Topsham in Devon Teil 2: Nello’s Longest Table

Nello Ghezzo war ein Gastronom, der in den 1990er Jahren in Topsham in Devon ein italienisches Restaurant betrieb. Nello wurde in der Stadt an der Exe-Mündung zum Held als er 1997, gemeinsam mit dem ortsansässigen Reiseschriftsteller Marc Millon, eine Fahrradtour von Topsham nach Venedig unternahm, um Geld für die Wohltätigkeitsorganisation FORCE Cancer Charity in Exeter Geld zu sammeln. Traurigerweise erkrankte Nello zwei Jahre später selbst an Krebs und starb 1999.

Im Andenken an den Gastronomen finden in Topsham zwei Veranstaltungen statt. Da ist einmal The Nello, eine Fahrradtour über rund 160 Kilometer, die über das Exmoor und zurück führt (es gibt auch eine kürzere Tour über etwa 90 Kilometer). In diesem Jahr wird The Nello am 26. Juni schon zum 22. Mal ausgetragen. Seit Beginn sind dadurch bereits über £1 Million für FORCE zusammengekommen.

Und dann gibt es noch „Nello’s Longest Table„, immer im Rahmen des Topsham Food Festivals, eine riesige Straßenparty, bei der über 350 Tische aneinandergereiht werden, die sich durch die Hauptstraßen bis zum Quay ziehen. An diesen Tischen essen und trinken die Bewohner der Stadt, ihre Gäste und Besucher. Da kommen schon einmal locker 2500 Menschen zusammen, die es sich mehrere Stunden lang gut gehen lassen. Entweder bringen sie ihr Essen mit oder sie kaufen es an den zahlreichen aufgestellten Buden. In diesem Jahr fällt das Food Festival zeitlich mit den Feierlichkeiten zum diamantenen Thronjubiläum von Elisabeth II. statt, vom 2. bis zum 5. Juni.

Unter vielen anderen Ständen findet man auch in diesem Jahr wieder den Pebblebed Wine Van vor, der Sekt und Wein von den Pebblebed Vineyards ganz in der Nähe verkauft.

Topsham Quay.
Photo © Martin Southwood (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Juni 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Heute ist der National Biscuit Day!

Chocolate Digestive von McVitie’s.
Photo: Jolly Janner.
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Hurra! Endlich ist er wieder da, der National Biscuit Day, an dem man, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, so viele Kekse essen darf wie man will. Immer am 29. Mai eines jeden Jahres steht die Keksdose im Mittelpunkt, so hofft das jedenfalls die britische Keksindustrie.
Welche „biscuits“ sind denn nun besonders beliebt im Vereinigten Königreich? Da steht auf Platz 1 der Chocolate Digestive. Verdauungskeks hört sich ja eigentlich nicht so gut an, aber ich glaube nicht, dass die Verehrer dieser Kekssorte da in erster Linie an ihre Verdauung denken. Der Schokoladenkeks wird bereits seit 1925 von der Firma McVitie’s hergestellt. Rang 2 in der Beliebtheitsskala nimmt der Chocolate Hobnob ein, ebenfalls von McVitie’s produziert; er besteht neben Schokolade auch aus Haferflocken. Der drittbeliebteste Keks ist der Jammie Dodger, das sind zwei Shortbreads mit einer Füllung aus Himbeermarmelade, ein Produkt der in St Albans (Hertfordshire) ansässigen Burton’s Biscuit Company.

Der 29. Mai ist in der ganzen Welt ein Tag, an dem noch viele weitere gefeiert werden. So ist heute in den USA der National Paperclip Day und der National Coq au Vin Day, in Turkmenistan der Turkmen Carpet Day und in Venezuela der Day of the Tree. In Großbritannien freut man sich schon jetzt auf die morgen beginnende National BBQ Week, auf den National Fish and Chips Day am 3. Juni und auf den International Picnic Day am 18. Juni.

Ein Jammie Dodger.
Photo: Paul Hurst.
Creative Commons 2.5 Generic
Published in: on 29. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Marlow Distillery – Gin aus der hübschen Stadt an der Themse

Marlow Bridge und All Saints.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Gin ist in England beliebter als hierzulande. Es gibt Dutzende von kleinen und großen Destillerien, Bars und Pubs, die sich auf Gin spezialisiert haben. Die großen Namen wie den Bombay Sapphire Gin in der blauen Flasche kennt man überall in der Welt. Nicht so bekannt, ist der Marlow Gin, der in der gleichnamigen Stadt an der Themse in Buckinghamshire hergestellt wird, und das erst seit wenigen Jahren. Die Idee, selbst Gin zu produzieren, entstand, wie sollte es anders sein, in einem Pub in Marlow, wo drei Einheimische zu ihrem Bedauern feststellten, dass es in ihrer Stadt keinen eigenen Gin gab. Alle drei hatten eigentlich von der Ginherstellung keine Ahnung. Colin und Nick kamen aus der IT-Branche, und Vicki hatte ihren Master in Kriminalpsychologie gemacht. Egal, sie versuchten es, und mit Hilfe von Matilda und Alice, zweier Destillationsapparate, gelang es ihnen, hervorragenden Gin zu produzieren.

Da gibt es zum Beispiel den No. 16 („perfect for dark nights and a roaring fire“) und den Signature; beide haben eine Besonderheit: Meine Freundin Nicola Metcalfe, über die ich in meinem Blog schon einige Male berichtete und die in Marlow wohnt, hat die Flaschen künstlerisch verziert mit zwei wunderschönen Motiven von der Stadt. Eines zeigt die Marlow Bridge und die All Saints Church, das andere noch einmal Brücke und Kirche, aber aus einer anderen Perspektive.

Zu kaufen beziehungsweise zum Probieren gibt es den Marlow Gin unter anderem bei der örtlichen Rebellion Beer Company, im Hotel The Compleat Angler, in Tom Kerridges 2*-Pub The Hand and Flowers in der West Street und im The Stag & Huntsman im benachbarten Hambleden.

Dieser Film zeigt eine „Marlow Gin Review“. Leider liefert die Firma über ihren Online-Store nicht ins Ausland.

The Marlow Distillery
The Tall House
29A West Street
Marlow, SL7 2LS

Published in: on 11. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Paxton&Whitfield – Londons beste und älteste Käsehandlung

Foto: Philafrenzy.
Creative Commons 4.0

Wenn man in Paris exzellenten Käse kaufen möchte, dann geht man zu Androuet, der in der Stadt mit mehreren Geschäften vertreten ist. Der Maître Fromager Affineur ist seit 1909 in Paris ansässig, und ich sah einmal auf einer Speisekarte eines angeschlossenen Restaurants, dass dort ein mehrgängiges Menü angeboten wurde, dass ausschließlich aus Käse bestand.

Was Androuet für Paris ist, das ist Paxton & Whitfield für London, ein Super-Käseladen in der Jermyn Street Nummer 93. Die Ursprünge der Käsehandlung gehen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück; die Partnerschaft zwischen Harry Paxton & Charles Whitfield wurde im Jahr 1797 besiegelt.
Winston Churchill sagte einmal: „Ein Gentleman kauft seine Hüte bei Locks, seine Schuhe bei Lobbs, seine Hemden bei Harvey & Hudson, seine Anzüge bei Huntsman und seinen Käse bei Paxton & Whitfield„. Aber nicht nur Gentlemen gehen zum Käsekauf in die Jermyn Street, auch die königliche Familie ist dort Stammkunde. Schon Queen Victoria ließ Paxton & Whitfield 1850 einen Royal Warrant zukommen und mit Unterbrechungen ist die Firma auch heute noch Hoflieferant sowohl für Queen Elizabeth II als auch für HRH The Prince of Wales.

Die Käsehandlung durchlebte im Laufe ihres Bestehens viele Höhen und Tiefen; vor allem in wirtschaftlich schwierigen  Zeiten stand die Firma mehrmals kurz vor dem Aus. Was sie immer wieder auf die Beine brachte, war der unermüdliche Einsatz ihrer diversen Eigentümer, die es schafften, stets eine gleichbleibend hohe Qualität ihrer Produkte zu gewährleisten. Man steht in ständigem Kontakt zu den Produzenten im Land und importiert ausgesuchte Käse auch aus anderen Ländern.

Die Auswahl ist riesig (circa 250 Sorten), und so kommt der Londoner in den Genuss, so ausgefallene Käsesorten wie Robin Congdons Beenleigh Blue aus Devon oder Simon und Tim Jones‘ Lincolnshire Poacher kaufen zu können.
Neben dem Hauptgeschäft in London gibt es noch weitere Filialen von Paxton & Whitfield, zum Beispiel in Bath in Somerset und in Bourton-on-the-Water in Gloucestershire. Wer nicht in einem dieser Orte wohnt, kann sich den Käse auch direkt ins Haus schicken lassen.

Hier ist ein Besuch in der Londoner Käsehandlung im Film zu sehen.

Paxton & Whitfield
93 Jermyn Street
London SW1Y 6JE


Foto: satoridork.
Creative Commons 2.0
Published in: on 9. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The National Lobster Hatchery in Padstow (Cornwall)

Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Padstow an der Küste von Nord-Cornwall ist ein Mekka für Liebhaber von Meeresfrüchten, auch dank des Star- und Fernsehkochs Rick Stein, der hier mehrere Restaurants besitzt. Er ist so beherrschend in Padstow, dass der Ort manchmal schon „Padstein“ genannt wird (mehr darüber in diesem Blogeintrag).

Damit Rick Stein und seinen Gästen niemals der Hummervorrat ausgeht, sorgt die National Lobster Hatchery, eine Hummeraufzuchtstation, nur wenige Schritte von Stein’s Fish and Chips entfernt. Sie wurde im Jahr 2000 ins Leben gerufen und sorgt dafür, dass die Hummer vor der Küste Cornwalls nicht aussterben, denn die Überlebensrate von Hummerbabies ist außerordentlich gering, man spricht von weniger als 1%. So bringen die Fischer, denen Muttertiere ins Netz gegangen sind, diese zur Hatchery, wo man den Tieren die Eier abnimmt und dafür sorgt, dass aus ihnen kleine überlebensfähige Hummer werden, die nach einer bestimmten Zeit auf dem Meeresboden abgesetzt werden. Aus ihnen entwickeln sich dann nach einigen Jahren große Hummer, die, wenn sie Glück haben, ein langes Leben im Meer führen können oder, wenn sie Pech haben, auf dem Teller eines Gourmetrestaurants landen.

Im Visitor Centre der National Lobster Hatchery (Eintrittspreis £7.50) kann sich jedermann über die Arbeit der Aufzuchtstation informieren. Man kann auch für £4 einen Babyhummer adoptieren, ihm einen Namen geben und erhält dann später die Information, wann er ins Meer gesetzt worden ist. Das war es dann aber auch, denn von da ab verliert sich die Spur des kleinen Krustentiers in den Weiten des Ozeans.

Hier ist ein Film über die Hummeraufzuchtstation.

The National Lobster Hatchery
South Quay
Padstow, PL28 8BL

Hummerbabies in der Hatchery.
Photo: Joss Smithson.
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Published in: on 7. März 2022 at 02:01  Kommentar verfassen  

Nelson’s Blood – Ein Seemanslied und ein hochprozentiges Getränk

Horatio Nelson (Gemälde von Lemuel Francis Abbott.
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Nachdem ich gestern über The Lord Nelson-Pub in Norfolks Burnham Thorpe berichtet habe, bleibe ich heute noch einmal bei dem berühmten Admiral, der sein Ende in der Schlacht von Trafalgar gefunden hatte. Sein Leichnam sollte auf jeden Fall in sein Heimatland überführt werden (er hat seine letzte Ruhestätte in Londons St Paul’s Cathedral), aber wie das bewerkstelligen, da sein Körper ja in irgendeiner Form vor der Verwesung geschützt werden musste und die Strecke von Trafalgar bei Cadiz in Südspanien nach England sehr lang war? Da entsprang die Idee, den Leichnam in Hochprozentiges „einzulegen“, und so kam eines der Rumfässer an Bord des Schiffes HMS Victory gerade recht. Also wurde der Admiral in ein Fass Rum gesteckt. Ob die nun folgende Geschichte stimmt oder nicht, sei dahingestellt. Bei der Ankunft in England soll das Fass so gut wie leer gewesen sein; durch ein kleines angebohrtes Loch sollen sich die Matrosen an Bord sich an dem Rum vergangen haben; aus Verehrung des Admirals, aus Durst?

Das Seemanslied „A Drop of Nelson’s Blood“ bezieht sich auf diese Geschichte („A drop of Nelsons blood, wouldn’t do us any harm“), hier in der Version der Fisherman’s Friends aus Port Issac zu hören.

Man kann das Blut des Admirals auch heute noch trinken in Form von Pusser’s Nelson’s Blood, einem 40%igen Rum, benannt nach dem „pusser“, dem purser, der an Bord der früheren Navy-Schiffe verantwortlich für die Ausgabe der täglichen Rumration war. Pusser’s Nelson’s Blood wird aus sechs verschiedenen Rumsorten von den British Virgin Islands, Trinidad und Guyana hergestellt.

Das Grabmal des Admirals in Londons St Paul’s Cathedral.
Photo: mhx
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Published in: on 28. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Market Drayton (Shropshire) – Home of the Gingerbread

The Gingerbread Man in Market Drayton.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Was in Deutschland Nürnberg für den Lebkuchen bedeutet, so ist das Market Drayton in der Grafschaft Shropshire in England. Schon im Jahr 1793 soll es hier einen Lebkuchenbäcker gegeben haben, so geht aus Urkunden hervor, doch wahrscheinlich gehen die Ursprünge noch wesentlich weiter zurück. Heute gibt es allerdings nur noch einen Produzenten, Billington’s, der schon seit 1817 existiert.

„Once tasted it is never forgotten!“, so steht es auf der Homepage von Billington’s zu lesen und natürlich wird der süße Kuchen nach einem Geheimrezept hergestellt. In Market Drayton genießt man den Lebkuchen, indem man ihn in eine Tasse Tee oder Kaffee oder in ein Glas Portwein eintunkt. Die Familie Billington besitzt die Firma nicht mehr; sie hat sie mitsamt dem Namen verkauft. Seit 30 Jahren werden deren Lebkuchen von der Firma Image on Food hergestellt, die pro Jahr über 80 Tonnen produziert.

Mitte der 1980er Jahre erschien ein Buch, das dem Lebkuchenverkauf noch einmal einen Schub gab: „Under the Buttercross: Market Drayton a town of good food“ von Meg Pybus.

Das Ginger and Spice Festival wird seit 2017 jedes Jahr in Market Drayton zelebriert, das nächste Mal am 24. September. Market Drayton steht übrigens im Guinness Book of Records und zwar mit der Eintragung „the most people decorating gingerbread men simultaneously„; aufgestellt im vorigen Jahr während des Ginger and Spice Festivals von mehr als 300 Schülerinnen und Schülern zweier Schulen der Stadt.

Selbstverständlich gibt es in der Stadt in Shropshire auch einen Pub, der den Namen der Spezialität trägt: The Gingerbread Man in der Adderley Road, ein Greene King-Pub.

Eine Notiz am Rande: Market Drayton ist das englische Hauptquartier der deutschen Firma Müller Milch, ein riesiges Gebäude, an dem ich einmal zufällig vorbeifuhr.

Zum Thema „Lebkuchen“ siehe auch diesen Blogeintrag.

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Published in: on 14. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Crème brûlée vs Cambridge burnt cream – Eine Süßspeise und deren möglicher Ursprung

Photo: Arnaud 25.
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Ich erinnere mich noch genau, wo ich meine erste Crème brûlée gegessen habe: Es war an einem eiskalten Januartag in Paris, in einem Restaurant in der rue St Georges im 9. Arrondissement. Fasziniert sah ich dabei zu wie einer der Ober sich mit einem Mini-Flammenwerfer an die Zubereitung des Desserts machte. Es schmeckte mir sehr gut, und ich kam danach noch viele Male in den Genuss der Süßspeise.

Ich hielt die Crème brûlée immer für typisch französisch, und würde man einen Franzosen fragen, ob sie denn auch von einem Koch der Grande Nation kreiert worden ist, würde der mit Sicherheit sagen: „Mais oui, naturellement!“. Und dann kommt plötzlich ein Engländer um die Ecke und bestreitet diese Aussage vehement. „No, no, we have our Cambridge burnt creme and this came first!“. Wer hat denn nun von beiden recht?

Eigentlich hat man die Crème brûlée immer dem französischen Koch François Massialot zugeschrieben, der deren Zubereitung im Jahr 1691 in einem Kochbuch beschrieben hat. Massialot kochte unter anderem für die Grafen von Orléans.

Doch soll die Speise schon einige Jahrzehnte vorher in Cambridge im Trinity College zubereitet worden sein, um damit die Studenten und die Professoren zu erfreuen. Diese kühne These stellte jedenfalls die Supermarktkette Waitrose auf, die offensichtlich tiefgehende Recherchen angestellt hat. In der Wikipedia steht es anders zu lesen, doch muss diese ja nicht immer recht haben. Ich würde diese These auch nicht unbedingt bei einem Besuch in Frankreich vertreten.

Die Zubereitung von Cambridge burnt creme beziehungsweise Crème brûlée scheint sehr einfach zu sein, vorausgesetzt man hat einen Gasbrenner zur Hand, um damit die Karamelkruste zu erzeugen. In diesem Film zeigt der englische Starkoch Marco Pierre White wie es geht.

Published in: on 10. Februar 2022 at 02:00  Comments (1)  

FIRE + WILD – Outdoor Dining in den Wäldern von East Sussex

Die Wälder der South Downs bilden die perfekte Kulisse für das Esserlebnis.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Wer immer schon einmal die Lust verspürt hat, ein exquisites Menü in einem Wald einzunehmen, der kann das in den Wäldern der South Downs nahe der Stadt Lewes in der Grafschaft East Sussex tun.

Mark Andrews hat im Jahr 2007 seine Firma FIRE + WILD gegründet, mit der Absicht, ein naturnahes Esserlebnis zu bieten, in dessen Mittelpunkt lokale und regionale Produkte stehen. Vorher war Andrews durch einige Teile Europas gestreift und hatte dabei die Vorzüge des Kochens im Freien über offenem Feuer und die Nahrungssuche im Wald kennengelernt.

Andrews und das Team an seiner Seite bieten ihren Gästen ein mehrgängiges Menü an, das ihnen in einem eigenen Waldstück dargeboten wird. An einem langen Tisch speisen sie beispielsweise Wild, das in der Region erlegt worden ist, Fisch von Händlern aus der Stadt, Wein aus Anbaugebieten in Sussex und Früchte der Natur wie Pilze, Kräuter oder Beeren, die kurz vorher gesammelt worden sind. Zubereitet wird alles über einem offenen Feuer.

Das fünfgängige Menü wird in der Regel einmal im Monat für 24 Gäste angeboten, wobei diese die genaue „location“ erst kurz vorher erfahren. „Cooking with fire“ kostet £225 pro Person und beinhaltet neben dem Menü einen Waldspaziergang, bei dem die Kunst des „foraging“ gelehrt wird (wie finde ich welche Nahrungsmittel im Wald), und einen Kurs jeweils über die Themen offenes Feuer und Zerlegen von Wild.

Published in: on 23. Januar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Kea plums – Eine seltene Wildpflaumensorte aus Cornwall

Ein Nebenarm des River Fal mit den Pflaumenbäumen.
Photo © Fred James (cc-by-sa/2.0)

Als die Fernsehköchin Sarah Wiener für ARTE kulinarische Abenteuer in Großbritannien erlebte (ich berichtete damals in meinem Blog darüber), besuchte sie auch die Grafschaft Cornwall und lernte dort die Kea-Pflaume kennen. Sie hatte dafür eine Rezeptidee, stellte daraus ein Fruchtmus her und verkaufte den unter dem Namen „Cornitüre„.

Ich glaube, die meisten haben von dieser Wildpflaumenart noch nie gehört, wächst sie doch nur in Cornwall und dort nur an einer der Mündungsschleifen des Flusses Fal. Benannt wurde sie nach dem nahe gelegenen Dorf Kea, dessen Namen wiederum auf einen irischen Heiligen zurückzuführen ist. In früheren Zeiten waren die Pflaumenbäume nur vom Wasser her zugänglich, bis dann eine schmale Straße gebaut wurde, die bis zum Fluss führt.

Die Erntezeit für die Kea-Pflaumen sind die Monate August und September, und das Besondere bei der Ernte ist, dass die Früchte nicht wie üblich gepflückt werden, sondern geschüttelt. Die Pflaumen, die beim ersten Schütteln herunterfallen, werden nicht verwendet, erst die beim zweiten bis vierten Schütteln. In der nächst größeren Stadt, Truro, wurden sie dann verkauft. Erst seit kurzem erlangte die Kea-Pflaume auch eine gewisse Bekanntheit außerhalb von Cornwall.

Man isst sie nicht roh, sondern verarbeitet sie überwiegend zu Marmelade. Es gibt sogar einen Likör, den Kea Plum Liqueur, der aus der Pflaume hergestellt wird, verfeinert mit weißem Rum, ein Produkt der Firma The Wrecking Coast Distillery in Tintagel, auf der anderen Küstenseite Cornwalls.
Ganz in der Nähe der Pflaumenbäume findet sich auch die einzige Teeplantage Englands, Tregothnan (ich berichtete in meinem Blog darüber), in deren Laden man Tregothnan Kea Plum Jam kaufen kann.

Published in: on 21. Januar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Shropshire Fidget Pie

Was für die Bewohner der Grafschaft Cornwall die Cornish Pastie ist, das ist für die Salopians, wie die Einwohner Shropshires auch genannt werden, deren Shropshire Fidget Pie. Über die Herkunft des Namens gibt es mehrere Theorien. „A fidget“ ist eigentlich ein unruhiger Mensch, ein Zappelphilipp, und so besagt eine dieser Theorien, dass der Name daher kommt, dass die Bestandteile dieser Speise beim Zubereiten in der Form durcheinander zappeln. Diese Theorie ist mir wesentlich angenehmer als eine andere, die behauptet, dass die Speise bei der Zubereitung wie ein Iltis riecht (in Shropshire nennt man Iltisse auch „fitchetts“).

Die Hauptbestandteile der Shrophire Fidget Pie sind Schinken, Kartoffeln, Zwiebeln und Äpfel, alles Produkte, die die Grafschaft liefert. Was man sonst noch dazu tut, bleibt den Köchinnen und Köchen selbst überlassen. Es ist eine Speise, die gern in der kalten Jahreszeit gereicht wird, und Clare Hargreaves vom Countryfile Magazine bezeichnet sie als „einfach, billig und traditionell“.

Es gibt noch eine Variante in der ehemaligen Grafschaft Huntingdonshire (die jetzt zu Cambridgeshire gehört), die Huntingdon Fidget Pie, die dort aber keine besondere Rolle mehr spielt.

Published in: on 26. November 2021 at 02:00  Comments (3)  

Spotted Dick – Eine Süßspeise mit einem zweideutigen Namen

Author: Willrad.
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Um wieder einmal die Wikipedia zu zitieren: „Spotted dick ist ein in Großbritannien verbreiteter gedämpfter oder gebackener  Pudding aus Rindernierenfett und Trockenfrüchten (meistens Korinthen), der üblicherweise mit Custard serviert wird“. Das klingt vielleicht nicht besonders verlockend, der Spotted Dick ist aber in England sehr beliebt. Vor kurzem sah ich diese Süßspeise in einem Pub angeboten, allerdings habe ich sie noch nie probiert.

Die Engländer haben ja schon einige komische Namen für ihre Speisen gewählt, wenn ich an Bubble and Squeak oder Bangers and Mash denke. Der Spotted Dick gehört mit in diese Kategorie. Da „dick“ im Sprachgebrauch auch „Penis“ heißt, gibt das der Süßspeise einen besonderen Touch.
Beim Bestellen des Spotted Dick werden immer mal wieder anzügliche Bemerkungen gemacht, so dass man zum Beispiel in einigen Kantinen aus dem Spotted Dick einen Spotted Richard oder Sultana Sponge machte, aber irgendwie war das alles nicht das richtige und man kehrte immer wieder zu dem Originalnamen zurück.

Eine Version wie der Name „dick“ zustande kam, ist, dass er sich aus pudding-> puddink -> puddick -> dick ableitet. Egal, ob das nun stimmt oder nicht: Spotted Dick bleibt ein beliebter Pudding im Vereinigten Königreich.

Wer diese Nachspeise mit dem „giggle factor“ selbst einmal machen möchte, hier zeigt Jamie Oliver wie man das macht.

Das Buch zum Artikel:
Geoff Wells: How to Make Spotted Dick & Other Suet Puddings.  CreateSpace Independent Publishing Platform 2013. 82 Seiten. ISBN  ‎ 978-1482601596.

Published in: on 18. November 2021 at 02:00  Comments (4)  

Fanny Cradock (1909-1994) – Die erste Fernsehköchin Großbritanniens

Author: Allan warren.
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Sie besaß über viele Jahre Kultstatus in Großbritannien, Fanny Cradock, die erste Fernsehköchin des Landes. Die 1909 im Ost-Londoner Stadtteil Leytonstone geborene Phyllis Nan Sortain Pechey, durchlief ein turbulentes Leben mit mehreren Ehen, von denen einige, so heißt es, nicht durch eine Scheidung beendet wurden. Anfang der 1940er Jahre traf sie Major John Whitby Cradock, der lange ihr Partner war, bis die Beziehung erst 1977 in eine Ehe mündete. Sie und Johnny schrieben in den 1950er Jahren für den Daily Telegraph Restaurantkritiken, dann stiegen sie ins Fernsehgeschäft ein, erst bei der BBC mit der Kochsendung „Kitchen Magic„, dann bei ITV. In den 1960er Jahren wurde die Sendung in “Adventurous Cooking“ umbenannt. Beide traten vor der Kamera in ungewöhnlicher Kleidung auf, Fanny oft schmuckbehangen und in Abendkleidern, Johnny im Abendanzug. Johnny spielte in den Kochshows immer nur eine untergeordnete Rolle und bekam häufig von seiner Partnerin deren spitze Zunge zu spüren. Auch spätere Assistentinnen wurden ständig von Fanny herumkommandiert. Es war nicht ganz einfach, mit der exzentrischen Dame zusammenzuarbeiten. Im Jahr 1976 beendete die BBC die Zusammenarbeit mit ihr, das heißt, sie wurde hinausgeworfen, weil sie ihre „rudeness“ übertrieben und eine Mitköchin beleidigt hatte.

Fanny Cradock veröffentlichte eine Unmenge an Kochbüchern, schrieb bereits 1960 ihre Autobiografie „Something’s Burning“ und versuchte sich auch im Genre „Roman“ mit der mehrteiligen „Castle Rising„-Serie.

Glücklicherweise sind noch einige ihrer Kochshowauftritte im Film erhalten geblieben, so zum Beispiel ein ganz früher Auftritt mit Johnny als „Bon Viveur“ in Londons Royal Albert Hall (hier zu sehen) oder dieser Film, in dem Fanny auf etwas exzentrische Weise eine Weihnachtsgans behandelt.

Hier hat man im Namen „Craddock“ ein „D“ zuviel eingesetzt
Photo © John Davies (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 3. Oktober 2021 at 02:02  Kommentar verfassen  

Snugburys – Ein Eiscremehersteller bei Nantwich in Cheshire und seine Strohskulpturen an der A51

Photo © Mike Pennington (cc-by-sa/2.0)

Auf der Ile Saint Louis in Paris gibt es den legendären Eishersteller Berthillon, vor dessen Verkaufsstelle oft lange Menschenschlangen zu sehen sind. Etwas Ähnliches gibt es in der Grafschaft Cheshire. An der A51, nördlich von Nantwich, zweigt eine Zufahrtsstraße zu Snugburys ab, deren Parkplatz meist gut gefüllt ist.

Chris und Cheryl Sadler begannen hier 1986 in ihrem Bauernhaus Eis herzustellen und das von ihrem Küchenfenster aus zu verkaufen. Die Qualität ihrer Eissorten sprach sich in der Umgebung schnell herum, und die Nachfrage wurde immer größer, so dass sie eine Scheune umbauten, um die Besucher von hier aus zu bedienen. Die Erfolgsstory ging immer weiter, und heute verkaufen Chris und Cheryls drei Töchter Hannah, Kitty und Cleo ihre 55 Eissorten an über 300 000 Besucher jährlich.

Bei Snugburys bekommt man neben den Standardeissorten auch viele exotische Mixturen wie „Schlehenbeerengin mit Zwetschgen“, „Lakritze mit Himbeeren“ oder „Meeressalz-Karamel“.

Seit 1998 überrascht jedes Jahr eine neue Strohskulptur die Gäste, die jeweils auf einer Wiesenfläche neben Snugburys an der A51 aufgestellt wird. Eine direkte logische Verbindung zu der Eiscremefabrikation gibt es nicht, vielleicht dienen die Skulpturen aber auch nur für Werbezwecke. Da gab unter anderem einen Dinosaurier mit dem Namen Coneastrawus (Cone=Eistüte, man liebt in England diese Wortspiele), ein elf Meter hohes Erdmännchen, einen ebenfalls elf Meter hohen Dalek (Fans der Endlos-TV-Serie „Doctor Who“ wissen, was damit gemeint ist) oder zuletzt eine zwölf Meter große Biene.

Snugburys überweist regelmäßig einen Geldbetrag an wohltätige Organisationen, die meist mit den Skulpturenthemen in Zusammenhang stehen wie zuletzt an den Bumble Bee Conservation Trust.

Snugburys Ice Cream,Park Farm
Hurleston
Nantwich

Cheshire, CW5 6BU

Author: Wildlife Terry.
Creative Commons 2.0
Das Erdmännchen.
Author: Paolo Camera.
Creative Commons 2.0
Der Dalek.
Photo © Oliver Mills (cc-by-sa/2.0)
Die Riesenbiene.
Photo © Jeff Buck (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. September 2021 at 02:00  Comments (1)  

Lindisfarne in Northumberland Teil 2: Die St Aidan’s Winery

Photo © Graham Robson (cc-by-sa/2.0)

Das Letzte, was man eigentlich auf der Insel Lindisfarne erwarten würde, ist ein Weinbaubetrieb; doch den gibt es hier tatsächlich in dem Dörfchen Holy Island Village, genannt St Aidan’s Winery nach dem Heiligen Saint Aidan of Lindisfarne. Doch wer hier Chardonnay oder Sauvignon Blanc kaufen möchte, wird enttäuscht sein, denn die Winery stellt ein merkwürdiges Getränk her, das den Namen Lindisfarne Mead trägt und exklusiv auf der Insel produziert wird. Mit Wein hat das Getränk eher wenig zu tun, denn einer der Hauptbestandteile ist Honig, der auch nicht auf der Insel gewonnen, sondern aus dem Ausland importiert wird. Angereichert wird das „weinhaltige Getränk“ weiterhin mit fermentiertem Traubensaft, Gewürzen und Wasser aus einem Brunnen auf Lindisfarne. 14,5% Alkohol hat Lindisfarne Mead, den es auch in den Varianten „Dark“ und „Spiced“ gibt, sowie eine weitere Version „Blod Mead“, eine Mixtur aus Met und Kirschwein.

Bereits im tiefen Mittelalter sollen die Mönche hier auf Lindisfarne auf der Insel diesen Honigwein hergestellt haben, dem man aphrodisiakische Wirkung nachsagt. Einem norwegischen Brauch zufolge, verabreichte man Jungvermählten einen Monat lang Honigwein, der die Fruchtbarkeit des Paares deutlich steigern sollte; das Wort „honeymoon“ entspringt diesem Brauch.

Im Laden der St Aidan’s Winery kann man die Produkte kostenlos probieren und dann gegebenenfalls kaufen. Ich werde um den Shop einen großen Bogen machen, da ich Honig überhaupt nicht mag, und bei der Vorstellung, Honigwein mit Kirschwein zu mixen, dreht sich mir der Magen um.

St Aidan’s Winery
Prior Lane
Holy Island TD15 2RX

Author: Caro’s Lines.
Creative Commons 2.0
Published in: on 9. September 2021 at 02:00  Comments (2)  

Pontefract in West Yorkshire – Die Lakritze-Hauptstadt Englands

Haribo in Pontefract.
Photo © Bill Henderson (cc-by-sa/2.0)

Lakritze (liquorice im Englischen), oder auch Süßholz, ist eine Pflanzenart, die in Europa überwiegend im Mittelmeeraum vorkommt, doch auch in England gibt es einige Stellen, in der die Pflanze wächst; der tiefe Sandboden in der Region Pontefract in West Yorkshire zum Beispiel war bis Anfang der 1970er Jahre ein idealer Standort für die Lakritze. Kein Wunder, dass sich in Pontefract auch die Süßwarenindustrie angesiedelt hat, die die Pflanze auf verschiedene Arten verarbeitet. Heute kommt die zu verarbeitende Lakritze überwiegend aus der Türkei und aus Italien.

Berühmt sind die sogenannten „Pontefract Cakes„, kleine runde Taler, die heute von dem deutschen Konzern Haribo nach wie vor in Pontefract hergestellt werden. Haribo hatte die ursprüngliche Firma Dunhill übernommen. Die zweite Firma, die hier noch produziert ist Tangerine. Alle anderen (es waren einmal 13) sind geschlossen worden.

Der englische Dichter Sir John Betjeman hat den Lakritzefeldern von Pontefract sogar einmal ein Gedicht gewidmet, hier zu hören.

Die Filmbranche hat in verschiedenen Spielfilmen Pontefract-Lakritze verwendet. In der berühmten Szene in dem Film „The Gold Rush“ verspeist Charlie Chaplin seinen Stiefel und seine Schnürbänder – alles aus Yorkshire-Lakritze hergestellt. In dem James Bond-Film „Moonraker“ mit Roger Moore beißt Jaws ein elektrisches Kabel durch – made in Pontefract.

Dass Lakritze nicht ganz ungefährlich ist, wenn man sie in größeren Mengen isst, zeigt das Beispiel einer Frau aus Yorkshire, die im Jahr 2004 an einer Überdosis Pontefract Cakes starb. Sie hatte über einen längeren Zeitraum hinweg täglich eine 200g-Packung gegessen.

Natürlich feiert die Stadt auch jährlich ein Festival, das der Lakritze gewidmet ist. Das nächste Pontefract Liquorice Festival wird erst wieder 2022 stattfinden; in diesem Jahr ist es coronabedingt ausgefallen.

Hier ist ein Film zum Thema.

Siehe auch diesen Blogeintrag über Pontefract.

Haribo Liquorice Pontefract Cakes.
Author: hddod.
Creative Commons 2.0
Ein Pub in Pontefract.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Der Liquorice Way in Pontefract.
Photo © Betty Longbottom (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 30. August 2021 at 02:00  Comments (3)  

Die Gin Bar im Holborn Dining Room des Londoner Rosewood Hotels

The Rosewood, London.
Author: Can Pac Swire.
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252 High Holborn, London, so lautet die Adresse eines der vielen 5*-Hotels der britischen Hauptstadt, dem Rosewood. Das palastartige Gebäude ist ein restauriertes edwardianisches Herrenhaus, in dem die Zimmerpreise jenseits der 500 Euro beginnen.

Eines der Hotelrestaurants ist der Holborn Dining Room, ein im Brasserie-Stil gehaltener Raum, in dem die britische Küche vorherrscht (Fillet of Cornish pollock, Holborn beef burger). Auf der recht kleinen und überschaubaren Karte steht als Vorspeise auch Gin cured salmon, ein selten anzutreffendes Gericht. Und da kommen wir schon zum Thema „Gin„. In der Gin Bar des Holborn Dining Rooms findet der Gast die größte Auswahl dieses Getränks in ganz London. 500 verschiedene Gins warten darauf, probiert zu werden, und wer ihn am liebsten mit Tonic Water trinkt, hat die Wahl zwischen dreißig Sorten. G+T-Freunde kommen so auf rund 15 000 unterschiedliche Variationen. Angeboten werden die bekannten, großen Namen wie Bombay Sapphire oder Tanqueray, aber auch die kleineren Ginhersteller sind mit ihren Produkten vertreten. Es gibt einen speziellen Gin, der extra für das Restaurant, beziehungsweise die Bar, hergestellt wird, den Holborn Dining Room Gin, in Zusammenarbeit mit der Firma Tarquin’s in Cornwall. Die Besonderheit dieses Gins ist, dass dem Getränk Meerfenchel (samphire) zugefügt wird, der von Mitarbeitern der Bar an der Küste von Cornwall geerntet worden ist.

Wer also am 1. Januar eines Jahres beginnt, täglich einen anderen Gin in der Bar zu probieren, der dürfte im April/Mai des folgenden Jahres damit fertig sein.

Wer sich für das Thema Gin interessiert: Ich habe in meinem Blog mehrmals darüber geschrieben. Siehe dazu meine Gin-Trilogie Teil 1, Teil 2, Teil 3 und mein Blogeintrag über Gin im London des 18. Jahrhunderts.

Published in: on 27. August 2021 at 02:00  Comments (1)  
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London Particular – Der Nebel und die Erbsensuppe

London Particular Pea Soup.
Author: Girl Interrupted Eating.
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Noch heute meinen viele Menschen, die nie in London waren,  dass hier ständig Nebel über der Stadt liegt und man zeitweise nicht die Hand vor den Augen sehen kann. Nun, das stimmte auch eine Zeit lang, aber seitdem 1956 der Clean Air Act in Kraft trat, wodurch Privathaushalte keine Kohle mehr in ihren Öfen verfeuern durften, ist dieser Spuk vorbei, und die Qualität der Londoner Luft ist deutlich besser geworden (obwohl einem die Autoabgase auch ganz schön zu schaffen machen).
Damals sagte man vom Londoner Nebel, er sei dick wie Erbsensuppe, ein richtiger „pea souper“ oder man sprach auch vom „London Particular„, ein Begriff, den schon Charles Dickens in seinem Roman „Bleak House“ verwendete.

Die Köche des historischen Restaurants Simpson’s in the Strand sollen die Erfinder der Erbsensuppe gewesen sein, die noch heute den Namen „London Particular“ trägt. Die Hauptzutaten für diese wärmende Suppe, die natürlich in der kalten Jahreszeit sehr beliebt ist,  sind gelbe oder grüne Erbsen, Sellerie, Karotten, Zwiebeln und Schinken. Wer das einmal nachkochen möchte, hier ist ein Rezept der berühmten Fernsehköchin Delia Smith.

Hier ist ein Film über den Londoner Nebel Anfang der 1950er Jahre.

Die Tower Bridge im Nebel.
Author: gwire.
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Das berühmte Londoner Restaurant Simpson’s in the Strand.
Author: James E. Petts.
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Published in: on 9. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Dorset Naga und das Great Dorset Chilli Festival

Dorset Naga.
Author: Mwp.
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Michael und Joy Michaud aus West Bexington in Dorset sind die britischen Chilli-Experten schlechthin, und sie sind es auch, die einen der schärfsten Chillies der Welt gezüchtet haben, den Dorset Naga. Auf der Scoville-Skala erreicht diese Chilli-Pflanze durchschnittlich unglaubliche  960 000 Einheiten, das reicht aus, um bei einem übermäßigen Genuss mit Blaulicht ins Krankenhaus gebracht zu werden.

Dorset ist die Chilli-Grafschaft, denn hier findet auch jährlich das Great Dorset Chilli-Festival statt; bisher immer in Wimborne St Giles, in diesem Jahr auf dem Stock Gaylard Estate westlich von Sturminster Newton. Wem es nicht scharf genug sein kann, der kommt bei diesem Festival voll auf seine Kosten. Am 31. Juli und am 1. August diesen Jahres kann man testen, welchen Schärfegrad man gerade noch vertragen kann. Es gibt Essensstände ohne Ende, Kochvorführungen, Vorträge über Chillis, eine Chilli Eating und Chilli Plant Competition. Und natürlich kann, wer sich traut, auch die Dorset Naga probiert werden. Dazu gibt es jede Menge Musik, unter anderem eine Mexican Mariachi Band (nur die Red Hot Chili Peppers aus den USA haben sich nicht angesagt).

Wer noch nie in seinem Leben Chilli-Bier getrunken hat, hier auf dem Festival besteht dazu die Gelegenheit, am Stand der Fallen Angel Brewery aus Chelmsford in Essex. Die Brauerei produziert zum einen ein Bier namens Black Death („Naga chilli infused“), zum anderen das Fire in the Hole („Golden ale with fresh green chillis“).

Ein anderer Stand wird von der Firma Grim Reaper aus Christchurch (Dorset) betrieben, die in ihrem Programm zum Beispiel den Psycho Juice („Serious hot sauce for serious chilliheads“) hat.

Hier ist ein Film von einem früheren Festival.

Das Chilli Festival in Wimborne St Giles.
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 25. Juni 2021 at 02:00  Comments (2)  

Delia Smith, die berühmte Fernsehköchin, wird heute 80 Jahre alt

Author: Steve Bowbrick
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Am 18. Juni 1941 wurde Delia Smith in Woking (Surrey) geboren und kann heute ihren 80. Geburtstag feiern. Herzlichen Glückwunsch, Delia!

Sie ist sicher eine der prominentesten Köchinnen Großbritanniens, die jeder im Lande kennt. Einige ihrer Bücher wurden auch ins Deutsche übersetzt, aber so bekannt geworden wie in ihrem Heimatland ist Delia Smith hier nicht. Eines ihrer vielen Bücher hat den Titel „Delia’s Cake„, und mit einer Torte ist sie zu Beginn ihrer Karriere bekannt geworden, denn niemand anderes als sie steckt hinter der weltberühmten Torte auf dem Cover des Rolling Stones-Albums „Let it bleed„. Die auf einem Fahrradreifen ruhende Torte ist außerordentlich üppig verziert und mitten auf ihr sind die Figuren der fünf Rolling Stones zu sehen.
Robert Brownjohn, ein enger Freund von Keith Richard, bekam 1969 den Auftrag, das Cover zu entwerfen, und Brownjohn engagierte Delia Smith, die Torte zu backen, was diese denn auch mit Vergnügen tat. Delia arbeitete damals mit einem Food-Fotografen zusammen und kochte und backte alles, was gebraucht wurde. Kurz danach begann ihre steile Karriere. 1971 erschien ihr erstes Buch „How to Cheat at Cooking„, 1995 veröffentlichte sie ihren Bestseller „Delia Smith’s Winter Collection„, den ich mir bei einem Englandbesuch mitbrachte.

Die Köchin trat in unzähligen TV-Shows auf, hatte ihre eigenen Sendungen wie „How to Cook“ (hier ist ein Beispiel). Der sogenannte „Delia-Effekt“ führte dazu, dass nach einigen ihrer Sendungen eine extreme Nachfrage nach bestimmten Produkten begann, die sie verwendet hatte. Zum Beispiel stellte sie in einer ihrer TV-Shows ein Rezept mit den Zutaten Rhabarber und Ingwer vor. Kurz danach begann der Run auf Rhabarber und zwar derart, dass die Supermarktkette Waitrose ihn aus Deutschland importieren musste, weil die britischen Rhabarberanbauer mit der Lieferung nicht mehr nachkamen.

Delia Smith machte sich auch einen Namen als Fußballfan, speziell als Anhängerin des Vereins Norwich City in Norfolk. Legendär ist ihr Auftritt im Februar 2005 in der Halbzeitpause des Spiels Norwich City gegen Manchester City, als sie die Fans des abstiegsbedrohten Clubs mit markigen Worten zur Unterstützung aufrief (hier zu sehen).

Delia Smith wurde für ihre Arbeit als Köchin vielfach ausgezeichnet. Sie erhielt die Orden OBE (The Most Excellent Order of the British Empire), CBE (Commander of the Order of the British Empire) und wurde Ehrendoktorin der Universitäten Nottingham und East Anglia, wo sie den größten Teil ihres Lebens verbrachte, allerdings nicht in Norfolk sondern in Suffolk (sie wohnt in der Nähe von Stowmarket).

Foto meines Exemplares.

Published in: on 18. Juni 2021 at 02:00  Comments (8)  

Das weltweit größte Fish and Chips-Restaurant auf der Cleethorpes Pier in Lincolnshire

Photo © Steve Fareham (cc-by-sa/2.0)

Die gut hundert Meter lange Pier von Cleethorpes an der Küste von Lincolnshire wurde 1873 eröffnet und brannte schon dreißig Jahre später wieder ab, ein Schicksal, das mehrere Seebrücken Englands ereilte. Zwei Jahre später stand die Pier wieder und erfreute sich großer Beliebtheit bei den Einheimischen und den Gästen des Seebads. Im Laufe der nächsten hundert Jahre wurde die Pier mehrfach umgebaut und die Besitzer wechselten häufig, zuletzt im September 2016, da übernahm die Papa’s Fish and Chips Company die Seebrücke. Die griechisch-stämmige Familie mit Firmensitz in Kingston-upon-Hull (East Yorkshire) gründete die Firma bereits 1966 und arbeitet heute in der dritten Generation. Sie betreibt zu Zeit sechs Fish and Chips-Läden in Yorkshire und einen auf der Pier von Cleethorpes.

Im Jahr 2015 eröffnete sie in einem Vorort von Kingston-upon-Hull, in Willerby, das weltweit größte Fish and Chips-Restaurant mit 320 Sitzplätzen. Zwei Jahre später übertrumpfte Papa’s sich mit seiner Filiale in Cleethorpes selbst, wo er 500 Plätze anbietet. Am Eröffnungstag im Jahr 2017 bot die Firma ihre frittierten Fische zu einem Sonderpreis von einem Penny an, kein Wunder, dass die Menschen Schlange standen wie dieser Film zeigt.

Ob hier auch die besten Fish and Chips Großbritanniens angeboten werden, wie es auf der Webseite der Firma zu lesen ist, ist eine andere Frage. Bei der Vergabe der Seafish National Fish & Chip Awards 2019 landete das Pier-Restaurant unter den ersten zehn. In diesem Jahr werden auf Grund der Corona-Pandemie keine Preise vergeben.

Im vorigen Jahr in der Weihnachtszeit stellte Papa’s in Cleethorpes einen weiteren Weltrekord auf: Sie verkauften auf der Pier das längste Pig in the Blanket, oder Würstchen im Schlafrock wie man in Deutschland dazu sagt. Sagenhafte 60 cm lang war dieses Teil, das £3.99 kostete und The hog in a duvet genannt wurde.

Photo © Oliver Mills (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 5. Mai 2021 at 02:00  Comments (1)  

Faszinierendes York Teil 4: Der Chocolate Trail

Author: SteHLiverpool
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Die Schokoladenproduktion hat in der Geschichte von York eine große Rolle gespielt. Rowntree war einer der größten Arbeitgeber der Stadt, dann übernahm der Nestlé-Konzern die Firma und circa 2000 Menschen arbeiten noch immer in diesem Industriezweig. Der Schokoriegel KitKat wird seit 1935 in York hergestellt, die Tagesproduktion beläuft sich auf etwa vier Millionen Stück. Weiterhin unterhält Nestlé in der Stadt ihr größtes Research and Development Centre.

Süßigkeiten spielen also weiterhin eine große Rolle in York und so gibt es für alle Interessierten einen Chocolate Trail, der an wichtigen Punkten vorbeiführt, die mit Schokolade zu tun haben. Da sind unter anderem am King’s Square York’s Chocolate Story, wo man sich sehr gut über Yorks Schokoladengeschichte informieren kann (hier ist ein Film). Geführte Touren werden angeboten, es gibt eine spezielle KitKat-Ausstellung und im Shop kann sich jeder mit Schokolade eindecken und diese auf dem Trail aufessen.

In dem Haus mit der Adresse 28 Pavement begann alles, denn hier richtete Joseph Rowntree im Jahr 1822 seinen ersten Laden ein, „Grocer and tea-dealer“, nannte er sich damals. Heute ist unter der Adresse York’s Yummy Chicken zu finden. Eine Plakette neben der Tür mit der Nummer 28 erinnert an J.R.

Sollte der vorher eingekaufte Schokoladenvorrat etwa schon verzehrt worden sein, kann man im York Cocoa House Nachschub kaufen. Hier wird die Schokolade von Hand selbst hergestellt. Die Adresse: 10 Castlegate.

Das Indigo Boutique Hotel, 88-96 Walmgate, hat Themenzimmer, in denen man sich zum Beispiel mit einem Milk Chocolate Package oder einem White Chocolate Package einbuchen kann.

Im Rowntree Park schließlich kann man seine restlichen Schokoladenvorräte verzehren, wenn sie nicht in der Zwischenzeit geschmolzen sind. Die Firma Rowntree hat diesen Park nach dem Ersten Weltkrieg angelegt, in Erinnerung an die Fabrikarbeiter, die im Krieg gefallen sind.

Wer möchte, kann sich die Broschüre mit dem Chocolate Trail in York’s Besucherzentrum abholen oder sie sich hier herunterladen.

28 Pavement (links)
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)
York Cocoa House.
Author: DGH Chocolatier
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Ein Zimmer im Indigo Hotel.
Author: David Jones
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Im Rowntree Park.
Photo © DS Pugh (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 29. April 2021 at 02:00  Comments (1)  

Great Yarmouth in Norfolk – Heimat der Fischstäbchen

Author: isriya
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Es gab einmal eine Zeit, da war die Küstenstadt Great Yarmouth in der Grafschaft Norfolk der größte Anladeort für Heringe weltweit; das war Anfang des 20. Jahrhunderts. Was ist davon übriggeblieben? Außer dem dampfbetriebenen Fischerboot Lydia Eva (klingt wie einer der Trucks der Speditionsfirma Eddie Stobart) im Hafen so gut wie nichts mehr.

In Zusammenhang mit Fisch steht Great Yarmouth als Heimat der Lieblingsspeise vieler Kinder, des Fischstäbchens. Es war am 26. September im Jahr 1955 als hier das erste Fischstäbchen (fish finger im Englischen) produziert wurde, und der Siegeszug um die ganze Welt begann. Es war die Idee des amerikanischen Unternehmers und Biologen Clarence Birdseye (1886-1956), der auch als Erfinder der Tiefkühlkost gilt. Birdseye hatte schon im Jahr 1927 diese spezielle Art der Fischverarbeitung in Großbritannien zum Patent angemeldet und damit experimentiert. Bevor es in Great Yarmouth in der Birds Eye Fischfabrik richtig losging, hatte der Amerikaner erst in zwei Regionen getestet wie diese tiefgefrorenen Fischstäbchen beim Kunden ankamen, in Südwales und in Southampton. Sie kamen gut an, nur brauchte man noch einen Namen für sie. Ursprünglich sollten sie „Battered Cod Pieces“ heißen, doch der Name war nicht griffig genug. Also wurden die Frauen befragt, die in der Fischfabrik arbeiteten, und die entschieden sich für „fish finger“, eine gute Wahl, denn den Namen kennt noch heute jeder.

Die Werbefigur für die Fischstäbchen wurde Captain Birds Eye, verkörpert von John Hewer (1922-2008), der die Rolle von 1967 bis 1998 spielte (in Deutschland kennt man den Kapitän als Käpt’n Iglo). Ihm folgten bis heute noch mehrere andere Darsteller. Hier ist der erste Werbespot zu sehen. Meist war der „Fischstäbchenmann“ von einer Horde Kinder umgeben, die sich gierig auf die Teile stürzten; die Firma Birds Eye wusste, wer ihre wichtigste Klientel war. Als die Werbekampagne 1971 eingestellt wurde, erschien in der Times sogar ein Nachruf mit den Worten „Birds Eye, Captain. On June 7, 1971, after long exposure, life just slipped through his fingers„. Die Kundschaft der Fischstäbchen fand das gar nicht lustig, der Absatz ließ nach, der Käpt’n wurde vermisst, also holte ihn die Firma Birds Eye wieder aus der Versenkung und hauchte ihm neues Leben ein. Die Times vermeldete:  „Birds Eye, Captain. Now returned to these shores, a revitalised man. Wishes to deny premature reports of his demise previously recorded in these columns. Will shortly address the nation…„.

1986 wurde die Fischfabrik in Great Yarmouth geschlossen und die Produktion der Fischstäbchen nach Lowestoft verlegt. Heute werden die beliebten „fish finger“ nicht mehr in Großbritannien hergestellt.

Zum Thema siehe auch meinen Blogeintrag über die „herring lassies„.

Sie erinnert am Kai von Great Yarmouth an die große Zeit der Heringsfischerei: Die Lydia Eva.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 21. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Malton in North Yorkshire – Yorkshire’s Food Capital

Beim Food Lovers Festival auf dem Market Place.
Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)

Die Marktstadt Malton in North Yorkshire liegt an der vielbefahrenen A64, die von Leeds zur Küste führt. Ich erinnere mich noch an einen gewaltigen Stau in der Innenstadt auf der B2157, einer Art „Business Loop“, während dem ich Zeit hatte, mir den Ort vom mehr oder weniger stehenden Auto anzusehen.
Der italienische, in London lebende Starkoch Antonio Carluccio (1937-2017) war bei einem Besuch in Malton im Jahr 2011 von dem kulinarischen Angebot der Stadt dermaßen angetan, dass er Malton als „Yorkshire’s food capital“ bezeichnete, worauf man hier natürlich sehr stolz war. Nicht die großen Metropolen Yorkshires wie Leeds, Sheffield oder York, sondern das kleine Malton wurde von Carluccio so ausgezeichnet.

Was hat Malton denn nun in kulinarischer Hinsicht zu bieten? Es gibt einen monatlich stattfindenden „Food Market“ auf dem Marktplatz vor der St Michael’s Church, wo Händler aus der Region ihre Waren anbieten. Hier findet man alles, was das Herz eines Gourmets höher schlagen lässt. Einmal im Jahr findet das dreitägige Malton Food Lovers Festival statt, in diesem Jahr geplant für den 28. bis 30. August, auch  „Yorkshire Foodie Glastonbury“ genannt. Dann gibt es den Marathon du Malton, eine zehn Kilometer lange Strecke auf der die Teilnehmer alle möglichen Köstlichkeiten probieren können wie Hummer, Roastbeef, Bier und Gin aus der Region usw.
Die gastronomische Malton Food Tour (£45) führt durch Geschäfte und Läden der Stadt, auf der man hinter die Kulissen der Erzeuger blicken und natürlich auch alles probieren kann.

Und dann gibt es noch zahlreiche Restaurants in der Stadt wie das The New Malton, das Chapter One Bistro und das Stew & Oyster am Market Place, um nur einige zu nennen. Die Brass Castle Brewery stellt veganes und glutenfreies Bier her, die Rare Bird Distillery produziert Gin (darunter auch einen Rhabarber-Gin). Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem großen kulinarischen Angebot der Stadt.

Einer, der maßgeblich an dem guten Ruf von Malton beteiligt ist, ist Tom Naylor-Leyland, der im Hintergrund die Strippen zieht. Er hat im Jahr 2018 das „Malton in Mayfair“ initialisiert, ein Abendessen im Londoner Luxushotel Claridge’s, bei dem Spezialitäten aus Malton und Umgebung zelebriert und kräftig die Werbetrommel für die Stadt gerührt wurden.

Ganz in der Nähe von Malton liegen die nördlichsten Weingüter Englands, der Malton Vineyard, der erst im vorigen Jahr gegründet wurde, und die Ryedale Vineyards (2006 gegründet). Die Weinanbaugrenze verschiebt sich allmählich immer mehr gen Norden.

Hier ist ein Film über Yorkshire’s Food Capital.

Rare Bird Gin.
Author: alh1
Creative Commons 2.0

Auch in Yorkshire wird Cider produziert und in Malton angeboten.
Author: alh1
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Published in: on 28. März 2021 at 03:00  Comments (1)  
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Babycham – Ein Kultgetränk der 1950er und 1960er Jahre aus Shepton Mallet (Somerset)

Ich kann mich noch dunkel an Werbespots im Radio erinnern (Radio Luxembourg!), in denen für ein Getränk namens Babycham geworben wurde mit dem Spruch „I’d love a Babycham„. Ich hatte damals keine Ahnung was das war, denn Babycham konnte man meines Wissens in Deutschland nicht kaufen.

Die Geburtsstunde für das alkoholhaltige Getränk (6%) aus Birnen schlug in der Stadt Shepton Mallet in Somerset, wo der kreative Bierbrauer Frances Showering sich das ausdachte. Äpfel und Birnen gab es in Somerset in Hülle und Fülle, und so brachte er 1953 dieses Getränk auf den Markt, das sich in erster Linie an die Damenwelt richtete. Babycham war das erste alkoholische Produkt für das im britischen Fernsehen geworben wurde; hier ist ein Werbespot aus den frühen 1960er Jahren.

Frances Showering lag mit seiner Kreation genau richtig, denn Babycham entwickelte sich schnell zu einem Kultgetränk in den 1950er und 1960er Jahren. Zu kaufen gab es den Birnensekt in kleinen Flaschen, meist im Viererpack, getrunken wurde er in Sektschalen oder in Sektflöten. Vintage Babychamgläser kann man noch heute kaufen, sie sind auch oft in englischen Charity Shops zu finden. Die Originalgläser tragen das Bild des Maskottchens, einer kleinen Gämse, die oft in Werbespots auftrat. Ein lebensgroßes Exemplar steht noch heute auf einer kleinen Wiese vor dem Fabrikgelände in Shepton Mallet, Ecke Garston Street/Kilver Street.

Ärger gab es mit der französischen Champagnerindustrie, die es nicht mochte, dass sich Babycham als „champagne perry“ (perry ist das Gegenstück zu cider, aber eben auf Birnenbasis) bezeichnete, und so zog die Champagnerfirma Bollinger vor Gericht, die dort allerdings mit ihrer Klage scheiterte. Das Gericht war der Meinung, dass keine Verwechslungsgefahr vorlag.

In den 1980er und 1990er Jahren nahm die Beliebtheit des Getränks rapide ab; es galt als altmodisch Babycham zu trinken. Doch in der jetzigen Zeit, in der viele Dinge von anno dazumal im Zuge der Nostalgiewelle wieder an Beliebtheit gewinnen, könnte Babycham erneut eine Liebhabergemeinde gewinnen.

 

Das Babycham-Makottchen in Shepton Mallet.
Photo © Neil Owen (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 20. März 2021 at 02:00  Comments (9)  
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Afterburn – Ein Chilikäse aus Wincanton in Somerset, der seinem Namen alle Ehre macht

Windyridge Cheese Tasting.
Author: orangebrompton
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Man ist in England sehr fantasiereich, wenn es um die Namensgebung von Produkten geht. Ich denke da in erster Linie an Biersorten, die manchmal die witzigsten und verrücktesten Namen tragen. Auch im „Käse-Business“ gibt es so etwas wie den berühmt-berüchtigten Stinking Bishop aus Gloucestershire oder den Black Bomber aus Wales. Der Afterburn ist auch so ein Käsename, der schon im Vorfeld den Esser darauf hinweist, wohin die Reise geht.

Die Windyridge Cheese Limited in der Terry Pratchett-Stadt Wincanton in der Grafschaft Somerset stellt diesen sehr scharfen Käse her, die sich darauf spezialisiert hat, Cheddar mit allen möglichen Zutaten zu versehen, um dann neue Geschmackserlebnisse zu kreieren. Dem Afterburn hat man in der Käserei Jalapeño-Paprika, rote Chilischoten, Knoblauch, sowie grüne und rote Paprikaschoten hinzugesetzt, was einen ganz schön scharfen Mix ergibt. Als „fiercely hot“ wird der Käse beschrieben, und „reaching a crescendo of fire when you swallow it“ steht auf den Webseiten des Pangbourne Cheese Shops zu lesen. Am besten soll der Afterburn mit einem Glas Sauvignon Blanc schmecken, wobei ich aber fürchte, dass der scharfe Käse den zarten Geschmack des Weißweins übertönt.

Die Windy Ridge Cheese Limited hat noch weitere Pfeile im Köcher: Sie versetzt den regional produzierten Cheddar unter anderem noch mit Cidre und Äpfeln, mit Salbei, Frühlingszwiebeln und getrockneten Tomaten. In Deutschland habe ich den Afterburn bisher noch nicht gesehen; bei uns werden an englischen Käsesorten überwiegend Stilton, Cheddar und Chester angeboten.

In diesem Film wird der  Afterburn getestet, nicht von einem Affineur, sondern von „normalen“ Käseverbrauchern.

Published in: on 30. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Cornish Pasties Teil 2: The World Pasty Championships

Pasties stehen zur Beurteilung bereit.
Author: gingerbeardman
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Am 3. März 2012 fanden erstmals die World Pasty Championships  statt, gesponsert von der Cornish Pasty Association, die ich gestern in meinem Blog vorstellte. Bei diesen Weltmeisterschaften geht es nicht darum, wer diese kornische Spezialität am weitesten werfen oder innerhalb eines bestimmten Zeitraums am meisten davon essen kann, sondern es geht um die Qualität der Pastyherstellung.

Schauplatz des Wettbewerbs ist das Eden Project bei St Austell in Cornwall, einer der touristischen Anziehungspunkte im Südwesten Englands, ein riesiger botanischer Garten mit Pflanzen aus aller Welt,  dominiert von geodätischen Kuppeln. Die Teilnehmer an den Weltmeisterschaften kommen in diesem Fall wirklich aus aller Welt (es gibt auch andere Weltmeisterschaften in England, bei denen die Teilnehmer meist nur aus der näheren Umgebung des Austragungsortes kommen). Bevor die Coronaepidemie so gut wie alles platt machte, konnten die diesjährigen Meisterschaften gerade noch am 29. Februar ausgetragen werden.

In acht Kategorien werden Preise vergeben: Viermal im Bereich „Cornish Pasty“ und viermal im Bereich „Open Savoury„. Bei letzterer kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen und alles mögliche in die Pasty packen. In den acht Kategorien gibt weitere Unterkategorien: Professionelle, Amateure, Junioren und Firmen.

Weltmeister bei den Firmen sind in diesem Jahr The Phat Company aus Milton Keynes in Buckinghamshire („Cornish Pasty“) und Rowe’s Cornish Bakers („Open Savoury“)aus Falmouth in Cornwall.

Bei den professionellen Cornish Pasty „Köchen“ kommen beide aus Cornwall (so wie es sich auch eigentlich gehört!): David Timmins aus dem Dorf St Columb Road („Cornish Pasty“) und Nick Brown aus Liskeard („Open Savoury“), der in seine Pasty Schweinshaxe, Cheddarkäse und Apfelchutney gepackt hatte.

Die Weltmeister bei den Amateuren kommen nicht aus dem Heimatland der Pastete. Es sind Vanessa Farr aus Bristol („Cornish Pasty“) und Jan Micallef aus Sheffield („Open Savoury), dessen Pasty Ziegenkäse, Birnen, Schalotten und Walnüsse enthielt.

Die Junioren-Weltmeister 2020 sind in der Kategorie „Cornish Pasty“ die achtjährige Daisy Lovejoy aus Plymouth (also fast aus Cornwall) und in der Kategorie „Open Savoury“ die 14jährige Jodie Heath aus Bodmin (ja, aus Cornwall), deren mit süßsaurem Hühnerfleisch gefüllte Pasty die Juroren am meisten überzeugte.

Dieser Film zeigt Bilder von den ersten World Pasty Championships im Jahr 2012.

Die Jury bei der Arbeit.
Author: andrewp303
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Published in: on 7. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Cornish Pasties Teil 1: Die Cornish Pasty Association

Wer schon einmal die Grafschaft Cornwall im Südwesten Englands besucht hat, der hat vielleicht die „Nationalspeise“ dort probiert, die Cornish Pasty. Ich zitiere hier die Wikipedia:
Es handelt sich dabei um eine gefüllte Teigware, deren Füllung typischerweise aus Rindfleisch, Kartoffeln, Steckrüben, Zwiebeln, Salz und Pfeffer besteht. Die Teigtasche ist geformt wie ein „D“, wobei die Kruste, an welcher die Tasche nach dem Befüllen geschlossen wird, an der runden Außenseite verläuft„.

120 Millionen Cornish Pasties werden jedes Jahr hergestellt, die für die Wirtschaft Cornwalls circa £300 Millionen generieren. Etwa 2000 Menschen arbeiten in der Pasty-Produktion, und es gibt wohl keine Bäckerei in der Grafschaft, die diese Teigtaschen nicht verkauft. Diese Angaben stammen von der Cornish Pasty Association (CPA), die gegründet wurde, um die Interessen der Produzenten wahrzunehmen. Teigwaren mit dem Namen Cornish Pasty wurden im ganzen Land hergestellt, hatten aber oft mit „the real thing“ nicht allzuviel zu tun. 2011 erhielt das Produkt den PGI-Status (protected geographical indication) von der Europäischen Union, der Herkunftsbezeichnungen schützt. Die CPA hatte sich dafür stark gemacht.

Es gibt übrigens zwei verschiedene Formen der Pastete, die „cock pasty“ und die „hen pasty„. Der Unterschied? Die „cock pasty“ wurde von einem Linkshänder gekräuselt, die „hen pasty“ von einem Rechtshänder, alles zu erfahren auf den Webseiten der Cornish Pasty Association.

Dieser Film zeigt die Herstellung einer Cornish Pasty.

Ein Postamt , in dem man auch Cornish Pasties bekommt: In Boscastle (Cornwall).
Photo © Humphrey Bolton (cc-by-sa/2.0)

Wie traurig: Alles ausverkauft. In St Ives (Cornwall)…
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

…hier gibt es noch welche: Allerdings in Tempe in Arizona.
Author: lynn.gardner
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Published in: on 6. Januar 2021 at 02:00  Comments (2)  
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The Countess of Evesham – Ein Restaurantschiff in Stratford-upon-Avon (Warwickshire)

Ich mag Dinner Cruises an Bord eines Ausflugsschiffes. Im vorigen Jahr habe ich meinen Geburtstag auf einem solchen Schiff auf der Seine in Paris gefeiert. Zweieinhalb Stunden langsamer Fahrt mit einem mehrgängigen Menu, zwei Flaschen Wein (für zwei Personen), Sonnenuntergang und dann das beleuchtete Paris links und rechts von dem verglasten Schiff: Wunderbar!

In Stratford-upon-Avon in der Grafschaft Warwickshire kann man ebenfalls Lunch beziehungsweise Dinner Cruises unternehmen, obwohl es dabei nicht so viel zu sehen gibt wie in der französischen Hauptstadt. Die Countess of Evesham steht dafür bereit und erwartet ihre Gäste an der Anlegestelle Bancroft Gardens, direkt gegenüber vom Royal Shakespeare Theatre. 44 Personen passen an Bord, zur Zeit werden aber nur jeweils 18 Gäste aufgenommen, wofür die Coronakrise sorgt. Die Cruises dauern je nach Wochentag zwischen 90 Minuten und zweieinhalb Stunden und kosten von £23.50 (Lunch von Montag bis Freitag) bis £39.50 (Samstagabend). Inbegriffen ist die Fahrt und ein Menu; die Getränke sind extra zu bezahlen. Von den Bancroft Gardens geht es den River Avon entlang, wobei Schleusen passiert werden, bis nach Luddington, einem Dorf ohne Pub und Läden, wo ich einmal mit meinem Narrowboat gestrandet bin, weil die dortige Brückendurchfahrt wegen Hochwasser gesperrt war. Hier wendet die Countess of Evesham und bringt ihre mittlerweile nicht mehr ganz so hungrigen, dafür aber angeheiterten Gäste wieder zurück nach Stratford-upon-Avon, wo sie von einer Statue William Shakespeares, zwischen Anlegestelle und Theater, begrüßt werden.

Hier ist ein kurzer Film, der anlässlich der Burns Night aufgenommen wurde.

 

 

Published in: on 31. Dezember 2020 at 02:00  Comments (16)  
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Squidbeak – Yorkshire’s Independent Restaurant Guide

Eines meiner Lieblingsrestaurants in York: The Blue Bicycle.  Seit 2019 heißt es The Blue Barbakan.
Eigenes Foto

Was fällt einem spontan zu Yorkshires Kulinarik ein? Äh…Yorkshire pudding? Käse aus dem Wensleydale? Ersteres genießt in Gourmetkreisen kein allzu hohes Ansehen, der Käse, na ja schon eher. Dabei gibt es in den vier Teilen Yorkshires durchaus einiges Erwähnenswerte, vor allem im Bereich der Restaurants und Pubs. Einige davon, die ich selbst ausprobiert habe, sind in meinem Blog zu finden. Ich nenne einige Beispiele: The General Tarleton in Ferrensby (dem Corona leider kürzlich den Garaus gemacht hat), The Angel in Hetton und The Crab & Lobster in Asenby.

Ein hervorragender Leitfaden für alles Kulinarische in ganz Yorkshire ist die Webseite „www.squidbeak.co.uk„, die Jill Turton (Mitglied der Guild of Food Writers) und Mandy Wragg ins Leben gerufen haben. Beide sind erfahrene Restaurantkritikerinnen, die schon für namhafte Zeitungen und Zeitschriften tätig waren; sie stammen aus dem Norden Englands und kennen sich in der Restaurantszene dort besonders gut aus.

Die Suchmöglichkeiten auf den Webseiten sind sehr gut; allerdings sind manche Rezensionen schon recht alt und entsprechen nicht mehr dem aktuellen Stand.

Zu den Favoriten der beiden kenntnisreichen Kritikerinnen gehören zum Beispiel der Black Swan in Oldstead, The Pipe and Glass in South Dalton und natürlich The Star Inn in Harome, eines der besten Restaurants im Norden Englands.

Wer sich für die kulinarische Seite Yorkshires interessiert, ist mit Squidbeak gut bedient!

 

Published in: on 16. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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