Die Cromer Pier Show – Varieté in einem Theater über dem Meer in North Norfolk

Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)

Etwa 50 Piers gibt es noch an den englischen Küsten und von denen haben nur noch fünf am Kopfende ein Theater; früher waren es wesentlich mehr. Über eines dieser Theater und seine Shows möchte ich heute berichten: Die Cromer Pier Show im Pavilion Theatre im Norden der Grafschaft Norfolk.
The Only Full End Of Pier Show In The World“ steht auf der Webseite zu lesen; die anderen Pier Show Theater sind in Blackpool, Great Yarmouth, Weymouth und Worthing zu finden.

Die Pier in Cromer ist 151 Meter lang und das Theater hat 514 Sitzplätze. Schon seit 42 Jahren wird die Pier Show gezeigt, die in der Sommersaison vierzehn Wochen lang zu sehen ist. Rund 50 000 Besucher amüsieren sich so jedes Jahr am Ende der Cromer Pier. Was gibt es in der zweieinhalb stündigen Show zu sehen? Geboten wird ein bunter Mix aus Comedy, Zauberei, Artistik, Gesang und Tanz, angereichert mit vielen Spezialeffekten, viel Glitzer und Darbietungen in extravaganten Kostümen. In diesem Jahr findet die Show vom 1. Juli bis zum 30. September statt. Dieser Film zeigt einige Ausschnitte aus dem Programm des vorigen Jahres.

Vielleicht sind in diesem Jahr einige deutsche Gäste unter den Besuchern, angeregt durch den Dokumentarfilm „Seaside Special“ des deutschen Regisseurs Jens Meurer, der am 19. Januar seinen Kinostart in Deutschland hatte. Die Varietéshow steht im Mittelpunkt dieses Films, der die Problematik des Themas Brexit in dem Küstenort zeigt und wie die Einwohner und die Showmitwirkenden damit umgehen. Cromer war eine Pro-Brexit-Stadt gewesen; die unterschiedlichen Auffassungen dazu haben manchmal große Risse in den Familien und in der ganzen Gesellschaft erzeugt. Jens Meurer porträtiert in seinem Film Menschen der Stadt, die mit einer Entscheidung konfrontiert werden, die ihr Leben verändert, und nicht nur zum Positiven. Würde es heute noch einmal zu einer Abstimmung „Stay or Leave“ kommen, deren Ergebnis im Jahr 2016 nur knapp war (52% pro Brexit), so könnte es angesichts der wirtschaftlichen und sozialen Folgen, die deutlich geworden sind, die Mehrheit der Bevölkerung sich anders entscheiden.

Hier ist der Trailer zu „Seaside Special“.

Das Buch zum Artikel:
Martin Gore: The Road to Cromer Pier – A story about the lives and loves of the Cromer Summertime Special Show. nielsen 2019. 322 Seiten. ISBN 978-099551574.

Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 24. Januar 2023 at 02:00  Comments (1)  

Das Marine Theatre in Lyme Regis (Dorset)

Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Schon seit 1962 sorgt das Marine Theatre in dem Badeort Lyme Regis in der Grafschaft Dorset für die Bespaßung der Bevölkerung und der Touristen. Es hat eine ideale Lage direkt am Meer, die Vorstellungen finden zum Teil vor und zum Teil im Theater statt. Betrieben wird das Marine Theatre vom LymeArts Community Trust, einer Wohltätigkeitsorganisation, die auch für das Jugendtheater zuständig ist. Die Geschichte des Hauses geht bis auf das frühe 19. Jahrhundert zurück, als hier Meereswasser nach oben gepumpt wurde, damit man darin baden konnte. Das alte Pumpenhaus ist in das Theater integriert worden.

Das Marine Theatre bietet einen ganzen Strauß von Veranstaltungen an: Theater- und Filmaufführungen, Comedy, Musikdarbietungen, Kunstausstellungen, Festivals aller Art und so weiter. Im kommenden Jahr bietet das Theater zum Beispiel Aufführungen des mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Stückes „Glengarry Glen Ross“ des US-amerikanischen Dramatikers David Mamet an, das den deutschen, in diesem Fall viel passenderen Titel, „Hanglage Meerblick“ hat. Das Kino zeigt unter anderem Filme über Elvis Presley und Paul Cézanne. Der örtliche Shantychor The Chantry Buoys wird Seemannslieder singen, in der Bar des Theaters gibt es eine Reihe von Jazzveranstaltungen, Jazz in the Bar, bei denen beispielsweise die Musik von Charlie Parker und von Duke Ellington im Mittelpunkt steht.

Es ist schon erstaunlich, was hier in diesem kleinen Ort kulturell alles geboten wird. Das Theater steht auch für Hochzeiten zur Verfügung, die Lage ist dafür natürlich ideal.

Marine Theatre
Church Street
Lyme Regis
DT7 3QA

Zu dem Ort Lyme Regis siehe auch meine anderen Blogeinträge.

Blick vom Theater auf die Jurassic Coast von Dorset.
Photo © Chris Talbot (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. Dezember 2022 at 02:00  Comments (1)  

„A Ghost Story for Christmas“ – Verfilmte Gespenstergeschichten der BBC zur Weihnachtszeit

Für manche Menschen in Großbritannien gehört die „Ghost Story for Christmas“ der BBC genauso zu Weihnachten wie die Ansprache der Queen, jetzt des Königs, und man versammelt sich am Heiligen Abend, manchmal auch einen Tag davor oder danach, vor dem Fernsehgerät und lässt sich wohlig-gruselige Schauer den Rücken herunterlaufen, wenn wieder einmal eine der verfilmten Gespenstergeschichten von Montague Rhodes James (1862-1936) gezeigt wird. M.R. James, wie er meist abgekürzt genannt wird, war ein Meister seines Fachs und kaum jemand konnte solch fesselnde und gruselige Geschichten schreiben, von der BBC adäquat umgesetzt.

Die erste Ghost Story for Christmas wurde am 24. Dezember 1971 gezeigt, „The Stalls of Barchester“ mit Robert Hardy (der viele Jahre den Siegfried in „All Creatures Great and Small“ spielte). Acht Jahre lang lief die Serie, dreimal wurde keine M.R. James Erzählung verfilmt, eine von diesen war „The Signal Man“ von Charles Dickens (siehe dazu diesen Blogeintrag), die beiden anderen,“Stigma“ und „The Ice House„, wurden extra für die Serie geschrieben. Mit einer Episode im Jahr 1978 wurde die TV-Serie eingestellt, aber 27 Jahre später wieder ins Leben gerufen und, mit kurzen Unterbrechungen, bis heute wieder mit neuen Folgen gezeigt.

Am 24. Dezember 2010 war eine der für mich persönlich besten Gespenstergeschichten an der Reihe: M.R. James‘ „Oh, Whistle, and I’ll Come to You, My Lad“ (hier ist mein Blogeintrag dazu), wunderbar verfilmt vor der Kulisse der Küste East Anglias mit John Hurt in der Hauptrolle.

In diesem Jahr, am 23. Dezember, zeigt die BBC „Count Magnus„, von M.R. James 1904 veröffentlicht, in seiner Sammlung „Ghost Stories of an Antiquary“ enthalten und ins Deutsche übersetzt unter dem Titel „Liber nigrae peregrinationis“. Die Geschichte spielt sowohl in Schweden als auch in England. Die Macht eines ehemaligen hartherzigen Landbesitzers reicht auch nach seinem Tod über sein Grab hinaus. Jason Watkins und die schwedische Schauspielerin MyAnna Buring besetzen die Hauptrollen.

Es gibt eine DVD-Box mit sechs DVDs und dreizehn Stunden Spielzeit, auf der nicht alle, aber doch viele Episoden zu sehen sind.

Published in: on 23. Dezember 2022 at 02:00  Comments (4)  

„Ripping Yarns“ – Eine Comedyserie der BBC aus den 1970er Jahren

Als „Monty Python’s Flying Circus“ nach 45 Episoden 1974 zu Ende ging, überlegten sich die Darsteller, welche neuen Projekte sie jeweils einzeln in Angriff nehmen wollten. Während John Cleese mit „Fawlty Towers“ große Erfolge feierte, erdachten sich Michael Palin und Terry Jones die Comedyserie „Ripping Yarns„, von der sie in den Jahren 1976-1979 neun Episoden produzierten. „Ripping Yarns“ bedeutet etwa soviel wie „Aufregende Geschichten“; im deutschen Fernsehen wurde die BBC-Serie nie gezeigt, vielleicht weil der britische Humor in deutscher Synchronisation nicht so richtig über kommt. „Ripping Yarns“ wurde nicht so populär wie „Fawlty Towers“, hatte aber auch einen gewissen Reiz.

Nehmen wir einmal als Beispiel die zweite Folge „The Testing of Eric Olthwaite„, die in der Moorlandschaft von West Yorkshire spielt (aber in der Grafschaft Durham gedreht wurde). Da verkörpert Michael Palin einen geistig etwas zurückgebliebenen jungen Mann, der bei seinen Eltern wohnt, die ihn nicht ausstehen können und über Nacht das Haus verlassen, seine Schwester Irene inklusive. Auch mit Erics Freundin Enid, bei der er sich ausweinen möchte, klappt es nicht. Deren Vater ist Geierzüchter, auch eine skurrile Gestalt. Eric bewirbt sich bei einer Bank, deren Manager, der auch von Michael Palin gespielt wird, ihn nicht haben will, weil er zu langweilig ist. Die Bank wird überfallen und Eric als Geisel mitgenommen. Gerade will ihn der Räuber erschießen, da entdecken beide ihre gemeinsame Vorlieben für Blutwurst, Schaufeln und Niederschlagsmuster in Yorkshire. Beide entschließen sich, eine Bande zu bilden; aus dem langweiligen Eric Olthwaite ist plötzlich ein Mann geworden, der Aufsehen erregt. Die Episode endet damit, dass er Bürgermeister seines Heimatortes Denley Moor wird.

Wer an dieser Art britischem Humor gefallen findet, wird „Ripping Yarns“ mögen. Die komplette Serie liegt als DVD vor.

Published in: on 28. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Filmschauspieler Cary Grant (1904-1986) und seine Beziehung zu Bristol

Cary Grants Statue im Millennium Square.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Bis vor kurzem hielt ich den Hollywood-Schauspieler Cary Grant immer für einen Amerikaner, ähnelte er in seiner Erscheinung doch vielen anderen amerikanischen Schauspielerkollegen. Aber Archibald Alec Leach, so sein richtiger Name, war Engländer, der am 18. Januar 1904 in Bristol geboren wurde, einer Stadt, zu der er zeitlebens ein enges Verhältnis pflegte. Bristol dankte es ihm, indem alle zwei Jahre das Cary Grant Comes Home Festival veranstaltet wird, zuletzt gerade vom 18. bis zum 20. November. Eröffnet wurde das Festival mit dem Film „The Bishop’s Wife“ aus dem Jahr 1947 in Bristols St Mary Redcliffe Church. Neben der Aufführung von weiteren Spielfilmen mit dem Sohn der Stadt gab es auch eine „Walking Tour of Cary Grant’s Bristol“.

Geboren wurde Archibald beziehungsweise Cary in der Hughenden Road Nummer 15 im Ortsteil Horfield, einem kleinen schmalen Reihenhaus, das heute mit einer blauen Plakette verziert ist. Zur Schule ging er zuerst in die Bishop Road Primary School im Ortsteil Bishopston. Im Alter von elf Jahren wechselte er in die Fairfield Grammar School im Ortsteil Montpelier.
Die Initialzündung für den Start seiner späteren Karriere war ein Job als Laufbursche, den er im Bristol Hippodrome angenommen hatte. In dieser Veranstaltungsstätte in der St Augustine’s Parade im Zentrum der Stadt wurden, und werden noch heute, Theaterstücke aufgeführt. Dort traf Archibald/Cary auf eine Theatertruppe, der er sich anschloss, und als diese 1920 eine Tournee in die USA machte, nahm er daran teil und blieb dort, während die anderen wieder zurück nach Hause fuhren. Cary Grants erster Hollywoodfilm war „This is the Night“ im Jahr 1932; nach „She Done Him Wrong“ ein Jahr später nahm seine Karriere an Fahrt auf.

Cary Grant kam immer wieder gern nach Bristol zurück, auch um seine Mutter zu besuchen, der er ein Haus in Westbury Park gekauft hatte. Gern wohnte er im  Avon Gorge Hotel nahe der Clifton Suspension Bridge. Im Dezember 2001 errichtete man ihm eine Statue im Millennium Square, die von seiner Witwe Barbara Jaynes enthüllt wurde.

Cary Grant starb am 29. November 1986 in Davenport im US-Bundesstaat Iowa im Alter von 82 Jahren. Seine Asche wurde wunschgemäß im Pazifik verstreut, es gab keine Beerdigungsfeier und es gibt kein Grab, ganz so wie es der Schauspieler wollte.

Das Buch zum Artikel:
Mark Glancy: Cary Grant – The Making of a Hollywood Legend. Oxford University Press 2020. 550 Seiten. ISBN  978-0190053130.

Die Bishop Road Primary School.
Photo © Linda Bailey (cc-by-sa/2.0)

Die Fairfield Grammar School.
Photo © Sharon Loxton (cc-by-sa/2.0)

Das Bristol Hippodrome.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. November 2022 at 02:00  Comments (3)  

„The Last Bus“ oder „Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr“ – Ein Spielfilm über eine ungewöhnliche Reise von John O’Groats nach Land’s End

Hier in John O’Groats beginnt Tom Harpers Reise mit der Asche seiner verstorbenen Frau…
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Der deutsche Titel des 2021 veröffentlichten Spielfilms „Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr“ ist gegenüber dem Originaltitel „The Last Bus“ sehr viel sperriger und orientiert sich wohl an dem Hugh Grant-Film aus dem Jahr 1995 „Der Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam“. „The Last Bus“ sagt mit drei Worten mehr aus als die vierzehn Wörter des deutschen Filmtitels.

Tom Harper, ein 90jähriger, gebrechlicher und kranker Mann hat gerade seine Frau Mary verloren. Mit einem kleinen Koffer, in dem sich Wäsche zum Wechseln und eine Blechschachtel mit Marys Asche befindet, macht sich Tom vom äußersten Nordzipfel des britischen Festlands, John O’Groats, dem letzten Wohnsitz des Paares, auf den Weg nach Cornwall, wo sich Tom und Mary kennengelernt haben und wo sie früher lebten, um dort Marys Asche dem Meer zu übergeben. Für diese Reise benutzt der alte Mann nur Linienbusse, die er mit seinem Seniorenticket kostenlos nutzen kann. Er trifft auf nette freundliche Menschen, die ihm helfen, leider aber auch auf einige bösartige Zeitgenossen wie einen Rassisten und eine Busschaffner, der ihn aus einem Bus verweist. Der Film ist versetzt mit Rückblenden, die Tom und Mary als junges Paar zeigen, das ihr Kind schon ganz früh verliert. In Cornwall legt Tom einen kleinen Blumenstrauß an seinem Grab nieder.

Die Hauptrolle des 90jährigen Tom Harper spielt der erst 65jährige Timothy Spall, der schon in Dutzenden von Spielfilmen und TV-Serien zu sehen war (zuletzt in der Rolle des Major Alistar Gregory in „Spencer„). Seine Frau Mary verkörpert Phyllis Logan, vielen noch als Mrs Hughes in „Downton Abbey“ bekannt. Den jungen Tom spielt Ben Ewing, ein bisher noch nicht besonders in Erscheinung getretener Schauspieler, die junge Mary ist Natalie Mitson, ihre erste Rolle in einem Spielfilm.
Regisseur des Films ist der Schotte Gillies MacKinnon (zuletzt „Torvill and Dean“), den Soundtrack schrieb Nick Lloyd Webber, Sohn des berühmten Andrew Lloyd Webber.

Hier ist der Trailer des sehr bewegenden Films zu sehen. Die DVD ist seit dem 18. November in Deutschland auf dem Markt. Streaming möglich über Amazon Prime.

Über eine Reise von Land’s End nach John O’Groats in Linienbussen schreibt Mark Mason in seinem Buch „Move Along, Please: Land’s End to John O’Groats by Local Bus„.

…und hier in Land’s End geht sie zu Ende.
Photo © chestertouristcom (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 20. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Fred the Weatherman und seine ungewöhnliche Art, das Wetter vorherzusagen

Die „Wetterinsel“ im Royal Albert Dock in Liverpool.
Photo © Mike Pennington (cc-by-sa/2.0)

Am 3. Oktober 1988 startete ITV die Morgenshow „This Morning“ im britischen Fernsehen, präsentiert von Richard Madeley und Judy Finnigan, einem Moderatorenehepaar, das in Großbritannien seitdem, auch mit anderen Shows, bis heute aktiv ist. Vergleichbar mit dem ARD- beziehungsweise ZDF-Morgenmagazin wechseln sich in der Sendung tagesaktuelle Nachrichten mit wirtschaftlichen, kulturellen und anderen Themen ab. In „This Morning“ traten regelmäßig die Briefkastentante Denise Robertson, der ärztliche Berater der Sendung Chris Steele, die Fernsehköchin Susan Brookes… und der Wetterfrosch Fred Talbot auf.

In den ersten Jahren wurde „This Morning“ vom Royal Albert Dock in Liverpool ausgestrahlt, und das Wetter prognostizierte Fred the Weatherman vom Wasser aus. Man hatte im Becken des Docks die Umrisse Großbritanniens in Form einer Insel gebaut und dort sprang Fred von England nach Schottland nach Wales und über eine Wasserrinne nach Nordirland (hier im Film zu sehen). Mit seiner exzentrischen Art der Wettervorhersage hatte sich Fred the Weatherman eine Menge Freunde unter den Fernsehzuschauern erworben. Einmal wurde er etwas aus dem Konzept gebracht, als plötzlich ein Streaker auf seiner „Wetterinsel“ auftauchte. Es handelte sich dabei um Mark Roberts, einen „Serienflitzer“, der gern nackt gegen alles mögliche demonstrierte.
Im Jahr 1990 erschien eine Single mit dem Titel „Let’s Call the Weatherman„, gesungen von der Fred Talbot Experience (die es allerdings nicht in die Charts schaffte).

1998 war der Höhepunkt von Freds Karriere als er auf dem Annual International Weather Festival in Paris zum Weatherman of the Year gekürt wurde.

Ende des Jahres 2012 zogen dunkle Wolken am Horizont des Lebens von Fred Talbot auf, denn er wurde beschuldigt, während seiner Zeit als Lehrer in den 1970er und 1980er Jahren in der Altrincham Grammar School (Greater Manchester), sich mehrfach an Kindern vergangen zu haben. 2015 kam es zum Prozess in Manchester; unter den Zeugen war auch Ian Brown, Sänger der Band Stone Roses, damals in Altrincham Schüler Talbots. Der homosexuelle Ex-Wettermann wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Es kam ein weiterer Prozess in Schottland auf ihn zu, wegen der gleichen Delikte, der ihm vier Jahren Gefängnis einbrachte, abzusitzen nach der Hälfte des ersten Aufenthalts, und dann noch ein dritter Prozess, der weitere acht Monate hinzufügte. Ende 2019 wurde Fred Talbot aus dem Gefängnis entlassen.

Published in: on 27. Oktober 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Spencer – Ein Spielfilm über Lady Diana… und seine Drehorte

Schloss Nordkirchen.
Photo: Günter Seggebäing.
Creative Commons 3.0

Am 13. Januar 2022 kam der Film „Spencer“ in die deutschen Kinos, in der die Weihnachtsfeier der britischen Königsfamilie im Jahr 1991 im Sandringham House den Hintergrund bildet für die dargestellten Probleme der Noch-Ehefrau des Prinzen von Wales, Lady Diana Spencer. Sie ist ein Fremdkörper unter den Royals und wäre ohne ihre beiden Kinder bei der Feier wahrscheinlich mental ganz zusammengebrochen. Die Titelrolle wird von der US-Amerikanerin Kristen Stewart gespielt, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Diana hat. Jack Farthing verkörpert Prince Charles und Stella Gonet die Queen.

Der Film ist eine Koproduktion Großbritanniens, der USA, Chiles und Deutschlands (der Regisseur ist der Chilene Pablo Larraín). Ich möchte in meinem heutigen Blogeintrag nicht näher auf den Film eingehen, sondern auf die Drehorte, die erstaunlicherweise überwiegend in Deutschland liegen. Der deutsche Location Manager Constantin Brandenburg ist auf der Suche nach einem Sandringham-Ersatz (in dem Schloss in Norfolk durfte nicht gedreht werden) fündig geworden. Die Außenaufnahmen fanden in dem imposanten Schloss Nordkirchen statt, einem riesigen Barock-Wasserschloss im Münsterland, das für die Dreharbeiten komplett abgeriegelt worden war, damit in aller Ruhe gearbeitet werden und keine neugierigen Reporter Fotos machen konnten. Auch die Parkanlagen sind in dem Spielfilm zu sehen.

Schloss Marquardt in der Nähe von Potsdam, in dem schon sehr viele Filme und Musikvideos gedreht worden sind, diente als Park House, in dem Lady Diana ihre Kindheit verbracht hatte und das auf dem Sandringham Estate liegt. Im Film begibt sich Diana eines Nachts in das düstere, halb verfallene Gebäude, das von der Filmcrew entsprechend hergerichtet worden ist.

Am interessantesten aber für mich persönlich war, dass ein Großteil der Innenaufnahmen im Schlosshotel Kronberg im Taunus gedreht worden sind, ein Hotel, das ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt und in dem ich mich wie in England gefühlt habe. Im Grünen Salon des Hotels wurde zum Beispiel die Dinnerszene gedreht. Die wunderschöne Lobby mit Kamin ist mit einbezogen worden sowie die Bibliothek.

Doch auch in England ist gedreht worden; die Strandszenen mit Diana und ihrer Assistentin Maggie (Sally Hawkins), die sich in sie verliebt hat, am Old Hunstanton Beach in Norfolk. Die Kirche, in der der Weihnachtsgottesdienst der Royals im Film zelebriert wird (im Original St. Mary Magdalene Church in Sandringham), war die St Peter & St Paul’s Church in Shropham, nahe der A11 in Norfolk.

Mir hat „Spencer“ gut gefallen, keine hektisch geschnittenen Filmszenen, was heute eher selten ist, die sehr guten Darsteller und die wunderschönen Interieurs der deutschen Schlösser.

Hier ist der Trailer zum Film, der bei Amazon Prime im Streaming zu sehen ist.

Schloss Marquardt.
Photo: Doris Antony.
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Schlosshotel Kronberg.
Photo: dontworry.
Creative Commons 3.0
Die Bibliothek im Schlosshotel Kronberg.
Eigenes Foto
Old Hunstanton Beach.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)
St Peter and St Paul in Shropham (Norfolk).
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 20. Oktober 2022 at 02:00  Comments (2)  

Are You Being Served? – Eine Comedy-TV-Serie der BBC, die von 1972 bis 1985 gezeigt wurde

Are You Being Served?„, auf Deutsch „Werden Sie schon bedient?“, hieß eine langlebige Comedy-TV-Serie, die die BBC von 1972 bis 1985 ausstrahlte, in zehn Staffeln mit insgesamt siebzig Folgen, und damit in Großbritannien viele Menschen vor ihren Bildschirmen erfreute. David John Croft (1922-2011) hatte sich die Comedy-Serie ausgedacht und die Drehbücher dafür geschrieben (er schrieb auch die Drehbücher für „Dad’s Army“ und „“Allo ‚Allo“). Die Handlung spielt in dem fiktiven Londoner Kaufhaus Grace Brothers und da in der Abteilung für Damen- und Herrenbekleidung. Im Mittelpunkt stehen die Verkäuferinnen und Verkäufer, und natürlich spielen auch die Kunden eine Rolle.

Wir treffen auf den hochnäsigen Abteilungsleiter Captain Stephen Peacock, auf Mrs Betty Slocombe, die die Damenbekleidungsabteilung leitet und ihre Assistentin Miss Shirley Brahms, ein junges attraktives Mädchen mit Cockneyakzent, auf Mr Wilberforce Claybourne Humphries, einen Verkäufer in der Herrenabteilung mit homosexuellen Zügen und den Verkäufer und Schürzenjäger Dick Lucas, um nur einige zu nennen.

Die Handlung ist witzig und mit vielen Doppeldeutigkeiten versehen; ein Running Gag ist zum Beispiel Mrs Slocombes Katze Pussy, mit deren Namen man so manche Wortspielereien verbinden kann. Einige Beispiele sind in diesem Film zusammengefasst.

1977 wurde ein ganzer Spielfilm mit den Darstellern der TV-Serie gedreht, der ebenfalls „Are You Being Served?“ hieß (hier ist der Trailer zu sehen). Die Handlung: Während das Kaufhaus renoviert wird, schickt das Management seine Angestellten in einen bezahlten Urlaub nach Costa Planka in Spanien. Wie das häufig so ist: Eine dreißigminütige TV-Folge kann sehr witzig sein, ein drei Mal so langer Spielfilm meist nicht. Der Film wurde unter dem Titel „Are You Being Served? – Werden Sie schon bedient“ in Deutschland gezeigt, besonders gute Kritiken bekam er nicht.

Als Beispiel für die TV-Serie ist hier die Folge „German Week“ zu sehen, in der sich so richtig schön über die Deutschen lustig gemacht wird.

Published in: on 4. Oktober 2022 at 02:00  Comments (2)  

The Grange Opera in West Horsley (Surrey) und die weltweit erste Fußballoper

Das neue Opernhaus in Surrey.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Vor elf Jahren stellte ich in meinem Blog schon einmal The Grange Opera vor; damals war sie noch in Northington in der Grafschaft Hampshire angesiedelt. Mittlerweile, seit 2017, ist sie nach Surrey umgezogen und zwar auf das Gelände des West Horsley Place, einem Manor House, das 1425 erbaut wurde und das heute sehr gern für Film- und Fernsehproduktionen genutzt wird. Es liegt südwestlich von London zwischen Guildford und Leatherhead (siehe auch meine Blogeinträge über das benachbarte East Horsley).

Gegründet wurde die Grange Opera 1998 von der in London geborenen Musikerin Wasfi Kani, die auch die Londoner Pimlico Opera ins Leben gerufen hat, die dadurch bekannt geworden ist, dass sie häufig in britischen Gefängnissen Aufführungen veranstaltet. Im West Horsley Place wurde extra ein fünfstöckiges neues Opernhaus gebaut, das sich Theatre in the Woods nennt. Wasfi Kani hat sich für den Neubau die Mailänder Scala als Vorbild genommen. 700 Besucher passen in das Gebäude.

Gewisse Parallelen zu Glyndebourne sind hier zu finden. Man zieht sich dem festlichen Anlass entsprechend an, in der Pause kann man im Manor House dinieren und in den Gärten von West Horsley Place spazieren gehen. Dieser Film zeigt den Start in die Saison 2022.

In diesem Oktober findet in der Grange Opera eine Weltpremiere statt, die erste Fußballoper, die jemals komponiert worden ist: „Gods of the Game„. Die Musik stammt von dem in Wales geborenen Komponisten Julian Philips und einem Team, das Libretto von Phil Porter, Jahrgang 1973, der schon über ein Dutzend Theaterstücke geschrieben hat. In der Oper geht es um Korruption im englischen Fußball. Ebenfalls eine Weltneuheit ist, dass ein Teil des Chores aus Fußballfans von englischen Spitzenclubs besteht. In den Hauptrollen werden zu sehen sein, der brasilianische Bariton Michel de Souza, die Sopranistin Milly Forrest und der Tenor David Webb, alles Künstler, die schon auf namhaften Bühnen aufgetreten sind. Dirigent ist George Jackson, der gerade ein Engagement als musikalischer Leiter der Amarillo Symphony in Texas begonnen hat. Die Premiere der Oper in zwei Akten findet am 6. Oktober statt, es folgen sechs weitere Aufführungen bis zum 16. Oktober.

Hier ist schon einmal ein Blick in die Proben zu der Fußballoper.

Opera House
The Theatre in the Woods
West Horsley Place
KT24 6AN

West Horsley Place.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 13. September 2022 at 02:00  Comments (1)  

Die beiden Komiker Stan Laurel und Oliver Hardy und The Bull Inn in Bottesford (Leicestershire)

Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Mit dem Filmkomiker Stan Laurel (1890-1965) und seinem Kompagnon Oliver Hardy (1892-1957) habe ich mich in meinem Blog schon zweimal beschäftigt, einmal mit Laurels Statue in North Shields (Tyne and Wear) und einmal mit Stans Geburtsort Ulverston in Cumbria.

In meinem heutigen Blogeintrag laufen uns „Dick und Doof„, wie sie in Deutschland genannt werden, noch einmal über den Weg und zwar in dem Ort Bottesford in Leicestershire, genauer gesagt im The Bull Inn. Nachdem sie im April 1952 im Empire Theatre in Nottingham bei einer Comedyshowshow aufgetreten waren, machten sie einen Abstecher in den Pub, den damals Stans Schwester Olga Healey zusammen mit ihrem Mann Bill betrieb. Zu Weihnachten kamen die beiden wieder und halfen Olga hinter der Theke beim Bierzapfen, was natürlich bei den Dorfbewohnern für Aufregung sorgte. Eine bessere Werbung hätte The Bull Inn kaum haben können.

Noch heute zehrt der Pub von den Besuchen der beiden Comedians, denn an den Wänden sind Fotos aufgehängt und man findet weitere Memorabilia in den Räumen. Eine Tafel außen am Pub weist auf die illustren Gäste hin.

The Bull Inn verspürte nach der Veröffentlichung des Kinofilms „Stan & Ollie“ (in Deutschland lief der Film unter demselben Titel) im Jahr 2018 Zuwachs bei den Gästen. Der Film spielt in den frühen 1950er Jahren, und da wollten so manche Kinobesucher den Pub einmal in Augenschein nehmen. Gedreht worden ist im Pub nicht, auch nicht in Bottesford.

Da wir gerade in Bottesford sind: Hier lohnt sich ein Besuch der Dorfkirche St Mary’s, wo die Dukes of Rutland vom Belvoir Castle ihre Familiengruft haben. Mehr dazu siehe in meinem Blogeintrag „Die Hexen vom Belvoir Castle„.

The Bull In
5 Market Street
Bottesford
NG13 0BW

Memorabilia im Pub.
Photo: It’s No Game.
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…und weitere Erinnerungsstücke.
Photo: It’s No Game.
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Tafel außen am Pub.
Photo: It’s No Game.
Creative Commons 2.0

Great Chalfield Manor in Wiltshire – Ein Herrenhaus, das für mehrere Filme und TV-Serien als Drehort diente

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Das Great Chalfield Manor in der Nähe der Stadt Bradford-on-Avon in der Grafschaft Wiltshire (hier im Film zu sehen) hat ein Schicksal, das es mit vielen seiner Artgenossen in England teilt. Jahrhundertelang diente es als Familiensitz mehr oder weniger wohlhabender Familien bis es schließlich in die Hände des National Trusts übergeben wurde, der sich liebevoll darum kümmert und es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.

Das Manor House entstand Ende des 15. Jahrhunderts und wurde im Auftrag eines Rechtsanwalts und Landbesitzers namens Thomas Tropenell erbaut. Es erlebte im Laufe der Zeit einige Erweiterungen und Umbauten bis es 1943 der National Trust übernahm.

Ein so attraktives und romantisches Manor House entgeht natürlich keinem Location Scout einer Filmproduktionsgesellschaft, der beauftragt wird, für einen historischen Film die passende Kulisse zu finden.

Das war zum Beispiel so, als „Poldark“ (dt. „Poldark“, von Sony Entertainment TV gezeigt) von 2015 bis 2019 erneut als TV-Serie verfilmt wurde. Der größte Teil der Serie wurde natürlich in Cornwall gedreht, aber nicht nur, so benötigte man für das Haus Killewarren, in dem der reiche Ray Penwenen, gespielt von John Nettles, wohnt, ein geeignetes Manor House. Hier wurde Location Manager David Johnson mit dem Great Chalfield Manor fündig, das in den Staffeln zwei bis fünf zu sehen ist, sowohl bei Außen- als auch bei Innenaufnahmen.

Gedreht wurde hier in Wiltshire auch im Jahr 2008 für den Spielfim „The Other Boleyn Girl“ (dt. „Die Schwester der Königin“) mit Scarlett Johansson und Natalie Portman in den Hauptrollen. In den ersten 25 Minuten des Films ist einiges von dem Manor House zu sehen, das als Familiensitz der Boleyns dient. Heinrich VIII. und seine Entourage statten dem Haus einen Besuch ab, das in einem großen Fest mündet.

Auch der BBC-Sechsteiler „Wolf Hall“ (dt. „Wölfe“, von ARTE gezeigt) aus dem Jahr 2015, der zur selben Zeit wie „The Other Boleyn Girl“ spielt, mit Mark Rylance als Thomas Cromwell, Damian Lewis als Heinrich VIII. und Clare Foy als Anne Boleyn, wurde im Great Chalfield Manor gedreht; die Dreharbeiten zogen sich über zwölf Tage hin. Unter anderem ist die Great Hall zu sehen, in der die Abendessen im Film eingenommen werden.

Die BBC-Verfilmung von Elizabeth Gaskells Roman „Wives and Daughters“ aus dem Jahr 1999 als TV-Serie fand im Manor House statt, das in diesem Fall als Familiensitz der Hamleys dient. In dieser TV-Serie sind noch so manche andere Herrenhäuser zu sehen wie zum Beispiel Dyrham Park, das ebenfalls dem National Trust gehört, Wentworth Woodhouse in South Yorkshire und Levens Hall in Cumbria.

Das Manor House liegt etwa auf halbem Weg zwischen Bradford-on-Avon und Melksham und ist von Anfang April bis Ende Oktober geöffnet (wenn nicht gerade wieder ein Film gedreht wird).

Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Die „Up Series“ – Ein Langzeit-TV-Projekt des Senders ITV

7 Up ist ein Erfrischungsgetränk amerikanischer Provenienz. Seven Up hieß auch die erste Folge einer Dokumentation des britischen Fernsehens, die am 5. Mai 1964 erstmals gesendet wurde. Darin wurden damals vierzehn siebenjährige Jungen und Mädchen aus allen Gesellschaftsschichten vorgestellt, interviewt, nach ihren Berufswünschen gefragt. Da war beispielsweise Tony aus dem Londoner East End, der unbedingt Jockey werden wollte, oder Nick, der eine Zwergschule in den Yorkshire Dales besuchte, oder die drei Mädchen Jackie, Sue und Lynn, die dieselbe Grundschule in London besuchten.

Das war der Start eines Langzeitprojektes des englischen Regisseurs und Produzenten Michael Apted (der im vergangenen Jahr im Alter von 79 Jahren verstorben ist), das sich bis heute hinzieht und das zeigen soll, was aus den Kindern und ihren Wünschen und Vorstellungen geworden ist. Aus Seven Up wurde 1970 Seven plus Seven, 1977 21 Up, 1984 28 Up und so weiter. In Abständen von sieben Jahren wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer immer wieder gefragt, wie sich ihr Leben entwickelt hat und wie zufrieden sie mit den vergangenen sieben Jahren waren. Die bisher letzte Folge, 63 Up, zeigte der Sender ITV im Juni 2019, an der noch elf der einstmals vierzehn teilnahmen; Lynn war inzwischen verstorben, Charles war nach 21 Up ausgestiegen und auch Suzy war in der letzten Folge bei 63 Up nicht mehr dabei.

Ich finde dieses Projekt sehr interessant, zum Beispiel zu sehen wie aus dem kleinen Nick aus der Zwergschule ein angesehener Nuklearphysiker in den USA geworden ist oder wie sich die Jockey-Träume des Tony zerschlagen haben, er stattdessen Taxifahrer wurde, sein Glück in Spanien versuchte und dann doch wieder nach England zurückkam.

Hier ist eine kurze Zusammenfassung der TV-Serie und hier ein Teil der Folge 63 Up.

Published in: on 15. Juni 2022 at 02:00  Comments (1)  

„Whistle and I’ll Come to You“ – Eine Gespenstergeschichte von M.R. James (1862-1936) und ihre Verfilmungen

Die Küste von Suffolk, wo die Gespenstergeschichte von M.R. James angesiedelt ist.
Photo © Glen Denny (cc-by-sa/2.0)

Montague Rhodes James wurde 1862 in Goodnestone in der Nähe von Dover geboren und starb 1936 in Eton. Bekannt ist er bis heute als Verfasser von klassischen Gespenstergeschichten. Dabei wird das Böse eher angedeutet und der Vorstellung des Lesers überlassen, wogegen die Charaktere und der Schauplatz detailliert beschrieben werden. Seine Geschichten wurden oft am Weihnachtsabend vorgelesen.

Whistle and I’ll Come to You“ ist eine von diesen Geschichten, die mich immer am meisten beeindruckt haben. Sie spielt in der trüben Jahreszeit an der englischen Ostküste. Erschienen ist sie in dem Sammelband „Ghost Stories of an Antiquary“ im Jahr 1904.

In deutscher Übersetzung liegen die Geistergeschichten des M.R. James in zwei Bänden im Festa-Verlag vor, wobei unsere Story unter dem Titel Pfeif nur, dann eil ich zu dir, mein Freund!“ in Band 1 enthalten ist.

1968 verfilmte die BBC die Geschichte in der Reihe Ghost Story For Christmas mit Sir Michael Hordern (1911-1995) in der Hauptrolle, hier zu sehen, eine wunderbare Umsetzung der Story. 42 Jahre später versuchte sich die BBC erneut an dem Thema; dieses Mal war es John Hurt (1940-2017), der die Rolle des Professor Parkins spielte. Hier ist der Film in voller Länge.

Seine letzte Ruhestätte fand der Schriftsteller auf dem Eton Parish Cemetery in Berkshire.

Published in: on 8. Juni 2022 at 02:00  Comments (13)  

„The weekend starts here!“ – Die legendäre TV-Musikshow „Ready, Steady, Go“ in den 1960er Jahren

Das ehemalige Television House am Londoner Kingsway.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Die britischen Teenager liebten sie, die wöchentliche TV-Musiksendung „Ready, Steady, Go„, die immer freitags mit den Worten „The weekend starts here!“ eingeläutet wurde. Am 9. August 1963 startete die erste Folge, am 23. Dezember 1966 wurde die Sendung wieder zu Grabe getragen.
Im Television House am Kingsway (später in den größereren Wembley Studios), also mitten in London, versammelten sich einmal die Woche die beliebtesten Sänger, Sängerinnen und Musikgruppen aus Großbritannien und den USA, um dort ihre aktuellen Hits vorzutragen. Präsentiert wurde die Show anfangs von Keith Fordyce, der auch für die BBC und Radio Luxemburg arbeitete, dann kam etwas später die junge Cathy McGowan dazu, die oft im Minirock auftrat und die Sendung beim männlichen Publikum noch reizvoller machte. Die Studiogäste tanzten zu der Musik auf engstem Raum und hatten zu ihren angehimmelten Stars Tuchfühlung.

Sie kamen alle zu „Ready, Steady, Go“, die Beatles, die Rolling Stones, die Animals aus Großbritannien, die Beach Boys, die Supremes, die Walker Brothers aus den USA, um nur einige wenige zu nennen. Jimi Hendrix erschien mit „Hey Joe“ erstmals im britischen Fernsehen. Unvergesslich ist auch der Auftritt von Cathy McGowan und den Rolling Stones, die Sonny and Chers Hit „I got you babe“ neu interpretierten (hier zu sehen).

Hier sind einige Ausschnitte aus Shows des Jahres 1964 zu sehen.

Die Londoner Punkrock-Band Generation X zollte 1978 der Musikshow und der Moderation Cathy McGowan Tribut mit ihrem Song „Ready, Steady, Go“ (…“I’m in love with Cathy McGowan“).

Vor zwei Jahren erschien im Verlag BMG Books ein großartiges Buch, das die legendäre Musikshow dokumentiert: „Ready, Steady, Go!: The Weekend Starts Here – The Definitive Story of the Show That Changed Pop TV“ von Andy Neill.

Cathy McGowans Gegenpart in Deutschland war Uschi Nerke von Radio Bremen, die von 1965 bis 1972 den Beatclub moderierte, eine Musikshow, die ähnlich aufgezogen war.

Vinnie Jones – „The most brutal football player ever“

Der FC Wealdstone war der erste Fußballverein in der Karriere des 1965 in Watford geborenen Vincent Peter Jones, besser bekannt als Vinnie Jones. Das ist ein kleinerer Londoner Verein im Stadtteil Ruislip im Westen der Stadt, der momentan in der fünften Liga, der National League, spielt. Dort stand auch von 1978 bis 1983 Stuart Pearce unter Vertrag, der auf Grund seines raubeinigen Spielverhaltens „Psycho“ genannt wurde.

Vinnie Jones stand ihm da in nichts nach, denn im Laufe seiner Karriere sammelte er 104 gelbe Karten und wurde zwölfmal vom Platz gestellt. Sein einsamer Ligarekord liegt bei drei Sekunden nach Anpfiff, dass er mit einer gelben Karte verwarnt wurde. Auch in seinen späteren Vereinen Wimbledon F.C., Leeds United, Sheffield United und dem Chelsea Football Club ging er mit seinen Gegenspielern nicht gerade sorgsam um; er säbelte ihnen die Beine weg und nahm deren Verletzungen in Kauf. Der auch nicht gerade zart besaitete Paul Gascoigne musste einen schmerzhaften Griff in sein Gemächt ertragen, als er einmal direkt hinter Vinnie Jones stand.

1998 beendete er seine fußballerische Laufbahn bei den Queens Park Rangers und wandte sich einem ganz anderen Metier zu, der Schauspielerei. Durch sein Image als harter Kerl setzte man ihn gern in Filmen als brutalen Verbrecher ein. In seinem ersten Spielfilm, Guy Ritchies „Lock, Stock and Two Smoking Barrels“ (deutsch: „Bube, Dame, König, grAS“), verkörperte Vinnie Jones die Rolle des Schuldeneintreibers Big Chris. Es folgten bis heute Dutzende weiterer Auftritte in Spielfilmen und Fernsehserien. Er versuchte sich auch einmal als Sänger und nahm 1993 Sam the Shams Hit „Wooly Bully“ auf.

Published in: on 22. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein DVD-Tipp – „McDonald&Dodds“ Staffel 2

Copyright: EDELMOTION.

Am 23. Oktober vorigen Jahres stellte ich die erste Staffel der britischen TV-Krimiserie „McDonald&Dodds“ vor, die im deutschen Fernsehen vom ZDF gezeigt wurde. Im März und April diesen Jahres folgte jetzt die Staffel 2, die aus drei Episoden besteht; schon am 14. April brachte EDEL MOTION diese drei Folgen in deutscher Synchronisation auf DVD heraus.

Inzwischen hat sich DCI Lauren MacDonald, die aus London kam, an das andere Arbeitsumfeld in der Stadt Bath in der Grafschaft Somerset gewöhnt, und klärt weitere Mordfälle zusammen mit ihrem etwas trottelig scheinenden Detective Sergeant Dodds auf, das heißt, letztendlich ist es immer Dodds, der die Fälle entscheidend löst.

Die TV-Serie lebt durch das Spannungsfeld zwischen der farbigen, extrovertierten Kriminalistin und ihrem deutlich älteren, introvertierten Kollegen, auch das Lokalkolorit der Stadt Bath trägt seinen Teil bei. Ein gewisses Problem habe ich mit den Drehbüchern, die Handlung scheint mir oft zu konstruiert und nicht immer nachvollziehbar.
In Folge 1 „Der Mann, der nicht da war“ („The Man Who Wasn’t There“) geht es um einen Ballonflug über Bath und Umgebung und die Frage, ob einer der Teilnehmer aus dem Ballon gefallen ist oder gestoßen wurde. In Folge 2 „Das Licht am Ende des Tunnels“ („We Need To Talk About Doreen“) steht die Ermordung des französischen Profi-Rugby-Spielers Dominique Aubert im Mittelpunkt der Handlung und in Folge 3 „Gesichter des Todes“ („The War of the Rose“) stirbt die junge Influencerin Rose in einer Schönheitsklinik während einer Nasenoperation.

Da sich „McDonald&Dodds“ in Großbritannien sehr großer Beliebtheit erfreut, beginnen im Sommer in Bath die Dreharbeiten für die 3. Staffel.

Hier ist der Trailer zu Staffel 2.

Ein Ballon über dem Royal Crescent von Bath wie in Folge 1 „Der Mann, der nicht da war“.
Foto: faceymcface1.
Creative Commons 2.0
Schauplatz von Episode 2 „Das Licht am Ende des Tunnels“, der Box Tunnel bei Bath, in dem die Leiche des französischen Rugbyspielers gefunden wird.
Photo © Derek Hawkins (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 19. Mai 2022 at 02:00  Comments (1)  

„Parsley, sage, rosemary and thyme“ – Scarborough in North Yorkshire und seine weltbekannte Hymne

Photo © habiloid (cc-by-sa/2.0)

Scarborough ist ein schön gelegener Badeort an der Ostküste von Yorkshire. Besonders schön ist der Blick auf den Ort und das Meer von den Burgruinen, die hoch über der Stadt liegen.
Weltbekannt wurde der Name Scarborough durch das Lied „Scarborough Fair„, dessen Urheber unbekannt sind und das es in unzähligen Versionen gibt. Am bekanntesten ist die Version von Simon & Garfunkel aus dem Spielfilm „The Graduate“ (1967, deutscher Titel „Die Reifeprüfung“) mit Dustin Hoffman und Anne Bancroft. Hier der Trailer und die Musik mit S&G.

Eine Scarborough Fair, also eine Handelsmesse, gab es tatsächlich in dem Küstenort. Im Mittelalter wurde hier jährlich am 15. August eine 45 Tage dauernde Messe abgehalten, zu der Kaufleute aus ganz England und den skandinavischen Ländern kamen, um Waren zu kaufen und zu verkaufen. 1788 wurde die Fair zum letzten Mal veranstaltet, weil es so viele konkurrierende Messen im ganzen Land gab, dass sie nicht mehr rentabel war.

Was hat es mit dem Lied nun auf sich? Die Wikipedia erklärt es sehr schön:

„Das Lied handelt von einem jungen Mann, der von seiner Freundin verlassen wurde und nun den Hörer auffordert, sie dazu zu bringen, eine ganze Reihe von unmöglichen Dingen zu tun. Zum Beispiel soll sie ihm ein Hemd aus Batist anfertigen, ohne Saum und Näherei, und es dann in einem trockenen Brunnen waschen. Danach wird er sie wieder als seine feste Freundin annehmen“.

Der Refrain „Parsley, sage, rosemary and thyme“ ist symbolisch zu interpretieren. Wort für Wort übersetzt heißt dieser Satz „Petersilie, Salbei, Rosmarin und Thymian“ – also eine Liste von Pflanzen, die für den Hörer zunächst keinen Sinn ergiebt. Jedoch hat diese Zeile einen symbolischen Wert. Petersilie wurde früher als Verdauungsmittel gegessen und sollte gleichzeitig die Bitterkeit in der Nahrung entfernen. Mittelalterliche Ärzte benutzten diese Pflanze auch zu einem spirituellen Zweck. Salbei galt schon lange als ein Symbol für Kraft. Rosmarin stellt Treue, Liebe und Erinnerung dar. Heute gibt es in England bei vielen Frauen immer noch den Brauch, Rosmarinzweige in den Haaren zu tragen. Thymian symbolisiert in erster Linie Mut. Zur Zeit, als das Lied geschrieben wurde, trugen Ritter oft Schilde mit einer aufgemalten Thymianpflanze, wenn sie in den Kampf gingen.“

Von den zahlreichen Versionen von „Scarborough Fair“ hier die von Hayley Westenra.

Published in: on 14. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

„Downton Abbey“ und die Cogges Manor Farm bei Witney in Oxfordshire

Photo © Rabbi WP Thinrod (cc-by-sa/2.0)

Sicher werden sich alle „Downton Abbey„-Fans noch an die Yew Tree Farm erinnern, die in den Staffeln 4 bis 6 eine Rolle spielte. Dort wohnte die Familie Drew, zu der Lady Edith ihr unehelich geborenes Kind Marigold brachte und es dort immer wieder besuchte. Später lebte Albert Mason auf der Farm, der Schwiegervater des Küchenmädchens Daisy.

Die Yew Tree Farm gibt es wirklich, nur heißt sie in Wirklichkeit Cogges Manor Farm und liegt in der Nähe der Stadt Witney in Oxfordshire, rund eine halbe Stunde Autofahrt von Oxford entfernt. Zum Highclere Castle, dem Hauptschauplatz der Serie, sind es etwa 50 Minuten. Im Film liegt die Farm auf dem Gelände des Familiensitzes des Grafen und der Gräfin von Grantham.

Natürlich profitierten die Besitzer der Cogges Farm von dem Welterfolge der Fernsehserie, und so findet man hier Fotos von den Dreharbeiten und Erinnerungsstücke wie Marigolds Geburtsurkunde. Dieser Film zeigt wie ein Raum der Farm für die Dreharbeiten umgestaltet wurde.

Die Cogges Manor Farm wird heute nicht mehr als solche benutzt, sondern ist ein „heritage centre„, ein lebendes Museum, das das Landleben in Oxfordshire während der viktorianischen Zeit widerspiegelt. Außerdem kann man auf der Farm heiraten, es werden Kurse sowohl für Schulkinder als auch für Erwachsene angeboten, und zu guter Letzt steht die Cogges Kitchen für die Erfrischung zwischendurch zur Verfügung. Es gibt auf dem Farmgelände auch noch ein Freilufttheater, in dem in diesem Sommer „Peter Pan“, „A Midsummer Night’s Dream“ und „The Pirates of Penzance“ aufgeführt werden.

Auf der Cogges Manor Farm wurde nicht nur für „Downton Abbey“ gedreht, auch für die Filme „Colette“ und „Arthur&George“ stand sie zur Verfügung.

Cogges Manor Farm
Church Lane
Witney OX28 3LA

Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 12. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Heydon in Norfolk – Ein Dorf und viele Filmdreharbeiten

St Peter and St Paul.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Location Manager, die für Filmproduktionsfirmen arbeiten, lieben das kleine Dorf Heydon in Norfolk, da es all das bietet, was für Dreharbeiten wichtig ist: Abgeschiedenheit und keine Durchgangsstraßen, so dass die möglichen Störfaktoren überschaubar sind.

Heydon ist eines der Dörfer in England, die sich in Privatbesitz befinden; zwei davon habe ich in meinem Blog schon vorgestellt wie Hambleden in Buckinghamshire und Linkenholt in Hampshire. Es gehört der Familie  Bulwer Long, deren bekanntestes Familienmitglied der Schriftsteller Edward Bulwer Lytton („The last Days of Pompeii“, 1834) war.

Heydon bietet auf engstem Raum ein großes Village Green, neben dem eine sehr schöne Kirche, St Peter and St Paul, umgeben von alten Grabsteinen, steht, einen Dorfpub, den Earle Arms Inn, hübsche Häuser und dann das Manor House, Heydon Hall. Perfekt!

Welche Filme sind nun hier in Norfolk gedreht worden? Die International Movie Database listet neun auf. Da ist zum Beispiel „A Cock and Bull Story“ aus dem Jahr 2005, in dem der Regisseur Michael Winterbottom den Roman „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“ von Lawrence Sterne verfilmt, beziehungsweise sich weitgehend an dem Inhalt des Buches orientiert.

Für die BBC wurde 1996 in Heydon der Wilkie Collins-Roman „The Moonstone“ verfilmt, wobei man auch Heydon Hall mit einbezog. Eine weitere Romanverfilmung war „Riders“ (dt. „Vom Hass getrieben“) aus dem Jahr 1993, da stand Jilly Coopers gleichnamiges Buch Pate. Bereits 1971 hatten die Location Manager Heydon für den Film „The Go Between“ (dt. „Der Mittler“) entdeckt, dessen Drehbuch Harold Pinter geschrieben hatte und in dem Julie Christie und Alana Bates die Hauptrollen spielten.

Das war jetzt nur eine kleine Auswahl an „Heydon-Filmen“, bestimmt werden auch in Zukunft Dreharbeiten hier stattfinden. Hier ist ein Rundgang durch das Dorf im Film.

Das Village Green.
Photo © Jurek and Trish Sienkiewicz (cc-by-sa/2.0)
Earle Arms Inn.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)
Heydon Hall.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 7. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Richard Vobes – The Bald Explorer

Ich liebe die Videofilme von Richard Vobes, der sich auch The Bald Explorer nennt, und habe einige von ihnen schon in meinem Blog verwendet. Er macht sich darin auf Entdeckungsreise durch Englands Regionen und zeigt die Schönheiten der Landschaften und Städte, Traditionen und Legenden.

Richard Vobes, der Mann mit der Glatze, wurde 1963 in der Kleinstadt Liss in der Grafschaft Hampshire geboren, über die er einen Film gedreht hat (hier zu sehen), zog dann als Kind mit seinen Eltern nach Horsham in West Sussex, auch über diesen Ort hat er mehrere Filme angefertigt, zum Beispiel diesen über den „haunted graveyard“.
Richard Vobes führte ein sehr abwechslungsreiches Leben, er hatte eine Vorliebe für alles, was mit Zirkusakrobatik zusammenhängt, so arbeitete er als Feuerschlucker und Seiltänzer, ging über Glasscherben und legte sich auf ein Nagelbrett. Er arbeitete für das Kinderfernsehen und seine nonsense live chat show The Vobes Show ist im Internet sehr populär.

In diesem Video erzählt Richard Vobes aus seinem Leben. Ich kann sehr empfehlen, sich auf den Webseiten des Bald Explorers etwas umzusehen, dort sind viele seiner Youtube-Videoclips versammelt, und man bleibt schnell bei dem einen oder anderen hängen.

Published in: on 21. April 2022 at 02:01  Comments (2)  

The Sky at Night – Eine seit Jahrzehnten populäre TV-Sendung der BBC über das Thema Astronomie

Photo: marshallross.
Creative Commons 2.0

Seit dem 24. April 1957, also seit jetzt fast 65 Jahren, läuft im britischen Fernsehsender BBC ununterbrochen eine Sendereihe, die mittlerweile Einzug ins Guinness Buch der Rekorde gefunden hat: The Sky at Night. Initiator und Moderator war der Astronom Patrick Moore (1923-2012), der diese monatlich ausgestrahlte populärwissenschaftliche Sendung 55 Jahre lang am Leben hielt. So etwas hatte es weltweit noch nicht gegeben. Nur ein einziges Mal fiel Patrick Moore krankheitsbedingt aus. Hier ist eine kurze Dokumentation zu sehen.

The Sky at Night beschäftigt sich mit allem, was mit Astronomie und Raumfahrt zu tun hat und spricht damit ein großes Publikum an. Die Zuschauer erfahren in jeder Sendung auch, was sich zur Zeit am Himmel tut, ob es zum Beispiel Sternschnuppenschwärme zu sehen gibt. Hier ist einer dieser „Starguides“ zu sehen.

Nach dem Tod Patrick Moores im Jahr 2012 folgten weitere Moderatoren, momentan sind es Chris Lintott, Maggie Aderin-Pocock und Peter Lawrence. Hier ist als Beispiel die erste Folge diesen Jahres zu sehen, mit dem Schwerpunktthema Lichtverschmutzung.

Die Titelmusik von The Sky at Night ist immer dieselbe geblieben. Es handelt sich um „Am Burgtor“ des finnischen Komponisten Jean Sibelius (1865-1957) aus seiner Theatermusik für das Schauspiel „Pelléas und Mélisande“ von Maurice Maeterlinck. Hier ist das Musikstück zu hören.

Published in: on 19. April 2022 at 02:00  Comments (3)  

Austin Churton Fairman alias Mike Raven (1924-1997) – Disc Jockey, Horrorfilm-Schauspieler, Schafzüchter und und und

Erstaunlicherweise gibt es noch keine Biografie in Buchform von Austin Churton Fairman, der in den 1960er und 1970er Jahren eher unter seinem Künstlernamen Mike Raven bekannt war, obwohl man über sein Leben mehrere Bände schreiben könnte. Er wurde 1924 in London geboren, seine Eltern waren Schauspieler, die ihm die entsprechenden Gene vererbt hatten. Er besuchte kurzzeitig Oxfords Magdalen College und schloss sich dann im Zweiten Weltkrieg der britischen Armee an. Nach dem Krieg ging er nicht mehr nach Oxford zurück, sondern wurde Mitglied eines Ballettensembles. Er heiratete eine Spanierin und zog mit ihr in ihre Heimat. Doch bald war Fairman/Raven wieder in London zu finden, wo er eine Karriere beim Fernsehsender ITV startete. In den 1960er Jahren arbeitete er als Disc Jockey bei mehreren Sendern, wobei er eine Vorliebe für die damals sehr beliebten Piratensender entwickelte wie Radio Atlanta und Radio Invicta, die vor der Küste Englands lagen. Zurück auf dem Festland war er für Radio Luxemburg und BBC1 tätig. Hier ist eine seiner Radioshows zu hören.

In den 1970er Jahren wandte sich Fairman wieder dem Filmgeschäft zu und spielte in einer Reihe von Horrofilmen mit wie „Lust for a Vampire“ (dt. „Nur Vampire küssen blutig „), „I, Monster“ (dt. „Ich, ein Monster“) neben Peter Cushing und Christopher Lee und „Crucible of Terror“ (dt. „Der Leichengießer“).

Nachdem er seine Schauspielkarriere beendet hatte, zog Fairman mit seiner Familie nach Cornwall und ließ sich in der Nähe von Blisland auf dem Bodmin Moor nieder, wo er sich als Bildhauer und Schafzüchter betätigte.

Am 4. April 1997 ging sein außerordentlich abwechslungsreiches Leben zu Ende. Seine letzte Ruhestätte hatte er sich bereits ausgesucht, eine abseits gelegene Stelle auf seiner Farm im Bodmin Moor.

Robert Fabian (1901-1978) – Einer der fähigsten Detektive von Scotland Yard und eine TV-Fernsehserie

Das ehemalige Hauptquartier der Metropolitan Police (1890-1967), in dem Robert Fabian seiner Arbeit nachging.
Photo © Anthony O’Neil (cc-by-sa/2.0)

Er hatte in England einen legendären Ruf: Robert Fabian von Scotland Yard, der zahllose schwierige Fälle in seiner Laufbahn löste. Geboren wurde er 1901 im Südosten Londons, im Stadtteil Lewisham, 1921 trat er in die Londoner Polizei ein. Während er für Scotland Yard arbeitete, hatte er sich auf Mordfälle spezialisiert. Manchmal wurde er auch von Polizeibehörden in der Provinz zu Hilfe gerufen, wenn diese bei den Ermittlungen nicht weiterkamen. An einem sehr mysteriösen Mordfall biss auch er sich die Zähne aus, an dem sogenannten Witchcraft Murder in Lower Quinton in Warwickshire, den ich in meinem Blog vor einigen Jahren vorstellte.

Robert Fabian berichtete über sein ereignisreiches Leben in zwei Büchern: „Fabian of the Yard“ (1950) und „London After Dark“ (1954). Im Alter von 77 Jahren starb er 1978 in der Stadt der Pferderennen, in Epsom (Surrey).

Die BBC nahm sich Robert Fabian an, in dem sie von 1954 bis 1956 die TV-Serie „Fabian of the Yard“ produzierte, die 36 Episoden umfasste und die auf Fällen basierte, in die der Polizeibeamte involviert war. Das Besondere an der Serie war, dass Robert Fabian selbst am Schluss jeder Episode einige kurze Worte sprach. Die Rolle des Scotland Yard-Polizisten (der es bis zum Rang eines Detective Superintendent brachte) spielte Bruce Seton (1909-1969). Dank Youtube kann man sich noch heute einige dieser alten Folgen ansehen. Ich empfehle „Brides of the Fire„. Im deutschen Fernsehen wurden in den 1960er Jahren eine Handvoll Folgen in synchronisierter Fassung gezeigt.

Published in: on 22. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

„The Damned United“ – Ein Spielfilm über einen englischen Premier League-Fußballverein und seinen kurzzeitigen Trainer Brian Clough

Das Elland Road-Stadion des Leeds United F.C.
Photo © Stephen Armstrong (cc-by-sa/2.0)

Im Jahr 2009 erschien in England Tom Hoopers Film „The Damned United“ (dt. „The Damned United – Der ewige Gegner“), womit der Premier League-Fußballverein Leeds United gemeint ist. Die Hauptrollen spielen Michael Sheen, Jim Broadbent und Colm Meaney. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von David Peace.

«The Damned United» erzählt die wahre Geschichte des Brian Clough, der 1974 44 unrühmliche Tage lang Trainer des englischen Fussballmeisters Leeds United war. Sein Vorgänger und grosser Rivale Don Revie führte den Klub von Erfolg zu Erfolg, prägte aber die für Leeds United typische zerstörerische Art von Fussball. Clough war seinen Prinzipien ebenso treu, nur waren das ganz andere: Der Lebemann wollte das Spielerische und die Offensive betonen und irritierte so die auf aggressiven Fussball getrimmten Starspieler. Nach sechs Spielen und nur einem Sieg war Clough seinen Job wieder los.

Mit anderen Vereinen war Brian Clough erfolgreicher; sage und schreibe drei Statuen wurden für ihn errichtet, in Middlesborough, in Nottingham und in Derby.

Die Dreharbeiten fanden überwiegend in Leeds und anderen Orten in West Yorkshire statt.

Die DVD ist in Deutschland erhältlich, in Originalfassung und deutscher Synchronisation.
Hier ist der Trailer. zum Film.

Published in: on 1. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Scenes in the Square – Populäre Filmfiguren auf dem Londoner Leicester Square

Mr Bean.
Photo: Mx Granger.
Creative Commons 1.0

Londons Leicester Square ist so etwas wie ein Mekka für Filmenthusiasten. Hier finden häufig Filmpremieren statt, oft in Anwesenheit der mitwirkenden Stars. Das Odeon und das Empire sind die großen Namen unter den Kinos der Hauptstadt.

Seit dem Februar des Jahres 2020 sind hier Filmfiguren aufgestellt worden, die auf die Bedeutung des Platzes für die britische Filmgeschichte hinweisen sollen. Es handelt sich dabei um acht berühmte Charaktere, die so gut wie jeder kennt: später wurden noch zwei weitere hinzugefügt, nämlich Harry Potter und The Iron Throne aus der TV-Serie Game of Thrones.

Werfen wir einen Blick auf die ursprünglichen Acht des Scenes of the Square genannten Skulpturenwegs. Da finden wir, auf einer Bank sitzend, Mr. Bean und denken sofort an seinen Sketch „How to make a sandwich“ Ebenfalls auf einer Bank sitzend, treffen wir auf Paddington Bear, über den 2014 und 2017 Filme in die Kinos gekommen sind, Paddington 3 ist für das Jahr 2023 geplant. Mary Poppins steht, so wie wir sie aus dem 1964 gedrehten Film kennen, mit einem aufgespannten Regenschirm auf dem Platz. Die Bugs Bunny-Figur wurde im vorigen Jahr durch einen Basketballkorb, eine Rückwand und einen QR-Code ergänzt; der Grund war die Veröffentlichung des Films „Space Jam: A New Legacy“, der in Deutschland unter dem selben Titel gezeigt wird, in dem Basketball eine Rolle spielt. Über den QR-Code kann man mit seinem Smartphone auf interaktive „Space Jam“-Webseiten zugreifen.
„Singing in the Rain“-Star Gene Kelly ist als Don Lockwood mit Regenschirm in der Hand an einer Laterne hängend zu sehen, und die Lasso schwingende Wonderwoman kann man an der Wand des Vue West End-Kinos bestaunen.

Auf das Dach des Odeon-Kinos wurde die Figur des Batman verfrachtet; ebenfalls auf einem Dach stehend, auf dem einer Kinokarten-Verkaufsstelle, finden wir Laurel and Hardy alias Dick und Doof. Das soll an eine haarsträubende Szene aus ihrem Film „Liberty“ (dt. „Die Sache mit der Hose“) erinnern, in dem sie in schwindelnder Höhe an einem Wolkenkratzer balancieren.

Paddington Bear.
Photo: Matt Brown.
Creative Commons 2.0
Mary Poppins.
Photo: Matt Brown.
Creative Commons 2.0
Laurel and Hardy.
Photo: Matt Brown.
Creative Commons 2.0
Published in: on 9. Januar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

„Come Play with Me“ – Ein Spielfilm aus dem Jahr 1977, der in das Guinness Buch der Rekorde Einzug fand

Photo: London Remembers.
Creative Commons 4.0

Das Moulin Cinema in Londons Great Windmill Street im Stadtteil Soho war einst stolz darauf, im Guinness Buch der Rekorde aufgenommen worden zu sein, denn hier lief vom April 1977 bis zum März 1981 sage und schreibe 201 Wochen lang ein Film mit dem Titel „Come Play with Me„; so lange wurde noch in keinem Kino Großbritanniens ein Film gezeigt. Das Kino gibt es mittlerweile nicht mehr. Eine blaue Plakette über Jack Solomons Bar in der Great Windmill Street Nummer 41 erinnert an das Moulin Cinema und den Film mit der langen Spielzeit (es ist allerdings keine offizielle Plakette des English Heritage).

Mary Millington (1945-1979) spielte in dem Film eine der Hauptrollen, eine Schauspielerin, die in den 1970er Jahren durch ihre Softporn-Filme speziell bei den männlichen Kinogängern sehr populär war. Und so gehört auch „Come Play with Me“ in die Kategorie Softporn, mit einem Schuss Comedy gewürzt, besser gesagt, mit einer gehörigen Portion Albernheiten, die die männlichen Akteure ins Spiel bringen. Damals wurden auch einige Hardcore-Szenen gedreht, die aber aus dem Film herausgeschnitten worden sind. Das überschaubare Filmbudget von £120 000 erzielte das x-fache an Einnahmen.

Gedreht wurde übrigens im Manor Country House Hotel in Weston-on-the-Green in Oxfordshire, ein Haus, das ich vor einigen Jahren besuchte. Über meine überwiegend negativen Erfahrungen schrieb ich in meinem Blog.

36 Jahre nach Mary Millingtons Tod erschien eine filmische Dokumentation über ihr Leben: „RespectableThe Mary Millington Story„, die auch auf DVD zu haben ist. „Come Play with Me“ ist ebenfalls noch als DVD lieferbar und im Netz leicht in voller Länge auffindbar.

Photo: London Remembers.
Creative Commons 4.0
Published in: on 19. Dezember 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Auf den Spuren von Brother Cadfael in Shrewsbury (Shropshire)

Shrewsbury Abbey.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Ich komme heute noch einmal auf die Stadt Shrewsbury in der Grafschaft Shropshire zurück, über die ich kürzlich in Zusammenhang mit den Ghost Tours per Schiff schrieb. Ich wandelte dort einmal auf den Spuren der fiktiven Romanfigur Brother Cadfael, die die Krimiautorin Ellis Peters (1913-1995) erschuf, die unter diesem Pseudonym schrieb und eigentlich Edith Pargeter hieß.

Da sie in Shropshire geboren wurde (sie starb auch dort) ließ sie die Handlung rund um den Benediktinermönch auch in Shrewsbury und Umgebung spielen. Die historischen Kriminalromane erwiesen sich als sehr erfolgreich; als sie auch noch für das Fernsehen verfilmt wurden, mit Derek Jacobi in der Titelrolle, pilgerten die Fans des Mönchs zu den Handlungsorten in Shropshire (die TV-Serie wurde allerdings nicht in der Heimat Bruder Cadfaels gedreht, sondern in…Budapest in Ungarn).

Die Stadt Shrewsbury sprang natürlich sehr gern auf den „Cadfael-Zug“ auf und bot beziehungsweise bietet den angereisten Freunden des Mönchs einiges an wie Brother Cadfael self-guided walks, die auf unterschiedlichen Wegen durch die Stadt führen und durch in den Boden eingelassene Metallplatten in Form eines Fußes markiert sind. Im Shrewsbury Visitor Information Centre kann man den Führer erwerben; selbstverständlich sind dort auch sämtliche Brother Cadfael-Romane erhältlich.

Wer alles, aber auch wirklich alles über die Romanschauplätze wissen möchte, für den gibt es die Brother Cadfael-Tours, die bis nach Wales hinein führen.

Ich hatte mich bei einem meiner Besuche in Shrewsbury für einen der „self-guides walks“ entschieden, in dessen Mittelpunkt die Abbey stand.

Ein empfehlenswertes Buch für jeden, der sich für die Romanschauplätze interessiert, ist „Cadfael Country: Shropshire & The Welsh Border“ von Rob Talbot und Robin Whiteman, das schon 1990 erschienen und reichlich bebildert ist.

Die TV-Serie wurde in 13 Episoden von 1994 bis 1998 ausgestrahlt. Das ZDF sendete die ersten drei Staffeln in den Jahren 1995 und 1997. Eine Collector’s Box mit sechs DVDs ist von EDEL MOTION veröffentlicht worden, sie enthält die Staffeln 1-3 in deutscher Synchronisation und die vierte Staffel im englischen Originalton.
Hier ist ein kurzer Trailer zu sehen.

Die Stadt Shrewsbury hat eine ihrer Straßen nach dem Mönch benannt, den Cadfael Way. Im Portfolio des berühmten Rosenzüchters David Austin gibt es eine Rose namens Brother Cadfael.

Foto meines Exemplares.
Der Cadfael Way in Shrewsbury.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)
Die Brother Cadfael-Rose.
Photo © Philip Platt (cc-by-sa/2.0)

„Rosemary & Thyme“ – Eine gemütliche Krimiserie um zwei Gärtnerinnen

Foto meiner DVD.
Foto meiner DVD.

Rosemary Boxer (gespielt von Felicity Kendal) und Laura Thyme (gespielt von Pam Ferris) sind zwei Gärtnerinnen, die sich nach jeweiligen persönlichen Schicksalsschlägen zusammengefunden haben, und in  England, manchmal auch im Ausland, Aufträge für Gartenarbeiten entgegegen nehmen.

Rosemary (=Rosmarin) Boxer und Laura Thyme (=Thymian) ? Ja, richtig, im Lied „Scarborough Fair“ heißt es:

Are you going to Scarborough Fair?
Parsley, sage, rosemary and thyme,
Remember me to one who lives there,
For she once was a true love of mine.

Das Lied, das einst durch die Interpretation von Simon & Garfunkel weltweit populär wurde, ist auch die Titelmelodie der Serie, die von 2003 – 2007 vom Sender ITV ausgestrahlt wurde und die in die Kategorie der „cozy crimes“ gehört, also eine Krimiserie, die ohne wilde Verfolgungsjagden und Schießereien auskommt.
Eigentlich wollen die beiden Damen nur ihrer geliebten Gärtnerinnentätigkeit nachgehen, aber ständig stolpern sie über mysteriöse Kriminalfälle, denen sie natürlich immer wieder nachgehen müssen und die sie am Ende auch lösen.

Ich habe einige dieser Fälle auf DVD und es macht Spaß, sich diese „cozies“, also diese recht gemütlich ablaufenden Ermittlungen, anzusehen. Im deutschen Fernsehen wurde die Serie nie gezeigt.

Hier ein Trailer zur Serie.

Published in: on 22. Oktober 2021 at 02:00  Comments (4)  

Das Theatre Royal in Bury St Edmunds (Suffolk) – Das einzige Theater im Besitz des National Trusts

Photo © Michael Dibb (cc-by-sa/2.0)

Ja, dem National Trust gehört schon sehr viel in England, ob alte Herrenhäuser, Gärten, ganze Landstriche, sogar ein Theater ist in der Hand des N.T., das Theatre Royal in Bury St Edmunds in der Grafschaft Suffolk.

Viermal habe ich bereits über Bury St Edmunds in meinem Blog geschrieben, darunter zweimal über die Greene King Brewery, die in der Geschichte des Theatergebäudes auch eine Rolle spielt. Das Theatre Royal gehört der Brauerei, die es 1920 gekauft hatte, aber den Theaterbetrieb wenige Jahre später aufgab, weil die zunehmende Konkurrenz der Kinos übermächtig geworden war. So nutzte Greene King das Haus, um darin Bierfässer aufzubewahren.

Doch in Bury St Edmunds war man der Meinung, dass eine Stadt mit 35 000 Einwohnern ein Theater braucht. In den 1960er Jahren brachte eine Sammelaktion mehr als £37 000 zusammen; mit dem Geld konnte das Theatre Royal renoviert und wieder eröffnet werden. 1975 kam es dann in die Hände des National Trusts, in denen es bis heute verblieben ist.

Nachdem noch einmal von 2005 bis 2007 über £3 Millionen in eine weitere Restaurierung gesteckt worden waren, ist man jetzt in Bury St Edmunds mit dem Theater sehr zufrieden.

Im Theatre Royal fand übrigens im Februar 1892 die Uraufführung des Stückes „Charleys Tante“ von Brandon Thomas statt, das mehrfach verfilmt wurde und in Deutschland vor allen Dingen durch die Darstellungen von Heinz Rühmann und Peter Alexander in der Titelrolle bekannt ist.

Es ist noch gar nicht lange her, da diente das Theater als Schauplatz für einige Szenen des Films „The Personal History of David Copperfield“ (dt. „David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück“), in dem Dev Patel, Hugh Laurie und Tilda Swinton die Hauptrollen spielten (hier ist der Trailer). Und da die Filmcrew schon einmal in Bury St Edmunds war, filmte sie gleich noch im The Angel Hotel, das für einige Londoner Szenen herhalten musste.

Was wurde im Theatre Royal so alles in der letzten Zeit aufgeführt? Nun, zum Beispiel die Theaterfassung von Jules Vernes berühmtem Roman „Around the World in Eighty Days“ und D.H. Lawrences „Lady Chatterley’s Lover„. In der Vorweihnachtszeit bis in das neue Jahr hinein ist „Cinderella“ geplant.

The Angel in Bury St Edmunds.
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