Lumberjills – Die Holzfällerinnen im Zweiten Weltkrieg

Eine Lumberjill-Statue im Queen Elizabeth Park bei Aberfoyle in Schottland…
Photo © James Allan (cc-by-sa/2.0)

Lumberjack ist der englische Begriff für Holzfäller; ein körperlich anstrengender Beruf, der weitestgehend von Männern ausgeübt wird. Doch es gibt auch einen Namen für das weibliche Pendant: „Lumberjill„, so wurden im Zweiten Weltkrieg die Frauen bezeichnet, die in den Wäldern Großbritanniens Bäume fällten, weil ein großer Teil der Männer, die diese Arbeit bisher verrichteten, an der Front kämpften. Im Women’s Timber Corps arbeiteten Tausende von Frauen, weil die britische Wirtschaft, die stark von importierten Holz abhängig war, diesen Rohstoff dringend in der Produktion benötigte und die Vorräte an gelagertem Holz schnell zu Ende gingen. Also machten sich die Frauen an die Arbeit, gingen in die Wälder, fällten Bäume und betrieben die Sägemühlen. Es war eine gefährliche Arbeit, die die Lumberjills da verrichteten, doch richtig anerkannt wurde das nicht. Nachdem der Krieg beendet war, gerieten die Holzfällerinnen schnell wieder in Vergessenheit und kaum jemand wusste in den folgenden Jahrzehnten von ihnen. Erst im Jahr 2000 wurde es den Frauen gestattet, am Remembrance Day in London teilzunehmen und acht Jahre später erhielten einige von ihnen Auszeichnungen.
Im Queen Elizabeth Park bei Aberfoyle in Schottland findet man eine Statue, die an die Frauen des Women’s Timber Corps erinnert, ebenso im Dalby Forest in North Yorkshire.

Im März diesen Jahres ist ein Buch erschienen, das sich den vergessenen Frauen des Zweiten Weltkriegs widmet: „Lumberjills: Britain’s Forgotten Army“ von Joanna Foat (The History Press, ISBN: 9780750990905), meines Wissens das erste und einzige Buch zum Thema. Die Autorin kontaktierte bei ihren Recherchen die noch lebenden Lumberjills und ließ sich von ihnen von ihrer damaligen Arbeit erzählen.

Hier ist ein Film über die Holzfällerinnen aus dem Jahr 1942.

…und im Dalby Forest in North Yorkshire.
Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Second Great Fire of London im Dezember 1940

Die St Paul’s Kathedrale von der Paternoster Row aus gesehen.
Photo © Deirdre Shaw (cc-by-sa/2.0)

The Great Fire of London im Jahre 1666 legte einen großen Teil der Londoner Innenstadt in Schutt und Asche. Der Brand entstand in einer Bäckerei im Pudding Lane und breitete sich schnell aus. Über 13 000 Häuser und Dutzende von Kirchen, unter anderem die St Paul’s Kathedrale, fielen den Flammen zum Opfer. Wieviele Menschen ums Leben kamen ist nicht bekannt, die Zahl soll aber nicht groß gewesen sein. Ich schrieb in meinem Blog schon einmal über den Brand.

In der Nacht zum 29. Dezember 1940 wurde London von Bombern der deutschen Wehrmacht angegriffen, vielleicht der schwerste Angriff überhaupt im Zweiten Weltkrieg. Über 100 000 Brandbomben wurden von deutschen Piloten über der Stadt abgeworfen, mit so verheerenden Folgen, dass man vom Second Great Fire of London spricht. Schätzungsweise 160 Menschen starben bei dem Angriff, viele weitere erlagen in den folgenden Tagen ihren Brandverletzungen. Ganze Straßenzüge und viele alte Gebäude, darunter 19 Kirchen, wurden komplett zerstört, auch die St Paul’s Kathedrale wurde beschädigt, durch den beherzten Einsatz der St Paul’s Watch konnte das durch Brandbomben ausgelöste Feuer aber schnell gelöscht werden.

Besonders hart traf der Fliegerangriff die umliegenden Straßen der Kathedrale, wo sich das britische Verlagswesen angesiedelt hatte. In der Paternoster Row befanden sich Lagerhäuser für Bücher, die fast alle verbrannt wurden, an die fünf Millionen sollen es gewesen sein.
Die Löscharbeiten wurden dadurch erschwert, dass die Themse zur Zeit des Angriffs Niedrigwasser hatte und so die Feuerwehren über nicht genügend Löschwasser verfügten, zumal auch eine der Wasserhauptversorgungsleitungen gebrochen war. Durch den tatkräftigen Einsatz vieler Freiwilliger konnten noch größere Schäden vermieden werden.

Hier ist ein Film über das zweite große Feuer in London.

Ich frage mich immer, was wohl in den Köpfen der Piloten vorgegangen sein mag, als sie ihre Bombenlast über London abließen, in vollem Bewußtsein, dass durch sie Menschen ihre Leben verloren und Kulturgüter zerstört wurden. Hat sie das kalt gelassen oder haben sie vielleicht doch nachträglich darunter gelitten?

Das Buch zum Artikel:
David Johnson: City Ablaze – Second Great Fire of London, 29th December, 1940. William Kimber 1980. 217 Seiten. ISBN  978-0718302672.

Published in: on 28. Januar 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Die Bevin Boys – Junge Bergwerksarbeiter im Zweiten Weltkrieg

Bevin Boys bei der Ausbildung in einer Kohlegrube.
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Junge Männer im wehrfähigen Alter, die im Zweiten Weltkrieg ohne Uniform im eigenen Land angetroffen wurden, mussten sich manchmal so einiges anhören. Da fielen schon einmal Worte wie Drückeberger oder Feigling. Mit dieser Situation wurden damals auch Männer konfrontiert, die eigentlich lieber an die Front gegangen wären, die man aber zwangsweise stattdessen als Bergarbeiter einsetzte. Als Bevin Boys wurden sie bezeichnet, da der damalige Arbeitsminister Ernest Bevin beschloss, jeden zehnten Wehrpflichtigen nicht als Soldat sondern als Grubenarbeiter einzusetzen. Viele Bergleute kämpften damals an der Front, was dazu führte, dass der Nachschub an Kohle, die für die Industrie lebenswichtig war, nicht mehr ausreichte. Frauen, die häufig in Fabriken die Arbeit der Männer übernommen hatten, kamen für die körperlich schwere Arbeit unter Tage nicht in Frage, also mussten einige der jungen Männer ran. Die Auswahl erfolgte nach dem Losverfahren. Einmal pro Woche wurde eine Zahl von 0 bis 9 gezogen, und wenn diese Zahl mit der letzten Ziffer auf der  National Service registration number übereinstimmte, musste derjenige in ein Bergwerk und dort Kohle abbauen. Nach einem sechswöchigen Crashkurs ging es los. Die meisten übernahmen nur widerwillig diese Tätigkeit und hätten lieber ihrem Land an der Front gedient, wobei ihre Überlebenschancen dort wahrscheinlich geringer gewesen wären.

Nach Beendigung des Krieges wurde der Einsatz der Bevin Boys kaum gewürdigt, obwohl sie auch ihren Anteil am Sieg gegen Deutschland geleistet hatten. Es dauerte tatsächlich bis zum Jahr 1995 als die Königin in einer Rede die Verdienste der Bevin Boys erwähnte, und noch einmal zwölf Jahre vergingen, bis Premierminister Tony Blair ankündigte, ihnen die Veterans Badge zu verleihen. Im Jahr 2013 schließlich wurde auf dem Gelände des National Memorial Arboretums (ich berichtete in meinem Blog darüber) in Alrewas in Staffordshire ein Denkmal für sie errichtet, das die Herzogin von Wessex enthüllte.

Prominente Bevin Boys waren beispielsweise der Comedian Eric Morecambe (1926-1984) und der DJ Jimmy Savile (1926-2011).

Dieser Film zeigt einige Bevin Boys in der Kohlegrube von Chislet in Kent, die 1969 geschlossen wurde.

Das Buch zum Artikel:
Tom Hickman: Called Up, Sent Down – The Bevin Boys‘ War. The History Press 2010. 268 Seiten. ISBN 978-0752457499.

Ernest Bevin.
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Das Bevin Boys Denkmal im National Memorial Arboretum.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. Januar 2019 at 02:00  Comments (2)  
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„In Limehouse“ – Der britische Premierminister Clement Attlee (1883-1967) als Dichter

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Der 1883  in Putney im Südwesten Londons geborene Clement Attlee war einer der Vorgänger von Theresa May; er hatte das Amt des Premierministers von 1945 bis 1951 inne und war Nachfolger von Winston Churchill, der ihm auch wieder ab 1951 im Amt folgte. Attlee gehörte der Labour Party an. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg wurde er Bürgermeister vom Londoner Stadtteil Stepney, einem heruntergekommenen Problemviertel. Ab 1922 war er Member of Parliament für den Wahlbezirk Limehouse, der in Stepney lag.

In diesem Jahr betätigte sich Clement Attlee als Dichter, denn er verspürte den Drang, das Elend und die Hoffnungslosigkeit der Menschen in seinem Wahlbezirk in Form eines Gedichts zum Ausdruck zu bringen. Er nannte es kurz „In Limehouse“ und es wurde in der Zeitschrift „Socialist Review“ abgedruckt, deren Herausgeber Ramsay McDonald war, Premierminister 1924 und von 1929 bis 1935.

In seinem Gedicht schreibt er von London als grausamer Stadt, die kein Mitleid mit den Menschen kennt, die in ihr ein erbärmliches Leben führen (…“The grey and cruel City, Through streets that have no pity The streets where men decay„). Er fragt sich wie Kinder, die heute nichts zu essen haben, einmal die Arbeitskräfte von morgen sein sollen. Mütter weinen über ihre Babies, die sterben und er träumt von einer Zukunft

When evil time shall perish and be driven clean away,
When father, child and mother
Shall live and love each other,
And brother help his brother
In happy work and play„.

Hier ist der vollständige Text des Gedichts.

Clement Attlee unternahm während seiner Zeit als Premierminister einiges, um diesen desolaten Zustand zu beseitigen, indem er zahlreiche Reformen durchführte, so gründete er u.a. den National Health Service (NHS) und verabschiedete den National Insurance Act.

Eine Statue des ehemaligen Premierministers wurde im Jahr 1988 in der Commercial Road vor der Limehouse Library errichtet, die inzwischen geschlossen wurde. 2011 bekam sie einen neuen Standort auf dem Gelände des Queen Mary College.

Die Statue von Clement Attlee in Limehouse.
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Die Narrow Street in Limehouse.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. Januar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Altrinchams Chapel Street – Englands tapferste Straße im Ersten Weltkrieg

Altrincham (Greater Manchester) ist eine kleine Marktstadt südwestlich von Manchester, in jenem Speckgürtel gelegen, in dem sich wohlhabende Fußballspieler, Schauspieler und Medienleute angesiedelt haben. Im Ersten Weltkrieg war König George V. besonders stolz auf diese Stadt, genauer gesagt auf eine kleine Straße in Altrincham, die Chapel Street. Es handelte sich dabei um eine Sackgasse mit etwa 60 kleinen Reihenhäusern, in denen 400 Menschen wohnten, vorwiegend mit irischem Hintergrund, aber auch Schotten, Waliser und Italiener mit ihren Familien. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, meldeten sich 161 Männer aus der Chapel Street zum Militärdienst, um in den Schützengräben Frankreichs und Belgiens oder in anderen Regionen Europas für ihr Land zu kämpfen. George V. war so beeindruckt, als er davon hörte, dass er die Straße „bravest little street in England“ nannte. Leider kamen nicht alle Männer nach Altrincham zurück, 29 von ihnen waren gefallen und 20 erlagen nach ihrer Heimkehr ihren schweren Kriegsverletzungen. Als der Krieg zu Ende war, breitete sich Armut in der Chapel Street aus, da in vielen Familien der Brotverdiener nicht mehr da war. Jemand, der sich besonders für die Witwen und Waisen einsetzte, war Reverend Hewlett Johnson, der sich allerdings bei einigen Bewohnern Altrinchams auch unbeliebt machte, weil er deutschen Kriegsgefangenen, die dort in Arbeitslagern gestorben waren, eine würdige Beerdigung zukommen ließ.

Heute erinnert in der Chapel Street, die nur noch aus wenigen Metern Pflastersteinen besteht und von der Regent Road abgeht, eine Plakette an die tapferen Männer. Sie ist an der Außenmauer des Thai-Restaurants Phantong angebracht, gegenüber liegt ein Toilettenhäuschen. Das ist alles, was von der „bravest little street in England“ übriggeblieben ist.

Das Buch zum Artikel:
Sheila Brady: Chapel Street – the „bravest little street in England“: The History Press 2017. 256 Seiten. ISBN 978-0750970426.

Published in: on 5. Dezember 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Benito Mussolini und sein erster und letzter Besuch in London im Jahr 1922

Das Londoner Claridge’s Hotel in der Brook Street.
Photo © Mr Biz (cc-by-sa/2.0)

Benito Mussolini (1883-1945) war im Jahr 1922 gerade erst Ministerpräsident geworden, als ihn eine Dienstreise nach London führte, wo sich die Alliierten trafen, um über die Reparationszahlungen Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg zu beraten. Mussolini und seine Entourage kamen am 9. Dezember in London an und stiegen im Luxushotel Claridge’s in der Brook Street ab und das erste was der Italiener tat, war sich darüber zu beschweren, dass die französische Delegation, die ebenfalls in dem Hotel wohnte, die besseren Zimmer bekommen hätte, wodurch er sich bei der Hotelleitung nicht gerade beliebt machte. Mussolini war schon damals ein sehr herrischer Mensch gewesen und gehörte nicht in die Kategorie „Angenehme Zeitgenossen“.

Sein Interesse an dem Thema der Konferenz schien nicht sehr ausgeprägt gewesen zu sein, denn er fand es viel interessanter, sich von seinen Schwarzhemden feiern zu lassen, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit die „Giovinezza“ sangen, die Hymne der faschistischen Bewegung Italiens, deren Londoner Büro in der Noel Street 25 im Stadtteil Soho Mussolini auch besuchte. Hier sind einige historische Bilder.

Auf einer Pressekonferenz fehlte der Italiener ganz, denn er hatte Besseres zu tun; er amüsierte sich stattdessen in seinem Hotelzimmer mit einer Prostituierten. Was Mussolini überhaupt nicht gefiel, war das Londoner Wetter, das sich im Monat Dezember meistens nicht von seiner besten Seite zeigt. Der ständig vorherrschende Nebel ging ihm dermaßen auf die Nerven, dass er sich schwor, nie wieder einen Fuß auf englischen Boden zu setzen, einen Schwur, den er auch einhielt. Ich glaube, dass diejenigen, die mit ihm damals in London zu tun hatten, ihm keine Träne nachweinten und insgeheim „Good Riddance!“ sagten.

 

Published in: on 20. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Cadbury Angels – Die „Schokoladenfrauen“ im Ersten Weltkrieg

Ein Firmengebäude in Bournville.
Photo © Fabian Musto (cc-by-sa/2.0)

In vielen Teilen Europas wird zur Zeit an das Ende des Ersten Weltkriegs im Jahr 1918 gedacht, das nun hundert Jahre zurückliegt. So liegt es auf der Hand, auch einmal an die sogenannten Cadbury Angels zu erinnern, die ihren Teil an der Unterstützung der Soldaten an der Front beitrugen. Cadbury war damals (und auch heute noch) einer der größten Schokoladeproduzenten in Großbritannien mit Sitz in Bournville, südlich von Birmingham. Auf einem großen Areal standen und stehen noch die Produktionshallen und ein angrenzendes Model Village, das die Firmenbesitzer für ihre Arbeiterinnen und Arbeiter gebaut hatten. Da im Verlauf des Ersten Weltkriegs immer mehr Männer an die Front beordert wurden, mussten Frauen deren Arbeitsplätze einnehmen, so auch bei der Firma Cadbury. Auf Grund ihrer weißen Arbeitskleidung erhielten sie den Namen Cadbury Angels, und sie hatten bald die Gelegenheit ihrem Namen Taten folgen zu lassen. Es handelte sich überwiegend um junge Frauen, denn die Geschäftsführung von Cadbury sah vor, dass Frauen, sobald sie verheiratet waren, die Firma verlassen mussten, weil sie der Meinung war, dass verheiratete Frauen sich um Haus und Kinder kümmern sollten.

Die Angels unterstützten die Männer an der Front, indem sie Pakete für sie packten, in denen neben Cadbury-Schokolade auch selbst gestrickte Kleidung und Bücher zu finden waren, begleitet von einem Brief, in dem die Frauen Grüße an die Front schickten. Rund 30 000 dieser Pakete sind damals gepackt und verschickt worden. Einige der Cadbury Angels betätigten sich auch noch auf einem anderen Feld und zwar als Krankenschwestern, denn die Cadburys hatten zwei Gebäude auf ihrem Gelände zur Verfügung gestellt, um dort verwundete Soldaten zu behandeln und zu pflegen.

Die Cadbury Angels hatten bewiesen, dass auch Frauen „ihren Mann stehen konnten“ und durch ihren Einsatz veränderten sich auch die Rechte der Frauen an ihren Arbeitsplätzen zum Positiven. Hier ist ein Film über die Angels.

Die Schokoladenfirma aus Bournville hat in diesem Jahr den Commemorative Cadbury Dairy Milk Bar auf den Markt gebracht, einen Schokoriegel, von dessen Erlös die Royal British Legion einen gewissen Teil erhält.

Wer sich für Schokolade interessiert, sollte einmal die Cadbury World in Bournville aufsuchen, eine der Besucherattraktionen im Raum Birmingham.

Hier geht es zur Cadbury World.
Photo © Oliver Mills (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. November 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Hitler’s Black Book – Eine Sammlung von Adressen missliebiger Menschen in Großbritannien, die die Nazis eliminert haben wollten

Das Senate House an der Malet Street in London, das für die Nazi-Hauptverwaltung vorgesehen war.
Photo © kim traynor (cc-by-sa/2.0)

Der Größenwahn Adolf Hitlers und seiner Regierung umfasste immer wieder auch eine Invasion Großbritanniens, die Gott sei Dank nie zustande kam. Wie weit die Pläne schon gediehen waren, zeigt sich daran, dass man sich schon bestimmte Gebäude ausgeguckt hatte, die man mit deutschen Besatzern belegen wollte. Das Nazi-Hauptquartier sollte das Senate House werden, das jetzt die University of London beherbergt. Für seine eigenen Büros in London soll sich Hitler das Ibex House am Tower Hill ausgesucht haben. Das Eton College war verplant, um dort die Kinder von Nazi-Größen und Offizieren zur Schule gehen zu lassen, und viele Stately Homes und Landhäuser waren vorgesehen, um dort Generäle und Parteiführer unterzubringen.

Weiterhin wollte man nach der Invasion in großem Stil missliebige Menschen auf der Insel aus dem Verkehr ziehen und verhaften; diese waren in der sogenannten Sonderfahndungsliste G.B. erfasst, die in Großbritannien Hitler’s Black Book bezeichnet wurde. Minutiös waren darin deren Namen, Geburtsdaten, Berufe und, wenn bekannt, die Adressen aufgelistet; zusätzlich gab es einen Vermerk, welche Referate des Reichssicherheitshauptamtes an der jeweiligen Person interessiert waren. 2820 Positionen umfasste Hitler’s Black Book, darunter waren Leute aus der hohen Politik, aber auch viele Kulturschaffende, Journalisten und Emigranten. Sehen wir uns einige dieser auf der Fahndungsliste stehenden an:

Winston Churchill stand natürlich darauf, angegeben mit seinem Wohnsitz Chartwell House bei Westerham in Kent. Interessiert an seiner Verhaftung war das Amt VI A (Allgemeine auslandsnachrichtendienstliche Aufgaben), das ab 1942 SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei Walter Schellenberg unterstellt war.

Die „Dienststelle Dr. Wilfried Krallert“ (Referat VI G) wollte den Schriftsteller und Schauspieler Noël Coward einkassieren, der damals für den britischen Inlandgeheimdienst arbeitete und den Nazis ein Dorn im Auge war.

Den jüdischen Schriftsteller Stefan Zweig wollten die Nazis nach einer Invasion schnell aus dem Verkehr ziehen, was auch für den britisch-jüdischen Verleger und Hitlerhasser Victor Gollancz galt, an dessen Verhaftung ebenfalls das Referat VI G Interesse bekundete.

Weiterhin standen im Black Book: Der Physiker Wolfgang Berg, der französische General Charles de Gaulle, der Bildhauer Jacob Epstein, die Schriftsteller Edward Morgan Forster, Aldous Huxley und Herbert George Wells, der Philosoph Bertrand Russell und der Politiker und spätere Premierminister Harold Macmillan.

Das ist nur ein winzig kleiner Auszug aus der Sonderfahndungsliste G.B. Wäre es tatsächlich zu einer deutschen Invasion gekommen, hätten wohl die meisten der im Black Book genannten Personen nicht lange überlebt.

Das in den 1930er Jahren gebaute Ibex House, mit der Adresse 42-47 The Minories, in der City of London sollte Hitlers Büros beherbergen.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Katastrophe in der Londoner U-Bahnstation Bethnal Green am 3. März 1943

Das Bethnal Green Memorial Stairway to Heaven.
Photo © Richard Rogerson (cc-by-sa/2.0)

An der Londoner U-Bahnstation Bethnal Green, im Bethnal Green Garden, steht das Monument Stairway to Heaven, geschaffen von Harry Paticas, das in diesem Jahr sowohl mit dem RIBA London Award als auch mit dem RIBA National Award ausgezeichnet worden ist. Das Denkmal erinnert an die Opfer des tragischen Unglücks vom 3. März 1943, bei dem binnen weniger Minuten 173 Menschen zu Tode kamen.
Es ereignete sich in der U-Bahnstation Bethnal Green an der Cambridge Heath Road im Stadtteil Bethnal Green. Neben den Toten gab es noch viele Verletzte, die in die umliegenden Krankenhäuser eingeliefert wurden und wie viele Menschen ihr Leben lang ein Trauma erlitten, ist nicht bekannt. Kurz nach 20 Uhr ertönten an diesem Tag die Sirenen und warnten vor einem bevorstehenden Luftangriff. Die Menschen gingen zu der U-Bahnstation, die noch gar nicht fertig war und noch keine Geleise hatte, aber als Luftschutzbunker diente. Bis dahin lief noch alles ganz ruhig ab; der Eingang zur U-Bahn hatte aber einige Tücken: Es gab zwar seitliche Handläufe, aber keinen in der Mitte, er war nur schwach beleuchtet, die Stufen waren uneben, so dass man darauf leicht abrutschen konnte, und es gab niemanden, der dort Aufsicht führte. Als es plötzlich einen extrem lauten Knall gab, dachten alle, dass jetzt eine Bombe eingeschlagen hatte, und es machte sich Panik breit. Die Schutzsuchenden stürzten sich in den engen Eingang und dann geschah es: Jemand fiel auf der Treppe hin und die nachfolgenden Männer, Frauen und Kinder wurden von der Masse zu Tode getrampelt. Es müssen sich dort unten dramatische Szenen abgespielt haben.

Später kam heraus, dass es sich bei dem lauten Knall nicht um eine Bombe gehandelt hatte, die von einem Flugzeug der deutschen Luftwaffe abgeworfen worden war, sondern um ein neuartiges Flugabwehr-Raketensystem namens Unrotated Projector, das im Victoria Park, nur einige hundert Meter entfernt, eingesetzt wurde.

Eigenartigerweise hielten die Behörden das Unglück 36 Stunden lang geheim (soweit man eine Katastrophe diesen Ausmaßes überhaupt geheim halten kann), und man vermutete, dass da irgendetwas vertuscht werden sollte.

Neben dem Stairway to Heaven-Denkmal erinnert noch eine Plakette an die vielen Opfer, die 50 Jahre nach dem Unglück im Jahr 1993 im Treppenhaus der U-Bahnstation Bethnal Green angebracht wurde, dort, wo die Menschen zu Tode gekommen waren.

Dieser Film dokumentiert das Geschehen an diesem denkwürdigen Tag und lässt Zeitzeugen zu Wort kommen.

Der Eingang zur U-Bahnstation Bethnal Green. Hier ereignete sich die Katastrophe am 3. März 1943. Die Erinnerungsplakette ist oben links an der Stirnseite der Mauer zu sehen
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Der Bahnsteig von Bethnal Green heute.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Sir Winston Churchills Spielzeugladen in Whitchurch (Buckinghamshire)

Die High Street von Whitchurch. Links hinter der Mauer liegt The Firs, rechts The White Swan.
Photo © Colin Pyle (cc-by-sa/2.0)

MD1, oder auch Ministry of Defence, 1 war im Zweiten Weltkrieg eine geheim gehaltene Einrichtung, in der hoch spezialisierte Männer ungewöhnliche Waffen entwickelten, die gegen Deutschland eingesetzt werden sollten. Die zentralen Figuren von MD 1 waren Millis Rowland Jefferis und Robert Stuart Macrae. Sir Winston Churchill interessierte sich sehr für das, was da hinter verschlossenen Türen alles ausgetüffelt wurde, denn Jefferis und Macrae ware außerordentlich findige Männer. So wurde MD 1 auch Churchill’s Toy Shop genannt, zuerst in London angesiedelt, doch nach den Bombenangriffen auf die Stadt ging die Abteilung nach Whitchurch in Buckinghamshire, einige Kilometer nördlich von Aylesbury. Dort wurde ein Haus namens The Firs an der High Street requiriert, das gut verborgen hinter einer Mauer und hohen Bäumen lag. The Firs, ein sehr schönes großes Fachwerkhaus, steht noch heute in Whitchurch, gegenüber vom Dorfpub The White Swan.

Zu Spitzenzeiten arbeiteten bis zu 250 Menschen bei MD 1 und was dachten sich diese Spezialisten hier in der Idylle von Whitchurch nicht alles für Waffen aus:

Am bekanntesten war wohl die Sticky Bomb, eine Art Handgranate, die gegen Panzer eingesetzt werden sollte. Gegen den Widerstand des Kriegsministeriums setzte sich Churchill für diese Waffe ein, die in Stückzahlen von etwa 2,5 Millionen hergestellt wurde.

Die W-Bomb war für den Einsatz in Flüssen geplant, wo sie knapp unter der Wasseroberfläche ihre Ziele suchte. Auf dem Rhein verursachten diese Waffen schwere Schäden bei Schiffen und Brücken.

Weniger bekannt, aber äußerst unangenehm, war The Castrator, eine mit Patronen gefüllte Röhre, die in den Boden eingelassen wurde. Wenn ein Soldat darauf trat, wurde das Geschoss ausgelöst und traf genau auf die empfindlichsten Teile des Mannes.

The Great Eastern, eine mobile, von Panzern selbst gelegte Brücke, bei der Raketen zum Einsatz kamen.

Sir Winston hatte seine helle Freude an diesen technischen Neuerungen, die in seinem Toy Shop entwickelt wurden. In dieser Dokumentation kann man sich das alles noch einmal ansehen.

Stuart Macrae hat ein Buch über das Thema geschrieben: „Winston Churchill’s Toy Shop: The Inside Story of Military Intelligence (Research)„, 2012 bei Amberley Publishing erschienen.

Heute ist in The Firs in Whitchurch die Firma Plenham Limited untergebracht, „Publishing of consumer and business journals and periodicals“, die u.a. das Bodyshop Magazine herausgibt.

Eine der Erfindungen von MD 1: The Sticky Bomb.
This work created by the United Kingdom Government is in the public domain.

 

Published in: on 4. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Down Ampney in Gloucestershire und die „Fliegenden Nachtigallen“

Überreste des Militärflugplatzes in Down Ampney, von wo aus die Flying Nightingales starteten und landeten.
Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

RAF Down Ampney war ein Stützpunkt der Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg, der heute nicht mehr existiert. Der Flughafen lag neben dem Dorf Down Ampney, dessen berühmtester Sohn der Komponist Ralph Vaughan Williams ist, der hier am 12. Oktober 1872 als drittes Kind des örtlichen Vikars geboren wurde. Neben den beiden anderen Stützpunkten der RAF Air Ambulance Unit in Broadwell bei Burford und Blakehill Farm bei Cricklade, war RAF Down Ampney der Start- und Landeplatz für eine Gruppe von Krankenschwestern, die die „Flying Nightingales“ genannt wurde. Rund 200 dieser mutigen Frauen flogen an Bord von Dakota-Transportflugzeugen von hier aus über den Ärmelkanal nach Frankreich, wo heftige Kämpfe tobten, bei denen unzählige Soldaten getötet und verletzt wurden. Auf den Schlachtfeldern versorgten sie die schwer verletzten britischen Soldaten, unter Einsatz ihres eigenen Lebens, und transportierten sie in die bereit stehenden Dakotas, um sie nach Down Ampney zurückzufliegen.

Die Flying Nightingales waren Freiwillige, die in einem Crashkurs alles Nötige erlernten, um Verletzten erste Hilfe leisten zu können. Die jungen Frauen wurden bei ihrer gefährlichen Arbeit mit grauenvollen Verletzungen konfrontiert, deren Anblick sie sicher bis ans Ende ihres Lebens begleitet haben. Nach Ankunft in Down Ampney wurden die Soldaten auf Krankenhäuser verteilt, die sich auf bestimmte Verletzungsarten spezialisiert hatten. Brandverletzungen wurden beispielsweise im Odstock Hospital bei Salisbury in Wiltshire behandelt, dem heutigen Salisbury District Hospital, in dem die beiden im März diesen Jahres bei einem Giftanschlag fast ums Leben gekommenen Sergei und Yulia Skripal untergebracht worden waren.

Die Flying Nightingales haben schätzungsweise über 100 000 verletzte Soldaten von Frankreich nach England gebracht, doch ihre Arbeit blieb in den Geschichtsbüchern weitgehend unberücksichtigt. Erst im Jahr 2008 erhielten die wenigen noch lebenden Nachtigallen aus der Hand der Herzogin von Cornwall eine Auszeichnung für ihr Lebenswerk.

Jedes Jahr im September findet in der All Saints Church in Down Ampney ein Gedenkgottesdienst statt, bei dem das Lied „Come Down o Love Divine“ zur Melodie von Ralph Vaughan Williams‘ „Down Ampney“ gesungen wird, hier zu hören.

In diesem Film kommen überlebende Flying Nightingales zu Wort.

Ein Dakota-Transportflugzeug.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

All Saints Church in Down Ampney.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

Ein Kirchenfenster in All Saints zur Erinnerung an die Männer und Frauen, die von RAF Down Ampney aus in den Krieg zogen.
Photo © Vieve Forward (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. August 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Colne Valley in West Yorkshire – Ein Wahlkreis, der einmal zwei ungewöhnliche Abgeordnete ins Londoner Parlament geschickt hat

 

Marsden im Colne Valley.
Photo © Humphrey Bolton (cc-by-sa/2.0)

Das Colne Valley in West Yorkshire spielte während der Industriellen Revolution eine bedeutende Rolle, weil hier die Textilindustrie vorherrschend war. Schon lange trägt man in Großbritannien keine Kleidung mehr, die hier hergestellt wird; der Ferne Osten ist allmächtig geworden.

Thelma Walker vertritt diesen Wahlkreis, der sich in der Nähe von Huddersfield befindet, seit dem 8. Juni 2017 im Parlament in London. Soviel ich weiß, ist das Verhalten der Labour-Abgeordneten im Unterhaus unauffällig. Zwei ihrer Vorgänger zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren da ganz anders.
Colne Valley MP Victor Grayson vertrat diesen Bereich von West Yorkshire von 1907 bis 1910; er war Mitglied der Independent Labour Party und besiegte bei Nachwahlen im Jahr 1907 die Kandidaten der Liberals und der Torys. So zog Mr. Grayson nach London…und wurde selten einmal im House of Commons gesehen, und auch die Reden des Hinterbänklers waren rar. Aufmerksamkeit erregte der Mann aus Yorkshire einmal, als im Unterhaus über Ausschankgesetze debattiert wurde, er aber zum Thema Arbeitslosigkeit sprach. Unklar war damals, ob das mit seiner Überzeugung zu tun hatte, dass Letzteres wesentlich wichtiger war als Ersteres, oder ob er einfach einen über den Durst getrunken hatte, denn Victor Grayson hatte ein Alkoholproblem. Bei den Parlamentswahlen im Januar 2010 wollte man den Mann im Colne Valley nicht mehr haben; er verlor seinen Sitz im Unterhaus. In der Zeit danach, machte er von sich reden, als er herausfand, dass der Premierminister David Lloyd George sich bereicherte, indem er über einen Strohmann Ehrentitel verkaufte. Dadurch stieg sein Beliebtheitsgrad in bestimmten, einflussreichen Kreisen nicht gerade an. Und dann, am 28. September 1920, verschwand Victor Grayson und wurde nie wieder gesehen. Wurde er ermordet, weil er sich mit den Mächtigen in der Regierung angelegt hatte? Wir werden es wohl nie erfahren.

Graysons Nachfolger als MP für den Wahlkreis Colne Valley war ein Liberaler, Charles Leach, ein gelernter Schuhmacher mit dem Hang zum Predigen für die Methodist New Connexion, eine methodistische Freikirche. Leach, ein Yorkshireman, der 1847 in der Nähe von Halifax geboren wurde, war im Parlament aktiver als sein Vorgänger und engagierte sich u.a. für die Themenbereiche Frauenrechte und Krankenversicherung für Industriearbeiter. Dann ging es gesundheitlich mit Chales Leach bergab; er erlitt einen Nervenzusammenbruch, sein Verhalten im Parlament nahm bizarre Züge an, so dass sich der Speaker gezwungen sah, den Lunacy Act aus dem Jahr 1886 anzuwenden, ein Gesetz, das bestimmte, dass psychisch kranke Abgeordnete ihren Sitz verlieren. Das war das erste und einzige Mal in der Geschichte des britischen Parlaments, dass ein MP auf diese Weise gehen musste. Alle weiteren späteren Abgeordnete für den Wahlkreis in West Yorkshire sollten nicht mehr negativ auffallen.

Published in: on 21. Juni 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„Well, he would, wouldn’t he?“

Mandy Rice-Davies
Source: Nationaal Archief.
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Im Oxford Dictionary of Quotations findet man das Zitat „Well, he would, wouldn’t he?“ (oder auch Well, he would say that, wouldn’t he?“), das auf Mandy Rice-Davies (1944-2014) zurückgeht und das während einer Gerichtsverhandlung im Juli 1963 im Londoner Old Bailey gesagt worden ist. Auf Deutsch salopp übersetzt „Klar, dass er das sagen würde, oder?“

Mandy Rice-Davies war Anfang der 1960er Jahre eine unternehmungslustige junge Dame, die Wikipedia bezeichnet sie als „showgirl“, die keine Probleme damit hatte, mit vielen Männern ins Bett zu steigen. Sie war eine Freundin der zwei Jahre älteren Christine Keeler (1942-2017), die ebenfalls gern Sex mit Herren der höheren Gesellschaftsschichten hatte. Christine traf 1961 bei einer Poolparty auf dem Landsitz von Lord Astor, Cliveden in Buckinghamshire, den damaligen britischen Verteidigungsminister John Profumo, der sich sofort in die 27 Jahre jüngere Frau verliebte und eine kurze Affäre mit ihr begann. Dummerweise hatte Christine Keeler gleichzeitig auch eine Affäre mit dem russischen Marineattaché Jewgeni Iwanow. Als John Profumos Affäre öffentlich wurde, bedeutete das das Ende seiner Karriere, und er trat als Verteidigungsminister zurück, wobei er gleichzeitig die Regierung Harold Macmillans schwer belastete

In Cliveden war auch häufig der Arzt Stephen Ward anzutreffen, eine schillernde Figur, der als Zuhälter von Christine Keeler und Mandy Rice-Davies galt und mit den Astors befreundet war. Stephen Ward wurde wegen Zuhälterei vor Gericht gestellt und bei der Verhandlung kam auch die Behauptung von Mandy Rice-Davies zur Sprache, sie hätte Sex mit Lord Astor gehabt. Als der Anwalt Astors Mandy zu verstehen gab, sein Mandant würde diese Behauptung kategorisch zurückweisen, fielen die inzwischen berühmten Worte der jungen Dame „Well, he would, wouldn’t he?„. Sicherlich aus der Situation heraus entstanden und nicht einstudiert.

Mandy Rice-Davies nahm übrigens auch einmal eine Schallplatte in deutscher Sprache auf, heute wohl kaum noch bekannt: „Auf die große Liebe“ und „Hey Mr Robinson„.

Dieser Film fasst die Vorgänge aus den frühen 1960er Jahren noch einmal zusammen.

Wer sich intensiver mit der Profumo-Affäre beschäftigen möchte, dem sei dieses Buch empfohlen.

Cliveden House, jetzt Luxushotel. Hatte Mandy Rice-Davies mit dem damaligen Besitzer Sex oder nicht?
Eigenes Foto.

 

Published in: on 14. Juni 2018 at 02:00  Comments (7)  
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Chopwell (Tyne and Wear) – Eine ehemalige Bergarbeiterstadt, die Klein-Moskau genannt wurde

Die Lenin Terrace in Chopwell.
Photo © Anthony Foster (cc-by-sa/2.0)

Chopwell, ein kleiner Ort, dessen Wohlergehen früher einmal komplett von der Kohleförderung abhing, liegt im äußersten Westen des Metropolitan County Tyne and Wear im Nordosten Englands. So arbeiteten die meisten Männer unter Tage, eine harte Arbeit, die zudem nicht besonders üppig bezahlt wurde. Im Jahr 1926 kam es landesweit zu Generalstreiks, natürlich auch in Chopwell, weil die Bergarbeiter geringere Löhne bekommen und auch noch länger arbeiten sollten. Absolut verständlich, dass die Betroffenen auf die Barrikaden gingen. Die Kohleförderung wurde eingestellt, wobei die Arbeitgeber von einem Streik sprachen, die Gewerkschaften von einer Aussperrung. Schnell kam Chopwell in den Ruf, kommunistisch unterwandert zu sein; so sahen es zumindest einige der eher rechts orientierten Zeitungen des Landes. 1924 hatte die lokale Bergarbeitervereinigung auf ihrer Fahne die Köpfe von Karl Marx und Lenin appliziert, dazu noch das Konterfei eines der Gründer der Labour Party, Keir Hardie. Der Union Jack wurde auf dem Dach der Gemeindeverwaltung durch die sowjetische Flagge ersetzt, und es heißt, dass man in der Kirche die Bibel durch die Werke von Karl Marx ausgetauscht hatte.

Um dieser angeblich kommunistischen Orientierung noch die Krone aufzusetzen, benannte man zwei neugebaute Straßen in Chopwell auch noch Marx Terrace und Lenin Terrace. Schnell wurde der kleine Ort landesweit als „Little Moscow“ bezeichnet und als „reddest village in England„.

Der Streik dauerte damals mehr als siebzehn Monate und den Bergarbeiterfamilien ging es richtig schlecht. Ohne das Einkommen der Bergleute war es fast nicht möglich zu überleben. So hatten die Männer keine andere Wahl, als schließlich doch nachzugeben und für längere Arbeitszeiten weniger Geld zu bekommen… Details über diese furchtbare Zeit zeigt dieser Film.

1966 schloss die Chopwell Colliery, weil die Kohlevorräte unter Tage aufgebraucht waren. Von da ab ging es dramatisch mit dem Ort bergab, da es hier nichts mehr zu verdienen gab. Viele Bewohner zogen weg und fast alle Institutionen und Vereine wurden geschlossen. Heute hat Chopwell noch rund 3000 Einwohner, von den Förderanlagen ist nichts mehr zu sehen, nur noch ein Gedenkstein und die Hälfte eines Förderrades erinnern an die Colliery.

Bergarbeiterhäuser in Chopwell.
Photo © Robert Graham (cc-by-sa/2.0)

Das Colliery Memorial.
Photo © Anthony Foster (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 20. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Greenham Common in Berkshire – Der frühere Atomraketen-Stützpunkt gestern und heute

Demonstrierende Frauen im Jahr 1982.
Photo © ceridwen (cc-by-sa/2.0)

In den 1980er Jahren war der Name „Greenham Common“ in der ganzen Welt bekannt, obwohl sicher viele nicht wussten, wo der Ort eigentlich genau liegt (an den südlichen Außenbezirken der Stadt Newbury in Berkshire). In den Nachrichten und in den Medien wurde immer wieder von Protesten, Demonstrationen und Belagerungen dieses US-Militärstützpunktes in Berkshire berichtet. Ich fasse noch einmal kurz zusammen: Greenham Common diente schon im Zweiten Weltkrieg der US Air Force, um hier Kampf- und Transportflugzeuge zu stationieren. Auch nach dem Weltkrieg, in den Zeiten des Kalten Krieges, blieb der Stützpunkt in US-amerikanischer Hand. In den 1980er Jahren, als die Bedrohung aus dem Osten aus Sicht der NATO größer geworden war, entschied man sich dafür, mit Atomsprengköpfen versehene Cruise Missiles in Großbritannien zu stationieren, 96 davon hier auf dem Gelände von Greenham Common. Diese Raketen wurden in Spezialbunkern gelagert und waren auf Sattelzügen montiert, so dass die Marschflugkörper im Ernstfall in wenigen Minuten ihren Standort verlagern konnten, wobei ihr Weg dann durch die friedlichen Dorfstraßen von Berkshire geführt hätte.
Diese militärischen Maßnahmen und Strategien verursachten in der Bevölkerung eine bis dahin nie gekannte Unmutswelle. So etwas mochte eigentlich keiner vor seiner Haustür haben. Die Gefahr einer Katastrophe war groß, zum Beispiel durch den Transport der Cruise Missiles.

1981 bildete sich das Greenham Common Women’s Peace Camp, ja, es waren vor allem Frauen, die sich vehement gegen die Stationierung von Atomwaffen einsetzten. Sie blockierten die Zugänge zum Stützpunkt und 1983 bildeten die tapferen Frauen zweimal eine Menschenkette rund um Greenham Common (rund 23 Kilometer), die aus bis zu 70 000 Menschen bestand. Glücklicherweise kamen die Raketen nie zum Einsatz, 1991 wurden sie komplett von Greenham Common abgezogen, doch trotzdem blieb das Peace Camp hier noch bis zum Jahr 2000 bestehen; eine Protestlerin war 19 Jahre dabei. 1993 wurde die ganze militärische Anlage von der Royal Air Force geschlossen und aufgegeben. Es herrschte wieder Ruhe in Greenham Common.

Der Greenham and Crookham Commons Act aus dem Jahr 2002 regelte, was mit dem Ex-Militärgelände geschehen sollte und ein ganz wichtiger Satz darin lautet: „the public shall have a right of access to the Common and any additional open space on foot for the purpose of open-air recreation„. Die asphaltierte Landebahn, die längste in Europa, wurde aufgebrochen und das Material zum Bau einer Umgehungsstraße um Newbury herum verwendet. Es stehen noch vereinzelt Militärgebäude auf dem Gelände, auch die Raketensilos sind nach wie vor zu sehen. Der Greenham Business Park hat sich hier angesiedelt und statt grimmig dreinschauendem militärischem Wachpersonal begegnet man jetzt Radfahrern und Joggern, die Greenham Common wieder ganz für ihre friedlichen Zwecke vereinnahmt haben.

Dieser Film zeigt wie Greenham Common heute aussieht.

Greenham Common von oben gesehen.
Photo © M J Richardson (cc-by-sa/2.0)

 

Einer der Raketensilos.
Author: Donna from Belfast.
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Published in: on 12. Februar 2018 at 02:00  Comments (2)  
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The Legendary Ten Seconds und ihre Songs über King Richard III.

Richard III
Eigenes Foto.

Das ideale Weihnachtsgeschenk für Ricardianer, also die Anhänger des Königs Richard III, von denen es mehr gibt als man vermutet, ist ein Album der Folkrock-Gruppe The Legendary Ten Seconds. Mehrere Alben haben die Legendary Ten Seconds bereits aufgenommen, die aus Sir Ian of Churchward, Earl Robert of the Shroud, The Lord Zarquon und Earl Dave of Clifford bestehen. In ihrer Musik beschäftigt sich die Band mit den Themen Richard III und War of the Roses. „Loyaulte Me Lie“ (2013), „Tant Le Desiree“ (2014), „Richard III“ (2015) und „Sunnes and Roses“ (2016) heißen die Alben; „Murrey and Blue“ ist gerade im November erschienen.

Hören wir uns doch einmal einige Musikbeispiele an:

The King in the Car Park“ bezieht sich auf den Fundort, an dem Richards Skelett gefunden wurde, unter einem Parkplatz in Leicester.

In „The Court of King Richard“ geht es um den Hof des in der Schlacht von Bosworth gefallenen Königs.

In „How Do You Rebury a King?“ besingt die Band die Beerdigungsfeierlichkeiten, als Richard III im Jahr 2015 erneut in Leicester zu Grabe getragen wurde.

Und mein Favorit: Das Weihnachtslied „Middleham Castle on Christmas Eve„.

Der Parkplatz in Leicester, unter dem das Skelett von Richard III. gefunden wurde.
Eigenes Foto

Die letzte Ruhestätte von Richard III. in der Kathedrale von Leicester.
Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Das Middleham Castle in North Yorkshire, wo Richard III. seine Kindheit verbrachte.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Das letzte Duell in England fand 1852 bei Englefield Green in Surrey statt

Priest Hill, nördlich von Englefield Green.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

Ganz in der Nähe vom John F. Kennedy Memorial und der Magna Charta Island, dort, wo heute die A328 verläuft, die hier Priest Hill heißt, fand im Jahr 1852 das letzte tödlich verlaufende Duell auf englischem Boden statt. Nördlich des Ortes Englefield Green trafen zwei aus ihrem Heimatland Frankreich geflüchtete Männer aufeinander, der Revolutionär Emmanuel Barthélemy und der Marineleutnant Frederic Cournet. Angeblich soll Cournet Bemerkungen über Barthélemys Freundin gemacht haben, die diesem nicht passten, und so forderte er den Leutnant zum Pistolenduell heraus. Man einigte sich darauf, aus einem Abstand von vierzig Schritten aufeinander zu schießen, jeder hatte zwei Schüsse frei. Sollte keiner von beiden treffen, würden Schwerter zum Einsatz kommen. Cournet schoss daneben, dafür landete Barthélemy einen Volltreffer, nachdem seine Waffe zweimal versagt hatte. Cournet wurde tödlich verletzt und in das Gasthaus The Barley Mow nach Englefield Green gebracht, wo er an seinen Verletzungen starb. Sein Gegner hatte sich unterdessen mit seinen Sekundanten vom Acker gemacht und war nach London geflohen, wo ihn bald die Metropolitan Police festnahm. Vor Gericht wurde Barthélemy wegen Mordes angeklagt, kam aber mit einer Strafe wegen Totschlags davon. Nach wenigen Monaten gelangte er wieder auf freien Fuß. Ein Fehler, denn zwei Jahre später stand er wieder vor Gericht…wegen Mordes an seinem Arbeitgeber und an einem Mann, der ihn hindern wollte, den Schauplatz des Verbrechens zu verlassen. Dieses Mal kam Barthélemy aber nicht so glimpflich davon. Er wurde zum Tod durch den Strang verurteilt; ausgeführt am 22. Januar 1855 im Gefängnis von Newgate. Wäre es ein Trost für Emmanuel Barthélemy gewesen, wenn er gewusst hätte, dass man ihn in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett eine Zeit lang zur Schau gestellt hat?

Im Jahr 2010 wurde ein zwölfminütiger Film mit dem Titel „Le dernier duel“ produziert, in dem das Geschehen von Englefield Green noch einmal nachvollzogen wurde.

The Barley Mow in Englefield Green.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Birtley (Tyne and Wear) – Eine Stadt im Norden Englands, in der sich einmal viele Belgier niedergelassen hatten

Das Stadtzentrum von Birtley.    © Copyright Oliver Dixon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Stadtzentrum von Birtley.
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Am 4. August 1914 überfielen deutsche Truppen das neutrale Nachbarland Belgien und gingen dabei mit großer Brutalität vor. Allein im Monat August wurden mehr als 5000 Zivilisten getötet. Die Folge war eine große Fluchtwelle, die auch Großbritannien mit einbezog; rund 250 000 Belgier flüchteten über den Ärmelkanal und fühlten sich dort während des Ersten Weltkriegs sicher. Überall im Land entstanden Siedlungen, die für die belgischen Flüchtlinge erbaut wurden. Eine davon fand sich am Rand der Stadt Birtley, die damals zum County Durham gehörte, heute zum Metropolitan County Tyne and Wear. Wer die A1 nach Norden fährt, kommt direkt an Birtley vorbei; Antony Gormleys Angel of the North liegt nördlich des Ortes.

Die belgische Siedlung wurde damals Elisabethville genannt, nach Elisabeth Gabriele Valérie Marie Herzogin in Bayern, der Frau des belgischen Königs Albert I. Mehrere Tausend Flüchtlinge ließen sich hier nieder in einer Art „gated community“, in der es eine eigene Schule, eine Kirche, ein Krankenhaus, ein Postamt und mehrere Läden gab. Neben der Siedlung, oder Kolonie, wie Elisabethville auch genannt wurde, stand eine große Munitionsfabrik, in der viele der belgischen Flüchtlinge arbeiteten, denn es herrschte Personalmangel, da viele Männer aus Birtley und Umgebung als Soldaten abberufen worden waren. Neben der schweren Arbeit in der Fabrik fanden viele noch die Zeit, sich in Elisabethville kulturellen und sportlichen Aktivitäten zu widmen, und so gründete man u.a. ein Sinfonieorchester, Theatergruppen, einen Fußballverein und einen Schwimmclub.

Als der Erste Weltkrieg im Jahr 1918 zu Ende ging, war auch mit Elisabethville bald Schluss, denn die Belgier wollten so schnell wie möglich in ihre Heimat zurück. Zurück blieb eine Geisterstadt, in deren Häuser sich einige Obdachlose niederließen. Heute erinnert fast nichts mehr an die kurzlebige belgische Kolonie, die komplett abgerissen und durch neue Sozialbauten ersetzt wurde. Nur zwei Straßennamen in Birtley weisen noch auf diese Zeit im Ersten Weltkrieg hin: Die Elisabeth Avenue und der kurze Flanders Court.

Dieser Film erzählt die Geschichte der Birtley Belgians.

Der größte Arbeitgeber in Birtley ist heute die Firma Komatsu, die hier schwere Baumaschinen herstellt.

Das Buch zum Artikel:
John G. Bygate: Of Arms and the Heroes – The Story of the „Birtley Belgians“. History of Education Project 2006. 200 Seiten. ISBN 978-1870268448.

Birteys größter Arbeitgeber heute: Die Firma Komatsu.    © Copyright Barbara Carr and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Birtleys größter Arbeitgeber heute: Die Firma Komatsu.
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Published in: on 18. Januar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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St Michael’s Mount in Cornwall – Geplanter Wohnsitz des NS-Außenministers Joachim von Ribbentrop

St Michael's Mount bei Marazion in Cornwall.   © Copyright Mack McLane and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Michael’s Mount bei Marazion in Cornwall.
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Joachim von Ribbentrop (1893-1946) war von 1936 bis 1938 Botschafter des Deutschen Reichs in London. In diesen Jahren hatte er eine besondere Vorliebe für die Grafschaft Cornwall entwickelt, in die er mehrfach reiste. Seine Lieblingsorte waren das Tregenna Castle bei St Ives und St Michael’s Mount bei Marazion. Schon als Kind und als Heranwachsender besuchte er die Grafschaft im Südwesten Englands und Ribbentrop galt lange als anglophil. Während seiner Zeit als Botschafter genoss er in England ein gewisses Ansehen und war häufig Gast bei einflussreichen Persönlichkeiten. Ein besonderer Wesenszug des Mannes war seine Großspurigkeit und Arroganz. Bei einem seiner Besuche in Cornwall, nicht lange vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, soll er doch tatsächlich gesagt haben, dass, sobald Deutschland die Weltherrschaft übernommen hätte, er seinen Wohnsitz nach St Michael’s Mount verlegen würde, denn Hitler hätte ihm nach der Eroberung Großbritanniens für seine Loyalität Cornwall versprochen. Die Reaktion der Anwesenden kann man sich vorstellen.

Joachim von Ribbentrop wurde nach seiner Zeit als Botschafter in Großbritannien Außenminister der nationalsozialistischen Diktatur. Bei den Bombenangriffen deutscher Flugzeuge in England sollten bestimmte Regionen in Cornwall ausgespart werden, auf Anweisung Ribbentrops. Er wollte nicht, dass seine geplanten Wohnsitze dort zerstört wurden.  Glücklicherweise kam es weder zu einer deutschen Weltherrschaft noch zu einer Eroberung Großbritanniens, so dass Ribbentrop seine Pläne mit ins Grab nehmen musste; er wurde bei den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt und im Oktober 1946 hingerichtet.

St Michael’s Mount wird vom National Trust verwaltet und ist seit Mitte des 17. Jahrhunderts der Familiensitz der St Aubyns. Das Tregenna Castle bei St Ives, das sich Ribbentrop als Feriendomizil „reserviert“ hatte, ist heute eine große Hotel- und Apartmentanlage mit einer sehr schönen Aussicht auf die Bucht wie dieser Film zeigt.

Das Buch zum Artikel:
Andrew Lanyon: Von Ribbentrop in St Ives. Dolam Scott 2011. 100 Seiten. ISBN 978-1905553761.

Tregenna Castle.    © Copyright Andy F and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Tregenna Castle.
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Joachim von Ribbentrop. Attribution: Bundesarchiv, Bild 102-18083. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany license.

Joachim von Ribbentrop (1893-1946).
Attribution: Bundesarchiv, Bild 102-18083.
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Die Tewkesbury Battlefield Society und ihr Kampf um ein Schlachtfeld

The Bloody Meadow, Teil des Schlachtfeldes von Tewkesbury.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Bloody Meadow, Teil des Schlachtfeldes von Tewkesbury.
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Am 4. Mai 1471 fand bei der Stadt Tewkesbury in Gloucestershire eine Schlacht statt, bei der die Truppen des Hauses Lancaster  auf die Truppen des Hauses York trafen. Die Yorkisten zogen aus dieser blutigen Schlacht innerhalb der Rosenkriege als Sieger hervor. Die Kampfhandlungen spielten sich in ummittelbarer Nähe der Tewkesbury Abbey ab und noch heute heißt ein Teil des Terrains „Bloody Meadow„. Beim jährlich stattfindenden Tewkesbury Medieval Festival (ich berichtete in meinem Blog darüber) wird die Schlacht von 1471 noch einmal nachgestellt.

Es ist nicht mehr allzuviel vom Battlefield übriggeblieben. Teile davon sind bebaut worden und die restlichen Felder sind in der Hand des Tewkesbury School Funds. 2013 sollten diese verkauft werden und das rief die Tewkesbury Battlefield Society auf den Plan, deren Zieles es ist „to preserve, promote and interpret the history, archaeology and natural history of the sites associated with the battle for the present and future generations“. Die Gesellschaft fürchtete, dass die Felder des ehemaligen Schlachtfeldes in die Hände von Bauunternehmern fallen würden, die darauf Häuser errichten könnten. Also beschloss die Tewkesbury Battlefield Society selbst ein Kaufgebot abzugeben, nachdem sie binnen kurzer Zeit die Summe von 135 000 Pfund zusammengebracht hatte. Doch die entstandene Euphorie fiel bald wieder in sich zusammen, denn die Verantwortlichen des Tewkesbury School Funds weigerten sich plötzlich, nach Rücksprache mit ihren Anwälten, die Grundstücke an die Gesellschaft zu verkaufen, aus juristischen Gründen wie es hieß. Die Battlefield Society ließ nicht locker und erhöhte ihr Angebot noch einmal um 30 000 Pfund, doch ohne Erfolg; das Kaufangebot wurde zurückgezogen.
Die mutigen Damen und Herren starteten noch einmal einen letzten Versuch, indem sie in der Stadt Tewkesbury, deren Bürger mehrheitlich für den Erhalt des Schlachtfeldes sind, eine Petition in Umlauf brachte, mit dem Ziel, diese der Stadtverwaltung vorzulegen, damit sie eine sogenannte „compulsory purchase order“ erlässt, das ist eine in Großbritannien rechtlich zulässige Zwangsenteignung. Ob das funktioniert, bleibt abzuwarten.

Seit 2013 erinnert eine hölzerne Skulpturengruppe an die Schlacht von Tewkesbury, die aus zwei Pferden besteht. Auf dem einen Pferd sitzt ein Ritter, der die siegreichen Yorkisten verkörpert, das andere Pferd ist reiterlos und stellt die besiegten Lancastrians dar. Die Tewkesbury Battlefield Society hatte diese Skulpturen bei dem Künstler Phil Bews in Auftrag gegeben, und ich finde die Figuren sehr gelungen. „The Arrivall“ wird dieses Kunstwerk genannt. Zu finden ist es am Rande des ehemaligen Schlachtfeldes an der A38 südlich von Tewkesbury am Stonehills Roundabout.

Der siegreiche Ritter der Yorkisten am Stonehills Roundabout.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der siegreiche Ritter der Yorkisten am Stonehills Roundabout.
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Das reiterlose Pferd eines gefallenen Ritters der Lancastrians am Stonehills Roundabout.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das traurige, reiterlose Pferd eines gefallenen Ritters der Lancastrians am Stonehills Roundabout.
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Published in: on 3. Oktober 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Missing Princes Project – Auf der Suche nach den wahren Mördern der Söhne Edwards IV

Der Tower of London; hier wurden die beiden Prinzen das letzte Mal gesehen.   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Tower of London; hier wurden die beiden Prinzen das letzte Mal gesehen.
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Die schottische Historikerin Philippa Langley hat ein Händchen für das Aufspüren historischer Persönlichkeiten. Erst fand sie die sterblichen Überreste Richards III. unter einem Parkplatz in der Stadt Leicester und sorgte dadurch dafür, dass der umstrittene König nun seine letzte Ruhestätte in der Kathedrale der Stadt gefunden hat, und nun geht sie ein neues Projekt an, durch das sie beweisen möchte, dass King Richard zu Unrecht einen so schlechten Ruf genießt und er nicht der Mörder seiner beiden Neffen ist.

Die Richard III Society hat viele tausend Mitglieder, die in der ganzen Welt zu finden sind. Ihr Ziel: „The Society aims to promote, in every possible way, research into the life and times of Richard III, and to secure a reassessment of the material relating to this period, and of the role of this monarch in English history“. Philippa Langley, eines der aktivsten Mitglieder der Gesellschaft, hat nun mit dem The Missing Princes Project ein weiteres ehrgeiziges Ziel in Angriff genommen und genießt dabei die volle Unterstützung der Richard III Society.

Was war 1483 geschehen? Die beiden Söhne König Edward IV, der 12jährige Edward V und der 9jährige Richard of Shrewsbury, waren in diesem Jahr im Londoner Tower untergebracht und verschwanden von dort spurlos. Sie sind zweifellos ermordet worden, denn sie standen mehreren hochrangigen Personen im Weg. Hauptverdächtiger war ihr Onkel Richard III, und ob er tatsächlich der Auftraggeber für die Morde war, darüber streiten sich die Historiker noch heute. In ihrem The Missing Princes Project geht Philippa Langley nun diesem geheimnisumwitterten Fall nach und will dabei jeder noch so kleinen Spur folgen, in Archiven nach noch unveröffentlichten Dokumenten suchen und mit Hilfe der Richard III Society-Mitglieder den Fall endgültig lösen.

Im Polizeijargon spricht man von einem „Cold Case“ und mit kriminalpolizeilichen Untersuchungsmethoden soll die Lösung des Falles der ermordeten Prinzen gefunden werden, auch unter Hinzuziehung von Experten wie Profilern und Forensikern. Die Untersuchung beginnt ganz von vorn, alle Gerüchte, die sich im Laufe der Jahrhunderte gebildet haben, werden beiseite geschoben, nur Fakten zählen. Käme der Fall heute vor Gericht, so ein US-amerikanischer Strafverteidiger, würde keine Jury der Welt Richard III verurteilen, denn es liegen keinerlei Beweise gegen ihn vor, niemand sah ihn auf frischer Tat, alles beruht nur auf Hörensagen und Vermutungen.

The Missing Princes Project könnte viele Jahre in Anspruch nehmen (die Suche nach den Überresten Richards III dauerte zehn Jahre). Für ihre bisherigen Arbeiten wurde Philippa Langley von der Queen mit dem Orden Member of the Most Excellent Order of the British Empire (MBE) ausgezeichnet. Über den Fortgang des neuen Projektes kann man sich auf ihren Webseiten bzw. auf Revealing Richard III informieren.

Dieser Film zeigt die historischen Zusammenhänge um die beiden Prinzen im Tower.

Das Buch zum Artikel:
Bertram Fields: Royal Blood – King Richard III and the Mystery of the Princes. The History Press 2006. 352 Seiten. ISBN 978-0750943901.

Die letzte Ruhestätte Richard III in der Kathedrale von Leicester.   © Copyright Julian P Guffogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die letzte Ruhestätte Richard III in der Kathedrale von Leicester.
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Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

 

Published in: on 28. September 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Stowmarket Gun Cotton Explosion am 11. August 1871 – Eine Tragödie in Suffolk

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Die Arbeit in Munitions- und Pulverfabriken war schon immer ziemlich gefährlich. In meinem Blog berichtete ich früher einmal über die gewaltige Explosion, die sich am 2. April 1916 in einer dieser Fabriken in Uplees bei Faversham in Kent ereignete, bei der 109 Menschen ums Leben kamen. 45 Jahre früher, am 11. August 1871 spielte sich eine ähnliche Tragödie in Stowmarket in der Grafschaft Suffolk ab.

Die Stowmarket Gun Cotton Works wurden 1863 gebaut, um durch chemische Prozesse Treibmittel für Feuerwaffen herzustellen. Am frühen Nachmittag kam es an jenem Augusttag zu zwei gewaltigen Explosionen, die den ganzen Ort Stowmarket erschütterten und einen Krater in den Boden rissen, der 30 Meter im Durchmesser maß und drei Meter tief war. Noch in fünfzig Kilometern Entfernung war die Explosion zu hören, die in einem Umkreis von sechs Kilometern Fensterscheiben zu Bruch gehen ließ und zahlreiche Häuser schwer beschädigte.
Doch viel schlimmer als die Sachschäden waren die zu beklagenden Opfer. 28 Menschen wurden getötet und 75 verletzt, unter den Opfern waren auch zwei Mitglieder der Familie, die die Fabrik besaß.

Was war die Ursache der Explosion, fragte man sich damals? Konnte es sein, dass die an diesem Tag recht hohen Temperaturen dazu beigetragen haben? Oder war vielleicht Sabotage im Spiel? Auch diese Möglichkeit wurde in Betracht gezogen. Aber auch die ausgesetzte Belohnung von 100 Pfund zur Ermittlung der Ursache des Unglücks trug nicht dazu bei, das bis heute ungeklärte Rätsel zu lösen.

Auf dem Gelände der Stowmarket Gun Cotton Works an der Needham Road, das mehrfach den Besitzer wechselte, wurden bis zum Ersten Weltkrieg weiterhin Explosivstoffe hergestellt, anschließend Industrielacke und Farben. Der heutige Besitzer ist die US-amerikanische Firma PPG Industries, die hier Autolacke produziert.

Erst im Jahr 2014 wurden die Opfer der Katastrophe mit einer Gedenkplakette auf dem Old Cemetery von Stowmarket geehrt, auf der die Namen von 23 Opfern eingraviert sind; die fünf weiteren sind auf anderen Friedhöfen beigesetzt worden.

Newton Abbot (Devon) im Zweiten Weltkrieg – Ziel vieler deutscher Bombenangriffe

Newton Abbot Railway Station, Ziel der Angriffe vom 20. August 1940.   © Copyright Mike Crowe and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Newton Abbot Railway Station, Ziel der Angriffe vom 20. August 1940.
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Newton Abbot, eine Kleinstadt am südöstlichen Rand des Dartmoors in Devon gelegen, war im Zweiten Weltkrieg mehrfach das Angriffsziel deutscher Bombenflugzeuge; man spricht von 65 Angiffen, bei denen 22 Menschen ums Leben kamen und 90 verletzt wurden. Warum gerade Newton Abbot in der tiefen Provinz im Südwesten des Landes?

Die Stadt lag an einer wichtigen Eisenbahnlinie, die London und mehrere Militärstützpunkte mit Plymouth verband, deren Naval Dockyards eine strategische Bedeutung hatten, und genau diese Schienenverbindung wollten die deutschen Bomberbesatzungen zerstören und unterbrechen.

Am 20. August 1940 erlebte die Stadt die schwersten Angriffe, bei denen 15 Zivilisten, die sich gerade auf dem Bahnhof aufgehalten hatten, getötet und viele Menschen verletzt wurden. Zu den Opfern zählten auch zwei Kinder, die sechsjährige Dilys Adams und der neunjährige Kenneth Maunder. Der Bahnhof war das eigentliche Ziel, doch auch die umliegenden Straßen wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Sachschaden war groß mit vielen zerstörten Lokomotiven und Eisenbahnwagen. Die deutsche Besatzung der Flugzeuge warf nicht nur Bomben ab, sondern setzte zusätzlich noch Maschinengewehre ein. War das wirklich nötig? Hätte man nicht stattdessen die Schienen außerhalb des bewohnten Gebiets zerstören können? Es war doch eigentlich klar, dass bei den Angriffen hauptsächlich Zivilisten zu Schaden kommen würden.

Nach diesem schrecklichen 20. August kam Newton Abbot aber nicht zur Ruhe; im Oktober, November und Dezember folgten weitere Bombenabwürfe und in den Jahren 1941 und 1942 ging es weiter. Am 17. Mai 1941 wurde ganz in der Nähe des Pen Inns (aus dem kürzlich eine Toby Carvery geworden ist) an der Torquay Road eine riesige Bombe abgeworfen, die glücklicherweise nur einen leichten Sachschaden hervorrief. Am 25. April 1942 gerieten die Straßen um den Devon Square bei einem nächtlichen Angriff in das Fadenkreuz der deutschen Bomber, wobei fünf Menschen getötet und viele Wohnhäuser und Geschäfte starke Schäden erlitten.
Kurz vor Weihnachten, am 20. Dezember 1942, flogen wieder deutsche Kampfflugzeuge über die Region, die das kleine Dorf Ipplepen bei Newton Abbot angriffen, wobei der Kirchturm von St Andrew’s zerstört wurde (warum??).

Hier am Pen Inn an der Torquay Road schlug eine besonders schwere Bombe ein.   © Copyright Scriniary and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier am Pen Inn an der Torquay Road schlug am 17. Mai 1941 eine besonders schwere Bombe ein.
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Diese Region um den Devon Square wurde am von deutschen Bmben getroffen.   © Copyright Robin Stott and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Diese Region um den Devon Square wurde am 25. April 1942 von deutschen Bomben getroffen.
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Der Kirchturm von St Andrew's in Ipplepen wurde stark beschädigt.    © Copyright Paul Hutchinson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Kirchturm von St Andrew’s in Ipplepen wurde am 20. Dezember 1942 stark beschädigt.
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Published in: on 12. August 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„Grandma Flew Spitfires“ – Eine Dauerausstellung im Maidenhead Heritage Centre

Ein Spitfire Girl. his artistic work created by the United Kingdom Government is in the public domain.

Ein Spitfire Girl.
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Das erste Mal wurde ich durch die Krimiserie „Inspector Barnaby“ auf die Air Transport Auxiliary (ATA) aufmerksam. In der Episode 99 „The Flying Club“ (dt. „Flieg, Mörder flieg“), über die ich in meinem Blog berichtete, steht die ATA im Mittelpunkt des Geschehens, eine Gruppe von Amateurpiloten (darunter über 160 Frauen) im Zweiten Weltkrieg, die Militärflugzeuge, meist im Inland, hin und her transportierten. Sie brachten zum Beispiel neue Flugzeuge von den Fabriken zu ihren Einsatzorten, reparierte Maschinen zurück zu den Flugplätzen oder Crews dorthin, wo sie gerade dringend benötigt wurden. Sie flogen u.a. Hawker Hurricanes, Lancasters und Spitfires, eigentlich alles, was die Royal Air Force im Einsatz hatte. Das White Waltham Airfield bei Maidenhead in Berkshire war das Hauptquartier der ATA (dort wurde auch die Inspector Barnaby-Folge gedreht) und in Maidenhead selbst, im Maidenhead Heritage Centre in der Park Street, kann man sich eine Dauerausstellung ansehen, die unter dem Titel „Grandma Flew Spitfires“ läuft und die sich mit dem Thema Air Transport Auxiliary beschäftigt. Hier hat man alles zusammengetragen, was man im ganzen Land finden konnte, als da sind Uniformen, Logbücher, Kartenmaterial, persönliche Erinnerungen, Zeitungsausschnitte und jede Menge Fotos.

Besonders der Einsatz der Pilotinnen war damals spektakulär und sie galten als die Glamour Girls der Lüfte; hübsche junge Frauen, die ihr Leben aufs Spiel setzten, um die ungewohnten Flugzeuge von A nach B zu transportieren. Es waren nicht nur britische Frauen; unter den fliegenden Damen waren auch einige aus den USA, Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika. Zahlreiche Bücher sind über sie geschrieben wurden wie „The Female Few: Spitfire Heroines of the Air Transport Auxiliary“ (The History Press 2012) von Jacky Hyams, einige Pilotinnen haben ihre Erlebnisse selbst niedergeschrieben wie Rosemary Du Cros in „ATA Girl: Memoirs of a Wartime Ferry Pilot“ (Muller 1983). Hier ist ein Film über die Spitfire Women.

Um noch einmal auf das Maidenhead Heritage Centre und die Ausstellung „Grandma Flew Spitfires“ zurückzukommen. Das Museum ist dienstags bis samstags von 10 Uhr bis 16 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei, die ATA-Ausstellung aber kostenpflichtig (£3.50).
Eine Besonderheit sei noch erwähnt: Im Haus gibt es einen Spitfire Simulator, in dem jedermann seine Flugkünste in diesem Jagdflugzeug des Zweiten Weltkriegs erproben kann. Ein 15minütiger Flug kostet £7.50. Wie das abläuft, zeigt dieser Film.

Maidenhead Heritage Centre
18 Park Street
Maidenhead SL6 1SL

Hier ist die Ausstellung zu sehen.   © Copyright John Raine and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier ist die Ausstellung zu sehen.
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Das White Waltham Airfield bei Maidenhead, früheres Hauptquartier der ATA.   © Copyright Stuart Logan and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das White Waltham Airfield bei Maidenhead, früheres Hauptquartier der ATA.
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RAF Bassingbourn in Cambridgeshire und ein peinlicher Zwischenfall im Zweiten Weltkrieg

Die Kasernen von Bassingbourn.    © Copyright Alan Kent and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Kasernen von Bassingbourn.
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Ganz in der Nähe von Wimpole Hall, über die ich vor wenigen Tagen in meinem Blog schrieb, liegt die ehemalige Luftwaffenstation RAF Bassingbourn in Cambridgeshire, die kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs gebaut wurde und dem RAF Bomber Command unterstellt war. Auch die US-amerikanische Eighth Air Force war hier stationiert.

Am 27. Mai 1940 wurde die Luftwaffenstation bombardiert, aber nicht etwa von deutschen Flugzeugen, sondern von einem aus den eigenen Reihen. Wie konnte es dazu kommen?

Am Abend des 27. Mai war ein Bomber der englischen Air Force in Yorkshire aufgestiegen, um im Schutz der Dunkelheit über die Nordsee nach Holland zu fliegen und dort einen Flugplatz zu bombardieren. Über dem Meer geriet die Besatzung in ein Gewitter, das den Kompass der Maschine so stark beeinflusste, dass der Pilot der Maschine nicht mehr wusste, wo er eigentlich war. Als unter ihm plötzlich eine große Flussmündung auftauchte, ging er davon aus, dass es sich dabei um den Rhein handeln müsse. Also flog er am Fluss entlang, und als er einen Flugplatz unter sich erblickte, warf er seine Bomben über ihm ab. Ein großer Fehler, denn durch den verrückt spielenden Kompass war das Flugzeug in die entgegengesetzte Richtung geflogen, also wieder zurück nach England, und was der Pilot für den Rhein hielt, war in Wirklichkeit die Themsemündung und der bombardierte Flugplatz war RAF Bassingbourn. Als der Flugzeugführer wieder gen Heimat fliegen wollte und die hollandische Küste partout nicht auftauchte, wurde ihm klar, dass da irgendetwas nicht stimmen konnte. Wo hatte er denn nun seine Bombenlast abgeworfen? Das wurde ihm mitgeteilt, als er seine Maschine wieder zum Heimatflughafen zurückgebracht hatte und man dort mit dem Luftfahrtministerium Kontakt aufnahm. In London war bereits bekannt, dass RAF Bassingbourn genau zu der Zeit, als angeblich ein holländischer Flugplatz angegriffen worden war, Ziel einer Bombenattacke war.
Der RAF-Pilot wurde aufgrund seines Fehlers degradiert und musste eine Menge Häme seiner Kollegen einstecken, die zum Beispiel ein Eisernes Kreuz bastelten, das sie ihm mit den besten Grüßen eines dankbaren Führers zuschickten.

Glücklicherweise kam bei dem Bombenabwurf über RAF Bassingbourn niemand zu Schaden und auch die Zerstörungen hielten sich sehr in Grenzen.

In den Jahren 2014/15 geriet Bassingbourn in die Schlagzeilen, als das Verteidigungsministerium libysche Soldaten zwecks Ausbildung in die Kasernen einquartierte. Die jungen Libyer machten das daneben liegende Dorf gleichen Namens und auch Cambridge unsicher, Vergewaltigungsvorwürfe wurden laut und von Disziplin unter den Soldaten konnte keine Rede sein. Ständig mussten sie wieder eingefangen werden, weil sie unerlaubt das militärische Gelände verlassen hatten.

Published in: on 5. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Richard Davenport-Hines: An English Affair – Sex, Class and Power in the Age of Profumo

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Anfang der 1960er Jahre erschütterte die sogenannte Profumo-Affäre die Grundfesten der britischen Politik. Harold McMillan war Premierminister, der das Land nach konservativen Leitlinien und althergebrachten moralischen Ansichten führte. Doch die Gesellschaft änderte sich. Der Historiker Richard Davenport-Hines hat in seinem Buch „An English Affair – Sex, Class and Power in the Age of Profumo“ diese Zeit und die Affäre um den damaligen Kriegsminister genauer unter die Lupe genommen.

Die Akteure:
John Profumo (1915-2006) – Secretary of State for War
Christine Keeler (geb. 1942) – Model, Tänzerin und „Good Time Girl“
Mandy Rice-Davis (1944-2014) – Keelers Freundin und ebenfalls Showgirl
Dr. Stephen Ward (1912-1963) – Arzt und Osteopath
Jewgenij Iwanow (1926-1994) – Marineattaché und Spion an der Botschaft der UdSSR in London
William Waldorf Astor, 3. Viscount Astor (1907-1966) – Geschäftsmann und Politiker

Die Affäre begann im Juli 1961 auf William Waldorf Astors Landsitz Cliveden (Berkshire), wo dessen Freund Dr Stephen Ward sich für längere Zeit in einem Cottage an der Themse einquartiert hatte. Zu einer Party oben im Haupthaus brachte Stephen Ward Christine Keeler mit, die dabei auf John Profumo traf. Er verliebte sich in das hübsche, 19jährige Mädchen und begann eine Affäre mit ihr. Brisant wurde die Beziehung der beiden, als herauskam, dass Christine  auch mit dem russischen Diplomaten Jewgenij Iwanow ins Bett ging. Hatte ihre Freundin Mandy Rice-Davis auch eine Affäre mit William Astor?
Nachdem die Beziehung des verheirateten John Profumo zu dem jungen Mädchen, das auch noch mehrere andere Liebhaber hatte, an die Öffentlichkeit kam, wies der Minister jegliche Schuld von sich, doch die Medien brachten ständig neue Beweise ans Tageslicht, sodass Profumo schließlich zugab, das Parlament und den Untersuchungsausschuss belogen zu haben. Er gab sein Amt auf und zog sich auf den Familiensitz der Profumos Avon Carrow bei Stratford-upon-Avon zurück.

Das war in kurzen Worten der Ablauf der in die Geschichte eingegangenen Profumo-Affäre. Richard Davenport-Hines‘ Buch beinhaltet aber weit mehr als nur die Wiedergabe dieses Skandals; er beleuchtet detailliert die britische Politik und die sich wandelnde Gesellschaft in den 1960er Jahren, geht auf die Bedeutung der Medien ein, beschäftigt sich mit den „Good Time Girls“ und wirft einen Blick auf die Rolle, die William Astor und sein Landsitz Cliveden in der Affäre spielen. In diesem Film zeichnet der Autor die Profumo-Affäre noch einmal nach.

Richard Davenport-Hines hat eine Fülle von Büchern geschrieben, von denen noch keines in deutscher Übersetzung vorliegt. Zuletzt erschien „Universal Man: The Seven Lives of John Maynard Keynes“ (2015).

Richard Davenport-Hines: An English Affair – Sex, Class and Power in the Age of Profumo. Harper Press 2013. 400 Seiten. ISBN 978-0-00-743584-5.

Wo alles begann und Profumo auf Christine Keeler traf: William Waldorf Astors Landsitz Cliveden in Berkshire.   © Copyright Roger and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wo alles begann und Profumo auf Christine Keeler traf: William Waldorf Astors Landsitz Cliveden in Berkshire.
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Das zum Cliveden Eastate gehörende Cottage um Ufer der Themse.   © Copyright Graham Horn and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das zum Cliveden Estate gehörende Cottage um Ufer der Themse, das Dr Stephen Ward gemietet hatte.
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Wimpole Mews im Londoner Stadtteil Marylebone. In diesem Haus wohnten Dr Stephen Ward und zeitwiese Christine Keeler und Mandy Rice-Davis.   © Copyright Anthony O'Neil and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

17 Wimpole Mews im Londoner Stadtteil Marylebone. In diesem Haus wohnten Dr Stephen Ward und zeitweise Christine Keeler und Mandy Rice-Davis.
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Published in: on 29. Juni 2016 at 02:00  Comments (2)  
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The D-Day Darlings – Interpretinnen von Hits aus dem Zweiten Weltkrieg

The White Cliffs of Dover, besungen von den D-Day Darlings.   © Copyright Oast House Archive and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The White Cliffs of Dover, besungen von den D-Day Darlings.
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Als sich 2014 der D-Day, also die Landung der Alliierten in der Normandie im Zweiten Weltkrieg, zum siebzigsten Mal jährte, hatten Stacey Wood, Katie Ashby und Emily Jane Brooks besonders viel zu tun, denn sie wurden als D-Day Darlings gut gebucht. Die drei Damen haben sich ganz der Musik verschrieben, die damals während des Krieges in Großbritannien sehr populär war, also Melodien von Vera Lynn, Judy Garland oder den Andrew Sisters. „Proudly keeping the wartime spirit alive“ ist das Motto der drei Sängerinnen und so ziehen sie denn von Stadt zu Stadt und präsentieren die alten Hits, die man in Deutschland wohl schon längst eingemottet hätte. Uniformiert oder in zeitgenössischer Kleidung trällern sie demnächst im Evesham Arts Centre, beim Afternoon Tea Dance im Hilton Hotel in Bracknell und beim Forties Weekend im Elgin Hotel in Blackpool.

2006 hatte sich das Trio formiert, ihre Musik fand Anklang und 2010 zogen die Damen mit dem Musical „The Songs That Won The War“ durch die Lande, das zu Beginn des Zweiten Weltkriegs spielt. Die D-Day Darlings arbeiten eng mit der British Legion zusammen, der sie Anteile ihrer Einnahmen durch Auftritte und Plattenverkäufe spenden.

Besonders beliebt sind zum Beispiel ihre Versionen des Vera Lynn-Songs „The White Cliffs of Dover„, „Boogie Woogie Bugle Boy“ der Andrew Sisters und Vera Lynns „There’ll Always Be An England„.

 

Hingham (Norfolk) – Von hier kamen die Vorfahren eines berühmten amerikanischen Präsidenten

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Das Dorfschild von Hingham in Norfolk, westlich von Norwich gelegen, zeigt einen wesentlichen Moment der Geschichte des Ortes: Die Abreise der Pilgrim Fathers mit Segelschiffen in Richtung Amerika. Im 17. Jahrhundert machten sich auch einige Bewohner aus Hingham auf den weiten Weg über den Ozean, um in der Neuen Welt ein neues Leben zu beginnen; unter ihnen ein gewisser Samuel Lincoln, der 1637 England verließ. Samuel war in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen und hatte das Weberhandwerk gelernt. Er sah für sich aber keine Zukunft in seinem Heimatland und hoffte in Amerika glücklicher zu werden. Dort hatte sich bereits sein älterer Bruder Thomas niedergelassen, in einem Ort im heutigen Massachusetts, der nach dem Heimatdorf Hingham benannt war.

Samuel Lincoln konnte in Amerika Fuß fassen, er heiratete und hatte elf Kinder. Aus dieser Linie stammte ein berühmter Nachkomme, der Abraham Lincoln hieß, am 12. Februar 1809 zur Welt kam und der zum 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden sollte. Nach etwas über vier Jahren Präsidentschaft, in der er die Sklaverei abschaffte, wurde er am 15. April 1865 im Ford’s Theatre in Washington D.C. von John Wilkes Booth erschossen.

Wahrscheinlich wäre die Geschichte der Vereinigten Staaten anders verlaufen, wenn es vor der Abreise des jungen Samuel Lincoln nicht zu Erbschaftsstreitigkeiten gekommen wäre, in die sein Vater verwickelt war. Samuels Großvater Richard Lincoln, ein wohlhabender Mann, hatte aus vier Ehen mehrere Kinder. Als Richard starb, vererbte er sein gesamtes Vermögen an seinen jüngsten Sohn Henry, Samuels Vater ging leer aus. Hätte er geerbt, wäre Samuel wahrscheinlich nie nach Amerika ausgewandert und es hätte nie einen Abraham Lincoln gegeben…

Noch heute hält man die Erinnerung an die Lincoln-Familie in Hingham aufrecht. In der Dorfkirche St Andrew’s ist in einer Wandnische die Büste von Abraham Lincoln eingelassen, die im Jahre 1919 vom US-Botschafter John W. Davis enthüllt wurde. Nicht weit von der Kirche entfernt, steht die 1977 erbaute Village Hall von Hingham, die nach Abraham Lincoln benannt wurde. Am Fairland Court hat sich Lincoln’s Tea and Coffee Shoppe etabliert; der Schriftzug über dem Laden ist sowohl von der britischen als auch von der amerikanischen Fahne eingerahmt. Das kleine Lokal hat sich allerdings nicht auf amerikanische Speisen spezialisiert.

Das amerikanische Gegenstück zu dem Dorf in Norfolk liegt direkt am Meer, südlich von Boston. In der Nähe der Kleinstadt Hingham, Massachusetts, findet man mehrere Orte, deren Namen ebenfalls an England erinnern wie Braintree, Weymouth und Dedham.

Abraham Lincolns Büste in der Kirche St Andrews.   © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Abraham Lincolns Büste in der Kirche St Andrew’s.
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Die Lincoln Village Hall in Hingham.   © Copyright Charles Greenhough and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Lincoln Village Hall in Hingham.
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Die „All-Time Charts“ der britischen Premierminister

Platz 1 der Charts: Robert Walpole, 1st Earl of Orford. This image is in the public domain due to its Age.

Platz 1 der Charts:
Robert Walpole, 1st Earl of Orford.
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Auf Platz 23 der ewigen Hitliste der am längsten dienenden Premierminister Großbritanniens steht der gegenwärtige Staatschef David Cameron, der am 11. Mai 2010 sein Amt antrat. Er hat gute Chancen noch einige Plätze weiter nach oben zu klettern und dabei Lord John Russell, Clement Attlee und John Major zu überholen.

Unangefochten und wohl unüberholbar auf Platz 1 steht Robert Walpole, 1st Earl of Orford (1676-1745), der erste Premierminister des Landes, der es auf 20 Jahre und 314 Tage brachte.

William Pitt the Younger (1759-1806) schaffte es in zwei Amtszeiten auch auf beachtliche 18 Jahre und 343 Tage und steht damit auf Platz 2 der Rangliste. Er war erst 24 Jahre alt, als er 1783 Premierminister wurde. In dem Film „Amazing Grace“ (dt. „Amazing Grace“) aus dem Jahr 2006 verkörperte ihn übrigens Benedict Cumberbatch.

Den dritten Rang nimmt Robert Banks Jenkinson, 2nd Earl of Liverpool (1770-1828) mit 14 Jahren und 305 Tagen ein. Er war damals 42 Jahre alt, also auch noch verhältnismäßig jung (David Cameron war bei Amtsantritt 43 Jahre alt).

Die einzige Frau, die es jemals geschafft hat, in die Phalanx der männlichen Premierminister einzubrechen, The Baroness Thatcher (1925-2013), steht auf Platz 7 der Charts mit 11 Jahren und 209 Tagen, zwei Plätze vor Tony Blair und fünf Plätze vor Sir Winston Churchill.

Interessant ist auch ein Blick ganz nach unten auf die Tabelle, denn da gibt es eine Handvoll Männer, die es nicht einmal ein ganzes Jahr durchgehalten haben wie zum Beispiel William Cavendish, 4th Duke of Devonshire (1720-1764), der es nur auf 225 Tage gebracht hat oder George Canning (1770-1827), der nach 119 Tagen im Amt verstarb.

Man ist unterschiedlicher Meinung in Großbritannien darüber, ob James Waldegrave, 2nd Earl Waldegrave (1715-1763) und William Pulteney, 1st Earl of Bath (1684-1764) überhaupt zu den Premierministern zählen oder nicht. Waldegrave versuchte vom 8. bis zum 12. Juni 1757 eine Regierungsmannschaft zusammenzustellen, was ihm nicht gelang, und so trat er nach fünf Tagen gleich wieder zurück.
Auch Pulteney scheiterte daran, eine Regierung zu bilden, doch er war schon nach etwas über 48 Stunden weg vom Fenster. Da es das Amt des Premierministers zu der Zeit offiziell noch nicht gab, ist es zweifelhaft, ob der erste Earl of Bath überhaupt in die All-Time Charts der PMs gehört.

Platz 2 der Charts: William Pitt the Younger. This work is in the public Domain.

Platz 2 der Charts:
William Pitt the Younger.
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Platz 3 der Charts: Robert Banks Jenkison. This work is in the public Domain.

Platz 3 der Charts:
Robert Banks Jenkinson, 2nd Earl of Liverpool.
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The Axmouth Landslip zu Weihnachten 1839

Hier ereignete sich der legendäre Erdrutsch im Jahr 1839.   © Copyright David Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier ereignete sich der legendäre Erdrutsch im Jahr 1839.
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Die Klippen an der Südküste von Dorset und Devon brechen immer mal wieder ein Stück ab, das ist dort nichts Außergewöhnliches. Aber was sich am Weihnachtstag des Jahres 1839 bei Axmouth (Devon) abspielte, war für die Anwohner schon sehr beängstigend. Schon Tage vorher bemerkten die Menschen, die in ihren Cottages oberhalb der Dowland Cliffs lebten, dass sich in den Hauswänden plötzlich Risse bildeten, die immer größer wurden. Der Boden, auf dem die Häuser standen, verschob sich, so dass die Haustüren nur noch mit Schwierigkeiten geöffnet werden konnten. Als dann in der Weihnachtszeit noch beunruhigende Geräusche dazu kamen, flohen die Leute aus ihren Cottages und brachten sich und einen Teil ihres Eigentums in Sicherheit. Dann geschah das, was als The Axmouth Landslip, manchmal auch The Bindon Landslip (nach einer Farm auf den Klippen benannt), in die Geschichtsbücher einging: Eine etwa 280 000 Quadratmeter große Fläche stürzte über 80 Meter in die Tiefe und riss einige der Cottages mit. Zum Glück kam niemand zu Schaden, da die Häuser alle verlassen worden waren. Ein ganzes Weizenfeld wurde verlagert, das wundersamerweise im folgenden Jahr geerntet werden konnte. Eines der Cottages war noch soweit intakt, dass man es eine Zeit lang als Tearoom verwendete, bevor ein besonders heftiger Sturm es später ins Meer riss. Dieser  Tearoom rentierte sich, denn der Klippenabriss erwies sich als Touristenmagnet. Viele kamen hierher, um sich das Naturereignis aus der Nähe anzusehen.

Auch die Geologen kamen auf ihre Kosten, denn der Abbruch war für sie sehr interessant. Schon 1840 veröffentlichten William Coneybeare und William Buckland eine wissenschaftliche Untersuchung, zu der William Dawson die Illustrationen anfertigte.

Queen Victoria wollte sich das Schauspiel auch nicht entgehen lassen und kam mit ihrer königlichen Yacht vorbei. Ein gewisser Ricardo Linter komponierte die „Landslide Quadrille“ – Das Unglück von Axmouth war damals das Gesprächsthema Nummer Eins.

Der Schriftsteller Sabine Baring-Gould (1834-1924) nahm The Axmouth Landslip als Hintergrund für seinen Roman“ Winifred: A Story of the Chalk Cliffs„, der im Jahr 1900 erschien.

Experten warnen immer wieder davor, dass sich etwas Vergleichbares jederzeit wieder an den Küsten von Dorset und Devon ereignen könnte.

   © Copyright Derek Harper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 21. April 2016 at 02:00  Comments (3)  
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