Die Londoner U-Bahnstation Arsenal – Die einzige im ganzen Land, die nach einem Fußballverein benannt ist

Der Londoner Premier League Fußballverein F.C. Arsenal, The Gunners, ist der einzige, der sich rühmen kann, dass eine U-Bahnstation nach ihm benannt worden ist, und das schon seit dem 31. Oktober 1932. Erst hieß sie Arsenal (Highbury Hill), seit 1960 nur noch Arsenal. Die Station an der Piccadilly Line liegt an der Gillespie Road, und so hieß der Bahnhof auch bis zu seiner Umbenennung. Die Gillespie Road befindet sich einer reinen Wohngegend mit nur wenigen Geschäften, ein Katzensprung von dem ehemaligen Highbury-Stadion der Gunners entfernt. Die spielen aber dort seit 2006 nicht mehr, sondern im Emirates Stadium, dem zweitgrößten Stadion der Premier League (das größte ist Old Trafford in Manchester). Das neue Stadion ist nur wenige Gehminuten von dem alten entfernt, und so nutzen viele Arsenal-Fans die U-Bahnstation nach wie vor, um die Spiele ihrer Mannschaft zu sehen.

Dass der Bahnhof der Piccadilly Line so benannt wurde, ist dem ehemaligen Trainer der Gunners, Herbert Chapman zu verdanken, der von 1925 bis 1934 dem Verein angehörte. Er bohrte so lange, bis die zuständige Behörde 1932 ihr OK zu der Namensänderung gab. Der Schriftzug „Gillespie Road“ ist nach wie vor auf den Kacheln der Wände der Station erhalten geblieben. Der Eingang der Arsenal Tube Station ist auf beiden Seiten von Wohnhäusern eingeschlossen, ein etwas merkwürdiger Anblick.

Der F.C. Arsenal war Herbert Chapmans letzter Verein. Er starb kurz vor seinem 56. Geburtstag am 6. Januar 1934 an einer Lungenentzündung. Eine lebensgroße Statue von ihm erinnert an den Trainer vor dem Emirates Stadium.

Die Statue von Herbert Chapman vor dem Emirates Stadium.
Author: Little Savage.
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Published in: on 3. Juni 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Londoner Chiswick Flyover und seine Eröffnung durch einen amerikanischen Filmstar im Jahr 1959

Chiswick Flyover und davor der Kreisverkehr.
Photo © Nigel Mykura (cc-by-sa/2.0)

Wenn heute irgendwo in London eine neue Straße oder Straßenbrücke in Betrieb genommen werden sollte, dann dürfte das im allgemeinen nicht auf allzu große Aufmerksamkeit stoßen. In den 1950er Jahren war das etwas anders. Im Westen Londons wurde im Herbst 1959 eine neue 600 Meter lange Hochbrücke eröffnet, der sogenannte Chiswick Flyover. Sie diente dazu, den sehr starken Verkehr in diesem Teil der Stadt zu entlasten, der bis dahin durch einen chronisch verstopften Kreisverkehr verteilt worden war. Um die 40 000 Fahrzeuge täglich nutzten dieses Nadelöhr, wo sich die North und die South Circular Roads trafen. So waren die £6 Millionen für den Flyover von Chiswick gut angebracht.

Nach Fertigstellung der Brücke wollten die Baufirma Alderton’s Construction und ihr Boss J. E. Dayton eine spektakuläre Eröffnungsfeier und suchten dafür eine prominente Persönlichkeit. Nachdem die beiden Rennfahrer Donald Campbell und Stirling Moss kein Interesse gezeigt hatten, fiel Mr. Dayton etwas viel Besseres ein. Zur Zeit hielt sich gerade der Hollywoodstar Jayne Mansfield in London auf, um in den Studios von Borehamwood den Film „Too Hot To Handle“ (dt. „Zu heiß zum Anfassen“) zu drehen. Jayne Mansfield, „The Blonde Bombshell“, willigte ein, die Eröffnung des Chiswick Flyover vorzunehmen; sie wurde in einem Ford Zephyr Mk2 Convertible nach Chiswick gefahren, wo sie dann am 30. September zur Schere griff, um das Absperrungsband durchzuschneiden. Sie lächelte sexy in die Runde der Anwesenden, warf einen kurzen Blick auf die Brücke, die sie als „sweet“ bezeichnete und war dann bald wieder weg. Mr. Dayton und seine Baufirma hatten die Publicity erhalten, die sie gern haben wollten und waren zufrieden. Es gab auch einige Kritiker der Aktion, die der Meinung waren, dass es auch in Großbritannien attraktive Schauspielerinnen gab, und dass man nicht eine Amerikanerin dafür hätte nehmen müssen. Hier ist ein Film von der Eröffnung der Brücke.

Kurze Zeit nach der Brückeneröffnung kam das Gerücht auf, dass in den Fundamenten der Chiswick Flyover nicht nur Beton verbaut worden ist, sondern, dass darin auch mehrere Leichen für immer ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten, Opfer der berühmt-berüchtigten Kray Twins, der Londoner Verbrecherkönige Ronnie und Reggie Kray. Zuzutrauen ist es den beiden Gangstern schon, die in den 1950er und 1960er Jahren die Stadt in Atem gehalten hatten.

Heute ist der Chiswick Flyover ein Teil der Autobahn M4, die London mit Bristol und Süd-Wales verbindet. Anlässlich des 50. Brückengeburtstages im Jahr 2009 wurde eine Plakette an ihr angebracht und für diese Zeremonie wählt man dieses Mal eine englische Schauspielerin, Imogen Stubbs, die die Plakette enthüllte.

Ruhen hier die Opfer der Kray Twins?
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 31. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Narrowboats und ihre mehr oder weniger fantasievollen Namen

So weit ich mich erinnere, trug das Narrowboat, das ich vor Jahren in Evesham (Worcestershire) gemietet hatte, den Namen „Ethos“, warum auch immer. Es gibt eine Hitliste der 200 beliebtesten Namen für diese langen, schmalen Boote, die auf englischen Kanälen und Flüssen anzutreffen sind und da führt mit großem Abstand der Name „Kingfisher“ (Eisvogel), gefolgt von „Dragonfly“ (Libelle) und „Merlin“ (Zwergfalke bzw. Zauberer in der keltischen Mythologie). Booten mit diesen Namen wird man also häufiger begegnen. Hier ist jeweils ein Beispielfoto:

Auf dem Staffordshire und Worcestershire Canal.
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Ebenfalls auf dem Staffordshire und Worcestershire Canal.
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Und ein „Merlin“ auf dem Trent and Mersey Canal.
Photo © Roger Kidd (cc-by-sa/2.0)

Doch es gibt auch eine ganze Menge fantasievollerer Namen, von denen ich hier eine kleine Auswahl zeigen möchte:

Dieser Name eines in den Gloucester Docks geparkten Bootes gefällt mir besonders gut.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Piston Broke, sprich „Pissed and Broke“. Auf dem Shropshire Union Canal.
Photo © Roger Kidd (cc-by-sa/2.0)

Calamity J’Aime, in Anlehnung an die amerikanische Wild-West-Heldin Calamity Jane. Auf dem Grand Union Canal.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Dieses Boot ist nicht über die Ozeane nach England gekommen, sondern nach dem Vogel Tui benannt, der in Neuseeland heimisch ist. Auf dem Grand Union Canal.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Und zu guter Letzt…ein Boot namens „Corona“; entgegenkommende Narrowboats werden da wahrscheinlich sehr großen Abstand halten. Auf dem Grand Union Canal.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 18. April 2020 at 02:00  Comments (6)  
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Smart Motorways – Pro und Kontra

Ein Teil der M3 in Hampshire wird als Smart Motorway ausgebaut.
Photo © Given Up (cc-by-sa/2.0)

Über 600 Kilometer aller britischen Autobahnen sind als Smart Motorways ausgebaut; eine gute Idee? Da gehen die Meinungen auseinander.

Es gibt drei verschiedene Arten dieser „intelligenten Autobahnen“: Da ist einmal die „Dynamic hard shoulder„, das heißt, die Standspur darf bei hohem Verkehrsaufkommen zeitweilig mitbenutzt werden, um den Verkehrsfluss zu beschleunigen (Beispiel: Die M4 zwischen Junction 19 und 20). Dann gibt es das System des „All lane running„, was bedeutet, dass der Standstreifen permanent befahren werden darf (Beispiel: Die M1 zwischen Junction 16 und 19). Schließlich noch der „Controlled motorway„; dabei ist der Standstreifen nicht für den fließenden Verkehr nutzbar (Beispiel: Die M42 zwischen Junction 7 und 9) . Bei allen drei Arten des Smart Motorways werden die Geschwindigkeitsbegrenzungen dem Verkehrsaufkommen angepasst, was durch Überwachungskameras kontrolliert wird.
Hier ist ein Film des RAC wie man die Smart Motorways nutzt.

Das klingt eigentlich alles sehr positiv, doch die Smart Motorways haben auch ihre Gegner, die zu Recht der Meinung sind, dass, wenn Autofahrer auf der Standspur, die als Fahrspur frei gegeben ist, mit einer Panne liegen bleiben, die Unfallgefahr erheblich zunimmt. In den letzten fünf Jahren sind 38 Menschen auf diesen Streckenabschnitten gestorben, und die Zahl der Beinahe-Unfälle hat sich drastisch erhöht. Auf der M25 zum Beispiel, wo auf bestimmten Abschnitten das „All lane running“ eingeführt wurde, ist die Gefahr eines Beinahe-Unfalls um das zwanzigfache gestiegen.

Es gibt zwar im Abstand von 2500 Metern Nothalteplätze, aber manchmal können diese von Autofahrern nicht mehr angesteuert werden, so sind Forderungen laut geworden, diese „emergency areas“ alle 800 Meter anzulegen. Es gibt zwar auf einigen Autobahnen das Stopped Vehicles Detection System, das innerhalb von zwölf Sekunden liegen gebliebene Fahrzeuge entdeckt und diese an die Überwachungszentralen meldet, aber bei dichtem Verkehr können trotzdem gefährliche Situationen entstehen, bis ein Bergungsfahrzeug eintrifft.

Eine Horrorvorstellung für jeden Autofahrer ist, mitten auf einer mehrspurigen Autobahn eine Panne zu haben. Aussteigen geht nicht, sitzen bleiben ist auch gefährlich. Was tun? Wenn das Autobahnkontrollzentrum so einen Fall auf dem Überwachungsbildschirm entdeckt, kann es sofort den betroffenen Fahrstreifen für den Verkehr sperren, indem auf den Anzeigetafeln ein rotes X für die Fahrspur erscheint, die dann nicht mehr befahren werden darf.

Auch Rettungs- und Polizeifahrzeuge haben es schwer, an einen Unfallort zu gelangen, wenn die Standspur, die sie sonst nutzen können, für den Verkehr freigegeben ist wie dieser Film zeigt.
Smart oder Nicht-Smart, es hat alles seine Vor- und Nachteile.

Smart Motorway: Die M6 in Staffordshire.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. Februar 2020 at 02:00  Comments (5)  
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The Aylesbury Railway Desaster – Ein Eisenbahnunglück in Buckinghamshire am 23. Dezember 1904

Der Bahnhof von Aylesbury heute.
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)

Sie freuten sich schon alle auf das bevorstehende Weihnachtsfest: Joseph Barnshaw, George Masters, David Summers und Josiah Stanton. Sie waren an Bord des sogenannten „newspaper train„, der am 23. Dezember 1904 wie gewöhnlich früh morgens von Londons Marylebone Bahnhof nach Manchester unterwegs war. Als der Zug um 3.38 Uhr in den Bahnhof von Aylesbury in Buckinghamshire einfuhr, war er viel zu schnell. Vielleicht wusste der Zugführer Joseph Barnshaw nicht, dass hier im Bahnhof eine sehr enge Kurve war, die nur mit 15 mph befahren werden durfte, der Zug war aber mit 50 mph unterwegs. Die Folge: Die Lokomotive und die zehn Waggons entgleisten und stürzten um. Die Trümmer verteilten sich auf die Bahnsteige und die Geleise, es herrschte Chaos im Bahnhof von Aylesbury. Für drei der genannten, im Zug mitfahrenden Männer kam jede Hilfe zu spät, Joseph Barnshaw verstarb etwas später im Krankenhaus.

Was waren die Gründe für das Aylesbury Railway Desaster? Nun, auf jeden Fall die zu hohe Geschwindigkeit. Aber warum fuhr Joseph Barnshaw so schnell in den Bahnhof ein? Da gibt es mehrere Vermutungen: Einmal, dass der Zugführer mit der Strecke nicht vertraut war. Es herrschte damals dichter Nebel, so dass es möglich ist, dass Mr Barnshaw die Warnschilder mit der Geschwindigkeitsbegrenzung nicht gesehen hatte. Und dann gab es damals noch eine andere Theorie: Ich erwähnte oben schon, dass der Zug auch „newspaper train“ genannt wurde, weil er die Londoner Zeitungen nach Manchester beförderte. Die Zeitungsmacher in London wollten ihre Gazetten so früh wie möglich in den Verkaufsständen in Manchester haben, damit sie, in Konkurrenz zu den örtlichen Zeitungen, einen Teil des Kuchens, sprich des Umsatzes, für sich in Anspruch nehmen konnten. Es hieß damals, dass die Zugführer angehalten waren, die Strecke London-Manchester so schnell wie möglich zurückzulegen. Möglicherweise kostete dieser Zeitdruck das Leben der vier tödlich verunglückten Männern.

Auf Grund des Unglücks wurde die enge Kurve im Bahnhof von Aylesbury später begradigt.

Published in: on 30. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Londoner Elizabeth Line und die Auswirkungen auf die Endstationen

Der neue Bahnhof von Reading in Berkshire, am westlichen Ende der Elizabeth Line.
Photo © Chris Wood (cc-by-sa/2.0)

Eigentlich sollte die neue Elizabeth Line in London im Laufe des Jahres 2019 ihren Betrieb aufnehmen, aber wie das nun mal bei Großbauprojekten ist, verzögert sich die Eröffnung wahrscheinlich bis Ende 2021. Die auch Crossrail genannte Strecke soll in West-Ost-Richtung quer durch London verlaufen und die Endpunkte Reading in Berkshire mit Shenfield in Essex verbinden. Schätzungsweise £18.25 Milliarden werden die Baukosten betragen, deutlich mehr als die ursprünglich geplanten Kosten. Etwa 110 Kilometer werden die 200 Meter langen Züge der Elizabeth Line pro Strecke zurücklegen, davon 20 Kilometer unterirdisch. Die Fahrtdauer zwischen den Stationen wird deutlich verringert, zum Beispiel von Abbey Wood im östlichen Bereich der Linie zum Flughafen Heathrow statt 93 Minuten nur noch 52 Minuten oder, innerhalb Londons, von der Bond Street nach Paddington nur noch 3 Minuten anstelle von 15 Minuten.

Gerade für Pendler ist die Elizabeth Line interessant und viele überlegen sich ernsthaft, ob sie nicht aus London wegziehen und sich in den Home Counties niederlassen, wenn sie so schnell in der City sein können, was natürlich schon jetzt zu einem rasanten Anstieg der Hauspreise in diesen Regionen geführt hat. Vor allem Berkshire und Buckinghamshire erfreuen sich großer Beliebtheit, die Preise dort gehen kontinuierlich nach oben. In Reading (Berkshire) beispielsweise sind die Hauspreise in zehn Jahren um über 35% gestiegen, auf durchschnittlich £426 000. Auch in der Region Slough in Berkshire sind die Preise für Häuser und Wohnungen drastisch gestiegen.

Der Bahnhof von Reading ist schon vor einigen Jahren komplett umgebaut worden, weil man nach Fertigstellung der Elizabeth Line mit sehr viel mehr Passagieren rechnet. Queen Elizabeth hat ihn am 17. Juli 2014 eröffnet. Rund £900 Millionen haben die kompletten Bauarbeiten gekostet. Auch andere Bahnhöfe wurden umgebaut, wie der von Abbey Wood (Greater London) auf dem östlichen Teil der Strecke (2017 neu eröffnet).

Ich frage mich, wer sich diese enorm hohen Hauspreise in diesen Pendlerorten eigentlich leisten kann. Menschen mit geringerem Einkommen können sich weder London noch den „commuter belt“ leisten und müssen noch weiter von der Hauptstadt entfernt wohnen, mit entsprechend längeren Fahrzeiten zum Arbeitsplatz in London, das ist keine schöne Entwicklung, die aber schon vor vielen Jahren begonnen hat.

Das östliche Ende der geplanten Elizabeth Line, der Bahnhof von Shenfield in Essex.
Photo © Dr Neil Clifton (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 19. Januar 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Das Fahren auf englischen Landstraßen – Einige persönliche Anmerkungen

Eine schmale Landstraße in Surrey.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Wenn ich mit meinem Auto in England unterwegs bin, stelle ich mein Navigationsgerät nicht mehr auf „kürzeste Verbindung“ ein, denn immer wieder hat es mich auf Wege geführt, die ich eigentlich nicht befahren wollte. Gerade im letzten Jahr, als ich im Oktober/November durch den Süden und Südwesten Englands fuhr, waren die kleinen Fahrwege durch den vielen Regen aufgeweicht und stark verschmutzt, und ich hasse es, mit einem dreckigen Auto unterwegs zu sein. Landstraßen in England sind häufig von hohen Hecken umstanden, kurvig, schwer einsehbar und manchmal auch nur einspurig. Es gibt zwar viele Ausweichbuchten, doch sind die immer am schmutzigsten. Bei Gegenverkehr klappt es eigentlich meistens ganz gut…wenn einem nicht ein riesiger Traktor entgegenkommt. Man ist sehr höflich, bedankt sich immer, wenn man die Ausweichbucht aufsucht und dem anderen Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt lässt. Ohne Navigationsgerät wäre man häufig in diesem Netz von Kleinststraßen verloren, denn die Beschilderung ist nicht die beste.

Das Fahren auf Landstraßen generell ist nicht ungefährlich; etwa 60% aller tödlichen Verkehrsunfälle ereignen sich dort. Das Risiko für Autofahrer, auf Landstraßen getötet zu werden, ist doppelt so hoch wie auf städtischen Straßen, für Motorradfahrer dreimal so hoch. Im Vergleich zu Autobahnen sieht es sogar noch schlechter aus: Die Zahl der Verkehrstoten auf Landstraßen ist elfmal höher als auf Autobahnen (laut Department for Transport). Durchschnittlich sterben drei Menschen pro Tag auf den „rural roads“. Fahrfehler und mangelnde Aufmerksamkeit sind die Hauptursachen der tödlichen Unfälle auf allen Straßen des Landes; zu schnelles Fahren in unübersichtlichen Kurven stellt ein weiteres Problem auf den „country roads“ dar.

Glücklicherweise bin ich bei meinen zahllosen Fahrten durch England nur ein einziges Mal in einen kleinen Unfall verwickelt worden, und das war in North Yorkshire in einem Kreisverkehr, wobei es aber lediglich zu einem Blechschaden bei meinem und dem anderen Auto kam.

Eigentlich fühle ich mich auf den Straßen Englands sicher, trotz links gelenktem Auto. Die allermeisten Autofahrer mit denen ich es zu tun hatte, waren eher defensiv eingestellt. Überholen auf Landstraßen kam recht selten vor. Aber möglicherweise haben andere Englandreisende ganz andere Erfahrungen gemacht.

Wenn einem dieser LKW entgegenkommt wird es eng, dann heißt es, rein in den Matsch einer Ausweichbucht.
Photo © Christine Johnstone (cc-by-sa/2.0)

Ein Unfall auf einer Landstraße in Suffolk.
Photo © Adrian Cable (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Januar 2020 at 02:00  Comments (6)  
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Quantock Heritage Bus Service – Oldtimer-Busse in Somerset

Ein Leyland Titan PD2.
Author: Geoff Sheppard.
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Schon von Kindesbeinen an liebte Steve Morris Busse. Ab 1974 begann er sie zu sammeln, so wie andere Briefmarken sammeln. Irgendwann hatte er einmal 30 Oldtimer-Busse. Er gründete die Firma Quantock Heritage, die es noch heute gibt und die in Langley Marsh bei Wiveliscombe in Somerset ihren Sitz hat. Die sorgfältig gepflegten alten Busse (darunter auch doppelstöckige) kann jedermann für besondere Anlässe mieten, egal ob für Hochzeitsfeiern, Geburtstage oder auch für Beerdigungsfeiern.

Da gibt es zum Beispiel einen Leyland Tiger PD2 aus dem Jahr 1953, in dem 56 Personen auf 2 „Stockwerken“ Platz nehmen können. Der AEC Regent ist noch älter; er wurde 1934 gebaut und ist ein Open Top Doubledecker.

Neben der Vermietung dieser Fahrzeuge bietet Quantock Heritage im Sommer auch noch einen Liniendienst an, in diesem Jahr vom 15. Juli bis zum 6. September. Von Montag bis Freitag bedient die Linie 300 die Strecke Minehead (Somerset) – Lynmouth (Devon), was etwas über eine Stunde dauert. Haltepunkte unterwegs sind u.a. Porlock und Selworthy. Dies ist eine landschaftlich sehr schöne Strecke, die nicht den berüchtigten, steilen Porlock Hill (A39) nimmt, sondern die Porlock Toll Road (New Road), die viele Haarnadelkurven zu bieten hat. Bei schönem Wetter hat man auf dieser Straße einen tollen Blick auf das Meer. Die Rückfahrt von Lynmouth nach Minehead führt dann über den steilen Porlock Hill (20% Gefälle mit mehreren Escape Lanes). Ich bin die Strecke einige Male gefahren und finde sie immer wieder faszinierend. Auch hier gibt es einen wunderschönen Blick auf Küste und Meer.

Dieser Film zeigt eine Fahrt auf der Linie 300.

Hier muss man sich entscheiden: Nehme ich die Porlock Toll Road oder die A39 über den Porlock Hill.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 18. Dezember 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Die A13 – Eine 68 Kilometer lange Straße, die von London nach Southend in Essex führt

Die A13, hier die East India Dock Road, in London.
Photo © Danny P Robinson (cc-by-sa/2.0)

Die A13 ist eine große Trasse, die London ostwärts verlässt, und die Stadt mit Southend an der Nordseeküste in Essex verbindet. Sie ist nur knapp 70 km lang und sehr gut ausgebaut, so dass die Londoner die Strände bzw. die Amüsierviertel von Southend schnell erreichen können.

Die A13 gehört sicher nicht zu den landschaftlich besonders reizvollen Straßen Englands. Sie beginnt am Ostrand der Londoner City und der London-nahe Abschnitt führt durch Industrieansiedlungen und Container-Umschlagplätze,  an den Ford-Werken in Dagenham (wo heute nur noch Motoren gebaut werden) und an dem riesigen Lakeside Shopping Centre vorbei. Gewaltige Strommasten und Gasometer beherrschen das Landschaftsbild. Die Themsemündung ist nie weit entfernt.

Die Londoner Ringautobahn M25 wird an deren Ausfahrt 30 gekreuzt und die A13 bleibt bis kurz hinter Basildon in Essex vierspurig. Von dort bis zu ihrem Ziel in Southend ist sie nur noch eine „Normalstraße“. Das heißt, das Ziel ist genauer gesagt Shoeburyness, der Ort mit dem merkwürdigen Namen im Osten von Southend.

Es gibt einen sehr interessanten Film über die A13, der hier zu sehen ist.

Die Straße wurde auch schon besungen. Billy Bragg, der 1957 an der A13 in Barking geboren wurde, hat den Song“A13 Trunk Road to the Sea“ geschrieben und der hört sich wie eine genaue Routenbeschreibung der Straße an. Hier ist der Text.

 

Die A13 bei Barking.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Hier in Shoeburyness in Essex geht die A13 zu Ende.
Photo © David Kemp (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 14. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Gladstone Adams (1880-1966) – Der Mann, der den Scheibenwischer erfand

Plakette an einem Haus in der City Road in Newcastle.
This photo is in the public domain courtesy of Open Plaques.

Gladstone Adams wurde 1880 in Newcastle geboren, und er verbrachte den größten Teil seines Lebens in dieser Region im Nordosten Englands. Im Mittelpunkt seines Berufslebens stand die Fotografie. Adams war professioneller Fotograf und in den 1920er Jahren beschäftigte Adams in seinen Studios bis zu 90 Angestellte. Er nahm alle möglichen Aufträge an, vom Erstellen von Hochzeitsfotos bis zu Arbeiten für Zeitungen. Außerdem war er der offizielle Fotograf des Fußballvereins Newcastle United.
Und da kommen wir zu dem eigentlichen Thema von heute. Im April des Jahres 1908 fuhr Gladstone Adams mit seinem vier Jahre alten Auto der Marke Darracq von Newcastle nach London, um sich das Cup Final anzusehen, bei dem Newcastle United gegen die Wolverhampton Wanderers spielte. Damals waren Autos noch etwas Seltenes und daher erregte sein Darracq in der Haupstadt erhebliches Aufsehen.

Nachdem das Spiel beendet war, das die Wanderers mit 3:1 gewannen, machte sich Gladstone Adams wieder auf den langen Heimweg zurück nach Newcastle. Obwohl es schon Ende April war, geriet er in extrem schlechtes Wetter mit Schnee und Regen. Immer wieder musste der Mann sein Auto anhalten, aussteigen und mit den Händen den Schnee von der Windschutzscheibe wischen. Durchnässt stieg er in sein Auto ein, bis zum nächsten fällig werden Halt, weil er einfach nicht richtig durch die Scheiben sehen konnte. Da müsste man doch etwas machen können, dachte sich Adams, und auf dieser Fahrt von London nach Newcastle entstand die Idee, Autos mit einem Scheibenwischer zu versehen. Drei Jahre lang feilte er an seiner Idee herum, bis es schließlich im April 1911 so weit war, dass er seinen Scheibenwischer bei einem Patentanwalt in Liverpool anmelden konnte. Die Apparatur wirkt nach heutigen Maßstäben sehr primitiv, aber immerhin sie funktionierte, obwohl sie nie in Serie ging. Der Prototyp ist im Discovery Museum in Newcastle ausgestellt.

Aber: Wie das nun mal bei Erfindungen vorkommt…es gibt noch einige mehr, sowohl in den USA als auch in Großbritannien, die Patente auf Scheibenwischer angemeldet hatten und das schon vor 1911. Trotzdem gilt Gladstone Adams immer noch als der eigentliche Erfinder der „windscreen wipers“.

Der Fotograf aus Newcastle wird auch mit der Erfindung des mechanisch betriebenen Fahrtrichtungsanzeigers, des Winkers (englisch: trafficator), in Verbindung gebracht, aber auch in diesem Fall gibt es mehrere Mitbewerber, die diese Erfindung für sich in Anspruch genommen haben.

Ein Darracq wie ihn Gladstone Adams fuhr steht im Mittelpunkt des Films „Genevieve“ (dt. „Die feurige Isabella“) aus dem Jahr 1953. Hier ist ein Ausschnitt.

Published in: on 5. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Ein Flugzeugabsturz mit fatalen Folgen am 24. Dezember 1924 in Purley (Greater London)

Die Erinnerungsstätte an der Kingsdown Avenue in Purley.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Es sollte ein Weihnachtsbesuch in Paris werden für fünf Briten, einen Brasilianer und einen Chilenen, die sich am 24. Dezember 1924 vom Londoner Flugplatz Croydon auf den Weg zum Pariser Flughafen Le Bourget machten. Am Steuer der De Havilland DH.34 der Imperial Airways saß der 34 Jahre alte Pilot David Arthur Stewart. Zeugen des Starts bemerkten, dass die Maschine recht langsam vom Boden weg kam und schon nach zwei Kilometern war der Flug zu Ende, denn es gab ein Problem mit den Motoren. David Stewart hatte die De Havilland nicht mehr im Griff und über dem Ort Purley im Süden Londons stürzte das Flugzeug ab. Mit der Nase voran bohrte es sich in den Boden, dort, wo gerade die Häuser des Kingsdown Estates gebaut wurden. Es gab beim Aufprall der gerade aufgetankten Maschine eine Explosion und sie brannte vollständig aus. Alle acht Insassen kamen  bei dem Absturz ums Leben. Es hätte sogar noch schlimmer können, denn um ein Haar hätte die De Havilland noch einen Passagierzug gerammt, der auf dem Weg von London nach Brighton war.

Eine gründliche Untersuchung der Absturzursache zog sich bis in das nächste Jahr hin. Das Ergebnis der Untersuchung ergab, dass den Piloten keinerlei Schuld traf, und das Flugzeug auf Grund eines nicht mehr identifizierbaren technischen Defekts verunglückte.

An der Kingsdown Avenue in Purley wurde an der Absturzstelle von der Croydon Airport Society und der Kingsdown Avenue Residents‘ Association zur Erinnerung eine Plakette angebracht, wo jedes Jahr am Weihnachtsabend ein Kranz niedergelegt wird.

Zwei Jahre nach dem Unglück in Purley wurden die anderen elf Maschinen des Typs De Havilland DH.34 außer Betrieb genommen.

Ein Flugzeug des Typs, das in Purley abstürzte.
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Published in: on 20. August 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Milton Keynes in Buckinghamshire – Ein Dorado für Fahrer elektrischer Autos und für Parkplatzsucher

Das Schnellladezentrum in der Nähe der Autobahn M1 in Milton Keynes.
Photo © Philip Jeffrey (cc-by-sa/2.0)

Milton Keynes ist eine Retortenstadt, die vor zwei Jahren ihren 50. Geburtstag feierte. MK, wie die Stadt kurz auch genannt wird, wurde im Schachbrettmuster angelegt und der Verkehr wird durch zahllose Kreisverkehre geregelt. Viele große und mittlere Unternehmen haben sich hier im Laufe der Jahre niedergelassen (Mercedes Benz, Volkwagen, Argos, Suzuki) und daher strömen Tag für Tag Tausende Pendler aus dem Umland in die Stadt und das heißt, volle Straßen, volle Parkplätze. Um die Parkplatzsuche zu vereinfachen, hat man in MK ein Projekt gestartet, das die Wirkungsweise des „Collaborative Parking“ untersucht.  Fahrzeuge werden mit Parksensoren und einem speziellen Display ausgerüstet, das dem Fahrer aktuell freie Parkplätze, auch in Parkhäusern, anzeigt. Wie das funktioniert, zeigt dieser Film.

Milton Keynes ist eine sehr innovative Stadt und man versucht hier, den Verkauf von Elektroautos mit einer Reihe von Maßnahmen zu fördern. So steht in MK Großbritanniens erstes Electric Vehicle Experience Centre, in dem sich jedermann über Elektroautos informieren kann. Große Anbieter wie BMW, Volkswagen, Renault, Nissan, Mitsubishi und Kia stellen in dem Centre ihre elektrisch betriebenen Fahrzeuge aus, so dass die potentiellen Käufer alles unter einem Dach finden und nicht von Händler zu Händler fahren müssen. Wer möchte, kann die Autos auch sofort probefahren oder sie sogar für wenig Geld eine ganze Woche lang testen. Das kurzfristige Ziel von Milton Keynes ist, dass 23% aller Neuzulassungen Elektroautos sind.

Um das zu erreichen, wurde die Infrastruktur erheblich ausgebaut. Neben zahlreichen Aufladestationen (zur Zeit sind es etwa 365) in der Stadt wurde Großbritanniens größtes Schnellladezentrum installiert, nur einen Katzensprung von der Autobahn M1 entfernt (Junction 14), wo 8 Fahrzeuge gleichzeitig in kurzer Zeit aufgeladen werden können.
Ein weiterer Vorteil für Fahrer von E-Autos ist, dass sie fast überall kostenlos parken können., was natürlich gerade für Pendler, die ihr Fahrzeug den ganzen Tag unterbringen müssen, sehr interessant ist.

Also: Milton Keynes steht in Großbritannien ganz weit oben, was E-Autos anbelangt und ist an der Go Ultra Low-Kampagne beteiligt, die den Absatz dieser Autos ankurbeln soll, einer Kampagne von Staat und Autoindustrie.

Dieser Film fasst noch einmal zusammen, was sich in MK in Richtung Elektromobilität tut.

Published in: on 11. August 2019 at 02:00  Comments (8)  
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William Huskisson (1770-1830) – Das erste prominente Opfer eines Eisenbahnunglücks

An dieser Stelle ereignete sich das Unglück. Ein Denkmal erinnert daran.
Photo © David Ashcroft (cc-by-sa/2.0)

Am 15. September 1830 kam erstmals in der Geschichte des englischen Eisenbahnwesens ein Mensch ums Leben, der in die Kategorie „Prominenter“ einzuordnen ist. Vorher starben schon Eisenbahner, die im technischen Betrieb tätig waren, aber an diesem Tag im September erwischte es einen Politiker und Parlamentsmitglied namens William Huskisson (1770-1830), der bei der Eröffnung der neuen Liverpool and Manchester Railway anwesend war. Die 56 km lange Eisenbahnstrecke verband die Industriestadt mit der Hafenstadt.

An diesem denkwürdigen Tag starteten acht Züge von Liverpool aus; in einem fuhr der damalige Premierminister Arthur Wellesley, Duke of Wellington, mit.

Bei Newton-le-Willows in Lancashire (jetzt Merseyside) musste der Zug, in dem die Prominenz saß, anhalten, damit die Lokomotive Wasser aufnehmen konnte. Man stieg aus, um sich die Beine zu vertreten; William Huskisson wechselte ein paar Worte mit dem Premierminister und achtete nicht besonders auf das parallel verlaufende Gegengleis auf dem sich die Dampflokomotive Rocket näherte. Als er sich der Gefahr bewusst wurde, versuchte Huskisson noch, sich in den Waggon zu flüchten, doch die Wagentür schwang auf und der daran hängende Politiker geriet genau in den Weg der heranrauschenden Lokomotive. Huskisson stürzte und sein linkes Bein wurde von den Rädern der Lok zertrümmert.
Der berühmte Eisenbahnpionier George Stephenson fuhr den Schwerverletzten mit einem Zug in das nächstgelegene Krankenhaus nach Eccles, wo man versuchte, dem Parlamentsmitglied das Leben zu retten. Die Verletzung war aber zu schwerwiegend und Huskisson starb noch am selben Tag.

Huskisson wurde auf dem St James Cemetery in Liverpool beerdigt und an dem Ort, an dem er ums Leben kam, errichtete man eine Gedenktafel, die heute im National Railway Museum in York untergebracht ist.

Hier ist die Geschichte noch einmal im Film zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Simon Garfield:  The Last Journey of William Huskisson – How a Day of Triumph Became a Day of Despair at the Turn of a Wheel. Faber and Faber 2003. 256 Seiten. ISBN 978-0571216086.

Das Huskisson Mausoleum auf dem St James’s Cemetery in Liverpool.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. Mai 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Dawlish Sea Wall in Devon – Gebaut von Isambard Kingdom Brunel

„Für einen Ingenieur gibt es das Wort Unmöglich nicht“, war ein Leitsatz Isambard Kingdom Brunels, der im 19. Jahrhundert Eisenbahnlinien, Brücken und Schiffe baute. So war er auch für den Bau der South Devon Railway verantwortlich, einer Linie, die von Exeter nach Plymouth führte und deren erstes Teilstück 1846 eröffnet wurde. Die Strecke von Exeter nach Newton Abbot war als atmosphärische Eisenbahn geplant, eine neue Technik, die sich aber bald als zu kostspielig im Unterhalt erwies. Auf diesem Abschnitt findet sich auch die Dawlish Sea Wall, eine landschaftlich besonders schöne Strecke, die direkt an der Küste entlangführt. Eisenbahnenthusiasten meinen sogar, dass es sich hier um eine der eindrucksvollsten Linien der Welt handelt.

Es liegt auf der Hand, dass der Unterhalt der Bahnlinie sehr teuer ist, die so dicht am Meer und an den Klippen vorbeiführt. Die Rede ist von von £9 Millionen, die in den letzten Jahren für die Sicherheit ausgegeben wurden. Bei stürmischen Wetter kann es vorkommen, dass die Wellen bis über die Schienen, ja sogar bis über die Eisenbahnwaggons schlagen und bei besonders extremen Wetterlagen muss die Strecke geschlossen werden.

Am 4 Februar 2014 war es besonders schlimm. Ein Sturm und ein sehr hoher Wellengang spülten 40 Meter von der Mauer weg, so dass die Bahnlinie geschlossen werden musste. Nach zwei Monaten konnte die Strecke wieder freigegeben werden.

Ein Pub in Starcross, der direkt an der Eisenbahnlinie liegt, erinnert noch an die frühen Brunelschen Tage und seine damals aufsehenerregende Antriebstechnik: The Atmospheric Railway Inn.

Wie die Dawlish Sea Wall bei Sturm aussieht, zeigt dieser Film und hier ist noch ein Ausschnitt aus der großartigen BBC-Dokumentation „Coast„.

Das Buch zum Artikel:
Colin J. Marsden: Dawlish Sea Wall – The Railway between Exeter and Newton Abbot. Ian Allen 2009. 96 Seiten. ISBN 978-0711033740.

The Atmospheric Railway Inn in Starcross (Devon).
Photo © Richard Rogerson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. April 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Redcar British Steel Railway Station – Der Bahnhof mit dem geringsten Passagieraufkommen in Großbritannien

In den Jahren 2016/17 war der Bahnhof von Barry Links in Schottland, zwischen Dundee und Carnoustie gelegen, der mit dem geringsten Passagieraufkommen in Großbritannien; gerade einmal 24 Menschen nutzten ihn in diesem Zeitraum, ein Rekord. Da sich dort aber plötzlich die Passagierzahlen verdoppelt hatten, rutschte Barry Links auf Platz 2 ab; der neue Spitzenreiter heißt Redcar British Steel Railway Station in der Grafschaft North Yorkshire, die 2017/18 von 40 Personen aufgesucht wurde. Der Bahnhof war einmal für Stahlarbeiter gedacht, die in den daneben liegenden Stahlwerken ihr Brot verdienten, doch als die Werke 2015 schlossen, benötigte man den Bahnhof eigentlich nicht mehr, doch trotzdem wurde er offen gehalten.
Hier gibt es weder einen Parkplatz, noch einen Warteraum oder einen Fahrkartenautomaten, von Toiletten ganz zu schweigen. Viermal am Tag, außer sonntags, hält ein Zug an der Redcar British Steel Railway Station, doch so gut wie niemand steigt hier ein oder aus. Sollte tatsächlich einmal jemand aussteigen, käme der nicht weit, denn er dürfte das überschaubare Bahnhofsgelände nicht verlassen, weil drum herum alles in Privatbesitz ist.
So frage ich mich, was denn diese 40 Passagiere hier eigentlich gemacht haben. Vielleicht sind sie irrtümlich eine Station zu früh oder zu spät ausgestiegen? Es sollen einige Eisenbahnfanatiker darunter gewesen sein, die nur aus- und wieder eingestiegen sind, um die Passagierzahlen in die Höhe zu treiben. Sollte das Schule machen, würde Redcar bald wieder von seinem Spitzenplatz verdrängt werden und vielleicht von Denton (Greater Manchester) überholt werden, wo nur einmal in der Woche, immer freitags, ein Zug anhält, oder von der Teesside Airport Railway Station (County Durham), die im Zeitraum 2017/18 von 74 Passagieren benutzt wurde (2013/14 waren es ganze 8).

Dieser witzige Film zeigt wie zwei Männer sich auf den Weg nach Redcar machen, um dem Bahnhof einen Besuch abzustatten.

Barry Links Railway Station in Schottland.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Denton (Greater Manchester) Railway Station.
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)

Teesside Airport Railway Station
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)

Sea Tractors – Merkwürdige, hochbeinige Gefährte an der Küste von Devon

Der Sea Tractor von Burgh Island.
Eigenes Foto.

In meinem Blogeintrag über das Burgh Island Hotel vor der Südküste von Devon erwähnte ich bereits einmal einen der wenigen, noch im Einsatz befindenden Sea Tractors, merkwürdige, hochbeinige Gefährte, mit denen man durch Wasser fahren kann. Der Sea Tractor von Burgh Island wird immer dann eingesetzt, wenn die Insel von der Flut vom Festland abgeschnitten ist und Gäste an- bzw. abreisen möchten. Auf einer erhöhten Plattform sitzen die Passagiere und der Fahrzeuglenker, ein Dach schützt sie vor Regen, seitlich aber ist der Traktor offen, so dass bei stärkerem Wellengang alle ganz schön nass werden können wie dieser Film zeigt. Bei Sturm und einer gewissen Höhe des Wassers muss aber auch der Fahrbetrieb des Sea Tractors eingestellt werden, dann ist man im Burgh Island Hotel von der Außenwelt abgeschnitten und muss auf die Ebbe warten. Übrigens wurde das Art Déco-Hotel („the best hotel West of The Ritz“) im vorigen Jahr verkauft. Der neue Besitzer will viel Geld in die Erweiterung  des Hauses und in die Renovierung des benachbarten Pilchard Inns stecken. Der Sea Tractor wird hoffentlich beibehalten werden.

Gar nicht weit von Burgh Island entfernt, am South Sands Beach, ebenfalls in Devon, ist ein weiterer Einsatzort eines Sea Tractors. Er dient dort als verlängerter Arm des kleinen Fährschiffs, das Passagiere vom gegenüberliegenden Salcombe zu den Stränden bringt. Da das Boot nicht direkt am Beach anlegen kann, kommt ihm der Sea Tractor entgegen und übernimmt bzw. übergibt die Fahrgäste. 2014 wurde der alte Traktor ausgemustert, der 30 Jahre lang im Einsatz war und durch einen neuen ersetzt, der aber genauso wie sein Vorgänger aussieht. In diesem Film ist die Prozedur des Anlegemanövers South Sands Ferry/Sea Tractor zu sehen.

An Bord des Traktors.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Der Sea Tractor von South Sands.
Photo © Derek Voller (cc-by-sa/2.0)

Übergabe der Passagiere von der Fähre zum Traktor am South Sands Beach.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 9. Februar 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Londoner U-Bahnstation Finsbury Park und der tragische Tod eines Jazz- und Bluesmusikers

Die Londoner U-Bahnlinie Piccadilly Line führt auf rund 71 Kilometern quer durch London. Finsbury Park (hier im Film zu sehen) ist eine der Stationen, zwischen Arsenal und Manor House gelegen, eine stark frequentierte Umsteiger-Haltestelle mit über 30 Millionen Fahrgästen jährlich. Am 8. Mai 1974 starb auf diesem Bahnhof der Jazz- und Bluesmusiker Graham Bond einen tragischen Tod. Der 36-jährige wurde von einem einfahrenden Zug erfasst und war sofort tot. Es dauerte einige Zeit bis seine Identität von den Behörden festgestellt werden konnte. Wie es zu dem tragischen Ereignis kam, wurde nie eindeutig geklärt. Vieles spricht für Selbstmord, Bond hatte immer wieder Drogenprobleme gehabt, soll aber in der Zeit vor seinem Tod clean gewesen sein. Trotzdem gibt es eine Theorie, die besagt, dass ihn Drogendealer, denen Bond Geld schuldete, in die U-Bahnstation verfolgten und es dann zu dem Sturz vor die Bahn kam.

Nach einer anderen, sehr merkwürdigen Theorie soll während eines Exorzismus ein Dämon in ihn gefahren sein, der den Musiker in den Bahnhof trieb und ihn zwang, sich vor den Zug zu stürzen. Graham Bond beschäftigte sich in den letzten Jahren seines Lebens intensiv mit dem Okkultismus und war der Meinung, der Sohn des berühmten Okkultisten Aleister Crowley (1875-1947) zu sein. Zwei von Bonds letzten Alben trugen die Titel „Holy Magick“ (1970) und „We Put Our Magick On You“ (1971).

Graham Bond spielte in den 1960er und 1970er Jahren mit den Größen der damaligen Musikszene zusammen wie Jack Bruce, Ginger Baker, John McLaughlin und Alexis Korner, um nur einige zu nennen.
Seine Beerdigungsfeier fand im South London Crematorium in Streatham Park statt, bei der Jack Bruce die Orgel spielte. Bonds Asche wurde in das Rocky Valley bei Tintagel nach Cornwall gebracht und dort in einem Wasserfall verstreut, den er sehr liebte und der Jack Bruce und Pete Brown inspirierte, den Song „Tickets to Waterfalls“ zu schreiben.

Hier ist Graham Bond am Keyboard zu sehen und zu hören.

Das South London Crematorium.
Photo © Bilbo (cc-by-sa/2.0)

Das Rocky Valley bei Tintagel in Cornwall.
Photo © David P Howard (cc-by-sa/2.0)

Der Stokenchurch Gap – Ein Durchbruch durch die Chiltern Hills auf der Autobahn M40

Auf einer Fahrt von Dorchester-on-Thames in Oxfordshire nach London fuhr ich über die B4009 in Richtung Autobahn M40, die ich bei Lewknor, ebenfalls in Oxfordshire gelegen, bei Junction 6 erreichte. Nach kurzer Fahrt führte die Autobahn durch einen canyonartigen Einschnitt durch die Chiltern Hills, der Stokenchurch Gap genannt wird oder auch Aston Rowant Cutting, da die M40 hier durch die Aston Rowant National Nature Reserve geleitet wird. Die Einheimischen nennen den Streckenabschnitt auch nur The Canyon. Das 1200 Meter lange Teilstück wurde damals beim Bau der Autobahn bis zu einer Tiefe von 47 Metern durch Kalkstein gebrochen und ist sicher für Geologen sehr interessant anzusehen, für den Autobahnbenutzer aber auch.

Der Stokenchurch Gap heißt so, weil der kleine Ort Stokenchurch in Buckinghamshire direkt neben der Autobahn liegt. In der ersten Hälfte der 1970er Jahre wurde die M40 zwischen den Ab-/Auffahrten 5 und 6 gebaut und da gab es jede Menge Zündstoff, denn Naturfreunde und Umweltschützer wendeten sich vehement gegen den Durchbruch durch die Chiltern Hills, zerstörte er doch einen Teil des Naturschutzgebietes Aston Rowant National Nature Reserve, das eigentlich unantastbar war. Gegenvorschläge der Naturschützer wischte man vom Tisch; diese sahen einen Tunnel unter den Chiltern Hills vor bzw. einen Ausbau der bereits bestehenden A40 (die hier parallel zur Autobahn verläuft).
Gleich am Anfang des Vorspanns zur TV-Serie „The Vicar of Dibley“ ist der Stokenchurch Gap aus der Vogelperspektive zu sehen.

Das Thema Untertunnelung der Chilterns stellt sich jetzt erneut beim Bau der Hochgeschwindigkeitsbahnlinie HS2. Voraussichtlich Ende 2019 soll damit begonnen werden, und der Chiltern Tunnel wird nach Fertigstellung eine Länge von 15,8 Kilometern haben.

Published in: on 22. Dezember 2018 at 02:00  Comments (7)  
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Tebay Services – Zwei Autobahnraststätten an der M6 in Cumbria

Tebay West Services.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Wenn man den Motorway M6 in Cumbria in Nord- oder in Südrichtung befährt, sollte man unbedingt einmal eine Rast bei den Tebay Services einlegen, die zwischen den Ausfahrten 38 und 39 liegen.

Diese beiden Autobahnraststätten gehören nicht zu den großen Ketten wie Moto, Welcome Break oder Roadchef, sondern sie sind die einzigen in England in Familienbesitz und gehören der Westmorland Family.
1972 bereits wurde die Raststätte in Nordrichtung eröffnet, 1993 folgte ein paar hundert Meter gegenüber eine Motorway Service Area in Südrichtung.

Die Tebay Services liegen in freier Landschaft inmitten von Bäumen und kleinen Seen; die Gebäude wurden aus Holz und Stein aus der unmittelbaren Umgebung gebaut. Man legt Wert auf umweltbewusstes Verhalten, so bietet das Restaurant überwiegend lokale Produkte an, z.B. Rind- und Lammfleisch von der eigenen Farm, die neben der Raststätte in Südrichtung liegt. Die Farm Shops wurden 2004 sogar von Prince Charles feierlich eröffnet.
Für Trucker gibt es eine eigene Raststätte an der M6, die sich J.38 Services nennt und an der Autobahnausfahrt 38 liegt. Eine weitere Raststätte, die von der Westmorland Motorway Services Limited betrieben wird, liegt an der A5 bei Gloucester zwischen Junction 11a und 12.
Das Familienunternehmen, das die Tebay Services betreibt, wurde vielfach ausgezeichnet, so beispielsweise mit dem Cumbria Family Business Award 2017 und dem Cumbria Life Food and Drink Award 2013.

Hier ist ein Film über die Tebay Services.

Tebay East Services.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 28. November 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Hochgeschwindigkeitsstrecke HS2 von London nach Birmingham und ihre Auswirkung auf die Grafschaft Buckinghamshire

Ein Plakat in Waddesdon (Buckinghamshire).
Photo © John Winder (cc-by-sa/2.0)

HS2 oder High Speed 2 ist der Name eines der größten europäischen Bauprojekte; es ist eine Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitstrasse, die in der ersten Bauphase von London nach Birmingham führen und im Jahr 2026 den Betrieb aufnehmen soll. Durch HS2 wären die Reisenden etwa eine halbe Stunde eher am Ziel als bisher. Der Aufwand für diese Zeiteinsparung: Baukosten in Höhe von rund £50 Milliarden, die Enteignung und der Abriss von vielen (auch historischen) Häusern, die Lärmbelastung für die Menschen, die in unmittelbarer Nähe der Stecke wohnen, schädliche Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. Kein Wunder, dass es im ganzen Land, aber besonders in den betroffenen Regionen, Widerstand gegen das Projekt gibt.

Buckinghamshire ist besonders betroffen, da HS2 die gesamte Länge der Grafschaft durchqueren soll…und der Zug wird hier nicht einmal halten. Der geballte Zorn der Bürger und der Regionalpolitiker macht sich in Worten laut wie „It will have no value and bring nothing to the people of Buckinghamshire“ oder „It’s a stupid waste of money“. Wenigstens die Chiltern Hills werden auf einer Länge von 15,8 Kilometer untertunnelt, aber auch das hat direkte Auswirkungen für die Region Amersham/Great Missenden, denn der Schwerlastverkehr in der Bauphase des Tunnels wird den Verkehr dort stark belasten.

Es gibt in Großbritannien ein Gesetz, das dem Staat erlaubt, in gewissen Fällen eine Zwangsenteignung für Grundstücke und Häuser durchzuführen. Wenn also Häuser der Bahntrasse im Wege stehen, ist es möglich, dass die Eigentümer ihren Besitz räumen müssen (natürlich enthalten sie eine Entschädigung). Aber auch wer darum herum kommt und bleiben kann, dessen Immobilie wird drastisch an Wert verlieren, denn wer würde schon ein Haus kaufen, dass nur in geringem Abstand zu einer Bahnlinie steht, auf der Züge mit über 300 km/h vorbeidonnern?

Betroffen sind in Buckinghamshire beispielsweise die historische Savay Farm bei Denham mit dem unter Denkmalschutz stehenden Savay House. HS2 wird dort in einem Abstand von 300 Metern vorbeifahren. Auch das großartige Waddesdon Manor steht gefährlich nahe an der Strecke, und man fragt sich, ob die von HS2 hervorgerufenen Vibrationen Auswirkungen auf das Haus haben können. Die Orte Twyford, Chetwode und Stoke Mandeville werden erheblich unter HS2 leiden. In Stoke Mandeville soll der Friedhof der ehemaligen Kirche St Mary the Virgin am Ortsrand für die Trasse Platz machen, und die Bulldozer werden die Gräber beseitigen.

Stop HS2 ist eine Plattform im Internet, die sich vehement gegen den Bau der Hochgeschwindigkeitstrasse ausspricht. Stuttgart 21 lässt grüßen…
Hier ist ein Film, der sich damit beschäftigt, ob HS2 seinen Preis wert ist.

Proteste auch bei The Lee in Bucks.
Photo © Peter S (cc-by-sa/2.0)

Hier bei Denham Green soll ein Viadukt den Grand Union Canal überqueren.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. September 2018 at 02:00  Comments (4)  
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Single Track Roads – Einige persönliche Erfahrungen

Der Cut Throat Lane bei Ledbury in Herefordshire (ist nicht so gefährlich wie er klingt).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

A single-track road or one-lane road is a road that permits two-way travel but is not wide enough in most places to allow vehicles to pass one another„, so formuliert es die Wikipedia. Diese einspurigen Straßen sind in Großbritannien häufiger anzutreffen als in Deutschland. Im Norden Englands und vor allem in Schottland kommt man mit ihnen in dünn besiedelten Gegenden öfter in Berührung. Man hat sich beim Bau der schmalen Straßen gesagt, dass es sich auf Grund des geringen Verkehrsaufkommens nicht lohnt, die teureren zweispurigen Straßen anzulegen.

Nach meinen eigenen Erfahrungen klappt das Befahren der Single Track Roads sehr gut. Die Fahrer sind in den meisten Fällen rücksichtsvoll und höflich. In Abständen sind „passing places“ angelegt, die man aufsucht, damit der entgegenkommende Verkehr vorbei kommt. In machen Regionen sind diese Ausweichstellen mit von weitem gut erkennbaren Schildern oder mit Pfosten markiert. Allerdings habe ich schon viele dieser engen Straßen befahren, deren „passing places“ bei nasser Witterung schlammig waren und man dort ungern hineinfuhr. Die Ausweichstellen sind meistens nicht asphaltiert. Schwieriger wird es, wenn man auf einer Single Track Road einem LKW oder einem breiten landwirtschaftlichen Fahrzeug begegnet, dann reicht der „passing place“ manchmal nicht aus und man muss ein ganzes Stück zurückfahren, um eine entsprechende Stelle zu finden, an der beide Fahrzeuge vorbeikommen. Bei Latimer in Buckinghamshire ist mir das mit einem Trecker passiert, da musste ich eine gefühlte Ewigkeit zurücksetzen; ebenso in der Nähe von Folkestone in Kent, als mir ein Bus entgegenkam. Aber letztendlich klappt es dann doch und man bedankt sich gegenseitig mit einem freundlichen Winken.

Dieser nette kleine Animationsfilm zeigt wie man die einspurigen Straßen befahren sollte, und dieser Film zeigt es noch einmal in der Realität.

Hier kann es schon einmal eng werden: Eine Single Track Road bei Hessenford in Cornwall.
Photo © BB (cc-by-sa/2.0)

Gut einsehbar ist diese Straße in der Moorlandschaft bei Edenfield in Lancashire.
Photo © Paul Anderson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. August 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Blockley (Gloucestershire) – Hier werden Beiwagen für Motorräder hergestellt

Blockley in den Cotswolds.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

Blockley ist ein Dorf in den Cotswolds, das zur Grafschaft Gloucestershire gehört. Hier gibt es zwei Pubs, einen Dorfladen und die Kirche St Peter and St Paul, die für die BBC-Serie „Father Brown“ verwendet wurde und noch wird; darin heißt sie St Mary’s Roman Catholic Church.

Im außerhalb des Ortes gelegenen Northwick Business Centre finden wir die Firma Watson Squire Ltd die sich auf die Herstellung von Motorradbeiwagen spezialisiert hat. Die Kombination Motorrad plus Beiwagen ist sowohl auf deutschen als auch auf englischen Straßen eher selten zu sehen (laut Wikipedia beträgt in Deutschland der Zulassungsanteil im Segment Krafträder 0,6 Prozent).

1912 gründete T.F. Watson in Birmingham die Watsonian Folding Sidecar Co., deren Produkte im Ersten Weltkrieg eingesetzt wurden. Auch nach dem Krieg war immer eine gewisse Nachfrage nach Mororradbeiwagen da, und die Produktion florierte besonders in den 1950er Jahren, bevor sie in den 1960er Jahren, als sich immer mehr Menschen Autos leisten konnten, drastisch abnahm. 1984 zog die Firma nach Blockley in Gloucestershire um und fusionierte vier Jahre später mit Squire Sidecars, die 1973 in Bidford-on-Avon (Warwickshire) gegründet worden war und die sich, neben der Produktion von Beiwagen, auf die Herstellung von Motorradanhängern spezialisiert hatte. Heute ist  Watson Squire Ltd der größte Produzent für „sidecars“ in Großbritannien.

Ein Beiwagen der Firma Watson Squire Ltd.
Author: Steve Parker
This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Das Eisenbahnunglück in Charfield (Gloucestershire) vom 13. Oktober 1928 und das Geheimnis der beiden toten Kinder

Hier in Charfield ereignete sich das schwere Eisenbahnunglück.
Photo © Ray Bird (cc-by-sa/2.0)

Es geschah am 13. Oktober 1928 morgens um 4.28 Uhr, als der Postzug von Leeds nach Bristol, im Bahnhof von Charfield in South Gloucestershire mit voller Wucht auf einen dort stehenden Güterzug prallte. Der Zugführer des in Richtung Bristol fahrenden Zuges erkannte bei schlechter Sicht das auf Rot stehende Signal nicht, und erst als es schon zu spät war, löste er den Bremsvorgang aus. Bei dem Zusammenstoß entgleisten die Lokomotive und mehrere Waggons des Postzuges. Es brach ein Feuer aus, das viele der Waggons komplett zerstörte. Wie durch ein Wunder kamen der Zugführer und der Heizer so gut wie unverletzt davon, die beiden Männer in der Lokomotive des Güterzugs wurden verletzt. Das eigentliche Drama aber spielte sich in den Personenwagen des Postzuges ab, in denen 14 Menschen starben (manchmal ist auch die Rede von 15 bzw. 16), die meisten bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Viele der Angehörigen der Opfer stimmten dem Vorschlag zu, die Toten in einem Gemeinschaftsgrab zu beerdigen.

Zwei der Opfer des Zugunglücks von Charfield blieben unidentifiziert, zwei Kinder, wohl ein Mädchen und ein Junge. Das Merkwürdige war, dass niemand die beiden Kinder als vermisst meldete. Bis heute weiß keiner, um wen es sich dabei handelte. Beide wurden ebenfalls in dem Gemeinschaftsgrab beigesetzt. Bald tauchten alle möglichen Vermutungen auf, wer die Kinder sein könnten. Eine davon war, dass es gar keine Kinder, sondern Jockeys waren, die ja meistens eher kleinwüchsig sind. Andere wiederum meinten, dass es sich um keine Menschen, sondern um Bauchrednerpuppen handelte. Oder gab es die Kinder gar nicht und es waren „fake news“, die die Presse erfand, um die Story des Unfalls „aufzupeppen“?

Wie auch immer, das Geheimnis bleibt ungelöst. Auf dem Friedhof der St James‘ in Charfield wurde ein Denkmal errichtet, das an die Opfer des Unglücks erinnert. Und da entstand eine neue mysteriöse Geschichte. Einwohner des Ortes wollen viele Male eine komplett in Schwarz gekleidete alte Dame gesehen haben, die am Denkmal Blumen hinterlegte und dann schnell wieder in einem von einem Chauffeur gelenkten Auto wegfuhr. Kannte diese Dame in Schwarz die Identität der beiden Kinder?

Nick Blackstock hat über das Eisenbahnunglück und die beiden mysteriösen Kinder einen Roman geschrieben, „Something Hidden„, der 2009 erschien. Dieser Film zeigt Originalaufnahmen vom Unglücksort.

In memoriam:

Mrs Clara Annie Johnson Aged 46. Sheffield.
Miss Millicent Sarah Radford Aged 47. Derby.
John Henry Pinkney Aged 27. Gloucester.
Walter Tovey. Aged 38. Derby.
Richard Whitehead. Aged 57. Leicester.
Mrs Esther Matilda Whitehead. Aged 60. Leicester.
Miss Florence Hilda Cross. Aged 38. Belper .
William Lawton. Aged 53. Torpoint, Plymouth.
Mrs Eliza Jane Lawton. Aged 49. Torpoint, Plymouth
Goodwin Philip Jenkins. Aged 22. Milverton, Somerset.
Two Unknown.

Denkmal auf dem Kichhof von St James‘ in Charfield.
Photo © Paul Best (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. August 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – David McKie: Riding Route 94 – An Accidental Journey through the Story of Britain

Foto meines Exemplares.

David McKies Buch „Great British Bus Journeys: Travels Through Unfamous Places“ habe ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt. Darin schreibt er von seinen Reisen quer durch Großbritannien, bei denen er ausschließlich Linienbusse benutzt.
Auch in McKies aktuellem Buch „Riding Route 94 – An Accidental Journey through the Story of Britain“ reist er mit Linienbussen durch das Land, allerdings nur mit denen, die eine Route befahren, in der die Nummer „94“ vorkommt, wobei auch „394“, „494“ oder „594“ zulässig sind. Er hätte auch jede andere Busroute mit einer anderen Nummer wählen können, aber McKie meinte, dass die „94“ am besten passen würde.

„This is a book not about buses, it’s a book about where they take you“, so beginnt „Riding Route 94“ und beschreibt, was den Leser erwartet. Links und rechts am Straßenrand begegnen wir Dörfern und Städten, über die es viel zu sagen gibt, und David McKie macht das auf eine äußerst interessante Weise. Hier sind einige Beispiele:

Eine der Linien 94 führt von Oxford über Charlton-on-Otmoor nach Bicester und in diesem Kapitel stehen die Otmoor Riots im Mittelpunkt, bei denen die Menschen in dieser Region in den Jahren 1829 bis 1835 dagegen protestierten, dass man ihnen ihr Recht entzog, auf „common land“ ihre Tiere weiden zu lassen.

Die Linie 494 verbindet Selby und Tadcaster in North Yorkshire und führt an dem Schlachtfeld von Towton vorbei, wo am 29. März 1461 eine der blutigsten Schlachten der englischen Geschichte ausgetragen wurde, und die Truppen des Hauses York auf die des Hauses Lancaster stießen. McKie geht ausführlich auf dieses Ereignis ein.

Im Nordosten Englands führt eine Buslinie 94 von Gateshead über Team Valley, Low Fell, Felling und Heworth wieder nach Gateshead zurück. Im Mittelpunkt dieses Kapitels steht die Stadt Gateshead und die Rivalität mit Newcastle, beide durch den River Tyne getrennt. Gateshead gilt als das hässliche Entlein, auf das das stolze Newcastle mit Verachtung von der anderen Flussseite herüberblickt.

Ein richtig interessantes und empfehlenswertes Buch!!

David McKie: Riding Route 94 – An Accidental Journey through the Story of Britain. Pimpernel Press 2017. 246 Seiten. ISBN 978-1-910258-34-7.

Auch mit diesem Bus der Linie 94 von Gloucester nach Cheltenham war David McKie unterwegs.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Charlton-on-Otmoor.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Das Schlachtfeld von Towton mit einer Erinnerungsstätte.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Gateshead (links) und Newcastle (rechts) am River Tyne.
Photo © Andrew Tryon (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 14. Juli 2018 at 02:00  Comments (2)  

Die geplante Start- und Landebahn 3 des Londoner Flughafens Heathrow und die Auswirkungen auf die umliegenden Ortschaften

Compulsary purchase„, also Zwangsenteignung, ist ein Wort, das seit Jahren wie ein Damoklesschwert über den Bewohnern der Orte Harmondsworth, Sipson und Longford schwebte, die alle im Dunstkreis des riesigen Flughafens London Heathrow liegen. Immer wieder war die Rede davon, dass der Flughafen eine dritte Start- und Landebahn brauche. Noch David Cameron in seiner Zeit als Premierminister versprach den Menschen in den betroffenen Orten, dass es unter ihm keine Flughafenerweiterung geben würde. Auch der frühere Londoner Bürgermeister Boris Johnson favorisierte andere Zukunftspläne; aber das ist jetzt alles hinfällig geworden, das Damoklesschwert hat zugeschlagen, denn das Parlament genehmigte vor wenigen Tagen den dritten „runway“. Entsprechend entsetzt war die Reaktion der Menschen, die nun eine Zwangsenteignung ihrer Häuser befürchten müssen. Betroffen werden nach ersten Berechnungen zwischen 700 und 1000 Häuser sein, die abgerissen werden. Doch es kann noch wesentlich schlimmer kommen, denn nach den Planungen von Heathrow Airport gibt es noch eine sogenannte „Wider Property Zone“, das heißt “ residents may have to move out of the area because of new and significantly adverse living conditions.” Im Klartext: Rund 15 000 Menschen müssen wahrscheinlich aus dieser Zone zusätzlich „entfernt“ werden müssen.

Die Hausbewohner sollen bis zu 125% des Marktwertes ihrer Häuser als Entschädigung erhalten, doch reicht das, um sich im Großraum London eine neue Unterkunft zu kaufen? Die meisten wollen natürlich nicht von hier weg, wo manche schon Zeit ihres Lebens gewohnt haben, doch es nützt vielen nichts, sie haben keine andere Wahl. Diejenigen, die bleiben können, werden sich an noch mehr Fluglärm gewöhnen müssen, denn rund 700 Starts und Landungen wird es zusätzlich geben. Das Verkehrsministerium sagt, dass eine knappe Million Menschen von dem Lärm der startenden und landenden Flugzeuge betroffen sind, nach Inbetriebnahme der dritten Bahn werden es bis zu 100 000 mehr sein. £700 Millionen sind eingeplant, um Häuser mit besseren Schallisolierungen zu versehen, aber die Lebensqualität derjenigen, die bleiben (können), wird stark reduziert sein.

Über den Überlebenskampf der Gemeinde Sipson habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben, ebenso über den Ort Harmondsworth, von dem etwa die Hälfte abgerissen werden soll.  Longford wird komplett asphaltiert werden bzw. unter einem neuen Terminal verschwinden.

Die Stadtautobahn M25 wird ein ganzes Stück unterirdisch unter dem „runway“ verlegt. Ich kann mir jetzt schon die endlosen Staus vorstellen, wenn die Bauarbeiten beginnen.

Alles andere als rosige Aussichten für die bemitleidenswerten Menschen, die (noch) am Rande des Flughafens leben.

Harmondsworth (Greater London).
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Wie lange noch??? King William IV in Sipson (Greater London).
Photo © Rod Allday (cc-by-sa/2.0)

Dieses Idyll in Longford (Greater London) wird bald nur noch in der Erinnerung der Bewohner existieren.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 1. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Die Mersey Gateway Bridge – Sie verbindet Runcorn mit Widnes in Cheshire

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Am 14. Oktober 2017 wurde eine neue Brücke über den River Mersey eröffnet, die die bisherige Silver Jubilee Bridge, entlasten soll; letzere wird zurzeit generalüberholt. Die neue Mersey Gateway Bridge wurde erst jetzt, vor wenigen Tagen, offiziell eröffnet, in Anwesenheit der Queen und dem neuen Mitglied des Königshauses, der Duchess of Sussex, im früheren Leben Meghan Markle. Die Medien aus aller Welt berichteten von dem Ereignis, das heißt, die Brücke, die ja eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte, interessierte die anwesenden Reporter nicht; ihnen war viel wichtiger was die Duchess trug und wie sie mit der Queen kommunizierte. Daher gibt es auch erheblich mehr Fotos von den beiden Royals als von der Mersey Gateway Bridge.

Bei mir ist es genau andersherum, denn ich finde das im vorigen Jahr fertiggestellte Bauwerk viel interessanter als die Kleiderfarbe der Queen (giftgrün) oder wer das Outfit der Herzogin entworfen hat.

2,2 Kilometer lang ist die neue Brücke über den Mersey River, die die A533 von Runcorn nach Widnes führt, und sie hat drei Spuren in jede Richtung. £600 Millionen hat sie gekostet, eine Menge Geld, aber die alte Brücke war längst an ihre Belastungsgrenze angelangt mit mehr als 80 000 Fahrzeugen pro Tag. Das Befahren der Mersey Gateway Bridge ist kostenpflichtig. PKWs zahlen £2, LKWs je nach Größe bis zu £8. Und schon hat sich eine Protestbewegung gegen den Brückenzoll erhoben. Die Mitglieder von Scrap Mersey Tolls machen sich stark dafür, dass die Überquerung des Mersey kostenlos sein soll, so wie es bisher auf der alten Silver Jubilee Bridge war; doch auch diese wird nach ihrer Neueröffnung mit einer Maut belegt werden.

Hier sind Bilder von der (inoffiziellen) Eröffnung der Brücke im Oktober 2017.

Dies und das über englische Tankstellen

Die unter Denkmalschutz stehenden Zapfsäulen der West End Garage in Turnastone (Herefordshire).
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Mal ehrlich, wenn wir mit unseren Autos zum Tanken fahren, dann beachten wir doch die Bauweise der Tankstelle doch so gut wie gar nicht? Irgendwie sehen sie doch alle gleich aus, ob es sich nun um Shell, Aral oder Jet handelt; das gilt für Deutschland und auch für England. Helen Jones ist eine „petrol station historian“, die sich intensiv mit der Architektur der Tankstellen befasst und darüber sogar ihre Doktorarbeit geschrieben hat. Marcello Minale hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „How to Design a Successful Petrol Station“ (das sich allerdings nicht ausschließlich auf Großbritannien bezieht); es gibt also durchaus Menschen, die sich Gedanken über dieses Thema gemacht haben.

Die Zahl der Tankstellen in ganz Großbritannien hat übrigens in den letzten 17 Jahren stark abgenommen, obwohl immer mehr Autos auf den Straßen unterwegs sind. Mehr als 35% sind in diesem Zeitraum geschlossen worden. BP betreibt das dichteste Netz mit rund 8500 Tankstellen. BP, Esso und Shell haben mehr als 1000 „petrol stations“. Die großen Supermarktketten wie Tesco, Asda oder Morrisons bieten ihren Kunden ebenfalls Benzin und Diesel an und haben einen Marktanteil von rund 45%. Tesco ist von diesen der Marktführer.

Die erste Tankstelle des Landes soll an der A4, der Bath Road, in der Nähe der Ortschaft Aldermaston in Berkshire gestanden haben und im März 1920 eröffnet worden sein. Ganz uralte Zapfsäulen stehen noch immer in der West End Garage in Turnastone in der Grafschaft Herefordshire, die noch aus den 1920er Jahren stammen und unter Denkmalschutz stehen. Llyn E. Morris‘ Buch „The Country Garage“ (Shire Libraray 2010) beschäftigt sich mit diesen alten Tankstellen.

Ich habe hier einmal einige Bilder zum Thema zusammengestellt:

Eine typische Tankstelle wie man sie überall sieht, hier in Coseley (West Midlands).
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Eine Tesco-Tankstelle in Kingsteignton (Devon).
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Ein recht altes Exemplar einer Tankstelle in Somerleyton (Suffolk).
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

Es war einmal…Eine ehemalige Tankstelle in Markham Moor (Nottinghamshire).
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

 

Published in: on 8. Juni 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Splish! Splash! – Von Furten in England und deren Durchquerung

Heute wird es etwas nass in meinem Blog, denn ich beschäftige mich mit dem Thema „Furt„.

Als Furt bezeichnet man eine Untiefe in einem Bach- oder Flusslauf, mittels der das Gewässer zu Fuß oder mit Fahrzeugen durchquert werden kann„, so lautet die Erklärung der Wikipedia des Begriffes „Furt“, im Englischen „ford„. Es gibt davon eine ganze Menge in England wie diese Karte zeigt. Städtenamen wie Oxford, Stratford-upon-Avon, Hertford, Hereford usw.usw. weisen darauf hin.

Einer, der sich bestens mit Furten auskennt, ist John Walton, der sich auch gern „Ford Hunter“ nennt, denn er hat sich im Jahr 2010 ein Ziel gesetzt: Er will alle englischen „fords“ aufsuchen und sie dokumentieren. Auf seinen Webseiten hat er sie im Bild festgehalten und nach Grafschaften sortiert. Mit seinem Geländewagen hat John Walton die Furten natürlich auch durchquert und einiges im Film festgehalten.

Auf einer anderen Webseite, www.wetroads.co.uk., die die Furten ganz Großbritanniens auflistet, werden wichtige Hinweise für das Durchqueren von Furten gegeben. Wenn man nicht gerade ein allradgetriebenes Fahrzeug hat, sollte man das vielleicht lieber bleiben lassen.

Hier sind einige Fotos von besonders interessanten „fords“:

Hier würde ich mit meinem Auto nicht durchfahren: Rolleston on Dove in Staffordshire.
Photo © M J Richardson (cc-by-sa/2.0)

Mitten in Brockenhurst (Hampshire) im New Forest.
Photo © Alan Melton (cc-by-sa/2.0)

Good Easter Ford in Essex.
Photo © John Walton (cc-by-sa/2.0)

Wer traut sich da hinein?
Der River Tees bei der Swinelair Farm in North Yorkshire.
Photo © Hugh Mortimer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Mai 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Gateshead Millennium Bridge – Eine Kippbrücke zwischen Newcastle-upon-Tyne und Gateshead

Die Brücke in Ruheposition.
Photo © David P Howard (cc-by-sa/2.0)

Am 17. September 2001 wurde die Millennium Bridge in Betrieb genommen, die den River Tyne zwischen den beiden Städten Newcastle und Gateshead überquert. Die Queen ließ es sich nicht nehmen, sie ein gutes halbes Jahr später offiziell einzuweihen. Die Brücke ist nur für Fußgänger und Radfahrer konzipiert worden, und sie hat einen ganz besonderen Clou. In Ruhestellung geht man bequem fast ebenerdig von einem Ufer zum anderen. Kommt aber ein Schiff den Tyne entlang, so kann die Brücke hoch geklappt bzw. gekippt werden. Schiffe bis zu 25 Metern Höhe können auf diese Weise passieren. Auf Grund ihrer Form und ihrer Funktionsweise bezeichnet man die 126 Meter lange Brücke in der Region auch als Blinking Eye Bridge. Es ist schon ein besonderes Schauspiel mitzuerleben wie die Millennium Bridge gekippt wird (hier im Zeitraffer im Film zu sehen). Beim ersten Kippvorgang wohnten 36 000 Zuschauer auf beiden Seiten des River Tyne dem Spektakel bei.

Wer mit seinem Schiff die Brücke unterqueren möchte, muss das im voraus buchen und so stehen die sogenannten „tilt times“ schon früh fest.

Konzipiert und gebaut wurde die Millennium Bridge von den beiden Firmen Wilkinson & Eyre (London) und Gifford & Partners (Southampton). Sie kostete £22 Millionen, wiegt über 800 Tonnen, wird von acht Elektromotoren betrieben und es dauert vier und eine halbe Minute bis sie jeweils ihre Position erreicht hat. Die Brücke sammelt automatisch Müll und Gegenstände auf, die sich beim Kippen auf ihr befinden, indem diese in dafür vorgesehene Behälter auf beiden Seiten rutschen.

Seit ihrem Bestehen hat die Brücke über den Tyne 25 Auszeichnungen erhalten, darunter den RIBA Stirling Prize des Royal Institute of British Architects, den Concrete Society Award und den Award of Excellence.

Die Millennium Bridge wurde schon auf einer Briefmarke und einer 1-Pfundmünze abgebildet.

Dieser Film zeigt das Öffnen der Brücke in Echtzeit und hier ist sie illuminiert bei Nacht zu sehen.

Die Brücke in gekippter Position.
Photo © Stephen Horncastle (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. Mai 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Battle of George Green in Wanstead (Greater London) – Der Kampf für den Erhalt einer 250 Jahre alten Kastanie

Die Kastanie auf dem George Green, kurz bevor sie beseitigt wurde.
This work is released into the public domain.

Bis zum Jahr 1965 gehörte Wanstead zu der Grafschaft Essex, danach wurde die Stadt in die Region Greater London eingemeindet. Der rund 12 000 Einwohner große Ort liegt im Nordosten der Metropole. Die A12 zieht eine Schneise durch Wanstead und verschwindet kurzzeitig unterirdisch am George Green im George Green Tunnel. Der Bau dieser Straße, A12 Hackney to M11 link road genannt, führte in den 1990er Jahren zu großen Bürgerprotesten in Wanstead, in deren Mittelpunkt ein 250 Jahre alter Kastanienbaum stand, denn der sollte nach den Planungen der Straßenbaubehörde weg, weil er den Bauarbeiten im Weg stand. Der Tunnel für die Straße wurde nicht, wie man es für die Anlage der U-Bahn kennt, komplett unterirdisch durchgeführt, sondern mit der Cut and Cover-Methode, das heißt, die Trasse wurde erst aufgegraben und anschließend wieder abgedeckt.

Wansteads Bürger gingen 1993 auf die Barrikaden und kämpften für ihre Kastanie, angeführt von einer Lollipop Lady, einer Schülerlotsin, die Kinder aus der Umgebung animierte, sich für den Erhalt des Baumes einzusetzen und die wiederum ihre Eltern mit ins Boot holten. Die Baumschützer, die mittlerweile auch aus anderen Regionen Englands hierhergekommen waren, zogen alle Register, bauten ein Baumhaus im Gipfel der Kastanie, das kurzzeitig sogar eine eigene Postleitzahl bekam (E11 1AA), zogen vor Gericht, rissen die von der Baufirma rund um den Baum aufgestellten Zäune nieder und bildeten eine Menschenmenge um das zu schützende Objekt. Doch es half alles nichts, am 7. Dezember griff die Polizei ein, die vier Stunden brauchte, um alle Demonstranten zu entfernen, so dass schließlich eine Baumaschine freie Bahn hatte, den Kastanienbaum, der mittlerweile nur noch The Tree genannt wurde, umzureißen. So war alles umsonst, die Lollipop Lady war auch entlassen worden, weil sie die Protestaktionen in ihrer Dienstuniform durchgeführt hatte. Ein Debakel auf der ganzen Linie, die Behörden hatten gewonnen. Der Verkehr braust unterirdisch am George Green vorbei, doch dort stehen glücklicherweise noch weitere Bäume, darunter auch Kastanien.

Hier ist ein Film, der den Battle of George Green dokumentiert.

Eine junge und eine alte Kastanie auf dem George Green in Wanstead.
Photo © Roger Jones (cc-by-sa/2.0)