Die Bristol Britannia XM496 auf dem Cotswold Airport in Gloucestershire

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Es ist schon einige Jahre her, da schrieb ich in meinem Blog über meinen Besuch auf dem Cotswold Airport bei Kemble in Gloucestershire, dem „Friedhof der Jumbojets„. Irgendwie sahen die riesigen Flugzeuge traurig aus, die hier darauf warteten auseinandergenommen zu werden. Ich bin einige Male mit einer Boeing 747 von Frankfurt nach Los Angeles geflogen und habe daher eine gewisse Beziehung zu diesen Flugzeugen aufgebaut.

Auf dem Cotswold Airport steht auch ein Flugzeug, das nicht abgewrackt werden soll, im Gegenteil, es wurde liebevoll restauriert; dabei handelt es sich um eine Bristol Britannia, ein Turboprop-Flugzeug, das nach dem Zweiten Weltkrieg für die Langstrecke über den Atlantik in die USA und nach Kanada eingesetzt wurde. Dieses spezielle Exemplar auf dem Cotswold Airport ist das weltweit letzte erhaltene dieser Baureihe. Britannia Series 253 C.Mk1 XM496 ‘Regulus’ ist die exakte Bezeichnung dieser Maschine, die eigentlich verschrottet werden sollte, aber durch den engagierten Einsatz der Bristol Britannia XM496 Preservation Society gerettet werden konnte. “The Whispering Giant”, wie das Flugzeug auch genannt wurde, sieht im Vergleich zu den Jumbojets ziemlich klein aus, war damals in den 1950er Jahren aber eines der größten Langstreckenflugzeuge.
85 Exemplare dieses Typs wurden gebaut, das letzte 1997 außer Betrieb genommen. Die auf dem Cotswold Airport geparkte, in Belfast gebaute Bristol Britannia, die nicht mehr geflogen wird, wurde am 24 August 1960 in Betrieb genommen und stand 15 Jahre lang im Dienst der Royal Air Force. Anschließend war sie im Besitz mehrerer Fluggesellschaften, bis sie schließlich hier im ländlichen Gloucestershire ihre letzte Ruhestätte fand. Besucher können sie sich in der Regel jeden zweiten Sonntag ansehen; die genauen Termine sind der Webseite der Preservation Society zu entnehmen.

Published in: on 19. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Axbridge in Somerset und ein Flugzeugabsturz am 10. April 1973

Das Denkmal für die Opfer des Flugzeugabsturzes bei Hochwald in der Schweiz.
Author: Хрюша
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Es sollte ein schöner Tag werden dieser 10. April des Jahres 1973, ein Einkaufstrip nach Basel auf den sich viele Frauen aus Axbridge in Somerset schon seit langem gefreut hatten. Die Damen der Axbridge Ladies Guild hatten sich mit Damen der Cheddar Mums‘ Night Out Group und Kegelvereinen aus den umliegenden Dörfern Congresbury und Wrington zusammengetan, um diesen Tag gemeinsam in der Schweiz zu verleben. Am Flughafen von Bristol stiegen sie in eine Vickers Vanguard 952 der Invicta International Airlines (Flugnummer 435) und starteten um 7.19 Uhr. An Bord waren 139 Passagiere, überwiegend Frauen, und sechs Besatzungsmitglieder. Als sich das Flugzeug dem Flughafen von Basel näherte, geriet es in einen Schneesturm. Die Sicht war sehr schlecht, der erste Landeversuch missglückte, beim zweiten Versuch verloren die beiden Piloten die Orientierung, und das Flugzeug stürzte in ein Waldgebiet nahe des Ortes Herrenmatt. 108 Menschen starben, 37 konnten sich retten beziehungsweise wurden aus dem Wrack gerettet.

Als die Nachricht des Flugzeugabsturzes in Axbridge und den anderen Orten in Somerset eintraf, schien die Zeit stehen zu bleiben. Noch vor wenigen Stunden hatte man die Ehefrauen, Mütter und Töchter weggewinkt und jetzt waren die meisten von ihnen tot. Die Dörfer standen unter Schock. Nach und nach gab man die Namen derjenigen bekannt, die den Absturz überlebt hatten, die Angehörigen derjenigen, die nicht auf dieser Liste standen, versanken in Hoffnungslosigkeit. Auf einen Schlag hatten 55 Kinder ihre Mütter verloren, eine junge Frau verlor elf Familienmitglieder. Zur Identifizierung der Toten machten sich Angehörige auf den Weg in die Schweiz, eine extrem belastende Aufgabe.
Die 108 Opfer wurden wieder nach England zurückgebracht und auf den Friedhöfen ihrer Heimatorte beigesetzt. 13 der 16 Opfer aus Axbridge kamen in ein gemeinsames Grab auf dem Kirchhof von St John the Baptist.

In der Nähe der Absturzstelle in der Schweiz steht ein Denkmal, das an diesen schwarzen Tag im April 1973 erinnert. Dieser Film arbeitet die Geschehnisse von 1973 und der Zeit danach noch einmal auf.

St John the Baptist in Axbridge (Somerset).
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Royal Albert Bridge, die Cornwall mit Devon verbindet

Am 2. Mai 1859 wurde eine Brücke feierlich eröffnet, die von Saltash in Cornwall nach Plymouth in Devon führt und die nach Prinz Albert, dem Ehemann Königin Victorias benannt wurde, die Royal Albert Bridge. Leider war der Konstrukteur der Brücke, das Technikgenie Isambard Kingdom Brunel (1806-1859) nicht anwesend, da er erkrankt war und noch im selben Jahr, am 15. September, starb. Mit den Worten „I.K. BRUNEL ENGINEER 1859„, die an den Brückenenden angebracht wurden, ehrte man den Schöpfer der Albert Bridge. Anwesend bei der Brückeneröffnung war aber Prinz Albert selbst.

Die Royal Albert Bridge ist eine Eisenbahnbrücke über den River Tamar mit einer Länge von 670 Metern und einer Höhe von 52 Metern. Da ich noch nie in England mit der Eisenbahn unterwegs gewesen bin, kann ich nicht schildern wie es sich anfühlt, über die Brücke den Tamar zu überqueren, aber dieser Film macht das deutlich.

1952 wurde die Brücke unter Denkmalschutz gestellt und zu ihrem 150. Geburtstag  veranstaltete man auf ihr ein großartiges Feuerwerk  (hier zu sehen). Im Laufe der Lebenszeit der Royal Albert Bridge wurden immer wieder Verbesserungen und Veränderungen vorgenommen, zuletzt von 2011 bis 2014 eine Komplettrenovierung für £10 Millionen bei der 50 000 Nuten und viele Stahlteile ersetzt wurden. Dieser Film informiert über die Entstehung der Brücke.

Damit sich die Royal Albert Bridge nicht so allein fühlte, hat man direkt neben sie eine Straßenbrücke gestellt, die Tamar Bridge, über die die A38 geleitet wird. Eröffnung dieser neuen Brücke: 26. April 1962. Es handelt sich hier um eine „halbe“ Toll Bridge, das heißt die Befahrung für PKWs von Cornwall nach Devon kostet £2, in die Gegenrichtung braucht man nichts bezahlen.

Die Schwesterbrücke, die Tamar Bridge.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

In trauter Gemeinsamkeit.
Photo © Tom Jolliffe (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 23. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Hythe Pier Railway – Die älteste Pier-Eisenbahn der Welt

Es gibt schon ganz schön lange Piers in England. Der Southend Pier in der Grafschaft Essex ist mit 2,16 Kilometern der längste im ganzen Land, und da der Weg bis zum Kopf des Piers vielen Besuchern zu lang ist, hat man dort Schienen verlegt und eine Eisenbahn darauf gesetzt, so dass man bequem hin und her fahren kann, ohne seine Beine benutzen zu müssen. Siehe dazu auch meinen Blogeintrag.

Den ältesten Pier Train der Welt findet man in der Kleinstadt Hythe in der Grafschaft Hampshire (nicht zu verwechseln mit Hythe in Kent)  und der hat es ins Guinness Buch der Rekorde geschafft (ein Rekord, den ihm niemand streitig machen kann!). Der Hythe Pier wurde 1881 eröffnet und ist mit 640 Metern der siebtlängste im Königreich. Eigentlich könnte man die ganze Strecke auch problemlos zu Fuß zurücklegen, doch trotzdem wurden 1909 Gleise verlegt, auf der eine per Hand betriebene Bahn verkehrte. 1922 schließlich nahmen Elektrolokomotiven ihren Betrieb auf, die davor im Ersten Weltkrieg in einer Senfgasfabrik in Avonmouth eingesetzt waren.

Die ziemlich hässlichen Loks und Waggons verkehren ständig zwischen der Landstation und der Kopfstation der Pier, was für die Lokführer eine extrem langweilige Arbeit sein muss, den ganzen Tag 640 Meter hin und wieder zurück zu gondeln.

Der Pier Train ist aber nicht nur für lauffaule Touristen gedacht, sondern er wird auch von Pendlern genutzt, die mit der Hythe Ferry vom Pierkopf aus zum Town Quay nach Southampton fahren, um in der Stadt ihrer Arbeit nachzugehen. Jede halbe Stunde fährt die Hythe Pier Railway zum Ende der Pier, immer dann wenn die Fähre anlegt.

Im vorigen Jahr erhielt die Hythe Pier Heritage Association eine Spende über £10,000 von der Beaulieu Beaufort Foundation, um die Waggons wieder in einen vernünftigen Zustand zu versetzen, denn sie haben in diesen fast hundert Jahren ganz schön gelitten.

Mit diesem Film kann man sich einen guten Eindruck von Pier, Zug und Fähre verschaffen.

Published in: on 18. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Combe Down Tunnel bei Bath in Somerset und seine Klang-Licht-Installation

Als der Chef der britischen Staatsbahnen, Richard Beeching (1913-1985), in den 1960er Jahren seine berühmt-berüchtigte „Beeching axe“ anlegte, um das Streckennetz drastisch zu reduzieren (siehe dazu auch meinen Blogeintrag), traf es auch die Somerset & Dorset Joint Railway, die die Städte Bath und Bournemouth miteinander verband. 1966 wurde die Bahnlinie geschlossen, weil sie angeblich zu unrentabel war. Die Leute, die die Bahn regelmäßig nutzten, waren „not amused“.

Die Linie führte südlich von Bath durch zwei Tunnel, den Devonshire Tunnel und den Combe Down Tunnel; letzterer war mit 1672 Metern einer der längsten Eisenbahntunnel Großbritanniens. Der Combe Down Tunnel war für das Personal auf der Lok nicht ungefährlich, denn es gab im Tunnel keine Ventilationsschächte, so kann man sich gut vorstellen, was da für eine schlechte Luft geherrscht haben musste. Seit 1966 gammelte der unbenutzte Tunnel vor sich hin, bis man auf die Idee kam, ihn für Radfahrer und Fußgänger frei zu geben, was natürlich nicht ohne umfangreiche Renovierungsarbeiten möglich war. Sustrans, eine Organisation, die sich um das über 20 000 Kilometer lange britische National Cycle Network kümmert, nahm den Combe Down Tunnel, und auch den ebenfalls wiederhergestellten Devonshire Tunnel, unter ihre Fittiche und gliederte sie beide als Two Tunnels Greenway in ihre National Cycle Route 244 ein. Am 6. April 2013 war die Eröffnung und damit ist der Combe Down Tunnel der längste Fahrradtunnel auf der Insel.

Damit es den Radfahrern und Fußgängern darin nicht langweilig wird, hat Sustrans eine Klang-Licht-Installation namens „Passage“ darin anbringen lassen. United Visual Artists aus London bekam den Auftrag dafür. In den Nischen des Combe Down Tunnels, die damals für die Arbeiter vorgesehen waren, die während des Zugbetriebs Arbeiten im Tunnel vornahmen, sind jetzt Lichtinstallationen zu sehen, verbunden mit Lautsprecheranlagen über die Musik eingespielt wird, die extra für diesen Zweck von der Komponistin Mira Calix geschaffen wurde. Die Kunstinstallation reagiert auf Bewegungen und wird dadurch in Gang gesetzt. Hier ist ein Film über den Tunnel, den übrigens Fußgänger in etwa 25 Minuten, Radfahrer in 10 Minuten durchqueren.

Nachts muss es ein wenig unheimlich sein, durch diesen langen Tunnel zu laufen oder mit dem Rad zu befahren wie dieser „Ghost Train“-Film zeigt.

 

Die Rosedale Chimney Bank in North Yorkshire – Eine der steilsten Straßen Großbritanniens

Chimney Bank – Dangerous hill – Engage low gear now – Cyclists please dismount„, so lautet die beunruhigende Aufschrift auf einem der Hinweisschilder im North York Moors National Park in North Yorkshire. Ob es sich dabei wirklich um die steilste Straße im ganzen Land handelt, sei dahingestellt, auf jeden Fall hat die Rosedale Chimney Bank eine Steigung bzw. Gefälle von 1:3. Allenfalls der Hardknott Pass in Cumbria und vielleicht auch noch Sutton Bank, ebenfalls in North Yorkshire gelegen, bieten ähnliche Steigungen wie die Rosedale Chimney Bank.

Die enge Straße verläuft in zahlreichen steilen, unübersichtlichen Kurven, die die ganze Aufmerksamkeit der Autofahrer verlangen; Radfahrer sollen bergabwärts absteigen, aber was so ein richtiger „biker“ ist, der denkt gar nicht daran (in Radfahrerkreisen wird die Straße auch The Chain Breaker genannt). 1 470 Meter ist der Straßenabschnitt nur lang, dafür hat er aber einiges zu bieten. Im Winter bei Eis und Schnee wird es richtig problematisch, sie zu befahren, darum warnt ein zusätzliches Schild „Avoid route in wintry conditions„. Die Fahrzeugbremsen sollten schon in Ordnung sein, wenn man die Rosedale Chimney Bank hinunterfährt, denn „runaway lanes“ gibt es nicht. Für LKWs und Wohnwagengespanne ist die Straße nicht geeignet. Es gab hier auch schon einmal Oldtimerrennen und da ging dem einen oder anderen der betagten Vehikel schon einmal die Puste aus.

Am Beginn der Rosedale Chimney Bank steht ein Pub aus dem 16. Jahrhundert, der White Horse Farm Inn, in dem sich die Radfahrer, die die Straße bezwingen wollen, sich ein wenig Mut antrinken können.

Dieser Film zeigt die Straße, von einer Drohne aus gefilmt, und dieser einen Radfahrer beim Bezwingen der Strecke.

The White Horse Farm Inn.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 11. Februar 2021 at 02:00  Comments (4)  
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Der Solent Flyer und der Island Flyer – Die Letzten ihrer Art

Christopher Cockerell (1910-1999) war ein Ingenieur, dessen bekannteste Erfindung das Hovercraft war, ein Vehikel, das sich sowohl über Land als auch über Wasser fortbewegen konnte, und das auf einem Luftkissen. Eigentlich eine geniale Erfindung, heute trifft man diese Luftkissenfahrzeuge nur noch selten an. Eine Zeit lang bedienten große Exemplare dieser Fahrzeuge die Strecke über den Ärmelkanal  von Dover nach Calais. Ich bin einmal damit die umgekehrte Strecke gefahren; ein ungewöhnliches Erlebnis.

In ganz Großbritannien gibt es heute nur noch eine Mini-Strecke, die von zwei Hovercrafts befahren wird: Von Southsea an der Küste von Hampshire nach Ryde auf der Isle of Wight. Gerade einmal zehn Minuten brauchen die beiden Luftkissenfahrzeuge Solent Flyer und Island Flyer dafür, die tagaus, tagein hin und her pendeln. Im Jahr 2016 wurden beide in Dienst gestellt, sie tragen die Typenbezeichnung Griffin 12 000TD, gebaut von der Firma Griffon Hoverwork, die die Fabrikation der Fahrzeuge im benachbarten Southampton tätigt. In Lee-on-the-Solent befindet sich auch das einzige Hovercraft Museum der Welt (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Die Fährverbindung Southsea – Ryde, von der Firma Hovertravel betrieben, dient nur zur Personenbeförderung, im Gegensatz zur damaligen Ärmelkanalfähre, die auch Fahrzeuge mitnehmen konnte. Die Hin- und Rückfahrt kostet £24.60.

Die Luftkissenfahrzeuge gelten als sehr sicher; nur einmal gab es auf der Strecke Southsea-Ryde ein Unglück, am 4. März 1972, als nur wenige hundert Meter von der Landestelle in Southsea entfernt, die Fähre von einer ungewöhnlich großen Welle erfasst wurde und kenterte. Fünf Menschen kamen bei dem Unfall ums Leben.

Dieser Film zeigt den Solenty Flyer bei der Anlandung und bei der Abfahrt.

Published in: on 7. Februar 2021 at 02:00  Comments (6)  
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Der Londoner Westway – Ein früher sehr umstrittenes Teilstück der A40

Die Autofahrer hat es damals gefreut, als am 28. Juli 1970 in Anwesenheit des Verkehrsministers John Peyton und des parlamentarischen Staatsekretärs Michael Heseltine der vier Kilometer lange  Londoner Westway eröffnet wurde, ermöglichte er es ihnen doch, schneller in die Innenstadt zu kommen beziehungsweise die Stadt schneller in Richtung Westen zu verlassen. Der Westway ist ein Teilstück der A40, die zur Autobahn M40 führt.

Was des Autofahrers Freud war des Anwohners Leid, denn zuerst einmal musste eine gewaltige Schneise in den westlichen Teil Londons geschlagen werden, Häuser wurden in großem Stil abgerissen, damit der auf Stelzen gebaute Westway entstehen konnte. Unterhalb der Hochstraße entstand eine Ödnis, die Betonpfeiler wurden mit Graffiti besprüht, niemand mochte sich dort aufhalten. Bei der Eröffnung der Straße kam es zu Protesten der Anlieger, deren Wohnungen in den oberen Stockwerken der Häuser plötzlich auf der gleichen Höhe wie die Fahrbahn lagen. Sie mussten den Lärm und die Abgase ertragen, eine Entschädigung erhielten sie nicht; ihre Lebensqualität hatte sich drastisch verschlechtert. Aber es ging in den nächsten Jahren noch weiter, als in der näheren Umgebung weitere Häuserzeilen abgerissen wurden und Zwangsenteignungen stattfanden. Dieser sehr interessante Film zeigt noch einmal die Problematik des Westways auf.

In dem 1974 erschienenen Roman „Concrete Island“ (dt. „Die Betoninsel“) des großartigen Schriftstellers James Graham Ballard (1930-2009) spielt der Westway eine Rolle, als ein Autofahrer dort einen Unfall erleidet, und er im Niemandsland der Hochstraßen landet, wo ihn niemand sehen und ihm helfen kann.

In dem Film „Radio On“ (dt. „Radio On“) aus dem Jahr 1979 zeigt Regisseur Christopher Petit einige Sequenzen von der Hochstraße. Britische Rockgruppen erwähnten die Straße in einigen ihrer Songs wie „Under the Westway“ von Blur und „London’s Burning“ von The Clash.

£30 Millionen kostete damals der Bau der Straße, was heute etwa einer halben Milliarde Pfund entspricht. Ob wohl heute, 50 Jahre nach der Eröffnung, ein Brachialakt wie damals noch einmal möglich wäre?

 

Published in: on 20. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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„Mind the Gap“ – Ein Warnhinweis in der Londoner U-Bahn, der Einzug in die Umgangssprache gefunden hat

Auf vielen Bahnsteigen in der Londoner U-Bahn besteht eine Gefahrenquelle darin, dass zwischen dem stehenden Zug und dem Bahnsteig eine Lücke klafft. Darauf wird auf mehrfache Weise hingewiesen: An der Bahnsteigkante steht in großen Buchstaben „Mind the Gap“ geschrieben, in den Zügen selbst weist eine Laufschrift auf die Gefahr hin und per Lautsprecherdurchsage werden die Reisenden immer wieder mit „Mind the Gap“ gewarnt. Mittlerweile hat sich der kurze Satz in der Alltagssprache etabliert und wird auch für andere Situationen angewendet.

Seit 1968 gibt es das Lautsprecherwarnsystem, das von dem Tontechniker Peter Lodge eingeführt wurde. Er engagierte einen Schauspieler, der die Sätze „Mind the gap“ und „Stand clear of the doors please“ auf Band sprach, doch da dieser darauf bestand, jedes Mal wenn seine Sätze in der U-Bahn abgespielt wurden, dafür Tantiemen zu bekommen, wurde nichts daraus, so dass Lodge letztendlich die Sätze selber sprach, und diese wurden dann auch für lange Zeit verwendet (hier zu hören). Auf manchen U-Bahnlinien wurden andere Sprecher bzw. Sprecherinnen verwendet wie Tim Bentinck, Julie Berry und Emma Clarke (hier zu hören), die bei ihrem Arbeitgeber aber in Ungnade fiel, weil sie sich angeblich despektierlich über die Londoner U-Bahn geäußert haben soll. Auch Oswald Laurence war einer der Sprecher des berühmten Satzes, dessen Band aber kaum mehr abgespielt wurde. Nachdem er 2007 gestorben war, ging seine Witwe  häufig zur U-Bahnstation Embankment, um dort noch die Stimme ihres Mannes zu hören. Transport for London überspielte die Ansage auf eine CD und schenkte sie der Witwe (hier zu hören).

„Mind the Gap“ findet man auf vielen Souvenirs aus der britischen Hauptstadt, auf T-Shirts, Socken, Slips, Kaffeebechern, Schlüsselanhängern usw. usw.

 

Ein Mitbringsel aus London für den Daheimgebliebenen
Author: Annie Mole
Creative Commons 2.0

…und für die Daheimgebliebene.
Author: Annie Mole
Creative Commons 2.0

 

Published in: on 21. Dezember 2020 at 02:00  Comments (7)  
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Hannah Dadds (1941-2011), die erste weibliche Fahrzeugführerin der Londoner U-Bahn

Am 10. Januar 1863 fuhr der erste Zug der neugebauten Londoner U-Bahn; damals war das Streckennetz überschaubar und man benötigte nicht allzu viele Fahrzeugführer. „Traindriver“ war ein reiner Männerberuf und es sollte bis zum Jahr 1978 dauern, bis es eine Frau schaffte, in diese Männerwelt einzudringen. Hannah Dadds (1941-2011) war ihr Name, und sie wurde damals von ihren männlichen Kollegen misstrauisch beobachtet, ob sie wohl in der Lage war, einen Zug durch die unterirdische Welt Londons zu lenken. Sie konnte!

Hannah Dadds war eine waschechte Londonerin, 1941 im Borough of Newham im Osten der Stadt geboren. Im Alter von 28 Jahren, nachdem sie in einer Streichholz- und einer Zigarettenfabrik gearbeitet hatte, schaute sie sich nach etwas anderem um und fand eine Anstellung bei der Londoner U-Bahn. Ihr erster Arbeitsplatz war ein „Heimspiel“, sie arbeitete in der U-Bahnstation Upton Park im Newham-Bezirk. Von 1969 bis 1978 versah Hannah Dadds mehrere Jobs für die „tube“ und kam dann auf die Idee, Fahrzeugführerin zu werden. 1975 war der Sex Discrimination Act in Kraft getreten, der Frauen half, bisher nur von Männern ausgeübte Tätigkeiten zu übernehmen. Hannah machte einen siebenwöchigen Lehrgang mit und war anschließend berechtigt und in der Lage, einen U-Bahnzug zu lenken. Eingesetzt wurde sie zuerst auf der District Line, die von Upminster im Osten nach Earl’s Court im Westen der Stadt führte. Später bearbeitete sie die Bakerloo und Jubilee Lines. Hannah holte auch ihre Schwester Edna mit an Bord, die zeitweise als Kontrolleurin im Einsatz war.

14 Jahre lang fuhr Hannah Dadds unfallfrei kreuz und quer durch London, dann nahm sie ihren vorzeitigen Abschied. Sie hatte sich bei ihren männlichen Kollegen einen guten Ruf erworben und war sozusagen die Eisbrecherin für viele künftige weibliche „traindriver“ gewesen.

2011 starb Hannah Dadds; acht Jahre später wurde sie mit einer Plakette in der U-Bahnstation Upton Park geehrt, dort, wo ihre Karriere begann. Auf der Plakette ist Hannah zu sehen wie sie gerade einen Zug besteigt; der Text daneben beschreibt kurz das Leben der Frau.

Upton Park tube station.
Photo © Oxyman (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die M20 und die möglichen Probleme nach dem endgültigen Brexit

Die Autobahn M20 ist nur etwas über 80 Kilometer lang, ist aber die wichtige Verbindung von Londons Ringautobahn M25 in Richtung Kanalfähren und Eurotunnel. Ich habe vor einigen Jahren einmal einen gewaltigen Stau von PKWs und LKWs miterlebt, da der Tunnel wegen eines technischen Defekts für einige Stunden gesperrt war. Ein Vorgeschmack für das, was uns da möglicherweise ab dem 1. Januar 2021 bevor steht, wenn es zu einem harten Brexit kommt? Hier ist ein Film.

Schon seit Monaten ist die britische Regierung dabei, Vorkehrungen zu treffen, um riesige LKW-Rückstaus zu managen, die sich nach Meinung von Experten bis in den Londoner Großraum bilden könnten. So ist man dabei, LKW-Großparkplätze in Kent zu schaffen, unter anderem im Raum Ashford, wo bei Sevington ein Areal für 2000 Trucks entsteht („Farage’s Folly“ oder auch „Farage’s Garage“ genannt, nach Nigel Farage, der den Brexit maßgeblich mit vorangetrieben hat), auf dem auch Inlands-Zollkontrollen vorgenommen werden können. Dass die Anlieger dort nicht sehr glücklich sind, liegt auf der Hand. Lärm und Umweltverschmutzung sind vorprogrammiert, und es ist die Frage, ob die hygienischen Einrichtungen wie Toiletten für so viele LKW-Fahrer ausreichen. Schon jetzt ist die M20 vermüllt, denn was machen Trucker, wenn sie stundenlang im Stau stehen und sie ein menschliches Bedürfnis rührt? Sie schlagen sich seitwärts in die Büsche, und wenn so etwas tausendfach passiert, kann man sich vorstellen (oder besser nicht) wie es dann dort aussieht. Auch mobile Toilettenhäuschen dürften da kaum Besserung bringen. Da ist schon die Rede davon, dass sich Kent, der Garten Englands, langsam in die Toilette Englands verwandelt.

Ein ähnliches Bild könnte sich auf der anderen Kanalseite eröffnen, wenn Lastwagen nach Großbritannien übersetzen wollen. Es existieren Horrorszenarien, dass ab Januar Versorgungsengpässe auf der Insel auftreten werden, wenn Lebensmittel, medizinische Artikel und Ersatzteile nicht rechtzeitig eintreffen. Haben das die Brexitanhänger alles überdacht, als sie sich an der Wahlurne gegen den Verbleib in der EU entschieden haben?

Published in: on 19. November 2020 at 02:00  Comments (3)  
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„From Amersham to Missenden, to Wendover to the Vale of Aylesbury“ – Die A413 in einem Song von John Otway

From Amersham to Missenden, to Wendover to the Vale of Aylesbury“ so lautet der Refrain des Songs „A413 revisited“ von John Otway. Die Straße führt von Gerard’s Cross in Buckinghamshire nach Towcester in Northamptonshire. Ich bin sie viele Male gefahren, habe aber aber nicht nur gute Erinnerungen an sie, da ich an ihr in Höhe von Little Missenden mit meinem Auto einmal liegen geblieben bin (siehe dazu meinen Blogeintrag) und mich mit viel Mühe noch nach Aylesbury schleppen konnte. Die A413 führt mitten durch Aylesbury hindurch, und in John Otways Songtext stoßen wir auf einige Orte in der Stadt, die er besingt:

There’s a reunion at the Grange County Secondary School„, das ist eine Schule in Aylesbury am Wendover Way, wo der Sänger zur Schule gegangen ist und die einmal ganz kurz landesweit für Schlagzeilen sorgte, als sich dort 1964 beim Great Train Robbery-Prozess die Geschworenen zur Beratung zurückgezogen hatten. Eine der ehemaligen Schülerinnen der Grange School, Samantha Lewthwaite, gehört zu den „most wanted women in the world“; sie war mit dem London Bomber Germain Lindsay verheiratet und wird wegen terroristischer Anschläge in Kenia gesucht.

Die nächste Station in „A413 Revisited“ ist ein Pub in Aylesbury The Bell Hotelat the bottom of the market square„. Dies ist ein J.D. Wetherspoon-Pub, über den ich in meinem Blog vor einigen Jahren geschrieben habe und der direkt neben der Old County Hall steht, wo 1964 die Eisenbahnräuber (siehe oben) vom Aylesbury Crown Court verurteilt worden sind.

The Bucks Herald is the local paper“ heißt es zum Schluss von John Otways Song. The Bucks Herald ist eine wöchentlich erscheinende Zeitung, die schon seit 1832 existiert und die über Alles in Aylesbury und Umgebung berichtet. Die Redaktion befindet sich in einem Gewerbegebiet an der Edison Road am westlichen Stadtrand.

Die A413, hier die Amersham Road, bei Chalfont St Peter in Buckinghamshire.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Aylesburys The Grange School.
Author: Roleplayer
This work is in the public domain.

The Bell am Market Square in Aylesbury.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 25. Oktober 2020 at 02:00  Comments (1)  
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The Redcliffe Flyover in Bristol – Ein Provisorium, das über 30 Jahre lang seinen Dienst tat

In der Innenstadt von Bristol herrschte schon in den 1960er Jahren starker Verkehr. Gerade im Bereich der Region Temple Way /St Mary Redcliffe kam es immer wieder zu Staus. Da kamen die Stadtplaner von Bristol auf die Idee, eine behelfsmäßige Entlastung in Form des Redcliffe Flyovers zu installieren, der 1967 in Betrieb genommen wurde. Diese Hochstraße war 300 Meter lang, stand 5,5 Meter über dem Boden und war 3,40 Meter breit, ruhte auf 16 Stahlsäulen und kostete £120 000. Bristols Bürger mochten das Monstrum anfangs gar nicht und bezeichneten es als Schandfleck in der Stadtlandschaft…aber der Flyover zeigte Wirkung, denn die ständig verstopfte Kreuzung, die er entlastete, war nicht mehr ganz so problematisch. Wer gar nicht über den Redcliffe Flyover erfreut war, das waren die Gäste des Grosvenor Hotels, an dessen Fenster der Verkehr ziemlich dicht vorbeiflutete. Nachdem sich die Bristolians allmählich an die Hochstraße gewöhnt hatten, machte es vielen sogar Spaß, die enge kurvige Behelfsstraße zu befahren, die ein wenig Achterbahngefühl vermittelte.

Den Stadtplanern von Bristol fiel im Laufe der Jahrzehnte (!) einfach nichts Besseres ein wie man das Verkehrsproblem auf andere Weise lösen konnte, und so blieb das Provisorium über 30 Jahre lang stehen. In dem Film „Radio On“ des Regisseurs Chris Petit aus dem Jahr 1979 taucht der Flyover immer wieder auf wie diese Szene daraus zeigt, als ein Auto am Grosvenor Hotel vorbeifährt.

Schließlich ging es dem Redcliffe Flyover doch an den Kragen, er sollte 1998 abgerissen und durch einen großen Kreisverkehr, das Temple Meads gyratory system, ersetzt werden, Viele waren darüber sehr traurig und kamen kurz vor Abriss noch einmal zu einer letzten Abschiedsfahrt hierher. Am 13. Juni 1998 wurde die Hochstraße geschlossen, und die Abbrucharbeiten begannen. Eine Ikone Bristols hatte ihr Ende gefunden.
Wer heute hier mit dem Auto unterwegs ist und sich nicht auskennt, braucht starke Nerven, denn der Verkehr ist zu Spitzenzeiten mörderisch und die Orientierung ist nicht leicht. Temple Gate heißt jetzt die nagelneue Verkehrsführung, die das Temple Meads gyratory system ersetzt hat.

Published in: on 14. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Black Cat Roundabout an der A1 bei Chawston in Bedfordshire

Die Great North Road, die A1, trifft in der Grafschaft Bedfordshire nahe des Dorfes Chawston auf die A421; die Verteilung des Verkehrs regelt der Black Cat Roundabout. Wer sich von der stark befahrenen A1 ein wenig erholen möchte, kann hier am Kreisverkehr tanken, rasten, in einem Subway oder bei Greggs (früher ein Little Chef-Restaurant) essen und sogar in einem Travelodge-Hotel übernachten. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden diese Service-Einrichtungen aber im nächsten Jahr komplett abgerissen, denn der Black Cat Roundabout soll erheblich vergrößert werden, da der Verkehr kontinuierlich angestiegen ist.

Die schwarze Katze im Inneren des Kreisverkehrs, nach der der Roundabout benannt ist, wird hoffentlich stehen bleiben. In den 1920er Jahren befand sich hier an der Straßenkreuzung eine Autowerkstatt, die sich Black Cat Garage nannte und die als Logo eine schwarze Katze hatte. An der Stelle der Werkstatt steht heute die Shell-Tankstelle.

Die metallene schwarze Katze im Kreisverkehr muss bei einigen Menschen das Bedürfnis ausgelöst haben, sie zu stehlen oder sie zu beschädigen. Drei verschiedene Katzen haben bisher ihr gefährliches Leben auf der Grasfläche führen müssen. Katze Nummer 1, die hier im Jahr 2004 aufgestellt worden war, wurde bei Erweiterungsarbeiten des Kreisverkehrs von der Baufirma entfernt und in deren Büro als Maskottchen aufgestellt. Katze Nummer 2, etwas größer als die erste, fand nach Abschluss der Bauarbeiten ihr Domizil inmitten des Roundabouts, wurde aber im Juni 2007 gestohlen. Zwei Jahre später tauchte sie auf einem anderen Kreisverkehr ein Stückchen weiter nördlich wieder auf, wurde erneut  an ihren Ursprungsort zurückgebracht und verschwand bald wieder. Katze Nummer 3 wurde von Vandalen ein paar Jahre später beschädigt und von ihrer Halterung abgebrochen. Jetzt steht die reparierte Black Cat auf dem Black Cat Roundabout und hofft, in Zukunft in Ruhe gelassen zu werden; das heißt von Ruhe kann man hier eigentlich nicht sprechen, denn der Verkehr braust ununterbrochen an ihr vorbei wie dieser Film zeigt.

 

 

 

Published in: on 10. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Englische Lokomotiven und ihre Namen

In Kirkby-in-Ashfield in der Grafschaft Nottinghamshire ist die Firma Newton Replicas beheimatet, die sich darauf spezialisiert hat, Schilder herzustellen, die an Lokomotiven angebracht werden, denn es ist eine Tradition in ganz Großbritannien, dass die schienengebundenen „Zugpferde“ einen Namen erhalten. Schon seit 1983 stellt die Firma diese Schilder her und es sollen mittlerweile schon über 1200 Stück sein. Diese Individualisierung der Loks erinnert mich an die Spedition Eddie Stobart, die ja ebenfalls alle ihre Trucks „benamst“ und zwar mit Frauennamen (ich berichtete in meinem Blog darüber). Auch Busse in Brighton tragen stolz jeweils einen eigenen Namen.

Die bei den britischen Bahngesellschaften für die Namensgebung Verantwortlichen müssen sehr fantasiereich sein. Bereits George Stephensons Lokomotive wurde auf den Namen Rocket getauft und seitdem sind unzählige weitere Namen vergeben worden.
Besonders gern wird die griechische Mythologie herangezogen, und so gab es schon Loks mit den Namen Acheron, Achilles, Castor und Centaur. Bei den Virgin Trains benannte man Loks nach Entdeckern wie Marco Polo, Sir Walter Raleigh und Christopher Columbus. Die Literaturgeschichte wurde bei der Benennung der Lokomotiven Ulysses, Robin Hood und Ivanhoe bemüht. Geografische Namen findet man an Loks; einige Beispiele: Mersey, Gloucester, Newquay und Oxford.

Ein Beispiel aus der jüngsten Zeit. Die Firma Freightliner hat ihre nagelneue Class 90 Lokomotive Nummer 90014 Over the Rainbow genannt (der Regenbogen gilt als Symbol der Hoffnung in der Coronakrise), in Anerkennung und Dankbarkeit für das medizinische Personal des Landes.

 

 

Published in: on 20. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Londoner U-Bahnstation Arsenal – Die einzige im ganzen Land, die nach einem Fußballverein benannt ist

Der Londoner Premier League Fußballverein F.C. Arsenal, The Gunners, ist der einzige, der sich rühmen kann, dass eine U-Bahnstation nach ihm benannt worden ist, und das schon seit dem 31. Oktober 1932. Erst hieß sie Arsenal (Highbury Hill), seit 1960 nur noch Arsenal. Die Station an der Piccadilly Line liegt an der Gillespie Road, und so hieß der Bahnhof auch bis zu seiner Umbenennung. Die Gillespie Road befindet sich einer reinen Wohngegend mit nur wenigen Geschäften, ein Katzensprung von dem ehemaligen Highbury-Stadion der Gunners entfernt. Die spielen aber dort seit 2006 nicht mehr, sondern im Emirates Stadium, dem zweitgrößten Stadion der Premier League (das größte ist Old Trafford in Manchester). Das neue Stadion ist nur wenige Gehminuten von dem alten entfernt, und so nutzen viele Arsenal-Fans die U-Bahnstation nach wie vor, um die Spiele ihrer Mannschaft zu sehen.

Dass der Bahnhof der Piccadilly Line so benannt wurde, ist dem ehemaligen Trainer der Gunners, Herbert Chapman zu verdanken, der von 1925 bis 1934 dem Verein angehörte. Er bohrte so lange, bis die zuständige Behörde 1932 ihr OK zu der Namensänderung gab. Der Schriftzug „Gillespie Road“ ist nach wie vor auf den Kacheln der Wände der Station erhalten geblieben. Der Eingang der Arsenal Tube Station ist auf beiden Seiten von Wohnhäusern eingeschlossen, ein etwas merkwürdiger Anblick.

Der F.C. Arsenal war Herbert Chapmans letzter Verein. Er starb kurz vor seinem 56. Geburtstag am 6. Januar 1934 an einer Lungenentzündung. Eine lebensgroße Statue von ihm erinnert an den Trainer vor dem Emirates Stadium.

Die Statue von Herbert Chapman vor dem Emirates Stadium.
Author: Little Savage.
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Published in: on 3. Juni 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Londoner Chiswick Flyover und seine Eröffnung durch einen amerikanischen Filmstar im Jahr 1959

Chiswick Flyover und davor der Kreisverkehr.
Photo © Nigel Mykura (cc-by-sa/2.0)

Wenn heute irgendwo in London eine neue Straße oder Straßenbrücke in Betrieb genommen werden sollte, dann dürfte das im allgemeinen nicht auf allzu große Aufmerksamkeit stoßen. In den 1950er Jahren war das etwas anders. Im Westen Londons wurde im Herbst 1959 eine neue 600 Meter lange Hochbrücke eröffnet, der sogenannte Chiswick Flyover. Sie diente dazu, den sehr starken Verkehr in diesem Teil der Stadt zu entlasten, der bis dahin durch einen chronisch verstopften Kreisverkehr verteilt worden war. Um die 40 000 Fahrzeuge täglich nutzten dieses Nadelöhr, wo sich die North und die South Circular Roads trafen. So waren die £6 Millionen für den Flyover von Chiswick gut angebracht.

Nach Fertigstellung der Brücke wollten die Baufirma Alderton’s Construction und ihr Boss J. E. Dayton eine spektakuläre Eröffnungsfeier und suchten dafür eine prominente Persönlichkeit. Nachdem die beiden Rennfahrer Donald Campbell und Stirling Moss kein Interesse gezeigt hatten, fiel Mr. Dayton etwas viel Besseres ein. Zur Zeit hielt sich gerade der Hollywoodstar Jayne Mansfield in London auf, um in den Studios von Borehamwood den Film „Too Hot To Handle“ (dt. „Zu heiß zum Anfassen“) zu drehen. Jayne Mansfield, „The Blonde Bombshell“, willigte ein, die Eröffnung des Chiswick Flyover vorzunehmen; sie wurde in einem Ford Zephyr Mk2 Convertible nach Chiswick gefahren, wo sie dann am 30. September zur Schere griff, um das Absperrungsband durchzuschneiden. Sie lächelte sexy in die Runde der Anwesenden, warf einen kurzen Blick auf die Brücke, die sie als „sweet“ bezeichnete und war dann bald wieder weg. Mr. Dayton und seine Baufirma hatten die Publicity erhalten, die sie gern haben wollten und waren zufrieden. Es gab auch einige Kritiker der Aktion, die der Meinung waren, dass es auch in Großbritannien attraktive Schauspielerinnen gab, und dass man nicht eine Amerikanerin dafür hätte nehmen müssen. Hier ist ein Film von der Eröffnung der Brücke.

Kurze Zeit nach der Brückeneröffnung kam das Gerücht auf, dass in den Fundamenten der Chiswick Flyover nicht nur Beton verbaut worden ist, sondern, dass darin auch mehrere Leichen für immer ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten, Opfer der berühmt-berüchtigten Kray Twins, der Londoner Verbrecherkönige Ronnie und Reggie Kray. Zuzutrauen ist es den beiden Gangstern schon, die in den 1950er und 1960er Jahren die Stadt in Atem gehalten hatten.

Heute ist der Chiswick Flyover ein Teil der Autobahn M4, die London mit Bristol und Süd-Wales verbindet. Anlässlich des 50. Brückengeburtstages im Jahr 2009 wurde eine Plakette an ihr angebracht und für diese Zeremonie wählt man dieses Mal eine englische Schauspielerin, Imogen Stubbs, die die Plakette enthüllte.

Ruhen hier die Opfer der Kray Twins?
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 31. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Narrowboats und ihre mehr oder weniger fantasievollen Namen

So weit ich mich erinnere, trug das Narrowboat, das ich vor Jahren in Evesham (Worcestershire) gemietet hatte, den Namen „Ethos“, warum auch immer. Es gibt eine Hitliste der 200 beliebtesten Namen für diese langen, schmalen Boote, die auf englischen Kanälen und Flüssen anzutreffen sind und da führt mit großem Abstand der Name „Kingfisher“ (Eisvogel), gefolgt von „Dragonfly“ (Libelle) und „Merlin“ (Zwergfalke bzw. Zauberer in der keltischen Mythologie). Booten mit diesen Namen wird man also häufiger begegnen. Hier ist jeweils ein Beispielfoto:

Auf dem Staffordshire und Worcestershire Canal.
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Ebenfalls auf dem Staffordshire und Worcestershire Canal.
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Und ein „Merlin“ auf dem Trent and Mersey Canal.
Photo © Roger Kidd (cc-by-sa/2.0)

Doch es gibt auch eine ganze Menge fantasievollerer Namen, von denen ich hier eine kleine Auswahl zeigen möchte:

Dieser Name eines in den Gloucester Docks geparkten Bootes gefällt mir besonders gut.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Piston Broke, sprich „Pissed and Broke“. Auf dem Shropshire Union Canal.
Photo © Roger Kidd (cc-by-sa/2.0)

Calamity J’Aime, in Anlehnung an die amerikanische Wild-West-Heldin Calamity Jane. Auf dem Grand Union Canal.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Dieses Boot ist nicht über die Ozeane nach England gekommen, sondern nach dem Vogel Tui benannt, der in Neuseeland heimisch ist. Auf dem Grand Union Canal.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Und zu guter Letzt…ein Boot namens „Corona“; entgegenkommende Narrowboats werden da wahrscheinlich sehr großen Abstand halten. Auf dem Grand Union Canal.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 18. April 2020 at 02:00  Comments (6)  
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Smart Motorways – Pro und Kontra

Ein Teil der M3 in Hampshire wird als Smart Motorway ausgebaut.
Photo © Given Up (cc-by-sa/2.0)

Über 600 Kilometer aller britischen Autobahnen sind als Smart Motorways ausgebaut; eine gute Idee? Da gehen die Meinungen auseinander.

Es gibt drei verschiedene Arten dieser „intelligenten Autobahnen“: Da ist einmal die „Dynamic hard shoulder„, das heißt, die Standspur darf bei hohem Verkehrsaufkommen zeitweilig mitbenutzt werden, um den Verkehrsfluss zu beschleunigen (Beispiel: Die M4 zwischen Junction 19 und 20). Dann gibt es das System des „All lane running„, was bedeutet, dass der Standstreifen permanent befahren werden darf (Beispiel: Die M1 zwischen Junction 16 und 19). Schließlich noch der „Controlled motorway„; dabei ist der Standstreifen nicht für den fließenden Verkehr nutzbar (Beispiel: Die M42 zwischen Junction 7 und 9) . Bei allen drei Arten des Smart Motorways werden die Geschwindigkeitsbegrenzungen dem Verkehrsaufkommen angepasst, was durch Überwachungskameras kontrolliert wird.
Hier ist ein Film des RAC wie man die Smart Motorways nutzt.

Das klingt eigentlich alles sehr positiv, doch die Smart Motorways haben auch ihre Gegner, die zu Recht der Meinung sind, dass, wenn Autofahrer auf der Standspur, die als Fahrspur frei gegeben ist, mit einer Panne liegen bleiben, die Unfallgefahr erheblich zunimmt. In den letzten fünf Jahren sind 38 Menschen auf diesen Streckenabschnitten gestorben, und die Zahl der Beinahe-Unfälle hat sich drastisch erhöht. Auf der M25 zum Beispiel, wo auf bestimmten Abschnitten das „All lane running“ eingeführt wurde, ist die Gefahr eines Beinahe-Unfalls um das zwanzigfache gestiegen.

Es gibt zwar im Abstand von 2500 Metern Nothalteplätze, aber manchmal können diese von Autofahrern nicht mehr angesteuert werden, so sind Forderungen laut geworden, diese „emergency areas“ alle 800 Meter anzulegen. Es gibt zwar auf einigen Autobahnen das Stopped Vehicles Detection System, das innerhalb von zwölf Sekunden liegen gebliebene Fahrzeuge entdeckt und diese an die Überwachungszentralen meldet, aber bei dichtem Verkehr können trotzdem gefährliche Situationen entstehen, bis ein Bergungsfahrzeug eintrifft.

Eine Horrorvorstellung für jeden Autofahrer ist, mitten auf einer mehrspurigen Autobahn eine Panne zu haben. Aussteigen geht nicht, sitzen bleiben ist auch gefährlich. Was tun? Wenn das Autobahnkontrollzentrum so einen Fall auf dem Überwachungsbildschirm entdeckt, kann es sofort den betroffenen Fahrstreifen für den Verkehr sperren, indem auf den Anzeigetafeln ein rotes X für die Fahrspur erscheint, die dann nicht mehr befahren werden darf.

Auch Rettungs- und Polizeifahrzeuge haben es schwer, an einen Unfallort zu gelangen, wenn die Standspur, die sie sonst nutzen können, für den Verkehr freigegeben ist wie dieser Film zeigt.
Smart oder Nicht-Smart, es hat alles seine Vor- und Nachteile.

Smart Motorway: Die M6 in Staffordshire.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. Februar 2020 at 02:00  Comments (5)  
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The Aylesbury Railway Desaster – Ein Eisenbahnunglück in Buckinghamshire am 23. Dezember 1904

Der Bahnhof von Aylesbury heute.
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)

Sie freuten sich schon alle auf das bevorstehende Weihnachtsfest: Joseph Barnshaw, George Masters, David Summers und Josiah Stanton. Sie waren an Bord des sogenannten „newspaper train„, der am 23. Dezember 1904 wie gewöhnlich früh morgens von Londons Marylebone Bahnhof nach Manchester unterwegs war. Als der Zug um 3.38 Uhr in den Bahnhof von Aylesbury in Buckinghamshire einfuhr, war er viel zu schnell. Vielleicht wusste der Zugführer Joseph Barnshaw nicht, dass hier im Bahnhof eine sehr enge Kurve war, die nur mit 15 mph befahren werden durfte, der Zug war aber mit 50 mph unterwegs. Die Folge: Die Lokomotive und die zehn Waggons entgleisten und stürzten um. Die Trümmer verteilten sich auf die Bahnsteige und die Geleise, es herrschte Chaos im Bahnhof von Aylesbury. Für drei der genannten, im Zug mitfahrenden Männer kam jede Hilfe zu spät, Joseph Barnshaw verstarb etwas später im Krankenhaus.

Was waren die Gründe für das Aylesbury Railway Desaster? Nun, auf jeden Fall die zu hohe Geschwindigkeit. Aber warum fuhr Joseph Barnshaw so schnell in den Bahnhof ein? Da gibt es mehrere Vermutungen: Einmal, dass der Zugführer mit der Strecke nicht vertraut war. Es herrschte damals dichter Nebel, so dass es möglich ist, dass Mr Barnshaw die Warnschilder mit der Geschwindigkeitsbegrenzung nicht gesehen hatte. Und dann gab es damals noch eine andere Theorie: Ich erwähnte oben schon, dass der Zug auch „newspaper train“ genannt wurde, weil er die Londoner Zeitungen nach Manchester beförderte. Die Zeitungsmacher in London wollten ihre Gazetten so früh wie möglich in den Verkaufsständen in Manchester haben, damit sie, in Konkurrenz zu den örtlichen Zeitungen, einen Teil des Kuchens, sprich des Umsatzes, für sich in Anspruch nehmen konnten. Es hieß damals, dass die Zugführer angehalten waren, die Strecke London-Manchester so schnell wie möglich zurückzulegen. Möglicherweise kostete dieser Zeitdruck das Leben der vier tödlich verunglückten Männern.

Auf Grund des Unglücks wurde die enge Kurve im Bahnhof von Aylesbury später begradigt.

Published in: on 30. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Londoner Elizabeth Line und die Auswirkungen auf die Endstationen

Der neue Bahnhof von Reading in Berkshire, am westlichen Ende der Elizabeth Line.
Photo © Chris Wood (cc-by-sa/2.0)

Eigentlich sollte die neue Elizabeth Line in London im Laufe des Jahres 2019 ihren Betrieb aufnehmen, aber wie das nun mal bei Großbauprojekten ist, verzögert sich die Eröffnung wahrscheinlich bis Ende 2021. Die auch Crossrail genannte Strecke soll in West-Ost-Richtung quer durch London verlaufen und die Endpunkte Reading in Berkshire mit Shenfield in Essex verbinden. Schätzungsweise £18.25 Milliarden werden die Baukosten betragen, deutlich mehr als die ursprünglich geplanten Kosten. Etwa 110 Kilometer werden die 200 Meter langen Züge der Elizabeth Line pro Strecke zurücklegen, davon 20 Kilometer unterirdisch. Die Fahrtdauer zwischen den Stationen wird deutlich verringert, zum Beispiel von Abbey Wood im östlichen Bereich der Linie zum Flughafen Heathrow statt 93 Minuten nur noch 52 Minuten oder, innerhalb Londons, von der Bond Street nach Paddington nur noch 3 Minuten anstelle von 15 Minuten.

Gerade für Pendler ist die Elizabeth Line interessant und viele überlegen sich ernsthaft, ob sie nicht aus London wegziehen und sich in den Home Counties niederlassen, wenn sie so schnell in der City sein können, was natürlich schon jetzt zu einem rasanten Anstieg der Hauspreise in diesen Regionen geführt hat. Vor allem Berkshire und Buckinghamshire erfreuen sich großer Beliebtheit, die Preise dort gehen kontinuierlich nach oben. In Reading (Berkshire) beispielsweise sind die Hauspreise in zehn Jahren um über 35% gestiegen, auf durchschnittlich £426 000. Auch in der Region Slough in Berkshire sind die Preise für Häuser und Wohnungen drastisch gestiegen.

Der Bahnhof von Reading ist schon vor einigen Jahren komplett umgebaut worden, weil man nach Fertigstellung der Elizabeth Line mit sehr viel mehr Passagieren rechnet. Queen Elizabeth hat ihn am 17. Juli 2014 eröffnet. Rund £900 Millionen haben die kompletten Bauarbeiten gekostet. Auch andere Bahnhöfe wurden umgebaut, wie der von Abbey Wood (Greater London) auf dem östlichen Teil der Strecke (2017 neu eröffnet).

Ich frage mich, wer sich diese enorm hohen Hauspreise in diesen Pendlerorten eigentlich leisten kann. Menschen mit geringerem Einkommen können sich weder London noch den „commuter belt“ leisten und müssen noch weiter von der Hauptstadt entfernt wohnen, mit entsprechend längeren Fahrzeiten zum Arbeitsplatz in London, das ist keine schöne Entwicklung, die aber schon vor vielen Jahren begonnen hat.

Das östliche Ende der geplanten Elizabeth Line, der Bahnhof von Shenfield in Essex.
Photo © Dr Neil Clifton (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 19. Januar 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Das Fahren auf englischen Landstraßen – Einige persönliche Anmerkungen

Eine schmale Landstraße in Surrey.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Wenn ich mit meinem Auto in England unterwegs bin, stelle ich mein Navigationsgerät nicht mehr auf „kürzeste Verbindung“ ein, denn immer wieder hat es mich auf Wege geführt, die ich eigentlich nicht befahren wollte. Gerade im letzten Jahr, als ich im Oktober/November durch den Süden und Südwesten Englands fuhr, waren die kleinen Fahrwege durch den vielen Regen aufgeweicht und stark verschmutzt, und ich hasse es, mit einem dreckigen Auto unterwegs zu sein. Landstraßen in England sind häufig von hohen Hecken umstanden, kurvig, schwer einsehbar und manchmal auch nur einspurig. Es gibt zwar viele Ausweichbuchten, doch sind die immer am schmutzigsten. Bei Gegenverkehr klappt es eigentlich meistens ganz gut…wenn einem nicht ein riesiger Traktor entgegenkommt. Man ist sehr höflich, bedankt sich immer, wenn man die Ausweichbucht aufsucht und dem anderen Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt lässt. Ohne Navigationsgerät wäre man häufig in diesem Netz von Kleinststraßen verloren, denn die Beschilderung ist nicht die beste.

Das Fahren auf Landstraßen generell ist nicht ungefährlich; etwa 60% aller tödlichen Verkehrsunfälle ereignen sich dort. Das Risiko für Autofahrer, auf Landstraßen getötet zu werden, ist doppelt so hoch wie auf städtischen Straßen, für Motorradfahrer dreimal so hoch. Im Vergleich zu Autobahnen sieht es sogar noch schlechter aus: Die Zahl der Verkehrstoten auf Landstraßen ist elfmal höher als auf Autobahnen (laut Department for Transport). Durchschnittlich sterben drei Menschen pro Tag auf den „rural roads“. Fahrfehler und mangelnde Aufmerksamkeit sind die Hauptursachen der tödlichen Unfälle auf allen Straßen des Landes; zu schnelles Fahren in unübersichtlichen Kurven stellt ein weiteres Problem auf den „country roads“ dar.

Glücklicherweise bin ich bei meinen zahllosen Fahrten durch England nur ein einziges Mal in einen kleinen Unfall verwickelt worden, und das war in North Yorkshire in einem Kreisverkehr, wobei es aber lediglich zu einem Blechschaden bei meinem und dem anderen Auto kam.

Eigentlich fühle ich mich auf den Straßen Englands sicher, trotz links gelenktem Auto. Die allermeisten Autofahrer mit denen ich es zu tun hatte, waren eher defensiv eingestellt. Überholen auf Landstraßen kam recht selten vor. Aber möglicherweise haben andere Englandreisende ganz andere Erfahrungen gemacht.

Wenn einem dieser LKW entgegenkommt wird es eng, dann heißt es, rein in den Matsch einer Ausweichbucht.
Photo © Christine Johnstone (cc-by-sa/2.0)

Ein Unfall auf einer Landstraße in Suffolk.
Photo © Adrian Cable (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Januar 2020 at 02:00  Comments (6)  
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Quantock Heritage Bus Service – Oldtimer-Busse in Somerset

Ein Leyland Titan PD2.
Author: Geoff Sheppard.
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Schon von Kindesbeinen an liebte Steve Morris Busse. Ab 1974 begann er sie zu sammeln, so wie andere Briefmarken sammeln. Irgendwann hatte er einmal 30 Oldtimer-Busse. Er gründete die Firma Quantock Heritage, die es noch heute gibt und die in Langley Marsh bei Wiveliscombe in Somerset ihren Sitz hat. Die sorgfältig gepflegten alten Busse (darunter auch doppelstöckige) kann jedermann für besondere Anlässe mieten, egal ob für Hochzeitsfeiern, Geburtstage oder auch für Beerdigungsfeiern.

Da gibt es zum Beispiel einen Leyland Tiger PD2 aus dem Jahr 1953, in dem 56 Personen auf 2 „Stockwerken“ Platz nehmen können. Der AEC Regent ist noch älter; er wurde 1934 gebaut und ist ein Open Top Doubledecker.

Neben der Vermietung dieser Fahrzeuge bietet Quantock Heritage im Sommer auch noch einen Liniendienst an, in diesem Jahr vom 15. Juli bis zum 6. September. Von Montag bis Freitag bedient die Linie 300 die Strecke Minehead (Somerset) – Lynmouth (Devon), was etwas über eine Stunde dauert. Haltepunkte unterwegs sind u.a. Porlock und Selworthy. Dies ist eine landschaftlich sehr schöne Strecke, die nicht den berüchtigten, steilen Porlock Hill (A39) nimmt, sondern die Porlock Toll Road (New Road), die viele Haarnadelkurven zu bieten hat. Bei schönem Wetter hat man auf dieser Straße einen tollen Blick auf das Meer. Die Rückfahrt von Lynmouth nach Minehead führt dann über den steilen Porlock Hill (20% Gefälle mit mehreren Escape Lanes). Ich bin die Strecke einige Male gefahren und finde sie immer wieder faszinierend. Auch hier gibt es einen wunderschönen Blick auf Küste und Meer.

Dieser Film zeigt eine Fahrt auf der Linie 300.

Hier muss man sich entscheiden: Nehme ich die Porlock Toll Road oder die A39 über den Porlock Hill.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 18. Dezember 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Die A13 – Eine 68 Kilometer lange Straße, die von London nach Southend in Essex führt

Die A13, hier die East India Dock Road, in London.
Photo © Danny P Robinson (cc-by-sa/2.0)

Die A13 ist eine große Trasse, die London ostwärts verlässt, und die Stadt mit Southend an der Nordseeküste in Essex verbindet. Sie ist nur knapp 70 km lang und sehr gut ausgebaut, so dass die Londoner die Strände bzw. die Amüsierviertel von Southend schnell erreichen können.

Die A13 gehört sicher nicht zu den landschaftlich besonders reizvollen Straßen Englands. Sie beginnt am Ostrand der Londoner City und der London-nahe Abschnitt führt durch Industrieansiedlungen und Container-Umschlagplätze,  an den Ford-Werken in Dagenham (wo heute nur noch Motoren gebaut werden) und an dem riesigen Lakeside Shopping Centre vorbei. Gewaltige Strommasten und Gasometer beherrschen das Landschaftsbild. Die Themsemündung ist nie weit entfernt.

Die Londoner Ringautobahn M25 wird an deren Ausfahrt 30 gekreuzt und die A13 bleibt bis kurz hinter Basildon in Essex vierspurig. Von dort bis zu ihrem Ziel in Southend ist sie nur noch eine „Normalstraße“. Das heißt, das Ziel ist genauer gesagt Shoeburyness, der Ort mit dem merkwürdigen Namen im Osten von Southend.

Es gibt einen sehr interessanten Film über die A13, der hier zu sehen ist.

Die Straße wurde auch schon besungen. Billy Bragg, der 1957 an der A13 in Barking geboren wurde, hat den Song“A13 Trunk Road to the Sea“ geschrieben und der hört sich wie eine genaue Routenbeschreibung der Straße an. Hier ist der Text.

 

Die A13 bei Barking.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Hier in Shoeburyness in Essex geht die A13 zu Ende.
Photo © David Kemp (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 14. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Gladstone Adams (1880-1966) – Der Mann, der den Scheibenwischer erfand

Plakette an einem Haus in der City Road in Newcastle.
This photo is in the public domain courtesy of Open Plaques.

Gladstone Adams wurde 1880 in Newcastle geboren, und er verbrachte den größten Teil seines Lebens in dieser Region im Nordosten Englands. Im Mittelpunkt seines Berufslebens stand die Fotografie. Adams war professioneller Fotograf und in den 1920er Jahren beschäftigte Adams in seinen Studios bis zu 90 Angestellte. Er nahm alle möglichen Aufträge an, vom Erstellen von Hochzeitsfotos bis zu Arbeiten für Zeitungen. Außerdem war er der offizielle Fotograf des Fußballvereins Newcastle United.
Und da kommen wir zu dem eigentlichen Thema von heute. Im April des Jahres 1908 fuhr Gladstone Adams mit seinem vier Jahre alten Auto der Marke Darracq von Newcastle nach London, um sich das Cup Final anzusehen, bei dem Newcastle United gegen die Wolverhampton Wanderers spielte. Damals waren Autos noch etwas Seltenes und daher erregte sein Darracq in der Haupstadt erhebliches Aufsehen.

Nachdem das Spiel beendet war, das die Wanderers mit 3:1 gewannen, machte sich Gladstone Adams wieder auf den langen Heimweg zurück nach Newcastle. Obwohl es schon Ende April war, geriet er in extrem schlechtes Wetter mit Schnee und Regen. Immer wieder musste der Mann sein Auto anhalten, aussteigen und mit den Händen den Schnee von der Windschutzscheibe wischen. Durchnässt stieg er in sein Auto ein, bis zum nächsten fällig werden Halt, weil er einfach nicht richtig durch die Scheiben sehen konnte. Da müsste man doch etwas machen können, dachte sich Adams, und auf dieser Fahrt von London nach Newcastle entstand die Idee, Autos mit einem Scheibenwischer zu versehen. Drei Jahre lang feilte er an seiner Idee herum, bis es schließlich im April 1911 so weit war, dass er seinen Scheibenwischer bei einem Patentanwalt in Liverpool anmelden konnte. Die Apparatur wirkt nach heutigen Maßstäben sehr primitiv, aber immerhin sie funktionierte, obwohl sie nie in Serie ging. Der Prototyp ist im Discovery Museum in Newcastle ausgestellt.

Aber: Wie das nun mal bei Erfindungen vorkommt…es gibt noch einige mehr, sowohl in den USA als auch in Großbritannien, die Patente auf Scheibenwischer angemeldet hatten und das schon vor 1911. Trotzdem gilt Gladstone Adams immer noch als der eigentliche Erfinder der „windscreen wipers“.

Der Fotograf aus Newcastle wird auch mit der Erfindung des mechanisch betriebenen Fahrtrichtungsanzeigers, des Winkers (englisch: trafficator), in Verbindung gebracht, aber auch in diesem Fall gibt es mehrere Mitbewerber, die diese Erfindung für sich in Anspruch genommen haben.

Ein Darracq wie ihn Gladstone Adams fuhr steht im Mittelpunkt des Films „Genevieve“ (dt. „Die feurige Isabella“) aus dem Jahr 1953. Hier ist ein Ausschnitt.

Published in: on 5. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Ein Flugzeugabsturz mit fatalen Folgen am 24. Dezember 1924 in Purley (Greater London)

Die Erinnerungsstätte an der Kingsdown Avenue in Purley.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Es sollte ein Weihnachtsbesuch in Paris werden für fünf Briten, einen Brasilianer und einen Chilenen, die sich am 24. Dezember 1924 vom Londoner Flugplatz Croydon auf den Weg zum Pariser Flughafen Le Bourget machten. Am Steuer der De Havilland DH.34 der Imperial Airways saß der 34 Jahre alte Pilot David Arthur Stewart. Zeugen des Starts bemerkten, dass die Maschine recht langsam vom Boden weg kam und schon nach zwei Kilometern war der Flug zu Ende, denn es gab ein Problem mit den Motoren. David Stewart hatte die De Havilland nicht mehr im Griff und über dem Ort Purley im Süden Londons stürzte das Flugzeug ab. Mit der Nase voran bohrte es sich in den Boden, dort, wo gerade die Häuser des Kingsdown Estates gebaut wurden. Es gab beim Aufprall der gerade aufgetankten Maschine eine Explosion und sie brannte vollständig aus. Alle acht Insassen kamen  bei dem Absturz ums Leben. Es hätte sogar noch schlimmer können, denn um ein Haar hätte die De Havilland noch einen Passagierzug gerammt, der auf dem Weg von London nach Brighton war.

Eine gründliche Untersuchung der Absturzursache zog sich bis in das nächste Jahr hin. Das Ergebnis der Untersuchung ergab, dass den Piloten keinerlei Schuld traf, und das Flugzeug auf Grund eines nicht mehr identifizierbaren technischen Defekts verunglückte.

An der Kingsdown Avenue in Purley wurde an der Absturzstelle von der Croydon Airport Society und der Kingsdown Avenue Residents‘ Association zur Erinnerung eine Plakette angebracht, wo jedes Jahr am Weihnachtsabend ein Kranz niedergelegt wird.

Zwei Jahre nach dem Unglück in Purley wurden die anderen elf Maschinen des Typs De Havilland DH.34 außer Betrieb genommen.

Ein Flugzeug des Typs, das in Purley abstürzte.
This work created by the United Kingdom Government is in the public domain.

 

Published in: on 20. August 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Milton Keynes in Buckinghamshire – Ein Dorado für Fahrer elektrischer Autos und für Parkplatzsucher

Das Schnellladezentrum in der Nähe der Autobahn M1 in Milton Keynes.
Photo © Philip Jeffrey (cc-by-sa/2.0)

Milton Keynes ist eine Retortenstadt, die vor zwei Jahren ihren 50. Geburtstag feierte. MK, wie die Stadt kurz auch genannt wird, wurde im Schachbrettmuster angelegt und der Verkehr wird durch zahllose Kreisverkehre geregelt. Viele große und mittlere Unternehmen haben sich hier im Laufe der Jahre niedergelassen (Mercedes Benz, Volkwagen, Argos, Suzuki) und daher strömen Tag für Tag Tausende Pendler aus dem Umland in die Stadt und das heißt, volle Straßen, volle Parkplätze. Um die Parkplatzsuche zu vereinfachen, hat man in MK ein Projekt gestartet, das die Wirkungsweise des „Collaborative Parking“ untersucht.  Fahrzeuge werden mit Parksensoren und einem speziellen Display ausgerüstet, das dem Fahrer aktuell freie Parkplätze, auch in Parkhäusern, anzeigt. Wie das funktioniert, zeigt dieser Film.

Milton Keynes ist eine sehr innovative Stadt und man versucht hier, den Verkauf von Elektroautos mit einer Reihe von Maßnahmen zu fördern. So steht in MK Großbritanniens erstes Electric Vehicle Experience Centre, in dem sich jedermann über Elektroautos informieren kann. Große Anbieter wie BMW, Volkswagen, Renault, Nissan, Mitsubishi und Kia stellen in dem Centre ihre elektrisch betriebenen Fahrzeuge aus, so dass die potentiellen Käufer alles unter einem Dach finden und nicht von Händler zu Händler fahren müssen. Wer möchte, kann die Autos auch sofort probefahren oder sie sogar für wenig Geld eine ganze Woche lang testen. Das kurzfristige Ziel von Milton Keynes ist, dass 23% aller Neuzulassungen Elektroautos sind.

Um das zu erreichen, wurde die Infrastruktur erheblich ausgebaut. Neben zahlreichen Aufladestationen (zur Zeit sind es etwa 365) in der Stadt wurde Großbritanniens größtes Schnellladezentrum installiert, nur einen Katzensprung von der Autobahn M1 entfernt (Junction 14), wo 8 Fahrzeuge gleichzeitig in kurzer Zeit aufgeladen werden können.
Ein weiterer Vorteil für Fahrer von E-Autos ist, dass sie fast überall kostenlos parken können., was natürlich gerade für Pendler, die ihr Fahrzeug den ganzen Tag unterbringen müssen, sehr interessant ist.

Also: Milton Keynes steht in Großbritannien ganz weit oben, was E-Autos anbelangt und ist an der Go Ultra Low-Kampagne beteiligt, die den Absatz dieser Autos ankurbeln soll, einer Kampagne von Staat und Autoindustrie.

Dieser Film fasst noch einmal zusammen, was sich in MK in Richtung Elektromobilität tut.

Published in: on 11. August 2019 at 02:00  Comments (8)  
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William Huskisson (1770-1830) – Das erste prominente Opfer eines Eisenbahnunglücks

An dieser Stelle ereignete sich das Unglück. Ein Denkmal erinnert daran.
Photo © David Ashcroft (cc-by-sa/2.0)

Am 15. September 1830 kam erstmals in der Geschichte des englischen Eisenbahnwesens ein Mensch ums Leben, der in die Kategorie „Prominenter“ einzuordnen ist. Vorher starben schon Eisenbahner, die im technischen Betrieb tätig waren, aber an diesem Tag im September erwischte es einen Politiker und Parlamentsmitglied namens William Huskisson (1770-1830), der bei der Eröffnung der neuen Liverpool and Manchester Railway anwesend war. Die 56 km lange Eisenbahnstrecke verband die Industriestadt mit der Hafenstadt.

An diesem denkwürdigen Tag starteten acht Züge von Liverpool aus; in einem fuhr der damalige Premierminister Arthur Wellesley, Duke of Wellington, mit.

Bei Newton-le-Willows in Lancashire (jetzt Merseyside) musste der Zug, in dem die Prominenz saß, anhalten, damit die Lokomotive Wasser aufnehmen konnte. Man stieg aus, um sich die Beine zu vertreten; William Huskisson wechselte ein paar Worte mit dem Premierminister und achtete nicht besonders auf das parallel verlaufende Gegengleis auf dem sich die Dampflokomotive Rocket näherte. Als er sich der Gefahr bewusst wurde, versuchte Huskisson noch, sich in den Waggon zu flüchten, doch die Wagentür schwang auf und der daran hängende Politiker geriet genau in den Weg der heranrauschenden Lokomotive. Huskisson stürzte und sein linkes Bein wurde von den Rädern der Lok zertrümmert.
Der berühmte Eisenbahnpionier George Stephenson fuhr den Schwerverletzten mit einem Zug in das nächstgelegene Krankenhaus nach Eccles, wo man versuchte, dem Parlamentsmitglied das Leben zu retten. Die Verletzung war aber zu schwerwiegend und Huskisson starb noch am selben Tag.

Huskisson wurde auf dem St James Cemetery in Liverpool beerdigt und an dem Ort, an dem er ums Leben kam, errichtete man eine Gedenktafel, die heute im National Railway Museum in York untergebracht ist.

Hier ist die Geschichte noch einmal im Film zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Simon Garfield:  The Last Journey of William Huskisson – How a Day of Triumph Became a Day of Despair at the Turn of a Wheel. Faber and Faber 2003. 256 Seiten. ISBN 978-0571216086.

Das Huskisson Mausoleum auf dem St James’s Cemetery in Liverpool.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. Mai 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Dawlish Sea Wall in Devon – Gebaut von Isambard Kingdom Brunel

„Für einen Ingenieur gibt es das Wort Unmöglich nicht“, war ein Leitsatz Isambard Kingdom Brunels, der im 19. Jahrhundert Eisenbahnlinien, Brücken und Schiffe baute. So war er auch für den Bau der South Devon Railway verantwortlich, einer Linie, die von Exeter nach Plymouth führte und deren erstes Teilstück 1846 eröffnet wurde. Die Strecke von Exeter nach Newton Abbot war als atmosphärische Eisenbahn geplant, eine neue Technik, die sich aber bald als zu kostspielig im Unterhalt erwies. Auf diesem Abschnitt findet sich auch die Dawlish Sea Wall, eine landschaftlich besonders schöne Strecke, die direkt an der Küste entlangführt. Eisenbahnenthusiasten meinen sogar, dass es sich hier um eine der eindrucksvollsten Linien der Welt handelt.

Es liegt auf der Hand, dass der Unterhalt der Bahnlinie sehr teuer ist, die so dicht am Meer und an den Klippen vorbeiführt. Die Rede ist von von £9 Millionen, die in den letzten Jahren für die Sicherheit ausgegeben wurden. Bei stürmischen Wetter kann es vorkommen, dass die Wellen bis über die Schienen, ja sogar bis über die Eisenbahnwaggons schlagen und bei besonders extremen Wetterlagen muss die Strecke geschlossen werden.

Am 4 Februar 2014 war es besonders schlimm. Ein Sturm und ein sehr hoher Wellengang spülten 40 Meter von der Mauer weg, so dass die Bahnlinie geschlossen werden musste. Nach zwei Monaten konnte die Strecke wieder freigegeben werden.

Ein Pub in Starcross, der direkt an der Eisenbahnlinie liegt, erinnert noch an die frühen Brunelschen Tage und seine damals aufsehenerregende Antriebstechnik: The Atmospheric Railway Inn.

Wie die Dawlish Sea Wall bei Sturm aussieht, zeigt dieser Film und hier ist noch ein Ausschnitt aus der großartigen BBC-Dokumentation „Coast„.

Das Buch zum Artikel:
Colin J. Marsden: Dawlish Sea Wall – The Railway between Exeter and Newton Abbot. Ian Allen 2009. 96 Seiten. ISBN 978-0711033740.

The Atmospheric Railway Inn in Starcross (Devon).
Photo © Richard Rogerson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. April 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Redcar British Steel Railway Station – Der Bahnhof mit dem geringsten Passagieraufkommen in Großbritannien

In den Jahren 2016/17 war der Bahnhof von Barry Links in Schottland, zwischen Dundee und Carnoustie gelegen, der mit dem geringsten Passagieraufkommen in Großbritannien; gerade einmal 24 Menschen nutzten ihn in diesem Zeitraum, ein Rekord. Da sich dort aber plötzlich die Passagierzahlen verdoppelt hatten, rutschte Barry Links auf Platz 2 ab; der neue Spitzenreiter heißt Redcar British Steel Railway Station in der Grafschaft North Yorkshire, die 2017/18 von 40 Personen aufgesucht wurde. Der Bahnhof war einmal für Stahlarbeiter gedacht, die in den daneben liegenden Stahlwerken ihr Brot verdienten, doch als die Werke 2015 schlossen, benötigte man den Bahnhof eigentlich nicht mehr, doch trotzdem wurde er offen gehalten.
Hier gibt es weder einen Parkplatz, noch einen Warteraum oder einen Fahrkartenautomaten, von Toiletten ganz zu schweigen. Viermal am Tag, außer sonntags, hält ein Zug an der Redcar British Steel Railway Station, doch so gut wie niemand steigt hier ein oder aus. Sollte tatsächlich einmal jemand aussteigen, käme der nicht weit, denn er dürfte das überschaubare Bahnhofsgelände nicht verlassen, weil drum herum alles in Privatbesitz ist.
So frage ich mich, was denn diese 40 Passagiere hier eigentlich gemacht haben. Vielleicht sind sie irrtümlich eine Station zu früh oder zu spät ausgestiegen? Es sollen einige Eisenbahnfanatiker darunter gewesen sein, die nur aus- und wieder eingestiegen sind, um die Passagierzahlen in die Höhe zu treiben. Sollte das Schule machen, würde Redcar bald wieder von seinem Spitzenplatz verdrängt werden und vielleicht von Denton (Greater Manchester) überholt werden, wo nur einmal in der Woche, immer freitags, ein Zug anhält, oder von der Teesside Airport Railway Station (County Durham), die im Zeitraum 2017/18 von 74 Passagieren benutzt wurde (2013/14 waren es ganze 8).

Dieser witzige Film zeigt wie zwei Männer sich auf den Weg nach Redcar machen, um dem Bahnhof einen Besuch abzustatten.

Barry Links Railway Station in Schottland.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Denton (Greater Manchester) Railway Station.
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)

Teesside Airport Railway Station
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)