Mews – Ehemalige Stallungen, die zu Wohnungen umgebaut worden sind

Die Buckingham Mews, ganz in der Nähe des Buckingham Palace.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0).

In London, aber auch in anderen Städten, findet man hin und wieder das Wort Mews in einem Straßennamen wie beispielsweise Buckingham Mews oder Royal Crescent Mews in der Hauptstadt. Mews waren vornehmlich im 17. und 18. Jahrhundert Stallungen, in denen Pferde und Kutschen untergebracht waren, d.h. im vornehmen Vorderhaus wohnten die Herrschaften und im Hinterhaus über den Stallungen die Kutscher. Das war bequem für die wohlhabenden Hausbesitzer, auf Wunsch konnten ihre Kutschen in Minutenschnelle vorgefahren werden und standen zu ihrer Verfügung.

Heute kann man den „Mews-Straßen“ noch immer ansehen, wozu sie früher dienten, nur dass hinter den Toren an Stelle von Pferden und Kutschen häufig Autos untergebracht sind; eine Garage in London zu haben, ist ein hohes Gut. Aus den wenig attraktiven Hinterhäusern  früherer Zeiten sind gesuchte, teuere Apartments und Büros geworden wie dieser Film zeigt.

Im folgenden finden sich einige typische Beispiele für Mews in London.

Die Royal Crescent Mews in Hammersmith.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Die Kynance Mews in Kensington.
Photo © Roger Jones (cc-by-sa/2.0)

Die Bryanston Mews West in Marylebone.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Holland Park Mews in Kensington.
Photo © Janusz Lukasiak (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Sekhmet – Eine mysteriöse ägyptische Göttin über dem Eingang zum Auktionshaus Sotheby’s in der Londoner New Bond Street

Ob wohl die Besucher des Londoner Auktionshauses Sotheby’s in der New Bond Street 34/35 auch einmal nach oben schauen, bevor sie das Haus betreten, um die eigenartige schwarze Figur zu betrachten, die den Eingang zu bewachen scheint? Es handelt sich dabei um eine ägyptische Göttin namens Sachmet bzw. Sekhmet wie es auf dem Sockel steht, auf dem sie befestigt ist. Die aus schwarzem Basalt geschaffene löwenartige Figur war einst die Göttin des Krieges und auch der Heilung. Sie wurde der Legende nach als Tochter des Sonnengottes Ra betrachtet und war die Beschützerin der Pharaonen. Die Büste soll im Jahr 1320 vor Christi Geburt erschaffen worden sein und gilt als älteste Büste in Privatbesitz, die in London außerhalb geschlossener Räume zu finden ist.
In irgendeiner Weise kam sie nach London und wurde, zusammen mit anderen Artefakten, in den 1880er Jahren dem Auktionshaus angeboten; alles zusammen ersteigerte jemand für £40, doch merkwürdigerweise ließ sich dieser Unbekannte nie mehr bei Sotheby’s blicken, um seine Schätze abzuholen. So blieb Sachmet bei den Auktionatoren, die damals noch in der Wellington Street ansässig waren. Als sie 1917 in ihr neues Domizil in die New Bond Street zogen, nahmen sie auch die schwarze Göttin mit und positionierten sie über dem Haupteingang. Da steht sie nun und betrachtet das Kommen und Gehen vor dem wohl berühmtesten Auktionshaus der Welt.

Published in: on 12. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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John St John Long (1798-1834), der König der Quacksalber in der Londoner Harley Street

Die Harley Street 84.
Quelle: ResearchGate
Creative Commons 4.0

Weit über 1000 Arztpraxen plus diverse Kliniken gibt es in der Londoner Harley Street und den Nebenstraßen, eine gewaltige Zusammenballung medizinischen Fachwissens. Die Straße liegt im Stadtteil Marylebone im Zentrum der Stadt und macht einen gediegenen Eindruck; viele Häuser sind von Eisengittern umrahmt wie die Nummer 84, wo 1828 ein Mann namens John St John Long (1798-1834) eine Praxis eröffnete. Der Mann hatte keine Ahnung von Medizin; bisher hatte er sich mit künstlerischen Arbeiten durchs Leben geschlagen und dabei durch das Malen einige Anatomiekenntnisse erworben.
In seiner Praxis in der Harley Street spezialisierte er sich auf die Behandlung von Tuberkulose, in dem er seine Patienten geheime Stoffe inhalieren und sie mit Salben einreiben ließ. Fünf bis zehn Tage dauerten diese Anwendungen, häufig bildeten sich auf der Haut nässende Entzündungen, die er mit Kohlblättern abdeckte. Long versuchte seinen Opfern, ich meine natürlich Patienten, klarzumachen, dass diese Entzündungen ein Zeichen dafür sind, dass die Krankheit aus dem Körper heraustritt und sie anschließend geheilt sind. Erstaunlicherweise wirkte die Behandlung bei einigen, bei einigen aber nicht, zum Beispiel behandelte er eine junge Frau, die gar keine Tuberkulose hatte, mit seinen dubiosen Methoden, woraufhin die Patientin starb. John St John Long wurde angeklagt und es kam zu einem Prozess im Old Bailey, wo sowohl richtige Mediziner als auch ehemalige Patienten Longs zu Wort kamen. Die Geschworenen verurteilten den Quacksalber wegen Totschlags, er musste aber nur eine Strafe in Höhe von £250 bezahlen.

Long, der angebliche Tuberkulosespezialist, starb vier Jahre nach dem Prozess im Jahr 1834…angeblich an Tuberkulose, wobei er sich erbittert gesträubt haben soll, sich mit seinen eigenen Wundermitteln behandeln zu lassen. Es gibt aber auch eine andere These für seinen Tod: Er soll an den Folgen eines Reitunfalls gestorben sein.
Was nun auch immer stimmt, Long hatte auch nach seinem Ableben eine ihm gegenüber wohlmeinende Gefolgschaft, die dafür sorgte, dass auf dem Friedhof von Kensal Green, wo er beerdigt worden war, ein aus Portlandstein und Carraramarmor bestehendes Monument errichtet wurde, das der Bildhauer Robert William Sievier gestaltete.

In der Harley Street 84 befinden sich auch heute noch Arztpraxen, die Harley Street Clinic und die Anelca Clinic, die sich auf kosmetische Chirurgie spezialisiert hat.

Das Grabmal von John St John Long.
Photo: Robert Freidus
Quelle: Victorian Web

Die Cockpit Steps in der Londoner City of Westminster

Von der Old Queen Street in der Londoner City of Westminster führen einige Stufen hinunter zu einem Weg, der zum Birdcage Walk führt, das ist eine Straße entlang des St James’s Park. Diese Stufen, die unter Denkmalschutz stehen, und der Weg nennen sich Cockpit Steps und erinnern an eine Hahnenkampfarena, die hier einmal stand, wovon die Treppenstufen als einziges übrig geblieben sind.

Hahnenkämpfe erfreuten einmal sich großer Beliebtheit, und dieser Cockpit hier in Westminster wurde im 17. Jahrhundert eröffnet. Es gab Kampfplätze für das das „niedrige“ Volk und welche für wohlhabendere Leute; der hier, von dem wir sprechen, war ein Royal Cockpit, in dem sich auch Adlige und andere Betuchte zusammenfanden, um dem blutigen „Sport“ beizuwohnen und Wetten abzuschließen, welches der armen Tiere in der Arena überleben würde. Dabei wurden die Kampfhähne nicht nur aufeinander losgelassen, das geschah nach einem detaillierten Regelwerk, das das Verfahren exakt bestimmte.

Durch den Eintritt in Höhe von fünf Schillingen wurde im Royal Cockpit also gleich am Anfang die Spreu vom Weizen getrennt, was die Zahlungsfähigkeit der Zuschauer anbelangte. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Royal Cockpit geschlossen, bis auf die Stufen ist nichts mehr davon zu sehen.

Die Steps sollen von einem Geist heimgesucht werden, einer Frau ohne Kopf, die mehrfach hier gesehen worden sein soll. Ein Soldat der Horse Guards hatte Ende des 18. Jahrhunderts seine Frau ermordet und ihr den Kopf abgeschlagen. Beim Versuch, den Körper im St James’s Park Lake zu verstecken wurde der Mann erwischt. Seitdem wandelt die kopflose Frau hin und wieder die Cockpit Steps hinunter in Richtung Park und erschreckt arglose Menschen…

Dieser Film zeigt einen Gang entlang der Cockpit Steps.

Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 1. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Gherkin in London und das Grab einer jungen Römerin

The Gherkin in London zählt sicher zu den auffälligsten Gebäuden der Stadt (ich berichtete in meinem Blog darüber). Die offizielle Adresse des 180 Meter hohen Bürohauses lautet 30 St Mary Axe; an der Stelle stand vorher The Baltic Exchange, ein Haus, das 1992 bei einem Bombenanschlag der IRA so stark beschädigt worden war, dass es abgerissen werden musste. Drei Jahre später, als das Grundstück frei gemacht wurde, um The Gherkin zu errichten, entdeckte ein Archäologenteam des Museum of London die sterblichen Überreste eines jungen Mädchens, die man vorsichtig von der Baustelle in das Londoner Museum übernahm und dort genauestens untersuchte. Anhand der Untersuchungsergebnisse kamen die Archäologen zu dem Schluss, dass es sich um die Gebeine eines ca 13- bis 17jährigen Mädchens handelte, die etwa um 350 bis 400 in London gelebt haben musste und wahrscheinlich eine Römerin war. Woran die junge Dame gestorben war, ließ sich nicht mehr feststellen.

Nachdem The Gherkin fertiggestellt worden war und die junge Römerin 12 Jahre lang im Museum of London verbracht hatte, sollten ihre Gebeine wieder an die ursprüngliche Fundstelle zurückgebracht werden, an der jetzt das „Gurken-Hochhaus“ stand. Erst wurde eine Andacht für sie in der St Botolphs Church abgehalten, anschließend brachte man sie mit einem Prozessionszug zu ihrem letzten Ruheplatz zurück, der sich an der Bury Street, direkt neben The Gherkin befindet. Die Bürgermeisterin der City of London verstreute Rosenblätter auf eine in den Boden eingelassene Marmorplakette, die mit einem Lorbeerkranz verziert ist. Dahinter hat man in die Marmorbänke die Worte eingraviert “To the spirits of the dead / the unknown young girl / from Roman London / lies buried here„, daneben steht der Satz noch einmal auf Latein.

The Gherkin und die Bury Street.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Das Marktkreuz – Noch heute in vielen Orten Englands zu sehen

Dunster in Somerset.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Um wieder einmal die Wikipedia zu zitieren: „A market cross…is a structure used to mark a market square in market towns, where historically the right to hold a regular market or fair was granted by the monarch, a bishop or a baron“.
Das Marktkreuz kommt in vielerlei Gestalt in englischen Dörfern und Städten vor, manchmal als Steinkreuz, häufig aber auch als kunstvoll gestaltetes Gebäude, in dem man vor Sonne und Regen geschützt war und in dem Marktstände aufgebaut waren.
Besonders in Erinnerung geblieben sind mir das achteckige Market Cross von Dunster in Somerset, Yarn Market genannt, das 1609 von der Luttrell-Familie gebaut wurde, die im Dunster Castle wohnte. Der Yarn Market war ein Zentrum des regionalen Tuchhandels. Ebenso eindrucksvoll erschien mir das 1655 gebaute und unter Denkmalschutz stehende Market Cross von Tetbury in Gloucestershire.
Ich habe hier einige besonders gelungene Beispiele im Bild zusammengestellt.

Tetbury in Gloucestershire.
Eigenes Foto.

Tickhill in South Yorkshire.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Wymondham in Norfolk.
Photo © G Laird (cc-by-sa/2.0)

Howden in East Yorkshire.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Barnard Castle (County Durham).
Photo © G Laird (cc-by-sa/2.0)

Beaminster (Dorset).
Photo © Chris Heaton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. September 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Die Herne Bay Pier in Kent – Vom Schicksal gebeutelt

Die Pier von Herne Bay, im Hintergrund der stehengebliebene Brückenkopf.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Ich kenne den Badeort Herne Bay an der Nordküste von Kent nur von einem Besuch an einem trübgrauen Herbsttag und da sah er alles andere als einladend aus; aber bei Sonnenschein ist es dort sicher viel schöner. Schon seit 1832 gibt es in Herne Bay eine Pier, die für £50,000 erbaut wurde und über einen Kilometer ins Meer hinausragte, in der Hoffnung, zahlreiche Besucher an die Nordküste zu ziehen.

Piers sind anfällige Gebäude, die recht häufig von Stürmen und Bränden heimgesucht werden; einige sind auch schon von Schiffen mit unaufmerksamen Kapitänen gerammt worden. Die Herne Bay Piers (es hat bisher drei gegeben) sind besonders schlimm gebeutelt worden. Die Holzpfeiler der ersten Pier wurden von Schiffsbohrwürmern angefressen, das sind unangenehme Gesellen, die erhebliche Schäden anrichten können, was sie in Herne Bay auch taten. Die Holzpfeiler wurden durch metallene ersetzt bzw. mit Kupferhüllen umzogen, aber irgendwie war alles schon zu spät. Als auch noch die Passagiere ausblieben, die per Schiff an der Pier anlegten, und stattdessen mit der Eisenbahn anreisten, war das Schicksal der Herne Bay Pier besiegelt. Sie wurde im Jahr 1871 abgerissen.

Da man im Ort aber unbedingt eine neue Pier haben wollte, baute man schnell Pier Nummer 2, die schon 1873 der Öffentlichkeit übergeben wurde, allerdings nur 100 Meter lang war. Sie stieß leider auf kein großes Interesse, vielleicht weil sie so kurz war, und erwirtschaftete kein Geld. Also musste eine weitere Pier her. Jetzt klotzte man und kleckerte nicht, denn Pier Nummer 3 war mit 1154 Metern die zweit längste in England, die 1899 eröffnet wurde. Am 9. September 1928 schlug das Schicksal zu; bei einem Feuer brannten das Theater und einige Läden am Eingang ab. Im Zweiten Weltkrieg übernahm das Militär die Pier und sprengte Teile davon, damit bei einem feindlichen Angriff keine Schiffe anlegen konnten. Bei schweren Stürmen Anfang 1953 setzten die Wellen der Pier zu und richteten Schäden an. Als man im Juni 1970 den Grand Pavilion wieder neu aufbauen wollte, löste bei Schweißarbeiten ein Funke ein Feuer aus, und das Gebäude brannte komplett ab.
Weitere schwere Stürme 1978 und 1979 verursachten so große Schäden, dass der größte Teil der Pier abgerissen wurde. Der Brückenkopf draußen im Meer ist stehengeblieben.

Heute ist die Mini-Pier von Herne Bay nur noch 98 Meter lang, aber Pläne für eine richtig lange Version sind noch nicht vom Tisch und wenn das entsprechende Geld vorhanden ist, wird es vielleicht eines Tages eine Pier Nummer 4 geben.

Der Film „French Dressing“ aus dem Jahre 1964 ist übrigens zu großen Teilen an der Seebrücke von Herne Bay gedreht worden. Hier ist ein Ausschnitt zu sehen.

Der Piereingang.
Photo © David Kemp (cc-by-sa/2.0)

Der einsame Brückenkopf.
Photo © Hywel Williams (cc-by-sa/2.0)

Der Londoner Addington Square und das Musikvideo „Happiness“ der Formation Goldfrapp

Der Londoner Addington Square.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Henry Addington, 1st Viscount Sidmouth (1757-1844) war britischer Premierminister von 1801 bis 1804, der heute wohl nicht mehr vielen in Erinnerung geblieben ist, und der in seiner Amtszeit auch keine besonderen Schwerpunkte gesetzt hat. Nach ihm wurde eine Londoner Straße im Bezirk Camberwell, südlich der Themse, benannt, der Addington Square, eine ruhige, angenehme Wohnstraße am Burgess Park. Auf Grund der hübschen Häuser und der leichten Zugänglichkeit kommen immer mal wieder Filmcrews vorbei, um Dreharbeiten vorzunehmen. So zum Beispiel auch im Jahr 2008, als das Musikvideo „Happiness“ des britischen Duos Goldfrapp hier produziert wurde, unter der Regie von Douglas Wilson. Goldfrapp sind Sängerin Alison Goldfrapp und Partner Will Gregory (Synthesizer).

Der Song „Happiness“ entstammt dem Album „Seventh Tree“ und wurde von Goldfrapp geschrieben. Das dazugehörende Video wurde durch eine Filmsequenz aus dem US-amerikanischen Spielfilm „Small Town Girl“ beeinflusst, der 1953 entstand und in dem Jane Powell und Farley Granger die Hauptrollen spielten. Der Schauspieler Bobby Van (1928-1980) führt darin den Street Dance „Take me to Broadway“ auf; er hüpft in einem weißen Anzug durch die Straßen einer amerikanischen Kleinstadt, stellt dabei allerhand Unfug an und verbreitet gute Laune.

In „Happiness“ sehen wir ebenfalls einen jungen Mann in einem weißen Anzug, der Bobby Van verblüffend ähnlich sieht, und der durch den Addington Square hüpft, wobei viele Szenen vom Original übernommen worden sind. Alison Goldfrapp und Will Gregory treten in dem Video in verschiedenen Verkleidungen auf, am Schluss als altes Ehepaar, wobei Will im Rollstuhl sitzt und von Alison geschoben wird.

Bei der Tony Awards-Verleihung in New York 2014 hat Hugh Jackman sich auch an dem Street Dance versucht, was ihm ganz gut gelungen ist wie dieser Film zeigt.

Hier ist das Musikvideo „Happiness“ zu sehen.

Im Regency-Stil erbaute Häuser am Addington Square.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Die acht Bronzestatuen an der Londoner Vauxhall Bridge

Die Londoner Vauxhall Bridge.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Am  26. Mai 1906 wurde die neue Vauxhall Bridge in London eröffnet, mit fünf Jahren Verspätung. Im Vorfeld hatte es eine Reihe von Probleme gegeben, die erst behoben werden mussten, auch was das Erscheinungsbild der Brücke anbelangte. Die Vauxhall Bridge war sehr funktionell geraten und daher wollte man noch einige künstlerische Verschönerungen an ihr vornehmen. Der erste Vorschlag war, an jedem Ende der Brücke einen 18 Meter hohen Turm zu errichten, auf dem dann jeweils eine Skulptur stehen sollte; doch diese Idee wurde schnell aus Kostengründen verworfen. Bei Konsultationen mit dem schottischen Architekten Richard Norman Shaw entwickelte sich der Gedanke, stattdessen auf jeder Seite der Brücke vier Bronzefiguren anzubringen, die jeweils einen Aspekt britischen Lebens repräsentieren sollte. Beauftragt mit der Umsetzung wurden die Bildhauer Alfred Briscoe Drury und Frederick William Pomeroy. Drurys Figuren wurden an der flussabwärts gelegenen Seite der Themsebrücke angebracht, Pomeroys an der flussaufwärts gelegenen Seite.

Drurys Statuen verkörpern die Künste (eine Malerpalette und eine Statuette), die Wissenschaft (ein Himmelsglobus), Bildung (eine Mutter mit ihren zwei Kindern) und Kommunalverwaltung (ein Gesetzbuch), Pomeroy war auf der anderen Brückenseite zuständig für Architektur (ein Modell der St Pauls Kathedrale), Landwirtschaft (eine Sense und eine Getreidegarbe), Technik (eine Dampfmaschine) und das Töpferhandwerk (eine Vase). Die ca zwei Tonnen schweren weiblichen Figuren  sind von der Brücke aus kaum auszumachen, es sei denn man lehnt sich weit über das Geländer. Am besten kann man sie direkt von einem Themseboot aus sehen.

Die Architektur.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Die Landwirtschaft.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Die Technik.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Das Töpferhandwerk.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Alfred Hitchcocks Kopf als Skulptur in der Londoner New North Road

Gainsborough Studios heißt ein Apartmentkomplex in der Londoner New North Road, der 2004 errichtet wurde. Der Name kommt von dem ehemaligen Filmstudio, das an dieser Stelle stand und von 1924 bis 1949 Filme produzierte. Hier begann der junge Alfred Hitchcock seine Karriere als Filmregisseur und drehte Filme wie „The Lady Vanishes“ (dt. „Eine Dame verschwindet“) und „The Lodger“ (dt. „Der Mieter“).

Zu Ehren Alfred Hitchcocks stellte man hier eine Skulptur von ihm auf, die seinen markanten Kopf zeigt, der in Richtung Hollywood blickt, wo er zu einem der berühmtesten Regisseure der Filmgeschichte wurde. Den Auftrag für die Skulptur bekam der 1939 geborene Antony Donaldson, dessen Werke zum Beispiel in der Londoner Tate Gallery ausgestellt sind. Im Jahr 2003 wurde das aus Cortenstahl geschaffene Kunstwerk von Anthony Minghella, einem anderen renommierten britischen Filmregisseur, eingeweiht.
Unter dem Riesenkopf befindet sich übrigens ein Designstudio.

Siehe auch meinen anderen Blogbeitrag über Alfred Hitchcock in London.

Published in: on 31. August 2018 at 02:00  Comments (1)  
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The War Pigeon Memorial in Worthing (West Sussex)

This work is released into the public domain.

Man vergisst leicht, dass neben den unzähligen Menschen, die in den beiden Weltkriegen ums Leben gekommen sind, auch zahllose Tiere den Tod fanden, die in irgendeiner Weise in die kriegerischen Handlungen mit einbezogen wurden. In England gibt es einige Denkmäler, die an diese Tiere erinnern. In meinem Blog habe ich bereits das Animals in War Memorial im Londoner Hyde Park und das War Horse Memorial in Ascot (Berkshire) vorgestellt.

Einzigartig in Großbritannien ist ein Denkmal in der Stadt Worthing an der Südküste in der Grafschaft West Sussex, das War Pigeon Memorial, das an die Brieftauben erinnert, die im Auftrag der britischen Streitkräfte bestimmte Aufgaben zugewiesen bekommen haben und dabei getötet worden sind. Die Tiere mussten zum Beispiel Nachrichten in die Heimat transportieren und durch ihren Einsatz haben sie so manches Menschenleben retten können. 32 Brieftauben wurden sogar mit der Dickin Medal ausgezeichnet, die größte Ehre, die ein Tier in militärischen Auseinandersetzungen bekommen kann.

Das War Pigeon Memorial in Worthing wurde am 27. Juli 1951 vom Duke und der Duchess of Hamilton eingeweiht. In Auftrag gegeben wurde es von der Schauspielerin Nancy Price und Mitgliedern des Londoner People’s Theatre. Gestaltet hat das Denkmal die Bildhauerin Leslie Sharp aus Worthing. Die beiden steinernen Tauben, die das Memorial ursprünglich zierten, sind leider gestohlen wurden und man hat sie auch nicht ersetzt. Auf den beiden Felsen, die man vom Forest of Dean nach Worthing gebracht hat, sind zwei Inschriften zu finden. Auf dem einen Felsen steht „In memory of warrior birds who gave their lives on active service 1939-1945 and for the use and pleasure of living birds„. Den zweiten Felsen ziert ein Bibelspruch aus dem Alten Testament: „A bird of the air shall carry the voice and that which hath wings shall tell the matter. This memorial is presented by Nancy Price and members of the People’s Theatre London„.

Einmal im Jahr findet am Denkmal eine kleine Gedenkfeier statt, die aus dem Jahr 2013 ist hier zu sehen, ein bisschen exzentrisch, aber doch liebenswert.

Das Denkmal findet man im Beach House Park, zwischen der Lyndhurst Road und der Brighton Road, der A259.

Der Beach House Park in Worthing.
This work is released into the public domain

Bramber – Ein hübsches Dorf in West Sussex

Die Hauptstraße von Bramber.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Nordwestlich von Brighton, an der A283, liegt das hübsche und sehenswerte Dorf Bramber in West Sussex. Am Rande des Ortes stehen die wenigen Überbleibsel des Bramber Castles, darunter die rund zehn Meter hohe Ruine des ehemaligen Torhauses. Die normannische Burg wurde im 11. Jahrhundert erbaut; gleich daneben die normannische Kirche St Nicholas, die etwa aus der selben Zeit wie die Burg stammt und die älteste normannische Kirche von Sussex ist (täglich geöffnet!).

Das Sahnestück des Dorfes Bramber ist aber die Hauptstraße, einfach nur The Street genannt. Im Sommer sind viele Häuser und die Straßenlaternen mit Blumen dekoriert, selbst die sonst eher schmucklosen indischen und chinesischen Restaurants, in diesem Fall das Maharajah und The New Bramber Dragon, sind mit Blumenampeln und Blumenkästen bunt herausgeputzt.

Großartig sieht auch die Front des Castle Inn Hotels aus, regelrecht in ein Blumenmeer gehüllt. Das 3*-Hotel rühmt sich seines „Old Worlde“-Charmes, „with nooks, crannies and probably not a right angle in the entire place“.

Der Star von Bramber ist zweifellos ein uraltes, grandios aussehende Fachwerkhaus an der Hauptstraße namens St Mary’s, das im 15. Jahrhundert erbaut wurde und dessen Fundamente sogar noch älter sind. Hier war schon Königin Elizabeth I. zu Gast und König Charles II. soll auf seiner Flucht nach Frankreich in dem Haus übernachtet haben.

Die Kellerräume von St Mary’s sollen Sir Arthur Conan Doyle zu seiner Sherlock Holmes Geschichte „The Musgrave Ritual“ (dt. „Das Musgrave Ritual“) inspiriert haben (Alfred Musgarve war der Besitzer des Hauses Anfang des 20.Jahrhunderts).

St Mary’s stand sogar einmal kurz davor, abgerissen zu werden, doch es fanden sich glücklicherweise immer wieder Menschen, die sich in St Mary’s verliebten und das Gebäude hegten und pflegten. Auch die verschiedenen Gärten sind sehenswert wie der Secret Garden, der Topiary Garden und der Terrace Garden.

Das ganze Jahr über finden Veranstaltungen und Konzerte im St Mary’s House statt, so wird es am 6. Oktober einen Abend mit dem Pianisten Phillip Dyson und am 3. November einen Operngala-Abend geben.

St Mary’s ist von April bis Ende September geöffnet, für Einzelpersonen nur zu bestimmten Zeiten, sonst nur für Gruppen. Hier sind die exakten Öffnungszeiten.

Hier ist ein stimmungsvoller Film über das Haus in West Sussex.

Die Ruinen des Bramber Castles.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

St Nicholas.
Photo © Ian Cunliffe (cc-by-sa/2.0)

The Castle Inn Hotel.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

St Mary’s.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Die Gärten von St Mary’s.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Die Top Ten der beliebtesten Hausnamen in Großbritannien

Alle Häuser in Großbritannien haben in der Regel eine Nummer, die zu der entsprechenden Straße gehört wie zum Beispiel „35, Church Street“. Die ungeraden Nummern befinden sich in den meisten Fällen auf der linken, die geraden Nummern auf der rechten Seite der Straße, ortsauswärts gesehen. Es hat sich, vor allem im dörflichen Bereich, eingebürgert, dass man seinem Haus zusätzlich noch einen Namen gibt, wodurch das Anwesen aus der Anonymität einer simplen Hausnummer herausgehoben wird.

Agatha Christies Miss Marple wohnt zum Beispiel in einem Haus in der High Street von St Mary Mead namens „Danesmead„. Die Schriftstellerin selbst wohnte von 1934 bis 1976 in Wallingford (Oxfordshire) in der Reading Road im Winterbrook House.

Die Halifax Building Society hat einmal die beliebtesten Hausnamen in Großbritannien aufgelistet, ebenfalls die Royal Mail, die mit 29,3 Millionen Adressen die größte Datenbank in Großbritannien hat. Hier ist die Hitliste der britischen Post:

Platz 1: The Orchard. Hier: South Luffenham in Rutland.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Platz 2: Meadow House. Hier: Hoo St Werburgh in Kent.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Platz 3: Rose Cottage. Hier: Barnsole in Kent.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Platz 4: Holly Cottage. Hier: Edmondthorpe in Leicestershire.
Photo © Jonathan Thacker (cc-by-sa/2.0)

Platz 5: Oak Cottage. Hier: Stalisfield in Kent.
Photo © Penny Mayes (cc-by-sa/2.0)

Platz 6: Willow Cottage. Hier: Farncombe in Surrey.
Photo © David960 (cc-by-sa/2.0)

Platz 7: School House. Hier: Morchard Bishop in Devon.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Platz 8: The Willows. Hier: Upper Tysoe in Warwickshire.
Photo © Michael Dibb (cc-by-sa/2.0)

Platz 9: Sunnyside. Hier: Edgmond in Shropshire.
Photo © Richard Law (cc-by-sa/2.0)

Platz 10: Springfield Cottage. Hier: Farley in Wiltshire.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. August 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Meridian Monument in Peacehaven an der Küste von East Sussex

Der Nullmeridian, oder auch Greenwich Meridian genannt, mit der Sternwarte von Greenwich in London als Bezugspunkt zieht sich quer durch England und beginnt (oder endet) auf dem Festland in der kleinen Stadt Peacehaven in East Sussex und endet (oder beginnt) in Sand le Mere an der Ostküste von Yorkshire, dort, wo jetzt ein Feriencamp steht; dann verschwindet der Nullmeridian im Meer.

Es gibt Fans, die diesen 439 Kilometer langen Meridian Trail erwandern, im Stück oder in Teilbereichen. Graham und Hilda Heap haben einen vierbändigen Führer über den Greenwich Meridian Trail geschrieben, der 2009, anlässlich des 125jährigen Bestehens des Nullmeridians, eingerichtet wurde.

Peacehaven, der Ausgangspunkt des Wanderwegs, liegt an der viel befahrenen A259, die von Eastbourne nach Brighton führt. Es ist ein Ort mit einer nicht weit in die Vergangenheit reichenden Geschichte; er wurde während des Ersten Weltkriegs 1915 von dem Geschäftsmann Charles Neville gegründet, der hier direkt an der Küste Land aufkaufte. Viele Kriegsveteranen ließen sich in Peacehaven nieder, aber auch Londoner, die sich in dem Ort mit dem idyllischen Namen ihre Ferienhäuser bauten.

1933, als man sich in Peacehaven bewusst wurde, dass man exakt auf dem Nullmeridian wohnte, kam man auf die Idee, ein Denkmal zu errichten, das sowohl an diese geografisch so bedeutungsvolle Stätte aufmerksam machen sollte, als auch gleichzeitig zu Ehren König Georgs V. gebaut werden sollte. Leider starb der König schon, bevor der Grundstein gelegt werden konnte.

Am 8. August 1936 wurde das nun King George V Memorial and Prime Meridian Obelisk genannte Denkmal enthüllt, wobei der Astronomer Royal Harold Spencer Jones eine Rede hielt. Die Lage des Denkmals ist zwar wunderbar, aber es ergab sich ein Problem: Die Küste erodierte, und das hieß, das Memorial musste landeinwärts versetzt werden, was in den 1960er Jahren und noch einmal 1981 geschah. 1987 wurde bei einem schweren Sturm die das Monument krönende Kugel ins Meer gespült, die aber bald durch eine neue ersetzt wurde.

Wer durch Peacehaven spazieren geht, wird ständig daran erinnert, dass man sich hier auf dem Nullmeridian befindet: Es gibt eine Meridian Surgery, eine Meridian Veterinary practice, eine Meridian Community Primary School, ein Meridian Shopping Centre, einen Meridian Way usw. usw.

Dieser Film zeigt das Monument und seine wunderschöne Lage oberhalb der Kreideklippen, von wo aus man in der Ferne die Stadt Brighton sehen kann.

Ausgangspunkt des Greenwich Meridian Trails: Die Klippen von Peacehaven in East Sussex.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Der Endpunkt des Greenwich Meridian Trails: Sand-le-Mere mit seinem Holiday Park an der Ostküste von Yorkshire.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Das Londoner Kaufhaus Selfridges und die Queen of Time Clock

Den Eingang des Londoner Kaufhauses Fortnum & Mason in Piccadilly ziert eine Uhr, neben der zwei Türen angebracht sind, aus der zu jeder vollen Stunde die Herren William Fortnum und Hugh Mason erscheinen, begleitet von Glockenspiel und Musik (ich berichtete in meinem Blog darüber). Über 30 Jahre vorher wurde über dem Haupteingang des Konkurrenz-Kaufhauses Selfridges in der Oxford Street etwas Ähnliches installiert: Die Queen of Time Clock, aus Anlass des 21. Geburtstages des Kaufhauses. Die Uhr hat zwei Zifferblätter und schlägt zu jeder Viertelstunde. Sie ist über einer aufwendig gestalteten geflügelten Bronzefigur, der Queen, angebracht, die auf dem Bug eines Schiffes steht, umgeben von weiteren Art Deco-Figuren wie Meerjungfrauen und anderen geflügelten Gestalten. In ihrer rechten Hand hält die Queen of Time eine Kugel, auf der eine weitere Figur mit Flügeln angebracht ist, die linke Hand umfasst Olivenzweige. Oberhalb der beiden Zifferblätter sieht man ein Segelschiff.

Der Bildhauer, der die Queen of Time angefertigt hat, heißt Gilbert Bayes (1872-1953). Der renommierte Künstler war u.a. für seine vielen Kriegerdenkmäler bekannt geworden. Gordon Selfridge war ein großer Bewunderer von Bayes, und so findet man an anderen Stellen des Kaufhauses weitere Kunstwerke des Bildhauers. Ursprünglich wollte Gilbert Bayes die rund vier Meter hohe Queen of Time aus Terracotta anfertigen, entschied sich dann aber doch für Bronze. Die Figur ist teils vergoldet und mit Fayencen und Steingut aus dem Hause Doulton verziert. Dieser Film zeigt den Künstler und einige seiner Werke, auch die Queen of Time.

Die Market Hall in Old Amersham (Buckinghamshire)

Über einen meiner Lieblingsorte in England, Old Amersham in Buckinghamshire, habe ich schon mehrere Male in meinem Blog geschrieben. Entlang der High Street reihen sich hübsche alte Häuser aneinander, dominiert von dem Hotel King’s Arms, dem Crown Hotel und der Market Hall am Anfang der High Street. Die Markthalle steht unter Denkmalschutz und wurde 1682 erbaut, ein Geschenk von Sir William Drake an Amersham, dessen Member of Parliament er war. Das Wappen der Familie Drake, die damals schon sehr lange in der kleinen Stadt ansässig war, ist in der Market Hall zu finden. Im Erdgeschoss des Gebäudes spielte sich das Markttreiben ab, die Räume darüber dienten und dienen noch für Versammlungen. Das Backsteinhaus wird von einem Türmchen gekrönt, in dem eine Glocke hängt und an dem eine Uhr angebracht ist. Im Jahr 1911 wurde die Market Hall generalüberholt, wofür William Wykeham Tyrwhitt Drake, ein Nachfahre von Sir William Drake, verantwortlich zeichnete. Eine Zeit lang wurde in dem Gebäude ein Feuerwehrfahrzeug untergestellt und es diente eine Weile als Gefängnis.

Der Amersham Town Council vermietet das Obergeschoss, das 1993 komplett renoviert wurde, für Veranstaltungen, Parties, Abendgesellschaften usw.

Old Amersham ist ideal als Drehort für Filme und so waren in den letzten Jahrzehnten immer wieder Filmcrews in der High Street zu sehen. Auch die Market Hall tauchte hin und wieder als Schauplatz in Filmen und TV-Serien auf, so zum Beispiel in „Circus of Horrors“ (dt. „Der rote Schatten“) aus dem Jahr 1960, in dem u.a. Donald Pleasance mitspielte.
1965 wurden Szenen des Musicalfilms „Three Hats for Lisa“ mit Joe Brown und Sophie Hardy in den Hauptrollen an der Market Hall gedreht. Auch in der zweiten Staffel der BBC3-Comedy-Serie „Cuckoo“ dt. („Cuckoo“), die 2012 vom Stapel lief, sind Old Amershams High Street und die Market Hall zu sehen.

Wenn ich mich nicht verzählt habe, wurden bisher neun Folgen der „Inspector Barnaby„-Krimiserie, zumindest in Teilen, in Old Amersham gedreht.

Ich wohnte bei meinen Aufenthalten dort immer im King’s Arms Hotel, einem uralten Haus mit viel Atmosphäre, das auch schon mehrfach für Filmaufnahmen genutzt wurde. Einen Aufenthalt in Old Amersham kann ich sehr empfehlen. Nur ein paar Meter von der Market Hall entfernt, liegt eines der besten Restaurants Englands, artichoke, daneben ein ebenfalls sehr gutes Restaurant, Gilbeys, das ich in meinem Blog schon vorgestellt habe.

Hinweistafel auf das Jahr der Erbauung der Market Hall.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

Der Eingang zur Gefängniszelle.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

Blick durch einen der Torbögen der Market Hall. Gleich links sind die beiden von mir empfohlenen Restaurants zu finden.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

Bei einem meiner Besuche erstrahlte der Union Jack an der Market Hall.
Eigenes Foto.

 

 

Pineapples – Die Ananas in der englischen Architektur

Schottland liegt zwar nicht in meinem Berichtsbereich, aber The Dunmore Pineapple, südöstlich von Stirling gelegen, muss ich einfach anführen, denn das Gebäude gilt als eines der kuriosesten Follies im ganzen Königreich.
Photo © kim traynor (cc-by-sa/2.0)

Über The Pineapple als Pubnamen habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben. Man trifft auf die Ananas aber auch in der Architektur als Verzierungselement auf Säulen, Dächern, Brücken usw.

Die Frucht galt viele Jahre lang, weil sie so selten war, als Symbol des Reichtums. Nur sehr wohlhabende Leute konnten sie sich leisten, und so wurde die Ananas häufig auf Landsitzen als architektonisches Stilmittel verwendet, aus Gips, Holz oder anderen Materialien.
Ich habe hier einmal einige Beispiele zusammengestellt:

Hier im Mount Edgcumbe House and Country Park in Cornwall wird ein Brückengeländer mit den exotischen Früchten verziert.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Die Spitze der Corn Exchange in Bridgwater (Somerset) wird von einer Ananas verschönert.
Photo © Neil Owen (cc-by-sa/2.0)

Zwei mit „pineapples“ gekrönte Obelisken zieren die Zufahrt zur Londoner Lambeth Bridge.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Steinerne Früchte auf einer Balustrade im Godmersham Park bei Chilham in Kent.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Das Manor Farmhouse in Urchfont, südlich von Devizes in Wiltshire.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Und auch in Kirchen ist die Ananas zu finden wie hier auf einem Taufstein in der Holy Trinity Church in Wensley bei Leyburn in North Yorkshire.
Photo © Bill Harrison (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 16. Juli 2018 at 02:00  Comments (6)  
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Westwood Quarry – Ein Steingruben-Tunnelsystem in Wiltshire

Ein Blick in einen der Tunnel.
Photo © Noel Jenkins (cc-by-sa/2.0)

Schon seit Mitte des 17. Jahrhunderts wurde in Westwood in Wiltshire, ein paar Kilometer westlich von Bradford-on-Avon, Stein abgebaut, um damit Häuser in Bath zu bauen. Auch die Holy Trinity Church in Trowbridge, ebenfalls in Wiltshire gelegen, wurde aus den Steinen vom Westwood Quarry gebaut. Im Laufe der Jahrhunderte entstand so ein weit verzweigtes Tunnelsystem, das für die unterschiedlichsten Zwecke verwendet wurde. So legte die Agaric Mushroom Company hier eine Champignonzucht an, da die Pilze das feuchte Klima lieben und entsprechend gut gedeihen. Im Zweiten Weltkrieg musste ein Teil der Pilzzucht weichen, um Platz zu machen für Werkstätten, in denen die Firma Royal Enfield spezielle Geräte für Luftabwehrgeschütze (anti-aircraft predictors), produzierte (hier ist ein Film wie die ehemaligen Produktionsanlagen heute aussehen).

Ebenfalls im Zweiten Weltkrieg beherbergte der Westwood Quarry riesige Kunstsammlungen, die hierher gebracht wurden, um sie vor den deutschen Luftangriffen zu schützen. London war das bevorzugte Ziel der Luftwaffe, die über der Stadt Unmengen an Bomben abwarfen. In den großen Museen fürchtete man, dass die dort untergebrachten Kunstschätze zerstört werden könnten und so suchte man im ganzen Land nach sicheren Unterbringungsmöglichkeiten. Abgelegene Landsitze boten sich dafür an, aber bei genauerem Hinsehen stellte man fest, dass die Sicherheit dort nicht immer gewährleistet war, und die Besitzer der Country Houses waren von dieser Idee nicht ganz so begeistert, als sie erfuhren, dass sie für die Unterbringung der Schätze kein Geld erhalten sollten.
So bot sich der Westwood Quarry an, in den Kunstgegenstände aus dem British Museum, dem Victoria & Albert Museum und der National Portrait Gallery gebracht wurden. Die weltberühmten Elgin Marbles aus dem British Museum fanden in den Höhlen eine Zeit lang sicheren Unterschlupf, das Flugzeug der Brüder Wright, das damals im London Science Museum untergebracht war, transportierte man nach Wiltshire, damit es den Krieg unbeschadet überstehen konnte, und auch die Kronjuwelen wurden in Westwood sicher gelagert, wovon sich Queen Mary bei einem Besuch im Jahr 1943 überzeugen konnte. Damit die wertvollen Gegenstände in der feuchten Luft keinen Schaden nahmen, installierte man eine Klimaanlage und sicherte das Tunnelsystem mit Spezialtüren ab.

Der Westwood Quarry wird auch heute noch als Lagerstätte für Archiv- und Dokumentationsmaterial genutzt.

Erbaut aus Steinen aus dem Westwood Quarry: Die Holy Trinity Church in Trowbridge (Wiltshire).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. Juli 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Spukorte – Racton Ruin bei Racton in West Sussex

Als ich Dave Hamiltons Buch „Wild Ruins“ in meinem Blog vorstellte, erwähnte ich ganz kurz das Racton Folly in West Sussex, auf das ich heute etwas ausführlicher eingehen möchte. Der romantische, verfallene Turm wird auch Racton Ruin und Racton Monument genannt. George Montagu-Dunk, 2nd Earl of Halifax, ließ den 24 Meter hohen, auf einem Hügel stehenden Turm zwischen 1766 und 1775 erbauen. Welches seine Beweggründe gewesen sein mögen, ist unklar. Möglicherweise wollte der Earl oben vom Turm die nahe Küste beobachten wie seine Handelsschiffe, aus Nordamerika kommend, dort im Hafen anlegten.

Seit mehr als 100 Jahren kümmerte sich niemand mehr um diese immer noch eindrucksvolle Ruine, die aber inzwischen wieder in privater Hand ist. Da der Turm sehr einsam in einem kleinen Wäldchen steht, ist er zu einem bevorzugten Ziel für einige zwielichtige Elemente geworden, die dort Drogen nehmen. Auch einige Okkultisten haben sich diesen Ort erwählt, um ihre Rituale an dem alten Gemäuer durchzuführen. Selbstmörder nutzten das Racton Monument, um sich hier vom Leben zu verabschieden.

Geisterjäger haben sich des Nachts mehrere Male am Turm eingefunden, denn es heißt, die Racton Ruin wäre „haunted“. Da ist die Rede davon, dass Steine von oben herunter geworfen werden, eine geisterhafte Frau soll um den Turm herumlaufen und einige nächtliche Besucher berichteten, dass sie plötzlich gestoßen worden sind.

Hier ist ein Film, der die geheimnisvolle Atmosphäre des Turms zeigt, von einer Drohne aus aufgenommen.

Wer jetzt Lust verspürt, die Racton Ruin einmal aufzusuchen: Sie liegt am Monument Lane, einem Weg, der von der B2147 bei Racton abzweigt, ein Ort der nur aus einer Handvoll Häusern besteht und wenige Kilometer von den Küstenorten Emsworth und Havant entfernt ist.

Haunted Racton Ruin.
Photo © Pete Diaper (cc-by-sa/2.0)

The Two Mice Eating Cheese – Londons kleinste Skulptur im Philpot Lane

Die Londoner Straßen Eastcheap und Philpot Lane werden von dem riesigen hässlichen Hochhaus beherrscht, dessen Adresse 20 Fenchurch Street lautet, das aber überall auf Grund seiner Form The Walkie Talkie genannt wird. Gegenüber diesem Gebäude wirken alle anderen winzig klein, dabei sind einige in den beiden oben genannten Straßen viel schöner anzusehen, zum Beispiel die Hausnummer 23 Eastcheap, ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude aus der viktorianischen Zeit, in dem Mitte des 19. Jahrhunderts die Gewürzhändler Hunt & Crombie ihre Geschäftsräume hatten.

Das Eckhaus auf der Seite zum Philpot Lane hin, verfügt über eine Besonderheit: An der Wand etwas oberhalb des Erdgeschosses, in dem eine Filiale der Ladenkette Joe & The Juice untergebracht ist, findet sich Londons kleinste Skulptur, die den Namen The Two Mice Eating Cheese trägt. Man muss schon die Augen nach oben richten, um die beiden Mäuse und das Stück Käse zu sehen, sonst läuft man achtlos daran vorbei.

Es gibt mehrere Versionen, was das zu bedeuten hat. Die am häufigsten erzählte, ist diese:

Beim Bau des Monuments, jener 62 Meter hohen Säule, die an den Großen Brand von London im Jahr 1666 erinnert, und die in den 1670er Jahren errichtet worden war, soll es zu einem Zwischenfall in luftiger Höhe gekommen sein. Zwei Bauarbeiter hatten dort oben eine Pause eingelegt, wobei es zu einem Streit um ein Sandwich kam. Der eine Arbeiter bezichtigte den anderen, er hätte sich an seinem mit Käse belegten Sandwich vergangen und dieses halb aufgegessen, was der Beschuldigte weit von sich wies. Es kam zu einem Gerangel, wobei die Streithähne vom Monument fielen und dabei zu Tode kamen. Erst später stellte sich heraus, dass es Mäuse waren, die sich in einem unbeobachteten Moment über das belegte Brot hergemacht hatten. In Erinnerung an die beiden zu Tode gestürzten Männer soll die „Maus-Käse-Skulptur“ an dem Haus Eastcheap/Philpot Lane angebracht worden sein.

Die zweite Version ist ähnlich, nur mit dem Unterschied, dass der Streit um das halb aufgegessene Sandwich nicht auf dem Monument, sondern auf einem Gerüst beim Bau eben jenes Gebäudes stattfand, an dem die Mini-Skulptur angebracht ist.

Was auch immer stimmt oder nicht stimmt, ich finde dieses kleine Kunstwerk schön.

23 Eastcheap.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Schauplatz des tragischen Sandwich-Zwischenfalls: The Monument.
Photo © Graham Horn (cc-by-sa/2.0)

Smallhythe Place bei Tenterden (Kent) – Der letzte Wohnsitz der Schauspielerin Ellen Terry (1847-1928)

Im vorigen Jahr kam ich wieder einmal am Smallhythe Place vorbei, an der B2082 südlich von Tenterden gelegen. Das dem National Trust gehörende schöne alte Fachwerkhaus war der letzte Wohnsitz der Schauspielerin Dame Ellen Terry (1847-1928), die schon als Kind Shakespeare-Rollen spielte und zu ihrer Zeit als die führende Shakespeare-Darstellerin galt. Hier ist ihre Stimme zu hören.

1899 kaufte Dame Ellen Terry Smallhythe Place, das wohl zu Beginn des 16. Jahrhunderts erbaut worden war, und lebte hier bis zu ihrem Tod im Jahr 1928. Ihre Tochter, Edith Craig, die auch im Schauspielbereich tätig war und zu den aktiven Frauenrechtlerinnen gehörte, öffnete 1929 Smallhythe Place für interessierte Besucher, die sich dort Terrys Sammlung von Theaterkostümen ansehen konnten. Der National Trust übernahm nach Edith Craigs Tod 1947 das Haus, das auch heute noch der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Zu sehen sind hier neben der Kostümsammlung unendlich viele Memorabilia aus der Welt des Theaters, so zum Beispiel ein Brief, den Oscar Wilde an Ellen Terry schrieb und das Monokel des berühmten Komponisten Sir Arthur Sullivan. Auf den knarzenden Fußböden des jahrhundertealten Hauses begibt man sich von Zimmer zu Zimmer und stellt sich vor wie es wohl gewesen sein muss, in so einem Gebäude zu leben.

Edith Craig installierte nach dem Tod ihrer Mutter 1929 das Barn Theatre auf dem Gelände des Smallhythe Place, in dem im Sommer Stücke aufgeführt werden, natürlich auch von William Shakespeare. Gartenliebhaber kommen hier auch auf ihre Kosten und können sich in dem wunderschönen Cottage Garden ergehen.

Es gibt weiterhin einen Tea Room und einen kleinen Laden, in dem regionale Produkte, Bücher und Haushaltsgegenstände angeboten werden. In Smallhythe Place kann man also gut ein paar angenehme Stunden verbringen.
Der Eintrittspreis beträgt £8.40. Das Haus ist von Mittwoch bis Sonntag von 11 Uhr bis 17 Uhr geöffnet; ab dem 29. Oktober ist Smallhythe Place für das Winterhalbjahr geschlossen.
Hier ist das Haus im Film zu sehen.

Smallhythe Place
Smallhythe
Tenterden, Kent, TN30 7NG

The Barn Theatre.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

The Aldgate Pump – Eine historische Wasserpumpe in der City of London

Dort, wo in der Londoner City die Fenchurch Street auf die Leadenhall Street trifft, steht eine alte, unter Denkmalschutz stehende Wasserpumpe, die Aldgate Pump, die früher einmal sowohl Segen als auch Fluch für die Bevölkerung darstellte. Segen in sofern, als sie sauberes Wasser nach oben transportierte, das sich die Londoner hier gern abholten; Fluch, weil um das Jahr 1875 herum aus dem einst sauberen Wasser eine widerliche Brühe wurde, denn der unterirdische Fluss passierte, bevor er an der Aldgate Pump ankam, mehrere Friedhöfe, aus denen organische Stoffe von den verwesenden Leichen mitgespült wurden, zum Beispiel Kalzium aus den Knochen der Toten. Die Menschen, die sich ihr Trinkwasser aus der Pumpe holten, wussten das natürlich nicht. Das Ergebnis des „Wassergenusses“: Mehrere hundert Menschen erkrankten und starben an den Folgen des verseuchten Wassers. Die Aldgate Pump wurde daraufhin still gelegt und später an das neue Leitungswassersystem der New River Company angeschlossen. Die Aldgate Pump Epidemie war damit glücklicherweise beendet.

So wie wir die Pumpe heute an der Straßenecke sehen, stammt sie aus dem Jahr 1876; die Vorgängerin wurde abgebaut und durch diese ersetzt. Das Besondere an der Aldgate Pump ist der Zapfhahn in Form eines Wolfskopfes, denn an dieser Stelle wurde der letzte Wolf erschossen, der durch London zog. Dieser Film zeigt die Pumpe.

Der Music Hall Sänger Arthur Lloyd (1839-1904) sang in den 1860er Jahren einmal ein Lied mit dem Titel „Aldgate Pump„, in dem es um eine Liebesgeschichte geht, in der die Wasserpumpe eine wesentliche Rolle spielt („I shall never forget the gal I met near Aldgate Pump“).

Published in: on 26. Juni 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Mersey Gateway Bridge – Sie verbindet Runcorn mit Widnes in Cheshire

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Am 14. Oktober 2017 wurde eine neue Brücke über den River Mersey eröffnet, die die bisherige Silver Jubilee Bridge, entlasten soll; letzere wird zurzeit generalüberholt. Die neue Mersey Gateway Bridge wurde erst jetzt, vor wenigen Tagen, offiziell eröffnet, in Anwesenheit der Queen und dem neuen Mitglied des Königshauses, der Duchess of Sussex, im früheren Leben Meghan Markle. Die Medien aus aller Welt berichteten von dem Ereignis, das heißt, die Brücke, die ja eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte, interessierte die anwesenden Reporter nicht; ihnen war viel wichtiger was die Duchess trug und wie sie mit der Queen kommunizierte. Daher gibt es auch erheblich mehr Fotos von den beiden Royals als von der Mersey Gateway Bridge.

Bei mir ist es genau andersherum, denn ich finde das im vorigen Jahr fertiggestellte Bauwerk viel interessanter als die Kleiderfarbe der Queen (giftgrün) oder wer das Outfit der Herzogin entworfen hat.

2,2 Kilometer lang ist die neue Brücke über den Mersey River, die die A533 von Runcorn nach Widnes führt, und sie hat drei Spuren in jede Richtung. £600 Millionen hat sie gekostet, eine Menge Geld, aber die alte Brücke war längst an ihre Belastungsgrenze angelangt mit mehr als 80 000 Fahrzeugen pro Tag. Das Befahren der Mersey Gateway Bridge ist kostenpflichtig. PKWs zahlen £2, LKWs je nach Größe bis zu £8. Und schon hat sich eine Protestbewegung gegen den Brückenzoll erhoben. Die Mitglieder von Scrap Mersey Tolls machen sich stark dafür, dass die Überquerung des Mersey kostenlos sein soll, so wie es bisher auf der alten Silver Jubilee Bridge war; doch auch diese wird nach ihrer Neueröffnung mit einer Maut belegt werden.

Hier sind Bilder von der (inoffiziellen) Eröffnung der Brücke im Oktober 2017.

Londons School of Oriental and African Studies, die Brunei Gallery und eine Entschuldigungsplakette

Die Brunei Gallery.
This work has been released into the public domain by its author, An Siarach

Die School of Oriental and African Studies (SOAS) in London wurde 1916 gegründet und ist „die wichtigste Universität für Studiengänge, die sich mit Afrika, Asien und dem Nahen Osten befassen“, so die Wikipedia. Bekannte Absolventen der Hochschule sind zum Beispiel die Friedensnobelpreisträgerin Aug San Suu Kyi, die Kronprinzessin von Norwegen Mette-Marit, der britische Politiker Enoch Powell und die ZDF-Moderatorin („heute in Europa“) Jasmin Hekmati. Die Gebäude der SOAS liegen zwischen dem Torrington Square und der Thornhaugh Street in Bloomsbury.

1995 bekam die SOAS ein neues Gebäude, das der Sultan von Brunei der Universität schenkte und das folglich Brunei Gallery genannt wird. Hier finden auf mehreren Stockwerken regelmäßig Ausstellungen statt, es gibt Konferenz- und Vorlesungsräume und eine Buchhandlung. Die Gallery, die von dem Architekturbüro Nicholas Hare Architects entworfen wurde, erhielt 1998 den Camden Environmental Design Award und stand im gleichen Jahr auf der Nominierungsliste für einen der RIBA Awards (Royal Institute of British Architects).

Obwohl die Brunei Gallery in Architektenkreisen hoch anerkannt war, bestand die Gefahr, dass das Haus gleich wieder hätte abgerissen werden können, denn… es wurde ohne Zustimmung der ursprünglichen Grundstückseigner, der Familie Russell, später die Dukes of Bedford, errichtet. Die University of London hatte zwar das Land den Bedfords abgekauft, aber im Kaufvertrag stand, dass jedes neu zu errichtende Gebäude erst deren Zustimmung bedurfte, was das Design anbelangt. Und die wurde in diesem Fall nicht eingeholt.

Natürlich kam es für die Bedfords nicht in Frage, die Brunei Gallery wieder dem Erdboden gleich zu machen, aber sie bestanden darauf, dass an dem Gebäude eine Entschuldigungsplakette angebracht werden musste, mit dem Wortlaut:

The University of London hereby records its sincere apologies that the plans of this building were settled without due consultation with the Russell family and their trustees and therefore without their approval of its design.“

…noch mal Glück gehabt!

Published in: on 9. Juni 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Gargoyles – Wasserspeier an historischen Gebäuden

Wasserspeier am unheimlichen Woodchester Mansion bei Nympsfield in Gloucestershire.
Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

Gargoyles sind Wasserspeier, die an historischen Gebäuden und vor allem an Kirchen angebracht sind und die dazu dienen, das Regenwasser abzuleiten, das sich auf den Dächern angesammelt hat. Dadurch, dass die Wasserspeier aus dem Mauerwerk herausragen, wird das Wasser daran gehindert, in die Mauern einzudringen und dort Schaden anzurichten.

Die Baumeister haben sich seinerzeit sehr viel Mühe mit der figürlichen Darstellung der Gargoyles gemacht; oft sind es unheimlich anmutende Chimären, Fratzen und Fantasiegestalten, durch deren weit geöffnete Mäuler das Regenwasser geleitet wird. Passanten, die unter ihnen entlanggehen, sollten Vorsicht walten lassen und einen Regenschirm aufspannen.

Meine erste Begegnung mit Gargoyles war in Paris an der Kirche Notre Dame, die über eine Vielzahl dieser Figuren verfügt. Auch in England trifft man sie an Kirchen, an Türmen und anderen historischen Bauwerken. Einige Collegegebäude in Oxford verfügen über besonders ansprechende, oder besser gesagt furchterregende Exemplare wie dieser Wasserspeier am Brasenose College:

Ich habe hier noch einige weitere Bilder von Gargoyles zusammengestellt, die sich auf bzw. an englischen Gebäuden befinden.

An der Holy Cross Church in Great Ponton (Lincolnshire).
Photo © J.Hannan-Briggs (cc-by-sa/2.0)

An der Kathedrale von Salisbury in Wiltshire.
Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

The Church of Our Lady and the English Martyrs in Cambridge.
Photo © Meirion (cc-by-sa/2.0)

St John the Baptist in Pilton (Somerset).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)


Published in: on 5. Juni 2018 at 02:00  Comments (4)  
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10 Hyde Park Place – Die Adresse des kleinsten Hauses in London

Ich bin sicher, dass die meisten Menschen, die die Straße Hyde Park Place entlang laufen, am kleinsten Haus Londons, das die Nummer 10 trägt, vorbeilaufen, ohne es überhaupt wahrzunehmen, denn es noch nicht einmal einen Meter breit. 1805 wurde das Mini-Haus gebaut; davor gab es an dieser Stelle einen Durchgang zum St George’s Friedhof. Und dieser Durchgang soll immer wieder von den „bodysnatcher“ benutzt worden sein, die Leichen auf dem Friedhof ausbuddelten und diese an Mediziner verkauften. Um diesem Treiben eine Riegel vorzuschieben, soll man dieses Häuschen dort errichtet haben. Der Friedhof wurde 1765 in Betrieb genommen und 1854 für Beerdigungen geschlossen. Danach wurde auf dem Areal ein Garten angelegt, während des Zweiten Weltkriegs entstanden hier Schrebergärten und später wurde die Fläche bebaut.

Im Zweiten Weltkrieg, genauer im Jahr 1941, fielen Bomben auf diesen Teil von London, wobei auch 10 Hyde Park Place beschädigt wurde.
Im Erdgeschoss des Hauses gibt es lediglich einen schmalen Flur, im ersten Stock ein Badezimmer. Gewohnt hat hier einmal Lewis Grant Wallace (1910-2002), ein Schriftsteller und Filmproduzent, der in den 1940er Jahren eine Handvoll unbedeutender und lange vergessener Filme produziert hat.

Das Haus gehört heute dem benachbarten Tyburn Convent, einem katholischen Nonnenorden, der sich auch The Adorers of the Sacred Heart of Jesus of Montmartre nennt.

 

Published in: on 3. Juni 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Die Londoner Albert Bridge – The Trembling Lady

Am 23. August 1873 wurde in London die Albert Bridge eröffnet, die die Stadtteile Chelsea und Battersea über die Themse verbindet. Benannt ist sie nach dem Gemahl Queen Victorias, Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Der Ingenieur Rowland Mason Ordish (1824-1886) konzipierte und baute die Albert Bridge, die 12 Meter breit und 220 Meter lang ist.

In den ersten sechs Jahren musste man eine Brückenmaut bezahlen, um von der einen auf die andere Seite der Themse zu gelangen; die Mauthäuschen stehen noch heute an der Brücke. An ihnen sind Schilder angebracht mit dem Hinweis: „All troups must break step when marching over this bridge„. Es wurde nämlich ziemlich schnell klar, dass, wenn Soldaten im Gleichschritt über die Brücken marschierten, diese anfing zu schwanken. Truppen von den nahe gelegenen Chelsea Barracks marschierten häufig über die Albert Bridge, und so wurde jeweils von den Truppführern angeordnet, dass die Männer im „Normalschritt“ die Brücke zu passieren hatten. Auf Grund dieser Eigenschaft nennt man die Brücke auch „The Trembling Lady„.

Nicht nur Soldaten und Zivilisten nutzten die Albert Bridge, auch viele Hunde wurden zum Gassigehen von den Bewohnern Chelseas in den Battersea Park geführt. Da es die Vierbeiner oft nicht bis zu den Bäumen des Parks schafften, hoben sie ihre Beine bereits auf der Brücke und das konnten die Holzplanken nun gar nicht vertragen, denn der Hundeurin führte dazu, dass sie allmählich verrotteten, was wiederum zu kostspieligen Reparaturarbeiten führte.

Die Albert Bridge hat im Laufe ihres Lebens viele Male ihre Farbe gewechselt. Anfangs war sie in eher unauffälligen Farben angemalt, was bei schlechtem Wetter und bei Nebel zu Kollisionen mit Schiffen führte. Heute trägt sie besser erkennbare Farben, zusätzlich sind noch sehr helle Halogenlampen an ihr angebracht.

Für einige Filme und Musikvideos diente die Albert Bridge als Hintergrund, so zum Beispiel in Peter Howitts Liebesdrama „Sliding Doors“ (dt. „Sie liebt ihn – Sie liebt ihn nicht“ aus dem Jahr 1998. Hier ist der entsprechende Filmausschnitt. Im Musikvideo „Don’t get me wrong“ der Pretenders ist die Brücke zu sehen und in „Misty Morning Albert Bridge“ der Pogues.

Das Problem der schwankenden Brücke gab es in London noch einmal, als die Millennium Bridge im Jahr 2000 eingeweiht wurde. Kaum war sie eröffnet, musste sie auch schon wieder geschlossen werden, denn als die neugierigen Besuchermassen die neue Brücke überquerten, fing diese an recht heftig zu schwanken. Die Trembling Lady hatte ein Schwester bekommen, die Wobbly Bridge (hier ist ein Film über sie).

Ein ehemaliges Mauthäuschen an der Albert Bridge mit dem Warnschild für die Truppen.
Photo © Eirian Evans (cc-by-sa/2.0)

Die Millennium Bridge, The Wobbly Bridge.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Der Royal Albert Hall Chimney

Kürzlich schrieb ich in meinem Blog über die Promenadenkonzerte der BBC, die jedes Jahr in der Royal Albert Hall veranstaltet werden. Wer eines der Konzerte besucht und vielleicht schon früh genug vor Beginn dort ist, um noch einen kleinen Spaziergang rund um das imposante Gebäude unternehmen zu können, wird am Südeingang mit einem hohen Schornstein konfrontiert. Üblicherweise findet man Schornsteine auf den Dächern von Häusern, dieser aber steht direkt daneben auf dem Boden. Was hat es damit auf sich, wird man sich fragen?

Bei der Eröffnung der Royal Albert Hall am 29. März 1871 war direkt am Südeingang ein riesiges gläsernes Gewächshaus der Royal Horticultural Society angebracht, ca 90 Meter lang und 25 Meter hoch, an das sich die Gärten der königlichen Gesellschaft anschlossen. Um das Gewächshaus zu beheizen, hatte man im Keller Heizungsanlagen eingebaut, zu denen eine Verbindung zu den Heizkesseln der Hall bestand; beide benutzen den besagten Schornstein, der 1884 abgerissen und durch einen neuen ersetzt wurde, den noch Henry Young Darracott Scott, der Erbauer der Royal Albert Hall, entworfen hatte. Fünf Jahre später wurde auch das Gewächshaus abgerissen; der Schornstein aber blieb bis heute unversehrt und ist noch immer mit den unterirdischen Dampfkesseln der Royal Albert Hall verbunden. Er wird regelmäßig inspiziert, ist schon einmal mit Metallbändern verstärkt worden und steht unter Denkmalschutz.

Die neue Botschaft der USA in London

Bis vor kurzem lag das Botschaftsgebäude der USA in London am Grosvenor Square, seit Januar 2018 lautet die neue Adresse 33 Nine Elms SW11 7US. Der Nine Elms -Bezirk liegt am Südufer der Themse und befindet sich in einem gewaltigen Wandel. Hier wird ein Hochhaus neben dem anderen hochgezogen und immer mehr Firmen verlegen ihre Zentren hierhin, zum Beispiel der Apple-Konzern. Allmählich nimmt die Bedeutung der South Bank gegenüber der Northbank zu.

In dieses aufstrebende Viertel zwischen dem Battersea Park und dem Vauxhall Park ist also die US-Botschaft gezogen, und Präsident Donald Trump schimpft unentwegt darüber, dass sich die Lage erheblich verschlechterte hätte und spricht von einer „lousy and horrible location„. Ich bezweifle, dass die London-Kenntnisse von Herrn Trump besonders gut sind, und er wahrscheinlich noch nie von Nine Elms gehört hat. Eigentlich sollte er im Januar anreisen und das Botschaftsgebäude eröffnen, aber die Stimmung in Großbritannien gegenüber dem US-Präsidenten war schlecht, viele wollten ihn nicht in London sehen und so sagte er (beleidigt?) seinen Besuch ab. Vielleicht ist das auch der Grund für seine ständigen abfälligen Bemerkungen über die Lage des Gebäudes.

Geplant war die neue Botschaft bereits unter den Regierungszeiten von George W. Bush und Barack Obama. Das alte Gebäude am Grosvenor Square war zu klein geworden und die geplanten Sicherheitsmaßnahmen konnten dort nicht durchgeführt werden. Die neue US Embassy soll ca eine Milliarde Dollar gekostet haben und wurde von dem US-amerikanischen Architektenbüro KieranTimberlake konzipiert, das seinen Sitz in Philadelphia hat und 1984 gegründet wurde. Das Gebäude in Form eines Glaswürfels hat zwölf Stockwerke. The Guardian bezeichnete es als „restrained, efficient, green… the antithesis of Donald Trump„. Es ist wie eine Burg konstruiert mit einem Wassergraben, der verhindern soll, dass Anschläge mit Fahrzeugen vorgenommen werden und gilt als das sicherste (und teuerste) Botschaftsgebäude der USA weltweit.

Der Herr des Hauses ist Botschafter Woody Johnson, ein 71jähriger steinreicher Mann aus der Wirtschaft, dessen Urgoßvater den Riesenkonzern Johnson&Johnson gründete, und der den Football-Club New York Jets einmal für  $635 Millionen gekauft hat.

Hier ist ein Film über die neue Botschaft.

Die frühere US-Botschaft am Grosvenor Square.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Mai 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Das Geheimnis um die Häuser 23/24 Leinster Gardens im Londoner Stadtteil Bayswater

Die Straße Leinster Gardens im Londoner Stadtteil Bayswater liegt in unmittelbarer Nähe des Hyde Parks und sie macht den Eindruck, dass hier viele wohlhabende Menschen wohnen. Es gibt hier zwei 4*-Hotels, das Henry VIII und das Blakemore Hyde Park Hotel, die beide einige mehrstöckige, zusammenhängende Wohnhäuser in die Mitte nehmen. Geht man daran vorbei, fällt dem Spaziergänger eigentlich nichts Besonderes daran auf. Sieht man sich die Häuser mit den Nummern 23/24 jedoch etwas genauer an, fällt auf, dass die Fenster keine Gardinen haben, und dass die Eingangstüren irgendwie merkwürdig aussehen, sie haben keine Türgriffe, es fehlen Briefkästen und ein Klingelbrett mit den Namen der Bewohner sucht man auch vergebens. Sonst sieht die Fassade genauso aus wie die der benachbarten Häuser. Was ist hier los?

Des Rätsels Lösung findet man, wenn man auf die rückwärtige Seite der Häuserreihe geht, zu einer Straße, die Portchester Terrace heißt. Dort, hinter einer Ziegelmauer, sieht man, dass es sich bei den Häusern 23/24 Leinster Gardens nur um eine vorgesetzte Fassade handelt, dahinter ist …nichts; nur einige Verstrebungen, die die beiden Nachbarhäuser abstützen. Durch eine Tunnelöffnung kann man U-Bahnzüge der Circle und der District Line vorbeifahren sehen.

Als man in den 1860er Jahren das Londoner U-Bahnnetz erweiterte, mussten die beiden Häuser an den Leinster Gardens abgerissen werden; man brauchte eine Tunnelöffnung, damit die dampfbetriebenen Zugwagen hier ihren Dampf ablassen konnten. Die Nachbarn der beiden abgerissenen Häuser waren „not amused“, sie fanden die Baulücke in ihrer schicken Häuserfront einfach nur schrecklich. Die Betreiber der U-Bahn kamen dann auf die Idee, einfach eine falsche Fassade hochzuziehen, die exakt so aussah wie die der umgebenden Häuser. Voila – Problem gelöst!

Dass im Laufe der Jahrzehnte der eine oder andere Schabernack mit den unbewohnten Häusern gespielt wurde, liegt natürlich auf der Hand. Taxifahrer oder Pizzaboten lassen sich heute nicht mehr hinters Licht führen, wenn sie Aufträge mit der Adresse in den Leinster Gardens bekommen.

Wer die dritte Episode der dritten Staffel der TV-Serie „Sherlock„, die den Namen „The Last Vow“ (dt. „Sein letzter Schwur“) trägt, gesehen hat, wurde mit den Fassaden in den Leinster Gardens konfrontiert, als Sherlock (Benedict Cumberbatch) Mary Watson (Amanda Abbingdon) dorthin führt und Marys Gesicht auf die Hauswand projiziert wird. Hier ist der Trailer zu der Episode.

Dieser kurze Film zeigt Leinster Gardens 23/24 von vorn und von hinten.

Ein Blick hinter die Fassade von der Portchester Terrace aus.
Photo © Kevin Leach (cc-by-sa/2.0)