Uplees in der Grafschaft Kent, wo sich am 2. April 1916 eine der gewaltigsten Explosionen in der Geschichte Großbritanniens ereignete

Überreste der ehemaligen Munitionsfabriken.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Uplees ist ein kleines Dorf, das ein paar Kilometer nördlich von Faversham in der Grafschaft Kent liegt. Hier ereignete sich am 2. April 1916 um 14.20 Uhr eine der größten Explosionen der britischen Geschichte.
Zwei Firmen hatten sich hier auf dem gleichen Gelände in Uplees angesiedelt, die Cotton Powder Company und die  Explosives Loading Company. An jenem Tag im April, einem wunderschönen warmen Sonntag, hatten einige leere Säcke bei der Explosives Loading Company Feuer gefangen, was dazu führte, dass 15 Tonnen TNT und 150 Tonnen Ammoniumnitrat, die hier gelagert waren, explodierten. 109 Menschen kamen bei dieser gewaltigen Explosion ums Leben, viele wurden schwer verletzt.

Man hatte die Munitionsfabriken extra in dieser abgelegenen Region im nördlichen Kent gebaut, andernfalls hätte das Unglück sicher noch mehr Menschenleben gefordert. Die Druckwelle der Explosion war so stark, dass auf der gegenüberliegenden Seite der Themsemündung, in Southend-on-Sea, noch zahlreiche Fenster zu Bruch gingen und man den Explosionsknall noch in der Grafschaft Norfolk hören konnte.

Man hatte in der Fabrik zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um so ein Unglück zu vermeiden:  Die Schienen der Werksbahn bestanden aus Holz, um Funkenflug zu vermeiden; die Hufeisen der dort eingesetzten Pferde waren aus Messing statt aus Eisen; es gab eine eigene Werksfeuerwehr, die über große Mengen an Löschwasser verfügte, aber all das konnte das Unglück nicht verhindern.

Ein großer Teil der Opfer wurde auf dem Friedhof von Faversham in einem Massengrab beigesetzt.

Fast 100 Jahre sind vergangen. In dieser verlassenen Gegend von Kent werden schon lange keine Explosivstoffe mehr hergestellt und kaum noch etwas erinnert mehr an dieses schwere Unglück aus der Zeit des 1. Weltkriegs.

Hier, in einem Massengrab auf dem Friedhof von Faversham, ruhen viele der Opfer der Katastrophe von 1916.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 1. September 2022 at 02:00  Comments (1)  

Der Trafalgar Way und der 1805 Club

Eine Replika der HMS Pickle, mit der Lapenotière in Falmouth landete.
Photo © Martin Dawes (cc-by-sa/2.0)

Captain John Richards Lapenotière (1770–1834), ein Marineoffizier aus Ilfracombe in Devon, fiel die Aufgabe zu, nach der Seeschlacht von Trafalgar am 21 Oktober 1805, die Nachrichten vom Sieg der britischen Flotte und vom Tod Admiral Horatio Nelsons so schnell wie möglich an die Admiralität in London zu übermitteln. Nachdem Lapenotière mit seinem Schiff HMS Pickle in Falmouth in Cornwall gelandet war, machte er sich auf die rund 400 Kilometer lange Reise, die er in 37 Stunden bewältigte, wobei 21mal die Pferde gewechselt werden mussten. Am 6. November kam er erschöpft in London an und konnte seine Botschaften mit den Worten „Sir, we have gained a great victory. But we have lost Lord Nelson“ überbringen.

Zweihundert Jahre nach der Schlacht von Trafalgar und der schnellen Reise Lapotières von Falmouth nach London wurde der Trafalgar Way eingeweiht, in dem Her Royal Highness the Princess Royal in Falmouth eine Erinnerungstafel enthüllte, eine von vielen, die den Weg Lapotières nachvollziehen. Überall dort, wo die Pferdewechsel stattfanden, sind diese Tafeln angebracht, zum Beispiel am White Hart Hotel in Launceston (Cornwall), am The Bull Hotel in Bridport (Dorset), an der Guildhall in Andover (Hampshire), am Loch Fyne Restaurant in Egham (Surrey) und schließlich an der Londoner Admiralty in 26 Whitehall.
Hier ist ein Film über den Trafalgar Way.

Um den Trafalgar Way und seine Tafeln kümmert sich der 1990 gegründete 1805 Club, der sich auch um die Erhaltung der Denkmäler Horatio Nelsons und anderer Seefahrer der georgianischen Zeit (1714-1837) bemüht. Am 200. Todestag des Admirals führte der 1805 Club am Grab Nelsons einen Gedenkgottesdienst durch, bei dem auch eine direkte Nachkommin anwesend war und einen Kranz niederlegte. Weiterhin führt der Club Forschungen zur Seefahrtsgeschichte durch und veröffentlicht Bücher zu dem Thema.

An der Guildhall von Andover (Hampshire).
Photo © Chris Talbot (cc-by-sa/2.0)
Tafel am Loch Fyne Restaurant in der High Street von Egham (Surrey).
Photo © Sean Davis (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 11. August 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Semaphore Chain – Optische Nachrichtenübertragung von London nach Portsmouth im 19. Jahrhundert

Admiralty House in London.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

An der englischen Küste, speziell im Süden und im Osten, herrschte immer die Furcht vor einer Invasion fremder Mächte, ob das nun Spanien, Frankreich oder später in den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts Deutschland war. Ende des 18. Jahrhunderts bestand eine Bedrohung von französischer Seite. Wie sollte man da bei der Sichtung französischer Kriegsschiffe an der Küste Kontakt zur weit entfernten Admiralität in London aufnehmen, damit diese über entsprechende Maßnahmen entscheidet?

1795 begann die englische Marine mit dem Bau eines optischen Nachrichtenübertragungssystems zwischen London und Portsmouth, bei dem auf Gebäuden bewegliche Arme aufgestellt wurden, mit deren Hilfe man Nachrichten weiterleiten konnte. Dieses nach einem französischen Vorbild von Sir George Murray entwickelte System wurde 1822 durch das Semaphorensystem ersetzt, das der Marineoffizier Home Riggs Popham erfunden hatte.

The Semaphore Chain bestand aus 15 Stationen, die Endpunkte waren das Admiralitätsgebäude in Londons Whitehall und das Semaphore Building in Portsmouth. Nachrichten konnten auf der 108 Kilometer langen Strecke binnen 15 Minuten übertragen werden, eine für damalige Verhältnisse erstaunliche Leistung.

Das Admirality House in London wird heute noch von der britischen Regierung benutzt, dient aber anderen Zwecken. Das ursprüngliche Semaphore Building in Portsmouth fiel einem Brand zum Opfer, wurde aber 1913 neu errichtet. Es liegt auf dem Gelände der Marinebasis und ist nicht zugänglich. Die verbliebenen Gebäude zwischen den Endpunkten, die für die Semaphoren verwendet wurden, befinden sich heute in Privatbesitz; der Chatley Heath Semaphore Tower an der M25 in Surrey, gehört dem Landmark Trust und wird an Urlauber vermietet.

The Semaphore Building in Portsmouth.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)
Chatley Heath Semaphore Tower in Surrey.
Photo © Alan Hunt (cc-by-sa/2.0)

Das Bosworth Battlefield bei Market Bosworth in Leicestershire – Hier kam König Richard III. ums Leben

Eigenes Foto.
Eigenes Foto.

Am 22. August 1485 stießen in der Nähe der kleinen Stadt Market Bosworth in Leicestershire die Heere von König Richard III. und Heinrich Tudor, Earl of Richmond, dem späteren König Heinrich VII. von England, aufeinander. Der Kampf endete mit dem Tod Richards III., der somit der letzte englische König ist, der in einer Schlacht fiel.

Wie ich schon in einem früheren Blogeintrag schrieb, ist meine Frau Mitglied der englischen Richard III Society; und so war ein Besuch des Schlachtfeldes unumgänglich. Fast alle früheren Schlachtfelder bestehen heute aus Wiesen und Feldern, einige sind bebaut worden und ab und zu findet man ein kleines Denkmal, das auf die historischen Ereignisse an dieser Stelle hinweist.

Nicht so beim Bosworth Battlefield! Hier findet man das Bosworth Battlefield Heritage Centre and Country Park. Hier kann man unter anderem Hochzeiten und Kinderpartys feiern, im Tithe Barn Café essen, und natürlich darf der unvermeidliche „Gift Shop“ auch nicht fehlen.

Um sich ein Bild von der Schlacht machen zu können, gibt es den Battlefield Trail, ein Fußweg, der 2,5 Km durch das Gebiet führt, in dem vor mehr als 500 Jahren viele Menschen den Tod fanden. Wir sind den Trail auch gegangen; er ist sehr interessant aufbereitet mit zahlreichen Hinweisen auf die Schlachtformationen. Auch der Ort an dem Richard III. umgekommen sein soll, ist markiert.
Eine umfangreiche Ausstellung mit archäologischen Funden ist im Besucherzentrum zu sehen.
Wer sich für Richard III.,  Heinrich VII und die Rosenkriege interessiert, kommt hier voll auf seine Kosten.
Mein Souvenir-Tipp: Das ‚Let Battle Commence‘-Ale der Tunnel Brewery in Nuneaton (Warwickshire), ein spezielles Bier, nach mittelalterlichen Rezepten gebraut.

Hier ist ein Film über die Schlacht von Bosworth.

Bosworth Battlefield Heritage Centre and Country Park
Sutton Cheney
Nr. Market Bosworth
Nuneaton
Leicestershire
CV13 0AD

Eigenes Foto.
Eigenes Foto.
Eigenes Foto.
Eigenes Foto.
Published in: on 12. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Nelson’s Blood – Ein Seemanslied und ein hochprozentiges Getränk

Horatio Nelson (Gemälde von Lemuel Francis Abbott.
This work is in the public domain 

Nachdem ich gestern über The Lord Nelson-Pub in Norfolks Burnham Thorpe berichtet habe, bleibe ich heute noch einmal bei dem berühmten Admiral, der sein Ende in der Schlacht von Trafalgar gefunden hatte. Sein Leichnam sollte auf jeden Fall in sein Heimatland überführt werden (er hat seine letzte Ruhestätte in Londons St Paul’s Cathedral), aber wie das bewerkstelligen, da sein Körper ja in irgendeiner Form vor der Verwesung geschützt werden musste und die Strecke von Trafalgar bei Cadiz in Südspanien nach England sehr lang war? Da entsprang die Idee, den Leichnam in Hochprozentiges „einzulegen“, und so kam eines der Rumfässer an Bord des Schiffes HMS Victory gerade recht. Also wurde der Admiral in ein Fass Rum gesteckt. Ob die nun folgende Geschichte stimmt oder nicht, sei dahingestellt. Bei der Ankunft in England soll das Fass so gut wie leer gewesen sein; durch ein kleines angebohrtes Loch sollen sich die Matrosen an Bord sich an dem Rum vergangen haben; aus Verehrung des Admirals, aus Durst?

Das Seemanslied „A Drop of Nelson’s Blood“ bezieht sich auf diese Geschichte („A drop of Nelsons blood, wouldn’t do us any harm“), hier in der Version der Fisherman’s Friends aus Port Issac zu hören.

Man kann das Blut des Admirals auch heute noch trinken in Form von Pusser’s Nelson’s Blood, einem 40%igen Rum, benannt nach dem „pusser“, dem purser, der an Bord der früheren Navy-Schiffe verantwortlich für die Ausgabe der täglichen Rumration war. Pusser’s Nelson’s Blood wird aus sechs verschiedenen Rumsorten von den British Virgin Islands, Trinidad und Guyana hergestellt.

Das Grabmal des Admirals in Londons St Paul’s Cathedral.
Photo: mhx
Creative Commons 2.0
Published in: on 28. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Jamie Douglas-Home: Stately Passions – The Scandals of Britain’s Great Houses

Foto meines Exemplares.

„What the Butler Saw“ war der Name einer „amusement machine“, die in englischen Seebädern zu finden war (siehe dazu meinen Blogeintrag). Was die Butler in den Landsitzen des englischen Adels (durch die Schlüssellöcher) zu sehen bekamen, ging weit über dieses harmlose Vergnügen hinaus. Jamie Douglas Home hat sich in seinem Buch „Stately Passions – The Scandals of Britain’s Great Houses“ dieses Themas angenommen, und was er da zusammengetragen hat, verschlägt dem Leser doch streckenweise die Sprache.

Der Autor hat sich die Bewohner von 13 Landsitzen vorgenommen und über deren Liebesleben recherchiert. Da gab es unendlich viele Männer, die, zwar verheiratet, mehr oder weniger ihrem eigenen Geschlecht zugeneigt waren, und ihre Ehefrauen sexuell sehr vernachlässigten. Dann gab es die Adeligen, die ebenfalls verheiratet waren, aber ihre Ehefrauen links liegen ließen, weil sie mit ihren Mätressen alle Hände voll zu tun hatten, mit denen auch Kinder zeugten. Manchmal wusste man gar nicht mehr, wem die gezeugten Kinder zuzuordnen waren.

Zwei Beispiele gefällig? Sandringham House in Norfolk kennt man meist durch gefällige Bilder zur Weihnachtszeit, wenn die königliche Familie dort das Fest feiert und zur Kirche geht. Einer der früheren Bewohner, Albert Edward, Prince of Wales, der spätere König Edward VII (1841-1910), war mit Alexandra von Dänemark verheiratet, gestattete sich aber unzählige Mätressen und scheute auch nicht davor zurück, die Frauen ihren Ehemännern abspenstig zu machen. Lillie Langtry, die Countess of Warwick Daisy Greville und Alice Keppel sind die bekanntesten Damen, die es mit der ausgeprägten Libido des Prinzen zu tun bekamen, die Beziehung aber wohl auch genossen.

Sissinghurst Castle in Kent, heute wegen seiner Gärten fester Bestandteil einer jeden Südengland-Busrundreise für Touristen, gehörte in den 1930er Jahren dem Ehepaar Harold Nicolson und Vita Sackville West. Beide orientierten sich sexuell aber auch hin zu dem jeweils eigenen Geschlecht. So entstand eine wilde leidenschaftliche Affäre zwischen Vita und ihrer Geliebten Violet Trefusis, Tochter oben genannter Alice Keppel, die ebenfalls verheiratet war. Harold Nicolson kämpfte zwar um seine Ehe, hatte aber trotzdem nebenbei Affären mit anderen Männern laufen.

Weitere Schauplätze von Skandalen des englischen Adels, die in diesem Buch behandelt werden, sind unter anderem Chatsworth, Brocket Hall, Hampton Court und Cliveden.

Wem der Nachname des Autors, Douglas-Home, irgendwie bekannt vorkommt. Er ist der Neffe des ehemaligen Premierministers Sir Alec Douglas-Home, der dieses Amt von 1963 bis 1964 ausübte.

Ein ähnlich gelagertes Buch stellte ich in meinem Blog schon einmal vor: „Through the Keyhole: Sex, Scandal and the Secret Life of the Country House“ von Susan C. Law.

Jamie Douglas-Home: Stately Passions – The Scandals of Britain’s Great Houses. Michael O’Mara Books 2006. 272 Seiten. ISBN 978-1-84317-154-6.

Sandringham House in Norfolk.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)
Sissinghurst Castle in Kent.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 13. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Accrington Pals – Eine tragische Geschichte aus dem Ersten Weltkrieg

Gedenkstein vor St James‘ in Accrington.
Photo © Robert Wade (cc-by-sa/2.0)

Im Ersten Weltkrieg bestand die Möglichkeit, dass junge Männer aus einer Stadt oder aus einer Region zusammen in den Krieg zogen, was es ihnen vielleicht etwas leichter machte und möglicherweise auch die Motivation steigerte. „Pals Battalions“ wurden diese militärischen Verbände genannt. Einer davon waren die Accrington Pals, das 11. Battalion, das sich aus Männern aus der Stadt Accrington in Lancashire und Umgebung zusammensetzte. Zuerst wurden sie zur Verteidigung des Suezkanals eingesetzt, anschließend kam der Einsatzbefehl nach Frankreich, wo sie an die Somme abkommandiert wurden. Am 1. Juli des Jahres 1916 begann hier die Großoffensive der britischen und französischen Truppen gegen die Deutschen; die Schlacht an der Somme sollte eine der blutigsten des Ersten Weltkriegs werden. Bereits am ersten Tag starben fast 20 000 britische Soldaten.

Die 31. Division, zu der die jungen Männer aus Lancashire gehörten, erhielt den Auftrag, zu dem kleinen, von den deutschen Soldaten gehaltenen Dörfchen Serre-lès-Puisieux vorzustoßen, was auf der ganzen Linie misslang. Die britischen Truppen wurden von den deutschen Maschinengewehren regelrecht niedergemäht. Von den etwa 700 Accrington Pals, die an dem Tag im Einsatz waren, überlebten 235 nicht, 350 wurden verwundet, und das alles in dreißig Minuten. Schlimmer hätte es für die Männer aus Lancashire nicht kommen können; daheim in Accrington und Umgebung trafen nach und nach die schrecklichen Nachrichten von der Front ein. Ehemänner, Väter, Söhne wurden beweint; die Stadt hatte einen Teil einer Generation verloren.

Etwas außerhalb von Serre-les-Puisieux wurde der Sheffield Memorial Park angelegt, der an die Gefallenen der 31. Division erinnert, darunter auch ein Monument für die Accrington Pals, angefertigt aus Ziegelsteinen aus Accrington, für die die Stadt bekannt war.

Auch in ihrer Heimatstadt steht ein Gedenkstein vor der Kirche St James‘, der am 4. Juli 2004 enthüllt wurde.

Mike Harding hat ein bewegendes Lied über die Accrington Pals geschrieben; hier ist es zu hören.

Ein früherer Blogeintrag über Accrington ist hier zu finden.

Das Buch zum Artikel:
Andrew Jackson: Accrington’s Pals – The Full Story. Pen & Sword Military 2013. 271 Seiten. ISBN  978-1848844698.

Das Monument auf dem Sheffield Memorial Park.
With friendly permission of Andrew Jackson.
Published in: on 12. Januar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Christmas Truce – Der Weihnachtsfriede am Heiligen Abend 1914 im Ersten Weltkrieg

Memorial to the Christmas Truce 1914 im National Memorial Arboretum.
Photo © Martin Dawes (cc-by-sa/2.0)

Einer der bewegendsten Momente in den Grauen des Ersten Weltkriegs war, als am Heiligen Abend des Jahres 1914 an mehreren Teilen der Front die Soldaten auf beiden Seiten spontan ihre Gewehre weglegten, aus den Schützengräben herauskamen und gemeinsam Weihnachten feierten. Nachdem jede Seite für sich Weihnachtslieder angestimmt hatte und sich gegenseitig versichert hatte, nicht aufeinander zu schießen, tauschte man kleine Geschenke aus, stellte Weihnachtsbäume auf, rauchte Zigaretten miteinander, ja, man tauschte sogar Namen und Adressen miteinander aus. Die deutschen Soldaten bekamen Christmas Pudding angeboten, den die meisten sicher noch nie vorher probiert hatten. Spontan wurden Fußballspiele auf dem gefrorenen Boden ausgetragen, in Ermangelung an Fußbällen taten es auch Büchsen. Eines dieser Spiele fand in der Nähe des belgischen Dorfes Ploegsteert statt, wo Männer der Sächsischen Armee gegen die Argyll and Sutherland Highlanders spielten.

An einigen Teilen der Front beerdigten Soldaten aus beiden Lagern gemeinsam gefallene Kameraden. Am nächsten Tag wurde wieder aufeinander geschossen…leider nicht auf die, die für den Wahnsinn Erster Weltkrieg verantwortlich waren.

Einige Memorials erinnern an diesen denkwürdigen Heiligen Abend des Jahres 1914 wie das im National Memorial Arboretum bei Alrewas in Staffordshire und die von Andrew Edwards geschaffene Bronze „All Together Now“ auf dem Gelände der St Luke’s Church in Liverpool, die einen britischen und einen deutschen Soldaten zeigt, die sich gegenseitig die Hände reichen.

In diesem Musikvideo stellt die schwedische Band Sabaton den Weihnachtsfrieden 1914 nach.

„All Together Now“ auf dem Kirchhof von St Luke’s in Liverpool.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 24. Dezember 2021 at 02:00  Comments (3)  

Dunham Massey Hall (Greater Manchester) und die umstrittene Skulptur eines schwarzen Mannes

Photo © Peter Turner (cc-by-sa/2.0)

Im Zuge der Black Lives Matter Bewegung in den USA gerieten dort einige Denkmäler ins Fadenkreuz, die Personen darstellten, mit denen Teile der Bevölkerung nichts mehr zu tun haben wollten. Es ging hier überwiegend um das Thema Sklaverei.

Die Bewegung griff auch in Großbritannien um sich, und immer mehr Leute hinterfragten die Skulpturen, die hier schon seit Menschengedenken standen. Waren es diese Männer wirklich wert, in dieser Form geehrt zu werden? Für Schlagzeilen sorgte beispielsweise die gewaltsame Entfernung der Statue des Edward Colston am 7. Juni 2020 in Bristol (ich berichtete darüber in meinem Blog).

Für eine Kontroverse sorgte auch eine Figur vor dem Eingang zur Dunham Massey Hall (Greater Manchester), ein Anwesen bei Altrincham, das dem National Trust gehört. Die Skulptur zeigt einen knienden, schwarzen, halbnackten Mann, der auf seinem Kopf eine Sonnenuhr trägt. Seit dem frühen 18. Jahrhundert kniet der Mann schon hier, bei dem es sich um keinen Sklaven sondern einen „Mohren“ handeln soll. Sie wird dem englischen Bildhauer Andries Carpentière (1672-1737) zugeschrieben beziehungsweise dessen Lehrmeister John Nost. „Blackamoor“ wurde diese Kunstrichtung genannt, die immer schwarze Männer abbildete, oft in erniedrigender Art und Weise.

Im Juni 2020 entschied sich der National Trust, die Figur abzubauen, da sie zunehmend für Unmut sorgte und sie einer anderen Verwendung zuzuführen, die die Grausamkeiten des Sklavenhandels mit einbezieht. An der Stelle der Figur hat der National Trust eine Tafel aufgestellt, auf der er erklärt, warum der schwarze Mann mit der Sonnenuhr entfernt wurde.

Es gibt zwei Strömungen im Land: Die eine möchte alles entfernen, was noch an den Sklavenhandel erinnert, die andere betrachtet das Thema zwar als eine dunkle Seite der britischen Geschichte, meint aber, dass man das nicht einfach ausradieren kann, indem man Denkmäler entfernt, sondern dass man sich damit auseinandersetzen muss.

Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Der Queen Square in Bristol – Schauplatz einer der blutigsten Aufstände in der Geschichte Englands

Die blutige Schlacht im Queen Square.This image is in the public domain because its copyright has expired.
Die blutige Schlacht im Queen Square.
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Der Queen Square (benannt nach Queen Anne) liegt mitten im Zentrum von Bristol, ein ruhiger baumbestandener Platz, in dessen Mitte ein Denkmal König Williams III steht, das man hier 1736 errichtete. Umgeben ist der Platz heute überwiegend von Bürogebäuden, aus denen bei meinem letzten Besuch Scharen von Angestellten in die nahegelegenen Pubs und Cafés strömten, um dort in ihrer Mittagspause einen Lunch zu sich zu nehmen.

Kaum zu glauben, dass sich auf diesem friedlichen Queen Square im Oktober 1831 einmal enorm blutige Schlachten abgespielt haben, bei denen Hunderte getötet oder schwer verletzt wurden.
Ursache dieser Queen Square Riots war die Ablehnung des Reform Acts durch das Londoner Oberhaus. Dieses geplante neue Gesetz sollte den wachsenden Industriestädten Englands mehr Einfluss im Parlament geben und das Wahlrecht ausweiten. Zu jener Zeit durften lediglich fünf Prozent der Bevölkerung Bristols wählen. Einer der Hauptwidersacher des Reform Acts war Sir Charles Wetherell und als dieser im Oktober 1831 nach Bristol kam, um die Sitzungsperiode des Assize Courts zu eröffnen, entlud sich der Volkszorn gegen ihn. Man jagte ihn in das Mansion House am Queen Square, von wo aus er jedoch flüchten konnte.

Die Unruhen dauerten drei Tage an, in denen die Aufständischen über hundert Gebäude zerstörten, darunter auch das Mansion House und der Bischofspalast. Schließlich setzte man die 3rd Dragoon Guards unter der Führung von Thomas Brereton ein, um dem Spuk ein Ende zu bereiten, und das entwickelte sich zu einem fürchterlichen Gemetzel. Mit ihren Schwertern schlugen die Dragoner auf die rebellierenden Männer ein, mit den genannten verheerenden Folgen. Brereton bekam sogar die Anweisung, in die Menge zu schießen, was er aber ablehnte. Daraufhin stellte man ihn später vor ein Kriegsgericht; doch bevor ein Urteil gesprochen wurde, erschoss er sich.

Hier ist ein kleiner Schwenk über den Platz, den ich einmal aufgenommen habe.

Das Buch zum Artikel:
Peter Macdonald: Hotheads and Heroes – Bristol Riots of 1831. Petmac Publications 1996. 175 Seiten. ISBN 978-0952700951.

Der Queen Square heute.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)
Author: stevekiretsu.
Creative Commons 2.0
Statue Williams III.
Photo © Tom Jolliffe (cc-by-sa/2.0)

Barbara Villiers, 1st Duchess of Cleveland, Countess of Castlemaine – Amouröse Klatsch- und Tratschgeschichten vom königlichen Hofe Charles II.

Gemälde von Henri Gascar.
This work is in the public domain.

That Lady“ nannte man Barbara Villiers (1640-1709) am englischen Hof, eine Dame, die die Titel 1st Duchess of Cleveland und Countess of Castlemaine trug. Es gab auch noch andere Bezeichnungen für sie, die wesentlich drastischer waren. Barbara Villiers soll eine Schönheit gewesen sein, die einen ganz besonderen Sex Appeal ausstrahlte, dem nur wenige Männer widerstehen konnten. Auch König Charles II. verliebte sich auf der Stelle in die damals gerade achtzehnjährige Frau und hielt sie jahrelang als Mätresse. Sage und schreibe fünf Kinder (mindestens!) zeugte er mit ihr, es gab damals ja weder die Pille noch Kondome. Elf Generationen später sorgte ein Nachkomme der beiden weltweit für Schlagzeilen: Lady Diana, Princess of Wales.

Die Duchess of Cleveland war eine sexuell sehr aktive Frau und hatte viele Liebhaber, darunter adelige Häupter wie John Churchill, der erste Duke of Marlborough und Henry Jermyn, 3rd Baron Jermyn and 1st Baron Dover, aber auch ganz andere Typen wie den Seiltänzer Jacob Hall und den dubiosen Schauspieler Cardell Goodman, der versucht hatte, zwei ihrer Kinder zu vergiften.

Barbara Villiers war immer wieder für Überraschungen gut, so erzählte man sich am Hofe die Geschichte, dass sie einem Bischof beim Oralsex den Penis abgebissen haben soll. Es kursierte auch eine andere Version, nämlich die, dass die Duchess of Cleveland zwar jemandem den Penis abgebissen haben soll, aber keinem lebenden Bischof, sondern einem mausetoten mumifizierten Geistlichen aus dem 14. Jahrhundert. Welche Geschichte nun wirklich stimmt, wird sich heute wohl nur noch schwer klären lassen.

Am Hofe Charles II. tauchte eines Tages ein nur fünfzehn Jahre altes Mädchen auf, Lady Frances Stewart, das der berühmte Tagebuchschreiber Samuel Pepys als das schönste der Welt bezeichnete und das der König unbedingt in seinem Bett haben wollte. Die junge Dame aber widerstand allen royalen Annäherungsversuchen und fiel Barbara Villiers in die Hände, die sie für ihre Zwecke ausnutzte. Sie zelebrierte eine vorgetäuschte lesbische Hochzeit mit Lady Frances, um den König zu überzeugen, dass diese nicht auf Männer, sondern auf Frauen stand. Als auch diese Idee nichts brachte, und der König weiterhin Lady Frances den Hof machte, inszenierte die Duchess of Cleveland eine weitere Szene. Sie führte ihn in das Schlafzimmer des jungen Mädchens, wo die nackte Fünfzehnjährige in den Armen des Dukes of Richmond lag.

So, jetzt ist es aber genug mit den Klatsch und Tratschgeschichten vom englischen Hofe des 17. Jahrhunderts. Barbara Villiers starb nach einem sexuell sehr ausgefülltem Leben im Alter von 68 Jahren im Londoner Walpole House, das in der Chiswick Mall am Nordufer der Themse steht und in dem später im 19. Jahrhundert der berühmte Schriftsteller William Makepeace Thackeray wohnen sollte.

Hier ist ein Film über Barbara Villiers.

Lady Frances Stuart. Gemälde von Peter Lely.
This work is in the public domain
Walpole House (ganz links) und Chiswick Mall.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 5. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Peter Anthony Allen und Gwynne Owen Evans – Die letzten Männer, die in Großbritannien hingerichtet wurden

Das Walton Prison in Liverpool.
Photo © Sue Adair (cc-by-sa/2.0)

In meinem Blogeintrag vom 16. Juli 2012 berichtete ich über Ruth Ellis, die am 13. Juli 1955 als letzte Frau Großbritanniens  im Londoner Holloway Prison per Strang hingerichtet worden war, weil sie ihren Liebhaber David Blakeley vor dem Magdala Pub (der heute nicht mehr existiert) in Hampstead erschossen hatte.

Wer war nun der letzte Mann, der im Lande das gleiche Schicksal wie Ruth Ellis erlitt? Es waren zwei Männer, die zeitgleich am 13. August 1964 um 8 Uhr morgens gehängt wurden: Peter Anthony Allen in Liverpools Walton Prison, Gwynne Owen Evans in Manchesters Strangeways Prison. Allen war 21 Jahre alt, Evans 24 Jahre. Beide Männer wohnten im Nordwesten Englands, in Preston (Lancashire).

Was war der Grund für die Hinrichtung? Beide Männer waren Kleinkriminelle, die der Polizei durch Diebstähle, Fahren ohne Führerschein und ähnliche Delikte aufgefallen waren. Am 6. April 1964 nahmen sich Allen und Evans ein Haus in der Kings Avenue Nummer 28 in Seaton (damals Cumberland, heute Cumbria) vor, um dort einzubrechen. In dem Haus am Ende einer Sackgasse wohnte der 53jährige Wäschereiangestellte John West, der aufwachte als er im Erdgeschoss Geräusche gehört hatte. Er stand auf und traf auf die beiden Einbrecher, die West mit einer Eisenstange und einem Messer attackierten, wobei West getötet wurde. Allen und Evans flohen aus dem Haus, dabei ließ Evans seinen Regenmantel zurück, in dessen Tasche ein Medaillon mit seinem Namen darauf steckte. Die Polizei hatte leichtes Spiel und fasste die beiden Täter binnen 48 Stunden.

Die beiden Männer wurden in Manchester vor Gericht gestellt, wo sie sich gegenseitig beschuldigten, John West getötet zu haben. Die Geschworenen fanden beide für schuldig, und so verhängte das Gericht die Todesstrafe. Da in der letzten Zeit in Großbritannien die Todesstrafe nur noch selten ausgeführt und häufig in lebenslänglich umgewandelt wurde, vermutete man, dass dies auch bei Allen und Evans geschehen würde, doch das zuständige Innenministerium sah keine Veranlassung, eine Begnadigung vorzunehmen. So sind Peter Anthony Allen und Gwynne Owen Evans in die britische Justizgeschichte als die letzten Männer eingegangen, die durch den Strick zu Tode gekommen sind. Die beiden Henker Harry Allen in Manchester und Robert Leslie Stewart in Liverpool sind arbeitslos geworden. Der Murder (Abolition of Death Penalty) Act aus dem Jahr 1965 schaffte die Todesstrafe ab; nur in Nordirland konnte sie noch bis 1973 verhängt werden.
Hier ist ein Film, der den Fall noch einmal nacherzählt.

Manchesters Strangeways Prison.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Wigginton in Oxfordshire, Unity Mitford und Adolf Hitler

St Giles am School Lane in Wigginton.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Ich hatte einmal für kurze Zeit in dem kleinen Dorf Shutford in Oxfordshire gewohnt (siehe dazu meinen Blogeintrag), etwa sieben Kilometer westlich von Banbury. Von Shutford aus sind es nur wenige Kilometer bis zu einem anderen kleinen Dorf, Wigginton (Oxfordshire). Die etwa 200 Einwohner von Wigginton führen ein ruhiges Leben; im Dorf gibt es eine Kirche, Saint Giles, und einen Pub, The White Swan, der zur Hook Norton Brauerei gehört.

Doch darum geht es heute nicht; wir begeben uns in den School Lane, vorbei an der Village Hall, bis zu einem Haus, das Hillview Cottage heißt. In diesem Haus war in den 1940er Jahren ein Entbindungsheim untergebracht, in dem vor allem ledige Mütter ihre Kinder zur Welt bringen konnten. 1940 wurde eine junge Frau in das Hillview Cottage gebracht, die Unity Mitford hieß, eine der Schwestern aus der Mitford-Familie, die in Swinbrook (Oxfordshire) ansässig war. Es waren sechs Schwestern und ein Bruder, die alle im Licht der Öffentlichkeit standen. Unity war so etwas wie das schwarze Schaf in der Familie, denn sie war eine glühende Anhängerin von Adolf Hitler, eine Art Groupie, die eine Zeit lang dem Führer nicht von der Seite wich. Unity war auf Hitlers Berghof in Obersalzberg zu Gast, sympathisierte mit dem nationalsozialistischen Gedankengut und erhielt aus Hitlers Hand das goldene Parteiabzeichen. Hat sie auch mit Adolf Hitler geschlafen, fragte man sich damals?

Als Unity erfuhr, dass Deutschland und England Krieg führen würden, versuchte sie sich das Leben zu nehmen, indem sie sich in den Kopf schoss. Der Suizidversuch misslang, die Kugel blieb in ihrem Kopf stecken, und sie sollte für den Rest ihres Lebens darunter leiden (sie starb 1948).

Um zu dem Aufenthalt in Wigginton zurückzukehren: Warum wurde Unity ausgerechnet in einem Entbindungsheim untergebracht? Dieser Frage ging der Journalist Martin Bright im Zuge der Recherchen für seine TV-Dokumentation „Hitler’s British Girl“ nach. Er nahm zu einer Frau Kontakt auf, die behauptete, ihre Tante hätte im Krieg in Wigginton im Hillview Cottage als Hebamme gearbeitet und dort Unity bei der Geburt ihres Kindes geholfen. Der Vater des Kindes: Adolf Hitler. Stimmte das? Das Kind soll anschließend zur Adoption freigegeben worden sein. Bright setzte alle Hebel in Bewegung, um irgendeinen Beweis dafür zu bekommen, was ihm aber nicht gelang. In den standesamtlichen Unterlagen war nichts von einer Geburt zu finden, was damals aber nicht ungewöhnlich war. Eine andere Stimme aus Wigginton meinte, Unity wäre lediglich in das Hillview Cottage gebracht worden, um dort einen Nervenzusammenbruch auszukurieren. Die Dokumentation sorgte für Aufsehen in Großbritannien; sollte tatsächlich ein Nachkomme Adolf Hitlers im Land leben beziehungsweise gelebt haben? Die Antwort auf diese Frage wird möglicherweise nie beantwortet werden. In dem Dörfchen in Oxfordshire ist nach der Ausstrahlung des Films bald wieder Ruhe eingekehrt. Hillview Cottage soll im letzten Jahr für £530,000 verkauft worden sein.

Unitys Grab liegt auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin in Swinbrook zwischen denen ihrer Schwestern Nancy und Diana.

Unitys Grab auf dem Kirchhof St Mary the Virgin in Swinbrook
Photo © Martin Loader (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. Februar 2021 at 02:00  Comments (3)  
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Thomas More (1478-1535), sein Kopf und die St Dunstan’s Church in Canterbury (Kent)

Die Grabplatte in St Dunstan’s in Canterbury.
Author: bobba_dwj
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Es kann sehr problematisch sein, wenn man sich im Dunstkreis von egozentrischen Machthabern aufhält. Sagt man zu allem Ja und Amen, mag man ein angenehmes Leben haben, aber wehe man äußert eine gegensätzliche Meinung, dann kann es einem den Kragen kosten. Das gilt heute noch, wenn man an Donald Trump denkt, der einen Großteil seines Stabes mit einem aus „The Apprentice“ gewohnten „You’re fired“ verabschiedet hat.
Heinrich VIII. weist da einige Parallelen mit dem Noch-US-Präsidenten auf, und ich denke da speziell an den Fall des Lordkanzlers Thomas More (1478-1535), der solange am Hofe wohlgelitten war, als er dem Herrscher nicht widersprach. Der Scheidung des Königs von Catherine of Aragon jedoch konnte er nicht zustimmen, und als sich Heinrich VIII. auch noch zum  Oberhaupt der Church of England ausrief, war das Band zwischen den beiden endgültig zerrissen. „You’re fired“ mag der König damals auch zu Thomas More gesagt haben, aber, im Gegensatz zu Donald Trump, ließ er es dabei nicht bewenden, sondern ließ ihn am 6. Juli 1535 auf dem Tower Hill enthaupten.

Thomas Mores Kopf wurde einige Wochen lang auf einer Stange auf der London Bridge zur Schau gestellt, und als sich alle Passanten an dem schaurigen Anblick satt gesehen hatten, bereitete Mores Tochter Margaret Roper dem Spektakel ein Ende, indem sie, mit Hilfe eines Bestechungsgeldes, den Kopf ihres Vaters an sich nahm. Sie konservierte den Kopf mit einer speziellen Gewürzmischung und bewahrte ihn in ihrem Haus in der St Dunstan’s Street in Canterbury (Kent) auf, gegenüber der St Dunstan’s Church. Nach Margaret Ropers Tod wurde Thomas Mores Kopf, gemeinsam mit seiner Tochter in der Familiengruft der Ropers in der St Dunstan’s Church beigesetzt. Eine in den Boden eingelassene Grabplatte weist darauf hin. Es gibt auch Historiker, die anderer Meinung sind, und den Kopf in der Chelsea Old Church in London vermuten.

Die kopflose Leiche des Lordkanzlers soll auf dem Tower Hill in der Kapelle St. Peter ad Vincula beigesetzt worden sein, wo genau ist aber nicht bekannt.

Dieser Trickfilm zeigt einen kurzen Abriss von Thomas Mores Leben:

St Dunstan’s in Canterbury.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Ein Thomas More gewidmetes Kirchenfenster in St Dunstan’s. Margaret Roper ist rechts zu sehen.
Author: chrisjohnbeckett
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Chelsea Old Church in London. Oder liegt hier Thomas Mores Kopf begraben?
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

St Peter ad Vincula auf dem Tower Hill.
Author: Richard Nevell
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Published in: on 30. November 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Die Hexen vom Belvoir Castle – Eine Geschichte aus dem 17. Jahrhundert

Belvoir Castle.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)

Der Film „Der kleine Lord“ (im Original „Little Lord Fauntleroy“) wird jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit von der ARD ausgestrahlt. Für viele Menschen (mich eingeschlossen) gehört die rührende Geschichte einfach dazu. Gedreht wurde der Film 1980 in dem wunderschönen Belvoir Castle in der Grafschaft Leicestershire, Stammsitz der Dukes of Rutland und das schon seit vielen Jahrhunderten. David Manners ist heute der elfte Duke of Rutland, und die Geschichte, die ich heute erzählen möchte, spielte sich zur Zeit seines Vorfahren Francis Manners ab, seinerzeit der sechste Earl of Rutland (1578-1632).

Der Earl brauchte zusätzliches Personal in seinem Schloss, da sich hoher Besuch angesagt hatte; König James I. wollte Belvoir Castle einen Besuch abstatten. Also wurden Joan, Margaret and Philippa Flowers aus dem benachbarten Bottesford  eingestellt, eine Mutter (Joan) und ihre beiden Töchter, offensichtlich keine gute Wahl, denn die drei Frauen waren beim Stammpersonal unbeliebt und man unterstellte ihnen Diebstähle und andere Unregelmäßigkeiten. Daher wurden die drei bald wieder entlassen, was ihnen gar nicht gefiel, und jetzt begannen schwere Zeiten für das Belvoir Castle und seine Bewohner. Wurden sie von den drei Frauen verhext?

Zuerst traf es den Earl und seine Frau, die plötzlich und unerklärlicherweise erkrankten. Dann kam es noch schlimmer, denn ihr kleiner Sohn Henry starb, sieben Jahre später sein Bruder Francis, damit waren keine männlichen Erben auf den Titel mehr vorhanden (ihre Schwester Katherine durfte als Frau den Titel nicht übernehmen). Der Fluch der Witches of Belvoir, wie Joan, Margaret and Philippa Flowers genannt wurden, schien zu wirken.

Zu der damaligen Zeit ging es sehr schnell, dass Frauen in den Ruf kamen, Hexen zu sein, und so wurden die drei auch bald der Hexerei angeklagt. Ihr merkwürdiges Verhalten trug dazu bei, denn sie beschuldigten sich gegenseitig. Die Mutter Joan beschwor ihre Unschuld und wollte sie beweisen. Man sollte ihr ein Stück Brot bringen, und wenn sie einen Hexe wäre, würde sie daran ersticken. Sie erstickte daran…

Margaret und Philippa wurden in Lincoln vor Gericht gestellt, zum Tode verurteilt und im März 1619 aufgehängt.

Die Rutlands hatten damals ihre Familiengruft in der Kirche St Mary’s in Bottesford (Leicestershire) und da finden wir auch das Grabmal von Francis Manners, dem sechsten Earl, sowie Skulpturen seiner beiden so früh verstorbenen Söhne Henry und Francis.

Hier ist ein Film über das Thema.

Das Buch zum Artikel: 
Tracy Borman: Witches – A Tale of Sorcery, Scandal and Seduction. Jonathan Cape 2013. 320 Seiten. ISBN  978-0224090568.

Das Grabmal des sechsten Earl of Rutland.
Photo © J.Hannan-Briggs (cc-by-sa/2.0)

Die beiden (verhexten) Söhne Henry (vorn) und Francis in St Mary’s in Bottesford.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. November 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Die HMS Implacable und ihr trauriges Ende 1949 vor der Isle of Wight

Die Heckverzierung der HMS Implacable im National Maritime Museum.
Copyright: Geni
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Von den Schiffen, die am 21. Oktober 1805 an der Schlacht von Trafalgar teilgenommen haben, kennt man heute in erster Linie noch die HMS Victory, Lord Horation Nelsons Schiff, auf dem er an diesem Tag tödlich von der Kugel eines französischen Schützen getroffen wurde und an Bord starb.
Es gab ja auch noch zahlreiche andere Schiffe, von denen aber kaum jemand später sprach. Da war ein französisches Schiff namens Duguay-Trouin, benannt nach einem Marineoffizier, das im Jahr 1800 seine Taufe in Rochefort erlebte und fünf Jahr darauf an der berühmten Schlacht teilnahm. Wenige Tage später wurde das Schiff bei einem Scharmützel, bei dem der französische Kapitän starb, von den Engländern überwältigt und in den Hafen von Plymouth gebracht, wo es unter dem Namen HMS Implacable in die britische Marine integriert wurde.

Das abenteuerliche Leben des Schiffes ging weiter: Drei Jahre nach der Trafalgar-Schlacht setzte die Marine es in der Ostsee im Anglo-Russian War ein, dann wurde es in das Mittelmeer verlegt, wo es unter anderem an der Blockade von Alexandria teilnahm. 1842 lief das Schiff in den Hafen von Devonport ein, wo es seine aktive Zeit beendete und unter dem Namen Lion als Schulschiff verwendet wurde. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg erhielt es den Namen HMS Implacable zurück.

Im Laufe der Jahrzehnte setzte man das Schiff für unterschiedliche Zwecke ein, aber so richtig wusste man nachher auch nicht, was man mit ihm anfangen sollte. Halbherzige Restaurierungsversuche wurden unternommen, aber nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entschied die Admiralität, einen Schlussstrich zu ziehen und die HMS Implacable zu versenken.

Nachdem die Galionsfigur und die Heckverzierungen abgebaut und in das National Maritime Museum nach Greenwich verfrachtet worden waren, brachte man das jetzt traurig aussehende Schiff vor die Küste der Isle of Wight, wo es am 2. Dezember 1949 gesprengt wurde. Die britische und die französische Flagge zierten die HMS Implacable, als sie sich schweren Herzens auf den Weg in die Tiefe machte, doch das Schiff kämpfte noch bis zuletzt gegen sein Ende an, denn die Werftarbeiter hatten damals in Rochefort gute Arbeit geleistet. Eine Gruppe von Seeleuten sahen sich das Drama des Untergangs an, das sich drei Stunden lang hinzog, und ich glaube, in diesem Film die eine oder andere unterdrückte Träne gesehen zu haben.

Die verbliebene Galionsfigur der HMS Implacable im National Maritime Museum.
Copyright: Cristian Bortes.
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Published in: on 26. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Balliol Heart Shrine in der Kirche St Mary the Virgin in Brabourne (Kent)

The Balliol Heart Shrine in St Mary’s.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)

Um das Jahr 1263 wurde in Oxford das Balliol College (an dem der derzeitige Premierminister Boris Johnson studiert hat) gegründet, das wir noch heute an der Broad Street finden. Benannt wurde es nach seinem Gründer John de Balliol, der von 1208 bis 1268 lebte. Balliol wurde durch das Erbe seiner Frau, Dervorguilla de Balliol, Lady of Galloway, zu einem reichen Mann, der es sich leisten konnte, das College in Oxford zu stiften.

Doch darum geht es in meinem Blog nicht, sondern um eine Kuriosität. Seine Frau muss ihn wohl sehr geliebt haben, denn nach seinem Tod am 27. Oktober 1268 gründete Dervorguilla fünf Jahre später zum Andenken an ihren Mann eine Abtei in der Nähe der schottischen Stadt Dumfries, der sie den schönen Namen Sweetheart Abbey gab. Dorthin wurden die sterblichen Überreste John de Balliols gebracht und beigesetzt…bis auf sein Herz, das nämlich trug die trauernde Witwe bis zu ihrem Tod in einer kleinen Dose aus Silber und Elfenbein um ihren Hals, Tag und Nacht. Auch sie, samt dem Herz ihres Mannes, wurde in der Sweetheart Abbey beigesetzt.

Der jüngste Sohn der beiden, den sie auch John genannt hatten, wurde für eine kurze Zeit König von Schottland. In einem Krieg mit dem englischen König Edward I. zog John den Kürzeren und wurde besiegt, die schöne Sweetheart Abbey geplündert. John de Balliol zog eine Zeit lang nach Kent, wo er in dem Ort Brabourne, zwischen Ashford und Folkestone, wohnte. Aus der schottischen Abtei hatte er das einbalsamierte Herz seines Vaters mitgenommen und errichtete in der örtlichen Kirche St Mary the Virgin einen Schrein, dessen Mittelpunkt das Herz war.

Den Schrein gibt es noch heute, doch das Herz ist weg. Wo es abgeblieben ist, weiß niemand…aber ich habe da eine Theorie: Wer meine Blogeinträge über den Schriftsteller Thomas Hardy (und was mit dessen Herz passiert sein soll) und über Kirchenkatzen gelesen hat, der braucht nur eins und eins zusammenzählen und schon bietet sich eine Lösung an…

St Mary the Virgin in Brabourne.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)

Die Sweetheart Abbey.
Photo © Martin Dawes (cc-by-sa/2.0)

Das Balliol College in Oxford.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Sellindge in Kent – Ein Dorf, das am 1. Juni 1938 nur knapp einer Katastrophe entging

Die A20, die Ashford Road, in Sellindge.
Photo © Peter Wood (cc-by-sa/2.0)

Als ich einmal meinen Englandaufenthalt beendete und auf der M20 in Richtung Eurotunnel fuhr, musste ich südlich von Ashford in Kent auf die A20 ausweichen, da die Autobahn gesperrt war. Diese Umleitung führte auch durch Sellindge an der Ashford Road, wie die A20 im Dorf heißt, und dort liegt an der rechten Seite die Methodist Church, wo am 1. Juni 1938 ein Flugzeug abstürzte. Doch der Reihe nach:

An diesem Tag muss wohl die British Guardian Angel Association (BGAA) ihre jährliche Mitarbeiterversammlung in Sellindge abgehalten haben, denn anders ist es nicht zu erklären, dass bei dem Absturz niemand zu Schaden kam. Eine Fokker der belgischen Fluglinie Sabena war in Brüssel gestartet, mit dem Ziel Lympne in Kent, wo sie auf dem dortigen Flugplatz landen sollte. Der Pilot bekam beim Landeanflug auf Grund eines Sturms Schwierigkeiten mit seinem Flugzeug und konnte es nicht mehr beherrschen. Er war schon sehr tief und streifte als erstes das Dach eines Hauses an der Ashford Road, stürzte dann auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf das Gelände der Methodist Church, streifte die Kirche und blieb als Totalschaden liegen. Wie durch ein Wunder (bzw. durch den Einsatz der Schutzengel) wurde weder ein Bewohner des Hauses, in dem heute die Katzenpension Purrs Mews untergebracht ist, noch die beiden Insassen des Flugzeugs verletzt. Die beiden Belgier stiegen mit weichen Knien aus den Trümmern ihrer Maschine aus…und schlossen sich einer etwa hundertköpfigen Gruppe von Damen an, die an der Methodist Chapel ihren Anniversary Tea zu sich nahmen und natürlich auch Tee angeboten bekamen, den sie gern akzeptierten (vielleicht hätten sie in diesem Falle lieber etwas Stärkeres getrunken als Tee). Coole Typen, diese beiden Belgier!

Thank you BGAA!!

Hier ist ein Film der British Pathé.  Die kleine Kapelle der Methodist Church steht noch heute an der Ashford Road, und das Dach des Hauses auf der anderen Straßenseite ist längst wieder neu gedeckt.

Eine Fokker VIIb/3m. Ein Flugzeug diesen Typs stürzte in Sellindge ab.
This work is in the public domain.

Hier auf dem Lympne Airfield sollte die Fokker eigentlich landen.
Photo © Peter Jeffery (cc-by-sa/2.0)

St Bertoline’s und das Barthomley Massacre im Jahr 1643

Auf diesen Turm von St Bertoline’s hatten sich die Parlamentarier geflüchtet.
Photo © Christopher Hilton (cc-by-sa/2.0)

Saint Bertoline ist einer jener obskuren Heiligen, die heute kaum noch jemand kennt. Er soll im 8. Jahrhundert gelebt haben, etwa dort, wo heute die Stadt Stafford steht. Wer sich für ihn interessiert, der findet seinen Schrein und seine sterblichen Überreste in der Church of the Holy Cross in Ilam in Staffordshire.

Die Dorfkirche in Barthomley, einem kleinen Dorf in der Grafschaft Cheshire, ist nach dem Heiligen benannt worden (da hatte mal jemand Fantasie gehabt und wollte die Kirche nicht schon wieder St Mary, St Peter oder All Saints nennen). Der Ort liegt ganz in der Nähe der Autobahn M6, südöstlich von Crewe. Direkt neben der Kirche ist ein sehr attraktiver Pub namens The White Lion.

Den Weihnachtsabend des Jahres 1643 hatten sich die Bewohner von Barthomley eigentlich anders vorgestellt: Es war mitten im Bürgerkrieg, als sich die Royalisten und die Parlamentarier gegenseitig die Schädel einschlugen. Es hatte sich unter den Royalisten in Cheshire herumgesprochen, dass in dem Dörfchen Barthomley Parlamentarier wohnten und denen wollte man baldmöglichst auf den Pelz rücken. Unter dem Kommando von Lord Byron (nicht der Dichter) zogen sie nach Barthomley, wo sich die 20 Cromwell-Anhänger auf den Turm von St Bertoline’s geflüchtet hatten, in der Hoffnung, dort oben halbwegs sicher zu sein. Sie hatten sich darin aber getäuscht, denn die Königstreuen entzündeten in der Kirche ein Feuer, um die Rebellen auszuräuchern. Das gelang ihnen auch; hustend hasteten die Männer vom Turm herunter und wurden von den mordgierigen Royalisten in Empfang genommen. Zwölf wurden auf der Stelle exekutiert, die anderen acht schwer verwundet. Unklar geblieben ist, ob den Parlamentariern auf dem Turm freies Geleit versprochen worden ist, wenn sie sich ergeben würden, und diese darauf nicht eingegangen sind. Wie auch immer, sie wollten dort oben auf St Bertoline’s nicht gegrillt werden und so kamen sie vom Regen in die Traufe.
Einer der Königstreuen, der mit seinem Schwert mehrere Männer umgebracht haben soll, John Connaught, wurde elf Jahre später vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Man hängte ihn am Ortsrand von Chester auf.

Seit jenem verhängnisvollen Tag zur Weihnachtszeit von 1643 ist bis heute wieder Ruhe in Barthomley eingekehrt. St Bertoline’s gibt es noch immer, doch leider hat der Coronavirus auch hier dafür gesorgt, dass die Gottesdienste bis auf weiteres ausfallen und die Kirchentore geschlossen bleiben.

Der Schriftsteller Alan Garner hat die Geschichte von dem Massaker in seinen Roman „Red Shift“ (dt. „Rotverschiebung) eingebaut, der 1973 erschien und auch unter dem selben Titel verfilmt wurde (hier ist der Trailer).

Dieser Film zeigt Barthomley, die Kirche und die Umgebung des Dorfes.

St Bertoline’s.
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)

Der hübsche White Lion direkt neben der Dorfkirche.
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. April 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Bletchley Park in Buckinghamshire – Heimat der Codebreakers

Am südlichen Rand von Milton Keynes liegt der Ort Bletchley, der eng mit Bletchley Park verbunden ist. Hier wurden im Zweiten Weltkrieg die deutschen Geheimcodes geknackt. Eine Reihe von hochintelligenten Wissenschaftlern machten sich daran, den deutschen Nachrichtenverkehr zu entziffern. Diese „code-breaker“ oder Kryptoanalytiker zogen 1939 in das Herrenhaus Bletchley Park ein. Auf dem Gelände des Hauses standen mehrere sogenannte „huts„, also kleine Hütten, in denen Gruppen von Wissenschaftlern mit speziellen Aufgaben befasst waren.

Als die Enigma- und Lorenz-Codes geknackt waren, konnten die Allierten den Funkverkehr der Deutschen abhören und es gibt Historiker, die der Meinung sind,  dass dadurch der Zweite Weltkrieg um etwa zwei Jahre verkürzt worden ist.
Unter den Entschlüsslern war auch der exzentrische Alan Turing, der heute als einer der Gründerväter der Computerentwicklung gilt.

Bletchley Park ist heute ein Museum, in dem man sich auf einem Rundgang die Arbeit der Wissenschaftler erklären lassen und sich die Dechriffriermaschinen ansehen kann.
Man hat das Museum so ausgebaut, dass es etwas für die ganze Familie ist. Wechsende Ausstellungen, ein kleines Kino, ein Spielplatz, ein Shop; man kann hier viele Stunden verbringen.
Das Haus selbst steht für Geschäftstreffen, Konferenzen und für Hochzeiten zur Verfügung.

Es gibt ein Fülle von Literatur, auch in deutscher Sprache, über das Thema „Entschlüssellungsverfahren im Zweiten Weltkrieg“. Der Roman „Enigma“ des britischen Schriftstellers Robert Harris, 1995 erschienen, war zum Beispiel ein internationaler Bestseller, der 2001 auch mit Kate Winslet und Tom Jericho verfilmt wurde (hier ist der Trailer).
Das Leben Alan Turings steht auch im Mittelpunkt des Films „The Imitation Game“ (dt. „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“) mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle.

Das Museum Bletchley Park hat bis auf einige wenige Feiertage jeden Tag geöffnet.

Hier ist ein Film über die Codebreakers.

Arbeitsplatz der Codebreakers.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Die Alan Turing-Skulptur im Block B.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 31. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Petworth in West Sussex – Eine hübsche Kleinstadt an der A272, die am 29. September 1942 einen schweren Schicksalsschlag erlitt

Eine der hübschen, kleinen Straßen in Petworth.
Eigenes Foto.

Ich fahre sehr gern auf der A272, die den Süden Englands in Ost-West-Richtung durchquert. Vor einigen Tagen machte ich an einem sonnigen Sonntagvormittag in der Kleinstadt Petworth in West Sussex Station, die direkt an der Straße liegt, und ging in dem Ort spazieren. In den kleinen Gassen reihte sich ein Antiquitätenladen an den anderen, es herrschte eine angenehme Atmosphäre, obwohl der Autoverkehr schon sehr stark war. Die meisten, die hierher kommen, besuchen das Petworth House, ein Herrenhaus, das dem National Trust gehört, doch ich kann einen Besuch in Petworth selbst durchaus empfehlen.

Zufällig stieß ich auf eine Information, die mich nachhaltig beschäftigte, obwohl sie schon über 77 Jahre alt ist.
Am 29. September 1942 ließ ein deutsches Flugzeug auf dem Rückflug von einem Einsatz drei Bomben auf Petworth  fallen. Warum? In der Stadt gab es keine militärischen Anlagen. Man vermutete, dass die Bomben dem Petworth House galten. Aber warum so ein schönes Haus zerstören?
Eine der Bomben traf die Boys School. Von den anwesenden 80 Schülern und Lehrern, die durch keinen Fliegeralarm gewarnt worden waren, starben 28, darunter auch der Headmaster und eine Lehrerin. Die Kinder hatten keine Chance, viele wurden schwer verwundet. Ein Trauma, unter dem die kleine hübsche Stadt lange zu leiden hatte.
Die verantwortlichen deutschen Flieger an Bord der Ju88 oder Heinkel 111, es ist nicht ganz klar, welcher Flugzeugtyp es war, wurden nie ermittelt, obwohl im Internet zwei Namen kursieren. Ob sich diese beiden Männer jemals Gedanken darüber gemacht haben, was sie da angerichtet hatten? Sie wurden nicht angegriffen, und sie konnten sicher sein, dass sie mit ihren Bomben ausschließlich Zivilisten töten würden.

Die 28 Opfer wurden in einem gemeinsamen Grab auf dem örtlichen Horsham Road Cemetery beigesetzt. Die Feier leitete der Bischof von Chichester. Eine Gedenkfeier fand 60 Jahre später statt, die auch wieder von einem Bischof von Chichester zelebriert wurde.
Das Grab wird regelmäßig gepflegt, während der restliche Teil des Friedhofs, der nicht mehr benutzt wird, langsam verfällt.

Der Gottesdienst in St Mary the Virgin war bei meinem Besuch in Petworth gerade beendet.
Eigenes Foto.

Published in: on 17. November 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Clyde Cosper, ein Texaner, der Princes Risborough in Buckinghamshire vor einer Katastrophe bewahrte

Das Denkmal vor der Bibliothek von Princes Risborough.
Copyright: Iain McLauchlan.
With friendly permission.

Es war der 13. November 1943 als der kleine Ort Princes Risborough in der Grafschaft Buckinghamshire um ein Haar ausgelöscht worden wäre, wenn es da nicht einen jungen Leutnant aus Texas gegeben hätte, der sein Leben für das vieler anderer gab. Lieutenant Clyde „Sparky“ Cosper aus Dodd City, einer Kleinstadt im texanischen Fannin County, hob an diesem trüben Novembertag mit seiner mit Bomben vollgepackten B-17 von einem Flugplatz ab, um U-Boote anzugreifen, die im Hafen von Bremen stationiert waren. Außer „Sparky“ waren noch weitere acht Besatzungsmitglieder an Bord. Das Wetter wurde so schlecht, dass eine starke Böe das schwere Flugzeug, gerade als es über Princes Risborough war, nach unten riss. Der Pilot befahl seinen Männern, sofort mit dem Fallschirm abzuspringen, was diese dann auch sofort taten (und mit mehr oder weniger großen Blessuren lebend auf dem Boden landeten). Cosper selbst blieb allein am Steuerknüppel der Maschine zurück und ihm gelang es gerade so, nur wenige Meter über den Dächern des Ortes, die B-17 abzufangen und sie erst eine Strecke entfernt auf einer Wiese aufzusetzen, wobei sie sofort Feuer fing und die Bomben alle explodierten; der Pilot selbst hatte keine Überlebenschance.

Die Bewohner waren verständlicherweise außerordentlich dankbar für diese Heldentat des jungen Texaners, und man hat ihn bis heute in Princes Risborough nicht vergessen. Im Jahr 1990 machte sich ein Reporter der Zeitung Bucks Herald auf Spurensuche und flog nach Texas, wo noch immer Familienmitglieder des Piloten in Dodd City lebten. Eine Kampagne wurde in Princes Risborough ins Leben gerufen, dem Leutnant und seiner Crew ein Denkmal zu setzen, das dann auch auf dem Gelände der örtlichen Bibliothek errichtet wurde. Der Hauptteil des Denkmals ist wie das Höhenleitwerk eines Flugzeugs gestaltet, die Sitze darum herum sind den Besatzungsmitgliedern gewidmet, acht auf der linken Seite und der für Lt. Cosper auf der rechten Seite. Die Tafeln in der Mitte erinnern an andere Flugzeugabstürze im Zweiten Weltkrieg, bei denen ebenfalls Menschen ums Leben kamen.

Die High Street von Princes Risborough.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

The Stone of Scone – Der schottische Krönungsstein, der 1950 aus der Westminster Abbey gestohlen wurde

Der Stone of Scone (die Replika ).
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Weihnachten 1950: In den frühen Morgenstunden des ersten Weihnachtstages schlichen drei dunkle Gestalten um die Westminster Abbey in London herum und verschafften sich mit Hilfe einer Brechstange Zutritt über einen Nebeneingang. Ihr Ziel: Der Stone of Scone, der sich in der Abbey unter dem Coronation Chair befand. Bei den Eindringlingen handelte es sich um die schottischen Studenten Ian Hamilton, Gavin Vernon und Alan Stuart (im Fluchtauto wartete noch Kay Matheson). Sie wollten den uralten Stein nicht entwenden, sondern in die schottische Heimat zurückholen, wo er ihrer Meinung nach hingehörte.
The Stone of Destiny, wie er auch genannt wurde, diente vor vielen Jahrhunderten als Krönungsstein für schottische Monarchen, bis Edward I. ihn nach seinem Sieg im Englisch-Schottischen Krieg 1296 nach London bringen ließ, zum großen Verdruss der Schotten, die sich eines Symbols ihres Landes beraubt sahen.
Die schottischen Studenten wollten 1950 dem Aufenthalt des Steins in der Westminster Abbey ein Ende bereiten. Bei dem nächtlichen Diebstahl in der Weihnachtsnacht gingen die Drei nicht sehr professionell vor, denn der etwa drei Zentner schwere Stein zerbrach dabei in zwei Teile, was allerdings den Vorteil hatte, dass er so etwas leichter abzutransportieren war. Kaum hatte Ian Hamilton die eine Hälfte in das von Kay Matheson herangebrachte Auto verstaut, als sich ihnen ein patroullierender Polizist näherte. Die beiden Studenten gaben sich als Liebespärchen aus, das in London keine Unterkunft mehr gefunden hatte, und der Polizist gab sich damit zufrieden. Mit der einen Steinhälfte wurde Kay in Richtung Schottland geschickt, beim Transport der anderen Hälfte mit dem zweiten Auto kam es zu etlichen Zwischenfällen (verlorener Autoschlüssel, vor der Abbey liegen gelassene Jacke, in der ein Namenschild angebracht war usw.), aber schließlich landete The Stone of Scone doch noch in Schottland, wo er erst einmal in den Ruinen der Arbroath Abbey versteckt wurde. Doch die findige Polizei spürte ihn dort auf und brachte ihn in die Westminster Abbey zurück. Bei der Krönung Elisabeths II. 1953 war The Stone of Destiny also wieder an der Stelle, wo man ihn, das heißt die Engländer, hinhaben wollte. Übrigens wurden die vier Studenten nicht vor Gericht gestellt.

1996 kündigte der britische Premierminister John Major an, den Stone of Scone endgültig wieder nach Schottland zurückzubringen, was dann auch mit einer feierlichen Zeremonie in Edinburgh geschah (hier ist ein Film darüber). Dort hat er jetzt in der Burg seine letzte Ruhestätte gefunden… das heißt, nicht ganz, denn die Schotten würden ihn für die Krönung zukünftiger neuer Monarchen London kurzfristig zur Verfügung stellen.

Eine Replika des Steines steht auf dem Gelände des Scone Palastes im schottischen Perthshire (im April 2010 versuchten Diebe, auch die Replika zu stehlen, scheiterten aber bei dem Versuch).

Im Jahr 2008 kam der Film „Stone of Destiny“ (dt. „Die Jagd nach dem Stein des Schicksals“) in die Kinos, der die Ereignisse zu Weihnachten 1950 nacherzählt; hier ist der Trailer zum Film.

Einer der schottischen Studenten, Ian Hamilton, hat ein Buch über die Ereignisse damals geschrieben: „ Stone of Destiny„.

 

Published in: on 1. Oktober 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Epsom Downs Racecourse in Surrey und ein tragischer Unfall im Jahr 1913

 

An dieser Stelle des Epsom Racecourses, der Tattenham Corner, ereignete sich der tragische Unfall.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Neben Ascot und Goodwood gehört der Epsom Downs Racecourse zu den berühmtesten südenglischen Pferderennbahnen. Eine halbe Stunde mit dem Auto braucht man etwa, wenn man von London aus die Rennbahn erreichen will, die neben dem Ort Epsom in der Grafschaft Surrey liegt.

Am 4. Juni 1913 ereignete sich hier ein tragischer Unfall, in den die Frauenrechtlerin Emily Davison, der Jockey Herbert Jones und ein Pferd namens Anmer, das König George V gehörte, verwickelt waren. Was war passiert?
Emily Davison, eine der Suffragetten, die sich für die Verbesserung der Frauenrechte einsetzten, wollte auf ihre Mission aufmerksam machen und suchte sich dafür 1913 das Epsom Derby aus. Als schon ein großer Teil der teilnehmenden Pferde an ihr vorbei gallopiert waren, sprang sie plötzlich mitten auf die Rennbahn, rief „Votes for Women“ und versuchte die Zügel eines Pferdes zu ergreifen. Dieses Pferd war Anmer, das in vollem Lauf in Emily Davison krachte, stürzte und seinen Jockey abwarf. Durch die Wucht des Aufpralls wurde die Frau zu Boden geschleudert, verlor das Bewusstsein und starb wenige Tage später an ihren schweren Verletzungen. Herbert Jones, der Jockey, brach sich ein Rippe, das Pferd erlitt leichte Beinverletzungen. Übrigens zeigte sich die Presse damals mehr an den Verletzungen von Reiter und Pferd interessiert, als am Zustand Emily Davisons.
Die Suffragetten unter Führung von Emily Pankhurst, die damals merkten, dass sie mit friedlichen Mitteln ihre Forderungen nicht durchsetzen konnten, griffen verstärkt zu drastischeren Maßnahmen, um der männerdominierten Gesellschaft zu zeigen, dass auch Frauen ihre Rechte einfordern wollten.

100 Jahre nach Emily Davisons Tod wurde ihr zu Ehren eine Plakette an der Stelle auf der Rennbahn angebracht, an der sich das Unglück ereignete.

Der tragische Vorfall in Epsom wurde damals gefilmt und ist hier zu sehen.

Zu Epsom siehe auch diesen Blogeintrag.

An dieser Stelle stürzte sich Emily Davison vor das herannahende Pferd.
Credit for this entry to: Alan Patient of http://www.plaquesoflondon.co.uk
Copyright: London Remembers.

 

Published in: on 19. September 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Ein Flugzeugabsturz mit fatalen Folgen am 24. Dezember 1924 in Purley (Greater London)

Die Erinnerungsstätte an der Kingsdown Avenue in Purley.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Es sollte ein Weihnachtsbesuch in Paris werden für fünf Briten, einen Brasilianer und einen Chilenen, die sich am 24. Dezember 1924 vom Londoner Flugplatz Croydon auf den Weg zum Pariser Flughafen Le Bourget machten. Am Steuer der De Havilland DH.34 der Imperial Airways saß der 34 Jahre alte Pilot David Arthur Stewart. Zeugen des Starts bemerkten, dass die Maschine recht langsam vom Boden weg kam und schon nach zwei Kilometern war der Flug zu Ende, denn es gab ein Problem mit den Motoren. David Stewart hatte die De Havilland nicht mehr im Griff und über dem Ort Purley im Süden Londons stürzte das Flugzeug ab. Mit der Nase voran bohrte es sich in den Boden, dort, wo gerade die Häuser des Kingsdown Estates gebaut wurden. Es gab beim Aufprall der gerade aufgetankten Maschine eine Explosion und sie brannte vollständig aus. Alle acht Insassen kamen  bei dem Absturz ums Leben. Es hätte sogar noch schlimmer können, denn um ein Haar hätte die De Havilland noch einen Passagierzug gerammt, der auf dem Weg von London nach Brighton war.

Eine gründliche Untersuchung der Absturzursache zog sich bis in das nächste Jahr hin. Das Ergebnis der Untersuchung ergab, dass den Piloten keinerlei Schuld traf, und das Flugzeug auf Grund eines nicht mehr identifizierbaren technischen Defekts verunglückte.

An der Kingsdown Avenue in Purley wurde an der Absturzstelle von der Croydon Airport Society und der Kingsdown Avenue Residents‘ Association zur Erinnerung eine Plakette angebracht, wo jedes Jahr am Weihnachtsabend ein Kranz niedergelegt wird.

Zwei Jahre nach dem Unglück in Purley wurden die anderen elf Maschinen des Typs De Havilland DH.34 außer Betrieb genommen.

Ein Flugzeug des Typs, das in Purley abstürzte.
This work created by the United Kingdom Government is in the public domain.

 

Published in: on 20. August 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Gut Girls vom Londoner Foreign Cattle Market

Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs gab es im Osten von London, in Deptford, den Foreign Cattle Market, in dem Tiere in großer Zahl geschlachtet wurden. Der Cattle Diseases Act von 1869 schrieb vor, dass Vieh aus dem Ausland sofort nach der Ankunft auf englischem Boden geschlachtet werden musste, damit potentielle ansteckende Krankheiten nicht auf das einheimische Vieh übergriffen. Daraufhin richtete man 1871 ganz in der Nähe der Anlandedocks an der Themse in Deptford Schlachthäuser ein, wofür natürlich viele Arbeitskräfte benötigt wurden. Rund 500 Frauen wurden eingestellt, die, bei relativ gutem Lohn, eine ziemlich widerliche Arbeit ausführen mussten: Das Ausweiden der getöteten Rinder. 13 Stunden pro Tag entnahmen sie die Innereien der Tiere und man kann sich vorstellen wie verdreckt die Frauen nach ihren anstrengenden Arbeitstagen aussahen und auch entsprechend rochen. „Gut Girls“ wurden die jungen Frauen genannt und sie hatten keinen guten Ruf, denn man sagten ihnen nach, dass sie in ihrer Ausdrucksweise ziemlich ordinär waren. Nach der Arbeit trafen sie sich mit den Männern vom Schlachthof in den nahe gelegenen Kneipen und dann ging es hoch her.

Humanitäre Vereinigungen wie die von John Galsworthy gegründete Humanitarian League versuchten auf die Gut Girls Einfluss zu nehmen und sie von den Kneipen fernzuhalten, damit sie stattdessen sinnvollere Dinge nach Feierabend tun sollten.

Die 1956 in London geborenen Dramatikerin Sarah Daniels hat 1988 ein Theaterstück über diese Frauen geschrieben, mit dem Titel „The Gut Girls„. Es erlebte 1988 seine Uraufführung im Albany Empire, einem Theater in Deptford, also ganz in der Nähe des ehemaligen Foreign Cattle Markets (hier ist eine Aufführung des North East Scotland Colleges zu sehen). Das Gelände an der Grove Street wurde nach 1914 vom Kriegsministerium als Lagerplatz verwendet. Heute sind darauf Wohnblöcke errichtet worden.

The Albany in Deptford.
Author: SilkTork.
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Published in: on 13. August 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Association of Dunkirk Little Ships

Die Chico im Hafen von Oban in Schottland.
Photo © The Carlisle Kid (cc-by-sa/2.0)

Prince Michael of Kent ist der Honorary Admiral der Association of Dunkirk Little Ships, einer Gesellschaft, die die Erinnerung hoch hält an eine historische Begebenheit im Zweiten Weltkrieg. Etwa 340 000 Soldaten, meist britischer und französischer Herkunft, waren Ende Mai, Anfang Juni 1940 am Strand von Dünkirchen in Frankreich von Truppen der deutschen Wehrmacht eingeschlossen. Ihnen allen drohte der Tod, doch dann trat die Operation Dynamo in Kraft, die sich die britische Admiralität ausgedacht hatte. Rund 850 Schiffe und Boote aller Art, private Yachten, Vergnügungsboote, die sonst auf der Themse unterwegs waren, Barkassen usw., machten sich auf den Weg von der englischen zur französischen Küste, um die Soldaten auf britischen Boden in Sicherheit zu bringen. Das war eine äußerst waghalsige und gefährliche Operation, denn die deutsche Luftwaffe warf alles in die Waagschale, um die Operation Dynamo zu verhindern. Doch trotz Dauerbeschusses aus der Luft und vom Boden gelang es, vom 26. Mai bis zum 4. Juni, mit Hilfe dieser Kavalkade von kleinen Schiffen, die meisten Soldaten zu retten. Hier sind einige historische Aufnahmen.

Seit 1965 findet alle fünf Jahre eine Gedenkfahrt von Ramsgate nach Dünkirchen statt, an der nur die Boote teilnehmen dürfen, die damals Teil der Operation Dynamo gewesen waren. Ins Leben gerufen wurde diese Fahrt von der 1965 gegründeten Association of Dunkirk Little Ships. Im Mai 2020 soll die nächste Gedenkfahrt stattfinden, an der voraussichtlich 50 Schiffe unterwegs sein werden.

Jedes Jahr organisiert die Gesellschaft mehrere Treffen dieser kleinen Schiffe, die von ihren Eignern liebevoll gepflegt werden; etwas über 100 davon soll es noch geben.
Da ist zum Beispiel die Chico, die 1932 gebaut wurde, eine 23 Meter lange Yacht, die früher einmal dem mehrfachen Geschwindigkeitsrekordhalter zu Lande und auf dem Wasser Sir Malcolm Campbell gehört hatte, und die heute in Schottland ihren Heimathafen hat. Am 30.Mai 1940 nahm die Chico 217 Soldaten auf und brachte sie nach Dover; danach war sie noch mehrere Male im Einsatz.

Die Sylvia, Baujahr 1930, schaffte es gerade noch, schwer beschädigt, in den Hafen von Ramsgate zu gelangen, wo sie die Soldaten, viele von ihnen waren verletzt, absetzen konnte. Heute liegt das Schiff unter dem Namen Lady Sylvia am River Trent in Barton-in-Fabis (Nottinghamshire).

Im Jahr 2017 kam der Film „Dunkirk“ (dt. „Dunkirk“) in die Kinos, die die Operation Dynamo zum Thema hat. Hier ist der Trailer zum Film.

Die Lady Sylvia bei Restaurierungsarbeiten im River Trent bei Barton-in-Fabis (Nottinghamshire).
Photo © Ian Calderwood (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 12. August 2019 at 02:00  Comments (3)  
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Haileybury – Ein renommiertes College in Hertfordshire und seine rebellischen Schüler im Jahr 1900

Haileybury College.
Photo © Chris Hunt (cc-by-sa/2.0)

Haileybury ist ein College in Hertfordshire, südöstlich der Grafschaftshauptstadt Hertford gelegen, das sich einen sehr guten Ruf erworben hat, der bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Zu den Alumnis der Schule gehören zum Beispiel Sir Alan Ayckbourn, Autor von Theaterkomödien, der Regisseur und Filmproduzent Christopher Nolan, die durch ihr Mandolinenspiel berühmt gewordene und schon früh verstorbene Alison Stephens und der Premierminister Clement Attlee (1945-1951).

Um letzeren geht es in meinem heutigen Blogeintrag. Der 17jährige Attlee sorgte im Jahr 1900 für Aufregung in der Haileybury School und legte sich mit dem Headmaster an, einem gewissen Edward Lyttleton, der von 1890 bis 1905 ein strenges Regiment in der Schule führte. Was war der Grund für die Mini-Rebellion? Im Jahr 1900 gab es während der Burenkriege den sogenannten Relief of Ladysmith, als die britischen Truppen den Belagerungsring der Buren in der Stadt Ladysmith in Südafrika durchbrachen und einen entscheidenden Sieg errungen.

In England wurde das Ereignis gefeiert und aus Freude über den Sieg gaben viele Schulen ihren Schülern einen halben Tag frei. Nicht so in Haileybury, wo Edward Lyttleton dies seinen Schülern verweigerte. Es wurde vermutet, dass der Schulleiter mit den Buren sympathisierte. Der 17jährige Clement Attlee wollte diesen unfreundlichen Akt des Headmasters nicht hinnehmen und organisierte einen „Walk out“, das heißt unter Attlees Führung genehmigten sich die Schüler ihren freien Tag einfach selbst. Von Haileybury aus zogen sie, unter dem Absingen patriotischer Lieder, erst nach Hertford, dann nach Ware und kehrten anschließend wieder in ihre Schule zurück.
Lyttleton war alles andere als „amused“, nahm sich die widerborstigen Schüler vor und verabreichte ihnen eine Tracht Prügel, was damals durchaus erlaubt war und nicht selten vorkam; auch der spätere Premierminister erhielt Schläge von seinem Headmaster.
Im Jahr darauf verließ Attlee Haileybury und ging in das University College von Oxford, wo er ein Geschichtsstudium aufnahm.

Hier ist das College im Film zu sehen.

Published in: on 21. Juli 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Lumberjills – Die Holzfällerinnen im Zweiten Weltkrieg

Eine Lumberjill-Statue im Queen Elizabeth Park bei Aberfoyle in Schottland…
Photo © James Allan (cc-by-sa/2.0)

Lumberjack ist der englische Begriff für Holzfäller; ein körperlich anstrengender Beruf, der weitestgehend von Männern ausgeübt wird. Doch es gibt auch einen Namen für das weibliche Pendant: „Lumberjill„, so wurden im Zweiten Weltkrieg die Frauen bezeichnet, die in den Wäldern Großbritanniens Bäume fällten, weil ein großer Teil der Männer, die diese Arbeit bisher verrichteten, an der Front kämpften. Im Women’s Timber Corps arbeiteten Tausende von Frauen, weil die britische Wirtschaft, die stark von importierten Holz abhängig war, diesen Rohstoff dringend in der Produktion benötigte und die Vorräte an gelagertem Holz schnell zu Ende gingen. Also machten sich die Frauen an die Arbeit, gingen in die Wälder, fällten Bäume und betrieben die Sägemühlen. Es war eine gefährliche Arbeit, die die Lumberjills da verrichteten, doch richtig anerkannt wurde das nicht. Nachdem der Krieg beendet war, gerieten die Holzfällerinnen schnell wieder in Vergessenheit und kaum jemand wusste in den folgenden Jahrzehnten von ihnen. Erst im Jahr 2000 wurde es den Frauen gestattet, am Remembrance Day in London teilzunehmen und acht Jahre später erhielten einige von ihnen Auszeichnungen.
Im Queen Elizabeth Park bei Aberfoyle in Schottland findet man eine Statue, die an die Frauen des Women’s Timber Corps erinnert, ebenso im Dalby Forest in North Yorkshire.

Im März diesen Jahres ist ein Buch erschienen, das sich den vergessenen Frauen des Zweiten Weltkriegs widmet: „Lumberjills: Britain’s Forgotten Army“ von Joanna Foat (The History Press, ISBN: 9780750990905), meines Wissens das erste und einzige Buch zum Thema. Die Autorin kontaktierte bei ihren Recherchen die noch lebenden Lumberjills und ließ sich von ihnen von ihrer damaligen Arbeit erzählen.

Hier ist ein Film über die Holzfällerinnen aus dem Jahr 1942.

…und im Dalby Forest in North Yorkshire.
Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. April 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Second Great Fire of London im Dezember 1940

Die St Paul’s Kathedrale von der Paternoster Row aus gesehen.
Photo © Deirdre Shaw (cc-by-sa/2.0)

The Great Fire of London im Jahre 1666 legte einen großen Teil der Londoner Innenstadt in Schutt und Asche. Der Brand entstand in einer Bäckerei im Pudding Lane und breitete sich schnell aus. Über 13 000 Häuser und Dutzende von Kirchen, unter anderem die St Paul’s Kathedrale, fielen den Flammen zum Opfer. Wieviele Menschen ums Leben kamen ist nicht bekannt, die Zahl soll aber nicht groß gewesen sein. Ich schrieb in meinem Blog schon einmal über den Brand.

In der Nacht zum 29. Dezember 1940 wurde London von Bombern der deutschen Wehrmacht angegriffen, vielleicht der schwerste Angriff überhaupt im Zweiten Weltkrieg. Über 100 000 Brandbomben wurden von deutschen Piloten über der Stadt abgeworfen, mit so verheerenden Folgen, dass man vom Second Great Fire of London spricht. Schätzungsweise 160 Menschen starben bei dem Angriff, viele weitere erlagen in den folgenden Tagen ihren Brandverletzungen. Ganze Straßenzüge und viele alte Gebäude, darunter 19 Kirchen, wurden komplett zerstört, auch die St Paul’s Kathedrale wurde beschädigt, durch den beherzten Einsatz der St Paul’s Watch konnte das durch Brandbomben ausgelöste Feuer aber schnell gelöscht werden.

Besonders hart traf der Fliegerangriff die umliegenden Straßen der Kathedrale, wo sich das britische Verlagswesen angesiedelt hatte. In der Paternoster Row befanden sich Lagerhäuser für Bücher, die fast alle verbrannt wurden, an die fünf Millionen sollen es gewesen sein.
Die Löscharbeiten wurden dadurch erschwert, dass die Themse zur Zeit des Angriffs Niedrigwasser hatte und so die Feuerwehren über nicht genügend Löschwasser verfügten, zumal auch eine der Wasserhauptversorgungsleitungen gebrochen war. Durch den tatkräftigen Einsatz vieler Freiwilliger konnten noch größere Schäden vermieden werden.

Hier ist ein Film über das zweite große Feuer in London.

Ich frage mich immer, was wohl in den Köpfen der Piloten vorgegangen sein mag, als sie ihre Bombenlast über London abließen, in vollem Bewußtsein, dass durch sie Menschen ihre Leben verloren und Kulturgüter zerstört wurden. Hat sie das kalt gelassen oder haben sie vielleicht doch nachträglich darunter gelitten?

Das Buch zum Artikel:
David Johnson: City Ablaze – Second Great Fire of London, 29th December, 1940. William Kimber 1980. 217 Seiten. ISBN  978-0718302672.

Published in: on 28. Januar 2019 at 02:00  Comments (2)  
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