in Wimborne Minster in Dorset, das während der Napoleonischen Kriege von französischen Gefangenen gebaut worden sein soll.

Die Serpentine Wall von Bramfield (Suffolk).
Photo © Nat Bocking (cc-by-sa/2.0)

Dean’s Court in Wimborne Minster (Dorset).
Photo © Stuart Buchan (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 21. Februar 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Winter Hill – Ein Berg im Rivington Moor (Lancashire), der zwei Songs inspirierte

Winter Hill Transmitting Station.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Rund 450 Meter hoch ist er, der Winter Hill auf dem Rivington Moor, nördlich von Bolton in der Grafschaft Lancashire, „the site of mining activity, aeroplane disasters and murders“ wie es in der Wikipedia heißt. Sollte man um dieses Moor und den Berg lieber einen großen Bogen schlagen?

Die Zeiten des Bergbaus sind natürlich schon lange vorbei, und es ist auch schon eine Weile her, dass Flugzeuge hier oben zu Schaden gekommen sind. Das schlimmste Unglück ereignete sich am 27. Februar 1958, als ein Flugzeug auf dem Weg von der Isle of Man nach Manchester bei extrem schlechten Wetterverhältnissen oben auf dem Winter Hill abstürzte. 35 Menschen kamen dabei ums Leben; eine Gedenkplakette an der Absturzstelle erinnert an die Opfer. Auch mehrere Militärflugzeuge knallten gegen die Bergkuppe, die offensichtlich bei niedrigen Wolken schwer zu erkennen ist.

Am 9. November 1838 ereignete sich ein Mord auf dem Winter Hill, der niemals aufgeklärt werden konnte. Ein schottischer Handelsreisender namens George Henderson wurde auf dem Weg von Bolton nach Blackburn hier oben erschossen; Täter unbekannt. Mit dem Scotsman’s Stump hat man auch ihm eine Erinnerungsstätte gewidmet.

Das weithin sichtbare Wahrzeichen des Berges ist die Winter Hill Transmitting Station, ein 310 Meter hoher Telekommunikationsmast, eines der höchsten Bauwerke im Land, der 1966 errichtet wurde und der dazu dient, Radio- und Fernsehsignale zu verbreiten. Ich stelle mir lieber nicht vor wie es sein muss, wenn man ganz oben am Mast Wartungsarbeiten vornehmen muss… Hier ist ein Film über den Masten.

Zwei Musikstücke wurden vom Winter Hill inspiriert. Da ist einmal die 1977 im Großraum Manchester gegründete Band A Certain Ratio, die 1981 einen Song namens „Winter Hill“ aufnahmen, der auf dem Album „To Each…“ erschien. Die Bandmitglieder sollen bei einem Besuch des Telekommunikationsmasten aus einer daneben stehenden Hütte, in der sich viele elektronische Apparaturen befanden, ein „droning noise which changes every ten seconds“ gehört und in ihren Song eingearbeitet haben. Hier ist der Song zu hören.

Aus Winslow in Cheshire kommt die Band Doves, die dem Berg ebenfalls ein Lied gewidmet hat. „Winter Hill“ wurde 2009 auf ihrem Album „Kingdom of Rust“ veröffentlicht.

„Climb the long grassy track
To the top of winter hill
Climb the real rocky track to the top
I’ll see you back
I’ll see you back on winter hill“

… so ein Teil des Textes. Hier ist das Musikvideo.

Das Air Disaster Memorial.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Der Scotsman’s Stump.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

 

Die Old Queen Street – Das Londoner ZDF-Studio und einige seiner Nachbarn

Seit 2015 ist Diana Zimmermann Leiterin des ZDF-Studios in London; sie übernahm den Posten von Susanne Gelhard. Das Studio befindet sich in der Nummer 30 der Old Queen Street in Westminster, also sehr zentral gelegen. Die Parlamentsgebäude liegen gleich um die Ecke, ebenso der Buckingham Palace. In dem Studio werden die Programme produziert, die in den „Heute“-Nachrichten oder in „Heute in Europa“ gesendet werden. Neben Diana Zimmermann arbeiten zurzeit als Redakteure Dr. Yacin Hehrlein und Andreas Stamm in London, früher waren es u.a. Patricia Schäfer (jetzt in Istanbul) und Thomas Walde (jetzt im Hauptstadtstudio in Berlin). Die Beiträge, die hier in der Old Queen Street hergestellt werden, waren und sind immer sehr interessant aufbereitet, und ich mag vor allem die kleinen Schnipsel aus dem täglichen Leben, die fast täglich in „Heute in Europa“ wochentags zwischen 16 Uhr und 16.10 Uhr zu sehen sind. Dieser Film über das ZDF-Studio ist zwar schon fast zehn Jahre alt, zeigt aber die Räumlichkeiten und die Arbeit hinter den Kulissen.

Das Haus Nummer 30 ist eines von mehreren nebeneinander liegenden Stadthäusern, die etwa in der Zeit von 1774 bis 1780 entstanden sind.

Wer sind denn nun die Nachbarn des ZDF-Studios in der Old Queen Street? Da sind in der Nummer 22, auf der gleichen Straßenseite, die Büroräume des „Spectator„, einer Zeitschrift für Politik und Kultur, die bereits 1828 gegründet wurde.

In der Nummer 1-7, ein Stückchen die Straße hinunter, findet man die National Crime Agency, eine Behörde, die erst 2013 gegründet worden ist, und die sich in erster Linie mit organisierter Kriminalität, Cybercrime und Menschen-, Waffen- und Drogenhandel beschäftigt.

In der Nummer 16 sind die Büroräume der Sara Eden Dating Agency, einer (seriösen) Partnerschaftsvermittlung, die jetzt schon seit dreißig Jahren besteht.

In der Old Queen Street sind auch zwei blaue Plaketten zu finden, neben den Hausnummern 9 und 11. An Richard Savage, 4th Earl Rivers (1660-1712) erinnert die Plakette neben der Haustür mit der Nummer 9 und weist daraufhin, dass besagter Earl, der Gouverneur des Tower of London war und in diesem Gebäude einmal gelebt hat.
Gleich daneben ist ein blaues Schild angebracht, das darüber informiert, dass dieses Gebäude in der William & Mary-Zeit, etwa um 1690 bis 1700, erbaut wurde und einmal Hauptquartier der Beaverbrook Foundation war („The Beaverbrook Foundation supports a variety of causes in the United Kingdom and Canada, including preserving heritage buildings and supporting charitable appeals“). Die Organisation ist jetzt in Mayfair in der Queen Street Nummer 3 angesiedelt.

Übrigens befindet sich das Londoner Studio der ARD im Stadtteil Fitzrovia am Midford Place 1-5.

Die Nummer 22 der Old Queen Street.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Die National Crime Agency in den Hausnummern 1-7.
Author: Philafrenzy.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Ein seltener Anblick, die verschneite Old Queen Street.
Photo © Oxyman (cc-by-sa/2.0)

No. 10 Adam Street – Ein Haus in London, das wie No 10 Downing Street aussieht

No 10 Adam Street in London.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Als der Film „The Iron Lady“ (dt. „Die Eiserne Lady“), mit Meryl Streep als Margaret Thatcher, produziert wurde, mussten natürlich auch einige Szenen vor dem Wohnsitz der Premierministerin, No 10 Downing Street, gedreht werden. Da das am Originalschauplatz nicht möglich war, suchte man nach einer Alternative und wurde fündig in der Adam Street, einer kleinen Einbahnstraße, die vom Strand in Richtung Themse führt. Dort existiert, tatsächlich auch in der Nummer 10, ein Haus, das der No 10 Downing Street verblüffend ähnlich sieht. Ein Glückstreffer für das Filmteam; hier ist der Trailer zum Film, in dem das Haus auch kurz zu sehen ist.

Benannt wurde die Straße nach den Adam Brothers, die hier von 1768 bis 1772 die Adelphi Buildings errichten ließen, eine Gruppe von Reihenhäusern im neoklassischen Stil. Das berühmte Adelphi Theatre liegt gleich gegenüber der Adam Street.

No 10 Adam Street heißt heute Adam House, in dem eine Firma Büroräume anbietet. Zwei Häuser weiter, an der Wand des Hauses mit der Nummer 8, ist eine blaue Plakette angebracht, die darauf hinweist, dass hier einmal Sir Richard Arkwright wohnte, der berühmte Erfinder, der sich in der Textilindustrie im 18. Jahrhundert einen Namen machte.
In der Nummer 11 ist jetzt ein Apartmenthotel gebaut worden mit 106 Zimmern, allerdings in einem ganz anderen Stil als die Nebengebäude.

Die Häuser 6-10 der Adam Street; in der Mitte das ehemalige Wohnhaus von Sir Richard Arkwright mit der blauen Plakette.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. Dezember 2017 at 02:00  Comments (2)  
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41 Cloth Fair – Hier steht das älteste Wohnhaus in London

41 Cloth Fair.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Ich stand einmal vor dem (mutmaßlich) ältesten Haus von Paris in der Rue Volta Nummer 3 im Maraisviertel; manche behaupten auch, dass das älteste Haus in der Rue Montmorency Nummer 51 steht, dort, wo heute die Auberge Nicolas Flamel untergebracht ist. Auf jeden Fall sehen beide Häuser richtig alt aus…im Gegensatz zu Londons ältestem Haus, das wir in der Straße Cloth Fair Nummer 41 finden. Zwischen 1597 und 1614 wurde dieses Haus im Schatten der Kirche St-Bartholomew-the-Great erbaut und es hat den Großen Brand von London im Jahr 1666 überstanden, wahrscheinlich weil es damals auf allen Seiten von den Mauern der benachbarten Kirche umgeben war.

41 Cloth Fair stand in den 1920er Jahren kurz vor dem Abriss, u.a. weil die Gebäudesubstanz nicht mehr als sicher galt. Glücklicherweise kam es nicht zum Abriss, dafür wurde das Haus 1955 von jemandem gekauft, der es in sein Herz geschlossen hatte und umfangreiche Renovierungsarbeiten durchführen ließ. So finden wir heute in der Straße ein Haus vor, das zwar alt ist, aber auf den ersten Blick nicht so aussieht.

Was gibt es noch über 41 Cloth Fair zu sagen? Zwei berühmte Besucher haben ihre Namen in ein Bleiglasfenster im Haus eingeritzt: Winston Churchill und die Mutter der heutigen Queen, Elizabeth Bowes-Lyon, Queen Elizabeth. Und es gibt das Gerücht, dass irgendwo in den Mauen des Hauses menschliche Skelette verborgen sein sollen.

Übrigens wohnte in der Nummer 43, direkt neben dem ältesten Haus Londons, der berühmte Dichter und Schriftsteller John Betjeman (dort, wo der Cloth Court auf Cloth Fair mündet); eine Plakette über der Eingangstür erinnert daran. In Betjemans Wohnhaus gab es einmal ein Restaurant, das „Betjeman’s hieß“, das aber von einem vegetarischen Restaurant namens „Amico Bio“ abgelöst wurde.

Das Buch zum Artikel:
Fiona Rule: The Oldest House in London. The History Press 2017. 288 Seiten. ISBN 978-0750968379.

Der Eingang zu 41 Cloth Fair.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

John Betjemans Wohnhaus.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Alexandra and Ainsworth Estate – Eine Großwohnsiedlung im Norden Londons, die sehr beliebt bei Musikvideoproduzenten ist

Im Londoner Stadtteil Camden, an der Abbey Road (ja, dort, wo  man die berühmten Studios  findet), liegt ein riesiger, terrassenförmig angelegter Wohnblock, der sich Alexandra and Ainsworth Estate nennt. 520 Wohnungen sind hier in den 1970er Jahren erbaut worden und zwar im brutalistischen Stil, der in jener Zeit sehr beliebt war, also ein Stil, in dem roher Beton vorherrschte. Entworfen wurde der Wohnblock von dem in den USA geborenen Architekten Neave Brown, der noch weitere Wohnprojekte in London gebaut hat.

Der Rowley Way dient als Durchgang zwischen den beiden Reihen von Blocks. Das Alexandra and Ainsworth Estate wurde 1993 unter Denkmalschutz gestellt und zwar erhielt die Wohnanlage den Grade II, das heißt „Besonders bedeutende Bauwerke von allgemeinem Interesse“.

Der sehr ungewöhnlich aussehende Wohnblock wurde bald von Film- und Musikvideoproduzenten entdeckt und so fanden hier zahlreiche Dreharbeiten statt, auf die die Bewohner auch stolz sind und diese auf den Webseiten der Tenants & Residents Association auflisten.

Hier sind einige Beispiele:

Kirsty McColl: A New England. Die bereits im Jahr 2000 verstorbene Sängerin veröffentlichte diesen von Billy Bragg geschriebenen Song 1984. In einigen Szenen des Musikvideos ist der Rowley Way zu sehen.

Die dreiköpfige Band Arcane Roots aus Kingston-upon-Thames verwendete die Wohnanlage als Hintergrund für einige Szenen ihres Videos „Curtains„, das im September diesen Jahres auf dem Album „Melancholia Hymns“ erschien.

Das Video „Do You Remember“ des Australiers Jarryd James aus dem Jahr 2015 wurde an mehreren Stellen in London gedreht; die junge Dame in dem Schwarz-Weiß-Video bewegt sich u.a. auch in der Wohnanlage in Camden.

Architecture“ heißt das Video der Formation Omi Palone, das einige markante Beispiele für brutalistische Architektur in London zeigt.

Das komplette Video „Nothin‘ Like Yours“ von Slewdem Mafia wurde auf dem Alexandra and Ainsworth Estate gedreht und zeigt tiefere Einblicke in die Wohnblöcke.

Somebody Else“ ist ein Video mit Überlänge der Rockgruppe The 1975 aus Manchester, in dem man einige Bilder der Wohnanlage sehen kann.

Wer sich detaillierter mit dem Alexandra and Ainsworth Estate beschäftigen möchte, findet hier eine 37minütige Dokumentation.

Die nicht sehr schön anzusehende Rückseite des Estates, die als Schallmauer gegen den Lärm der vorbeiführenden Eisenbahnlinie dient.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Pickering Place – Großbritanniens kleinster öffentlicher Platz in der City of Westminster in London

Über Londons berühmte Weinhandlung Berry Bros. & Rudd habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben. Direkt neben dem Laden in der St James’s Street führt eine kleine Passage zum Pickering Place, der nicht nur Londons kleinster öffentlicher Platz ist, sondern sogar der von ganz Großbritannien. Der des Nachts von Gaslampen erhellte Platz beherbergte im 19. Jahrhundert einmal die Botschaft der Republik Texas,  bis der Lone Star State 1845 in die Vereinigten Staaten integriert wurde. An dem Haus, das Berry Bros. gehörte, findet man eine Plakette mit der Aufschrift „Texas Legation: In this building was the legation for the ministers from the Republic of Texas to the Court of St. James 1842-1845.“ Angebracht wurde die Plakette von der Anglo-Texan Society, die 1953 von dem Romanschriftsteller Graham Greene (der am Pickering Place wohnte) gegründet wurde. Übrigens verließ die texanische Delegation (Botschafter war Dr. Ashbel Smith) 1845 London, ohne die ausstehende Miete von $160 gezahlt zu haben. Das holten aber 1986 26 Mitglieder Anglo-Texan Society nach, als sie in die Weinhandlung gingen und die Miete beglichen.

Benannt wurde der Mini-Platz nach William Pickering, der in den 1730er Jahren die Häuser errichten ließ; dessen Schwiegermutter führte einen kleinen Lebensmittelladen, aus dem später die große Weinhandlung werden sollte.

Der Pickering Place war eine Zeitlang beliebt als Austragungsort für Duelle, so soll der Londoner Dandy Beau Brummell sich hier einmal duelliert haben (wobei es auf Grund der Größe des Platzes sicher für die Sekundanten nicht ganz ungefährlich war). Auch Londons letztes Duell soll hier ausgetragen worden sein.

Ein weiterer berühmter Anwohner war der Premierminister Lord Palmerston (1784-1865), an den ein Steinrelief an einem Gitter am Pickering Place erinnert.

Der Platz mit dem Steinrelief von Lord Palmerston.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Brydges Place im West End – Londons schmalste Straße

Besucher der English National Opera kennen vielleicht die Straße mit dem Namen Brydges Place, die die St Martin’s Lane mit Bedfordbury verbindet und seitlich am Opernhaus vorbeiführt…oder auch nicht, denn die Mini-Straße mit dem Namen, unter dem man sich eher einen großzügig gestalteten Platz vorstellt, ist Londons schmalste Straße und der Eingang sehr leicht zu übersehen. Menschen, die zu Platzangst neigen, sollten die Passage der Passage besser meiden, denn sie ist an ihrer engsten Stelle lediglich 38cm breit, Gegenverkehr dort ist nicht möglich. Ich stelle mir vor wie das wohl nachts dort zugehen mag. Brydges Place ist zwar von Laternen beleuchtet, aber trotzdem kann das ganz schön gruselig werden, die 180 Meter lange Straße entlangzugehen. Ende Dezember 2016 nahm ein Streit zwischen mehreren Männern, der in einer tödlichen Messerstecherei in der Nähe des Trafalgar Squares mündete, seinen Anfang in dieser Gasse, und am 9. August diesen Jahres wurde ein junger Mann hier niedergestochen. Vielleicht sollte man doch lieber die belebteren Wege rund um die English National Opera nehmen…

In dieser Straße liegt der Eingang zu einem Privatclub namens 2 Brydges Place, zu dem man nur als eingetragenes Mitglied Zugang hat. Geschäftsleute, Anwälte und Leute aus dem Theatermilieu sind die hauptsächlichen Gäste dieses Clubs, der rund 1000 Mitglieder hat. Die diskrete Eingangstür ist für Nicht-Eingeweihte leicht zu übersehen.

Der Name Brydges Place lässt vermuten, dass er irgendetwas mit einer Brücke zu tun hat, vielleicht in einer alten Schreibweise, was aber nicht stimmt. Namensgeberin der Gasse ist Catherine Brydges, die von 1580 bis etwa 1657 gelebt haben soll. Sie war die Frau des 4. Earls of Bedford und die Tochter des 3. Baron Chandos, nach denen wiederum andere Straßen in der Umgebung benannt worden sind wie Chandos Place, Bedfordbury, Bedford Street oder Bedford Court.

Dieser Film vermittelt einen Eindruck wie es in Londons schmalster Straße aussieht.

 

Das Faraday Memorial am Londoner Elephant & Castle

Das Faraday Memorial am Elephant and Castle.
Photo © Robin Stott (cc-by-sa/2.0)

Ich bin nicht sicher, ob sich der englische Wissenschaftler Michael Faraday (1791-1867), der sich vor allem durch seine Untersuchungen zur Elektrizität einen Namen gemacht hat, über die Gedenkstätte, die ihm zu Ehren am Londoner Elephant & Castle errichtet wurde, wirklich gefreut hätte.  Inmitten des großen Kreisverkehrs hat man 1961 ein von dem Architekten Rodney Gordon im brutalistischen Stil konzipiertes Denkmal gesetzt, das auf den ersten Blick nicht darauf hindeutet, dass es Michael Faraday gewidmet ist. Der Standort Elephant & Castle im Londoner Stadtteil Southwark wurde gewählt, weil der Naturforscher ganz in der Nähe, in Newington Butts, das Licht der Welt erblickte.
Der Denkmalkoloss beinhaltet ein Umspannwerk, das den U-Bahnlinien Northern Line und Bakerloo zur Stromversorgung dient, hier zumindest ist eine Beziehung zu Michael Faraday gegeben.
1996 erhielt das Memorial ein neues Beleuchtungssystem, das sich ein junges Mädchen anlässlich eines Wettbewerbs der BBC ausgedacht hatte. Nachdem dieses System seit längerer Zeit ausgefallen war, bekam Faradays Gedenkstätte 2012 eine im Discostil gehaltene Beleuchtung, die jeden Abend bei Dunkelheit eingeschaltet wird.

Wem dieses Bauwerk nicht gefällt, der ist sicher mit dem konservativen Denkmal Michael Faradays vor dem Institution of Engineering and Technology am Savoy Place, nahe des Themse Embankments, eher einverstanden. Der irische Bildhauer John Henry Foley, Mitglied der Royal Academy, zeichnete dafür verantwortlich.

Einige Plaketten in London erinnern an den Forscher, so zum Beispiel an der Hauswand der Blandford Street Nummer 48 in Marylebone mit der Inschrift „Michael Faraday Man of Science Apprentice Here„, und am Eingang zur Walworth Road Sexual Health Clinic an der Larcom Street. Die Inschrift lautet: „Michael Faraday 1791 – 1867 Scientific genius and discoverer of electromagnetism„.

Michael Faraday am Savoy Place.
Photo © Chris Talbot (cc-by-sa/2.0)

Die Plakette an der Walworth Clinic.
Photo © Robin Stott (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Oktober 2017 at 02:00  Comments (1)  
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