Alex Mitchell, ein Mann aus King’s Lynn (Norfolk), der sich buchstäblich zu Tode lachte, während er im Fernsehen eine Comedyshow sah

Dem kann ich leider nicht uneingeschränkt zustimmen…
Author: Melody Campbell
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Die englischsprachige Wikipedia hat einen eigenen Eintrag zum Thema „Death from laughter“ („Tod durch Lachen“ heißt der Artikel in der deutschsprachigen Ausgabe); darin wird auch der eigenartige Tod des Alex Mitchell aus King’s Lynn (Norfolk) zitiert, der sich am 24. März 1975 tatsächlich zu Tode lachte, während er sich im Fernsehen eine Folge der Comedyshow „The Goodies“ ansah. Der gelernte Maurer brach in ein unkontrolliertes Gelächter aus, das eine halbe Stunde andauerte, dann brach er zusammen und war tot. Ist das eine schöne Art zu sterben? Darüber mag man geteilter Meinung sein. Alex Mitchells Frau schrieb später einen Brief an die Comedians der Show, in dem sie sich dafür bedankte, dass sie ihrem Mann die letzten Momente auf Erden so angenehm gemacht hatten.

Was war denn nun an der Comedyshow so lustig? The Goodies waren die drei Comedians Tim Brooke-Taylor, Graeme Garden und Bill Oddie, die von 1970 bis 1982 allerlei mehr oder weniger alberne Sketche aufführten und die sich viele Jahre später noch einige Male zu Reunion Shows zusammenfanden. Die Episode, die dem Mann aus King’s Lynn das Leben kostete, weil er sich über alle Maßen amüsierte, hieß „Kung Fu Kapers„. Darin geht es um das Erlernen der Kampfsportart Kung Fu von Tim und Graeme, während der dritte Goodie, Bill, sich über seine Kumpels lustig macht, weil er selbst eine eigene Kampfsportversion namens Ecky Thump beherrscht, die eigentlich nur darin besteht, tollpatschige Angreifer mit einem Black Pudding auf den Kopf zu hauen. Nun, das mag man lustig finden (oder auch nicht), Alex Mitchell jedenfalls amüsierte sich köstlich bis zu seinem letzten Atemzug.

Der wahre Grund für Alex Mitchells plötzliches Ableben war aber wahrscheinlich ein anderer: Er litt unter dem sogenannten Long-QT-Syndrom, eine seltene, oft vererbte Krankheit, die zum plötzlichen Herztod führen kann. Bei seiner Enkelin stellten die Ärzte dieselbe Krankheit fest.

Hier sind die Ecky Thump-Szenen zu sehen und hier die ganze Episode.

Published in: on 24. Juni 2021 at 02:00  Comments (3)  

Beer in Devon und die älteste Wurlitzerorgel in Großbritannien

Beer ist ein Dorf an der Südküste von Devon mit einem sehr netten Namen, ein Traumwohnort für alle Biertrinker. Doch um dieses Thema geht es in meinem heutigen Blogeintrag nicht, sondern um Großbritanniens älteste Wurlitzerorgel, die in der Congregational Church in der Fore Street ihre letzte Heimstätte gefunden hat.

Als es noch keine Tonfilme gab, wurden in den Kinos die Stummfilme gern mit Musik untermalt, unter anderem mit Hilfe der in den USA hergestellten Wurlitzer theatre organs. Unsere Wurlitzer Opus Number 956 in Beer wurde bereits 1924 gebaut und zwar in North Tonawanda im US-Bundesstaat New York. Per Schiff kam sie nach Southampton, und von dort wurde sie in das The Picture House in Walsall in den West Midlands transportiert. Ihre Premiere feierte sie am 26. Januar 1925, als sie die Hintergrundmusik zu dem Film „Claude Duval“ mit Fay Compton und Nigel Barrie lieferte.

Die Wurlitzer versah von nun an für viele Jahre ihren Dienst im Picture House, auch als das Zeitalter der Tonfilme anbrach. Da wurde sie in den Pausen gespielt, oder Organisten waren an ihr für Soloauftritte zu hören. 1955 sah man keinen Verwendungszeck mehr für die Orgel, und das Gerät fand für zwei Jahre einen Unterschlupf in einem Privathaus in Sedgley, nicht weit von Walsall entfernt.
Von dort aus gelangte die Wurlitzer schließlich an die Südküste von Devon, wo sie in der  Congregational Church in Beer installiert wurde; allerdings entfernte man dort alle Showeffekte, die die Orgel während ihres Kinolebens hatte.

Im Jahr 2009 erhielt die Wurlitzer eine Generalüberholung, wofür ein extra dafür gegründeter Zusammenschluss von Freunden dieser alten Orgel gesorgt und Geld gesammelt hatte. Heute kann man die Wurlitzer bei mehreren jährlichen Veranstaltungen hören, wenn sie von Organisten aus dem ganzen Land gespielt wird.

Die Congregational Church in Beer (Devon).
Photo © Anthony Vosper (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. Juni 2021 at 02:00  Comments (1)  

Die Stan Laurel-Statue in North Shields (Tyne and Wear)

Author: sgwarnok2010
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Es sind rund 200 Kilometer, die die Städte Ulverston in Cumbria und North Shields in Tyne and Wear voneinander trennen und es gibt ein Bindeglied zwischen den beiden Orten:  Arthur Stanley Jefferson. Arthur wer? mögen sich da manche fragen. Der Mann ist sehr viel besser bekannt unter seinem Künstlernamen Stan Laurel; in Deutschland, die dumme Hälfte von Dick und Doof.

Stan Laurel wurde am 16. Juni 1890 in Ulverston geboren, wo man ihm zu Ehren, gemeinsam mit Oliver „Dick“ Hardy, im Jahr 2009 eine Statue aufgestellt hat (siehe dazu meinen Blogeintrag).
Seine Eltern waren beide im Theatergeschäft tätig und zogen häufig um, unter anderem nach North Shields an der englischen Nordostküste. Dort verbrachte Arthur Stanley Jefferson einen Teil seiner Kindheit von 1895-1902  am Dockwray Square in der Hausnummer 8. Das Haus existiert heute nicht mehr, aber am jetzt hier stehenden Doppelhaus mit der Nummer 6/7 ist vom North Tyneside Council eine Plakette mit seinen Lebensdaten angebracht worden. Doch hat man es nicht mit dieser blauen Plakette belassen, sondern dem berühmten Schauspieler noch zusätzlich eine Statue, gegenüber von seinem Wohnhaus, in dem nach ihm benannten Laurel Park, errichtet. Von dort blickt er auf die Mündung des Tyne Rivers, der hier ins Meer fließt. Auf dem Sockel der Statue ist Stan noch einmal gemeinsam mit seinem Partner Ollie zu sehen.

Geschaffen hat die Bronze der Bildhauer Robert Olley, eingeweiht wurde sie am 29. März 1992. Es war ein Geschenk der Firma Persimmon Homes, die den Dockwray Square damals neu gestaltete.

Wer sich für Stan Laurels Kindheit interessiert, dem sei das Buch „The Making of Stan Laurel: Echoes of a British Boyhood“ (McFarland 2011) von Danny Lawrence empfohlen, in dem auch viel von North Shields die Rede ist.

Hier ist ein Film über den Laurel Park und die Statue.

Dockwray Square 6/7 in North Shields mit der blauen Plakette.
Author: newcastleplaques
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Mein DVD-Tipp – Der junge Inspektor Morse Staffel 6

Für den 29. Januar ist die sechste Staffel der ITV-Serie „Der junge Inspektor Morse“ angekündigt, in Deutschland wieder von EDEL MOTION veröffentlicht. Ich habe schon ein Vorab-Exemplar bekommen, das ich heute vorstellen möchte. Am Ende der fünften Staffel (siehe hierzu meinen Blogeintrag) sah es beinahe so aus, als ob die TV-Serie eingestellt würde, denn die Polizeistation, in der Morse, sein Kollege Jim Strange, sein Chef Fred Thursday und Chief Superintendent Bright bisher tätig waren, wurde aufgelöst und alle an unterschiedliche Dienststellen versetzt.
Doch es geht weiter mit Staffel 6, deren vier Episoden kurze, knappe Titel tragen: Unschuldig, Apollo, Zuckerguss, Wolkenschloss (alle im Oktober 2020 bei ZDFneo in Deutschland gezeigt).

Während der junge Morse seinen beruflichen Weg unbeirrt weiter verfolgt, scheint DCI Thursday, von privaten Problemen belastet, auf die schiefe Bahn zu geraten. Der zwielichtige Chef der Polizeistation DCI Ronnie Box und DS Alan Jago geben Rätsel auf. In den vier Folgen wird Morse unter anderem  mit dem Tod eines Schulmädchens und mit einem mysteriösen Autounfall konfrontiert. Wie immer gibt sich der junge Polizist nicht mit dem zufrieden, was zu sein scheint (wie seine Vorgesetzten), sondern schaut hinter die Kulissen, bis er die Lösung des jeweiligen Falles gefunden hat (was seine Vorgesetzten oft alt aussehen lässt). Wie ein roter Faden zieht sich der ungelöste Fall der Ermordung des George Fancy aus Staffel 5 durch die neue Staffel. Zum überraschenden Showdown kommt es am Ende der Episode „Wolkenschloss“, in der eine für die Serie ungewohnte Verfolgungsjagd mit Pistolen stattfindet.
Staffel 6 endet mit einem positiven Ausblick auf Staffel 7, denn dann sind Morse, Thursday, Strange wieder vereint, erneut unter der Ägide von Chief Superintendent Bright.

„Der junge Inspektor Morse“ ist auch in Staffel 6 wieder atmosphärisch sehr dicht, die Schauplätze der Handlung (Oxford und Umgebung) sehr gut ausgesucht, der Soundtrack, in den Londoner Abbey Road Studios aufgenommen, stimmig und Barrington Pheloungs Erkennungsmelodie erinnert wieder sehr an die ursprüngliche TV-Serie „Morse„. Pheloung ist im vorigen Jahr im Alter von 65 Jahren in seiner Heimat Australien gestorben.

Die DVD-Box enthält Zusatzmaterial wie Interviews mit den Darstellern und Blicke hinter die Kulissen der Dreharbeiten.

Morse und Fred Thursday.
Copyright: EDEL MOTION

Published in: on 11. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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„This Old Man“ – Ein englisches Kinderlied und einer der berühmtesten TV-Detektive der Welt

Es gibt Melodien, die sich nach mehrmaligem Hören derart ins Gedächtnis eingraben, dass man sie sobald nicht mehr los wird. Dazu gehört ein englisches Kinderlied, das den Titel „This Old Man“ trägt, und das um 1906 herum erstmals veröffentlicht wurde, dessen Ursprünge aber ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Die erste Strophe lautet:

This old man, he played one,
He played knick-knack on my thumb/drum;
With a knick-knack paddywhack,
Give a dog a bone,
This old man came rolling home.

Das geht immer so weiter bis zu Strophe 10, in der es dann heißt:

This old man, he played ten,
He played knick-knack once again;
With a knick-knack paddywhack,
Give a dog a bone,
This old man came rolling home.

Es handelt sich hier also auch um ein Zähllied für Kinder. Hören wir es uns einmal an:

Was soll das nun alles bedeuten? Die vorherrschende Meinung ist, dass sich das Lied ursprünglich auf irische Bettler bezieht, die nach der Hungersnot in Irland nach England kamen, um dort an den Haustüren „knick knacks„, also Schnickschnack, zu verkaufen, beziehungsweise eine Melodie namens „nick nack“ mit Löffeln zu spielen, um dafür ein wenig Geld zu bekommen. „Paddy whack“ bedeutet so viel wie „einen Iren verprügeln“. „This old man came rolling home“ könnte heißen, dass er sich von dem erbettelten Geld einen hinter die Binde gegossen hat. Wie auch immer, es gibt mehrere Interpretationen für das Lied.

Wer meine absolute TV-Lieblingsserie „Columbo“ genauer verfolgt hat, erinnert sich vielleicht daran, dass Lieutenant Columbo vom Los Angeles Police Department hin und wieder ein Liedchen pfeift, meist dann, wenn er der Lösung des Falles näher gekommen ist… und das ist „This Old Man“, erstmals in der Episode „Any Old Port in a Storm“ (dt. „Wein ist dicker als Blut“) aus dem Jahr 1973. Dieses gepfiffene Lied zieht sich durch die gesamte Serie als kleiner Gag wie auch die nie zu sehende Mrs Columbo, der Regenmantel und der uralte Peugeot des Inspektors. Hier sind noch einmal einige Bilder mit dem großartigen Peter Falk als Columbo, untermalt mit „This Old Man“.

Siehe auch meinen Blogeintrag über die einzige Columbo-Episode, die in England gedreht wurde.

Published in: on 20. Dezember 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Stanley Kubricks Film „Eyes Wide Shut“ und einige seiner Drehorte

The Lanesborough Hotel in London.
Photo © Anthony O’Neil (cc-by-sa/2.0)

Ich bin ein Fan der Filme von Stanley Kubrick (1928-1999); meine Lieblingsfilme sind „The Shining“ und „Eyes Wide Shut„. Über den ersten habe ich in meinem Blog schon geschrieben, über einige Drehorte des zweiten möchte ich heute berichten. 1999 kam „Eyes Wide Shut“ (hier einige Szenen) , der deutsche Titel lautet genauso, in die Kinos mit Tom Cruise und Nicole Kidman in den Hauptrollen. Das Drehbuch basiert auf Arthur Schnitzlers Roman „Die Traumnovelle“ (1926 in Buchform erschienen). Schauplatz des Romans ist Wien, die Protagonisten sind der Arzt Fridolin und seine Frau Albertine. Im Film ist der Schauplatz New York und im Mittelpunkt stehen der Arzt Dr William Harford (Tom Cruise)  und seine Frau Alice (Nicole Kidman). Da der Regisseur Stanley Kubrick nicht so gern mit dem Flugzeug unterwegs war, wurde der größte Teil  der Filmaufnahmen in England gedreht, so konnte er in seinem Haus Childwickbury Manor bei St Albans in Hertfordshire wohnen bleiben.

Die New Yorker Straßenszenen wurden überwiegend in London gedreht, auch das Treffen von Dr Harford und seinem Freund Victor Ziegler, gespielt von Sydney Pollack, am Ende des Films, drehte man in London, in der Royal Suite des Lanesborough Hotels, einem der vielen 5*-Hotels der Stadt. Doch interessanter finde ich die Schauplätze auf dem Land, die Stanley Kubrick ausgesucht hat.

Für die Party in Victor Zieglers Haus, gleich am Anfang des Films, diente das Luton Hoo Hotel bei Luton in Bedfordshire, ein beeindruckendes Gebäude, das ich in meinem Blog schon vorgestellt habe.

Genauso großartig finde ich das nächste Landhaus, das für die Eingangsszenen der Orgienparty verwendet wurde: Mentmore Towers in Buckinghamshire (siehe auch hierzu meinen Blogeintrag), das Mitte des 19. Jahrhunderts für die Familie Rothschild errichtet wurde. Dr Harford wird mit dem Taxi hier abgesetzt und nach Bekanntgabe des Passwortes für den Abend („Fidelio“) vom Tor zum Eingang des Hauses gefahren. Mentmore Towers ist in Privatbesitz und es gibt Pläne, daraus ein Luxushotel zu machen, aber soviel ich weiß, passiert da nichts.
Es gibt hier zwar auch eine Grand Hall, Kubrick zog aber die von Elveden Hall bei Thetford in Suffolk vor. Hier drehte er die Szenen der satanischen Zeremonie mit dem Hohepriester (?), den vielen geladenen Gästen, die sich hinter venezianischen Masken verstecken, und den fast nackten jungen Frauen. Diese Szenen werden mit einer unheimlichen Musik untermalt, die von der englischen Komponistin Jocelyn Pook geschrieben wurde und „Masked Ball“ heißt (hier in voller Länge zu hören). Elveden Hall gehört heute Arthur Edward Rory Guinness, 4th Earl of Iveagh.

Die Orgie, bei der es jetzt wirklich zur Sache geht, setzt sich in anderen Räumen fort, wozu das Highclere Castle in Hampshire ausgewählt wurde, weltweit als „Downton Abbey“ bekannt (siehe hierzu meinen Blogeintrag). Dr Harford geht durch die wunderschönen Räumlichkeiten, in denen sich viele Paare der Lust hingeben. Stanley Kubrick hat mit „Eyes Wide Shut“ einen wirklich sehr erotischen Film geschaffen!

Wer nach dem Betrachten des Films Lust bekommen hat, so eine Party selbst mitzuerleben, der kann das tun, denn die Firma Castle Events organisiert „Eyes Wide Shut“-Maskenbälle in ganz Europa, hier ist ein kleiner Vorgeschmack.

Luton Hoo Hotel in Bedfordshire.
Photo © M J Richardson (cc-by-sa/2.0)

Mentmore Towers in Buckinghamshire.
Author: Peter O’Connor
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Highclere Castle in Hampshire.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Saunton Sands und Pink Floyds Albumcover von „A Momentary Lapse of Reason“

Saunton Sands ist einer der schönsten Strände Englands. Er erstreckt sich über mehrere Kilometer westlich der Stadt Braunton an der Nordküste der Grafschaft Devon. Surfer lieben den Strand, Sonnenbadende ebenfalls, aber auch Produktionsfirmen von Filmen und Musikvideos kommen immer wieder hierher, um den Strand in ihre Filme einzubauen. So sind die Saunton Sands beispielsweise in Robbie Williams‘ Video „Angels“ zu sehen und auch in dem sehr ähnlichen Musikvideo „Hand on Heart“ von Olly Murs. In dem Spielfilm „Edge of Tomorrow“ aus dem Jahr 1914 wurden hier einige Szenen gedreht.

Als die britische Band Pink Floyd ihr Album „A Momentary Lapse of Reason veröffentlichte (das zum großen Teil auf dem an der Themse liegenden Hausboot „Astoria“ aufgenommen worden waren, siehe dazu meinen Blogeintrag) zierte das Albumcover ein merkwürdiges Foto: Auf einem Strand sind Hunderte von metallenen Krankenhausbetten zu sehen, auf einem der Betten sitzt ein Mann, ein Zimmermädchen hält Bettlaken in der Hand, ein paar Hunde haben sich etwas weiter entfernt am Strand niedergelassen und über der ganzen Szenerie schwebt ein Ultraleichtflugzeug. Das Foto hatte der für die Albumcovergestaltung zuständige Grafikdesigner Storm Thorgerson aufgenommen, basierend auf einer Zeichnung von Pink Floyds David Gilmour. Die eigenartige Szene spielt auf einige Textzeilen der auf dem Album enthaltenen Songs an.

Inszeniert werden sollte das Foto eigentlich an einem kalifornischen Strand, da das Wetter dort deutlich zuverlässiger ist als hier in Devon, aber man bekam in Kalifornien keine 700 Betten zusammen. Also wählte Thorgerson  Saunton Sands für sein Fotoshooting aus, denn Devon konnte die gewünschte Bettenzahl liefern. Mit Lastwagen wurden die Betten hierher gekarrt, mit Hilfe von vielen Freiwilligen an den Strand getragen und nach einem vorgegebenen Muster aufgestellt…und dann fing es an zu regnen. Der Fotograf benötigte für sein Foto aber einen blauen Himmel und so schleppten die armen Mitarbeiter alle Betten wieder zurück zu den Lastwagen. Zwei Wochen später wurde die Aktion wiederholt, dieses Mal mit Erfolg. Das Wetter war schön, alles wurde wieder genauso wie beim ersten Mal aufgestellt, und das Foto war im Kasten. Nun zierte es das Albumcover und ließ viele rätseln, was es wohl bedeuten sollte. Hier ist ein kurzer Film über das Fotoshooting.

The Rocky Horror Picture Show – Ein Kultfilm aus dem Jahr 1975 und ein Kino in Portland (Oregon)

Oakley Court bei Nacht.
Eigenes Foto.

Ich bin der Meinung, dass das Wort „Kult“ heute zu oft verwendet wird, aber auf „The Rocky Horror Picture Show“ (hier ist der Trailer) trifft das Wort „Kultfilm“ allemal zu. 1975 wurde er gedreht und noch nach 45 Jahren hat der Film weltweit eine große Fangemeinde. Über den Inhalt will ich in meinem heutigen Blogeintrag nicht weiter eingehen, der dürfte bekannt sein. Dafür möchte ich einige andere Dinge im Zusammenhang mit dem Film ansprechen.

Gedreht wurde „Rocky“ in den Bray Studios an der Themse gegenüber von Maidenhead. Hier waren die Hammer Film Productions zuhause, die einen Horrorfilm nach dem anderen produzierten. Ich berichtete schon einmal in meinem Blog über die Studios. Der Nachbar der Bray Studios war Oakley Court, ein vor allem bei Nacht sehr gruselig aussehendes Gebäude, das heute als Hotel geführt wird (über meine Aufenthalte dort siehe hier und hier). Sehr gern nutzte man das Äußere und das Innere des burgähnlichen Gebäudes für Dreharbeiten, so auch für „The Rocky Horror Picture Show“. Dieser Film zeigt detailliert, wo überall in Oakley Court gedreht wurde. An den Wänden des Ganges von der Eingangshalle zum Restaurant hängen viele Filmplakate, die auf die hier produzierten Filme hinweisen.

Jetzt begeben wir uns viele Tausend Kilometer weiter an die Westküste der USA, nach Portland im US-Bundesstaat Oregon, einer Stadt, die vor einigen Wochen auf Grund der dort stattgefundenen Unruhen durch die Medien ging. Dort gibt es in der 2522 SE Clinton Street ein kleines Kino, das Clinton Street Theater, das seit 42 Jahren, das heißt seit 1978, einmal pro Woche „The Rocky Horror Picture Show“ zeigt  und das ohne Unterbrechung. Immer am Samstag um Mitternacht geht es los, an manchen Abenden gibt das Clinton Street Cabaret eine Live-Pre-Show, bei der es ganz schön wild zugehen kann („Think South Park without anything bleeped out“). Die Corona-Pandemie wollte auch dem Kino den Garaus machen, doch der Betreiber, Nathan Williams, ist eisern. Trotz angeordneter Schließung lässt er den Film am späten Samstagabend weiter laufen, aber eben nur für sich allein und für ein paar Freunde, ohne zahlendes Publikum. Die Tradition soll nicht unterbrochen werden. Hoffen wir, dass Nathan Williams‘ Kino die Pandemie übersteht!

Der Gang von der Halle zum Restaurant im Oakley Court Hotel mit den Filmplakaten.
Eigenes Foto.

Das Clinton Street Theater in Portland (Oregon).
Author: GreenIsTheNewRed.com
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Published in: on 31. Oktober 2020 at 02:00  Comments (3)  
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„McDonald&Dodds“ – Eine neue TV-Krimiserie, die in Bath angesiedelt ist

Bath – Schauplatz der neuen TV-Serie.
Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)

Am kommenden Sonntag, dem 25. Oktober, sendet das ZDF um 22.15 Uhr die erste Episode der neuen TV-Krimireihe „McDonald&Dodds„. ITV war mit der Produktion dieser Reihe erst einmal vorsichtig und drehte nur zwei Episoden; da sie aber beim britischen Publikum gut ankam, hat man eine zweite Staffel in Auftrag gegeben, die aus drei Teilen bestehen wird.

Die beiden Protagonisten Detective Chief Inspector Lauren McDonald und Detective Sergeant Jason Dodds könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie ist eine farbige, energische junge Frau, die von der Metropolitan Police aus London nach Bath in Somerset kommt und in der britischen Hauptstadt eine ganz andere Verbrechenslage kennen gelernt hat. Ihr „side-kick“ Jason Dodds dagegen wirkt ein wenig umständlich, ist mit modernen Ermittlungsmethoden nicht so ganz vertraut, kennt aber die Stadt Bath in- und auswendig und zeigt, dass er eine „feine Nase“ bei der Aufklärung von Verbrechen besitzt. Sind es in den „Midsomer Murders“-Fällen die vermeintlich friedlichen Dörfer, hinter deren Fassaden sich Tragödien abspielen, so ist es bei „McDonald&Dodds“ die 86 000 Einwohner zählende Stadt Bath mit ihren schönen alten Häusern.

DCI Lauren McDonald wird von Tala Gouveia gespielt, die schon in vielen TV-Serien mitgespielt und hier ihre erste große  Rolle übernommen hat. Die Rolle des Sergeant Jason Dodds spielt Jason Watkins, bekannt aus der TV-Serie „The Crown“, in der er Harold Wilson verkörpert (er war auch in einer „Inspector Barnaby“-Folge zu sehen, in „Send in the Clowns“, Episode 122, die in Deutschland unter dem Titel „Ein Mords-Zirkus“ lief).

Auch diese TV-Serie lebt zu einem großen Teil vom Lokalkolorit der Stadt Bath. Zu sehen sind unter vielen anderen touristischen Hotspots die Pulteney Bridge, der Lansdown Crescent und der Royal Crescent.

Die Titel der beiden ersten Episoden: „The Fall of the House of Crockett“ = „Der Tote nahm den Hut“ und „A Wilderness of Mirrors“ = „Die Leiche hing am Wasserrohr“ (am 8.11. um 22.15 Uhr im ZDF).

Hier ist der Trailer zu der TV-Serie.

Die Pulteney Bridge.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Der Lansdowne Crescent.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

Der Royal Crescent.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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„The Secret Garden“ 2020 – Die Drehorte der Neuverfilmung des Buches von Frances Hodgson Burnett

Duncombe Park in North Yorkshire.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Vor wenigen Tagen kam der Spielfilm „The Secret Garden“ (dt. „Der geheime Garten“) in die Kinos Deutschlands, eine weitere Verfilmung des gleichnamigen Romans von Frances Hodgson Burnett (1849-1924), der 1911 veröffentlicht wurde und zusammen mit „Little Lord Fauntleroy“ (dt. „Der kleine Lord“) zu ihren populärsten Werken zählt.

„The Secret Garden“ wurde  mehrfach verfilmt; die Version von 1993 stellte ich in meinem Blog schon einmal vor, für mich ist sie die bisher beste. Die TV-Version von 1987 (die bei youtube in voller Länge zu sehen ist) fand ich auch gut gelungen. Als Misselthwaite Manor diente hier das Highclere Castle, das wir alle aus „Downton Abbey“ kennen (in der Filmversion von 1993 war das Allerton Castle in North Yorkshire).

Kommen wir zu den Drehorten des aktuellen Films. Da wurde in zwei verschiedenen Häusern gedreht, die jedes für sich großartig sind, und für das Misselthwaite Manor stehen. Da ist einmal Duncombe Park bei Helmsley in North Yorkshire, das ich vor einigen Jahren besuchte, als dort gerade die Country Fair stattfand. Es wurde 1713 für Thomas Duncombe gebaut und 1843 von dem berühmten Architekten Sir Charles Barry umgestaltet. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1895 baute es der schottische Architekt William Young wieder auf. Das Haus, das noch immer der Duncombe Familie gehört, ist nicht zu besichtigen, dafür aber die Gärten, die im Film auch zu sehen sind.

Als Misselthwaite Manor diente im Film ebenfalls das für mich vielleicht faszinierendste und unheimlichste Gebäude im ganzen Königreich: Harlaxton Manor bei Grantham in Lincolnshire. Das Manor House, das der US-amerikanischen Universität von Evansville in Indiana gehört, konnte ich mir leider nur von außen ansehen, eine Besichtigung ist nicht gestattet. Ich schrieb über das Harlaxton Manor in meinem Blog.

Ein großer Teil der Gartenszenen wurden im Iford Manor in Wiltshire in der Nähe von Bradford-on-Avon gedreht. Die Gärten sind für die Öffentlichkeit von April bis September zugänglich. Das Anwesen ist in Privatbesitz und gehört der Cartwright-Hignett Familie.

Weitere Drehorte des Films waren zum Beispiel noch der National Trust Bodnant Garden bei Conwy in Wales und die Ruinen der Fountains Abbey in North Yorkshire (die ebenfalls dem National Trust gehören). Hier ist der Trailer zu sehen.

Harlaxton Manor in Lincolnshire.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Die Iford Manor Gardens in Wiltshire.
Photo © Humphrey Bolton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 20. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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„Last of the Summer Wine“ – Eine beinahe endlose TV-Serie

Der Summerwine Tourbus.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

37 Jahre ist die englische Sitcom gelaufen, 295 Episoden wurden ausgestrahlt: „Last of the summer wine“ hat am Sonntag, dem 29. August 2010 ein Ende gefunden. Die BBC begann am 12. November 1973 mit der ersten Folge, und damals hatte man sicher nicht gedacht, dass sich diese Sitcom zu einer Erfolgsstory sondergleichen entwickeln würde.

Die Lieblingssendung der Queen wurde in zahlreiche Länder exportiert; nach Deutschland aus irgendwelchen Gründen nicht. Auch der damalige afghanische Staatspräsident Hamid Karzai soll ein großer Fan der Sendung gewesen sein.

Hauptfiguren der Serie sind drei Rentner, die in einer Kleinstadt in Yorkshire eine zweite Kindheit erleben und mit viel Humor und Unternehmungslust durch die Straßen ziehen. Sie philosophieren über alltägliche Dinge und bringen sich durch irrwitzige Ideen in peinliche Situationen, so die Kurzdarstellung in der Wikipedia.

Gedreht wurde die Serie in Holmfirth in West Yorkshire, was der Kleinstadt nach dem Niedergang der Textilindustrie enorm half, denn die Touristen kommen immer noch in Busladungen, um sich anzusehen, wo Nora, Cleggy, Compo und Foggy ihr Unwesen trieben. Die Geschäftsinhaber freuen sich, der Wrinkled Stocking Tea Room erfreut sich großer Beliebtheit und der Pub „The White Horse“ dürfte auch keine Umsatzprobleme haben. Viele Dorfbewohner sind im Laufe der Jahrzehnte in die Dreharbeiten mit einbezogen worden und ihnen werden sicher die Kameras und die Darsteller fehlen, die zum Alltag in Holmfirth dazugehörten.

Hier sind einige Ausschnitte aus der Sitcom.

Besucherandrang vor Nora Battys Haus.
Author: Philip Talmage.
Creative Commons 2.0

The Wrinkled Stocking Tearoom.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

The White Horse.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 11. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Manuel, der spanische Kellner aus der TV-Comedyserie „Fawlty Towers“

Andrew Sachs im Jahr 2004.
Author: Phil Chappell
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Die Comedyserie „Fawlty Towers„, die 1975 (Folgen 1-6) und 1979 (Folgen 7-12) von der BBC ausgestrahlt wurde, gehört zu den populärsten Serien aller Zeiten in Großbritannien. Neben John Cleese als Basil Fawlty, Prunella Scales als Sybil Fawlty und Connie Booth als Polly ist auch der tolpatschige und des Englischen kaum mächtigen, spanische Kellner Manuel in Erinnerung geblieben, der seinen Chef häufig zur Weißglut trieb.

Manuel wurde von Andrew Sachs (1930-2016) gespielt, der kein Spanier sondern ein gebürtiger Deutscher war. Andreas Siegfried Sachs wurde 1930 in Berlin geboren und flüchtete mit seinen Eltern vor den Nazis nach England. Sachs war mit der Schauspielerin Melody Lang verheiratet, die in der Fawlty Towers-Folge „Basil the Rat“ als Mrs. Taylor auftrat.

1959 hatte Sachs sein Filmdebüt in „The Night we dropped a clanger“ und bekam danach zahlreiche Rollen in Fernsehserien, unter anderen in „Coronation Street“ und „EastEnders„. Er verstarb am 23. November 2016 in einem Londoner Pflegeheim

Als Manuel veröffentlichte Sachs auch einige Single-Schallplatten, die aber allesamt nicht erfolgreich waren. Seine Autobiografie „I Know Nothing“ erschien 2014.

Im Oktober 2008 stand der Name Andrew Sachs in allen Gazetten, weil er Opfer eines sogenannten „pranks„, also eines Streichs geworden war, den Russell Brand und Jonathan Ross in der „Russell Brand Show“ verübten. Sie hinterließen auf Sachs‘ Anrufbeantworter die Nachricht, dass Brand mit dessen Enkelin Georgina Baillie Sex gehabt hätte. Aufgrund dieses und ähnlicher  „pranks“ wurde Russell Brand schließlich von der BBC vor die Tür gesetzt.

Hier ist eine Zusammenstellung mit den schönsten „Manuel“-Szenen. Siehe auch diesen früheren Blogeintrag zu „Fawlty Towers“.

Published in: on 2. September 2020 at 02:00  Comments (1)  
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TOWIE – Eine populäre Reality Soap in Großbritannien

Brentwood High Street.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

Der Begriff Essex Girls „applies to a woman viewed as promiscuous and unintelligent, characteristics jocularly attributed to women from Essex“, so die Wikipedia. Diese jungen Damen aus der Grafschaft Essex vor den Toren Londons begeben sich gern aufgebrezelt an den Wochenenden in die Hauptstadt, um dort etwas zu erleben, was das auch immer sein soll. Ihre Attribute sind unter anderem (meist) blonde Haare, hochhackige Schuhe, Miniröcke und Sonnenbankbräune. Die Essex Girls sind wesentlicher Bestandteil der populären Reality Soap TOWIE, aufgelöst The Only Way Is Essex, die erstmals 2010 von der ITV ausgestrahlt wurde und mittlerweile 26 Staffeln umfasst. Die Serie spielt überwiegend in der (realen) Stadt Brentwood in Essex. Hier ist ein Trailer und hier ein Ausschnitt aus der Show.

In TOWIE wird gezickt, was das Zeug hält; den Essex Girls stehen die Essex Boys gegenüber, meist gut gebaute, tätowierte junge Männer. Die Stars der Serie heißen zum Beispiel Chloe Sims, Gemma Collins, Lauren Pope, James Bennewith, Bobby Cole Norris und James Lock. Hin und wieder verlassen die Darsteller die Stadt Brentwood, und es wird außerhalb des Landes in Party Locations wie Marbella und Mallorca gedreht. Eigentlich sollte jetzt auf den Kanarischen Inseln gedreht werden, doch Corona hat auch das verhindert.

Die TV-Serie stößt bei einigen Bewohnern der Grafschaft Essex auf Kritik, denn die fühlen sich durch das Treiben der Boys and Girls falsch repräsentiert. Doch die Realityshow kommt vor allem beim jüngeren Publikum ganz gut an, mehr als eine Million Zuschauer haben  durchschnittlich seit Beginn der Serie pro Staffel ihre Fernseher eingeschaltet.

Die Stadt Brentwood hat von der TV-Show profitiert, denn Fans aus dem ganzen Land kommen hierher, um sich die Schauplätze anzusehen. Rundfahrten auf den Spuren der Stars werden angeboten wie John’s TOWIE Taxis und für Fans gibt es eine TowiepediaHier ist ein virtueller TOWIE-Rundgang.

Published in: on 28. August 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Carnforth in Lancashire – Ein Bahnhof und ein Filmklassiker

Wenn man einem eingefleischten britischen Eisenbahnfan gegenüber den Namen Richard Beeching erwähnt, kann es sein, dass dieser Mensch einen Wutanfall bekommt. Dr. Richard Beeching war in den 1960er Jahren für das Eisenbahnnetz des Landes verantwortlich und verkleinerte dieses Netz radikal; man sprach damals von der „Beeching Axe„. Die Folge: Viele Nebenstrecken wurden stillgelegt, Ortschaften vom Bahnnetz abgeschnitten, Bahnhöfe verfielen.

Die Kleinstadt Carnforth im nördlichen Lancashire war auch von diesen Maßnahmen betroffen. Dank Dr. Beeching hielt kein Fernzug mehr in der Stadt und die Bahnsteige, an denen diese Züge früher hielten, wurden abgetragen. Der Bahnverkehr beschränkte sich nur noch auf Regionalverbindungen; die Bahnhofsanlagen verfielen allmählich.
Doch durch die Gründung des Carnforth Station and Railway Trusts im Jahr 1996 kam wieder Hoffnung auf. Mit Hilfe eines £1.5 Millionen Projekts wurden die verfallenen Bahnhofsanlagen wieder aufgebaut, ein Besucherzentrum errichtet und ein Lokal eröffnet.

Nicht ganz unschuldig an der Wiederauferstehung dieses Kleinstadtbahnhofs war ein Filmklassiker, der vor mehreren Jahrzehnten, im Jahr 1945, genau in diesem Bahnhof gedreht wurde. Man wählte diesen Drehort weil er sicherer war, als der Großraum London, schließlich herrschte noch Krieg und mit Bombenangriffen war immer wieder zu rechnen.
David Lean drehte hier den Film „Brief Encounters„, der in Deutschland unter dem Titel „Begegnung“ in den Kinos zu sehen war (und immer noch als DVD erhältlich ist). Die Hauptrollen spielten Trevor Howard und Celia Johnson; die Vorlage bildete das Bühnenstück „Still Life“ von Noel Coward.
Die Dreharbeiten fanden nachts statt, weil es tagsüber mit dem Zugverkehr Probleme gegeben hätte. Der traurige Liebesfilm fand sehr viele Anhänger und so entwickelte sich der Bahnhof von Carnforth zu so etwas wie einer Wallfahrtsstätte für „Brief Encounter“-Fans.

Heute findet man im Besucherzentrum eine Ausstellung über den Film und die Dreharbeiten; man kann im Brief Encounter Refreshment Room, der den Filmräumlichkeiten nachempfunden wurde, essen und trinken und auch seinen Sunday Lunch zu sich nehmen. Selbst die Bahnhofsuhr, die im Film immer wieder zu sehen ist und die von der Firma JB Joyce aus Whitchurch in Shropshire Ende des 19. Jahrhunderts hergestellt wurde, hängt noch immer im Bahnhof, der wie mit dem Zauberstab wieder zum Leben erweckt worden ist.

Es gibt ein Lied, das das Thema Carnforth und die Eisenbahn behandelt, „The Carnforth Song„, hier zu hören.

Hier ist der Trailer zum Film „Brief Encounters“ zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Gordon Suggitt: Lost Railways of Lancashire. Countryside Books 2003. 160 Seiten. ISBN 978-1853068010.

Der Brief Encounter Refreshment Room.
Photo © The Carlisle Kid (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Juni 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Allington Castle bei Maidstone in Kent – Drehort zahlreicher Filme

Dover Castle, Leeds Castle, Hever Castle, das sind alles touristische Hotspots in der Grafschaft Kent, die die meisten Englandreisenden schon einmal besucht haben. Kent ist das burgenreichste County im ganzen Land. Das Allington Castle hingegen kennen nur wenige, vor allem diejenigen, die schon einmal an einer Hochzeitsfeier hier teilgenommen haben, denn die Burg ist in Privatbesitz, nicht zu besichtigen und steht nur für Hochzeiten zur Verfügung; hier sind einige Bilder.

Doch Stop! Vielleicht haben einige die Burg doch schon einmal gesehen, aber ohne es zu wissen, denn Allington Castle ist sehr beliebt, um hier Filme zu drehen. Die Kulisse ist einfach perfekt, und die Location Scouts der Produktionsfirmen lieben die alte Burg. Ich habe einmal einige Filme zusammengestellt, die, zumindest zum Teil, hier vor den Toren der Stadt Maidstone am River Medway gedreht wurden.

Heinrich VIII. war im 16. Jahrhundert mehrfach auf der Burg zu Besuch und so passte es doch hervorragend, dass 1972 hier Teile des Spielfilms „Henry VIII and His Six Wives“ (dt. „Heinrich VIII. und seine sechs Frauen“) mit Keith Mitchell, Donald Pleasance und Charlotte Rampling in den Hauptrollen gedreht wurden.

In der selben Zeit spielt „The Twisted Tale of Bloody Mary„, ein Film, in dem Henrys Tochter Mary im Mittelpunkt steht, verkörpert von Miranda French, Jason Sharp spielt ihren Vater. Der Film kam 2008 in die Kinos.

1984 fanden im Allington Castle die Dreharbeiten zu dem Fernsehfilm „The Zany Adventures of Robin Hood“ (dt. „Die verrückten Abenteuer des Robin Hood“) statt mit George Segal als Robin Hood, Morgan Fairchild als Lady Marian und Roddy McDowall als Prince John.

Die TV-Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ war in den 1960er Jahren in Deutschland sehr populär; sie hieß im Original „The Avengers„. John Steed (Patrick Mcnee) und Emma Peel (Diana Rigg) klärten auf unkonventionelle Weise Dutzende von Verbrechen auf, darunter auch eines in der Folge „Castle De’ath“ und dafür bot sich das Allington Castle an.

Die historische TV-Serie „Covington Cross“ aus dem Jahr 1992 spielt im 14. Jahrhundert. Die Intrigen des Sir Thomas Grey stehen im Mittelpunkt der 13 Episoden; Covington Cross heißt die Burg des Sir Thomas und das ist Allington Castle.

Die Burg diente auch als Schauplatz eines ziemlich albernen Musikvideos: „Lover Chanting“ von der (mir bisher unbekannten) schwedischen Formation Little Dragon.

 

Der tragische Tod des Detective Chief Inspector Morse in Oxford

Das Quad im Exeter College, in dem Morse einen Herzinfarkt erleidet.
Author: Simon Q.
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Im Laufe der Jahre habe ich einige Male über Detective Chief Inspector Morse geschrieben, ein „Romanheld“, den sich der Krimiautor Colin Dexter (1930-2017) ausgedacht hatte. Die TV-Serie „Inspector Morse„, die auf den Büchern basiert, besitzt in England Kultstatus. In Deutschland wurden merkwürdigerweise nur einige wenige Episoden synchronisiert und sind hierzulande nahezu unbekannt. Die Spin-Offs dagegen, „Lewis“ und „Der junge Morse“ (im Original „Endeavour„), liefen bzw. laufen im ZDF bzw. auf ZDFneo.

Der letzte Roman Colin Dexters und die letzte TV-Episode haben den genialen Titel „The Remorseful Day“ und darin werden wir mit dem Tod des kantigen, manchmal ruppigen, whiskytrinkenden Inspektors konfrontiert, der am liebsten Richard Wagner-Kompositionen hört und schwierige Kreuzworträtsel löst. Es sind sowohl im Buch als auch im Film sehr emotionale Momente, weil der Polizist einem doch sehr ans Herz gewachsen ist (so ging es zumindest mir).

In dem Roman „The Remorseful Day“, der in deutscher Übersetzung als „Und kurz ist unser Leben“ erschien, erleidet Morse zuhause einen Herzinfarkt, kann gerade noch den Notruf wählen und stirbt im Krankenhaus. Im Film hat man einen anderen Ort für die Szene mit dem Herzinfarkt gewählt, nämlich das Quad des Exeter Colleges in Oxford (Quad=Von Gebäuden umstandener Innenhof eines Colleges); dort bricht der von John Thaw (1942-2002) verkörperte Inspektor zusammen. Herbeieilende Passanten kommen ihm zu Hilfe, rufen einen Krankenwagen, der ihn ins Krankenhaus bringt, wo er dann verstirbt. John Thaw, der bei den Dreharbeiten selbst schon schwer an Krebs erkrankt war, spielt diese Szenen (hier ab 37:17 zu sehen) sehr ergreifend. Während Morse auf dem Rasen des Colleges mit dem Tode ringt, wird im Hintergrund Gabriel FaurésIn paradisum“ gespielt, der letzte Teil des „Requiems„. Faurés Komposition wurde erstmals bei der Begräbnisfeier des Architekten Joseph Lesoufaché am 16. Januar 1888 in der Pariser Madeleine-Kirche aufgeführt.

Morse und sein Assistent Lewis hatten kurz zuvor noch einen gemeinsamen Drink in der Abenddämmerung in einem Pub zu sich genommen, wo sich das Ende des Inspektor bereits abzeichnet. Diese Szene wurde am River Cherwell im Victoria Arms bei Old Marston in Oxfordshire gedreht. Morse zitiert darin aus einem Gedicht von Alfred Edward Housman, in dem der „remorseful day“ genannt wird. Sehr beeindruckend und hier zu sehen.

Das Exeter College in Oxford liegt an der Turl Street; hier studierten zum Beispiel die Schriftsteller Martin Amis, Alan Bennett und J.R.R. Tolkien.

Das Exeter College in der Turl Street.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Mai 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Die Jeremy Kyle Show (2005-2019) – Trash TV im britischen Fernsehen

Wenn ich mir in meiner Programmzeitschrift ansehe, was die deutschen TV-Sender so alles zu bieten habe, dreht sich mir manchmal der Magen um. In den öffentlich-rechtlichen Programmen dominieren immer mehr Krimiserien aus eigener Produktion, in denen pistolenschwingende Polizisten und (immer häufiger) Polizistinnen im Mittelpunkt stehen. In den privaten Sendern mit ihren unerträglichen Werbeunterbrechungen werden stundenlang Tanz-, Back- Dating- und Castingshows gezeigt. Wer guckt sich das denn alles an?

Das Angebot im britischen Fernsehen ist auch nicht besser, endlose Rateshows beherrschen das Nachmittagsprogramm, und das Niveau am Abend ist auch nicht viel besser.

Sehr beliebt war zum Beispiel fünfzehn Jahre lang die Jeremy Kyle Show des Senders ITV. Sage und schreibe 3320 Folgen wurden dem britischen Zuschauer vorgesetzt, jede knapp fünfzig Minuten lang, und die Massen liebten diese Show, in der es manchmal ganz schön zur Sache ging. Der Moderator Jeremy Kyle hätte sicher ohne seine bulligen Sicherheitskräfte, die immer bereit standen, häufig Prügel von seinen eingeladenen Gästen bezogen. Worum ging es? Exhibitionistisch veranlagte Menschen ließen sich in die Show einladen und wurden dort gedemütigt bzw. ließen sich demütigen. Tabus kannten diese Gäste kaum, sie äußerten sich freimütig vor der Kamera über ihr Privat- und Intimleben und immer wieder ging es um das Generalthema „Wer ist der Vater meines Kindes?“ Da wurden Lügendetektoren hinzugezogen und in geheimnisvollen Briefumschlägen die Ergebnisse von Vaterschaftstests überreicht. Die eingeladenen jungen Mütter hatten oft keine Ahnung, wer der Vater ihres Nachwuchses sein könnte, hatten sie doch meist Sex mit mehreren Männern gehabt.

Diese Trash TV-Show (hier sind einige Ausschnitte), die am 4. Juli 2005 erstmals ausgestrahlt wurde, kam im Mai 2019 zu einem abrupten Ende, als sich einer der eingeladenen Gäste nach der Show (die daraufhin nicht gesendet wurde) das Leben nahm. Es war wieder das Übliche: Ein Lügendetektortest hatte ergeben, dass der Gast seiner Frau untreu war, obwohl er das bestritten hatte. Als Folge beging er Selbstmord. ITV zog die Reißleine und setzt die Show nach fünfzehn Jahren ab. Im Laufe der Jahre soll es bereits mehrere ähnlich gelagerte Selbstmorde gegeben haben.

Vorbild für die Jeremy Kyle Show war die US-amerikanische Trash-Serie The Jerry Springer Show, die sogar noch länger im US-Fernsehen gezeigt wurde: 4969 Folgen von 1991 bis 2018. Hier ging es noch wesentlich rabiater zu wie dieser Filmausschnitt zeigt (man beachte die Begeisterung der Zuschauer, die von der Schlägerei der Frauen auf der Bühne gar nicht genug bekommen können!!)

Ob man mit seiner Lebenszeit nicht etwas Besseres anfangen könnte, als sich so etwas tagein, tagaus anzusehen?

Published in: on 24. April 2020 at 02:00  Comments (11)  
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Lonely Water – Ein unheimlicher Kurzfilm aus dem Jahr 1973

Ein gefährlicher Uferabschnitt des River Teign in Devon.
Photo © Robin Stott (cc-by-sa/2.0)

Public information films (PIFs) sind Kurzfilme, die im Auftrag der Regierung in den Werbepausen der TV-Anstalten gezeigt werden, in denen es um eine Vielzahl breit gefächerter Themen geht, in denen Ratschläge gegeben und Verhaltensweisen erläutert werden. Vor allem in Kinderprogrammen werden diese PIFs gern eingestreut.

Einer dieser Kurzfilme, der besonders eindrucksvoll ist, wurde 1973 gedreht und heißt „Lonely Water“ (hier zu sehen). Das Thema: Die Gefahr von Flüssen und Gewässern für Kinder. Der Anlass: Immer wieder ertranken Kinder, weil sie sich zu dicht an Flussufern aufgehalten hatten oder in unbekannten Gewässern geschwommen sind. Auf drastische Weise warnt „Lonely Water“ vor diesen Gefahren und dafür genügen 90 Sekunden. The Grim Reaper ist im Hintergrund zu sehen, dessen Stimme von dem bekannten Schauspieler Donald Pleasance übernommen wird. „I am The Spirit of Dark and Lonely Water, ready to trap the unwary, the show-off, the fool„, so beginnt der Film, gesprochen von Gevatter Tod und beinahe gelingt es ihm, eines der Kinder in das Reich der Toten zu ziehen, die sich alle unvorsichtig am Ufer von Gewässern verhalten haben. Glücklicherweise schaffen es alle drei Kinder, den Fängen des Grim Reapers zu entkommen. Aber: Der Film endet mit den Worten „I’ll be back, back, back…“ Der Kurzfilm war so gruselig, dass sich nach der Ausstrahlung viele Kinder wirklich nicht mehr in die Nähe von Gewässern wagten.

Nach einer Umfrage rangiert der Mini-Horrorfilm „Lonely Water“ auf Platz 4 aller gedrehten PIFs (Platz 1: Die sechsteilige Serie „Charley Says“; hier als Beispiel „Strangers“).

Published in: on 6. März 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein DVD-Tipp – „Poldark“ – Eine TV-Serie des britischen Senders BBC

Sie müssen sich eigentlich auf den Füßen gestanden haben, die Produktionsteams der ZDF-Serie „Rosamunde Pilcher“ und die der britischen Erfolgsserie „Poldark„, denn beide benutzten so ziemlich dieselben Drehorte in Cornwall.

„Poldark“ beruht auf der gleichnamigen Romanreihe des Schriftstellers Winston Graham (1908-2003), der damit berühmt geworden ist. Das Buch bzw. die TV-Serie handelt von Captain Ross Vennor Poldark, der aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg in seine Heimat Cornwall zurückkehrt, wo sich zwischenzeitlich einiges zum Negativen verändert hat. Ross Poldark (gespielt von Aidan Turner, von der UK-Glamour 2016 zum Sexiest Man in the World gewählt) heiratet Demelza Carne (gespielt von Eleanor Tomlinson), und beide müssen so einiges gemeinsam durchstehen. Die Serie spielt im Zeitraum von 1781 bis 1801. Das Drehbuch schrieb Debbie Horsfield, die sich eng an die Romanvorlage hält, in der fünften Staffel allerdings mehr ihrer eigenen Wege geht. Mit dieser Staffel soll nun Schluss sein, aber man weiß ja nie…

In „Poldark“ finden wir eine Mixtur, mit der schon viele andere TV-Serien zuvor auf der Erfolgsspur waren: Mutige Männer, hinterhältige Männer, schöne Frauen, Intrigen, Abenteuer und das alles vor der wunderbaren Kulisse Cornwalls. Mit diesen Zutaten konnte eigentlich nichts schiefgehen.

Am 8. März 2015 wurde die erste Folge in Großbritannien von der BBC ausgestrahlt, die letzte Folge am 26. August 2019. In Deutschland lief „Poldark“ bisher nur auf dem Pay-TV-Sender Sony Channel. Aber es gibt die komplette Serie auf DVD zu kaufen, die fünfte und letzte Staffel erschien am 6. Dezember 2019 bei Edel Motion. Mir liegt die Limited Edition vor, die zusätzlich ein umfangreiches Bonusmaterial beinhaltet, für alle, die ein wenig tiefer in die Hintergründe einsteigen wollen.

Gedreht wurde zum Beispiel in Cornwalls Kynance Cove, in Padstow, an der Botallack Mine und im Bodmin Moor.

Der Stoff wurde schon einmal für die BBC als TV-Serie verwendet, in 29 Episoden in den Jahren 1975 bis 1977. In Deutschland zeigte die ARD 1979 die Serie, sie wurde einige Male wiederholt.

Kynance Cove.
Photo © Steve Fareham (cc-by-sa/2.0)

Die Botallack Mine in Cornwall.
Photo © Gareth James (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. Februar 2020 at 02:00  Comments (13)  
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„Victoria“ – Eine populäre Serie im britischen Fernsehen, die es auch auf DVD gibt

Castle Howard, Harewood House, Temple Newsam, Carlton Towers, Wentworth Woodhouse: Die Location Scouts konnten aus dem Vollen schöpfen, als sie Drehorte für die englische TV-Serie „Victoria“ suchten. Der Norden Englands bietet eine Fülle von wunderschönen Palästen und Herrenhäusern, die sich hervorragend für die Verfilmung des Lebens Königin Victorias eignen.

25 Episoden in drei Staffeln gibt es bisher von „Victoria“, deren erste am 28. August 2016 auf dem Sender ITV zu sehen war. In Deutschland war die TV-Serie bisher nur im Pay-TV-Sender Sky zu sehen. Auf DVD bei Edel Motion in deutscher Synchronisation liegen die ersten drei Staffeln vor, zuletzt erschien Teil 3 am 28. Dezember 2019, eine Blue-Ray-Deluxe-Edition mit Bonusmaterial wird es ab dem 31. Januar 2020 geben.

Ich hatte erst Schwierigkeiten in die Serie „hineinzukommen“, aber bald hatte ich mich an die Darsteller gewöhnt, und ich muss sagen, das Casting hat sehr gut funktioniert. Ich glaube nicht, dass Queen Victoria so hübsch war wie Jenna Coleman, die sie verkörpert. Die Schauspielerin war in den letzten Jahren zum Beispiel in der Endlos-Serie „Doctor Who“ zu sehen. An ihrer Seite spielt Tom Hughes ihren Ehemann Prince Albert (die beiden sind auch privat ein Paar). Bemerkenswert in der dritten Staffel ist der Auftritt von Laurence Fox als Außenminister Lord Palmerston (ihn kennen wir als Detective Sergeant Hathaway in der TV-Serie „Lewis“). Eingebaut in die dritte Staffel ist eine fiktive Geschichte, in der Sophie, die Duchess of Monmouth (gespielt von Lily Travers, meiner Favoritin der ganzen Serie!), ein Liebesverhältnis mit dem Diener Joseph anfängt. Großartig finde ich Laurie Shepherd, vor einigen Tagen erst zehn Jahre alt geworden, der in der dritten Staffel Queen Victorias Sohn Bertie verkörpert. Wunderschön die Szene als der kleine Junge der 16-jährigen Prinzessin Adelheid einen Heiratsantrag macht.

Das Drehbuch für die TV-Serie schrieb Daisy Goodwin, die sich dabei auf die umfangreichen Tagebücher Königin Victorias stützte. Die Titelmusik „Alleluia“ stammt von Martin Phipps und wird von The  Mediæval Bæbes gesungen.

Hier ist der Trailer für Staffel 3. Die vierte Staffel soll im kommenden Frühjahr gesendet werden.

Harewood House in West Yorkshire, das in der TV-Serie für den Buckingham Palace steht.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

Das großartige Castle Howard in North Yorkshire. Hier wurden die Szenen im Kensington Palace gedreht.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

Das riesige Wentworth Woodhouse in South Yorkshire diente für die Dreharbeiten sowohl als Buckingham Palace als auch für den Kensington Palace.
Photo © Dave Pickersgill (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. Januar 2020 at 02:00  Comments (7)  
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Mein DVD-Tipp – „An Inspector Calls“

An Inspector Calls“ ist wohl das bekannteste Bühnenstück des Schriftstellers John Boynton Priestley, das 1945 erstmals in Moskau aufgeführt wurde; ein Jahr später erlebte es seine Premiere in England im Londoner Noel Coward Theatre. Die erste Verfilmung erfolgte 1954, in dem Alastair Sim die Rolle des Inspektors spielte. 1981 produzierte die BBC eine dreiteilige Miniserie, in der Bernard Hepton die Hauptrolle übernahm und am 13. September 2015 strahlte die BBC eine Neuverfilmung des Stoffes aus, die als DVD seit dem 15. November 2019 auch in deutscher Synchronisation erhältlich ist. Hier ist der Trailer.

In dem Bühnenstück/Film geht es um eine Familienfeier im Norden Englands im Jahr 1912, bei der die Birlings, eine wohlhabende Fabrikantenfamilie, die Verlobung ihrer Tochter Sheila mit dem ebenfalls wohlhabenden Fabrikantensohn Gerald Croft zelebrieren. Mitten in die Feier platzt Inspektor Goole mit der Nachricht, dass ein junges Mädchen namens Eva Smith Selbstmord begangen hat. Nach und nach konfrontiert der Inspektor die Anwesenden mit der Tatsache, dass sie alle in irgendeiner Form an dem Tod des Mädchens mitschuldig sind. Aus der friedlichen Feier wird ein Horroszenario. Am Ende des Films stellt sich heraus, dass es bei der örtlichen Polizei gar keinen Inspektor mit dem Namen Goole gibt, auch von einem Selbstmord ist nichts bekannt. Wer ist der mysteriöse, angebliche Polizist? Priestley hat hier ein Gesellschaftsdrama mit einem Mysterythriller verwoben, das den Zuschauer bis zum Schluss in Atem hält.

Die BBC-Verfilmung ist sehr gut gelungen mit überzeugenden Schauspielern. Inspector Goole wird von David Thewlis verkörpert (der die Figur des Remus Lupin in den Harry Potter-Filmen spielte). Ken Stott ist das Familienoberhaupt Arthur Birling, Miranda Richardson seine Frau Sybil. Chloe Pirrie spielt die Tochter Sheila und Finn Cole ihren Bruder Eric. Sheilas Verlobter Gerald Croft wird von Kyle Soller verkörpert und Eva Smith von Sophie Rundle.

Gedreht wurde der Film überwiegend in Yorkshire. Das imposante Haus der Familie Birling ist Scampston Hall, das dem Unternehmer und Managing Director der Textilfirma Joseph Turner, Christopher Legard, gehört. Hier ist ein Film über die Hall, die bei Malton in North Yorkshire liegt. Die Außenaufnahmen der Fabrik der Birlings sind in Saltaire in West Yorkshire gedreht worden, die Innenaufnahmen dagegen in der Queen Street Mill in Burnley (Lancashire), einer ehemaligen Fabrik, in der heute ein Textilmuseum untergebracht ist.

Mich hat der Film sehr fasziniert. Die Anfangsszenen erinnerten mich an „Downton Abbey“; Agatha Christie hätte das Drehbuch auch nicht besser schreiben können.

Saltaire in West Yorkshire.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Baumwollwebstühle in der Queen Street Mill in Burnley (Lancashire).
Photo © John H Darch (cc-by-sa/2.0)

Scampston Hall bei Malton (North Yorkshire).
Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Zwei Fußballvereine der englischen Premier League, die dieselbe Vereinshymne haben

Im Goodison Park trägt der Everton F.C. seine Heimspiele aus.
Photo © Kevin Williams (cc-by-sa/2.0)

Das kommt nicht häufig vor, dass zwei englische Fußballclubs, die auch noch beide in der Premier League spielen, die selbe Vereinshymne haben. Die Toffees vom Everton F.C. und die Hornets vom Watford F.C. laufen ins Stadion beim Klang der Titelmelodie der uralten Fernsehserie „Z Cars“ (1962-1978), die im deutschen Fernsehen „Task Force Police“ hieß. Die TV-Serie spielt in der fiktiven Stadt Newtown im Norden Englands, und da Everton ebenfalls im Norden liegt, in Liverpool, passt das ja ganz gut. Seit der Saison 1962/63 erschallt diese Musik beim Auflaufen der Toffees, und die Fans lieben die Hymne. Ein Jahr später entschied sich auch der damalige Trainer vom Watford F.C. für dieses Musikstück. Im April 2019 trennte man sich vom „Z Cars Theme“ und spielte stattdessen Elton JohnsI’m still standing„. Das liegt auf der Hand, denn der Sänger war und ist dem Club sehr verbunden und war jahrelang dessen Präsident. Aber so sehr die Fans der Hornets Elton John auch verehren, sie wollten ihre alte Hymne zurück und zum Beginn der Saison 2019/20 ist sie wieder da und die Fans sind zufrieden.

John Keating und sein Orchester spielten „Theme from Z Cars„, das 1962 sogar in die britischen Charts kam und Platz 8 erreichte. Es basiert auf einem alten Volkslied mit dem Titel „Johnny Todd„. Über die TV-Serie schrieb ich schon einmal in meinem Blog.

Hier ist die Hymne in Everton und hier in Watford zu hören.

Das Stadion des Watford F.C. an der Vicarage Road.
Photo © Bikeboy (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Ein Besuch bei den Dreharbeiten zu einer neuen Folge der TV-Krimiserie „Endeavour“ in Hambleden (Buckinghamshire)

 

In diesem Pub wurde für die TV-Serie „Endeavour“ gedreht.
Eigenes Foto.

Es ist keine Seltenheit, dass man im Gebiet der Chilterns in Buckinghamshire und Oxfordshire plötzlich auf ein Filmteam stößt, das gerade Szenen für einen Spielfilm oder eine TV-Serie dreht. Mir erging es in der vorigen Woche so in Hambleden (Buckinghamshire).
Nach dem Frühstück in meinem Hotel in Marlow an der Themse machte ich mich auf den Weg, um wieder einmal kreuz und quer durch Inspector Barnabys fiktives Midsomer County zu fahren. Nur wenige Kilometer von Marlow entfernt, sind die Drehorte dieser beliebten Krimiserie wie auf einer Perlenschnur aufgereiht. Der erste Ort meiner Tour sollte Hambleden sein, ein an und für sich ruhiges Dörfchen, über das ich schon zweimal in meinem Blog geschrieben habe (hier und hier).
Erstaunlicherweise erwies sich die Zufahrt in den Ort als schwierig, denn kurz vor der kleinen Brücke staute sich der Verkehr und nichts ging mehr. Alle Autofahrer blieben ruhig (wir sind ja in England!), kein Hupen, keine Hektik. Nach ca 10 Minuten Stillstand ging es langsam weiter. Bald erkannte ich die Ursache für das kleine Verkehrschaos: Überall standen Männer mit Hi-Vis-Jackets, die den Autoverkehr regelten, denn in Hambleden wurden wieder einmal Filmaufnahmen durchgeführt. Mühsam schlängelte ich mich mit meinem Auto durch die Absperrungen zum Parkplatz des Ortes, auf dem jede Menge LKWs von Produktionsfirmen standen und fand einen Platz auf der dahinter liegenden Wiese. Sehr freundlich und höflich wurde mir von den Männern in den gelben Jacken gesagt, dass der Pub von Hambleden, The Stag & Huntsman, leider heute Vormittag für Besucher wegen der Dreharbeiten geschlossen wäre.
Ich besuchte noch einmal die Kirche St Mary’s, auf deren Kirchhof ich leider das Grab von Deep Purples Jon Lord und das von W.H. Smith nicht fand. Beim Rückweg zum Parkplatz fragte ich einen der freundlichen Verkehrsregeler, welcher Film denn hier gedreht würde und erhielt die Antwort, eine neue Folge der ITV-Krimiserie „Endeavour„. Die 7. Staffel wird im Jahr 2020 gezeigt werden. In Deutschland läuft die Serie bei ZDFneo unter dem Titel „Der junge Inspektor Morse„. Leider bekam ich die beiden Hauptdarsteller Shaun Evans (DC Endeavour Morse) und Roger Allam (DI Fred Thursday) nicht zu Gesicht, dafür sah ich aber Endeavour Morses Jaguar Mark 1 auf dem Ortsparkplatz. Das Pubschild des Stag & Huntsman war auf der einen Seite durch ein anderes ersetzt worden, auf dem ein Wolf zu sehen war; an den Namen, der darauf stand, kann ich mich leider nicht mehr erinnern.
Nun werde ich mir im nächsten Jahr die geplanten drei Folgen der 7. Staffel ansehen, um dann „meine“ Hambleden-Folge zu finden.

Nachtrag: Es handelt sich bei der in Hambleden gedrehten Episode um „Zenana“ (Staffel 7, Folge 3, die am 23. Februar 2020 von der ITV gesendet wurde.

„Grantchester“ – Eine englische TV-Krimiserie ab 25. Oktober 2019 auf Sat1.Gold

Gesehen in der Church of St Mary and St Andrew in Grantchester.
Eigenes Foto.

In meinem Blogeintrag vom 1. August 2014 machte ich auf die Krimiserie „Grantchester“ aufmerksam, die der Sender ITV im Herbst diesen Jahres startete. Hier ist der Link. Die Serie erwies sich als so erfolgreich, dass bisher vier Staffeln mit insgesamt 25 Episoden gedreht worden sind. Anfangs tat ich mich etwas schwer mit der Krimiserie, aber inzwischen sind mir die Figuren Reverend Sidney Chambers (James Norton), DI Geordie Keating (Robson Green), Hilfspfarrer Leonard Finch (Al Weaver) und Haushälterin Sylvia Maguire (Tessa Peak-Jones) so sehr ans Herz gewachsen, dass ich mir alle Folgen auf DVD zugelegt habe.

In Deutschland wurden bisher einige Teile von „Grantchester“ auf dem Streaming Portal TVNOW Premium kostenpflichtig gezeigt, ab dem 25. Oktober um 20.15 Uhr beginnt die Krimiserie in deutscher Synchronisation im Free TV im Sender Sat1.Gold (der zum Beispiel auch die englische Kultserie „Doc Martin“ ausstrahlt). Hier ist schon einmal der Trailer zu sehen.

Gedreht wurde unter anderem auch in Grantchester selbst, einem sehr hübschen Dorf im Dunstkreis von Cambridge. Über meinen Besuch dort im März diesen Jahres berichtete ich in meinem Blog.

Eigenes Foto.

Published in: on 19. Oktober 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Die Chilterns als Schauplatz zahlloser TV-Serien und Filme

Foto meines Exemplares.

Die Chilterns sind eine wunderschöne Hügellandschaft, die sich über die Grafschaften Buckinghamshire, Oxfordshire, Hertfordshire und Bedfordshire erstreckt. Viele Male habe ich diese Region bereist, sie gehört zu meinen Lieblings-Landschaften in England. Da die Chiltern Hills so nahe an London und an den Filmstudios der Stadt liegen, wurde und wird dieses Gebiet sehr gern für Film- und Fernsehaufnahmen genutzt. Es deckt sich genau mit dem Midsomer County, das wir aus der „Inspector Barnaby„-Krimiserie kennen.

Es gibt Bücher, die möchte ich auf jeden Fall in einer Druckausgabe besitzen und sie nicht am Bildschirm lesen. So suchte ich lange nach dem Buch „Film & TV Locations in Thames & Chilterns Country„, das Evan Mark G. Jones in zweiter Auflage im Jahr 2000 veröffentlicht hat. Man kann es zwar per Download auf seinen PC ziehen oder zumindest Teile davon sich als Leseprobe anschauen, aber ich wollte es unbedingt als Druckausgabe haben, was sich als sehr schwierig erwies. Das Buch ist in kleiner Auflage erschienen und weltweit vom Markt verschwunden. Glücklicherweise konnte ich ein Exemplar in einer Buchhandlung in Frederick im US-Bundesstaat Maryland auftreiben, das sogar eine handschriftliche Widmung des Autors enthält. 2014 erschien eine Neuauflage, derer ich bisher leider noch nicht habhaft werden konnte.

Evan Mark Jones unterhielt eine Firma namens „Film & Television Tours“ in Chesham (Buckinghamshire), die geführte Touren in die Chilterns anbot; außerdem stellte er seine Dienste als Location Scout Filmproduktionsfirmen zur Verfügung.

Sein mir vorliegendes Buch beinhaltet Drehorte für Filme und TV-Serien von 1950 bis zum Jahr 2000, aufgeteilt in einzelne Touren mit exakten Wegbeschreibungen (in der Art von „am Kreisverkehr die zweite Ausfahrt nehmen, dann am Red Lion vorbei und in die zweite Straße links abbiegen“); ideal für alle, die sich für dieses Thema interessieren. Wir unternehmen mit Evan Mark Jones ausgedehnte Spaziergänge durch den Black Park Country Park in Buckinghamshire, wo zum Beispiel Szenen für den James Bond-Film „Octopussy“ gedreht wurden oder, schon viele Jahre vorher, „Dracula“ mit Christopher Lee.

Auf einer der Touren sind wir in Old Amersham (Buckinghamshire), das ich mehrfach als Ausgangspunkt für meine eigenen Fahrten durch die Chilterns verwendete. Diese hübsche Kleinstadt diente als Kulisse für viele Filme wie „Circus of Horrors„, den Miss Marple-Film „Murder at the Gallop“ mit Margaret Rutherford  und „Four Weddings and a Funeral„.

In meinem Lieblingsdorf The Lee in Buckinghamshire wurden mindestens ein halbes Dutzend „Inspector Barnaby“-Episoden gedreht, sowie Szenen für die TV-Serien „The Mrs Bradley Mysteries“ und „Pie in the Sky„.

Bei der Lektüre des Buches kommen bei mir immer wieder Erinnerungen hoch an die Fahrten durch diese höchst sehenswerte Region Englands.

Der Black Park Country Park in Buckinghamsire diente als Transsylvanien in dem Horrorfilm „Dracula“ mit Christoper Lee.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

The Kings Arms in Old Amersham, Drehort für den Miss Marple-Film „Murder at the Gallop“.
Eigenes Foto.

Das Village Green von The Lee, das mehrfach für „Inspector Barnaby“-Episoden herhalten musste.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 10. Oktober 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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„This Is Your Life“ – Eine ehemalige, sehr beliebte TV-Serie im britischen Fernsehen

Das berühmte rote Buch.
Author: Chemical Engineer.
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Es gibt Serien im Fernsehen, die laufen über Jahrzehnte und erfreuen sich immer wieder großer Beliebtheit. „This Is Your Life“ war eine von diesen Serien, die erstmals 1955 von der BBC gesendet und zehn Jahre lang produziert wurde. Nach einer Pause von fünf Jahren erschien die Sendung 1969 wieder auf den Bildschirmen und wurde bis zum Jahr 2003 gezeigt; dann war Schluss, ausgenommen eine Sonderausgabe in 2007.

Das Format sah so aus, dass ein Moderator mit einem großen roten Buch das Studio betrat und den jeweiligen Gast begrüßte, dessen Leben vor ihm/ihr und dem Publikum ausgebreitet wurde, wobei nach und nach Personen aus dessen/deren näheren Umfeld hinzukamen. Der Clou war, dass der Gast davon vorher überhaupt nichts wusste und mit der Tatsache überrascht wurde, ins Studio eingeladen zu werden.

Die vorgestellten Gäste waren meist prominente Persönlichkeiten, aber auch weniger bekannte Menschen traten auf, die auf irgendeine Weise von sich reden gemacht hatten. Der Ire Eamonn Andrews moderierte „This Is You Life“ von 1955 bis 1987; nach seinem Tod übernahm Michael Aspel die Sendung bis sie 2003 eingestellt wurde. Hier ist die Titelmelodie.

Die Idee zu der Sendung stammt aus den USA, wo sie bereits 1948 im Radio lief und 1952 ins Fernsehen kam, mit Rock Hudson als erstem Gast. Der erste Gast der britischen Show war der spätere Moderator selbst, Eamonn Andrews, präsentiert von Ralph Edwards, der in den USA die Sendung moderierte (hier ist ein Ausschnitt aus der ersten Sendung).

Wie das genau ablief, soll an diesem Beispiel mit Christopher Lee gezeigt werden.

Übrigens wurden die berühmten roten Bücher der Show handgefertigt und in Leder gebunden, ab 1969 von einer Firma in Amersham-on-the-Hill in Buckinghamshire, dessen Manager, Clive Verney, die Produktion absolut geheim durchführen musste, damit nichts vor der Show an die Öffentlichkeit drang. Später, nachdem Clive Verney in den Ruhestand gegangen war, wurden die roten Bücher in Perivale (Greater London) hergestellt.

Published in: on 14. September 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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„Time Team“ – Ein Programm von Channel Four, das 20 Jahre lang Lust auf Archäologie machen sollte

Tony Robinson (links) und die beiden Experten Mick Aston und Guy de la Bèdoyère.
This work has been released into the public domain by its author, Bédoyère.

Eine TV-Sendung über Archäologie: „Oh how boring“ dachten sicher viele Briten, als der Sender Channel Four am 16. Januar 1994 die Serie „Time Team“ startete. Buddelei irgendwo in der Pampa, bei der man irgendwelche langweiligen Scherben findet; Einschaltquoten, die gegen Null tendieren, so war sicher die Meinung vieler Fernsehzuschauer. Doch zur großen Überraschung entwickelte sich „Time Team“ zu einer erfolgreichen Sendung, die über 20 Jahre lang bei Channel Four zu sehen war.

Moderator von „Time Team“ war der Schauspieler Tony Robinson, den ich noch als Baldrick in der TV-Serie „Blackadder“ in Erinnerung habe, in der er an der Seite von Rowan Atkinson spielte. Vielleicht ist es die Begeisterung, die Tony Robinson an den Tag legt, die die Zuschauer bei der Stange hielt. Immerhin wurden 280 Episoden gedreht, inklusive einiger Specials.

In jeder Folge von „Time Team“ wurden drei Tage lang Ausgrabungen durchgeführt, an der Archäologen als Experten teilnahmen. Es begann am 16. Januar 1994 mit der Folge „“The Guerrilla Base of the King„; gegraben wurde in Athelney in der Grafschaft Somerset, wo ein verschollenes Kloster im Mittelpunkt stand. In der 100. Folge „Back to Our Roots“ grub man dort weiter.

In der Regel arbeitete das TV-Team in Großbritannien, doch wurden auch Abstecher zum Beispiel in die USA, die Karibik, nach Frankreich und nach Belgien unternommen. Die letzte Folge „The Boats That Made Britain„, ein Special, wurde am 7. September 2014 ausgestrahlt; darin ging es um ein Boot aus der Bronzezeit, das in Dover ausgegraben worden war und das das Team um Tony Robinson zu rekonstruieren versucht, indem es ausschließlich Material und Werkzeuge aus der damaligen Zeit verwendet.

Dieser Film ist eine „Best of“-Zusammenstellung der ersten 230 Episoden.

Das Dover Bronze Age Boat.
Author: Jim Linwood.
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Published in: on 1. August 2019 at 02:00  Comments (1)  
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The Broadbent Theatre in Wickenby (Lincolnshire) – Ein Theater im ländlichen Raum mit einem berühmten Präsidenten

Heute machen wir uns auf den Weg nach Lincolnshire, in ein kleines Dorf namens Wickenby, nordöstlich der Grafschaftshauptstadt Lincoln. Rund 200 Menschen leben hier im ländlichen Lincolnshire. Nebenan liegt ein Flugplatz auf dem ehemaligen Gelände der RAF Wickenby. Die Parish Church Saint Peter and St Lawrence wurde von dem berühmten Architekten Sir George Gilbert Scott restauriert, der nächste Pub, The White Hart, liegt im Nachbardorf Lissington. Nicht viel los in Wickenby? Doch! Das Dorf ist stolz auf sein Theater, das The Broadbent Theatre heißt und an der Snarford Road zu finden ist, einer schmalen Straße, an der zwei Autos gerade einmal so aneinander vorbei kommen.

Broadbent? Da klingelt doch was? Gegründet wurde das Theater von Roy Broadbent (1915-1972), einem Bildhauer und talentierten Amateurschauspieler, Vater des berühmten Schauspielers Jim Broadbent, der mit vielen Auszeichnungen versehen worden ist (Academy Award, Golden Globe Awards usw.) und der 1949 im Nachbardorf Holton cum Beckering geboren wurde.

Vater Broadbent und seine Frau Dee versammelten während des Zweiten Weltkriegs eine Gruppe von Kriegsdienstverweigerern um sich, die Ambitionen zum Theaterspielen hatten und die sich The Holton Players nannten. Nach dem Krieg spielten sie in einer alten Nissenhütte, die sie der RAF abgekauft hatten. Als diese abgebrannt war, diente ein Raum in der Holton Hall einige Jahre lang als Bühne, bis 1970 in Wickenby eine nicht mehr genutzte Methodistenkirche auf den Markt kam und diese von der Theatergruppe gekauft und umgebaut wurde. Aus den Holton Players entstanden die Lindsey Rural Players, die bis heute das Theater am Leben halten.

Kurz nach der Eröffnung des Theaters starb Roy Broadbent und ihm zu Ehren entstand der Name The Broadbent Theatre. Sein Sohn Jim ist heute Präsident der Lindsey Rural Players, und man kann sich vorstellen, dass sowohl das Dorf als auch die Theatergruppe stolz darauf sind.

Es wird eine bunte Mischung an Aufführungen angeboten, und es ist erstaunlich, dass hier im ländlichen Bereich immer genug Besucher kommen, um sie sich anzusehen. 100 Menschen passen in das kleine Theater hinein, wobei ich mich frage, wo die alle ihre Autos abstellen, denn Parkplätze gibt es weit und breit nicht.

Hier ist ein kleiner Blick hinter die Kulissen des Theaters.

The Broadbent Theatre
Snarford Road
Wickenby
Lincolnshire
LN3 5AW  

Holton cum Beckering: Hier wurde Jim Broadbent geboren und hier entstand die Theatergruppe The Holton Players.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

 

Fawlty Towers – Das Schicksal des berühmt-berüchtigten Hotels in der englischen Comedyserie

12 Episoden wurden in den 1970er Jahren von der TV-Comedyserie „Fawlty Towers“ gedreht, die unter dem Titel „Fawltys Hotel“ auch im deutschen Fernsehen gezeigt wurde. In den Hauptrollen: John Cleese als chaotischer Hotelier Basil Fawlty, Prunella Scales als seine dominante Frau Sybil, Connie Booth als Polly, das Mädchen für alles, und Andrew Sachs als Manuel, der tollpatschige spanische Kellner.

Das Hotel Fawlty Towers steht in der Fernsehserie in Torquay; das Gebäude, das in den Filmen als Hotel diente, war in Wirklichkeit der Wooburn Grange Country Club und stand in der Ortschaft Bourne End in Buckinghamshire, das ist nur einige Kilometer von Marlow entfernt. Ich fuhr einmal durch Bourne End auf dem Weg nach Little Marlow und von dem Haus, in dem Basil Fawlty sein Hotel betrieb, ist in Bourne End nichts mehr zu sehen.

Nach dem Ende der Dreharbeiten wurde das Haus verkauft und es diente eine Zeit lang als Restaurant, dann war darin ein Nachtclub untergebracht, der passenderweise „Basil’s“ hieß. Im März 1991 schließlich brannte das Gebäude ab und was noch davon übrig geblieben war, wurde abgerissen. Ursprünglich sollte ein Hotel an der gleichen Stelle gebaut werden, aber man entschied sich anders. Die Eigentümer des Grundstücks bauten darauf stattdessen acht Wohnhäuser. Hier ist ein Film über die traurigen Reste des Hauses, nachdem es den Flammen zum Opfer gefallen war.

Die Idee zu der Fernsehserie hatten John Cleese und Connie „Polly“  Booth, die damals verheiratet waren. Beide wohnten 1972 einmal in dem Hotel „Gleneagles“ in Torquay (Devon), dessen Besitzer, ein gewisser Donald Sinclair, durch sein exzentrisches Verhalten den beiden in Erinnerung geblieben war. Auch ein spanischer Kellner soll dort beim Aufenthalt von John Cleese und seiner Frau gearbeitet haben. Das Gleneagles Hotel existiert nicht mehr; es wurde abgerissen und an der Stelle entstand ein Wohnkomplex, der Sachs Lodge heißt, in Erinnerung an den Kellner Manuel, der von Andrew Sachs gespielt wurde und der 2016 starb.

„Fawlty Towers“ war eine der erfolgreichsten Comedyserien der BBC, die auch heute immer noch im Fernsehen wiederholt wird. Hier sind einige der schönsten Szenen aus der Serie zu sehen.

 

Das ehemalige Gleneagles Hotel in Torquay.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

 

Sachs Lodge in Torquay (Devon), wo früher das Gleneagles Hotel stand.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. Juni 2019 at 02:00  Comments (3)  
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Gary Cooper und Dunstable – Ein Hollywoodschauspieler und eine Kleinstadt in Bedfordshire

This photo is in the public domain, taken from Open Plaques.

Woran denkt man zuerst, wenn man den Namen Gary Cooper hört? Ich meine, an den Film „High Noon“ bzw. „Zwölf Uhr mittags“ und an einen der berühmtesten Filmhelden in Hollywood…aber kaum an die Kleinstadt Dunstable in der Grafschaft Bedfordshire. Doch der 1901 in Helena, Montana, geborene Frank James Cooper, so sein richtiger Name, verbrachte zusammen mit seinem Bruder Arthur die Jahre von 1910 bis 1913 genau hier in der englischen Provinz. Sie wohnten in der Zeit bei Verwandten, den Bartons, in einem kleinen Reihenhaus in der High Street, Ecke Waterlow Road, dort, wo heute ein Telefonladen untergebracht ist. Eine blaue Plakette erinnert an Gary Cooper mit der Inschrift
„GARY COOPER FILM STAR and Dunstable Grammar School Pupil lived here 1910 – 1913“.

Der spätere Hollywoodliebling ging in die auf der Plakette genannte Schule, die nur ein paar Schritte entfernt ebenfalls an der High Street lag. 1973 wurde aus der Dunstable Grammar School die Ashton Middle School, und die wiederum schloss im Jahr 2016 ihre Pforten für immer; auf dem Gelände werden Wohnhäuser errichtet.

Es gibt in Dunstable auch noch einen Pub, der den Namen des Schauspielers trägt: The Gary Cooper, der zu der Gruppe der Wetherspoon Pubs gehört.

Frank James und Arthur wurden während ihres Aufenthaltes in Bedfordshire im Dezember des Jahres 1911 auch getauft und zwar in der Church of All Saints im benachbarten Houghton Regis.

Dunstable gehört zu den vielen englischen Städten mit einer ziemlich desolaten High Street, wo ein Schaufensterbummel kein Vergnügen ist. Hier reihen sich Charity Shops und Billigläden aneinander, ein türkischer Friseurladen liegt zwischen einer Subway-Filiale und einem Büro, in dem man sein Testament aufsetzen lassen kann, dazwischen Leerstände von ehemaligen Geschäften. Gary Cooper hätte mit Sicherheit keine Freude an dieser High Street.

Dieser Film zeigt einige der Orte in Dunstable und Houghton Regis, die mit Gary Cooper in Zusammenhang stehen.

Die Ashton Middle School, die frühere Dunstable Grammar School, die Gary Cooper besuchte.
Photo © Paul Buckingham (cc-by-sa/2.0)

Der nach dem Schauspieler benannte Wetherspoon-Pub.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Church of All Saints: In dieser Kirche in Houghton Regis wurden die beiden Cooper-Brüder getauft.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Dunstable High Street.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 26. Mai 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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