Woodbridge Tide Mill (Suffolk) und Eling Tide Mill (Hampshire) – Die letzten verbliebenen, aktiven Gezeitenmühlen Englands

Die Woodbridge Tide Mill.
Photo © Ashley Dace (cc-by-sa/2.0)

Das Innere der Mühle.
Photo © Ashley Dace (cc-by-sa/2.0)

Tide Mills, auf Deutsch Gezeitenmühlen, gab es früher häufiger an den englischen Küsten, heute sind nur noch zwei aktiv, die Woodbridge Tide Mill an der Mündung des Flusses Deben in der Grafschaft Suffolk und die Eling Tide Mill am Eling Creek in der Grafschaft Hampshire. Das Prinzip dieser Mühlen ist einfach, man nutzt den Tidenhub aus, das heißt, wenn die Flut kommt, öffnen sich automatisch Tore, die zu dem hinter der Mühle gelegenen Teich führen, so dass das Wasser dort aufgestaut wird. Wenn die Flut zurückgeht, wird das Wasser vom Teich genutzt, um die Mühlräder anzutreiben. Aus den beiden Tide Mills in England hat man Touristenattraktionen gemacht.

An der Stelle, an der die Woodbridge Tide Mill steht, gab es schon vor über 800 Jahren Gezeitenmühlen, die jetzige wurde 1793 erbaut. 1957 wurde sie stillgelegt, doch glücklicherweise nach einer Komplettrestaurierung im Jahr 1973 wieder in Betrieb genommen und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Besucher des Tide Mill Living Museums können zu bestimmten Tageszeiten bei Milling Demonstrations und dem Wheel Turning zuschauen. Das hier hergestellte Mehl kann man in Bäckereien und Bauernläden der Umgebung kaufen.
Hier ist ein Film über die Mühle.

Die Mühle ist von Ende März bis Anfang Oktober täglich von 11 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt £5.

The Tide Mill Living Museum
Tide Mill Way
Woodbridge
Suffolk
IP12 1BY

 

Die Eling Tide Mill.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

Die Eling Tide Mill Experience in Hampshire lockt ebenfalls Besucher an. Seit rund 900 Jahren wird an dieser Stelle schon Mehl gemahlen, die heutige Mühle existiert seit 1785. Dank einer Finanzspritze des Lottery Heritage Funds konnten umfangreiche Restaurierungsarbeiten vorgenommen werden; ein Besucherzentrum, ein Café und ein Lernzentrum wurden angeschlossen. Der Gezeitenmühle ging es ähnlich wie ihrer Schwester in Suffolk: Nachdem sie in den 1940er Jahren den Betrieb eingestellt hatte, konnte sie vor dem Verfall gerettet und zwischen 1975 und 1980 restauriert und der Öffentlichkeit übergeben werden. Das hier gemahlene Mehl bzw. die daraus hergestellten Kekse sind im Visitor Centre käuflich zu erwerben.
Dieser Film zeigt die Mühle.
De Mühle ist ganzjährig geöffnet, im Sommerhalbjahr täglich von 10 Uhr bis 17 Uhr, im Winterhalbjahr donnerstags bis sonntags von 11 Uhr bis 16 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt £6.

Eling Tide Mill Experience
24 Lexby Road
Totton
Hampshire 
SO40 9HD

 

Die Great Coxwell Barn in Oxfordshire – Eine der schönsten und ältesten Zehntscheunen Englands

Man nennt sie „tithe barns“ im Englischen, im Deutschen Zehntscheunen, jene Lagerhäuser, in denen die Zehnt aufbewahrt wurden, also der zehnte Teil der Ernte, die ein Bauer als Steuer im Mittelalter an die Kirche abtreten musste. Es sind noch eine ganze Menge dieser Scheunen übrig geblieben, eine der schönsten steht in Oxfordshire, in dem Dörfchen Great Coxwell, nordöstlich von Swindon (Wiltshire), an der A420 gelegen. Die Great Coxwell Barn liegt etwas außerhalb des Ortes und sieht ein bisschen wie eine Kirche ohne Fenster und Turm aus. Die Scheune wurde Ende des 13. Jahrhunderts erbaut und zwar für den Zisterzienserorden, dessen Abtei sich in Beaulieu in Hampshire befand. Schon im Jahre 1205 hatte King John (1166-1216) dem Orden einige Manors zugesprochen, zu denen auch Great Coxwell gehörte.

Die Scheune hat eine Länge von 46 Metern, ist 13 Meter breit und 15 Meter hoch; hier passte also eine Menge an Getreide und anderen Gütern hinein, die die Bauern abgeben mussten. Nachdem die Abtei 1538 aufgelöst wurde, kam die Scheune immer wieder die Hände wechselnder Besitzer bis sie schließlich 1956 der National Trust übernahm.

Die Great Coxwell Barn hatte einige berühmte Bewunderer, darunter den Dichter und Textildesigner William Morris, der sie mit einer Kathedrale verglich, den Kunsthistoriker Sir Nikolaus Pevsner, der besonders für die Innenarchitektur schwärmte, und den Architekten Ludwig Mies van der Rohe.

Man kann sich die Scheune täglich ansehen, sie ist von morgens bis abends zugänglich, und der Eintritt ist kostenlos.

Dieser Film zeigt die Scheune von innen und von außen.

Seven Dials, „Covent Garden’s Hidden Shopping Village“ – Vom Slum zum Einkaufsviertel

The Sundial Pillar.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)

Wer Agatha Christies Roman „Der letzte Joker“ gelesen hat, ist schon einmal mit dem Begriff „Seven Dials“ konfrontiert worden; der Originaltitel lautet „The Seven Dials Mystery“ und ist 1929 erschienen. In dem Krimi spielen, wie der englische Titel schon zum Ausdruck bringt, Uhren eine Rolle und da ist der Bezug zu dem Londoner Viertel, das noch heute Seven Dials genannt wird. Verfilmt wurde der Roman 1981 unter dem Titel „The Seven Dials Mystery“ (dt. „Das Geheimnis der sieben Zifferblätter“); hier sind einige Ausschnitte.

Die Geschichte beginnt um 1690 herum, als Thomas Neale, ein Unternehmer und Parlamentsabgeordneter, diesen Teil von London durch entsprechende Baumaßnahmen attraktiv gestalten und finanzkräftige Bewohner anlocken wollte. Sieben Straßen kamen hier zusammen und in der Mitte stand eine Säule, die oben an der Spitze von sechs Sonnenuhren verziert war; die Säule selbst diente ebenfalls als Sonnenuhr.
Konzipiert wurde der „Sundial Pillar“ von Edward Pierce, einem der damals bekanntesten Steinmetze.
Leider verlief alles nicht so wie sich Thomas Neale das vorgestellt hatte, denn die reichen Leute siedelten sich hier nicht an blieben aus. Im Laufe der Jahre verkam diese Gegend total. Die Säule wurde zum Treffpunkt zwielichtiger Gestalten, Taschendiebe übten ihre Geschäfte aus und Prostituierte lasen hier ihre Freier auf. 1773 riss man die Säule ab, um vielleicht auf diesem Wege die unerwünschten Personen los zu werden. Die Gegend versank in Armut und das blieb auch viele Jahre so, auch noch als Agatha Christie ihren Roman konzipierte. Erst in den 1970er Jahren ging es mit Seven Dials aufwärts. Viele Gebäude wurden wieder hergerichtet und es siedelten sich Geschäfte an. Man besann sich wieder auf die damals abgerissene Säule und konstruierte nach den alten Plänen eine neue, die dem Seven Dials Trust gehört, der sich auch um das Wohlergehen des Distrikts kümmert. Die Straßenschilder der auf den Platz führenden Straßen führen alle, neben dem Schriftzug „London Borough of Camden“, den Zusatz „Seven Dials“.

Zwei blaue Plaketten sind in dem Viertel zu finden. In der Monmouth Street Nummer 13 erinnert eine von ihnen daran, dass hier das Büro des Beatles-Managers Brian Epstein war, die andere, im Neal’s Yard, trägt die Inschrift „Monty Python, Filmmaker, lived here, 1976-1987”.

Seven Dials ist heute eine lebhafte Zone mit vielen Geschäften und Restaurants und nennt sich „Covent Garden’s Hidden Shopping Village„, in dessen Mittelpunkt der Sundial Pillar steht.

Foto meines Exemplares.

The Memorial to Heroic Self Sacrifice im Londoner Postman’s Park

In der Londoner City, unweit der St Paul’s Kathedrale, liegt der Postman’s Park, der nach dem Hauptpostamt benannt wurde, das hier einmal untergebracht war.
Auf dem Gelände des Parks, der früher einmal ein Friedhof war, steht seit dem Jahr 1900 das Memorial to Heroic Self Sacrifice, eine Idee des viktorianischen Malers und Bildhauers George Frederic Watts (1817-1904).

Geschützt von einem 15m langen Dach besteht das Memorial aus einer Wand mit 120 Kacheln von denen jede einem Helden gewidmet ist, der bei dem Versuch andere Menschen zu retten, dabei selbst ums Leben gekommen ist. Neben dem Namen des Helden ist auch kurz beschrieben, wofür er geehrt worden ist.
Bei der Einweihung waren lediglich vier dieser Kacheln „besetzt“, bis zum Jahr 1908 kamen noch etliche dazu, in den 1930er Jahren wurden weitere vier Helden geehrt und dann war Schluss; lediglich am 11. Juni 2009 widmete man eine weitere Gedenktafel einem gewissen Leigh Pitt, der einem ertrinkenden Jungen das Leben rettete, dabei aber selbst ertrank.
54 Kacheln sind bis heute besetzt, Platz genug für weitere Helden wäre also da.

Dieser Film zeigt das Memorial to Heroic Self Sacrifice und die Namen der aufopferungsvollen Menschen.

Reetdachhäuser in Devon

Osmond Cottage in Coffinswell bei Newton Abbott.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

„Thatching is the craft of building a roof with dry vegetation such as straw, water reed, sedges, rushes, heather, or palm branches, layering the vegetation so as to shed water away from the inner roof“, so lautet die Definition der Reetdachdeckerei in der englischen Wikipedia. Häuser, deren Dächer auf diese Art gedeckt sind, gehören zum wesentlichen Bestandteil eines englischen Bilderbuchdorfes; am häufigsten findet man sie in der Grafschaft Devon und dort haben sich seit 1947 die Spezialisten für diese Art der Dachdeckerei, gemeinsam mit ihren Kollegen in Cornwall, in der Devon & Cornwall Master Thatchers Association zusammengefunden. Diese Organisation sorgt dafür, dass die Ausführung der Arbeiten durch ihre Mitgliedsfirmen auf höchstem Standard sind.

Jo Cox und John Thorpe haben ein Buch über das Thema verfasst, das „Devon Thatch“ heißt und 2001 im Verlag Devon Books erschienen ist.

Hier sind einige typische Beispiele für reetgedeckte Häuser in der Grafschaft Devon.

In Yeoford bei Crediton.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

King William Cottage in Yalberton bei Paignton.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Wrayland Manor bei Lustleigh.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

In Cockington bei Paignton.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Church Cottage in Buckland-in-the-Moor im Dartmoor.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Reetdachdecker bei der Arbeit, in Newton  Poppleford.
Photo © Richard Webb (cc-by-sa/2.0)

Ein Reetdachhaus brennt ab… in Sowton bei Exeter.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Die Londoner Caxton Hall, in der zahlreiche Prominente heirateten

Sir Winston Churchill spoke here at the former Caxton Hall 1937-1942“ kann man auf einer Plakette lesen, die rechts neben der Eingangstür eines imposanten Hauses in der Londoner Caxton Street angebracht ist, die sich im Stadtteil Westminster befindet. Sir Winston Churchill hielt zu dieser Zeit hier Pressekonferenzen ab.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts trafen sich die Frauenrechtlerinnen der Women’s Social and Political Union regelmäßig in der Caxton Hall zu Beginn der Parlamentssitzungen, um hier ein Frauenparlament zu veranstalten.
1967 wurde in dem Haus in der Caxton Street die rechtsradikale National Front-Partei gegründet.
In den Blickpunkt der Öffentlichkeit geriet die Caxton Hall aber vor allem, weil in der Zeit von 1933 bis 1978 hier das Standesamt untergebracht war, das sich viele Prominente für ihre Eheschließungen aussuchten. Einige Beispiele:

1937 schloss der berühmte Geiger und Dirigent Yehudi Menuhin mit der 19jährigen Nola Nicholas den Bund fürs Leben, ein Bund, der aber nur 10 Jahre hielt.

Sir Winston Churchills Sohn Randolph heiratete in zweiter Ehe 1948 June Osborne in der Caxton Hall.

Anthony Eden, der zukünftige Premierminister, und Clarissa Spencer-Churchill, Tochter des jüngeren Bruders von Sir Winston Churchill,  traten 1952 vor den Standesbeamten der Caxton Hall und schlossen eine Ehe, die bis zu seinem Tode 1977 hielt.

Am 11. Februar 1965 schlossen der 24jährige Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr und die 18jährige Maureen Cox die Ehe, die zehn Jahre später wieder aufgelöst wurde.

Der Popsänger Adam Faith heiratete Jackie Irving im Jahr 1967, und die beiden blieben bis zu Adams Tod im Jahr 2003 zusammen.

Barry Gibb von den Bee Gees und Linda Gray heirateten am 3. September 1970 und die Ehe hält nach fast 50 Jahren noch immer

Am 27. August 1970 betraten der Schauspieler Peter Sellers und Miranda Quarry das Standesamt, um es miteinander zu versuchen. Die Ehe dauerte nur bis 1974.

In der TV-Serie „Downton Abbey“ heiratet in der 8. Episode der 5. Staffel Rose MacClare ihren Atticus Aldridge in der Caxton Hall. Freunde der Serie erinnern sich vielleicht noch.

Heute sind in dem Gebäude Wohnungen und Büros untergebracht.

Published in: on 20. April 2019 at 00:00  Comments (2)  
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Das Greater London House im Londoner Stadtteil Camden, das von zwei schwarzen Katzen bewacht wird

Im Londoner Stadtteil Camden steht ein großes Gebäude im Art Déco-Stil, dessen Eingang von zwei großen schwarzen Katzen bewacht wird. Die Egyptian Revival Architecture war Anfang des 20. Jahrhunderts sehr beliebt (nachdem Howard Carter das Grab des Tutanchamun entdeckt hatte) und so wurde das Greater London House, wie es heute heißt, 1928 von den Architekten M.E und O.H Collins in dieser Form erbaut. Die Carreras Cigarette Factory war hier als erstes untergebracht und man eröffnete das Gebäude mit einem ägyptischen „Happening“, d.h. viel Sand wurde extra aufgeschüttet, Schauspieler in ägyptischen Kostümen traten auf und ein Wagenrennen wurde durchgeführt.

Die beiden großen Katzen standen bis 1959 vor dem Eingang des Hauses, als die Zigarettenfabrik ihre Tore schloss und nach Essex zog. Eine der beiden ging mit nach Basildon in Essex, die andere wurde nach Jamaica geschafft und vor eine andere Fabrik der Firma Carreras gestellt.

Da man in den 1960er Jahren den ägyptischen Stil des Hauses nicht mehr mochte, entfernte man alle Ornamente, so dass sich das Gebäude kaum noch gegenüber den anderen in der Nachbarschaft hervorhob.

Erst als das Greater London House 1996 verkauft wurde, besannen sich die neuen Besitzer auf den ursprünglichen Stil und ließen es nach den alten Plänen wieder herrichten. Auch die beiden Katzen fanden wieder ihren Platz am Eingang, so dass das Gebäude erneut ein Blickfang geworden ist.

Greater London House beherbergt eine Vielzahl von Büros und ist nicht zu besichtigen.
Hier ist ein etwas ungewöhnlicher, aber ganz witziger Film über das Haus, der auch erklärt, was es mit den schwarzen Katzen auf sich hat.

Greater London House
180, Hampstead Road
London NW1 7AW

Der Londoner Belgrave Square – Ein Ort der Superreichen und der Botschaften

Die Deutsche Botschaft.
This work has been released into the public domain.

Es gibt nur noch wenige andere Orte in London, wo sich so viele reiche Menschen aus aller Welt eine Wohnung bzw. ein Haus gekauft haben wie am Belgrave Square. Und es verwundert nicht, dass es sich bei diesen reichen Leuten kaum um Briten handelt. Sie kommen aus Russland, aus China, aus den arabischen Emiraten und ihnen macht es nichts aus viele Millionen Pfund auszugeben. Unter £7 Millionen für eine Wohnung läuft hier nichts und das x-fache muss man auf den Tisch legen, um ein ganzes Haus zu kaufen. Da diese Superreichen auch noch in anderen Teilen der Welt ihre Besitztümer haben, bleiben die Wohnungen am Belgrave Square des Abends oft dunkel, weil niemand zu Hause ist. Keine schöne Entwicklung, die auch in anderen Teilen Londons zu spüren ist, wo extrem teure Wohnungen überwiegend als Geldanlage gekauft werden.

Neben diesen Bewohnern des Belgrave Squares finden sich hier auch viele Ausländer, die in den zahlreichen Botschaften arbeiten, die sich an diesem Platz niedergelassen haben. Die deutsche Botschaft, über die ich in meinem Blog schon einmal geschrieben habe, ist in der Nummer 23 zu finden, in der Nummer 34 war bis zum Fall der Mauer die DDR-Vertretung untergebracht, jetzt Sitz der British-German Association.

Nachbarn der deutschen Botschaft sind in der Nummer 19/20 die Brunei Darussalam High Commission und die Botschaft Österreichs in der Nummer 18. Auf der anderen Straßenseite, gegenüber der Deutschen Botschaft, liegt die spanische Vertretung, zwar mit der Adresse Chesham Place 39, aber mit direktem Blick auf den Belgrave Square.

Die Türkei hat sich das Haus mit der Nummer 43  für ihre offizielle Vertretung in Großbritannien ausgesucht, in der 42 ist die High Commission von Trinidad & Tobago (ein Hochkommissar ist der höchste diplomatische Vertreter eines Commonwealth Landes). In der Nummer 45 findet man den High Commissioner von Malaysia. Es gibt noch weit mehr diplomatische Vetretungen an diesem Platz, aber das würde zu weit führen, sie alle aufzuzählen.

Andere Einrichtungen sind noch: In der Nummer 37, dem Seaford House, ist das Royal College of Defence Studies untergebracht, in der 39  das italienische Kulturinstitut, die Society of Chemical Industry hat ihr Hauptquartier in der Nummer 15 und direkt daneben ist der Sitz der CLA, der Country Land & Business Association, ein Verband der Landbesitzer in England und Wales.

Die Türkische Botschaft in der Nummer 43.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Hier in der Nummer 45 hat sich der High Commissioner von Malaysia niedergelassen.
Photo © Robin Sones (cc-by-sa/2.0)

Das italienische Kulturinstitut in der Nummer 39.
Photo © Stuart Taylor (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Rowton Houses – Ehemalige Unterkünfte in London für die arme Bevölkerung

Das erste Rowton House in Vauxhall am Bondway.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Montagu William Lowry-Corry, 1st Baron Rowton, war der Privatsekretär Benjamin Disraelis, Premierminister von 1874 bis 1880, und ein Mann, der sich sehr um das Wohlergehen seiner Mitmenschen kümmerte. Er lebte von 1838 bis 1903 und nach ihm wurden die Rowton Houses benannt, eine Gruppe von sechs Häusern in London, in denen gering bezahlte Arbeiter in relativem Luxus wohnen und schlafen konnten, anstatt in heruntergekommenen Pensionen. Es gab auch Arbeiter, die sich nicht einmal diese „boarding houses“ leisten konnten und auf der Straße leben mussten.

Rowton hatte sich die Lebenssituation dieser Männer im Londoner East End einmal angesehen und war davon so entsetzt, dass er beschloss, einzugreifen und neue Wohnräume zu schaffen, in denen man menschenwürdig leben konnte. Das erste dieser Rowton Houses mit 470 „Wohn- und Schlafkabinen“ öffnete am 31. Dezember 1892 im Stadtteil Vauxhall. Da Rowton nicht an die erforderlichen Geldmittel kam, um diese Unterkünfte zu schaffen, steckte er £30 000 aus seiner eigenen Tasche in das Projekt, in der damaligen Zeit eine riesige Summe.

In den Rowton Houses gab es fließendes, heißes Wasser, große saubere Waschräume, bequeme Betten und saubere Bettwäsche und sogar eine Bibliothek, was vielen wie das Paradies vorgekommen sein mag.

Weitere Rowton Houses wurden eröffnet: 1894 in King’s Cross, 1897 in Hammersmith und Newington Butts, 1902 in Whitechapel und 1905 in Camden Town. Drei der Häuser stehen noch (die anderen wurden abgerissen), das in Whitechapel wurde in ein Wohnhaus umgewandelt, das Arlington House in Camden Town dient noch heute zum Teil als Unterkunft für Obdachlose und Menschen mit geringem Einkommen, das Haus in Vauxhall, 1-9 Bondway, wird ebenfalls noch als Hostel verwendet.

Das Arlington House in Camden Town.
Author: Grim23
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Published in: on 2. März 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Scott’s Grotto in Ware (Hertfordshire)

Die Kleinstadt Ware liegt an der A10 in der Grafschaft Hertfordshire nördlich von London. Zu den Attraktionen der Stadt zählt neben dem Great Bed of Ware (ich berichtete in meinem Blog darüber) auch noch Scott’s Grotto, angeblich die größte ihrer Art in Großbritannien. Über eine andere Grotte habe ich schon einmal geschrieben, die Shell Grotto in Margate (Kent).

Benannt ist die Grotte nach dem kaum noch bekannten Dichter John Scott, der im 18. Jahrhundert lebte. 1768 erbte er das Amwell House in Ware, das er umgestaltete, einen Garten anlegte und dabei auf die Idee kam, eine Grotte zu bauen, was in der damaligen Zeit en vogue war. Nach Scotts Tod im Jahr 1783 übernahm seine Tochter das Anwesen, das nach deren Tod den Besitzer wechselte. 1974 übernahm der East Hertfordshire District Council die Grotte, nachdem Pläne bestanden, sie einfach abzureißen. 1983 wurde Scotts Grotto für die Öffentlichkeit freigegeben. Die Ware Society kümmerte sich sehr um den Erhalt der Grotte, sammelte Spenden, so dass sie für £124 000 komplett restauriert werden konnte und 1991 wieder die Pforten für Besucher öffnete.

Die in einen Hügel hineingebaute Grotte besteht aus sechs Kammern, die durch Tunnel miteinander verbunden sind. Die Wände sind mit Muscheln, Feuersteinen und Buntglas verkleidet. Es gibt dort keine elektrische Beleuchtung, daher sollte man auf jeden Fall eine Taschenlampe mitbringen. Menschen mit Gehproblemen sollten die Grotte besser nicht besuchen, da der Untergrund darin sehr uneben ist.

Die Öffnungszeiten sind sehr beschränkt; nur samstags von 14 Uhr bis 16.30 kann man John Scotts Meisterwerk besuchen und das auch nur von April bis September.
Dieser Film vermittelt einen Eindruck von Scott’s Grotto. Man findet sie in Ware mitten in einem Wohngebiet an der Scotts Road, die von der A119 abzweigt. Den halb zugewachsenen Eingang kann man leicht übersehen.

The Albany – Einer der begehrtesten Apartmentkomplexe in London

Zentraler kann man in London wohl kaum wohnen als im The Albany, einem Apartmentkomplex etwas zurückgesetzt von der lebhaften Straße Piccadilly. Das Edelkaufhaus Fortnum&Mason und die Buchhandlung Hatchards liegen gleich gegenüber, wer auf Autos der Marke MG steht, kann diese ein paar Meter von der Haustür entfernt kaufen, und das Juweliergeschäft Vashi ist ebenfalls in der kleinen Stichstraße zu finden. So verwundert es nicht, dass The Albany als Wohnsitz ungemeint begehrt ist und das schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts, als Prince Frederick, Duke of York and Albany sein Haus verkaufte und es in Junggesellenwohnungen umgebaut wurde. Es dauerte nicht lange bis The Albany von wohlhabenden Junggesellen bezogen wurde, die die Lage des Hauses zu schätzen wussten.

Der Dichter Lord Byron wohnte hier von 1814 bis 1815, der Schriftsteller Edward Bulwer-Lytton („Die letzten Tage von Pompeji“) bezog 1835 eine Wohnung und noch weitere Autoren wie Aldous Huxley, Georgette Heyer, J.B. Priestley, Graham Greene und Bruce Chatwin gehörten zu den Bewohnern.

Auch Politiker zog es in The Albany wie George Canning, der im Jahr 1827 einige Monate lang Premierminister war, ein weiter Premierminister Edward Heath, der Tory MP Alan Clark und der konservative Brexit-Befürworter Jacob Rees-Mogg.

Der berühmte Dirigent Sir Thomas Beecham war Bewohner des Albany so wie der Philosoph Sir Isaiah Berlin, der Architekt Norman Foster, der Verleger John Lane, der Schauspieler Terence Stamp und der Designer Ashley Hicks, der uns in diesem Film sein Apartment vorstellt.

Kürzlich wurde ein Duplex-Apartment zum Preis von £6 950 000 zum Kauf angeboten und natürlich auch verkauft.

A la Ronde – Das Haus mit den 16 Ecken bei Exmouth in Devon

Eines der merkwürdigsten Häuser, die dem National Trust gehören, steht am nördlichen Ortsrand von Exmouth in Devon und hat den französisch klingenden Namen A la Ronde. Es wurde im späten 18. Jahrhundert für die beiden Cousinen Jane und Mary Parminter gebaut, die gern ruhig und abgelegen wohnen und dort ihr etwas exzentrisches Leben verbringen wollten.

Das Besondere an diesem Haus ist einmal die äußere Form: es ist sechzehneckig und das findet man nicht so oft. Der Grund dafür soll gewesen sein, dass die beiden Damen den ganzen Tag lang die Sonne (wenn sie denn scheint) in einem der Zimmer haben wollten; sie mussten dabei natürlich  ständig ihren Aufenthalt in ein anderes Zimmer verlegen.

Aber auch das Innere von A la Ronde ist sehr ungewöhnlich. Die beiden Parminter-Cousinen waren sehr reisefreudig und brachten immer einiges von ihren Touren mit, was sie dann auch in ihrem geräumigen Haus großzügig verteilten. Eine besondere Schwäche hatten sie für Muscheln und in einer Gallerie des Hauses finden sich 25 000 Exemplare (ich weiß nicht, wer die alle gezählt hat).

A la Ronde, das nach dem Vorbild der Kirche San Vitale in Ravenna gebaut worden sein soll, durfte nach dem letzten Willen der beiden Damen immer nur an unverheiratete weibliche Blutsverwandte vererbt werden, was auch bis 1886 geklappt hat; dann ging das Haus an den Pfarrer Oswald Reichel über, einen Bruder der letzten Besitzerin. Reichel nahm eine ganze Menge Veränderungen und Modernisierungen vor, die aber zum großen Teil vom National Trust wieder rückgängig gemacht worden sind.

A la Ronde wird in diesem Jahr am 2. Februar mit einem Grand Opening für diese Saison eröffnet. Der Eintrittspreis liegt jetzt bei £10.

Hier ein kleiner Film, der einen Eindruck von diesem merkwürdigen Haus vermittelt.

A la Ronde
Summer Lane
Exmouth EX8 5BD

Die achteckige Halle von A la Ronde.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Die Heizung in einem der Räume.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Das Vorbild für A la Ronde: Die Basilika von San Vitale in Ravenna.
Author: Username.Ruge
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Published in: on 9. Januar 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Pinfolds in englischen Dörfern

In Norwell (Nottinghamshire)
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Es gab vor langer Zeit einen Beruf, der sich „pinder“ nannte und von der Wikipedia so beschrieben wird: „One who impounds cattle, or takes care of the cattle impounded.“ Der pinder war eine Art Viehhüter, aber mit besonderen Aufgaben. Wenn sich Vieh von nicht umzäunten  Weiden entfernte und herrenlos durch die Gegend irrte, war es die Aufgabe des pinders, die Tiere einzufangen und im örtlichen „pinfold„, oder auch „animal pound„, genannt, einzusperren, bis der Eigentümer auftauchte und sie wieder abholte. Dafür musste der natürlich eine Art Strafgebühr oder Aufbewahrungsgebühr bezahlen, was er dann auch, mehr oder weniger widerwillig, tat. Wahrscheinlich bekamen die ausgebüchsten Tiere ihrerseits eine Strafe auferlegt, vielleicht zwei Tage lang kein Heu oder so etwas ähnliches.

Die pinfolds waren meistens von Steinmauern umgeben, abschließbar und „ausbruchssicher“, sehr zum Ärger der dort inhaftierten Tiere. Es gab runde, viereckige, große und kleine pinfolds, von denen noch so manche in den Dörfern Englands erhalten geblieben sind. Ich stelle hier einmal einige im Bild vor:

In diesem ehemaligen pinfold in Screveton (Nottinghamshire) hat man jetzt einen Kräutergarten angelegt.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Ein pinfold in Askham (Nottinghamshire).
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Der Swainby Pinfold in North Yorkshire.
Photo © Mick Garratt (cc-by-sa/2.0)

Huttons Ambo in North Yorkshire. Die Telefonzelle war nicht dafür gedacht, dass die eingesperrten Tiere ihre Besitzer zur Hilfe holten.
Photo © John Illingworth (cc-by-sa/2.0)

Dieser pinfold in Chellaston (Derbyshire) diente für Tiere im offenen Vollzug…
Photo © Ian Calderwood (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. Dezember 2018 at 02:00  Comments (5)  
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Die Burlington Arcade in London – Luxuriöses Einkaufen unter einem Glasdach

Nicht nur in Paris und in Mailand gibt es Einkaufspassagen, die unter einem verglasten Dach einen Einkausbummel in luxuriösen Geschäften bieten, auch London kann mit so etwas aufwarten und zwar im vornehmen Stadtteil Mayfair mit der Burlington Arcade, die die Bond Street mit Piccadilly verbindet.

Am 20. März 1819 wurde die Einkaufspassage eröffnet, deren Geschäfte überwiegend Waren für Leute mit einem größeren Geldbeutel anboten, was auch heute noch zutrifft. So finden sich hier z.B. mehrere Juweliere und Uhrengeschäfte. Die Firma The Vintage Watch Company bietet mit mehr als 800 restaurierten Rolex-Uhren das weltweit größte Angebot in diesem Segment. Wer sich eine Luxusuhr der Marke Rolex aus dem Jahr 1915 zulegen möchte, kann das hier tun, vorausgesetzt man ist in der Lage  £ 7000 bis  £10 000 dafür auszugeben.
Bei den alt eingesessenen Firmen Church’s und Crockett & Jones kann man edle Schuhe erwerben und die St. Petersburg Collection offeriert Kreationen von Theo Fabergé.

Eine Besonderheit der Burlington Arcade sind die Beadles, das sind elegant gekleidete Herren, deren Aufgabe es ist, für Ruhe und Ordnung in der Passage zu sorgen. So sehen es diese Herren gar nicht gern, wenn dort gepfiffen oder gerannt wird; auch aufgespannte Regenschirme sind in der Arcade unerwünscht. So erzählt Mark Lord, der oberste Beadle auf den Webseiten der Burlington Arcade, das einmal einer seiner Vorgänger einem vor sich hin pfeifenden Mann auf die Schulter tippte und ihn darauf aufmerksam machte, dass Pfeifen in den heiligen Hallen der Arcade nicht gestattet ist. Es stellte sich heraus, dass der Pfeifer niemand anderes als Paul McCartney war, der sich sofort dafür entschuldigte. Der Beadle aber sagte: „As it’s you, Paul, it’s all right“ und von da ab pfiff Paul McCartney jedesmal wenn er die Einkaufspassage betrat, vergnügt vor sich hin.

Hier ist ein filmischer Rundgang durch die Passage.

Auch wenn man keine Vintage Rolex-Uhr kaufen möchte, ist ein Besuch in der Burlington Arcade schon ein besonderes Erlebnis.

Mews – Ehemalige Stallungen, die zu Wohnungen umgebaut worden sind

Die Buckingham Mews, ganz in der Nähe des Buckingham Palace.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0).

In London, aber auch in anderen Städten, findet man hin und wieder das Wort Mews in einem Straßennamen wie beispielsweise Buckingham Mews oder Royal Crescent Mews in der Hauptstadt. Mews waren vornehmlich im 17. und 18. Jahrhundert Stallungen, in denen Pferde und Kutschen untergebracht waren, d.h. im vornehmen Vorderhaus wohnten die Herrschaften und im Hinterhaus über den Stallungen die Kutscher. Das war bequem für die wohlhabenden Hausbesitzer, auf Wunsch konnten ihre Kutschen in Minutenschnelle vorgefahren werden und standen zu ihrer Verfügung.

Heute kann man den „Mews-Straßen“ noch immer ansehen, wozu sie früher dienten, nur dass hinter den Toren an Stelle von Pferden und Kutschen häufig Autos untergebracht sind; eine Garage in London zu haben, ist ein hohes Gut. Aus den wenig attraktiven Hinterhäusern  früherer Zeiten sind gesuchte, teuere Apartments und Büros geworden wie dieser Film zeigt.

Im folgenden finden sich einige typische Beispiele für Mews in London.

Die Royal Crescent Mews in Hammersmith.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Die Kynance Mews in Kensington.
Photo © Roger Jones (cc-by-sa/2.0)

Die Bryanston Mews West in Marylebone.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Holland Park Mews in Kensington.
Photo © Janusz Lukasiak (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Sekhmet – Eine mysteriöse ägyptische Göttin über dem Eingang zum Auktionshaus Sotheby’s in der Londoner New Bond Street

Ob wohl die Besucher des Londoner Auktionshauses Sotheby’s in der New Bond Street 34/35 auch einmal nach oben schauen, bevor sie das Haus betreten, um die eigenartige schwarze Figur zu betrachten, die den Eingang zu bewachen scheint? Es handelt sich dabei um eine ägyptische Göttin namens Sachmet bzw. Sekhmet wie es auf dem Sockel steht, auf dem sie befestigt ist. Die aus schwarzem Basalt geschaffene löwenartige Figur war einst die Göttin des Krieges und auch der Heilung. Sie wurde der Legende nach als Tochter des Sonnengottes Ra betrachtet und war die Beschützerin der Pharaonen. Die Büste soll im Jahr 1320 vor Christi Geburt erschaffen worden sein und gilt als älteste Büste in Privatbesitz, die in London außerhalb geschlossener Räume zu finden ist.
In irgendeiner Weise kam sie nach London und wurde, zusammen mit anderen Artefakten, in den 1880er Jahren dem Auktionshaus angeboten; alles zusammen ersteigerte jemand für £40, doch merkwürdigerweise ließ sich dieser Unbekannte nie mehr bei Sotheby’s blicken, um seine Schätze abzuholen. So blieb Sachmet bei den Auktionatoren, die damals noch in der Wellington Street ansässig waren. Als sie 1917 in ihr neues Domizil in die New Bond Street zogen, nahmen sie auch die schwarze Göttin mit und positionierten sie über dem Haupteingang. Da steht sie nun und betrachtet das Kommen und Gehen vor dem wohl berühmtesten Auktionshaus der Welt.

Published in: on 12. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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John St John Long (1798-1834), der König der Quacksalber in der Londoner Harley Street

Die Harley Street 84.
Quelle: ResearchGate
Creative Commons 4.0

Weit über 1000 Arztpraxen plus diverse Kliniken gibt es in der Londoner Harley Street und den Nebenstraßen, eine gewaltige Zusammenballung medizinischen Fachwissens. Die Straße liegt im Stadtteil Marylebone im Zentrum der Stadt und macht einen gediegenen Eindruck; viele Häuser sind von Eisengittern umrahmt wie die Nummer 84, wo 1828 ein Mann namens John St John Long (1798-1834) eine Praxis eröffnete. Der Mann hatte keine Ahnung von Medizin; bisher hatte er sich mit künstlerischen Arbeiten durchs Leben geschlagen und dabei durch das Malen einige Anatomiekenntnisse erworben.
In seiner Praxis in der Harley Street spezialisierte er sich auf die Behandlung von Tuberkulose, in dem er seine Patienten geheime Stoffe inhalieren und sie mit Salben einreiben ließ. Fünf bis zehn Tage dauerten diese Anwendungen, häufig bildeten sich auf der Haut nässende Entzündungen, die er mit Kohlblättern abdeckte. Long versuchte seinen Opfern, ich meine natürlich Patienten, klarzumachen, dass diese Entzündungen ein Zeichen dafür sind, dass die Krankheit aus dem Körper heraustritt und sie anschließend geheilt sind. Erstaunlicherweise wirkte die Behandlung bei einigen, bei einigen aber nicht, zum Beispiel behandelte er eine junge Frau, die gar keine Tuberkulose hatte, mit seinen dubiosen Methoden, woraufhin die Patientin starb. John St John Long wurde angeklagt und es kam zu einem Prozess im Old Bailey, wo sowohl richtige Mediziner als auch ehemalige Patienten Longs zu Wort kamen. Die Geschworenen verurteilten den Quacksalber wegen Totschlags, er musste aber nur eine Strafe in Höhe von £250 bezahlen.

Long, der angebliche Tuberkulosespezialist, starb vier Jahre nach dem Prozess im Jahr 1834…angeblich an Tuberkulose, wobei er sich erbittert gesträubt haben soll, sich mit seinen eigenen Wundermitteln behandeln zu lassen. Es gibt aber auch eine andere These für seinen Tod: Er soll an den Folgen eines Reitunfalls gestorben sein.
Was nun auch immer stimmt, Long hatte auch nach seinem Ableben eine ihm gegenüber wohlmeinende Gefolgschaft, die dafür sorgte, dass auf dem Friedhof von Kensal Green, wo er beerdigt worden war, ein aus Portlandstein und Carraramarmor bestehendes Monument errichtet wurde, das der Bildhauer Robert William Sievier gestaltete.

In der Harley Street 84 befinden sich auch heute noch Arztpraxen, die Harley Street Clinic und die Anelca Clinic, die sich auf kosmetische Chirurgie spezialisiert hat.

Das Grabmal von John St John Long.
Photo: Robert Freidus
Quelle: Victorian Web

Die Cockpit Steps in der Londoner City of Westminster

Von der Old Queen Street in der Londoner City of Westminster führen einige Stufen hinunter zu einem Weg, der zum Birdcage Walk führt, das ist eine Straße entlang des St James’s Park. Diese Stufen, die unter Denkmalschutz stehen, und der Weg nennen sich Cockpit Steps und erinnern an eine Hahnenkampfarena, die hier einmal stand, wovon die Treppenstufen als einziges übrig geblieben sind.

Hahnenkämpfe erfreuten einmal sich großer Beliebtheit, und dieser Cockpit hier in Westminster wurde im 17. Jahrhundert eröffnet. Es gab Kampfplätze für das das „niedrige“ Volk und welche für wohlhabendere Leute; der hier, von dem wir sprechen, war ein Royal Cockpit, in dem sich auch Adlige und andere Betuchte zusammenfanden, um dem blutigen „Sport“ beizuwohnen und Wetten abzuschließen, welches der armen Tiere in der Arena überleben würde. Dabei wurden die Kampfhähne nicht nur aufeinander losgelassen, das geschah nach einem detaillierten Regelwerk, das das Verfahren exakt bestimmte.

Durch den Eintritt in Höhe von fünf Schillingen wurde im Royal Cockpit also gleich am Anfang die Spreu vom Weizen getrennt, was die Zahlungsfähigkeit der Zuschauer anbelangte. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Royal Cockpit geschlossen, bis auf die Stufen ist nichts mehr davon zu sehen.

Die Steps sollen von einem Geist heimgesucht werden, einer Frau ohne Kopf, die mehrfach hier gesehen worden sein soll. Ein Soldat der Horse Guards hatte Ende des 18. Jahrhunderts seine Frau ermordet und ihr den Kopf abgeschlagen. Beim Versuch, den Körper im St James’s Park Lake zu verstecken wurde der Mann erwischt. Seitdem wandelt die kopflose Frau hin und wieder die Cockpit Steps hinunter in Richtung Park und erschreckt arglose Menschen…

Dieser Film zeigt einen Gang entlang der Cockpit Steps.

Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 1. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Gherkin in London und das Grab einer jungen Römerin

The Gherkin in London zählt sicher zu den auffälligsten Gebäuden der Stadt (ich berichtete in meinem Blog darüber). Die offizielle Adresse des 180 Meter hohen Bürohauses lautet 30 St Mary Axe; an der Stelle stand vorher The Baltic Exchange, ein Haus, das 1992 bei einem Bombenanschlag der IRA so stark beschädigt worden war, dass es abgerissen werden musste. Drei Jahre später, als das Grundstück frei gemacht wurde, um The Gherkin zu errichten, entdeckte ein Archäologenteam des Museum of London die sterblichen Überreste eines jungen Mädchens, die man vorsichtig von der Baustelle in das Londoner Museum übernahm und dort genauestens untersuchte. Anhand der Untersuchungsergebnisse kamen die Archäologen zu dem Schluss, dass es sich um die Gebeine eines ca 13- bis 17jährigen Mädchens handelte, die etwa um 350 bis 400 in London gelebt haben musste und wahrscheinlich eine Römerin war. Woran die junge Dame gestorben war, ließ sich nicht mehr feststellen.

Nachdem The Gherkin fertiggestellt worden war und die junge Römerin 12 Jahre lang im Museum of London verbracht hatte, sollten ihre Gebeine wieder an die ursprüngliche Fundstelle zurückgebracht werden, an der jetzt das „Gurken-Hochhaus“ stand. Erst wurde eine Andacht für sie in der St Botolphs Church abgehalten, anschließend brachte man sie mit einem Prozessionszug zu ihrem letzten Ruheplatz zurück, der sich an der Bury Street, direkt neben The Gherkin befindet. Die Bürgermeisterin der City of London verstreute Rosenblätter auf eine in den Boden eingelassene Marmorplakette, die mit einem Lorbeerkranz verziert ist. Dahinter hat man in die Marmorbänke die Worte eingraviert “To the spirits of the dead / the unknown young girl / from Roman London / lies buried here„, daneben steht der Satz noch einmal auf Latein.

The Gherkin und die Bury Street.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Das Marktkreuz – Noch heute in vielen Orten Englands zu sehen

Dunster in Somerset.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Um wieder einmal die Wikipedia zu zitieren: „A market cross…is a structure used to mark a market square in market towns, where historically the right to hold a regular market or fair was granted by the monarch, a bishop or a baron“.
Das Marktkreuz kommt in vielerlei Gestalt in englischen Dörfern und Städten vor, manchmal als Steinkreuz, häufig aber auch als kunstvoll gestaltetes Gebäude, in dem man vor Sonne und Regen geschützt war und in dem Marktstände aufgebaut waren.
Besonders in Erinnerung geblieben sind mir das achteckige Market Cross von Dunster in Somerset, Yarn Market genannt, das 1609 von der Luttrell-Familie gebaut wurde, die im Dunster Castle wohnte. Der Yarn Market war ein Zentrum des regionalen Tuchhandels. Ebenso eindrucksvoll erschien mir das 1655 gebaute und unter Denkmalschutz stehende Market Cross von Tetbury in Gloucestershire.
Ich habe hier einige besonders gelungene Beispiele im Bild zusammengestellt.

Tetbury in Gloucestershire.
Eigenes Foto.

Tickhill in South Yorkshire.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Wymondham in Norfolk.
Photo © G Laird (cc-by-sa/2.0)

Howden in East Yorkshire.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Barnard Castle (County Durham).
Photo © G Laird (cc-by-sa/2.0)

Beaminster (Dorset).
Photo © Chris Heaton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. September 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Die Herne Bay Pier in Kent – Vom Schicksal gebeutelt

Die Pier von Herne Bay, im Hintergrund der stehengebliebene Brückenkopf.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Ich kenne den Badeort Herne Bay an der Nordküste von Kent nur von einem Besuch an einem trübgrauen Herbsttag und da sah er alles andere als einladend aus; aber bei Sonnenschein ist es dort sicher viel schöner. Schon seit 1832 gibt es in Herne Bay eine Pier, die für £50,000 erbaut wurde und über einen Kilometer ins Meer hinausragte, in der Hoffnung, zahlreiche Besucher an die Nordküste zu ziehen.

Piers sind anfällige Gebäude, die recht häufig von Stürmen und Bränden heimgesucht werden; einige sind auch schon von Schiffen mit unaufmerksamen Kapitänen gerammt worden. Die Herne Bay Piers (es hat bisher drei gegeben) sind besonders schlimm gebeutelt worden. Die Holzpfeiler der ersten Pier wurden von Schiffsbohrwürmern angefressen, das sind unangenehme Gesellen, die erhebliche Schäden anrichten können, was sie in Herne Bay auch taten. Die Holzpfeiler wurden durch metallene ersetzt bzw. mit Kupferhüllen umzogen, aber irgendwie war alles schon zu spät. Als auch noch die Passagiere ausblieben, die per Schiff an der Pier anlegten, und stattdessen mit der Eisenbahn anreisten, war das Schicksal der Herne Bay Pier besiegelt. Sie wurde im Jahr 1871 abgerissen.

Da man im Ort aber unbedingt eine neue Pier haben wollte, baute man schnell Pier Nummer 2, die schon 1873 der Öffentlichkeit übergeben wurde, allerdings nur 100 Meter lang war. Sie stieß leider auf kein großes Interesse, vielleicht weil sie so kurz war, und erwirtschaftete kein Geld. Also musste eine weitere Pier her. Jetzt klotzte man und kleckerte nicht, denn Pier Nummer 3 war mit 1154 Metern die zweit längste in England, die 1899 eröffnet wurde. Am 9. September 1928 schlug das Schicksal zu; bei einem Feuer brannten das Theater und einige Läden am Eingang ab. Im Zweiten Weltkrieg übernahm das Militär die Pier und sprengte Teile davon, damit bei einem feindlichen Angriff keine Schiffe anlegen konnten. Bei schweren Stürmen Anfang 1953 setzten die Wellen der Pier zu und richteten Schäden an. Als man im Juni 1970 den Grand Pavilion wieder neu aufbauen wollte, löste bei Schweißarbeiten ein Funke ein Feuer aus, und das Gebäude brannte komplett ab.
Weitere schwere Stürme 1978 und 1979 verursachten so große Schäden, dass der größte Teil der Pier abgerissen wurde. Der Brückenkopf draußen im Meer ist stehengeblieben.

Heute ist die Mini-Pier von Herne Bay nur noch 98 Meter lang, aber Pläne für eine richtig lange Version sind noch nicht vom Tisch und wenn das entsprechende Geld vorhanden ist, wird es vielleicht eines Tages eine Pier Nummer 4 geben.

Der Film „French Dressing“ aus dem Jahre 1964 ist übrigens zu großen Teilen an der Seebrücke von Herne Bay gedreht worden. Hier ist ein Ausschnitt zu sehen.

Der Piereingang.
Photo © David Kemp (cc-by-sa/2.0)

Der einsame Brückenkopf.
Photo © Hywel Williams (cc-by-sa/2.0)

Der Londoner Addington Square und das Musikvideo „Happiness“ der Formation Goldfrapp

Der Londoner Addington Square.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Henry Addington, 1st Viscount Sidmouth (1757-1844) war britischer Premierminister von 1801 bis 1804, der heute wohl nicht mehr vielen in Erinnerung geblieben ist, und der in seiner Amtszeit auch keine besonderen Schwerpunkte gesetzt hat. Nach ihm wurde eine Londoner Straße im Bezirk Camberwell, südlich der Themse, benannt, der Addington Square, eine ruhige, angenehme Wohnstraße am Burgess Park. Auf Grund der hübschen Häuser und der leichten Zugänglichkeit kommen immer mal wieder Filmcrews vorbei, um Dreharbeiten vorzunehmen. So zum Beispiel auch im Jahr 2008, als das Musikvideo „Happiness“ des britischen Duos Goldfrapp hier produziert wurde, unter der Regie von Douglas Wilson. Goldfrapp sind Sängerin Alison Goldfrapp und Partner Will Gregory (Synthesizer).

Der Song „Happiness“ entstammt dem Album „Seventh Tree“ und wurde von Goldfrapp geschrieben. Das dazugehörende Video wurde durch eine Filmsequenz aus dem US-amerikanischen Spielfilm „Small Town Girl“ beeinflusst, der 1953 entstand und in dem Jane Powell und Farley Granger die Hauptrollen spielten. Der Schauspieler Bobby Van (1928-1980) führt darin den Street Dance „Take me to Broadway“ auf; er hüpft in einem weißen Anzug durch die Straßen einer amerikanischen Kleinstadt, stellt dabei allerhand Unfug an und verbreitet gute Laune.

In „Happiness“ sehen wir ebenfalls einen jungen Mann in einem weißen Anzug, der Bobby Van verblüffend ähnlich sieht, und der durch den Addington Square hüpft, wobei viele Szenen vom Original übernommen worden sind. Alison Goldfrapp und Will Gregory treten in dem Video in verschiedenen Verkleidungen auf, am Schluss als altes Ehepaar, wobei Will im Rollstuhl sitzt und von Alison geschoben wird.

Bei der Tony Awards-Verleihung in New York 2014 hat Hugh Jackman sich auch an dem Street Dance versucht, was ihm ganz gut gelungen ist wie dieser Film zeigt.

Hier ist das Musikvideo „Happiness“ zu sehen.

Im Regency-Stil erbaute Häuser am Addington Square.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Die acht Bronzestatuen an der Londoner Vauxhall Bridge

Die Londoner Vauxhall Bridge.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Am  26. Mai 1906 wurde die neue Vauxhall Bridge in London eröffnet, mit fünf Jahren Verspätung. Im Vorfeld hatte es eine Reihe von Probleme gegeben, die erst behoben werden mussten, auch was das Erscheinungsbild der Brücke anbelangte. Die Vauxhall Bridge war sehr funktionell geraten und daher wollte man noch einige künstlerische Verschönerungen an ihr vornehmen. Der erste Vorschlag war, an jedem Ende der Brücke einen 18 Meter hohen Turm zu errichten, auf dem dann jeweils eine Skulptur stehen sollte; doch diese Idee wurde schnell aus Kostengründen verworfen. Bei Konsultationen mit dem schottischen Architekten Richard Norman Shaw entwickelte sich der Gedanke, stattdessen auf jeder Seite der Brücke vier Bronzefiguren anzubringen, die jeweils einen Aspekt britischen Lebens repräsentieren sollte. Beauftragt mit der Umsetzung wurden die Bildhauer Alfred Briscoe Drury und Frederick William Pomeroy. Drurys Figuren wurden an der flussabwärts gelegenen Seite der Themsebrücke angebracht, Pomeroys an der flussaufwärts gelegenen Seite.

Drurys Statuen verkörpern die Künste (eine Malerpalette und eine Statuette), die Wissenschaft (ein Himmelsglobus), Bildung (eine Mutter mit ihren zwei Kindern) und Kommunalverwaltung (ein Gesetzbuch), Pomeroy war auf der anderen Brückenseite zuständig für Architektur (ein Modell der St Pauls Kathedrale), Landwirtschaft (eine Sense und eine Getreidegarbe), Technik (eine Dampfmaschine) und das Töpferhandwerk (eine Vase). Die ca zwei Tonnen schweren weiblichen Figuren  sind von der Brücke aus kaum auszumachen, es sei denn man lehnt sich weit über das Geländer. Am besten kann man sie direkt von einem Themseboot aus sehen.

Die Architektur.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Die Landwirtschaft.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Die Technik.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Das Töpferhandwerk.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Alfred Hitchcocks Kopf als Skulptur in der Londoner New North Road

Gainsborough Studios heißt ein Apartmentkomplex in der Londoner New North Road, der 2004 errichtet wurde. Der Name kommt von dem ehemaligen Filmstudio, das an dieser Stelle stand und von 1924 bis 1949 Filme produzierte. Hier begann der junge Alfred Hitchcock seine Karriere als Filmregisseur und drehte Filme wie „The Lady Vanishes“ (dt. „Eine Dame verschwindet“) und „The Lodger“ (dt. „Der Mieter“).

Zu Ehren Alfred Hitchcocks stellte man hier eine Skulptur von ihm auf, die seinen markanten Kopf zeigt, der in Richtung Hollywood blickt, wo er zu einem der berühmtesten Regisseure der Filmgeschichte wurde. Den Auftrag für die Skulptur bekam der 1939 geborene Antony Donaldson, dessen Werke zum Beispiel in der Londoner Tate Gallery ausgestellt sind. Im Jahr 2003 wurde das aus Cortenstahl geschaffene Kunstwerk von Anthony Minghella, einem anderen renommierten britischen Filmregisseur, eingeweiht.
Unter dem Riesenkopf befindet sich übrigens ein Designstudio.

Siehe auch meinen anderen Blogbeitrag über Alfred Hitchcock in London.

Published in: on 31. August 2018 at 02:00  Comments (1)  
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The War Pigeon Memorial in Worthing (West Sussex)

This work is released into the public domain.

Man vergisst leicht, dass neben den unzähligen Menschen, die in den beiden Weltkriegen ums Leben gekommen sind, auch zahllose Tiere den Tod fanden, die in irgendeiner Weise in die kriegerischen Handlungen mit einbezogen wurden. In England gibt es einige Denkmäler, die an diese Tiere erinnern. In meinem Blog habe ich bereits das Animals in War Memorial im Londoner Hyde Park und das War Horse Memorial in Ascot (Berkshire) vorgestellt.

Einzigartig in Großbritannien ist ein Denkmal in der Stadt Worthing an der Südküste in der Grafschaft West Sussex, das War Pigeon Memorial, das an die Brieftauben erinnert, die im Auftrag der britischen Streitkräfte bestimmte Aufgaben zugewiesen bekommen haben und dabei getötet worden sind. Die Tiere mussten zum Beispiel Nachrichten in die Heimat transportieren und durch ihren Einsatz haben sie so manches Menschenleben retten können. 32 Brieftauben wurden sogar mit der Dickin Medal ausgezeichnet, die größte Ehre, die ein Tier in militärischen Auseinandersetzungen bekommen kann.

Das War Pigeon Memorial in Worthing wurde am 27. Juli 1951 vom Duke und der Duchess of Hamilton eingeweiht. In Auftrag gegeben wurde es von der Schauspielerin Nancy Price und Mitgliedern des Londoner People’s Theatre. Gestaltet hat das Denkmal die Bildhauerin Leslie Sharp aus Worthing. Die beiden steinernen Tauben, die das Memorial ursprünglich zierten, sind leider gestohlen wurden und man hat sie auch nicht ersetzt. Auf den beiden Felsen, die man vom Forest of Dean nach Worthing gebracht hat, sind zwei Inschriften zu finden. Auf dem einen Felsen steht „In memory of warrior birds who gave their lives on active service 1939-1945 and for the use and pleasure of living birds„. Den zweiten Felsen ziert ein Bibelspruch aus dem Alten Testament: „A bird of the air shall carry the voice and that which hath wings shall tell the matter. This memorial is presented by Nancy Price and members of the People’s Theatre London„.

Einmal im Jahr findet am Denkmal eine kleine Gedenkfeier statt, die aus dem Jahr 2013 ist hier zu sehen, ein bisschen exzentrisch, aber doch liebenswert.

Das Denkmal findet man im Beach House Park, zwischen der Lyndhurst Road und der Brighton Road, der A259.

Der Beach House Park in Worthing.
This work is released into the public domain

Bramber – Ein hübsches Dorf in West Sussex

Die Hauptstraße von Bramber.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Nordwestlich von Brighton, an der A283, liegt das hübsche und sehenswerte Dorf Bramber in West Sussex. Am Rande des Ortes stehen die wenigen Überbleibsel des Bramber Castles, darunter die rund zehn Meter hohe Ruine des ehemaligen Torhauses. Die normannische Burg wurde im 11. Jahrhundert erbaut; gleich daneben die normannische Kirche St Nicholas, die etwa aus der selben Zeit wie die Burg stammt und die älteste normannische Kirche von Sussex ist (täglich geöffnet!).

Das Sahnestück des Dorfes Bramber ist aber die Hauptstraße, einfach nur The Street genannt. Im Sommer sind viele Häuser und die Straßenlaternen mit Blumen dekoriert, selbst die sonst eher schmucklosen indischen und chinesischen Restaurants, in diesem Fall das Maharajah und The New Bramber Dragon, sind mit Blumenampeln und Blumenkästen bunt herausgeputzt.

Großartig sieht auch die Front des Castle Inn Hotels aus, regelrecht in ein Blumenmeer gehüllt. Das 3*-Hotel rühmt sich seines „Old Worlde“-Charmes, „with nooks, crannies and probably not a right angle in the entire place“.

Der Star von Bramber ist zweifellos ein uraltes, grandios aussehende Fachwerkhaus an der Hauptstraße namens St Mary’s, das im 15. Jahrhundert erbaut wurde und dessen Fundamente sogar noch älter sind. Hier war schon Königin Elizabeth I. zu Gast und König Charles II. soll auf seiner Flucht nach Frankreich in dem Haus übernachtet haben.

Die Kellerräume von St Mary’s sollen Sir Arthur Conan Doyle zu seiner Sherlock Holmes Geschichte „The Musgrave Ritual“ (dt. „Das Musgrave Ritual“) inspiriert haben (Alfred Musgarve war der Besitzer des Hauses Anfang des 20.Jahrhunderts).

St Mary’s stand sogar einmal kurz davor, abgerissen zu werden, doch es fanden sich glücklicherweise immer wieder Menschen, die sich in St Mary’s verliebten und das Gebäude hegten und pflegten. Auch die verschiedenen Gärten sind sehenswert wie der Secret Garden, der Topiary Garden und der Terrace Garden.

Das ganze Jahr über finden Veranstaltungen und Konzerte im St Mary’s House statt, so wird es am 6. Oktober einen Abend mit dem Pianisten Phillip Dyson und am 3. November einen Operngala-Abend geben.

St Mary’s ist von April bis Ende September geöffnet, für Einzelpersonen nur zu bestimmten Zeiten, sonst nur für Gruppen. Hier sind die exakten Öffnungszeiten.

Hier ist ein stimmungsvoller Film über das Haus in West Sussex.

Die Ruinen des Bramber Castles.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

St Nicholas.
Photo © Ian Cunliffe (cc-by-sa/2.0)

The Castle Inn Hotel.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

St Mary’s.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Die Gärten von St Mary’s.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Die Top Ten der beliebtesten Hausnamen in Großbritannien

Alle Häuser in Großbritannien haben in der Regel eine Nummer, die zu der entsprechenden Straße gehört wie zum Beispiel „35, Church Street“. Die ungeraden Nummern befinden sich in den meisten Fällen auf der linken, die geraden Nummern auf der rechten Seite der Straße, ortsauswärts gesehen. Es hat sich, vor allem im dörflichen Bereich, eingebürgert, dass man seinem Haus zusätzlich noch einen Namen gibt, wodurch das Anwesen aus der Anonymität einer simplen Hausnummer herausgehoben wird.

Agatha Christies Miss Marple wohnt zum Beispiel in einem Haus in der High Street von St Mary Mead namens „Danesmead„. Die Schriftstellerin selbst wohnte von 1934 bis 1976 in Wallingford (Oxfordshire) in der Reading Road im Winterbrook House.

Die Halifax Building Society hat einmal die beliebtesten Hausnamen in Großbritannien aufgelistet, ebenfalls die Royal Mail, die mit 29,3 Millionen Adressen die größte Datenbank in Großbritannien hat. Hier ist die Hitliste der britischen Post:

Platz 1: The Orchard. Hier: South Luffenham in Rutland.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Platz 2: Meadow House. Hier: Hoo St Werburgh in Kent.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Platz 3: Rose Cottage. Hier: Barnsole in Kent.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Platz 4: Holly Cottage. Hier: Edmondthorpe in Leicestershire.
Photo © Jonathan Thacker (cc-by-sa/2.0)

Platz 5: Oak Cottage. Hier: Stalisfield in Kent.
Photo © Penny Mayes (cc-by-sa/2.0)

Platz 6: Willow Cottage. Hier: Farncombe in Surrey.
Photo © David960 (cc-by-sa/2.0)

Platz 7: School House. Hier: Morchard Bishop in Devon.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Platz 8: The Willows. Hier: Upper Tysoe in Warwickshire.
Photo © Michael Dibb (cc-by-sa/2.0)

Platz 9: Sunnyside. Hier: Edgmond in Shropshire.
Photo © Richard Law (cc-by-sa/2.0)

Platz 10: Springfield Cottage. Hier: Farley in Wiltshire.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. August 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Meridian Monument in Peacehaven an der Küste von East Sussex

Der Nullmeridian, oder auch Greenwich Meridian genannt, mit der Sternwarte von Greenwich in London als Bezugspunkt zieht sich quer durch England und beginnt (oder endet) auf dem Festland in der kleinen Stadt Peacehaven in East Sussex und endet (oder beginnt) in Sand le Mere an der Ostküste von Yorkshire, dort, wo jetzt ein Feriencamp steht; dann verschwindet der Nullmeridian im Meer.

Es gibt Fans, die diesen 439 Kilometer langen Meridian Trail erwandern, im Stück oder in Teilbereichen. Graham und Hilda Heap haben einen vierbändigen Führer über den Greenwich Meridian Trail geschrieben, der 2009, anlässlich des 125jährigen Bestehens des Nullmeridians, eingerichtet wurde.

Peacehaven, der Ausgangspunkt des Wanderwegs, liegt an der viel befahrenen A259, die von Eastbourne nach Brighton führt. Es ist ein Ort mit einer nicht weit in die Vergangenheit reichenden Geschichte; er wurde während des Ersten Weltkriegs 1915 von dem Geschäftsmann Charles Neville gegründet, der hier direkt an der Küste Land aufkaufte. Viele Kriegsveteranen ließen sich in Peacehaven nieder, aber auch Londoner, die sich in dem Ort mit dem idyllischen Namen ihre Ferienhäuser bauten.

1933, als man sich in Peacehaven bewusst wurde, dass man exakt auf dem Nullmeridian wohnte, kam man auf die Idee, ein Denkmal zu errichten, das sowohl an diese geografisch so bedeutungsvolle Stätte aufmerksam machen sollte, als auch gleichzeitig zu Ehren König Georgs V. gebaut werden sollte. Leider starb der König schon, bevor der Grundstein gelegt werden konnte.

Am 8. August 1936 wurde das nun King George V Memorial and Prime Meridian Obelisk genannte Denkmal enthüllt, wobei der Astronomer Royal Harold Spencer Jones eine Rede hielt. Die Lage des Denkmals ist zwar wunderbar, aber es ergab sich ein Problem: Die Küste erodierte, und das hieß, das Memorial musste landeinwärts versetzt werden, was in den 1960er Jahren und noch einmal 1981 geschah. 1987 wurde bei einem schweren Sturm die das Monument krönende Kugel ins Meer gespült, die aber bald durch eine neue ersetzt wurde.

Wer durch Peacehaven spazieren geht, wird ständig daran erinnert, dass man sich hier auf dem Nullmeridian befindet: Es gibt eine Meridian Surgery, eine Meridian Veterinary practice, eine Meridian Community Primary School, ein Meridian Shopping Centre, einen Meridian Way usw. usw.

Dieser Film zeigt das Monument und seine wunderschöne Lage oberhalb der Kreideklippen, von wo aus man in der Ferne die Stadt Brighton sehen kann.

Ausgangspunkt des Greenwich Meridian Trails: Die Klippen von Peacehaven in East Sussex.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Der Endpunkt des Greenwich Meridian Trails: Sand-le-Mere mit seinem Holiday Park an der Ostküste von Yorkshire.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Das Londoner Kaufhaus Selfridges und die Queen of Time Clock

Den Eingang des Londoner Kaufhauses Fortnum & Mason in Piccadilly ziert eine Uhr, neben der zwei Türen angebracht sind, aus der zu jeder vollen Stunde die Herren William Fortnum und Hugh Mason erscheinen, begleitet von Glockenspiel und Musik (ich berichtete in meinem Blog darüber). Über 30 Jahre vorher wurde über dem Haupteingang des Konkurrenz-Kaufhauses Selfridges in der Oxford Street etwas Ähnliches installiert: Die Queen of Time Clock, aus Anlass des 21. Geburtstages des Kaufhauses. Die Uhr hat zwei Zifferblätter und schlägt zu jeder Viertelstunde. Sie ist über einer aufwendig gestalteten geflügelten Bronzefigur, der Queen, angebracht, die auf dem Bug eines Schiffes steht, umgeben von weiteren Art Deco-Figuren wie Meerjungfrauen und anderen geflügelten Gestalten. In ihrer rechten Hand hält die Queen of Time eine Kugel, auf der eine weitere Figur mit Flügeln angebracht ist, die linke Hand umfasst Olivenzweige. Oberhalb der beiden Zifferblätter sieht man ein Segelschiff.

Der Bildhauer, der die Queen of Time angefertigt hat, heißt Gilbert Bayes (1872-1953). Der renommierte Künstler war u.a. für seine vielen Kriegerdenkmäler bekannt geworden. Gordon Selfridge war ein großer Bewunderer von Bayes, und so findet man an anderen Stellen des Kaufhauses weitere Kunstwerke des Bildhauers. Ursprünglich wollte Gilbert Bayes die rund vier Meter hohe Queen of Time aus Terracotta anfertigen, entschied sich dann aber doch für Bronze. Die Figur ist teils vergoldet und mit Fayencen und Steingut aus dem Hause Doulton verziert. Dieser Film zeigt den Künstler und einige seiner Werke, auch die Queen of Time.

Die Market Hall in Old Amersham (Buckinghamshire)

Über einen meiner Lieblingsorte in England, Old Amersham in Buckinghamshire, habe ich schon mehrere Male in meinem Blog geschrieben. Entlang der High Street reihen sich hübsche alte Häuser aneinander, dominiert von dem Hotel King’s Arms, dem Crown Hotel und der Market Hall am Anfang der High Street. Die Markthalle steht unter Denkmalschutz und wurde 1682 erbaut, ein Geschenk von Sir William Drake an Amersham, dessen Member of Parliament er war. Das Wappen der Familie Drake, die damals schon sehr lange in der kleinen Stadt ansässig war, ist in der Market Hall zu finden. Im Erdgeschoss des Gebäudes spielte sich das Markttreiben ab, die Räume darüber dienten und dienen noch für Versammlungen. Das Backsteinhaus wird von einem Türmchen gekrönt, in dem eine Glocke hängt und an dem eine Uhr angebracht ist. Im Jahr 1911 wurde die Market Hall generalüberholt, wofür William Wykeham Tyrwhitt Drake, ein Nachfahre von Sir William Drake, verantwortlich zeichnete. Eine Zeit lang wurde in dem Gebäude ein Feuerwehrfahrzeug untergestellt und es diente eine Weile als Gefängnis.

Der Amersham Town Council vermietet das Obergeschoss, das 1993 komplett renoviert wurde, für Veranstaltungen, Parties, Abendgesellschaften usw.

Old Amersham ist ideal als Drehort für Filme und so waren in den letzten Jahrzehnten immer wieder Filmcrews in der High Street zu sehen. Auch die Market Hall tauchte hin und wieder als Schauplatz in Filmen und TV-Serien auf, so zum Beispiel in „Circus of Horrors“ (dt. „Der rote Schatten“) aus dem Jahr 1960, in dem u.a. Donald Pleasance mitspielte.
1965 wurden Szenen des Musicalfilms „Three Hats for Lisa“ mit Joe Brown und Sophie Hardy in den Hauptrollen an der Market Hall gedreht. Auch in der zweiten Staffel der BBC3-Comedy-Serie „Cuckoo“ dt. („Cuckoo“), die 2012 vom Stapel lief, sind Old Amershams High Street und die Market Hall zu sehen.

Wenn ich mich nicht verzählt habe, wurden bisher neun Folgen der „Inspector Barnaby„-Krimiserie, zumindest in Teilen, in Old Amersham gedreht.

Ich wohnte bei meinen Aufenthalten dort immer im King’s Arms Hotel, einem uralten Haus mit viel Atmosphäre, das auch schon mehrfach für Filmaufnahmen genutzt wurde. Einen Aufenthalt in Old Amersham kann ich sehr empfehlen. Nur ein paar Meter von der Market Hall entfernt, liegt eines der besten Restaurants Englands, artichoke, daneben ein ebenfalls sehr gutes Restaurant, Gilbeys, das ich in meinem Blog schon vorgestellt habe.

Hinweistafel auf das Jahr der Erbauung der Market Hall.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

Der Eingang zur Gefängniszelle.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

Blick durch einen der Torbögen der Market Hall. Gleich links sind die beiden von mir empfohlenen Restaurants zu finden.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

Bei einem meiner Besuche erstrahlte der Union Jack an der Market Hall.
Eigenes Foto.