Der prähistorische Monolith auf dem Kirchhof von All Saints in Rudston in East Yorkshire

Photo © G Laird (cc-by-sa/2.0)

Die Gräber auf dem Kirchhof von All Saints in Rudston (East Yorkshire), einem kleinen Dorf zwischen Driffield und Bridlington, werden überragt von einem riesigen prähistorischen Monolithen. Er ist höher als die Steine in Stonehenge, zu denen die Menschenmassen täglich strömen, aber wesentlich unbekannter. So hat man meistens den mysteriösen Felsen ganz für sich allein. Der Rudston Monolith ist schätzungsweise 4000 Jahre alt, acht Meter hoch und vierzig Tonnen schwer. Es wird vermutet, dass der Fels mehrere Meter tief im Boden verankert ist. Er besteht aus Sandstein, was darauf hindeutet, dass sein Ursprung 15 Kilometer nördlich an der Cayton Bay zu finden ist, wo der gleiche Typ Sandstein existiert. Wie soll der große Brocken aber von dort hierher nach Rudston transportiert worden sein und warum? Großbritanniens höchster „standing stone“ wird aller Wahrscheinlichkeit nach ursprünglich eine Kultstätte gewesen sein, die später weiter von den Christen übernommen wurde, indem man ein Kreuz an dem Felsen anbrachte. Bei Grabungsarbeiten im 18. Jahrhundert wurden an der Basis des Steins menschliche Schädel gefunden, was darauf hindeutet, dass hier in vorchristlicher Zeit Menschen geopfert worden sind.
Seit 1935 steht der Rudston Monolith unter Denkmalschutz. Hier ist ein Film über ihn.

Die All Saints Kirche ist im 14. Jahrhundert erbaut worden, an der Stelle an der schon einmal eine Kirche stand. Besonders stolz ist man hier auf den Taufstein, der aus normannischer Zeit stammt und kunstvoll verziert ist.

Die All Saints Church und der Monolith.
Photo © Stephen Horncastle (cc-by-sa/2.0)
Der Taufstein in der All Saints Church.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 18. April 2021 at 02:00  Comments (4)  

Die religiösen Straßennamen in der Londoner City zwischen St Paul’s und Old Bailey

Amen Court und die Mauerreste des ehemaligen Newgate Gefängnisses.
Copyright: London Remembers
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In Paris gibt es im vierten Arrondissement eine Straße, die rue de l’Ave-Maria heißt und deren Namen mich immer fasziniert hat, wobei ich nicht sagen kann warum. Sie ist 116 Meter lang und erhielt ihren Namen im Jahr 1867 nach dem Kloster, das einmal auf der heutigen Nummer 22 lag.

Auch in der Londoner City gibt es eine Straße namens Ave Maria Lane, die Verlängerung des Warwick Lanes in Richtung Ludgate Hill. Früher gab es die Tradition, dass Mönche am Fronleichnamsfest eine Prozession zur St Paul’s Cathedral veranstalteten. Immer wenn sie das Vaterunser mit einem Amen beendeten, bogen sie gerade in die Ave Maria Lane ein. Auch die Namen der benachbarten Straßen erinnern an diese Prozessionen: Amen Corner, Amen Court und Paternoster Row.

Der Amen Court ist eine kleine Privatstraße („“Not open to the public. Please respect the privacy of those who live here.“), in der noch die letzten Mauerreste des ehemaligen berüchtigten Newgate Prisons zu sehen sind. Dieses Gefängnis, in dem unzählige Menschen hingerichtet worden sind, wurde bereits im Jahr 1188 errichtet und erst 1902 geschlossen. Zwei Jahre später riss man es, bis auf die besagen Mauerreste ab, und baute auf dem frei gewordenen Gelände den Central Criminal Court, Londons berühmtestes Gerichtsgebäude, besser bekannt unter dem Namen Old Bailey. Der Amen Court gehört noch heute zur St Paul’s Cathedral. Am Ende der Sackgasse befindet sich eine weitere Mauer, hinter der zu Zeiten des Newgate Prisons der Deadman’s Walk entlang führte, der Weg zum Galgen, den die zum Tode Verurteilten nehmen mussten. Diese Mauer war (und soll noch immer) „haunted“ sein, heimgesucht vom Black Dog of Newgate, einem unheimlichen schwarzen Hund, der sich immer kurz vor einer Exekution manifestierte.

Die britische Rockband Amen Corner, die Ende der 1990er Jahre einige Erfolge verzeichnen konnte („If paradise is have as nice„) benannte sich übrigens nicht nach der Londoner Straße, sondern nach einer Veranstaltungsreihe im Victorian Ballroom in Cardiff in Wales.

Der Amen Court und die Mauer hinter der früher der Deadman’s Walk entlangführte.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)
Das Ende des Ave Maria Lanes.
Photo © Dominique MacNeill (cc-by-sa/2.0)
Author: erasmusa
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Published in: on 13. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Land of Green Ginger – Eine alte Straße in Kingston-upon-Hull (East Riding of Yorkshire) und das kleinste Fenster Englands

Photo © Peter Church (cc-by-sa/2.0)

Kingston-upon-Hull (East Riding of Yorkshire) stand einmal auf Platz 1 der Liste der britischen Crap Towns (siehe hierzu meinen Blogeintrag), doch man tut hier sehr viel, um den schlechten Ruf der Stadt abzustreifen. Im Jahr 2017 war Kingston-upon-Hull sogar die UK City of Culture, was in großem Stil gefeiert wurde. Siehe auch meine Berichte über den Larkin Trail und die besonderen Telefonzellen der Stadt an der Mündung des River Humber.

In der Altstadt gibt es eine Straße mit einem sehr schönen Namen: Land of Green Ginger. Die enge und kurze Gasse gehört mit zu den ältesten Straßen der Stadt; früher hieß sie einmal Old Beverley Street. Nicht geklärt ist, wie es zu der Namensgebung kam. Möglicherweise wurde im Mittelalter in dieser Gegend Ingwer gelagert; es gibt auch die Theorie, dass der Name in Zusammenhang mit der Familie Lindegreen aus den Niederlanden steht, aus dem später aus irgendeinem Grund Lindegroen jonger wurde und daraus wiederum Land of Green Ginger. Egal, der Name ist einfach schön.

Viel gibt es in der Gasse nicht zu sehen, aber eine Besonderheit findet man doch: Englands kleinstes Fenster. Es ist direkt links neben dem Eingang des The George Hotels angebracht, eigentlich mehr Pub als Hotel. Von diesem Fensterschlitz aus beobachtete der Portier früher, als das Hotel als Postkutschenstation diente, herannahende Kutschen und informierte die Belegschaft, dass da Arbeit auf sie zukam.

Die heute nur noch wenig bekannte Schriftstellerin Winifred Holtby (1898-1935) veröffentlichte 1927 einen Roman mit dem Titel „The Land of Green Ginger„, in dem die Protagonistin Joanna Burton das Straßenschild mit dem Namen erblickt und davon träumt, einmal in die Länder zu fahren, in denen es diesen grünen Ingwer gibt.

Der Fensterschlitz ist rechts von der Plakette zu erkennen.
Photo © Bernard Sharp (cc-by-sa/2.0)
Author: yellow book
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Published in: on 5. April 2021 at 02:00  Comments (1)  

Die Hailes Abbey bei Winchcombe in Gloucestershire – Einst eine Pilgerstätte mit einer ganz besonderen Reliquie

Ruinen von alten Bauwerken haben oft etwas Romantisches an sich, das gilt auch für die Ruinen der Hailes Abbey nahe der Kleinstadt Winchcombe in der Grafschaft Gloucestershire. Heinrich VIII löste auch diese ehemalige Zisterzienser Abtei im Jahre 1539 auf. Die dem National Trust gehörende Ruine beherbergt heute ein Museum, in dem Überbleibsel aus der Abtei zu sehen sind wie dieser Film zeigt.

Die Hailes Abbey war viele Jahre lang das Ziel wahrer Pilgerscharen, die einen Schatz sehen wollten, den es wohl nur hier gab: Das Blut von Jesus Christus, aufgefangen als er am Kreuz hing. Am 14. September 1270 ging diese Reliquie in den Besitz der Abtei über, und da sie etwas ganz besonderes war, ergänzte man die Kirche mit einem eigenen Anbau speziell für das Heilige Blut. Es sprach sich schnell unter den Gläubigen des Landes herum, dass die Reliquie Wunder vollbringen könnte wie zum Beispiel Kranke heilen oder sogar Tote wieder ins Leben zurückbringen. Die Zisterzienser freuten sich sehr über die Pilgermassen, trugen sie doch dazu bei, den Unterhalt für die Abtei zu gewährleisten. Gar nicht gut fanden es die Mönche, wenn manche Priester im Lande Zweifel an der Echtheit des Blutes äußerten, und so wurden Geschichten in die Welt gesetzt wie es diesen Zweiflern erging. Bei dem einen soll während der Messe der Messwein angefangen haben zu kochen, bei einem anderen blutete sein Gebetbuch. Man tat alles dafür, dass die Pilgerbewegung nicht abriss.

Dann, zu Zeiten Heinrichs VIII, ging es der Reliquie an den Kragen. Beauftragte des Königs untersuchten sie und kamen zu dem Schluss, dass sie nur eine klebrige Masse enthielt, aber kein Blut. Sie nahmen die Reliquie mit nach London, wo der Bischof von Rochester behauptete, der Inhalt bestünde aus Honig vermischt mit Saffran. Ein anderer hoher Würdenträger hielt den Inhalt für Entenblut. Letztendlich offenbarte der Abt von Hailes, dass es sich wirklich um einen Schwindel gehandelt hatte, die Reliquie war nicht echt, man brauchte die Pilger, um die Abtei am Leben zu erhalten. Zu Weihnachten des Jahres 1539 wurde die Hailes Abbey aufgelöst. Die Kirche wurde abgerissen, andere Teile als Wohnungen verwendet. Doch nach und nach verfiel die Anlage und Unkraut überwucherte die Mauerreste. 1937 nahm sich der National Trust der ehemaligen Abtei an, und der English Heritage kümmert sich um den Erhalt.

Informationen über die Öffnungszeiten und die Eintrittspreise sind hier zu finden.

Der Timeball Tower in Deal (Kent)

 

Auf halber Strecke zwischen Dover und Ramsgate in der Grafschaft Kent liegt direkt an der Küste die Ortschaft Deal, und dort an der Ecke Beach Street/Sondes Road steht ein weißer Turm auf dem ein schwarzer Ball ruht, der sogenannte Timeball Tower. Ursprünglich diente der Turm als optischer Telegraf zur Kommunikation mit Schiffen, die an Deal vorbeifuhren. Im Jahr 1855 wurde anstelle der Semaphoren ein schwarzer Zeitball auf dem Dach installiert, der zu einer bestimmten Stunde, in diesem Fall um 13 Uhr, fallen gelassen wurde, um es den Seeleuten zu ermöglichen, ihre Schiffschronometer exakt auf die Greenwich Mean Time zu synchronisieren. Der Deal Timeball Tower war mit dem Royal Observatory in Greenwich verbunden und bekam von dort ein elektrisches Signal, das den Ball auf die Sekunde genau hinunterfallen ließ. Das spielt sich auch heute noch auf dem Turm ab, die Zeit ist einprogrammiert. In den Sommermonaten wird der Zeitball zusätzlich jeweils zur vollen Stunde von 9 Uhr bis 17 Uhr herabgesenkt. Auch zur Jahreswende am 31. Dezember um 0 Uhr geschieht das. Da der Mast an dem der Zeitball befestigt ist, stark korrodiert ist und repariert werden muss, ist die ganze Anlage seit Anfang 2020 außer Betrieb. Hier ist der Zeitball in Aktion zu sehen.

Im Turm ist das Time Ball Tower Museum untergebracht, das auf vier Stockwerken über historische Kommunikationsformen wie Semaphoren, Signalanlagen usw. informiert.

Published in: on 10. März 2021 at 02:00  Comments (2)  
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Der Gold Hill in Shaftesbury (Dorset) – Eine der romantischsten Straßen Englands

In wie vielen Kalendern mag es wohl schon Fotos vom Gold Hill in Shaftesbury (Dorset) gegeben haben? Ähnlich wie das kleine Dorf Castle Combe in Wiltshire oder die Mermaid Street in Rye (Kent) ist der Gold Hill eine der am meisten fotografierten Straßen im Land. Nachdem Ridley Scott hier 1973 seinen berühmten Werbespot für die Brotfirma Hovis gedreht hatte, kannte jedes Kind in Großbritannien diese steile, gepflasterte Straße (siehe hierzu meinen Blogeintrag).

Shaftesbury ist eine Kleinstadt mit etwas mehr als 7000 Einwohnern oberhalb des Blackmore Vales an der Grenze zu Wiltshire. Viele der Touristen kommen gezielt hierher, um sich die Straße Gold Hill anzusehen, an die viele hübsche alte Häuser grenzen. Auf der anderen Seite der Straße sind noch die Mauern der ehemaligen Abtei zu sehen, die im Jahr 888 von Alfred dem Großen gegründet worden war. Hier ist also so einiges zusammengefasst, was das Touristenherz höher schlagen lässt. Wer sich ausführlicher mit Shaftesbury und dem Gold Hill beschäftigen möchte, der sollte das Gold Hill Museum oben auf dem Hügel aufsuchen, das in zwei historischen Häusern untergebracht ist, wovon man einen sehr schönen Blick auf das Blackmore Vale hat. Leider ist auch dieses Museum zur Zeit geschlossen; man hofft auf eine Wiedereröffnung im Mai.

Einmal im Jahr findet im Juli die Gold Hill Fair statt; in diesem Jahr soll es der 4. Juli sein. Das für den 4. Mai geplante Shaftesbury Food and Drink Festival ist bereits abgesagt worden. Eines der Highlights dieses Festival ist immer der Gold Hill Cheese Race, bei dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einem ziemlich schweren Käselaib die steile Straße hinaufrennen müssen, was ihnen so einiges abverlangt wie in diesem Film zu sehen ist. Im Blackmore Vale wird Käse produziert, den man zum Beispiel im wahrscheinlich kleinsten Käseladen der Welt, dem Truckle Truck, in Shaftesbury kaufen kann. Der Laden ist in einem über 50 Jahre alten Citroen-Lieferwagen untergebracht, der jeden Donnerstag auf dem Shaftesbury Market steht.

Wer einmal eine Stunde lang „chillen“ möchte, kann sich diesen Film vom Gold Hill ansehen, in dem so gut wie nichts passiert.

Auch ein Hund genießt die schöne Aussicht auf das Blackmore Vale.
Photo © Mr Eugene Birchall (cc-by-sa/2.0)

Wintereinbruch am Gold Hill.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

 

Der Combe Down Tunnel bei Bath in Somerset und seine Klang-Licht-Installation

Als der Chef der britischen Staatsbahnen, Richard Beeching (1913-1985), in den 1960er Jahren seine berühmt-berüchtigte „Beeching axe“ anlegte, um das Streckennetz drastisch zu reduzieren (siehe dazu auch meinen Blogeintrag), traf es auch die Somerset & Dorset Joint Railway, die die Städte Bath und Bournemouth miteinander verband. 1966 wurde die Bahnlinie geschlossen, weil sie angeblich zu unrentabel war. Die Leute, die die Bahn regelmäßig nutzten, waren „not amused“.

Die Linie führte südlich von Bath durch zwei Tunnel, den Devonshire Tunnel und den Combe Down Tunnel; letzterer war mit 1672 Metern einer der längsten Eisenbahntunnel Großbritanniens. Der Combe Down Tunnel war für das Personal auf der Lok nicht ungefährlich, denn es gab im Tunnel keine Ventilationsschächte, so kann man sich gut vorstellen, was da für eine schlechte Luft geherrscht haben musste. Seit 1966 gammelte der unbenutzte Tunnel vor sich hin, bis man auf die Idee kam, ihn für Radfahrer und Fußgänger frei zu geben, was natürlich nicht ohne umfangreiche Renovierungsarbeiten möglich war. Sustrans, eine Organisation, die sich um das über 20 000 Kilometer lange britische National Cycle Network kümmert, nahm den Combe Down Tunnel, und auch den ebenfalls wiederhergestellten Devonshire Tunnel, unter ihre Fittiche und gliederte sie beide als Two Tunnels Greenway in ihre National Cycle Route 244 ein. Am 6. April 2013 war die Eröffnung und damit ist der Combe Down Tunnel der längste Fahrradtunnel auf der Insel.

Damit es den Radfahrern und Fußgängern darin nicht langweilig wird, hat Sustrans eine Klang-Licht-Installation namens „Passage“ darin anbringen lassen. United Visual Artists aus London bekam den Auftrag dafür. In den Nischen des Combe Down Tunnels, die damals für die Arbeiter vorgesehen waren, die während des Zugbetriebs Arbeiten im Tunnel vornahmen, sind jetzt Lichtinstallationen zu sehen, verbunden mit Lautsprecheranlagen über die Musik eingespielt wird, die extra für diesen Zweck von der Komponistin Mira Calix geschaffen wurde. Die Kunstinstallation reagiert auf Bewegungen und wird dadurch in Gang gesetzt. Hier ist ein Film über den Tunnel, den übrigens Fußgänger in etwa 25 Minuten, Radfahrer in 10 Minuten durchqueren.

Nachts muss es ein wenig unheimlich sein, durch diesen langen Tunnel zu laufen oder mit dem Rad zu befahren wie dieser „Ghost Train“-Film zeigt.

 

Dover in Kent und die Gedenkstätten für Ärmelkanalüberquerer

Die Louis Blériot-Gedenkstätte auf der Northfall Meadow.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Dover ist das Einfallstor für viele Besucher vom Kontinent, denn die Fähren vom gegenüberliegenden Calais in Frankreich benötigen für die Strecke nur circa 90 Minuten. Die Luftlinie zwischen den beiden Städten beträgt etwa 42 Kilometer (man scheint sich da nicht so ganz einig zu sein, denn man findet auch die Angabe 48 Kilometer). Für Kanalüberquerer bietet sich diese Strecke also an, auch für die, die auf unkonventionelle Art und Weise diese Strecke zurücklegen wollten/wollen.
Die Stadt Dover hat einige dieser Männer (sorry Ladies, es sind wirklich nur Männer) in Form von Denkmälern geehrt.

Da ist zuerst einmal Louis Charles Joseph Blériot (1872-1936), der als erster Mensch am 25. Juli 1909 den Ärmelkanal von Calais aus in einem Flugzeug überquerte, wofür er 37 Minuten benötigte. Das Flugzeug kann in Paris im Musée des arts et métiers besichtigt werden. Dort wo Monsieur Blériot in Dover landete, auf der Northfall Meadow, ist ein Gedenkstein in Form eines Flugzeugumrisses in den Boden eingelassen worden, mit einer Inschrift, die an das Landedatum erinnert. Die Gedenkstätte liegt etwas nördlich vom Dover Castle.

Knapp ein Jahr später, am 2. Juni 1910, überquerte ein gewisser Charles Stewart Rolls (1877-1910) in einem Flugzeug den Ärmelkanal nonstop hin und zurück; dafür benötigt er 95 Minuten. Tragischerweise starb er nur wenige Wochen später bei Bournemouth bei einem Flugzeugabsturz. Er war der Partner von Sir Frederick Henry Royce (1863-1933), deren Namen man noch heute mit Flugzeugtriebwerken und hochwertigen Automobilen in Verbindung bringt. Das Denkmal für Charles Stewart Rolls ist in Dover auf der Marine Parade zu finden.

Nur wenige Meter von dem Rolls-Denkmal entfernt, ebenfalls an der Marine Parade, steht ein weiteres, das an einen Mann erinnert, der den Ärmelkanal auf andere Weise überquert oder besser durchquert hat: Captain Matthew Webb (1848-1883). Am 24. August 1875 begann er vom Admiralty Pier in Dover aus als erster Mensch den Kanal in Richtung Calais zu durchschwimmen. Das gelang ihm in 21 Stunden und 45 Minuten. Näheres zu Mr Webb in meinem entsprechenden Blogeintrag.

Die Statuen von Charles Rolls und Matthew Webb wurden mehrfach versetzt, bis sie jetzt ihre hoffentlich endgültigen Positionen vor der riesigen Wohnanlage Gateway Flats gefunden haben.

Charles Stewart Rolls an der Marine Parade.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Das Matthew Webb Memorial an der Marine Parade.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

The Gothic Temple im Park von Stowe (Buckinghamshire)

Im Laufe der Jahre habe ich in meinem Blog schon einige der Landmark Trust-Häuser vorgestellt, in denen man wohnen kann. Eines der Prunkstücke im Portfolio der 1965 gegründeten Organisation, die historische Häuser übernommen und restauriert hat und als Ferienunterkunft zur Verfügung stellt, ist der Gothic Temple in einer der schönsten Parkanlagen Großbritanniens, Stowe in Buckinghamshire.

Westlich von Milton Keynes, und beinahe in Hörweite des berühmten Formel1-Kurses von Silverstone gelegen, liegt der von Lancelot „Capability“ Brown (1716-1783) in seiner heutigen Form kreierte Park, die Stowe Landscape Gardens. Mehrere Tempel sind auf dem großen, seit 1986 dem National Trust gehörenden Gelände aufgestellt wie der Queen’s Temple, der Temple of Ancient Virtue, der Temple of British Worthies und eben der großartige, 1741 erbaute Gothic Temple, gestaltet von James Gibbs, einem der Architekten von Stowe. Das Gebäude wurde nicht geschaffen, damit jemand darin wohnt, vielmehr wurde es wegen seiner wunderbaren Aussicht von der Turmspitze genutzt.

Ich möchte heute nicht näher auf die Historie des Gothic Temples eingehen, sondern auf die einmalige Gelegenheit, darin zu wohnen, dank des Landmark Trusts. Wenn alle Besucher den Park verlassen haben beziehungsweise bevor die Tore geöffnet werden, haben die Bewohner des Tempels die Landscape Gardens ganz für sich allein.

Da im Tempel steile Treppen verbaut worden sind, eignet sich die Unterkunft nicht für gehbehinderte Menschen. Im Erdgeschoss befindet sich der Wohnbereich, im ersten Stock sind zwei Schlafzimmer untergebracht. Es gibt eine vollständig ausgestattete Rundküche und ein Badezimmer, beides im Erdgeschoss. Eines der Highlights des Gothic Temples ist sicher die Besteigung des Turmes, der für die Mieter zugänglich ist.
Vier Personen können hier gleichzeitig wohnen; die Übernachtungspreise beginnen bei £641 für vier Nächte in der günstigsten Jahreszeit. Die Nachfrage ist verständlicherweise sehr groß; in Coronazeiten ist man im Gothic Temple weit ab vom Schuss, so ist das Haus in diesem Jahr schon bis September komplett ausgebucht, nur im Oktober sind noch fast alle Termine zu haben. Sein Auto darf man übrigens zum Tempel mitnehmen.

Hier ist ein Film, der den Gothic Temple von innen und von außen zeigt.

Author: Daderot
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The Ark in Hammersmith – Ein interessantes, aber trauriges Gebäude

Ich glaube nicht, dass weiland der biblische Noah auf seine Arche auch ein Paar weißer Elefanten eingeladen hat; von der Hammersmith Ark, also der Arche von Hammersmith, sprach und spricht man immer wieder von einem white elephant, ein Begriff, den man in der deutschen Sprache mit Investitionsruine übersetzen kann.

The Ark steht ganz dicht am Hammersmith Flyover, einer Hochstraße, mit der Adresse 201 Talgarth Road. Im Jahr 1992 wurde das zehnstöckige Gebäude fertiggestellt, das der britische, damals in Schweden lebende und arbeitende Architekt Ralph Erskine (1914-2005) entworfen hatte. Das Gebäude ist 76 m hoch und umfasst 15 600 qm Fläche, drei Jahre dauerte der Bau. Als es dann fertig war, interessierte sich niemand so richtig dafür. Vier Jahre stand es leer, bis sich dann die weltbekannte Getränkefirma Seagram der Arche erbarmte und das Bürogebäude übernahm; aber die Firma fühlte sich offensichtlich hier am Hammersmith Flyover nicht ganz wohl und zog nach wenigen Jahren wieder aus. Der französische Medienkonzern Vivendi übernahm im Jahr 2000, aber auch der wollte sich nicht lange an den weißen Elefanten binden und zog wieder aus. Die Londoner Immobilienfirma Landid kaufte The Ark und baute das Gebäude derart um, dass es auch für mehrere Mieter gleichzeitig für Interesse sein könnte. Ergebnis: Zero; die Hammersmith Ark blieb weiterhin leer. 2013 kaufte sie die Citibank, im Auftrag eines unbekannten Investors. Das letzte was man von der „Investitionsruine“ hörte, war, dass ein großer Zeitungskonzern in den nächsten Jahren eventuell dort einziehen möchte.

Die Situation der Londoner Bürogebäude hat sich durch die Corona-Pandemie geändert. Immer mehr Menschen arbeiten im Home Office vor den Toren der Metropole, was bedeuten könnte, dass sich diese Situation in Zukunft verfestigen wird, mit der Konsequenz, dass weniger Bürofläche im Zentrum der Stadt benötigt wird und Leerstände an der Tagesordnung sein könnten. Schlechte Aussichten für die Hammersmith Ark?

Published in: on 25. Februar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Erinnerungsstätten an die Opfer des Untergangs der Titanic in Southampton (Hampshire) in Bildern

The Titanic Memorial
Author: Reading Tom
Creative Commons 2.0

Die Titanic startete ihre Fahrt ins Unglück in Southampton und aus dieser Stadt stammten auch die meisten Opfer, als das Schiff am 15. April 1912 im Nordatlantik unterging. 539 Crewmitglieder aus Southampton starben in dieser Nacht in den kalten Fluten des Meeres. Gräber, in denen niemand liegt, findet man überall auf den Friedhöfen der Stadt, mit verwitterten Inschriften, auf denen die Namen der Ertrunkenen stehen. Vor allem auf dem Old Cemetery stehen viel Grabsteine. Es gibt mehrere Gedenkstätten in Southampton, auch einen Pub mit dem Namen „The Titanic„, der an der Simnel Street steht. Ich habe hier einige Bilder von diesen Gedenkstätten zusammengestellt.

The Titanic Engineers‘ Memorial. Hier ist ein Film dazu.
Author: andyoakley
Creative Commons 2.0

The Titanic Musicians‘ Memorial am Cumberland Place.
Author: R-P-M
Creative Commons 2.0

Titanic Crew Memorial.
Author: R-P-M
Creative Commons 2.0

Grabstein von Arthur Veale, der im Alter von 34 Jahren mit der Titanic unterging.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. Februar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Roedean School in East Sussex – Eines der renommiertesten Mädcheninternate in Großbritannien

Wenn ich das Wort Mädchenschule hören, fallen mir als erstes die chaotischen sexy Teenage Girls aus den beiden Spielfilmen „The Girls of St Trinian’s“ ein, bei denen das Lernen auf ihrer Prioritätenliste ganz weit unten angesiedelt war, und sie lieber jede Menge Unfug anstellten. Ganz anders sieht das Leben in der Roedean School aus, die zu den Top-Mädchenschulen Großbritanniens zählt. Die Eltern der jungen Damen müssen schon etwas tiefer in die Tasche greifen, wenn sie ihren Töchtern eine vorzügliche Ausbildung angedeihen lassen wollen, denn die Kosten pro Trimester beginnen bei £10,990 für die jüngsten Mädchen und enden bei £13,305 für die ältesten; da ist die Vollverpflegung mit eingeschlossen. Die Schülerinnenzahl liegt bei etwa 620, davon sind etwas über die Hälfte Internatsschülerinnen, der Ausländeranteil liegt bei rund 40%.

Die Schule hat eine einzigartige Lage, sie liegt in Sichtweite des Ärmelkanals, neben dem Ort Roedean (East Sussex) und ist nur wenige Meter vom Seebad Brighton entfernt. Auch die Schulgebäude sind sehr imposant; sie wurden 1898 von dem Architekten Sir John William Simpson entworfen, der auch das Londoner Wembley Stadion und noch weitere Schulen erbaut hat. Die Schwestern Penelope, Millicent und Dorothy Lawrence hatten die Schule schon 1885 gegründet, die dann 1898 auf das Gelände nahe des Ortes Roedean zog. Seitdem ist die Mädchenschule in Betrieb, nur unterbrochen während des Zweiten Weltkriegs als die Kinder in das sicherere Keswick (jetzt in Cumbria) gebracht und die Gebäude in Roedean vom Militär genutzt wurden.

Wer die Schule besuchen möchte, muss erst einmal einige Hürden nehmen in Form von Prüfungen und Interviews, denn die Roedean School  stellt hohe Ansprüche; dafür haben die Schülerinnen nach Bestehen ihrer Abschlussprüfungen gute Chancen für ihre berufliche Zukunft.

Eine ganze Reihe von Schauspielerinnen absolvierten die Rodean School wie die beiden Schwestern Perdita und Honeysuckle Weeks, Sarah Miles und Rebecca Hall; auch Roald Dahl schickte seine Tochter Tessa nach East Sussex.

Dieser Film zeigt einen Drohnenflug über das Schulgelände und hier kann man sich einen Eindruck vom Leben in der Schule verschaffen.

Roedean School
Roedean Way
Brighton
BN2 5RQ

Ein Blick auf die Schule von der Brighton Marina aus.
Author: Dominic’s Pics
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Published in: on 23. Februar 2021 at 02:00  Comments (1)  

The Word – National Centre for the Written Word in South Shields (Tyne and Wear)

Nur wenige Schritte vom Tyne River entfernt, am Market Place, steht in South Shields (Tyne and Wear) ein Gebäude, das sofort ins Auge fällt, es ist The Word – The National Centre for the Written Word. Ein vielleicht etwa hochgestochener Name für ein Kulturzentrum mit Bibliothek, aber es ist schon etwas Besonderes, was hier in der Stadt im Nordosten Englands entstanden ist. Angesichts der immer problematischer werdenden Situation der Öffentlichen Bibliotheken in England wollte der South Tyneside Council ein Zeichen setzen, dass Bibliotheken im 21. Jahrhundert durchaus eine Rolle spielen und ließ im Jahr 2016 dieses Gebäude errichten. „My dream library“ nennt die Krimiautorin Ann Cleeves die Bibliothek in South Shields. Das Innenleben von The Word wurde so flexibel gestaltet, dass das Haus jederzeit in der Zukunft auf neue Entwicklungen reagieren kann. Es ist ein Begegnungszentrum für Jung und Alt entstanden, mit Ausstellungen, Veranstaltungen, Schriftstellerlesungen usw. Die Bibliothek beinhaltet 70 000 Bücher, für Kinder gibt es die Storyworld, „a magical world of fun, fantasy and adventure“, das FabLab bietet angehenden jungen Designern alle Möglichkeiten, mit 3D-Druckern und anderen neuen technischen Geräten ihre Ideen umzusetzen, und im Café kann man an sieben Tagen in der Woche frühstücken oder ein Mittagessen zu sich nehmen.

Wie gut The Word gleich zu Beginn bei den Bürgern von South Shields und Umgebung angenommen wurde, zeigt, dass bereits in der ersten Woche 24 494 Besucher gezählt wurden, in den ersten fünf Monaten waren es über 220 000. Die Gesamtfläche des Gebäudes beträgt übrigens 4 115 qm.

Der Entwurf von The Word wurde von dem Architektenbüro FaulknerBrowns aus Newcastle-upon-Tyne konzipiert, das eine Fülle von Auszeichnungen dafür erhielt wie den renommierten RIBA National Award, den Award for Excellence in Architectural Technology und Social Infrastructure Project of the Year, um nur einige zu nennen.

Dieser kurze Film verschafft einen kleinen Einblick in The Word.

Der St Alban’s Tower in der Londoner Wood Street – Ein Kirchturm, verloren zwischen Hochhäusern

Es gibt zwei Ereignisse in der Geschichte Londons, die den Kirchen der Stadt besonders großen Schaden zugefügt haben: Der Große Brand von London im Jahr 1666 und die Luftangriffe der deutschen Luftwaffe, The Blitz, 1941/42. Jedes Mal wurden zahlreiche Kirchen in Schutt und Asche gelegt, einige riss man komplett ab, einige baute man wieder auf.

Die Kirche St Alban’s in der Wood Street in der City of London, benannt nach dem Heiligen Alban, dem ersten christlichen Märtyrer auf der Insel, ereilte beide Schicksale. Sie fiel dem Großen Brand zum Opfer und wurde von niemand anderem als dem Stararchitekten seiner Zeit, Sir Christopher Wren, wieder aufgebaut und zwar in dem sogenannten Perpendicular Gothic-Stil. 1685 war die Kirche fertig gestellt und nahm ihren Dienst wieder auf. Ein weiterer Stararchitekt, Sir George Gilbert Scott, nahm sie sich 1858/59 noch einmal vor und restaurierte sie. Und dann ereilte St Alban’s der zweite Schicksalsschlag, als sie am 29. Dezember 1940 von einer Bombe getroffen wurde, die ein deutsches Flugzeug über London abgeworfen hatte. Dieses Mal lohnte ein Wiederaufbau nicht, da alles in Trümmern lag…bis auf den Kirchturm, der  auf wundersame Weise stehengeblieben war. In den 1960er Jahren räumte man die Reste der Kirche ab, die Glocken sind auch längst abgehängt worden und in den 1980er Jahren entstand aus dem alten Turm ein privates Wohngebäude. Das Ungewöhnliche daran ist, dass der St Alban’s Tower mitten auf einer Verkehrsinsel steht und der Verkehr auf beiden Seiten um das alte Gemäuer herumgeleitet wird.  Um den Turm herum sind im Laufe der Jahre Hochhäuser entstanden, wodurch er etwas verloren wirkt, ein Relikt aus einer früheren Zeit.

Der St Alban’s Tower diente in dem 2009 erschienen Spielfilm „St Trinian’s 2: The Legend of Fritton’s Gold“ (dt. „Die Girls von St Trinian 2: Auf Schatzsuche“), den ich ziemlich albern fand, als Hauptquartier der Geheimgesellschaft AD1. Die Außenaufnahmen wurden hier in der Wood Street gedreht.

Der Clavell Tower an der Küste von Dorset – Folly, Unterkunft und Filmdrehort

Warum der Reverend John Richards Clavell im Jahr 1830 den nach ihm benannten Turm  an der Küste der Grafschaft Dorset errichten ließ, ist nicht mehr ganz nachzuvollziehen. Man kann den Clavell Tower aber in der Kategorie „Folly“ einordnen. Der Turm sieht toll aus mit seinen zwölf Säulen und dem Rundum-Balkon. Ob es eine gute Idee war, ihn so dicht an die abbruchgefährdeten Klippen zu bauen, wage ich zu bezweifeln, denn er musste im Herbst 2006 etwa 25 Meter landeinwärts verrückt werden (ob das wohl reicht?), mit riesigem Aufwand, denn jeder der mehr als 16 000 Steine wurde abgebaut, nummeriert und fotografiert und dann wieder komplett zusammengefügt. Veranlasst hatte das der Landmark Trust  (ich habe mehrfach über den Trust in meinem Blog berichtet), denn der wollte den attraktiven Turm seinen Gästen zur Vermietung anbieten…mit großem Erfolg wie sich zeigte, denn der Clavell Tower gehört zu den begehrtesten Objekten im Portfolio des Landmark Trusts. Die Gäste haben von dem vierstöckigen Turm einen grandiosen Ausblick auf die Kimmeridge Bay.

Schon der Schriftsteller Thomas Hardy hatte sich in den Turm verliebt und traf sich hier mit seiner damaligen Geliebten Eliza Nicholl. Er fertigte eine Skizze des Clavell Towers an und platzierte sie gegenüber der Titelseite seiner „Wessex Poems„.

Die Krimiautorin P.D. James hatte ebenfalls eine Schwäche für den Tower of the Winds, wie der Clavell Tower auch genannt wird, entwickelt und ließ sich durch ihn 1975 zu ihrem Roman „The Black Tower“ (dt. „Der schwarze Turm“) inspirieren, den die BBC 1985 in eine Mini-Serie mit demselben Titel umwandelte. Dann nehmen wir doch gleich „the real thing“ sagten sich die Filmproduzenten und benutzten für die Dreharbeiten den Clavell Tower. Hier ist die erste Folge zu sehen.

Die Rockgruppe The Style Council drehten ihr Musikvideo „The Boy who cried wolf“ am Turm und hatten damit eine gute Wahl getroffen.

Dieser Film zeigt einen Flug über den Clavell Tower und die Kimmeridge Bay.

Der Turm, bevor er zurückversetzt wurde.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Auch Schwalben lieben den Clavell Tower.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. Januar 2021 at 02:00  Comments (2)  
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Lyme Regis in Dorset Teil 1: Das historische, leerstehende Three Cups Hotel

Heute und morgen begeben wir uns wieder einmal in den Küstenort Lyme Regis in Dorset; über einen Besuch dort habe ich vor längerer Zeit in meinem Blog berichtet. Cinéasten erinnern sich vielleicht an den Spielfilm „Die Geliebte des französischen Leutnants“ mit Meryl Streep und Jeremy Irons, der hier gedreht wurde, nach dem gleichnamigen Roman von John Fowler, der in Lyme Regis lebte. Überhaupt war die hübsche kleine Stadt Treffpunkt von einer ganzen Schar von Schriftstellern, die sich gern die frische Seeluft um die Nase bliesen ließen.

Jane Austen war hier im Jahr 1804 in einer Pension in der Broad Street Nummer 18 zu Gast. Große Teile ihres Romans „Persuasion“ (dt. „Überredung“) spielen in Lyme Regis und Umgebung. Drei Verfilmungen diese Romans fanden am Originalschauplatz statt wie zum Beispiel dieser. Aus der Pension wurde später ein Hotel, das Three Cups Hotel, das von den literarischen Besuchern der Stadt gern als Übernachtungsort gewählt wurde. Das waren beispielsweise Alfred Lord Tennyson, der es liebte, auf Jane Austens Spuren zu wandeln, der Amerikaner Henry Wadsworth Longfellow, der gebürtige Franzose Hilaire Belloc und Gilbert Keith Chesterton, die beide häufig zusammenarbeiteten, und John Ronald Reuel Tolkien, der Schöpfer des Fantasyepos „Der Herr der Ringe“, der hier schrieb und zeichnete, unter anderem das Bild „Lyme Regis Harbour from the drawing Room of The Three Cups Hotel„. Das Hotel war auch Drehort des oben genannten Films „Die Geliebte des französischen Leutnants“.

Es ist ein Jammer, dass das Three Cups Hotel seit nunmehr dreißig Jahren leer steht. Das an sich architektonisch interessante Gebäude verfällt zusehends; der Fotograf Andrew Blackmore hat Aufnahmen aus dem Inneren des baufälligen Gebäudes gemacht. Eigentümerin ist die Palmers Brewery in Bridport (Dorset), die Pläne angekündigt hat, das Haus umzugestalten. Wenn die Pläne akzeptiert werden, wird es kein neues Hotel geben, sondern Apartments und ein Restaurant; die historischen Elemente des ehemaligen Hotels sollen erhalten bleiben. Geplanter Beginn der Bauarbeiten: 2021.

Das ehemalige Hotel ist auf der rechten Seite zu sehen.
Author: Darkroom Daze
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Der Londoner Elizabeth Tower und wie man ihn besichtigen kann

Nicht sehr schön anzusehen: Der in Gerüsten gekleidete Elizabeth Tower.
Author: oatsy40
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Seit dem Jahr 2017 ist der Londoner Elizabeth Tower, neben dem Parlamentsgebäude gelegen, und von den meisten Touristen Big Ben genannt, in Gerüste gehüllt. Er wird renoviert und soll 2021 wieder fertig gestellt sein. Eine lange Zeit war von dem Wahrzeichen Londons nicht viel zu sehen und von der berühmten Glocke The Great Bell nichts zu hören, aber das wird sich wohl bald ändern.

Der Glockenturm ist zu besichtigen, ABER: Das ist gar nicht so leicht zu bewerkstelligen und für viele Londonbesucher unmöglich, denn er ist nur für „UK residents“ zugänglich, alle Besucher aus anderen Ländern sind außen vor… und das auch schon in den Vor-Brexitzeiten. Aber auch wer „UK resident“ ist, kann da nicht so einfach in den Turm hineinspazieren, denn man braucht dafür die Einladung bzw. Genehmigung eines Parlamentsabgeordneten oder eines Mitglieds des House of Lords.

Haben die Turmbesucher in spe diese Hürde genommen, kann es sein, dass sie auf weitere stoßen, die sie von einem Gang in die luftigen Höhen abhalten. Da ist einmal das Alter; wer unter elf Jahren ist, kann gleich draußen bleiben. Menschen mit Herzproblemen haben ebenfalls keinen Zutritt, was auch für Schwangere gilt, deren Schwangerschaft schon weit fortgeschritten ist. Schließlich möchte man nicht, dass neben der Great Bell plötzlich einen Geburt stattfindet.

Wer gebrechlich aussieht, dürfte schlechte Karten für eine Turmbesteigung haben, denn es sind 334 Stufen zu bewältigen und einen Aufzug gibt es nicht. Rollatorfahrer und Menschen mit Gehhilfen: Forget it! Kommen Besucherinnen beispielsweise zum Besteigungstermin (das Wort klingt irgendwie komisch) in High Heels, können sie gleich wieder umdrehen und nach Hause fahren, denn entsprechendes Schuhwerk ist vorgeschrieben.

Ach ja, eines braucht man auf jeden Fall, wenn man den Elizabeth Tower besuchen möchte, nämlich Geduld. Die Nachfrage ist so groß, dass man so um  die sechs Monate warten muss, bis wieder ein Termin frei wird.

Besonders Wagemutige können den Turm auch auf diese Weise besteigen. Den Abstieg kann ich allerdings nicht so empfehlen.

So wird der Turm hoffentlich bald wieder aussehen, wenn die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sind.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 25. Dezember 2020 at 02:00  Comments (7)  
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Wer war eigentlich … Downing, nach dem die Downing Street in London benannt wurde?

Sir George Downing (1623-1684). – This image is in the public domain because its copyright has expired.

Die Adresse „Number 10 Downing Street“ kennt wohl jedes Kind als Sitz des britischen Premierministers. Nach wem wurde die kurze Straße im Londoner Zentrum nun eigentlich benannt? Gab es jemanden, der Downing hieß?

Ja, den gab es, und zwar war der Namensgeber der bekanntesten Straße im ganzen Königreich Sir George Downing, der von 1623 – 1684 lebte, ein Diplomat und Staatsmann, der seinerzeit als Treasury Secretary, Finanzminister, für einige weit reichende Reformen im öffentlichen Finanzwesen verantwortlich war. Außerdem spielte Downing bei der Erwerbung der Stadt New York von den Holländern eine wesentliche Rolle.
Im Laufe seines Lebens schaffte Downing auch eine ganze Menge Geld für sich beiseite und war der größte Landbesitzer in ganz Cambridgeshire. Er galt zwar als geschickter Diplomat und ausgezeichneter Finanzjongleur, sein Ruf war aber nicht so ganz ungetrübt, denn er schien ein richtiger Geizkragen gewesen zu sein (aber als Finanzminister muss man das wohl sein).

Man hatte seinerzeit den Straßennamen gut gewählt, denn in der Downing Street, der Nummer 11, residiert auch der britische Schatzkanzler, der für die Finanzen des Staates verantwortlich ist, das ist seit dem 13. Februar 2020 Rishi Sunak von der Konservativen Partei.

Im Jahr 2014 kam der Actionthriller „He who dares: Downing Street Siege“ (dt. „Downing Street Down“) in die Kinos, in dem die Straße eine bedeutende Rolle spielt.

In anderen Städten Englands gibt es auch Straßen mit dem Namen Downing Street, zum Beispiel in Farnham in Surrey. In der dortigen Nummer 10 ist ein Tattoo-Studio untergebracht.

Schwer bewacht, die Londoner Downing Street.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

 

Die bekannteste Tür in Großbritannien?
Author: UK Prime Minister
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Downing Street No. 10 1/4, ein „Dinky Doors“ Street Art Projekt in Cambridge.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

M.P. Micky Mouse oder Wie das britische Parlament mit einer Mäuseplage zu kämpfen hat

Der Westminster Palast, der das britische Ober- und Unterhaus beherbergt, liegt majestätisch am Themseufer und gehört zu einem der Highlights einer jeden Londoner Stadtrundfahrt. Am 27. April 1840 erfolgte die Grundsteinlegung für den Wiederaufbau des Palastes, der am 16. Oktober 1834 einem Feuer zum Opfer gefallen war. Charles Barry war damals der maßgebende Architekt, der zusammen mit Augustus Pugin, das riesige Gebäude erstehen ließ, in dem noch heute die Parlamentarier ein und aus gehen und in dem, gerade in der letzten Zeit, hitzige Debatten geführt wurden.

Doch sieht man einmal hinter die Kulissen des Palace of Westminster entdeckt man immer mehr Probleme, die wohl auch in Zukunft zunehmen werden. Vieles ist marode, in den Kellergewölben ziehen sich brüchige Versorgungsleitungen und -kabel entlang, die nicht mehr heutigen Standards entsprechen. In den Büros kommt es schon mal vor, dass es von der Decke heruntertropft. Außerdem ist das Parlamentsgebäude zum Lieblingsaufenthaltsort Londoner Mäuse geworden. Über eine halbe Million Nager sollen hier ihre Zelte aufgeschlagen haben und den Palast unsicher machen. Da es in dem Gebäude zwischen den Wänden und unter den Fußböden unzählige Nischen, Lücken und Aushöhlungen gibt, sind das für Mickey Maus und seine Freunde paradiesische Zustände, und die lustige Bande wird immer frecher und wagt sich zunehmend aus ihren Verstecken hinaus, um sich dort umzuschauen, wo britische Politik gemacht wird. Kaum einer der Parlamentsmitglieder, der noch keine Begegnung mit einem der Nager hatte. Besonders beliebt sind die Kantinen und Restaurants, wo es immer Leckereien zu finden gibt, und da laufen die possierlichen Tierchen auch schon über die Füße der Essenden, um an ihre Nahrung zu gelangen.

Alle bisherigen Maßnahmen, der Mäusegesellschaft Herr zu werden, haben nichts genützt. Hunderttausende Pfund sind schon ausgegeben worden, ohne nennenswerten Erfolg. Es gibt sogar Statistiken über die monatlichen Mäusesichtungen. Der Ruf nach Katzen wird immer lauter, die den Parlamentariern helfen sollen, aber bei der riesigen Menge an Mäusen, wäre das eine Herkulesaufgabe für sie. Vielleicht könnte Boris Johnson seinen Downing Street 10-Kater Larry ausleihen, der für eine mäusefreie Residenz des Premierministers sorgt.

Dummerweise haben Mäuse auch eine Vorliebe, an Stromkabeln zu nagen (aus Ärger, dass man sie in den Restaurants und Bars des Hauses nicht willkommen heißt), was wiederum zu gefährlichen Situationen führen kann. Brände könnten sich entwickeln und der Westminster Palace abgefackelt werden. Was Guy Fawkes am 5. November 1605 nicht schaffte, könnte den kleinen Nagern heute gelingen.

Wie man es auch dreht und wendet, das Parlamentsgebäude muss von Grund auf saniert werden… und das wird sehr, sehr teuer. Ob das nach dem Brexit am 1. Januar 2021 finanziell noch möglich sein wird?

Larry, the Downing Street Cat. 
Author: UK Prime Minister
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Published in: on 14. Dezember 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Dartford in Kent und Straßen, die nach Rolling Stones-Songs benannt wurden

Hätte es den Bahnhof von Dartford in Kent nicht gegeben, wäre die berühmteste Rockband der Welt vielleicht nie entstanden. 1961 trafen sich Mick Jagger und Keith Richards hier auf einem Bahnsteig und fuhren regelmäßig gemeinsam nach London. Die Geburtsstunde der Rolling Stones hatte geschlagen. Die Stadt Dartford ehrte Mick Jagger, indem sie ein Veranstaltungszentrum nach ihm benannte (siehe dazu meinen Blogeintrag). Der Dartford Borough Council ließ auf dem Bahnhof eine Plakette anbringen, auf der es heißt, das sich Mick Jagger und Keith Richards am 17. Oktober 1961 auf Bahnsteig 2 trafen und eine der berühmtesten Bands der Welt gründeten.

Als man vor etwa mehr als zehn Jahren ein neues Wohngebiet im Norden Dartfords ins Leben rief, überlegte sich der Council, welche Straßennamen dafür verwenden werden sollten. Die neue Siedlung hieß The Bridge, nach der Queen Elizabeth II Bridge, die ganz in der Nähe die Themse überquert. Da besann man sich erneut an die beiden großen Söhne der Stadt und benannte einige Straßen nach den Songs der Rolling Stones.

Da gibt es zum Beispiel den Ruby Tuesday Drive. Der Song „Ruby Tuesday“ wurde Ende 1966 aufgenommen und 1967 veröffentlicht; im Mittelpunkt des Textes steht die damalige Freundin Keith Richards, Linda Keith. Die Straße geht von der Binnie Road ab und endet auch wieder auf ihr.
Auch die Straße Stones Avenue geht von der Binnie Road ab. Die Stones Avenue wiederum wird geschnitten von der Straße Sympathy Vale, benannt nach dem Song „Sympathy for the Devil“ aus dem Jahr 1968, veröffentlicht auf dem Album „Beggar’s Banquet“.

Von Sympathy Vale geht eine Sackgasse ab, die den Namen Angie Mews trägt; „Angie“ entstand 1973, „Goats Head Soup“ hieß das dazu gehörige Album.

Von der Stones Avenue geht der Lady Jane Place ab, der an den Song „Lady Jane“ erinnert, der 1966 auf dem Stones-Album „Aftermath“ veröffentlicht wurde, ebenso der Rambler Lane, nach dem Song „Midnight Rambler“ aus dem Jahr 1969 benannt (LP „Let it Bleed“), und die Tumbling Dice Mews. „Tumbling Dice“ erschien 1972 auf dem Album „Exile on Main Street“.

Es gibt noch einige weitere Straßen im Bridge Estate, die nach Songs der Rolling Stones benannt sind, aber ich glaube, das ist erst einmal genug.

Siehe zum Thema noch meinen Blogeintrag über das Rolling Stones Museum in Lüchow.

Published in: on 23. November 2020 at 02:00  Comments (8)  
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Die Squeeze-ee-Belly Alley in Port Isaac (Cornwall) – Eine der engsten Straßen der Welt

Wodurch kennt man Port Isaac an der Nordküste von Cornwall vor allem? Ja, als Drehort der populären TV-Serie „Doc Martin“ und als Heimat des Shantychors Fisherman’s Friends, der durch den gleichnamigen Film im vorigen Jahr auch international bekannt wurde. Es gibt noch eine weitere Besonderheit in Port Isaac, die vielleicht nicht ganz so bekannt ist. Von der Dolphin Street geht zwischen den beiden Häusern Honey Cottage und Temple Cottage eine extrem schmale Straße in Richtung Fore Street ab, Temple Bar genannt. Ein Mindestabstand einzuhalten, ist hier in Coronazeiten absolut unmöglich. An der schmalsten Stelle ist das Sträßchen gerade einmal 45 cm breit, daher hat man es auch Squeeze-ee-Belly Alley bezeichnet (als einmal eine umfangreiche Dame diesen Weg nehmen wollte, riet man ihr, den Bauch einzuziehen, damit sie nicht stecken bliebe). Das Guinness Book of Records verzeichnete Temple Bar in der Ausgabe von 1978 sogar als schmalste, öffentliche Durchgangsstraße der Welt. Aber, sorry Port Isaac, Deutschland kann es noch schmaler, denn die  Spreuerhofstraße in Reutlingen ist an der engsten Stelle nur 31 cm breit.

Der Name Temple Bar kommt von dem ehemaligen Besitzer des Temple Cottage, der … Temple hieß, und manchmal machte der Herr einen Balken (=bar) vor den Zugang, damit dort niemand hindurchlief, was wahrscheinlich bei den Anwohnern nicht so gut ankam.

Ein Besuch in Port Isaac lohnt sich allemal; etwas umfangreich geratene Zeitgenossen müssen ja nicht unbedingt die Squeeze-ee-Belly Alley nehmen (hier ist ein kurzer Film).

Der Konkurrent in Reutlingen: Die Spreuerhofstraße.
Author: Bloutiouf
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Published in: on 22. November 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Garrick’s Temple to Shakespeare am Ufer der Themse in Hampton (Greater London)

David Garrick war einer der bedeutendsten Schauspieler des 18. Jahrhunderts. Er lebte von 1717 bis 1779, und ihm wurde die Ehre zuteil, in der Poet’s Corner in der Westminster Abbey beigesetzt zu werden. Sein Durchbruch gelang ihm mit der Verkörperung Richards III. im gleichnamigen Schauspiel von William Shakespeare, und dem Barden von Stratford-upon-Avon blieb Garrick sein Leben lang verbunden. Der Schauspieler vergötterte ihn und setzte ihm ein Ehrenmal an der Themse in Hampton (Greater London), nur unweit vom Hampton Court Palace entfernt. 1754 hatte sich David Garrick hier in einem Haus niedergelassen (Garrick’s Villa steht noch heute an der Hampton Court Road, ist aber in Wohnungen aufgeteilt worden), eine tolle Lage mit wunderschönem Blick auf den Fluss. Die Gärten am Ufer gehörten zum Grundstück, waren aber zu Garricks Ärger durch eine Straße von seiner Villa getrennt; also ließ er einen Tunnel bauen, durch den er zum Themseufer gelangen konnte. Und an diesem Standort entstand der Garrick’s Temple to Shakespeare genannte attraktive Bau mit Kuppel und ionischen Säulen vor dem Eingang, die den Portikus stützen. Der Temple besteht nur aus einem Raum, in dem David Garrick Erinnerungsstücke an Shakespeare aufbewahrte. Im Mittelpunkt stand eine Statue des Barden, die der französischen Bildhauer Louis-François Roubiliac im Auftrag von Garrick angefertigt hatte. Nach dem Tod des Schauspielers wurde diese Statue in das British Museum überführt, wo sie noch heute in der King’s Library zu sehen ist. Als Ersatz ließ das Museum eine Kopie anfertigen und in Garrick’s Temple aufstellen.

Das schöne Gebäude am Themseufer, in dem Garrick auch arbeitete und Freunde empfing, ging nach dem Tod des Schauspielers durch mehrere Hände. In den 1970er Jahren und auch später stand es vernachlässigt da, Ziel von Vandalen und Dieben, die Bausubstanz war stark in Mitleidenschaft gezogen. Es hätte nicht viel gefehlt und Garrick’s Temple wäre abgerissen worden, doch glücklicherweise wurde er in den 1990er Jahren gerettet, der Lottery Heritage Fund steuerte Geld zur Restaurierung bei, und namhafte britische Schauspieler wie Sir John Gielgud und Dame Judi Dench setzten sich mit Spenden für den Erhalt des Tempels ein.

Garrick’s Temple to Shakespeare ist öffentlich zugänglich, allerdings nur an Sonntagnachmittagen von April bis Oktober. Zu sehen ist im Inneren eine Ausstellung über David Garrick. In diesem Film sind Bilder des ansprechenden Baues zu sehen.

Die Charborough Wall in Dorset – Eine der längsten Mauern im Königreich

Mein heutiger Blogeintrag schließt an den vom 9. Dezember 2017 an, als ich den Charborough Tower, einen Folly auf dem Gelände des Charborough Parks in Dorset, vorstellte. Haus und Park gehören dem Parlamentsabgeordneten für South Dorset namens Richard Plunkett-Ernle-Erle-Drax, dessen Familie schon seit Jahrhunderten hier in Dorset ansässig ist.

Eine Besonderheit von Charborough Park ist die Mauer, die sich schier endlos entlang der A31 erstreckt und eine der längsten Backsteinmauern in ganz Großbritannien ist. Erbaut wurde sie 1841/42 von John Samuel Wanley Sawbridge-Erle-Drax, einem Exzentriker, der ebenfalls Parlamentsmitglied war. Wie dem Blog Richard Drax‘ zu entnehmen ist, zeichnete sich sein Vorfahre im Parlament dadurch aus, dass er sich in 32 Jahren nur ein einziges Mal zu Wort meldete und das war als er den Speaker bat, das Fenster zu öffnen. Nicht schlecht war auch seine Idee, an seinem Mausoleum einen Briefkastenschlitz einzubauen, so dass er nach seinem Tod jeden Tag die druckfrische Times erhalten konnte.

Nachdem also John Samuel Wanley Sawbridge-Erle-Drax den Charborough Tower nach einem Blitzeinschlag wieder hat restaurieren lassen, machte er sich an den Mauerbau. Rund fünf Kilometer lang ist „The Wall“ und etwa zwei Millionen Steine wurden darin verbaut. Und da lange Mauern auf Dauer langweilig sind, hat man zur Auflockerung das Stag Gate und die Lion Lodge integriert. Der Hirsch steht auf einem großen Torbogen und viele, die am Stag Gate vorbeigefahren sind, haben sich gefragt, warum denn der Hirsch fünf Beine hat. Schaut man genauer hin, so handelt sich hier um einen ganz normalen vierbeinigen Hirsch, dem der Bildhauer lediglich aus Stabilitätsgründen einen kleinen Baumstamm spendiert hat, der wie ein fünftes Bein wirkt. Der Kollege des Hirschen, der Löwe auf der Lion Lodge, dagegen kommt ohne so ein Hilfsmittel aus und turnt oben auf dem Torbogen vierpfötig herum.

Wie es hinter der Mauer ausschaut, zeigt dieser Film.

Ooops…wer war das?
Author: John Palmer
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Published in: on 16. November 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Mary Wollstonecrafts umstrittene Statue im Londoner Park Newington Green

Newington Green im Norden Londons spielte eine große Rolle im Leben der Mary Wollstonecraft (1759-1797), einer der größten Frauenrechtlerinnen in der Geschichte Englands (und Mutter Mary Shelleys, Schöpferin des Romans „Frankenstein“). Hier begann sie ihre schriftstellerische Karriere mit Kinderbüchern, Übersetzungen und Rezensionen, bevor sie 1792 mit „A Vindication of the Rights of Woman“ international auf sich aufmerksam machte. Hier etablierte Mary Wollstonecraft, zusammen mit ihrer Schwester Eliza, im Jahr 1784 auch eine Schule nur für Mädchen.

Was hätte Mary wohl damals Ende des 18. Jahrhunderts dazu gesagt, wenn sie gewusst hätte, dass sie einmal im Park von Newington Green mit einer nackten Statue verehrt werden würde? Ich glaube nicht, dass sie das positiv aufgenommen hätte.

Am 10. November 2020 war es soweit: Die Enthüllung der Statue wurde vollzogen, nach einer neun Jahre dauernden Kampagne der Mary on the Green-Gruppe, die sich dafür einsetzte, der Frauenrechtlerin endlich ein Denkmal zu setzen. „Over 90% of London’s statues commemorate men leaving many incredible women uncelebrated and ignored like Mary Wollstonecraft“ heißt es auf der Webseite der Gruppe; das hat nun ein Ende, denn nach der Sammlung von Spenden in Höhe von £143,300 konnte die Statue in Auftrag gegeben und jetzt vor wenigen Tagen enthüllt werden.

Doch kaum war sie für die Öffentlichkeit sichtbar, entstand ein Streit darüber. Warum musste Mary denn unbedingt nackt dargestellt werden, fragten sich die einen, während andere damit kein Problem hatten. Die Bildhauerin Maggi Hambling (die ich in meinem Blog schon einmal mit der Skulptur „A Conversation With Oscar Wilde“ in der Londoner Adelaide Street vorstellte) ist die Schöpferin des Kunstwerks, und sie begründet die nackte Darstellung so: Hätte sie Mary in zeitgenössischer Kleidung gezeigt, so wäre sie ein Teil der Vergangenheit gewesen, durch die Nacktheit ist sie aber ein Stück Gegenwart, und das auszudrücken, war für sie sehr wichtig. Das Denkmal trägt die Inschrift “I do not wish women to have power over men, but over themselves”, ein Satz aus der Feder Mary Wollstonecrafts. Hier ist ein Film über das Denkmal.

Die Parkanlage befindet sich an der A105, der Newington Green Road.

Plakette an der Newington Green Primary School.
Author: OpenPlaques
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The Mercury Fountain des Christ Church College in Oxford

Das altehrwürdige Christ Church College in Oxford kann sich rühmen, den größten Innenhof, Quad, von allen Colleges der Stadt zu besitzen. Die Anlage des rund 80×80 Meter großen Quads begann bereits in den Jahren 1525 bis 1529 unter Kardinal Wolsey, und auch heute noch ist er ein imposanter Anblick. Der Tom Tower (siehe dazu meinen Blogeintrag) überragt das College, und daher wird das Geviert auch Tom Quad benannt.

Eine Besonderheit des Christ Church College Quads ist der Mercury Fountain, ein Springbrunnen auf der Rasenfläche, der dem römischen Gott Merkur gewidmet ist, dem Gott der Händler und Diebe, aber vor allem als Götterbote bekannt. In dem Brunnen schwimmt ein großer Koi-Karpfen, den die Kaiserin von Japan im Jahr 2007 dem College schenkte. Glücklicherweise gab es den Koi noch nicht, als im College ein merkwürdiger Brauch ausgeübt wurde (der allerdings vor dem Zweiten Weltkrieg eingestellt wurde), bei dem die Studenten, die sich besonders sportlich hervortaten, die Kollegen, die eher intellektueller Natur waren, in den Mercury Fountain warfen. So etwas wäre sicher ganz nach dem Geschmack Boris Johnsons gewesen, der war aber im Balliol College.

Der bronzene Merkur, der heute den Brunnen bewacht, ist nicht der ursprüngliche, 1695 aufgestellte und dem College von dem berühmten Arzt John Radcliffe geschenkte Götterbote. Der wurde 1817 nämlich von dem 14. Earl of Derby, dem späteren Premierminister, als Studentenstreich von seinem Sockel geholt. Merkurs Kopf wird in der College-Bibliothek aufbewahrt. Über hundert Jahre stand der Brunnen „gottlos“ auf dem Rasen des Tom Squads bis schließlich 1928 ein neuer Merkur den Platz des früheren einnahm, das Geschenk eines wohlmeinenden Gönners. Diese Figur ist die Kopie einer Merkurstatue des Giovanni da Bologna, der sich im 16. Jahrhundert mit seinen Skulpturen und Brunnenfiguren in Italien einen Namen gemacht hatte.

1951 gelang dem Kapitän der Golfmannschaft des Christ Church College, P.F. Gardiner Hill, ein einmaliger Schlag, der nie wiederholt werden konnte. Vom Peckwater Building aus schlug er den Golfball über das Dach der Bibliothek direkt in den Merkurbrunnen auf dem Tom Squad, ein Hole-in-One wie es besser nicht sein kann.

Der Tom Quad mit dem Brunnen in der Mitte.
Author: roger4336
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Queen Anne’s Alcove im Londoner Hyde Park

Es sieht so aus wie ein überdimensioniertes Wartehäuschen an einer Bushaltestelle (Sorry, Sir Christopher!), der Queen Anne’s Alcove im Londoner Hyde Park. Im Inneren gibt es eine Bank und man ist vor Regen geschützt, aber es wird nie ein Bus hier halten. Man findet Queen Anne’s Alcove am Ende des Serpentine Lake in Richtung Bayswater Road..

Entworfen hatte das Gebäude der berühmte Sir Christopher Wren (ja, er konnte nicht nur Kirchen bauen) im Jahr 1705, da stand es aber noch am Kensington Palace, am Dial Walk. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Stimmen laut, das Haus abzureißen, da vielen das Publikum, das sich dort einfand, nicht gefiel. Prostituierte gingen hier auf Kundenfang und das wollte man so dicht am vornehmen Kensington Palace nicht haben. Als ein Londoner Bauunternehmer von den Vernichtungsplänen hörte, war er außer sich, denn er mochte das Gebäude im Hyde Park sehr, und ein „brainchild“ von Sir Christopher Wren abreißen, das ging ja nun gar nicht, also griff der Mann tief in seine Privatschatulle und ließ Queen Anne’s Alcove im Jahr 1867 an die jetzige Stelle versetzen. Ob Queen Anne, die 1714 im Kensington Palace verstarb, jemals in dem ihr gewidmeten Alcove gesessen hat, kann ich leider nicht sagen.

Wer beim Besuch der Italian Gardens, die direkt vor dem Alcove liegen, von einem Regenschauer überrascht wird und keinen Schirm dabei hat, kann hier schnell Zuflucht finden (oder in das benachbarte Italian Gardens Café einkehren).

Rampside Hall bei Barrow-in-Furness (Cumbria) und die 12 Apostel

Heute begeben wir uns in eine ziemlich abgelegene Region Englands, auf die Furness Peninsula, eine Halbinsel in der Grafschaft Cumbria, ganz in der Nähe des Ortes Barrow-in-Furness. Dort steht in dem Dorf Rampside ein eigenartiges Haus, Rampside Hall, das sofort ins Auge fällt und zwar durch seine vielen Schornsteine auf dem Dach. Die 12 Apostel werden sie genannt. Die Hall wurde im 16. Jahrhundert gebaut, und sie erlitt am 15. Februar 1865 einen Schaden, als sich hier ein Erdbeben ereignete, ein seltenes Naturereignis in dieser Region. Drei der Apostel stürzten vom Dach herunter und auch einige Hauswände wurden in Mitleidenschaft gezogen. Die drei Schornsteine wurden bald darauf wieder ersetzt. Warum hat man denn überhaupt diese zwölf Apostel dort oben angebracht? Da gibt es eine Legende, die das erklärt:

Im 16. Jahrhundert wollte ein junger Mann seine Angebetete heiraten und wurde deswegen bei ihrem Vater vorstellig, um ihn um die Hand seiner Tochter zu bitten. Der zögerte etwas und kam auf die etwas absonderliche Idee, ihm die Einwilligung nur zu geben, wenn sein Schwiegersohn in spe ein Haus mit zwölf Schornsteinen auf dem Dach bauen würde (warum auch immer). Die Liebe des jungen Mannes muss sehr groß gewesen sein, denn er machte sich sofort daran, in Rampside ein solches Haus zu errichten. Er muss auch Wert auf Qualität gelegt haben, sonst würde Rampside Hall nicht noch im 21. Jahrhundert als Wohnhaus dienen. Es war früher Brauch, am Weihnachtsmorgen alle Kamine im Haus zu befeuern, so dass die Schornsteine gleichzeitig qualmten, sicher ein schöner Anblick.

So bleibt zu hoffen, dass nicht wieder ein Erdbeben diese Region erschüttert, und die zwölf Apostel ungestört weiterhin das Dach der Rampside Hall zieren können.

Published in: on 30. Oktober 2020 at 02:00  Comments (2)  
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The Birnbeck Pier in Weston-super-Mare (Somerset) – Eine allmählich verfallende Seebrücke

Die Birnbeck Pier in dem Badeort Weston-super-Mare an der Küste von Somerset sieht bemitleidenswert aus. Schon seit Jahrzehnten vergnügt man sich nicht mehr auf der Seebrücke, sie ist vernachlässigt worden, Stürme haben ein Übriges getan, es ist lebensgefährlich sie in dem heutigen Zustand zu betreten. Doch die Pier hat Fürsprecher in Form des Birnbeck Regeneration Trusts, der nicht müde wird, sich für das verfallende Bauwerk einzusetzen und das schon seit sechzehn Jahren.

Die Birnbeck Pier ist die einzige Seebrücke Englands, die das Festland mit einer Mini-Insel verbindet, der Birnbeck Island. 350 Meter lang ist die Pier und wurde am 5. Juni 1867 eröffnet. Was war da nicht alles los in den folgenden Jahrzehnten! Es war ein richtiger Rummelplatz mit allen möglichen Attraktionen vorn an der Spitze der Pier. Viele Besucher kamen per Schiff, denn es gab dort eine eigene Anlegestelle. Manche gingen gar nicht in die Stadt, sondern vergnügten sich ausschließlich auf der Pier, auf der Wasserrutsche und auf den Karussells.

Im Zweiten Weltkrieg war erst einmal Schluss mit lustig, denn statt vergnügungssüchtiger Touristen besetzte das Marineministerium die Seebrücke, das hier neue Waffen erprobte. Nach Kriegsende ging es weiter mit den Amusement Arcades, aber der Andrang hatte nachgelassen, weil die andere Pier von Weston-super-Mare, die Grand Pier, immer mehr Menschen anzog. Als dann in den 1980er Jahren die Brücke Schaden nahm und Stürme ihr zusetzten, wurde sie 1994 aus Sicherheitsgründen geschlossen; auch Schiffe legten dort nicht mehr an.

Dann begann die Zeit des Pläneschmiedens. Was sollte man mit der immer mehr verfallenden Pier machen? Ideen gab es viele, doch umgesetzt wurde keine. Die jeweiligen Eigentümer des Bauwerks zeigten keine besondere Lust, Geld in seinen Unterhalt zu stecken. Die aktuelle Entwicklung sieht so aus, dass die Stadt Weston-super-Mare die Birnbeck Pier unter allen Umständen kaufen will, notfalls auch durch Enteignungsmaßnahmen, um darauf eine Station der RNLI, der britischen Lebensrettungsgesellschaft, zu installieren, Die momentanen Eigner sträuben sich dagegen und haben eigene Pläne zur Revitalisierung der Seebrücke vorgelegt. Es scheint sich also irgendetwas zu tun.

Hier ist ein ein Flug mit einer Drohne über die Pier zu sehen.

Published in: on 18. Oktober 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Der (einstmals singende) Hubert Fountain im Victoria Park in Ashford (Kent)

George Harper (1841-1912) liebte seine Heimatstadt Ashford in Kent. Er wohnte und arbeitete dort in der Castle Street, wo er eine Möbeltischlerei und Polsterei betrieb. Später war er als Immobilienmakler und Auktionator tätig, seine große Liebe aber gehörte den Antiquitäten, die er sammelte. Ein Jahr vor seinem Tod wollte er Ashford etwas Gutes tun und der Stadt einen Brunnen für den Victoria Park schenken. Dieser sogenannte Hubert Fountain stand zum Verkauf, denn das Herrenhaus, wo der Brunnen bisher sein Domizil hatte, Olantigh Towers im nahegelegenen Wye (Kent), war 1903 abgebrannt. George Harper kaufte den Brunnen, übernahm auch die Transportkosten, und so konnte der Hubert Fountain am 24. Juli 1912 im Victoria Park eingeweiht werden. Eine Bedingung stellte Mr Harper damals: An seinem Geburtstag, dem 23. Juli, sollte der Brunnen jedes Jahr angestellt und „gespielt“ werden, denn der Hubert Fountain verfügte über 64 installierte Pfeifen, die durch einen Mechanismus zum Singen gebracht werden konnten, sobald Wasser hindurch floss. Leider funktioniert das heute nicht mehr, da die Pfeifen alle verrottet sind. Der Brunnen wurde mehrere Male restauriert, die Musikanlage aber nicht. Drei Wochen nach der Einweihung starb George Harper auf tragische Weise: Er wurde von einem Zug überrollt.

Gebaut wurde der Hubert Fountain 1862 von der Fonderie d’art du Val d’Osne im Département Haute-Marne in Frankreich, einer renommierte Gießerei, die bis 1986 in Betrieb war. Der Brunnen wurde in den Londoner Royal Horticultural Society’s Gardens anlässlich der Second International Exhibition 1862 aufgestellt und gelangte anschließend in die Gärten des oben genannten Olantigh Towers.

Der rund zwölf Meter hohe und 45 Tonnen schwere Brunnen war früher noch mit lebensgroßen gusseisernen Hirschen verziert, die aber abgebaut worden sind. Er ist Grade II listed, steht also unter Denkmalschutz.

Dieser Film zeigt die Geburtstagsfeierlichkeiten für George Harper am Brunnen aus dem Jahr 2015.

Gasometer – Ein Stück verschwindender Industriearchitektur

Ein Gasometer wird abgebaut. Hier: Liverpool’s Garston Gas holder.
Author: tcees
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Die Bezeichnung Gasometer wurde zum ersten Mal von dessen Erfinder, dem französischen Chemiker Antoine Laurent de Lavoisier, verwendet. Ihm gelang 1789 die Entwicklung eines Behälters, der zur Speicherung von Gasen geeignet ist„, so steht es in der Wikipedia zu lesen. So lange gibt es diese merkwürdigen Gebilde schon, die aber immer seltener zu sehen sind. In England gab es hunderte von ihnen, die dort auch als gas holder bezeichnet werden. Ein Stück Industriearchitektur verschwindet. Ich empfand Gasometer immer als hässlich, aber es gibt auch Menschen, die diesen Monstern nachtrauern und die sich dafür einsetzen, dass sie stehenbleiben und anderen Zwecken zugefügt werden, was aber nicht so ganz einfach ist. English Heritage hat bereits einige von ihnen unter Denkmalschutz gestellt.

Gasholder No.8 in King’s Cross in London, 1880 von der Imperial Gas Light and Coke Company gebaut, der schon lange nicht mehr benötigt wurde, hat eine Wiederauferstehung erfahren. Nachdem er im Jahr 2011 sorgfältig auseinandergebaut und von einer Spezialfirma in Yorkshire auf Vordermann gebracht worden war, begann er sein zweites Leben zwei Jahre später ganz in der Nähe am Regent’s Canal. Der sogenannte Gasholder Park dient jetzt tagsüber als Freizeitanlage, abends finden hier Veranstaltungen statt.

Architektenbüros haben sich über Verwendungsmöglichkeiten Gedanken gemacht und herausgekommen sind Vorschläge so unterschiedlicher Art wie Umbau in Wohnhäuser, in Sportzentren und in Krematorien. Bauunternehmer würden am liebsten alle Gasometer abreißen, denn auf den dann frei werdenden Grundstücken könnte man wunderbar neue Gebäude hochziehen und viel Geld verdienen.

Die Fotos zeigen einige Beispiel für ein nach und nach verschwindendes Stück Industriearchitektur.

Schön? Hässlich? Drei Gasometer in Birmingham.
Photo © user (cc-by-sa/2.0)

Der Oval Gas Holder am Londoner Oval Cricket Stadium.
Author: sarflondondunc
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Gas Holder No 8 in King’s Cross, London, vor dem Abbau.
Author: stephenegg
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Gas Holder No 8 wiederauferstanden.
Author: tcees
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Published in: on 4. Oktober 2020 at 02:00  Comments (4)  
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