William Huskisson (1770-1830) – Das erste prominente Opfer eines Eisenbahnunglücks

An dieser Stelle ereignete sich das Unglück. Ein Denkmal erinnert daran.
Photo © David Ashcroft (cc-by-sa/2.0)

Am 15. September 1830 kam erstmals in der Geschichte des englischen Eisenbahnwesens ein Mensch ums Leben, der in die Kategorie „Prominenter“ einzuordnen ist. Vorher starben schon Eisenbahner, die im technischen Betrieb tätig waren, aber an diesem Tag im September erwischte es einen Politiker und Parlamentsmitglied namens William Huskisson (1770-1830), der bei der Eröffnung der neuen Liverpool and Manchester Railway anwesend war. Die 56 km lange Eisenbahnstrecke verband die Industriestadt mit der Hafenstadt.

An diesem denkwürdigen Tag starteten acht Züge von Liverpool aus; in einem fuhr der damalige Premierminister Arthur Wellesley, Duke of Wellington, mit.

Bei Newton-le-Willows in Lancashire (jetzt Merseyside) musste der Zug, in dem die Prominenz saß, anhalten, damit die Lokomotive Wasser aufnehmen konnte. Man stieg aus, um sich die Beine zu vertreten; William Huskisson wechselte ein paar Worte mit dem Premierminister und achtete nicht besonders auf das parallel verlaufende Gegengleis auf dem sich die Dampflokomotive Rocket näherte. Als er sich der Gefahr bewusst wurde, versuchte Huskisson noch, sich in den Waggon zu flüchten, doch die Wagentür schwang auf und der daran hängende Politiker geriet genau in den Weg der heranrauschenden Lokomotive. Huskisson stürzte und sein linkes Bein wurde von den Rädern der Lok zertrümmert.
Der berühmte Eisenbahnpionier George Stephenson fuhr den Schwerverletzten mit einem Zug in das nächstgelegene Krankenhaus nach Eccles, wo man versuchte, dem Parlamentsmitglied das Leben zu retten. Die Verletzung war aber zu schwerwiegend und Huskisson starb noch am selben Tag.

Huskisson wurde auf dem St James Cemetery in Liverpool beerdigt und an dem Ort, an dem er ums Leben kam, errichtete man eine Gedenktafel, die heute im National Railway Museum in York untergebracht ist.

Hier ist die Geschichte noch einmal im Film zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Simon Garfield:  The Last Journey of William Huskisson – How a Day of Triumph Became a Day of Despair at the Turn of a Wheel. Faber and Faber 2003. 256 Seiten. ISBN 978-0571216086.

Das Huskisson Mausoleum auf dem St James’s Cemetery in Liverpool.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. Mai 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Dawlish Sea Wall in Devon – Gebaut von Isambard Kingdom Brunel

„Für einen Ingenieur gibt es das Wort Unmöglich nicht“, war ein Leitsatz Isambard Kingdom Brunels, der im 19. Jahrhundert Eisenbahnlinien, Brücken und Schiffe baute. So war er auch für den Bau der South Devon Railway verantwortlich, einer Linie, die von Exeter nach Plymouth führte und deren erstes Teilstück 1846 eröffnet wurde. Die Strecke von Exeter nach Newton Abbot war als atmosphärische Eisenbahn geplant, eine neue Technik, die sich aber bald als zu kostspielig im Unterhalt erwies. Auf diesem Abschnitt findet sich auch die Dawlish Sea Wall, eine landschaftlich besonders schöne Strecke, die direkt an der Küste entlangführt. Eisenbahnenthusiasten meinen sogar, dass es sich hier um eine der eindrucksvollsten Linien der Welt handelt.

Es liegt auf der Hand, dass der Unterhalt der Bahnlinie sehr teuer ist, die so dicht am Meer und an den Klippen vorbeiführt. Die Rede ist von von £9 Millionen, die in den letzten Jahren für die Sicherheit ausgegeben wurden. Bei stürmischen Wetter kann es vorkommen, dass die Wellen bis über die Schienen, ja sogar bis über die Eisenbahnwaggons schlagen und bei besonders extremen Wetterlagen muss die Strecke geschlossen werden.

Am 4 Februar 2014 war es besonders schlimm. Ein Sturm und ein sehr hoher Wellengang spülten 40 Meter von der Mauer weg, so dass die Bahnlinie geschlossen werden musste. Nach zwei Monaten konnte die Strecke wieder freigegeben werden.

Ein Pub in Starcross, der direkt an der Eisenbahnlinie liegt, erinnert noch an die frühen Brunelschen Tage und seine damals aufsehenerregende Antriebstechnik: The Atmospheric Railway Inn.

Wie die Dawlish Sea Wall bei Sturm aussieht, zeigt dieser Film und hier ist noch ein Ausschnitt aus der großartigen BBC-Dokumentation „Coast„.

Das Buch zum Artikel:
Colin J. Marsden: Dawlish Sea Wall – The Railway between Exeter and Newton Abbot. Ian Allen 2009. 96 Seiten. ISBN 978-0711033740.

The Atmospheric Railway Inn in Starcross (Devon).
Photo © Richard Rogerson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Redcar British Steel Railway Station – Der Bahnhof mit dem geringsten Passagieraufkommen in Großbritannien

In den Jahren 2016/17 war der Bahnhof von Barry Links in Schottland, zwischen Dundee und Carnoustie gelegen, der mit dem geringsten Passagieraufkommen in Großbritannien; gerade einmal 24 Menschen nutzten ihn in diesem Zeitraum, ein Rekord. Da sich dort aber plötzlich die Passagierzahlen verdoppelt hatten, rutschte Barry Links auf Platz 2 ab; der neue Spitzenreiter heißt Redcar British Steel Railway Station in der Grafschaft North Yorkshire, die 2017/18 von 40 Personen aufgesucht wurde. Der Bahnhof war einmal für Stahlarbeiter gedacht, die in den daneben liegenden Stahlwerken ihr Brot verdienten, doch als die Werke 2015 schlossen, benötigte man den Bahnhof eigentlich nicht mehr, doch trotzdem wurde er offen gehalten.
Hier gibt es weder einen Parkplatz, noch einen Warteraum oder einen Fahrkartenautomaten, von Toiletten ganz zu schweigen. Viermal am Tag, außer sonntags, hält ein Zug an der Redcar British Steel Railway Station, doch so gut wie niemand steigt hier ein oder aus. Sollte tatsächlich einmal jemand aussteigen, käme der nicht weit, denn er dürfte das überschaubare Bahnhofsgelände nicht verlassen, weil drum herum alles in Privatbesitz ist.
So frage ich mich, was denn diese 40 Passagiere hier eigentlich gemacht haben. Vielleicht sind sie irrtümlich eine Station zu früh oder zu spät ausgestiegen? Es sollen einige Eisenbahnfanatiker darunter gewesen sein, die nur aus- und wieder eingestiegen sind, um die Passagierzahlen in die Höhe zu treiben. Sollte das Schule machen, würde Redcar bald wieder von seinem Spitzenplatz verdrängt werden und vielleicht von Denton (Greater Manchester) überholt werden, wo nur einmal in der Woche, immer freitags, ein Zug anhält, oder von der Teesside Airport Railway Station (County Durham), die im Zeitraum 2017/18 von 74 Passagieren benutzt wurde (2013/14 waren es ganze 8).

Dieser witzige Film zeigt wie zwei Männer sich auf den Weg nach Redcar machen, um dem Bahnhof einen Besuch abzustatten.

Barry Links Railway Station in Schottland.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Denton (Greater Manchester) Railway Station.
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)

Teesside Airport Railway Station
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)

Sea Tractors – Merkwürdige, hochbeinige Gefährte an der Küste von Devon

Der Sea Tractor von Burgh Island.
Eigenes Foto.

In meinem Blogeintrag über das Burgh Island Hotel vor der Südküste von Devon erwähnte ich bereits einmal einen der wenigen, noch im Einsatz befindenden Sea Tractors, merkwürdige, hochbeinige Gefährte, mit denen man durch Wasser fahren kann. Der Sea Tractor von Burgh Island wird immer dann eingesetzt, wenn die Insel von der Flut vom Festland abgeschnitten ist und Gäste an- bzw. abreisen möchten. Auf einer erhöhten Plattform sitzen die Passagiere und der Fahrzeuglenker, ein Dach schützt sie vor Regen, seitlich aber ist der Traktor offen, so dass bei stärkerem Wellengang alle ganz schön nass werden können wie dieser Film zeigt. Bei Sturm und einer gewissen Höhe des Wassers muss aber auch der Fahrbetrieb des Sea Tractors eingestellt werden, dann ist man im Burgh Island Hotel von der Außenwelt abgeschnitten und muss auf die Ebbe warten. Übrigens wurde das Art Déco-Hotel („the best hotel West of The Ritz“) im vorigen Jahr verkauft. Der neue Besitzer will viel Geld in die Erweiterung  des Hauses und in die Renovierung des benachbarten Pilchard Inns stecken. Der Sea Tractor wird hoffentlich beibehalten werden.

Gar nicht weit von Burgh Island entfernt, am South Sands Beach, ebenfalls in Devon, ist ein weiterer Einsatzort eines Sea Tractors. Er dient dort als verlängerter Arm des kleinen Fährschiffs, das Passagiere vom gegenüberliegenden Salcombe zu den Stränden bringt. Da das Boot nicht direkt am Beach anlegen kann, kommt ihm der Sea Tractor entgegen und übernimmt bzw. übergibt die Fahrgäste. 2014 wurde der alte Traktor ausgemustert, der 30 Jahre lang im Einsatz war und durch einen neuen ersetzt, der aber genauso wie sein Vorgänger aussieht. In diesem Film ist die Prozedur des Anlegemanövers South Sands Ferry/Sea Tractor zu sehen.

An Bord des Traktors.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Der Sea Tractor von South Sands.
Photo © Derek Voller (cc-by-sa/2.0)

Übergabe der Passagiere von der Fähre zum Traktor am South Sands Beach.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 9. Februar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Londoner U-Bahnstation Finsbury Park und der tragische Tod eines Jazz- und Bluesmusikers

Die Londoner U-Bahnlinie Piccadilly Line führt auf rund 71 Kilometern quer durch London. Finsbury Park (hier im Film zu sehen) ist eine der Stationen, zwischen Arsenal und Manor House gelegen, eine stark frequentierte Umsteiger-Haltestelle mit über 30 Millionen Fahrgästen jährlich. Am 8. Mai 1974 starb auf diesem Bahnhof der Jazz- und Bluesmusiker Graham Bond einen tragischen Tod. Der 36-jährige wurde von einem einfahrenden Zug erfasst und war sofort tot. Es dauerte einige Zeit bis seine Identität von den Behörden festgestellt werden konnte. Wie es zu dem tragischen Ereignis kam, wurde nie eindeutig geklärt. Vieles spricht für Selbstmord, Bond hatte immer wieder Drogenprobleme gehabt, soll aber in der Zeit vor seinem Tod clean gewesen sein. Trotzdem gibt es eine Theorie, die besagt, dass ihn Drogendealer, denen Bond Geld schuldete, in die U-Bahnstation verfolgten und es dann zu dem Sturz vor die Bahn kam.

Nach einer anderen, sehr merkwürdigen Theorie soll während eines Exorzismus ein Dämon in ihn gefahren sein, der den Musiker in den Bahnhof trieb und ihn zwang, sich vor den Zug zu stürzen. Graham Bond beschäftigte sich in den letzten Jahren seines Lebens intensiv mit dem Okkultismus und war der Meinung, der Sohn des berühmten Okkultisten Aleister Crowley (1875-1947) zu sein. Zwei von Bonds letzten Alben trugen die Titel „Holy Magick“ (1970) und „We Put Our Magick On You“ (1971).

Graham Bond spielte in den 1960er und 1970er Jahren mit den Größen der damaligen Musikszene zusammen wie Jack Bruce, Ginger Baker, John McLaughlin und Alexis Korner, um nur einige zu nennen.
Seine Beerdigungsfeier fand im South London Crematorium in Streatham Park statt, bei der Jack Bruce die Orgel spielte. Bonds Asche wurde in das Rocky Valley bei Tintagel nach Cornwall gebracht und dort in einem Wasserfall verstreut, den er sehr liebte und der Jack Bruce und Pete Brown inspirierte, den Song „Tickets to Waterfalls“ zu schreiben.

Hier ist Graham Bond am Keyboard zu sehen und zu hören.

Das South London Crematorium.
Photo © Bilbo (cc-by-sa/2.0)

Das Rocky Valley bei Tintagel in Cornwall.
Photo © David P Howard (cc-by-sa/2.0)

Der Stokenchurch Gap – Ein Durchbruch durch die Chiltern Hills auf der Autobahn M40

Auf einer Fahrt von Dorchester-on-Thames in Oxfordshire nach London fuhr ich über die B4009 in Richtung Autobahn M40, die ich bei Lewknor, ebenfalls in Oxfordshire gelegen, bei Junction 6 erreichte. Nach kurzer Fahrt führte die Autobahn durch einen canyonartigen Einschnitt durch die Chiltern Hills, der Stokenchurch Gap genannt wird oder auch Aston Rowant Cutting, da die M40 hier durch die Aston Rowant National Nature Reserve geleitet wird. Die Einheimischen nennen den Streckenabschnitt auch nur The Canyon. Das 1200 Meter lange Teilstück wurde damals beim Bau der Autobahn bis zu einer Tiefe von 47 Metern durch Kalkstein gebrochen und ist sicher für Geologen sehr interessant anzusehen, für den Autobahnbenutzer aber auch.

Der Stokenchurch Gap heißt so, weil der kleine Ort Stokenchurch in Buckinghamshire direkt neben der Autobahn liegt. In der ersten Hälfte der 1970er Jahre wurde die M40 zwischen den Ab-/Auffahrten 5 und 6 gebaut und da gab es jede Menge Zündstoff, denn Naturfreunde und Umweltschützer wendeten sich vehement gegen den Durchbruch durch die Chiltern Hills, zerstörte er doch einen Teil des Naturschutzgebietes Aston Rowant National Nature Reserve, das eigentlich unantastbar war. Gegenvorschläge der Naturschützer wischte man vom Tisch; diese sahen einen Tunnel unter den Chiltern Hills vor bzw. einen Ausbau der bereits bestehenden A40 (die hier parallel zur Autobahn verläuft).
Gleich am Anfang des Vorspanns zur TV-Serie „The Vicar of Dibley“ ist der Stokenchurch Gap aus der Vogelperspektive zu sehen.

Das Thema Untertunnelung der Chilterns stellt sich jetzt erneut beim Bau der Hochgeschwindigkeitsbahnlinie HS2. Voraussichtlich Ende 2019 soll damit begonnen werden, und der Chiltern Tunnel wird nach Fertigstellung eine Länge von 15,8 Kilometern haben.

Published in: on 22. Dezember 2018 at 02:00  Comments (7)  
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Tebay Services – Zwei Autobahnraststätten an der M6 in Cumbria

Tebay West Services.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Wenn man den Motorway M6 in Cumbria in Nord- oder in Südrichtung befährt, sollte man unbedingt einmal eine Rast bei den Tebay Services einlegen, die zwischen den Ausfahrten 38 und 39 liegen.

Diese beiden Autobahnraststätten gehören nicht zu den großen Ketten wie Moto, Welcome Break oder Roadchef, sondern sie sind die einzigen in England in Familienbesitz und gehören der Westmorland Family.
1972 bereits wurde die Raststätte in Nordrichtung eröffnet, 1993 folgte ein paar hundert Meter gegenüber eine Motorway Service Area in Südrichtung.

Die Tebay Services liegen in freier Landschaft inmitten von Bäumen und kleinen Seen; die Gebäude wurden aus Holz und Stein aus der unmittelbaren Umgebung gebaut. Man legt Wert auf umweltbewusstes Verhalten, so bietet das Restaurant überwiegend lokale Produkte an, z.B. Rind- und Lammfleisch von der eigenen Farm, die neben der Raststätte in Südrichtung liegt. Die Farm Shops wurden 2004 sogar von Prince Charles feierlich eröffnet.
Für Trucker gibt es eine eigene Raststätte an der M6, die sich J.38 Services nennt und an der Autobahnausfahrt 38 liegt. Eine weitere Raststätte, die von der Westmorland Motorway Services Limited betrieben wird, liegt an der A5 bei Gloucester zwischen Junction 11a und 12.
Das Familienunternehmen, das die Tebay Services betreibt, wurde vielfach ausgezeichnet, so beispielsweise mit dem Cumbria Family Business Award 2017 und dem Cumbria Life Food and Drink Award 2013.

Hier ist ein Film über die Tebay Services.

Tebay East Services.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 28. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Hochgeschwindigkeitsstrecke HS2 von London nach Birmingham und ihre Auswirkung auf die Grafschaft Buckinghamshire

Ein Plakat in Waddesdon (Buckinghamshire).
Photo © John Winder (cc-by-sa/2.0)

HS2 oder High Speed 2 ist der Name eines der größten europäischen Bauprojekte; es ist eine Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitstrasse, die in der ersten Bauphase von London nach Birmingham führen und im Jahr 2026 den Betrieb aufnehmen soll. Durch HS2 wären die Reisenden etwa eine halbe Stunde eher am Ziel als bisher. Der Aufwand für diese Zeiteinsparung: Baukosten in Höhe von rund £50 Milliarden, die Enteignung und der Abriss von vielen (auch historischen) Häusern, die Lärmbelastung für die Menschen, die in unmittelbarer Nähe der Stecke wohnen, schädliche Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. Kein Wunder, dass es im ganzen Land, aber besonders in den betroffenen Regionen, Widerstand gegen das Projekt gibt.

Buckinghamshire ist besonders betroffen, da HS2 die gesamte Länge der Grafschaft durchqueren soll…und der Zug wird hier nicht einmal halten. Der geballte Zorn der Bürger und der Regionalpolitiker macht sich in Worten laut wie „It will have no value and bring nothing to the people of Buckinghamshire“ oder „It’s a stupid waste of money“. Wenigstens die Chiltern Hills werden auf einer Länge von 15,8 Kilometer untertunnelt, aber auch das hat direkte Auswirkungen für die Region Amersham/Great Missenden, denn der Schwerlastverkehr in der Bauphase des Tunnels wird den Verkehr dort stark belasten.

Es gibt in Großbritannien ein Gesetz, das dem Staat erlaubt, in gewissen Fällen eine Zwangsenteignung für Grundstücke und Häuser durchzuführen. Wenn also Häuser der Bahntrasse im Wege stehen, ist es möglich, dass die Eigentümer ihren Besitz räumen müssen (natürlich enthalten sie eine Entschädigung). Aber auch wer darum herum kommt und bleiben kann, dessen Immobilie wird drastisch an Wert verlieren, denn wer würde schon ein Haus kaufen, dass nur in geringem Abstand zu einer Bahnlinie steht, auf der Züge mit über 300 km/h vorbeidonnern?

Betroffen sind in Buckinghamshire beispielsweise die historische Savay Farm bei Denham mit dem unter Denkmalschutz stehenden Savay House. HS2 wird dort in einem Abstand von 300 Metern vorbeifahren. Auch das großartige Waddesdon Manor steht gefährlich nahe an der Strecke, und man fragt sich, ob die von HS2 hervorgerufenen Vibrationen Auswirkungen auf das Haus haben können. Die Orte Twyford, Chetwode und Stoke Mandeville werden erheblich unter HS2 leiden. In Stoke Mandeville soll der Friedhof der ehemaligen Kirche St Mary the Virgin am Ortsrand für die Trasse Platz machen, und die Bulldozer werden die Gräber beseitigen.

Stop HS2 ist eine Plattform im Internet, die sich vehement gegen den Bau der Hochgeschwindigkeitstrasse ausspricht. Stuttgart 21 lässt grüßen…
Hier ist ein Film, der sich damit beschäftigt, ob HS2 seinen Preis wert ist.

Proteste auch bei The Lee in Bucks.
Photo © Peter S (cc-by-sa/2.0)

Hier bei Denham Green soll ein Viadukt den Grand Union Canal überqueren.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. September 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Single Track Roads – Einige persönliche Erfahrungen

Der Cut Throat Lane bei Ledbury in Herefordshire (ist nicht so gefährlich wie er klingt).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

A single-track road or one-lane road is a road that permits two-way travel but is not wide enough in most places to allow vehicles to pass one another„, so formuliert es die Wikipedia. Diese einspurigen Straßen sind in Großbritannien häufiger anzutreffen als in Deutschland. Im Norden Englands und vor allem in Schottland kommt man mit ihnen in dünn besiedelten Gegenden öfter in Berührung. Man hat sich beim Bau der schmalen Straßen gesagt, dass es sich auf Grund des geringen Verkehrsaufkommens nicht lohnt, die teureren zweispurigen Straßen anzulegen.

Nach meinen eigenen Erfahrungen klappt das Befahren der Single Track Roads sehr gut. Die Fahrer sind in den meisten Fällen rücksichtsvoll und höflich. In Abständen sind „passing places“ angelegt, die man aufsucht, damit der entgegenkommende Verkehr vorbei kommt. In machen Regionen sind diese Ausweichstellen mit von weitem gut erkennbaren Schildern oder mit Pfosten markiert. Allerdings habe ich schon viele dieser engen Straßen befahren, deren „passing places“ bei nasser Witterung schlammig waren und man dort ungern hineinfuhr. Die Ausweichstellen sind meistens nicht asphaltiert. Schwieriger wird es, wenn man auf einer Single Track Road einem LKW oder einem breiten landwirtschaftlichen Fahrzeug begegnet, dann reicht der „passing place“ manchmal nicht aus und man muss ein ganzes Stück zurückfahren, um eine entsprechende Stelle zu finden, an der beide Fahrzeuge vorbeikommen. Bei Latimer in Buckinghamshire ist mir das mit einem Trecker passiert, da musste ich eine gefühlte Ewigkeit zurücksetzen; ebenso in der Nähe von Folkestone in Kent, als mir ein Bus entgegenkam. Aber letztendlich klappt es dann doch und man bedankt sich gegenseitig mit einem freundlichen Winken.

Dieser nette kleine Animationsfilm zeigt wie man die einspurigen Straßen befahren sollte, und dieser Film zeigt es noch einmal in der Realität.

Hier kann es schon einmal eng werden: Eine Single Track Road bei Hessenford in Cornwall.
Photo © BB (cc-by-sa/2.0)

Gut einsehbar ist diese Straße in der Moorlandschaft bei Edenfield in Lancashire.
Photo © Paul Anderson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. August 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Blockley (Gloucestershire) – Hier werden Beiwagen für Motorräder hergestellt

Blockley in den Cotswolds.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

Blockley ist ein Dorf in den Cotswolds, das zur Grafschaft Gloucestershire gehört. Hier gibt es zwei Pubs, einen Dorfladen und die Kirche St Peter and St Paul, die für die BBC-Serie „Father Brown“ verwendet wurde und noch wird; darin heißt sie St Mary’s Roman Catholic Church.

Im außerhalb des Ortes gelegenen Northwick Business Centre finden wir die Firma Watson Squire Ltd die sich auf die Herstellung von Motorradbeiwagen spezialisiert hat. Die Kombination Motorrad plus Beiwagen ist sowohl auf deutschen als auch auf englischen Straßen eher selten zu sehen (laut Wikipedia beträgt in Deutschland der Zulassungsanteil im Segment Krafträder 0,6 Prozent).

1912 gründete T.F. Watson in Birmingham die Watsonian Folding Sidecar Co., deren Produkte im Ersten Weltkrieg eingesetzt wurden. Auch nach dem Krieg war immer eine gewisse Nachfrage nach Mororradbeiwagen da, und die Produktion florierte besonders in den 1950er Jahren, bevor sie in den 1960er Jahren, als sich immer mehr Menschen Autos leisten konnten, drastisch abnahm. 1984 zog die Firma nach Blockley in Gloucestershire um und fusionierte vier Jahre später mit Squire Sidecars, die 1973 in Bidford-on-Avon (Warwickshire) gegründet worden war und die sich, neben der Produktion von Beiwagen, auf die Herstellung von Motorradanhängern spezialisiert hatte. Heute ist  Watson Squire Ltd der größte Produzent für „sidecars“ in Großbritannien.

Ein Beiwagen der Firma Watson Squire Ltd.
Author: Steve Parker
This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Das Eisenbahnunglück in Charfield (Gloucestershire) vom 13. Oktober 1928 und das Geheimnis der beiden toten Kinder

Hier in Charfield ereignete sich das schwere Eisenbahnunglück.
Photo © Ray Bird (cc-by-sa/2.0)

Es geschah am 13. Oktober 1928 morgens um 4.28 Uhr, als der Postzug von Leeds nach Bristol, im Bahnhof von Charfield in South Gloucestershire mit voller Wucht auf einen dort stehenden Güterzug prallte. Der Zugführer des in Richtung Bristol fahrenden Zuges erkannte bei schlechter Sicht das auf Rot stehende Signal nicht, und erst als es schon zu spät war, löste er den Bremsvorgang aus. Bei dem Zusammenstoß entgleisten die Lokomotive und mehrere Waggons des Postzuges. Es brach ein Feuer aus, das viele der Waggons komplett zerstörte. Wie durch ein Wunder kamen der Zugführer und der Heizer so gut wie unverletzt davon, die beiden Männer in der Lokomotive des Güterzugs wurden verletzt. Das eigentliche Drama aber spielte sich in den Personenwagen des Postzuges ab, in denen 14 Menschen starben (manchmal ist auch die Rede von 15 bzw. 16), die meisten bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Viele der Angehörigen der Opfer stimmten dem Vorschlag zu, die Toten in einem Gemeinschaftsgrab zu beerdigen.

Zwei der Opfer des Zugunglücks von Charfield blieben unidentifiziert, zwei Kinder, wohl ein Mädchen und ein Junge. Das Merkwürdige war, dass niemand die beiden Kinder als vermisst meldete. Bis heute weiß keiner, um wen es sich dabei handelte. Beide wurden ebenfalls in dem Gemeinschaftsgrab beigesetzt. Bald tauchten alle möglichen Vermutungen auf, wer die Kinder sein könnten. Eine davon war, dass es gar keine Kinder, sondern Jockeys waren, die ja meistens eher kleinwüchsig sind. Andere wiederum meinten, dass es sich um keine Menschen, sondern um Bauchrednerpuppen handelte. Oder gab es die Kinder gar nicht und es waren „fake news“, die die Presse erfand, um die Story des Unfalls „aufzupeppen“?

Wie auch immer, das Geheimnis bleibt ungelöst. Auf dem Friedhof der St James‘ in Charfield wurde ein Denkmal errichtet, das an die Opfer des Unglücks erinnert. Und da entstand eine neue mysteriöse Geschichte. Einwohner des Ortes wollen viele Male eine komplett in Schwarz gekleidete alte Dame gesehen haben, die am Denkmal Blumen hinterlegte und dann schnell wieder in einem von einem Chauffeur gelenkten Auto wegfuhr. Kannte diese Dame in Schwarz die Identität der beiden Kinder?

Nick Blackstock hat über das Eisenbahnunglück und die beiden mysteriösen Kinder einen Roman geschrieben, „Something Hidden„, der 2009 erschien. Dieser Film zeigt Originalaufnahmen vom Unglücksort.

In memoriam:

Mrs Clara Annie Johnson Aged 46. Sheffield.
Miss Millicent Sarah Radford Aged 47. Derby.
John Henry Pinkney Aged 27. Gloucester.
Walter Tovey. Aged 38. Derby.
Richard Whitehead. Aged 57. Leicester.
Mrs Esther Matilda Whitehead. Aged 60. Leicester.
Miss Florence Hilda Cross. Aged 38. Belper .
William Lawton. Aged 53. Torpoint, Plymouth.
Mrs Eliza Jane Lawton. Aged 49. Torpoint, Plymouth
Goodwin Philip Jenkins. Aged 22. Milverton, Somerset.
Two Unknown.

Denkmal auf dem Kichhof von St James‘ in Charfield.
Photo © Paul Best (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. August 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – David McKie: Riding Route 94 – An Accidental Journey through the Story of Britain

Foto meines Exemplares.

David McKies Buch „Great British Bus Journeys: Travels Through Unfamous Places“ habe ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt. Darin schreibt er von seinen Reisen quer durch Großbritannien, bei denen er ausschließlich Linienbusse benutzt.
Auch in McKies aktuellem Buch „Riding Route 94 – An Accidental Journey through the Story of Britain“ reist er mit Linienbussen durch das Land, allerdings nur mit denen, die eine Route befahren, in der die Nummer „94“ vorkommt, wobei auch „394“, „494“ oder „594“ zulässig sind. Er hätte auch jede andere Busroute mit einer anderen Nummer wählen können, aber McKie meinte, dass die „94“ am besten passen würde.

„This is a book not about buses, it’s a book about where they take you“, so beginnt „Riding Route 94“ und beschreibt, was den Leser erwartet. Links und rechts am Straßenrand begegnen wir Dörfern und Städten, über die es viel zu sagen gibt, und David McKie macht das auf eine äußerst interessante Weise. Hier sind einige Beispiele:

Eine der Linien 94 führt von Oxford über Charlton-on-Otmoor nach Bicester und in diesem Kapitel stehen die Otmoor Riots im Mittelpunkt, bei denen die Menschen in dieser Region in den Jahren 1829 bis 1835 dagegen protestierten, dass man ihnen ihr Recht entzog, auf „common land“ ihre Tiere weiden zu lassen.

Die Linie 494 verbindet Selby und Tadcaster in North Yorkshire und führt an dem Schlachtfeld von Towton vorbei, wo am 29. März 1461 eine der blutigsten Schlachten der englischen Geschichte ausgetragen wurde, und die Truppen des Hauses York auf die des Hauses Lancaster stießen. McKie geht ausführlich auf dieses Ereignis ein.

Im Nordosten Englands führt eine Buslinie 94 von Gateshead über Team Valley, Low Fell, Felling und Heworth wieder nach Gateshead zurück. Im Mittelpunkt dieses Kapitels steht die Stadt Gateshead und die Rivalität mit Newcastle, beide durch den River Tyne getrennt. Gateshead gilt als das hässliche Entlein, auf das das stolze Newcastle mit Verachtung von der anderen Flussseite herüberblickt.

Ein richtig interessantes und empfehlenswertes Buch!!

David McKie: Riding Route 94 – An Accidental Journey through the Story of Britain. Pimpernel Press 2017. 246 Seiten. ISBN 978-1-910258-34-7.

Auch mit diesem Bus der Linie 94 von Gloucester nach Cheltenham war David McKie unterwegs.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Charlton-on-Otmoor.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Das Schlachtfeld von Towton mit einer Erinnerungsstätte.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Gateshead (links) und Newcastle (rechts) am River Tyne.
Photo © Andrew Tryon (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 14. Juli 2018 at 02:00  Comments (2)  

Die geplante Start- und Landebahn 3 des Londoner Flughafens Heathrow und die Auswirkungen auf die umliegenden Ortschaften

Compulsary purchase„, also Zwangsenteignung, ist ein Wort, das seit Jahren wie ein Damoklesschwert über den Bewohnern der Orte Harmondsworth, Sipson und Longford schwebte, die alle im Dunstkreis des riesigen Flughafens London Heathrow liegen. Immer wieder war die Rede davon, dass der Flughafen eine dritte Start- und Landebahn brauche. Noch David Cameron in seiner Zeit als Premierminister versprach den Menschen in den betroffenen Orten, dass es unter ihm keine Flughafenerweiterung geben würde. Auch der frühere Londoner Bürgermeister Boris Johnson favorisierte andere Zukunftspläne; aber das ist jetzt alles hinfällig geworden, das Damoklesschwert hat zugeschlagen, denn das Parlament genehmigte vor wenigen Tagen den dritten „runway“. Entsprechend entsetzt war die Reaktion der Menschen, die nun eine Zwangsenteignung ihrer Häuser befürchten müssen. Betroffen werden nach ersten Berechnungen zwischen 700 und 1000 Häuser sein, die abgerissen werden. Doch es kann noch wesentlich schlimmer kommen, denn nach den Planungen von Heathrow Airport gibt es noch eine sogenannte „Wider Property Zone“, das heißt “ residents may have to move out of the area because of new and significantly adverse living conditions.” Im Klartext: Rund 15 000 Menschen müssen wahrscheinlich aus dieser Zone zusätzlich „entfernt“ werden müssen.

Die Hausbewohner sollen bis zu 125% des Marktwertes ihrer Häuser als Entschädigung erhalten, doch reicht das, um sich im Großraum London eine neue Unterkunft zu kaufen? Die meisten wollen natürlich nicht von hier weg, wo manche schon Zeit ihres Lebens gewohnt haben, doch es nützt vielen nichts, sie haben keine andere Wahl. Diejenigen, die bleiben können, werden sich an noch mehr Fluglärm gewöhnen müssen, denn rund 700 Starts und Landungen wird es zusätzlich geben. Das Verkehrsministerium sagt, dass eine knappe Million Menschen von dem Lärm der startenden und landenden Flugzeuge betroffen sind, nach Inbetriebnahme der dritten Bahn werden es bis zu 100 000 mehr sein. £700 Millionen sind eingeplant, um Häuser mit besseren Schallisolierungen zu versehen, aber die Lebensqualität derjenigen, die bleiben (können), wird stark reduziert sein.

Über den Überlebenskampf der Gemeinde Sipson habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben, ebenso über den Ort Harmondsworth, von dem etwa die Hälfte abgerissen werden soll.  Longford wird komplett asphaltiert werden bzw. unter einem neuen Terminal verschwinden.

Die Stadtautobahn M25 wird ein ganzes Stück unterirdisch unter dem „runway“ verlegt. Ich kann mir jetzt schon die endlosen Staus vorstellen, wenn die Bauarbeiten beginnen.

Alles andere als rosige Aussichten für die bemitleidenswerten Menschen, die (noch) am Rande des Flughafens leben.

Harmondsworth (Greater London).
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Wie lange noch??? King William IV in Sipson (Greater London).
Photo © Rod Allday (cc-by-sa/2.0)

Dieses Idyll in Longford (Greater London) wird bald nur noch in der Erinnerung der Bewohner existieren.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 1. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Die Mersey Gateway Bridge – Sie verbindet Runcorn mit Widnes in Cheshire

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Am 14. Oktober 2017 wurde eine neue Brücke über den River Mersey eröffnet, die die bisherige Silver Jubilee Bridge, entlasten soll; letzere wird zurzeit generalüberholt. Die neue Mersey Gateway Bridge wurde erst jetzt, vor wenigen Tagen, offiziell eröffnet, in Anwesenheit der Queen und dem neuen Mitglied des Königshauses, der Duchess of Sussex, im früheren Leben Meghan Markle. Die Medien aus aller Welt berichteten von dem Ereignis, das heißt, die Brücke, die ja eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte, interessierte die anwesenden Reporter nicht; ihnen war viel wichtiger was die Duchess trug und wie sie mit der Queen kommunizierte. Daher gibt es auch erheblich mehr Fotos von den beiden Royals als von der Mersey Gateway Bridge.

Bei mir ist es genau andersherum, denn ich finde das im vorigen Jahr fertiggestellte Bauwerk viel interessanter als die Kleiderfarbe der Queen (giftgrün) oder wer das Outfit der Herzogin entworfen hat.

2,2 Kilometer lang ist die neue Brücke über den Mersey River, die die A533 von Runcorn nach Widnes führt, und sie hat drei Spuren in jede Richtung. £600 Millionen hat sie gekostet, eine Menge Geld, aber die alte Brücke war längst an ihre Belastungsgrenze angelangt mit mehr als 80 000 Fahrzeugen pro Tag. Das Befahren der Mersey Gateway Bridge ist kostenpflichtig. PKWs zahlen £2, LKWs je nach Größe bis zu £8. Und schon hat sich eine Protestbewegung gegen den Brückenzoll erhoben. Die Mitglieder von Scrap Mersey Tolls machen sich stark dafür, dass die Überquerung des Mersey kostenlos sein soll, so wie es bisher auf der alten Silver Jubilee Bridge war; doch auch diese wird nach ihrer Neueröffnung mit einer Maut belegt werden.

Hier sind Bilder von der (inoffiziellen) Eröffnung der Brücke im Oktober 2017.

Dies und das über englische Tankstellen

Die unter Denkmalschutz stehenden Zapfsäulen der West End Garage in Turnastone (Herefordshire).
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Mal ehrlich, wenn wir mit unseren Autos zum Tanken fahren, dann beachten wir doch die Bauweise der Tankstelle doch so gut wie gar nicht? Irgendwie sehen sie doch alle gleich aus, ob es sich nun um Shell, Aral oder Jet handelt; das gilt für Deutschland und auch für England. Helen Jones ist eine „petrol station historian“, die sich intensiv mit der Architektur der Tankstellen befasst und darüber sogar ihre Doktorarbeit geschrieben hat. Marcello Minale hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „How to Design a Successful Petrol Station“ (das sich allerdings nicht ausschließlich auf Großbritannien bezieht); es gibt also durchaus Menschen, die sich Gedanken über dieses Thema gemacht haben.

Die Zahl der Tankstellen in ganz Großbritannien hat übrigens in den letzten 17 Jahren stark abgenommen, obwohl immer mehr Autos auf den Straßen unterwegs sind. Mehr als 35% sind in diesem Zeitraum geschlossen worden. BP betreibt das dichteste Netz mit rund 8500 Tankstellen. BP, Esso und Shell haben mehr als 1000 „petrol stations“. Die großen Supermarktketten wie Tesco, Asda oder Morrisons bieten ihren Kunden ebenfalls Benzin und Diesel an und haben einen Marktanteil von rund 45%. Tesco ist von diesen der Marktführer.

Die erste Tankstelle des Landes soll an der A4, der Bath Road, in der Nähe der Ortschaft Aldermaston in Berkshire gestanden haben und im März 1920 eröffnet worden sein. Ganz uralte Zapfsäulen stehen noch immer in der West End Garage in Turnastone in der Grafschaft Herefordshire, die noch aus den 1920er Jahren stammen und unter Denkmalschutz stehen. Llyn E. Morris‘ Buch „The Country Garage“ (Shire Libraray 2010) beschäftigt sich mit diesen alten Tankstellen.

Ich habe hier einmal einige Bilder zum Thema zusammengestellt:

Eine typische Tankstelle wie man sie überall sieht, hier in Coseley (West Midlands).
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Eine Tesco-Tankstelle in Kingsteignton (Devon).
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Ein recht altes Exemplar einer Tankstelle in Somerleyton (Suffolk).
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

Es war einmal…Eine ehemalige Tankstelle in Markham Moor (Nottinghamshire).
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

 

Published in: on 8. Juni 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Splish! Splash! – Von Furten in England und deren Durchquerung

Heute wird es etwas nass in meinem Blog, denn ich beschäftige mich mit dem Thema „Furt„.

Als Furt bezeichnet man eine Untiefe in einem Bach- oder Flusslauf, mittels der das Gewässer zu Fuß oder mit Fahrzeugen durchquert werden kann„, so lautet die Erklärung der Wikipedia des Begriffes „Furt“, im Englischen „ford„. Es gibt davon eine ganze Menge in England wie diese Karte zeigt. Städtenamen wie Oxford, Stratford-upon-Avon, Hertford, Hereford usw.usw. weisen darauf hin.

Einer, der sich bestens mit Furten auskennt, ist John Walton, der sich auch gern „Ford Hunter“ nennt, denn er hat sich im Jahr 2010 ein Ziel gesetzt: Er will alle englischen „fords“ aufsuchen und sie dokumentieren. Auf seinen Webseiten hat er sie im Bild festgehalten und nach Grafschaften sortiert. Mit seinem Geländewagen hat John Walton die Furten natürlich auch durchquert und einiges im Film festgehalten.

Auf einer anderen Webseite, www.wetroads.co.uk., die die Furten ganz Großbritanniens auflistet, werden wichtige Hinweise für das Durchqueren von Furten gegeben. Wenn man nicht gerade ein allradgetriebenes Fahrzeug hat, sollte man das vielleicht lieber bleiben lassen.

Hier sind einige Fotos von besonders interessanten „fords“:

Hier würde ich mit meinem Auto nicht durchfahren: Rolleston on Dove in Staffordshire.
Photo © M J Richardson (cc-by-sa/2.0)

Mitten in Brockenhurst (Hampshire) im New Forest.
Photo © Alan Melton (cc-by-sa/2.0)

Good Easter Ford in Essex.
Photo © John Walton (cc-by-sa/2.0)

Wer traut sich da hinein?
Der River Tees bei der Swinelair Farm in North Yorkshire.
Photo © Hugh Mortimer (cc-by-sa/2.0)

Die Gateshead Millennium Bridge – Eine Kippbrücke zwischen Newcastle-upon-Tyne und Gateshead

Die Brücke in Ruheposition.
Photo © David P Howard (cc-by-sa/2.0)

Am 17. September 2001 wurde die Millennium Bridge in Betrieb genommen, die den River Tyne zwischen den beiden Städten Newcastle und Gateshead überquert. Die Queen ließ es sich nicht nehmen, sie ein gutes halbes Jahr später offiziell einzuweihen. Die Brücke ist nur für Fußgänger und Radfahrer konzipiert worden, und sie hat einen ganz besonderen Clou. In Ruhestellung geht man bequem fast ebenerdig von einem Ufer zum anderen. Kommt aber ein Schiff den Tyne entlang, so kann die Brücke hoch geklappt bzw. gekippt werden. Schiffe bis zu 25 Metern Höhe können auf diese Weise passieren. Auf Grund ihrer Form und ihrer Funktionsweise bezeichnet man die 126 Meter lange Brücke in der Region auch als Blinking Eye Bridge. Es ist schon ein besonderes Schauspiel mitzuerleben wie die Millennium Bridge gekippt wird (hier im Zeitraffer im Film zu sehen). Beim ersten Kippvorgang wohnten 36 000 Zuschauer auf beiden Seiten des River Tyne dem Spektakel bei.

Wer mit seinem Schiff die Brücke unterqueren möchte, muss das im voraus buchen und so stehen die sogenannten „tilt times“ schon früh fest.

Konzipiert und gebaut wurde die Millennium Bridge von den beiden Firmen Wilkinson & Eyre (London) und Gifford & Partners (Southampton). Sie kostete £22 Millionen, wiegt über 800 Tonnen, wird von acht Elektromotoren betrieben und es dauert vier und eine halbe Minute bis sie jeweils ihre Position erreicht hat. Die Brücke sammelt automatisch Müll und Gegenstände auf, die sich beim Kippen auf ihr befinden, indem diese in dafür vorgesehene Behälter auf beiden Seiten rutschen.

Seit ihrem Bestehen hat die Brücke über den Tyne 25 Auszeichnungen erhalten, darunter den RIBA Stirling Prize des Royal Institute of British Architects, den Concrete Society Award und den Award of Excellence.

Die Millennium Bridge wurde schon auf einer Briefmarke und einer 1-Pfundmünze abgebildet.

Dieser Film zeigt das Öffnen der Brücke in Echtzeit und hier ist sie illuminiert bei Nacht zu sehen.

Die Brücke in gekippter Position.
Photo © Stephen Horncastle (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Battle of George Green in Wanstead (Greater London) – Der Kampf für den Erhalt einer 250 Jahre alten Kastanie

Die Kastanie auf dem George Green, kurz bevor sie beseitigt wurde.
This work is released into the public domain.

Bis zum Jahr 1965 gehörte Wanstead zu der Grafschaft Essex, danach wurde die Stadt in die Region Greater London eingemeindet. Der rund 12 000 Einwohner große Ort liegt im Nordosten der Metropole. Die A12 zieht eine Schneise durch Wanstead und verschwindet kurzzeitig unterirdisch am George Green im George Green Tunnel. Der Bau dieser Straße, A12 Hackney to M11 link road genannt, führte in den 1990er Jahren zu großen Bürgerprotesten in Wanstead, in deren Mittelpunkt ein 250 Jahre alter Kastanienbaum stand, denn der sollte nach den Planungen der Straßenbaubehörde weg, weil er den Bauarbeiten im Weg stand. Der Tunnel für die Straße wurde nicht, wie man es für die Anlage der U-Bahn kennt, komplett unterirdisch durchgeführt, sondern mit der Cut and Cover-Methode, das heißt, die Trasse wurde erst aufgegraben und anschließend wieder abgedeckt.

Wansteads Bürger gingen 1993 auf die Barrikaden und kämpften für ihre Kastanie, angeführt von einer Lollipop Lady, einer Schülerlotsin, die Kinder aus der Umgebung animierte, sich für den Erhalt des Baumes einzusetzen und die wiederum ihre Eltern mit ins Boot holten. Die Baumschützer, die mittlerweile auch aus anderen Regionen Englands hierhergekommen waren, zogen alle Register, bauten ein Baumhaus im Gipfel der Kastanie, das kurzzeitig sogar eine eigene Postleitzahl bekam (E11 1AA), zogen vor Gericht, rissen die von der Baufirma rund um den Baum aufgestellten Zäune nieder und bildeten eine Menschenmenge um das zu schützende Objekt. Doch es half alles nichts, am 7. Dezember griff die Polizei ein, die vier Stunden brauchte, um alle Demonstranten zu entfernen, so dass schließlich eine Baumaschine freie Bahn hatte, den Kastanienbaum, der mittlerweile nur noch The Tree genannt wurde, umzureißen. So war alles umsonst, die Lollipop Lady war auch entlassen worden, weil sie die Protestaktionen in ihrer Dienstuniform durchgeführt hatte. Ein Debakel auf der ganzen Linie, die Behörden hatten gewonnen. Der Verkehr braust unterirdisch am George Green vorbei, doch dort stehen glücklicherweise noch weitere Bäume, darunter auch Kastanien.

Hier ist ein Film, der den Battle of George Green dokumentiert.

Eine junge und eine alte Kastanie auf dem George Green in Wanstead.
Photo © Roger Jones (cc-by-sa/2.0)

Die erste Rolltreppe der Londoner U-Bahn in Earl’s Court und der Mann mit dem Holzbein

Ohne Rolltreppen kann man sich die Londoner U-Bahnstationen kaum vorstellen, transportieren sie doch täglich unzählige Menschen von unten nach oben und umgekehrt. Die ersten beiden Rolltreppen wurde im Jahr 1911 in der Station Earl’s Court in Betrieb genommen, gebaut von der Otis Elevator Company. Viele der U-Bahnbenutzer misstrauten der neuen Technik, manche sprachen von Teufelszeug und es gab in den ersten Tagen auch gleich einige kleine Zwischenfälle, so zerrissen sich einige Damen ihre langen Kleider, einer klemmte sich den Finger ein und ein Mann auf Krücken fiel hin. Um den Reisenden die Scheu vor der neuen Errungenschaft in der Station zu nehmen, stellten die Betreiber der U-Bahn einen Mann ein, der nichts anderes zu tun hatte, als den ganzen Tag lang die Rolltreppen hinauf und wieder hinunter zu fahren, um zu demonstrieren wie einfach und wie sicher das Ganze doch war, zumal der Mann, William „Bumper“ Harris genannt, auch noch ein Holzbein hatte (sein „richtiges“ Bein war von einer Kutsche zerquetscht worden). Ob das wirklich eine gute Idee war, sei dahingestellt, denn einige Zyniker stellten die Frage, wo denn Bumper Harris sein Bein verloren hatte…

Die Londoner U-Bahnpassagiere verloren aber schnell das Misstrauen gegenüber der Otis-Technik und in den nächsten vier Jahren wurden 22 weitere Rolltreppen in die Stationen eingebaut. Die mit 60 Metern längste befindet sich in der U-Bahnstation Angel an der Northern Line. Ungewöhnlich ist, dass man in der Londoner Tube rechts steht und links geht bzw. überholt, also anders als im Straßenverkehr.

Übrigens: Ob die Geschichte mit dem Mann und seinem Holzbein stimmt, ist nicht so ganz klar. Anthony Lambert bezweifelt sie zum Beispiel in seinem Buch „Lambert’s Railway Miscellany„.

Ein Blick aus einer ganz besonderen Perspektive (Tottenham Court Road Station).
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Ghost Bikes in London – In Erinnerung an im Stadtverkehr tödlich verunglückte Radfahrer

Am 17. Oktober 2014 starb hier am Ludgate Hill die deutsche Studentin Janina Gehlau. Ein abbiegender LKW-Fahrer hatte sie auf ihrem Fahrrad übersehen.
Copyright: London Remembers.

Ich hätte keine Lust in London Fahrrad zu fahren. Erst einmal nicht wegen der Abgase und zweitens zählen Radfahrer nicht im Londoner Straßenverkehr, die Autofahrer betrachten sie mehr oder weniger als lästiges Übel. Immer wieder kommt es in der Stadt zu tödlichen Unfällen, oftmals mit LKWs, manchmal liegt es aber auch am Leichtsinn von einigen Zweiradfahrern. Sieht man irgendwo in London am Straßenrand weiße geschmückte Fahrräder, dann heißt das, dass hier ein Radfahrer zu Tode gekommen ist. Die Bewegung der „Ghost Bikes“ begann im Jahr 2003 in St Louis im US-Bundesstaat Missouri und verbreitete sich von hier in viele Länder der Welt.

Eine für Radfahrer besonders gefährliche Kreuzung ist dort, wo die Euston Road, die Pentonville Road und der York Way zusammentreffen. Hier sind schon drei Radfahrer ums Leben gekommen, zuletzt die 24jährige koreanische Studentin Min Joo Lee, die am 3. Oktober 2011 von einem LKW überrollt wurde.

In Memoriam Min Jo Lee.
Photo © Steve Fareham (cc-by-sa/2.0)

Auch Stella Chandler wurde von einem abbiegenden LKW übersehen und überrollt. Dieser Unfall fand am 10. Dezember 2009 am Vanbrugh Hill Ecke Woolwich Road in Greenwich statt. Ein weißes Ghost Bike wurde an der Unglücksstelle an einem Straßengitter angekettet.

Hier starb Stella Chandler.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Ein weiteres Opfer eines LKW-Unfalls war die 26jährige Federica Baldassa, die auf dem Heimweg in Holborn überrollt wurde. Das weiße Fahrrad erinnert an ihr tragisches Schicksal.

Ein Ghost Bike für Federica Baldassa.
Copyright London Remembers.

Hier ist ein Film über Londoner Ghost Bikes.

Published in: on 17. Februar 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Mit dem Flightradar 24 über dem Londoner Flughafen Heathrow

Eine Boeing 747 der British Airways im Landeanflug auf Heathrow.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Ich finde Flughäfen immer wieder faszinierend, dazu gehört auch der größte in Europa, Londons Heathrow. Zuletzt flog ich von dort aus nach Brüssel, auch ein viel größerer Flughafen als ich mir das vorgestellt hatte. Ich halte mich in England häufig in den Grafschaften Buckinghamshire und Berkshire auf und hier wird man ständig mit tieffliegenden Boeings und Airbussen konfrontiert, die entweder Heathrow ansteuern, den Flughafen verlassen oder in großen Warteschleifen auf eine Landeerlaubnis warten. Das Dröhnen von Flugzeugturbinen gehört für die Menschen, die in dieser Region leben, zum Alltag dazu. Befährt man die Autobahn M25 in Höhe der Kreuzung mit der M4 kann man sicher sein, dort mehrere startende oder landende Maschinen zu sehen.

Mich interessiert immer sehr, in welche Teile der Welt, die Flugzeuge wohl fliegen mögen bzw. wo sie gerade herkommen. Mit Hilfe des Flightradar24 ist dies möglich, natürlich auch unterwegs vom Smartphone aus. Ich werfe einmal einen Blick auf den Heathrow-Flugverkehr am Freitag, dem 10. Februar um 7.30 Uhr. Was tut sich da gerade?

Einige Flugzeuge aus den USA kommen, bewegen sich da in Warteschleifen. eine Boeing 767 aus Chicago kommend, eine Boeing 777 aus Houston und ein Airbus 330 aus Charlotte. Eine aus Buenos Aires kommende Boeing 777 wartet auf die Landeerlaubnis wie auch eine Maschine des gleichen Typs aus Sao Paulo. Ein riesiger Airbus A380 aus Johannesburg in Südafrika hat sein Ziel fast erreicht wie auch ein weiterer A380 aus Dubai. Ein Airbus A340 der Air Mauritius aus Port Louis kommend, zieht seine Kreise über London, dahinter eine Boeing 777 aus Saudi Arabien. Aber im Himmel sind nicht nur landende und startende Flugzeuge auszumachen, viele befinden sich auch in größerer Höhe im Überflug wie eine Air Canada-Maschine auf dem Weg von Montreal nach Paris, eine United Airlines Boeing 777 von San Francisco nach Frankfurt und eine A380 von Dubai nach Manchester.

Ich finde das großartig, dass man den Verkehr im Himmel in der ganzen Welt mit dem Flightradar 24 verfolgen kann.

Heathrow von oben gesehen.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. Februar 2018 at 02:00  Comments (2)  
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National Rail Awards 2017 – Die vier ausgezeichneten Bahnhöfe des Jahres

Bicester Village Railway Station.
Photo © Andrew Bodman (cc-by-sa/2.0)

Jedes Jahr im Herbst werden im Londoner Grosvenor Hotel die National Rail Awards verliehen; es gibt zahlreiche Kategorien, in denen Preise vergeben werden, zum Beispiel „INNOVATION OF THE YEAR“, „TRAIN OF THE YEAR“ und „PASSENGER OPERATOR OF THE YEAR“. Darüberhinaus werden vier Bahnhöfe mit den Awards versehen, jeweils ein kleiner, mittlerer, großer und ganz großer.
Sehen wir uns einmal die Preisträger des Jahres in den Kategorien Stations of the Year 2017 an:

Small Station of the Year 2017 wurde der Bahnhof von Bicester Village in Oxfordshire. Dieser nach einem Umbau 2015 wieder eröffnete Bahnhof dient dem riesigen Outlet Centre direkt nebenan (mehr als sechs Millionen Besucher pro Jahr), in das Einkäufer aus der ganzen Welt kommen. Die Internationalität der Outlet Centre-Kunden zeigt, dass auf dem Bahnhof Durchsagen auch in Japanisch und in Mandarin vorgenommen werden. Es gibt einen halbstündigen Zugverkehr in die Hauptstadt zum Marylebone Bahnhof. Bedient wird die Strecke von Bicester nach London und zurück von den Chiltern Railways.

Zur Medium Station of the Year 2017 wurde der Bahnhof von Harrogate in West Yorkshire gekürt. Den Bahnhof mitten in der Stadt gibt es bereits seit 1862. Er hat drei Bahnsteige, von denen zwei benutzt werden. Die Züge fahren nach Leeds und nach York, auch eine tägliche Verbindung nach London ist da, die von Virgin Trains East Coast durchgeführt wird. Von der Jury des National Rail Awards wurde besonders die Servicefreundlichkeit des Personals hervorgehoben.

Der Bahnhof von Cambridge erhielt die Auszeichnung Large Station of the Year 2017. Auch hier in Cambridge wurde die Servicefreundlichkeit des Bahnhofpersonals besonders erwähnt. In den Umbau des Bahnhofs der Universitätsstadt hat man viele Millionen Pfund gesteckt, die offensichtlich gut verwendet worden sind, denn die Jury spricht von einem „Wow-Faktor“ beim Betreten des Bahnhofsgeländes. Man hat auch an die vielen Radfahrer in Cambridge gedacht, denn am Eingang des Bahnhofs bietet der  dreistöckige Cambridge Cycle Point Platz für rund 2800 Fahrräder.

Den National Rail Award in der Kategorie Major Station of the Year 2017 ging an den Blackfriars Bahnhof in der City of London. Dieser riesige Bahnhof überspannt die Themse und hat auf beiden Seiten des Flusses Eingänge. Man hat viele Millionen Pfund investiert, um den Bahnhof  zu einem Objekt zu machen, das die Jury „visionär“ nannte. Angesichts der Eröffnung von Thameslink ist ein Satz der Jury für die Bahnhofsbetreiber sicher besonders wichtig: „Blackfriars is well on its way to becoming the flagship station for the expanded Thameslink network.”

Der Bahnhof von Harrogate.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Cambridge Railway Station.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Blackfriars Railway Station über der Themse.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. Januar 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Der West Ashfield Underground Bahnhof in Kensington – Eine Londoner U-Bahn-Station, auf der man nie Passagiere finden wird

Ashfield House.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Die West Ashfield Underground Station wird man vergeblich auf einem Plan der Londoner U-Bahnlinien suchen, trotzdem existiert der Bahnhof…allerdings nicht unter den Straßen der Hauptstadt, sondern im dritten Stock eines hässlichen Gebäudes, dem Ashfield House, an der Cromwell Road, der A4, die von Westen direkt ins Zentrum Londons führt. Wie lässt sich das erklären?

In diesem Haus unterhält Transport for London (TfL), die für die Londoner Verkehrssysteme verantwortlich ist, also auch für die U-Bahn, eine Trainingsstation, in der ihr Personal für die Arbeit direkt vor Ort ausgebildet und vorbereitet wird. Hier sieht alles ganz wie eine richtige U-Bahnstation aus mit Bahnsteig, Ticketschalter, Lautsprechersystem und einem Führerstand für angehende U-Bahnchauffeure. Um die Atmosphäre eines echten Bahnsteigs noch intensiver zu gestalten, kann die Plattform sogar vibrieren und ein großer Ventilator sorgt dafür, dass ein Windzug entsteht wie bei der Einfahrt einer richtigen U-Bahn. Die  etwa eine Million Pfund teure Trainingsstation wurde 2010 in Betrieb genommen.

Ein weiteres Highlight bietet West Ashfield Underground Station noch: Eine Modelleisenbahn, die natürlich nicht zum Spielen für das TfL-Personal gedacht ist, sondern mit der man besondere Situationen simulieren kann. Hammersmith Bridge, Strand-on-the-Green, West Ashfield, Kensington Palace und Hobbs End heißen die Stationen der Bahnlinie.

Die Adresse des Ashfield House heißt übrigens 7 Beaumont Avenue, West Kensington; die Trainingsstation ist für Besucher nicht zugänglich.

 

Published in: on 5. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Squires Café Bar bei Sherburn-in-Elmet (North Yorkshire) – „The North’s Premier meeting place for bikers“

Im ländlichen North Yorkshire erwartet man auf B-Straßen eigentlich eher wenig Verkehr, doch da kann man sich täuschen. Ich denke da an die B1222, die von Sherburn-in-Elmet zur Autobahn A1 (M) führt. In dem großen Dorf hat die Speditionsfirma Eddie Stobart eine Niederlassung, und die LKWs benutzen die B1222, um zur Autobahn zu fahren… und außerdem gibt es an der Straße Squires Cafè Bar, die von Motorradfahrern aus ganz England aufgesucht und geliebt wird. An manchen Tagen sind die Parkplätze rappelvoll mit Motorrädern und ihren grimmig blickenden Fahrern.
Schon seit den 1950er Jahren haben die englischen Biker dieses Lokal in ihre Herzen geschlossen, das allerdings damals noch mitten in Sherburn-in-Elmet lag und Squires Bradbury Milk Bar hieß. Man kann sich vorstellen, was da los war, wenn Biker aus allen Himmelsrichtungen in das Dorf fuhren und sie ihre Maschinen vor dem Lokal abstellten. Dann war da kaum noch ein Durchkommen für den normalen Verkehr. Die Dorfbewohner atmeten auf, als sich die Bar im Jahr 2002 ein neues Domizil suchte, nur wenige Kilometer entfernt an der B1222. Hier gibt es nun jede Menge Platz, und die Betreiber von Squires Cafè Bar lassen sich so einiges einfallen, das Bikerherzen höher schlagen lässt wie das Squires Annual Bike Show Weekend, die Yorkshire Rock & Bike Show, die Suzuki, Yamaha und Triumph Weekends. Bands aus den 1960er Jahren (bzw. das, was von ihnen übriggeblieben ist) treten hin und wieder auf dem Gelände auf. Wem es hier so gut gefällt, dass er auch gleich übernachten möchte (oder wer zu viele Pints getrunken hat), kann das problemlos tun, denn es gibt einen angeschlossenen Campingplatz.

Das Speisenangebot ist selbstverständlich auf hungrige Bikermägen abgestimmt: Angeboten werden Burger, Giant Hot Dogs, Chillidogs, Giant Yorkshire Puddings und natürlich Frühstück in allen Variationen.
Montags herrscht auf dem Parkplatz gähnende Leere und es ist kein Dröhnen von Motoren zu hören, denn dann ist hier Ruhetag.

Dieser Film zeigt das bunte Treiben vor dem Lokal.

Published in: on 20. Dezember 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Der Imberbus oder Was treiben Londoner Routemaster in der Einsamkeit der Salisbury Plain in Wiltshire?

Die Busse sind an ihrem Ziel im Imber angekommen.
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

Die Salisbury Plain in Wiltshire ist wirklich eine gottverlassene Gegend. Nur wenige Straßen führen hindurch und ständig wird man vor den die Fahrbahn kreuzenden Panzern gewarnt, denn hier herrscht das MoD, das Ministry of Defence. Mitten in dieser von Panzerketten durchfurchten Region liegt das kleine Dorf Imber, über das ich in meinem Blog schon einmal berichtet habe. Schon seit Menschengedenken wohnt hier niemand mehr und nur an wenigen Tagen im Jahr gibt das Militär die Zufahrt dorthin frei. Einer dieser Tage in diesem Jahr war Samstag, der 26. August, an dem sich eine ganze Armada von Londoner Routemasterbussen von Warminster nach Imber aufmachten und Passagiere beförderten, die dem Dorf und seiner Kirche einen Besuch abstatten wollten.

Im Jahr 2009 entstand die Idee, mit alten Bussen die Linie 23A an einem Tag im Jahr wiederauferstehenzulassen und nachdem das MoD sein Okay dazu gegeben hatte, ging es los. In diesem Jahr waren 24 Busse beteiligt, 23 alte und ein neuer. Das eingenommene Geld,  £10 pro Erwachsenem, kam der Kirche von Imber, St Giles, und der  Royal British Legion zugute. Die Fahrer und die Schaffner auf den Bussen arbeiteten den ganzen Tag über ohne Vergütung. Die alten Routemaster waren in Privatbesitz und freuten sich sicher, wieder einmal ausgeführt zu werden. Alle zehn Minuten startete eines der Fahrzeuge in Warminster; als Imber noch bewohnt war, gab es nur zweimal pro Woche eine Busverbindung von und nach Imber.

In diesem Film sind die Busse auf der diesjährigen Imberbus-Tour zu sehen.

Imber auf der Salisbury Plain.
Photo © Helen C Casey (cc-by-sa/2.0)

The Milestone Society – Eine Gesellschaft, die sich mit dem Erhalt von Meilensteinen beschäftigt

An der A338 in Wiltshire.
Photo © MilestoneSociety (cc-by-sa/2.0)

Ein Meilenstein ist laut Wikipedia „ein in regelmäßigen Abständen an Straßen errichteter Entfernungsanzeiger“, meist in Abstand von je einer Meile angebracht. So wichtig diese Steine früher für Reisende einmal waren, so unwichtig sind sie heute im Zeitalter der Navigationsgeräte eigentlich geworden, doch es gibt in vielen Ländern immer noch Menchen, die sich dafür interessieren und sich für ihren Erhalt einsetzen, so auch in Großbritannien. The Milestone Society wurde im Mai des Jahres 2001 ins Leben gerufen; ihre Aufgabe: „to identify, record, research, conserve and interpret for public benefit the milestones and other waymarkers of the British Isles”. Die mehr als 400 Mitglieder umfassende Gesellschaft hält jedes Jahr ihre Hauptversammlung am ersten Oktobersamstag ab, in diesem Jahr in Long Compton in Warwickshire, im nächsten Jahr in Marlow in Buckinghamshire.

Einmal im Jahr erscheint das Journal der Milestone Society, das den Namen „Milestones & Waymarkers“ trägt und das vorwiegend über Konservierungs- und Restorationsarbeiten an Meilensteinen im ganzen Land informiert. Eine großartige Sache für alle Interessierte ist die Datenbank der Gesellschaft, Repository genannt, in der über 25 000 Meilensteine, Grenzsteine, Wegweiser und verwandte Gegenstände aufgelistet sind, größtenteils mit Foto. Man kann in der Datenbank nach jedem beliebigen Ort recherchieren und bekommt die in der Nähe zu findenden milestones angezeigt mit exakter Lagebeschreibung.

Viele Meilensteine wurden übrigens im Zweiten Weltkrieg entfernt oder die Inschriften unleserlich gemacht, um es potentiellen deutschen Invasoren schwerer zu machen, sich im Lande zu orientieren.

Thomas Hardy schrieb einmal ein Gedicht über einen Meilenstein „The Milestone by the Rabbit-Burrow„, in diesem Youtube-Video zu hören.

In einem früheren Blogeintrag schrieb ich über ein ähnliches Thema, über „fingerposts“.

An der A5183 in Hertfordshire.
Photo © MilestoneSociety (cc-by-sa/2.0)

An der A38 bei Stratford in Worcestershire.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. November 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Straßenpoller, einmal anders gestaltet

„Im Straßenverkehr bezeichnet man als Poller oder Pfosten kleine Pfeiler oder ähnlich gestaltete Elemente aus Metall, Holz oder Beton. Sie werden eingebaut, um das Befahren oder Beparken von Bereichen wie Gehwegen, Radwegen oder Fußgängerzonen mit breiten Fahrzeugen zu verhindern“, so definiert die Wikipedia den Begriff des Straßenpollers. In den allermeisten Fällen geht man an diesen Pfosten einfach vorbei, ohne sie eines Blickes zu würdigen, denn sie fallen einfach nicht weiter ins Auge. Doch es gibt auch Poller (englisch: bollard), die künstlerisch gestaltet sind, von denen ich hier einige Beispiele nennen möchte:

Sehr originell finde ich die Poller vor der Cambridge University Library, die in Form von gestapelten Büchern gestaltet sind. Die vier mittleren „bollards“ kann man drehen und die Bücher neu arrangieren. Geschaffen hat das Kunstwerk der lokale Bildhauer Harry Gray.

In Whitchurch in der Grafschaft Hampshire hat man sich von den ziemlich drögen schwarzen Einheitspollern verabschiedet und sie im Ortszentrum bunt angemalt. Steve Miller, ein Künstler aus Whitchurch, wurde damit beauftragt und schon sieht es hier viel fröhlicher aus.

Im Londoner Stadtteil Hornsey kam man anlässlich des Crouch End Festivals 2013 auf die Idee, den Straßenpollern am Uhrenturm ein gehäkeltes Mützchen zu verpassen. Leider war der Spaß schnell vorbei, denn die Mützen wurden entwendet und jetzt stehen die Poller wieder barhäuptig an der Straße.

An der Marina von Hythe in Hampshire sind zwar auch schwarze Poller aufgestellt, der Clou ist aber eine Vertiefung in ihnen, die praktischerweise als Blumenvase dient…und schon sieht das alles viel freundlicher aus.

Vor der Avenue Primary School in Leicester hat man die Standardpoller gegen „Kinderpoller“ ausgetauscht, die ein widerrechtliches Parken von Autos vor dem Schulgebäude verhindern.

Published in: on 16. August 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Autoproblem in Aylesbury (Buckinghamshire)

Rechts hinter der Tankstelle ist die Sackgasse Townsend Piece, wo wir mit unserem Auto strandeten; sie geht von der Bicester Road ab.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Ich glaube, bei meinem nächsten Besuch in England werde ich einen großen Bogen um die Stadt Aylesbury in Buckinghamshire machen, denn bereits zweimal bin ich hier mit meinem Auto liegengeblieben. Beim ersten Mal hatte ich ein Problem mit der Pumpe meiner Servolenkung, das nach drei Tagen von der kleinen Firma Dell Motor Service behoben werden konnte. Beim zweiten Mal war es weitaus schlimmer. Von unserem Hotel, The Kings Arms in Old Amersham, wollten wir zum wiederholten mal einen Ausflug durch Inspector Barnabys Midsomer County starten, sahen uns ausführlich das hübsche Dorf Little Missenden an und waren auf der A413 in Richtung Great Missenden unterwegs, als der Bordcomputer meines Autos eine Warnung ausgab, dass nicht genügend Wasser im Kühler vorhanden ist. Ich fuhr gleich auf den nächsten Parkplatz und sah wie Wasser aus dem Kühler heraustropfte. Ich füllte ihn auf und nach wenigen Kilometern gab es wieder die Warnmeldung. Ich suchte mir in der nächstgrößeren Stadt, Aylesbury, eine Vauxhall Werkstatt, Perrys, an der Bicester Road, ein riesiges Gelände, auf dem spezielle Einweiser die ankommenden Autofahrer  auf einen freien Parkplatz lotsten. Dort wurde mir gleich signalisiert, dass sie keine Reparaturen vornehmen können, da sie wochenlang ausgebucht seien. Trotzdem kam jemand aus der Werkstatt und sah sich mein tropfendes Auto an. Er schüttelte nur mit dem Kopf und sagte, an dieses exotische Auto (ein Cadillac Seville STS) würde sich niemand herantrauen und nannte mir eine kleine nicht weit entfernte Werkstatt, die die Reparatur eventuell vornehmen könnte. Im Aylesbury Service Centre, einer winzigen Werkstatt („The small garage with a big passion for service“) in einer kleinen Sackgasse, winkte man gleich ab, als ich mit meinem Anliegen dort erschien. Ich könnte gern am kommenden Montag vorbeikommen, da würde man sich mit meinem Problem befassen. Da es aber erst Dienstag war, konnte ich diese Werkstatt auch vergessen.

Was nun? Mein Caddy tropfte unentwegt weiter, also parkte ich ihn erst einmal in dieser kleinen Sackgasse, die den Namen Townsend Piece trug und rief meinen Automobilclub in Deutschland an. Der reagierte sofort und schickte seinen Partnerclub, den Royal Automobil Club, los, der in einer knappen Stunde eintraf. Der Fahrer des Pannenfahrzeugs sah sich den Schaden an und stellte fest, dass der „radiator“ nicht repariert werden konnte. Also sollte ein neuer Kühler her, den es aber in ganz Großbritannien für mein Auto nicht gab. Der außerordentlich hilfsbereite RAC-Mann telefonierte stundenlang überall herum, um mein Problem lösen zu können, aber leider vergeblich. Mein deutscher Automobilclub entschied schließlich, dass das Fahrzeug nach Deutschland zurücktransportiert werden muss. Da ich mein Auto aber nicht tagelang im Townsend Piece stehenlassen wollte, ließ ich es von einem Abschleppservice zurück nach Old Amersham in unser Hotel bringen. Dort war man äußerst hilfsbereit und wir durften den Wagen so lange auf dem Hotelparkplatz stehenlassen, bis er nach acht Tagen von einem holländischen Spezialunternehmen zu meiner Stammwerkstatt nach Braunschweig zurücktransportiert wurde.

Abgesehen von den beiden nicht sehr entgegenkommenden Werkstätten traf ich bei meiner Autopanne wieder auf sehr hilfsbereite Menschen: Der RAC-Pannenhelfer, der fünf Stunden bei uns ausharrte (nach seiner Aussage, der längste Einsatz seines Berufslebens), mein Automobilclub, der ACE, der sich großartig um uns kümmerte und unseren Rückflug organisierte und bezahlte, und das Personal des Kings Arms in Old Amersham (Thank you, Tasha!!!) und des benachbarten The Crown Hotel, wo unser Auto zwischenzeitlich Asyl fand.

Vielen Dank an alle!!!

The Kings Arms in Old Amersham.
Eigenes Foto.

The Crown Hotel in Old Amersham.
Eigenes Foto.

Published in: on 15. August 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Das Trolleybus-Museum in Sandtoft (Lincolnshire) – Das weltweit größte Museum für Oberleitungsbusse

Oberleitungsbusse oder auch Trolleybusse genannt, sind eine deutsche Erfindung. Werner von Siemens stellte sie 1882 in Berlin der Öffentlichkeit vor. Es dauert einige Zeit, 29 Jahre, bis auch in England diese schienenlose Busse eingesetzt wurden. Leeds und Bradford in West Yorkshire waren die beiden ersten Städte im Land, die auf diese Technik setzten. Im Juni 1911 starteten sie ihre Personenbeförderung mit Oberleitungsbussen. Während sich Leeds im Juni 1928 schon wieder von ihnen verabschiedete, blieb das benachbarte Bradford den Bussen bis zum 26. März 1972 treu und stellte erst dann, als letzte Stadt in England, den Verkehr mit ihnen ein.

In Sandtoft, einem kleinen Ort in Lincolnshire, an der Autobahn M180 gelegen, hat man auf dem ehemaligen Gelände der Royal Air Force diesen Vehikeln ein Museum gewidmet, das das größte seiner Art weltweit ist. Das Trolleybus Museum of Sandtoft besitzt über 60 historische Oberleitungsbusse, von denen noch viele einsatzbereit sind. Im September 1971 öffnete das Museum erstmals seine Pforten für die Öffentlichkeit, nachdem viele Trolleybus-Enthusiasten Fahrzeuge aus dem ganzen Land hierher nach Lincolnshire geholt hatten. Zu besichtigen sind Busse aus dem ganzen Land (mit dem Schwerpunkt Bradford), aber auch einige aus Deutschland, Frankreich, Belgien und sogar aus Südafrika und Neuseeland.

Das Museum in Sandtoft ist in der Zeit von April bis November nur an wenigen Tagen im Monat, den sogenannten Trolleydays, geöffnet, überwiegend am Wochenende. Der Eintritt beträgt £8, darin enthalten sind so viele Trolleybusfahrten wie man möchte. In einem dem Museum angegliederten Shop sind Bücher, DVDs und Trolleybusmodelle erhältlich.

Fans der Oberleitungsbusse haben sich in mehreren Gesellschaften zusammengeschlossen, so in der British Trolleybus Society, der National Trolleybus Association und der Bradford Trolleybus Association (in der Stadt trauert man diesen speziellen Bussen wohl noch immer nach).

Hier ist ein Film über einen Besuch im Trolleybus-Museum in Sandtoft.

The Trolleybus Museum
Belton Road
Sandtoft
Doncaster, DN8 5SX.

Published in: on 28. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Die Woolwich Ferry – Eine kostenlose Fähre, die in London Autos über die Themse befördert

Die John Burns am Woolwich Ferry North Pier.
Photo © Andrew Tatlow (cc-by-sa/2.0)

Sie heißen John Burns, Ernest Bevin und James Newman, die drei Fähren, die im Osten Londons die Stadtteile Woolwich North und Woolwich South miteinander verbinden, benannt nach Londoner Politikern, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts tätig waren. Die Woolwich Ferry erspart den Autofahrern längere Umwege und außerdem ist sie kostenlos, wo gibt es so etwas heute noch?

An dieser Stelle verkehren schon Themsefähren seit dem 14. Jahrhundert. Seit dem 23. März 1889 besteht der Fährservice wie wir ihn heute kennen, der von den beiden Schiffen Gordon und Duncan aufrecht erhalten wurde. Da der Brückenzoll in London aufgehoben worden war, stellte man auch die Fähre kostenlos zur Verfügung. Die Londoner Stadtverwaltung überlegte immer mal wieder, hier ein Brücke zu bauen, verwarf die Pläne aber stets.

Die drei Fährschiffe, die heute noch im Einsatz sind, wurden 1963 gebaut und transportieren jährlich etwa zwei Millionen Menschen in ihren Autos über die Themse. Fußgänger nutzen in zunehmendem Maße den Woolwich Foot Tunnel. Da die drei Fähren mittlerweile ihr Rentenalter erreicht haben, werden zurzeit zwei neue modernere Schiffe gebaut, die demnächst ihre Vorgänger ablösen werden. Die Namen der beiden Fähren stehen jetzt schon fest: Dame Vera Lynn, benannt nach der legendären Sängerin, die ganz in der Nähe geboren wurde, und Ben Woollacott, ein 19jähriges Besatzungsmitglied, das 2011 bei einem Unfall auf der Fähre ums Leben kam.

Die Fährlinie, die in den Händen des Transport for London (TfL) liegt, verkehrt montags bis samstags in der Zeit von 6.10 Uhr bis 20 Uhr, sonntags von 11.30 Uhr bis 19.30 Uhr (da wollen die Kapitäne wohl etwas länger schlafen). Der Dienst wird nur bei dichtem Nebel und bei extrem hohem Wasserstand eingestellt.

Eines der Fährschiffe, das vor 1963 im Einsatz war, die John Benn, spielte eine Rolle in dem Science Fiction-Fim „The Giant Behemoth“ (dt. „Das Ungeheuer von Loch Ness“) eine Rolle und wird darin von dem Monster versenkt. In diesem Filmausschnitt kann man das noch einmal miterleben.

Dieser Film zeigt eine Überquerung der Themse mit der Woolwich Ferry.

An Bord der John Newman.
Photo © Andrew Tatlow (cc-by-sa/2.0)

Der Woolwich Foot Tunnel.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 24. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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