Der Clavell Tower an der Küste von Dorset – Folly, Unterkunft und Filmdrehort

Warum der Reverend John Richards Clavell im Jahr 1830 den nach ihm benannten Turm  an der Küste der Grafschaft Dorset errichten ließ, ist nicht mehr ganz nachzuvollziehen. Man kann den Clavell Tower aber in der Kategorie „Folly“ einordnen. Der Turm sieht toll aus mit seinen zwölf Säulen und dem Rundum-Balkon. Ob es eine gute Idee war, ihn so dicht an die abbruchgefährdeten Klippen zu bauen, wage ich zu bezweifeln, denn er musste im Herbst 2006 etwa 25 Meter landeinwärts verrückt werden (ob das wohl reicht?), mit riesigem Aufwand, denn jeder der mehr als 16 000 Steine wurde abgebaut, nummeriert und fotografiert und dann wieder komplett zusammengefügt. Veranlasst hatte das der Landmark Trust  (ich habe mehrfach über den Trust in meinem Blog berichtet), denn der wollte den attraktiven Turm seinen Gästen zur Vermietung anbieten…mit großem Erfolg wie sich zeigte, denn der Clavell Tower gehört zu den begehrtesten Objekten im Portfolio des Landmark Trusts. Die Gäste haben von dem vierstöckigen Turm einen grandiosen Ausblick auf die Kimmeridge Bay.

Schon der Schriftsteller Thomas Hardy hatte sich in den Turm verliebt und traf sich hier mit seiner damaligen Geliebten Eliza Nicholl. Er fertigte eine Skizze des Clavell Towers an und platzierte sie gegenüber der Titelseite seiner „Wessex Poems„.

Die Krimiautorin P.D. James hatte ebenfalls eine Schwäche für den Tower of the Winds, wie der Clavell Tower auch genannt wird, entwickelt und ließ sich durch ihn 1975 zu ihrem Roman „The Black Tower“ (dt. „Der schwarze Turm“) inspirieren, den die BBC 1985 in eine Mini-Serie mit demselben Titel umwandelte. Dann nehmen wir doch gleich „the real thing“ sagten sich die Filmproduzenten und benutzten für die Dreharbeiten den Clavell Tower. Hier ist die erste Folge zu sehen.

Die Rockgruppe The Style Council drehten ihr Musikvideo „The Boy who cried wolf“ am Turm und hatten damit eine gute Wahl getroffen.

Dieser Film zeigt einen Flug über den Clavell Tower und die Kimmeridge Bay.

Der Turm, bevor er zurückversetzt wurde.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Auch Schwalben lieben den Clavell Tower.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. Januar 2021 at 02:00  Comments (2)  
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Lyme Regis in Dorset Teil 1: Das historische, leerstehende Three Cups Hotel

Heute und morgen begeben wir uns wieder einmal in den Küstenort Lyme Regis in Dorset; über einen Besuch dort habe ich vor längerer Zeit in meinem Blog berichtet. Cinéasten erinnern sich vielleicht an den Spielfilm „Die Geliebte des französischen Leutnants“ mit Meryl Streep und Jeremy Irons, der hier gedreht wurde, nach dem gleichnamigen Roman von John Fowler, der in Lyme Regis lebte. Überhaupt war die hübsche kleine Stadt Treffpunkt von einer ganzen Schar von Schriftstellern, die sich gern die frische Seeluft um die Nase bliesen ließen.

Jane Austen war hier im Jahr 1804 in einer Pension in der Broad Street Nummer 18 zu Gast. Große Teile ihres Romans „Persuasion“ (dt. „Überredung“) spielen in Lyme Regis und Umgebung. Drei Verfilmungen diese Romans fanden am Originalschauplatz statt wie zum Beispiel dieser. Aus der Pension wurde später ein Hotel, das Three Cups Hotel, das von den literarischen Besuchern der Stadt gern als Übernachtungsort gewählt wurde. Das waren beispielsweise Alfred Lord Tennyson, der es liebte, auf Jane Austens Spuren zu wandeln, der Amerikaner Henry Wadsworth Longfellow, der gebürtige Franzose Hilaire Belloc und Gilbert Keith Chesterton, die beide häufig zusammenarbeiteten, und John Ronald Reuel Tolkien, der Schöpfer des Fantasyepos „Der Herr der Ringe“, der hier schrieb und zeichnete, unter anderem das Bild „Lyme Regis Harbour from the drawing Room of The Three Cups Hotel„. Das Hotel war auch Drehort des oben genannten Films „Die Geliebte des französischen Leutnants“.

Es ist ein Jammer, dass das Three Cups Hotel seit nunmehr dreißig Jahren leer steht. Das an sich architektonisch interessante Gebäude verfällt zusehends; der Fotograf Andrew Blackmore hat Aufnahmen aus dem Inneren des baufälligen Gebäudes gemacht. Eigentümerin ist die Palmers Brewery in Bridport (Dorset), die Pläne angekündigt hat, das Haus umzugestalten. Wenn die Pläne akzeptiert werden, wird es kein neues Hotel geben, sondern Apartments und ein Restaurant; die historischen Elemente des ehemaligen Hotels sollen erhalten bleiben. Geplanter Beginn der Bauarbeiten: 2021.

Das ehemalige Hotel ist auf der rechten Seite zu sehen.
Author: Darkroom Daze
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Der Londoner Elizabeth Tower und wie man ihn besichtigen kann

Nicht sehr schön anzusehen: Der in Gerüsten gekleidete Elizabeth Tower.
Author: oatsy40
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Seit dem Jahr 2017 ist der Londoner Elizabeth Tower, neben dem Parlamentsgebäude gelegen, und von den meisten Touristen Big Ben genannt, in Gerüste gehüllt. Er wird renoviert und soll 2021 wieder fertig gestellt sein. Eine lange Zeit war von dem Wahrzeichen Londons nicht viel zu sehen und von der berühmten Glocke The Great Bell nichts zu hören, aber das wird sich wohl bald ändern.

Der Glockenturm ist zu besichtigen, ABER: Das ist gar nicht so leicht zu bewerkstelligen und für viele Londonbesucher unmöglich, denn er ist nur für „UK residents“ zugänglich, alle Besucher aus anderen Ländern sind außen vor… und das auch schon in den Vor-Brexitzeiten. Aber auch wer „UK resident“ ist, kann da nicht so einfach in den Turm hineinspazieren, denn man braucht dafür die Einladung bzw. Genehmigung eines Parlamentsabgeordneten oder eines Mitglieds des House of Lords.

Haben die Turmbesucher in spe diese Hürde genommen, kann es sein, dass sie auf weitere stoßen, die sie von einem Gang in die luftigen Höhen abhalten. Da ist einmal das Alter; wer unter elf Jahren ist, kann gleich draußen bleiben. Menschen mit Herzproblemen haben ebenfalls keinen Zutritt, was auch für Schwangere gilt, deren Schwangerschaft schon weit fortgeschritten ist. Schließlich möchte man nicht, dass neben der Great Bell plötzlich einen Geburt stattfindet.

Wer gebrechlich aussieht, dürfte schlechte Karten für eine Turmbesteigung haben, denn es sind 334 Stufen zu bewältigen und einen Aufzug gibt es nicht. Rollatorfahrer und Menschen mit Gehhilfen: Forget it! Kommen Besucherinnen beispielsweise zum Besteigungstermin (das Wort klingt irgendwie komisch) in High Heels, können sie gleich wieder umdrehen und nach Hause fahren, denn entsprechendes Schuhwerk ist vorgeschrieben.

Ach ja, eines braucht man auf jeden Fall, wenn man den Elizabeth Tower besuchen möchte, nämlich Geduld. Die Nachfrage ist so groß, dass man so um  die sechs Monate warten muss, bis wieder ein Termin frei wird.

Besonders Wagemutige können den Turm auch auf diese Weise besteigen. Den Abstieg kann ich allerdings nicht so empfehlen.

So wird der Turm hoffentlich bald wieder aussehen, wenn die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sind.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 25. Dezember 2020 at 02:00  Comments (7)  
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Wer war eigentlich … Downing, nach dem die Downing Street in London benannt wurde?

Sir George Downing (1623-1684). – This image is in the public domain because its copyright has expired.

Die Adresse „Number 10 Downing Street“ kennt wohl jedes Kind als Sitz des britischen Premierministers. Nach wem wurde die kurze Straße im Londoner Zentrum nun eigentlich benannt? Gab es jemanden, der Downing hieß?

Ja, den gab es, und zwar war der Namensgeber der bekanntesten Straße im ganzen Königreich Sir George Downing, der von 1623 – 1684 lebte, ein Diplomat und Staatsmann, der seinerzeit als Treasury Secretary, Finanzminister, für einige weit reichende Reformen im öffentlichen Finanzwesen verantwortlich war. Außerdem spielte Downing bei der Erwerbung der Stadt New York von den Holländern eine wesentliche Rolle.
Im Laufe seines Lebens schaffte Downing auch eine ganze Menge Geld für sich beiseite und war der größte Landbesitzer in ganz Cambridgeshire. Er galt zwar als geschickter Diplomat und ausgezeichneter Finanzjongleur, sein Ruf war aber nicht so ganz ungetrübt, denn er schien ein richtiger Geizkragen gewesen zu sein (aber als Finanzminister muss man das wohl sein).

Man hatte seinerzeit den Straßennamen gut gewählt, denn in der Downing Street, der Nummer 11, residiert auch der britische Schatzkanzler, der für die Finanzen des Staates verantwortlich ist, das ist seit dem 13. Februar 2020 Rishi Sunak von der Konservativen Partei.

Im Jahr 2014 kam der Actionthriller „He who dares: Downing Street Siege“ (dt. „Downing Street Down“) in die Kinos, in dem die Straße eine bedeutende Rolle spielt.

In anderen Städten Englands gibt es auch Straßen mit dem Namen Downing Street, zum Beispiel in Farnham in Surrey. In der dortigen Nummer 10 ist ein Tattoo-Studio untergebracht.

Schwer bewacht, die Londoner Downing Street.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

 

Die bekannteste Tür in Großbritannien?
Author: UK Prime Minister
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Downing Street No. 10 1/4, ein „Dinky Doors“ Street Art Projekt in Cambridge.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

M.P. Micky Mouse oder Wie das britische Parlament mit einer Mäuseplage zu kämpfen hat

Der Westminster Palast, der das britische Ober- und Unterhaus beherbergt, liegt majestätisch am Themseufer und gehört zu einem der Highlights einer jeden Londoner Stadtrundfahrt. Am 27. April 1840 erfolgte die Grundsteinlegung für den Wiederaufbau des Palastes, der am 16. Oktober 1834 einem Feuer zum Opfer gefallen war. Charles Barry war damals der maßgebende Architekt, der zusammen mit Augustus Pugin, das riesige Gebäude erstehen ließ, in dem noch heute die Parlamentarier ein und aus gehen und in dem, gerade in der letzten Zeit, hitzige Debatten geführt wurden.

Doch sieht man einmal hinter die Kulissen des Palace of Westminster entdeckt man immer mehr Probleme, die wohl auch in Zukunft zunehmen werden. Vieles ist marode, in den Kellergewölben ziehen sich brüchige Versorgungsleitungen und -kabel entlang, die nicht mehr heutigen Standards entsprechen. In den Büros kommt es schon mal vor, dass es von der Decke heruntertropft. Außerdem ist das Parlamentsgebäude zum Lieblingsaufenthaltsort Londoner Mäuse geworden. Über eine halbe Million Nager sollen hier ihre Zelte aufgeschlagen haben und den Palast unsicher machen. Da es in dem Gebäude zwischen den Wänden und unter den Fußböden unzählige Nischen, Lücken und Aushöhlungen gibt, sind das für Mickey Maus und seine Freunde paradiesische Zustände, und die lustige Bande wird immer frecher und wagt sich zunehmend aus ihren Verstecken hinaus, um sich dort umzuschauen, wo britische Politik gemacht wird. Kaum einer der Parlamentsmitglieder, der noch keine Begegnung mit einem der Nager hatte. Besonders beliebt sind die Kantinen und Restaurants, wo es immer Leckereien zu finden gibt, und da laufen die possierlichen Tierchen auch schon über die Füße der Essenden, um an ihre Nahrung zu gelangen.

Alle bisherigen Maßnahmen, der Mäusegesellschaft Herr zu werden, haben nichts genützt. Hunderttausende Pfund sind schon ausgegeben worden, ohne nennenswerten Erfolg. Es gibt sogar Statistiken über die monatlichen Mäusesichtungen. Der Ruf nach Katzen wird immer lauter, die den Parlamentariern helfen sollen, aber bei der riesigen Menge an Mäusen, wäre das eine Herkulesaufgabe für sie. Vielleicht könnte Boris Johnson seinen Downing Street 10-Kater Larry ausleihen, der für eine mäusefreie Residenz des Premierministers sorgt.

Dummerweise haben Mäuse auch eine Vorliebe, an Stromkabeln zu nagen (aus Ärger, dass man sie in den Restaurants und Bars des Hauses nicht willkommen heißt), was wiederum zu gefährlichen Situationen führen kann. Brände könnten sich entwickeln und der Westminster Palace abgefackelt werden. Was Guy Fawkes am 5. November 1605 nicht schaffte, könnte den kleinen Nagern heute gelingen.

Wie man es auch dreht und wendet, das Parlamentsgebäude muss von Grund auf saniert werden… und das wird sehr, sehr teuer. Ob das nach dem Brexit am 1. Januar 2021 finanziell noch möglich sein wird?

Larry, the Downing Street Cat. 
Author: UK Prime Minister
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Published in: on 14. Dezember 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Dartford in Kent und Straßen, die nach Rolling Stones-Songs benannt wurden

Hätte es den Bahnhof von Dartford in Kent nicht gegeben, wäre die berühmteste Rockband der Welt vielleicht nie entstanden. 1961 trafen sich Mick Jagger und Keith Richards hier auf einem Bahnsteig und fuhren regelmäßig gemeinsam nach London. Die Geburtsstunde der Rolling Stones hatte geschlagen. Die Stadt Dartford ehrte Mick Jagger, indem sie ein Veranstaltungszentrum nach ihm benannte (siehe dazu meinen Blogeintrag). Der Dartford Borough Council ließ auf dem Bahnhof eine Plakette anbringen, auf der es heißt, das sich Mick Jagger und Keith Richards am 17. Oktober 1961 auf Bahnsteig 2 trafen und eine der berühmtesten Bands der Welt gründeten.

Als man vor etwa mehr als zehn Jahren ein neues Wohngebiet im Norden Dartfords ins Leben rief, überlegte sich der Council, welche Straßennamen dafür verwenden werden sollten. Die neue Siedlung hieß The Bridge, nach der Queen Elizabeth II Bridge, die ganz in der Nähe die Themse überquert. Da besann man sich erneut an die beiden großen Söhne der Stadt und benannte einige Straßen nach den Songs der Rolling Stones.

Da gibt es zum Beispiel den Ruby Tuesday Drive. Der Song „Ruby Tuesday“ wurde Ende 1966 aufgenommen und 1967 veröffentlicht; im Mittelpunkt des Textes steht die damalige Freundin Keith Richards, Linda Keith. Die Straße geht von der Binnie Road ab und endet auch wieder auf ihr.
Auch die Straße Stones Avenue geht von der Binnie Road ab. Die Stones Avenue wiederum wird geschnitten von der Straße Sympathy Vale, benannt nach dem Song „Sympathy for the Devil“ aus dem Jahr 1968, veröffentlicht auf dem Album „Beggar’s Banquet“.

Von Sympathy Vale geht eine Sackgasse ab, die den Namen Angie Mews trägt; „Angie“ entstand 1973, „Goats Head Soup“ hieß das dazu gehörige Album.

Von der Stones Avenue geht der Lady Jane Place ab, der an den Song „Lady Jane“ erinnert, der 1966 auf dem Stones-Album „Aftermath“ veröffentlicht wurde, ebenso der Rambler Lane, nach dem Song „Midnight Rambler“ aus dem Jahr 1969 benannt (LP „Let it Bleed“), und die Tumbling Dice Mews. „Tumbling Dice“ erschien 1972 auf dem Album „Exile on Main Street“.

Es gibt noch einige weitere Straßen im Bridge Estate, die nach Songs der Rolling Stones benannt sind, aber ich glaube, das ist erst einmal genug.

Siehe zum Thema noch meinen Blogeintrag über das Rolling Stones Museum in Lüchow.

Published in: on 23. November 2020 at 02:00  Comments (6)  
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Die Squeeze-ee-Belly Alley in Port Isaac (Cornwall) – Eine der engsten Straßen der Welt

Wodurch kennt man Port Isaac an der Nordküste von Cornwall vor allem? Ja, als Drehort der populären TV-Serie „Doc Martin“ und als Heimat des Shantychors Fisherman’s Friends, der durch den gleichnamigen Film im vorigen Jahr auch international bekannt wurde. Es gibt noch eine weitere Besonderheit in Port Isaac, die vielleicht nicht ganz so bekannt ist. Von der Dolphin Street geht zwischen den beiden Häusern Honey Cottage und Temple Cottage eine extrem schmale Straße in Richtung Fore Street ab, Temple Bar genannt. Ein Mindestabstand einzuhalten, ist hier in Coronazeiten absolut unmöglich. An der schmalsten Stelle ist das Sträßchen gerade einmal 45 cm breit, daher hat man es auch Squeeze-ee-Belly Alley bezeichnet (als einmal eine umfangreiche Dame diesen Weg nehmen wollte, riet man ihr, den Bauch einzuziehen, damit sie nicht stecken bliebe). Das Guinness Book of Records verzeichnete Temple Bar in der Ausgabe von 1978 sogar als schmalste, öffentliche Durchgangsstraße der Welt. Aber, sorry Port Isaac, Deutschland kann es noch schmaler, denn die  Spreuerhofstraße in Reutlingen ist an der engsten Stelle nur 31 cm breit.

Der Name Temple Bar kommt von dem ehemaligen Besitzer des Temple Cottage, der … Temple hieß, und manchmal machte der Herr einen Balken (=bar) vor den Zugang, damit dort niemand hindurchlief, was wahrscheinlich bei den Anwohnern nicht so gut ankam.

Ein Besuch in Port Isaac lohnt sich allemal; etwas umfangreich geratene Zeitgenossen müssen ja nicht unbedingt die Squeeze-ee-Belly Alley nehmen (hier ist ein kurzer Film).

Der Konkurrent in Reutlingen: Die Spreuerhofstraße.
Author: Bloutiouf
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Published in: on 22. November 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Garrick’s Temple to Shakespeare am Ufer der Themse in Hampton (Greater London)

David Garrick war einer der bedeutendsten Schauspieler des 18. Jahrhunderts. Er lebte von 1717 bis 1779, und ihm wurde die Ehre zuteil, in der Poet’s Corner in der Westminster Abbey beigesetzt zu werden. Sein Durchbruch gelang ihm mit der Verkörperung Richards III. im gleichnamigen Schauspiel von William Shakespeare, und dem Barden von Stratford-upon-Avon blieb Garrick sein Leben lang verbunden. Der Schauspieler vergötterte ihn und setzte ihm ein Ehrenmal an der Themse in Hampton (Greater London), nur unweit vom Hampton Court Palace entfernt. 1754 hatte sich David Garrick hier in einem Haus niedergelassen (Garrick’s Villa steht noch heute an der Hampton Court Road, ist aber in Wohnungen aufgeteilt worden), eine tolle Lage mit wunderschönem Blick auf den Fluss. Die Gärten am Ufer gehörten zum Grundstück, waren aber zu Garricks Ärger durch eine Straße von seiner Villa getrennt; also ließ er einen Tunnel bauen, durch den er zum Themseufer gelangen konnte. Und an diesem Standort entstand der Garrick’s Temple to Shakespeare genannte attraktive Bau mit Kuppel und ionischen Säulen vor dem Eingang, die den Portikus stützen. Der Temple besteht nur aus einem Raum, in dem David Garrick Erinnerungsstücke an Shakespeare aufbewahrte. Im Mittelpunkt stand eine Statue des Barden, die der französischen Bildhauer Louis-François Roubiliac im Auftrag von Garrick angefertigt hatte. Nach dem Tod des Schauspielers wurde diese Statue in das British Museum überführt, wo sie noch heute in der King’s Library zu sehen ist. Als Ersatz ließ das Museum eine Kopie anfertigen und in Garrick’s Temple aufstellen.

Das schöne Gebäude am Themseufer, in dem Garrick auch arbeitete und Freunde empfing, ging nach dem Tod des Schauspielers durch mehrere Hände. In den 1970er Jahren und auch später stand es vernachlässigt da, Ziel von Vandalen und Dieben, die Bausubstanz war stark in Mitleidenschaft gezogen. Es hätte nicht viel gefehlt und Garrick’s Temple wäre abgerissen worden, doch glücklicherweise wurde er in den 1990er Jahren gerettet, der Lottery Heritage Fund steuerte Geld zur Restaurierung bei, und namhafte britische Schauspieler wie Sir John Gielgud und Dame Judi Dench setzten sich mit Spenden für den Erhalt des Tempels ein.

Garrick’s Temple to Shakespeare ist öffentlich zugänglich, allerdings nur an Sonntagnachmittagen von April bis Oktober. Zu sehen ist im Inneren eine Ausstellung über David Garrick. In diesem Film sind Bilder des ansprechenden Baues zu sehen.

Die Charborough Wall in Dorset – Eine der längsten Mauern im Königreich

Mein heutiger Blogeintrag schließt an den vom 9. Dezember 2017 an, als ich den Charborough Tower, einen Folly auf dem Gelände des Charborough Parks in Dorset, vorstellte. Haus und Park gehören dem Parlamentsabgeordneten für South Dorset namens Richard Plunkett-Ernle-Erle-Drax, dessen Familie schon seit Jahrhunderten hier in Dorset ansässig ist.

Eine Besonderheit von Charborough Park ist die Mauer, die sich schier endlos entlang der A31 erstreckt und eine der längsten Backsteinmauern in ganz Großbritannien ist. Erbaut wurde sie 1841/42 von John Samuel Wanley Sawbridge-Erle-Drax, einem Exzentriker, der ebenfalls Parlamentsmitglied war. Wie dem Blog Richard Drax‘ zu entnehmen ist, zeichnete sich sein Vorfahre im Parlament dadurch aus, dass er sich in 32 Jahren nur ein einziges Mal zu Wort meldete und das war als er den Speaker bat, das Fenster zu öffnen. Nicht schlecht war auch seine Idee, an seinem Mausoleum einen Briefkastenschlitz einzubauen, so dass er nach seinem Tod jeden Tag die druckfrische Times erhalten konnte.

Nachdem also John Samuel Wanley Sawbridge-Erle-Drax den Charborough Tower nach einem Blitzeinschlag wieder hat restaurieren lassen, machte er sich an den Mauerbau. Rund fünf Kilometer lang ist „The Wall“ und etwa zwei Millionen Steine wurden darin verbaut. Und da lange Mauern auf Dauer langweilig sind, hat man zur Auflockerung das Stag Gate und die Lion Lodge integriert. Der Hirsch steht auf einem großen Torbogen und viele, die am Stag Gate vorbeigefahren sind, haben sich gefragt, warum denn der Hirsch fünf Beine hat. Schaut man genauer hin, so handelt sich hier um einen ganz normalen vierbeinigen Hirsch, dem der Bildhauer lediglich aus Stabilitätsgründen einen kleinen Baumstamm spendiert hat, der wie ein fünftes Bein wirkt. Der Kollege des Hirschen, der Löwe auf der Lion Lodge, dagegen kommt ohne so ein Hilfsmittel aus und turnt oben auf dem Torbogen vierpfötig herum.

Wie es hinter der Mauer ausschaut, zeigt dieser Film.

Ooops…wer war das?
Author: John Palmer
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Published in: on 16. November 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Mary Wollstonecrafts umstrittene Statue im Londoner Park Newington Green

Newington Green im Norden Londons spielte eine große Rolle im Leben der Mary Wollstonecraft (1759-1797), einer der größten Frauenrechtlerinnen in der Geschichte Englands (und Mutter Mary Shelleys, Schöpferin des Romans „Frankenstein“). Hier begann sie ihre schriftstellerische Karriere mit Kinderbüchern, Übersetzungen und Rezensionen, bevor sie 1792 mit „A Vindication of the Rights of Woman“ international auf sich aufmerksam machte. Hier etablierte Mary Wollstonecraft, zusammen mit ihrer Schwester Eliza, im Jahr 1784 auch eine Schule nur für Mädchen.

Was hätte Mary wohl damals Ende des 18. Jahrhunderts dazu gesagt, wenn sie gewusst hätte, dass sie einmal im Park von Newington Green mit einer nackten Statue verehrt werden würde? Ich glaube nicht, dass sie das positiv aufgenommen hätte.

Am 10. November 2020 war es soweit: Die Enthüllung der Statue wurde vollzogen, nach einer neun Jahre dauernden Kampagne der Mary on the Green-Gruppe, die sich dafür einsetzte, der Frauenrechtlerin endlich ein Denkmal zu setzen. „Over 90% of London’s statues commemorate men leaving many incredible women uncelebrated and ignored like Mary Wollstonecraft“ heißt es auf der Webseite der Gruppe; das hat nun ein Ende, denn nach der Sammlung von Spenden in Höhe von £143,300 konnte die Statue in Auftrag gegeben und jetzt vor wenigen Tagen enthüllt werden.

Doch kaum war sie für die Öffentlichkeit sichtbar, entstand ein Streit darüber. Warum musste Mary denn unbedingt nackt dargestellt werden, fragten sich die einen, während andere damit kein Problem hatten. Die Bildhauerin Maggi Hambling (die ich in meinem Blog schon einmal mit der Skulptur „A Conversation With Oscar Wilde“ in der Londoner Adelaide Street vorstellte) ist die Schöpferin des Kunstwerks, und sie begründet die nackte Darstellung so: Hätte sie Mary in zeitgenössischer Kleidung gezeigt, so wäre sie ein Teil der Vergangenheit gewesen, durch die Nacktheit ist sie aber ein Stück Gegenwart, und das auszudrücken, war für sie sehr wichtig. Das Denkmal trägt die Inschrift “I do not wish women to have power over men, but over themselves”, ein Satz aus der Feder Mary Wollstonecrafts. Hier ist ein Film über das Denkmal.

Die Parkanlage befindet sich an der A105, der Newington Green Road.

Plakette an der Newington Green Primary School.
Author: OpenPlaques
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The Mercury Fountain des Christ Church College in Oxford

Das altehrwürdige Christ Church College in Oxford kann sich rühmen, den größten Innenhof, Quad, von allen Colleges der Stadt zu besitzen. Die Anlage des rund 80×80 Meter großen Quads begann bereits in den Jahren 1525 bis 1529 unter Kardinal Wolsey, und auch heute noch ist er ein imposanter Anblick. Der Tom Tower (siehe dazu meinen Blogeintrag) überragt das College, und daher wird das Geviert auch Tom Quad benannt.

Eine Besonderheit des Christ Church College Quads ist der Mercury Fountain, ein Springbrunnen auf der Rasenfläche, der dem römischen Gott Merkur gewidmet ist, dem Gott der Händler und Diebe, aber vor allem als Götterbote bekannt. In dem Brunnen schwimmt ein großer Koi-Karpfen, den die Kaiserin von Japan im Jahr 2007 dem College schenkte. Glücklicherweise gab es den Koi noch nicht, als im College ein merkwürdiger Brauch ausgeübt wurde (der allerdings vor dem Zweiten Weltkrieg eingestellt wurde), bei dem die Studenten, die sich besonders sportlich hervortaten, die Kollegen, die eher intellektueller Natur waren, in den Mercury Fountain warfen. So etwas wäre sicher ganz nach dem Geschmack Boris Johnsons gewesen, der war aber im Balliol College.

Der bronzene Merkur, der heute den Brunnen bewacht, ist nicht der ursprüngliche, 1695 aufgestellte und dem College von dem berühmten Arzt John Radcliffe geschenkte Götterbote. Der wurde 1817 nämlich von dem 14. Earl of Derby, dem späteren Premierminister, als Studentenstreich von seinem Sockel geholt. Merkurs Kopf wird in der College-Bibliothek aufbewahrt. Über hundert Jahre stand der Brunnen „gottlos“ auf dem Rasen des Tom Squads bis schließlich 1928 ein neuer Merkur den Platz des früheren einnahm, das Geschenk eines wohlmeinenden Gönners. Diese Figur ist die Kopie einer Merkurstatue des Giovanni da Bologna, der sich im 16. Jahrhundert mit seinen Skulpturen und Brunnenfiguren in Italien einen Namen gemacht hatte.

1951 gelang dem Kapitän der Golfmannschaft des Christ Church College, P.F. Gardiner Hill, ein einmaliger Schlag, der nie wiederholt werden konnte. Vom Peckwater Building aus schlug er den Golfball über das Dach der Bibliothek direkt in den Merkurbrunnen auf dem Tom Squad, ein Hole-in-One wie es besser nicht sein kann.

Der Tom Quad mit dem Brunnen in der Mitte.
Author: roger4336
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Queen Anne’s Alcove im Londoner Hyde Park

Es sieht so aus wie ein überdimensioniertes Wartehäuschen an einer Bushaltestelle (Sorry, Sir Christopher!), der Queen Anne’s Alcove im Londoner Hyde Park. Im Inneren gibt es eine Bank und man ist vor Regen geschützt, aber es wird nie ein Bus hier halten. Man findet Queen Anne’s Alcove am Ende des Serpentine Lake in Richtung Bayswater Road..

Entworfen hatte das Gebäude der berühmte Sir Christopher Wren (ja, er konnte nicht nur Kirchen bauen) im Jahr 1705, da stand es aber noch am Kensington Palace, am Dial Walk. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Stimmen laut, das Haus abzureißen, da vielen das Publikum, das sich dort einfand, nicht gefiel. Prostituierte gingen hier auf Kundenfang und das wollte man so dicht am vornehmen Kensington Palace nicht haben. Als ein Londoner Bauunternehmer von den Vernichtungsplänen hörte, war er außer sich, denn er mochte das Gebäude im Hyde Park sehr, und ein „brainchild“ von Sir Christopher Wren abreißen, das ging ja nun gar nicht, also griff der Mann tief in seine Privatschatulle und ließ Queen Anne’s Alcove im Jahr 1867 an die jetzige Stelle versetzen. Ob Queen Anne, die 1714 im Kensington Palace verstarb, jemals in dem ihr gewidmeten Alcove gesessen hat, kann ich leider nicht sagen.

Wer beim Besuch der Italian Gardens, die direkt vor dem Alcove liegen, von einem Regenschauer überrascht wird und keinen Schirm dabei hat, kann hier schnell Zuflucht finden (oder in das benachbarte Italian Gardens Café einkehren).

Rampside Hall bei Barrow-in-Furness (Cumbria) und die 12 Apostel

Heute begeben wir uns in eine ziemlich abgelegene Region Englands, auf die Furness Peninsula, eine Halbinsel in der Grafschaft Cumbria, ganz in der Nähe des Ortes Barrow-in-Furness. Dort steht in dem Dorf Rampside ein eigenartiges Haus, Rampside Hall, das sofort ins Auge fällt und zwar durch seine vielen Schornsteine auf dem Dach. Die 12 Apostel werden sie genannt. Die Hall wurde im 16. Jahrhundert gebaut, und sie erlitt am 15. Februar 1865 einen Schaden, als sich hier ein Erdbeben ereignete, ein seltenes Naturereignis in dieser Region. Drei der Apostel stürzten vom Dach herunter und auch einige Hauswände wurden in Mitleidenschaft gezogen. Die drei Schornsteine wurden bald darauf wieder ersetzt. Warum hat man denn überhaupt diese zwölf Apostel dort oben angebracht? Da gibt es eine Legende, die das erklärt:

Im 16. Jahrhundert wollte ein junger Mann seine Angebetete heiraten und wurde deswegen bei ihrem Vater vorstellig, um ihn um die Hand seiner Tochter zu bitten. Der zögerte etwas und kam auf die etwas absonderliche Idee, ihm die Einwilligung nur zu geben, wenn sein Schwiegersohn in spe ein Haus mit zwölf Schornsteinen auf dem Dach bauen würde (warum auch immer). Die Liebe des jungen Mannes muss sehr groß gewesen sein, denn er machte sich sofort daran, in Rampside ein solches Haus zu errichten. Er muss auch Wert auf Qualität gelegt haben, sonst würde Rampside Hall nicht noch im 21. Jahrhundert als Wohnhaus dienen. Es war früher Brauch, am Weihnachtsmorgen alle Kamine im Haus zu befeuern, so dass die Schornsteine gleichzeitig qualmten, sicher ein schöner Anblick.

So bleibt zu hoffen, dass nicht wieder ein Erdbeben diese Region erschüttert, und die zwölf Apostel ungestört weiterhin das Dach der Rampside Hall zieren können.

Published in: on 30. Oktober 2020 at 02:00  Comments (2)  
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The Birnbeck Pier in Weston-super-Mare (Somerset) – Eine allmählich verfallende Seebrücke

Die Birnbeck Pier in dem Badeort Weston-super-Mare an der Küste von Somerset sieht bemitleidenswert aus. Schon seit Jahrzehnten vergnügt man sich nicht mehr auf der Seebrücke, sie ist vernachlässigt worden, Stürme haben ein Übriges getan, es ist lebensgefährlich sie in dem heutigen Zustand zu betreten. Doch die Pier hat Fürsprecher in Form des Birnbeck Regeneration Trusts, der nicht müde wird, sich für das verfallende Bauwerk einzusetzen und das schon seit sechzehn Jahren.

Die Birnbeck Pier ist die einzige Seebrücke Englands, die das Festland mit einer Mini-Insel verbindet, der Birnbeck Island. 350 Meter lang ist die Pier und wurde am 5. Juni 1867 eröffnet. Was war da nicht alles los in den folgenden Jahrzehnten! Es war ein richtiger Rummelplatz mit allen möglichen Attraktionen vorn an der Spitze der Pier. Viele Besucher kamen per Schiff, denn es gab dort eine eigene Anlegestelle. Manche gingen gar nicht in die Stadt, sondern vergnügten sich ausschließlich auf der Pier, auf der Wasserrutsche und auf den Karussells.

Im Zweiten Weltkrieg war erst einmal Schluss mit lustig, denn statt vergnügungssüchtiger Touristen besetzte das Marineministerium die Seebrücke, das hier neue Waffen erprobte. Nach Kriegsende ging es weiter mit den Amusement Arcades, aber der Andrang hatte nachgelassen, weil die andere Pier von Weston-super-Mare, die Grand Pier, immer mehr Menschen anzog. Als dann in den 1980er Jahren die Brücke Schaden nahm und Stürme ihr zusetzten, wurde sie 1994 aus Sicherheitsgründen geschlossen; auch Schiffe legten dort nicht mehr an.

Dann begann die Zeit des Pläneschmiedens. Was sollte man mit der immer mehr verfallenden Pier machen? Ideen gab es viele, doch umgesetzt wurde keine. Die jeweiligen Eigentümer des Bauwerks zeigten keine besondere Lust, Geld in seinen Unterhalt zu stecken. Die aktuelle Entwicklung sieht so aus, dass die Stadt Weston-super-Mare die Birnbeck Pier unter allen Umständen kaufen will, notfalls auch durch Enteignungsmaßnahmen, um darauf eine Station der RNLI, der britischen Lebensrettungsgesellschaft, zu installieren, Die momentanen Eigner sträuben sich dagegen und haben eigene Pläne zur Revitalisierung der Seebrücke vorgelegt. Es scheint sich also irgendetwas zu tun.

Hier ist ein ein Flug mit einer Drohne über die Pier zu sehen.

Published in: on 18. Oktober 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Der (einstmals singende) Hubert Fountain im Victoria Park in Ashford (Kent)

George Harper (1841-1912) liebte seine Heimatstadt Ashford in Kent. Er wohnte und arbeitete dort in der Castle Street, wo er eine Möbeltischlerei und Polsterei betrieb. Später war er als Immobilienmakler und Auktionator tätig, seine große Liebe aber gehörte den Antiquitäten, die er sammelte. Ein Jahr vor seinem Tod wollte er Ashford etwas Gutes tun und der Stadt einen Brunnen für den Victoria Park schenken. Dieser sogenannte Hubert Fountain stand zum Verkauf, denn das Herrenhaus, wo der Brunnen bisher sein Domizil hatte, Olantigh Towers im nahegelegenen Wye (Kent), war 1903 abgebrannt. George Harper kaufte den Brunnen, übernahm auch die Transportkosten, und so konnte der Hubert Fountain am 24. Juli 1912 im Victoria Park eingeweiht werden. Eine Bedingung stellte Mr Harper damals: An seinem Geburtstag, dem 23. Juli, sollte der Brunnen jedes Jahr angestellt und „gespielt“ werden, denn der Hubert Fountain verfügte über 64 installierte Pfeifen, die durch einen Mechanismus zum Singen gebracht werden konnten, sobald Wasser hindurch floss. Leider funktioniert das heute nicht mehr, da die Pfeifen alle verrottet sind. Der Brunnen wurde mehrere Male restauriert, die Musikanlage aber nicht. Drei Wochen nach der Einweihung starb George Harper auf tragische Weise: Er wurde von einem Zug überrollt.

Gebaut wurde der Hubert Fountain 1862 von der Fonderie d’art du Val d’Osne im Département Haute-Marne in Frankreich, einer renommierte Gießerei, die bis 1986 in Betrieb war. Der Brunnen wurde in den Londoner Royal Horticultural Society’s Gardens anlässlich der Second International Exhibition 1862 aufgestellt und gelangte anschließend in die Gärten des oben genannten Olantigh Towers.

Der rund zwölf Meter hohe und 45 Tonnen schwere Brunnen war früher noch mit lebensgroßen gusseisernen Hirschen verziert, die aber abgebaut worden sind. Er ist Grade II listed, steht also unter Denkmalschutz.

Dieser Film zeigt die Geburtstagsfeierlichkeiten für George Harper am Brunnen aus dem Jahr 2015.

Gasometer – Ein Stück verschwindender Industriearchitektur

Ein Gasometer wird abgebaut. Hier: Liverpool’s Garston Gas holder.
Author: tcees
Creative Commons 2.0

Die Bezeichnung Gasometer wurde zum ersten Mal von dessen Erfinder, dem französischen Chemiker Antoine Laurent de Lavoisier, verwendet. Ihm gelang 1789 die Entwicklung eines Behälters, der zur Speicherung von Gasen geeignet ist„, so steht es in der Wikipedia zu lesen. So lange gibt es diese merkwürdigen Gebilde schon, die aber immer seltener zu sehen sind. In England gab es hunderte von ihnen, die dort auch als gas holder bezeichnet werden. Ein Stück Industriearchitektur verschwindet. Ich empfand Gasometer immer als hässlich, aber es gibt auch Menschen, die diesen Monstern nachtrauern und die sich dafür einsetzen, dass sie stehenbleiben und anderen Zwecken zugefügt werden, was aber nicht so ganz einfach ist. English Heritage hat bereits einige von ihnen unter Denkmalschutz gestellt.

Gasholder No.8 in King’s Cross in London, 1880 von der Imperial Gas Light and Coke Company gebaut, der schon lange nicht mehr benötigt wurde, hat eine Wiederauferstehung erfahren. Nachdem er im Jahr 2011 sorgfältig auseinandergebaut und von einer Spezialfirma in Yorkshire auf Vordermann gebracht worden war, begann er sein zweites Leben zwei Jahre später ganz in der Nähe am Regent’s Canal. Der sogenannte Gasholder Park dient jetzt tagsüber als Freizeitanlage, abends finden hier Veranstaltungen statt.

Architektenbüros haben sich über Verwendungsmöglichkeiten Gedanken gemacht und herausgekommen sind Vorschläge so unterschiedlicher Art wie Umbau in Wohnhäuser, in Sportzentren und in Krematorien. Bauunternehmer würden am liebsten alle Gasometer abreißen, denn auf den dann frei werdenden Grundstücken könnte man wunderbar neue Gebäude hochziehen und viel Geld verdienen.

Die Fotos zeigen einige Beispiel für ein nach und nach verschwindendes Stück Industriearchitektur.

Schön? Hässlich? Drei Gasometer in Birmingham.
Photo © user (cc-by-sa/2.0)

Der Oval Gas Holder am Londoner Oval Cricket Stadium.
Author: sarflondondunc
Creative Commons 2.0

Gas Holder No 8 in King’s Cross, London, vor dem Abbau.
Author: stephenegg
Creative Commons 2.0

Gas Holder No 8 wiederauferstanden.
Author: tcees
Creative Commons 2.0

Published in: on 4. Oktober 2020 at 02:00  Comments (4)  
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Die Canvey Island Sea Wall in Essex

Am Mündungstrichter der Themse in Essex liegt die Canvey Island, eigentlich keine richtige Insel, sie ist nur durch einige kleine Flüsse vom Festland getrennt; Hauptort ist das Canvey Village. Ein großes Problem, das die Bewohner von Canvey Island früher hatten, war die Lage, denn diese Region liegt unterhalb des Meeresspiegels. Da genügte schon eine ungünstige Wetterlage und ein Sturm aus Richtung Osten und die Insel stand unter Wasser.
Ganz schlimm war es am 1. Februar 1953, als ein ungewöhnlich starker Sturm die Ostküste Englands heimsuchte. Bei den Überflutungen starben über 300 Menschen und viele tausend Häuser wurden zerstört. Man kann sich vorstellen wie stark betroffen Canvey Island war, deren Bewohner evakuiert wurden; trotzdem verloren 59 Menschen dort ihr Leben (hier sind Filmaufnahmen von damals).

Da so eine Situation immer wieder auftreten konnte, entschloss man sich um die ganze Insel eine etwa 20 Kilometer lange Sea Wall zu ziehen. Die Nachteile dieser Maßnahme war, dass einesteils den Bewohnern der Häuser, die direkt an der Küste lagen, die Sicht genommen wurde, so dass viele ihre Wohnzimmer in den ersten Stock verlegten und andererseits die Mauer eine Trennlinie zwischen dem Ort und dem Meer bildete. Aber sinnvoll war der Bau der Schutzeinrichtungen allemal, denn bisher haben sie die Wassermassen des Meeres bei Sturm von der Insel fern gehalten. Für das nächste Jahr sind umfangreiche Arbeiten an einem Abschnitt der Sea Wall geplant.
Wer möchte, kann um die Insel an der Mauer entlang wandern oder sie mit dem Fahrrad umrunden.

Hier ist ein Film über die Insel, in dem auch die Sea Wall zu sehen ist.

Published in: on 25. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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2 Palace Green, Kensington, London – Ein berühmter Schriftsteller und die israelische Botschaft

William Makepeace Thackeray (1811-1863) war nach Charles Dickens der berühmteste Schriftsteller der viktorianischen Zeit in England. Mit seinem Roman „Vanity Fair“ (dt. „Jahrmarkt der Eitelkeit“) wurde er auch außerhalb der Grenzen seines Heimatlandes bekannt. Anfang der 1860er Jahre ließ er sich in London ein Haus aus roten Ziegelsteinen bauen, das er selbst als das roteste Haus der ganzen Stadt bezeichnete und das eine Welle von Nachahmungen hervorrief. Die Adresse: 2 Palace Green in Kensington. Leider sollte Thackeray nicht lange in den Genuss des Wohnens in seinem Haus kommen, denn er starb bereits zu Heiligabend 1863 an den Folgen eines Schlaganfalls im Alter von nur 52 Jahren.

Die nächsten Bewohner des Hauses 2 Palace Green war die Bravo-Familie, die darin aber auch nicht so recht glücklich wurde, denn mehrere Familienmitglieder starben früh wie Mary Hougham, die mit Joseph Bravo verheiratet war, und die 1877 bald nach dem Einzug starb. Ihr Ehemann folgte ihr nur vier Jahre später.

Lag auf dem Haus ein Fluch, denn es sollten noch mehrere Ereignisse eintreten, die das nahe legten. Die israelische Botschaft zog in das Thackeraysche Haus ein und mehrere Attentate ereigneten sich hier. Am 19. September 1972 explodierte im Botschaftsgebäude eine von acht Briefbomben, die einen israelischen Diplomaten tötete. Am 26. Juli 1994 wurde vor dem Gebäude eine Autobombe gezündet, die 14 Personen leicht verletzte und die Front des Hauses zerstörte. Die Wucht der Explosion war so stark, dass sogar Fenster im nahe gelegenen Kensington Palace zu Bruch gingen.

Das Grundstück grenzt an die Straße Kensington Palace Gardens, auch Billionaire’s Row, genannt, die zu den teuersten ganz Londons gehört. Eine braune Plakette erinnert am Haus 2 Palace Green an seinen Erbauer.

Blackpools Wedding Chapel an der Golden Mile

The Wedding Chapel  Blackpool, offers an unique experience like no other; there is nowhere on earth quite like it„, so steht es sehr selbstbewusst auf den Webseiten der Stadt Blackpool in Lancashire zu lesen. Ob das wohl Las Vegas in Nevada, wo es jede Menge Wedding Chapels gibt, unterschreiben würde?

An der Goldenen Meile von Blackpool ist diese goldene Hochzeitskapelle zu finden, und die Lage ist wirklich sehr schön. Es gibt zwei Trauzimmer in dem auch Tower of Love genannten Gebäude, den Tower View Room und den kleineren Sea View Room. Vom erstgenannten hat man durch ein entsprechend gestaltetes Fenster einen direkten Blick auf Blackpools Wahrzeichen, den Blackpool Tower. Wer es gern romantisch mag, der kann seine Hochzeitszeremonie bei Sonnenuntergang im Sea View Room buchen, mit Blick auf den Strand und das Meer. Im Angebot des Betreibers der Wedding Chapel ist auch die Möglichkeit, die Zeremonie für die Daheimgebliebenen in aller Welt, ins Internet zu streamen.

Entworfen wurde die Wedding Chapel, deren Baukosten £3 Millionen betrugen, vom Londoner Architektenbüro de Rijke Marsh Morgan Architects. Passend zur Goldenen Meile wurde die Hochzeitskapelle mit goldfarbenen Stahlplatten verkleidet. Im Jahr 2011 fertiggestellt, erhielt der Tower of Love gleich im nächsten Jahr den RIBA Award des Royal Institutes of British Architects. Das erste Paar heiratete hier am 12. Januar 2012. Im Gebäude ist auch ein Restaurant mit Blick auf das Meer untergebracht.

The Wedding Chapel
Promenade
Blackpool
FY1 1AP

Fleetwood in Lancashire und seine drei Leuchttürme

The Upper Lighthouse.
Photo © Sue Adair (cc-by-sa/2.0)

Heute machen wir uns zum zweiten Mal auf den Weg nach Fleetwood an der Küste von Lancashire. Beim ersten Besuch informierte ich in meinem Blog über den Produktionsort der weltberühmten Hustenbonbons Fisherman’s Friend, heute wollen wir uns einmal die Leuchttürme der Stadt ansehen, denn Fleetwood ist die einzige Stadt in England, die über gleich drei Leuchttürme verfügt.

Im Auftrag des Großgrundbesitzers und Parlamentsmitglieds Peter Hesketh-Fleetwood entwarf der renommierte Archtitekt Decimus Burton die Stadt Fleetwood in den 1830er und 1840er Jahren. Burton hatte sich schon vorher in St Leonards-on-Sea in East Sussex einen Namen gemacht und Hesketh-Fleetwood wollte etwas Ähnliches an der Küste von Lancashire haben.

Zwei der drei Leuchttürme der Stadt sind ebenfalls von Decimus Burton entworfen worden. Der erste, Upper Lighthouse oder auch Pharos Lighthouse genannt, ist 28 Meter hoch und liegt merkwürdigerweise nicht direkt an der Küste, sondern mitten in einer Wohnstraße, der Pharos Street. Benannt wurde der Turm nach dem altägyptischen Leuchtturm Pharos of Alexandria. 1840 nahm man ihn in Betrieb und noch heute ist er voll funktionsfähig. Von hier aus kann man übrigens mit der Blackpool Tramway in kurzer Zeit in den Nachbarort fahren und sich dort vergnügen.

Im selben Jahr wurde auch der zweite Leuchtturm in Betrieb genommen, The Lower Lighthouse oder auch The Beach Lighthouse, der nur 10 Meter hoch ist und der direkt an der Küste liegt. Schiffe, die in die Trichtermündung des River Wyre einfahren wollten, konnten sich sehr gut nach den beiden Leuchttürmen richten, die eine Linie bildeten und dabei noch von dem dritten Turm unterstützt wurden, dem Wyre Light Lighthouse, der etwa drei Kilometer vor Fleetwood liegt und heute allmählich auf der Sandbank North Wharf versinkt. Funktionsfähig ist er schon lange nicht mehr. Erbaut hatte ihn nicht Decimus Burton, sondern Alexander Mitchell, ebenfalls im Jahr 1840.

The Lower Lighthouse.
Photo © Mr Eugene Birchall (cc-by-sa/2.0)

The Wyre Light Lighthouse.
Author: @CyprusPictures.
Creative Commons 2.0

Published in: on 7. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Cardington Sheds in Bedfordshire – Von Monsterhallen, Luftschiffen und berühmten Spielfilmen

Die frisch renovierten Cardington Sheds.
Photo © Michael Trolove (cc-by-sa/2.0)

Einige Kilometer von Bedford entfernt, bei dem Ort Cardington, sieht man zwei riesige Hallen, die die Landschaft dominieren. Sie sind etwa 200m lang und wurden gebaut, um darin Luftschiffe zu fertigen. Shed No.1 entstand 1915, Shed No.2 kam 1928 hinzu. Gegen Ende des 1. Weltkrieges waren hier 800 Menschen beschäftigt, um die R-31 und R-32 zu bauen. Um das größere Luftschiff R-101 herzustellen, wurde Halle 1 noch einmal beträchtlich vergrößert.

Am 4. Oktober startete die R-101 von Cardington nach Karachi in Pakistan, kam aber nur bis Nord-Frankreich, wo das Luftschiff nach permanenten Problemen Feuer fing und abstürzte. 48 Menschen kamen dabei ums Leben.  Hier ist ein Film über den Abflug des Luftschiffes vom Hangar.

Nach dem Absturz wurden die Arbeiten an weiteren Luftschiffen eingestellt. In den 30er Jahren baute man in den Hallen Sperrballons, doch in den 40er Jahren trennte sich die Royal Air Force von den Hallen, die darauf anderweitig genutzt wurden oder auch leer standen.

Shed No.2 wurde an die US-Firma Warner Bros. vermietet, die dort 2005 den Film „Batman begins“ drehte und Teile der Straßenzüge Gotham Citys in dem Hangar errichtete. Auch Szenen für die Filme „The Dark Knight“ und „Inception“ sowie für die „Star Wars„-Serie wurden hier gedreht. Rihanna nahm ihr Musikvideo „Shut Up and Drive“ in den „heiligen Hallen“ auf.

Im Jahr 2015 war die Renovierung von Sheds 1 und 2 beendet.

Kulissen für einen Film in einem der Sheds.
Author: Dan Ridley-Ellis.
Creative Commons 2.0

 

 

 

Published in: on 5. September 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Das Martyrs‘ Memorial in Oxford

Bei einem unserer Oxfordbesuche wohnten wir im Randolph Hotel an der Beaumont Street mitten im Zentrum der Stadt, ein Hotel, das ich sehr empfehlen kann. Von unserem Zimmer aus hatten wir einen wunderbaren Blick auf ein Denkmal, das den Namen Martyrs‘ Memorial trägt und das sehr an die Eleanor Crosses erinnert. Tatsächlich soll das Waltham Cross Modell gestanden haben.

Entworfen hat das Memorial der berühmte Architekt George Gilbert Scott, fertiggestellt wurde es 1843. Es erinnert an drei Kirchenmänner, die ganz in der Nähe am 16. Oktober 1655 auf Grund ihres protestantischen Glaubens auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Diese armen Seelen waren:

Hugh Latimer, der am Clare College in Cambridge gelehrt hatte und Bischof der Stadt Worcester war.
Nicholas Ridley, der Bischof von London
Thomas Cranmer, der ehemalige Erzbischof von Canterbury

Nicht alle waren damals mit der Errichtung des Denkmals einverstanden; zu ihnen gehörte der angesehene Architekt A.W.N. Pugin, der darauf hinwies, dass diese sogenannten Märtyrer selbst in ihrer Zeit als Katholikengegner Grausamkeiten begangen hatten.

Einer der fähigsten Bildhauer in der viktorianischen Zeit, Henry Weekes, gestaltete die drei Oxforder Märtyrer aus Stein. Der Zahn der Zeit, in Kooperation mit den Autoabgasen, nagte sehr an dem Denkmal. Glücklicherweise griffen der Oxford City Council und der Oxford Preservation Trust tief in ihre Taschen und spendierten dem auffälligen Denkmal im Jahr 2003 eine Komplettrestaurierung, so dass es seitdem wie neu aussieht.

Das Martyrs‘ Memorial sieht tatsächlich so aus wie die Spitze eines Kirchturms, was sich Studenten eine Zeit lang zu Nutze machten und Touristen erzählten, dass es sich hier um eine unterirdische Kirche handelt, deren Zugang über eine Treppe führt. Die Touristen waren sicher etwas ärgerlich, als sie feststellten, dass diese Treppe zu einer öffentlichen Toilette führte.

Die Studenten in Oxford sind mit ihren „pranks“ sehr erfinderisch. Vor vielen Jahren hatte einer von ihnen, unter Einsatz seines Lebens, ganz oben auf der Spitze des Memorials einen Nachttopf aufgehängt, der dann mit Hilfe eines „steeplejacks“ wieder entfernt werden musste.

Hier ist ein Film, der unter anderem auch das Memorial und das Randolph Hotel zeigt.

Published in: on 1. September 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Von Halbmonden und Zirkussen – Bath und seine städtebauliche Architektur im 18. Jahrhundert

The Royal Crescent.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

John Wood the Elder (1704-1754) und John Wood the Younger (1728-1782) waren zwei Architekten, die die Stadt Bath architektonisch maßgeblich gestalteten. Bei meiner letzten Englandreise stattete ich Bath wieder einmal einen Besuch ab und kam dabei am imposanten Royal Crescent vorbei, der zu den sehenswertesten Gebäudekomplexen der Stadt gehört, das Werk von John Wood the Younger. Der Grundstein wurde am 19. Mai 1767 gelegt und acht Jahre später war der „Halbmond“, der Crescent, fertig, der erste seiner Art. John Wood junior hätte es sicher gefreut, wenn er damals gewusst hätte, dass sein Bauwerk dazu beitragen sollte, dass Bath 1987 als UNESCO Welterbe anerkannt wurde. Erst hieß das Gebäude The Crescent, nach einem Besuch von Prince Frederick Augustus, Duke of York and Albany Ende des 18. Jahrhunderts durfte der Zusatz „Royal“ davorgesetzt werden. Heute ist dort ein Luxushotel untergebracht, das The Royal Crescent Hotel & Spa, das Museum No.1 Royal Crescent und viele Privatwohnungen. Später übernahmen mehrere andere Städte im Land die Idee mit dem halbmondförmigen Gebäude.

John Wood der Ältere hatte sich schon vor seinem Sohn etwas Ähnliches wie den Crescent ausgedacht, nämlich den Circus, also einen kreisförmigen Gebäudekomplex. Leider verstarb der Architekt schon drei Monate nach der Grundsteinlegung, so dass sein Sohn die Zügel übernehmen musste und den Circus zu Ende baute, 1768 war das der Fall. Die Gebäude des ursprünglich The Kings Circus genannten Komplexes sind außerordentlich reich verziert mit klassischen Säulen und 525 Emblemen und Symbolen. Drei Zugänge führen zu dem inneren Platz, der von einer Grünfläche mit hohen Platanen eingenommen wird. Schon bald nach seiner Errichtung war The Circus eine der besten Adressen der Stadt; der Staatsmann William Pitt the Elder zog hier ein (Nummer 7), sowie der Maler Thomas Gainsborough (Nummer 8)  und der Schriftsteller William Makepeace Thackeray (Nummer 17).

Und weil man in Bath nicht genug bekommen konnte von Crescents und Circuses entwarf der Architekt John Palmer (1738-1817) 1789 auch noch den Lansdown Crescent, der 1793 fertig gestellt wurde.

Hier ist ein Film über die genannten Gebäude.

The Bath Circus.
Photo © Roger Beale (cc-by-sa/2.0)

Der Lansdown Crescent.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. August 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Conishead Priory – Ein grandioses, in neugotischem Stil gebautes Haus in Cumbria

There is no house in England like Conishead“ schreibt Simon Jenkins in seinem Standardwerk „England’s Thousand Best Houses„, und er muss es eigentlich wissen, der Mann, der tausend historische Häuser im ganzen Land besucht und detailliert beschrieben hat. Conishead Priory liegt drei Kilometer von Ulverston entfernt, dicht an der Morecambe Bay. Auf den ersten Blick erinnert dieses im neugotischen Stil erbaute Gebäude an eine Kirche, ist es aber nicht; es ist ein Fantasiehaus, das Colonel Thomas Richmond-Gale-Braddyll (1776–1862) 1821 bei dem Architekten Philip Wyatt in Auftrag gegeben hatte. Der begann mit dem Bau, wurde aber bald ins Gefängnis geworfen, weil sein Schuldenberg zu groß geworden war. Für ihn sprang ein anderer Architekt ein, George Webster aus Kendal, der es vollendete, was zwanzig Jahre dauerte und  £140,000 kostete, eine Nummer zu groß für den Colonel, der sich auch noch verspekuliert hatte und es gleich wieder verkaufen musste.

Dann begann eine Odyssee für Conishead Priory, denn es wechselte vielfach den Besitzer, wurde als Spa Hotel geführt, das über ein eigenes Orchester verfügte und viele Jahre sehr populär war. In den 1920er Jahren wurde das imposante Gebäude zu einem Erholungheim für Bergleute aus den Minen Nordenglands. Im Zweiten Weltkrieg brachte man hier verwundete Soldaten unter, anschließend zogen wieder erholungssuchende Bergleute ein. Als die Betreiber des Heims Conishead Priory verkauften, wurstelten sich noch zwei neue Besitzer damit durch, bis endlich die Erlösung kam, die bis heute andauert: Das baufällige Haus wurde von einer tibetischen, buddhistischen Gemeinschaft, dem Manjushri Institute übernommen, das zur Restaurierung des Gebäudes vom Heritage Lottery Fund eine stattliche Summe von etwa £1 Million erhielt. Das Institut wurde später, nach seiner Auflösung, an das Manjushri Kadampa Meditation Centre übertragen. Neben dem Hauptgebäude hat die Gemeinschaft den Kadampa Temple for World Peace errichtet, der allerdings, meiner Meinung nach, nicht in das Gesamtbild von Conishead Priory passt. Das Meditationszentrum steht jedermann zur Verfügung, der sich für die Thematik interessiert.

Hier ist ein Film über Conishead Priory und das Meditationszentrum.

Conishead Priory
Ulverston
Cumbria, LA12 9QQ

Der Kadampa Buddhist Temple.
Photo © Norman Caesar (cc-by-sa/2.0)

Statue im Tempel.
Photo © Stephen Middlemiss (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. August 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Oxfords Seufzerbrücke – Erinnerungen an Venedig werden wach

Es macht einfach Spaß durch Oxfords Straßen zu spazieren und all die alten Bauten anzusehen. Ein College reiht sich an das andere, und man fragt sich, welche berühmten Persönlichkeiten hier wohl schon lang gelaufen sind. Biegt der Flaneur von der Catte Street in den schmalen New College Lane ein, wird er plötzlich von einer Brücke überrascht, die die Straße von einem Gebäude in ein anderes überquert. Erinnerungen werden wach an die venezianische Seufzerbrücke und die Rialto-Brücke, als hätte der Architekt, Sir Thomas Jackson, der am Wadham College studiert hatte, sich beide als Vorbild genommen und, aus zwei mach eins, daraus eine neue Brücke designt. Doch Venedig soll nicht Pate gewesen sein. Oxfords Bridge of Sighs, bzw. Hertford Bridge wie sie offiziell heißt, ist gar nicht so alt wie sie aussieht. 1914 wurde sie fertiggestellt, und ich finde, sie fügt sich hervorragend in die Gebäudekomplexe ein, die sie verbindet und die beide zum Hertford College gehören. Die Studenten des Colleges freuen sich sicher über diesen Übergang, den sie trockenen Fußes bei Regen nutzen können.

Beim Bau der Hertford Bridge gab es anfangs Probleme, denn die Stadt Oxford wollte nicht, dass das College eine öffentliche Straße überbaut. Es kam zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung, bei der das Hertford College uralte Dokumente vorlegte, die bewiesen, dass das College durchaus befugt war, hier eine Brücke zu errichten. Sieger: Hertford College.
Auch das benachbarte New College mochte sich mit der Bridge of Sighs nicht anfreunden, denn die Brücke verbaute die Sicht auf den Glockenturm des Colleges, was durchaus stimmt, aber auch hier: Sieger das Hertford College. Hier ist die Brücke im Film zu sehen..

Übrigens: Auch die Konkurrenz, Cambridge, besitzt eine Bridge of Sighs, die schon 1831 errichtet wurde, und die den River Cam überspannt. Offiziell heißt sie St John’s College New Bridge.

Der New College Bell Tower, von hier unter der Brücke gut zu sehen, von der Catte Street aus aber nicht (mehr).
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Die Bridge of Sighs in Cambridge.
Photo © Ian Rob (cc-by-sa/2.0)

Der Londoner Tulpenturm – Kommt er oder kommt er nicht?

Ob wohl The Gherkin den Tulip Tower als neuen Nachbarn bekommen wird?
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

In London gibt es immer mehr eigenartige Hochhäuser. Da sieht man den Cheesegrater und den Walkie Talkie, The Razor und The Gherkin. Alle sind ungewöhnlich gestaltet und prägen den Charakter der Innenstadt. Auf Kosten der historischen Gebäude?
Der Tulip Tower, der Tulpenturm, sollte an und für sich direkt neben The Gherkin gebaut und mit 305 Metern Höhe das zweithöchste Gebäude Londons nach The Shard werden. Eigentlich war im vorigen Jahr alles schon in trockenen Tüchern, und das berühmte Architektenbüro Foster + Partners wollte in diesem Jahr mit dem Bau beginnen und 2025 fertig sein. The Tulip sollte eine neue Besucherattraktion werden, mit einer tulpenförmigen Spitze, einer gläsernen Aussichtsterrasse und rotierenden Glasgondeln. Foster + Partners zeichneten übrigens auch für The Gherkin verantwortlich. Die Londoner Planungskommission gab im April 2019 ihr Okay zu dem Bau…und dann schritt Bürgermeister Sadiq Khan ein und untersagte den Bau der kühnen Konstruktion. The Tulip Tower würde die Sichtachsen auf den (richtigen historischen) Tower an der Themse stören, wie es schon der Walkie Talkie getan hatte. Unterstützt wurde Khan dabei von Historic England und Historic Royal Palaces, beides Organisationen, die sich für die Erhaltung der historischen Stätten des Landes einsetzen.

Was nun? So schnell lässt sich der Architekt Norman Foster nicht einschüchtern, und so legte er Einspruch gegen das bürgermeisterliche Veto ein. Coronabedingt hat sich bisher noch nichts getan, eine für den Juni geplante öffentliche Untersuchung ist auf den November verschoben worden; anschließend wird das zuständige Ministerium über die Zukunft des Tulpenturms entscheiden.

Wer wird letztendlich auf dem Siegertreppchen stehen: Sadiq Khan oder Norman Foster?

Dieser Film zeigt wie der Tulip Tower aussehen würde, wenn er denn gebaut wird.

Sadiq Khan plant übrigens aus dem ebenfalls von Foster + Partners erbauten Rathaus an der Themse auszuziehen (das die Stadt für schätzungsweise £11.1 Millionen jährlich gemietet hat) und es in das Crystal Building in den Docklands zu verlegen.

Published in: on 10. August 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Temple Works in Leeds (West Yorkshire) – Von der Leinenweberei zur Zweigstelle der British Library

In meinen 3550 Blogeinträgen habe ich bisher noch nie über die Stadt Leeds in West Yorkshire geschrieben (Sorry Leeds!!), was ich mit meinem heutigen Blogpost ändern möchte.

Leeds war im 19. Jahrhundert ein Zentrum der Textilindustrie, und so wurde im Jahr 1836 ein Fabrikgebäude von dem Unternehmer John Marshall in Auftrag gegeben, der hier Leinengewebe produzieren ließ. Die Fassade sollte etwas Besonderes werden, und John Marshall entschied sich für den Neuägyptischen Stil mit vielen Säulen, wobei er sich an den ägyptischen Tempelanlagen von Antaeopolis und Horus orientierte. Eine Besonderheit war das Dach des Gebäudes, auf dem eine Grasfläche installiert wurde, wo Schafe grasten und Rasenmäher spielten.

Temple Works beherbergte damals den größten überdachten Raum der Welt, so groß wie zwei Fußballfelder. Jahrelang schufteten Frauen und Männer in der Fabrik, manchmal bis zu 16 Stunden am Tag. Ab 1870 ließ die Nachfrage nach Leinen aus Leeds nach, die Firma hielt sich noch einige Jahre, musste dann aber 1886 verkauft werden. Nach mehreren Besitzerwechseln zog in den 1950er Jahren die Firma Kays in das Gebäude, die es als Lagerhalle für seinen national operierenden Versandhandel nutzte. 2004 schloss das Unternehmen in Leeds seine Pforten, und Temple Works verfiel nach und nach. Eine der Säulen brach ab, Mauerteile fielen herab, es musste also etwas getan werden. „Abreißen!“ riefen einige, „Nein, unbedingt erhalten und restaurieren!“ meinten andere. Eine Zeit lang überlegte die Firma Burberry, ob sie nicht einen Teil ihrer Produktion hier nach Leeds verlegen sollte, aber auch daraus wurde nichts. Schließlich übernahm die Investmentfirma CEG Temple Works für den symbolischen Preis von einem Pfund. Die Firma baut in diesem Teil von Leeds, unter Einbeziehung auch älterer Gebäude, einen neuen Distrikt namens Temple.

Die aktuellen Planungen sehen vor, dass das alte Fabrikgebäude als Zweigstelle der British Library genutzt werden soll, eine Depotbibliothek, die die British Library in Boston Spa, nordöstlich von Leeds, entlastet, denn die platzt aus allen Nähten bei einem derzeitigen Bestand von mehr als 100 Millionen Büchern, Medien und Dokumenten. Jahr für Jahr kommen auf Grund des Pflichtexemplargesetzes rund drei Millionen Medien dazu. Das wäre doch eine optimale Nutzung für dieses historischen Gebäude!

Hier ist ein Film über Temple Works.

Hier wird sich bald einiges ändern.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

One Hyde Park in Kensington – Einer der teuersten Wohnkomplexe der Welt

Wer sich in One Hyde Park ein Apartment oder sogar ein Penthouse leisten kann, der gehört zu den absolut Superreichen Londons. Die Lage des Gebäudekomplexes mit über achtzig Wohneinheiten in Knightsbridge ist ideal: Der Hyde Park liegt direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite, Harrod’s und Harvey Nichols sind schnell zu Fuß erreichbar (wenn denn die Bewohner des Hauses überhaupt zu Fuß gehen). Es sollen angeblich nur zwei Briten in One Hyde Park wohnen, die anderen kommen aus Russland, Katar, Taiwan und vielen anderen Ländern.

Das einfachste Apartment hier kostet etwa £4 Millionen (manche sprechen auch von £20 Millionen), das teuerste Penthouse liegt bei £140 Millionen. Ein Duplex-Penthouse soll sogar für £270 Millionen verkauft worden sein. Ob das alles so stimmt, sei dahingestellt, denn man liest da sehr Unterschiedliches.

Die Candy Brothers, Christian und Nick Candy, die sich auf das Errichten von Luxusprojekten spezialisiert haben, ließen One Hyde Park auf dem Gelände des ehemaligen Bürokomplexes Bowater House bauen, der im Jahr 2006 abgerissen wurde. Mit finanzieller Unterstützung aus Katar kauften sie das Areal und engagierten den Londoner Stararchitekten Richard Rogers, der das aus vier Glasgebäuden bestehende One Hyde Park entwarf; um die Inneneinrichtung kümmerten sich die beiden Brüder selbst. Damit die Bewohner auf die Serviceleistungen des benachbarten Mandarin Oriental Hotels zugreifen können, wurde eine unterirdische Verbindung zu dem Hotel geschaffen. Jeder Wunsch der in One Hyde Park wohnenden wird von extra abgestelltem Personal des 5*-Hotels erfüllt. So kann man sich problemlos ein Menü des Sternekochs Heston Blumenthal aus dessen Restaurant Dinner by Heston Blumenthal in sein Apartment bringen lassen.

Anfang 2011 wurde das Refugium der Superreichen eröffnet und damit diese auch noch die Möglichkeit hatten, ein wenig Geld auszugeben, ohne ihr Haus zu verlassen, siedelten sich die Firmen Rolex und McLaren in One Hyde Park an, um ihre Uhren bzw. Sportwagen feilzubieten.

Wie ich schon an anderer Stelle in meinem Blog schrieb, sind auch hier am Hyde Park viele Apartments und Penthouses nicht ganzjährig bewohnt, sondern stehen oft über einen längeren Zeitraum leer. Hinein kommt der neugierige Londonbesucher nicht, es sei denn, er kennt jemanden von den Bewohnern. Sicherheitspersonal fängt alle Neugierigen bereits an der Eingangstür ab.

Published in: on 15. Juli 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Die Sikhs in Gravesend (Kent) und ihr Guru Nanak Darbar Gurdwara-Tempel

Der Guru Nanak Darbar Gurdwara-Tempel.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Die Sikh-Religion ist die fünftgrößte Religion der Welt mit über 20 Millionen Mitgliedern weltweit. Gegründet wurde sie vor mehr als 500 Jahren von Guru Nanak, nach dem ein Tempel in der Stadt Gravesend in Kent benannt wurde, denn hier befindet sich eine der größten Sikh-Gemeinden Großbritanniens. Der Guru Nanak Darbar Gurdwara, so der exakte Name des Tempels, ist eine der größten Andachtsstätten der Sikhs außerhalb Indiens.

In den 1950er Jahren kamen viele Sikhs nach Großbritannien, um der Armut in ihrem Land zu entfliehen. Sie übernahmen Arbeiten, die von der einheimischen Bevölkerung nicht so gern gemacht wurden wie Arbeiten in den Docks und in Fabriken. Mittlerweile leben in Gravesend Sikhs der zweiten und dritten Generation, und sie fühlen sich hier wohl, weil sie relativ gut integriert sind. Sie stellen rund 15% der Bevölkerung der Stadt dar.

Der für £16 Millionen erbaute Tempel in der Saddington Street wurde 2011 eingeweiht und bildet den Mittelpunkt der Sikh-Gemeinde. Er wurde dem Golden Temple in Amritsar, der Millionenstadt im indischen Bundesstaat Punjab, nachgebildet und ist ein beeindruckendes Gebäude, in dem 1200 Gläubige Platz finden. Es finden geführte Touren statt, wobei bestimmte Vorschriften beachtet werden müssen. Der Kopf muss bedeckt sein, am besten mit einem Schal (nicht mit Hüten oder Kappen), die Schuhe müssen beim Betreten des Tempels ausgezogen werden. Alkohol, Tabak und Drogen sind ein absolutes Tabu auf dem Tempelgelände, und es wird von den Besuchern ein respektvolles Verhalten gegenüber der Sikh-Religion erwartet. Die Führungen finden in der Regel am Wochenende statt.

Dieser Film zeigt den Tempel von außen und von innen.

Der Eingang zum Tempel.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 14. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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1 Logan Place in Kensington (London) – Hier lebte und starb Freddie Mercury

Garden Lodge in Kensington mit bekritzelter Tür.
Photo © Phillip Perry (cc-by-sa/2.0)

Die Straße Logan Place ist eine Oase der Ruhe im vornehmen Londoner Stadtteil Kensington. Nur wenige Schritte weiter pulsiert das Leben der Großstadt auf der A4, der West Cromwell Road. In die Hausnummer 1 des Logan Place hatte sich 1985 einer der ganz großen Stars der britischen Rockszene zurückgezogen, Freddie Mercury, Sänger der Band Queen. Garden Lodge heißt das Anwesen hinter einer großen Mauer, das von der Straße aus nicht einsehbar ist. Mit Mary Austin, seiner Partnerin, zog er hier ein, und es wurden damals wilde Parties gefeiert. In einem angeschlossenen Aufnahmestudio entstanden Songs der Rockgruppe Queen. Am 24. November 1991 starb der Sänger in der Garden Lodge. Das Haus und einige Millionen Pfund Sterling hinterließ er Mary Austin, die noch heute hier wohnt.

Freddie Mercury war eine Kultfigur in der Rockszene, und seine Fans aus der ganzen Welt pilgerten zu der Straße Logan Place, um an den Mauern, die die Garden Lodge umgab, dem Sänger ihren Tribut zu zollen. Unzählige Briefe und Zettel befestigten die Fans an der Mauer und bekritzelten sie und die Tür mit Inschriften. 1 Logan Place erinnerte an das Grab des Sängers Jim Morrison auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise, das zeitweise eher einer Müllkippe gleicht. Mary Austin und die Nachbarn waren „not amused“ über die Verunstaltung ihrer Straße, und so ließ die Bewohnerin kurzerhand „London’s biggest rock’n’roll shrine“ komplett entfernen. Überwachungskameras wurden angebracht und ein Schild weist daraufhin, dass Graffiti ein strafbares Vergehen ist. Die Fans waren fuchsteufelswild und beklagten sich in den sozialen Netzwerken.

Noch einige Worte zu dem Haus Garden Lodge. Es wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut. Die ersten Bewohner waren das Künstlerpaar Cecil Rae und Constance Halford, über beide ist heute kaum noch etwas bekannt. Die beiden lebten hier bis zu ihrem Tod 1935 bzw. 1938. Die nächsten Bewohner waren ein gewisser Tomas Harris, der für den Geheimdienst MI6 arbeitete, und Peter Wilson, Chairman des Auktionshauses Sotheby’s. Freddie Mercury erwarb das Anwesen in den frühen 1980er Jahren und bezahlte dafür £500,000. Heute wird Garden Lodge auf etwa £20 Millionen geschätzt.

Hier sind einige Fotos des Sängers in der Garden Lodge.

Published in: on 12. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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