Lacock in Wiltshire – Ein National Trust Bilderbuchdorf und die hier gedrehten Filme

Die High Street mit dem Red Lion.
Photo © Michael Dibb (cc-by-sa/2.0)

Bei vielen Busrundreisen durch Südengland ist das Dorf Lacock in Wiltshire ein fester Bestandteil wie Stonehenge und Avebury. Kein Wunder, denn hier sieht es genauso aus wie man sich ein typisch englisches Dorf vorstellt. Es gibt eine hübsch anzuschauende Parish Church, die dem Heiligen Cyriacus gewidmet ist, einige Pubs wie den Red Lion an der High Street, einen Dorfladen mit Postamt, ebenfalls an der High Street, und jede Menge fotogener Häuser. Dieser Film vermittelt einen ersten Eindruck.

Bekannt war Lacock ursprünglich  durch seine Abtei, die unter Heinrich VIII. aufgelöst wurde, und später durch den berühmten Fotopionier William Henry Fox Talbot (1800-1877), der in dem Dorf wirkte und auch starb (sein Grab findet man auf dem Kirchhof des Ortes). 1944 ging Lacock in den Besitz des National Trust über. Ein N.T. Shop liegt gleich gegenüber vom Red Lion.

Der Name Lacock ist in den Gehirnwindungen wohl aller britischen Location Manager fest verankert, die dafür verantwortlich sind, Orte auszukundschaften, in denen Filme gedreht werden sollen. Werden für Straßenszenen historischer Filme entsprechende Plätze gesucht, so bieten sich die High Street, die West Street und die Church Street an, die ihren Charakter erhalten haben. Hier habe ich einmal einige (wenige) Filme zusammengestellt, die zum Teil in Lacock gedreht wurden.

Die „Harry Potter„-Filmcrews waren mehrfach in dem Dorf zu Gast, um hier zu drehen, für den „Stein der Weisen“, die „Kammer des Schreckens“ und den „Halbblutprinz“ wie in diesem Clip zu sehen ist.

Für die Verfilmungen von Janes Austens Romanen drängt sich Lacock förmlich auf, und so drehte die BBC hier 1995 „Pride and Prejudice“ (alle Drehorte zeigt dieser Film).

Für die TV-Serie „Wolf Hall“ (2015), nach dem gleichnamigen Roman von Hilary Mantel, wurde die Abtei des Ortes für Aufnahmen verwendet.

Im vorigen Jahr kam der Fantasyfilm „Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald„, in Deutschland „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“, in die Kinos und da mussten die Location Manager nicht lange suchen…

Die populäre und mit mehreren BAFTA-Preisen ausgezeichnete BBC-TV-Serie „Cranford“ (2007) wurde zu großen Teilen in der High Street und in der Church Street von Lacock gedreht. Für die dreiteilige Fernsehserie „Doctor Thorne“ aus dem Jahr 2016 (ich berichtete in meinem Blog darüber) kamen Filmcrews hierher wie auch für die 2. Episode der 6. Staffel von „Downton Abbey“ (2015).

Den National Trust freut es, dass an ihrem Dorf so großes Interesse von Seiten der Filmindustrie besteht, denn es bringt Geld in seine Kasse… und die Besucherströme reißen nicht ab.

Dorfladen und Postamt in der High Street.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Die Church Street.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

Lacock Abbey.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. April 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Das Granada Cinema in Tooting – Einst das schönste Kino Londons, heute der Gala Bingoclub

Früher Kino, heute der Gala Bingoclub.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Der Süd-Londoner Stadtteil Tooting besaß einmal das schönste Kino Englands, das „Granada„. Am 7. September 1931 wurde es mit dem Film „Monte Carlo“ (dt. „Bomben auf Monte Carlo„) eröffnet und am 10. November 1973 mit dem Film „The Good, the Bad and the Ugly“ (deutsch: „Zwei glorreiche Halunken“) leider wieder geschlossen. Weltstars wie Frank Sinatra und Danny Kaye traten hier im „Granada“ auf, das einige Jahrzehnte lang in der Londoner Kinowelt eine Institution war.

Das Gebäude wurde im Art Deco-Stil von Cecil Massey entworfen; das spektakuläre Innere des Kinos ist dem russischen Theaterdirektor und Designer Theodore Komisarjevsky zu verdanken. Das „Granada“ steht heute unter Denkmalschutz und mit dem vielen Marmor und den schönen Spiegeln ist dieses palastartige Gebäude auf jeden Fall eine Besichtigung wert. Heute ist hier eine Bingohalle mit Spielautomaten untergebracht; darüber mag man geteilter Meinung sein, aber vielleicht ist das besser, als wenn hier alles leer stehen würde.

Hier ein Film, der einen Eindruck von dem schönen Saal vermittelt.

Author: Paul the Archivist
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Published in: on 4. März 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„Gallivant“ – Ein Dokumenarfilm des exzentrischen Filmemachers Andrew Götting

Hier am De La Warr Pavilion in Bexhill-on-Sea in East Sussex beginnt die Reise rund um Großbritannien.
Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)

1997 kam der erste Film von Andrew Kötting in die Kinos, der den Titel „Gallivant“ trug. Ich berichtete in meinem Blog bereits über Köttings Film „Swandown„, in dem es um eine 160 Meilen lange Reise mit einem Tretboot in der Form eines Schwans von Hastings bis in den Londoner Stadtteil Hackney geht, die Kötting gemeinsam mit dem Schriftsteller Iain Sinclair unternimmt.

Das Wort „gallivant“ heißt in der englischen Sprache so viel wie „durch die Gegend ziehen, ohne ein festes Ziel im Auge zu haben“ und das trifft auf die Handlung dieses Dokumentarfilmes auch zu. Andrew Kötting, seine 85jährige Großmutter Gladys und seine 7jährige Tochter Eden fahren mit dem Wohnmobil einmal im Uhrzeigersinn an der Küste entlang um ganz Großbritannien herum, begleitet von einem Kamerateam, das die ungleichen Drei in manchmal wackligen, an Home Movies erinnernden Bildern filmt. Das Kind ist behindert, es leidet an dem Joubert Syndrom, einer „genetisch bedingten komplexen zentralnervösen Entwicklungs- und Funktionsbesonderheit beim Menschen auf der Grundlage einer Genmutation“, so die Wikipedia. Kötting hat eine Art Road Movie auf britische Art erschaffen, ein Film, der Begegnungen mit allerlei interessanten Menschen zeigt. Im Mittelpunkt diese faszinierenden Films aber stehen die drei Reisenden,wobei sich die Großmutter rührend um ihre kleine Enkelin kümmert.

„Gallivant“ erlebte seine Uraufführung 1996 beim Edinburgh International Film Festival, wobei Regisseur Kötting mit einem Preis ausgezeichnet wurde.

Der Film ist in ganzer Länge auf youtube zu sehen, hier ist der Trailer.

Published in: on 18. Februar 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Mein DVD-Tipp – „Scandal“, ein Film aus dem Jahr 1989

Foto meiner DVD.

Über die Profumo-Affäre und die darin verwickelten Personen Dr Stephen Ward, Christine Keeler und Mandy Rice-Davies habe ich in meinem Blog bereits zweimal geschrieben. 1961 hatte der damalige britische Verteidigungsminister John Profumo bei einer Party in Cliveden, dem Landsitz von Lord Astor, die 19jährige Christine Keeler kennengelernt und mit ihr eine kurze Affäre begonnen, die mit seinem Rücktritt als Minister endete. Lord Astors Freund, der Osteopath Dr Stephen Ward, bei dem Christine Keeler und ein anderes junges Mädchen, Mandy Rice-Davies, eine Zeit lang wohnten, wurde der Zuhälterei angeklagt, was zu einer Gerichtsverhandlung im Old Bailey führte, bei der er in zwei Punkten der Anklage als schuldig befunden wurde. Die Gerichtsverhandlung war eine Farce, weil der Richter stark gegen Ward voreingenommen war und dies den Geschworenen auch deutlich zeigte. Die Moralvorstellungen in den 1960er Jahen waren noch stark konservativ geprägt. Stephen Ward wartete das Urteil gar nicht ab und nahm sich das Leben.
Eine hochinteressante Darstellung der Gerichtsverhandlung ist Ludovic Kennedys Buch „The Trial of Stephen Ward„, das 1964 bei Victor Gollancz in London erschien und das ich gerade gelesen habe.

Der Film „Scandal“ aus dem Jahr 1989 zeichnet diese Vorgänge nach und Regisseur Michael Caton-Jones ist das sehr gut gelungen. Die Darsteller sind den damaligen Akteuren sehr ähnlich. John Hurt hat die Rolle von Dr Stephen Ward übernommen, Joanne Whalley spielt Christine Keeler und die US-Amerikanerin Bridget Fonda verkörpert Mandy Rice-Davies. Auch die anderen Rollen sind bestens besetzt wie die von John Profumo, dargestellt von Ian McKellen, und Lord Astor, gespielt von Leslie Phillips.

Die Gerichtsszenen wurden im Old Bailey gedreht, Lord Astors Wohnsitz Cliveden wurde nicht verwendet, stattdessen drehte man die entsprechenden Szenen im Longleat House in Wiltshire.

Der Spielfilm ist auf DVD erhältlich, ich besitze die ungekürzte und unzensierte Version, die es zum Beispiel bei Amazon UK gibt.
Der Soundtrack des Films ist bemerkenswert, er enthält viele Songs, die in der Zeit der Profumo-Affäre populär waren.

Hier ist der Trailer zum Film.

Hier in Cliveden in Berkshire, Wohnsitz Lord Astors und heute Hotel, begann die Profumo-Affäre.
Eigenes Foto.

Longleat House in Wiltshire diente als Drehort für den Film und stellte Cliveden dar.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

The Central Criminal Court, Old Bailey, in London. Hier fand 1993 die Gerichtsverhandlung gegen Dr Stephen Ward statt und hier wurde auch für den Film „Scandal“ gedreht.
Photo © Bill Henderson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. Januar 2019 at 02:00  Comments (2)  
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„Come Fly with Me“ – Eine Sketchshow der BBC mit David Walliams und Matt Lucas

London Stansted Airport.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Nachdem David Walliams und Matt Lucas mit ihrer Sketchshow „Little Britain“ Erfolg im britischen Fernsehen hatten, sahen sich die beiden Verwandlungskünstler nach neuen Ufern um und begannen 2010 die neue Serie „Come Fly with Me“ zu drehen, die ein Jahr später in deutscher Synchronisation bei Comedy Central gezeigt wurde. David Walliams wurde von Oliver Welke, Matt Lucas von Oliver Kalkofe synchronisiert. Als Schauplatz suchten sich den beiden einen Flughafen aus, auf dem sie in unterschiedlicher Mission agierten. Einmal spielte David Walliams den Besitzer der Billigfluglinie FlyLo Omar Baba, einmal die Chefstewardess Penny Carter, Matt Lucas war u.a. als schwuler Flugbegleiter Fearghal O’Farrell und als Burger-Verkäufer Tommy Reid zu sehen. Die Fluggesellschaften auf dem Airport heißen Our Lady Air, Great British Air und FlyLo. Man muss schon, wie bei „Little Britain“ auch, eine Vorliebe für diesen schrägen Humor haben, um diese Serie zu mögen, die nur aus sechs Episoden bestand.

Gedreht wurde auf zwei richtigen Flughäfen, auf dem großen London Stansted Airport und dem kleineren Doncaster Sheffield Airport, der den Bereich South Yorkshire bedient. Letzerer bietet Charterflüge nach Osteuropa, zu Ferienzielen im Mittelmeerraum und in einige europäische Metropolen an.

Hier ist die erste Folge von „Come Fly with Me“ im Original und hier in deutscher Synchronisation zu sehen.

Der Doncaster Sheffield Airport.
Photo © Martin Dawes (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 20. Dezember 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„The Tractate Middoth“ – Ein Gruselfilm nach der Erzählung von Montague Rhodes James

Montague Rhodes James, oder kurz M.R. James, ist einer berühmtesten, und nach meiner Ansicht besten, Verfasser von Gespenstergeschichten. Er lebte von 1862 bis 1936, und glücklicherweise ist sein Werk seit zwei Jahren wieder in deutscher Übersetzung im Festa-Verlag erhältlich. Eine seiner bekanntesten Geschichten „Whistle and I’ll Come to You“ stellte ich zu den Anfangszeiten meines Blogs einmal kurz vor.

Die Gespenstergeschichten von James werden gern im britischen Fernsehen zur Weihnachtszeit gesendet, zuletzt war das 2013 der Fall, als die Geschichte „The Tractate Middoth“ (dt. „Der Traktat Middoth“) verfilmt wurde. 1911 erschien sie erstmals in der Sammlung „More Ghost Stories„. Es geht darin um ein mysteriöses Buch, das in einer Bibliothek aufbewahrt wird, und um ein Testament, das darin versteckt sein soll. Der verstorbene Verfasser des Testaments spielt in der Geschichte eine unheimliche Rolle.

1951 wurde die Story von M.R. James erstmals in den USA unter dem Titel „The Lost Will of Dr Rant“ verfilmt. Die Hauptrolle des Bibliotheksangestellten William Garrett spielte damals der junge Leslie Nielsen (1926-2010). Wie schön, dass der Film noch erhalten geblieben und bei youtube zu sehen ist.

Mark Gatiss verfilmte „The Tractate Middoth“ im Jahr 2013 für die BBC für die Reihe „A Ghost Story for Christmas„. Die Rolle des William Garrett übernahm Sacha Dhawan (zuletzt in den TV-Serien „Marvel’s Iron Fist“ und „In the Club“ zu sehen). John Castle (spielte den Charles King in der Episode 54 „Ein Sarg aus China“ in der TV-Serie „Inspector Barnaby“) ist in dem Film als John Eldred zu sehen, der das geheimnisvolle Buch in der Bibliothek zwar findet, aber ein schlimmes Ende nimmt.

Die Filmaufnahmen in der Bibliothek fanden in der Chetham’s Library in Manchester statt, der ältesten Öffentlichen Bibliothek in der Englisch sprechenden Welt (so heißt es auf ihrer Homepage). Bretfield Hall im Film ist Browsholme Hall, ein elisabethanisches Haus im Ribble Valley in Lancashire.

Hier ist „The Tractate Middoth“ in voller Länge (36 Minuten) zu sehen.

Chetham’s Library in Manchester.
Photo © Anthony O’Neil (cc-by-sa/2.0)

Browsholme Hall in Lancashire.
Photo © Charles Rawding (cc-by-sa/2.0)

„Dagger of the Mind“ – Eine Episode der „Columbo“ TV-Serie, die 1972 in London gedreht wurde

The Royal Court Theatre am Sloane Square.
Photo © Stacey Harris (cc-by-sa/2.0)

Meine persönliche TV-Lieblingsserie aller Zeiten ist „Columbo„, mit Peter Falk (1927-2011) in der Hauptrolle, von der 69 Episoden im Zeitraum von 1969 bis 2003 gedreht wurden. Inspector Columbo löst seine Mordfälle in der Regel in Los Angeles und Umgebung, doch ein einziges Mal führt sein Weg auch nach Europa. In Episode 13, in der 2. Staffel, die den Originaltitel „Dagger of the Mind“ trägt und im deutschen Fernsehen als „Alter schützt vor Torheit nicht“ gezeigt wurde, bringt eine Dienstreise Columbo von L.A. nach London, wo er Scotland Yard einen Besuch abstatten soll. Voller Aufregung flitzt der Amerikaner durch die britische Metropole, wo er alles fotografiert, was ihm vor die Linse kommt, wobei natürlich der Buckinghampalast, die Wachablösung und die Tower Bridge nicht fehlen dürfen. Columbo begleitet Detective Chief Superintendent William Durk von Scotland Yard, gespielt von dem Waliser Bernard Fox (1927-2016), der zu einem Todesfall in einem Herrenhaus außerhalb der Stadt gerufen wird, wo ein älterer Herr, Sir Roger Haversham, dargestellt von dem englischen Schauspieler John Williams (1903-1983) angeblich die Treppe heruntergestürzt sein soll. Columbo merkt schnell, dass es sich hierbei um einen Mord handelt und löst den Fall schneller als Scotland Yard.

Die im Theatermilieu angesiedelte Episode wurde zum größten Teil auch in London gedreht. Das Theater, in dem der Mord begangen wird, ist das Royal Court Theatre am Sloane Square im Stadtteil Belgravia, wo die Karrieren von Autoren wie John Osborne, Samuel Beckett und Arnold Wesker begannen. 1870 wurde es als The New Chelsea Theatre eröffnet und ist noch heute eines der führenden West End Theater. Als die Columbo-Folge 1972 hier gedreht wurde, spielte man gerade das Stück „Owners“ der englischen Dramatikerin Caryl Churchill. Columbo trifft sich vor dem Theater in strömendem Regen mit dem Hausmeister des Theaters, eigentlich regnet es meistens in dieser Episode, wohl weil die amerikanischen Produzenten London automatisch mit Regen verbanden und ihm so ein Stück Authentizität geben wollten.

Ein weiterer Schauplatz und Drehort war das Royal College of Music in der Prince Consort Road in Kensington, das als Wachsfigurenmuseum herhalten musste. 1883 wurde diese berühmte Musikakademie eröffnet und zählte u.a. Ralph Vaughan Williams, Benjamin Britten und Andrew Lloyd Webber, um nur einige zu nennen, zu ihren Studenten. In diesem Gebäude kommt es bei „Alter schützt vor Torheit nicht“ zum Showdown, wo Columbo die Mörder überführt.

Kommen wir zu dem Landhaus, in dem Sir Roger Haversham am Fuß einer Treppe tot aufgefunden wird, und das mehrfach im Laufe des Films gezeigt wird. Es sieht zwar aus wie ein echtes englisches Manor House, steht aber in…Beverly Hills. Es handelt sich hier um das Greystone Mansion am Loma Vista Drive Nummer 905, das 1928 im Tudor Revival Stil erbaut wurde und in dem zahllose Filme entstanden. Sogenannte Mock Tudor-Häuser waren einmal eine Zeit lang beliebt in Beverly Hills. Ich erinnere mich an eine Fahrt auf dem Benedict Canyon Drive, bei der ich mehrere dieser Häuser sah. Die „Todestreppe“ im Greystone Mansion kann man beispielsweise auch in den Musikvideos „I Want Love“ von Elton John und in Mariah Careys „It’s Like That“ sehen. Vermutlich haben die Columbo-Produzenten aus Kostengründen das Beverly Hills-Mansion verwendet, statt im Dunstkreis von London nach einem echten Landhaus als Drehort Ausschau zu halten.

Hier ist eine kurze Zusammenfassung mit den wichtigsten Szenen aus „Dagger of the Mind“ zu sehen.

The Royal College of Music in Kensington.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Das Greystone Mansion in Beverly Hills.
Author: Los Angeles
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Published in: on 25. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Tom Thumb Theatre in Margate (Kent) – Eines der kleinsten Theater der Welt

Tom Thumb ist eine Figur der englischen Folklore und entspricht etwa dem Däumling in der deutschen Märchenwelt. Er war so winzig wie der Daumen seines Vaters, und er soll in Tattershall in  Lincolnshire gelebt haben und dort auch gestorben sein. In der Holy Trinity Church existiert eine Grabplatte mit der Inschrift „T. Thumb – Aged 101 – Died in 1620“.

Nach diesem Mini-Wesen benannt ist eines der kleinsten Theater der Welt, das Tom Thumb Theatre in Margate (Kent). 1896 wurde das Gebäude als Schuppen für Kutschen erbaut. Im Laufe der Jahrzehnte verfiel es allmählich und wurde zuletzt als Garage genutzt, als Lesley und Sarah Parr-Byrne es 1984 vor dem Abriss retteten. Sie kauften das Haus und errichteten darin ein winziges Theater mit einer Bühne, die gerade einmal 3,06 Meter x 2,04 Meter misst. 1985 wurden die beiden Besitzer dafür mit dem Civic Award ausgezeichnet. Das Haus an der Eastern Esplanade ist plüschig in viktorianischem Stil eingerichtet und bietet ein breites Spektrum an Veranstaltungen. Da gibt es Comedyabende, Filmvorführungen, Bands treten auf, experimentelles Theater findet statt usw. usw.

Heute Abend, am 24. November beispielsweise tritt die Londoner Grinch Mountain Bluegrass Band auf, am Tag darauf Paul Jacobs mit seiner Band, am 28. November gibt es wieder das monatliche Filmquiz und am 29. November bietet das Shakespeare Heptet Auszüge aus seinem Repertoire. Hier ist ein Auftritt der Londoner Girlband Abjects zu sehen.

Wer möchte, kann auch das komplette Theater für Geburtstagsparties, Hen Nights, Tagungen usw. buchen. Es steht für fast alles zur Verfügung.

Siehe zum Thema auch meinen Artikel über das Theater in Great Malvern, das einmal eine Herrentoilette war.

Tom Thumb Theatre
2 Eastern Esplanade
Cliftonville
Margate
CT9 2LB

Hier in der Holy Trinity Church in Tattershall in Lincolnshire soll der Namensgeber des Theaters begraben sein.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Der Krimiautor Colin Dexter (1930-2017) und die Inspector Morse Society

Oxford Police Station St Aldate’s.
Photo © David Hillas (cc-by-sa/2.0)

Die TV-Krimiserie „Inspector Morse„, von 1983 bis 2000 gedreht, spielte im deutschen Fernsehen so gut wie keine Rolle; ein paar Folgen  liefen merkwürdigerweise nur im DDR-Fernsehen, das war es dann auch. Die Spin-offs dagegen, „Lewis“ und „Der junge Morse“ (im Original „Endeavour“), wurden im ZDF bzw ZDFneo gezeigt.
Colin Dexter
schrieb die Romane über den schrulligen, dem Whisky, Wagneropern und Kreuzworträtseln zugeneigten Inspektor aus Oxford, der auch eng an deren Verfilmung mitwirkte. Leider ist Colin Dexter am 21. März 2017 in seiner geliebten Universitätsstadt verstorben. Morse, dessen Vornamen Endeavour die Zuschauer der Serie erst in der letzten Folge erfuhren, war außerordentlich beliebt in Großbritannien, verkörpert wurde er im Film von John Thaw (1942-2002), an seiner Seite stand Sergeant Lewis (Kevin Whateley), der später nach seiner Beförderung seine eigene TV-Serie bekam.

Colin Dexter trat, wie seinerzeit Alfred Hitchcock, in den meisten Episoden für wenige Sekunden selbst auf; man musste schon sehr genau hinschauen, um ihn zu entdecken. Manchmal war er ein Chormitglied oder ein Passant. Die Inspector Morse Society hält die Erinnerung sowohl an den Mann hoch, der für die Thames Valley Police arbeitete, als auch an seinen Schöpfer, Colin Dexter, für den bald in Oxford ein Denkmal errichtet werden soll und zwar in Summertown, wo Dexter von 1966 bis 1988 für das Oxford Examining Board arbeitete. Das Denkmal wird ihn in Lebensgröße auf einer Säule zeigen, mit einer Ausgabe der Times in der Hand, auf der das tägliche Kreuzworträtsel zu sehen sein wird. Auf der einen Seite der Säule wird ein Kreuzworträtsel eingraviert sein, auf der anderen Seite findet man dann die Lösung. Der Bildhauer Alex Wenham wurde mit dem Denkmal beauftragt, das voraussichtlich Ende diesen oder Anfang des nächsten Jahres enthüllt wird. Der Colin Dexter Memorial Fund kümmert sich um die Beschaffung des Geldes; das Denkmal ist mit  £50 000 veranschlagt.

Es gibt in Oxford übrigens eine Plakette, die an Morse erinnert, angebracht am Hauptquartier der Oxford City Police St Aldate’s, wo viele Außenaufnahmen der Dreharbeiten für die TV-Serie stattfanden. Am 23. Juli 2006 enthüllte Colin Dexter diese Plakette selbst.

Die Inspector Morse Society widmete dem Morse-Darsteller John Thaw eine Bank im Londoner Covent Garden Viertel; neben der „Schauspielerkirche“ St Paul’s steht diese Bank, die am 21. März 2009 ebenfalls von Colin Dexter eingeweiht wurde.

Siehe zum Thema auch meinen Blogeintrag über geführte Touren durch Oxford auf den Spuren von Inspector Morse.

Die Plakette am Hauptquartier der Polizei von Oxford.
Public domain photo by Open Plaques.

Die John Thaw gewidmete Bank in London.
Copyright: Matt Brown
Creative Commons 2.0

 

Published in: on 21. Oktober 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Das Londoner Savoy Theatre und das Musical „Dreamgirls“

Das Savoy Theatre in London.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Direkt neben dem Eingang zum weltberühmten Londoner Savoy Hotel steht das Savoy Theatre, 1881 von Richard d’Oyly Carte erbaut, um darin Gilbert und Sullivans komische Opern aufzuführen, die zur damaligen Zeit sehr beliebt waren. Die erste dieser Opern, die im Savoy zur Aufführung kam, hieß „Patience or Bunthornes Bride„. Noch heute freut sich das Theater an der Straße The Strand großer Beliebtheit, in dem zur Zeit noch das Musical „Dreamgirls“ gezeigt wird und das schon seit dem 19. November 2016. Wer sich noch eine Aufführung ansehen möchte, sollte sich beeilen, denn am 19. Januar 2019 ist Schluss, dann folgt Dolly Partons „9 to 5 the Musical„.

„Dreamgirls“, von Henry Krieger und Tom Eyen, wurde 1981 im Imperial Theatre am New Yorker Broadway uraufgeführt und mit sechs Tony Awards ausgezeichnet. Bei der Premiere in London spielte Amber Riley die Rolle der Effie White und erhielt dafür 2017 den Laurence Olivier Award for Best Actress in a Musical“. Im Mittelpunkt des Musicals steht die Girl Group The Dreamettes und inspiriert wurde das musikalische Werk durch Hits der 1960er US-Gruppen The Supremes und The Shirelles und den Sängern James Brown und Jackie Wilson.
Hier sind einige Ausschnitte aus der Londoner Aufführung.

2006 gab es eine Verfilmung des Stoffes unter dem gleichen Titel, in der u.a. Beyonce Knowles, Jamie Foxx und Eddie Murphy zusehen sind.

Zum Abschluss noch eine kleine kuriose Geschichte zum Savoy Theatre, die sich in der Frühzeit ereignete. William Schwenck Gilbert, der Librettist der komischen Opern, die er zusammen mit dem Komponisten Arthur Sullivan schrieb, war dafür bekannt, dass er sich anfangs die Aufführungen seiner Werke im Savoy nicht ansehen mochte und stattdessen während dieser Zeit um das Theater herumtigerte oder lange Spaziergänge unternahm. Eines Abends als Mr. Gilbert das Theater wieder einmal verlassen wollte, wurde er von einem Besucher ziemlich rüde angesprochen (er hielt ihn wohl für einen Theaterangestellten): „You, sir, call me a cab“, worauf Gilbert schlagfertig antwortete: „All right, you’re a four-wheeler“. Der Theaterbesucher guckte ihn fragend an. „Well, I can hardly call you hansom“, war die Antwort des Librettisten. Das lässt sich nicht ins Deutsche übersetzen, ist aber ein wirklich witziges Wortspiel (hansom = Kutsche, handsome = gut aussehend).

Plakette am Theater.
Photo © Mick Lobb (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. September 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Shakespeare’s Rose Theatre in York – Ein Pop-up Theater in North Yorkshire

York’s Clifford’s Tower, der einige Monate lang den Hintergrund für das bunte Treiben zu seinen Füßen bildete.
Eigenes Foto.

Am 25. Juni diesen Jahres wurde in York, auf dem großen Parkplatz am Clifford’s Tower (s. dazu meinen Blogeintrag), das Shakespeare’s Rose Theatre eröffnet…und am 2. September wieder geschlossen. Es handelte sich hierbei um ein temporäres Pop-up Theater, das man eigens für die Aufführung von vier Stücken des Großen Barden errichtete. Gezeigt wurden Shakespeares Romeo und Julia, Macbeth, Richard III und Ein Sommernachtstraum. Das 13seitige Theater wurde nach historischen Vorbildern konzipiert (vor allem das  London Rose Playhouse stand Pate) und gab 950 Zuschauern Platz, mit 600 Sitz- und 350 Stehplätzen um einen nach oben offenen Innenhof herum.

Lunchbox Theatrical Productions
, eine seit 1992 international tätige Produktionsfirma (The Phantom of the Opera, Cats, Mamma Mia, The Sound of Music), stand hinter dem Projekt, bei dem die Zuschauer mit in die Aufführungen einbezogen wurden, da sie ganz dicht an der Bühne platziert waren.

Zu Füßen des Clifford’s Tower, und um das Theater herum, war Shakespeare’s Village aufgebaut, wo es jede Menge Unterhaltung gab wie mittelalterliche Musik, Aufführungen, einen elisabethanischen Garten und natürlich Essens- und Getränkestände.

Dieser Film zeigt den Aufbau des Shakespeare’s Rose Theatre im Zeitraffer.

Published in: on 18. September 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Der Comedian Rod Hull (1935-1999) und sein gefürchteter Emu

Rod Hull war ein Comedian der besonderen Art, den man eigentlich nur zusammen mit seinem Emu kannte, auch im deutschen Fernsehen.
1935 wurde Rod Hull auf der Isle of Sheppey in Kent geboren, wo er auch seine Kindheit verbrachte. In den frühen 60er Jahren zog es ihn nach Australien, wo er als Elektriker arbeitete. Er bekam einen Job als Techniker beim Fernsehen und arbeitete dann auch bald im Kinderfernsehen vor der Kamera. Dort hatte er auch den ersten Kontakt mit Emu, dem bösartigen Vogel, der dann für den Rest seines Lebens zu seinem Markenzeichen wurde.

1971 zog Rod Hull nach England zurück und arbeitete an mehreren Fernsehshows mit. Da ging es immer turbulent zu, denn Rod Hulls Emu attackierte die anderen Gäste, die sicher froh waren, wenn Hull mitsamt Emu dann wieder verschwand.
Der Journalist und Radiomoderator Michael Parkinson bekam den Zorn des Tieres einmal in einer Sendung zu spüren, die damit endete, dass sich alle auf dem Boden wälzten (hier der Film). Auch Rudi Carrel lud die beiden in seine Show ein und das Ergebnis kann man sich auf dem Video unten ansehen.

Rod Hull starb schon früh am 17. März 1999 in seinem Haus in Winchelsea (East Sussex), als er dort bei einem Versuch, seine Fernsehantenne auf dem Dach zu richten, herunterfiel und sich so schwere Verletzungen zuzog, dass er daran starb.
Ich fand Rod Hull, der meistens in einer Art Tropenanzug auftrat, und seinen Emu immer sehr witzig; ein derber Humor, aber er kam beim internationalen Publikum gut an.

Hier einer seiner Auftritte im deutschen Fernsehen. und hier ist ein Besuch des Emus beim Tierarzt angesagt.

Published in: on 26. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Die Market Hall in Old Amersham (Buckinghamshire)

Über einen meiner Lieblingsorte in England, Old Amersham in Buckinghamshire, habe ich schon mehrere Male in meinem Blog geschrieben. Entlang der High Street reihen sich hübsche alte Häuser aneinander, dominiert von dem Hotel King’s Arms, dem Crown Hotel und der Market Hall am Anfang der High Street. Die Markthalle steht unter Denkmalschutz und wurde 1682 erbaut, ein Geschenk von Sir William Drake an Amersham, dessen Member of Parliament er war. Das Wappen der Familie Drake, die damals schon sehr lange in der kleinen Stadt ansässig war, ist in der Market Hall zu finden. Im Erdgeschoss des Gebäudes spielte sich das Markttreiben ab, die Räume darüber dienten und dienen noch für Versammlungen. Das Backsteinhaus wird von einem Türmchen gekrönt, in dem eine Glocke hängt und an dem eine Uhr angebracht ist. Im Jahr 1911 wurde die Market Hall generalüberholt, wofür William Wykeham Tyrwhitt Drake, ein Nachfahre von Sir William Drake, verantwortlich zeichnete. Eine Zeit lang wurde in dem Gebäude ein Feuerwehrfahrzeug untergestellt und es diente eine Weile als Gefängnis.

Der Amersham Town Council vermietet das Obergeschoss, das 1993 komplett renoviert wurde, für Veranstaltungen, Parties, Abendgesellschaften usw.

Old Amersham ist ideal als Drehort für Filme und so waren in den letzten Jahrzehnten immer wieder Filmcrews in der High Street zu sehen. Auch die Market Hall tauchte hin und wieder als Schauplatz in Filmen und TV-Serien auf, so zum Beispiel in „Circus of Horrors“ (dt. „Der rote Schatten“) aus dem Jahr 1960, in dem u.a. Donald Pleasance mitspielte.
1965 wurden Szenen des Musicalfilms „Three Hats for Lisa“ mit Joe Brown und Sophie Hardy in den Hauptrollen an der Market Hall gedreht. Auch in der zweiten Staffel der BBC3-Comedy-Serie „Cuckoo“ dt. („Cuckoo“), die 2012 vom Stapel lief, sind Old Amershams High Street und die Market Hall zu sehen.

Wenn ich mich nicht verzählt habe, wurden bisher neun Folgen der „Inspector Barnaby„-Krimiserie, zumindest in Teilen, in Old Amersham gedreht.

Ich wohnte bei meinen Aufenthalten dort immer im King’s Arms Hotel, einem uralten Haus mit viel Atmosphäre, das auch schon mehrfach für Filmaufnahmen genutzt wurde. Einen Aufenthalt in Old Amersham kann ich sehr empfehlen. Nur ein paar Meter von der Market Hall entfernt, liegt eines der besten Restaurants Englands, artichoke, daneben ein ebenfalls sehr gutes Restaurant, Gilbeys, das ich in meinem Blog schon vorgestellt habe.

Hinweistafel auf das Jahr der Erbauung der Market Hall.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

Der Eingang zur Gefängniszelle.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

Blick durch einen der Torbögen der Market Hall. Gleich links sind die beiden von mir empfohlenen Restaurants zu finden.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

Bei einem meiner Besuche erstrahlte der Union Jack an der Market Hall.
Eigenes Foto.

 

 

Penelope Keiths TV-Serie „Hidden Villages“

Milford in Surrey: Wohnort von Penelope Keith.
Photo © nick macneill (cc-by-sa/2.0)

Ich glaube, die englische Schauspielerin Penelope Anne Constance Keith, Dame Commander of the Most Excellent Order of the British Empire, ist in Deutschland nicht sonderlich bekannt. In England wurde sie durch zwei Sitcoms sehr populär, die im deutschen Fernsehen nie gezeigt worden sind: „The Good Life“ (1975-1978) und „To the Manor Born“ (1979-1981). Sie spielte aber auch auf Theaterbühnen die Klassiker wie William Shakespeare, Bernard Shaw und Oscar Wilde.

Auf Channel 4 wurden von 2014 bis 2016 drei Staffeln von „Penelope Keith’s Hidden Villages“ ausgestrahlt, eine Doku-Serie, die das Herz eines jeden höher schlagen lässt, der sich für die Idylle britischer Dörfer interessiert. In jeder Staffel nimmt sich Penelope Keith einer bestimmten Region Großbritanniens an und bereist die „versteckten Dörfer“, die sie dann im Film vorstellt. Ständige Begleiter ihrer Reisen sind die Batsford Travel Guides, jene wunderschön gestalteten Reiseführer aus den 1930er Jahren.

In der ersten Staffel stehen East Anglia,  Nordwest-England und Nord-Wales und die Grafschaften Dorset, Somerset und Wiltshire im Mittelpunkt.
Gestern habe ich mir noch einmal die Episode „The Cotswolds“ aus der dritten Staffel angesehen, in der sie u.a. Bibury, Slad, Blockley, Hook Norton, Kelmscott und Down Ampney besucht.
Ideal ist diese TV-Serie, um sich vor einer Englandreise Tipps und Anregungen zu holen. „Penelope Keith’s Hidden Villages“ gibt es auf DVDaber auch auf Youtube bzw. Dailymotion sind einige Folgen zu sehen. Ein Begleitbuch zu der Serie erschien 2017 unter dem Titel „Hidden Villages of Britain„, das ich gerade lese und demnächst in meinem Blog separat vorstellen werde.

Da die Channel 4-Serie so erfolgreich war, setzte Penelope Keith sie mit einem anderen Schwerpunkt fort. 2017 war sie unter dem Titel „Penelope Keith’s Coastal Villages“ zu sehen und in diesem Jahr wurde in „Village of the Year with Penelope Keith“ Großbritanniens schönstes Dorf gesucht, das Broughshane im County Antrim in Nordirland wurde.

Penelope Keith lebt übrigens selbst auch in einem hübschen Dorf, in Milford in Surrey.

Bibury in Gloucestershire, vorgestellt in der „Cotswolds“-Episode von „Penelope Keith’s Hidden Villages“.
Photo © Alan Hughes (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 17. Juli 2018 at 02:00  Comments (6)  
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The National Film and Television School in Beaconsfield (Buckinghamshire)

Die großen Londoner Filmstudios liegen bzw. lagen alle an der Peripherie der Stadt. Die Pinewood Studios sind in Iver Heath (Buckinghamshire), die Elstree Studios in Borehamwood (Hertfordshire) und die Shepperton Studios in Shepperton (Surrey), um nur drei Beispiele zu bringen.
Die Beaconsfield Film Studios westlich von London, in der Grafschaft Buckinghamshire, gehören ebenfalls dazu. Sie begannen 1922 mit der Produktion von Filmen und bis in die 1960er Jahre wurde hier gedreht. Die International Movie Database listet 115 Filme auf, die in den Beaconsfield Studios entstanden, darunter die TV-Serie „Ivanhoe“ mit Roger Moore in der Hauptrolle, „Time Lock“ (dt. „Zwölf Sekunden bis zur Ewigkeit“) mit Robert Beatty und „The Wrong Arm of the Law“ (dt.“Gentlemenkillers“) mit Peter Sellers.

1971 wurde in Beaconsfield die National Film School gegründet, später in The National Film and Television School (NFTS) umbenannt, die auf das Gelände der ehemaligen Filmstudios zog. Die Schule hat hier alle Möglichkeiten, die man benötigt, um professionell Filme zu produzieren und sie gehört zu den renommiertesten ihrer Art weltweit. Wer an der NFTS seinen Abschluss macht, kann so gut wie sicher sind, eine Anstellung in der Filmindustrie zu bekommen. Die Produktionen der etwa 220 Studenten, die hier eingeschrieben sind, haben schon eine ganze Reihe von Preisen gewonnen, einige von ihnen sind sogar schon für einen Oscar nominiert worden.
Unterstützt wird die NFTS u.a von der BBC, der ITV und von Channel 4. Zu den Honorary Fellows zählen so berühmte Leute wie Lord Richard Attenborough, Sir Michael Caine, Sir David Lean und Ken Loach.

Zu den Studiengängen gehören beispielsweise Directing Commercials, Production Design, Screenwriting und Composing for Film & Television.

Im Jahr 2008 wurde ein neues Gebäude eingeweiht, The Oswald Morris Building, benannt nach dem vielleicht berühmtesten Kameramann Englands, Oswald Morris (1915-2014).

Die NFTS liegt in Beaconsfield an der Station Road, deren Verlängerung, Aylesbury End, auf den großen Kreisverkehr mitten im Ort mündet, der von der A40 gekreuzt wird. Die Kleinstadt gehört zu den wohlhabendsten Orten im Londoner Speckgürtel. Mehrere „Inspector Barnaby“-Episoden wurden hier gedreht (s. dazu meinen Blogeintrag). Ich war zuletzt vor einem halben Jahr hier und hatte große Probleme, einen Parkplatz zu finden, die Stadt war komplett zugeparkt. Ich habe den Eindruck, dass es in England wesentlich mehr Autos gibt als in Deutschland.

Author: Simonjon.
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„Der Doktor und das liebe Vieh“ und die Titelmelodie der TV-Serie

Im Vorspann der TV-Serie zu sehen: Bleaberry Gill Ford.
Photo © John Walton (cc-by-sa/2.0)

Am 8. Januar 1978 strahlte die BBC die erste Folge der TV-Serie „All Creatures Great and Small“ aus, basierend auf den Büchern des Tierarztes Alf Wight, der sie unter dem Pseudonym James Herriot geschrieben hatte. Auch in Deutschland waren diese Bücher sehr populär, was auch für die Fernsehserie galt, die unter dem Titel „Der Doktor und das liebe Vieh“ von der ARD gezeigt wurde. Hin und wieder gibt es immer noch Wiederholungen zu sehen. Gedreht wurde die Tierarztserie in den Yorkshire Dales, überwiegend in Askrigg im Wensleydale. Im Mittelpunkt der Serie standen James Herriot (gespielt von Christopher Timothy), Siegfried Farnon (Robert Hardy), Tristan Farnon (Peter Davison) und Helen Herriot (Carol Drinkwater bzw. Lynda Bellingham).

Wer die Serie gesehen hat, erinnert sich sicher auch noch an die Titelmelodie und den Vorspann. Der Zuschauer wird schon von Anfang an auf die Landschaft eingestimmt, in der die Tierärzte wirken. Gezeigt werden James und Siegfried wie sie gut gelaunt mit ihrem schwarzen Auto durch die Dales fahren, begleitet von ihrem Golden Retriever. Die Szene, in der sie durch den kleinen Bach fahren, der die Straße überquert, wurde am Bleaberry Gill Ford auf dem Reeth Low Moor gedreht, zwischen dem Swaledale und dem Arkengarthdale gelegen.

Die hübsche, eingängige Titelmelodie wurde von Johnny Pearson geschrieben und heißt „Piano Parchment„. Pearson und sein Orchester spielten diese Melodie wie auch die andere Musik in den Episoden (sehr schön ist auch sein „Over the Hedge Rows„). Johnny Pearson lebte von 1925 bis 2011 und arbeitete 16 Jahre lang mit seinem Orchester für die legendäre Musiksendung „Top of the Pops“. 1972 kam er selbst in die britischen Charts, als er mit der Titelmelodie einer anderen TV-Sendung, „Owen, M.D.“, die „Sleepy Shores“ hieß, bis auf Platz 8 vorstieß.

Alle 89 Episoden von „All Creatures Great and Small“ sind auf einer Boxset noch erhältlich; ebenfalls als Komplettbox in deutscher Synchronisation als „Der Doktor und das liebe Vieh“.

Askrigg im Wensleydale: Hier wurde ein großer Teil der Episoden gedreht.
Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. März 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Balderdash & Piffle – Eine sehr interessante Doku-Serie der BBC

Das Gebäude der Oxford University Press.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Bei „Balderdash & Piffle“ handelt es sich nicht um eine Comedy-Serie, bei der die Protagonisten diese merkwürdigen Namen tragen, sondern um eine aus zwei Staffeln bestehende Doku-Serie der BBC, die in den Jahren 2006 und 2007 gesendet wurde und alle jene angesprochen hat, die sich für das Thema Etymologie interessieren. Worum ging es in den 15 Folgen also?

Das Oxford English Dictionary (OED) ist ein monumentales Werk, dessen zweite Auflage aus zwanzig Bänden besteht, und dessen Ziel es ist „den gesamten englischen Wortschatz seit dem 9. Jahrhundert einschließlich aller bekannten Wortbedeutungen, -varianten und -verwendungen darzustellen“ (so die Wikipedia). Über 600 000 Wörter und Redewendungen sind bereits erfasst, und die Arbeit geht ständig weiter; natürlich existiert auch eine (gebührenpflichtige) Online-Ausgabe.

Nach Möglichkeit sind in dem von der Oxford University Press herausgegebenen Wörterbuch auch das Jahr der ersten Erwähnung der Wörter nachgewiesen, und hier setzt „Balderdash & Piffle“ (was beides soviel wie Quatsch und Unsinn bedeutet) an, herauszubekommen, ob bei einigen der im OED verzeichneten Wörter nicht doch noch eine frühere Fundstelle existiert. Klingt vielleicht nicht so spannend, ist es aber, denn die Serie wurde sehr unterhaltsam produziert. In jeder Folge wurde ein anderer Buchstabe in den Mittelpunkt gestellt, in der ersten zum Beispiel der Buchstabe „P“. Da ging es u.a. um den Ursprung der Wörter  „Pear-shaped“, „Polari“, „Pig“ und „“Ploughman’s Lunch“. Die Wörterjagd hatte in Folge 1 der Serie einen Erfolg: Der Ursprung des „Ploughman’s Lunch“ konnte weiter zurückverfolgt werden, als es das OED bisher nachgewiesen hatte. Über Erfolg bzw. Misserfolg der Wörterjagd entscheiden die Redakteure des OED.

Moderiert wurde die Sendung von Victoria Coren, die sich auch einen Namen als Buchautorin, Journalistin und Pokerspielerin gemacht hat. Ich finde, sie gestaltete die Moderation sehr charmant und amüsant.

Ich hatte damals im Jahr 2006 „Balderdash & Piffle“ in England gesehen und bin froh, dass man sich einige Folgen auch heute noch auf Youtube ansehen kann. Es lohnt sich wirklich!!! Hier ist zum Beispiel Folge 1.

Published in: on 25. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Lavenham in Suffolk – Schauplatz zahlreicher Film- und Fernsehproduktionen

Das De Vere-Haus in der Water Street.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Über die Kleinstadt Lavenham in Suffolk habe ich in meinem Blog zweimal geschrieben; einmal warf ich einen Blick auf die Gastroszene und einmal schrieb ich über das Swan Hotel.
Lavenham ist ein Bilderbuchstädtchen mit ganz vielen Fachwerkhäusern und so verwundert es nicht, dass hier schon zahlreiche Film- und Fernsehproduktionen stattgefunden haben. Einige davon möchte ich an dieser Stelle kurz erwähnen.

Der berühmteste Zauberlehrling der Welt, Harry Potter, kam in Lavenham zur Welt, so zu sehen in „Harry Potter and the Deathly Hallows “ (dt. „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“), und zwar im De Vere Haus in der Water Street, einem uralten Haus aus dem 14. Jahrhundert, das in diesem Jahr für fast £1 Million auf den Markt kam. Benannt ist es nach der De Vere-Familie, die im Mittelalter zu den reichsten der ganzen Region gehörte. Hier ist ein Blick in das Innere des Hauses.

1975 kam der berühmte Regisseur Stanley Kubrick nach Lavenham, um hier Szenen für seinen Film „Barry Lyndon“ (dt. „Barry Lyndon“) zu drehen. Dafür verwendete Kubrick die Guildhall am Market Place, die dem National Trust gehört und die im frühen 16. Jahrhundert gebaut wurde. Ein idealer Platz für die Filmszene, die hier zu sehen ist.

Auf dem selben Marktplatz fand die Hexenverbrennung statt, die in dem 1968 gedrehten Film „The Witchfinder General“ (dt. „Der Hexenjäger“) zu sehen ist (in diesem Film ab 1:42), mit Vincent Price in der Hauptrolle.

Gleich drei Episoden der TV-Serie „Lovejoy“ (1986-1994) um den gleichnamigen Antiquitätenhändler wurden in Lavenham gedreht, u.a. die Folge „Last Tango in Lavenham„, die hier in voller Länge zu sehen ist. Leider wurde die Serie im deutschen Fernsehen nie gesendet.

Die Guildhall.
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 25. Dezember 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Cardboard Citizens – Eine Londoner Theatertruppe der besonderen Art

Zwei Obdachlose am Londoner Trafalgar Square.
Photo © Robin Stott (cc-by-sa/2.0)

Die Schauspielerin Kate Winslet ist seit einigen Jahren Ambassador for Cardboard Citizens, einer Londoner Theatergruppe, die mit Obdachlosen für Obdachlose Theater spielt. 1991 entstand die Idee zu Cardboard Citizens in der Cardboard City, das war eine aus  Pappkartons bestehende Wohnecke in der Nähe des Waterloo Bahnhofs, wo „homeless people“ eine notdürftige Bleibe gefunden hatten. Heute steht an der Stelle das IMAX Kino. The Levellers schrieben einen Song darüber „Cardboard Box City„, ebenso die Formation Madness mit „Victoria Gardens„.

Die Theatergruppe bestand in der Anfangszeit aus Bewohnern dieses Camps, aus Trinkern, Strichern, Transvestiten und anderen Männern und Frauen, die auf der Schattenseite Londons lebten. Die Idee hinter den Cardboard Citizens ist die, den obdachlosen Menschen  mit Hilfe der künstlerischen Betätigung eine Aufgabe zu geben und ihnen zu helfen, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Außerdem sollen die Theaterstücke auf die Lage der Obdachlosen aufmerksam machen. Gespielt wird an allen möglichen Schauplätzen, das kann ein reguläres Theater sein, aber auch in Asylen, in Privatwohnungen oder auf der Straße.

Mittlerweile tourt die Theatergruppe auch außerhalb Londons und hat schon mit namhaften Bühnen kooperiert wie der Royal Shakespeare Company und der English National Opera. Hier ist ein Film über die Cardboard Citizens.

Über das Thema Obdachlosigkeit in England schrieb ich in meinem Blog zweimal, einmal über die Zeitschrift „The Big Issue“ und einmal über das Buch „No Fixed Abode“ von Charlie Carroll, das sich mit „homelessness“ beschäftigt.

Published in: on 27. November 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Baddeley Cake im Londoner Drury Lane Theatre

Robert Baddeley, der Spender des nach ihm benannten Kuchens, in seiner letzten Rolle als Moses in Sheridans „School for Scandal“. This image is in the public domain.

Vor einigen Jahren habe ich einmal das Londoner Theatre Royal in der Drury Lane besichtigt (übrigens eines der „most haunted theatres“ in England, ich berichtete darüber in meinem Blog). Leider habe ich bisher noch keine Vorstellung dort besucht.

In diesem Theater spielt sich jedes Jahr am 6. Januar (Twelfth Night) eine besondere Zeremonie ab: Nach dem Ende der Vorstellung wird dann der sogenannte Baddeley Cake angeschnitten. Robert Baddeley (1733–1794) war ein Schauspieler, der ab 1762 bis zu seinem Tod im Theatre Royal arbeitete. Seine letzte Rolle war die des Moses in Richard Brinsley Sheridans Stück „The School for Scandal“ (dt. „Die Lästerschule“). Bevor Baddeley starb, legte er testamentarisch fest, dass jedes Jahr am 6. Januar im Green Room des Theaters Wein und Kuchen für die Theatertruppe gereicht werden soll. Die dafür notwendigen £3  sollten aus seinem Vermächtnis entnommen werden.

Dieser Brauch, der erstmals am 6. Januar 1796 vollzogen wurde,  hat sich bis heute gehalten. Seit ab 1975 Alan Barrett aus Bath den Baddeley Cake gestaltete, nahm er die Form einer Modetorte an, d.h. jedes Jahr war die Vorstellung vom 6. Januar maßgebend für das Aussehen des Cakes. So gab es schon Torten mit Motiven aus  Hello Dolly, Pirates of Penzance, 42nd Street, Miss Saigon und My Fair Lady.

Seit 2009 hat die Firma Squires Kitchen aus Farnham in Surrey die Gestaltung des Baddeley Cakes übernommen.

Das Theatre Royal, Drury Lane. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Paul Gillett

Published in: on 25. August 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Peter Cushing (1913-1994), der Horrorfilmschauspieler, und Whitstable in Kent

Peter Cushings Wohnhaus, Seaway Cottage, in Whitstable.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Der 1913 in London geborene Schauspieler Peter Cushing ist vor allem durch seine Auftritte in zahlreichen Horrorfilmen in Erinnerung geblieben. 1939 war er erstmals in einer kleinen Rolle in dem Film „The Man in the Iron Mask“ zu sehen, letztmals 1984 in „Sword of the Valiant„. Dazwischen erlebte man Peter Cushing als Dr Van Helsing in Dracula (1958), als Victor Frankenstein in mehreren Frankenstein-Filmen, als Sherlock Holmes in „The Hound of the Baskervilles“ (1959) usw. usw.

Als Wohnort hatte sich Peter Cushing schon früh für den kleinen für seine Austern berühmten Küstenort Whistable im Norden Kents entschieden, in den er 1959 zog und in dem er bis zu seinem Tod im Jahr 1994 wohnte. Cushing und seine Frau Helen erwarben in unmittelbarer Nähe zum Meer das Haus 3 Seaway Cottage und sie fühlten sich hier zeitlebens wohl, geachtet und in Ruhe gelassen von den Bürgern Whitstables. Das Haus ist heute mit einer blauen Plakette verziert, die die Aufschrift „Peter Cushing O.B.E. 1913-1994  Actor lived here 1959-1994“ trägt.

Auch heute noch, 23 Jahre nach seinem Tod, sind Spuren Peter Cushings in Whitstable zu finden; so gibt es am Ende der High Street einen kleinen Aussichtspunkt, der sich Cushing’s View nennt und der zu seinen Lieblingsplätzen im Ort gehörte. An einer Sitzbank ist eine Plakette montiert, die darauf hinweist, dass die Bank von Helen und Peter Cushing gestiftet wurde. Gleich um die Ecke liegt eine kleine Straße namens Cushing’s Walk und in der Oxford Street  befindet sich ein Pub, der nach dem Schauspieler benannt wurde: The Peter Cushing.

In der Oxford Street liegt auch das Whitstable Museum & Gallery, in dem Erinnerungsstücke an Peter Cushing ausgestellt sind.

Die Band The Jellybottys nahmen einmal einen Tributsong auf mit dem Titel „Peter Cushing Lives in Whitstable“, hier zu hören.

Dieser Film zeigt Peter Cushings Spuren in der Küstenstadt in Kent.

Cushing’s Walk.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

The Peter Cushing Pub.
Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)

Die West Pier in Brighton und die Filme, die hier gedreht wurden

Eigenes Foto.

Vor dem British Airways i360-Turm am Strand von Brighton (ich berichtete in meinem Blog darüber) stehen noch immer einige wenige der  verbrannten Reste der West Pier im Meer, auf der früher einmal das große Pavilion Theatre stand, das 1000 Besuchern Platz bot. 1866 wurde die Pier eröffnet und 1975 geschlossen. Danach verfiel sie allmählich und wurde 2003 ein Opfer zweier Brände. Stürme taten ein übriges und zerstörten auch noch die Ruinen. Es gab immer wieder Pläne, an der Stelle eine neue Pier zu bauen, die aber immer wieder zu den Akten gelegt wurden.

Die Pier war mehrere Male Schauplatz von Filmen, die hier gedreht wurden. Hier sind einige Beispiele:

Aus der „Carry On“-Reihe fanden in den 1970er Jahren die Dreharbeiten zu „Carry On, Girls“ (dt. “ Ist ja irre – Mißwahl auf Englisch“) und „Carry On at Your Convenience“ (dt. „Ist ja irre – Ein Streik kommt selten allein“) u.a. auf der Pier statt. Die Klamaukfilme waren damals die größten kommerziellen Erfolge in Großbritannien.

Richard Attenborough hatte mit „Oh What a Lovely War“ (1969) sein Debut als Regisseur. In dem Musikfilm traten Schauspieler auf, die damals schon einen großen Namen hatten bzw. sich später einen großen Ruf erwerben sollten wie Dirk Bogarde, Laurence Olivier, Vanessa Redgrave und Maggie Smith.

In dem Film „Villain“ (1971) mit Richard Burton in der Hauptrolle, der den deutschen Titel „Die alles zur Sau machen“ trug, ist die West Pier zu sehen, ebenso wie in den Eröffnungsszenen von „Loot“ (dt. „Die größten Gauner weit und breit“) aus dem Jahr 1970.

Joan Collins und Alan Price waren 1975 in dem Film „Alfie Darling“ zu sehen, der den vielversprechenden deutschen Titel „Alfie, der liebestolle Schürzenjäger“ hatte.

Der in Brighton geborene Regisseur Pete Walker drehte 1968 an der West Pier seinen Film „The Big Switch“ (dt. „Die Sexparty“) und Ross Boyask 1995 den Thriller „Night Warrior: Deadly Jade„.

In dem Musikvideo „Just Like Fred Astaire“ aus dem Jahr 1999 der aus Manchester stammenden Rockband James ist die kleine hässliche Schwester der Palace Pier in Brighton ebenfalls zu sehen.

 

Published in: on 2. August 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Swandown – 160 Meilen mit dem Tretboot von Hastings nach Hackney

Hier in Hastings begann die Tretbootfahrt.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Ich habe in meinem Blog schon mehrfach von kuriosen Durchquerungen Englands bzw. Großbritanniens berichtet, zum Beispiel von der „Rennstrecke“ Land’s End – John O’Groats, die einige nackt, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Linienbussen zurückgelegt haben. Der Schauspieler David Walliams hat vom 5. bis zum 12. September 2011 die Themse auf 140 Meilen durchschwommen. Eine recht exzentrische Reise haben Iain Sinclair und Andrew Kötting 2012 unternommen: Sie sind mit einm Tretboot in Form eines Schwans von Hastings bis nach Hackney gefahren und haben darüber einen Film gedreht, der den Titel „Swandown“ trägt.

Iain Sinclair ist Schriftsteller, und ich habe sein Buch „London Orbital„, das 2002 erschienen ist, in meinem Blog vorgestellt. Es handelt von einer Umrundung Londons entlang der Autobahn M25 und ist hochinteressant. Andrew Kötting ist Filmemacher.

Die Fahrt mit dem Tretboot, das sie Edith genannt haben, führt Sinclair und Kötting von Hastings an der englischen Südküste auf Wasserwegen bis nach Hackney im Osten Londons (wo Sinclair wohnt) und wo in jenem Jahr die Olympischen Spiele durchgeführt wurden. Der Schriftsteller war entschiedener Gegner dieses sportlichen Großereignisses, weil es seiner Meinung nach die gesamte soziale Struktur dieser Region negativ verändert hatte („War by other means“); das Thema ist Inhalt seines Buches „Ghost Milk„, das 2011 erschien. So soll die Tretbootfahrt, die von den Medien aufgegriffen wurde, unter anderem auch auf die Problematik der Olympischen Spiele in London aufmerksam machen. Doch die Film-Reise ist nicht nur als Protest anzusehen, sie zeigt auch die Menschen, die an den „English Waterways“ leben und die bezaubernde Landschaft, die an den Tretbootfahrern vorüberzieht. Besucht werden Sinclair und Kötting auf ihrer Fahrt von dem Satiriker Stewart Lee, dem Schriftsteller und Comicautor Alan Moore und dem Schauspieler Dudley Sutton.

„Swandown“ kam am 20. Juni 2012 in die Kinos und wurde außerhalb Großbritanniens nur noch in Dänemark und in Frankreich gezeigt (dort beim Cannes Film Festival 2013). Hier sind einige Impressionen von der Tretbootreise zu sehen.

…und hier am River Lea in Hackney endete die Reise.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Juni 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – Steve Clark and Shoba Vazirani: The British Television Location Guide

Foto meines Exemplares.

Hier ist ein Buch für alle Freunde britischer Fernsehserien, die sich dafür interessieren, wo diese Serien gedreht wurden. „Location spotting“ ist für viele zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung geworden (ich selbst bin ein „Midsomer Murder Location Spotter“) und so profitieren viele Dörfer, die als Drehort fungierten und die früher kaum jemand kannte, von dem Besucherstrom. Das recht einsam gelegene Goathland in North Yorkshire beispielsweise wird im Sommer immer noch von Touristenscharen aufgesucht, die hier auf den Spuren der Dorfkrimi-Serie „Heartbeatwandeln.
Die Pubs und Cafés in Holmfirth (West Yorkshire) freuen sich über die vielen Fans der Sitcom „Last of the Summer Wine„, die in der Kleinstadt für Umsatz sorgen.

Steve Clark und Shoba Vazirani stellen in ihrem „The British Television Location Guide„, nach Regionen unterteilt, Dutzende von diesen Drehorten vor und informieren auch über die Serien selbst. Viele dieser Serien sind in Deutschland kaum bekannt, weil sie im Fernsehen hier nicht ausgestrahlt wurden. Als Beispiele seien nur die Dauerbrenner „Coronation Street“, „EastEnders“ oder auch „The Vicar of Dibley“ genannt. Doch dank Youtube kann man sich von den meisten der in diesem TV-Guide genannten Serien auch in Deutschland zumindest einen Eindruck verschaffen.

Steve Clarks „Location Guide“ eignet sich sehr gut für einen Englandurlaub, denn irgendwo ist immer ein Drehort in der Nähe zu finden. Die Neuauflage von 2013 ist noch einmal aktualisiert und erweitert worden und enthält jetzt auch u.a. „Downton Abbey“, „Broadchurch“ und „Call the Midwife“.

Steve Clark and Shoba Vazirani: The British Television Location Guide. Splendid Books 2013. 144 Seiten. ISBN 978-1909109025.

Die vorige Auflage.
Foto meines Exemplares.

Das Postamt von Aidensfield aus der Serie „Heartbeat“ in Goathland (North Yorkshire).
Photo © Bill Henderson (cc-by-sa/2.0)

Eine Tour auf den Spuren der Serie „The Last of the Summerwine“ in Holmfirth (West Yorkshire).
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

St Mary the Virgin in Turville (Buckinghamshire), wo „The Vicar of Dibley“ gedreht wurde.
Eigenes Foto.

Published in: on 20. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Tube Tales – Geschichten aus der Londoner U-Bahn

Die U-Bahnstation Bethnal Green.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

In der Regel ist eine Fahrt in der Londoner U-Bahn eher langweilig. Die Fahrgäste sitzen oder stehen in den Waggons und hoffen, bald an ihrem Ziel anzukommen. Man liest in der Zeitung oder in einem Buch, hört Musik über sein Smartphone und vermeidet möglichst Blickkontakte. Aber manchmal passiert doch etwas; etwas das im Gedächtnis haften bleibt. In den 1990er Jahren sammelte das Londoner Magazin „Time Out“ Geschichten von Menschen, die in der „Tube“, wie die U-Bahn in der Metropole genannt wird, ungewöhnliche Erlebnisse hatten und diese wurden als „Tube Tales“ verfilmt. Neun Kurzfilme entstanden, bei denen namhafte Leute die Regie führten, unter anderem die als Schauspieler bekannten Jude Law, Ewan McGregor und Bob Hoskins. Gedreht wurde 1999 in der Londoner U-Bahn, zum Beispiel in den Stationen Bethnal Green, Holborn und Marylebone.

Ich habe zwei von diesen neun Kurzfilmen herausgesucht; da ist einmal „Horny„, das unter der Regie von Stephen Hopkins entstand. In den beiden Hauptrollen sind Denise van Outen (vor allem als TV-Moderatorin und auch als Sängerin bekannt) und Tom Bell (1933-2006) zu sehen. In dieser erotischen Geschichte wird ein älterer Geschäftsmann von einer attraktiven jungen Frau so erregt, dass das deutlich zu erkennen ist. Sehr schön ist das Mienenspiel der alten Dame, gespielt von Liz Smith (1921-2016).

Sehr viel unappetitlicher geht es in „Mouth“ zu, bei dem Armando Giovanni Iannucci Regie führte. Hier mischt zuerst eine nervige Gruppe junger Mädchen den U-Bahnwaggon auf, bis eine junge Frau den Zug betritt und die Fantasien der anwesenden Männer wach werden lässt. Doch plötzlich wird alles ganz anders… Die Hauptrolle in diesem Film spielt die schottische Schauspielerin Daniela Nardini.

Holborn Tube Station.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 14. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Thetford in Norfolk – Der Wallfahrtsort für alle „Dad’s Army“-Fans

Die Bronzestatue des Captain Mainwaring in Thetford.
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Von 1968 bis 1977 strahlte die BBC in 80 Episoden eine Sitcom-Serie mit dem Titel „Dad’s Army“ aus, die noch immer zu den legendärsten ihrer Art in Großbritannien gehört. In Deutschland wurde „Dad’s Army“ nie gesendet.

„Schauplatz der Serie ist das fiktive Städtchen Walmington-on-Sea an der Südküste Englands. Dort ist zur Zeit des Zweiten Weltkriegs ein Zug der British Home Guard stationiert, der sich aus örtlichen Freiwilligen zusammensetzt. Das erbärmliche Häuflein aus nur bedingt diensttauglichen Rentnern und unerfahrenen Grünschnäbeln unter der Leitung des diensteifrigen Bankfilialleiters George Mainwaring, möchte seinen Teil dazu beitragen, dass die Nationalsozialisten nicht England erobern. Den Hintergrund der Handlung bildet demnach die immer währende Bedrohung einer deutschen Invasion über den Ärmelkanal. Tatsächlich bekommt die Dad’s Army aber nur selten Feindkontakt. Viel mehr haben die Männer mit lokalen Problemen zu kämpfen“. So beschreibt die Wikipedia zutreffend den Inhalt der Serie.

Gedreht wurde damals fast ausschließlich in der Kleinstadt Thetford in Norfolk (das Walmington-on-Sea) , die auch heute noch ein Wallfahrtsort für die vielen Anhänger der Serie ist.
Da gibt es einmal das 2007 eröffnete Dad’s Army Museum, in dem man alles zusammengetragen hat, was mit der TV-Serie zu tun hat.

Gegenüber vom The Bell Hotel wurde eine Bronzestatue von Arthur Lowe als Captain Mainwaring  aufgestellt, die ständig an die Abenteuer der Heimatfrontsoldaten erinnern soll.

Die Dad’s Army Appreciation Society hat ebenfalls die Erinnerung an die Serie auf ihre Fahnen geschrieben und hat weltweit über 1700 Mitglieder.

Weiterhin werden geführte Touren durch Thetford auf den Spuren von Captain Mainwaring, Sergeant Wilson und Lance-Corporal Jones angeboten, die etwa 90 Minuten dauern.

Hier ist die Titelmelodie Who do you think you are kidding, Mr Hitler?von Bud Flanagan zu hören und hier eine Folge der Serie zu sehen.
2016 kam auf der Basis der Serie ein Spielfilm mit dem Titel „Dad’s Army“ in die Kinos, der allerdings nicht in Thetford, sondern in und um Bridlington in East Yorkshire gedreht wurde. Hier ist der Trailer.

Das Buch zum Thema:
Graham McCann: Dad’s Army – The story of a classic television show. Fourth Estate 2001. 304 Seiten. ISBN 1-84115-308-7.

Das Dad’s Army Museum.
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Published in: on 1. Mai 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Jim Carter, der Butler Carson aus „Downton Abbey“, und seine Beziehung zu Harrogate in West Yorkshire

The Stray.
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Der Kurort Harrogate in West Yorkshire ist vielen Deutschen vor allem dadurch bekannt, dass hier die Sängerin Nicole beim 27. Eurovision Song Contest am 24. April 1982 im Conference Centre mit „Ein bisschen Frieden“ den Sieg für Deutschland holte.

Am 19. August 1948 wurde in diesem hübschen, angenehmen Kurort Jim Carter geboren, dessen spätere Schauspielerkarriere durch seine Rolle als Butler Carson in der Erfolgs-TV-Serie „Downton Abbey“ einen steilen Knick nach oben machte. Der Mann mit der sonoren Stimme verbrachte seine Kindheit und Jugend in Harrogate, wo er mit seinen Eltern in einem viktorianischen Haus am The Stray wohnte, einem Parkgebiet am südöstlichen Stadtrand, das sicher jeder kennt, der schon einmal in Harrogate weilte. Carter besuchte das Ashville College am Green Lane, rund zwei Kilometer vom Wohnhaus seiner Eltern entfernt. Hier wurde er in seinem letzten Schuljahr zum „head boy“, also zum Schulsprecher gewählt. Einer seiner Vorgänger als „head boy“ im Ashville College war übrigens Tony Richardson (1928-1991), ein weiterer Mann aus der Filmbranche, der als Regisseur und Produzent erfolgreich war und für seinen Film „Tom Jones“ 1964 einen Oscar als bester Regisseur erhielt.

Jim Carter ist seiner Heimatstadt in West Yorkshire treu geblieben und kommt immer mal wieder hierher zu Besuch. Auch weil seine 98jährige Mutter Molly im Pflegeheim The Granby an der Granby Road untergebracht ist. Erst im Februar eröffnete er einen neuen Fernsehraum in dem Heim, das gerade umgebaut wird. The Granby war einmal eines der besten Hotels in Harrogate.

Auch ins Ashville College zog es Jim Carter zurück, wo er im März 2014 das renovierte Soothill Auditorium eröffnete. Das College hat das Studio für seine Schauspielschüler nach ihm benannt. Eine Tafel an der Außenwand weist darauf hin: „The CARTER STUDIO Dedicated by Jim Carter (OA) on 16th March 2014“. Hier an der Schule hat Jim Carter auch seine ersten zaghaften Versuche auf der Bühne unternommen.

Ein weiterer Besuch Carters in seiner Geburtsstadt galt im Dezember 2013 dem Royal Pump Room Museum, wo eine Ausstellung mit dem Titel „Age of Elegance: Costumes from Downton Abbey“ stattfand. Im Mittelpunkt dieser Ausstellung standen die Original-Kostüme, die die Damen in der TV-Serie in der ersten Staffel getragen hatten. Das Royal Pump Room Museum ist an der Royal Parade in Harrogate zu finden.

Vielleicht sehen wir Jim Carter als Butler Carson ja bald wieder, denn möglicherweise wird nach dem Ende der TV-Serie ein Spielfilm „Downton Abbey“ gedreht.

Das Ashville College.
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The Granby.
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The Royal Pump Room Museum.
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Halton House in Buckinghamshire

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Halton House ist eine der vielen Landsitze, die sich die superreiche Rothschild-Familie in Buckinghamshire geleistet haben, neben dem Waddesdon Manor, den Mentmore Towers und dem Aston Clinton House. Gebaut wurde Halton House von 1880 bis 1883 für Alfred von Rothschild, einem Banker, der u.a. die Bank von England leitete. Wenn man den Landsitz sieht, fühlt man sich an die Loire versetzt, denn das Haus wurde im Stil eines französischen Schlosses erbaut. Solange Alfred von Rothschild hier wohnte, wurden gern Feste gefeiert und es herrschte ein ausgelassenes Leben auf Halton House. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, ging leider alles den Bach hinunter: Der Hausherr erkrankte und starb 1918, das Haus erbte sein Neffe, der es absolut nicht mochte und es versteigern ließ. Es ging in den Besitz der Royal Air Force über, die es für einen Schnäppchenpreis übernahm. Noch heute dient Halton House als Offizierskasino für einen der größten britischen Luftwaffenstützpunkte, RAF Halton bei Wendover in Buckinghamshire.

Das architektonisch sehr ansprechende Gebäude geriet schnell ins Visier der Location Scouts der Film- und Fernsehindustrie und so wurden hier zahlreiche Filme gedreht. Hier einige Beispiele:

In „The King’s Speech“ (dt. The King’s Speech“) diente der Gold Room im Jahr 2010 als der Ort, in dem Colin Firth alias Georg VI. seine Rede an die Nation einstudierte.

Teile des James Bond-Films „The World Is Not Enough“ (dt. James Bond 007 – Die Welt ist nicht genug“) mit Pierce Brosnan wurden hier 1999 gedreht.

What a Girls Wants“ (dt. „Was Mädchen wollen“), eine Teenagerkomödie, wieder mit Colin Firth, dieses Mal als Lord Henry Dashwood, nutzte 2003 das eindrucksvolle Chateau.

In der Erfolgsserie „Downton Abbey“ dient Halton House in der 6. Episode der 2. Staffel als Haxby Park, wo Lady Marys Verehrer, Sir Richard Carlisle, wohnt.

Dieser Film zeigt die Schönheit vom Halton House.

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Mein Buchtipp – Matthew Sweet: Shepperton Babylon – The Lost Worlds of British Cinema

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Gerade habe ich eine sehr interessante Lektüre beendet, die sich mit der Geschichte des britischen Films beschäftigt: „Shepperton Babylon – The Lost Worlds of British Cinema“ von Matthew Sweet. Angelehnt ist der Buchtitel an Kenneth Angers „Hollywood Babylon“ (1965 erschienen, nach wenigen Tagen der Zensur zum Opfer gefallen, und dann 1975 erneut auf den Markt gekommen. Die deutsche Übersetzung lautet ebenfalls „Hollywood Babylon“), der sich in seinem Buch mit den Schattenseiten der Filmstadt in Kalifornien auseinandersetzt.

Matthew Sweet (1969 geboren) ist Filmspezialist und arbeitet für die BBC. Shepperton ist der Name eines Filmstudios in der gleichnamigen Stadt in der Grafschaft Surrey, in dem zahllose Produktionen stattgefunden haben. Anfang der 1930er Jahre gegründet, werden hier noch heute Filme gedreht. Sweets Buch ist aber keine Geschichte dieses einzelnen Studios, sondern ein Überblick über die gesamte Filmgeschichte Großbritanniens, bei der, wie bei Kenneth Anger, auch Informationen über die „dark side“ des Geschäfts gegeben werden (Skandale, Selbstmorde, Sexgeschichten).

Viele Filme aus der Anfangszeit existieren nicht mehr; etwa 2000 sind schon sehr früh vernichtet worden wie Matthew Sweet im Vorwort des Buches schreibt. Die Namen von Schauspielern, Regisseuren und Produzenten aus den ersten Jahrzehnten der britischen Filmindustrie sind heute nur noch Spezialisten bekannt. Interessant, dass man auf Youtube doch noch manchmal Filmschnipsel bzw. komplette Filme aus dieser Zeit findet. Mir machte es sehr viel Spaß, parallel zur Lektüre den einen oder anderen Filmausschnitt der genannten Produktionen anzusehen. Das Buch endet mit zwei Kapiteln, die sich mit den „exploitation films“ und den „sexploitation films“ beschäftigen, das sind Filme, in denen Gewalt bzw. Sex im Mittelpunkt stehen. Hier treffen wir auf Filmtitel wie „Confessions of a Window Cleaner“, „Let’s Get Laid“ und „Naked as Nature Intended“; letzterer mit Pamela Green, ein harmloser „nudie flick“ aus dem Jahr 1961, über den ich in meinem Blogeintrag über den „Spielplatz“ bei St Albans (Hertfordshire) berichtete.

Das Buch hat im Anhang eine umfangreiche Filmografie und Bibliografie, so dass man sich mit einzelnen Aspekten oder Personen der britischen Filmgeschichte detaillierter beschäftigen kann. Eine lohnende Lektüre!

2005 zeigte BBC Four eine gleichnamige 60minütige Dokumentation, zu der Matthew Sweet das Drehbuch schrieb.

Matthew Sweet: Shepperton Babylon – The Lost Worlds of British Cinema. Faber and Faber 2005. 388 Seiten.
Ich besitze die Originalausgabe; erhältlich im Buchhandel ist noch die Paperbackausgabe.

 

 

Published in: on 20. Januar 2017 at 02:00  Comments (2)  

„Till Death Us Do Part“ – Vorbild für die deutsche TV-Serie „Ein Herz und eines Seele“

Kein Silvesterabend an dem in den ARD-Sendern nicht „Der Silvesterpunsch“ gezeigt wird; das gleiche gilt für den Rosenmontag, an dem „Der Rosenmontagsumzug“ fest eingeplant ist. Beide Sendungen sind Teile der TV-Serie „Ein Herz und eine Seele„, die in den 1970er Jahren in 25 Episoden gezeigt wurde. Auch heute noch, nach über 40 Jahren, kann man über Ekel Alfred und seine Familie herzlich lachen.
Im Abspann jeder Folge steht zu lesen „Nach einer Idee von Johnny Speight„; das heißt im Klartext, „Ein Herz und eine Seele“ hatte eine englische Vorlage. Wer war nun dieser Johnny Speight und wie hieß die Vorlage?

Johnny Speight wurde am 2. Juni 1920 in der Chester Road Nummer 57 im Osten Londons geboren, einem schmalen Reihenhaus gegenüber der Hilda Road School. Mitte der 1950er Jahre begann er für den Rundfunk, später für das Fernsehen, Drehbücher für Comedy-Sendungen zu schreiben, u.a. für Eric Sykes und Spike Milligan.
1965 hatte Mr. Speight die Idee, eine TV-Serie ins Leben zu rufen, in der ein ständig nörgelnder Mann, seine etwas beschränkte Frau, eine kesse Tochter und der politisch links orientierte Schwiegersohn im Mittelpunkt standen. „Till Death Us Do Part“ hieß dann das fertige Produkt, das erstmals am 22. Juli 1965 als Pilotsendung gestartet wurde und ein Jahr später als Serie lief.

Die Hauptpersonen:
Alfred „Alf“ Garnett ist der „Herr des Hauses“ (Alfred Tetzlaff in „Ein Herz und eine Seele“). Er wohnt mit den seinen in einem Haus in Wapping im Osten Londons. Porträtiert wird er von Warren Mitchell (1926-2015), einem Schauspieler, der zweimal den Laurence Olivier Award erhielt.

Seine Frau Elsie ‚Else‘ Garnett wird von Dandy Nichols (1907-1986) gespielt (Else Tetzlaff in der deutschen Version), oftmals als „silly moo“ betitelt, in der deutschen Fassung drastischer als „dusselige Kuh“.

Una Stubbs (geboren 1937) war Rita Rawlins, die Tochter der Garnetts (Rita Graf, geborene Tetzlaff in „Ein Herz und eine Seele“). Die Schauspielerin war im deutschen Fernsehen zuletzt in der „Inspector Barnaby“-Episode  101 „The Dagger Club“ (dt. „Britisches Roulette“) als Audrey Braylesford zu sehen.

Die Rolle des Mike Rawlins, Alfreds Schwiegersohn, übernahm Antony Booth (geboren 1931), der 2006 seine Schauspielerkarriere aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Sein deutscher Gegenpart ist Michael Graf, Alfred Tetzlaffs Schwiegersohn.

Im Gegensatz zu der deutschen TV-Serie, von der sämtliche Folgen erhalten und auf Youtube anzusehen sind, fehlen von der englischen Originalfassung viele Episoden der Anfangszeit, die die BBC aus ihren Archiven gelöscht hat.

Hier ist eine Folge in der Originalfassung zu sehen und hier eine in deutscher Synchronisation (die ARD zeigte einige Episoden ab 1969).

Published in: on 9. Januar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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