Straßenpoller, einmal anders gestaltet

„Im Straßenverkehr bezeichnet man als Poller oder Pfosten kleine Pfeiler oder ähnlich gestaltete Elemente aus Metall, Holz oder Beton. Sie werden eingebaut, um das Befahren oder Beparken von Bereichen wie Gehwegen, Radwegen oder Fußgängerzonen mit breiten Fahrzeugen zu verhindern“, so definiert die Wikipedia den Begriff des Straßenpollers. In den allermeisten Fällen geht man an diesen Pfosten einfach vorbei, ohne sie eines Blickes zu würdigen, denn sie fallen einfach nicht weiter ins Auge. Doch es gibt auch Poller (englisch: bollard), die künstlerisch gestaltet sind, von denen ich hier einige Beispiele nennen möchte:

Sehr originell finde ich die Poller vor der Cambridge University Library, die in Form von gestapelten Büchern gestaltet sind. Die vier mittleren „bollards“ kann man drehen und die Bücher neu arrangieren. Geschaffen hat das Kunstwerk der lokale Bildhauer Harry Gray.

In Whitchurch in der Grafschaft Hampshire hat man sich von den ziemlich drögen schwarzen Einheitspollern verabschiedet und sie im Ortszentrum bunt angemalt. Steve Miller, ein Künstler aus Whitchurch, wurde damit beauftragt und schon sieht es hier viel fröhlicher aus.

Im Londoner Stadtteil Hornsey kam man anlässlich des Crouch End Festivals 2013 auf die Idee, den Straßenpollern am Uhrenturm ein gehäkeltes Mützchen zu verpassen. Leider war der Spaß schnell vorbei, denn die Mützen wurden entwendet und jetzt stehen die Poller wieder barhäuptig an der Straße.

An der Marina von Hythe in Hampshire sind zwar auch schwarze Poller aufgestellt, der Clou ist aber eine Vertiefung in ihnen, die praktischerweise als Blumenvase dient…und schon sieht das alles viel freundlicher aus.

Vor der Avenue Primary School in Leicester hat man die Standardpoller gegen „Kinderpoller“ ausgetauscht, die ein widerrechtliches Parken von Autos vor dem Schulgebäude verhindern.

Published in: on 16. August 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Autoproblem in Aylesbury (Buckinghamshire)

Rechts hinter der Tankstelle ist die Sackgasse Townsend Piece, wo wir mit unserem Auto strandeten; sie geht von der Bicester Road ab.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Ich glaube, bei meinem nächsten Besuch in England werde ich einen großen Bogen um die Stadt Aylesbury in Buckinghamshire machen, denn bereits zweimal bin ich hier mit meinem Auto liegengeblieben. Beim ersten Mal hatte ich ein Problem mit der Pumpe meiner Servolenkung, das nach drei Tagen von der kleinen Firma Dell Motor Service behoben werden konnte. Beim zweiten Mal war es weitaus schlimmer. Von unserem Hotel, The Kings Arms in Old Amersham, wollten wir zum wiederholten mal einen Ausflug durch Inspector Barnabys Midsomer County starten, sahen uns ausführlich das hübsche Dorf Little Missenden an und waren auf der A413 in Richtung Great Missenden unterwegs, als der Bordcomputer meines Autos eine Warnung ausgab, dass nicht genügend Wasser im Kühler vorhanden ist. Ich fuhr gleich auf den nächsten Parkplatz und sah wie Wasser aus dem Kühler heraustropfte. Ich füllte ihn auf und nach wenigen Kilometern gab es wieder die Warnmeldung. Ich suchte mir in der nächstgrößeren Stadt, Aylesbury, eine Vauxhall Werkstatt, Perrys, an der Bicester Road, ein riesiges Gelände, auf dem spezielle Einweiser die ankommenden Autofahrer  auf einen freien Parkplatz lotsten. Dort wurde mir gleich signalisiert, dass sie keine Reparaturen vornehmen können, da sie wochenlang ausgebucht seien. Trotzdem kam jemand aus der Werkstatt und sah sich mein tropfendes Auto an. Er schüttelte nur mit dem Kopf und sagte, an dieses exotische Auto (ein Cadillac Seville STS) würde sich niemand herantrauen und nannte mir eine kleine nicht weit entfernte Werkstatt, die die Reparatur eventuell vornehmen könnte. Im Aylesbury Service Centre, einer winzigen Werkstatt („The small garage with a big passion for service“) in einer kleinen Sackgasse, winkte man gleich ab, als ich mit meinem Anliegen dort erschien. Ich könnte gern am kommenden Montag vorbeikommen, da würde man sich mit meinem Problem befassen. Da es aber erst Dienstag war, konnte ich diese Werkstatt auch vergessen.

Was nun? Mein Caddy tropfte unentwegt weiter, also parkte ich ihn erst einmal in dieser kleinen Sackgasse, die den Namen Townsend Piece trug und rief meinen Automobilclub in Deutschland an. Der reagierte sofort und schickte seinen Partnerclub, den Royal Automobil Club, los, der in einer knappen Stunde eintraf. Der Fahrer des Pannenfahrzeugs sah sich den Schaden an und stellte fest, dass der „radiator“ nicht repariert werden konnte. Also sollte ein neuer Kühler her, den es aber in ganz Großbritannien für mein Auto nicht gab. Der außerordentlich hilfsbereite RAC-Mann telefonierte stundenlang überall herum, um mein Problem lösen zu können, aber leider vergeblich. Mein deutscher Automobilclub entschied schließlich, dass das Fahrzeug nach Deutschland zurücktransportiert werden muss. Da ich mein Auto aber nicht tagelang im Townsend Piece stehenlassen wollte, ließ ich es von einem Abschleppservice zurück nach Old Amersham in unser Hotel bringen. Dort war man äußerst hilfsbereit und wir durften den Wagen so lange auf dem Hotelparkplatz stehenlassen, bis er nach acht Tagen von einem holländischen Spezialunternehmen zu meiner Stammwerkstatt nach Braunschweig zurücktransportiert wurde.

Abgesehen von den beiden nicht sehr entgegenkommenden Werkstätten traf ich bei meiner Autopanne wieder auf sehr hilfsbereite Menschen: Der RAC-Pannenhelfer, der fünf Stunden bei uns ausharrte (nach seiner Aussage, der längste Einsatz seines Berufslebens), mein Automobilclub, der ACE, der sich großartig um uns kümmerte und unseren Rückflug organisierte und bezahlte, und das Personal des Kings Arms in Old Amersham (Thank you, Tasha!!!) und des benachbarten The Crown Hotel, wo unser Auto zwischenzeitlich Asyl fand.

Vielen Dank an alle!!!

The Kings Arms in Old Amersham.
Eigenes Foto.

The Crown Hotel in Old Amersham.
Eigenes Foto.

Published in: on 15. August 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Das Trolleybus-Museum in Sandtoft (Lincolnshire) – Das weltweit größte Museum für Oberleitungsbusse

Oberleitungsbusse oder auch Trolleybusse genannt, sind eine deutsche Erfindung. Werner von Siemens stellte sie 1882 in Berlin der Öffentlichkeit vor. Es dauert einige Zeit, 29 Jahre, bis auch in England diese schienenlose Busse eingesetzt wurden. Leeds und Bradford in West Yorkshire waren die beiden ersten Städte im Land, die auf diese Technik setzten. Im Juni 1911 starteten sie ihre Personenbeförderung mit Oberleitungsbussen. Während sich Leeds im Juni 1928 schon wieder von ihnen verabschiedete, blieb das benachbarte Bradford den Bussen bis zum 26. März 1972 treu und stellte erst dann, als letzte Stadt in England, den Verkehr mit ihnen ein.

In Sandtoft, einem kleinen Ort in Lincolnshire, an der Autobahn M180 gelegen, hat man auf dem ehemaligen Gelände der Royal Air Force diesen Vehikeln ein Museum gewidmet, das das größte seiner Art weltweit ist. Das Trolleybus Museum of Sandtoft besitzt über 60 historische Oberleitungsbusse, von denen noch viele einsatzbereit sind. Im September 1971 öffnete das Museum erstmals seine Pforten für die Öffentlichkeit, nachdem viele Trolleybus-Enthusiasten Fahrzeuge aus dem ganzen Land hierher nach Lincolnshire geholt hatten. Zu besichtigen sind Busse aus dem ganzen Land (mit dem Schwerpunkt Bradford), aber auch einige aus Deutschland, Frankreich, Belgien und sogar aus Südafrika und Neuseeland.

Das Museum in Sandtoft ist in der Zeit von April bis November nur an wenigen Tagen im Monat, den sogenannten Trolleydays, geöffnet, überwiegend am Wochenende. Der Eintritt beträgt £8, darin enthalten sind so viele Trolleybusfahrten wie man möchte. In einem dem Museum angegliederten Shop sind Bücher, DVDs und Trolleybusmodelle erhältlich.

Fans der Oberleitungsbusse haben sich in mehreren Gesellschaften zusammengeschlossen, so in der British Trolleybus Society, der National Trolleybus Association und der Bradford Trolleybus Association (in der Stadt trauert man diesen speziellen Bussen wohl noch immer nach).

Hier ist ein Film über einen Besuch im Trolleybus-Museum in Sandtoft.

The Trolleybus Museum
Belton Road
Sandtoft
Doncaster, DN8 5SX.

Published in: on 28. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Die Woolwich Ferry – Eine kostenlose Fähre, die in London Autos über die Themse befördert

Die John Burns am Woolwich Ferry North Pier.
Photo © Andrew Tatlow (cc-by-sa/2.0)

Sie heißen John Burns, Ernest Bevin und James Newman, die drei Fähren, die im Osten Londons die Stadtteile Woolwich North und Woolwich South miteinander verbinden, benannt nach Londoner Politikern, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts tätig waren. Die Woolwich Ferry erspart den Autofahrern längere Umwege und außerdem ist sie kostenlos, wo gibt es so etwas heute noch?

An dieser Stelle verkehren schon Themsefähren seit dem 14. Jahrhundert. Seit dem 23. März 1889 besteht der Fährservice wie wir ihn heute kennen, der von den beiden Schiffen Gordon und Duncan aufrecht erhalten wurde. Da der Brückenzoll in London aufgehoben worden war, stellte man auch die Fähre kostenlos zur Verfügung. Die Londoner Stadtverwaltung überlegte immer mal wieder, hier ein Brücke zu bauen, verwarf die Pläne aber stets.

Die drei Fährschiffe, die heute noch im Einsatz sind, wurden 1963 gebaut und transportieren jährlich etwa zwei Millionen Menschen in ihren Autos über die Themse. Fußgänger nutzen in zunehmendem Maße den Woolwich Foot Tunnel. Da die drei Fähren mittlerweile ihr Rentenalter erreicht haben, werden zurzeit zwei neue modernere Schiffe gebaut, die demnächst ihre Vorgänger ablösen werden. Die Namen der beiden Fähren stehen jetzt schon fest: Dame Vera Lynn, benannt nach der legendären Sängerin, die ganz in der Nähe geboren wurde, und Ben Woollacott, ein 19jähriges Besatzungsmitglied, das 2011 bei einem Unfall auf der Fähre ums Leben kam.

Die Fährlinie, die in den Händen des Transport for London (TfL) liegt, verkehrt montags bis samstags in der Zeit von 6.10 Uhr bis 20 Uhr, sonntags von 11.30 Uhr bis 19.30 Uhr (da wollen die Kapitäne wohl etwas länger schlafen). Der Dienst wird nur bei dichtem Nebel und bei extrem hohem Wasserstand eingestellt.

Eines der Fährschiffe, das vor 1963 im Einsatz war, die John Benn, spielte eine Rolle in dem Science Fiction-Fim „The Giant Behemoth“ (dt. „Das Ungeheuer von Loch Ness“) eine Rolle und wird darin von dem Monster versenkt. In diesem Filmausschnitt kann man das noch einmal miterleben.

Dieser Film zeigt eine Überquerung der Themse mit der Woolwich Ferry.

An Bord der John Newman.
Photo © Andrew Tatlow (cc-by-sa/2.0)

Der Woolwich Foot Tunnel.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 24. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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London Necropolis Railway – Die Eisenbahnlinie der Toten

Der ehemalige Eingang zur Bahnstation in der Westminster Bridge Road.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

In der Londoner Straße Westminster Bridge Road steht ein unscheinbares Haus mit der Nummer 121, dessen Eingang mit einem Gitter verbarrikadiert ist. Viele, die an diesem Haus vorbeigehen, wissen sicher nicht, dass es sich hierbei einmal um ein Eisenbahnstation gehandelt hat, von der aus lebende und tote Passagiere zum Brookwood Cemetery (ich berichtete in meinem Blog schon einmal darüber) bei Woking in Surrey transportiert wurden. Betreiber dieser speziellen Eisenbahnverbindung war die London Necropolis Railway, die 1854 gegründet wurde. Der Hintergrund: Mitte des 19. Jahrhunderts waren die innerstädtischen Friedhöfe der britischen Hauptstadt voll; man konnte die Toten nicht mehr unterbringen und deshalb suchte man nach Auswegen aus dieser Misere… und fand den riesengroßen Friedhof Brookwood Cemetery bei Woking, der zwei Jahre zuvor angelegt worden war und als größter Friedhof der Welt galt.
Wie sollte man die in London gestorbenen Menschen nun hierherbringen? Da bot sich die Eisenbahn an, und die neugegründete London Necropolis Railway nutzte für einen Teil der Linie bereits existierende Gleise, legte aber eine eigene Verbindung zum Brookwood Cemetery.

In London baute die Eisenbahngesellschaft im Stadtteil Waterloo die Station an der Westminster Bridge Road mit allen erforderlichen Einrichtungen wie Andachtsräumen und hydraulischen Vorrichtungen, um die Särge auf die Waggons zu hieven. Am anderen Ende der Linie, in Brookwood, gab es zwei Bahnsteige, einen für Verstorbene, die der anglikanischen Kirche angehörten, und einen für alle anderen Glaubensgemeinschaften. Da man im viktorianischen Zeitalter in einer stark ausgeprägten Klassengesellschaft lebte, unternahmen die Verblichenen ihre letzte Reise auch in unterschiedlichen Waggons, in der ersten, zweiten oder der dritten Klasse.

Die Betreiber der Linie (auch manchmal „The Stiffs Express“ genannt) hatten allerdings mit mehr „Passagieren“ gerechnet, es waren durchschnittlich nur 2300 pro Jahr, geplant waren 10 000 bis 50 000. In den 87 Jahren, in denen die London Necropolis Railway bestand, transportierte sie ca 200 000 Leichen von Waterloo nach Brookwood. Das Ende der Linie kam im Jahr 1941, als deutsche Flugzeuge in der Nacht vom 16. auf den 17. April London bombardierten, wobei die Bahnstation schwer beschädigt wurde. Der Zugverkehr zum Brookwood Cemetery wurde nie wieder aufgenommen.

Auf der Londoner Seite der ehemaligen Bahnlinie ist nur noch oben erwähnter Stationseingang zu sehen, die beiden Bahnsteige in Brookwood wurden abgerissen.
Dieser Film fasst die Geschichte der Bahnlinie der Toten noch einmal zusammen.

Hier im Brookwood Cemetery verliefen einmal die Gleise der Necropolis  Railway.
Photo © Len Williams (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Lollipop-Men and -Ladies – Sie führen Kinder sicher über verkehrsreiche Straßen

Ein Lollipop-Man bei der Arbeit in Crediton (Devon).
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Wer kennt sie nicht, die meist älteren Damen und Herren in ihren auffälligen reflektierenden Jacken, die zweimal täglich, zu Schulbeginn und zu Schulende, dafür sorgen, dass die Kinder sicher über die Straßen geleitet werden? Man nennt sie Lollipop Men bzw. Lollipop Ladies wegen ihres großen bunten Stoppschildes, das an einen Lollipop erinnert, und mit dem sie die Autofahrer stoppen. Schülerlotsen heißen sie in Deutschland; man sieht sie in England aber wesentlich häufiger als hier bei uns.

1953 erschienen sie erstmals auf den englischen Straßen, als der Autoverkehr nach dem 2. Weltkrieg zunahm und Kinder immer wieder Opfer von Unfällen wurden.
Die School Crossing Patrols, wie die offizielle Bezeichnung lautet, müssen körperlich fit sein und über ein gutes Sehvermögen verfügen. Sie sind auch berechtigt, den Verkehr entsprechend zu regeln, und Autofahrer sind verpflichtet anzuhalten, wenn die Straße kurzfristig von einem Lollipop Man oder einer Lollipop Lady gesperrt wird. Neuerdings gibt es sogar Stoppschilder, die über eine eingebaute Videokamera verfügen, mit deren Hilfe besonders rabiate Autofahrer gefilmt werden können. High Tech hat mittlerweile also auch bei den School Crossing Patrols Einzug gehalten.

Dieser „Lollipop-Song“ zeigt Kindern wie sie sich bei der Überquerung einer Straße mit Hilfe eines Schülerlotsen verhalten sollen.

 

Published in: on 1. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Phyllis, Ada und ihre anderen TBM-Schwestern

Crossrail-Baustelle in Marylebone.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Phyllis und Ada wurden in der kleinen baden-württembergischen Gemeinde Schwanau bei der Firma Herrenknecht AG konzipiert und in London zum Einsatz gebracht, wo sie schwer schuften mussten und das 24 Stunden pro Tag. Die Rede ist von zwei TBMs, das sind Tunnelbohrmaschinen oder tunnel-boring machines wie es in England heißt. Eingesetzt wurden sie beim Bau der Crossrail, jenem Großprojekt, das die Millionenstadt von Ost nach West unterirdisch durchqueren soll und das ab ihrer Fertigstellung den Namen Elizabeth Line annehmen wird.

Die beiden TBMs sind richtige Schwergewichte; Phyllis und Ada wiegen 1000 Tonnen, sind 150 Meter lang und haben einen Durchmesser von über sieben Metern. Eine Besatzung von zwanzig Arbeitern waren in und an den Maschinen in jeweils 12-Stunden-Schichten an sieben Tagen in der Woche beschäftigt, dabei schaffte jede TBM etwa 100 Meter in der Woche.

Doch möchte ich in meinem Beitrag speziell auf die Namen der TBMs eingehen. Es ist weltweit im Tunnelbau üblich, die Bohrmaschinen mit weiblichen Namen zu versehen, bevor es richtig losgeht, denn das soll Glück bringen, und so war es auch in London.

Phyllis und Ada wurden nach Phyllis Pearsall und Ada Lovelace benannt. Über Phyllis habe ich in meinem Blog geschrieben als Gründerin des Stadtplans „London A-Z“, Ada Lovelace war die Tochter des berühmten Dichters Lord Byron, Mathematikerin und Pionierin der Computersprachen. Die zwei Bohrmaschinen waren für die Strecke Royal Oak – Farringdon verantwortlich.

Die beiden TBMs hatten sechs weitere Schwestern, die an ihrer Seite die schweren Tunnelbauarbeiten in London vornahmen, als da sind:

Victoria und Elizabeth bauten die Strecke Limmo Peninsula – Farringdon und wurden nach den beiden Königinnen benannt.

Sophia und Mary setzte man auf der Teilstrecke Plumstead Portal – North Woolwich ein. Hierbei handelt es sich um die Vornamen der Frauen der beiden berühmten Ingenieure Isambard Kingdom Brunel und Marc Isambard Brunel.

Jessica und Ellie wurden beide zweimal eingesetzt, auf den Streckenabschnitten Pudding Mill Lane – Stepney Green und Limmo Peninsula – Victoria Dock Portal. Namensgeber waren die beiden Sportlerinnen Jessica Ennis-Hill, Mehrkämpferin und Goldmedaillen-Gewinnerin bei den Olympischen Spielen 2012 in London, und Ellie Simmonds, die bei den London Paralympics 2012 zwei Goldmedaillen im Schwimmen gewann.

Dieser Film zeigt wie die TBMs eingesetzt werden.

Phyllis und Ada haben nach dem erfolgreichem Abschluss ihrer Arbeiten nie wieder das Tageslicht erblickt. Es war kostengünstiger, sie einfach unter den Straßen Londons zu belassen. So liegen die beiden Schwestern jetzt nebeneinander unter dem Charterhouse Square bei der Farringdon Station, im Stadtteil Clerkenwell.

Hier, unter dem Charterhouse Square, liegen Phyllis und Ada begraben.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 28. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Spirit of Ecstasy, Rolls Royce und Eleanor Velasco Thornton

The Spirit of Ecstasy nennt sich die Kühlerfigur der Autofirma Rolls Royce, deren Modelle ähnlich mysteriöse Namen führen wie Silver Wraith, Silver Seraph, Phantom oder Corniche. Als sich John Walter Edward Douglas-Scott-Montagu, 2nd Baron Montagu of Beaulieu, im Jahre 1910 einen Rolls Royce Silver Ghost zulegte, fehlte ihm etwas an dem Auto, eine Kühlerfigur, und so gab er sie bei dem Bildhauer Charles Robinson Sykes in Auftrag. Der Künstler schuf eine entsprechende Figur in Form einer jungen Dame in wallenden Gewändern, die einen Finger vor ihre Lippen hielt. Als Modell wählte Sykes eine Schauspielerin namens Eleanor Velasco Thornton, die damals für den Baron als Sekretärin arbeitete und lange Jahre seine Geliebte war, daher der Finger vor den Lippen der Figur, denn das Verhältnis der beiden war ein Geheimnis (Baron Montague of Beaulieu war verheiratet). „The Whisper“ wurde denn die Kühlerfigur auch genannt.

Auch andere Rolls Royce-Besitzer schmückten die Kühler ihrer Autos mit personalisierten Figuren, was der Herstellerfirma aber nicht gefiel, man wollte etwas Eigenständiges, das auf jeden verkauften Rolly Royce gehörte. Also wandte sich Claude Johnson, der damalige Direktor der Firma, wieder an Charles Robinson Sykes, damit er eine Standard-Kühlerfigur für alle Autos aus seinem Haus schaffen sollte. Dieser nahm sich „The Whisper“ vor und modifizierte sie; wieder stand Eleanor Velasco Thornton Modell, und 1911 präsentierte er sein Werk der Firma Rolls Royce, die es übernahm.

„The Spirit of Ecstasy“ gab es später noch in abgewandelten Versionen, zum Beispiel knieend. Bei den heutigen Rolls Royce-Modellen kann man die Kühlerfigur per Knopfdruck versenken, denn sie ist diebstahlgefährdet; außerdem zieht sie sich bei einem Aufprall automatisch in den Motorraum zurück. Dieser Film zeigt die Herstellung des Ornamentes.

Eleanor Velasco Thornton kam am 30. Dezember 1915 auf tragische Weise ums Leben, als sie zusammen mit ihrem Geliebten an Bord des Schiffes SS Persia auf dem Mittelmeer unterwegs war. Ein deutsches Torpedo versenkte das Schiff und Hunderte von Menschen ertranken, darunter auch Miss Thornton; Baron Montague of Beaulieu überlebte. Sein Enkel, Ralph Douglas-Scott-Montagu, ist heute der vierte Baron of Montague of Beaulieu, und auf dem Familiensitz in Hampshire befindet sich das National Motor Museum. Das große Interesse an Autos hat sich also über Jahrzehnte erhalten.

Der Rapper Gill Graff aus Florida hat sich Eleanor Velasco Thornton und ihrer Rolle als Kühlerfigur in seinem Song „Eleanor“ angenommen („Go ahead spread your wings dear Eleanor But before I go I’m trying to get to know you Will you ever fucking know?“).

 

Colonel Pierpoint und die erste Londoner Verkehrinsel

Die St James’s Street mit einer kleinen Verkehrsinsel.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Auch wenn es Mitte des 19. Jahrhunderts noch keine Automobile gab, konnte der Verkehr in der Metropole London mörderisch sein. Pferdefuhrwerke donnerten ohne Rücksicht auf Verluste durch die Straßen und die Fußgänger mussten schon sehr aufpassen, um nicht unter die Hufe zu kommen. John Peake Knight ließ am 9. Dezember 1868 in London die erste Verkehrsampel der Welt installieren (ich berichtete in meinem Blog darüber), an der Ecke Great George Street und Parliament Street. Nicht allzuweit entfernt von dieser Stelle, in der vornehmen St James’s Street, gab es ein weiteres Verkehrsleitmittel, das 1864 erstmals in der Stadt installiert wurde: Eine Verkehrsinsel (traffic island). Bereits zwei Jahre zuvor hatte es ein Sattler namens John Hastings in Liverpool nach jahrelangen Bemühungen endlich geschafft, dass die zuständigen Behörden in seiner Stadt solche Verkehrsinseln einrichteten, damit Fußgänger beim Überqueren einer breiten Straße, auf dieser traffic island kurz Atem holen konnten, bevor sie die zweite Etappe in Angriff nehmen konnten.

Colonel Pierpoint, ein Mann über den ich leider keine weiteren Informationen finden konnte, war der John Hastings von London. Er war häufig auf dem Weg zu seinem Club (man streitet sich darüber, ob es der Carlton Club oder White’s war) und musste dazu die vielbefahrene St James’s Street überqueren, was manchmal lebensgefährlich sein konnte (vor allem, wenn er in seinem Club dem Alkohol zugesprochen hatte). Also machte sich der Colonel dafür stark, eine dieser neumodischen Einrichtungen auch hier in der St James’s Street zu installieren. Erst nach langem hin und hier und nachdem er seine Privatschatulle weit geöffnet hatte, bekam Mr Pierpoint seinen Willen und eine Verkehrsinsel wurde gebaut. Jetzt kann ich wesentlich sicherer die Straße an dieser Stelle überqueren, freute er sich und wollte seinen Freunden gleich die neue traffic island vorführen. Stolz flitzte er darüber…und wurde von einer Kutsche erfasst. Exitus Colonel Pierpoint.
Trotzdem haben sich seitdem die Verkehrsinseln, nicht nur in London, durchgesetzt.

Published in: on 27. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die M6 Toll Road – Gebaut mit Herz-Schmerz-Romanen

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Die M6 Toll Road oder auch Birmingham North Relief Road genannt, ist ein sechsspuriger mautpflichtiger Autobahnabschnitt von 43 km Länge, der 2002 eröffnet wurde und östlich um Birmingham herumführt und damit die M6 entlastet.

Mills & Boon ist ein 1908 gegründeter Verlag, der überwiegend für seine Herz-Schmerz-Romane bekannt geworden ist. Rund 75% aller in Großbritannien hergestellten Liebesromane im Taschenbuchformat kommen aus dem Hause Mills & Boon.

Was hat nun die M6 Toll Road mit Kitschromanen zu tun? Sehr viel, denn die damals mit den Bauarbeiten beauftragte Firma verwendete 2 500 000 Mills & Boon-Taschenbücher zur Stabilisierung der darauf aufgebrachten Asphaltschicht. Nun wurden die Bücher natürlich nicht fein säuberlich aufeinandergeschichtet, nein, man zerstampfte sie und machte daraus einen Papierbrei, der dann wiederum bei den Bauarbeiten zum Einsatz kam.
Die Mills & Boon-Romane wurden auch nicht druckfrisch zu Brei verarbeitet; man trug sie aus dem ganzen Land zusammen und es handelte sich um zerlesene oder beschädigte Exemplare. Es wurde damals auch deutlich gemacht, dass die Verwendung von Produkten der Firma Mills & Boon beim Straßenbau keinerlei Rückschlüsse auf die inhaltliche Qualität der Bücher zuließe. Der Mills & Boon-Brei war einfach ideal für den Zweck, weil er zum einen sehr saugfähig und zum anderen stark schallabsorbierend ist. Der Autobahnbelag ist dadurch auch nicht so reparaturanfällig. Wer heute über die M6 Mautstrecke fährt, weiß in der Regel nicht, dass unter ihm Millionen von zerbrochenen Herzen in Breiform ruhen.

Wer sich einmal eine zehnminütige Fahrt auf der M6 Toll Road ansehen möchte, kann das hier tun.

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Published in: on 8. Mai 2017 at 02:00  Comments (1)  
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National Car Parks (NCP) – Großbritanniens größter Parkplatzbetreiber

NCP-Parkhaus in Southampton.
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Wer in einer englischen Stadt nach einem Parkhaus sucht, der wird mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwann einmal in einem NCP-Haus landen, wobei die Abkürzung für National Car Parks steht. Über 150 000 Stellplätze in mehr als 500 Standorten besitzt die Firma, auch an Bahnhöfen und Flughäfen (zum Beispiel in London Heathrow). Ich erinnere mich an ein NCP-Parkhaus in Bristol mit extrem schmalen Auffahrrampen, engen Plätzen und vielen Säulen, um die man kaum herumfahren konnte. Mir schien, dass das Haus wohl nur für Kleinwagen konzipiert worden ist; Schleifspuren an den Wänden besagten nichts Gutes. Das ist aber keinesfalls typisch für Parkhäuser der Firma!

Die Ursprünge des Parkplatzbetreibers gehen bis auf das Jahr 1931 zurück, als Colonel Frederick Lucas die Firma in London gründete. Ein Konkurrenzunternehmen, Central Car Parks, das 1948 ebenfalls in London entstand, übernahm 1959 NCP von der Witwe des Firmengründers und expandierte stark, indem in großem Stil leerstehende Flächen in Städten angekauft und darauf Parkplätze angelegt wurden. Die Firma NCP erwies sich als sehr erfolgreich, so dass sie in den folgenden Jahrzehnten mehrfach von großen Unternehmen übernommen und wieder verkauft wurde. Der gegenwärtige Besitzer ist die in Australien ansässige Investmentbank Macquarie Group.

National Car Parks ist heute ein sehr modernes Unternehmen, das beispielsweise ein Vorausbuchungssystem für Plätze in seinen Parkhäusern anbietet, in denen man seine Gebühren mittels Smartphone bezahlt. Inhaber der NCP Gateway Card bekommen an bestimmten Tankstellen und in Hotels der Best Western-Gruppe Rabatte.

Dieser Werbefilm zeigt wie es in NCP-Parkhäusern zugeht.

Parkhaus in Bradford (West Yorkshire).
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NCP Car Park in Birmingham.
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Published in: on 26. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Lay-Bys – Einige persönliche Anmerkungen

TJ’s Café an der A619 in Derbyshire.
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Wenn ich auf englischen A- und B-Straßen unterwegs bin und ich einmal anhalten und eine kurze Pause machen möchte, geht es mir häufig so, dass weit und breit kein Parkplatz zu finden ist. In den Dörfern an der Durchfahrtsstraße ist alles zugeparkt und am Straßenrand außerhalb der Dörfer kann man sein Auto oft nicht abstellen. Schön, wenn dann irgendwann einmal ein Lay-By auftaucht, also ein Parkplatz neben der Straße, den man sich mit oft mit „juggernauts“, riesigen LKWs, teilt. Wenn man Glück hat, ist dieser Lay-By asphaltiert und einigermaßen sauber; ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass diese Parkstreifen häufig schlaglochübersät sind, in denen noch das Wasser vom letzten Regenguss steht; also: weiterfahren und nach einem angenehmeren Rastplatz Ausschau halten.

Hin und wieder steht auf den Lay-Bys ein kleiner Imbissladen, in dem sich vornehmlich die Trucker eine mehr oder wenige fettige Mahlzeit holen. Manchmal sind das mobile Stationen, manchmal auch fest installierte Roadside Cafés. Ich habe sie noch nie ausprobiert. Einige dieser Imbiss-Vans stehen schon seit Jahrzehnten an der gleichen Stelle wie zum Beispiel der von Audrey Prentice an der A10 zwischen Cambridge und King’s Lynn, die ihre Kunden schon seit über dreißig Jahren hier bedient.
An der A35 bei Higher Bockhampton in Dorset steht ein Fast Food-Kiosk, der an das Hexenhaus von Hänsel und Gretel erinnert. Fest installiert sind TJ’s Café an der A619 bei Whitwell in Derbyshire oder Starkey’s Café an der A18 im Norden von Lincolnshire.

Manchmal werden Lay-Bys auch für andere Zwecke benutzt wie für nächtlichen Sex, was dann für Unmut der LKW-Fahrer sorgt, die an dieser Stelle ein paar Stunde ausruhen wollen. Die A40, die von London nach Süd-Wales führt, war eine Zeit lang dafür berüchtigt, dass einige ihrer Lay-Bys sich zu Sextreffs entwickelten, woraufhin der Oxfordshire County Council eine Höchstparkzeit von dreißig Minuten dort einführte, um dem Treiben (erfolgreich?) entgegenzutreten.

Lay-Bys sind auch „beliebte“ Ablageplätze für Mordopfer; so wurde zum Beispiel auf einem Parkplatz an der A413 bei Gerrards Cross in Buckinghamshire im vergangenen Jahr eine ermordete Londoner Prostituierte gefunden. Auch im vergangenen Jahr machte man auf einem Lay-By an der A628 bei Tintwistle in Derbyshire die grausige Entdeckung einer männlichen, verbrannten, kopflosen Leiche.

Wahrscheinlich ist es keine gute Idee, nachts auf einer wenig befahrenen Straße eine Pause auf einem abgelegenen Lay-By einzulegen.

Das Hexenhaus an der A35  in Dorset.
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Starkey’s Café an der A18 in North Lincolnshire.
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Ein sehr einladender Lay-By an der A40 in Oxfordshire.
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Published in: on 2. April 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Cabmen’s Shelters – Ruhepol für Londons Taxifahrer

Cabmen’s Shelter am Russell Square.
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Wer aufmerksam durch Londons Straßen gegangen ist, dem sind sie vielleicht schon einmal aufgefallen, die grünen gartenhausartigen Schuppen, neben denen Taxis geparkt stehen. Es handelt sich hierbei um die Cabmen’s Shelters, die in der viktorianischen Zeit ab 1875 entstanden sind.
Da es damals den Kutschenfahrern an ihren Ständen untersagt war auszusteigen, war es schwierig für sie, irgendwo eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen. Der Earl of Shaftesbury hatte aber ein Herz für Kutschenfahrer und errichtete den Cabmen’s Shelter Fund, der diese „Gartenhäuschen“ baute, worin Getränke und warmes Essen zu moderaten Preisen angeboten wurden. Auch Lesestoff in Form von Büchern und Zeitungen fand man darin.

Zwischen 1875 und 1914 wurden 61 Shelters gebaut, von denen heute noch 13 übrig geblieben sind. Es ist ziemlich eng darin, denn neben den Tischen und Stühlen ist ja auch noch eine Küche erforderlich, in der die Speisen zubereitet werden. Bei schönem Wetter können die Cabbies aber natürlich auch draußen sitzen und sich von den Strapazen ihres Jobs erholen.

Man darf in diesen Hütten selbstverständlich keine kulinarischen Höhepunkte erwarten; das Angebot besteht überwiegend aus Eiern, Schinken, Würstchen und Sandwiches, dazu Tee oder Kaffee (alkoholische Getränke gibt es hier nicht), aber damit sind die Taxifahrer zufrieden.

Die 13 Londoner Cabmen’s Shelters stehen heute unter Denkmalschutz und man findet sie u.a. in folgenden Straßen:
In den Grosvenor Gardens (SW1), in der Kensington Park Road (W11), am Russell Square (WC1) und in der Warwick Avenue (W9).

Wie es nun genau in so einem Taxifahrercafé zugeht, zeigt dieser Film.

Das Buch zum Artikel:
Alf Townsend: The Black Cab Story. The History Press 2009. 128 Seiten. ISBN 978-0750948531

 

Cabmen’s Shelter an der Warwick Avenue.
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Published in: on 25. März 2017 at 02:00  Comments (2)  
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John Peake Knight und die erste Verkehrsampel der Welt

Dort, wo die Bridge Street in London auf die Straßen Great George Street und Parliament Street trifft, ist an einem Haus eine grüne Plakette der City of Westminster angebracht, die daran erinnert, dass an dieser Stelle am 9. Dezember 1868 die weltweit erste Verkehrsampel installiert wurde. Verantwortlich dafür war der Erfinder dieses Verkehrsleitsignals, John Peake Knight (1828-1886).

Der in Nottingham geborene Ingenieur befasste sich vorwiegend mit Verbesserungen im Eisenbahnwesen, vor allem, was die Sicherheit in den Zügen anging. Knights besondere Fähigkeiten lagen im Management von Verkehrsströmen.
Auch damals schon, Mitte des 19. Jahrhunderts, war das Verkehrsaufkommen in London sehr hoch. Pferdekutschen verstopften die Straßen, Fußgänger mussten ständig auf der Hut sein, nicht unter die Räder bzw. unter die Hufen zu kommen. Knight empfahl die Einrichtung von Einbahnstraßen, um die permanenten Staus zu unterbinden, die entstanden, wenn Kutschen nicht aneinander vorbei kamen. Durch den unregulierten Verkehr kamen in London im Jahr 1866 mehr als hundert Menschen ums Leben.
Da hatte John Peake Knight eines Tages eine brillante Idee. An besonders gefährlichen Straßenkreuzungen könnte man doch gut sichtbare Zeichen in Form von Semaphoren aufstellen, die den Verkehr regeln. Und genau das tat er dann auch an der Ecke, wo der starke Verkehr von der Westminster Bridge auf Whitehall stößt. Es gab zwei Stellungen der Semaphorenarme: Waren sie gesenkt, hieß das, die Kutschen konnten vorsichtig in die Kreuzung hineinfahren, waren die Arme ausgestreckt, bedeutete das „STOP“, so dass die Fußgänger ohne Gefährdung ihres Lebens über die Straße gehen konnten. In der Dunkelheit gab es zusätzlich noch grüne bzw. rote gasbetrieben Lämpchen, die über den Armen angebracht waren. Bedient wurde diese Apparatur von einem Polizisten.
So weit, so gut; am 2. Januar 1869, also drei Wochen nach der Installation, explodierte eine dieser Verkehrsampeln, die Gasleitung war defekt, und verletzte den diensthabenden Polizisten schwer. Und das war es dann erst einmal mit der neuen Erfindung. Die Semaphoren wurden wieder abgebaut, das Verkehrschaos war wieder da.
Erst 1926 griff man in London auf die Erfindung von John Peake Knight wieder zurück und errichtete eine neue Ampel an der Kreuzung Piccadilly und St James’s Street. Auch dieses Gerät musste noch von einem Polizisten bedient werden; erst sechs Jahre später wurde die Verkehrsregelung automatisiert.

Was würde wohl Mr. Knight sagen, bekäme er diese Verkehrsampel in London zu Gesicht?

Published in: on 19. Februar 2017 at 02:00  Comments (1)  
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SABRE – The Society for All British and Irish Road Enthusiasts

Die A25 bei Albury in Surrey.    © Copyright Robin Webster and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die A25 bei Albury in Surrey.
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Wer sich für das Thema „Straßen“ in Großbritannien und Irland interessiert, kommt an der Webseite der SABRE nicht vorbei; das ist die Abkürzung von The Society for All British and Irish Road Enthusiasts, einer Organisation, deren Mitglieder sich stolz Sabristi nennen. Hier eine kurze Selbstdarstellung:
„We are a group interested in the history, design, geography and structure of the British and Irish road network. We exist as a forum for ideas and opinions and as a hub for information for better understanding of the UK and RoI road network and its history“.

Das Kernstück der Webseite ist das Wiki, in dem man Informationen über sämtliche Autobahnen, sowie A- und B-Straßen findet. Weiterhin wird hier z.B. das System der Straßennummerierung erklärt, alle Service Areas genau beschrieben und Straßen erwähnt, die in Spielfilmen in irgendeiner Form eine Rolle spielen. In der Fotogalerie sind tausende von Bildern über fast alle britische Straßen zu finden.

Wer Mitglied bei SABRE ist, kann am Wiki mitarbeiten, Ergänzungen und Korrekturen einfügen und seine Fotos hochladen. Hier ist ein Beispiel für die Beschreibung einer meiner Lieblingsstraßen, der A25, die von Wrotham Heath nach Guildford führt.

Ich finde die SABRE-Webseite hervorragend. Man kann sich darauf stundelang aufhalten…wenn man sich für Großbritanniens Straßen interessiert.

Hier ist ein Film über die A25, passend zu einem Gedicht von Graham Evans, von John Betjeman gesprochen.

 

Published in: on 12. Januar 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Die Stott Hall Farm in West Yorkshire – Ein Bauernhof, der zwischen den Fahrbahnen der M62 liegt

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Fährt man auf der Autobahn M62, die im Norden Englands die Städte Liverpool und Hull verbindet, westlich von Huddersfield am Booth Wood Reservoir entlang, teilen sich dort die jeweils dreispurigen Fahrbahnen und was liegt genau in der Mitte? Man glaubt es nicht: Ein Bauernhof. Die Stott Hall Farm ist umgeben von brausendem Autoverkehr, riesige Lastzüge donnern nur wenige Meter an den Gebäuden des Hofs vorbei, auf dessen Gelände Schafe grasen. Wie hält man das aus bzw. wie konnte es überhaupt dazu kommen?

Auf jeden Fall war die Stott Hall Farm schon viel früher da als die M62, nämlich seit 1737. Friedlich und ruhig ging es hier oben auf den Pennines zu, bis zu den frühen 1970er Jahren, als die Ost-West-Autobahn gebaut wurde. Im Zuge der Bauarbeiten wurden hunderte von Häusern entlang der geplanten Trasse plattgemacht und so sollte es auch der Farm an den Kragen gehen. Die damaligen Bewohner wehrten sich mit Händen und Füßen gegen den Abbruch ihres Eigentums und es sah ganz nach Zwangsräumung aus. Doch plötzlich hielten die Bulldozer nicht mehr auf die Farm zu, sondern machten einen Bogen um sie herum. Die Straßenbaubehörde hatte beschlossen, die Trassen um die Stott Hall Farm zu verlegen. Warum? Hatte der Widerstand des Farmers Früchte getragen? Jahrelang sprach man von dem mutigen, hartnäckigen Bauern, der der M62 erfolgreich die Stirn geboten hatte, aber in Wahrheit sah es anders aus. Die geologischen Untersuchungen hatten damals ergeben, dass es sinnvoller wäre, die Autobahn um den Bauernhof herumzubauen, da der Untergrund, auf dem die Farm steht, nicht optimal für die ursprünglich geplante Trassenführung war. Also, noch mal Glück gehabt, dachten sich die Farmbewohner.

Nun müssen sich diese aber mit dem Verkehrslärm abfinden, der Tag und Nacht zu hören ist. Hin und wieder erleben sie auch einen Unfall mit und es kommen Autofahrer, die wegen Spritmangels liegengeblieben sind und um Hilfe bitten.

Damit der Farmer auch aus dieser Autobahnumklammerung herauskommt, wurden extra Unterführungen gebaut.

Wie es sich so auf der Stott Hall Farm lebt, zeigt dieser Film.

 

Published in: on 27. Oktober 2016 at 02:00  Comments (2)  
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The AA Big Road Atlas Britain 2017

Foto meines Exemplars.

Foto meines Exemplars.

Trotz Navigationsgerät und Google Maps benötige ich doch immer noch einen Straßenatlas, um eine Reise vorzubereiten und auch vor Ort. Für meine Fahrten kreuz und quer durch England benutze ich seit vielen Jahren den „Big Road Atlas Britain“ der Automobile Association (AA), der Mitte des Jahres in der 26. Auflage für das Jahr 2017 erschienen ist. Mein bisheriges Exemplar war schon einige Jahre alt und löste sich durch häufigen Gebrauch in seine Einzelteile auf, so dass ich mir die Neuauflage zugelegt habe. Es ist ein Straßenatlas in Spiralbindung im XXL-Format (28,7cm x 38,9cm) und kostet nur £10,99 (bei Amazon UK £7,69)

Mir gefallen besonders die klaren und übersichtlichen Karten, die Farbgebung und die gute Lesbarkeit. Gegenüber den Vorauflagen hat sich nicht besonders viel geändert, denn neue Straßen werden in England eher selten gebaut. Der „Big Road Atlas Britain“ verzeichnet die rund 3500 fest installierten Geschwindigkeitsmessanlagen in ganz Großbritannien, die meist an Unfallschwerpunkten angebracht sind. Wer erstmals mit dem Auto in das Königreich reist, kann sich in dem Atlas über sämtliche Verkehrszeichen und die Bedeutung der „road markings“ informieren. Weiterhin findet man viele eingezeichnete touristische Sehenswürdigkeiten wie die des National Trusts und von English Heritage. Auf einer Extraseite werden die wichtigsten touristischen Hotspots mit den entsprechenden Codes für Navigationsgeräte genannt. 67 Stadtpläne sind sowohl im Atlasteil als auch im Anhang abgedruckt. 21 Seiten lang ist das Register.

Fazit: Ein sehr empfehlenswerter Straßenatlas mit dem ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht habe.

The AA Big Road Atlas Britain 2017. AA Publishing 2016. 144 Seiten. ISBN 978-0749577759

Published in: on 25. Oktober 2016 at 02:00  Comments (1)  

Die Fährverbindung von Dünkirchen nach Dover – Ein Erfahrungsbericht

DFDS Seaways bedient die Strecke Dünkirchen-Dover.   © Copyright TheTurfBurner and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

DFDS Seaways bedient die Strecke Dünkirchen-Dover.
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Seit der Eröffnung des Eurotunnels haben wir den Ärmelkanal immer unterirdisch durchquert (ich berichtete in meinem Blog darüber); eine bequeme Angelegenheit, denn in einer guten halben Stunde ist man von Calais kommend in Folkestone eingetroffen. Ende September in diesem Jahr haben wir uns wieder einmal für die Fährüberfahrt entschieden, von Dünkirchen nach Dover. Nach einer Zwischenübernachtung in Brügge nahmen wir die 10 Uhr-Fähre ab Dunkerque, wie Dünkirchen in Frankreich heißt. Um den Fährhafen zu erreichen, muss man auf der Autobahn A16 ganz um die Stadt herumfahren, bis die N316 abgeht, die zu einem großen Kreisverkehr führt, von wo aus man über die Route de la Maison Blanche direkt zum DFDS-Terminal geleitet wird. Alles ist sehr gut ausgeschildert. Am Terminal findet die Passkontrolle und gegebenenfalls die Gepäckkontrolle statt; bei uns wurde nur ein kurzer Blick in den Kofferraum geworfen. Am Terminal wird den Passagieren mitgeteilt, auf welcher Spur sie sich einordnen müssen (ich glaube, es waren über 30 Spuren, wir hatten die Nummer 29).

Die Preise für die Überfahrt bewegen sich je nach Wochentag und Abfahrtszeit zwischen 45 Euro und 130 Euro (ein PKW inklusive fünf Personen), in Spitzenzeiten auch manchmal darüber. Zwölfmal am Tag verkehren die Fähren von Dünkirchen nach Dover bzw von Dover nach Dünkirchen.
Ich hatte noch zwei Extras dazugebucht:
Das bevorzugte Boarding kostet 12 Euro pro Fahrzeug; dadurch kommt man auf eine Extra-Fahrspur und gelangt zuerst an Bord und verlässt das Schiff als Erster.
Für 15 Euro pro Person hat man Zutritt zu der Premium Lounge, in die man durch einen einzutippenden Zahlencode gelangt. Wenn man keine Lust hat, die zwei Stunden, die die Überfahrt dauert, in dem wuseligen und vollen Aufenthaltsbereich der Fähre zu verbringen, hat man hier in der Lounge seine Ruhe. An den großen Panoramafenstern stehen Sessel, Stühle und Tische; am Büffett kann man sich an alkoholfreien Getränken bedienen und bekommt zur Begrüßung ein Glas Sekt gereicht. Tageszeitungen liegen aus und das WLAN ist kostenlos. Wer etwas essen möchte, kann an seinem Tisch bestellen und bekommt das Gewünschte vom Servicepersonal serviert. Natürlich gibt es auch eine separate Toilette für die Gäste der Premium Lounge. Ich finde diese Einrichtung sehr gut und kann diese Zusatzbuchung nur empfehlen.

Der Vorteil bei einer Fährüberfahrt gegenüber dem Eurotunnel ist der tolle Blick auf die White Cliffs of Dover wie sie Vera Lynn so schön besang. Als wir das Schiff im Dover Ferry Port verließen, begaben wir uns in Richtung A20 und fuhren durch nicht enden wollende Baustellen. Dies ist ein besonders hässlicher Teil der Hafenstadt. Man atmet auf, wenn man Dover in Richtung Folkestone verlassen hat.

Fazit: Die Fährverbindung ist eine Alternative zum Eurotunnel, rund 45 Kilometer näher von Deutschland aus und mit zwei Stunden Überfahrt auch kein Problem. Bei Herbststürmen würde ich allerdings immer den Tunnel vorziehen.

Dieser Film vermittelt einen kleinen Eindruck wie es an Bord der Fähre zugeht.

Die weißen Klippen von Dover kommen in Sicht. Eigenes Foto.

Die weißen Klippen von Dover kommen in Sicht.
Eigenes Foto.

Die Dover Eastern Docks.   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Dover Eastern Docks.
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Published in: on 22. Oktober 2016 at 02:00  Comments (6)  
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Der Standedge Tunnel bei Marsden in West Yorkshire – Ein Nadelöhr für Hausbootfahrer

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Der Standedge Tunnel, der die Ort Marsden und Diggle in West Yorkshire verbindet und die Pennines durchquert, ist der längste und höchst gelegene Kanaltunnel Englands. Er ist 5 Kilometer lang und an seiner tiefsten Stelle fast 200 Meter unter Tage.
Nachdem dieser Tunnel jahrzehntelang geschlossen war, hat man ihn 2001 wieder eröffnet und für Boote frei gegeben.
Da neben dem Kanal im Tunnel kein Platz für einen sogenannten „towpath“ war, also eine Art Treidelweg, musste man früher die Boote so vorwärts bewegen, dass einige Männer auf dem Rücken lagen und sich mit den Füßen an der Tunneldecke abstießen, also ein mühsames Unterfangen. Bis vor kurzem war es nicht erlaubt, dass die Hausbootfahrer allein durch den Tunnel fuhren. Man stellte einen Konvoi zusammen und die Boote wurden von einem Schlepper mit Elektromotor hindurchgezogen. Seit 2007 darf man jetzt selbst hindurchfahren; natürlich nur zu bestimmten Zeiten, da der Tunnel keinen Gegenverkehr zulässt. Eine Begleitperson der British Waterways ist allerdings immer dabei.

Wer kein Hausboot sein eigen nennt und trotzdem einmal den Tunnel durchqueren möchte, kann das auch an Bord eines speziellen Bootes tun und für die Fahrt, auf der es garantiert nichts zu sehen gibt, £10.00 ausgeben. Eine Strecke wohlgemerkt! Zurück kann man entweder laufen oder sich einTaxi bestellen.

Am Eingang des Tunnels auf der Marsden-Seite hat man ein Visitor Centre gebaut, das u.a. ein kleines Konferenzzentrum beherbergt und auch Veranstaltungen durchführt, heute z.B. findet eine „Bat Night“ statt, eine abendliche Wanderung auf den Spuren von Fledermäusen, die dort anzutreffen sind.

Eine Durchquerung des Standedge Tunnels auf dem Huddersfield Narrow Canal beschreibt sehr anschaulich Steve Haywood in seinem Buch „Narrowboat Dreams“ (Summersdale Publishers 2008).

Hier ist eine Fahrt durch den Tunnel im Film zu sehen.

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Das Standege Tunnel Visitor Centre.   © Copyright Rude Health and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Standedge Tunnel Visitor Centre.
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Published in: on 25. September 2016 at 10:00  Comments (3)  
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Clampers – Die ungeliebten Männer mit der Autokralle

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Gestern schrieb ich in meinem Blog über die bei Autofahrern sehr unbeliebten Gatso Cameras; noch eine Stufe höher in der Ungunst der Autofahrer in England stehen die „Clampers„, das sind die Leute, die im Auftrag von Behörden oder privaten Grundbesitzern, Falschparker mit „clamps“, also mit Autokrallen versehen. „Are you humans or are you clampers?“ heißt es im „Clamper Song„, in dem die verhassten Männer mit „Little Hitlers“ verglichen werden.

Trevor Whitehouse aus Preston in Lancashire meldete 1991 ein Patent für ein dreieckiges „wheel clamp“ an, das im ganzen Land am häufigsten im Einsatz war. Dieses „Wegfahrverhütungsmittel“ kann man nur mit Spezialwerkzeug entfernen, aber trotzdem gelingt es immer wieder einigen handwerklich geschickten Menschen, die Krallen auf unorthodoxe Weise aufzubrechen wie dieser Film zeigt. Manche versuchen auch trotz Kralle wegzufahren, wie das hier zu sehen ist. Da die „clampers“ von niemandem geliebt werden, versucht sich der eine oder andere an ihnen zu rächen wie man das in dem Film „Clampers getting clamped“ sehr schön sehen kann.

Der Royal Automobile Club (RAC) vergab eine Zeitlang den Dick Turpin Award, benannt nach dem berühmten Straßenräuber aus dem 18. Jahrhundert. Mit diesem Preis wurden moderne Straßenräuber des 21. Jahrhunderts „ausgezeichnet“. Einer dieser Preisträger war die Londoner Firma ISTM, die damit beauftragt war, falsch parkende Autos mit einer Kralle zu versehen und/oder abzuschleppen. Dass die Firma die Grenzen ihres Auftrags manchmal deutlich überschritt, zeigen diese beiden Fälle:

  • Eine 81jährige Autofahrerin wurde auf ihrem eigenen Parkplatz „geclampt“, weil ihre Steuerplakette seit 36 Stunden abgelaufen war. Die alte Dame war gerade auf dem Weg, eine neue Plakette zu kaufen.
  • Ein älterer Herr hatte versehentlich sein Auto zehn Minuten lang falsch geparkt. Als er zurückkam, sah er wie sein fahrbarer Untersatz gerade auf einen Abschleppwagen verladen wurde. Dafür dass das Auto wieder auf die Straße gesetzt wurde, musste er £334 bezahlen.

Ein anderer Dick Turpin Award-Preisträger war die Firma Carstoppers, die ihr Unwesen in der kleinen Brontë-Stadt Haworth in West Yorkshire trieb. Diese unbarmherzigen Clamper zogen sich den Zorn der Bewohner zu, weil sie u.a. ein Auto mit der Kralle versahen, in dem sein Fahrer schlief oder kein Mitleid mit einer Rollstuhlfahrerin und ihrem Mann kannten, die mit Mühe die steile Hauptstraße der Stadt erklimmen konnten und deren Parkzeit gerade abgelaufen war.

Weitere Beispiele, die das Interesse der Juroren des Dick Turpin-Preises erweckten:

  • Ein Leichenwagen wurde per Kralle stillgelegt, in dessen Inneren sich ein Sarg mit Inhalt befand
  • Ein Polizeiauto wurde “ an die Kette gelegt“, dessen Besatzung gerade im Einsatz war.
  • Den Vogel schoss wohl jener „Clamper“ ab, der an Stelle der extrem hohen Gebühren auch Goldringe oder sexuelle Gefälligkeiten nehmen wollte.
Published in: on 13. September 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Gatso Cameras – Die gefürchteten Blitzer an englischen Straßen

Wer einmal durch England gefahren ist, kennt sie zur genüge, die „Gatso Cameras„, fest installierte Blitzer, die die Geschwindigkeit der Fahrzeuge überprüfen. Im Gegensatz zu den meist mausgrauen deutschen Kameras sind die „Gatsos“  gelb und daher etwas besser zu erkennen.
Ich habe einen Straßenatlas, in dem die Messstellen eingezeichnet sind und es gibt auch Navigationssysteme, die rechtzeitig warnen, trotzdem bringen die etwa 20 000 bis 40 000 Pfund teuren Geräte eine Menge Geld ein.

Produziert werden die von Autofahrern ungeliebten Messanlagen von der niederländischen Firma GATSOmeter BV. Benannt wurden sie nach dem ebenfalls niederländischen Rennfahrer und Firmengründer Maurice Gatsonidis (1911-1998). Er konstruierte diese Geräte ursprünglich, um seine Kurvengeschwindigkeit zu messen.

Die ersten Überwachungskameras dieser Art wurden 1988 in Nottingham installiert, nachdem an einer ampelgeregelten Kreuzung drei tödliche Unfälle stattgefunden hatten.

Eine Kamera in der Nähe von Stoke-on-Trent.    © Copyright Jonathan Hutchins and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine Kamera in der Nähe von Stoke-on-Trent.
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Published in: on 12. September 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Belisha Beacons – Sie sorgen für mehr Sicherheit für Fußgänger

Belisha Beacons in Norwich.   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Belisha Beacons in Norwich.
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In Deutschland gibt es sie nicht, die von sogenannten Belisha Beacons gesicherten Fußgängerüberwege. Wer schon einmal in England war, kennt diese Zebrastreifen, auf die nicht wie in Deutschland ein entsprechendes Schild aufmerksam macht, sondern zwei blinkende Kugelleuchten, die auf beiden Seiten der Straße stehen. Bei Sonnenlicht kaum zu sehen, bei Dunkelheit aber sehr wohl, blinken die Belisha Beacons im Sekundentakt und Autofahrer haben hier zu warten, bis die Fußgänger die Straße überquert haben, was auch fast immer gut klappt.

Benannt wurden die Warnleuchten nach Leslie Hore-Belisha (1895-1957), der von 1934 bis 1937 Verkehrsminister war, und sich vehement für die Sicherheit von Fußgängern einsetzte. Zu der Zeit war die Zahl der Verkehrsunfälle außergewöhnlich hoch; etwa die Hälfte der Opfer waren Fußgänger und rund 75% der Unfälle ereigneten sich in geschlossenen Ortschaften. Fast wäre Hore-Belisha selbst einem Verkehrsunfall zum Opfer gefallen, als er einmal in London die Camden High Street überqueren wollte und dabei um ein Haar von einem Sportwagen erfasst wurde, der mit weit überhöhter Geschwindigkeit die Straße entlangraste.

Bei Autofahrern war er nicht so beliebt, da er mit dem Road Traffic Act Geschwindigkeitsbegrenzungen einführte (30 Meilen pro Stunde in geschlossenen Ortschaften). Dadurch und durch weitere Maßnahmen wie dem verbindlichen Führerscheintest konnte die Zahl der Verkehrsunfälle drastisch gesenkt werden. So verwundert es auch nicht, dass Hore-Belisha, der Mann mit einem Herz für Fußgänger, Vizepräsident der 1929 gegründeten Pedestrians Association wurde.
Ein konservativer Unterhausabgeordneter, Colonel John Moore-Brabazon, hatte für die Einführung der Geschwindigkeitsbegrenzung überhaupt kein Verständnis und meinte, früher hätte man ja auch jede Menge Hühner  und Hunde überfahren. Im Laufe der Zeit hätten Hunde gelernt, Autos aus dem Weg zu gehen und man sähe heute kaum noch tote Hunde am Straßenrand. Dieser Lernprozess würde auch bei Menschen eintreten. Moore-Brabazon wurde im Zweiten Weltkrieg unter Sir Winston Churchill selbst Verkehrsminister, interessierte sich aber mehr für den Luftverkehr (in Stoke Poges in Buckinghamshire traf ich ihn wieder; dort ist er im Memorial Garden beigesetzt).

Andere Formen von Fußgängerüberwegen sind:
Pelican Crossing -> ampelgeregelte Überwege, die man selbst durch Druckknöpfe auslöst (abgeleitet von PELICON =  Pedestrian light controlled)
Puffin Crossing -> so ähnlich wie Pelican Crossing, nur dass die Rot-Grün-Ampel für die Fußgänger auf der gleichen Straßenseite ist und nicht auf der gegenüberliegenden, was besonders für Menschen mit Sehproblemen wichtig ist
Toucan Crossing -> hier können Fußgänger und gleichzeitig auch Radfahrer die Straße überqueren (Toucan = two can, also zwei können gleichzeitig)
Pegasus Crossing -> hier können Fußgänger und gleichzeitig auch Reiter die Straße überqueren, wobei die Reiter eigene Druckknöpfe zum Auslösen der Ampel in etwa zwei Meter Höhe haben und die Rot-Grün-Männchen durch Rot-Grün-Pferde ersetzt sind.

Es gab einmal einen Pub in Rainham in Kent, der Belisha Beacon hieß, der aber nicht mehr existiert.

Hier ist ein witziger Film aus dem Jahr 1948, der zeigt wie man eine Straße überqueren bzw. nicht überqueren soll.

Belisha Beacons in London.   © Copyright Robert Lamb and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Belisha Beacons in London.
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Pelican Crossing auf der Isle of Wight.   © Copyright Jaggery and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Pelican Crossing.
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Beispiel für ein Puffin Crossing.   © Copyright Albert Bridge and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Beispiel für ein Puffin Crossing.
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Toucan Crossing.   © Copyright Albert Bridge and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Toucan Crossing.
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Pegasus Crossing.   © Copyright Gerald England and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Pegasus Crossing.
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Published in: on 1. Juli 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Rowland Hill aus Kidderminster – Der Erfinder der Briefmarke

This work is in the public Domain.

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Vor längerer Zeit habe ich in meinem Blog über einen gewissen Rowland Hill geschrieben, der als General in Shrewsbury in Shropshire auf einer Säule zu finden ist und der an der Seite von Wellington in der Schlacht von Waterloo kämpfte. Mit einem anderen Mann, der ebenfalls Rowland Hill hieß, möchte ich mich heute ein wenig beschäftigen. Er ist der Neffe des „Säulen-Generals“ und wurde 1795 in Kidderminster (Worcestershire) geboren. Sein Beitrag zur Entwicklung des britischen Postwesens war historisch gesehen sicher weitreichender als die militärischen Manöver seines Onkels. Nicht nur ein Shopping Centre in seiner Geburtsstadt hat man nach ihm benannt, er wurde auch mit einem Denkmal geehrt, das diese Inschrift trägt:
„Sir Rowland Hill. K.C.B.
Born At Kidderminster 1795
Buried In Westminster Abbey 1879
To His Creative Mind And Patient Energy
The World Is Indebted
For The
Penny Postage
Introduced 1840“

Die von Sir Thomas Brock geschaffene Marmorstatue steht vor der Town Hall von Kidderminster (in der King Edward Street in London gibt es noch ein Bronze-Denkmal für ihn). Auf der oben angeführten Inschrift steht es zu lesen: Rowland Hill war der Erfinder der Briefmarke, und die erste, die man auf Briefen verwendete, war die Penny Black, damals in einer Auflage von 68 808 000 Stück hergestellt. Es gibt heute nicht mehr allzu viele davon; Sammler zahlen für eine postfrische, unbenutzte Marke rund £4,000. Eine Besonderheit der Penny Black: sie war weltweit die erste selbstklebende Briefmarke. Nicht weit von Rowland Hills Denkmal entfernt, erinnert ein Wetherspoon-Pub namens The Penny Black an den berühmten Sohn der Stadt.

Ursprünglich bezahlte der Empfänger das Porto des Briefes, was sich aber als unpraktisch erwies, denn manche nahmen den Brief einfach nicht an, und wer kam dann für die Kosten auf? Viel einfacher (und kostensparender) war da schon die „Methode Hill“, dass eben der Absender die Briefmarke kaufte und sie auf den Brief klebte. Eine Revolution im Postwesen nahm ihren Lauf.

Später beschäftigte sich Rowland Hill mit der Eisenbahn und wurde Vorsitzender der London and Brighton Railway, wo er für komfortable Züge und niedrige Fahrtkosten sorgte, was der Stadt Brighton sehr zugute kam.

1879 starb Rowland Hill in Hampstead in London, wo man eine Straße nach ihm benannte; er wurde in der Westminster Abbey beigesetzt.

Hills Statue vor der Town Hall von Kidderminster.   © Copyright Colin Park and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hills Statue vor der Town Hall von Kidderminster.
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Wetherspoons Penny Black Pub in Kidderminster.   © Copyright P L Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wetherspoons Penny Black Pub in Kidderminster.
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Plakette an Hills Wohnhaus in Hampstead. Gleich um die Ecke findet man die Rowland Hill Street.   © Copyright Mike Quinn and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Plakette an Hills Wohnhaus in Hampstead. Gleich um die Ecke findet man die Rowland Hill Street.
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Ein Superflugzeug und ein verschwundenes Dorf, das ihm Platz machen musste

Die Bristol Brabazon. This artistic work created by the United Kingdom Government is in the public Domain.

Die Bristol Brabazon.
This artistic work created by the United Kingdom Government is in the public Domain.

Ich bleibe heute noch einmal, wie in meinem gestrigen Blogeintrag, im Bristol des Zweiten Weltkrieges, als das britische Verkehrsministerium den Plan fasste, ein riesiges Verkehrsflugzeug zu bauen, das den Nordatlantik überqueren sollte, ohne zwischenlanden zu müssen. Ein Mann mit dem wunderschönen Namen John Theodore Cuthbert Moore-Brabazon, 1. Baron Brabazon of Tara hatte den Vorsitz der Kommission, die sich damit beschäftigte. Die Bristol Aircraft Company wurde mit dem Bau des Flugzeugs beauftragt, das den Namen Bristol Brabazon tragen sollte. Einige Details zu dem fliegenden Riesen:
Es war knapp 54 Meter lang, die Spannweite betrug über 70 Meter und es hatte eine Höhe von 15,24 Meter. Angetrieben wurde die Brabazon von acht Bristol Centaurus-Motoren. Die geplante Reichweite betrug 8900 Kilometer und die Höchstgeschwindigkeit 480 km/h. 100 Passagiere sollten die Reise in die USA machen können und das auf sehr komfortable Weise, zumindest für damalige Verhältnisse.

Am 4. September war es soweit, dass der Prototyp auf dem Filton Aerodrome seinen Jungfernflug absolvieren konnte. Um das Flugzeug aber überhaupt bauen zu können, waren zwei Dinge nötig gewesen: Ein riesiger Hangar und eine erweiterte Landebahn. Der Superhangar musste extra gebaut werden, damit darin die Endmontage vorgenommen werden konnte, die Landebahnerweiterung erwies sich da als schwieriger. Die bereits existierende Landebahn war nur 610 Meter lang, man benötigte aber über 2440 Meter…und da stand ein kleines Dorf im Wege. In Charlton, so der Name des Dorfes standen 38 Häuser, ein Postamt, ein Dorfgemeinschaftshaus und ein Pub, The Carpenters Arms. Eine funktionierende Gemeinschaft hatte sich hier rund um einen Ententeich geformt – und die musste weg. Den Bewohnern flatterte ein Schreiben der Regierung in die Briefkästen, in dem ihnen mitgeteilt wurde, dass ihr Dorf plattgemacht werden musste, weil die Landebahnverlängerung für die Brabazon Vorrang hatte. Ein neues Dorf sollte für sie gebaut werden, was allerdings nie geschah; die Charltonians wurden stattdessen in das nahegelegene Patchway umgesiedelt. Die Bulldozer kamen und machten wie angekündigt alles platt, das Dorf verschwand unter der Asphaltdecke der Landebahn… völlig umsonst wie sich herausstellte, denn erstens benötigte die Brabazon gar keinen so langen Anlauf, um in die Lüfte zu steigen und zweitens erwies sich das Flugzeug als Flop. Keine Airline interessierte sich dafür, keine Bestellungen gingen bei der Bristol Aircraft Company ein. Man unternahm noch einen zaghaften Versuch, eine verbesserte Version zu bauen, blieb damit aber mittendrin stecken. Die fertige Brabazon und die halbfertige Schwester wurden verschrottet. Viele Millionen Pfund an Steuergeldern wurden ausgegeben, ein Dorf dem Erdboden gleich gemacht, für nichts und wieder nichts. Allerdings nutzte man den Monsterhangar und die Landebahn weiter. Es sollte noch einige Jahre dauern, bis auf dem Gelände wieder ein ganz besonderes Flugzeug hergestellt wurde, das sich allerdings auch wieder als Flop erwies: Die Concorde, von der nur 20 Exemplare gebaut und 14 im Liniendienst eingesetzt wurden.

Das Bristol Filton Aerodrome schloss im Dezember 2012 seine Pforten und wird jetzt für andere Zwecke genutzt.

Diese Dokumentation zeigt die Entwicklungsgeschichte der Bristol Brabazon.

Die riesigen Hangars, in denen die Bristol Brabazon und die Concorde gebaut wurden. This work has been released into the public domain by its author, Arpingstone.

Die riesigen Hangars, in denen die Bristol Brabazon und die Concorde gebaut wurden.
This work has been released into the public domain by its author, Arpingstone.

Published in: on 4. April 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Yourparkingspace.com – The Online Parking Marketplace

Mit so einem leerstehenden "Driveway"-Parkplatz lässt sich Geld verdienen.   © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mit so einem leerstehenden „Driveway“-Parkplatz lässt sich Geld verdienen.
    © Copyright Evelyn Simak and
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Jeder, der mit dem Auto in England unterwegs ist, kennt das Problem: Wie finde ich in den oft wuseligen Kleinstädten und erst recht in den Großstädten einen Parkplatz? Am Straßenrand ist meist alles vollgeparkt, die ausgewiesenen Parkplätze etwas abseits nur für Kurzparker vorgesehen. Was mache ich da als Pendler, wenn ich meinen fahrbaren Untersatz für längere Zeit möglichst zentral oder in Bahnhofsnähe sicher abstellen möchte? Es gibt da Möglichkeiten, sich einen Parkplatz online zu bestellen, über Firmen wie „justpark.com“ oder „yourparkingspace.com„.

Charles Cridland gründete 2006 die Online-Plattform „yourparkingspace.com“, nachdem er in London unterwegs war und ihm die vielen leeren Privatparkplätze vor den Häusern auffielen. Die Eigentümer waren mit ihren Autos wahrscheinlich zur Arbeit gefahren, das heißt, die Parkplätze waren den ganzen Tag über unbenutzt. Daraus könnte man doch eine Geschäftsidee machen, dachte sich Mr. Cridland und gründete „yourparkingspace.com“. Dort können leere Parkplätze angeboten bzw. gesucht werden. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligte: Die Vermieter können mit ihren leeren Parkplätzen Geld verdienen, die Parkplatzsucher bekommen für ihr Auto einen sicheren Aufbewahrungsort.

Schnell erwies sich das Online-Portal als Erfolgsmodell und man baute es aus; nicht nur „driveway“-Parkplätze wurden angeboten, sondern auch noch Tiefgaragenplätze und Abstellmöglichkeiten in den Parkhäusern der NCP (National Car Parks).

Die Anwendung des Online-Marktplatzes ist einfach: Ich gebe in die Suchleiste den Namen der Stadt ein, in der ich einen Platz suche, gegebenenfalls in größeren Städten auch den Stadtteil oder die Straße und sofort bekomme ich einen Plan angezeigt, in dem die zurzeit angebotenen Parkplätze markiert sind; daneben ist meist ein Foto davon zu finden und eine exakte Beschreibung (Garage, CCTV-Kameraüberwachung usw.). Mieten kann ich zum Beispiel für einige Stunden, ganze Tage, Wochen oder sogar Monate.

Die Parkplatzkosten variieren natürlich stark, je nach Lage. Bei einer Stichprobe für die Stadt York stellte ich fest, dass die Innenstadtplätze um und bei £100 pro Monat liegen. Abgeschlossene Einzelgaragen sind natürlich teurer.

In London ist man wohl gern bereit, für einen sicheren Parkplatz viel Geld zu bezahlen. In der Park Lane in Mayfair wird zum Beispiel ein Tiefgaragenplatz für £750 pro Monat angeboten.

Bezahlt wird im voraus, „yourparkingspace.com“ erstattet aber den Betrag, falls der Mieter mit dem Platz nicht zufrieden ist.

Ich finde, das ist eine großartige Idee, die das Leben für gestresste parkplatzsuchende Autofahrer leichter macht.

Wer übrigens doch lieber einen eigenen Parkplatz in London haben und diesen kaufen möchte, sollte bei folgendem Angebot schnell zugreifen, das gerade auf den Markt kam: In Hyde Park Gardens, rund 6,50 Meter x 2,40 Meter, für £350 000, unter freiem Himmel, hier zu sehen.

 

Published in: on 21. März 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Die Radcliffe Road in West Bridgford (Nottinghamshire) – Die erste asphaltierte Straße der Welt

Die Radcliffe Road in West.   © Copyright John Sutton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Radcliffe Road in West Bridgford.
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Wir sind heute schon wieder in West Bridgford in Nottinghamshire, der Ort, über den ich vor wenigen Tagen in Zusammenhang mit dem Tuneless Choir berichtete. Die Haupttrasse, die durch die Stadt führt, ist die Radcliffe Road, und diese Straße ist einmalig in der Welt, denn sie ist die erste, deren Fahrbahndecke aus Asphalt bestand.

Es begann alles damit, dass der Landvermesser von Nottingham, ein Waliser namens Edgar Hooley, eines Tages im Jahre 1901 in Denby in Derbyshire spazieren ging. Dabei kam er an einem Eisenwerk vorbei, und ein Stück des Weges, das daran entlangführte, war wunderbar glatt und ebenmäßig. Mr. Hooley erkundigte sich vor Ort wie man das denn hinbekommen hat und erfuhr, dass ein mit Teer gefülltes Fass von einem Wagen heruntergefallen und aufgeplatzt war. Um die Schweinerei zu beseitigen, hatte man Schlacke von dem Eisenwerk darauf geschüttet und siehe da, der bisher schlammige und unbefestigte Weg war auf einmal trocken und fest. Edgar Hooley begann zu grübeln und als er wieder zuhause war, experimentierte er mit den in Derbyshire gesehenen Zutaten, verbesserte die Mischung noch und meldete ein Jahr darauf ein Patent an. Um seine Idee gleich in die Tat umzusetzen, suchte er sich ein acht Kilometer langes Straßenstück, die Radcliffe Road, aus und ließ es mit seiner Spezialmischung versehen. Ein toller Erfolg, über den wohl nur die damaligen Reifenhersteller nicht so begeistert waren, denn die neue Fahrbahndecke schonte die Reifen der Fahrzeuge, die sonst auf den schlechten Straße nur eine kurze Lebensdauer hatten.

Edgar Hooley gründete eine eigene Firma, die Tar Macadam Syndicate Ltd, die den Straßenasphalt herstellte, doch er war nicht der geborene Geschäftsmann, und als er ein Angebot von Sir Alfred Hickman bekam, Eigentümer einer Stahlfabrik, bei der viel Schlacke anfiel, verkaufte er die Firma wieder. Sir Alfred verdiente eine Menge Geld mit der Herstellung des neuen Straßenpflasters, Mr. Hooley dagegen verlor das Interesse an seiner Erfindung und konzentrierte sich stattdessen auf seine militärische Laufbahn. 1942 starb er im Alter von 81 Jahren in Oxford.

Wer heute die Radcliffe Road in West Bridgford befährt, dürfte wohl kaum daran denken, dass sie in der Geschichte des Straßenbauwesens einmal eine große Rolle gespielt hat.

Da ich nun schon zum zweiten Mal binnen weniger Tage über West Bridgford berichtet habe, ist hier ein Film zum näheren Kennenlernen.

Die Concorde, ein unvergessenes Passagierflugzeug

Landeanflug einer Concorde auf dem Flugplatz Bristol Filton: Das Ende einer Ära.   © Copyright John Allan and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Letzter Landeanflug einer Concorde auf dem Flugplatz Bristol Filton: Das Ende einer Ära.
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Am 21. Januar 1976, also vor 40 Jahren, hob erstmals eine Concorde der British Airways zu einem regulären Flug ab und flog von London nach Bahrain. Parallel dazu begab sich eine Schwestermaschine der Air France von Paris nach Rio de Janeiro. Beide Flugzeuge erreichten ihre Ziele mit Überschallgeschwindigkeit in Rekordzeit. Nach dem verheerenden Absturz einer Concorde bei Paris am 25. Juli 2000 ging es langsam zu Ende mit dieser Ära der Passagierluftfahrt. Der letzte Linienflug, auf der Strecke New York – London, fand am 24. Oktober 2003 statt; dann war Schluss. Die atemberaubenden Maschinen blieben auf dem Boden und wurden nach und nach auf Standorte verteilt, wo man sie sich ansehen konnte. Das letzte Mal, dass eine Concorde abhob, war am 26. November 2003, als die Maschine vom Flughafen Heathrow zum Bristol Filton Airport überfuhrt wurde, also zu ihrem Geburtsort, denn in Filton fand damals die Endmontage dieser Flugzeuge statt. Auf diesem ehemaligen Flugplatz vor den Toren von Bristol soll in naher Zukunft ein Concorde Museum entstehen, in dem Alpha Foxtrot, so der Name der dort für immer parkenden Concorde, eine würdige Umgebung geboten werden soll. Zurzeit steht das Flugzeug am Rande einer Rollbahn und ist für Besucher nicht zugänglich.

Weitere Schwestern der „Königin der Lüfte“ findet man in:
London Heathrow – Dort steht die G-BOAB, die 22 296 Stunden in der Luft war, am Rande der Rollbahn 27L, ist aber nicht für Besucher zugänglich.

Manchester Airport – Dieses war die erste für die British Airways ausgelieferte Maschine; sie trägt die Kennzeichnung G-BOAC. Auch sie flog über 22 000 Stunden und kann nach vorheriger Buchung beim Flughafen besichtigt werden.

Royal Navy Fleet Air Arm Museum bei Ilchester in Somerset – Die G-BSST war ein Protyp und steht in dem Museum in Halle 4 zwischen anderen Flugzeugen, die alle von der Concorde überragt werden.

Imperial War Museum in Duxford, südlich von Cambridge – Hier steht die G-AXDN in der Halle AirSpace, ein Exemplar der Vorserie.

Brooklands Museum in Weybridge (Surrey) – Die G-BBGD war eine Testmaschine und steht hier seit 2004 im Museum. Führungen durch das Flugzeug finden täglich statt. Wer es etwas üppiger haben möchte, kann für 75 Pfund einen „Concorde Afternoon“ buchen, der u.a. einen Afternoon Tea und ein Glas Champagner an Bord des Flugzeuges enthält.

Weitere Concordes der British Airways haben ihren letzten Ruheplatz in Schottland, den USA und auf Barbados gefunden. In Deutschland kann man ein Exemplar der Air France im Auto- und Technikmuseum Sinsheim in Baden-Württemberg besichtigen.

Dieser Film zeigt eine Concorde der BA beim Start in London Heathrow.

Die Concorde in Filton in ihrer ganzen Schönheit. This work has been released into the public Domain.

Die Concorde in Filton in ihrer ganzen Schönheit.
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Die Concorde im Brooklands Museum.   © Copyright Mike Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 26. Januar 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Das waghalsige, fatale Flugmanöver eines Piloten unter der Clifton Suspension Bridge in Bristol

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Die berühmte Clifton Suspension Bridge in Bristol (ich berichtete in meinem Blog über sie) ist eines der Wahrzeichen des Südwestens Englands. Die 412 Meter lange Brücke, die den River Avon in einer Höhe von 75 Meter überspannt, ist das Meisterwerk des Ingenieurs Isambard Kingdom Brunel (1806-1959), der die Eröffnung am 8. Dezember 1864 leider nicht mehr erleben sollte.
Die optisch sehr ansprechende Brücke übt eine starke Anziehungskraft auf Selbstmörder aus, und so sind schon weit über 100 Menschen von dort oben in den Tod gesprungen. Nachdem man sogenannte „suicide barriers“ installiert hat, ist die Zahl der Todesopfer deutlich reduziert worden.

Auch Bungee-Springer haben die Clifton Suspension Bridge schon seit langem für sich entdeckt. Der erste Bungee-Sprung überhaupt soll hier stattgefunden haben.

Der Pilot eines Flugzeugs missbrauchte die Brücke, die von dem Bristoler Stadtteil Clifton nach Leigh Woods in der Grafschaft Somerset führt, zu einem Zweck, der so von Mr. Brunel sicher nie vorhergesehen worden war. Dem 27jährigen Flying Officer John G. Crossley juckte es in den Fingern, einmal mit einem Flugzeug unter der Brücke hindurchzufliegen, obwohl das ausdrücklich verboten war. Am 3. Februar 1957 setzte er sich auf dem Flugplatz der Royal Air Force in Filton bei Bristol in einen einstrahligen Jagdbomber des Typs de Havilland Vampire FB.9, ohne sich anzuschnallen, ohne Fallschirm und ohne Pilotenhelm und begann seinen nicht genehmigten Flug. 20 Minuten nach dem Start ging er in den Sinkflug über und nahm die Clifton Suspension Bridge ins Visier. Crossley wollte jedoch nicht nur einfach unter der Brücke hindurchfliegen, er wollte dabei gleichzeitig auch noch eine Kunstflugfigur ausführen, eine sogenannte „victory roll“. Bei diesem gewagten Manöver verlor die Maschine an Höhe, Crossley bekam sie nicht mehr in den Griff und raste mit hoher Geschwindigkeit in die Felswand von Leigh Woods. Der RAF-Pilot war auf der Stelle tot. Was mag ihn wohl bewogen haben, diese Aktion durchzuführen? Waren da Selbstmordabsichten mit im Spiel? Wollte er sich bzw. anderen sein fliegerisches Können beweisen?
Seit jenem Tag im Februar 1957 hat es niemand mehr gewagt, die Clifton Suspension Bridge auf diese Weise zu unterqueren. Doch wird es so bleiben?

Der Brückenpfeiler auf der Leigh Woods-Seite.   © Copyright Rose and Trev Clough and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Brückenpfeiler auf der Leigh Woods-Seite.
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Published in: on 25. Januar 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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25×25 – „Gimpo’s 25 Hours M25 Spin“

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Alan Goodrick kennt man im Allgemeinen unter dem Namen Gimpo, in Zusammenhang mit allen möglichen verrückten Sachen, die er schon angestellt hat. Da war zum Beispiel sein Film „K Foundation Burn a Million Quid“ vom 23. August 1994, als die beiden ehemaligen Mitglieder der Rockgruppe The KLF, Bill Drummond und Jimmy Cauty, auf der schottischen Insel Jura eine Million Pfund Sterling in Banknoten verbrannten.

Ein Projekt, das Gimpo schon seit 1997 verfolgt und das noch bis zum Jahr 2021 laufen soll, ist sein „25 Hours M25 Spin„. Jedes Jahr im Monat März fährt Gimpo 25 Stunden lang die Autobahn M25, die London Orbital, entlang, natürlich ohne jemals ans Ziel zu kommen, da die Straße ja ein riesiger Kreisverkehr ohne Anfang und Ende ist. 25mal will er das machen und in diesem Jahr hat er es schon zum neunzehnten Mal geschafft. 188 Kilometer lang ist eine Umrundung und wie schnell man das schafft hängt selbstverständlich vom Verkehrsaufkommen ab. Aber Schnelligkeit und Staus spielen für Gimpo keine Rolle. Die Hauptsache ist, dass er 25 Stunden lang London auf der M25 umkreist. Die Strecke wird immer im Uhrzeigersinn zurückgelegt und in jedem Jahr wird das Event auch gefilmt, 25 Stunden lang! Gimpo ist nicht allein auf der Autobahn unterwegs, jedes Jahr schließen sich Freunde an, die ihn auf der Tour begleiten.

Die M25 hat es auch einigen Schriftstellern angetan, so Iain Sinclair mit seinem hochinteressanten „London Orbital“ und Roy Phippen mit „M25: Travelling Clockwise“. Über beide Bücher habe ich in meinem Blog berichtet. Kürzlich hat Ray Hamilton ein großartiges Buch veröffentlicht „M25: A Circular Tour of the London Orbital“, das ich morgen vorstellen werde.

Hier ist ein Film über einen Teil der M25-Umrundung.

 

Published in: on 19. Dezember 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Malcolm Sayer (1916-1970) – Ein Autokonstrukteur aus Cromer (Norfolk), der für einige der schönsten Sportwagen verantwortlich zeichnete

Ein Jaguar E-Type. Author: Brooksbro 69. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license

Ein Jaguar E-Type.
Author: Brooksbro 69.
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Am 21. Mai 1916 wurde er in der St Mary’s Road Nummer 45 in der kleinen Hafenstadt Cromer in Norfolk geboren: Malcolm Sayer, ein Autokonstrukteur, der nie das Licht der Öffentlichkeit gesucht und einige der schönsten Sportwagen konstruiert hat, die auf den Straßen der Welt unterwegs waren und es noch heute in kleinen Stückzahlen sind.

Sayer besuchte die Great Yarmouth Grammar School, wo sein Vater in den Fächern Mathematik und Kunst unterrichtete. Möglicherweise vererbte er diese Kenntnisse an seinen Sohn, denn Mathematik und Kunst sollten Malcolm Sayers Lebensweg ständig begleiten. Am Loughborough College studierte er Aeronautical and Automotive Engineering und ging nach Abschluss des Studiums nach Filton bei Bristol, wo er sich mit Flugzeugbau und Aerodynamik beschäftigte. Letztere Fähigkeiten kamen ihm zugute, als er nach dem Krieg in die Automobilbranche zu Jaguar wechselte. Schon früh hatte Sayer mit der Konstruktion der beiden Rennwagen C-Type und D-Type Erfolg, aber der ganz große Durchbruch kam, als er den Jaguar E-Type entwickelte, der noch heute zu den elegantesten Sportwagen aller Zeiten zählt. Sogar das New York Museum of Modern Art stellt ein Exemplar in seinen Räumen aus. Steve McQueen, Tony Curtis, Charlton Heston, Frank Sinatra und viele andere VIPs aus dem Showgeschäft fuhren damals einen Jaguar E-Type und auch in einer meiner Lieblings-TV-Serien „Columbo“ sind schon mehrere der Übeltäter mit diesem Fahrzeug unterwegs gewesen, z.B. der Dirigent Alex Benedict in der Folge „Etude in Schwarz“ aus dem Jahr 1972. Das schöne Auto mit der riesigen Motorhaube wurde von 1961 bis 1974 gebaut. Es gab ihn in den 3,8- und 4,2-Liter-Versionen, die Krönung war aber die V12-Version mit 5,3 Liter Hubraum und 276 PS. Auch heute, nach über 40 Jahren, zählt Malcolm Sayers E-Type noch immer zu den schönsten Sportwagen aller Zeiten. Hier ist ein Fahrbericht über das Auto von Jeremy Clarkson in der TV-Sendung „Top Gear“.

Sayer entwarf auch das Nachfolgemodell des E-Types, den Jaguar XJ-S, der im September 1974 auf der Internationalen Automobil Ausstellung in Frankfurt am Main erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Wie sein Vorgänger verfügte auch der XJ-S über eine elegante Linienführung. Von 1975 bis 1996 wurde dieser 12-Zylinder-Sportwagen gebaut. In diesem Film wird ein XJ-S von innen und außen vorgestellt. Der Hauptdarsteller in der Krimiserie „The Return of the Saint“ (dt. „Simon Templar – Ein Gentleman mit Heiligenschein“), Simon Templar, gespielt von Ian Ogilvy, fuhr übrigens einen weißen Jaguar XJ-S.

Jaguar Boss Sir William Lyons hatte das Fahrzeug in Auftrag gegeben, dessen Fertigstellung Sayers aber nicht erleben sollte, denn er starb kurz vor seinem 54. Geburtstag in seinem Wohnort Royal Leamington Spa in Warwickshire an einem Herzinfarkt. An seinem Wohnhaus am Portland Place erinnert eine blaue Plakette an den großen Automobilkonstrukteur. Mit weiteren Plaketten wird Malcolm Sayer in seinem Geburtsort Cromer, an seiner Schule in Great Yarmouth und an der Loughborough University geehrt.

Wer sich näher für diesen interessanten Mann interessiert, findet hier ein ausführliches Filmporträt.

Ein Jaguar XJ-S. Author: Charles 01. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Ein Jaguar XJ-S.
Author: Charles 01.
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Die blaue Erinnerungsplakette an Sayers' Haus in Royal Leamington Spa.   © Copyright Bob Parkes and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die blaue Erinnerungsplakette an Sayers Haus in Royal Leamington Spa.
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