Rund um den Pudding

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In Norddeutschland gibt es den Schnack, „um den Pudding gehen„, was soviel heißt wie einen kleinen Spaziergang in der Nähe des Wohnhauses machen. Das Thema „Pudding“ soll heute im Mittelpunkt meines Blogeintrages stehen. In Deutschland ist das „der umgangssprachliche Ausdruck für eine Süßspeise, die mit Speisestärke angedickt wird“ (so die Wikipedia); gern essen wir einen Vanillepudding oder einen Schokoladenpudding.
In England wird der Begriff sehr viel weiter gefasst und kann auch andere Süßspeisen umfassen wie ein Stück Apfelkuchen oder den traditionellen Christmas Pudding. Dann gibt es noch andere nicht-süße Speisen, die Pudding genannt werden. Beispiele: Der Black Pudding, den wir mehr oder weniger gern beim Full English Breakfast verzehren, der Yorkshire Pudding, der zu einem Sunday Roast gehört und der Rag Pudding, der aus Hackfleisch, Zwiebeln und Rindernierenfett besteht.

Wie in Kate Fox‘ Buch „Watching the English“ zu lesen ist, wird der Begriff „pudding“ im klassenbewussten England überwiegend von der Oberschicht und der oberen Mittelschicht verwendet. Alternative Bezeichnungen für den Nachtisch wie „dessert“ oder „sweet“ sind in diesen Gesellschaftsschichten verpönt. Fragt jemand am Ende eines Essens, ob noch ein „sweet“ gewünscht wird, deklassiert sich der/diejenige und wird automatisch zur mittleren Mittelschicht oder sogar noch darunter eingestuft.

In meinem Blog habe ich mich mit dem Thema „pudding“ schon einige Male befasst, so mit den World Black Pudding Throwing Championships in Ramsbottom (Greater Manchester), den World Dock Pudding Championships in Mytholmroyd in West Yorkshire, der Stadt der Puddings Bakewell in Derbyshire und dem Pudding Club in Mickleton (Gloucestershire).

Im Pudding Lane in London begann im Jahr 1666 der Große Brand, der weite Teile der Stadt in Schutt und Asche legte und hin und wieder sieht man in England Straßen, die ebenfalls den Namen Pudding Lane tragen.

Manchmal findet man auf dem Gelände von Herrenhäusern sogenannte „pudding houses„; dahin zogen sich die Hausgäste zurück, um nach einer Mahlzeit ihren Pudding zu essen. In der Zwischenzeit räumten die Bediensteten den Speisesaal auf und bereiteten ihn für die anschließende Abendunterhaltung vor.

Es gibt eine Gesteinsart namens „puddingstone„, die eine entfernte Ähnlichkeit mit einem Pudding hat und beispielsweise in Hertfordshire und Yorkshire gefunden wird und sich nicht zum Verzehr eignet.

Das soll für heute genügen und den Spaziergang „rund um den Pudding“ beenden.

Der Londoner Pudding Lane.
Photo © Robert Lamb (cc-by-sa/2.0)

Eine Straße in der Nähe von Birch in Essex.
Photo © Adrian Cable (cc-by-sa/2.0)

Ein Pudding House auf dem Gelände des Montacute House in Somerset.
Photo © Les Mildon (cc-by-sa/2.0)

Puddingstones an der Küste von Yorkshire.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Mai 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Carlisle in der Grafschaft Cumbria – Home of Biscuits

Carr’s bzw. McVitie’s Biscuit Factory.
Photo © Andrew Curtis (cc-by-sa/2.0)

Das Krümelmonster aus der Sesamstraße würde sich in Carlisle in der Grafschaft Cumbria pudelwohl fühlen…werden hier doch massenweise Kekse hergestellt, in der größten Keksfabrik Englands, die schon 1831 von Jonathan Dodgson Carr gegründet wurde. Was wäre eine Tasse Tee in England ohne ein „biscuit“? Ich finde die Namen mancher dieser Kekssorten eher abschreckend wie „digestive biscuits„, der Verdauungskeks, oder „table water biscuits„, die überwiegend aus Mehl und Wasser bestehen. Carr’s Table Water Biscuits und all die anderen Sorten bekommt man so ziemlich in jedem Supermarkt des Landes, und wenn die einmal ausgehen sollten, gehen die Kunden auf die Barrikaden. Im Dezember 2015 kam es zu einem solchen „Keks-Engpass“, als die Fabrik in Carlisle von den Fluten des River Eden  überschwemmt wurde und erst im April des folgenden Jahres wieder hochgefahren werden konnte. Da gab es eine Zeit lang weder ginger nuts, custard creams oder water biscuits, und das war schon beinahe eine nationale Katastrophe. Von der Great British Biscuit Crisis wurde gesprochen; vielen schmeckte der Tee ohne eingetunkten Keks nicht mehr so richtig.

Etwa 80 000 Tonnen Kekse werden in der Fabrik in Carlisle hergestellt, die damit eine der größten der Welt ist. Würde man alle in einem Jahr hier produzierten Kekse nebeneinander legen, so würden diese zweimal die Erde umspannen. Die Briten verzehren mehr biscuits als jedes andere Land der Welt.

Wem die Fabrik in Carlisle, die offiziell McVitie’s heißt, aber immer noch Carr’s genannt wird, nun eigentlich gehört, ist im Laufe der Jahre immer undurchschaubarer geworden. United Biscuits? Pladis? Yildiz Holding? Diese Firmen sind alle irgendwie ineinander verwoben, aber egal, die Hauptsache ist, die Kekse schmecken den Briten nach wie vor.

Das Buch zum Artikel:
Hunter Davies: The Biscuit Girls – Love, life and hardship in a northern factory. Ebury Press 2014. 352 Seiten. ISBN 978-0091957643.  (Arbeiterinnen aus Carr’s Factory erzählen aus ihrem Leben).

Überflutungen in Carlisle im Dezember 2015. Die Keksfabrik ist rechts im Hintergrund zu sehen.
Photo © Rose and Trev Clough (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Mai 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Black Pudding aus Bury in Lancashire

 

Black Pudding (links) auf einem Frühstücksteller. Author: Grinner This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license. Subject to disclaimers.

Black Pudding (links) auf einem Frühstücksteller.
Author: Grinner
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Wer einmal in einem englischen Hotel das „Full English Breakfast“ bestellt, findet auf seinem Teller häufig Black Pudding vor, eine Art Blutwurst, meistens in warmem Zustand.

Black Pudding ist eng mit der Stadt Bury verbunden, die nur einige Meilen nordwestlich von Manchester liegt. Europäische Mönche sollen das Rezept für diese Blutwurst nach England mitgebracht haben, wo es besonders in Lancashire großen Anklang fand und wo auch heute noch immer das Zentrum für die Herstellung liegt.

The Bury Black Pudding Company, 1929 gegründet,  gehört zu den bekanntesten Herstellern, deren Produkte sowohl auf dem Wochenmarkt in Bury zu finden sind, als auch online bestellt werden können und die schon eine Reihe von Preisen gewonnen haben.

Eine weitere Firma, die für sich in Anspruch nimmt, den besten Black Pudding herzustellen, ist The Real Lancashire Black Pudding Company, die in Rossendale liegt und auch viele Preise gewonnen hat.

Dass man mit Black Pudding auch hervorragend werfen kann und damit sogar Weltmeisterschaften ausgetragen werden, zeigt dieser Blogeintrag.

Hier ist ein Video über die Herstellung der Blutwurst, das ich Veganern, Vegetariern und empfindlichen Gemütern nicht empfehlen kann. Zum Trost: Es gibt auch vegetarischen und veganen Black Pudding.

In Rossendale
Photo © liz dawson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Februar 2020 at 00:00  Comments (4)  
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TOAD oder The Oxford Artisan Distillery

Am Cheney Lane im äußersten Osten von Oxford findet man eine ganz besondere Brennerei, The Oxford Artisan Distillery, oder auch kurz TOAD genannt. Sie hebt sich von anderen Destillerien dadurch ab, dass sie ausschließlich sehr alte Getreidesorten verwendet, und TOAD ist damit die einzige Brennerei auf der Welt, die diese speziellen Sorten für die Produktion ihrer Getränke nutzt. Das Getreide wird auf organisch arbeitenden Farmen in einem Umkreis von 80 Kilometern angebaut, zum Beispiel auf der nahe gelegenen Sandy Lane Farm bei Thame in Oxfordshire. Dieses Getreide benötigt keinerlei Pestizide, wächst auf durch biologische Vielfalt geprägten Flächen und schafft neue Ökosysteme. Da müssen doch TOADs Produkte besonders gut schmecken, wenn man diese Informationen im Hinterkopf hat.

Was wird hier nun am Cheney Lane gebrannt? Da gibt es mehrere Ginsorten mit Namen, die gut zum Herstellungsort passen wie der Oxford Dry Gin, der Oxford Botanic Gardens Physic Gin und der Ashmolean Dry Gin (benannt nach Oxfords berühmtem Museum). Der Ver Viola ist ein Gin „infused with butterfly pea flower and rose“. TOAD stellt auch einen Wodka her, den Oxford Rye Vodka. Zur Weihnachtszeit kamen zuletzt noch zwei spezielle Getränke hinzu, der Spirit of Christmas Gin Liqueur, für den man unter anderem Myrrhe, Gold und einen echten Weihnachtsbaum destilliert hat, und der Christmas Pudding Rye, zu dessen Herstellung wirklich Christmas Puddings verwendet wurden.

Man kann die Brennerei besichtigen, dafür werden zwei verschiedene Touren angeboten; bei der großen 90-minütigen Founders Tour, die £50 kostet, kann man alle Produkte des Hauses probieren (was für Autofahrer ein echtes Problem darstellt).

Hier ist ein Film über die Destillerie.

Published in: on 21. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Burnley Miners Social Club und ein französischer Kräuterlikör

Der Burnley Miners Social Club in der Plumbe Street.
Photo © Robert Wade (cc-by-sa/2.0)

Ich hatte einmal eine Zeit, in der ich gern Cocktails mixte und zu den vielen Zutaten, die man dazu benötigt, gehörte auch eine Flasche Bénédictine, ein französischer Kräuterlikör, der in Fécamp in der Normandie hergestellt wird. Bei einem Normandie-Urlaub kam ich in Fécamp auch an der Produktionsstätte dieses Getränkes vorbei, einem riesigen Palais mitten in der Stadt.

Wer mag wohl einer der Hauptabnehmer dieses 40% starken Likörs sein? Der Burnley Miners Social Club in Burnley in der Grafschaft Lancashire. Über 1000 Flaschen Bénédictine werden hier pro Jahr getrunken und das ist ein Rekord; nirgendwo auf der Welt wird an einem Ort soviel von diesem Getränk konsumiert wie in diesem Club, der früher einmal von Bergleuten frequentiert wurde, von denen es heute keine mehr in der Region gibt. Auch im Stadion des örtlichen Fußballvereins, dem Burnley F.C., wo die Clarets spielen, wird reichlich Bénédictine ausgeschenkt, pro Spiel sollen es rund 30 Flaschen sein. So wundert es nicht, dass die französische Firma einer der Sponsoren des zur Zeit in der Premier League spielenden Clubs ist.

Gern wird in Burnley „Bene ’n‘ ‚ot“ bestellt, auch „Bene & Hot“ genannt, dass ist ein Mix aus einem Teil Bénédictine und einem Teil heißem Wasser; wer es etwas „zahmer“ haben möchte, kann den Anteil des heißen Wassers erhöhen. An kalten Wintertagen kann das die Zuschauer im Stadion Turf Moor bzw. im Miners Social Club ordentlich aufwärmen.

Wie kam es nun zu dieser recht ungewöhnlichen Allianz zwischen einem französischen Likör und einer Stadt im Norden Englands? Ende des Ersten Weltkriegs war das 11. Bataillon des East Lancashire Regiments, die Accrington Pals,  in der Nähe von Fécamp stationiert. Dort entdeckten die Soldaten den Kräuterlikör und mixten ihn mit heißem Wasser, was ihnen nach den schrecklichen Kriegserlebnissen gut tat. Als sie wieder in die Heimat zurückgekehrt waren, behielten sie ihre Vorliebe für den Bénédictine und das wärmende Mixgetränk bei, und das blieb in Burnley so bis heute.

Turf Moor: Das Fußballstadion des Burnley F.C.
Photo © Alexander P Kapp (cc-by-sa/2.0)

Das Palais Bénédictine in Fécamp in der Normandie.
Attribution: I, Pierrenoel.
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Published in: on 11. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Burgers of Marlow – Eine Institution in der Stadt an der Themse seit 1942

Als ich kürzlich über den Kirchhof von All Saints in Marlow (Buckinghamshire) spazierte, sah ich eine Grabstelle, auf der der Name Burger eingemeißelt war, zusammen mit einem französischen Vornamen, an den ich mich leider nicht mehr erinnern kann. Schätzungsweise 250 Meter von der Kirche entfernt an der High Street gegenüber vom Higginson Park an einem Kreisverkehr liegt eine Bäckerei mit angeschlossenem Tea Room, die Burgers heißt. Existiert da ein Zusammenhang? Ja, denn Eric und Marie Burger zogen 1942 von Neuchâtel in der Schweiz nach England und ließen sich in Marlow an der Themse nieder, wo sie eine Bäckerei eröffneten, die sie Burgers nannten, wobei der Name französisch ausgesprochen werden sollte. Ich könnte mir vorstellen, dass es immer wieder Besucher der Stadt geben wird, die Appetit auf einen Ham(burger) haben und dort einkehren, um festzustellen, dass dort keine im Angebot zu finden sind.

Die Bäckerei ist noch immer in Familienhand und wird von Bernard und seiner Tochter Rachel geleitet. Ich habe den Tea Room zur Mittagszeit immer voll erlebt. Neben Frühstück und Lunch werden auch Afternoon Teas angeboten. Burgers ist täglich von 8 Uhr bis 17 Uhr geöffnet, sonntags von 11 Uhr bis 16 Uhr.

Die Bäckerei bietet ein breites Spektrum an unterschiedlichen Brotsorten an, sowie Kuchen, Torten und selbst hergestellte Pralinen. Burgers hat sich zu einer Institution in Marlow entwickelt, die ein Stückchen Schweiz mit englischen Traditionen verschmelzt.

Im August 2015 erhielt Burgers prominenten Besuch in der Person des legendären Sir Terry Wogan, der für seine BBC-TV-Serie „Terry and Mason’s Great Food Trip“ (Episode 20 von Staffel 1) in Marlow unterwegs war. Nach der Ausstrahlung der Episode nahm die Zahl der Gäste im Burgers deutlich zu.
Einen Besuch der Bäckerei und des Tea Rooms kann ich sehr empfehlen.

Burgers of Marlow
The Causeway
Marlow Bucks, Sl7 1NF

Published in: on 8. Januar 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Pork Scratchings – Ein populärer Pub-Snack

„These deep-fried pig carcass salted snacks are popular in pubs, where the greasy, hairy morsels can be washed down with beer in an attempt to stop them  simply coming straight back up again“, so beschreibt Iain Aitch in seinem wunderschönen Buch „We’re British, Innit?“ den besonders von Pubbesuchern heiß geliebten Snack.

Was ist das nun genau? Pork Scratchings sind in Tüten abgefüllte fritierte und gewürzte Schweineschwarten. Diese knusprigen Teilchen isst man am besten zu einem Pint Bitter oder Lager. Das eine oder andere zurückgebliebene Schweinehaar sollte einen allerdings nicht stören, auch sollte man vor dem Verzehr überlegen, ob die Zähne das aushalten.

Pork Scratchings kommen ursprünglich aus dem Black Country, das ist die Region nördlich und westlich von Birmingham.
Der größte Hersteller dieses Snacks ist Mr Porky, eine zur Tayto-Gruppe gehörende Firma, die jährlich 20 Millionen Tüten davon verkauft und die auf ihrer Webseite extra darauf hinweist: „Only recommended for people with strong, healthy teeth“. Hier ein Werbspot der Firma.

Wer sich intensiver mit Pork Scratchings beschäftigen möchte, dem kann ich nur die Webseite Hairy Bar Snacks empfehlen; hier findet man wirklich alles, was man zum Thema wissen möchte.

Wer jetzt Appetit auf die Schweineschwärtchen bekommen haben sollte, der kann sich die auch in Deutschland online kaufen, zum Beispiel  bei Great British Food .

Das Buch zum Artikel:
Greg Gutfeld: Lessons From the Land of Pork Scratchings – A Miserable Yank Finds Happiness in the UK. Simon & Schuster 2009. 239 Seiten. ISBN 978-1-84739-075-2.

Verkauf von Pork Scratchings auf der Harrogate Flower Show.
Photo © The Carlisle Kid (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. Januar 2020 at 02:00  Comments (5)  
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Porlock Bay Oysters – Austern aus Somerset

Die pazifische Auster.
Attribution: David.Monniaux
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Austern verbindet man in England in der Regel mit Orten wie Colchester und Whitstable; seit kurzem werden auch wieder Austern vor der Küste von Somerset, in der Porlock Bay geerntet. Schon im 18. und im 19. Jahrhundert wurden in der Bucht Austern gezüchtet, dann war für lange Zeit Schluss, bis man im Jahr 2013 erneut hier Austern „anbaute“, und zwar die pazifische Variante. Diese gedeihen in dem sauberen Wasser der Bucht besonders gut und sind das ganze Jahr über erhältlich und können nicht nur in den Monaten in denen ein „R“ vorkommt gegessen werden.
Die Pazifik-Austern der Porlock Bay werden erst im Süden Devons, in der Mündung des River Avon herangezogen und dann nach Somerset verfrachtet, wo man sie bis zur Ernte hegt und pflegt. Die Food Standards Agency hat die pazifischen Austern der Porlock Bay mit dem höchsten Gütesiegel versehen: Ich weiß, dass sich viele Menschen (vor allem in Deutschland) vor Austern ekeln, dabei sind die Meerestiere sehr gesund, weil sie über einen hohen Anteil an Protein, Vitamin C, Omega-3-Fettsäuren, Kalzium, Zink und Eisen verfügen und nur geringe Fettwerte haben.

Wer Austern mag, kann sie gleich in Porlock Weir, zum Beispiel im Restaurant des Porlock Weir Hotels essen, über das ich morgen in meinem Blog schreiben werde.
Hier ist ein Film über die Porlock Bay Oysters.

Die Porlock Bay bei Porlock Weir.
Photo © Catherine Edwards (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 31. Oktober 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Parmo – Ein Gericht für sehr hungrige Menschen im Nordosten Englands

Die Linthorpe Road in Middlesbrough (Teesside).
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Die Linthorpe Road in Middlesbrough (Teesside) im Nordosten Englands ist eine der Haupteinkaufsstraßen der Stadt, mit all den Problemen, die wir auch aus vielen anderen Städten kennen: Leerstände, Unmengen von Imbissläden, Tattoo Studios usw. usw. In den 1950er Jahren fand man in der Straße The American Grill, ein Lokal, das ein Koch der US Army, Nicos Harris, hier aufgemacht hatte. Harris kreierte hier 1958 ein Gericht, das es wohl schon vorher in den USA gegeben haben soll, dass man hier aber bis dato überhaupt nicht kannte: Parmo. Der Koch machte sich damit in Middlesbrough und in der Grafschaft Teesside einen Namen, obwohl es im restlichen Land nicht so richtig zündete.
Wer nur wenig Appetit hat, sollte einen großen Bogen um Parmo machen, denn das Gericht kommt in gewaltigen Portionen auf den Tisch bzw wird auch gern als Take Away genommen. Die Grundlage von Parmo bildet ein paniertes Hähnchen- bzw. Schweineschnitzel, darüber kommt viel geschmolzener Käse und eine Béchamelsauce, gekrönt mit einer großen Portion Pommes Frites. Natürlich gibt es auch mehrere Parmo-Varianten, man kann noch Zwiebelringe darauf tun, Knoblauchbutter, Chili, Champignons oder Mozzarella. Auf jeden Fall ist dieses Gericht, auf das die Menschen in der Region Teesside stolz sind und es sehr gern essen, absolut nichts für Wenigesser, Veganer oder Menschen, die auf ihr Gewicht achten müssen, denn ein Parmo soll bis zu 2000 Kalorien haben.

Hier ist ein Film über Parmo und in diesem Film kämpft ein junger Mann gegen das XXL-Gericht an.

Published in: on 18. September 2019 at 02:00  Comments (1)  
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„He is back!“ – Die glorreiche Rückkehr des englischen Milchmanns

Die beiden Konkurrenten.
Photo © Albert Bridge (cc-by-sa/2.0)

No Milk Today“ hieß es 1967 in einem Song der Band Herman’s Hermits, „The bottle stands forlorn a symbol of the dawn“. Ja, damals gehörte der Milchmann einfach zum täglichen Leben dazu. Mit seinem (häufig schon elektrisch betriebenen) „milk float“ fuhr er scheppernd über die frühmorgendlichen Straßen und tauschte leere Milchflaschen gegen volle aus, verlässlich wie ein Uhrwerk. In Spitzenzeiten wurden etwa 90% der in Haushalten konsumierten Milch von „Mr Milkman“ gebracht. Doch dann ging nach und nach seine Ära zu Ende, zuletzt wurden nur noch 3% an die Haustür geliefert. Milch in Kunststoffverpackungen war in den den Supermärkten billiger, die umweltfreundliche, wiederverwendbare Glasflasche blieb auf der Strecke.

Doch plötzlich ist alles wieder anders. Nicht zuletzt durch die aufrüttelnden Worte des Naturfilmers Sir David Attenborough in der TV-Doku-Serie „Blue Planet„, in der er vor dem Plastikwahnsinn warnte, stieg das Interesse an Milch in Glasflaschen sprungartig wieder an. Was gibt es denn Bequemeres als sich alles wieder an die Haustür liefern zu lassen? Neue Firmen entstanden, die den Faden wieder aufnahmen, beispielsweise Milk & More, die mittlerweile weite Teile Englands beliefert. Diese Firma geht sogar noch zwei Schritte weiter: Die Auslieferung erfolgt ausschließlich durch neue Elektrotransporter, also „milk floats 2.0“, außerdem sind im Portfolio der Firma, neben Milch, noch über 200 weitere Produkte enthalten (zum Beispiel auch Bio-Putzmittel in 100% recylebaren Behältern), die bis vor die Haustür geliefert werden. Wenn man, zum Beispiel mit einer App, bis 21 Uhr seine Bestellung aufgegeben hat, wird diese bis spätestens 7 Uhr am nächsten Morgen ausgeliefert, und das auch noch kostenlos. Ideal für Berufstätige und für ältere, nicht mehr so mobile Menschen, und das  auf eine sehr umweltfreundliche Art und Weise!
In diesem Film ist ein Milchmann der Firma Milk & More bei der Arbeit zu sehen.

Über das Sammeln von Milchflaschen habe ich in meinem Blog schon in den Jahren 2011 und 2016 geschrieben. Siehe auch meine Blogeinträge über den mörderischen Milchmann George Arthur Bailey und Benny Hills Lied von „Ernie, the Fastest Milkman in the West„.

Sehr zu empfehlen ist auch Dan Kierans Buch „Three Men in a Float„, eine Reise mit einem elektrischen Milchkarren quer durch England.

Der Milchmann kommt. Hier in East Oakley (Hampshire).
Photo © Given Up (cc-by-sa/2.0)

Eine Erinnerungstafel für einen Milchmann in Cricklade (Wiltshire), der bei der Ausübung seiner Tätigkeit starb.
Photo © Rick Hall (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. August 2019 at 02:00  Comments (2)  
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CAMRAs Kampf gegen sexistische Biernamen

Die australische Black Hops Brewery in der Nähe von Brisbane brachte im vorigen Jahr ein Bier mit dem Namen Pussy Juice auf den Markt, kreiert von drei Männern, die sich für die Namensgebung entschuldigten und sagten, dass das ganz anders gemeint war.
Leg Spreader hieß ein Bier der Firma Route 2 Brews in Lowell (Indiana) in den USA, auf dessen Flaschenetikett eine junge Dame mit gespreizten Beinen zu sehen war.

Auch in Großbritannien gibt es einige Brauereien, die ihren Bieren sexistische Namen gegeben haben, meist begleitet von anzüglichen Bildern auf den Etiketten der Flaschen bzw. auf den Handpumpen in Pubs. Die Hornbeam Brewery aus Manchester wagte sich tatsächlich, eines ihrer Biere Knicker Mocha Muffdive (hier ist die Erklärung im Urban Dictionnary) zu nennen. Die Grainstore Brewery in Oakham in der Grafschaft Rutland benannte ein Bier Erica Roe, nach jener Dame, die als Twickenham Streaker in die Rugbygeschichte eingegangen ist, weil sie einmal barbusig in das Londoner Twickenham Stadion gelaufen ist. Das Flaschenetikett zeigt Erica Roe wie sie von einem Polizisten abgeführt wird.

Der Campaign for Real Ale (CAMRA) geht das jetzt alles zu weit und so hat sie beim diesjährigen Great British Beer Festival, das vom 6. bis zum 10. August im Londoner Olympia  stattfand, „rude beer names“ den Kampf angesagt und sämtliche Biere überprüft, bevor sie zum Festival zugelassen wurden. Auch die Labels wurden in Augenschein genommen, ob sie sexistische Abbildungen enthalten.
So suchte man in diesem Jahre beim Londoner Bierfest Biere mit dem Namen Village Bike (eine Frau, die viele Sexpartner hat) oder Dizzy Blonde vergeblich.

Published in: on 14. August 2019 at 02:00  Comments (5)  

Die Cotswolds Distillery bei Stourton (Warwickshire) – Malt Whisky einmal nicht aus Schottland

Mein Whisky wurde aus Gerste von der Akeman Street Farm in Combe (Oxfordshire) hergestellt.

Vor fast sechs Jahren schrieb ich in meinem Blog über Englands einzige Whiskydistillerie in Roudham in Norfolk, St George’s Distillery. Das ist jetzt nicht mehr korrekt, da es mittlerweile eine weitere Firma gibt, die Whisky made in England herstellt. Die Cotswolds Distillery liegt am südlichen Ortsrand des kleinen Dorfes Stourton in Warwickshire. Gegründet wurde sie im Jahr 2014 von Daniel Szor, einem New Yorker, der im Londoner Finanzdistrikt gearbeitet hatte und Whisky liebte. Als ihm die Londoner Hektik zuviel wurde, zog er sich mit seiner Familie in die ruhigeren Cotswolds zurück und etablierte hier eine Distillerie, zusammen mit einem anderen Mann, einem Australier namens Paul Beckwith, der vorher an der New Yorker Wall Street tätig war. Verantwortlich für die Produktion ist der italienischstämmige Nickolas Franchino, dessen ursprüngliche Interessen auf der Anthropologie und Philosophie lagen. Ein bunt gemischtes Team also, das sich im ländlichen Warwickshire der Produktion von Whisky, Gin und anderen Spirituosen widmet.

Drei Whiskysorten werden hergestellt: Der Standard Cotswolds Single Malt mit 46% Alkoholgehalt, der Founder’s Choice Single Malt mit 60,9% und der Lord Mayor’s Reserve Single Malt mit 46%. Die ersten beiden sind in den Online Shops von deutschen Whiskyimporteuren zu bekommen, der letzte ist rar, denn er wurde für den Londoner Lord Mayor Peter Estlin in einer limitierten Version hergestellt, die dieser für gemeinnützige Zwecke verkauft.

Wie schon erwähnt, produziert die Cotswolds Distillery auch mehrere Ginsorten wie den Baharat Gin und den Cotswolds Dry Gin, ferner einen Absinth, einen Limoncello und einen Espresso Martini.
Man darf gespannt sein, was dem engagierten Team von der Whichford Road bei Stourton noch so alles einfällt.

Der Shop ist jeden Tag geöffnet, darüber hinaus kann man die Produkte auch in den High Streets von Broadway und von Bourton-on-the-Water kaufen.

Hier ist ein Film über die Firma und hier eine Verkostung des Cotswolds Single Malt zu sehen.

The Cotswolds Distillery
Phillip’s Field,
Whichford Road,
Stourton,
Shipston-on-Stour,
CV36 5HG

Die Akeman Street Farm in Oxfordshire.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 31. Juli 2019 at 02:00  Comments (3)  
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The English Wine Week vom 25. Mai bis zum 2. Juni 2019

Albury Organic Vineyard in Surrey.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Der Weinanbau in England boomt! Im vorigen Jahr wurden so viele Flaschen abgefüllt wie niemals zuvor: 15.6 Millionen. Über 500 Weinanbauer gibt es zur Zeit und es werden immer mehr. Die meisten Weinanbaugebiete sind im Süden Englands zu finden, doch im Zuge der Klimaerwärmung werden in Zukunft auch im Norden des Landes immer mehr Gebiete für den Weinanbau erschlossen. In Nordengland existieren bereits 19, in Schottland 4 und in Wales 23.
Vielleicht wird der Konsum eigener Weine nach dem Brexit (wenn er denn kommt) noch mehr angekurbelt, falls dann Einfuhrzölle auf europäische Gewächse kommen sollten.

Um den englischen Wein zu fördern, gibt es auch in diesem Jahr wieder eine English Wine Week, die vom 25. Mai bis zum 2. Juni stattfindet. Viele Winzer öffnen in diesen Tagen ihre Pforten und lassen Besucher einen Blick auf die Weinberge werfen, und selbstverständlich kann man dann auch ihre Weine probieren. Hier nur einige wenige Beispiele:

Das Hanwell Wine Estate, zwischen Nottingham und Melton Mowbray in Nottinghamshire gelegen, veranstaltet am 1. Juni einen Open Day, bei dem man bei freiem Eintritt alle Weine und Sekte kostenlos probieren kann.

Ebenfalls am 1. Juni bietet der Albury Organic Vineyard, östlich von Guildford in Surrey, geführte Touren mit Weinprobe an, die allerdings £20 kosten. Die Firma produziert Wein und Sekt im oberen Preissegment.

Hattingley Valley Winery bei Alresford in Hampshire, eine Firma, die vor allem durch ihre Sekte bekannt geworden ist (und die ich in meinem Blog demnächst näher vorstellen möchte) bietet am 31. Mai um 18 Uhr eine Spezialführung mit Firmengründer Simon Robinson an.

Bei über 15 Millionen Flaschen pro Jahr frage ich mich immer wieder, wo denn die alle geblieben sind. Nach wie vor findet man englischen Wein nur selten in Supermärkten, Weinhandlungen und Restaurants des Landes, ganz zu schweigen von Deutschland, wo ich in Großstädten wie Hamburg vergeblich danach gesucht habe. Vielleicht ist der Ruf englischer Weine und Sekte in Europa noch immer negativ besetzt, obwohl viele von ihnen schon mit Auszeichnungen überhäuft worden sind. Bei einigen Blindverkostungen konnten sich englische Sekte sogar gegen französische Champagner durchsetzen.

Published in: on 31. Mai 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Ploughman’s Lunch – Eine typische englische Pub-Mahlzeit

Ich kann mich an keinen Englandaufenthalt erinnern, an dem ich nicht mindestens einmal in einem Pub einen Ploughman’s Lunch gegessen habe. Eigentlich kann man bei der Zubereitung dieses Essens kaum etwas falsch machen und es ist schnell angerichtet. Der typische Ploughman’s Lunch besteht aus einem großen Stück Käse, meist Cheddar oder Stilton, Pickles, einer eingelegten Zwiebel, Salatblättern, Butter und Brot. Natürlich gibt es auch noch andere Variationen, z.B. statt des Käse kann man eine Scheibe Pastete oder Schinken haben. Es ist in der Regel genug auf dem Teller, um locker damit bis zum Abendessen auszukommen. Ein Pint Bitter gehört zu diesem Mittagessen eigentlich dazu.
Hier ist Gordon Ramsays Version eines Ploughman’s Lunch.

Entstanden ist der Ploughman’s Lunch 1960 aus einer Werbekampagne des Milk Marketing Board, die damit den Verkauf von englischem Käse in Pubs vorantreiben wollten.

1983 kam ein Film in die Kinos, der „The Ploughman’s Lunch“ hieß, mit Tim Curry und Jonathan Pryce in den Hauptrollen, nach dem gleichnamigen Roman von Ian McEwan, der den Zustand Englands in der Thatcher-Ära zeigt.

Published in: on 11. März 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Eccles Cake – Eine Süßspeise aus dem Raum Manchester

 

Eccles ist eine Stadt im Bereich Greater Manchester und der Name wird wohl für immer mit dem Eccles Cake verbunden bleiben.
Im Jahr 1793 verkaufte hier James Birch in seinem Laden kleine flache, mit Rosinen gefüllte Kuchen und die fanden reißenden Absatz. Woher genau das Rezept dafür stammt, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Eine davon ist, dass eine gewisse Elizabeth Raffald ein sehr ähnliches Rezept in ihr Kochbuch „The Experienced English Housekeeper“ aufgenommen hatte.

Wie auch immer, der Name Eccles Cake hat sich durchgesetzt und war sogar einmal  Thema einer Parlamentsdebatte, in der es darum ging, ob ein Eccles Cake, der nicht in Eccles hergestellt wird, sich auch Eccles Cake nennen darf.

Der Volksmund hat dem Eccles Cake noch andere Namen gegeben, die allerdings wenig appetitlich klingen wie Fly’s Graveyard oder Squashed Fly Cake. Warum? Die Rosinen oder Korinthen in dem Kuchen haben eine gewisse Ähnlichkeit mit toten Fliegen.

Eine neue Art den Kuchen zuzubereiten, wurde einmal mit Erfolg in Eccles propagiert. Whittaker’s Fish and Grill Bar in der Church Street bot ihn fritiert an. Wenn man Mars-Schokoriegel fritiert, warum nicht auch den Eccles Cake?

Die Firma Lancashire Eccles Cake mit Sitz in Ardwick bei Manchester stellt pro Woche ca 600 000 Kuchen her, die in alle Welt, auch nach Deutschland, exportiert werden. Ich habe hier in Deutschland allerdings noch keine gesehen.

Dieser Film zeigt wie man die Süßspeise herstellt.

Freunde des Eccles Cakes: Bitte hier links abbiegen.
Photo © Andy Farrington (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. Februar 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Seaside Rock – Der Alptraum aller Zahnärzte

Es gibt wohl kein englisches Seebad, an dessen Promenade oder Pier kein Seaside Rock verkauft wird, jene extrem süßen quietschbunten Zuckerstangen, in deren Ende oft der Name des Seebades zu lesen ist wie „Brighton Rock“ oder „Blackpool Rock„. Zur viktorianischen Zeit wurde auch gern „Kiss me quick“ in die Stangen „eingraviert“. Heute findet man auch exotische Geschmacksrichtungen wie Chili in den Rocks. Die Süßigkeiten sind beliebte Mitbringsel aus dem Urlaub an der See für die Daheimgebliebenen.

Ben Bullock aus Lancashire gilt als der Erfinder der Seaside Rocks, der 1887 in Dewsbury (West Yorkshire) eine eigene Süßwarenfabrik gründete. Der ehemalige Bergmann produzierte rosafarbene Zuckerstangen, schickte sie nach Blackpool, wo sie schnell zu einem großen Verkaufserfolg in den Läden wurden. Es dauerte nicht lange, bis sich die Seaside Rocks auch in den anderen englischen Seebädern etablierten.

Whoa Emma“ stand auf den ersten Stangen zu lesen, der Titel eines beliebten Music Hall Songs, der von George Leybourne komponiert worden war. Das Anbringen der Buchstaben an bzw. in den Stangen ist gar nicht so einfach und wird noch heute von Hand vorgenommen.

Weltberühmt wurde Graham Greenes 1938 veröffentlichter Roman „Brighton Rock“, dessen Titel sich auf die Zuckerstangen bezieht. Zweimal wurde das Buch bereits verfilmt.

George Formby (1904-1961) hatte 1938 einen Hit mit seinem Song  „With My Little Stick of Blackpool Rock„, der die zweideutigen Textzeilen hatte (die die BBC gar nicht mochte und das Lied nicht spielte):

„With my little stick of Blackpool Rock, along the promenade I stroll
In the ballroom I went dancing each night
No wonder every girl that danced with me, stuck to me tight“.

Dieser Film zeigt wie man in Blackpool Seaside Rock herstellt.

Ein Rock Shop in Bournemouth.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

In Margate (Kent).
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 20. Februar 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Herring Lassies – Wanderarbeiterinnen aus dem hohen Norden, die sich auf das Ausnehmen von Heringen spezialisiert hatten

Am Kai von Great Yarmouth, wo die Heringstrawler anlandeten.
Photo © Glen Denny (cc-by-sa/2.0)

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren die Meere um die britischen Inseln noch voller Fische (statt Plastikmüll), und die Trawler brachten ihre Fänge täglich in die Häfen an der englischen Ostküste wie Great Yarmouth und Lowestoft. Nach der Anlandung mussten die Fische, in den meisten Fällen Heringe, möglichst schnell ausgenommen und weiterverarbeitet werden. Eine Arbeit, die sicher nicht jedermanns Sache ist. In den Häfen in East Anglia fanden sich nicht genügend Leute, die willens waren, diese Arbeit zu verrichten. Aber im Nordosten Englands und in Schottland suchten Frauen Arbeit, und so machten sich jedes Jahr zur Fischfangsaison zahllose Frauen (manche von ihnen waren erst 14 Jahre alt) auf den Weg nach Süden, um sich dort als Wanderarbeiterinnen ihr Geld zu verdienen. „Herring Lassies“ wurden sie genannt, nach der schottischen Bezeichnung für Mädchen. Es war ein hartes Leben für die „lassies“; früh morgens wurden sie geweckt und ein Arbeitstag konnte sich schon einmal bis in den späten Abend hinziehen. Der Fisch musste im Freien ausgenommen werden, egal, was für ein Wetter herrschte, die Gefahr sich an den scharfen Messern zu verletzen war groß. Die Unterkünfte der Frauen waren spartanisch eingerichtet, doch die „herring lassies“ konnten das alles ertragen und standen die Strapazen durch.
Hier sind einige Bilder von der Arbeit der Frauen am Hafen.

Viel verdienten die Frauen nicht, daher kam es im Jahr 1938 zu einem Streik. Die Frauen wollten mehr Lohn und bessere Lebensbedingungen. Sie konnten sich mit ihren Forderungen auch durchsetzen, doch die Situation der Fischindustrie am Vorabend des Zweiten Weltkrieges hatte sich verschlechtert, da einige Absatzmärkte wegfielen.

Die „Herring Lassies“ gab es schon im 19. Jahrhundert, in den 1960er Jahren war dann Schluss. Weniger Fisch, keine Mädchen mehr aus dem hohen Norden in East Anglia.

In diesem Song werden die Heringsfrauen besungen.

Das Buch zum Artikel:
Rosemary Sanderson: The Herring Lassies – Following the Herring. Bard Books 2008. 56 Seiten. ISBN 978-0954796068. Leider zur Zeit vergriffen.

Published in: on 12. Februar 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Rhabarber, Rhabarber, Rhabarber… und ein Festival in Wakefield (West Yorkshire)

Forced rhubarb – liebevoll bei Kerzenlicht gezogen.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Ich nehme heute noch einmal die Fäden zu einem Thema auf, das ich bereits am 2. Mai 2010 in meinem Blog behandelt habe: Rhabarber im sogenannten „rhubarb triangle“ in West Yorkshire, dessen Eckpunkte die Orte Wakefield, Rothwell und Morley bilden. Hier wird der „forced rhubarb“ angebaut und zwar in dunklen Räumen, bei Kerzenlicht. Die Besucher dieser Räumlichkeiten werden angehalten, sehr leise zu sein und es heißt, wenn man genau hinhört, kann man die sorgsam gehegten und gepflegten Pflanzen sogar wachsen hören. Dieser Spezialrhabarber ist früher essbar als seine im Freien wachsenden Artgenossen.

Da man in England gern Festivals veranstaltet, feiert Wakefield jedes Jahr im Februar das Festival of Food, Drink and Rhubarb, in diesem Jahr vom 22. bis zum 24. Februar. Der Rheum rhabarbarum, wie er im Lateinischen heißt, steht im Mittelpunkt der Feierlichkeiten, die sich im Zentrum der Stadt abspielen. Viele Speisen und Getränke mit Rhabarber werden hier angeboten wie zum Beispiel der Rhuby Crumble der Firma Cryer & Stott aus Wakefield, ein Wensleydalekäse, dem Rhabarber und Vanille zugefügt wird. Dann gibt es natürlich auch Marmeladen und Süßspeisen aus Rhabarber, ja sogar Rhabarber-Gin wird hergestellt.

Jedes Jahr finden sich auch Prominente beim Festival in Wakefield ein. In diesem Jahr sind es Katie Rushworth, die durch ihre Gartensendungen im Fernsehen im ganzen Land bekannt geworden ist, an der Seite vom „Garten-Guru“ Alan Titchmarsh in „Love Your Garden“. Sie wird zeigen wie man eine Marmelade aus Yorkshire-Rhabarber herstellt. Katie Rushworth hat keinen langen Anfahrtweg, denn sie wohnt ganz in der Nähe von Wakefield.
Der zweite Prominente ist Chris Bavin, ebenfalls aus dem Fernsehen bekannt durch seine Sendungen „Eat Well For Less?“ und „Food: Truth or Scare“. Getreu dem Titel der erstgenannten TV-Show wird Bevan zeigen wie man mit wenig Geld tolle Gerichte herstellen kann.

Hier sind Impressionen von einem früheren Festival.

Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 21. Januar 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Tebay Services – Zwei Autobahnraststätten an der M6 in Cumbria

Tebay West Services.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Wenn man den Motorway M6 in Cumbria in Nord- oder in Südrichtung befährt, sollte man unbedingt einmal eine Rast bei den Tebay Services einlegen, die zwischen den Ausfahrten 38 und 39 liegen.

Diese beiden Autobahnraststätten gehören nicht zu den großen Ketten wie Moto, Welcome Break oder Roadchef, sondern sie sind die einzigen in England in Familienbesitz und gehören der Westmorland Family.
1972 bereits wurde die Raststätte in Nordrichtung eröffnet, 1993 folgte ein paar hundert Meter gegenüber eine Motorway Service Area in Südrichtung.

Die Tebay Services liegen in freier Landschaft inmitten von Bäumen und kleinen Seen; die Gebäude wurden aus Holz und Stein aus der unmittelbaren Umgebung gebaut. Man legt Wert auf umweltbewusstes Verhalten, so bietet das Restaurant überwiegend lokale Produkte an, z.B. Rind- und Lammfleisch von der eigenen Farm, die neben der Raststätte in Südrichtung liegt. Die Farm Shops wurden 2004 sogar von Prince Charles feierlich eröffnet.
Für Trucker gibt es eine eigene Raststätte an der M6, die sich J.38 Services nennt und an der Autobahnausfahrt 38 liegt. Eine weitere Raststätte, die von der Westmorland Motorway Services Limited betrieben wird, liegt an der A5 bei Gloucester zwischen Junction 11a und 12.
Das Familienunternehmen, das die Tebay Services betreibt, wurde vielfach ausgezeichnet, so beispielsweise mit dem Cumbria Family Business Award 2017 und dem Cumbria Life Food and Drink Award 2013.

Hier ist ein Film über die Tebay Services.

Tebay East Services.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 28. November 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The National Perry Pear Centre in Hartpury (Gloucestershire)

Der Eingang zum Orchard Centre.
Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)

Die kleine Gemeinde Hartpury in Gloucestershire an der A417 findet man rund 8 Kilometer nördlich von der Grafschaftshauptstadt Gloucester entfernt. Hier gibt es einen Pub, The Royal Exchange, eine Kirche, St Mary the Virgin, eine renommierte Universität und ein College mit über 3000 Studenten…und das National Perry Pear Centre im Orchard Centre.

Perry Pears sind Mostbirnen, und im National Perry Pear Centre hat man sich das Ziel gesetzt, mindestens zwei Bäume von jeder bekannten Art hier anzubauen. Rund 100 verschiedene Birnensorten sind im Centre zu finden, die man aus den Grafschaften Gloucestershire, Herefordshire und Worcestershire zusammengetragen hat; die meisten Namen hat man noch nie gehört.

Es beginnt mit der Arlington Squash, einer Birne, die in dem Ort Arlingham bei Stroud in Gloucestershire entdeckt wurde, und endet mit der Yellow Huffcap, die aus Westbury-on-Severn (ebenfalls Gloucestershire) stammt und aus der sich ein sehr guter Perry herstellen lässt. Perry wird ähnlich wie Cider produziert, nur nicht aus Äpfeln, sondern aus Birnen. Die Cider and Perry Academy führt hier im Orchard Centre in Hartpury regelmäßig Kurse in der Herstellung dieser beiden Getränke durch.

Charles Martell, auf dessen Idee das National Perry Pear Centre beruht, hat ein Standardwerk zum Thema geschrieben: „Pears of Gloucestershire and Perry Pears of the Three Counties„, in dem alle bekannten (und verschollenen) Mostbirnen aufgelistet und exakt beschrieben sind.

Besucher im Centre, das etwa zwei Kilometer westlich von Hartpury liegt, sind willkommen. Dieser Film informiert über Birnen und das National Perry Pear Centre.

The Orchard Centre
Blackwell’s End
Hartpury
Gloucestershire
GL19 3DB

The Onion Johnnies – Die fliegenden Zwiebelhändler aus der Bretagne

Einer der wenigen verbliebenen bretonischen Zwiebelhändler, hier in Wales.
Photo © Eric Jones (cc-by-sa/2.0)

Seit etwa Mitte des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts sah man sie in ganz Großbritannien, die fliegenden Händler aus der Bretagne, die erst zu Fuß, später mit ihren Fahrrädern England mit Zwiebeln belieferten. Onion Johnnies wurden sie genannt, die Männer aus der Umgebung von Roscoff, wo spezielle rosafarbene Zwiebeln angebaut wurden. Es war für sie profitabler, die Ernte jenseits des Kanals zu verkaufen als auf den heimischen Märkten. So wurden die Zwiebeln tonnenweise über den Ärmelkanal gebracht, wo sie in gemieteten Scheunen und Schuppen gelagert wurden und von wo aus die Onion Johnnies immer wieder Nachschub holten. Von Juli bis Dezember waren sie unterwegs, ihre Fahrräder schwer mit Zwiebelnetzen behangen. Sie klingelten an den Haustüren und verkauften ihre Ware direkt an die Hausfrauen in England, Wales und Schottland, die die rosa Zwiebeln liebten.

1905 ereignete sich eine Katastrophe, als die „Hilda“ kurz vor St Malo sank, wobei etwa 70 Onion Johnnies, die auf der Rückfahrt in ihre Heimat waren, ertranken. Doch die Zwiebelhändler ließen sich von den manchmal recht gefährlichen Überfahrten nicht abschrecken. In den Monaten, in denen sie in Großbritannien unterwegs waren, führten sie ein sehr einfaches Leben; viele schliefen auf Stroh in den Zwiebeldepots. In Spitzenzeiten, wie in den 1920er Jahren, waren bis zu 1400 Johnnies unterwegs, doch dann ging es ständig bergab. Schon in den 1930er Jahren nahm die Zahl der Zwiebelhändler deutlich ab, woran hauptsächlich die schwere Wirtschaftskrise, The Great Depression, schuld war. Immer weniger Johnnies machten sich auf den Weg über den Kanal und Ende des 20. Jahrhunderts existierte nur noch eine Handvoll von ihnen.

In der Heimat der rosa Zwiebeln errichtete man den Onion Johnnies ein eigenes Museum. In Roscoff in der rue Brizeux steht das Maison des Johnnies et de l’oignon de Roscoff, wo die Geschichte der Händler dokumentiert wird.

Hier ist ein Film über die Johnnies.

Published in: on 3. November 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Incredible Edible – Eine Organisation, deren Ursprung in Todmorden in West Yorkshire liegt

Der Markt von Todmorden.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Mit der Kleinstadt Todmorden in West Yorkshire habe ich mich vor einiger Zeit in meinem Blog beschäftigt. Hier entstand im Jahr 2008 eine Bewegung, die sich Incredible Edible nennt, die sich zu 100% aus freiwilligen und unbezahlten Bewohnern der Stadt zusammensetzt, die sich alle das Ziel gesetzt haben, Todmorden zur ersten Stadt in Großbritannien zu machen, die soweit wie möglich unabhängig ist von der Versorgung mit Lebensmitteln, vor allem mit Obst und Gemüse…und das auch noch kostenlos.

Wie das funktioniert? Man hat dort alle unbebauten und hässlichen Flecken in der Stadt umfunktioniert; da, wo sich neben Parkplätzen, Supermärkten und verwahrlosten Grundstücken Müll und Dreck angesammelt hatte und wo Hunde ihre Geschäfte verrichteten, hat man Essbares angepflanzt wie Obst, Gemüse, Kräuter, Salate und vieles andere mehr. Das sieht zum einen schon sehr viel schöner aus und zum anderen kann sich dort jedermann bedienen, ohne etwas bezahlen zu müssen. Eine wirklich tolle Idee! Auf dem Parkplatz des Todmorden Health Centres kann man sich den neu angelegten Apothecary Garden ansehen, auf dem Heilkräuter angepflanzt worden sind.

Incredible Edible unterstützt auch die Bewegung Shop Local, deren Motto „Put your money where your house is“ lautet. Man versucht in Todmorden weitgehend lokale und regionale Produkte zu verwenden, sei es in den Geschäften oder auf den Marktständen.

Ein weiteres Ziel von Incredible Edible ist es, durch diese Pflanzaktionen und auch durch Veranstaltungen das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Stadt zu fördern. Dieser CNN-Film zeigt die Aktivitäten in Todmorden.

Die hier in West Yorkshire entstandene Bewegung hat Schule gemacht: Über 100 Gruppen sind in Großbritannien gegründet worden, die zum Incredible Edible Netzwerk gehören, weltweit sind es sogar schon über 1000. In England machen, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, folgende Ort mit: Hook Norton in Oxfordshire, Ludlow in Shropshire, Swindon in Wiltshire, Totnes in Devon, aber auch einzelne Stadtteile in  London wie Barnet und Lambeth.

In Deutschland nennt sich das Projekt Essbare Stadt; Kassel und Andernach waren die ersten Städte, die auf den in Todmorden gestarteten Wagen aufgesprungen sind.

Die Burnley Road in Todmorden; links, angebautes Gemüse.
Photo © Richard Dorrell (cc-by-sa/2.0)

Spalding in Lincolnshire – Die Kürbis-Hauptstadt Großbritanniens

Spalding ist eine Kleinstadt in der Grafschaft Lincolnshire, liegt am River Welland in dem fruchtbaren Gemüseanbaugebiet der Fens, war lange Zeit für den Anbau von Tulpen bekannt, der nachgelassen hat, und ist Großbritanniens Kürbis-Hauptstadt. Nirgendwo in Europa werden so viele Kürbisse angebaut wie hier, und der ungekönte König der Kürbisse ist David Bowman, dessen Firma pro Jahr rund zwei Millionen dieser merkwürdig geformten „pumpkins“ erntet. Seit über 30 Jahren gibt es die David Bowman Pumpkins Ltd, die die Supermärkte des Landes beliefert und auch in andere Länder exportiert. Der Höhepunkt der Saison ist natürlich die Zeit vor Halloween, wenn die Nachfrage nach Kürbissen stark ansteigt, nicht unbedingt um sie zu essen, sondern um an ihnen Schnitzereien durchzuführen.
Ein Spezialist für künstlerisches Kürbisschnitzen ist Gareth Glover von Pukka Pumpkins, der Porträts anfertigt wie hier zum Beispiel von Jeremy Corbin, dem derzeitigen Chef der Labour Party.

Im Oktober findet seit dem Jahr 2002 in Spalding das jährliche Pumpkin Festival statt, für das David Bowman selbstverständlich auch die Kürbisse liefert. In diesem Jahr findet das Festival am 12. Oktober statt, und dann wird die vorherrschende Farbe in den Straßen Spaldings wieder Kürbisorange sein. Den Höhepunkt des Festivals bildet immer die Pumpkin Parade und das abschließende Feuerwerk. Hier ist ein Film über die Festivitäten des Jahres 2017.

David Bowman hat vor einigen Jahren für Disneyland Paris spezielle Mickey Mouse-Kürbisse gezüchtet, die so in etwa auch die Konturen der Disney-Maus wiedergeben wie diese Bilder in Mail Online zeigen.

Im Zentrum von Spalding.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. August 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Cartmel – Ein Gourmet-Dorf im Süden der Grafschaft Cumbria

The Square in Cartmel.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Cartmel ist ein Dorf im äußersten Süden der Grafschaft Cumbria, vielleicht denjenigen bekannt, die die nicht weit entfernte Holker Hall besucht haben. Der Ort rühmt sich einiger kulinarischer Besonderheiten, von denen eine der sehr süße Sticky Toffee Pudding ist, eine Art Biskuitkuchen mit Datteln und Toffee, der auch gern mit Vanillesauce serviert wird. Ursprünglich soll das Rezept aus Kanada stammen, im luxuriösen Sharrow Bay Hotel am Ullswater Lake in Cumbria weiterentwickelt und verfeinert worden sein.

Im Cartmel Village Shop am Hauptplatz des Ortes, The Square, wird der Sticky Toffee Pudding seit über 20 Jahren hergestellt. In dem Laden war auch einmal das Postamt untergebracht, von dem sich die Besitzer aber trennten, als sich das Geschäft mit der Süßigkeit immer weiter entwickelte und mehr Zeit in Anspruch nahm. Heute gibt es noch weitere Varianten wie den Sticky Banana Pudding und den Sticky Toffee Apple Crumble, die auch alle online geordert werden können. Aber einige der großen Supermarktketten haben die Süßspeise aus Cartmel auch im Angebot. In diesem Film zeigt Nigella Lawson wie man den Sticky Toffee Pudding herstellt, der besonders gern zu Weihnachten verspeist wird.

Die zweite kulinarische Besonderheit von Cartmel ist, dass es hier eines der besten Restaurants im ganzen Land gibt, in das Gourmets von weit her angereist kommen, um die Kochkunst von Simon Rogan zu probieren. Sein L’Enclume, in einem schlichten Steinbau am Ufer des River Eea untergebracht, wurde 2014 zum Restaurant of the Year ausgerufen, vom Good Food Guide schon viermal zum besten Restaurant Großbritanniens ernannt und es hat bereits zwei Michelin-Sterne bekommen. Simon Rogans Schwester-Restaurant Rogan & Co befindet sich ebenfalls in Cartmel, ein paar Schritte vom Village Store entfernt, wo man auch ein Geschäft findet, das Produkte aus der Region von der Farm des Chefkochs kaufen kann.

Cartmel ist wirklich schon ein richtiges Gourmet-Dorf geworden, im Unsworth’s Yard findet man Spezialitätenläden, zum Beispiel für Käse und Wein, und die Unsworth’s Yard Brewery stellt Biere her wie das Cartmel Peninsula und das Land of Cartmel. Wer also Interese an diesen schönen Dingen hat, sollte auf jeden Fall in dem Dorf vorbeischauen.

The Village Store – Von hier kommt der Sticky Toffee Pudding.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Das Sharrow Bay Country House Hotel am Ullswater Lake, wo der Sticky Toffee Pudding weiterentwickelt wurde.
Photo © Anthony Parkes (cc-by-sa/2.0)

Simon Rogans L’Enclume.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Unsworth’s Yard.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 12. Juli 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Metropolitan Drinking Fountain and Cattle Trough Association

Der erste öffentliche Londoner Trinkbrunnen an der Kirche St Sepulchre-without-Newgate.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

1859 gründeten in London das Parlamentsmitglied Samuel Gurney und der Rechtsanwalt Edward Thomas Wakefield die Metropolitan Drinking Fountain and Cattle Trough Association (MDFCTA), eine Organisation mit einem etwas sperrigen Namen, deren Ziel es war, jedermann mit sauberem Trinkwasser zu versorgen, denn das war damals Mitte des 19.Jahrhunderts in der Hauptstadt nicht selbstverständlich. Immer mehr Menschen zogen nach London und die bis dahin bestehende Infrastruktur der Wasserversorgung kam da an ihre Grenzen. Häufig war das Trinkwasser kontaminiert und es kam zu Choleraepidemien; kein Wunder, wenn man bedenkt, dass zu dieser Zeit die Themse als riesige Abwasserleitung diente.

Der erste öffentliche Brunnen der MDFCTA wurde am 21. April 1859 an der Kirche St Sepulchre-without-Newgate im Stadtteil Holborn errichtet und der Bevölkerung zur Verfügung gestellt; er ist noch heute an den Gittern der Kirche zu sehen, dort, wo die Giltspur Street in die A40 (Holborn Viaduct) mündet. An die 7000 Menschen sollen damals den Brunnen jeden Tag benutzt haben. Weitere 85 Brunnen wurden in den nächsten Jahren im Londoner Stadtgebiet errichtet.

Doch man dachte nicht nur an Menschen, die dringend sauberes Wasser brauchten, sondern auch an Tiere, und so wurden Tröge mit Trinkwasser aufgestellt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es noch viele Pferde in der Stadt, die für Transporte eingesetzt wurden, und es existierte auch noch ein Viehtrieb bis in das Stadtzentrum hinein, wo die Rinder geschlachtet und das Fleisch auf den Märkten verkauft wurde. Von diesen Wassertrögen sind noch einige erhalten geblieben.

Gurney und Wakefield haben mit ihrer MDFCTA eine große Leistung für die Londoner erbracht und viele Menschen vor schlimmen Krankheiten bewahrt. Die Organisation existiert noch heute unter dem Namen The Drinking Fountain Association. Natürlich haben die Londoner nicht mehr das Problem mit der Wasserqualität wie ihre Vorfahren, daher hat sich die Zielrichtung der Association etwas verändert:

“ designed to assist in making grant applications for schools drinking fountains, restoration work, overseas projects to supply clean water and to provide a deeper understanding of the work and history of the association„.

Trinkbrunnen am Sloane Square.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Ein Wassertrog für Tiere am Hyde Park.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

The National Fish and Chips Awards 2018

Vor wenigen Tagen wurden die National Fish and Chips Awards 2018 vergeben. Werfen wir doch einmal einen kurzen Blick auf die besten drei „Chippies“.

Auf Platz 1 steht in diesem Jahr die Nummer 3 des Vorjahres: Miller’s Fish and Chips in der Straße The Village in Haxby (North Yorkshire). Haxby ist eine kleine Vorstadt von York, nur ein paar Kilometer nördlich gelegen. Die Millers betreiben ihren kleinen Fish and Chips-Laden schon in der vierten Generation und das mit viel Erfolg, denn auf dem Siegertreppchen zu stehen ist schon eine tolle Sache. Die Preise sind recht niedrig, alle Fish and Chips-Varianten liegen unter 5 Pfund. Dass die Millers nicht nur das Leib und Magen-Gericht vieler Engländer produzieren können, sondern Fisch auch auf andere Art zubereiten, zeigt dieser Blick hinter die Kulissen.

Auf Platz 2 finden wir den Burton Road Chippy in Lincoln (Lincolnshire); keine Veränderung gegenüber dem Vorjahr. Die Burton Road ist eine lebhafte Geschäftsstraße im Nordwesten der Stadt Lincoln, an der auch das Museum of Lincolnshire Life zu finden ist. Das Chippy besteht aus zwei Abteilungen, dem Restaurant und dem Takeaway. Im Restaurant gibt es eine Vielzahl von Variationen rund um Fisch, im Takeaway fünf verschiedene Fish and Chips-Gerichte.

Platz 3 nimmt das Harbourside Fish & Chips in Plymouth (Devon) ein. Es liegt an der Southside Street, also nur nur wenige Schritte vom Hafen entfernt. Die Straße mündet auf den Barbican, der sich den Hafen entlangzieht.  Das Chippy existiert hier schon seit den 1970er Jahren und erfreut sich großer Beliebtheit bei den Einheimischen und den vielen Besuchern der Stadt Plymouth. Kabeljau und Schellfisch werden hier überwiegend als Fish and Chips angeboten.

Published in: on 4. Februar 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Growing Underground – Frische Kräuter und Sprossen aus einem Luftschutzbunker im Londoner Stadtteil Clapham

Carpenter’s Place in Clapham. Hier ist die Firma Growing Underground zuhause.
Photo © Richard Rogerson (cc-by-sa/2.0)

Der BBC Future Food Award wurde im vergangenen Jahr an die Firma Growing Underground vergeben, die ihren Sitz im Londoner Stadtteil Clapham hat. Der Preis geht an Firmen, die sich hervorgetan haben mit „cutting-edge innovation and pioneering work that could influence how the UK’s food will be grown, distributed and sold in future„.

Einige kleine Schilder an einem unscheinbaren Gebäude in der Gasse Carpenter’s Place, die von der Clapham High Street abgeht, weisen auf Growing Underground hin, deren Name aber schon sagt, dass sich das Geschehen hier unter der Erde abspielt. 33 Meter unter den Straßen Claphams in ehemaligen Luftschutzbunkern aus dem Zweiten Weltkrieg werden Kräuter und Sprossen, sogenanntes Mikrogemüse, gezogen, die gegenüber ihren Brüdern und Schwestern, die oberirdisch wachsen, den Vorteil haben, dass sie absolut pestizidfrei und wetter- und jahreszeitenunabhängig sind. Das ganze Jahr über entstehen hier zum Beispiel Basilikum, Wasserkresse, Rauke, Koriander und andere Kräutlein, die von LED-Lampen beschienen werden und die dank der Hydrokultur 70% weniger Wasser verbrauchen als im Freien wachsende Kräuter. Innerhalb weniger Stunden sind die geernteten Pflänzchen bereits auf dem Tisch der Endverbraucher, also keine langen Transportwege, was der Umwelt auch wieder zugute kommt. Eine Win-Win-Situation.

Kaufen kann man die“Growing Underground“-Produkte zum Beispiel auf Londons Borough Market, auf dem New Covent Garden Market oder man kann sie sich innerhalb der Hauptstadt auch ins Haus liefern lassen. Begeistert von der Qualität äußert sich der berühmte Koch Michel Roux jr auf der Homepage der Firma, der das Mikrogemüse in seiner Küche des 2-Sterne-Restaurants Le Gavroche in der Upper Brook Street im Stadtteil Mayfair verwendet.

Dieser Film vermittelt einen Eindruck wie es in dem Urban Farming-Bunker unterhalb Claphams aussieht.

Der Eingang zum Clapham Deep Shelter North, in dem sich die Kräuter-Produktionsstätte befindet.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. Januar 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Blue Vinney – Ein Blauschimmelkäse aus Dorset

This work has been released into the public domain

Ich finde es immer wieder interessant, in englischen Restaurants Käseplatten auszuprobieren, mit denen man Produkte aus dem Lande verkosten kann. In Deutschland kennt man vor allem Chester-, Cheddar- und Stiltonkäse, andere englische Sorten sind eher selten anzutreffen. Kürzlich fand ich bei meinem Käsehändler auf dem Markt Shropshire Blue, einen Blauschimmelkäse aus dem Norden Englands, der mir sehr gut schmeckte.

Der Dorset Blue Vinney ist ein weiterer Blauschimmelkäse, der eigentlich schon so gut wie ganz vom Markt verschwunden war, bis die Produktion 1980 wieder aufgenommen wurde und zwar von der Woodbridge Farm bei Bishop’s Caundle in Dorset, wo der echte Blue Vinney alleinig hergestellt wird. Auf der Farm an der A3030 bemühen sich 270  Holstein-Friesian Rinder Tag und Nacht, genügend Milch abzugeben, damit diese besondere Käseart produziert werden kann. Der Dorset Blue Vinney ist europaweit geschützt durch das PGI-Label, was Protected Geographical Indication bedeutet (wie auch der Exmoor Blue Cheeese und der Yorkshire Wensleydale Cheese). Nur Käse, der aus Dorset stammt, darf auch so genannt werden.

In früheren Zeiten  wurde der Schimmel in sehr sonderbaren Methoden in den Käse gebracht; so steht auf den Webseiten von www.kaesewelten.info zu lesen, dass dazu zum Beispiel verschmutzte Pferdehalfter durch die Milch gezogen wurden oder dass man den Käse neben feuchten und schimmeligen Stiefeln lagerte. Kein schöner Gedanke, solch einen Käse zu essen. Heute werden Blauschimmelkulturen verwendet.

Auf der Woodbridge Farm wird auch die Dorset Blue Soup hergestellt, die auf der Basis des Blauschimmelkäses beruht. Man arbeitet mit dem renommierten Fernsehkoch und Buchautor Hugh Fearnley-Whittingstall zusammen, dessen River Cottage auch in Dorset zu finden ist.

In diesem kurzen Film wird der Dorset Blue Vinney noch einmal vorgestellt.

Die Woodbridge Farm bei Bishop’s Caundle in Dorset.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. November 2017 at 02:00  Comments (4)  
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Die Engländer und ihr Problem mit dem Übergewicht – Wo wohnen die dicksten Menschen?

Blick auf Rotherham in South Yorkshire, die Stadt mit den meisten dicken Menschen.
Photo © Dave Bevis (cc-by-sa/2.0)

Bei meinen Besuchen in den USA fiel mir immer wieder auf, wie viele übergewichtige Menschen es dort gibt. In England sieht es diesbezüglich aber auch nicht viel besser aus. Nach Angaben von Public Health England, einer Behörde des Gesundheitsministeriums, haben zurzeit 64.8% aller Erwachsenen Gewichtsprobleme, 40,4% sind übergewichtig, 24,4% sogar fettleibig. Die Prognosen gehen dahin, dass noch vor dem Jahr 2050 die Hälfte aller Bewohner zu den Fettleibigen gehören. Die Verteilung der Dicken und der Dünnen über das Land ist recht unterschiedlich. Hier ist eine Übersicht:

Im Nordosten, im Nordwesten, in Yorkshire und in den Midlands wohnen die dicksten Menschen und in London und im Südosten diejenigen, die am wenigsten mit ihrem Gewicht zu kämpfen haben. Die Stadt mit den meisten schwergewichtigen Menschen ist Rotherham in South Yorkshire; dort sind 76,2% der Bewohner entweder übergewichtig oder fettleibig. Südöstlich von Rotherham liegt Boston in der Grafschaft Lincolnshire, eine Stadt, die den traurigen Rekord hat, die meisten fettleibigen Menschen zu beherbergen: 34% aller Erwachsenen dort gehören in diese Kategorie. Weitere Ort mit besonders vielen dicken Menschen sind das Borough of Copeland in Cumbria, Doncaster in South Yorkshire, East Lindsey in Lincolnshire und der Distrikt von Ryedale in North Yorkshire.

Ganz anders sieht es in London aus. Dort scheinen sich die Menschen gesünder zu ernähren. 38.5 aller Londoner gelten als übergewichtig und 20% als fettleibig. Spitzenreiter unter den Londoner Bezirken ist Camden mit „nur“ 46,5% Dicken und Fettleibigen. Auch Kensington und Chelsea, die Tower Hamlets und Richmond-upon-Thames schneiden im nationalen Vergleich verhältnismäßig gut ab.

Ein Blick auf das benachbarte Schottland: Dort sieht es auch ziemlich finster aus, denn 27% aller Schotten gelten als fettleibig. Etwas besser ist es in Wales, wo 22% der Menschen in diese Kategorie gehören.

Ein Supermarkt in Boston (Lincolnshire) – Einkaufsziel der vielen fettleibigen Menschen, die hier leben.
Photo © James Emmans (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. Juli 2017 at 02:00  Comments (2)  

The British Sandwich & Food To Go Association – Die Gralshüter des Snacks par excellence

Author: Memm.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution 3.0 Unported license.

1990 wurde die British Sandwich Association (BSA) als Interessenvertretung der Sandwich-Industrie Großbritanniens gegründet, mit dem Ziel, technische Standards für die Herstellung von Sandwichs zu erstellen und den Verkauf zu fördern. Im Jahr 2015 erhielt sie ihren neuen Namen: The British Sandwich & Food To Go Association.

John Montagu der 4. Earl of Sandwich, ein notorischer Spieler, „erfand“ 1762 diesen Imbiss, der es ihm ermöglichte, gleichzeitig Karten zu spielen und zu essen.

Hier einige interessante Fakten rund um das Sandwich:
– 11,5 Milliarden wurden im vergangenen Jahr in Großbritannien gegessen (gekaufte und selbstgemachte)

– Das teuerste Sandwich der Welt serviert das New Yorker Restaurant Serendipity 3 in der 60th Street für $214 und steht damit im Guinness Buch der Rekorde. Es beinhaltet u.a. Trüffelbutter, essbare Goldblätter und Dom Pérignon Champagner.

– 19% aller Sandwichs werden in London gekauft; die geringsten Umsätze werden im Nordosten und im Südwesten des Landes erzielt.

– Über 300 000 Menschen sind in der Sandwich-Industrie beschäftigt.

Alljährlich werden von der BSA die „Sammies“ verliehen, Preise, die in mehrere Kategorien unterteilt sind wie z.B. „The British Sandwich Industry Award“, „New Sandwich of the Year Award“ oder „Independent Sandwich Bar of the Year Award“. Der Independent Sandwich Retailer Award Winner 2017 war das Mimosa Café & Delicatessen im 16 Half Moon Lane im Stadtteil Herne Hill.

Das offizielle Organ der BSA ist das „International Sandwich & Food To Go News Magazine„, das 1990 gegründet wurde und sechs Mal jährlich ercheint.
Einmal im Jahr findet die British Sandwich Week statt, zuletzt vom 14. bis zum 20. Mai.
Fazit: Die BSA ist eine sehr kreative und engagierte Organisation.

Eine etwas unorthodoxe Art, ein Sandwich herzustellen, ist in diesem Mr. Bean-Film zu sehen.

John Montagu, der 4. Earl of Sandwich.
This work is in the public domain

Published in: on 14. Juli 2017 at 02:00  Kommentar verfassen  
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