RAF Lakenheath in Suffolk und die Atombomben

Hier darf keiner rein! Im Hintergrund sind die ehemaligen Lagerhallen für Atombomben zu sehen.
Photo © Bob Jones (cc-by-sa/2.0)

Im Mai diesen Jahres kam es vor den Toren des Flugplatzes RAF Lakenheath in der Grafschaft Suffolk zu Protesten. Das riesige Areal wird, zusammen mit dem benachbarten Flugplatz RAF Mildenhall, von der US-amerikanischen Luftwaffe genutzt und soll möglicherweise erneut zur Lagerung von Atomwaffen verwendet werden. Die Befürchtungen der Protestler, organisiert von der Campaign for Nuclear Disarmament, gehen dahin, dass im Ernstfall die Region als erstes als Angriffsziel in Frage käme.

Im Jahr 2008 wurden alle Atomsprengköpfe aus ihren Lagern aus Lakenheath abgezogen, worüber die Bevölkerung mehr als glücklich war, denn es gab in der Vergangenheit zwei Zwischenfälle, die katastrophal hätten ausgehen können.
Am  27. Juli 1956 geriet ein B-47-Bomber beim Landeanflug von der Runway ab und kollidierte mit einer der Lagerhallen, in denen Atombomben aufbewahrt wurden. Wie durch ein Wunder kam es zu keiner nuklearen Katastrophe, obwohl das Flugzeug explodierte und der brennende Treibstoff sich über die Bomben ergoss.

Im Januar 1961 entging Suffolk einer weiteren möglichen Katastrophe als eine unter einer F-100 Super Sabre angebrachte Wasserstoffbombe Feuer fing, weil sich auch bei diesem Zwischenfall brennender Treibstoff über sie ergossen hatte. Beide Vorfälle wurden sowohl von britischer als auch von US-amerikanischer Seite vor der Öffentlichkeit verschwiegen und kamen erst sehr viel später ans Tageslicht.

Ich bin einmal auf der A1065 an RAF Lakenheath vorbeigefahren; man fährt scheinbar endlos an dem umzäunten Militärgelände entlang. Es gibt hier auch, etwas abseits der Straße, eine Viewing Area, aber außer Start-und Landebahnen gibt es nicht viel zu sehen.

Der kleine Ort Lakenheath, im Schatten des Flughafengeländes, sieht etwas trostlos aus. Entlang der High Street ziehen sich Tätowierstudios, Kebap- und Fish and Chipsläden, ein Beerdigungsinstitut und weitere nicht besonders attraktive Geschäfte entlang. So richtig wohl fühlt man sich in diesem Teil von Suffolk nicht.

Hier sind Bilder von startenden und landenden Jets auf RAF Lakenheath zu sehen.

Photo © Chris (cc-by-sa/2.0)
Die Viewing Area.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)
Das Dorfschild von Lakenheath.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 26. Juni 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Knochenmühle von Narborough in Norfolk…und ihre Beziehung zu Hamburger Friedhöfen

Die Bone Mill vor der Restaurierung.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Das hätten sich Fiete, Jan und Erna damals im 19. Jahrhundert in Hamburg niemals träumen lassen, dass nach ihrem Ableben ihre Knochen einmal dazu dienen sollten, als Düngemittel in der englischen Grafschaft Norfolk eingesetzt zu werden. Es war tatsächlich so, dass Knochen aus Gräbern Hamburger Friedhöfe ausgebuddelt und diese per Schiff nach King’s Lynn in Norfolk gebracht wurden. Von dort ging es zur Narborough Bone Mill am River Nar, südlich der Hafenstadt gelegen, ja, und da wurden die Knochen klein gemahlen und konnten anschließend zur Düngung auf die Felder aufgebracht werden. Das Thema „Pietät“ spielte in dieser Zeit weder auf deutscher noch auf englischer Seite eine Rolle. Man sah das ganz pragmatisch: „One ton of German bone-dust saves the importation of ten tons of German corn“. Nun ja!

Die Knochenmühle am River Nar zerkleinerte natürlich nicht nur menschliche Knochen, das war so ein Art Beiwerk, in großem Stil nahm man sich hier Walknochen an. King’s Lynn war ein wichtiger Hafen für die Anlandung harpunierter Wale, die für alle möglichen Zwecke verwendet wurden, und was von ihnen dann übrig blieb, also die Knochen, schiffte man auf dem Fluss bis zu dem Dorf Narborough, wo die Wassermühle sich an die Arbeit machte.

Die Narborough Bone Mill wurde bewusst etwas entfernt von dem Dorf errichtet, denn der Gestank, den sie verbreitete, muss ziemlich fürchterlich gewesen sein. Nachdem im Jahr 1884 die Schifffahrt auf dem Fluss eingestellt worden war, ging es auch mit der Bone Mill zu Ende. Der größte Teil der Anlage wie die Lagerhallen wurde abgerissen, nur das fünf Meter hohe Mühlrad steht noch heute an derselben Stelle.

Der Heritage Lottery Fund förderte vor einigen Jahren die Restaurierung der Knochenmühle, die nur an wenigen Tagen zur Besichtigung freigegeben wird. Hier ist ein Film über die Mühle.

Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 23. Juni 2022 at 02:00  Comments (2)  

The White Nancy in Bollington in Cheshire

Photo © Wayland Smith (cc-by-sa/2.0)

Nach der Schlacht von Waterloo am 18. Juni 1815, bei der Napoleon vernichtend geschlagen wurde, war man in der kleinen Stadt Bollington (Cheshire) im Peak District der Meinung, diesem historischen Ereignis ein Denkmal setzen zu müssen. Die Idee wurde 1817 auch verwirklicht, aber nicht in Form einer Statue für den Duke of Wellington, sondern durch ein zuckerhutartiges weißes Gebäude, oberhalb von Bollington auf dem Kerridge Hill. Erbaut wurde das White Nancy genannte Bauwerk von der ortsansässigen Familie Gaskell, die es auch gleichzeitig als eine Art Sommerhaus verwendeten, denn im Inneren steht ein Tisch und an den Wänden sind Sitzbänke angebracht, ideal für nächtliche Sommerparties mit Blick auf den Peak District. Heute ist der Innenraum der White Nancy nicht mehr zugänglich.

Wie kam es zu der Namensbildung? Da gibt es in Bollington mehrere Theorien; eine davon ist, dass sie nach einer Tochter der Gaskells, die Nancy hieß, benannt worden ist. Eine andere ist, dass das Pferd, das das Baumaterial auf den Kerridge Hill schleppen musste, Nancy genannt wurde.

Wie das nun mal mit größeren weißen Flächen ist, fiel das Gebäude auch hin und wieder Schmierfinken und Vandalen in die Hände. Einmal wandelte jemand die White Nancy in eine Pink Nancy um, indem sie rosa angestrichen wurde. Aber es gab im Lauf der Zeit auch „offizielle“ Bemalungen. Anlässlich des 200. Jahrestages der Schlacht von Waterloo wurde das Gebäude mit Schattenrissen von Soldaten der damalige Zeit versehen und der Schriftzug „Battle of Waterloo“ angebracht.

Als die Queen im Jahr 2012 ihr Diamond Jubilee feierte, ließ der Bollington Town Council die White Nancy entsprechend verzieren. Am 22. Mai 2017 ereignete sich in der Manchester Arena bei einem Konzert der amerikanischen Sängerin Ariana Grande ein verheerender islamistischer Terroranschlag bei dem 23 Besucher getötet und über 1000 verletzt wurden. Um das Mitgefühl der Bewohner Bollingtons mit den Opfern zu zeigen, wurde eine Biene auf die White Nancy gemalt; die Biene ist ein Symbol der Stadt Manchester (siehe dazu meinen Blogeintrag). Auch mit der Remembrance Poppy ist die White Nancy schon verziert worden.

Der Platz hier oben auf dem Kerridge Hill ist dank Wellingtons Sieg bei Waterloo beziehungsweise Napoleons Niederlage ein beliebtes Ziel für Ausflüge geworden. Hier ist ein Film über die White Nancy.

Photo: ARG_Flickr.
Creative Commons 2.0
Photo © Peter Royle (cc-by-sa/2.0)
Photo © steven ruffles (cc-by-sa/2.0)
Photo: sheiladeeisme.
Creative Commons 2.0
Published in: on 14. Juni 2022 at 02:00  Comments (2)  

The Torrs Millennium Walkway in New Mills (Derbyshire)

Photo © Peter Turner (cc-by-sa/2.0)

Falls jemand den 4850 Kilometer langen Europa Fernwanderweg E2, der von Galway in Irland über Stranraer in Schottland nach Nizza in Südfrankreich führt, entlanggehen möchte, der kommt in der Grafschaft Derbyshire auch über den The Torrs Millennium Walkway, der ein Teil des Ganzen bildet. Wie der Name Millennium Walkway schon sagt, wurde dieser Laufsteg kurz nach der Jahrhundertwende, am 18. April 2000, in der Torrs Gorge, am Rande des Städtchens New Mills, eröffnet. Er zieht sich teils auf Stelzen, teils in eine Steinmauer verankert am Goyt River entlang, der sich später in den River Mersey ergießt, den jeder von Gerry and the Pacemakers Lied „Ferry cross the Mersey“ kennt. Etwa 180 Meter lang ist der Walkway und verantwortlich für den Bau war Stan Brewster (1953-2005) vom Derbyshire County Council, der tragischerweise bei den Terroranschlägen am 7. Juli 2005 in London ums Leben kam, wo er sich zu einer Konferenz aufhielt. Stan Brewster stammte aus Swanwick, einem kleinen Ort in Derbyshire. Sein Walkway wurde im Jahr 2000 mit dem Small Project Award innerhalb der British Construction Industry Awards ausgezeichnet.

Auf der anderen Seit des River Goyt steht eine große ehemalige Fabrikanlage, die allmählich zu verfallen droht, die Torr Vale Mill, die in den 1780er Jahren erbaut wurde und in der bis Ende 2000 Textilien hergestellt wurden. Der Torr Vale Mill Preservation Trust versucht, das Gebäude am Leben zu erhalten, dem Feuer und Vandalismus arg zugesetzt haben.

Dieser Film zeigt den Walkway und die Torr Vale Mill.
Zur Orientierung: New Mills liegt südöstlich von Stockport an der A6 am westlichen Rand des Peak Districts.

Photo © Trevor Harris (cc-by-sa/2.0)
Torr Vale Mill.
Photo © David Robinson (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 7. Juni 2022 at 02:02  Kommentar verfassen  

The Grandma Statue in Ipswich (Suffolk)

Photo: zoer.
Creative Commons 2.0

Über die Stadt Ipswich, die Grafschaftshauptstadt von Suffolk, habe ich in meinem Blog erst einmal geschrieben, und zwar über das Window Museum am Albion Quay. Heute soll nun ein weiterer Beitrag über Ipswich folgen.

An der Queen Street, im Zentrum der Stadt, finden wir eine merkwürdig aussehende Statue, die eine alte, kleine Frau zeigt, die in der einen Hand eine Handtasche, in der anderen einen Regenschirm trägt, zu ihren Füßen sind ein Hund und zwei kleine Jungen zu sehen. Es handelt sich hierbei um die Grandma Statue oder auch Giles Statue genannt. Der Blick der Großmutter geht auf ein ihr gegenüber liegendes Haus, das Clydesdale House, in dem einmal der Schöpfer dieser Figurengruppe sein Büro hatte: Ronald „Carl“ Giles (1916-1995), vielleicht der berühmteste englische Cartoonist des 20. Jahrhunderts. Giles wurde zwar in London geboren, verbrachte aber den größten Teil seines Lebens in Ipswich und Umgebung. Seine Cartoons erschienen von 1945 bis 1991 im Daily Express und im Sunday Express. Seine von ihm erfundene Giles Family erfreute sich im ganzen Land außerordentlicher Beliebtheit.

Im Mittelpunkt der Giles Family steht Grandma, die das Sagen hat, dann Vater und Mutter mit ihren Kindern und Enkeln, die Hunde Butch und Rush, die Katze Natalie und Grandmas Papagei, Attila the Hun. Die Familie hatte jahrzehntelang in England Kultstatus, darum wurde mitten in Ipswich jene Statue errichtet, die Grandma mit den Zwillingen Lawrence and Ralph und dem Hund Rush zeigt; errichtet wurde sie 1993.
Es gibt sogar ein Musical mit dem Titel „Grandma Saves the Day!„, das der renommierte Londoner Theaterregisseur Phil Willmott für das New Wolsey Theatre in Ipswich schrieb und das 2019 uraufgeführt wurde.

Giles arbeitete zwar in Ipswich, wohnte aber außerhalb, in Tuddenham und in Witnesham. Seine Grabstelle, und die seiner Frau Joan, findet sich auf dem Kirchhof von St Martin in Tuddenham.

Hier ist ein Film über die Cartoons des Ronald „Carl“ Giles.

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 28. April 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Buxton in Derbyshire Teil 1: Das Buxton Opera House – Ein architektonisch ansprechendes Gebäude am Rand des Peak Districts

Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Anfang des 20. Jahrhunderts machte sich der Architekt Frank Matcham (1854-1920) von London aus auf den Weg in die Provinz, wo er in der Kurstadt Buxton am Rand des Peak Districts in der Grafschaft Derbyshire den Auftrag erhalten hatte, dort ein Opernhaus zu erbauen. Matcham hatte sich auf Theaterbauten spezialisiert und sich bereits mit dem Richmond Theatre in Richmond-upon-Thames, dem London Hippodrome und dem Londoner Hackney Empire einen Namen gemacht. Etwas später sollten noch die beiden berühmten Londoner Vergnügungsstätten Palladium und Coliseum folgen.

Buxton war als Alternative zu Bath in Somerset als Kurort in Mode gekommen, und man ging hier hin „to take the waters“, also um sich an den Heilquellen gütlich zu tun. Also musste die Stadt ihren Kurgästen etwas bieten und darum wurde das Opera House errichtet. In den ersten Jahrzehnten seines Bestehens wurde das Theater gut angenommen, und es zeigte erfolgreiche Produktionen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es mit den Live-Veranstaltungen vorbei, stattdessen wurde das Gebäude als Kino benutzt. Aber auch das Interesse an Filmvorführungen ließ allmählich nach, so dass das an und für sich stolze und schöne Gebäude verfiel und Mitte der 1970er Jahre geschlossen wurde. Glücklicherweise sah man von einem Abriss ab, sondern steckte im Gegenteil eine Menge Geld in das Opera House, um es zu renovieren. Nach dem Abschluss der jahrelangen Renovierungsarbeiten steht den Bürgern der Stadt und den Kurgästen jetzt wieder ein schönes Theater zur Verfügung, in dem 900 Menschen Platz finden.

Während des jährlichen Buxton Festivals werden im Opera House auch wieder Opern aufgeführt, leichtere Kost wird beim Buxton Festival Fringe aufgetischt (Comedy, Tanz, Filme etc.), das in diesem Jahr vom 6. bis zum 24. Juli stattfinden wird.

Zusammen mit dem Pavilion Arts Centre, das in den Komplex mit einbezogen ist, verfügt Buxton also über ein gutes kulturelles Angebot, und das mitten in der Provinz. Leider wird das Niveau aber auch zeitweise wieder gesenkt durch Auftritte beispielsweise der Dream Boys. Wo Oper draufsteht, ist also nicht immer Oper drin.

Dieser Film zeigt einen Drohnenflug über das Opernhaus.

Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)
Photo © Anthony O’Neil (cc-by-sa/2.0)

The Abbey Mills Pumping Station – Die Abwasser-Kathedrale Londons

Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)

Im Osten Londons, im Stadtteil Stratford, dort wo im Jahr 2012 die Olympischen Spiele stattfanden, befindet sich die Abbey Mills Pumping Station, eine Abwasserpumpstation. An und für sich sind solche Gebäude vom Architektonischen her belanglos, doch nicht dieses. Abbey Mills erinnert an einen orientalischen Palast; wurde die Pumpstation doch im byzantinischen Stil 1865-68 erbaut. Die „Schöpfer“ dieses auch „Cathedral of Sewage“ oder „Temple of Sewage“ genannten Gebäudes waren  Joseph Bazalgette, Edmund Cooper und der Architekt Charles Driver.
Bazalgette, der unter anderem auch die Hammersmith Bridge baute, schuf damals in der viktorianischen Zeit das Kanalisierungssystem Londons und besiegte damit „The Great Stink„, denn bis dahin wurden die Abwässer der Stadt ungereinigt in die Themse geleitet, was zu einem bestialischen Gestank führte.
Die Pumpstation, als Teil des Kanalisierungssystems, ist heute nicht mehr in Betrieb; eine neue Anlage wurde neben die alte gebaut, die allerdings vom architektonischen Gesichtspunkt her nur als funktionell zu bezeichnen ist.

Im Jahr 2006 wurde die Abbey Mills Pumping Station für ein Musikvideo benutzt: Die norwegische Band A-Ha nahm hier das Video zu ihrem „Cosy Prisons auf.
Auch Teile des Films „Batman begins“ (2005) wurden hier gedreht, wobei das Gebäude das „Arkham Asylum“ darstellte.

Die Abbey Mills Pumping Station ist zu besichtigen, aber nur nach Voranmeldung. Hier ist ein Film über sie.

Im Inneren der Pumpstation.
Photo © Ashley Dace (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 20. April 2022 at 02:00  Comments (5)  

Die St Ives Bridge Chapel in Cambridgeshire – Kapelle, Pub, Bordell, eine wechselvolle Geschichte

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Vorsicht Verwechslungsgefahr: Es gibt zwei Städte mit dem Namen St Ives in England. Die eine liegt in Cornwall und ist ein Touristen- und Künstlerort, die andere in der Grafschaft Cambridgeshire am River Great Ouse, und um die soll es in meinem heutigen Blogeintrag gehen.

Den idyllischen, von Schwänen und Enten bevölkerten Fluss überquert die schmale London Road auf der St Ives Bridge. Die steinerne Brücke geht auf das Jahr 1425 zurück, und sie hat eine Besonderheit: Mitten auf ihr hat man ein Jahr später eine Kapelle gebaut, die einem französischem Heiligen gewidmet ist, St Leger, der im 7. Jahrhundert gelebt hat.

Diese Art von Brückenkapellen gab es früher häufiger, in England sind noch drei weitere erhalten, von denen ich in meinem Blog eine schon einmal vorgestellt habe: The Chapel of Our Lady auf der Rotherham Bridge in Rotherham (South Yorkshire). Die beiden anderen liegen in Wiltshire, auf der Avon Bridge in Bradford-on-Avon, und in South Yorkshire auf der Chantry Bridge in Wakefield, die Chantry Chapel of St Mary the Virgin.

Zurück zu unserer St Ives Bridge Chapel. Ich bin mir nicht sicher, ob der Brückenheilige St Leger damit einverstanden gewesen wäre, was man alles aus der ihm geweihten Kapelle gemacht hat. Nachdem sich eine lange Zeit niemand mehr so recht um sie gekümmert hatte und sie allmählich bröckelte, zog im 18. Jahrhundert ein Bordell dort ein. Die Freier hatten von der Kapelle aus einen schönen Ausblick auf den River Ouse, aber das war nicht der Grund, warum es sie hierher gezogen hatte. Sie genossen lieber andere schöne Ausblicke.
Weitere Verwendungen für die Kapelle waren: Brückenzolleinnahmestation, ein übel beleumundeter Pub mit dem eher abschreckenden Namen Little Hell, eine Arztpraxis und ein Wohnhaus.

Brücke und Kapelle stehen unter Denkmalschutz und sind Scheduled Ancient Monuments. Die Befahrung der Brücke ist für den Autoverkehr nicht erlaubt, nur Fahrzeuge mit Sondergenehmigung dürfen sie benutzen. Eine sehr ungewöhnliche Regelung sieht vor, dass nur Fahrzeuge über drei Tonnen maximalem zulässigem Gesamtgewicht sie nutzen dürfen.

Hier ist ein Schwenk über Brücke und Kapelle und hier ein filmisches Porträt der hübschen Stadt St Ives.

Photo © Adrian Perkins (cc-by-sa/2.0)
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 9. April 2022 at 02:02  Comments (2)  

The National Firefighters Memorial vor der Londoner St Paul’s Cathedral

Photo: Ronnie Macdonald.
Creative Commons 2.0

Am 4. Mai 1991 begab sich Elizabeth Bowes-Lyon, die Queen Mother, zur Londoner St Paul’s Cathedral, um dort ein Denkmal einzuweihen, das den Feuerwehrleuten gewidmet ist, die im Zeiten Weltkrieg während des sogenannten „Blitz“ gegen die Brände angekämpft hatten, die durch die deutschen Bombenangriffe auf die Stadt ausgelöst worden waren. Das kam zwar recht spät, aber die mutigen Männer und Frauen hatten es sich verdient. Das Denkmal zeigt einen „sub-officer“, das ist ein Rang in der Londoner Feuerwehr, ein Truppführer, und zwei „branch-men“, deren Aufgabe es ist, die Flammen zu löschen.

Cyril Demarne (1905-2007), einer der leitenden Feuerwehrmänner in London während des Zweiten Weltkriegs, der mehrere Bücher über diese Zeit geschrieben hat (zum Beispiel „The London Blitz – A Fireman’s Tale„), war der Initiator des National Firefighters Memorial, und der „sub-officer“ soll nach ihm gestaltet worden sein. Auf dem Sockel sind zwei Feuerwehrfrauen zu sehen und die Namen von 1027 Männern und Frauen, die damals im Einsatz ums Leben gekommen sind.

Zwölf Jahre später wurde das Denkmal verändert, indem der Sockel erhöht und die Namen von weiteren 1192 Feuerwehrleuten hinzugefügt wurden, die in Friedenszeiten bei Einsätzen gestorben sind. In Auftrag gegeben wurde das Denkmal an den renommierten Bildhauer John Mills, der sowohl in Großbritannien als auch in den USA eine Fülle von Skulpturen geschaffen hat. Ich denke da vor allem an das Monument to the Women of World War II im Londoner Regierungsviertel (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Einmal im Jahr, immer im September, findet an dem Denkmal ein Gedenkgottesdienst und eine Kranzniederlegung statt, initiiert vom Firefighters‘ Memorial Charitable Trust.

Jeweils am 4. Mai ist der Firefighters Memorial Day (wie auch der International Firefighters Day’); hier ist ein Tribut an die britischen Feuerwehrleute, die „in the line of duty“ ums Leben gekommen sind.

Photo: Snapshooter46.
Creative Commons 2.0
Published in: on 4. April 2022 at 02:01  Kommentar verfassen  

The Maiwand Lion – Der größte Denkmallöwe der Welt

Photo © Robin Sones (cc-by-sa/2.0)

Im Laufe der Jahre habe ich in meinem Blog schon mehrere „Löweneinträge“ erstellt. Beispiele sind die Trafalgar Square Löwen, der Londoner South Bank Lion, die China Town Löwen in Londons Gerrard Street. Hier ist nun ein weiterer Löwe, der einige Dutzend Kilometer westlich von London seinen Wohnsitz hat und zwar in der Stadt Reading. Ich habe Reading eher in unangenehmer Erinnerung, weil ich mich jedesmal, wenn ich durch die Stadt fuhr, in der unübersichtlichen Straßenführung verirrte.

Dafür kann besagter Löwe natürlich nichts, der in den Forbury Gardens auf einem Podest steht, 1886 geboren wurde, sich Maiwand Lion oder auch Forbury Lion nennt und der größte „Denkmallöwe“ der Welt ist. Der örtliche Bildhauer George Blackall Simonds schuf ihn in zweijähriger Arbeit. Old Maiwand besteht aus Gusseisen, ist 16 Tonnen schwer und 9,5 m lang, also ein ganz schöner Koloss.
Die Statue erinnert an den „Battle of Maiwand„, eine Schlacht im englisch-afghanischen Krieg, die 1880 stattfand und in der 329 Soldaten des 66. Berkshire-Regiments fielen. Die Schlacht wurde von den afghanischen Truppen gewonnen und insgesamt starben dort fast tausend englische und indische Soldaten, während auf afghanischer Seite schätzungsweise 2500 Tote zu beklagen waren. Auch damals zeigte sich schon, dass man in Afghanistan keinen Krieg gewinnen kann.

Auf dem Denkmal findet man auch die Namen der gefallenen Soldaten aus Berkshire. Es gab zeitweise Diskussionen über die korrekte Wiedergabe der Haltung des Löwen. Manche meinten, ein Löwe würde niemals so laufen, aber der letzte Stand der Dinge ist wohl, dass George Blackall Simonds alles richtig gemacht hat.
Wer sich also nach Reading hineintraut, sollte dem gewaltigen Löwen ruhig einmal einen Besuch abstatten. Hier ist er im Film zu sehen.

Photo © Robin Sones (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 28. März 2022 at 02:00  Comments (3)  

Hastings in East Sussex Teil 1: The Bottle Alley – Eine wettergeschützte Promenade am Strand mit einer einzigartigen Lightshow

Photo: Nick_Rowland.
Creative Commons 2.0

Die Stadt Hastings an der englischen Südküste hat so einiges zu bieten. Im November 2016 hatte ich in einem Zweiteiler schon einmal das Shipwreck Museum und das True Crime Museum vorgestellt. Jetzt möchte ich in einem Dreiteiler auf weitere Besonderheiten der Stadt aufmerksam machen.

Bei schönem Wetter kann man in Hastings in der Grafschaft East Sussex entweder direkt am Strand spazieren gehen oder auf der Strandpromenade, bei Regen oder Sturm gibt es eine Alternative unterhalb der Promenade, die Bottle Alley, und das schon seit 1934. In diesem Jahr wurde dieser geschützte 480 Meter lange Gang eröffnet, der Bottle Alley genannt wird, weil in den Beton unzählige kleine Glassplitter von Flaschen eingelassen worden sind. Ausgedacht hat sich das der Bauingenieur Sidney Little (1885-1961), der 24 Jahre in den Diensten der Stadt Hastings stand und der „The Concrete King“ genannt wurde, weil er bevorzugt mit Beton baute. Eine blaue Plakette wurde ihm zu Ehren an der Bottle Alley installiert.

Die Doppeldeckerpromenade beginnt beziehungsweise endet am Pier von Hastings und zieht sich bis zum Warrior Square.

Im Jahr 2017 kam man in Hastings auf die Idee, in der Bottle Alley eine Light Show zu installieren, die aus den abends recht düsterem Gang eine Besucherattraktion zu machen. Jeden Abend, jeweils um 19.30 Uhr und um 21.30 Uhr, verwandeln die unzähligen bunten LED-Lämpchen die Bottle Alley in eine Art Disco, was vor allem vom Meer aus besonders eindrucksvoll aussieht. Am besten betrachtet man sich das einmal in einem Film.

Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 24. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Hodge the Cat – Eine Bronzekatze in Londons Gough Square

Photo © kim traynor (cc-by-sa/2.0)

Wer sich mit der englischen Literaturgeschichte beschäftigt, wird immer wieder auf einen Namen stoßen: Dr Samuel Johnson (1709-1784). Der in Lichfield in Staffordshire geborene Literat lebte überwiegend in London, und er prägte das literarische Leben seines Landes im 18. Jahrhundert. Sein berühmtestes Werk war sein „Dictionary of the English Language„, das 1755 erschien und an dem er acht Jahre lang arbeitete. Doch Dr Johnsons literarisches Schaffen soll nicht im Mittelpunkt meines heutigen Blogeintrages stehen, sondern seine Liebe für Katzen. Eine Katze namens Hodge war sein absoluter Liebling, und Dr Johnsons Biograf James Boswell schrieb einmal: „I shall never forget the indulgence with which he treated Hodge, his cat; for whom he himself used to go out and buy oysters, lest the servants, having that trouble, should take a dislike to the poor creature.“ Ja, Hodge liebte Austern; damals waren sie nicht teuer, sogar die armen Bevölkerungsschichten konnten sie sich leisten, und so gab es im Hause Johnson am Londoner Gough Square im Stadtteil Holborn immer genug davon (heute ist dort ein Museum eingerichtet, Dr Johnson’s House).

Hodge tauchte immer mal wieder in Büchern englischer Autoren auf, unter anderem bei Samuel Beckett in dessen dramatischen Fragment „Human Wishes„. Die Kirchenkatze der Southwark Cathedral in London wurde nach Dr Johnsons Katze benannt; Hodge trat dort vor zwei Jahren die Nachfolge von Doorkins an, einer von der Gemeinde sehr geschätzten und geliebten Katze, die in der Kathedrale wohnte und gestorben war. In diesem Film stellt der Dean of Southwark die „Neue“ vor.

Im Jahr 1997 ließ es sich der Bürgermeister von London, Sir Roger Cook, nicht nehmen, am Gough Square vor dem Wohnhaus Dr Johnsons eine Bronzestatue von Hodge einzuweihen, die der für seine Tierfiguren bekannte Bildhauer Jon Bickley angefertigt hatte. Sie zeigt die Katze, die auf einem Exemplar von Johnsons Dictionary sitzt und Austernschalen neben sich hat. Modell stand Bickleys eigene Katze namens Thomas Henry.

Anlässlich eines interaktiven Kunstprojekts in London und Manchester, das Statuen der beiden Städte Stimmen verlieh (mittels eines Codes und dem Smartphone), wurde auch Hodge mit einbezogen. Hier ist ein Film darüber zu sehen.

Sollte sich jemand für englische Kirchenkatzen interessieren, so verweise ich auf meine bisherigen Blogposts zu dem Thema.

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Follies – Der Saxonbury Tower bei Rotherfield in East Sussex

Photo © Alan Terrill (cc-by-sa/2.0)

Im Jahr 1828 ließ der Marquess of Abergavenny auf seinem Landsitz, dem Eridge Park Estate, nahe Rotherfield in East Sussex mitten im Wald einen 43 Meter hohen Turm erbauen, dem eigentlich kein besonderer Zweck innewohnte, ein Folly also. Da der Turm auf dem Saxonbury Hill angelegt wurde, nannte der Marquess ihn auch Saxonbury Tower. Vielleicht wollte er das Bauwerk als Aussichtsturm benutzen, denn von der Spitze aus muss man einen wunderschönen Blick auf die umliegende Landschaft haben. Eine Wendeltreppe führte im Inneren des Turmes hinauf, der nicht zugänglich ist, die Tür ist immer verschlossen.

Gwyn Headley und Wim Meulenkamp schreiben in ihrem Buch „Follies: A Guide to Rogue Architecture in England, Scotland and Wales„, dass der untere Teil der Wendeltreppe weggeschlagen worden sein soll, damit Unbefugte dort nicht hinaufsteigen können, doch das Buch ist schon recht alt und ob das noch immer so ist, konnte ich nicht feststellen. Auf jeden Fall scheint der Zugang zur Turmspitze, wenn überhaupt möglich, sehr gefährlich zu sein. Wenn ich so eine verschlossene Tür in einem alten Gebäude sehe, frage ich mich immer, wer mag wohl den Schlüssel zu dieser Tür besitzen, oder gibt es den vielleicht gar nicht mehr? Vielleicht besitzt die Telekommunikationsfirma Vodafone einen Schlüssel, die einen Teil des Turms auf ihre Kosten restaurieren ließ und ihn im Gegenzug dafür für ihre Zwecke benutzen konnte?

Dieser Film zeigt einen Spaziergang durch den Wald des Eridge Park Estates zum Saxonbury Tower. Dort stehen noch einige weitere Follies in Form von Türmen und einer Höhle wie dieser Film zeigt.

Ein weiterer Folly-Tower auf dem Eridge Park Estate.
Photo © Sally (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 16. März 2022 at 02:00  Comments (2)  

The Vicar’s Pele Tower in Corbridge (Northumberland) – Erst Pfarrhaus, heute Mikro-Pub

Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Heute begeben wir uns noch einmal nach Northumberland an den River Tyne, wo ich erst kürzlich über den Hexham Salmon Run berichtete. Nur ein kleines Stück weit flussabwärts von Hexham liegt Corbridge, eine kleine Stadt mit rund 4000 Einwohnern. Dort am Marktplatz steht die St Andrew’s Church, eine wunderschöne Kirche, deren älteste Teile bis ins achte Jahrhundert zurückreichen. Doch die Kirche steht nicht im Mittelpunkt meines heutigen Blogeintrags, sondern The Vicar’s Pele Tower, der auf dem Kirchhof von St Andrew’s zu finden ist und an den sich einige Grabsteine anschmiegen. Pele Towers sind Wachtürme, die im englisch-schottischen Grenzbereich dafür vorgesehen waren, vor marodierenden und mordenden Banden, den sogenannten „border reivers„, zu warnen (Näheres über diese Türme sind in einem gesonderten Blogeintrag zu finden).

Dieser Turm hier in Corbridge wurde im Jahr 1318 erbaut und diente dem Pfarrer von St Andrew’s als Pfarrhaus und das bis in das frühe 17. Jahrhundert. Dann stand der Pele Tower leer bis ihn der Duke of Northumberland 1910 wieder aufhübschen ließ. Natürlich diente der Turm nicht mehr als Pfarrhaus, dafür war die Fläche zu klein, in jedem der Stockwerke befindet sich nur ein Raum. Vor sechs Jahren wurde The Vicar’s Pele Tower im Inneren komplett umgestaltet und für Veranstaltungen und Hochzeitsfeiern genutzt. Jetzt ist im Turm ein Mikro-Pub untergebracht, man kann sein Getränk auf einem der Stockwerke genießen oder draußen vor der Tür, wo es nicht so beengt zugeht. Ein sehr stylish eingerichteter Pub mit sehr viel Atmosphäre.

Dieser Film zeigt einen Spaziergang durch Corbridge in Northumberland.

Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

The Anti-Slavery Arch in Stroud (Gloucestershire) – Großbritanniens ältestes Denkmal, das an die Abschaffung der Sklaverei erinnert.

Photo © James Purkiss (cc-by-sa/2.0)

Während in den letzten beiden Jahre die Rufe immer lauter wurden, Denkmäler abzureißen, die Männern gewidmet worden waren, die mit dem Sklavenhandel reich wurden (Beispiel die Statue von Edward Colston in Bristol), kann sich die Stadt Stroud in der Grafschaft Gloucestershire damit brüsten, den Anti-Slavery Arch zu besitzen, und das schon seit 1834. Das Bauwerk trägt die Inschrift „Erected to commemorate the abolition of slavery in the British colonies the first of August AD MDCCCXXXIV„. Also, es geht auch andersherum! Es ist das älteste Denkmal dieser Art in Großbritannien, das an die Abschaffung der Sklaverei in Großbritannien erinnert.

Henry Wyatt (1793-1847), ein wohlhabender Geschäftsmann und Mitglied der Stroud Anti-Slavery Society, hat den Torbogen als Zugang zu seinem Landsitz Farmhill Park errichten lassen. Zweimal schon musste das Denkmal restauriert werden, weil viele Steine im Laufe der Zeit in Mitleidenschaft gezogen worden waren, 1960/61 und zuletzt 2000/01, initiiert von der Anti-slavery Arch Group.

Wer sich den Torbogen ansehen möchte, er steht an der Ecke der Straßen Paganhill Estate und Farmhill Lane im Nordwesten von Stroud; die Archway School und das Archway Sports Centre sind nach ihm benannt.

Die Straße Paganhill Estate.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 20. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Eagle House in Launceston (Cornwall) und ein Lotteriegewinn

Photo © Michael Parry (cc-by-sa/2.0)

Ja, hätte der Bürgermeister der Stadt Launceston in der Grafschaft Cornwall, Coryndon Carpenter, im Jahr 1763 nicht ein Lotterielos gekauft, das er seiner Angebeteten geschenkt hatte, und dieses nicht auch noch gewonnen, dann gäbe es das Eagle House nicht, das heute als Hotel geführt wird. Mr Carpenter wird seinen Augen nicht getraut haben, als er erfahren hatte, dass das Los £10,000 in seine, beziehungsweise in die Taschen seiner zukünftigen Frau, gespült hatte, damals eine riesige Summe.

Nachdem Mr. und Mrs Carpenter geehelicht hatten, begannen sie mit dem Bau eines Hauses, ganz in der Nähe des Launceston Castles, das sie Eagle House nannten, weil der Eingang von zwei großen steinernen Adlern bewacht wird. Die Legende sagt, dass die beiden immer um Mitternacht zum River Kensey fliegen, um sich dort am Wasser des Flusses zu laben. Frisch gestärkt, nehmen sie dann wieder auf dem Wachposten vor dem Eagle House Platz.

Die Carpenter-Familie stellte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts immer wieder den Bürgermeister von Launceston, nach Coryndon waren es dann seine Söhne John und Joseph. Das Eagle House war der Familiensitz der Carpenters für eine ganze Weile. Seit damals wechselten die Besitzer immer wieder, bis es 1963 in ein Hotel und Restaurant umgewandelt wurde. 2013 wollten die Besitzer aus dem Hotel ein Mehrfamilienhaus machen, doch der Cornwall Council stellte sich dagegen, und so stand ein neuer Verkauf an. Die neuen Eigentümer führten das Haus als Hotel wieder weiter.

Das Eagle House Hotel erhielt im Jahr 2019 aus den Töpfen der EU finanzielle Mittel, um sich eine Gin-Destillerie anzuschaffen und rühmt sich nun, Cornwalls einziges Gin-Hotel zu sein (ob wohl die Hotelbesitzer angesichts des Geldregens von Seiten der EU auch für den Brexit gestimmt haben?). Der Eagle One Gin, so steht es auf den Webseiten des Hotels zu lesen, ist vom Lifestyle-Magazin GQ schon einmal auf die Liste der besten Gins der ganzen Welt gesetzt worden.

Wer hier einmal übernachten möchte: Die Preise beginnen bei £75 für einen einfachen Budget Room und enden bei £119 für einen Superior Room.

The Eagle House Hotel
3 Castle Street
Launceston PL15 8BA

Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)
Der River Kensey bei Launceston: Hier laben sich die beiden Adler immer um Mitternacht am Wasser des Flusses.
Photo © Tony Atkin (cc-by-sa/2.0)

Saltaire – Eine viktorianische Mustersiedlung bei Bradford in West Yorkshire

Ada Street in Saltaire.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Saltaire ist eine 1851 gegründete viktorianische Mustersiedlung bei Bradford in der Grafschaft West Yorkshire. Benannt wurde die Siedlung nach ihrem Gründer Sir Titus Salt und dem Fluss Aire, in dessen Tal die Siedlung liegt.
Sir Titus war Textilfabrikant, und er baute für seine 3000 Arbeiter und deren Familien eine nach damaligen Maßstäben sehr moderne und fortschrittliche Siedlung, deren Wohnhäuser gute sanitäre Einrichtungen hatten.
In Saltaire gab es weiterhin Parkanlagen, eine Bibliothek, ein Krankenhaus und eine Kirche. Was es nicht gab, waren Pubs. Sir Titus führte ein strenges Regiment und war sehr autoritär. In Pubs sah er die Gefahr, dass sich dort seine Arbeiter unter dem Einfluss des Alkohols vielleicht gegen ihn verbünden könnten.

Die Siedlung wurde 2001 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. In den ehemaligen Fabrikgebäuden Salts Mill findet sich unter anderem die weltweit größte Ausstellung von Werken des Künstlers David Hockney, der 1937 im benachbarten Bradford geboren wurde.

Saltaire bietet sich als Drehort für Film und TV an; so wurden hier schon zahlreiche Filmproduktionen durchgeführt wie zum Beispiel „An Inspector Calls„, „The Hunter’s Prayer“ (dt. „The Hunter’s Prayer – Die Stunde des Killers“) und „Funny Cow„, um nur einige wenige zu nennen.

Salts Mill.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)
David Hockneys „Salts Mill“ in Salts Mill.
Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 5. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Roger Lytollis: On a Pedestal – A Trip Around Britain’s Statues

Foto meines Exemplares.

Hier ist mein persönliches Buch des Jahres 2021: „On a Pedestal: A Trip Around Britain’s Statues„, geschrieben von Roger Lytollis, erschienen am 4. November 2021. Wie es der Titel schon sagt, geht es hier um Statuen, die in ganz Großbritannien aufgestellt worden sind, ein Thema, das in meinem Blog schon seit Jahren eine gewisse Rolle spielt. Hochgekommen ist das Thema im Jahr 2020 als die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston in Bristol vom Sockel gestoßen und im Hafenbecken versenkt worden ist (ich berichtete darüber in meinem Blog).

Roger Lytollis schreibt auch über diese kontroversen Statuen in seinem Buch; ein weiteres Thema ist die Darstellung von Nacktheit in der Öffentlichkeit, wofür der fast nackte Achilles im Londoner Hyde Park und die noch nacktere Mary Wollstonecraft in Londons Newington Green als Beispiele dienen.

Manche Statuen werden von den Bürgern des Landes immer wieder verziert; ich denke da vor allem an das Reiterstandbild des Dukes of Wellington am  Royal Exchange Square in Glasgow, das den Duke fast ständig mit einem Verkehrskegel auf dem Kopf zeigt.

Ein eigenes Kapitel ist dem Bildhauer Antony Gormley gewidmet, der mit seinen Kunstwerken immer wieder für Aufsehen sorgt. Beispiele: The Angel of the North bei Gateshead (Tyne and Wear), Another Place am Strand von Crosby Beach in Lancashire und der nackte Mann auf dem Dach eines Hauses in Oxfords Broad Street aus der Figurenserie Another Time.

„On a Pedestal“ ist informativ und humorvoll, ein großartiges Buch, das ich sehr empfehlen kann!!

Roger Lytollis: On a Pedestal – A Trip Around Britain’s Statues. Robinson 2021. 296 Seiten. ISBN 978-1-4721-4613-7.

Achilles im Londoner Hyde Park.
Photo © Tim Westcott (cc-by-sa/2.0)
Der Duke of Wellington in Glasgow.
Photo © Richard Sutcliffe (cc-by-sa/2.0)
Antony Gormleys Angel of the North.
Photo © Jennifer Petrie (cc-by-sa/2.0)

Die Michael Jackson-Statue, die niemand haben wollte

Michael Jackson Statue vor dem Stadion des Fulham F.C.
Photo: Jack Tanner.
Creative Commons 2.0

Mohamed Al-Fayed ist ein sehr reicher Mann, dem einmal das Kaufhaus Harrods in London gehörte, das Ritz Hotel in Paris und der Londoner Fußballverein Fulham F.C.…unter anderem. Als er noch der Besitzer von Harrods war, wollte er dort eine Statue von seinem Freund Michael Jackson aufstellen, doch daraus wurde nichts, da er das Kaufhaus an die Quatar Investment Authority verkauft hatte. Also wählte Al-Fayed das Fußballstadion Craven Cottage als neuen Aufstellungsort, das Stadion seines Clubs Fulham F.C., was bei den Fans des Clubs nicht gut ankam (wie dieser Film zeigt), da sie nicht verstanden, was denn Michael Jackson mit ihrem Verein zu schaffen hatte. Der exzentrische, amerikanische Sänger war einmal im Stadion, 1999, als er sich in Begleitung von Mohamed Al-Fayed das Spiel Fulham gegen Wigan Athletic ansehen musste, danach wurde er dort nie wieder gesehen. Es gibt noch einen Videoclip wie Jackson mit einem Regen-/Sonnenschirm durch das Stadion schreitet. Nach dem Tod des Sängers enthüllte Al-Fayed stolz am 3. April 2011 die Statue am Craven Cottage (hier zu sehen).

Ungeliebt stand sie nun am Stadion bis Al-Fayed seinen Fußballverein an einen anderen Milliardär verkaufte, an den in Pakistan geborenen Shahid Rafiq Khan. Dieser hatte mit Michael Jackson nichts am Hute und ließ die Statue 2013 entfernen, die meisten Fans des Vereins weinten ihr keine Träne nach. Als Fulham F.C. im nächsten Jahr aus der Premier League abstieg, lag das daran, dass Michael Jackson nicht mehr am Stadion stand, so die Meinung von Mohamed Al-Fayed.

Das National Football Museum in Manchester erbarmte sich der Statue und gewährte ihr Asyl, aber auch das nur bis zum 6. März 2019, dann wurde sie von dort entfernt, denn man sah wohl ein, dass Michael Jacksons Interesse am englischen Fußball nur äußerst marginal war, und er nicht in das Fußballmuseum passte. Außerdem wurden die Vorwürfe gegen den Sänger wegen angeblicher sexueller Übergriffe gegen Kinder immer lauter.

Michael Jackson im National Football Museum in Manchester.
Photo: nataliemarchant.
Creative Commons 2.0
Published in: on 2. Januar 2022 at 02:00  Comments (5)  

The Dorking Cockerel auf dem Deepdene Roundabout in Dorking (Surrey)

Photo © Mark Percy (cc-by-sa/2.0)

Neben Westerham (Kent) ist Dorking (Surrey) mein zweiter Lieblingsort an der A25, die sich südlich von London parallel zur Autobahn M25 zieht. Kurz vor Dorking, wenn man von Ost nach West fährt, liegt der Deepdene Roundabout, an dem sich die von London kommende A24 mit der A25 schneidet. Dieser Kreisverkehr wird von einem überdimensionalen Hahn geziert, dem Dorking Cockerel. Schon die Römer hatten diese Haushuhnrasse gezüchtet, die sich besonders durch ihr hohes Gewicht auszeichnet. Der drei Meter hohe Kreisverkehrhahn ist mittlerweile zum Wahrzeichen der hübschen Kleinstadt Dorking geworden.

Gebaut hat den Hahn die Firma „fire&iron“ im benachbarten Leatherhead und Modell gestanden hat ein echter Dorking-Hahn. Seit dem 5. Februar 2007 steht er nun auf dem Deepdene Roundabout, hat jede Menge Futter in Form von Blumen und Gras um sich herum und betrachtet den Verkehr, der um ihn herumbraust.

Im Laufe der Jahre wurde der Dorking Cockerel, der sich in der Stadt großer Beliebtheit erfreut, immer mal wieder verziert, so zur Weihnachtszeit (mit Weihnachtsmütze und Schal), zum Thronjubiläum der Königin (mit einer Krone), und die Guerilla Knitters aus Dorking, eine Gruppe von Damen, die sich regelmäßig zum Stricken treffen, haben ihn ebenfalls schon verschönert. In diesem Film kommen unter anderem auch diese Damen zu Wort und hier kann man ein echtes Exemplar bewundern.

Die Figur hat sogar schon einmal einen Preis gewonnen und zwar den Tonypandy Cup, den die Londoner Worshipful Company of Blacksmiths jährlich vergibt.

Der örtliche Fußballverein, The Dorking Wanderers, führt den Hahn in seinem Vereinsemblem, der frühere Rivale Dorking F.C., der in den Wanderers aufgegangen ist, hatte den Spitznamen The Chicks.

Der von den Guerilla Knitters geschmückte Hahn anlässlich der Hochzeit von Prince Harry und Meghan Markle.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 1. Januar 2022 at 02:00  Comments (3)  

The National Covid Memorial Wall in London

Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)

Zum Abschluss des Jahres 2021 soll mein letzter Blogeintrag an die vielen Menschen erinnern, die seit Beginn der Pandemie in Großbritannien an oder mit Covid gestorben sind, und zwar mit einem Hinweis auf die National Covid Memorial Wall in London, auf die bisher über 150 000 Herzen gemalt worden sind, stellvertretend für je ein Pandemieopfer im Land. Die Mauer ist 500 Meter lang, und sie steht gegenüber vom Westminsterpalast am Südufer der Themse. Organisiert wurde das Projekt von Covid-19 Bereaved Families for Justice, einem Zusammenschluss von Familienangehörigen, die jemanden in ihrem Kreis an Covid verloren haben. Ende März wurden die ersten Herzen auf die Mauer gemalt, und es bleibt zu hoffen, dass bald niemand mehr weitere Herzen malen muss und die Pandemie keine weiteren Opfer fordert.

Hier hat jeder die Möglichkeit an der Wand entlang zu gehen und sich einige anrührende Worte von Angehörigen von Covidopfern anzuhören.

Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)

Zum Jahresende möchte ich mich bei allen in der ganzen Welt bedanken, die meinen Blog lesen, mir zum Teil schon viele Jahre die Treue halten und sich für meine Blogthemen interessieren.
THANK YOU VERY MUCH!!!

Published in: on 31. Dezember 2021 at 02:00  Comments (4)  

Das älteste Baumhaus der Welt auf dem Gelände von Pitchford Hall in Shropshire

Photo © Colin Park (cc-by-sa/2.0)

Pitchford Hall in Shropshire ist eines der schönsten elisabethanischen Häuser Englands, etwa 8 km südöstlich von Shrewsbury gelegen. Auf dem Gelände der Hall steht ein Kuriosum, das älteste Baumhaus der Welt.

Irgendwann im 17. Jahrhundert wurde es erbaut und erstmals 1692 erwähnt. 1760 und 1980 wurde es noch einmal komplett renoviert. Das Baumhaus ist im gleichen Stil gehalten wie das Haupthaus und sitzt etwa vier Meter über dem Boden in einer mehrere Jahrhunderte alten Linde. Es verfügt über eine Eingangstür, drei gotische Fenster und auch das Innere wurde in gotischem Stil gestaltet.

Queen Victoria besuchte Pitchford Hall einmal als dreizehnjähriges Mädchen und ließ es sich nicht nehmen, auch einmal in das Baumhaus zu klettern.

Hin und wieder ist es möglich, das Baumhaus zu besichtigen und zwar über Invitation to View (siehe dazu meinen Blogeintrag). Hier ist ein kurzer Film über das Tree House.

Pitchford Hall.
Photo © Colin Park (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 25. Dezember 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Trinity Bridge in Crowland (Lincolnshire)

Photo © Tim Heaton (cc-by-sa/2.0)

„Was ist das denn?“ mag sich mancher Besucher der Kleinstadt Crowland in der Grafschaft Lincolnshire fragen, wenn er/sie mitten im Ort die Trinity Bridge sieht. Eigentlich dienen ja Brücken dazu, einen Fluss, eine Straße oder eine Eisenbahnlinie zu überqueren, doch die Trinity Bridge überquert gar nichts, sie steht in Crowland einfach nur da.

Die von drei Seiten zugängliche Steinbrücke wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts von den Mönchen der Crowland Abbey erbaut, und damals gab es im Ort wirklich einen Fluss, den River Welland, der sich hier mit seinem kleinen Bruder, dem River Nyne, vereinigte, und durch Crowland zogen sich drei Handelsrouten, so war die Erbauung der Trinity Bridge durchaus sinnvoll. Die beiden Flüsse wurden im 17. Jahrhundert schon umgeleitet, aber die Bewohner Crowlands wollten sich von ihrer nutzlos gewordenen Brücke einfach nicht trennen. Im Jahr 1720 errichtete man auf ihr noch eine steinerne Statue, heute ist aber nicht so ganz klar, wen diese darstellen soll. Zwei Vermutungen stehen da im Raum: Æthelbald,  König des angelsächsischen Reiches Mercia, der im 8. Jahrhundert lebte und die Crowland Abbey gründete, und Jesus Christus. Der Zahn der Zeit hat schon sehr an der Figur genagt, aber sie sieht auch heute noch eindrucksvoll aus.

Die Brücke wurde vor einiger Zeit saniert; schön, dass man zu ihrer Bewahrung Geld lockert gemacht hat, das sicher gut angewendet war.
Hier ist ein Film über die Trinity Bridge.

Photo © Dave Hitchborne (cc-by-sa/2.0)
Photo © Richard Webb (cc-by-sa/2.0)
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 10. Dezember 2021 at 02:00  Comments (2)  

Die NatWest-Bank in Stockport (Greater Manchester) – Eines der schönsten Bankgebäude Englands

Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Ich habe schon einige Bankgebäude der NatWest-Bank, oder National Westminster-Bank, gesehen, die in historischen Bauten untergebracht sind wie in Peterborough (Cambridgeshire), in Oxford oder in Ludlow (Shropshire). Das schönste aber dürfte in der Stadt Stockport in Greater Manchester) stehen, mit der Adresse 10 Great Underbank, ein wunderbares Haus aus der elisabethanischen Zeit, dessen älteste Teile sogar bis in das 15. Jahrhundert zurückreichen. Underbank Hall, so der Name des Gebäudes, war der Familiensitz der Arden Family bis zum Jahr 1823, als die Ardens finanziell ins Schlingern gerieten und sie das Haus verkaufen mussten. Aus Underbank Hall wurde damals schon eine Bank und ist es bis heute geblieben.

Auch das Innere des Bankgebäudes ist sehenswert wie die große Halle mit der hohen Decke und dem großen Kamin. NatWest ist der Meinung, dass ihre Filiale in Stockport auch ihr „most haunted bank building“ ist. Angestellte, die bis in die späten Abendstunden dort gearbeitet haben, berichteten von eigenartigen Geräuschen, die nicht auf natürliche Weise zu erklären waren.

Ich finde Underbank Hall einfach großartig und hoffe, dass Gebäude dieser Art noch lange erhalten bleiben.

Zu Stockport siehe auch meine Blogeinträge über die Riesenfrösche und über die Robinson-Brauerei.

Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)
Photo: Nicholas Smale.
Creative Commons 2.0
Published in: on 4. Dezember 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Cyclists War Memorial in Meriden (West Midlands)

Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Man mag es heute im 21. Jahrhundert kaum glauben, aber das Fahrrad spielte im Ersten und auch noch im Zweiten Weltkrieg eine gewisse Rolle. Historische Filmaufnahmen wie diese aus dem Ersten Weltkrieg wirken auf uns über hundert Jahre später schon etwas merkwürdig.

Den Männern (Frauen gab es im Army Cyclist Corps meines Wissens keine), die auf ihren Drahteseln hauptsächlich Kurier- und Aufklärungsdienste übernahmen, wird in einem Ort Englands gedacht, der vor allem dadurch national bekannt war, dass er das geografische Zentrum Englands bildete (mehr darüber in meinem Blogeintrag vom 21. Dezember 2015): Meriden in den West Midlands, ganz in der Nähe der Stadt Coventry. Dort steht auf dem Village Green das Cyclists War Memorial, ein neun Meter hoher und 32 Tonnen schwerer Obelisk, der an die gefallenen fahrradfahrenden Soldaten des Ersten Weltkriegs erinnert. Vor genau einhundert Jahren, am 21. Mai 1921 übergab der Earl of Birkenhead bei einer feierlichen Veranstaltung das Denkmal an die Öffentlichkeit. Der Ort Meriden wurde als Standort ausgesucht, weil er mitten im Herzen des Landes liegt und aus allen Regionen gleichermaßen zu erreichen ist.

Jedes Jahr treffen sich Fahrradfahrer aus ganz Großbritannien, um den gefallenen Soldaten ihren Respekt zu erweisen. In der örtlichen St Lawrence Parish Church findet ein Gedenkgottesdienst statt, die Bulkington Silver Band sorgt für den musikalischen Hintergrund und anschließend werden in der Village Hall Erfrischungen gereicht.

1963 kam noch eine Plakette dazu, die an die gefallenen Fahrradfahrer im Zweiten Weltkrieg erinnert.

St Lawrence Parish Church.
Photo © Robin Stott (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 21. November 2021 at 02:01  Kommentar verfassen  

Der Londoner South Bank Lion, Hüter der Westminster Bridge

Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Ich habe ein Faible für englische Steinlöwen. Die Löwen vom Trafalgar Square und den Maiwand Lion in Reading habe ich in meinen früheren Blogeinträgen schon vorgestellt, hier kommt noch ein weiterer hinzu: Der hübsche South Bank Lion, der am südlichen Ende der Westminster Bridge steht und die Brücke bewacht. Er ist offensichtlich kein Fan des Riesenrades London Eye, denn er wendet diesem ganz demonstrativ seinen Rücken zu.

Ein gewisser William Frederick Woodington (1806-1893) hat ihn  im Jahr 1837 erschaffen, und das Tier musste in seinem Leben schon mehrere Male umziehen. Zuerst stand er, zusammen mit einem anderen Löwen, vor der Red Lion Brewery, bis diese 1949 abgerissen wurde, um der Royal Festival Hall Platz zu machen. Auf Anweisung von König Georg VI, der ihn ins Herz geschlossen hatte, wurde sein Löwenleben nicht beendet, sondern er zog zur Waterloo Station um. Als der Bahnhof erweitert wurde, musste Löwe wieder umziehen; dieses Mal zur Westminster Bridge, wo er jetzt hofft, für immer bleiben zu können, denn den Themseblick möchte er nicht mehr missen.

Der South Bank Lion war früher einmal rot; er bekam aber ein „Facelift“ und jetzt kann man ihn in seiner ganzen Pracht sehen: Er wurde nämlich aus dem sogenannten Coade-Stein hergestellt, das ist ein besonderer Werkstoff, der sehr unempfindlich gegen Umwelteinflüsse ist. Darum sieht unser Löwe auch so sauber und gepflegt aus.

Der frühere Genosse, der auch vor der Brauerei stand, ist zu einem Rugby-Fan geworden: Er steht auf dem Rowland Hill Memorial Gate des Twickenham-Stadiums, wo die Englische Rugby-Union-Nationalmannschaft ihr Zuhause hat. Wen von beiden hat es wohl besser getroffen?

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
Der Artgenosse vom Twickenham Stadium.
Author: Maxwell Hamilton.
Creative Commons 2.0
Published in: on 11. November 2021 at 02:00  Comments (1)  

Der Neasden Hindutempel im Londoner Stadtteil Brent – Der größte Tempel dieser Religion außerhalb von Indien

Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

Wer einmal durch den nordwestlichen Londoner Stadtteil Brent gefahren ist, vielleicht auf dem Weg zum Wembleystadion, wird sich beim Anblick des Neasden-Hindutempels plötzlich nach Indien versetzt gefühlt haben.
Das prächtige Bauwerk heißt korrekt BAPS Shri Swaminarayan Mandir London und wurde am 20. August 1995 feierlich eröffnet. Es handelt sich hier um den größten Hindutempel außerhalb Indiens, der etwa £12 Millionen gekostet hat; eine Summe, die allein von der Londoner Hindugemeinde aufgebracht wurde.
Der Tempel besteht aus mehreren tausend Tonnen bulgarischem Kalkstein und italienischem Marmor, die zuerst nach Indien transportiert, dort von über 1000 Bildhauern bearbeitet und schließlich nach London gebracht wurden.
Der Tempel bildet das Zentrum einer großen hinduistischen Gemeinde in London; allein 40 000 Hindus wohnen im Stadtteil Brent, 45 000 im nahe gelegenen Harrow.

Das Gebäude wurde auf Grund seiner architektonischen Bedeutung mehrfach ausgezeichnet, sounter anderem 2007 mit dem „UK Pride of Place Award“ und schon kurz nach der Eröffnung 1996 mit dem “ Most Enterprising Building Award„.

Der Tempel ist zu besichtigen; man muss allerdings einige Verhaltensregeln beachten; so zum Beispiel den Tempel ohne Schuhe betreten, keine kurzen Röcke oder Shorts tragen, sein Mobiltelefon ausschalten – eigentlich Selbstverständlichkeiten.
Die nächste U-Bahnstation ist Neasden Station auf der Jubilee Line.

Hier ist ein Film über den Tempel.

Photo © Phillip Perry (cc-by-sa/2.0)
Author: HerryLawford.
Creative Commons 2.0
Published in: on 10. November 2021 at 02:00  Comments (1)  

Lawrence of Arabias Steinplastik in Warehams St Martin’s Church, die keiner haben wollte

Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

Über T.E. Lawrences, besser bekannt als Lawrence of Arabia, Gedenkstätten in England habe ich in meinem Blog vor neun Jahren schon einmal berichtet und darin kurz seine Steinplastik in der St Martin’s Church in Wareham (Dorset) erwähnt. Geschaffen wurde sie von einem Freund von T.E.Lawrence, dem Bildhauer und Illustrator Eric Kennington (1888-1960), ein sogenannter „war artist“. Diese Künstler waren offiziell von der Regierung im Ersten und im Zweiten Weltkrieg damit beauftragt worden, die Kriege in künstlerischer Form aufzuarbeiten und die Leiden der Soldaten und der Bevölkerung im Bild festzuhalten.

Eric Kennington hatte auch Lawrences autobiografisches Werk „Seven Pillars of Wisdom“ (dt. „Die sieben Säulen der Weisheit“) illustiert. Die Steinplastik für seinen Freund war ursprünglich für die Londoner St Paul’s Cathedral gedacht, aber dort wollte man sie als Aufbewahrungsort nicht haben, denn Lawrence stand mit der britischen Regierung über Kreuz; er hatte seine Ernennung zum Ritter und mehrere Medaillen abgelehnt, da er die Haltung seiner Regierung gegenüber den Arabern scharf verurteilt hatte. Auch gab es Verschwörungstheorien, was seinen Tod betraf (waren die britischen Geheimdienste involviert?)

Kenningtons Skulptur wurde als nächstes der Londoner Westminster Abbey angeboten, die aber ebenfalls dankend ablehnte. Wie wäre es denn mit der Kathedrale von Salisbury? Thank you, no, sagte man dort. So blieb nur noch die kleine, fast tausend Jahre alte Kirche von St Martin’s in Wareham über, die dem steinernen Lawrence bis heute Asyl gewährt. Besucher aus aller Welt kommen seitdem hierher, um Lawrence of Arabia Tribut zu zollen. Dieser kurze Film zeigt St Martin’s und die Steinplastik.

T.E. Lawrences Grabstätte liegt auf dem Kirchhof von St Nicholas in Moreton, einige Kilometer westlich von Wareham.

St Martin’s in Wareham.
Photo © Pam Goodey (cc-by-sa/2.0)
T.E. Lawrences Grabstelle in Moreton (Dorset).
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 8. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Panyer Boy – Eine rätselhafte Steinfigur in Londons Panyer Alley

Author: Matt From London.
Creative Commons 2.0

Direkt neben einer Caffè Nero-Filiale in Londons Panyer Alley (EC2) sieht man eine kleine Steintafel, an der wahrscheinlich die meisten Passanten achtlos vorbeigehen, und die einen Jungen zeigt, der auf einem Brotkorb sitzt. Der Zahn der Zeit, beziehungsweise die Abgase der Autos haben, der Figur arg zugesetzt, aber sie stammt auch schon aus dem 17. Jahrhundert. „Panyer Boy“ heißt der junge Mann, der schon mehrfach umgesiedelt worden ist, weil die Gebäude, an der die Tafel angebracht war, immer wieder abgerissen worden sind. Nun sitzt er also hier an der Wand neben dem Coffeeshop. Niemand weiß so recht, was es mit dem „Panyer Boy“ auf sich hat, und es gibt eine Fülle von Meinungen über die Bedeutung und den Ursprung der Figur. Versucht der Junge gerade, einen Dorn aus seinem Fuß zu ziehen? Kann sein.
Die Panyer Alley soll möglicherweise nach den Bäckerjungen benannt worden sein, die hier früher Brot aus Körben verkauften, da macht die Figur auf der Steintafel Sinn. Die Inschrift unterhalb des sitzenden Jungen weist aber auf etwas ganz anderes hin:

When ye have sought the Citty round yet still this is the highest ground. August 27, 1688.” 

Will heißen: Dieses war einmal der höchst gelegene Punkt der Londoner City, was aber nicht der Fall sein kann, da zu dem genannten Zeitpunkt Cornhill, nicht weit entfernt, der höchste Punkt war.

Rätsel über Rätsel, deren Lösung der schweigsame Knabe mit dem kaum noch zu erkennenden Antlitz wohl für immer für sich behalten wird.

Hier ist eine Film über den Panyer Boy.

Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 30. Oktober 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Edward John Smith – Der Kapitän der Titanic und sein Denkmal in Lichfield (Staffordshire)

Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Kapitän Edward John Smith befehligte einst das Passagierschiff Titanic, das am 15. April 1912 im Nordatlantik unterging, und den Kapitän mit in die Tiefe riss.

Geboren wurde er am 27. Januar 1850 in Hanley, einem Ortsteil der Stadt Stoke-on-Trent in Staffordshire, und dort… hat man ihm kein Denkmal errichtet, sondern im Beacon Park in Lichfield, ebenfalls in Staffordshire gelegen, einer Stadt zu der der Kapitän gar keine Beziehung hatte. Die Verantwortlichen in Stoke-on-Trent wollten damals, im Jahr 1914, nicht, dass ihre Stadt mit der vermeintlichen Schande des Kapitäns in Zusammenhang gebracht wurde, so stellte man die Statue eben woanders auf. Hundert Jahre später bereute man die Entscheidung in Stoke-on-Trent und bereitete eine Kampagne vor, den bronzenen Kapitän in seine Geburtsstadt zu holen, aber Lichfield sagte „No“, den geben wir nicht mehr her.

Aus Anlass des hundertsten Jahrestages des Untergangs der Titanic, wurden am 14. April 2014 1500 Teelichter rund um die Statue angezündet, je eines für einen der im Atlantik ertrunkenen Menschen.

Das Denkmal im Beacon Park von Lichfield wurde am 29. Juli 1914 von Kapitän Smiths Tochter Helen Melville Smith feierlich enthüllt; geschaffen hatte es Kathleen Scott, die Witwe des berühmten Antarktisforschers Robert F. Scott. Es trägt die Inschrift:


                                                    COMMANDER
                                      EDWARD SMITH R.D. R.N.R.
                        BORN JANUARY 27 1850 DIED APRIL 15 1912
                             BEQUEATHING TO HIS COUNTRYMEN
                    THE MEMORY & EXAMPLE OF A GREAT HEART
                            A BRAVE LIFE AND A HEROIC DEATH
                                                 ~    BE BRITISH    ~

Dieser Film zeigt den Kapitän einige Monate vor dem Untergang der Titanic und hier ist Bernard Hill als Edward John Smith in der Verfilmung des Stoffes von 1997 zu sehen.
                                                   


                                       

Published in: on 23. Oktober 2021 at 02:00  Comments (1)