The Nab Tower Lighthouse – Ein Leuchtturm mit interessanter Vorgeschichte nahe der Isle of Wight

Er ist 17 Meter hoch, besteht aus Stahl und Beton und die Reichweite seiner Leuchten beträgt 22 Kilometer, das sind die wesentlichen Fakten des Nab Tower Lighthouse, das östlich der Isle of Wight im Meer steht, etwa dort, wo die Fähre Portsmouth – Le Havre vorbeifährt. Früher stand an dieser Stelle ein Feuerschiff, aber seit 1920 findet man diesen Leuchtturm hier an den Nab Rocks. Da der Turm im Laufe der Jahre Abnutzungserscheinungen erkennen ließ, bekam er vor vier Jahren eine Komplettrenovierung spendiert, so dass jetzt auch wieder Hubschrauber auf ihm landen können. Bevor der Nab Tower 1983 automatisiert wurde, versahen bis dahin drei Leuchtturmwärter gleichzeitig ihren Dienst an dieser einsamen Stelle im Meer, jeweils zwei Monate im Stück, dann hatten sie einen Monat frei. Im Zweiten Weltkrieg installierte man zwei Flugabwehrkanonen auf dem Turm, von wo aus drei deutsche Flugzeuge abgeschossen worden sein sollen.
Im November 1999 kollidierte der Bananenfrachter Dole America mit dem Nab Tower, wobei die beiden Beteiligten schwere Schäden erlitten.

Der Isle of Wight-Leuchtturm hat eine interessante Vorgeschichte, denn er war eigentlich gar nicht für diesen Zweck geplant. Ursprünglich war er Bestandteil des sogenannten Admiralty M-N Scheme im Ersten Weltkrieg, das war ein Plan, mit dem man die Straße von Dover im Ärmelkanal durch Netzsperren gegen deutsche U-Boote schützen wollte. Von Dungeness in Kent bis zum französischen Cap Gris Nez sollten acht Türme im Meer verankerten werden, alle schwer bewaffnet und mit stählernen Netzen miteinander verbunden. Doch es wurde nur ein Turm gebaut (ein zweiter wurde angefangen, aber einige Jahre später wieder auseinandergenommen), denn erstens ging der Krieg 1918 zu Ende und zweitens waren die Kosten immens hoch. Also wurde der Plan abgehakt und nach einigem Nachdenken der Verantwortlichen über die Zukunft des Turms, schleppte man ihn 1920 zu den Nab Rocks im Solent und verankerte ihn dort. Seitdem versieht er seinen Dienst an dieser Stelle zuverlässig. Einsam und allein steht das Nab Rock Lighthouse im Meer und wird nur hin und wieder von „maintenance crews“ besucht wie dieser Film zeigt.

1951 wurde der Thriller „The Dark Light“ mit dem Deutschen Albert Lieven in der Hauptrolle zum Teil auf dem Nab Tower gedreht. Hier ist ein Filmausschnitt.

 

Die Mauersegler vom Oxford University Museum of Natural History

Das Oxford University Museum of Natural History mit seinem Mauersegler-Turm.
Photo © Alan Heardman (cc-by-sa/2.0)

Heute begeben wir uns wieder einmal nach Oxford und zwar in das Oxford University Museum of Natural History. Wir wollen aber nicht die Schätze des Museums im Inneren betrachten, sondern den Turm, der dafür bekannt ist, dass dort jeden Sommer Mauersegler ihre Kinder zur Welt bringen und sie geduldig aufpäppeln. Das Winterhalbjahr verbringen die Vögel in Afrika, meist in Zimbabwe, Tansania und Zaire, doch wenn es in Europa langsam wieder wärmer wird, hält es die Mauersegler nicht mehr länger auf dem schwarzen Kontinent und sie machen sich auf den langen Weg zurück; einige von ihnen zielgerichtet nach Oxford, wo sie den Turm des Museums erneut beziehen. Jedes Jahr sind circa 60 Vogelpärchen hier in luftiger Höhe anzutreffen, und sie bauen ihre Nester so,  dass sie für ihre natürlichen Feinde nicht erreichbar sind.

Die Mauersegler-Eltern haben in der Brutzeit jede Menge zu tun, um ihren Nachwuchs mit leckeren Insekten zu füttern; dabei legen sie manchmal Hunderte von Kilometern am Tag zurück. Rund fünf bis acht Wochen dauert es, bis die kleinen Mauersegler flügge geworden sind und dann machen sie sich auch schon auf den Weg nach Afrika, bald darauf gefolgt von ihren Eltern.

Bereits 1948 begann man sich hier in Oxford für die Mauersegler zu interessieren, als David Lack vom Edward Grey Institute des Department of Zoology das Oxford Swift Research Project ins Leben rief. In seinem Buch „Swifts in a Tower“ (1956) schrieb er über das Projekt. Sein Sohn Andrew Lack veröffentlichte zum Thema viele Jahre später eine kleine Broschüre mit dem Titel „The Museum Swifts: The Story of the Swifts in the Tower of the Oxford University Museum of Natural History“ (2002).

Während der Brutzeit hat man im Turm des Museums eine Webcam aufgestellt, die rund um die Uhr das Treiben in den Nestern in die ganze Welt überträgt. Wer möchte, kann hier einen Blick dort hineinwerfen. Dieser Film bringt zusätzliche Informationen über die Mauersegler der Universitätsstadt.

Ein Mauersegler (Apus apus).
Author: Paweł Kuźniar.
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Londoner Hochhäuser und ihre Spitznamen

The Leadenhall Building alias The Cheesegrater.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

In meinem Blogeintrag über die Londoner „protected views“ schrieb ich kürzlich, dass man in der Stadt neue Hochhäuser nicht willkürlich irgendwo hinplatzieren kann, sondern dass die Bauherren bestimmte Sichtkorridore beachten müssen. Nach und nach nimmt die Kulisse Londons immer mehr Dubaische Züge an und die Formen einiger Hochhäuser sind schon erstaunlich. An dieser Stelle möchte ich einige von diesen Bauten kurz vorstellen und ihre Spitznamen nennen.

Erst 2014 wurde das vierthöchste Gebäude Londons fertiggestellt, The Leadenhall Building, mit der Adresse 122 Leadenhall Street in der City of London. Das 225 Meter hohe Haus wurde von dem Architektenbüro Rogers Stirk Harbour + Partners konzipiert, das u.a. auch das Lloyd’s Building in der Lime Street entworfen hat. Die Baukosten beliefen sich auf £286 Millionen. Vor wenigen Wochen wurde das Leadenhall Building von der chinesischen Firma C C Land Holdings Limited übernommen. Das Haus wird inoffiziell The Cheesegrater genannt, weil es die Form einer Käsereibe hat. Es musste so gestaltet werden, damit die Sichtachse auf die St Paul’s Kathedrale vom Ludgate Hill aus nicht beeinträchtigt wird.

20 Fenchurch Street lautet die Adresse des ebenfalls 2014 fertig gewordenen Hochhauses, das 160 Meter hoch ist und 37 Stockwerke umfasst. Das £200 Millionen teuere Gebäude wurde von dem uruguayischen Architekten Rafael Viñoly Beceiro entworfen. Eigentlich sollte das Haus 200 Meter hoch werden, aber dann hätte es auch wieder Probleme mit den Sichtachsen auf die Kathedrale und den Tower of London gegeben. Im Jahr 2015 erhielt das Hochhaus den Carbuncle Cup zugesprochen, eine Auszeichnung, die kein Architekt haben möchte, denn damit wird das hässlichste neue Gebäude prämiert. 20 Fenchurch Street sorgte im Sommer 2013 für Schlagzeilen, weil die Fensterfront wie ein konkaver Spiegel wirkt und die Sonnenstrahlen in einem bestimmten Winkel auf die darunterliegende Straße projiziert, so dass dort enorm hohe Temperaturen gemessen wurden, die geparkte Autos beschädigten. Daraufhin wurden die Glasflächen mit einer Folie versehen, die das einfallende Licht nicht reflektiert. Aufgrund seiner Form nennt man das Hochhaus Walkie Talkie (damals, bei den Problemen mit der Sonneneinstrahlung, auch Walkie Scorchie und Fryscraper).

Seit 2010 gibt es das 146 Meter hohe The Strata SE1 im Stadtteil Southwark, ein Wohnhaus mit 408 Wohnungen und rund 1000 Bewohnern. Das vom Architektenbüro BFLS entworfene Gebäude konnte eine Fülle von Preisen und Auszeichnungen für sich verzeichnen und zählt zu den fünf Lieblingshochhäusern der Londoner. Doch nicht jedermann war mit der Bauform einverstanden und so erhielt auch dieses Haus den Carbuncle Cup im Jahr seines Entstehens. Der Spitzname lautet: The Razor.

Eines der auffälligsten Gebäude in der City of London ist sicher 30 St Mary Axe, 180 Meter hoch und schon 2004 eröffnet. Der Stararchitekt Norman Foster hat das Haus entworfen, das allgemein als The Gherkin bezeichnet wird. Das futuristische Hochhaus diente mehrfach als Kulisse von Spielfilmen wie „Harry Potter and the Half Blood Prince“ und „Basic Instinct 2“.

22 Bishopsgate ist im Entstehen begriffen und hat jetzt schon den Spitznamen Helter Skelter bekommen. Das Bürohaus One New Change in der City of London wird The Stealth Bomber genannt. Viele weitere Wolkenkratzer befinden sich im Planungsstadium und sicher werden auch diese mit einem besonderen Namen versehen werden.

20 Fenchurch Street alias The Walkie Talkie.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

The Strata SE1 alias The Razor.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

30 St Mary Axe alias The Gherkin.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. Juni 2017 at 02:00  Comments (4)  

Der Rote Löwe von der High Street in High Wycombe (Buckinghamshire)

Die Bewohner von High Wycombe in Buckinghamshire lieben ihren hölzernen roten Löwen, der seit über 200 Jahren in der High Street zu einem Symbol der Stadt geworden ist. Trotzdem haben sie ihn jahrelang vernachlässigt, so dass der arme Kerl brüchig und vom Verfall bedroht war. Daher haben die Bürger im letzten Jahr £10000 gesammelt, wohl auch aus schlechtem Gewissen, und ihn zu einem „Löwendoktor“ geschickt, der ihn wieder herrichten sollte. Dies war Colin Mantripp, ein erfahrener Holzschnitzer, dessen Atelier Lillyfee Woodcarving Studio in der Nähe von Wooburn Green zu finden ist, erreichbar über einen sehr schmalen Weg und sehr abseits gelegen. Mr Mantripp nahm sich des roten Löwen, restaurierte ihn von Kopf bis Fuß, und jetzt steht das Tier wieder in der High Street von High Wycombe.

The Red Lion kann auf eine lange Geschichte zurückblicken mit vielen Aufs und Abs. Besonders stolz dürfte der Löwe darauf sein, dass der berühmte Winston Churchill einmal nach dem Zweiten Weltkrieg direkt neben ihm eine Rede gehalten hat. Über 100 Jahre vorher, am 27. November 1832, stand an dieser Stelle auch schon einmal Benjamin Disraeli und hielt eine Wahlkampfrede. Viele Jahre stand der Löwe über dem Eingang des nach ihm benannten Hotels, das 1961 geschlossen wurde, und beobachtete die an- und abreisenden Gäste. Später zog die Kaufhauskette Woolworth mit einer Filiale hier ein und wieder stand er auf dem Eingangsportal. Das Tier musste leider auch etliche Schmerzen erleiden, als es im Januar 1990 von einem Sturm von seinem Podest gefegt und stark beschädigt wurde. Schon damals half ihm Colin Mantripp wieder auf die Beine und reparierte ihn. Später fiel sein Schwanz Vandalen zum Opfer, die ihn abbrachen.

Am 23. April 2017, dem St George’s Day, wurde der Red Lion in einer Zeremonie wieder auf sein Portal  gesetzt, rundumerneuert und voller Vorfreude auf das trubelige Leben in der High Street von High Wycombe.

Londons Protected Views

Blick vom Primrose Hill auf die Skyline von London.
Photo by DAVID ILIFF. License: CC-BY-SA 3.0

Die Innenstadt von London wächst rasant. Wenn man einige Jahre nicht in der Stadt gewesen ist und wieder zurückkommt, wird man immer wieder von neuen Gebäuden und Hochhäusern überrascht, die mittlerweile aus dem Boden geschossen sind. Um diese vielstöckigen Häuser  zu planen und zu bauen, mussten die Architekten auf die sogenannten „Protected Views“ Rücksicht nehmen, die verhindern, dass der Blick auf spezielle historische Gebäude zugestellt wird. Das sind vor allem die St Paul’s Kathedrale, der Palast von Westminster, die Tower Bridge und The Monument, die diesen besonderen Schutz genießen. Bereits 1938 traf die City of London diese Maßnahmen. Der aktuelle Stand der „Protected Views“-Richtlinien ist hier nachzulesen.

13 dieser Sichtkorridore sind von Stadtplanern zu berücksichtigen, so zum Beispiel:

Der Blick vom Primrose Hill auf St Paul’s und die Parlamentsgebäude.

Der Blick vom Parliament Hill (Hampstead Heath) auf St Paul’s und die Parlamentsgebäude.

Der Blick vom Alexandra Palace im Norden der Stadt auf St Paul’s Cathedral.

Der Blick vom Blackheath Point im Südosten auf die Kathedrale.

Da die Dichte der Hochhäuser im Stadtkern von London immer mehr zunimmt, stellt sich ständig die Frage, ob diese „Protected Views“ noch zeitgemäß sind, das heißt die Bauunternehmer stellen diese Frage. Zurzeit sind viele weitere Hochhäuser mit mehr als 20 Stockwerken in der Planung; kann man da diese Sichtkorridore auf Dauer noch einhalten? Schon sind zum Beispiel beim Bau des Shards gewisse Zugeständnisse gemacht worden. Das höchste Gebäude Europas liegt im „viewing corridor“ vom Kenwood House (Hampstead Heath).

Sieht London in den nächsten Jahren aus wie Dubai oder Shanghai? Viele Schritte dafür sind bereits getan. Dieser Film zeigt die Problematik des Baubooms auf.

 

Blick vom Parliament Hill. Das Foto ist schon etwas älter, das heißt mittlerweile sind noch weitere Hochhäuser entstanden.
Author: Chesdovi.
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Die Caldecote Towers in Bushey Heath (Hertfordshire) – Schauplatz mehrerer Filme und Sitz einer renommierten jüdischen Schule

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Die an der Peripherie Londons gelegenen Filmstudios haben das Glück, direkt im Hinterland auf zahllose geeignete Drehorte für ihre Produktionen zurückgreifen zu können.Das gilt für die Pinewood Studios in Iver Heath (Buckinghamshire), die Shepperton Studios in Shepperton (Surrey) als auch für die Elstree Studios in Borehamwood (Hertfordshire). Als man in letzerem 1971 einen Ort suchte, um den Horrofilm „The Abominable Dr Phibes“ (dt. „Das Schreckenskabinett des Dr Phibes“) zu drehen, brauchte man nur wenige Kilometer nach Westen zu fahren, um auf der anderen Seite der Autobahn M1 an der Elstree Road in Bushey Heath (Hertfordshire) in den Caldecote Towers einen idealen Drehort vorzufinden. Die Hauptdarsteller Vincent Price und Joseph Cotton waren sicher froh, für die Dreharbeiten keine langen Strecken zurücklegen zu müssen.

Zwölf Jahre später wurden Teile des Abenteuerfilms „High Road to China“ (dt. „Höllenjagd bis ans Ende der Welt“) mit Tom Selleck in den Caldecote Towers gedreht. Auch für einige Episoden der TV-Serien „The Avengers“ (dt. „Mit Schirm, Charme und Melone“), „The Baron“ (dt. „Der Baron“), „Randall and Hopkirk (Deceased)“ (dt. „Randall & Hopkirk – Detektei mit Geist“) und „Inspector Morse“ (dt. „Inspektor Morse, Mordkommission Oxford“) verwendete man das denkmalgeschützte Haus an der Elstree Road.

In den um 1870 herum für Captain Marjoribanks Loftus Otway erbauten Caldecote Towers wohnte eine Zeit lang der Parlamentsabgeordnete Sir Robert Leicester Harmsworth , der nach dem Ersten Weltkrieg einige Jahre die weit entfernt in Schottland liegenden Wahlbezirke Caithness und Sutherland vertrat. Anschließend übernahmen die Dominikanerinnen das Haus und die Rosary Priory Catholic Girl’s School wurde gegründet. Seit 1990 findet man hier das Immanuel College, eine jüdische Schule für Mädchen und Jungen, benannt nach dem Gründer Immanuel Jakobovits (1921-1999).

 

Die Shipley Windmill in West Sussex – Ehemals Eigentum eines berühmten Schriftstellers und Drehort für eine Fernsehserie

Shipley in West Sussex ist ein kleines Dorf, das sich über eine sehr schöne Windmühle erfreuen kann, die 1879 erbaut wurde. Bis 1926 war sie in Betrieb, dann fiel sie in einen Dornröschenschlaf von dem sie 1958 erweckt wurde, als man sie für interessierte Besucher öffnete. Der Shipley Windmill Charitable Trust kümmerte sich um den Erhalt der Windmühle, in die immer wieder viel Geld gesteckt werden musste. Leider ist die Shipley Windmill, oder King’s Mill wie sie auch genannt wird, seit geraumer Zeit für Besucher geschlossen.

Der englische Schriftsteller Hilaire Belloc (sein Vater war Franzose, daher der Name) war ein glühender Verehrer von Sussex und verbrachte hier den größten Teil seines Lebens. 1906 ließ er sich in Shipley nieder und kaufte King’s Land, eine große Länderei, zu der auch die Windmühle gehörte. Belloc verpachtete sie an den Müller Ernest Powell, der sie dann bis zum Schluss bewirtschaftete. Der Schriftsteller, der seine meisten Werke hier in West Sussex verfasste, war sehr produktiv. Neben Romanen, Kurzgeschichten und Gedichten schrieb er auch Sachbücher und Biografien, zum Beispiel über Richelieu, Danton und Napoleon. Seinem geliebten Sussex widmete er ebenfalls mehrere Bücher wie „The Four Men: A Farrago“ (1911), der Bericht über eine 140 Kilometer lange Fußwanderung durch die Grafschaft in romanhafter Form. Belloc fühlte sich in Shipley sehr wohl und seine Mühle soll er auch sehr geliebt haben.

Die Produzenten der BBC-Mystery-Krimiserie „Jonathan Creek“ bzw deren Location Scouts entdeckten die Shipley Windmill und verwendeten sie als Drehort. Jonathan Creek, gespielt von Alan Davies, ist Berater und Ideengeber für einen Bühnenzauberer, und hilft der Polizei immer wieder bei mysteriösen Kriminalfällen, die auf den ersten Blick unerklärlich zu sein scheinen. Hier ist ein Trailer zu der Serie und hier die Episode „Danse Macabre“.

Dieser Film zeigt den Ort Shipley und die Windmühle aus der Luft.

Village lock-ups – Ehemalige Dorfgefängnisse, von denen einige noch erhalten sind

Das Dorfgefängnis von Castle Cary in Somerset, dessen Dach als Inspiration für den Helm der englischen Polizei gilt.
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Im 18. und 19. Jahrhundert, aber auch schon früher, wurden in vielen Dörfern Mini-Gefängnisse gebaut, die sogenannten Village lock-ups, denn wo sollte man hin mit den Kleinkriminellen, Tagedieben und Betrunkenen? Diese kleinen Gebäude bestanden meist nur aus einem Raum mit einer Tür und einem Fensterschlitz, wenig komfortabel also, aber man blieb dort ja nicht allzu lange. Diese lock-ups hatten häufig ein Rund- oder Spitzdach und waren aus groben Steinen, Ziegelsteinen oder Holz gebaut.

Mitte des 19. Jahrhunderts baute man dann Polizeigebäude mit eigenen Arrestzellen, so dass diese lock-ups nach und nach nicht mehr gebraucht und abgerissen wurden. Aber einige sind doch noch übrig geblieben und wiederhergestellt worden, allerdings dienen sie heute nicht mehr dem ursprünglichen Zweck; viele stehen unter Denkmalschutz. Die Village Lock-up Association in Newbury (Berkshire) ist schon seit Jahren dabei, eine komplette Übersicht über alle erhaltenen und abgerissenen Dorfgefängnisse zu erstellen.

Hier sind einige Beispiele für gut erhaltene Dorfgefängnisse:

Tuxford in Nottinghamshire. Hier saßen vor allem Arbeiter ein, die die in der Nähe verlaufende Eisenbahnlinie verlegten und gern am Zahltag einen über den Durst tranken.
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Dieses kleine Gefängnis in Litlington in Cambridgeshire steht unter Denkmalschutz.
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Ein pyramidenförmiges Village lock-up aus dem Jahr 1834 in Wheatley in Oxfordshire.
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In Digby in Lincolnshire steht dieses denkmalgeschützte, sehr alte Gefängnis, in dem man wohl nur kleinwüchsige Gesetzesbrecher wegsperren konnte.
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Published in: on 13. Mai 2017 at 02:00  Comments (1)  
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George Villiers, der 2. Duke of Buckingham, und fünf nach ihm benannte Straßen in London

York Watergate, übriggeblieben vom York House.
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Zwischen der Straße The Strand und der Themse in London stand einmal ein großer Palast, York House, der im 13. Jahrhundert gebaut wurde, um den Bischöfen von Norwich eine standesgemäße Unterkunft in der Hauptstadt zu bieten. Dreihundert Jahre später zog der Erzbischof von York, daher der Name des Hauses, hier ein und in den 1620er Jahren erwarb George Villiers, 1st Duke of Buckingham das Anwesen an der Themse. Sein Sohn, der 2. Duke of Buckingham, wohnte ebenfalls im York House, das er schließlich 1672 für £30,000 verkaufte, unter der Bedingung, dass die geplanten, neu anzulegenden Straßen (York House wurde abgerissen) nach ihm benannt werden sollten, was dann auch geschah. Übriggeblieben von dem Palast ist lediglich das York Watergate, ein Torbogen, der von den Gärten des Dukes zur Themse hinunterführte.

Der Name „George Villiers, Duke of Buckingham“ besteht ja aus fünf Wörtern, und fünf Straßen wurden nach dem Mann benannt. Sehen wir sie uns einmal an:

Da ist die heute noch existierende Buckingham Street, die etwa 1675 auf dem ehemaligen York House-Gelände angelegt wurde. Hier zog der berühmte Tagebuchschreiber Samuel Pepys 1679 in die Nummer 12 ein, neun Jahre später wechselte er in die Nummer 14. Die beiden Philosophen David Hume und Jean-Jacques Rousseau wohnten einmal in der Nummer 10 und der Schriftsteller Samuel Taylor Coleridge in der Nummer 21. In Hausnummer 15 zogen Henry Fielding („Tom Jones“) und hundert Jahre später Charles Dickens ein.

Auch die parallel verlaufende Villiers Street, die direkt neben dem Bahnhof Charing Cross verläuft, gibt es heute noch. Hier sind beispielsweise das deutsche Lokal Herman ze German und Gordon’s Wine Bar (ich berichtete in meinem Blog darüber) angesiedelt. Von 1889 bis 1891 lebte der Schriftsteller Rudyard Kipling in der Villiers Street.

Die Duke Street gibt es nicht mehr, sie ist in der John Adam Street aufgegangen. In der Nummer 8 finden wir das Gebäude der Royal Society of Arts.

Das gleiche gilt für die George Street, aus der die kleine Gasse York Buildings geworden ist, die von der John Adam Street abgeht. Direkt gegenüber existiert aber eine noch kleinere Gasse, die den Namen George Court trägt.

Jetzt bleibt von dem Namen des Dukes nur noch das „Of“ übrig und auch da gab es einmal eine Straße, die Of Alley hieß und die später in York Place umbenannt wurde. Sie verläuft parallel zur John Adam Street. Auf dem Straßenschild von York Place findet man noch den Vermerk „Formerly Of Alley“.

Die Buckingham Street.
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Die Villiers Street.
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Die John Adam Street. Links das Gebäude der Royal Society of Arts.
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War Memorials – Man findet sie in jeder Stadt und fast jedem Dorf

Ein typisches Kriegerdenkmal in Stonehouse (Gloucestershire).
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A war memorial is a building, monument, statue or other edifice to celebrate a war or victory, or (predominating in modern times) to commemorate those who died or were injured in a war„, so heißt es in der Wikipedia. Man findet die Kriegerdenkmäler überall in Großbritannien, denn jede Stadt und fast jedes Dorf hat in den beiden Weltkriegen Gefallene zu beklagen gehabt. Nach den Burenkriegen wurden die ersten War Memorials errichtet, ganz viele nach dem Ersten Weltkrieg, die häufig mit den Namen der im Zweiten Weltkrieg gestorbenen Soldaten ergänzt wurden. Nur 52 Dörfer in England und Wales, die sogenannten „Thankful Villages“ (ich berichtete in meinem Blog darüber), hatten im Ersten Weltkrieg keine Verluste zu beklagen, mehr als 16 000 Städte und Dörfer dagegen schon.

Es gibt die unterschiedlichsten Versionen von Kriegerdenkmälern, manche sind riesig und mit Skulpturen versehen wie „The Response“ in Newcastle-upon-Tyne (Tyne and Wear) oder das War Memorial von Oldham (Greater Manchester), viele sind kleiner und bescheidener und an prominenten Stellen errichtet worden, gern auf den Village Greens im ländlichen Raum.

Ich möchte hier einmal einige Kriegerdenkmäler im Bild zeigen, stellvertretend für viele Tausend:

The Response in Newcastle upon Tyne.
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Das Oldham War Memorial.
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Kleiner und bescheidener fällt das War Memorial von Great Bircham in Norfolk aus. Es verzeichnet 21 Namen von Gefallenen aus den beiden Weltkriegen.
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Eine schöne gepflegte Anlage an der Queen Street in Market Drayton (Shropshire).
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In Radcliffe bei Bury in Greater Manchester entschied man sich dafür, die gefallenen Soldaten mit einem 12 Meter hohem Obelisken zu ehren.
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War Memorials Online versucht, so viele Kriegerdenkmäler wie möglich zu erfassen und sie der Nachwelt zu erhalten wie dieser Film zeigt.

Die Lord Street in Southport (Merseyside)- Eine der schönsten Einkaufsstraßen Englands und Vorbild für die Pariser Champs Elysées (?)

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Southport liegt weniger als dreißig Kilometer von Liverpool entfernt an der Irischen See und hat etwas mehr als 90 000 Einwohner. Quer durch die Stadt zieht sich die eine Meile lange Lord Street (gleichzeitig die A565), die zu den schönsten Einkaufs- und Bummelstraßen Englands gehört. Sie ist sehr breit und die beiden Fahrbahnen werden durch einen attraktiven Grünstreifen getrennt; auch architektonisch ist die Lord Street interessant. Da sind zum Beispiel die hübschen Gebäude, in denen das Scarisbrick Hotel und das Prince of Wales Hotel untergebracht sind, oder die im viktorianischen Stil erbaute Wayfarers Arcade, die Cambridge und die Royal Arcade und The Monument, das pompöse Kriegerdenkmal. Es gibt eine Fülle von Restaurants und Bars wie die Tony McGee Bar und das V-Café, beide im Vincent Hotel, sowie das Casa Italia und Salvatores Ristorante, in denen man bei schönem Wetter draußen speisen kann. Wer sich mehr für Kirchen interessiert, der kann sich in der Lord Street die Christ Church ansehen, die 1821 gegründet wurde. Auf dem breiten Grünstreifen in der Mitte der Straße findet man die Town Hall Gardens mit dem Princess Diana-Brunnen. Die Lord Street lädt zum Bummeln ein und bei schlechtem Wetter kann man sich in eine der Einkaufsarkaden zurückziehen.

Ja, die Lord Street ähnelt den Pariser Avenue de Champs-Elysées sehr, und es heißt, dass die französische Prachtstraße ihr Vorbild in der Hauptstraße von Southport haben soll. Wie das?
1846 verbrachte Louis-Napoléon Bonaparte, der spätere Napoleon III., einen Urlaub in Southport und wohnte in einer Nebenstraße der Lord Street. Er soll von der baumbestandenen Hauptstraße so begeistert gewesen sei, dass er später, als er Kaiser von Frankreich war und Paris komplett umbaute, die Champs-Elysées nach dem Vorbild der Lord Street habe umgestalten lassen.

Ich glaube nicht, dass die stolzen Pariser sich dessen bewusst sind und wenn, das nicht wahrhaben wollen. Southport in Merseyside hat sicher überhaupt nichts dagegen, als Paris in Englands Nordwesten bezeichnet zu werden, aber Paris als Southport des Südens…

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The Monument, das Kriegerdenkmal.
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Christ Church.
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Die Town Hall Gardens.
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…und die Avenue des Champs-Elysées in Paris.
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Phyllis Pearsall und die Londoner Stadtpläne

Mein Exemplar des Londoner Straßenatlases. Eigenes Foto

Die Malerin und Schriftstellerin Phyllis Pearsall (1906-1996) war einmal im Jahr 1935 zu einer Party im Londoner Stadtteil Belgravia eingeladen, eine  Gegend, die sie nicht kannte. Sie nahm ihren Stadtplan zu Hilfe, der aus dem Jahr 1919 stammte (einen aktuelleren gab es nicht), und verlief sich fürchterlich in dem Londoner Straßengewirr. Der Stadtplan war eben völlig veraltet. Irgendwie erreichte sie die Party dennoch, aber das Thema „Stadtplan“ ging ihr an diesem Abend nicht aus mehr dem Sinn.

Am nächsten Tag startete sie ein Projekt, das sie ein Jahr lang in Atem halten sollte und sicherlich mehrere Paar Schuhe kostete: Sie ging sämtliche 23 000 Straßen Londons ab, was in etwa einer Strecke von 5 000 km entsprach. 18 Stunden pro Tag soll sie durch London gelaufen sein und dabei den ersten Entwurf eines „A-Z“-Stadtplans gezeichnet haben.

STOP:
Stimmt das auch wirklich alles?? Der Journalist Peter Watts meint in seinem Blog, nein, stimmt nicht, und bezieht sich dabei auf den Chef der Kartenabteilung der British Library Peter Barber, der ihm sagte: „The Phyllis Pearsall story is complete rubbish. ‘There is no evidence she did it and if she did do it, she didn’t need to“.

Liegen somit alle falsch, die BBC, die Wikipedia usw., die alle die gleiche schöne Geschichte von der straßenablaufenden Phyllis Pearsall erzählen? Möglicherweise. Pearsalls Großvater stellte Kartenmaterial her und Enkelin Phyllis soll, so die andere Version der Geschichte, diese Straßenkarten lediglich erweitert und auf den neuesten Stand gebracht haben; das ganze nannte sie dann „A-Z“.

Wie auch immer: Der  Stadtplan „London Geographer’s A–Z Street Atlas“ mit seinen mittlerweile ca 70 000 nachgewiesenen Straßen ist das Hilfsmittel Nummer 1, um sich in der Metropole zurechtzufinden. Wie lange noch? Bald werden wohl Smartphone-Apps die gedruckten Stadtpläne ablösen.

£5.95 kostet der aktuelle Stadtplan, der mit „Aaron Hill“ beginnt und bei „Zoroastrian House“ endet. Leider ist das Druckbild recht klein, so dass man manchmal eine Lupe benötigt, um die winzige Schrift entziffern zu können.

Das Buch zum Artikel:
Phyllis Pearsall: A. to Z. Maps – The Personal Story: From Bedsitter to Household Name. Geographers‘ A-Z Map Co 1990. 205 Seiten. ISBN 978-0850392432.

Published in: on 24. März 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – Dave Hamilton: Wild Ruins

Foto meines Exemplares.

Dave Hamilton, ein Schriftsteller und begeisterter Wanderer aus Somerset, hat 2015 ein sehr interessantes Buch veröffentlicht: „Wild Ruins: The explorer’s guide to Britain’s lost castles, follies, relics and remains„, das Ergebnis vieler Reisen, die ihn in mit verfallenen Burgen, Kirchen, Abteien und anderem alter Gemäuer konfrontierten. Diese häufig von der Natur überwucherten und in Beschlag genommenen Ruinen haben etwas Romatisches an sich, liegen sie doch meist etwas von Dörfern und Städten entfernt.
The stark beauty of a ruin can inspire intrigue in a way no renovated building ever can. They have a haunting presence, always begging one overriding question, Why?„, so beginnt Dave Hamiltons Vorwort zu seinem Buch, das, regional zusammengefasst, die britische Ruinenlandschaft von Cornwall bis zu den schottischen Highlands präsentiert. Die einzelnen Bauten (über 300) werden kurz in Wort und Bild vorgestellt, mit genauer Anfahrtbeschreibung und Koordinaten für GPS-Geräte. Hamilton gibt darüberhinaus Tipps für empfehlenswerte Pubs in der näheren Umgebung, weist auf Geistergeschichten hin, die mit der jeweiligen Ruine verbunden sind, und hat Ratschläge für Picknick- und Campingplätze parat.

Hier sind einige Beispiele:

In der Kategorie „Most Wild and Secluded“ empfiehlt sich Racton Folly bei Walderton in West Sussex, “ well known among ghost hunters…and even devil worshippers“. Ebenso beliebt bei Satanisten war die All Saints Church in Panxworth, östlich von Norwich in Norfolk.

Zu den romantischsten Ruinen zählen die im Luxulyan Valley in Cornwall, überwucherte Relikte aus der Anfangszeit der Industrialisierung.

Sehr eindrucksvoll ist das verfallene Wingfield Manor in Derbyshire, in dem Maria Stuart mehrere Male gefangengehalten war.

Das Buch kann ich jedem empfehlen, der einen Nerv für diese geheimnisvollen Orte mit ganz besonderer Atmosphäre hat.

Dave Hamilton: Wild Ruins: The explorer’s guide to Britain’s lost castles, follies, relics and remains. Wild Things Publishing 2015. 253 Seiten. ISBN 9781910636022.

Racton Folly in West Sussex.
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Die All Saints Church in Panxworth (Norfolk).
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Im Luxulyan Valley in Cornwall.
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Wingfield Manor in Derbyshire.
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Published in: on 21. März 2017 at 02:00  Comments (2)  

Dovecotes Teil 1: Nistplätze für Tauben in alten Gemäuern

Taubenhäuser, oder Dovecotes wie man in England dazu sagt, findet man überall im Lande, häufig auf dem Gelände von Herrenhäusern oder in Gartenanlagen. In den meisten Fällen sind sie rund und aus Stein, es gibt sie aber auch aus Holz. Eingelassen in das Gebäude sind Löcher, durch die die Tauben aus und ein fliegen können. Tauben waren in früheren Jahrhunderten ein wichtiges Nahrungsmittel, auch ihre Eier landeten gern auf den Tischen der Bevölkerung.

Ich möchte hier einmal einige besondere Dovecotes vorstellen:

Sehr schön fand ich bei meinem Besuch im Athelhampton House in Dorset dieses Taubenhaus aus dem 15. Jahrhundert, das Platz für 1500 Tauben bietet.   © Copyright Chris Downer and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Sehr schön fand ich bei meinem Besuch im Athelhampton House in Dorset dieses Taubenhaus aus dem 15. Jahrhundert, das Platz für 1500 Tauben bietet.
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Das möglicherweise älteste Taubenhaus Englands steht in Garway (Herefordshire) und wurde im Jahr 1326 erbaut mit Olatz für 666 Tauben.   © Copyright Pauline E and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das möglicherweise älteste Taubenhaus Englands steht in Garway (Herefordshire) und wurde im Jahr 1326 erbaut, mit Platz für 666 Tauben.
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Ganz anders sieht diese "dovecote" in Luntley, ebenfalls in Herefordshire, aus. Es stammt aus dem 17. Jahrhundert.   © Copyright Des Blenkinsopp and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ganz anders sieht dieses „dovecote“ in Luntley, ebenfalls in Herefordshire, aus. Es stammt aus dem 17. Jahrhundert.
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Ein schön erhaltenes Exemplar auf der Bemerton Farm am Ortsrand von Dalisbury (Wiltshire), jetzt eine Seniorenresidenz.   © Copyright Rog Frost and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein schön erhaltenes Exemplar auf der Bemerton Farm am Ortsrand von Salisbury (Wiltshire). Die Farm ist jetzt eine Seniorenresidenz.
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Ein Taubenhaus in Newton (Northamptonshire), zwischen Corby und Kettering gelegen. Es wurde im 16. Jahrhundert erbaut.   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Taubenhaus in Newton (Northamptonshire), zwischen Corby und Kettering gelegen. Es wurde im 16. Jahrhundert erbaut.
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Und so sieht es im Inneren des Taubenhauses von Newton aus. Es bietet Platz für etwa 1000 Vögel.   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Und so sieht es im Inneren des Taubenhauses von Newton aus. Es bietet Platz für etwa 1000 Vögel.
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Hier ist ein Musikstück mit dem Titel „Dovecote“ der eigenwilligen Darklily aus Birmingham.

Die Colsterdale Towers in North Yorkshire

Einer der Colsterdale Towers auf den Arnagill Crags.   © Copyright Chris Heaton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Einer der Colsterdale Towers auf den Arnagill Crags.
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Yorkshire ist die größte Grafschaft in England. Hier finden wir viele menschenleere Hochmoorgebiete, aber auch Großstädte wie Leeds und Bradford. Diese Ballungsgebiete benötigen viel Wasser, das sie vorwiegend aus den Mooren Yorkshires beziehen. Dazu wurden immer wieder Reservoire gebaut, um den Durst der Menschen und der Industrie nachzukommen.

Das Leighton Reservoir und das Roundhill Reservoir im Colsterdale in North Yorkshire wurden zwischen 1895 und 1911 von der Harrogate Water Corporation angelegt. Beide Seen liegen hintereinander und sind miteinander verbunden. Ihr Wasser wird in das Netz von Yorkshire Water eingespeist, das ist eine Energieversorgungsgesellschaft, die Yorkshire und Teile von Derbyshire und Lincolnshire mit Wasser beliefert. In diesem Teil der Yorkshire Dales trifft man auf drei recht merkwürdige Türme, die Colsterdale Towers genannt werden. Diese „sighting towers“ hatte man damals angelegt, um von ihnen aus Messarbeiten für die Anlage der Reservoirs vorzunehmen bzw. für die Verlegung der unterirdischen Pipeline, die nach Harrogate in West Yorkshire führt.

Einer der Türme steht auf den Arnagill Crags, oberhalb der Leighton und Roundhill Reservoirs. Er ist 14 Meter hoch und entstand im Jahr 1903. Der Carle Tower liegt nur wenige Kilometer entfernt über dem Wandley Gill, und Turm Nummer Drei, der Carlesmoor Sighting Tower, ist noch ein Stückchen weiter östlich zu finden. Die drei Colsterdale Towers sind aus Steinen errichtet worden, während ein vierter aus Holz bestand, der schon lange das Zeitliche gesegnet hat.

Dieser von einer Drohne aus aufgenommene Film zeigt den Arnagill Crags-Turm und die beiden Reservoire inmitten der großartigen Landschaft von North Yorkshire.

Der Carlesmoor Sighting Tower.   © Copyright Chris Heaton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Carlesmoor Sighting Tower.
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Die Roundhill und Leighton Reservoirs.   © Copyright Roger Nunn and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Roundhill und Leighton Reservoirs.
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Published in: on 28. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Ancient High House in Stafford (Staffordshire) – Eines der schönsten Häuser Englands

This work is released into the public domain.

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Mitten im Zentrum der Stadt Stafford, Verwaltungssitz von Staffordshire, steht eines der schönsten Gebäude in ganz England: Das Ancient High House. Um 1595 wurde es für die wohlhabende Dorrington-Familie gebaut und es ist das größte heute noch existierende Haus in Holzrahmenbauweise in ganz England.

In seinen über 400 Jahren hat das Ancient High House sehr viel miterlebt, u.a. war es kurzfristig das Hauptquartier von König Charles I im September 1642 auf seinem Weg nach Shrewsbury. In dieser Zeit des Englischen Bürgerkriegs wurde das Haus später auch einmal als Gefängnis für Royalisten benutzt, nachdem die Parlamentarier Stafford eingenommen hatten.

Heute geht es in Stafford und im Ancient High House ruhiger zu. Hier ist jetzt ein Museum und eine Kunstgalerie untergebracht mit wechsenden Ausstellungen. Man kann den Civil War Room besichtigen, in dem damals Charles I wohnte, den Stuart Bedroom mit seinem großartigen Himmelbett und den Castle Room, in dem die Bauweise des Hauses anschaulich erklärt wird.
Im obersten Geschoss ist das Staffordshire Yeomanry Regiment Museum untergebracht, das Erinnerungsstücke an das örtliche Freiwilligenregiment zeigt.

Natürlich gibt es auch hier einen Shop, in dem man sich mit Staffordshire-Souvenirs eindecken kann und spuken soll es im Ancient High House ebenfalls, das meint jedenfalls das TV-Team von „Most Haunted„. Direkt daneben stehen leider eine Filiale von McDonald’s, gegenüber ein Starbucks und weitere unvermeidliche High Street-Läden.

The Ancient High House,
Greengate Street
Stafford, ST16 2JA

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Top Withens – Eine Ruine mitten im Brontë Country

Top Withens.   © Copyright Graham Hogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Top Withens.
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Bei meinen beiden Besuchen in Haworth in West Yorkshire, in der die drei Schriftsteller-Schwestern Emily, Charlotte und Anne Brontë lebten, war ich immer wieder überrascht über die vielen Touristen, die sich dort aufhielten; auf dem Hauptparkplatz wurde man sogar auf einen Stellplatz eingewiesen. Und dann die vielen Besucher aus Ostasien, in erster Linie aus Japan, die sich im Brontë-Pfarrhaus tummelten und in den Läden der Kleinstadt einkauften! Die drei jungen Fauen und ihre wenigen Romane, die sie einst im 19. Jahrhundert schrieben, müssen im Land der aufgehenden Sonne noch sehr populär sein.

Wer sich nicht nur besagtes Pfarrhaus, in dem die Brontë-Familie wohnte, und den daneben liegenden Kirchhof ansehen und ein bisschen Moorluft schnuppern möchte, der sollte sich auf den Brontë-Way begeben, der aus Haworth hinausführt. Dieser insgesamt 69 Kilometer lange Rundweg, auf dem man die beeindruckende, karge Moorlandschaft geniessen kann, führt unter anderem über die Brontë-Bridge, an den Brontë-Waterfalls vorbei, zu einem verfallenen Bauernhaus namens Top Withens, etwa sechs Kilometer von Haworth entfernt.

Der Name Top Withens klingt ein wenig so wie Emily Brontës Roman „Wuthering Heights“ aus dem Jahr 1847, der in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Sturmhöhe“ veröffentlicht und so wunderschön von Kate Bush in ihrem gleichnamigen Song interpretiert wurde. „Withens“ und „Wuthering“ liegen nicht weit auseinander und „Top“ und „Heights“ bedeuten das gleiche. Schon seit ewigen Zeiten wird darüber diskutiert, ob das elisabethanische Farmhaus Modell gestanden hat für Emilys weltberühmten Roman. Die Schwestern machten ausgedehnte Spaziergänge über das Moor und kannten das Haus sehr gut. Hatte Emily es im Sinn, als sie die Farm, in der in ihrem Roman die Earnshaws lebten, in ihr Buch einfügte? Die Brontë Society ließ 1964 an den Ruinen eine Plakette anbringen, die Klarheit darüber schaffen sollte. Darauf steht, dass die früheren Farmgebäude keinerlei Ähnlichkeit mit dem von Emily beschriebenen Haus hatten, dass es aber durchaus möglich sein kann, dass ihr das abgelegene Anwesen beim Schreiben des Romans vorschwebte.

Auf Top Withens wurde ursprünglich einmal Milch erzeugt, bis der Hof gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurde. In den 1920er Jahren kam noch einmal etwas Leben hierher, als man eine Hühnerfarm einrichtete; doch auch die wurde bald wieder eingestellt, und seitdem stehen die Überreste einsam und allein im Moor von Haworth, gern aufgesucht von japanischen Touristen, für die man extra Hinweisschilder in ihrer Sprache angebracht hat.

Die Farmhausruinen in der Einsamkeit des Moores vo Haworth,   © Copyright Steve Partridge and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Farmhausruine in der Einsamkeit des Moores von Haworth.
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Hier finden auch japanische Touristen den richtigen Weg.   © Copyright Chris Heaton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier finden auch japanische Touristen den richtigen Weg.
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Auf dem Weg nach Top Withens: DieBrontë Bridge und die Brontë Waterfalls.   © Copyright Gary Rogers and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auf dem Weg nach Top Withens: Die Brontë Bridge und die Brontë Waterfalls.
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Kalenderhäuser in England – Einige Beispiele

Knole House bei Sevenoaks in Kent.   © Copyright Ian Capper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Knole House bei Sevenoaks in Kent.
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Kalenderhaus ist ein Begriff aus der Architektur und bedeutet, dass sich in den baulichen Elementen des Hauses die Zahl der Monate im Jahr, der Wochen im Jahr, der Tage im Jahr und der Tage in der Woche widerspiegeln. Ich möchte an dieser Stelle einige Beispiele dafür geben.

Meine erste Begegnung mit einem „calendar house“ war vor vielen Jahre Knole House, jener große Palast bei Sevenoaks in Kent, der dem National Trust gehört und in dem 1892 die Schriftstellerin Vita Sackville West geboren wurde. Die Beatles drehten 1967 hier einige Videos, darunter „Strawberry Fields Forever„.  In Knole gibt es 365 Zimmer, 52 Treppen, 12 Eingangstüren und 7 Innenhöfe.

Ein weiteres Beispiel für ein Kalenderhaus ist Scout Hall bei Halifax in West Yorkshire, das 1681 von einem wohlhabenden Seidenfabrikanten namens John Mitchell gebaut wurde. Das Haus hatte 365 Fensterscheiben, 52 Türen und 12 Erker. Leider steht das Gebäude schon lange leer und ist in Teilen verfallen. Es ist jetzt in Privatbesitz und soll wiederhergestellt werden.

Ein besonders schönes Exemplar ist das Bedstone College in Bedstone in Shropshire. Das Ende des 19. Jahrhunderts für den Geschäftsmann und Politiker Sir Henry William Ripley erbaute Haus, das seit 1948 als Schule geführt wird, besteht aus 365 Fenstern, 52 Zimmern, 12 Kaminen und 7 Außentüren.

John Edward Taylor (1791-1844) war der Gründer des Manchester Guardians, einer Zeitung, die später in The Guardian umbenannt wurde. Er ließ sich in Didsbury (Greater Manchester) ein beeindruckendes Haus in gotischem Stil errichten, das er The Towers nannte. Hier finden wir 365 Fenster, 52 Zimmer und 12 Türme. In dem Gebäude sind heute Büros untergebracht, die zum Towers Business Park gehören.

Boughton House bei Kettering in Northamptonshire ist ebenfalls ein großartiges „Stateley Home“, das sich selbstbewusst „The English Versailles“ bezeichnet und dem Duke of Bucclech gehört. Hin und wieder, in diesem Jahr im August, steht das Haus auch der Öffentlichkeit für Besichtigungen zur Verfügung. Das Kalenderhaus verfügt über 365 Fenster, 52 Kamine, 12 Eingänge und 7 Innenhöfe.

Scout Hall bei Halifax in West Yorkshire.   © Copyright Humphrey Bolton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Scout Hall bei Halifax in West Yorkshire.
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Bedstone College bei Bedstone in Shropshire.   © Copyright paul dickson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bedstone College in Bedstone in Shropshire.
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The Towers in Didsbury (Greater Manchester).   © Copyright Keith Williamson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Towers in Didsbury (Greater Manchester).
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Boughton House bei Ketterin in Northamptonshire.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Boughton House bei Kettering in Northamptonshire.
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Das John F. Kennedy Memorial an der Themse in Runnymede (Surrey) – Ein Geschenk der Briten an die Amerikaner

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Man hätte für das John F. Kennedy Memorial wohl keinen besseren Platz wählen können als hier in den Wiesen von Runnymede an der Themse, nur ein paar Schritte entfernt von einem anderen Denkmal, das an die Magna Carta erinnert. Zu finden sind beide am südlichen Ortsrand von Old Windsor.

50 Steinstufen, eine für jeden US-Bundesstaat, führen den Cooper’s Hill hoch, auf dem das Denkmal errichtet worden ist. Im Mai 1965 wurde es eingeweiht, von niemand Geringerem als der Queen selbst, in Anwesenheit von Kennedys Witwe Jacqueline und ihren Kindern. Dieser Film zeigt Bilder von der Einweihung.

Der Grund auf dem das Memorial steht, das vom National Trust betreut wird, wurde dem amerikanischem Volk vom britischen Volk geschenkt. Das Denkmal, entworfen von dem berühmten englischen Landschaftsarchitekten Sir Geoffrey Jellicoe, besteht aus einem einfachen Block aus Portland-Stein mit einer Inschrift, die aus der Antrittsrede Präsident Kennedys aus dem Jahr 1961 entnommen wurde:

„Let every Nation know, whether it wishes us well or ill, that we shall pay any price, bear any burden, meet any hardship, support any friend or oppose any foe, in order to assure the survival and success of liberty.“

Hier ist ein Film über das Denkmal mit dem Designer Sir Geoffrey Jellicoe.

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Der schiefe Turm von Bridgnorth (Shropshire)…der dreimal so schief ist wie der in Pisa

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Vergesst den Schiefen Turm von Pisa in Italien mit seiner lächerlichen 4°- Neigung. Der Leaning Tower of Bridgnorth in Shropshire kann das viel besser: Sein Neigungswinkel beträgt 15 Grad. Der 20m hohe Turm ist der letzte Überrest des Bridgnorth Castles, das 1101 erbaut wurde.
Während des Englischen Bürgerkrieges (1642–1651) war die Burg ein Stützpunkt der Royalisten, die 1646 von den Truppen Oliver Cromwells angegriffen wurden. Nach einer dreiwöchigen Belagerung gaben die Königstreuen auf, und Cromwell gab den Befehl, die Burg niederzureissen.

Die Steine der Burg benutzte man später, um die Schäden an den Häusern von Bridgnorth zu beheben, die die Royalisten in Brand gesetzt hatten, um dadurch die Angreifertruppen zu behindern. Den Turm versuchte man zu sprengen, was aber misslang, und so blieb er stehen wie man ihn im Bürgerkrieg zurückgelassen hatte.

Bridgnorth ist übrigens eine sehr hübsche Stadt, die einen Besuch lohnt. Es gibt dort eine Oberstadt und eine Unterstadt, die beide durch die Bridgnorth Cliff Railway verbunden werden.

In dieser Folge der Channel 4-TV-Serie „Time Team“ mit Tony Robinson spielt der schiefe Turm eine Rolle.

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The Chattri bei Patcham in East Sussex – Eine Gedenkstätte für im Ersten Weltkrieg gefallene Sikhs und Hindus

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The Chattri ist nicht ganz leicht zu finden; es liegt oberhalb von Brighton, zwischen den Dörfern Patcham und Pyecombe und ist ein Mahnmal, das an die gefallenen Sikhs und Hindus erinnert, die im Ersten Weltkrieg für das britische Weltreich kämpften. „Chattri“ ist ein Wort aus der Urdu-Sprache und heißt „Regenschirm“, so ähnlich sieht die Kuppel des Gebäudes auch aus.

Die Gedenkstätte auf den Hügeln der South Downs wurde von einem jungen indischen Architekten entworfen und am 21. Februar 1921 vom damaligen Prinzen von Wales, dem späteren Edward VIII, eingeweiht (hier ist ein Originhalfilm von der Einweihung). The Chattri steht an der Stelle, an der man Hindus und Sikhs, die ihren im Krieg erlittenen Verletzungen in den Krankenhäusern von Brighton erlegen waren, auf einem Scheiterhaufen verbrannt hatte und deren Asche man im Ärmelkanal verstreute.

In den 30er Jahren wurde das Denkmal ziemlich vernachlässigt, da sich niemand so recht zuständig fühlte. Schließlich nahm die British Legion das Heft in die Hand und die Würde wurde wieder hergestellt. Seit dem Jahr 2000 findet im Juni hier ein Memorial Service in Gedenken an die toten indischen Soldaten statt.

Noch einige Worte zu der Größe des Chattris: Es ist 8,80m hoch, 2,70m breit und besteht aus Marmor, den man aus Sizilien nach East Sussex gebracht hat.
The Chattri ist nicht mit dem Auto zu erreichen. Man kann nördlich von Patcham an der Straße auf einem Hügel parken und dann zu Fuß gehen. Der Weg ist ausgeschildert.

Dieser Film zeigt The Chattri von der Luft aus, von einer Drohnenkamera aufgenommen.

Der Gedenkstein mit den Namen der an dieser Stelle verbrannten Soldaten.   © Copyright Brian Slater and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Gedenkstein mit den Namen der an dieser Stelle verbrannten Soldaten.
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Eingebettet in die Hügel der South Downs liegt die Gedenkstätte.   © Copyright Dave Spicer and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 22. Januar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Nocton Hall in Lincolnshire – Eine romantische Ruine und ein gruseliges verlassenes Militärkrankenhaus

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In meinem Blogeintrag vom 24.12.2016 über den Dunston Pillar erwähnte ich nebenbei Nocton Hall, wo früher einmal Sir Francis Dashwood gewohnt hat. Dieses historische Gebäude in Nocton, etwa elf Kilometer südöstlich von Lincoln in Lincolnshire gelegen, dessen Ursprünge bis an den Anfang des 16. Jahrhunderts zurückgehen, ist heute nur noch eine Ruine, aber eine sehr romantische, denn die Natur hat langsam aber sicher Besitz von ihr ergriffen wie dieser aus einer Drohne aufgenommene Film zeigt. In den ehemaligen Räumen haben sich Büsche und Bäume breit gemacht; das Betreten des Grundstücks ist aus Sicherheitsgründen verboten. Auf dem Gelände steht ein alter Kastanienbaum, der angeblich von Katherine Howard, der Frau Heinrichs VIII. anlässlich eines Besuches in Nocton Hall im Jahr 1541  gepflanzt worden sein soll.

Das alte Haus hatte viele Eigentümer, darunter Frederick John Robinson, der 1827 Premierminister seines Landes wurde, und sein Sohn George Frederick Samuel Robinson, der von 1880 bis 1884 das Amt des Viceroy and Governor-General of India ausübte.
Im Ersten Weltkrieg diente Nocton Hall ab 1917 als Rekonvaleszenzort für verwundete amerikanische Offiziere und ging 1919 in den Besitz der Farmer W. H. Dennis & Sons über, die auf dem Gelände Kartoffeln anbauten. Nach mehreren weiteren Eigentümerwechseln stand das Haus in den 1990er Jahren leer, Vandalen fielen darüber her und raubten Einrichtungsgegenstände, bis es schließlich am 24. Oktober 2004 Flammen zum Opfer fiel, die nur noch eine Ruine übrigließen.

Eine weitere Ruine findet sich auf diesem Grundstück in Lincolnshire, das RAF Hospital Nocton Hall, das von 1947 bis 1983 als Militärkrankenhaus der Royal Air Force diente. Anschließend wurde es an die US Air Force untervermietet, die in der näheren Umgebung mehrere Basen unterhielt. Mitte der 1990er Jahre wurde das Krankenhaus geschlossen, das nach und nach verfiel und heute einen recht unheimlichen Eindruck hinterlässt. Dieser Film legt Zeugnis davon ab.

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Die angeblich von Katherine Howard gepflanzte Kastanie. Author: Alastait mcmurray. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Die angeblich von Katherine Howard gepflanzte Kastanie.
Author: Alastair mcmurray.
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Wie die Hängebrücke über die Themse in Marlow (Buckinghamshire) im Jahr 2016 beinahe Schaden genommen hätte

Durch diese Poller der Marlow Bridge zwängte der LKW-Fahrer seinen 2.5 Meter breiten Lastzug.   © Copyright Peter Jemmett and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Durch diese Poller der Marlow Bridge zwängte der LKW-Fahrer seinen 2.5 Meter breiten Lastzug.
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Über die hübsche attraktive Stadt Marlow habe ich in meinem Blog bereits mehrere Artikel geschrieben, auch über die Hängebrücke, die die Themse überquert und die Grafschaften Buckinghamshire und Berkshire miteinander verbindet. In dem Beitrag schrieb ich auch über die engen Zufahrten, die durch Poller begrenzt werden, damit keine schweren LKWs die Brücke passieren können, die ein Maximalgewicht von drei Tonnen verträgt. Am 24. September 2016 gegen 22.30 Uhr wäre es der von William Tierney Clark erbauten Straßenbrücke beinahe an den Kragen gegangen, denn ein 37 Tonnen schwerer Lastzug aus Litauen der Speditionsfirma Girteka Logistics versuchte sie zu überqueren. Vielleicht verließ sich der Fahrer auf sein Navigationsgerät und übersah im Dunklen die Warnschilder vor der Brücke („Weak Bridge“, >2.0m<, 3T mgw) auf jeden Fall schaffte er es irgendwie, die Poller zu überwinden, wobei ein Reifen in die Brüche ging, und dann blieb er schließlich mit seinem Gefährt auf der anderen Seite der Brücke hängen (hier sind einige Fotos). Wie er durch die ersten Poller kam, grenzt schon an ein Wunder, denn ich musste mit meinem PKW schon sehr vorsichtig sein, damit ich nicht seitlich daran anschrammte. Da hing er nun am späten Abend auf der Brücke fest, der litauische Fernfahrer und konnte sich weder vorwärts noch rückwärts bewegen. Die Polizei von Marlow kümmerte sich um den Fall, als sie zu Hilfe gerufen wurde, und ließ den schweren Truck über die Brücke zurückschleppen, die die 37 Tonnen-Last tatsächlich aushielt.

Aber was waren denn nun für Schäden an dem Bauwerk entstanden? Spezialisten untersuchten die Marlow Bridge sehr intensiv und stellten fest, dass sie kaum beschädigt worden war und die Sicherheit in keiner Weise gefährdet ist. Man befürchtete anfangs, dass die Themsebrücke bis zu sechs Monaten geschlossen werden müsste, aber es dauerte dann doch nur zwei Monate, bis sie am 25. November wieder für den Verkehr freigegeben werden konnte. Die Zeremonie ist hier im Film festgehalten. Die Kosten für die entstandenen Arbeiten trug übrigens die Versicherung der Speditionsfirma, deren Fahrer sicher in Zukunft einen weiten Bogen um Marlow machen wird.

Bis maximal drei Tonnen dürfen die Fahrzeuge wiegen, die die Brücke überqueren möchten.    © Copyright Chris Allen and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bis maximal drei Tonnen dürfen die Fahrzeuge wiegen, die die Brücke überqueren möchten.
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The King’s Cross Theatre – Ein Theater in London mit besonders spektakulären Aufführungen

Am 16. Dezember 2014 eröffnete in London das King’s Cross Theatre seine Pforten. Wie der Name schon sagt, steht es direkt neben dem Bahnhof King’s Cross im Stadtteil Camden. Noch ein Theater? Gibt es nicht schon genug Theater in London? Nun, dieses ist ein besonderes und unterscheidet sich von den anderen Häusern in der Stadt.

Das King’s Cross Theatre besteht aus einem großen, vollklimatisierten Zelt; also kein Schwitzen im Sommer, kein Frieren im Winter. 994 Zuschauer passen maximal hinein, Bühne und Zuschauerplätze können aber variabel an die jeweiligen Bühnenstücke angepasst werden.

Die bisher gezeigten Bühnenstücke erwiesen sich als sehr erfolgreich, vor allem „The Railway Children„, nach dem Roman von Edith Nesbit, der ja auch schon zweimal verfilmt worden ist. Besonders spektakulär bei dieser Aufführung, die am 8. Januar zum letzten Mal gezeigt wird, ist, dass hier eine richtige, 60 Tonnen schwere Lokomotive quer durch den Zuschauersaal fährt. Die Londoner Zeitungen überschlugen sich in ihren Lobpreisungen dieses Stückes, das bereits 2008 vom York Theatre Royal aufgeführt wurde. 2010 ging es dann nach London, wo es im früheren Eurostar-Terminal in der Waterloo Station zu sehen war. 2001 bekam „The Railway Children“ den Olivier Award for Best Entertainment. Hier ist der Trailer zu sehen.

Den Olivier Award für Outstanding Achievement in Music erhielt im Jahr 2016 das Musical „In the Heights„. Geschrieben wurde es von dem US-Amerikaner Lin-Manuel Miranda und es erlebte seine Uraufführung 2005 in Waterford (Connecticut). Drei Jahre später kam es an den New Yorker Broadway, dann wird es seit dem 3. Oktober 2015 im King’s Cross Theatre gezeigt. Auch dieses Musical erlebt am 8. Januar diesen Jahres seine letzte Aufführung. Hier ist ein kurzer Film darüber.

Am 25. Oktober 2016 startete im King’s Cross Theatre das Musical „Lazarus„, das noch bis zum 22. Januar diesen Jahres zu sehen sein wird. Das Bühnenstück ist ein Spätwerk von David Bowie, das er zusammen mit Enda Walsh schrieb und das auf dem Roman „The Man Who Fell to the Earth“ von Walter Tevis basiert; der gleichnamige Song Bowies wurde wenige Tage vor seinem Tod veröffentlicht. Hier ist der Trailer zum Musical.

Vom 23. September bis zum 17. Dezember 2016 zeigte das King’s Cross Theatre die „Shakespeare Trilogy“ der Film- und Theaterregisseurin Phyllida Lloyd („Mamma Mia“, „Die eiserne Lady“), eigenwillige Adaptionen der Shakespeare-Dramen „The Tempest“, „Henry IV“ und „Julius Caesar“, in der nur Frauen auftreten; dieser Film zeigt Details.

Andrew Dowd – Der Mann, der alle britischen Bahnhöfe kennt

Das Logo der British Rail, das gern auch als "The Arrows of Indecession" genannt wird.    © Copyright nick macneill and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Logo von British Rail, das gern auch „The Arrows of Indecision“ genannt wird.
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In meinem Blog schrieb ich vor einiger Zeit über Cathy Price, die sämtliche Pubs mit dem Namen The Red Lion aufgesucht und dabei 90 000 Meilen zurückgelegt hat. Es gibt weitere Beispiele für ähnliche Unternehmungen: Peter Willis hat schon über 2500 Briefkästen fotografiert (von rund 115 000) und den Ehrgeiz entwickelt, noch viele weitere seiner Sammlung hinzuzufügen, Alistair Houghton hatte sich auf seine Fahnen geschrieben, sämtlichen Wimpy-Schnellrestaurants Großbritanniens einen Besuch abzustatten, und Andrew Dowd aus Wigan (Greater Manchester) suchte alle 2548 Bahnhöfe in England, Wales und Schottland auf. Kurioserweise unternahm er diese Fahrten alle mit seinem Auto, das ging sicher schneller, als wenn er dabei auf die Züge der British Rail und anderer Eisenbahngesellschaften zurückgegriffen hätte.

Es begann mit einem Familienfoto vor einem Bahnhofsschild, das Andrew Dowd auf die Idee brachte, sich doch einmal alle Bahnhöfe des Landes anzusehen. Er startete in seiner engeren Heimat, dem Großraum Manchester, dann wurden die Kreise immer größer und schließlich hatte er es nach vier Jahren tatsächlich geschafft; dabei ist der junge Mann aus Wigan gar kein Eisenbahnfan, ihn interessierte viel mehr, neue Orte kennenzulernen, in denen er noch nie war. Als Beweis, dass er auch tatsächlich persönlich auf jedem Bahnhof war, machte er ein Foto davon.
Auf seiner Reise kreuz und quer durch die Insel wurde Andrew Dowd mit allen möglichen Bahnhöfen konfrontiert: Große in London, kleine auf dem Land, historische und neue, architektonisch interessant gestaltete und hässliche. Der hässlichste Bahnhof, den er fand, war Gainsborough Central in Lincolnshire. Dort macht sich Unkraut auf den Bahnsteigen breit, die Fußgängerbrücke über die Gleise bröckelt vor sich hin und überhaupt spielt sich hier so gut wie nichts mehr ab; nur am Samstag fahren drei Züge, sonst liegt der Bahnhof verlassen da. Gerade einmal 1352 Menschen haben im Zeitraum 2015/16 die Züge der Eisenbahngesellschaft Northern vom Bahnhof Gainsborough Central aus benutzt.

Gainsborough Central.   © Copyright Jonathan Thacker and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Gainsborough Central Railway Station.
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Die Pyramide am Londoner Trafalgar Square – Eine verrückte Idee von Sir Frederick William Trench (1775-1859)

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Es hätte nicht viel gefehlt und dort, wo heute am Londoner Trafalgar Square die Nelson-Säule in den Himmel ragt und die Löwen geduldig ertragen, wie Touristen aus aller Welt auf ihren Rücken sitzen und sich selbst per Selfie oder gegenseitig fotografieren, hätte eine monströse, riesige Pyramide gestanden. Die Idee dazu hatte Sir Frederick William Trench (1775-1859), ein Mann, der eine Karriere im Militär suchte und es bis zum General schaffte und als Member of Parliament im Lauf der Zeit vier verschiedene Wahlbezirke im Unterhaus vertrat. Trench machte den Vorschlag, anlässlich des Sieges über Napoleon in der Schlacht von Waterloo, im Zentrum von London eine gewaltige Pyramide zu errichten, nicht zuletzt, um die Überlegenheit der Briten über die Franzosen zu demonstrieren.

Das geplante Bauwerk sollte fast 100 Meter hoch sein und eine Kantenlänge von 120 Metern haben. Die geschätzten Kosten lagen bei £1 Million, eine damals gewaltige Summe, die heute in etwa £7.4 Milliarden entsprechen würde. Die Bauzeit hätte nach damaligen Berechnungen fünf Jahre gedauert.
Die beiden Architekten Philip und Matthew Cotes Wyatt fertigten ein Modell an, das in der Residenz des Duke of York zur Begutachtung ausgestellt wurde. Matthew Cotes Wyatt sollte sich später einen Namen machen, indem er das Reiterstandbild des Duke of Wellington schuf, das zuerst an mehreren Orten in London und schließlich in der Provinz, in Aldershot (Hampshire), aufgestellt wurde. Ein weiteres Reiterstandbild, das von König Georg III. in der Londoner Cockspur Street, ist ebenfalls von Matthew Cotes Wyatt.

Die beiden Architekten hätten sich die Mühe mit dem Modell der Pyramide aber sparen können, denn die Idee Sir Fredericks fiel nicht auf fruchtbaren Boden, eigentlich gab es außer ihm selbst so gut wie niemanden, der das Monsterbauwerk haben wollte und sich dafür einsetzte. Der Plan und das Modell verschwanden schnell wieder in irgendwelchen Schubladen und wurden nie wieder ans Tageslicht geholt.

Der Trafalgar Square, so wie wir ihn heute kennen, ist sicher sehr viel ansehnlicher, als es eine Pyramide im ägyptischen Stil gewesen wäre (trotz der unzähligen Touristen und nervigen Tauben). Dieser Film zeigt den Platz, fest in der Hand von Touristen aus aller Welt.

The Dunston Pillar in Lincolnshire – Sir Francis Dashwoods „Heide-Leuchtturm“

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Nur wenige Meter von der Kreuzung der A15 (Sleaford Road) mit der B1178 (Tower Road) entfernt, zehn Kilometer südlich von Lincoln in der Grafschaft Lincolnshire, steht ein merkwürdiger, schmuckloser Turm, dessen Zweck sich auf den ersten Blick nicht erschließt. Es handelt sich dabei um einen ehemaligen Leuchtturm aus dem 18. Jahrhundert, der nicht Schiffen ihren Weg weisen sollte (die Küste ist viele Kilometer entfernt), sondern Reisenden, die die nächtliche Heidelandschaft durchquerten. Gebaut wurde der Dunston Pillar genannte Turm 1751 auf Veranlassung von Sir Francis Dashwood, jenem exzentrischen Typen, der durch seinen Hellfire Club berühmt/berüchtigt war und über den ich in meinem Blog schon einmal in Zusammenhang mit der St Lawrence Church in West Wycombe (Buckinghamshire) und deren goldener Kugel schrieb. Sir Francis wohnte ganz in der Nähe in Nocton Hall, einem Anwesen, das eigentlich seiner Frau gehörte.

Der Dunston Pillar war 28 Meter hoch; oben hatte man die Laterne angebracht, die die Wegweiserfunktion hatte. Durch eine Innentreppe gelangte man an die Spitze des Turms, der bis zum Jahre 1788 seine Aufgabe täglich erfüllte. 1808 wurde er komplett außer Betrieb genommen, weil zwischenzeitlich Straßen in der Umgebung gebaut worden waren und dadurch eine gewisse Sicherheit gegeben war. Ein Jahr später riss ein schwerer Sturm die fünf Meter hohe Laterne aus ihrer Verankerung, so dass sie zu Boden stürzte.

Da der laternenlose Turm ziemlich kahl aussah, ließ 1810 der Earl of Buckinghamshire aus Anlass des goldenen Thronjubiläums eine Statue von König Georg III.  darauf setzen, die den Dunston Pillar bis zum Zweiten Weltkrieg schmückte. So lange konnte der König von seiner Höhe aus die platte Landschaft Lincolnshires betrachten. Dann musste er weichen, denn Turm und König standen genau in der Einflugschneise des Militärflugplatzes Royal Air Force Station Coleby Grange. Der um einige Meter niedriger gewordene Dunston Pillar blieb stehen, die Büste Georgs III. wanderte einige Kilometer nach Norden und verblieb im Lincoln Castle.

Die Büste König Georgs III. im LIncoln Castle, die einmal auf dem Dunston Pillar stand. Neddyseagoon at the English language Wikipedia. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported.

Die Büste König Georgs III. im Lincoln Castle, die einmal auf dem Dunston Pillar stand.
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Published in: on 24. Dezember 2016 at 02:00  Comments (1)  
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The Kinema in the Woods – Ein legendäres Kino in Woodhall Spa (Lincolnshire)

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Woodhall Spa mit seinen 5000 Einwohnern liegt mitten auf dem platten Land in Lincolnshire, ziemlich weit entfernt von größeren Städten. Die Mineralquellen sind es, die den Ort in Großbritannien bekannt machten, aber noch etwas anderes gibt es hier zu bestaunen: Ein Kino, das am 11. September 1922  eröffnet wurde und noch heute mit der sogenannten Rückprojektionstechnik arbeitet und wo auch noch eine Kinoorgel im Einsatz ist, das Kinema in the Woods.

Als Eröffnungsfilm sollte „The Lion Eaters“ gezeigt werden, doch da die Filmrollen nicht rechtzeitig in Woodhall Spa eintrafen, zeigte man eben einen Charlie Chaplin-Film.
Major C. C. Allport war es zu verdanken, dass das Kino über Jahrzehnte in Betrieb war, denn bis zum Jahr 1973 leitete er es, bis es von dem heutigen Besitzer James Green übernommen wurde. 1987 wurde eine Compton Kinestra Orgel in das Kino eingebaut, die noch heute von Alan Underwood gespielt wird.

1994 wurde ein zweiter Kinosaal eröffnet (der andere hat 265 Sitzplätze), der über 92 Plätze verfügt; ein Zeichen, dass The Kinema in the Woods nicht über mangelnde Besucher klagen muss. Das Haus hat jeden Tag abendliche Filmvorführungen und am Wochenende gibt es zusätzlich noch Matineen.

Sehr schön finde ich wie man dort mit der Frage „Darf ich mein Baby mit in die Vorstellung nehmen?“ umgeht:
„We do allow babes-in-arms to be brought in to afternoon screenings free of charge on the condition that if they start to cry they must be taken out of the auditorium immediately so as not to cause a disturbance to other customers.“

Das Kinema in the Woods ist kein Nostalgiekino, das nur alte Filme zeigt. Hier kann man auch die akuellen Blockbuster sehen.
Einen kleinen Eindruck über das Kino bietet dieser BBC-Film.

The Kinema In The Woods
Coronation Road
Woodhall Spa
Lincs
LN10 6QD

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Die Container City in den Londoner Docklands

Container City 1. Author: Cmglee. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Container City 1.
Author: Cmglee.
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Was macht man eigentlich mit Schiffscontainern, die nicht mehr gebraucht werden oder deren „Verfallszeit“ abgelaufen ist? Die meisten werden sicher in der einen oder anderen Weise recycelt, doch man kann mit ihnen auch etwas sehr viel Nützlicheres anstellen, nämlich sie als Künstlerstudios umfunktionieren. Auf diese Idee kam man im Jahr 2001 in den Londoner Docklands, in dem man einfach mehrere sogenannte 40-Fuß-ISO-Container aufeinanderstapelte. In kurzer Zeit entstand so die Container City 1, die auf drei Stockwerken Platz für 12 Studios bereithielt. Zwei Jahre später wurde noch ein weiteres Stockwerk hinzugefügt.
Weil die Nachfrage nach diesen Arbeitseinheiten groß war, entstand direkt daneben im nächsten Jahr die Container City 2 mit 22 weiteren Studios auf fünf Stockwerken. Beide „Cities“ sind mit Übergängen verbunden.

Federführend für das ganze Projekt war die Organisation Urban Space Management, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, verfallenden Teilen Londons und anderen Städten Großbritanniens wieder Leben einzuhauchen und das auf umweltschonende und kostengünstige Art.

Entworfen wurden die beiden Container Cities von dem Architekturbüro Nicholas Lacey And Partners, das die „Schachtelstudios“ im Inneren komplett neu gestaltete, indem die Stahltüren durch Glastüren ersetzt und große, runde, bullaugenartige Fenster in die Seitenwände geschnitten wurden. Die Bauweise erwies sich auch als variabel, indem man zwei Container zu einer Einheit zusammenfassen konnte..
Beide Anlagen wurden dann noch mit kräftigen Farben versehen und fertig war ein interessantes und zukunftsweisendes Projekt in einer ständig unter Raumnot leidenden Stadt. Dieser Film zeigt die Containerstadt.

Die Container Cities liegen auf dem Gelände der Trinity Buoy Wharf, einem Teil der ehemaligen Hafenanlagen, die zunehmend verfielen, bis sie dann von Urban Space Management in ein kulturelles Zentrum umgewandelt wurden. Heute findet man hier u.a. Teile der Royal Drawing School, der English National Opera und der University of East London. Die Wharf liegt auf der Nordseite der Themse, direkt gegenüber der O2-Arena.

Die dreiköpfige Popband Living in a Box aus Sheffield hatte 1987 einen Hit, der ebenfalls „Living in a Box“ hieß. Vielleicht inspirierte dieser Song ja einen der Projektträger unbewusst…

Container City 2. Author: Cmglee. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Container City 2.
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Blick auf die Trinity Buoy Wharf.   © Copyright Christine Matthews and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Blick auf die Trinity Buoy Wharf.
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Published in: on 5. Dezember 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Pargeting – Sehr schöne Stuckverzierungen an Häusern in East Anglia

The Ancient House in Ipswich (Suffolk).   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Ancient House in Ipswich (Suffolk).
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Besonders in Essex, Suffolk und Norfolk trifft man auf Häuser, die durch ihre schönen Stuckverzierungen ins Auge fallen. „Pargeting“ nennt man diese Technik, die zur Zeit Heinrichs VIII in Mode kam. Es heißt, dass diese Verzierungen auch dazu dienten, schlecht ausgeführte Arbeiten an der Grundierung der Gebäude zu überdecken. Wie dem auch sei, es sieht einfach hübsch aus und man betrachtet diese „Pargeting“-Häuser gern. Das Wort soll aus dem Altfranzösischen stammen und soviel wie „bewerfen“ bedeuten.

Es gibt viele unterschiedliche Muster dieser Stuckarbeiten; das können geometrische Formen sein oder auch Weinranken, Pflanzen, Tiere, Muscheln usw. usw. Auch heute gibt es noch Firmen, die sich auf das „Pargeting“ spezialiert haben wie Ian Warren in Tillingham (Essex), dem man in diesem Film bei der Arbeit zuschauen kann oder Joe Pattison in Hopton (Norfolk), der darüberhinaus auch Village Signs herstellt.

Das wohl schönste Beispiel für ein Haus mit diesen Stuckverzierungen ist The Ancient House am Butter Market in Ipswich (Suffolk). Dort werden u.a. die vier Kontinente durch jeweils unterschiedliche Figuren symbolisiert (Australien war damals noch nicht entdeckt). Die Familie Sparrowes bewohnte das Haus in der Innenstadt von Ipswich mehrere Jahrhunderte lang, daher wird es auch als Sparrowes House bezeichnet. In den 1980er Jahren wurde es von Grund auf renoviert, auch die wunderschönen Stuckarbeiten. Heute findet man eine Filiale der Firma Lakeland im Erdgeschoss des Hauses, die Küchenutensilien verkauft.

Ein weiteres Beispiel für solch ein Stuckhaus ist The Ancient House in der High Street von Clare (Suffolk). Dort ist ein Heimatmuseum untergebracht und man kann in dem Haus auch wohnen, der Landmark Trust vermietet darin ein Apartment.

In einer Häuserzeile in der Church Street in Saffron Walden (Essex) stehen ebenfalls einige schöne Exemplare von stuckverzierten Gebäuden.

The Ancient House in Clare (Suffolk).   © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Ancient House in Clare (Suffolk).
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Ein Haus in der Church Street von Saffron Walden (Essex).    © Copyright Stefan Czapski and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 1. Dezember 2016 at 02:00  Comments (1)  
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