The Spanish City in Northumberlands Whitley Bay

Photo © Geoff Holland (cc-by-sa/2.0)

Das Wahrzeichen des Küstenortes Whitley Bay in Northumberland ist ein auffälliges Kuppelgebäude direkt am Strand, das zur Spanish City gehört. 1910 wurde das Gebäude errichtet; die Erbauer wollten wohl so etwas wie eine abgespeckte Version von Blackpools Pleasure Beach den Besuchern zur Verfügung stellen. Der Name Spanish City geht auf eine Einrichtung zurück. die zuvor an dieser Stelle stand, in der Konzerte veranstaltet wurden und die wie ein spanisches Dorf gestaltet war.

Links und rechts von der imposanten Kuppel stehen zwei Türmchen, auf denen jeweils eine weibliche Figur zu sehen ist, die sich beide musikalisch betätigen. Die eine hält ein Becken in den Händen, die andere spielt ein Tamburin. Die Spanish City besteht aus mehreren Restaurants, Bars und Veranstaltungssälen, in denen gern Tribute Nights stattfinden; geplant für die nächste Zeit sind Freddie Mercury, George Michael und Lady Gaga Tributes. Die Räumlichkeiten der Spanish City können für Hochzeitsfeiern oder Babyshower Parties gebucht werden.

Da das Gebäude mittlerweile schon sehr in die Jahre gekommen und vom Einsturz bedroht war, fanden umfangreiche Renovierungsarbeiten statt, die vor drei Jahren abgeschlossen werden konnten. Im Juli 2018 erstrahlte die Spanish City wieder in neuem Glanz.

Mark Knopfler von der Band Dire Straits, der nicht weit entfernt, in Blyth, aufgewachsen war und Whitley Bay häufig besucht hatte, schrieb 1980 den Song „Tunnel of Love„, der zu einer Art Hymne der Spanish City geworden war und jeden Morgen bei der Öffnung gespielt wurde. In dem Song geht es um einen Besuch in einem Vergnügungspark, und die Spanish City wird darin explizit erwähnt.

Im November 1998 wurde der Song „Pray“ der Sängerin Tina Cousins veröffentlicht; das dazu gehörende Video entstand zum Teil in der Spanish City und der näheren Umgebung.

Hier ist ein Film über die Geschichte der Spanish City.

Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)
Photo © Geoff Holland (cc-by-sa/2.0)

Bruton in Somerset und eine weltberühmte Kunstgalerie

Photo © Sarah Smith (cc-by-sa/2.0)

New York, Los Angeles, London, Hongkong…und Bruton in Somerset: Das sind einige der Standorte der Kunstgalerien von Hauser&Wirth, einer Firma, die sich weltweit einen Namen gemacht hat und die 1992 von Iwan und Manuela Wirth und Ursula Hauser in Zürich gegründet wurde. Neben den bereits erwähnten Metropolen (Bruton gehört natürlich nicht dazu) gibt es noch mehrere Außenstellen in mondänen Orten wie St Moritz, Gstaad und Monaco.

Hauser&Wirth baut gern historische Häuser um, damit in ihnen ein entsprechendes Umfeld für zeitgenössische Kunst geschaffen werden kann. So war es auch in Bruton in der Grafschaft Somerset, wo die Firma 2014 die Durslade Farm am Dropping Lane erwarb, weit weg von den nächsten größeren Orten. Die Farm stand jahrelang leer und verfiel immer mehr, bis sie von dem Pariser Architektenbüro Laplace komplett renoviert und umgebaut wurde. In dem ehemaligen Bauernhaus stehen mehrere Zimmer für Übernachtungen zur Verfügung, einige neue Gebäude wurden hinzugefügt, und der renommierte Landschaftsarchitekt Piet Oudolf schuf hinter der Galerie einen sehenswerten Garten.

Wer sich an den ausgestellten Kunstwerken satt gesehen hat, trotzdem aber noch Appetit hat, dem steht das Restaurant Roth Bar & Grill zur Verfügung, wo man unter anderem einen ganzen Dorset-Hummer für £48 verspeisen kann.

Zwei große Ausstellungen finden in der zweiten Jahreshälfte hier in Bruton statt. Da werden einmal Werke von Gustav Metzger (1926-2017) ausgestellt; das ist ein in Nürnberg geborener und in London gestorbener Aktionskünstler. Parallel dazu werden Skulpturen des spanischen Bildhauers  Eduardo Chillida (1924 – 2002) gezeigt, dessen Werke auch in mehreren deutschen Städten aufgestellt sind, zum Beispiel vor dem Bundeskanzleramt in Berlin.

Hier ist ein Film über ein Besuch in der Galerie.

Über den Ort Bruton schrieb ich schon einmal in meinem Blog in Zusammenhang mit dem US-amerikanischen Schriftsteller John Steinbeck.

Author: yellow book.
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Das ehemalige Farmhaus.
Photo © Sarah Smith (cc-by-sa/2.0)

Der Burlington Bunker in Corsham (Wiltshire)

Ob wohl die Bewohner der kleinen Stadt Corsham in der Grafschaft Wiltshire alle wissen, was sich da 37 Meter unter ihren Füßen befindet? Der Burlington Bunker beziehungsweise The Central Government War Headquarters wurde in den Zeiten des Kalten Krieges, genauer gesagt ab 1955, eingerichtet, um dem britischen Staatsapparat und der königlichen Familie Schutz vor einem feindlichen (nuklearen) Raketenangriff zu bieten. Da dort unten durch Kalksteinabbau bereits ein umfangreiches Höhlensystem existierte, wurde dieses ausgebaut und zwar auf eine Länge von insgesamt 97 Kilometer. Dieser unterirdische Bunker war nicht für die Zivilbevölkerung von Corsham gedacht, sondern von dort unten sollte im Ernstfall die britische Regierung die Geschicke des Landes leiten. Für bis zu 4000 Menschen war die Anlage ausgelegt, man war von der Außenwelt völlig unabhängig (zumindest für eine Zeit von etwa drei Monaten). Es gab ein Krankenhaus, Kantinen, Wäschereien, riesige Vorratslager, eine gigantische Telefonvermittlungsanlage, ein Fernsehstudio usw. usw. Der Burlington Bunker war in 22 Abschnitte eingeteilt; die Royal Family sollte in Area 17 wohnen, wo alles ein wenig luxuriöser eingerichtet war.

Das muss alles ein Vermögen verschlungen haben, auch der Unterhalt der Bunkeranlage muss sehr teuer gewesen sein. Nach dem Ende des Kalten Krieges hielt das Verteidigungsministerium den Bunker unter Corsham mehr oder weniger ruhen. Ich frage mich auch, wenn feindliche Interkontinentalraketen ihre Ziele in wenigen Minuten erreichen können, wie sollte es die Regierung von London aus bei einem plötzlichen Angriff bis nach Corsham schaffen? Hatte man damals möglicherweise eine Fehlplanung vorgenommen? Warum nicht eine entsprechende Anlage in London?

Einen Teil des Burlington Bunkers hat man heute einem wesentlich angenehmerem Zweck zugeführt: Die Firma Octavian Wines, die sich auf die Lagerung von besonders kostenbaren Weinen spezialisiert hat, ist jetzt hier Untermieter geworden, denn die unterirdischen Gänge bieten unter anderem ganzjährig eine gleich bleibende Temperatur, was wesentlich für die Lebensdauer dieser Weine ist.

In den unterirdischen Gängen findet man auch einige Wandmalereien, die auf das Jahr 1943 zurückgehen, als die Anlage als Fabrik für die Bristol Aircraft Company genutzt wurde. Die Künstlerin Olga Lehmann (1912-2001) fertigte diese an, um die düstere Atmosphäre hier unten etwas aufzuhellen.

Corsham in Wiltshire.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 28. Juni 2021 at 02:00  Comments (2)  

Der Dundas Aqueduct bei Monkton Combe in Somerset

Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Vor fünf Jahren stellte ich in meinem Blog einen ungewöhnlichen Aquädukt in Warwickshire vor, den Edstone Aqueduct. Normalerweise fährt man mit seinem Narrowboat unter einer Brücke hindurch, hier jedoch geht es genau anders herum.

So etwas Ähnliches findet man in Somerset bei Monkton Combe, wo man mit seinem Boot den River Avon und eine Bahnlinie überqueren kann und zwar mit Hilfe des Dundas Aqueducts. Benannt wurde diese Brücke nach Charles Dundas, 1st Baron Amesbury (1751-1832), einem Politiker, der auch der erste Vorsitzende der Kennet and Avon Canal Company war, die diesen Kanal samt Aquädukt betrieb.

Ursprünglich sollte diese Kanalbrücke aus Ziegelsteinen gebaut werden, doch da in der Nähe Steinbrüche waren, aus denen man den sogenannten Bath Stone holte, deren Betreiber den Aquädukt überwiegend benutzten, schien es etwas merkwürdig zu sein, diese Brücke nicht auch aus Bath Stone zu bauen. 1805 war der Dundas Aqueduct fertig und der Kanalbetrieb konnte losgehen.
Die 137 Meter lange Brücke wird heute gern von Freizeitkapitänen auf ihren Booten genutzt, die den 140 Kilometer langen Kennet and Avon Kanal befahren. Ein Höhepunkt dieser Fahrt ist sicher immer wieder dieser Aquädukt, von dem aus man einen ungewöhnlichen Blick auf die umliegende Landschaft hat. Nach meinen Erfahrungen mit Narrowboats kann man von ihnen aus nicht viel sehen, weil man meistens relativ tief im Fluss liegt ( so ist es zumindest auf der Strecke von Evesham nach Stratford-upon-Avon auf dem River Avon).

Hier ist ein Film, der die Überquerung des Dundas Aqueducts mit einem Narrowboat zeigt und hier ist ein Film aus der Vogelperspektive.

Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Juni 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Buxton Memorial Fountain in den Londoner Victoria Tower Gardens

Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Es gab im 19. Jahrhundert eine ganze Reihe von Menschen, die sich für die Abschaffung der Sklaverei einsetzten, der bekannteste unter ihnen ist sicher William Wilberforce, der in seiner Geburtsstadt Hull mit einer Gedenksäule geehrt worden ist.
Etwas weniger bekannt ist Sir Thomas Fowell Buxton (1786-1845), Parlamentsmitglied für den Bezirk Weymouth and Melcombe Regis in Dorset und Mitbegründer der British and Foreign Anti-Slavery Society. Ihm und seinen Mitstreitern gelangen große Erfolge in der Beendung der Sklaverei.

Wie William Wilberforce ist auch Sir Thomas mit einem Memorial geehrt worden, dem Buxton Memorial Fountain, der seinen Platz auf dem Londoner Parliament Square fand. In Auftrag gegeben und konzipiert wurde der Brunnen von Charles Buxton, seinem Sohn, der ebenfalls Parlamentsmitglied war. Geschaffen hat den Buxton Memorial Fountain der Architekt Samuel Sanders Teulon, der an der Umgestaltung von vielen Kirchen und Herrenhäusern (Holkham Hall, Sandringham House, Cholmondeley Castle) beteiligt war. 1866 war das sehenswerte Kunstwerk fertiggestellt. Als nach dem Zweiten Weltkrieg der Platz vor dem Parlament neu gestaltet worden war, beseitigte man den Memorial Fountain und stellte ihn erst 1957 wieder auf, in den nahegelegenen Victoria Tower Gardens, wo er bis heute zu bewundern ist. Mehrere Male wurden Figuren von der Gedenkstätte entwendet, auch der Brunnen funktionierte nicht mehr, so wurde das Memorial 2006/07 komplett restauriert und konnte im März 2007 anlässlich einer Enthüllungszeremonie wieder in neuem Glanz erstrahlen.

Ich finde diesen Brunnen sehr schön und es lohnt sich, ihn einmal genau anzusehen.

Hier ist ein Rundgang durch die Victoria Tower Gardens im Film.

Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 11. Juni 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Melbury Road im Londoner Stadtteil Kensington, zwei historische Häuser und zwei sich befehdende Rockstars

The Tower House.
Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)

In der Londoner Melbury Road im Stadtteil Kensington stehen einige sehr edle Häuser, von denen die Nummer 29 und die Nummer 31 besonders ins Auge fallen. Hier wohnen Menschen, die ganz offensichtlich nicht unter Geldmangel leiden. Die Nummer 29 ist das Tower House, sofort an dem angebauten Turm zu erkennen. Es wurde von dem renommierten viktorianischen Architekten William Burges erbaut. 1878 war es fertig gestellt und Burges zog auch selbst ein. Ich möchte nicht auf alle Bewohner des Tower Houses eingehen, John Betjeman war einer von ihnen, sondern nur auf den gegenwärtigen, der hier schon seit 1972 wohnt. Es ist der Gründer und Gitarrist der Rockband Led Zeppelin, die von 1968 bis 1980 zusammen war: Jimmy Page. Das Tower House war damals heiß begehrt. 1969 schnappte es der Schauspieler Richard Harris dem US-amerikanischen Pianisten Liberace vor der Nase weg, und drei Jahre später geschah das gleiche mit Jimmy Page, der bereit war, mehr dafür zu bezahlen als sein Konkurrent, der Sänger David Bowie. Wer sich für das Interieur des Hauses interessiert, dem kann ich den entsprechenden Wikipediaartikel empfehlen, der sehr detailliert darauf eingeht.

Neben dem Tower House steht das Woodland House, die Nummer 31. Es wurde fast zeitgleich mit dem Tower House im Jahr 1878 von dem Architekten Richard Norman Shaw für den Maler Luke Fildes erbaut, der darin von 1878 bis 1927 wohnen sollte; eine blaue Plakette am Haus erinnert daran. 1972 zog der Filmregisseur Michael Winner (1935-2013) ein, der unter anderem für seine Filme „Chatos Land“ und „Ein Mann sieht rot“ bekannt wurde. Später war er als Restaurantkritiker tätig; ich las regelmäßig seine Rubrik „Winner’s Dinners“ in der Sunday Times (siehe hierzu meinen Blogeintrag).

Nachdem Michael Winner gestorben war, folgte der Sänger Robbie Williams als Bewohner des Woodland House, der dafür £17.5 Millionen bezahlt haben soll. Da Mr Williams umfangreiche Umarbeiten an dem Haus vornehmen wollte, darunter ein unterirdisches Schwimmbad, geriet er mit seinem Nachbarn Jimmy Page in Konflikt, der fürchtete, dass diese Arbeiten sein unter Denkmalschutz stehendes Tower House gefährden könnten. Der Streit zwischen den beiden zog sich mehrere Jahre hin, wobei Robbie Williams seinen dreißig Jahre älteren Nachbarn durch das Abspielen lauter Musik der früheren Konkurrenten Led Zeppelins geärgert haben soll (hier ein Interview mit Robbie Williams). Die Baupläne des ehemaligen Take That-Sängers wurden genehmigt, allerdings mit der Auflage, dass die bei den Bauarbeiten entstehenden Vibrationen ständig überwacht werden müssen, so dass dem Tower House kein Schaden entstehen könne. So richtige Freunde werden Herren Page und Williams wohl nie werden.

Hier ist ein Film über „The Melbury Road Set“.

The Woodland House.
Author: Spudgun67
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Published in: on 8. Juni 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

William MacKenzies Pyramidengrab in Liverpool

Photo © Paul Brooker (cc-by-sa/2.0)

Warum soll ich mich eigentlich in einem ganz normalen Grab wie alle anderen begraben lassen, das fragten sich einige Herren im 19. Jahrhundert und dachten sich für ihre letzte Ruhestätte etwas Außergewöhnliches aus. John „Mad Jack“ Fuller zum Beispiel baute sich schon 23 Jahre vor seinem Tod in Brightling in East Sussex ein Mausoleum in Form einer Pyramide (siehe dazu meinen Blogeintrag), während Sir Richard Francis Burton seine Verbundenheit mit allem Orientalischen zeigte, indem er sich sein Grabmal in Form eines steinernen Beduinenzeltes in Mortlake (Greater London) bauen ließ (siehe auch dazu meinen Blogeintrag).

Der Unternehmer William MacKenzie (1794-1851) dachte ähnlich und ruht in einer 4,57 Meter hohen Pyramide auf dem Kirchhof der ehemaligen Kirche St Andrew’s an der Rodney Street in Liverpool. Der Legende nach soll es sein Wunsch gewesen sein, in der Pyramide an einem Tisch sitzend bestattet zu werden, mit Spielkarten in der Hand, denn MacKenzie war leidenschaftlicher Spieler. Er wollte nicht in der Erde beigesetzt werden, um dem Teufel ein Schnippchen zu schlagen, denn er hatte bei einem Spiel Poker mit dem Leibhaftigen seine Seele verspielt. Wenn er also über der Erde bliebe, könne der Teufel seine Seele nicht einfordern, so angeblich die Denkweise MacKenzies.

Wie gesagt, es handelt sich bei der Geschichte um eine Legende. Die Fakten sehen anders aus. Die Pyramide wurde erst 1868, also 17 Jahre nach seinem Tod von seinem Bruder Edward erbaut. William MacKenzie sitzt darin auch nicht an einem Spieltisch, sondern ist richtig begraben worden (was ist jetzt mit seiner Seele und dem Teufel?). Die Inschrift an der Pyramide lautet:
In the vault beneath lie the remains of William Mackenzie Esquire who died 29th October 1851 aged 57 years. Also, Mary his wife, who died 19th December 1838 aged 48 years and Sarah, his second wife who died 9th December 1867 aged 60 years. This monument was erected by his Brother Edward as a token of love and affection A.D. 1868. The memory of the just is blessed”.

Schade, wieder wurde ein schöne Legende zerstört! Stimmt es etwa auch nicht, dass MacKenzies Geist hin und wieder die Rodney Street heimsucht?
Hier ist ein Film über die „Story of William MacKenzie“.

Die St Andrew’s Church wurde bereits 1975 geschlossen. Heute befinden sich darin Studentenunterkünfte.

Die St Andrew’s Church in Liverpool, rechts die Pyramide.
Author: Rodhullandemu
Attribution: By Phil Nash from Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0 & GFDL

Die Stan Laurel-Statue in North Shields (Tyne and Wear)

Author: sgwarnok2010
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Es sind rund 200 Kilometer, die die Städte Ulverston in Cumbria und North Shields in Tyne and Wear voneinander trennen und es gibt ein Bindeglied zwischen den beiden Orten:  Arthur Stanley Jefferson. Arthur wer? mögen sich da manche fragen. Der Mann ist sehr viel besser bekannt unter seinem Künstlernamen Stan Laurel; in Deutschland, die dumme Hälfte von Dick und Doof.

Stan Laurel wurde am 16. Juni 1890 in Ulverston geboren, wo man ihm zu Ehren, gemeinsam mit Oliver „Dick“ Hardy, im Jahr 2009 eine Statue aufgestellt hat (siehe dazu meinen Blogeintrag).
Seine Eltern waren beide im Theatergeschäft tätig und zogen häufig um, unter anderem nach North Shields an der englischen Nordostküste. Dort verbrachte Arthur Stanley Jefferson einen Teil seiner Kindheit von 1895-1902  am Dockwray Square in der Hausnummer 8. Das Haus existiert heute nicht mehr, aber am jetzt hier stehenden Doppelhaus mit der Nummer 6/7 ist vom North Tyneside Council eine Plakette mit seinen Lebensdaten angebracht worden. Doch hat man es nicht mit dieser blauen Plakette belassen, sondern dem berühmten Schauspieler noch zusätzlich eine Statue, gegenüber von seinem Wohnhaus, in dem nach ihm benannten Laurel Park, errichtet. Von dort blickt er auf die Mündung des Tyne Rivers, der hier ins Meer fließt. Auf dem Sockel der Statue ist Stan noch einmal gemeinsam mit seinem Partner Ollie zu sehen.

Geschaffen hat die Bronze der Bildhauer Robert Olley, eingeweiht wurde sie am 29. März 1992. Es war ein Geschenk der Firma Persimmon Homes, die den Dockwray Square damals neu gestaltete.

Wer sich für Stan Laurels Kindheit interessiert, dem sei das Buch „The Making of Stan Laurel: Echoes of a British Boyhood“ (McFarland 2011) von Danny Lawrence empfohlen, in dem auch viel von North Shields die Rede ist.

Hier ist ein Film über den Laurel Park und die Statue.

Dockwray Square 6/7 in North Shields mit der blauen Plakette.
Author: newcastleplaques
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Der Ribblehead Viaduct – Eine grandiose Eisenbahnbrücke in North Yorkshire

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

In meinem Blog habe ich bereits vier Eisenbahnviadukte in England vorgestellt, ein weiterer, sehr imposanter ist heute an der Reihe: Der Ribblehead Viaduct im Ribble Valley von North Yorkshire. Die Settle–Carlisle line führt über diese 400 Meter lange und 32 Meter hohe Brücke mit deren Bau im Oktober 1870 begonnen wurde. Knapp fünf Jahre später war sie fertig. In Spitzenzeiten arbeiteten bis zu 2300 Menschen auf der Baustelle, von denen viele in sogenannten Shanty Towns wohnten, das sind auf Zeit gebaute Siedlungen direkt an der Arbeitsstelle. Belgravia, Sebastopol und Batty Wife Hole hießen die drei Siedlungen im Ribble Valley, die damals ein wenig an den Wilden Westen in Amerika erinnerten, ähnlich rau ging es dort zu. Die Arbeit war hart, das meiste musste per Hand erledigt werden, denn der Einsatz von Baumaschinen begann damals erst langsam zu greifen. Die „navvies„, die Bauarbeiter tranken gern einen über den Durst, was zu wilden Raufereien führte. Etwa 200 Tote soll der Bau des Ribblehead Viaducts gekostet haben, was überwiegend auf Krankheiten und Arbeitsunfälle zurückzuführen war. Die Eisenbahngesellschaft musste sogar dafür sorgen, dass auf den umliegenden Friedhöfen zusätzlicher Platz geschaffen wurde, um die Menschen alle zu beerdigen.
Die ITV Miniserie „Jericho“ aus dem Jahr 2016 zeigt den Bau des Viadukts, der in der Serie Culverdale Viaduct heißt. Hier sind einige Ausschnitte.

Vom Station Inn aus an der B6255 hat man einen schönen Blick auf die Eisenbahnbrücke, zu der auch ein holperiger Fahrweg führt. Ein Stückchen weiter diese Straße entlang kommt man nach Chapel-le-Dale, wo etwas abseits von der Hauptstraße die Kirche St Leonard’s zu finden ist, wo viele der Toten von der Baustelle begraben worden sind. In der Kirche erinnert eine Tafel an sie, in Auftrag gegeben von den ehemaligen Arbeitskollegen und der Eisenbahngesellschaft Midland Railway Company.

Dieser Film zeigt die Schönheiten des Viadukts.

Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)
St Leonard’s in Chapel-le-Dale.
Photo © Chris Eccleston (cc-by-sa/2.0)
Die Erinnerungstafel in St Leonard’s.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Der prähistorische Monolith auf dem Kirchhof von All Saints in Rudston in East Yorkshire

Photo © G Laird (cc-by-sa/2.0)

Die Gräber auf dem Kirchhof von All Saints in Rudston (East Yorkshire), einem kleinen Dorf zwischen Driffield und Bridlington, werden überragt von einem riesigen prähistorischen Monolithen. Er ist höher als die Steine in Stonehenge, zu denen die Menschenmassen täglich strömen, aber wesentlich unbekannter. So hat man meistens den mysteriösen Felsen ganz für sich allein. Der Rudston Monolith ist schätzungsweise 4000 Jahre alt, acht Meter hoch und vierzig Tonnen schwer. Es wird vermutet, dass der Fels mehrere Meter tief im Boden verankert ist. Er besteht aus Sandstein, was darauf hindeutet, dass sein Ursprung 15 Kilometer nördlich an der Cayton Bay zu finden ist, wo der gleiche Typ Sandstein existiert. Wie soll der große Brocken aber von dort hierher nach Rudston transportiert worden sein und warum? Großbritanniens höchster „standing stone“ wird aller Wahrscheinlichkeit nach ursprünglich eine Kultstätte gewesen sein, die später weiter von den Christen übernommen wurde, indem man ein Kreuz an dem Felsen anbrachte. Bei Grabungsarbeiten im 18. Jahrhundert wurden an der Basis des Steins menschliche Schädel gefunden, was darauf hindeutet, dass hier in vorchristlicher Zeit Menschen geopfert worden sind.
Seit 1935 steht der Rudston Monolith unter Denkmalschutz. Hier ist ein Film über ihn.

Die All Saints Kirche ist im 14. Jahrhundert erbaut worden, an der Stelle an der schon einmal eine Kirche stand. Besonders stolz ist man hier auf den Taufstein, der aus normannischer Zeit stammt und kunstvoll verziert ist.

Die All Saints Church und der Monolith.
Photo © Stephen Horncastle (cc-by-sa/2.0)
Der Taufstein in der All Saints Church.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 18. April 2021 at 02:00  Comments (4)  

Die religiösen Straßennamen in der Londoner City zwischen St Paul’s und Old Bailey

Amen Court und die Mauerreste des ehemaligen Newgate Gefängnisses.
Copyright: London Remembers
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In Paris gibt es im vierten Arrondissement eine Straße, die rue de l’Ave-Maria heißt und deren Namen mich immer fasziniert hat, wobei ich nicht sagen kann warum. Sie ist 116 Meter lang und erhielt ihren Namen im Jahr 1867 nach dem Kloster, das einmal auf der heutigen Nummer 22 lag.

Auch in der Londoner City gibt es eine Straße namens Ave Maria Lane, die Verlängerung des Warwick Lanes in Richtung Ludgate Hill. Früher gab es die Tradition, dass Mönche am Fronleichnamsfest eine Prozession zur St Paul’s Cathedral veranstalteten. Immer wenn sie das Vaterunser mit einem Amen beendeten, bogen sie gerade in die Ave Maria Lane ein. Auch die Namen der benachbarten Straßen erinnern an diese Prozessionen: Amen Corner, Amen Court und Paternoster Row.

Der Amen Court ist eine kleine Privatstraße („“Not open to the public. Please respect the privacy of those who live here.“), in der noch die letzten Mauerreste des ehemaligen berüchtigten Newgate Prisons zu sehen sind. Dieses Gefängnis, in dem unzählige Menschen hingerichtet worden sind, wurde bereits im Jahr 1188 errichtet und erst 1902 geschlossen. Zwei Jahre später riss man es, bis auf die besagen Mauerreste ab, und baute auf dem frei gewordenen Gelände den Central Criminal Court, Londons berühmtestes Gerichtsgebäude, besser bekannt unter dem Namen Old Bailey. Der Amen Court gehört noch heute zur St Paul’s Cathedral. Am Ende der Sackgasse befindet sich eine weitere Mauer, hinter der zu Zeiten des Newgate Prisons der Deadman’s Walk entlang führte, der Weg zum Galgen, den die zum Tode Verurteilten nehmen mussten. Diese Mauer war (und soll noch immer) „haunted“ sein, heimgesucht vom Black Dog of Newgate, einem unheimlichen schwarzen Hund, der sich immer kurz vor einer Exekution manifestierte.

Die britische Rockband Amen Corner, die Ende der 1990er Jahre einige Erfolge verzeichnen konnte („If paradise is have as nice„) benannte sich übrigens nicht nach der Londoner Straße, sondern nach einer Veranstaltungsreihe im Victorian Ballroom in Cardiff in Wales.

Der Amen Court und die Mauer hinter der früher der Deadman’s Walk entlangführte.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)
Das Ende des Ave Maria Lanes.
Photo © Dominique MacNeill (cc-by-sa/2.0)
Author: erasmusa
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Published in: on 13. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Land of Green Ginger – Eine alte Straße in Kingston-upon-Hull (East Riding of Yorkshire) und das kleinste Fenster Englands

Photo © Peter Church (cc-by-sa/2.0)

Kingston-upon-Hull (East Riding of Yorkshire) stand einmal auf Platz 1 der Liste der britischen Crap Towns (siehe hierzu meinen Blogeintrag), doch man tut hier sehr viel, um den schlechten Ruf der Stadt abzustreifen. Im Jahr 2017 war Kingston-upon-Hull sogar die UK City of Culture, was in großem Stil gefeiert wurde. Siehe auch meine Berichte über den Larkin Trail und die besonderen Telefonzellen der Stadt an der Mündung des River Humber.

In der Altstadt gibt es eine Straße mit einem sehr schönen Namen: Land of Green Ginger. Die enge und kurze Gasse gehört mit zu den ältesten Straßen der Stadt; früher hieß sie einmal Old Beverley Street. Nicht geklärt ist, wie es zu der Namensgebung kam. Möglicherweise wurde im Mittelalter in dieser Gegend Ingwer gelagert; es gibt auch die Theorie, dass der Name in Zusammenhang mit der Familie Lindegreen aus den Niederlanden steht, aus dem später aus irgendeinem Grund Lindegroen jonger wurde und daraus wiederum Land of Green Ginger. Egal, der Name ist einfach schön.

Viel gibt es in der Gasse nicht zu sehen, aber eine Besonderheit findet man doch: Englands kleinstes Fenster. Es ist direkt links neben dem Eingang des The George Hotels angebracht, eigentlich mehr Pub als Hotel. Von diesem Fensterschlitz aus beobachtete der Portier früher, als das Hotel als Postkutschenstation diente, herannahende Kutschen und informierte die Belegschaft, dass da Arbeit auf sie zukam.

Die heute nur noch wenig bekannte Schriftstellerin Winifred Holtby (1898-1935) veröffentlichte 1927 einen Roman mit dem Titel „The Land of Green Ginger„, in dem die Protagonistin Joanna Burton das Straßenschild mit dem Namen erblickt und davon träumt, einmal in die Länder zu fahren, in denen es diesen grünen Ingwer gibt.

Der Fensterschlitz ist rechts von der Plakette zu erkennen.
Photo © Bernard Sharp (cc-by-sa/2.0)
Author: yellow book
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Published in: on 5. April 2021 at 02:00  Comments (1)  

Die Hailes Abbey bei Winchcombe in Gloucestershire – Einst eine Pilgerstätte mit einer ganz besonderen Reliquie

Ruinen von alten Bauwerken haben oft etwas Romantisches an sich, das gilt auch für die Ruinen der Hailes Abbey nahe der Kleinstadt Winchcombe in der Grafschaft Gloucestershire. Heinrich VIII löste auch diese ehemalige Zisterzienser Abtei im Jahre 1539 auf. Die dem National Trust gehörende Ruine beherbergt heute ein Museum, in dem Überbleibsel aus der Abtei zu sehen sind wie dieser Film zeigt.

Die Hailes Abbey war viele Jahre lang das Ziel wahrer Pilgerscharen, die einen Schatz sehen wollten, den es wohl nur hier gab: Das Blut von Jesus Christus, aufgefangen als er am Kreuz hing. Am 14. September 1270 ging diese Reliquie in den Besitz der Abtei über, und da sie etwas ganz besonderes war, ergänzte man die Kirche mit einem eigenen Anbau speziell für das Heilige Blut. Es sprach sich schnell unter den Gläubigen des Landes herum, dass die Reliquie Wunder vollbringen könnte wie zum Beispiel Kranke heilen oder sogar Tote wieder ins Leben zurückbringen. Die Zisterzienser freuten sich sehr über die Pilgermassen, trugen sie doch dazu bei, den Unterhalt für die Abtei zu gewährleisten. Gar nicht gut fanden es die Mönche, wenn manche Priester im Lande Zweifel an der Echtheit des Blutes äußerten, und so wurden Geschichten in die Welt gesetzt wie es diesen Zweiflern erging. Bei dem einen soll während der Messe der Messwein angefangen haben zu kochen, bei einem anderen blutete sein Gebetbuch. Man tat alles dafür, dass die Pilgerbewegung nicht abriss.

Dann, zu Zeiten Heinrichs VIII, ging es der Reliquie an den Kragen. Beauftragte des Königs untersuchten sie und kamen zu dem Schluss, dass sie nur eine klebrige Masse enthielt, aber kein Blut. Sie nahmen die Reliquie mit nach London, wo der Bischof von Rochester behauptete, der Inhalt bestünde aus Honig vermischt mit Saffran. Ein anderer hoher Würdenträger hielt den Inhalt für Entenblut. Letztendlich offenbarte der Abt von Hailes, dass es sich wirklich um einen Schwindel gehandelt hatte, die Reliquie war nicht echt, man brauchte die Pilger, um die Abtei am Leben zu erhalten. Zu Weihnachten des Jahres 1539 wurde die Hailes Abbey aufgelöst. Die Kirche wurde abgerissen, andere Teile als Wohnungen verwendet. Doch nach und nach verfiel die Anlage und Unkraut überwucherte die Mauerreste. 1937 nahm sich der National Trust der ehemaligen Abtei an, und der English Heritage kümmert sich um den Erhalt.

Informationen über die Öffnungszeiten und die Eintrittspreise sind hier zu finden.

Der Timeball Tower in Deal (Kent)

 

Auf halber Strecke zwischen Dover und Ramsgate in der Grafschaft Kent liegt direkt an der Küste die Ortschaft Deal, und dort an der Ecke Beach Street/Sondes Road steht ein weißer Turm auf dem ein schwarzer Ball ruht, der sogenannte Timeball Tower. Ursprünglich diente der Turm als optischer Telegraf zur Kommunikation mit Schiffen, die an Deal vorbeifuhren. Im Jahr 1855 wurde anstelle der Semaphoren ein schwarzer Zeitball auf dem Dach installiert, der zu einer bestimmten Stunde, in diesem Fall um 13 Uhr, fallen gelassen wurde, um es den Seeleuten zu ermöglichen, ihre Schiffschronometer exakt auf die Greenwich Mean Time zu synchronisieren. Der Deal Timeball Tower war mit dem Royal Observatory in Greenwich verbunden und bekam von dort ein elektrisches Signal, das den Ball auf die Sekunde genau hinunterfallen ließ. Das spielt sich auch heute noch auf dem Turm ab, die Zeit ist einprogrammiert. In den Sommermonaten wird der Zeitball zusätzlich jeweils zur vollen Stunde von 9 Uhr bis 17 Uhr herabgesenkt. Auch zur Jahreswende am 31. Dezember um 0 Uhr geschieht das. Da der Mast an dem der Zeitball befestigt ist, stark korrodiert ist und repariert werden muss, ist die ganze Anlage seit Anfang 2020 außer Betrieb. Hier ist der Zeitball in Aktion zu sehen.

Im Turm ist das Time Ball Tower Museum untergebracht, das auf vier Stockwerken über historische Kommunikationsformen wie Semaphoren, Signalanlagen usw. informiert.

Published in: on 10. März 2021 at 02:00  Comments (2)  
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Der Gold Hill in Shaftesbury (Dorset) – Eine der romantischsten Straßen Englands

In wie vielen Kalendern mag es wohl schon Fotos vom Gold Hill in Shaftesbury (Dorset) gegeben haben? Ähnlich wie das kleine Dorf Castle Combe in Wiltshire oder die Mermaid Street in Rye (Kent) ist der Gold Hill eine der am meisten fotografierten Straßen im Land. Nachdem Ridley Scott hier 1973 seinen berühmten Werbespot für die Brotfirma Hovis gedreht hatte, kannte jedes Kind in Großbritannien diese steile, gepflasterte Straße (siehe hierzu meinen Blogeintrag).

Shaftesbury ist eine Kleinstadt mit etwas mehr als 7000 Einwohnern oberhalb des Blackmore Vales an der Grenze zu Wiltshire. Viele der Touristen kommen gezielt hierher, um sich die Straße Gold Hill anzusehen, an die viele hübsche alte Häuser grenzen. Auf der anderen Seite der Straße sind noch die Mauern der ehemaligen Abtei zu sehen, die im Jahr 888 von Alfred dem Großen gegründet worden war. Hier ist also so einiges zusammengefasst, was das Touristenherz höher schlagen lässt. Wer sich ausführlicher mit Shaftesbury und dem Gold Hill beschäftigen möchte, der sollte das Gold Hill Museum oben auf dem Hügel aufsuchen, das in zwei historischen Häusern untergebracht ist, wovon man einen sehr schönen Blick auf das Blackmore Vale hat. Leider ist auch dieses Museum zur Zeit geschlossen; man hofft auf eine Wiedereröffnung im Mai.

Einmal im Jahr findet im Juli die Gold Hill Fair statt; in diesem Jahr soll es der 4. Juli sein. Das für den 4. Mai geplante Shaftesbury Food and Drink Festival ist bereits abgesagt worden. Eines der Highlights dieses Festival ist immer der Gold Hill Cheese Race, bei dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einem ziemlich schweren Käselaib die steile Straße hinaufrennen müssen, was ihnen so einiges abverlangt wie in diesem Film zu sehen ist. Im Blackmore Vale wird Käse produziert, den man zum Beispiel im wahrscheinlich kleinsten Käseladen der Welt, dem Truckle Truck, in Shaftesbury kaufen kann. Der Laden ist in einem über 50 Jahre alten Citroen-Lieferwagen untergebracht, der jeden Donnerstag auf dem Shaftesbury Market steht.

Wer einmal eine Stunde lang „chillen“ möchte, kann sich diesen Film vom Gold Hill ansehen, in dem so gut wie nichts passiert.

Auch ein Hund genießt die schöne Aussicht auf das Blackmore Vale.
Photo © Mr Eugene Birchall (cc-by-sa/2.0)

Wintereinbruch am Gold Hill.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

 

Der Combe Down Tunnel bei Bath in Somerset und seine Klang-Licht-Installation

Als der Chef der britischen Staatsbahnen, Richard Beeching (1913-1985), in den 1960er Jahren seine berühmt-berüchtigte „Beeching axe“ anlegte, um das Streckennetz drastisch zu reduzieren (siehe dazu auch meinen Blogeintrag), traf es auch die Somerset & Dorset Joint Railway, die die Städte Bath und Bournemouth miteinander verband. 1966 wurde die Bahnlinie geschlossen, weil sie angeblich zu unrentabel war. Die Leute, die die Bahn regelmäßig nutzten, waren „not amused“.

Die Linie führte südlich von Bath durch zwei Tunnel, den Devonshire Tunnel und den Combe Down Tunnel; letzterer war mit 1672 Metern einer der längsten Eisenbahntunnel Großbritanniens. Der Combe Down Tunnel war für das Personal auf der Lok nicht ungefährlich, denn es gab im Tunnel keine Ventilationsschächte, so kann man sich gut vorstellen, was da für eine schlechte Luft geherrscht haben musste. Seit 1966 gammelte der unbenutzte Tunnel vor sich hin, bis man auf die Idee kam, ihn für Radfahrer und Fußgänger frei zu geben, was natürlich nicht ohne umfangreiche Renovierungsarbeiten möglich war. Sustrans, eine Organisation, die sich um das über 20 000 Kilometer lange britische National Cycle Network kümmert, nahm den Combe Down Tunnel, und auch den ebenfalls wiederhergestellten Devonshire Tunnel, unter ihre Fittiche und gliederte sie beide als Two Tunnels Greenway in ihre National Cycle Route 244 ein. Am 6. April 2013 war die Eröffnung und damit ist der Combe Down Tunnel der längste Fahrradtunnel auf der Insel.

Damit es den Radfahrern und Fußgängern darin nicht langweilig wird, hat Sustrans eine Klang-Licht-Installation namens „Passage“ darin anbringen lassen. United Visual Artists aus London bekam den Auftrag dafür. In den Nischen des Combe Down Tunnels, die damals für die Arbeiter vorgesehen waren, die während des Zugbetriebs Arbeiten im Tunnel vornahmen, sind jetzt Lichtinstallationen zu sehen, verbunden mit Lautsprecheranlagen über die Musik eingespielt wird, die extra für diesen Zweck von der Komponistin Mira Calix geschaffen wurde. Die Kunstinstallation reagiert auf Bewegungen und wird dadurch in Gang gesetzt. Hier ist ein Film über den Tunnel, den übrigens Fußgänger in etwa 25 Minuten, Radfahrer in 10 Minuten durchqueren.

Nachts muss es ein wenig unheimlich sein, durch diesen langen Tunnel zu laufen oder mit dem Rad zu befahren wie dieser „Ghost Train“-Film zeigt.

 

Dover in Kent und die Gedenkstätten für Ärmelkanalüberquerer

Die Louis Blériot-Gedenkstätte auf der Northfall Meadow.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Dover ist das Einfallstor für viele Besucher vom Kontinent, denn die Fähren vom gegenüberliegenden Calais in Frankreich benötigen für die Strecke nur circa 90 Minuten. Die Luftlinie zwischen den beiden Städten beträgt etwa 42 Kilometer (man scheint sich da nicht so ganz einig zu sein, denn man findet auch die Angabe 48 Kilometer). Für Kanalüberquerer bietet sich diese Strecke also an, auch für die, die auf unkonventionelle Art und Weise diese Strecke zurücklegen wollten/wollen.
Die Stadt Dover hat einige dieser Männer (sorry Ladies, es sind wirklich nur Männer) in Form von Denkmälern geehrt.

Da ist zuerst einmal Louis Charles Joseph Blériot (1872-1936), der als erster Mensch am 25. Juli 1909 den Ärmelkanal von Calais aus in einem Flugzeug überquerte, wofür er 37 Minuten benötigte. Das Flugzeug kann in Paris im Musée des arts et métiers besichtigt werden. Dort wo Monsieur Blériot in Dover landete, auf der Northfall Meadow, ist ein Gedenkstein in Form eines Flugzeugumrisses in den Boden eingelassen worden, mit einer Inschrift, die an das Landedatum erinnert. Die Gedenkstätte liegt etwas nördlich vom Dover Castle.

Knapp ein Jahr später, am 2. Juni 1910, überquerte ein gewisser Charles Stewart Rolls (1877-1910) in einem Flugzeug den Ärmelkanal nonstop hin und zurück; dafür benötigt er 95 Minuten. Tragischerweise starb er nur wenige Wochen später bei Bournemouth bei einem Flugzeugabsturz. Er war der Partner von Sir Frederick Henry Royce (1863-1933), deren Namen man noch heute mit Flugzeugtriebwerken und hochwertigen Automobilen in Verbindung bringt. Das Denkmal für Charles Stewart Rolls ist in Dover auf der Marine Parade zu finden.

Nur wenige Meter von dem Rolls-Denkmal entfernt, ebenfalls an der Marine Parade, steht ein weiteres, das an einen Mann erinnert, der den Ärmelkanal auf andere Weise überquert oder besser durchquert hat: Captain Matthew Webb (1848-1883). Am 24. August 1875 begann er vom Admiralty Pier in Dover aus als erster Mensch den Kanal in Richtung Calais zu durchschwimmen. Das gelang ihm in 21 Stunden und 45 Minuten. Näheres zu Mr Webb in meinem entsprechenden Blogeintrag.

Die Statuen von Charles Rolls und Matthew Webb wurden mehrfach versetzt, bis sie jetzt ihre hoffentlich endgültigen Positionen vor der riesigen Wohnanlage Gateway Flats gefunden haben.

Charles Stewart Rolls an der Marine Parade.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Das Matthew Webb Memorial an der Marine Parade.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

The Gothic Temple im Park von Stowe (Buckinghamshire)

Im Laufe der Jahre habe ich in meinem Blog schon einige der Landmark Trust-Häuser vorgestellt, in denen man wohnen kann. Eines der Prunkstücke im Portfolio der 1965 gegründeten Organisation, die historische Häuser übernommen und restauriert hat und als Ferienunterkunft zur Verfügung stellt, ist der Gothic Temple in einer der schönsten Parkanlagen Großbritanniens, Stowe in Buckinghamshire.

Westlich von Milton Keynes, und beinahe in Hörweite des berühmten Formel1-Kurses von Silverstone gelegen, liegt der von Lancelot „Capability“ Brown (1716-1783) in seiner heutigen Form kreierte Park, die Stowe Landscape Gardens. Mehrere Tempel sind auf dem großen, seit 1986 dem National Trust gehörenden Gelände aufgestellt wie der Queen’s Temple, der Temple of Ancient Virtue, der Temple of British Worthies und eben der großartige, 1741 erbaute Gothic Temple, gestaltet von James Gibbs, einem der Architekten von Stowe. Das Gebäude wurde nicht geschaffen, damit jemand darin wohnt, vielmehr wurde es wegen seiner wunderbaren Aussicht von der Turmspitze genutzt.

Ich möchte heute nicht näher auf die Historie des Gothic Temples eingehen, sondern auf die einmalige Gelegenheit, darin zu wohnen, dank des Landmark Trusts. Wenn alle Besucher den Park verlassen haben beziehungsweise bevor die Tore geöffnet werden, haben die Bewohner des Tempels die Landscape Gardens ganz für sich allein.

Da im Tempel steile Treppen verbaut worden sind, eignet sich die Unterkunft nicht für gehbehinderte Menschen. Im Erdgeschoss befindet sich der Wohnbereich, im ersten Stock sind zwei Schlafzimmer untergebracht. Es gibt eine vollständig ausgestattete Rundküche und ein Badezimmer, beides im Erdgeschoss. Eines der Highlights des Gothic Temples ist sicher die Besteigung des Turmes, der für die Mieter zugänglich ist.
Vier Personen können hier gleichzeitig wohnen; die Übernachtungspreise beginnen bei £641 für vier Nächte in der günstigsten Jahreszeit. Die Nachfrage ist verständlicherweise sehr groß; in Coronazeiten ist man im Gothic Temple weit ab vom Schuss, so ist das Haus in diesem Jahr schon bis September komplett ausgebucht, nur im Oktober sind noch fast alle Termine zu haben. Sein Auto darf man übrigens zum Tempel mitnehmen.

Hier ist ein Film, der den Gothic Temple von innen und von außen zeigt.

Author: Daderot
This file is made available under the Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

The Ark in Hammersmith – Ein interessantes, aber trauriges Gebäude

Ich glaube nicht, dass weiland der biblische Noah auf seine Arche auch ein Paar weißer Elefanten eingeladen hat; von der Hammersmith Ark, also der Arche von Hammersmith, sprach und spricht man immer wieder von einem white elephant, ein Begriff, den man in der deutschen Sprache mit Investitionsruine übersetzen kann.

The Ark steht ganz dicht am Hammersmith Flyover, einer Hochstraße, mit der Adresse 201 Talgarth Road. Im Jahr 1992 wurde das zehnstöckige Gebäude fertiggestellt, das der britische, damals in Schweden lebende und arbeitende Architekt Ralph Erskine (1914-2005) entworfen hatte. Das Gebäude ist 76 m hoch und umfasst 15 600 qm Fläche, drei Jahre dauerte der Bau. Als es dann fertig war, interessierte sich niemand so richtig dafür. Vier Jahre stand es leer, bis sich dann die weltbekannte Getränkefirma Seagram der Arche erbarmte und das Bürogebäude übernahm; aber die Firma fühlte sich offensichtlich hier am Hammersmith Flyover nicht ganz wohl und zog nach wenigen Jahren wieder aus. Der französische Medienkonzern Vivendi übernahm im Jahr 2000, aber auch der wollte sich nicht lange an den weißen Elefanten binden und zog wieder aus. Die Londoner Immobilienfirma Landid kaufte The Ark und baute das Gebäude derart um, dass es auch für mehrere Mieter gleichzeitig für Interesse sein könnte. Ergebnis: Zero; die Hammersmith Ark blieb weiterhin leer. 2013 kaufte sie die Citibank, im Auftrag eines unbekannten Investors. Das letzte was man von der „Investitionsruine“ hörte, war, dass ein großer Zeitungskonzern in den nächsten Jahren eventuell dort einziehen möchte.

Die Situation der Londoner Bürogebäude hat sich durch die Corona-Pandemie geändert. Immer mehr Menschen arbeiten im Home Office vor den Toren der Metropole, was bedeuten könnte, dass sich diese Situation in Zukunft verfestigen wird, mit der Konsequenz, dass weniger Bürofläche im Zentrum der Stadt benötigt wird und Leerstände an der Tagesordnung sein könnten. Schlechte Aussichten für die Hammersmith Ark?

Published in: on 25. Februar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Erinnerungsstätten an die Opfer des Untergangs der Titanic in Southampton (Hampshire) in Bildern

The Titanic Memorial
Author: Reading Tom
Creative Commons 2.0

Die Titanic startete ihre Fahrt ins Unglück in Southampton und aus dieser Stadt stammten auch die meisten Opfer, als das Schiff am 15. April 1912 im Nordatlantik unterging. 539 Crewmitglieder aus Southampton starben in dieser Nacht in den kalten Fluten des Meeres. Gräber, in denen niemand liegt, findet man überall auf den Friedhöfen der Stadt, mit verwitterten Inschriften, auf denen die Namen der Ertrunkenen stehen. Vor allem auf dem Old Cemetery stehen viel Grabsteine. Es gibt mehrere Gedenkstätten in Southampton, auch einen Pub mit dem Namen „The Titanic„, der an der Simnel Street steht. Ich habe hier einige Bilder von diesen Gedenkstätten zusammengestellt.

The Titanic Engineers‘ Memorial. Hier ist ein Film dazu.
Author: andyoakley
Creative Commons 2.0

The Titanic Musicians‘ Memorial am Cumberland Place.
Author: R-P-M
Creative Commons 2.0

Titanic Crew Memorial.
Author: R-P-M
Creative Commons 2.0

Grabstein von Arthur Veale, der im Alter von 34 Jahren mit der Titanic unterging.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. Februar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Roedean School in East Sussex – Eines der renommiertesten Mädcheninternate in Großbritannien

Wenn ich das Wort Mädchenschule hören, fallen mir als erstes die chaotischen sexy Teenage Girls aus den beiden Spielfilmen „The Girls of St Trinian’s“ ein, bei denen das Lernen auf ihrer Prioritätenliste ganz weit unten angesiedelt war, und sie lieber jede Menge Unfug anstellten. Ganz anders sieht das Leben in der Roedean School aus, die zu den Top-Mädchenschulen Großbritanniens zählt. Die Eltern der jungen Damen müssen schon etwas tiefer in die Tasche greifen, wenn sie ihren Töchtern eine vorzügliche Ausbildung angedeihen lassen wollen, denn die Kosten pro Trimester beginnen bei £10,990 für die jüngsten Mädchen und enden bei £13,305 für die ältesten; da ist die Vollverpflegung mit eingeschlossen. Die Schülerinnenzahl liegt bei etwa 620, davon sind etwas über die Hälfte Internatsschülerinnen, der Ausländeranteil liegt bei rund 40%.

Die Schule hat eine einzigartige Lage, sie liegt in Sichtweite des Ärmelkanals, neben dem Ort Roedean (East Sussex) und ist nur wenige Meter vom Seebad Brighton entfernt. Auch die Schulgebäude sind sehr imposant; sie wurden 1898 von dem Architekten Sir John William Simpson entworfen, der auch das Londoner Wembley Stadion und noch weitere Schulen erbaut hat. Die Schwestern Penelope, Millicent und Dorothy Lawrence hatten die Schule schon 1885 gegründet, die dann 1898 auf das Gelände nahe des Ortes Roedean zog. Seitdem ist die Mädchenschule in Betrieb, nur unterbrochen während des Zweiten Weltkriegs als die Kinder in das sicherere Keswick (jetzt in Cumbria) gebracht und die Gebäude in Roedean vom Militär genutzt wurden.

Wer die Schule besuchen möchte, muss erst einmal einige Hürden nehmen in Form von Prüfungen und Interviews, denn die Roedean School  stellt hohe Ansprüche; dafür haben die Schülerinnen nach Bestehen ihrer Abschlussprüfungen gute Chancen für ihre berufliche Zukunft.

Eine ganze Reihe von Schauspielerinnen absolvierten die Rodean School wie die beiden Schwestern Perdita und Honeysuckle Weeks, Sarah Miles und Rebecca Hall; auch Roald Dahl schickte seine Tochter Tessa nach East Sussex.

Dieser Film zeigt einen Drohnenflug über das Schulgelände und hier kann man sich einen Eindruck vom Leben in der Schule verschaffen.

Roedean School
Roedean Way
Brighton
BN2 5RQ

Ein Blick auf die Schule von der Brighton Marina aus.
Author: Dominic’s Pics
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Published in: on 23. Februar 2021 at 02:00  Comments (1)  

The Word – National Centre for the Written Word in South Shields (Tyne and Wear)

Nur wenige Schritte vom Tyne River entfernt, am Market Place, steht in South Shields (Tyne and Wear) ein Gebäude, das sofort ins Auge fällt, es ist The Word – The National Centre for the Written Word. Ein vielleicht etwa hochgestochener Name für ein Kulturzentrum mit Bibliothek, aber es ist schon etwas Besonderes, was hier in der Stadt im Nordosten Englands entstanden ist. Angesichts der immer problematischer werdenden Situation der Öffentlichen Bibliotheken in England wollte der South Tyneside Council ein Zeichen setzen, dass Bibliotheken im 21. Jahrhundert durchaus eine Rolle spielen und ließ im Jahr 2016 dieses Gebäude errichten. „My dream library“ nennt die Krimiautorin Ann Cleeves die Bibliothek in South Shields. Das Innenleben von The Word wurde so flexibel gestaltet, dass das Haus jederzeit in der Zukunft auf neue Entwicklungen reagieren kann. Es ist ein Begegnungszentrum für Jung und Alt entstanden, mit Ausstellungen, Veranstaltungen, Schriftstellerlesungen usw. Die Bibliothek beinhaltet 70 000 Bücher, für Kinder gibt es die Storyworld, „a magical world of fun, fantasy and adventure“, das FabLab bietet angehenden jungen Designern alle Möglichkeiten, mit 3D-Druckern und anderen neuen technischen Geräten ihre Ideen umzusetzen, und im Café kann man an sieben Tagen in der Woche frühstücken oder ein Mittagessen zu sich nehmen.

Wie gut The Word gleich zu Beginn bei den Bürgern von South Shields und Umgebung angenommen wurde, zeigt, dass bereits in der ersten Woche 24 494 Besucher gezählt wurden, in den ersten fünf Monaten waren es über 220 000. Die Gesamtfläche des Gebäudes beträgt übrigens 4 115 qm.

Der Entwurf von The Word wurde von dem Architektenbüro FaulknerBrowns aus Newcastle-upon-Tyne konzipiert, das eine Fülle von Auszeichnungen dafür erhielt wie den renommierten RIBA National Award, den Award for Excellence in Architectural Technology und Social Infrastructure Project of the Year, um nur einige zu nennen.

Dieser kurze Film verschafft einen kleinen Einblick in The Word.

Der St Alban’s Tower in der Londoner Wood Street – Ein Kirchturm, verloren zwischen Hochhäusern

Es gibt zwei Ereignisse in der Geschichte Londons, die den Kirchen der Stadt besonders großen Schaden zugefügt haben: Der Große Brand von London im Jahr 1666 und die Luftangriffe der deutschen Luftwaffe, The Blitz, 1941/42. Jedes Mal wurden zahlreiche Kirchen in Schutt und Asche gelegt, einige riss man komplett ab, einige baute man wieder auf.

Die Kirche St Alban’s in der Wood Street in der City of London, benannt nach dem Heiligen Alban, dem ersten christlichen Märtyrer auf der Insel, ereilte beide Schicksale. Sie fiel dem Großen Brand zum Opfer und wurde von niemand anderem als dem Stararchitekten seiner Zeit, Sir Christopher Wren, wieder aufgebaut und zwar in dem sogenannten Perpendicular Gothic-Stil. 1685 war die Kirche fertig gestellt und nahm ihren Dienst wieder auf. Ein weiterer Stararchitekt, Sir George Gilbert Scott, nahm sie sich 1858/59 noch einmal vor und restaurierte sie. Und dann ereilte St Alban’s der zweite Schicksalsschlag, als sie am 29. Dezember 1940 von einer Bombe getroffen wurde, die ein deutsches Flugzeug über London abgeworfen hatte. Dieses Mal lohnte ein Wiederaufbau nicht, da alles in Trümmern lag…bis auf den Kirchturm, der  auf wundersame Weise stehengeblieben war. In den 1960er Jahren räumte man die Reste der Kirche ab, die Glocken sind auch längst abgehängt worden und in den 1980er Jahren entstand aus dem alten Turm ein privates Wohngebäude. Das Ungewöhnliche daran ist, dass der St Alban’s Tower mitten auf einer Verkehrsinsel steht und der Verkehr auf beiden Seiten um das alte Gemäuer herumgeleitet wird.  Um den Turm herum sind im Laufe der Jahre Hochhäuser entstanden, wodurch er etwas verloren wirkt, ein Relikt aus einer früheren Zeit.

Der St Alban’s Tower diente in dem 2009 erschienen Spielfilm „St Trinian’s 2: The Legend of Fritton’s Gold“ (dt. „Die Girls von St Trinian 2: Auf Schatzsuche“), den ich ziemlich albern fand, als Hauptquartier der Geheimgesellschaft AD1. Die Außenaufnahmen wurden hier in der Wood Street gedreht.

Der Clavell Tower an der Küste von Dorset – Folly, Unterkunft und Filmdrehort

Warum der Reverend John Richards Clavell im Jahr 1830 den nach ihm benannten Turm  an der Küste der Grafschaft Dorset errichten ließ, ist nicht mehr ganz nachzuvollziehen. Man kann den Clavell Tower aber in der Kategorie „Folly“ einordnen. Der Turm sieht toll aus mit seinen zwölf Säulen und dem Rundum-Balkon. Ob es eine gute Idee war, ihn so dicht an die abbruchgefährdeten Klippen zu bauen, wage ich zu bezweifeln, denn er musste im Herbst 2006 etwa 25 Meter landeinwärts verrückt werden (ob das wohl reicht?), mit riesigem Aufwand, denn jeder der mehr als 16 000 Steine wurde abgebaut, nummeriert und fotografiert und dann wieder komplett zusammengefügt. Veranlasst hatte das der Landmark Trust  (ich habe mehrfach über den Trust in meinem Blog berichtet), denn der wollte den attraktiven Turm seinen Gästen zur Vermietung anbieten…mit großem Erfolg wie sich zeigte, denn der Clavell Tower gehört zu den begehrtesten Objekten im Portfolio des Landmark Trusts. Die Gäste haben von dem vierstöckigen Turm einen grandiosen Ausblick auf die Kimmeridge Bay.

Schon der Schriftsteller Thomas Hardy hatte sich in den Turm verliebt und traf sich hier mit seiner damaligen Geliebten Eliza Nicholl. Er fertigte eine Skizze des Clavell Towers an und platzierte sie gegenüber der Titelseite seiner „Wessex Poems„.

Die Krimiautorin P.D. James hatte ebenfalls eine Schwäche für den Tower of the Winds, wie der Clavell Tower auch genannt wird, entwickelt und ließ sich durch ihn 1975 zu ihrem Roman „The Black Tower“ (dt. „Der schwarze Turm“) inspirieren, den die BBC 1985 in eine Mini-Serie mit demselben Titel umwandelte. Dann nehmen wir doch gleich „the real thing“ sagten sich die Filmproduzenten und benutzten für die Dreharbeiten den Clavell Tower. Hier ist die erste Folge zu sehen.

Die Rockgruppe The Style Council drehten ihr Musikvideo „The Boy who cried wolf“ am Turm und hatten damit eine gute Wahl getroffen.

Dieser Film zeigt einen Flug über den Clavell Tower und die Kimmeridge Bay.

Der Turm, bevor er zurückversetzt wurde.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Auch Schwalben lieben den Clavell Tower.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. Januar 2021 at 02:00  Comments (2)  
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Lyme Regis in Dorset Teil 1: Das historische, leerstehende Three Cups Hotel

Heute und morgen begeben wir uns wieder einmal in den Küstenort Lyme Regis in Dorset; über einen Besuch dort habe ich vor längerer Zeit in meinem Blog berichtet. Cinéasten erinnern sich vielleicht an den Spielfilm „Die Geliebte des französischen Leutnants“ mit Meryl Streep und Jeremy Irons, der hier gedreht wurde, nach dem gleichnamigen Roman von John Fowler, der in Lyme Regis lebte. Überhaupt war die hübsche kleine Stadt Treffpunkt von einer ganzen Schar von Schriftstellern, die sich gern die frische Seeluft um die Nase bliesen ließen.

Jane Austen war hier im Jahr 1804 in einer Pension in der Broad Street Nummer 18 zu Gast. Große Teile ihres Romans „Persuasion“ (dt. „Überredung“) spielen in Lyme Regis und Umgebung. Drei Verfilmungen diese Romans fanden am Originalschauplatz statt wie zum Beispiel dieser. Aus der Pension wurde später ein Hotel, das Three Cups Hotel, das von den literarischen Besuchern der Stadt gern als Übernachtungsort gewählt wurde. Das waren beispielsweise Alfred Lord Tennyson, der es liebte, auf Jane Austens Spuren zu wandeln, der Amerikaner Henry Wadsworth Longfellow, der gebürtige Franzose Hilaire Belloc und Gilbert Keith Chesterton, die beide häufig zusammenarbeiteten, und John Ronald Reuel Tolkien, der Schöpfer des Fantasyepos „Der Herr der Ringe“, der hier schrieb und zeichnete, unter anderem das Bild „Lyme Regis Harbour from the drawing Room of The Three Cups Hotel„. Das Hotel war auch Drehort des oben genannten Films „Die Geliebte des französischen Leutnants“.

Es ist ein Jammer, dass das Three Cups Hotel seit nunmehr dreißig Jahren leer steht. Das an sich architektonisch interessante Gebäude verfällt zusehends; der Fotograf Andrew Blackmore hat Aufnahmen aus dem Inneren des baufälligen Gebäudes gemacht. Eigentümerin ist die Palmers Brewery in Bridport (Dorset), die Pläne angekündigt hat, das Haus umzugestalten. Wenn die Pläne akzeptiert werden, wird es kein neues Hotel geben, sondern Apartments und ein Restaurant; die historischen Elemente des ehemaligen Hotels sollen erhalten bleiben. Geplanter Beginn der Bauarbeiten: 2021.

Das ehemalige Hotel ist auf der rechten Seite zu sehen.
Author: Darkroom Daze
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Der Londoner Elizabeth Tower und wie man ihn besichtigen kann

Nicht sehr schön anzusehen: Der in Gerüsten gekleidete Elizabeth Tower.
Author: oatsy40
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Seit dem Jahr 2017 ist der Londoner Elizabeth Tower, neben dem Parlamentsgebäude gelegen, und von den meisten Touristen Big Ben genannt, in Gerüste gehüllt. Er wird renoviert und soll 2021 wieder fertig gestellt sein. Eine lange Zeit war von dem Wahrzeichen Londons nicht viel zu sehen und von der berühmten Glocke The Great Bell nichts zu hören, aber das wird sich wohl bald ändern.

Der Glockenturm ist zu besichtigen, ABER: Das ist gar nicht so leicht zu bewerkstelligen und für viele Londonbesucher unmöglich, denn er ist nur für „UK residents“ zugänglich, alle Besucher aus anderen Ländern sind außen vor… und das auch schon in den Vor-Brexitzeiten. Aber auch wer „UK resident“ ist, kann da nicht so einfach in den Turm hineinspazieren, denn man braucht dafür die Einladung bzw. Genehmigung eines Parlamentsabgeordneten oder eines Mitglieds des House of Lords.

Haben die Turmbesucher in spe diese Hürde genommen, kann es sein, dass sie auf weitere stoßen, die sie von einem Gang in die luftigen Höhen abhalten. Da ist einmal das Alter; wer unter elf Jahren ist, kann gleich draußen bleiben. Menschen mit Herzproblemen haben ebenfalls keinen Zutritt, was auch für Schwangere gilt, deren Schwangerschaft schon weit fortgeschritten ist. Schließlich möchte man nicht, dass neben der Great Bell plötzlich einen Geburt stattfindet.

Wer gebrechlich aussieht, dürfte schlechte Karten für eine Turmbesteigung haben, denn es sind 334 Stufen zu bewältigen und einen Aufzug gibt es nicht. Rollatorfahrer und Menschen mit Gehhilfen: Forget it! Kommen Besucherinnen beispielsweise zum Besteigungstermin (das Wort klingt irgendwie komisch) in High Heels, können sie gleich wieder umdrehen und nach Hause fahren, denn entsprechendes Schuhwerk ist vorgeschrieben.

Ach ja, eines braucht man auf jeden Fall, wenn man den Elizabeth Tower besuchen möchte, nämlich Geduld. Die Nachfrage ist so groß, dass man so um  die sechs Monate warten muss, bis wieder ein Termin frei wird.

Besonders Wagemutige können den Turm auch auf diese Weise besteigen. Den Abstieg kann ich allerdings nicht so empfehlen.

So wird der Turm hoffentlich bald wieder aussehen, wenn die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sind.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 25. Dezember 2020 at 02:00  Comments (7)  
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Wer war eigentlich … Downing, nach dem die Downing Street in London benannt wurde?

Sir George Downing (1623-1684). – This image is in the public domain because its copyright has expired.

Die Adresse „Number 10 Downing Street“ kennt wohl jedes Kind als Sitz des britischen Premierministers. Nach wem wurde die kurze Straße im Londoner Zentrum nun eigentlich benannt? Gab es jemanden, der Downing hieß?

Ja, den gab es, und zwar war der Namensgeber der bekanntesten Straße im ganzen Königreich Sir George Downing, der von 1623 – 1684 lebte, ein Diplomat und Staatsmann, der seinerzeit als Treasury Secretary, Finanzminister, für einige weit reichende Reformen im öffentlichen Finanzwesen verantwortlich war. Außerdem spielte Downing bei der Erwerbung der Stadt New York von den Holländern eine wesentliche Rolle.
Im Laufe seines Lebens schaffte Downing auch eine ganze Menge Geld für sich beiseite und war der größte Landbesitzer in ganz Cambridgeshire. Er galt zwar als geschickter Diplomat und ausgezeichneter Finanzjongleur, sein Ruf war aber nicht so ganz ungetrübt, denn er schien ein richtiger Geizkragen gewesen zu sein (aber als Finanzminister muss man das wohl sein).

Man hatte seinerzeit den Straßennamen gut gewählt, denn in der Downing Street, der Nummer 11, residiert auch der britische Schatzkanzler, der für die Finanzen des Staates verantwortlich ist, das ist seit dem 13. Februar 2020 Rishi Sunak von der Konservativen Partei.

Im Jahr 2014 kam der Actionthriller „He who dares: Downing Street Siege“ (dt. „Downing Street Down“) in die Kinos, in dem die Straße eine bedeutende Rolle spielt.

In anderen Städten Englands gibt es auch Straßen mit dem Namen Downing Street, zum Beispiel in Farnham in Surrey. In der dortigen Nummer 10 ist ein Tattoo-Studio untergebracht.

Schwer bewacht, die Londoner Downing Street.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

 

Die bekannteste Tür in Großbritannien?
Author: UK Prime Minister
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Downing Street No. 10 1/4, ein „Dinky Doors“ Street Art Projekt in Cambridge.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

M.P. Micky Mouse oder Wie das britische Parlament mit einer Mäuseplage zu kämpfen hat

Der Westminster Palast, der das britische Ober- und Unterhaus beherbergt, liegt majestätisch am Themseufer und gehört zu einem der Highlights einer jeden Londoner Stadtrundfahrt. Am 27. April 1840 erfolgte die Grundsteinlegung für den Wiederaufbau des Palastes, der am 16. Oktober 1834 einem Feuer zum Opfer gefallen war. Charles Barry war damals der maßgebende Architekt, der zusammen mit Augustus Pugin, das riesige Gebäude erstehen ließ, in dem noch heute die Parlamentarier ein und aus gehen und in dem, gerade in der letzten Zeit, hitzige Debatten geführt wurden.

Doch sieht man einmal hinter die Kulissen des Palace of Westminster entdeckt man immer mehr Probleme, die wohl auch in Zukunft zunehmen werden. Vieles ist marode, in den Kellergewölben ziehen sich brüchige Versorgungsleitungen und -kabel entlang, die nicht mehr heutigen Standards entsprechen. In den Büros kommt es schon mal vor, dass es von der Decke heruntertropft. Außerdem ist das Parlamentsgebäude zum Lieblingsaufenthaltsort Londoner Mäuse geworden. Über eine halbe Million Nager sollen hier ihre Zelte aufgeschlagen haben und den Palast unsicher machen. Da es in dem Gebäude zwischen den Wänden und unter den Fußböden unzählige Nischen, Lücken und Aushöhlungen gibt, sind das für Mickey Maus und seine Freunde paradiesische Zustände, und die lustige Bande wird immer frecher und wagt sich zunehmend aus ihren Verstecken hinaus, um sich dort umzuschauen, wo britische Politik gemacht wird. Kaum einer der Parlamentsmitglieder, der noch keine Begegnung mit einem der Nager hatte. Besonders beliebt sind die Kantinen und Restaurants, wo es immer Leckereien zu finden gibt, und da laufen die possierlichen Tierchen auch schon über die Füße der Essenden, um an ihre Nahrung zu gelangen.

Alle bisherigen Maßnahmen, der Mäusegesellschaft Herr zu werden, haben nichts genützt. Hunderttausende Pfund sind schon ausgegeben worden, ohne nennenswerten Erfolg. Es gibt sogar Statistiken über die monatlichen Mäusesichtungen. Der Ruf nach Katzen wird immer lauter, die den Parlamentariern helfen sollen, aber bei der riesigen Menge an Mäusen, wäre das eine Herkulesaufgabe für sie. Vielleicht könnte Boris Johnson seinen Downing Street 10-Kater Larry ausleihen, der für eine mäusefreie Residenz des Premierministers sorgt.

Dummerweise haben Mäuse auch eine Vorliebe, an Stromkabeln zu nagen (aus Ärger, dass man sie in den Restaurants und Bars des Hauses nicht willkommen heißt), was wiederum zu gefährlichen Situationen führen kann. Brände könnten sich entwickeln und der Westminster Palace abgefackelt werden. Was Guy Fawkes am 5. November 1605 nicht schaffte, könnte den kleinen Nagern heute gelingen.

Wie man es auch dreht und wendet, das Parlamentsgebäude muss von Grund auf saniert werden… und das wird sehr, sehr teuer. Ob das nach dem Brexit am 1. Januar 2021 finanziell noch möglich sein wird?

Larry, the Downing Street Cat. 
Author: UK Prime Minister
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Published in: on 14. Dezember 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Dartford in Kent und Straßen, die nach Rolling Stones-Songs benannt wurden

Hätte es den Bahnhof von Dartford in Kent nicht gegeben, wäre die berühmteste Rockband der Welt vielleicht nie entstanden. 1961 trafen sich Mick Jagger und Keith Richards hier auf einem Bahnsteig und fuhren regelmäßig gemeinsam nach London. Die Geburtsstunde der Rolling Stones hatte geschlagen. Die Stadt Dartford ehrte Mick Jagger, indem sie ein Veranstaltungszentrum nach ihm benannte (siehe dazu meinen Blogeintrag). Der Dartford Borough Council ließ auf dem Bahnhof eine Plakette anbringen, auf der es heißt, das sich Mick Jagger und Keith Richards am 17. Oktober 1961 auf Bahnsteig 2 trafen und eine der berühmtesten Bands der Welt gründeten.

Als man vor etwa mehr als zehn Jahren ein neues Wohngebiet im Norden Dartfords ins Leben rief, überlegte sich der Council, welche Straßennamen dafür verwenden werden sollten. Die neue Siedlung hieß The Bridge, nach der Queen Elizabeth II Bridge, die ganz in der Nähe die Themse überquert. Da besann man sich erneut an die beiden großen Söhne der Stadt und benannte einige Straßen nach den Songs der Rolling Stones.

Da gibt es zum Beispiel den Ruby Tuesday Drive. Der Song „Ruby Tuesday“ wurde Ende 1966 aufgenommen und 1967 veröffentlicht; im Mittelpunkt des Textes steht die damalige Freundin Keith Richards, Linda Keith. Die Straße geht von der Binnie Road ab und endet auch wieder auf ihr.
Auch die Straße Stones Avenue geht von der Binnie Road ab. Die Stones Avenue wiederum wird geschnitten von der Straße Sympathy Vale, benannt nach dem Song „Sympathy for the Devil“ aus dem Jahr 1968, veröffentlicht auf dem Album „Beggar’s Banquet“.

Von Sympathy Vale geht eine Sackgasse ab, die den Namen Angie Mews trägt; „Angie“ entstand 1973, „Goats Head Soup“ hieß das dazu gehörige Album.

Von der Stones Avenue geht der Lady Jane Place ab, der an den Song „Lady Jane“ erinnert, der 1966 auf dem Stones-Album „Aftermath“ veröffentlicht wurde, ebenso der Rambler Lane, nach dem Song „Midnight Rambler“ aus dem Jahr 1969 benannt (LP „Let it Bleed“), und die Tumbling Dice Mews. „Tumbling Dice“ erschien 1972 auf dem Album „Exile on Main Street“.

Es gibt noch einige weitere Straßen im Bridge Estate, die nach Songs der Rolling Stones benannt sind, aber ich glaube, das ist erst einmal genug.

Siehe zum Thema noch meinen Blogeintrag über das Rolling Stones Museum in Lüchow.

Published in: on 23. November 2020 at 02:00  Comments (8)  
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Die Squeeze-ee-Belly Alley in Port Isaac (Cornwall) – Eine der engsten Straßen der Welt

Wodurch kennt man Port Isaac an der Nordküste von Cornwall vor allem? Ja, als Drehort der populären TV-Serie „Doc Martin“ und als Heimat des Shantychors Fisherman’s Friends, der durch den gleichnamigen Film im vorigen Jahr auch international bekannt wurde. Es gibt noch eine weitere Besonderheit in Port Isaac, die vielleicht nicht ganz so bekannt ist. Von der Dolphin Street geht zwischen den beiden Häusern Honey Cottage und Temple Cottage eine extrem schmale Straße in Richtung Fore Street ab, Temple Bar genannt. Ein Mindestabstand einzuhalten, ist hier in Coronazeiten absolut unmöglich. An der schmalsten Stelle ist das Sträßchen gerade einmal 45 cm breit, daher hat man es auch Squeeze-ee-Belly Alley bezeichnet (als einmal eine umfangreiche Dame diesen Weg nehmen wollte, riet man ihr, den Bauch einzuziehen, damit sie nicht stecken bliebe). Das Guinness Book of Records verzeichnete Temple Bar in der Ausgabe von 1978 sogar als schmalste, öffentliche Durchgangsstraße der Welt. Aber, sorry Port Isaac, Deutschland kann es noch schmaler, denn die  Spreuerhofstraße in Reutlingen ist an der engsten Stelle nur 31 cm breit.

Der Name Temple Bar kommt von dem ehemaligen Besitzer des Temple Cottage, der … Temple hieß, und manchmal machte der Herr einen Balken (=bar) vor den Zugang, damit dort niemand hindurchlief, was wahrscheinlich bei den Anwohnern nicht so gut ankam.

Ein Besuch in Port Isaac lohnt sich allemal; etwas umfangreich geratene Zeitgenossen müssen ja nicht unbedingt die Squeeze-ee-Belly Alley nehmen (hier ist ein kurzer Film).

Der Konkurrent in Reutlingen: Die Spreuerhofstraße.
Author: Bloutiouf
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Published in: on 22. November 2020 at 02:00  Comments (2)  
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