The Ancient High House in Stafford (Staffordshire) – Eines der schönsten Häuser Englands

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Mitten im Zentrum der Stadt Stafford, Verwaltungssitz von Staffordshire, steht eines der schönsten Gebäude in ganz England: Das Ancient High House. Um 1595 wurde es für die wohlhabende Dorrington-Familie gebaut und es ist das größte heute noch existierende Haus in Holzrahmenbauweise in ganz England.

In seinen über 400 Jahren hat das Ancient High House sehr viel miterlebt, u.a. war es kurzfristig das Hauptquartier von König Charles I im September 1642 auf seinem Weg nach Shrewsbury. In dieser Zeit des Englischen Bürgerkriegs wurde das Haus später auch einmal als Gefängnis für Royalisten benutzt, nachdem die Parlamentarier Stafford eingenommen hatten.

Heute geht es in Stafford und im Ancient High House ruhiger zu. Hier ist jetzt ein Museum und eine Kunstgalerie untergebracht mit wechsenden Ausstellungen. Man kann den Civil War Room besichtigen, in dem damals Charles I wohnte, den Stuart Bedroom mit seinem großartigen Himmelbett und den Castle Room, in dem die Bauweise des Hauses anschaulich erklärt wird.
Im obersten Geschoss ist das Staffordshire Yeomanry Regiment Museum untergebracht, das Erinnerungsstücke an das örtliche Freiwilligenregiment zeigt.

Natürlich gibt es auch hier einen Shop, in dem man sich mit Staffordshire-Souvenirs eindecken kann und spuken soll es im Ancient High House ebenfalls, das meint jedenfalls das TV-Team von „Most Haunted„. Direkt daneben stehen leider eine Filiale von McDonald’s, gegenüber ein Starbucks und weitere unvermeidliche High Street-Läden.

The Ancient High House,
Greengate Street
Stafford, ST16 2JA

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Top Withens – Eine Ruine mitten im Brontë Country

Top Withens.   © Copyright Graham Hogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Top Withens.
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Bei meinen beiden Besuchen in Haworth in West Yorkshire, in der die drei Schriftsteller-Schwestern Emily, Charlotte und Anne Brontë lebten, war ich immer wieder überrascht über die vielen Touristen, die sich dort aufhielten; auf dem Hauptparkplatz wurde man sogar auf einen Stellplatz eingewiesen. Und dann die vielen Besucher aus Ostasien, in erster Linie aus Japan, die sich im Brontë-Pfarrhaus tummelten und in den Läden der Kleinstadt einkauften! Die drei jungen Fauen und ihre wenigen Romane, die sie einst im 19. Jahrhundert schrieben, müssen im Land der aufgehenden Sonne noch sehr populär sein.

Wer sich nicht nur besagtes Pfarrhaus, in dem die Brontë-Familie wohnte, und den daneben liegenden Kirchhof ansehen und ein bisschen Moorluft schnuppern möchte, der sollte sich auf den Brontë-Way begeben, der aus Haworth hinausführt. Dieser insgesamt 69 Kilometer lange Rundweg, auf dem man die beeindruckende, karge Moorlandschaft geniessen kann, führt unter anderem über die Brontë-Bridge, an den Brontë-Waterfalls vorbei, zu einem verfallenen Bauernhaus namens Top Withens, etwa sechs Kilometer von Haworth entfernt.

Der Name Top Withens klingt ein wenig so wie Emily Brontës Roman „Wuthering Heights“ aus dem Jahr 1847, der in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Sturmhöhe“ veröffentlicht und so wunderschön von Kate Bush in ihrem gleichnamigen Song interpretiert wurde. „Withens“ und „Wuthering“ liegen nicht weit auseinander und „Top“ und „Heights“ bedeuten das gleiche. Schon seit ewigen Zeiten wird darüber diskutiert, ob das elisabethanische Farmhaus Modell gestanden hat für Emilys weltberühmten Roman. Die Schwestern machten ausgedehnte Spaziergänge über das Moor und kannten das Haus sehr gut. Hatte Emily es im Sinn, als sie die Farm, in der in ihrem Roman die Earnshaws lebten, in ihr Buch einfügte? Die Brontë Society ließ 1964 an den Ruinen eine Plakette anbringen, die Klarheit darüber schaffen sollte. Darauf steht, dass die früheren Farmgebäude keinerlei Ähnlichkeit mit dem von Emily beschriebenen Haus hatten, dass es aber durchaus möglich sein kann, dass ihr das abgelegene Anwesen beim Schreiben des Romans vorschwebte.

Auf Top Withens wurde ursprünglich einmal Milch erzeugt, bis der Hof gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurde. In den 1920er Jahren kam noch einmal etwas Leben hierher, als man eine Hühnerfarm einrichtete; doch auch die wurde bald wieder eingestellt, und seitdem stehen die Überreste einsam und allein im Moor von Haworth, gern aufgesucht von japanischen Touristen, für die man extra Hinweisschilder in ihrer Sprache angebracht hat.

Die Farmhausruinen in der Einsamkeit des Moores vo Haworth,   © Copyright Steve Partridge and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Farmhausruine in der Einsamkeit des Moores von Haworth.
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Hier finden auch japanische Touristen den richtigen Weg.   © Copyright Chris Heaton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Auf dem Weg nach Top Withens: DieBrontë Bridge und die Brontë Waterfalls.   © Copyright Gary Rogers and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auf dem Weg nach Top Withens: Die Brontë Bridge und die Brontë Waterfalls.
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Kalenderhäuser in England – Einige Beispiele

Knole House bei Sevenoaks in Kent.   © Copyright Ian Capper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Knole House bei Sevenoaks in Kent.
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Kalenderhaus ist ein Begriff aus der Architektur und bedeutet, dass sich in den baulichen Elementen des Hauses die Zahl der Monate im Jahr, der Wochen im Jahr, der Tage im Jahr und der Tage in der Woche widerspiegeln. Ich möchte an dieser Stelle einige Beispiele dafür geben.

Meine erste Begegnung mit einem „calendar house“ war vor vielen Jahre Knole House, jener große Palast bei Sevenoaks in Kent, der dem National Trust gehört und in dem 1892 die Schriftstellerin Vita Sackville West geboren wurde. Die Beatles drehten 1967 hier einige Videos, darunter „Strawberry Fields Forever„.  In Knole gibt es 365 Zimmer, 52 Treppen, 12 Eingangstüren und 7 Innenhöfe.

Ein weiteres Beispiel für ein Kalenderhaus ist Scout Hall bei Halifax in West Yorkshire, das 1681 von einem wohlhabenden Seidenfabrikanten namens John Mitchell gebaut wurde. Das Haus hatte 365 Fensterscheiben, 52 Türen und 12 Erker. Leider steht das Gebäude schon lange leer und ist in Teilen verfallen. Es ist jetzt in Privatbesitz und soll wiederhergestellt werden.

Ein besonders schönes Exemplar ist das Bedstone College in Bedstone in Shropshire. Das Ende des 19. Jahrhunderts für den Geschäftsmann und Politiker Sir Henry William Ripley erbaute Haus, das seit 1948 als Schule geführt wird, besteht aus 365 Fenstern, 52 Zimmern, 12 Kaminen und 7 Außentüren.

John Edward Taylor (1791-1844) war der Gründer des Manchester Guardians, einer Zeitung, die später in The Guardian umbenannt wurde. Er ließ sich in Didsbury (Greater Manchester) ein beeindruckendes Haus in gotischem Stil errichten, das er The Towers nannte. Hier finden wir 365 Fenster, 52 Zimmer und 12 Türme. In dem Gebäude sind heute Büros untergebracht, die zum Towers Business Park gehören.

Boughton House bei Kettering in Northamptonshire ist ebenfalls ein großartiges „Stateley Home“, das sich selbstbewusst „The English Versailles“ bezeichnet und dem Duke of Bucclech gehört. Hin und wieder, in diesem Jahr im August, steht das Haus auch der Öffentlichkeit für Besichtigungen zur Verfügung. Das Kalenderhaus verfügt über 365 Fenster, 52 Kamine, 12 Eingänge und 7 Innenhöfe.

Scout Hall bei Halifax in West Yorkshire.   © Copyright Humphrey Bolton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Scout Hall bei Halifax in West Yorkshire.
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Bedstone College bei Bedstone in Shropshire.   © Copyright paul dickson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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The Towers in Didsbury (Greater Manchester).   © Copyright Keith Williamson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Boughton House bei Ketterin in Northamptonshire.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Das John F. Kennedy Memorial an der Themse in Runnymede (Surrey) – Ein Geschenk der Briten an die Amerikaner

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Man hätte für das John F. Kennedy Memorial wohl keinen besseren Platz wählen können als hier in den Wiesen von Runnymede an der Themse, nur ein paar Schritte entfernt von einem anderen Denkmal, das an die Magna Carta erinnert. Zu finden sind beide am südlichen Ortsrand von Old Windsor.

50 Steinstufen, eine für jeden US-Bundesstaat, führen den Cooper’s Hill hoch, auf dem das Denkmal errichtet worden ist. Im Mai 1965 wurde es eingeweiht, von niemand Geringerem als der Queen selbst, in Anwesenheit von Kennedys Witwe Jacqueline und ihren Kindern. Dieser Film zeigt Bilder von der Einweihung.

Der Grund auf dem das Memorial steht, das vom National Trust betreut wird, wurde dem amerikanischem Volk vom britischen Volk geschenkt. Das Denkmal, entworfen von dem berühmten englischen Landschaftsarchitekten Sir Geoffrey Jellicoe, besteht aus einem einfachen Block aus Portland-Stein mit einer Inschrift, die aus der Antrittsrede Präsident Kennedys aus dem Jahr 1961 entnommen wurde:

„Let every Nation know, whether it wishes us well or ill, that we shall pay any price, bear any burden, meet any hardship, support any friend or oppose any foe, in order to assure the survival and success of liberty.“

Hier ist ein Film über das Denkmal mit dem Designer Sir Geoffrey Jellicoe.

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Der schiefe Turm von Bridgnorth (Shropshire)…der dreimal so schief ist wie der in Pisa

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Vergesst den Schiefen Turm von Pisa in Italien mit seiner lächerlichen 4°- Neigung. Der Leaning Tower of Bridgnorth in Shropshire kann das viel besser: Sein Neigungswinkel beträgt 15 Grad. Der 20m hohe Turm ist der letzte Überrest des Bridgnorth Castles, das 1101 erbaut wurde.
Während des Englischen Bürgerkrieges (1642–1651) war die Burg ein Stützpunkt der Royalisten, die 1646 von den Truppen Oliver Cromwells angegriffen wurden. Nach einer dreiwöchigen Belagerung gaben die Königstreuen auf, und Cromwell gab den Befehl, die Burg niederzureissen.

Die Steine der Burg benutzte man später, um die Schäden an den Häusern von Bridgnorth zu beheben, die die Royalisten in Brand gesetzt hatten, um dadurch die Angreifertruppen zu behindern. Den Turm versuchte man zu sprengen, was aber misslang, und so blieb er stehen wie man ihn im Bürgerkrieg zurückgelassen hatte.

Bridgnorth ist übrigens eine sehr hübsche Stadt, die einen Besuch lohnt. Es gibt dort eine Oberstadt und eine Unterstadt, die beide durch die Bridgnorth Cliff Railway verbunden werden.

In dieser Folge der Channel 4-TV-Serie „Time Team“ mit Tony Robinson spielt der schiefe Turm eine Rolle.

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The Chattri bei Patcham in East Sussex – Eine Gedenkstätte für im Ersten Weltkrieg gefallene Sikhs und Hindus

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The Chattri ist nicht ganz leicht zu finden; es liegt oberhalb von Brighton, zwischen den Dörfern Patcham und Pyecombe und ist ein Mahnmal, das an die gefallenen Sikhs und Hindus erinnert, die im Ersten Weltkrieg für das britische Weltreich kämpften. „Chattri“ ist ein Wort aus der Urdu-Sprache und heißt „Regenschirm“, so ähnlich sieht die Kuppel des Gebäudes auch aus.

Die Gedenkstätte auf den Hügeln der South Downs wurde von einem jungen indischen Architekten entworfen und am 21. Februar 1921 vom damaligen Prinzen von Wales, dem späteren Edward VIII, eingeweiht (hier ist ein Originhalfilm von der Einweihung). The Chattri steht an der Stelle, an der man Hindus und Sikhs, die ihren im Krieg erlittenen Verletzungen in den Krankenhäusern von Brighton erlegen waren, auf einem Scheiterhaufen verbrannt hatte und deren Asche man im Ärmelkanal verstreute.

In den 30er Jahren wurde das Denkmal ziemlich vernachlässigt, da sich niemand so recht zuständig fühlte. Schließlich nahm die British Legion das Heft in die Hand und die Würde wurde wieder hergestellt. Seit dem Jahr 2000 findet im Juni hier ein Memorial Service in Gedenken an die toten indischen Soldaten statt.

Noch einige Worte zu der Größe des Chattris: Es ist 8,80m hoch, 2,70m breit und besteht aus Marmor, den man aus Sizilien nach East Sussex gebracht hat.
The Chattri ist nicht mit dem Auto zu erreichen. Man kann nördlich von Patcham an der Straße auf einem Hügel parken und dann zu Fuß gehen. Der Weg ist ausgeschildert.

Dieser Film zeigt The Chattri von der Luft aus, von einer Drohnenkamera aufgenommen.

Der Gedenkstein mit den Namen der an dieser Stelle verbrannten Soldaten.   © Copyright Brian Slater and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Gedenkstein mit den Namen der an dieser Stelle verbrannten Soldaten.
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Eingebettet in die Hügel der South Downs liegt die Gedenkstätte.   © Copyright Dave Spicer and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 22. Januar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Nocton Hall in Lincolnshire – Eine romantische Ruine und ein gruseliges verlassenes Militärkrankenhaus

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In meinem Blogeintrag vom 24.12.2016 über den Dunston Pillar erwähnte ich nebenbei Nocton Hall, wo früher einmal Sir Francis Dashwood gewohnt hat. Dieses historische Gebäude in Nocton, etwa elf Kilometer südöstlich von Lincoln in Lincolnshire gelegen, dessen Ursprünge bis an den Anfang des 16. Jahrhunderts zurückgehen, ist heute nur noch eine Ruine, aber eine sehr romantische, denn die Natur hat langsam aber sicher Besitz von ihr ergriffen wie dieser aus einer Drohne aufgenommene Film zeigt. In den ehemaligen Räumen haben sich Büsche und Bäume breit gemacht; das Betreten des Grundstücks ist aus Sicherheitsgründen verboten. Auf dem Gelände steht ein alter Kastanienbaum, der angeblich von Katherine Howard, der Frau Heinrichs VIII. anlässlich eines Besuches in Nocton Hall im Jahr 1541  gepflanzt worden sein soll.

Das alte Haus hatte viele Eigentümer, darunter Frederick John Robinson, der 1827 Premierminister seines Landes wurde, und sein Sohn George Frederick Samuel Robinson, der von 1880 bis 1884 das Amt des Viceroy and Governor-General of India ausübte.
Im Ersten Weltkrieg diente Nocton Hall ab 1917 als Rekonvaleszenzort für verwundete amerikanische Offiziere und ging 1919 in den Besitz der Farmer W. H. Dennis & Sons über, die auf dem Gelände Kartoffeln anbauten. Nach mehreren weiteren Eigentümerwechseln stand das Haus in den 1990er Jahren leer, Vandalen fielen darüber her und raubten Einrichtungsgegenstände, bis es schließlich am 24. Oktober 2004 Flammen zum Opfer fiel, die nur noch eine Ruine übrigließen.

Eine weitere Ruine findet sich auf diesem Grundstück in Lincolnshire, das RAF Hospital Nocton Hall, das von 1947 bis 1983 als Militärkrankenhaus der Royal Air Force diente. Anschließend wurde es an die US Air Force untervermietet, die in der näheren Umgebung mehrere Basen unterhielt. Mitte der 1990er Jahre wurde das Krankenhaus geschlossen, das nach und nach verfiel und heute einen recht unheimlichen Eindruck hinterlässt. Dieser Film legt Zeugnis davon ab.

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Die angeblich von Katherine Howard gepflanzte Kastanie. Author: Alastait mcmurray. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Die angeblich von Katherine Howard gepflanzte Kastanie.
Author: Alastair mcmurray.
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Wie die Hängebrücke über die Themse in Marlow (Buckinghamshire) im Jahr 2016 beinahe Schaden genommen hätte

Durch diese Poller der Marlow Bridge zwängte der LKW-Fahrer seinen 2.5 Meter breiten Lastzug.   © Copyright Peter Jemmett and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Durch diese Poller der Marlow Bridge zwängte der LKW-Fahrer seinen 2.5 Meter breiten Lastzug.
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Über die hübsche attraktive Stadt Marlow habe ich in meinem Blog bereits mehrere Artikel geschrieben, auch über die Hängebrücke, die die Themse überquert und die Grafschaften Buckinghamshire und Berkshire miteinander verbindet. In dem Beitrag schrieb ich auch über die engen Zufahrten, die durch Poller begrenzt werden, damit keine schweren LKWs die Brücke passieren können, die ein Maximalgewicht von drei Tonnen verträgt. Am 24. September 2016 gegen 22.30 Uhr wäre es der von William Tierney Clark erbauten Straßenbrücke beinahe an den Kragen gegangen, denn ein 37 Tonnen schwerer Lastzug aus Litauen der Speditionsfirma Girteka Logistics versuchte sie zu überqueren. Vielleicht verließ sich der Fahrer auf sein Navigationsgerät und übersah im Dunklen die Warnschilder vor der Brücke („Weak Bridge“, >2.0m<, 3T mgw) auf jeden Fall schaffte er es irgendwie, die Poller zu überwinden, wobei ein Reifen in die Brüche ging, und dann blieb er schließlich mit seinem Gefährt auf der anderen Seite der Brücke hängen (hier sind einige Fotos). Wie er durch die ersten Poller kam, grenzt schon an ein Wunder, denn ich musste mit meinem PKW schon sehr vorsichtig sein, damit ich nicht seitlich daran anschrammte. Da hing er nun am späten Abend auf der Brücke fest, der litauische Fernfahrer und konnte sich weder vorwärts noch rückwärts bewegen. Die Polizei von Marlow kümmerte sich um den Fall, als sie zu Hilfe gerufen wurde, und ließ den schweren Truck über die Brücke zurückschleppen, die die 37 Tonnen-Last tatsächlich aushielt.

Aber was waren denn nun für Schäden an dem Bauwerk entstanden? Spezialisten untersuchten die Marlow Bridge sehr intensiv und stellten fest, dass sie kaum beschädigt worden war und die Sicherheit in keiner Weise gefährdet ist. Man befürchtete anfangs, dass die Themsebrücke bis zu sechs Monaten geschlossen werden müsste, aber es dauerte dann doch nur zwei Monate, bis sie am 25. November wieder für den Verkehr freigegeben werden konnte. Die Zeremonie ist hier im Film festgehalten. Die Kosten für die entstandenen Arbeiten trug übrigens die Versicherung der Speditionsfirma, deren Fahrer sicher in Zukunft einen weiten Bogen um Marlow machen wird.

Bis maximal drei Tonnen dürfen die Fahrzeuge wiegen, die die Brücke überqueren möchten.    © Copyright Chris Allen and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bis maximal drei Tonnen dürfen die Fahrzeuge wiegen, die die Brücke überqueren möchten.
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The King’s Cross Theatre – Ein Theater in London mit besonders spektakulären Aufführungen

Am 16. Dezember 2014 eröffnete in London das King’s Cross Theatre seine Pforten. Wie der Name schon sagt, steht es direkt neben dem Bahnhof King’s Cross im Stadtteil Camden. Noch ein Theater? Gibt es nicht schon genug Theater in London? Nun, dieses ist ein besonderes und unterscheidet sich von den anderen Häusern in der Stadt.

Das King’s Cross Theatre besteht aus einem großen, vollklimatisierten Zelt; also kein Schwitzen im Sommer, kein Frieren im Winter. 994 Zuschauer passen maximal hinein, Bühne und Zuschauerplätze können aber variabel an die jeweiligen Bühnenstücke angepasst werden.

Die bisher gezeigten Bühnenstücke erwiesen sich als sehr erfolgreich, vor allem „The Railway Children„, nach dem Roman von Edith Nesbit, der ja auch schon zweimal verfilmt worden ist. Besonders spektakulär bei dieser Aufführung, die am 8. Januar zum letzten Mal gezeigt wird, ist, dass hier eine richtige, 60 Tonnen schwere Lokomotive quer durch den Zuschauersaal fährt. Die Londoner Zeitungen überschlugen sich in ihren Lobpreisungen dieses Stückes, das bereits 2008 vom York Theatre Royal aufgeführt wurde. 2010 ging es dann nach London, wo es im früheren Eurostar-Terminal in der Waterloo Station zu sehen war. 2001 bekam „The Railway Children“ den Olivier Award for Best Entertainment. Hier ist der Trailer zu sehen.

Den Olivier Award für Outstanding Achievement in Music erhielt im Jahr 2016 das Musical „In the Heights„. Geschrieben wurde es von dem US-Amerikaner Lin-Manuel Miranda und es erlebte seine Uraufführung 2005 in Waterford (Connecticut). Drei Jahre später kam es an den New Yorker Broadway, dann wird es seit dem 3. Oktober 2015 im King’s Cross Theatre gezeigt. Auch dieses Musical erlebt am 8. Januar diesen Jahres seine letzte Aufführung. Hier ist ein kurzer Film darüber.

Am 25. Oktober 2016 startete im King’s Cross Theatre das Musical „Lazarus„, das noch bis zum 22. Januar diesen Jahres zu sehen sein wird. Das Bühnenstück ist ein Spätwerk von David Bowie, das er zusammen mit Enda Walsh schrieb und das auf dem Roman „The Man Who Fell to the Earth“ von Walter Tevis basiert; der gleichnamige Song Bowies wurde wenige Tage vor seinem Tod veröffentlicht. Hier ist der Trailer zum Musical.

Vom 23. September bis zum 17. Dezember 2016 zeigte das King’s Cross Theatre die „Shakespeare Trilogy“ der Film- und Theaterregisseurin Phyllida Lloyd („Mamma Mia“, „Die eiserne Lady“), eigenwillige Adaptionen der Shakespeare-Dramen „The Tempest“, „Henry IV“ und „Julius Caesar“, in der nur Frauen auftreten; dieser Film zeigt Details.

Andrew Dowd – Der Mann, der alle britischen Bahnhöfe kennt

Das Logo der British Rail, das gern auch als "The Arrows of Indecession" genannt wird.    © Copyright nick macneill and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Logo von British Rail, das gern auch „The Arrows of Indecision“ genannt wird.
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In meinem Blog schrieb ich vor einiger Zeit über Cathy Price, die sämtliche Pubs mit dem Namen The Red Lion aufgesucht und dabei 90 000 Meilen zurückgelegt hat. Es gibt weitere Beispiele für ähnliche Unternehmungen: Peter Willis hat schon über 2500 Briefkästen fotografiert (von rund 115 000) und den Ehrgeiz entwickelt, noch viele weitere seiner Sammlung hinzuzufügen, Alistair Houghton hatte sich auf seine Fahnen geschrieben, sämtlichen Wimpy-Schnellrestaurants Großbritanniens einen Besuch abzustatten, und Andrew Dowd aus Wigan (Greater Manchester) suchte alle 2548 Bahnhöfe in England, Wales und Schottland auf. Kurioserweise unternahm er diese Fahrten alle mit seinem Auto, das ging sicher schneller, als wenn er dabei auf die Züge der British Rail und anderer Eisenbahngesellschaften zurückgegriffen hätte.

Es begann mit einem Familienfoto vor einem Bahnhofsschild, das Andrew Dowd auf die Idee brachte, sich doch einmal alle Bahnhöfe des Landes anzusehen. Er startete in seiner engeren Heimat, dem Großraum Manchester, dann wurden die Kreise immer größer und schließlich hatte er es nach vier Jahren tatsächlich geschafft; dabei ist der junge Mann aus Wigan gar kein Eisenbahnfan, ihn interessierte viel mehr, neue Orte kennenzulernen, in denen er noch nie war. Als Beweis, dass er auch tatsächlich persönlich auf jedem Bahnhof war, machte er ein Foto davon.
Auf seiner Reise kreuz und quer durch die Insel wurde Andrew Dowd mit allen möglichen Bahnhöfen konfrontiert: Große in London, kleine auf dem Land, historische und neue, architektonisch interessant gestaltete und hässliche. Der hässlichste Bahnhof, den er fand, war Gainsborough Central in Lincolnshire. Dort macht sich Unkraut auf den Bahnsteigen breit, die Fußgängerbrücke über die Gleise bröckelt vor sich hin und überhaupt spielt sich hier so gut wie nichts mehr ab; nur am Samstag fahren drei Züge, sonst liegt der Bahnhof verlassen da. Gerade einmal 1352 Menschen haben im Zeitraum 2015/16 die Züge der Eisenbahngesellschaft Northern vom Bahnhof Gainsborough Central aus benutzt.

Gainsborough Central.   © Copyright Jonathan Thacker and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Gainsborough Central Railway Station.
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Die Pyramide am Londoner Trafalgar Square – Eine verrückte Idee von Sir Frederick William Trench (1775-1859)

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Es hätte nicht viel gefehlt und dort, wo heute am Londoner Trafalgar Square die Nelson-Säule in den Himmel ragt und die Löwen geduldig ertragen, wie Touristen aus aller Welt auf ihren Rücken sitzen und sich selbst per Selfie oder gegenseitig fotografieren, hätte eine monströse, riesige Pyramide gestanden. Die Idee dazu hatte Sir Frederick William Trench (1775-1859), ein Mann, der eine Karriere im Militär suchte und es bis zum General schaffte und als Member of Parliament im Lauf der Zeit vier verschiedene Wahlbezirke im Unterhaus vertrat. Trench machte den Vorschlag, anlässlich des Sieges über Napoleon in der Schlacht von Waterloo, im Zentrum von London eine gewaltige Pyramide zu errichten, nicht zuletzt, um die Überlegenheit der Briten über die Franzosen zu demonstrieren.

Das geplante Bauwerk sollte fast 100 Meter hoch sein und eine Kantenlänge von 120 Metern haben. Die geschätzten Kosten lagen bei £1 Million, eine damals gewaltige Summe, die heute in etwa £7.4 Milliarden entsprechen würde. Die Bauzeit hätte nach damaligen Berechnungen fünf Jahre gedauert.
Die beiden Architekten Philip und Matthew Cotes Wyatt fertigten ein Modell an, das in der Residenz des Duke of York zur Begutachtung ausgestellt wurde. Matthew Cotes Wyatt sollte sich später einen Namen machen, indem er das Reiterstandbild des Duke of Wellington schuf, das zuerst an mehreren Orten in London und schließlich in der Provinz, in Aldershot (Hampshire), aufgestellt wurde. Ein weiteres Reiterstandbild, das von König Georg III. in der Londoner Cockspur Street, ist ebenfalls von Matthew Cotes Wyatt.

Die beiden Architekten hätten sich die Mühe mit dem Modell der Pyramide aber sparen können, denn die Idee Sir Fredericks fiel nicht auf fruchtbaren Boden, eigentlich gab es außer ihm selbst so gut wie niemanden, der das Monsterbauwerk haben wollte und sich dafür einsetzte. Der Plan und das Modell verschwanden schnell wieder in irgendwelchen Schubladen und wurden nie wieder ans Tageslicht geholt.

Der Trafalgar Square, so wie wir ihn heute kennen, ist sicher sehr viel ansehnlicher, als es eine Pyramide im ägyptischen Stil gewesen wäre (trotz der unzähligen Touristen und nervigen Tauben). Dieser Film zeigt den Platz, fest in der Hand von Touristen aus aller Welt.

The Dunston Pillar in Lincolnshire – Sir Francis Dashwoods „Heide-Leuchtturm“

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Nur wenige Meter von der Kreuzung der A15 (Sleaford Road) mit der B1178 (Tower Road) entfernt, zehn Kilometer südlich von Lincoln in der Grafschaft Lincolnshire, steht ein merkwürdiger, schmuckloser Turm, dessen Zweck sich auf den ersten Blick nicht erschließt. Es handelt sich dabei um einen ehemaligen Leuchtturm aus dem 18. Jahrhundert, der nicht Schiffen ihren Weg weisen sollte (die Küste ist viele Kilometer entfernt), sondern Reisenden, die die nächtliche Heidelandschaft durchquerten. Gebaut wurde der Dunston Pillar genannte Turm 1751 auf Veranlassung von Sir Francis Dashwood, jenem exzentrischen Typen, der durch seinen Hellfire Club berühmt/berüchtigt war und über den ich in meinem Blog schon einmal in Zusammenhang mit der St Lawrence Church in West Wycombe (Buckinghamshire) und deren goldener Kugel schrieb. Sir Francis wohnte ganz in der Nähe in Nocton Hall, einem Anwesen, das eigentlich seiner Frau gehörte.

Der Dunston Pillar war 28 Meter hoch; oben hatte man die Laterne angebracht, die die Wegweiserfunktion hatte. Durch eine Innentreppe gelangte man an die Spitze des Turms, der bis zum Jahre 1788 seine Aufgabe täglich erfüllte. 1808 wurde er komplett außer Betrieb genommen, weil zwischenzeitlich Straßen in der Umgebung gebaut worden waren und dadurch eine gewisse Sicherheit gegeben war. Ein Jahr später riss ein schwerer Sturm die fünf Meter hohe Laterne aus ihrer Verankerung, so dass sie zu Boden stürzte.

Da der laternenlose Turm ziemlich kahl aussah, ließ 1810 der Earl of Buckinghamshire aus Anlass des goldenen Thronjubiläums eine Statue von König Georg III.  darauf setzen, die den Dunston Pillar bis zum Zweiten Weltkrieg schmückte. So lange konnte der König von seiner Höhe aus die platte Landschaft Lincolnshires betrachten. Dann musste er weichen, denn Turm und König standen genau in der Einflugschneise des Militärflugplatzes Royal Air Force Station Coleby Grange. Der um einige Meter niedriger gewordene Dunston Pillar blieb stehen, die Büste Georgs III. wanderte einige Kilometer nach Norden und verblieb im Lincoln Castle.

Die Büste König Georgs III. im LIncoln Castle, die einmal auf dem Dunston Pillar stand. Neddyseagoon at the English language Wikipedia. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported.

Die Büste König Georgs III. im Lincoln Castle, die einmal auf dem Dunston Pillar stand.
Attr.: Neddyseagoon at the English language Wikipedia.
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Published in: on 24. Dezember 2016 at 02:00  Comments (1)  
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The Kinema in the Woods – Ein legendäres Kino in Woodhall Spa (Lincolnshire)

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Woodhall Spa mit seinen 5000 Einwohnern liegt mitten auf dem platten Land in Lincolnshire, ziemlich weit entfernt von größeren Städten. Die Mineralquellen sind es, die den Ort in Großbritannien bekannt machten, aber noch etwas anderes gibt es hier zu bestaunen: Ein Kino, das am 11. September 1922  eröffnet wurde und noch heute mit der sogenannten Rückprojektionstechnik arbeitet und wo auch noch eine Kinoorgel im Einsatz ist, das Kinema in the Woods.

Als Eröffnungsfilm sollte „The Lion Eaters“ gezeigt werden, doch da die Filmrollen nicht rechtzeitig in Woodhall Spa eintrafen, zeigte man eben einen Charlie Chaplin-Film.
Major C. C. Allport war es zu verdanken, dass das Kino über Jahrzehnte in Betrieb war, denn bis zum Jahr 1973 leitete er es, bis es von dem heutigen Besitzer James Green übernommen wurde. 1987 wurde eine Compton Kinestra Orgel in das Kino eingebaut, die noch heute von Alan Underwood gespielt wird.

1994 wurde ein zweiter Kinosaal eröffnet (der andere hat 265 Sitzplätze), der über 92 Plätze verfügt; ein Zeichen, dass The Kinema in the Woods nicht über mangelnde Besucher klagen muss. Das Haus hat jeden Tag abendliche Filmvorführungen und am Wochenende gibt es zusätzlich noch Matineen.

Sehr schön finde ich wie man dort mit der Frage „Darf ich mein Baby mit in die Vorstellung nehmen?“ umgeht:
„We do allow babes-in-arms to be brought in to afternoon screenings free of charge on the condition that if they start to cry they must be taken out of the auditorium immediately so as not to cause a disturbance to other customers.“

Das Kinema in the Woods ist kein Nostalgiekino, das nur alte Filme zeigt. Hier kann man auch die akuellen Blockbuster sehen.
Einen kleinen Eindruck über das Kino bietet dieser BBC-Film.

The Kinema In The Woods
Coronation Road
Woodhall Spa
Lincs
LN10 6QD

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Die Container City in den Londoner Docklands

Container City 1. Author: Cmglee. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Container City 1.
Author: Cmglee.
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Was macht man eigentlich mit Schiffscontainern, die nicht mehr gebraucht werden oder deren „Verfallszeit“ abgelaufen ist? Die meisten werden sicher in der einen oder anderen Weise recycelt, doch man kann mit ihnen auch etwas sehr viel Nützlicheres anstellen, nämlich sie als Künstlerstudios umfunktionieren. Auf diese Idee kam man im Jahr 2001 in den Londoner Docklands, in dem man einfach mehrere sogenannte 40-Fuß-ISO-Container aufeinanderstapelte. In kurzer Zeit entstand so die Container City 1, die auf drei Stockwerken Platz für 12 Studios bereithielt. Zwei Jahre später wurde noch ein weiteres Stockwerk hinzugefügt.
Weil die Nachfrage nach diesen Arbeitseinheiten groß war, entstand direkt daneben im nächsten Jahr die Container City 2 mit 22 weiteren Studios auf fünf Stockwerken. Beide „Cities“ sind mit Übergängen verbunden.

Federführend für das ganze Projekt war die Organisation Urban Space Management, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, verfallenden Teilen Londons und anderen Städten Großbritanniens wieder Leben einzuhauchen und das auf umweltschonende und kostengünstige Art.

Entworfen wurden die beiden Container Cities von dem Architekturbüro Nicholas Lacey And Partners, das die „Schachtelstudios“ im Inneren komplett neu gestaltete, indem die Stahltüren durch Glastüren ersetzt und große, runde, bullaugenartige Fenster in die Seitenwände geschnitten wurden. Die Bauweise erwies sich auch als variabel, indem man zwei Container zu einer Einheit zusammenfassen konnte..
Beide Anlagen wurden dann noch mit kräftigen Farben versehen und fertig war ein interessantes und zukunftsweisendes Projekt in einer ständig unter Raumnot leidenden Stadt. Dieser Film zeigt die Containerstadt.

Die Container Cities liegen auf dem Gelände der Trinity Buoy Wharf, einem Teil der ehemaligen Hafenanlagen, die zunehmend verfielen, bis sie dann von Urban Space Management in ein kulturelles Zentrum umgewandelt wurden. Heute findet man hier u.a. Teile der Royal Drawing School, der English National Opera und der University of East London. Die Wharf liegt auf der Nordseite der Themse, direkt gegenüber der O2-Arena.

Die dreiköpfige Popband Living in a Box aus Sheffield hatte 1987 einen Hit, der ebenfalls „Living in a Box“ hieß. Vielleicht inspirierte dieser Song ja einen der Projektträger unbewusst…

Container City 2. Author: Cmglee. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Container City 2.
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Blick auf die Trinity Buoy Wharf.   © Copyright Christine Matthews and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Blick auf die Trinity Buoy Wharf.
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Published in: on 5. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Pargeting – Sehr schöne Stuckverzierungen an Häusern in East Anglia

The Ancient House in Ipswich (Suffolk).   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Ancient House in Ipswich (Suffolk).
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Besonders in Essex, Suffolk und Norfolk trifft man auf Häuser, die durch ihre schönen Stuckverzierungen ins Auge fallen. „Pargeting“ nennt man diese Technik, die zur Zeit Heinrichs VIII in Mode kam. Es heißt, dass diese Verzierungen auch dazu dienten, schlecht ausgeführte Arbeiten an der Grundierung der Gebäude zu überdecken. Wie dem auch sei, es sieht einfach hübsch aus und man betrachtet diese „Pargeting“-Häuser gern. Das Wort soll aus dem Altfranzösischen stammen und soviel wie „bewerfen“ bedeuten.

Es gibt viele unterschiedliche Muster dieser Stuckarbeiten; das können geometrische Formen sein oder auch Weinranken, Pflanzen, Tiere, Muscheln usw. usw. Auch heute gibt es noch Firmen, die sich auf das „Pargeting“ spezialiert haben wie Ian Warren in Tillingham (Essex), dem man in diesem Film bei der Arbeit zuschauen kann oder Joe Pattison in Hopton (Norfolk), der darüberhinaus auch Village Signs herstellt.

Das wohl schönste Beispiel für ein Haus mit diesen Stuckverzierungen ist The Ancient House am Butter Market in Ipswich (Suffolk). Dort werden u.a. die vier Kontinente durch jeweils unterschiedliche Figuren symbolisiert (Australien war damals noch nicht entdeckt). Die Familie Sparrowes bewohnte das Haus in der Innenstadt von Ipswich mehrere Jahrhunderte lang, daher wird es auch als Sparrowes House bezeichnet. In den 1980er Jahren wurde es von Grund auf renoviert, auch die wunderschönen Stuckarbeiten. Heute findet man eine Filiale der Firma Lakeland im Erdgeschoss des Hauses, die Küchenutensilien verkauft.

Ein weiteres Beispiel für solch ein Stuckhaus ist The Ancient House in der High Street von Clare (Suffolk). Dort ist ein Heimatmuseum untergebracht und man kann in dem Haus auch wohnen, der Landmark Trust vermietet darin ein Apartment.

In einer Häuserzeile in der Church Street in Saffron Walden (Essex) stehen ebenfalls einige schöne Exemplare von stuckverzierten Gebäuden.

The Ancient House in Clare (Suffolk).   © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Ein Haus in der Church Street von Saffron Walden (Essex).    © Copyright Stefan Czapski and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Haus in der Church Street von Saffron Walden (Essex).
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Published in: on 1. Dezember 2016 at 02:00  Comments (1)  
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The Jubilee Clock Tower in Newmarket (Suffolk)

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Newmarket in der Grafschaft Suffolk ist das vielleicht wichtigste Zentrum für Pferdezucht und Pferdesport im gesamten Königreich. Wer sich für Pferderennen interessiert, wird sich hier im National Horseracing Museum gut informieren können.

In Newmarket an der High Street steht ein ins Auge stechendes Gebäude: Ein Turm mit einer Uhr und einer Wetterfahne, die einen Reiter und ein Pferd in vollem Galopp zeigt. Dieser sogenannte Jubilee Clock Tower wurde zu Ehren des goldenen Thronjubiläums von Königin Victoria im Jahre 1887 erbaut und 1890 offiziell eröffnet. Die Bürger von Newmarket sammelten für die Baukosten des Turms das dafür benötigte Geld; die Uhr wurde von einem örtlichen Pferdetrainer namens Charles Blanton gestiftet, der u.a. das berühmte Rennpferd Robert the Devil trainierte. Für diese edle Tat wird der Mann auf einer Inschrift am Turm auch entsprechend gewürdigt: „1837 Jubilate Victoriae 1887. Clock presented by C. Blanton.  Erected by voluntary contribution„. Gebaut wurde diese Uhr von der Firma Smith of Derby, ein Familienbetrieb aus Derby, der noch heute existiert und der u.a. auch die Uhren an der Londoner St Paul’s Cathedral und am Trinity College in Cambridge angefertigt hat. Die Uhr am Jubilee Clock Tower in Maidenhead (Berkshire), der anlässlich des Queen Victoria Diamond Jubilee erbaut wurde, stammt ebenfalls aus der Produktion der Firma aus Derbyshire.

Published in: on 13. November 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Manor House in Little Missenden (Buckinghamshire)

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Nur ein paar Schritte von der Kirche St John the Baptist in Little Missenden (Buckinghamshire), über die ich gestern in meinem Blog berichtete, steht das Manor House, ein zweistöckiges, von einer Mauer umgebenes Gebäude, das aufmerksame Zuschauer der „Inspector Barnaby“-TV-Serie sicher wiedererkennen werden, denn es diente mehrfach als Drehort für einzelne Episoden wie Nummer 56 „Death and Dust“ (dt. „Denn du bist Staub“), als das Haus der Compton-Schwestern in Nummer 71 „Small Mercies“ (dt. „Böse kleine Welt“) und als Arztpraxis für den schmierigen Doktor Wellow in Folge 45 „Dead Letters“ (dt. „Die tote Königin“).

Ich kam vergangene Woche wieder einmal an dem schönen Haus vorbei, das durch ein schmiedeeisernes Tor zu erreichen ist; dahinter sind die ausgedehnten Parkanlagen zu erkennen. Die ältesten Teile des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück. Im vorigen Jahr stand das Haus für £3.75 Millionen zum Verkauf und offensichtlich hat es einen neuen Besitzer gefunden.

Im 18. Jahrhundert gehörte das Manor House tatsächlich einmal einem Arzt und zwar Dr Benjamin Bates, dem damaligen Leibarzt des durch den Hellfire Club berühmt und berüchtigt gewordenen Sir Francis Dashwood. Auch Bates war Mitglied dieser Knights of St. Francis, wie sich die Hellfire-Leute selbst nannten, die sich gern erotischen Eskapaden hingaben, vor allem in den Katakomben von Dashwoods Haus in West Wycombe (Buckinghamshire).
Der ebenfalls berühmte (aber nicht berüchtigte) Maler Sir Joshua Reynolds ging im Manor House aus und ein, denn er war mit Dr Benjamin Bates befreundet. Reynolds Freundin, die schweizerisch-österreichische Malerin Angelika Kauffmann, ließ es sich nicht nehmen, die Garten- und Parkanlagen zu gestalten.

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Der Standedge Tunnel bei Marsden in West Yorkshire – Ein Nadelöhr für Hausbootfahrer

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Der Standedge Tunnel, der die Ort Marsden und Diggle in West Yorkshire verbindet und die Pennines durchquert, ist der längste und höchst gelegene Kanaltunnel Englands. Er ist 5 Kilometer lang und an seiner tiefsten Stelle fast 200 Meter unter Tage.
Nachdem dieser Tunnel jahrzehntelang geschlossen war, hat man ihn 2001 wieder eröffnet und für Boote frei gegeben.
Da neben dem Kanal im Tunnel kein Platz für einen sogenannten „towpath“ war, also eine Art Treidelweg, musste man früher die Boote so vorwärts bewegen, dass einige Männer auf dem Rücken lagen und sich mit den Füßen an der Tunneldecke abstießen, also ein mühsames Unterfangen. Bis vor kurzem war es nicht erlaubt, dass die Hausbootfahrer allein durch den Tunnel fuhren. Man stellte einen Konvoi zusammen und die Boote wurden von einem Schlepper mit Elektromotor hindurchgezogen. Seit 2007 darf man jetzt selbst hindurchfahren; natürlich nur zu bestimmten Zeiten, da der Tunnel keinen Gegenverkehr zulässt. Eine Begleitperson der British Waterways ist allerdings immer dabei.

Wer kein Hausboot sein eigen nennt und trotzdem einmal den Tunnel durchqueren möchte, kann das auch an Bord eines speziellen Bootes tun und für die Fahrt, auf der es garantiert nichts zu sehen gibt, £10.00 ausgeben. Eine Strecke wohlgemerkt! Zurück kann man entweder laufen oder sich einTaxi bestellen.

Am Eingang des Tunnels auf der Marsden-Seite hat man ein Visitor Centre gebaut, das u.a. ein kleines Konferenzzentrum beherbergt und auch Veranstaltungen durchführt, heute z.B. findet eine „Bat Night“ statt, eine abendliche Wanderung auf den Spuren von Fledermäusen, die dort anzutreffen sind.

Eine Durchquerung des Standedge Tunnels auf dem Huddersfield Narrow Canal beschreibt sehr anschaulich Steve Haywood in seinem Buch „Narrowboat Dreams“ (Summersdale Publishers 2008).

Hier ist eine Fahrt durch den Tunnel im Film zu sehen.

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Das Standege Tunnel Visitor Centre.   © Copyright Rude Health and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Standedge Tunnel Visitor Centre.
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Published in: on 25. September 2016 at 10:00  Comments (3)  
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Die Hastings Pier in East Sussex – Im April 2016 wieder zum Leben erweckt

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Was wäre ein richtiges englisches Seebad ohne seine Pier? Man kann darauf spazierengehen, sich amüsieren, Tee trinken oder einfach nur die schöne Aussicht auf das Meer genießen. Doch Piers sind sehr sensible und empfindliche Gebilde. Viele sind schon Raub von Flammen geworden, sind Herbststürmen zum Opfer gefallen oder von Schiffen gerammt worden. Dazu kommt, dass die „Füße“ der Piers ständig dem Salzwasser ausgesetzt sind und darunter im Laufe der Jahrzehnte leiden. Wenn dann noch zündelnde Teenager ihr Unwesen treiben, haben Piers keine Chance.

All diese Unbillen der Natur und der Menschen (ausgenommen die zerstörerischen Schiffe) haben auch der Pier von Hastings in East Sussex zu schaffen gemacht. Am 5. August 1872 feierte das Seebad am Ärmelkanal die feierliche Eröffnung seiner ersten Pier, die von Eugenius Birch (1818-1884) kreiert wurde, seinerzeit einer der renommiertesten Architekten für diese Spezialbauwerke. Birch baute u.a. auch Piers in Eastbourne, Brighton, Blackpool und Weston-super-Mare.

Das Highlight des Piers in Hastings war der große Pavillion, in dem 2000 Menschen Platz fanden, und der bereits 1917 abbrannte. Fünf Jahre später wurde er durch einen neuen Pavillion ersetzt, in dem später in den 1960er Jahren namhafte Künstler der Rock- und Popszene auftraten wie die Rolling Stones, Pink Floyd und Jimi Hendrix.
1990 erlitt die Pier erhebliche Schäden, die durch einen Sturm verursacht worden waren und es stellte sich heraus, dass der Unterboden instabil geworden war. Das bedeutete hohe Investitionen, die keiner bereit war vorzunehmen. 1999 wurde das Bauwerk geschlossen; es folgten neue Besitzer, Rechtsstreitigkeiten mit der Stadt Hastings, eine kurzzeitige Neueröffnung, aber 2008 war dann endgültig Schluss. Im Oktober 2010 brannte die Pier fast vollständig ab, was vermutlich auf Brandstiftung zurückzuführen war, aber die Behörden konnten das nie genau nachweisen. Dieser Film zeigt Bilder von dem Brand.

Im August 2013 kaufte die Hastings Pier Charity die Trümmer für den symbolischen Preis von £1 und entwarf einen Plan wie man die Pier doch wieder ins Leben zurückrufen konnte. Der Heritage Lottery Fund war bereit, £11.4 Millionen in das Projekt zu stecken, dazu kamen Gelder aus dem sogenannten Community Share Scheme plus Spenden und das bedeutete, die Pier konnte wieder aufgebaut und in diesem Jahr am 27. April der Öffentlichkeit übergeben werden. Mögen von nun an, die Stürme einen weiten Bogen um Hastings machen und alle Zündler und Vandalen sich anderswo austoben!

Allerdings kam die neue Hastings Pier nicht bei allen gut an. Kritik wurde laut, dass sie viel zu öde und leer wäre; einige betitelten sie als „The Plank„. Es gibt auf jeden Fall hier sehr viel Platz. Aber vielleicht kommt ja im Laufe der Zeit noch einiges an Attraktionen hinzu, die die neue Pier interessanter machen.

Hier ist ein Film über die neue Hastings Pier.

Die neue Pier am Eröffnungstag.   © Copyright Robin Webster and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die neue Pier am Eröffnungstag.
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Die bisherigen Amüsierbetrieb auf der Pier.   © Copyright Chris Whippet and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die bisherigen Amüsierbetriebe auf der Pier.
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Ein Blick auf die Stadt Hastings von der Pier.   © Copyright Robin Webster and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Blick auf die Stadt Hastings, von der Pier aus gesehen.
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Shed of the Year Awards – Auf der Suche nach Großbritanniens schönsten Schuppen

The ‘West Wing’ from Berkshire winner of the Cuprinol Shed of the Year competition 2016. With friendly permission of

West Wing – Shed of the Year 2016 und sein Erbauer Kevin Herbert.
With friendly permission of Andrew Wilcox from Readersheds.co.uk

Viele haben in ihren Gärten Schuppen stehen, in denen in der Regel Gartengeräte abgestellt sind. Das sind meist einfache kleine Holzhäuschen, die in irgendeiner Ecke untergebracht sind und nicht besonders spektakulär aussehen. Es gibt aber auch Menschen, die aus ihren Schuppen etwas ganz Spezielles gemacht haben, was sie aus der Masse der normalen Gartenhäuschen deutlich hervorhebt.

Der britische TV-Sender Channel 4 beschäftigt sich in seiner Reihe „Amazing Spaces: Shed of the Year“ mit diesen exotischen Schuppen und das schon in diesem Jahr mit der dritten Staffel. Der Höhepunkt der Serie ist jeweils die Vergabe des Preises „Shed of the Year Award„. In der Jury, die über den schönsten Schuppen entscheidet, sitzen George Clarke, der Moderator der Sendung, das Amazing Spaces Team mit William Hardie, Laura Clark und Max McMurdo, und der Initiator des Wettbewerbs Uncle Wilco alias Andrew Wilcox, der eine eigene Website und einen Blog zum Thema betreibt: „Readersheds.co.uk„.

Es gibt Unterkategorien wie „Workshop/Studio“, „Eco“, „Historical“, „Unique“ und noch einige mehr, aber jedes Jahr gibt es nur einen Hauptpreis, der im Jahr 2016 an Kevin Herbert aus Berkshire vergeben wurde. West Wing heißt sein Gartenhaus, das zu 90% aus Recyclingmaterial besteht und besonders umweltfreundlich ist. Aus nahezu 3000 Wettbewerbsteilnehmern hat es Kevin Herbert geschafft, die Jury davon zu überzeugen, dass sein West Wing etwas ganz besonderes ist. Das Dach besteht aus Gras und Wildblumen, im Loft findet sich  ein Bett und ein „secret bookcase“ ist auch im West Wing untergebracht. Acht Jahre lang hat der stolze Preisträger an seinem Häuschen gearbeitet, und seine Mühe ist belohnt worden.

Kevins Vorgänger, der den Shed of the Year Award 2015 gewonnen hat, war Walter Micklethwait aus Aviemore in Schottland, dessen Inshriach Distillery auch sehr gut in die Zeit des Wilden Westens gepasst hätte.

Einer meiner persönlichen Favoriten ist der Shed of the Year 2012 in der Kategorie „Cabin/Summerhouse“: Das Colne Valley Postal History Museum in Halstead (Essex). Darin hat sich Steve Knight sein eigenes kleines Museum eingerichtet, in dem jede Menge Briefkästen, Briefmarkenautomaten und andere Gegenstände aus dem ehemaligen Besitz der Royal Mail zur Schau gestellt werden. Am Samstag, dem 10. September, ist wieder ein Public Open Day. Die Adresse: 109 Head Street in Halstead.

Wer sich für kuriose britische Schuppen interessiert, der sollte unbedingt die oben bereits genannten Webseiten von Readersheds.co.uk aufrufen, dort findet man zahlreiche Beispiele für den Ideenreichtum der britischen „sheddies“.

Hier ist eine Folge der ersten Staffel der Channel 4-Serie zu sehen.

Die Botallack Mine bei St Just in Cornwall

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In vielen Teilen von Cornwall sieht man noch die Überreste des einstmals blühenden Zinn- und Kupferbergbaus, auch hier nördlich von St Just im Westen der Grafschaft. Die Ruinen der Botallack Mine, auch Crown Mines genannt, abenteuerlich in die Felsklippen gebaut und Teil des UNESCO Weltkulturerbes, zeugen von der Tätigkeit der Bergleute, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Zinn, Kupfer und Arsen abbauten. 570 Meter tief hatte man den Schacht nach unten und etwa 600 Meter horizontal unter den Meeresboden getrieben, eine äußerst gefährliche Arbeit. Einige Bergleute erzählten, dass sie bei der Arbeit im Stollen den Atlantik über sich hören konnten. Als die Preise für Kupfer und Zinn abstürzten, musste das Bergwerk 1895 geschlossen werden.

Schon während die Mine noch in Betrieb war, vor allem nachdem der Prince of Wales dem Bergwerk 1865 einen Besuch abgestattet hatte, entwickelte sich die Crown Mine zu einem touristischen Ziel. Zwei Jahre vor dem Besuch hatte es hier einen tragischen Unglücksfall gegeben, als eine Gruppe von acht Männern und einem Kind in den Schacht stürzten weil die Kette eines Fahrkorbs gerissen war.

Heute gehört die Botallack Mine dem National Trust, der einen 1,6 Kilometer langen „Mining Walk“ angelegt hat, der rund um das ehemalige Bergwerksgelände führt. Im Count House, in dem damals die Löhne ausgezahlt wurden, ist jetzt eine kleine Ausstellung untergebracht, die täglich von 10 Uhr bis 16 Uhr besichtigt werden kann und keinen Eintritt kostet. Ein benachbartes Cottage stellt der National Trust als Ferienunterkunft zur Verfügung.

Das Gelände der Botallack Mine wurde von 1975 bis 1977 für die Dreharbeiten der BBC-TV-Serie „Poldark“ verwendet, die  im deutschen Fernsehen unter dem gleichen Titel von der ARD gezeigt wurde. Auch die neue BBC-Serie „Poldark“ aus dem Jahr 2015 wurde hier in diesem Teil von Cornwall gedreht. Die Vorlage für die beiden Fernsehserien war das zwölfteilige Romanwerk „Poldark“ von Winston Graham (1908-2003), von dem sieben Teile in deutscher Übersetzung in den 1980er Jahren erschienen.

Dieser Film zeigt die beeindruckende Küste Cornwalls und die Ruinen des Bergwerks.

Das Count House.   © Copyright Stuart Logan and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Count House.
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Published in: on 18. August 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die A272 – 140 Kilometer quer durch Südengland

Die A272 östlich von Winchester in Hampshire.   © Copyright Jim Champion and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die A272 östlich von Winchester in Hampshire.
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Ich mag die A 272, die durch überwiegend ländliches Gebiet führt. In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde die  Straße gebaut und im Großen und Ganzen verläuft sie noch genauso.
Die A 272 beginnt im Osten etwa bei Poundford in East Sussex und endet nach ca 140 Kilometern in der Nähe von Winchester in Hampshire. Auf der gesamten Strecke, bis auf einige ganz kleine Teilstücke, bleibt die Straße zweispurig; das Überholen von LKWs ist vor allem bei linksgelenkten Autos wie bei meinem manchmal schwierig (ich muss mich dann immer auf meine Beifahrerin verlassen). Da die meisten LKWs aber sehr zügig fahren, ist ein Überholen oft gar nicht erforderlich. Man fährt auf der A 272 durch viele Dörfer und Kleinstädte wie Billingshurst, Petworth und Midhurst.

Über die Straße ist ein wundervolles Buch geschrieben worden: „A 272: An Ode to a Road“ von Pieter und Rita Boogaart, zwei Holländern, im Jahr 2000 erschienen, das 2013 in der vierten Auflage neu überarbeitet und erweitert worden ist.
Auf 213 Seiten berichten die Boogaarts über alles Sehenswerte entlang der Straße in einem Umkreis von einigen Kilometern nördlich und südlich davon: Eine wahre Fundgrube! An Hand dieses Buches könnte man wochenlang die A 272 entlang fahren und an beinahe jeder Wegbiegung etwas Neues entdecken. Außergewöhnlich ist die Seitenaufteilung des Buches; die beiden mittleren Teile einer Doppelseite geben den laufenden Text wieder, die beiden Seitenränder enthalten Zusatzinformationen.

Wer sich für Bücher über englische Straßen interessiert, dem sei auch das Buch „The A303: Highway to the Sun“ von Tom Fort empfohlen, das ich in meinem Blog vorgestellt habe.

Pieter und Rita Boogaart: A 272: An Ode to a Road.Pallas Athene Art 2013. 272 Seiten. ISBN 978-1843680956.

Die A272 im Stadtzentrum von Midhurst (West Sussex).   © Copyright Stuart Logan and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die A272 im Stadtzentrum von Midhurst (West Sussex).
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Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

 

Bandstands – Musikpavillons in England

Auftritt der Abba Tribute Band im Eastbourne Bandstand.   © Copyright PAUL FARMER and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auftritt der Abba Tribute Band im Eastbourne Bandstand.
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A bandstand is a circular or semicircular structure set in a park, garden, pier, or indoor space, designed to accommodate musical bands performing concerts„, so bringt es die Wikipedia genau auf den Punkt. In der viktorianischen Zeit waren die Musikpavillons besonders beliebt und oft traten dort Brass Bands zur Freude der Zuhörer auf.

Der wahrscheinlich größte Experte in Sachen Bandstands in Großbritannien ist der Landschaftsarchitekt Paul Rabbitts, 1965 im County Durham geboren, der sein Herz an die Musikpavillons gehängt und ein Register erstellt hat, in dem alle diese Gebäude aufgelistet sind, sowohl die noch existierenden als auch die aufgegebenen und abgerissenen. 1119 sind da bisher zusammengekommen in Großbritannien und Irland, von Aberdare in Wales bis Youghall in Irland.

Zwei Homepages hat Paul Rabbitts erstellt, auf denen er jede Menge Informationen über die Pavillons zusammengestellt hat:
http://www.bookabandstand.com/ und http://www.paulrabbitts.co.uk/

Darüberhinaus hat er zwei Bücher zum Thema verfasst wie „Bandstands“ (Shire Publishing, 2011) und „Bandstands of Britain“ (The History Press, 2014), drei weitere sind in Vorbereitung.

Vier dieser Musikpavillons möchte ich hier kurz vorstellen:

The Eastbourne Bandstand nennt sich selbst „The busiest bandstand in the United Kingdom“. Der 1935 erbaute Pavillon bietet pro Jahr über 135 Musikveranstaltungen der unterschiedlichsten Art an, heute zum Beispiel eine Kids Disco Party Night. Viele Tribute Shows finden hier statt wie in diesem Monat die von Blondie, Robbie Williams und Bruno Mars. Plätze für rund 1400 Zuschauer sind an dem Pavillon vorhanden.

1884 wurde der Brighton Bandstand gebaut, vor einigen Jahren komplett renoviert und 2009 neu eröffnet. In diesem besonders schön gestalteten Pavillon werden in den Sommermonaten jeweils sonntags Musikveranstaltungen angeboten, man kann The Bandstand aber auch für Hochzeitsfeiern mieten, das daruntergelegene Café sorgt für das Catering.

Der Deal Memorial Bandstand an der Ostküste von Kent legt seinen Schwerpunkt auf Blaskapellen. In diesem Monat treten hier zum Beispiel die Band of the Brigade of Gurkhas und die Medway Concert Brass auf. Der 1993 eröffnete Musikpavillon erinnert an einen Bombenanschlag der IRA am 22. September 1989 auf die Royal Marines School of Music in Deal, bei dem elf Musiker getötet und elf verletzt wurden.

„Jazz on the Pantiles“ ist ein beliebtes Festival, das seit mehr als 20 Jahren in den Pantiles im Bandstand der Stadt Royal Tunbridge Wells in Kent veranstaltet wird. Von Mai bis September kommen hier jeden Donnerstagabend Jazzfreunde auf ihre Kosten.

Der Brighton Bandstand.   © Copyright Marathon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Brighton Bandstand.
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Der Musikpavillon in Deal (Kent).   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Musikpavillon in Deal (Kent).
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Der Bandstand in den Pantiles von Royal Tunbridge Wells (Kent).   © Copyright Marathon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Bandstand in den Pantiles von Royal Tunbridge Wells (Kent).
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Published in: on 9. August 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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British Airways i360 – Die neue Attraktion im Seebad Brighton

Der Turm mit seiner Kapsel kurz vor der Fertigstellung. Author: Sludge G. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license.

Der Turm mit seiner Kapsel kurz vor der Fertigstellung.
Author: Sludge G.
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Bei meinem letzten Besuch im Seebad Brighton war noch nichts von den Bauarbeiten zum geplanten Turm British Airways i360 zu sehen, nur einige große Plakate wiesen auf einen ungewissen Baubeginn hin. Heute, am 4. August 2016, ist es nun soweit, der 162 Meter hohe Superturm wird eröffnet. Gegenüber den Ruinen des abgebrannten West Piers steht die neue Besucherattraktion Brightons, die sicherlich viele Touristen aus aller Welt anziehen wird, bietet sie doch einige Superlative. British Airways i360 ist die erste „vertical cable car“ der Welt und der weltweit höchste sich bewegende Aussichtsturm. In einer 93 Tonnen schweren Glaskapsel gleiten die bis zu 200 Fahrgäste in 20 Minuten von der „Talstation“ bis zum „Gipfel“ und haben dabei eine grandiose 360 Grad Aussicht, die bei gutem Wetter bis zu 40 Kilometer weit reichen kann. Die abendlichen Fahrten nach 18 Uhr dauern 30 Minuten, dann ist die Sky Bar geöffnet, an der man ein Glas englischen Sekt oder ein Real Ale trinken und dabei die Sicht auf die Küste von Sussex und das Meer genießen kann.

Geplant wurde der Turm von dem Londoner Architektenbüro Marks Barfield, das auch schon das London Eye auf der Themse entworfen hat. Gewisse Ähnlichkeiten der Riesenkapsel in Brighton und den kleineren Londoner Riesenradkapseln sind zu erkennen.

Das £46 Millionen teure Gebäude soll nach Planungen der Betreiber über 700 000 zahlende Touristen anlocken, die bereit sind, £15 für eine Fahrt auszugeben, Kinder zahlen die Hälfte. Wer möchte kann die komplette Kapsel für private Feiern mieten und man kann sich in luftiger Höhe auch das Ja-Wort geben.

Was der Besucher noch wissen sollte: Der Turm ist sonntags bis donnerstags von 10 Uhr bis 22 Uhr in Betrieb, freitags und samstags bis 23 Uhr. Ab Windstärke 8 wird der Betrieb eingestellt.

Auch das etwas heruntergekommene Umfeld des Strandes am West Pier, der übrigens vor 150 Jahren eröffnet wurde, hat man im Zuge des Turmbaus aufgehübscht. Dort entstanden/entstehen Restaurants und Läden, weg sind die hässlichen, verbarrikadierten ehemaligen Strandgebäude.

Doch nicht alle Bewohner Brightons sind mit ihrer neuen Attraktion einverstanden; Widerstand regte sich bereits und so betitelte man den i360 schon als „iSore“ und „horrendous thing in the sky“. Hannah Brackenbury nahm sogar einen Protestsong auf, den sie „Grey Big Pole“ nannte und in dem sie davon träumt, dass der Blitz in den Turm einschlägt und er zusammenstürzt.

Heute nun um 22 Uhr startet die Eröffnungsfeier mit einem Feuerwerk und einer Illumination des Turmes.

Dieser Film
zeigt den neuen Turm, von einer Drohne aus gefilmt.

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Das Plakat am West Pier zeigte bei meinem Besuch im Januar 2012 schon wie der Turm einmal aussehen sollte. Eigenes Foto.

Dieses Plakat am West Pier zeigte bei meinem Besuch im Januar 2012 schon wie der Turm einmal aussehen sollte.
Eigenes Foto.

So sah es damals aus am Strand aus. Eigenes Foto.

So sah es damals am Strand aus, wo jetzt der Turm steht.
Eigenes Foto.

Das ungewöhnliche Kriegerdenkmal von Studham in Bedfordshire

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Fast jede Stadt und jedes Dorf in England hat einmal ein Kriegerdenkmal errichtet, mit dem die gefallenen Soldaten der beiden Weltkriege geehrt werden. In den Dörfern sind die Erinnerungsstätten oft auf dem Village Green zu finden. In den kleineren Orten hat man die Namen der Gefallenen auf dem Denkmal verewigt. Nur die wenigen glücklichen „Thankful Villages„, über die ich in meinem Blog einmal schrieb, hatten unter ihren Bewohnern keine getöteteten Soldaten zu beklagen.

Auch das kleine Studham im südlichen Bedfordshire hat dort, wo die Church Road, die Dunstable Road und die Kensworth Road zusammenstoßen, gegenüber vom Red Lion Pub, auf einer großen Grünfläche ein Kriegerdenkmal errichtet, das sich aber von den anderen im Land deutlich unterscheidet: In einem gepflegten Heckenviereck steht das gemauerte „War Memorial“ in Form eines Uhrenturms, der den passierenden Autofahrern stets die korrekte Zeit anzeigt. Eingeweiht wurde das Denkmal am 20. Dezember 1919 von Earl Brownlow, der Ende des 19. Jahrhunderts einmal der Kommandeur der Bedfordshire Volunteer Infantry Brigade war.

13 Namen von Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren, und 3, die aus dem Zweiten Weltkrieg nicht nach Hause kamen, sind auf dem Uhrenturm bzw. Kriegerdenkmal festgehalten. Besonders tragisch finde ich, dass sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg  mehrere Brüder aus Studham ums Leben kamen, darunter Laurie Edgar Worthington (1940) und Dennis Leonard Worthington (1942).

Die Fotos der Männer finden sich in einer Glasvitrine in der Dorfkirche St Mary the Virgin am anderen Ende von Studham. Zusammen mit den Soldaten wird auch noch an eine junge Frau erinnert, an Mary Olive Hart, die im Alter von 22 Jahren während eines Angriffs deutscher Luftschiffe durch Schock starb.

Zur Orientierung: Studham liegt rund zwei Kilometer südlich des Whipsnade White Lions und der Whipsnade Tree Cathedral (ich berichtete in meinem Blog darüber), westlich der Autobahn M1.

St Mary the Virgin Studham.   © Copyright John Lord and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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The House That Moved – Ein Tudorhaus in Exeter, das umziehen musste

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In der West Street Nummer 24 in Exeter (Devon) steht ein uraltes Tudorhaus („The House That Moved„), das nach Schätzung von Experten im frühen 16. Jahrhundert gebaut worden ist, manche halten es noch für wesentlich älter. Den größten Teil seines Daseins verbrachte das Haus aber nicht an dieser Stelle, sondern etwa 70 Meter entfernt, an der Edmond Street, die es heute nicht mehr gibt. Wie kam es nun zu diesem Umzug?

Exeter wurde im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen bombardiert, wodurch viele historische Gebäude zerstört wurden. Nach dem Krieg zogen sich die Wiederaufbauarbeiten mehrere Jahre hin; ein neues Straßensystem entstand, darunter eine innere Ringstraße (der Western Way), dem weitere alte Häuser zum Opfer fielen. So sollte auch das Fachwerkhaus an der Edmond Street abgerissen werden, das den Bauarbeiten im Wege stand. Da der Zustand des Gebäudes sowieso ziemlich desolat war, dachten sich die Stadtplaner, weg damit, doch sie hatten nicht mit einer Gruppe von Archäologen gerechnet, denen es gelang, das Haus kurz vor dem geplanten Abriss unter Denkmalschutz zu stellen. Was nun? Die Straße musste gebaut, das Haus durfte aber nicht abgerissen werden? Man entschloss sich kurzerhand das alte Gebäude 70 Meter zu versetzen. Das war aber nicht so ohne weiteres zu bewerkstelligen, denn zu dem neuen Standort an der West Street ging es bergauf, bis zu 10% Steigung hatte die Straße. Doch eine Londoner Spezialfirma bekam das hin. Am 9. Dezember 1961 begann der Umzug des 20 Tonnen schweren Gebäudes, der sechs Tage dauern sollte. Hydraulische Hebevorrichtungen sorgten dafür, dass das auf Schienen gesetzte Haus immer genau in der Waagerechten blieb, eine Winde zog es im Schneckentempo den Hang hinauf. Schließlich erreichte das Fachwerkhaus den vorgesehenen neuen Standort und mit einem tiefen Seufzer (so stelle ich mir das jedenfalls vor) ließ es sich dort, hoffentlich für immer, nieder.

Heute finden wir in den historischen Räumen des Erdgeschosses ein Brautmodengeschäft namens Pirouette. Wer sich The House That Moved einmal ansehen möchte: Es liegt südwestlich der Kathedrale, direkt gegenüber der Kirche St Mary Steps am Ende der West Street und nur einen Steinwurf von der Straße entfernt, wegen der es seinen alten Standort verlassen musste, des Western Way (A 3015).

Hier ist ein alter Film, der den Umzug aus dem Jahr 1961 zeigt.

The House That Moved und die Kirche St Mary Steps.    © Copyright Derek Harper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The House That Moved und die Kirche St Mary Steps.
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Published in: on 10. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Ungewöhnliche Wasserstraßen Teil 2: Der Barton Swing Aqueduct in Barton-upon-Irwell (Greater Manchester)

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Ein ganz besonderes Kuriosum stellt der Barton Swing Aqueduct dar, der einzige dieser Art weltweit. Barton-upon-Irwell liegt, wie der Name schon sagt, am River Irwell, einem 63 Kilometer langen Wasserlauf, der in den River Mersey mündet (genau der, der in dem Song „Ferry, cross the Mersey“ besungen wird). Der Irwell ist hier gleichzeitig der Manchester Ship Canal, der auch von größeren Schiffen befahren wird. In Barton kreuzt nun noch ein anderer Kanal diese Stelle in Form des Barton Swing Aqueducts, und zwar der 66 Kilometer lange Bridgwater Canal, der meist von Narrowboats genutzt wird. Was macht man nun, wenn ein großes Schiff auf dem Manchester Ship Canal den tiefgelegenen Aquädukt passieren will? Man schwenkt ihn einfach um 90 Grad um, und da man nicht jedes Mal das Wasser ablassen will, verbleibt das auf der Schwenkbrücke; rund 800 Tonnen Wasser sind das immerhin.

Um das zu managen, hat man mitten auf dem Kanal eine künstliche Insel mit einem Haus angelegt. Sir Edward Leader Williams hat sich das ausgedacht, denn der neue Aquädukt war nötig geworden, weil der alte Barton Aqueduct durch die Konstruktion des Manchester Ship Canals in den 1890er Jahren im Wege stand. 1894 wurde die Schwenkbrücke eingeweiht. Nur ein paar Meter weiter liegt ihre ziemlich gleich aussehende Schwester, die Barton Road Swing Bridge, die den Autoverkehr (die B5211) über den Kanal leitet und ebenfalls über das Kontrollzentrum auf der Insel gesteuert wird. Kommt also ein großes Schiff auf dem Manchester Ship Canal hier in Barton-upon-Irwell vorbei, liegen die beiden Schwesterbrücken schon nebeneinander auf der künstlichen Insel. Ein interessantes Schauspiel wie dieser Film zeigt.

Beide Brücken im eingeklappten Zustand.   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Beide Brücken im umgeklappten Zustand.
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Ungewöhnliche Wasserstraßen Teil 1: Der Edstone Aqueduct in Warwickshire

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Es sieht schon merkwürdig aus, wenn man mit dem Auto durch eine Brücke fährt, auf der Schiffe langsam vor sich hin tuckern, denn in den meisten Fällen ist das ja andersherum. Diese Erfahrung kann man auf dem Salters Lane, nördlich von Stratford-upon-Avon in der Grafschaft Warwickshire machen, der den Edstone Aqueduct unterquert. Der Stratford-upon-Avon Canal, der von Kings Norton zur Shakespeare-Stadt führt, überquert an dieser Stelle die Straße und eine Eisenbahnlinie und mit 145 Metern Länge ist der Edstone Aqueduct der längste seiner Art in England. Eine Plakette des Transport Trusts informiert, dass das Bauwerk im Jahr 1816 eröffnet wurde.

Der Aquädukt ruht auf 13 Pfeilern aus Ziegelsteinen, von denen der höchste 11 Meter misst. Der „towpath“, also der Treidelpfad, verläuft etwas tiefer neben dem Kanal, so dass der Spaziergänger auf Hüfthöhe neben den vorbeifahrenden Booten ist. Man trifft hier auf Narrowboats, Kanus oder auch auf reisende Entenfamilien. Weil der Edstone Aqueduct, der auch hin und wieder Bearley Aqueduct genannt wird, weit ab von Städten und Dörfern liegt und der Salters Lane auch nicht stark befahren ist, herrscht hier oben Idylle pur. Da die langen Narrowboats auch kaum mehr als Schritttempo fahren, kommt keinerlei Stress auf.

Als die Great Western Railway noch mit ihren Dampflokomotiven auf der Strecke verkehrte, wurde hier Halt gemacht und der Kanal angezapft, um die Tanks der Dampfrösser aufzufüllen. Heute verbindet die North Warwickshire Line die Städte Birmingham und Stratford-upon-Avon und unterquert den Edstone Aqueduct. Es folgen noch zwei weitere Aquädukte, die aber kürzer sind: Der Wootton Wawen Aqueduct und der Yarningale Aqueduct.

Dieser Film zeigt eine gemütliche Fahrt über die Brücke. Die, wie ich finde, wunderschöne Begleitmusik passt ideal zu der Stimmung.

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Published in: on 25. Juni 2016 at 02:00  Comments (3)  
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Penzance in Cornwall Teil 1: The Egyptian House

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Es gibt viele Engländer, die noch nie in ihrem Leben in Penzance waren, liegt doch diese Stadt im äußersten Südwestzipfel Englands, nur etwa 15 Kilometer von Land’s End entfernt. In diese Stadt muss man schon gezielt fahren, zufällig vorbei kommt man da nicht. Ich selbst habe es erst einmal geschafft, einen halben Tag in Penzance zu verbringen.

In Deutschland kennt man den Namen allenfalls von der komischen Oper/Operette/Musical  „Die Piraten von Penzance“ von Gilbert und Sullivan.

Ein Gebäude fällt in Penzance besonders ins Auge: The Egyptian House. Warum um alles in der Welt hat man in dieser abgelegenen Stadt in Cornwall ausgerechnet ein Haus hingesetzt, dessen Fassade mit ägytischen Säulen, Ornamenten und Figuren bestückt ist?

Erbaut wurde das Haus in der Chapel Street (Nummer 6) im Jahre 1835 von dem Architekten John Foulston aus Plymouth für den Mineralogen John Lanvin, der im Erdgeschoss seine umfangreiche Gesteinssammlung unterbrachte. Die Fassade soll eine exakte Kopie eines Londoner Museums gewesen sein, das wiederum von dem Tempel Hat-hor aus dem ägyptischen Dendra inspiriert wurde. Nach den Feldzügen Napoleons war Ägypten in Frankreich und England „in“, daher auch der  Bau dieses Gebäudes.

1968 übernahm der Landmark Trust (ich berichtete vor einigen Jahren in meinem Blog darüber) das Haus und restaurierte es, denn es war doch im Laufe der Jahre etwas hinfällig geworden.

In diesem außergewöhnlichen Haus kann man auch wohnen. Der besagte Landmark Trust, eine Organisation, die in ganz Großbritannien historische Gebäude vermietet, bietet  3 Apartments im ersten, zweiten und dritten Stock an, die für jeweils drei bzw. vier Personen vorgesehen sind. Vier Nächte kosten hier zwischen £176 und £194.

Im Erdgeschoss ist ein Laden untergebracht, Pure nuff Stuff, der Hautpflegeprodukte auf natürlicher Basis herstellt.

Dieser Film zeigt die Restaurationsarbeiten am Egyptian House.

Noch ein Wort zur Chapel Street in Penzance, an der das Haus steht. Das ist eine schmale Einbahnstraße mit hübschen Gebäuden, die sich vom Stadtzentrum in Richtung Hafen zieht. Hier stehen u.a. die St Mary’s Church, die Methodist Church, das Union Hotel, das Haus, in dem einmal die Mutter der Brontë-Schwestern, Maria Branwell, wohnte (ein Plakette erinnert daran) und ein besonderes Gasthaus, über das ich in meinem morgigen Blog schreiben werde.

Die Chapel Street mit der St Mary's Church.   © Copyright Maurice D Budden and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Chapel Street mit der St Mary’s Church.
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Der Wainhouse Tower in Halifax (West Yorkshire) – Das höchste Folly der Welt

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Folly“ (so die Wikipedia) bezeichnet in der Gartenkunst ein Bauwerk, das sich durch die ihm zugrunde liegende exzentrische Idee und seine extravagante Ausführung von anderen Gartenstaffagen unterscheidet. Der Begriff wird auch in der Architektur für einen ungewöhnlichen Zierbau verwendet.

Ich habe in diesem Blog im Laufe der Zeit schon einige besonders markante Follies in England vorgestellt, heute ist nun der Wainhouse Tower in Halifax in der Grafschaft West Yorkshire an der Reihe.

Mit 84 Metern Höhe ist der Turm das höchste Folly in der Welt und das will schon einiges heißen. Eigentlich sollte der Turm ein Schornstein werden, den John Edward Wainhouse von 1871 – 1875 errichten ließ. Da er aber die dazugehörige Fabrik verkaufte, bevor der Schornstein/Turm fertiggestellt war und der neue Besitzer ihn nicht haben wollte, behielt Wainhouse den Turm und wollte ihn als Observatorium umbauen. Der Architekt Richard Swarbrick Dugale baute jedoch derart viele Pfeiler, Säulen und Balustraden an, dass für ein Teleskop absolut kein Platz mehr gewesen wäre.

Nach dem Tode seines Besitzers wurde der Turm versteigert, wechselte mehrfach den Eigentümer und gehört jetzt dem Calderdale Council.

Im Juli 2008 wurde der Wainhouse Tower vollständig renoviert, da es Sicherheitsmängel gab und im Mai 2009 wieder der Öffentlichkeit übergeben, die an bestimmten Tagen im Jahr Zutritt hat, in diesem Jahr heute am 19. Juni  und am 29. August. Für  £2.50 kann man die 400 Stufen erklimmen und von oben einen grandiosen Blick auf Yorkshire genießen. Dieser außergewöhnlich schöne Film zeigt den Turm mit Hilfe einer Quadrocopter-Kamera.

Die Huffington Post zählt den Wainhouse Tower zu den 10 interessantesten Follies der Welt; in England gehören noch dazu: The Forbidden Corner bei Leyburn in North Yorkshire,  die Williamson Tunnels in Liverpool und Bettison’s Folly an der Ostküste von Yorkshire in Hornsea. Alle drei habe ich in meinem Blog bereits vorgestellt.

Man erreicht den Turm im Süden der Stadt Halifax zu Fuß von der Straße Wakefield Gate aus, die von der Skircoat Moor Road abzweigt.

Die imposante Kuppel des Turms.   © Copyright Alexander P Kapp and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die imposante Kuppel des Turms.
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Der Turm wirft seinen Schatten über Halifax.   © Copyright Ivan Hall and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Turm wirft seinen Schatten über Halifax.
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