Mein Buchtipp – Roger Lytollis: On a Pedestal – A Trip Around Britain’s Statues

Foto meines Exemplares.

Hier ist mein persönliches Buch des Jahres 2021: „On a Pedestal: A Trip Around Britain’s Statues„, geschrieben von Roger Lytollis, erschienen am 4. November 2021. Wie es der Titel schon sagt, geht es hier um Statuen, die in ganz Großbritannien aufgestellt worden sind, ein Thema, das in meinem Blog schon seit Jahren eine gewisse Rolle spielt. Hochgekommen ist das Thema im Jahr 2020 als die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston in Bristol vom Sockel gestoßen und im Hafenbecken versenkt worden ist (ich berichtete darüber in meinem Blog).

Roger Lytollis schreibt auch über diese kontroversen Statuen in seinem Buch; ein weiteres Thema ist die Darstellung von Nacktheit in der Öffentlichkeit, wofür der fast nackte Achilles im Londoner Hyde Park und die noch nacktere Mary Wollstonecraft in Londons Newington Green als Beispiele dienen.

Manche Statuen werden von den Bürgern des Landes immer wieder verziert; ich denke da vor allem an das Reiterstandbild des Dukes of Wellington am  Royal Exchange Square in Glasgow, das den Duke fast ständig mit einem Verkehrskegel auf dem Kopf zeigt.

Ein eigenes Kapitel ist dem Bildhauer Antony Gormley gewidmet, der mit seinen Kunstwerken immer wieder für Aufsehen sorgt. Beispiele: The Angel of the North bei Gateshead (Tyne and Wear), Another Place am Strand von Crosby Beach in Lancashire und der nackte Mann auf dem Dach eines Hauses in Oxfords Broad Street aus der Figurenserie Another Time.

„On a Pedestal“ ist informativ und humorvoll, ein großartiges Buch, das ich sehr empfehlen kann!!

Roger Lytollis: On a Pedestal – A Trip Around Britain’s Statues. Robinson 2021. 296 Seiten. ISBN 978-1-4721-4613-7.

Achilles im Londoner Hyde Park.
Photo © Tim Westcott (cc-by-sa/2.0)
Der Duke of Wellington in Glasgow.
Photo © Richard Sutcliffe (cc-by-sa/2.0)
Antony Gormleys Angel of the North.
Photo © Jennifer Petrie (cc-by-sa/2.0)

Die Michael Jackson-Statue, die niemand haben wollte

Michael Jackson Statue vor dem Stadion des Fulham F.C.
Photo: Jack Tanner.
Creative Commons 2.0

Mohamed Al-Fayed ist ein sehr reicher Mann, dem einmal das Kaufhaus Harrods in London gehörte, das Ritz Hotel in Paris und der Londoner Fußballverein Fulham F.C.…unter anderem. Als er noch der Besitzer von Harrods war, wollte er dort eine Statue von seinem Freund Michael Jackson aufstellen, doch daraus wurde nichts, da er das Kaufhaus an die Quatar Investment Authority verkauft hatte. Also wählte Al-Fayed das Fußballstadion Craven Cottage als neuen Aufstellungsort, das Stadion seines Clubs Fulham F.C., was bei den Fans des Clubs nicht gut ankam (wie dieser Film zeigt), da sie nicht verstanden, was denn Michael Jackson mit ihrem Verein zu schaffen hatte. Der exzentrische, amerikanische Sänger war einmal im Stadion, 1999, als er sich in Begleitung von Mohamed Al-Fayed das Spiel Fulham gegen Wigan Athletic ansehen musste, danach wurde er dort nie wieder gesehen. Es gibt noch einen Videoclip wie Jackson mit einem Regen-/Sonnenschirm durch das Stadion schreitet. Nach dem Tod des Sängers enthüllte Al-Fayed stolz am 3. April 2011 die Statue am Craven Cottage (hier zu sehen).

Ungeliebt stand sie nun am Stadion bis Al-Fayed seinen Fußballverein an einen anderen Milliardär verkaufte, an den in Pakistan geborenen Shahid Rafiq Khan. Dieser hatte mit Michael Jackson nichts am Hute und ließ die Statue 2013 entfernen, die meisten Fans des Vereins weinten ihr keine Träne nach. Als Fulham F.C. im nächsten Jahr aus der Premier League abstieg, lag das daran, dass Michael Jackson nicht mehr am Stadion stand, so die Meinung von Mohamed Al-Fayed.

Das National Football Museum in Manchester erbarmte sich der Statue und gewährte ihr Asyl, aber auch das nur bis zum 6. März 2019, dann wurde sie von dort entfernt, denn man sah wohl ein, dass Michael Jacksons Interesse am englischen Fußball nur äußerst marginal war, und er nicht in das Fußballmuseum passte. Außerdem wurden die Vorwürfe gegen den Sänger wegen angeblicher sexueller Übergriffe gegen Kinder immer lauter.

Michael Jackson im National Football Museum in Manchester.
Photo: nataliemarchant.
Creative Commons 2.0
Published in: on 2. Januar 2022 at 02:00  Comments (5)  

The Dorking Cockerel auf dem Deepdene Roundabout in Dorking (Surrey)

Photo © Mark Percy (cc-by-sa/2.0)

Neben Westerham (Kent) ist Dorking (Surrey) mein zweiter Lieblingsort an der A25, die sich südlich von London parallel zur Autobahn M25 zieht. Kurz vor Dorking, wenn man von Ost nach West fährt, liegt der Deepdene Roundabout, an dem sich die von London kommende A24 mit der A25 schneidet. Dieser Kreisverkehr wird von einem überdimensionalen Hahn geziert, dem Dorking Cockerel. Schon die Römer hatten diese Haushuhnrasse gezüchtet, die sich besonders durch ihr hohes Gewicht auszeichnet. Der drei Meter hohe Kreisverkehrhahn ist mittlerweile zum Wahrzeichen der hübschen Kleinstadt Dorking geworden.

Gebaut hat den Hahn die Firma „fire&iron“ im benachbarten Leatherhead und Modell gestanden hat ein echter Dorking-Hahn. Seit dem 5. Februar 2007 steht er nun auf dem Deepdene Roundabout, hat jede Menge Futter in Form von Blumen und Gras um sich herum und betrachtet den Verkehr, der um ihn herumbraust.

Im Laufe der Jahre wurde der Dorking Cockerel, der sich in der Stadt großer Beliebtheit erfreut, immer mal wieder verziert, so zur Weihnachtszeit (mit Weihnachtsmütze und Schal), zum Thronjubiläum der Königin (mit einer Krone), und die Guerilla Knitters aus Dorking, eine Gruppe von Damen, die sich regelmäßig zum Stricken treffen, haben ihn ebenfalls schon verschönert. In diesem Film kommen unter anderem auch diese Damen zu Wort und hier kann man ein echtes Exemplar bewundern.

Die Figur hat sogar schon einmal einen Preis gewonnen und zwar den Tonypandy Cup, den die Londoner Worshipful Company of Blacksmiths jährlich vergibt.

Der örtliche Fußballverein, The Dorking Wanderers, führt den Hahn in seinem Vereinsemblem, der frühere Rivale Dorking F.C., der in den Wanderers aufgegangen ist, hatte den Spitznamen The Chicks.

Der von den Guerilla Knitters geschmückte Hahn anlässlich der Hochzeit von Prince Harry und Meghan Markle.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 1. Januar 2022 at 02:00  Comments (3)  

The National Covid Memorial Wall in London

Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)

Zum Abschluss des Jahres 2021 soll mein letzter Blogeintrag an die vielen Menschen erinnern, die seit Beginn der Pandemie in Großbritannien an oder mit Covid gestorben sind, und zwar mit einem Hinweis auf die National Covid Memorial Wall in London, auf die bisher über 150 000 Herzen gemalt worden sind, stellvertretend für je ein Pandemieopfer im Land. Die Mauer ist 500 Meter lang, und sie steht gegenüber vom Westminsterpalast am Südufer der Themse. Organisiert wurde das Projekt von Covid-19 Bereaved Families for Justice, einem Zusammenschluss von Familienangehörigen, die jemanden in ihrem Kreis an Covid verloren haben. Ende März wurden die ersten Herzen auf die Mauer gemalt, und es bleibt zu hoffen, dass bald niemand mehr weitere Herzen malen muss und die Pandemie keine weiteren Opfer fordert.

Hier hat jeder die Möglichkeit an der Wand entlang zu gehen und sich einige anrührende Worte von Angehörigen von Covidopfern anzuhören.

Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)

Zum Jahresende möchte ich mich bei allen in der ganzen Welt bedanken, die meinen Blog lesen, mir zum Teil schon viele Jahre die Treue halten und sich für meine Blogthemen interessieren.
THANK YOU VERY MUCH!!!

Published in: on 31. Dezember 2021 at 02:00  Comments (4)  

Das älteste Baumhaus der Welt auf dem Gelände von Pitchford Hall in Shropshire

Photo © Colin Park (cc-by-sa/2.0)

Pitchford Hall in Shropshire ist eines der schönsten elisabethanischen Häuser Englands, etwa 8 km südöstlich von Shrewsbury gelegen. Auf dem Gelände der Hall steht ein Kuriosum, das älteste Baumhaus der Welt.

Irgendwann im 17. Jahrhundert wurde es erbaut und erstmals 1692 erwähnt. 1760 und 1980 wurde es noch einmal komplett renoviert. Das Baumhaus ist im gleichen Stil gehalten wie das Haupthaus und sitzt etwa vier Meter über dem Boden in einer mehrere Jahrhunderte alten Linde. Es verfügt über eine Eingangstür, drei gotische Fenster und auch das Innere wurde in gotischem Stil gestaltet.

Queen Victoria besuchte Pitchford Hall einmal als dreizehnjähriges Mädchen und ließ es sich nicht nehmen, auch einmal in das Baumhaus zu klettern.

Hin und wieder ist es möglich, das Baumhaus zu besichtigen und zwar über Invitation to View (siehe dazu meinen Blogeintrag). Hier ist ein kurzer Film über das Tree House.

Pitchford Hall.
Photo © Colin Park (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 25. Dezember 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Trinity Bridge in Crowland (Lincolnshire)

Photo © Tim Heaton (cc-by-sa/2.0)

„Was ist das denn?“ mag sich mancher Besucher der Kleinstadt Crowland in der Grafschaft Lincolnshire fragen, wenn er/sie mitten im Ort die Trinity Bridge sieht. Eigentlich dienen ja Brücken dazu, einen Fluss, eine Straße oder eine Eisenbahnlinie zu überqueren, doch die Trinity Bridge überquert gar nichts, sie steht in Crowland einfach nur da.

Die von drei Seiten zugängliche Steinbrücke wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts von den Mönchen der Crowland Abbey erbaut, und damals gab es im Ort wirklich einen Fluss, den River Welland, der sich hier mit seinem kleinen Bruder, dem River Nyne, vereinigte, und durch Crowland zogen sich drei Handelsrouten, so war die Erbauung der Trinity Bridge durchaus sinnvoll. Die beiden Flüsse wurden im 17. Jahrhundert schon umgeleitet, aber die Bewohner Crowlands wollten sich von ihrer nutzlos gewordenen Brücke einfach nicht trennen. Im Jahr 1720 errichtete man auf ihr noch eine steinerne Statue, heute ist aber nicht so ganz klar, wen diese darstellen soll. Zwei Vermutungen stehen da im Raum: Æthelbald,  König des angelsächsischen Reiches Mercia, der im 8. Jahrhundert lebte und die Crowland Abbey gründete, und Jesus Christus. Der Zahn der Zeit hat schon sehr an der Figur genagt, aber sie sieht auch heute noch eindrucksvoll aus.

Die Brücke wurde vor einiger Zeit saniert; schön, dass man zu ihrer Bewahrung Geld lockert gemacht hat, das sicher gut angewendet war.
Hier ist ein Film über die Trinity Bridge.

Photo © Dave Hitchborne (cc-by-sa/2.0)
Photo © Richard Webb (cc-by-sa/2.0)
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 10. Dezember 2021 at 02:00  Comments (2)  

Die NatWest-Bank in Stockport (Greater Manchester) – Eines der schönsten Bankgebäude Englands

Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Ich habe schon einige Bankgebäude der NatWest-Bank, oder National Westminster-Bank, gesehen, die in historischen Bauten untergebracht sind wie in Peterborough (Cambridgeshire), in Oxford oder in Ludlow (Shropshire). Das schönste aber dürfte in der Stadt Stockport in Greater Manchester) stehen, mit der Adresse 10 Great Underbank, ein wunderbares Haus aus der elisabethanischen Zeit, dessen älteste Teile sogar bis in das 15. Jahrhundert zurückreichen. Underbank Hall, so der Name des Gebäudes, war der Familiensitz der Arden Family bis zum Jahr 1823, als die Ardens finanziell ins Schlingern gerieten und sie das Haus verkaufen mussten. Aus Underbank Hall wurde damals schon eine Bank und ist es bis heute geblieben.

Auch das Innere des Bankgebäudes ist sehenswert wie die große Halle mit der hohen Decke und dem großen Kamin. NatWest ist der Meinung, dass ihre Filiale in Stockport auch ihr „most haunted bank building“ ist. Angestellte, die bis in die späten Abendstunden dort gearbeitet haben, berichteten von eigenartigen Geräuschen, die nicht auf natürliche Weise zu erklären waren.

Ich finde Underbank Hall einfach großartig und hoffe, dass Gebäude dieser Art noch lange erhalten bleiben.

Zu Stockport siehe auch meine Blogeinträge über die Riesenfrösche und über die Robinson-Brauerei.

Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)
Photo: Nicholas Smale.
Creative Commons 2.0
Published in: on 4. Dezember 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Cyclists War Memorial in Meriden (West Midlands)

Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Man mag es heute im 21. Jahrhundert kaum glauben, aber das Fahrrad spielte im Ersten und auch noch im Zweiten Weltkrieg eine gewisse Rolle. Historische Filmaufnahmen wie diese aus dem Ersten Weltkrieg wirken auf uns über hundert Jahre später schon etwas merkwürdig.

Den Männern (Frauen gab es im Army Cyclist Corps meines Wissens keine), die auf ihren Drahteseln hauptsächlich Kurier- und Aufklärungsdienste übernahmen, wird in einem Ort Englands gedacht, der vor allem dadurch national bekannt war, dass er das geografische Zentrum Englands bildete (mehr darüber in meinem Blogeintrag vom 21. Dezember 2015): Meriden in den West Midlands, ganz in der Nähe der Stadt Coventry. Dort steht auf dem Village Green das Cyclists War Memorial, ein neun Meter hoher und 32 Tonnen schwerer Obelisk, der an die gefallenen fahrradfahrenden Soldaten des Ersten Weltkriegs erinnert. Vor genau einhundert Jahren, am 21. Mai 1921 übergab der Earl of Birkenhead bei einer feierlichen Veranstaltung das Denkmal an die Öffentlichkeit. Der Ort Meriden wurde als Standort ausgesucht, weil er mitten im Herzen des Landes liegt und aus allen Regionen gleichermaßen zu erreichen ist.

Jedes Jahr treffen sich Fahrradfahrer aus ganz Großbritannien, um den gefallenen Soldaten ihren Respekt zu erweisen. In der örtlichen St Lawrence Parish Church findet ein Gedenkgottesdienst statt, die Bulkington Silver Band sorgt für den musikalischen Hintergrund und anschließend werden in der Village Hall Erfrischungen gereicht.

1963 kam noch eine Plakette dazu, die an die gefallenen Fahrradfahrer im Zweiten Weltkrieg erinnert.

St Lawrence Parish Church.
Photo © Robin Stott (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 21. November 2021 at 02:01  Kommentar verfassen  

Der Londoner South Bank Lion, Hüter der Westminster Bridge

Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Ich habe ein Faible für englische Steinlöwen. Die Löwen vom Trafalgar Square und den Maiwand Lion in Reading habe ich in meinen früheren Blogeinträgen schon vorgestellt, hier kommt noch ein weiterer hinzu: Der hübsche South Bank Lion, der am südlichen Ende der Westminster Bridge steht und die Brücke bewacht. Er ist offensichtlich kein Fan des Riesenrades London Eye, denn er wendet diesem ganz demonstrativ seinen Rücken zu.

Ein gewisser William Frederick Woodington (1806-1893) hat ihn  im Jahr 1837 erschaffen, und das Tier musste in seinem Leben schon mehrere Male umziehen. Zuerst stand er, zusammen mit einem anderen Löwen, vor der Red Lion Brewery, bis diese 1949 abgerissen wurde, um der Royal Festival Hall Platz zu machen. Auf Anweisung von König Georg VI, der ihn ins Herz geschlossen hatte, wurde sein Löwenleben nicht beendet, sondern er zog zur Waterloo Station um. Als der Bahnhof erweitert wurde, musste Löwe wieder umziehen; dieses Mal zur Westminster Bridge, wo er jetzt hofft, für immer bleiben zu können, denn den Themseblick möchte er nicht mehr missen.

Der South Bank Lion war früher einmal rot; er bekam aber ein „Facelift“ und jetzt kann man ihn in seiner ganzen Pracht sehen: Er wurde nämlich aus dem sogenannten Coade-Stein hergestellt, das ist ein besonderer Werkstoff, der sehr unempfindlich gegen Umwelteinflüsse ist. Darum sieht unser Löwe auch so sauber und gepflegt aus.

Der frühere Genosse, der auch vor der Brauerei stand, ist zu einem Rugby-Fan geworden: Er steht auf dem Rowland Hill Memorial Gate des Twickenham-Stadiums, wo die Englische Rugby-Union-Nationalmannschaft ihr Zuhause hat. Wen von beiden hat es wohl besser getroffen?

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
Der Artgenosse vom Twickenham Stadium.
Author: Maxwell Hamilton.
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Published in: on 11. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Neasden Hindutempel im Londoner Stadtteil Brent – Der größte Tempel dieser Religion außerhalb von Indien

Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

Wer einmal durch den nordwestlichen Londoner Stadtteil Brent gefahren ist, vielleicht auf dem Weg zum Wembleystadion, wird sich beim Anblick des Neasden-Hindutempels plötzlich nach Indien versetzt gefühlt haben.
Das prächtige Bauwerk heißt korrekt BAPS Shri Swaminarayan Mandir London und wurde am 20. August 1995 feierlich eröffnet. Es handelt sich hier um den größten Hindutempel außerhalb Indiens, der etwa £12 Millionen gekostet hat; eine Summe, die allein von der Londoner Hindugemeinde aufgebracht wurde.
Der Tempel besteht aus mehreren tausend Tonnen bulgarischem Kalkstein und italienischem Marmor, die zuerst nach Indien transportiert, dort von über 1000 Bildhauern bearbeitet und schließlich nach London gebracht wurden.
Der Tempel bildet das Zentrum einer großen hinduistischen Gemeinde in London; allein 40 000 Hindus wohnen im Stadtteil Brent, 45 000 im nahe gelegenen Harrow.

Das Gebäude wurde auf Grund seiner architektonischen Bedeutung mehrfach ausgezeichnet, sounter anderem 2007 mit dem „UK Pride of Place Award“ und schon kurz nach der Eröffnung 1996 mit dem “ Most Enterprising Building Award„.

Der Tempel ist zu besichtigen; man muss allerdings einige Verhaltensregeln beachten; so zum Beispiel den Tempel ohne Schuhe betreten, keine kurzen Röcke oder Shorts tragen, sein Mobiltelefon ausschalten – eigentlich Selbstverständlichkeiten.
Die nächste U-Bahnstation ist Neasden Station auf der Jubilee Line.

Hier ist ein Film über den Tempel.

Photo © Phillip Perry (cc-by-sa/2.0)
Author: HerryLawford.
Creative Commons 2.0
Published in: on 10. November 2021 at 02:00  Comments (1)  

Lawrence of Arabias Steinplastik in Warehams St Martin’s Church, die keiner haben wollte

Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

Über T.E. Lawrences, besser bekannt als Lawrence of Arabia, Gedenkstätten in England habe ich in meinem Blog vor neun Jahren schon einmal berichtet und darin kurz seine Steinplastik in der St Martin’s Church in Wareham (Dorset) erwähnt. Geschaffen wurde sie von einem Freund von T.E.Lawrence, dem Bildhauer und Illustrator Eric Kennington (1888-1960), ein sogenannter „war artist“. Diese Künstler waren offiziell von der Regierung im Ersten und im Zweiten Weltkrieg damit beauftragt worden, die Kriege in künstlerischer Form aufzuarbeiten und die Leiden der Soldaten und der Bevölkerung im Bild festzuhalten.

Eric Kennington hatte auch Lawrences autobiografisches Werk „Seven Pillars of Wisdom“ (dt. „Die sieben Säulen der Weisheit“) illustiert. Die Steinplastik für seinen Freund war ursprünglich für die Londoner St Paul’s Cathedral gedacht, aber dort wollte man sie als Aufbewahrungsort nicht haben, denn Lawrence stand mit der britischen Regierung über Kreuz; er hatte seine Ernennung zum Ritter und mehrere Medaillen abgelehnt, da er die Haltung seiner Regierung gegenüber den Arabern scharf verurteilt hatte. Auch gab es Verschwörungstheorien, was seinen Tod betraf (waren die britischen Geheimdienste involviert?)

Kenningtons Skulptur wurde als nächstes der Londoner Westminster Abbey angeboten, die aber ebenfalls dankend ablehnte. Wie wäre es denn mit der Kathedrale von Salisbury? Thank you, no, sagte man dort. So blieb nur noch die kleine, fast tausend Jahre alte Kirche von St Martin’s in Wareham über, die dem steinernen Lawrence bis heute Asyl gewährt. Besucher aus aller Welt kommen seitdem hierher, um Lawrence of Arabia Tribut zu zollen. Dieser kurze Film zeigt St Martin’s und die Steinplastik.

T.E. Lawrences Grabstätte liegt auf dem Kirchhof von St Nicholas in Moreton, einige Kilometer westlich von Wareham.

St Martin’s in Wareham.
Photo © Pam Goodey (cc-by-sa/2.0)
T.E. Lawrences Grabstelle in Moreton (Dorset).
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 8. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Panyer Boy – Eine rätselhafte Steinfigur in Londons Panyer Alley

Author: Matt From London.
Creative Commons 2.0

Direkt neben einer Caffè Nero-Filiale in Londons Panyer Alley (EC2) sieht man eine kleine Steintafel, an der wahrscheinlich die meisten Passanten achtlos vorbeigehen, und die einen Jungen zeigt, der auf einem Brotkorb sitzt. Der Zahn der Zeit, beziehungsweise die Abgase der Autos haben, der Figur arg zugesetzt, aber sie stammt auch schon aus dem 17. Jahrhundert. „Panyer Boy“ heißt der junge Mann, der schon mehrfach umgesiedelt worden ist, weil die Gebäude, an der die Tafel angebracht war, immer wieder abgerissen worden sind. Nun sitzt er also hier an der Wand neben dem Coffeeshop. Niemand weiß so recht, was es mit dem „Panyer Boy“ auf sich hat, und es gibt eine Fülle von Meinungen über die Bedeutung und den Ursprung der Figur. Versucht der Junge gerade, einen Dorn aus seinem Fuß zu ziehen? Kann sein.
Die Panyer Alley soll möglicherweise nach den Bäckerjungen benannt worden sein, die hier früher Brot aus Körben verkauften, da macht die Figur auf der Steintafel Sinn. Die Inschrift unterhalb des sitzenden Jungen weist aber auf etwas ganz anderes hin:

When ye have sought the Citty round yet still this is the highest ground. August 27, 1688.” 

Will heißen: Dieses war einmal der höchst gelegene Punkt der Londoner City, was aber nicht der Fall sein kann, da zu dem genannten Zeitpunkt Cornhill, nicht weit entfernt, der höchste Punkt war.

Rätsel über Rätsel, deren Lösung der schweigsame Knabe mit dem kaum noch zu erkennenden Antlitz wohl für immer für sich behalten wird.

Hier ist eine Film über den Panyer Boy.

Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 30. Oktober 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Edward John Smith – Der Kapitän der Titanic und sein Denkmal in Lichfield (Staffordshire)

Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Kapitän Edward John Smith befehligte einst das Passagierschiff Titanic, das am 15. April 1912 im Nordatlantik unterging, und den Kapitän mit in die Tiefe riss.

Geboren wurde er am 27. Januar 1850 in Hanley, einem Ortsteil der Stadt Stoke-on-Trent in Staffordshire, und dort… hat man ihm kein Denkmal errichtet, sondern im Beacon Park in Lichfield, ebenfalls in Staffordshire gelegen, einer Stadt zu der der Kapitän gar keine Beziehung hatte. Die Verantwortlichen in Stoke-on-Trent wollten damals, im Jahr 1914, nicht, dass ihre Stadt mit der vermeintlichen Schande des Kapitäns in Zusammenhang gebracht wurde, so stellte man die Statue eben woanders auf. Hundert Jahre später bereute man die Entscheidung in Stoke-on-Trent und bereitete eine Kampagne vor, den bronzenen Kapitän in seine Geburtsstadt zu holen, aber Lichfield sagte „No“, den geben wir nicht mehr her.

Aus Anlass des hundertsten Jahrestages des Untergangs der Titanic, wurden am 14. April 2014 1500 Teelichter rund um die Statue angezündet, je eines für einen der im Atlantik ertrunkenen Menschen.

Das Denkmal im Beacon Park von Lichfield wurde am 29. Juli 1914 von Kapitän Smiths Tochter Helen Melville Smith feierlich enthüllt; geschaffen hatte es Kathleen Scott, die Witwe des berühmten Antarktisforschers Robert F. Scott. Es trägt die Inschrift:


                                                    COMMANDER
                                      EDWARD SMITH R.D. R.N.R.
                        BORN JANUARY 27 1850 DIED APRIL 15 1912
                             BEQUEATHING TO HIS COUNTRYMEN
                    THE MEMORY & EXAMPLE OF A GREAT HEART
                            A BRAVE LIFE AND A HEROIC DEATH
                                                 ~    BE BRITISH    ~

Dieser Film zeigt den Kapitän einige Monate vor dem Untergang der Titanic und hier ist Bernard Hill als Edward John Smith in der Verfilmung des Stoffes von 1997 zu sehen.
                                                   


                                       

Published in: on 23. Oktober 2021 at 02:00  Comments (1)  

Das Memorial to the Miners auf dem Globe Island-Roundabout in Rugeley (Cheshire)

Author: ell brown.
Creative Commons 2.0

Rugeley ist eine Stadt mit rund 25 000 Einwohnern in der Grafschaft Staffordshire, nur wenige Kilometer südöstlich der Grafschaftshauptstadt Stafford entfernt. In dieser Region wurde einmal intensiv Kohlebergbau betrieben, und als die Brereton und Lea Hall Collieries schlossen, stieg die Zahl der Arbeitslosen in Rugeley und Umgebung steil in die Höhe. Über 2000 Männer verloren ihre Jobs. Nur langsam erholte sich der Ort, inzwischen hat sich Amazon hier mit einem seiner großen Fulfillment Centre angesiedelt und neue Jobs geschaffen.

In Rugeley gibt es mitten in der Stadt einen Kreisverkehr, der sich Globe Island nennt, auf den vier Straßen und eine Fußgängerzone (Upper Brook Street) münden; das sind Horse Fair, Sandy Lane, Western Springs Road and Elmore Lane. Inmitten des Roundabouts sind vier 2,70 Meter große und bis zu zwei Tonnen schwere Männer in Bergmannskleidung zu sehen, die zusammen das Memorial to the Miners bilden. Die Figurengruppe soll an die geschlossenen Kohlebergwerke und an die Männer, die dort ihr Leben verloren haben, erinnern.

Da ist einmal The Brereton Miner, der in die Richtung blickt, in der einmal die Brereton Colliery lag, dann The Rescue Miner von der Rettungsstation, die für die ganze Kohleregion zuständig war, The Lea Hall Miner, der in Richtung Western Springs Road blickt und The Deputy Miner mit Blickrichtung Stadtzentrum, der für die Sicherheit in den Bergwerken verantwortlich war.

In Auftrag gegeben wurde The Memorial to the Miners von der Lea Hall & Brereton Collieries Memorial Society und am 13. September 2015 feierlich der Öffentlichkeit übergeben (hier sind Bilder davon).

Author: Elliott Brown.
Creative Commons 2.0
Author: ellbrown.
Creative Commons 2.0
Published in: on 17. Oktober 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Queen Square in Bristol – Schauplatz einer der blutigsten Aufstände in der Geschichte Englands

Die blutige Schlacht im Queen Square.This image is in the public domain because its copyright has expired.
Die blutige Schlacht im Queen Square.
This image is in the public domain because its copyright has expired.

Der Queen Square (benannt nach Queen Anne) liegt mitten im Zentrum von Bristol, ein ruhiger baumbestandener Platz, in dessen Mitte ein Denkmal König Williams III steht, das man hier 1736 errichtete. Umgeben ist der Platz heute überwiegend von Bürogebäuden, aus denen bei meinem letzten Besuch Scharen von Angestellten in die nahegelegenen Pubs und Cafés strömten, um dort in ihrer Mittagspause einen Lunch zu sich zu nehmen.

Kaum zu glauben, dass sich auf diesem friedlichen Queen Square im Oktober 1831 einmal enorm blutige Schlachten abgespielt haben, bei denen Hunderte getötet oder schwer verletzt wurden.
Ursache dieser Queen Square Riots war die Ablehnung des Reform Acts durch das Londoner Oberhaus. Dieses geplante neue Gesetz sollte den wachsenden Industriestädten Englands mehr Einfluss im Parlament geben und das Wahlrecht ausweiten. Zu jener Zeit durften lediglich fünf Prozent der Bevölkerung Bristols wählen. Einer der Hauptwidersacher des Reform Acts war Sir Charles Wetherell und als dieser im Oktober 1831 nach Bristol kam, um die Sitzungsperiode des Assize Courts zu eröffnen, entlud sich der Volkszorn gegen ihn. Man jagte ihn in das Mansion House am Queen Square, von wo aus er jedoch flüchten konnte.

Die Unruhen dauerten drei Tage an, in denen die Aufständischen über hundert Gebäude zerstörten, darunter auch das Mansion House und der Bischofspalast. Schließlich setzte man die 3rd Dragoon Guards unter der Führung von Thomas Brereton ein, um dem Spuk ein Ende zu bereiten, und das entwickelte sich zu einem fürchterlichen Gemetzel. Mit ihren Schwertern schlugen die Dragoner auf die rebellierenden Männer ein, mit den genannten verheerenden Folgen. Brereton bekam sogar die Anweisung, in die Menge zu schießen, was er aber ablehnte. Daraufhin stellte man ihn später vor ein Kriegsgericht; doch bevor ein Urteil gesprochen wurde, erschoss er sich.

Hier ist ein kleiner Schwenk über den Platz, den ich einmal aufgenommen habe.

Das Buch zum Artikel:
Peter Macdonald: Hotheads and Heroes – Bristol Riots of 1831. Petmac Publications 1996. 175 Seiten. ISBN 978-0952700951.

Der Queen Square heute.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)
Author: stevekiretsu.
Creative Commons 2.0
Statue Williams III.
Photo © Tom Jolliffe (cc-by-sa/2.0)

Das Theatre Royal in Bury St Edmunds (Suffolk) – Das einzige Theater im Besitz des National Trusts

Photo © Michael Dibb (cc-by-sa/2.0)

Ja, dem National Trust gehört schon sehr viel in England, ob alte Herrenhäuser, Gärten, ganze Landstriche, sogar ein Theater ist in der Hand des N.T., das Theatre Royal in Bury St Edmunds in der Grafschaft Suffolk.

Viermal habe ich bereits über Bury St Edmunds in meinem Blog geschrieben, darunter zweimal über die Greene King Brewery, die in der Geschichte des Theatergebäudes auch eine Rolle spielt. Das Theatre Royal gehört der Brauerei, die es 1920 gekauft hatte, aber den Theaterbetrieb wenige Jahre später aufgab, weil die zunehmende Konkurrenz der Kinos übermächtig geworden war. So nutzte Greene King das Haus, um darin Bierfässer aufzubewahren.

Doch in Bury St Edmunds war man der Meinung, dass eine Stadt mit 35 000 Einwohnern ein Theater braucht. In den 1960er Jahren brachte eine Sammelaktion mehr als £37 000 zusammen; mit dem Geld konnte das Theatre Royal renoviert und wieder eröffnet werden. 1975 kam es dann in die Hände des National Trusts, in denen es bis heute verblieben ist.

Nachdem noch einmal von 2005 bis 2007 über £3 Millionen in eine weitere Restaurierung gesteckt worden waren, ist man jetzt in Bury St Edmunds mit dem Theater sehr zufrieden.

Im Theatre Royal fand übrigens im Februar 1892 die Uraufführung des Stückes „Charleys Tante“ von Brandon Thomas statt, das mehrfach verfilmt wurde und in Deutschland vor allen Dingen durch die Darstellungen von Heinz Rühmann und Peter Alexander in der Titelrolle bekannt ist.

Es ist noch gar nicht lange her, da diente das Theater als Schauplatz für einige Szenen des Films „The Personal History of David Copperfield“ (dt. „David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück“), in dem Dev Patel, Hugh Laurie und Tilda Swinton die Hauptrollen spielten (hier ist der Trailer). Und da die Filmcrew schon einmal in Bury St Edmunds war, filmte sie gleich noch im The Angel Hotel, das für einige Londoner Szenen herhalten musste.

Was wurde im Theatre Royal so alles in der letzten Zeit aufgeführt? Nun, zum Beispiel die Theaterfassung von Jules Vernes berühmtem Roman „Around the World in Eighty Days“ und D.H. Lawrences „Lady Chatterley’s Lover„. In der Vorweihnachtszeit bis in das neue Jahr hinein ist „Cinderella“ geplant.

The Angel in Bury St Edmunds.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Der Snake Pass – Eine nicht ganz ungefährliche Straße in Derbyshire

Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Der Snake Pass ist ein etwas höher gelegener Teil der A 57 im Peak District, die von Sheffield nach Manchester führt. Genau genommen ist es die Straße zwischen Glossop und dem Ladybower Reservoir.  Dieses Teilstück windet sich zwar in einigen Teilen wie eine Schlange, doch der Name kommt von dem Snake Pass Inn, der an der Straße liegt. Der Pub hieß früher nur Snake Inn und trug das Wappen der Herzöge von Devonshire. Teil des Wappens ist eine sich auf einem Helm windende Schlange. Leider wurde auch dieser Pub vor einigen Jahren geschlossen

Bereits 1820 wurde die Straße als direkte Verbindung zwischen den beiden Großstädten gebaut, verlor aber im 20. Jahrhundert an Bedeutung, weil eine weiter nördlich gelegene Straße gebaut wurde, die nicht so hoch gelegen ist und im Winter nicht so leicht durch Schneeverwehungen gesperrt werden muss. Der Snake Pass ist manchmal bis zu 70 Tagen im Jahr auf Grund schlechter Wetterverhältnisse gesperrt.

Der Snake Pass ist nicht so ganz einfach zu befahren, und er hat eine hohe Unfallquote. Zwischen 2017 und 2019 ereigneten sich auf der Straße 28 schwere beziehungsweise tödliche Unfälle. Trotzdem ist sie in Autofahrer- und Motorradfahrerkreisen sehr beliebt wie dieser Film zeigt.

Photo © Stephen Burton (cc-by-sa/2.0)
Der Snake Pass Inn, leider geschlossen.
Photo © Alex McGregor (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 26. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Oscar Wilde und das Gefängnis von Reading in Berkshire

Das ehemalige Reading Gaol.
Photo © Andrew Smith (cc-by-sa/2.0)

1895 wurde Oscar Wilde wegen angeblicher homosexueller Vergehen zu zwei Jahren Zuchthaus mit schwerer Zwangsarbeit verurteilt, die er im Gefängnis von Reading (Berkshire) verbringen musste. Am 19. Mai 1897 wurde er entlassen, aber Wilde war von da an ein gebrochener Mann. Nur noch einmal griff er zur Feder und verfasste das Gedicht „The Ballad of Reading Gaol“, dann war seine schriftstellerische Laufbahn zu Ende. Vereinsamt und verarmt starb er am 30. November 1900 in einem Pariser Hotel (das Hotel gibt es noch heute: L’Hotel in der rue des Beaux-Arts Nummer 13 im 6. Arrondissement).

Her Majesty’s Prison Reading war eines der sogenannten Young Offenders Institutions, das sind Einrichtungen, in denen 18-21jährige Männer untergebracht sind, die noch nicht als Erwachsene für ihre Straftaten verurteilt worden sind und in denen ein Schwerpunkt auf die Aus- und Weiterbildung der jungen Gefangenen gesetzt wird. Anfang des Jahres 2014 wurde das Gefängnis geschlossen. Es gab Pläne, es in ein Kulturzentrum umzuwandeln, aber bis jetzt ist noch nichts entschieden. Anfang diesen Jahres verewigte sich der Graffiti-Künstler Banksy auf einer der Mauern des Gefängnisses; das Bild zeigt jemanden, der gerade an einem Seil ausbricht.

Das Gefängnis wurde 1844 mitten in Reading gebaut; entworfen wurde es von dem berühmten Architekten George Gilbert Scott, der für den Bau von zahlreichen weiteren Gefängnissen, Irrenanstalten und Arbeitshäusern verantwortlich war, der aber auch unter anderem das Londoner Albert Menorial und das Midland Grand Hotel an der Londoner St Pancras Station entwarf.

Bis zum Jahre 1913 wurden im Reading Gaol auch Todesurteile vollstreckt. Neben Oscar Wilde gab es einen weiteren prominenten Insassen: Der amerikanische Schauspieler Stacy Keach saß hier 1984 einmal für neun Monate   ein, weil er am Londoner Flughafen Heathrow mit Kokain erwischt wurde.

Das Lied „Each Man Kills The Thing He Loves„, das auf einer Zeile aus Oscar Wildes „The Ballad of Reading Gaol“ beruht, ist hier in der Version mit Jeanne Moreau zu sehen und zu hören.

Banksys Graffiti (soll es Oscar Wilde zeigen?)
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Der Sapperton-Kanaltunnel – Der ehemals längste Kanaltunnel Englands

Eigenes Foto

Wenn man sich den Eingang des Sapperton-Kanaltunnels einmal ansieht, mag man es kaum glauben, dass durch diesen engen Schlauch einmal Boote durchbugsiert worden sind, und das auf einer Länge von 3,5 km.

Dieser 1789 eröffnete Tunnel liegt südlich von Cirencester in der Nähe des Dörfchen Coates in Gloucestershire. Ich habe mir nur den Eingang am Tunnel House Inn (siehe dazu meinen Blogeintrag) angesehen, der ziemlich einsam gelegen und nur auf einem ziemlich schlechten Weg zu erreichen ist (mein Auto war anschließend total verdreckt). Im Tunnel House Inn hat Prince William einmal eine Geburtstagsparty gegeben (ich weiß nicht, ob die geladenen Gäste von dem matschigen Zufahrtsweg so begeistert waren; aber vielleicht hat es ja an dem Tag nicht geregnet). Leider ist der Pub zur Zeit bis auf Weiteres geschlossen.

Die schmalen Boote, die diesen Teil des Thames und Severn Kanals passieren wollten, mussten mit Hilfe der Füße der Schiffer durch den Tunnel befördert werden; das heißt, die Männer lagen auf dem Rücken und stießen sich mit den Füßen an der Tunneldecke ab. Eine mühsame und schweißtreibende Arbeit. Einen parallel zum Kanal entlangführenden Treidelpfad gab es im Sapperton-Tunnel nicht.
Nachdem Teile der Decke in der Mitte des Tunnels eingestürzt waren, kam  dann auch eine Durchquerung nicht mehr in Frage. Eine Zeit lang wurden Bootsfahrten in einen Teil des Tunnels durchgeführt, die sind aber inzwischen wieder eingestellt worden. Der Cotswold Canals Trust möchte den Sapperton-Tunnel gern wieder auf der ganzen Länge schiffbar machen und die erforderlichen Reparaturarbeiten durchführen, aber konkrete Zeit- und Finanzierungspläne gibt es wohl noch nicht.

1811 löste der Standedge-Tunnel in West Yorkshire (s. hierzu auch meinen Blogeintrag) den Kollegen in Gloucestershire mit knapp 5 km als längsten Tunnel Englands ab.

Der Sapperton-Tunnel ist auch in der Literatur wiederzufinden. Einmal in Cecil Scott Foresters Roman „Hornblower and the Antropos“ (dt. „Hornblower wird Kommandant“), der 1953 erschien, und in dem Horatio Hornblower samt schwangerer Ehefrau und Sohn auf einem Kanalboot nach London fährt und dabei auch besagten Tunnel durchquert. Mo Hayders Thriller „Gone“ (2010), der in Deutschland unter dem Titel „Verderbnis“ erschien, verwendet den Sapperton-Kanaltunnel ebenfalls als Schauplatz. „It’s such a weird place“ schreibt Mo Hayder fasziniert in ihrem Blog.
Die Zufahrt zu dem Tunneleingang und zum Pub erfolgt über die A433 von Tetbury nach Cirencester und ist ausgeschildert.

Hier ist ein Film über den Tunnel.

Der leider zur Zeit geschlossene Tunnel House Inn. – Eigenes Foto
Published in: on 18. September 2021 at 02:00  Comments (8)  

Der Emley Moor Tower in West Yorkshire – Großbritanniens höchster frei stehender Turm

Author: ahisgett.
Creative Commons 2.0

Er ist inklusive Antennenmast 330 m hoch, wiegt 11 200 t und besteht aus Stahlbeton.  Der Emley Moor Tower ist Großbritanniens höchster freistehender Turm und findet sich etwa 1,5 km westlich des Dorfes Emley, zwischen Huddersfield und Wakefield, in West Yorkshire. Dort, wo jetzt dieser riesige Fernsehturm steht, hatte die BBC schon vorher Sendeanlagen aufgestellt. 1969 stürzte dieser Sendemast bei einem starken Sturm und auf Grund von Vereisung um, was zu einem Totalausfall der Fernseh- und Radioprogramme in weiten Teilen des Nordens führte.
Nachdem man sich mit einigen Provisorien behalf, wurde ein neuer Fernsehturm in Stahlbetonweise gebaut, der 1971 seinen Betrieb aufnahm, und dem offensichtlich Stürme und Eis nichts mehr anhaben können.
Der weithin sichtbare Emley Moor Tower ist für West Yorkshire so etwas wie ein Symbol geworden, so wie der Angel of the North für die Region Tyne and Wear im Nordosten des Landes.

Im Inneren des Turms führt ein Lift in etwa sieben Minuten in den Kontrollraum, von wo aus man einen fantastischen Blick haben muss. Wer nicht ganz schwindelfrei ist, wird da seine Probleme haben, aber der Fernsehturm ist sowieso nicht öffentlich zugänglich. Sollte der Lift einmal ausfallen, kann man auch über Leitern in den Kontrollraum gelangen… über 865 Leitersprossen!

Hier ist ein Film über den Emley Moor Tower und hier ist ein Rundgang auf der Turmspitze (nur für Schwindelfreie!)

Author: LuluP.
Creative Commons 2.0
Im Inneren des Turms.
Author: Dave Wilson Cumbria.
Creative Commons 2.0
Published in: on 16. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

HM Prison Portland – Ein Gefängnis auf Dorsets Isle of Portland

Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

Als meine Frau und ich einmal in einem gemieteten Cottage bei Pimperne, in der Nähe von Blandford Forum in Dorset, wohnten, hörten wir in den Lokalnachrichten, dass jemand aus einem Gefängnis auf der Isle of Portland ausgebrochen war und von der Polizei gesucht wurde. Da unser Cottage ganz einsam gelegen war, wäre das eine ideale Zuflucht für einen Sträfling gewesen, und so lauschten wir nachts unwillkürlich auf ungewöhnliche Geräusche von draußen. Aber der Mann hatte sich wohl in eine andere Richtung orientiert.

Auf der Isle of Portland gibt es zwei Gefängnisse. Die nur durch eine Brücke vom Festland getrennte Insel bietet sich für Gefängnisse geradezu an, denn sie ist bei Ausbrüchen von Gefangenen leicht abzuriegeln.

Neben dem HM Prison The Verne, in dem überwiegend Sexualverbrecher untergebracht sind, existiert dann noch, neben dem Dorf The Grove, das HM Prison Portland, das es schon seit 1848 gibt und das ursprünglich als Gefängnis für Erwachsene eingerichtet worden war. Sehr viel später,1988, wurde es zu einer Young Offenders Institution, einer Haftanstalt für junge Männer im Alter von 18 bis 22 Jahren. Im Jahr 2011 kam dann wieder ein Adult Establishment dazu. Um und bei 500 Häftlinge sind in dem Gefängnis untergebracht.

Gegenüber vom Haupteingang von Her Majesty’s Prison Portland haben ehemalige Gefängniswärter ein Museum eingerichtet, das Grove Prison Museum, in dem über die Geschichte der Haftanstalt informiert wird. Die Öffnungszeiten: Donnerstag bis Montag von 10 Uhr bis 14 Uhr; der Eintritt ist frei.

Im zweiten Gefängnis auf der Insel, HM Prison The Verne, gibt es übrigens das Jailhouse Café, das öffentlich zugänglich ist, und in dem Häftlinge aus HM Prison Portland arbeiten.

Hier ist eine Dokumentation über das Gefängnis.

Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 14. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Weymouth in Dorset Teil 1 – Der Jurassic Skyline Tower

Author: Images George Rex.
Creative Commons 2.0

Am 22. Juni 2012 wurde in Weymouth in Dorset der 53 Meter hohe Jurassic Skyline Tower in Betrieb genommen, eine Besucherattraktion in der Küstenstadt. Der vier Jahre später eröffnete British Airways i360 Tower in Brighton ist mit einer Höhe von 162 Metern zwar wesentlich höher, aber beide Türme funktionieren nach dem gleichen System. Eine rundum verglaste Gondel schraubt sich langsam vom Boden bis zur Spitze, wodurch die „Reisenden“ einen wunderbaren 360°-Rundblick auf das Meer und das Binnenland haben.

£3.5 Millionen kostete der in Deutschland entworfene Turm in Weymouth (der Turm in Brighton kostete £46 Millionen), und er war von Anfang an als vorübergehend geplant. Sieben Jahre später wurde der Jurassic Skyline Tower geschlossen und wieder in seine Bestandteile zerlegt (hier ist ein Film darüber). Die Attraktion des Turmes hatte allmählich nachgelassen und die Besucherzahlen gingen zurück, was möglicherweise auch auf einen Zwischenfall am 5. September 2017 zurückzuführen war. An diesem Tag blieb nämlich die Gondel oben auf dem Turm auf Grund eines technischen Problems stecken. 13 Besucher und ein Mitarbeiter der Betreiberfirma waren eingeschlossen, nichts ging mehr. Ein Hubschrauber der Küstenwache wurde zu Hilfe gerufen, denn alle anderen Bergungsmöglichkeiten schieden wegen schlechten Wetters aus. Der Helikopter holte alle Eingeschlossenen per Seilwinde vom Turm, eine Erfahrung für die 14 Menschen, an die sie sich sicherlich noch lange erinnert haben. Sechs Stunden hatte es gedauert bis alle wieder in Sicherheit waren und auf festem Boden standen.

Rund 700 000 Besucher wurden im Laufe seines kurzen Lebens auf dem Jurassic Skyline Tower gezählt. Bei einem Eintrittspreis von £7.50 pro Besucher hatte er also mehr als die Entstehungskosten wieder eingespielt. Dieser Film zeigt eine Fahrt mit der Gondel auf den Turm, die etwa 20 Minuten dauerte.

Author: Images George Rex.
Creative Commons 2.0
Published in: on 6. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Spanish City in Northumberlands Whitley Bay

Photo © Geoff Holland (cc-by-sa/2.0)

Das Wahrzeichen des Küstenortes Whitley Bay in Northumberland ist ein auffälliges Kuppelgebäude direkt am Strand, das zur Spanish City gehört. 1910 wurde das Gebäude errichtet; die Erbauer wollten wohl so etwas wie eine abgespeckte Version von Blackpools Pleasure Beach den Besuchern zur Verfügung stellen. Der Name Spanish City geht auf eine Einrichtung zurück. die zuvor an dieser Stelle stand, in der Konzerte veranstaltet wurden und die wie ein spanisches Dorf gestaltet war.

Links und rechts von der imposanten Kuppel stehen zwei Türmchen, auf denen jeweils eine weibliche Figur zu sehen ist, die sich beide musikalisch betätigen. Die eine hält ein Becken in den Händen, die andere spielt ein Tamburin. Die Spanish City besteht aus mehreren Restaurants, Bars und Veranstaltungssälen, in denen gern Tribute Nights stattfinden; geplant für die nächste Zeit sind Freddie Mercury, George Michael und Lady Gaga Tributes. Die Räumlichkeiten der Spanish City können für Hochzeitsfeiern oder Babyshower Parties gebucht werden.

Da das Gebäude mittlerweile schon sehr in die Jahre gekommen und vom Einsturz bedroht war, fanden umfangreiche Renovierungsarbeiten statt, die vor drei Jahren abgeschlossen werden konnten. Im Juli 2018 erstrahlte die Spanish City wieder in neuem Glanz.

Mark Knopfler von der Band Dire Straits, der nicht weit entfernt, in Blyth, aufgewachsen war und Whitley Bay häufig besucht hatte, schrieb 1980 den Song „Tunnel of Love„, der zu einer Art Hymne der Spanish City geworden war und jeden Morgen bei der Öffnung gespielt wurde. In dem Song geht es um einen Besuch in einem Vergnügungspark, und die Spanish City wird darin explizit erwähnt.

Im November 1998 wurde der Song „Pray“ der Sängerin Tina Cousins veröffentlicht; das dazu gehörende Video entstand zum Teil in der Spanish City und der näheren Umgebung.

Hier ist ein Film über die Geschichte der Spanish City.

Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)
Photo © Geoff Holland (cc-by-sa/2.0)

Bruton in Somerset und eine weltberühmte Kunstgalerie

Photo © Sarah Smith (cc-by-sa/2.0)

New York, Los Angeles, London, Hongkong…und Bruton in Somerset: Das sind einige der Standorte der Kunstgalerien von Hauser&Wirth, einer Firma, die sich weltweit einen Namen gemacht hat und die 1992 von Iwan und Manuela Wirth und Ursula Hauser in Zürich gegründet wurde. Neben den bereits erwähnten Metropolen (Bruton gehört natürlich nicht dazu) gibt es noch mehrere Außenstellen in mondänen Orten wie St Moritz, Gstaad und Monaco.

Hauser&Wirth baut gern historische Häuser um, damit in ihnen ein entsprechendes Umfeld für zeitgenössische Kunst geschaffen werden kann. So war es auch in Bruton in der Grafschaft Somerset, wo die Firma 2014 die Durslade Farm am Dropping Lane erwarb, weit weg von den nächsten größeren Orten. Die Farm stand jahrelang leer und verfiel immer mehr, bis sie von dem Pariser Architektenbüro Laplace komplett renoviert und umgebaut wurde. In dem ehemaligen Bauernhaus stehen mehrere Zimmer für Übernachtungen zur Verfügung, einige neue Gebäude wurden hinzugefügt, und der renommierte Landschaftsarchitekt Piet Oudolf schuf hinter der Galerie einen sehenswerten Garten.

Wer sich an den ausgestellten Kunstwerken satt gesehen hat, trotzdem aber noch Appetit hat, dem steht das Restaurant Roth Bar & Grill zur Verfügung, wo man unter anderem einen ganzen Dorset-Hummer für £48 verspeisen kann.

Zwei große Ausstellungen finden in der zweiten Jahreshälfte hier in Bruton statt. Da werden einmal Werke von Gustav Metzger (1926-2017) ausgestellt; das ist ein in Nürnberg geborener und in London gestorbener Aktionskünstler. Parallel dazu werden Skulpturen des spanischen Bildhauers  Eduardo Chillida (1924 – 2002) gezeigt, dessen Werke auch in mehreren deutschen Städten aufgestellt sind, zum Beispiel vor dem Bundeskanzleramt in Berlin.

Hier ist ein Film über ein Besuch in der Galerie.

Über den Ort Bruton schrieb ich schon einmal in meinem Blog in Zusammenhang mit dem US-amerikanischen Schriftsteller John Steinbeck.

Author: yellow book.
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Das ehemalige Farmhaus.
Photo © Sarah Smith (cc-by-sa/2.0)

Der Burlington Bunker in Corsham (Wiltshire)

Ob wohl die Bewohner der kleinen Stadt Corsham in der Grafschaft Wiltshire alle wissen, was sich da 37 Meter unter ihren Füßen befindet? Der Burlington Bunker beziehungsweise The Central Government War Headquarters wurde in den Zeiten des Kalten Krieges, genauer gesagt ab 1955, eingerichtet, um dem britischen Staatsapparat und der königlichen Familie Schutz vor einem feindlichen (nuklearen) Raketenangriff zu bieten. Da dort unten durch Kalksteinabbau bereits ein umfangreiches Höhlensystem existierte, wurde dieses ausgebaut und zwar auf eine Länge von insgesamt 97 Kilometer. Dieser unterirdische Bunker war nicht für die Zivilbevölkerung von Corsham gedacht, sondern von dort unten sollte im Ernstfall die britische Regierung die Geschicke des Landes leiten. Für bis zu 4000 Menschen war die Anlage ausgelegt, man war von der Außenwelt völlig unabhängig (zumindest für eine Zeit von etwa drei Monaten). Es gab ein Krankenhaus, Kantinen, Wäschereien, riesige Vorratslager, eine gigantische Telefonvermittlungsanlage, ein Fernsehstudio usw. usw. Der Burlington Bunker war in 22 Abschnitte eingeteilt; die Royal Family sollte in Area 17 wohnen, wo alles ein wenig luxuriöser eingerichtet war.

Das muss alles ein Vermögen verschlungen haben, auch der Unterhalt der Bunkeranlage muss sehr teuer gewesen sein. Nach dem Ende des Kalten Krieges hielt das Verteidigungsministerium den Bunker unter Corsham mehr oder weniger ruhen. Ich frage mich auch, wenn feindliche Interkontinentalraketen ihre Ziele in wenigen Minuten erreichen können, wie sollte es die Regierung von London aus bei einem plötzlichen Angriff bis nach Corsham schaffen? Hatte man damals möglicherweise eine Fehlplanung vorgenommen? Warum nicht eine entsprechende Anlage in London?

Einen Teil des Burlington Bunkers hat man heute einem wesentlich angenehmerem Zweck zugeführt: Die Firma Octavian Wines, die sich auf die Lagerung von besonders kostenbaren Weinen spezialisiert hat, ist jetzt hier Untermieter geworden, denn die unterirdischen Gänge bieten unter anderem ganzjährig eine gleich bleibende Temperatur, was wesentlich für die Lebensdauer dieser Weine ist.

In den unterirdischen Gängen findet man auch einige Wandmalereien, die auf das Jahr 1943 zurückgehen, als die Anlage als Fabrik für die Bristol Aircraft Company genutzt wurde. Die Künstlerin Olga Lehmann (1912-2001) fertigte diese an, um die düstere Atmosphäre hier unten etwas aufzuhellen.

Corsham in Wiltshire.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 28. Juni 2021 at 02:00  Comments (2)  

Der Dundas Aqueduct bei Monkton Combe in Somerset

Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Vor fünf Jahren stellte ich in meinem Blog einen ungewöhnlichen Aquädukt in Warwickshire vor, den Edstone Aqueduct. Normalerweise fährt man mit seinem Narrowboat unter einer Brücke hindurch, hier jedoch geht es genau anders herum.

So etwas Ähnliches findet man in Somerset bei Monkton Combe, wo man mit seinem Boot den River Avon und eine Bahnlinie überqueren kann und zwar mit Hilfe des Dundas Aqueducts. Benannt wurde diese Brücke nach Charles Dundas, 1st Baron Amesbury (1751-1832), einem Politiker, der auch der erste Vorsitzende der Kennet and Avon Canal Company war, die diesen Kanal samt Aquädukt betrieb.

Ursprünglich sollte diese Kanalbrücke aus Ziegelsteinen gebaut werden, doch da in der Nähe Steinbrüche waren, aus denen man den sogenannten Bath Stone holte, deren Betreiber den Aquädukt überwiegend benutzten, schien es etwas merkwürdig zu sein, diese Brücke nicht auch aus Bath Stone zu bauen. 1805 war der Dundas Aqueduct fertig und der Kanalbetrieb konnte losgehen.
Die 137 Meter lange Brücke wird heute gern von Freizeitkapitänen auf ihren Booten genutzt, die den 140 Kilometer langen Kennet and Avon Kanal befahren. Ein Höhepunkt dieser Fahrt ist sicher immer wieder dieser Aquädukt, von dem aus man einen ungewöhnlichen Blick auf die umliegende Landschaft hat. Nach meinen Erfahrungen mit Narrowboats kann man von ihnen aus nicht viel sehen, weil man meistens relativ tief im Fluss liegt ( so ist es zumindest auf der Strecke von Evesham nach Stratford-upon-Avon auf dem River Avon).

Hier ist ein Film, der die Überquerung des Dundas Aqueducts mit einem Narrowboat zeigt und hier ist ein Film aus der Vogelperspektive.

Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Juni 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Buxton Memorial Fountain in den Londoner Victoria Tower Gardens

Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Es gab im 19. Jahrhundert eine ganze Reihe von Menschen, die sich für die Abschaffung der Sklaverei einsetzten, der bekannteste unter ihnen ist sicher William Wilberforce, der in seiner Geburtsstadt Hull mit einer Gedenksäule geehrt worden ist.
Etwas weniger bekannt ist Sir Thomas Fowell Buxton (1786-1845), Parlamentsmitglied für den Bezirk Weymouth and Melcombe Regis in Dorset und Mitbegründer der British and Foreign Anti-Slavery Society. Ihm und seinen Mitstreitern gelangen große Erfolge in der Beendung der Sklaverei.

Wie William Wilberforce ist auch Sir Thomas mit einem Memorial geehrt worden, dem Buxton Memorial Fountain, der seinen Platz auf dem Londoner Parliament Square fand. In Auftrag gegeben und konzipiert wurde der Brunnen von Charles Buxton, seinem Sohn, der ebenfalls Parlamentsmitglied war. Geschaffen hat den Buxton Memorial Fountain der Architekt Samuel Sanders Teulon, der an der Umgestaltung von vielen Kirchen und Herrenhäusern (Holkham Hall, Sandringham House, Cholmondeley Castle) beteiligt war. 1866 war das sehenswerte Kunstwerk fertiggestellt. Als nach dem Zweiten Weltkrieg der Platz vor dem Parlament neu gestaltet worden war, beseitigte man den Memorial Fountain und stellte ihn erst 1957 wieder auf, in den nahegelegenen Victoria Tower Gardens, wo er bis heute zu bewundern ist. Mehrere Male wurden Figuren von der Gedenkstätte entwendet, auch der Brunnen funktionierte nicht mehr, so wurde das Memorial 2006/07 komplett restauriert und konnte im März 2007 anlässlich einer Enthüllungszeremonie wieder in neuem Glanz erstrahlen.

Ich finde diesen Brunnen sehr schön und es lohnt sich, ihn einmal genau anzusehen.

Hier ist ein Rundgang durch die Victoria Tower Gardens im Film.

Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 11. Juni 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Melbury Road im Londoner Stadtteil Kensington, zwei historische Häuser und zwei sich befehdende Rockstars

The Tower House.
Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)

In der Londoner Melbury Road im Stadtteil Kensington stehen einige sehr edle Häuser, von denen die Nummer 29 und die Nummer 31 besonders ins Auge fallen. Hier wohnen Menschen, die ganz offensichtlich nicht unter Geldmangel leiden. Die Nummer 29 ist das Tower House, sofort an dem angebauten Turm zu erkennen. Es wurde von dem renommierten viktorianischen Architekten William Burges erbaut. 1878 war es fertig gestellt und Burges zog auch selbst ein. Ich möchte nicht auf alle Bewohner des Tower Houses eingehen, John Betjeman war einer von ihnen, sondern nur auf den gegenwärtigen, der hier schon seit 1972 wohnt. Es ist der Gründer und Gitarrist der Rockband Led Zeppelin, die von 1968 bis 1980 zusammen war: Jimmy Page. Das Tower House war damals heiß begehrt. 1969 schnappte es der Schauspieler Richard Harris dem US-amerikanischen Pianisten Liberace vor der Nase weg, und drei Jahre später geschah das gleiche mit Jimmy Page, der bereit war, mehr dafür zu bezahlen als sein Konkurrent, der Sänger David Bowie. Wer sich für das Interieur des Hauses interessiert, dem kann ich den entsprechenden Wikipediaartikel empfehlen, der sehr detailliert darauf eingeht.

Neben dem Tower House steht das Woodland House, die Nummer 31. Es wurde fast zeitgleich mit dem Tower House im Jahr 1878 von dem Architekten Richard Norman Shaw für den Maler Luke Fildes erbaut, der darin von 1878 bis 1927 wohnen sollte; eine blaue Plakette am Haus erinnert daran. 1972 zog der Filmregisseur Michael Winner (1935-2013) ein, der unter anderem für seine Filme „Chatos Land“ und „Ein Mann sieht rot“ bekannt wurde. Später war er als Restaurantkritiker tätig; ich las regelmäßig seine Rubrik „Winner’s Dinners“ in der Sunday Times (siehe hierzu meinen Blogeintrag).

Nachdem Michael Winner gestorben war, folgte der Sänger Robbie Williams als Bewohner des Woodland House, der dafür £17.5 Millionen bezahlt haben soll. Da Mr Williams umfangreiche Umarbeiten an dem Haus vornehmen wollte, darunter ein unterirdisches Schwimmbad, geriet er mit seinem Nachbarn Jimmy Page in Konflikt, der fürchtete, dass diese Arbeiten sein unter Denkmalschutz stehendes Tower House gefährden könnten. Der Streit zwischen den beiden zog sich mehrere Jahre hin, wobei Robbie Williams seinen dreißig Jahre älteren Nachbarn durch das Abspielen lauter Musik der früheren Konkurrenten Led Zeppelins geärgert haben soll (hier ein Interview mit Robbie Williams). Die Baupläne des ehemaligen Take That-Sängers wurden genehmigt, allerdings mit der Auflage, dass die bei den Bauarbeiten entstehenden Vibrationen ständig überwacht werden müssen, so dass dem Tower House kein Schaden entstehen könne. So richtige Freunde werden Herren Page und Williams wohl nie werden.

Hier ist ein Film über „The Melbury Road Set“.

The Woodland House.
Author: Spudgun67
Creative Commons 2.0
Published in: on 8. Juni 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

William MacKenzies Pyramidengrab in Liverpool

Photo © Paul Brooker (cc-by-sa/2.0)

Warum soll ich mich eigentlich in einem ganz normalen Grab wie alle anderen begraben lassen, das fragten sich einige Herren im 19. Jahrhundert und dachten sich für ihre letzte Ruhestätte etwas Außergewöhnliches aus. John „Mad Jack“ Fuller zum Beispiel baute sich schon 23 Jahre vor seinem Tod in Brightling in East Sussex ein Mausoleum in Form einer Pyramide (siehe dazu meinen Blogeintrag), während Sir Richard Francis Burton seine Verbundenheit mit allem Orientalischen zeigte, indem er sich sein Grabmal in Form eines steinernen Beduinenzeltes in Mortlake (Greater London) bauen ließ (siehe auch dazu meinen Blogeintrag).

Der Unternehmer William MacKenzie (1794-1851) dachte ähnlich und ruht in einer 4,57 Meter hohen Pyramide auf dem Kirchhof der ehemaligen Kirche St Andrew’s an der Rodney Street in Liverpool. Der Legende nach soll es sein Wunsch gewesen sein, in der Pyramide an einem Tisch sitzend bestattet zu werden, mit Spielkarten in der Hand, denn MacKenzie war leidenschaftlicher Spieler. Er wollte nicht in der Erde beigesetzt werden, um dem Teufel ein Schnippchen zu schlagen, denn er hatte bei einem Spiel Poker mit dem Leibhaftigen seine Seele verspielt. Wenn er also über der Erde bliebe, könne der Teufel seine Seele nicht einfordern, so angeblich die Denkweise MacKenzies.

Wie gesagt, es handelt sich bei der Geschichte um eine Legende. Die Fakten sehen anders aus. Die Pyramide wurde erst 1868, also 17 Jahre nach seinem Tod von seinem Bruder Edward erbaut. William MacKenzie sitzt darin auch nicht an einem Spieltisch, sondern ist richtig begraben worden (was ist jetzt mit seiner Seele und dem Teufel?). Die Inschrift an der Pyramide lautet:
In the vault beneath lie the remains of William Mackenzie Esquire who died 29th October 1851 aged 57 years. Also, Mary his wife, who died 19th December 1838 aged 48 years and Sarah, his second wife who died 9th December 1867 aged 60 years. This monument was erected by his Brother Edward as a token of love and affection A.D. 1868. The memory of the just is blessed”.

Schade, wieder wurde ein schöne Legende zerstört! Stimmt es etwa auch nicht, dass MacKenzies Geist hin und wieder die Rodney Street heimsucht?
Hier ist ein Film über die „Story of William MacKenzie“.

Die St Andrew’s Church wurde bereits 1975 geschlossen. Heute befinden sich darin Studentenunterkünfte.

Die St Andrew’s Church in Liverpool, rechts die Pyramide.
Author: Rodhullandemu
Attribution: By Phil Nash from Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0 & GFDL

Die Stan Laurel-Statue in North Shields (Tyne and Wear)

Author: sgwarnok2010
Creative Commons 2.0

Es sind rund 200 Kilometer, die die Städte Ulverston in Cumbria und North Shields in Tyne and Wear voneinander trennen und es gibt ein Bindeglied zwischen den beiden Orten:  Arthur Stanley Jefferson. Arthur wer? mögen sich da manche fragen. Der Mann ist sehr viel besser bekannt unter seinem Künstlernamen Stan Laurel; in Deutschland, die dumme Hälfte von Dick und Doof.

Stan Laurel wurde am 16. Juni 1890 in Ulverston geboren, wo man ihm zu Ehren, gemeinsam mit Oliver „Dick“ Hardy, im Jahr 2009 eine Statue aufgestellt hat (siehe dazu meinen Blogeintrag).
Seine Eltern waren beide im Theatergeschäft tätig und zogen häufig um, unter anderem nach North Shields an der englischen Nordostküste. Dort verbrachte Arthur Stanley Jefferson einen Teil seiner Kindheit von 1895-1902  am Dockwray Square in der Hausnummer 8. Das Haus existiert heute nicht mehr, aber am jetzt hier stehenden Doppelhaus mit der Nummer 6/7 ist vom North Tyneside Council eine Plakette mit seinen Lebensdaten angebracht worden. Doch hat man es nicht mit dieser blauen Plakette belassen, sondern dem berühmten Schauspieler noch zusätzlich eine Statue, gegenüber von seinem Wohnhaus, in dem nach ihm benannten Laurel Park, errichtet. Von dort blickt er auf die Mündung des Tyne Rivers, der hier ins Meer fließt. Auf dem Sockel der Statue ist Stan noch einmal gemeinsam mit seinem Partner Ollie zu sehen.

Geschaffen hat die Bronze der Bildhauer Robert Olley, eingeweiht wurde sie am 29. März 1992. Es war ein Geschenk der Firma Persimmon Homes, die den Dockwray Square damals neu gestaltete.

Wer sich für Stan Laurels Kindheit interessiert, dem sei das Buch „The Making of Stan Laurel: Echoes of a British Boyhood“ (McFarland 2011) von Danny Lawrence empfohlen, in dem auch viel von North Shields die Rede ist.

Hier ist ein Film über den Laurel Park und die Statue.

Dockwray Square 6/7 in North Shields mit der blauen Plakette.
Author: newcastleplaques
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