Bob, der Neufundländer, der in einem Gemälde von Sir Edwin Landseer verewigt wurde

This is a faithful photographic reproduction of a two-dimensional, public domain work of art.

Bob war ein Neufundländer und ein ganz erstaunlicher Hund. In den 1830er Jahren geriet das Schiff, in dem Bob an Bord war, vor der englischen Küste in Seenot und kenterte. Der Hund überlebte das Unglück und rettete auch noch zwei Passagiere. Von da ab kann man sagen, dass für Bob das Retten von Menschen zu seinem Lebensinhalt geworden ist, denn in einer Zeitspanne von dreizehn Jahren rettete der Neufundländer sage und schreibe 23 Menschen vor dem Ertrinken. Er hielt sich in dieser Zeit immer im Londoner Raum auf und war geradezu ein Strandwächer auf vier Pfoten. Als Dank für diese Leistung wurde Bob in die Royal Humane Society aufgenommen, das ist eine 1774 gegündete Lebensrettungsgesellschaft. Er erhielt eine Medaille und, was ihn sicher noch mehr gefreut hat, eine tägliche Mahlzeit bis ans Ende seines Lebens.

Der englische Tiermaler und Bildhauer Sir Edwin Landseer (1802-1873), dem wir die Löwen auf dem Londoner Trafalgar Square zu verdanken haben, hörte von dieser anrührenden Geschichte und wollte unbedingt ein Gemälde von Bob anfertigen, doch der Hund war wie vom Erdboden verschwunden; niemand wusste, wo er sich aufhielt und ob er überhaupt noch lebte. So leiht sich Sir Edwin einen anderen Neufundländer namens Paul und bringt ihn in sein Atelier. Dort setzt er ihn auf einen Tisch und beginnt zu malen. Aus dem Tisch wird eine Ufermauer, im Hintergrund ist ein wolkenverhangener Himmel über dem Meer zu sehen, Seemöwen ziehen ihre Kreise. Großartig gelungen ist das Porträt des Hundes, der aussieht, als könnte er jeden Moment aufstehen und aus dem Bilderrahmen steigen. „A Distinguished Member of the Humane Society“ nannte Sir Edwin Landseer sein Bild, das 1838 ausgestellt wurde, und das die Beliebtheit von Neufundländern in England gewaltig steigerte. Das Gemälde ist 111.8 × 143.5 cm groß und hängt heute in dem Londoner Kunstmuseum Tate Britain.

Published in: on 7. Oktober 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Die Alfred Hitchcock-Mosaike in der U-Bahnstation von Leytonstone in London

Alfred Hitchcock als Kind vor dem Laden seines Vaters in der Leytonstone High Road.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Leytonstone ist ein östlicher Stadtteil von London, der von der A12 und der High Road durchzogen wird. In der Hausnummer 517 der High Road erblickte am Sonntag, dem 13. August 1899 Alfred Hitchcock das Licht der Welt. Über dem Lebensmittelladen seiner Eltern wurde ein Kind geboren, das später einmal zu einem Inbegriff des Filmthrillers werden sollte. Das Haus existiert heute nicht mehr, es wurde in den 1980er Jahren abgerissen. An der Stelle steht jetzt eine Jet-Tankstelle, an der eine blaue Plakette angebracht ist, die an Hitch erinnert. Hier findet man auch gegenüber der Tankstelle auf der gleichen Straßenseite ein Haus, das von Mateusz Odrobny und Anna Mill mit Motiven aus Hitchcocks Film „Die Vögel“ bemalt wurde.

Man ist auch heute noch stolz in Leytonstone auf seinen großen Sohn und so verewigte man ihn mit einer Serie von Mosaiken in der örtlichen U-Bahnstation. Die Hitchcock Gallery wurde am 3. Mai 2001 eröffnet und besteht aus 17 Mosaiken mit Motiven aus seinen berühmten Filmen. Der London Borough of Waltham Forest organisierte das Projekt, das von Mitgliedern des Greenwich Mural Workshops ausgeführt wurde. Die Künstler benötigten für die Ausführung sieben Monate und verwendeten für die Mosaike 80 000 Kacheln. Neben den Filmmotiven zeigen drei Szenen Bilder von Hitchcock selbst, einmal als Kind auf einem Pferd vor dem Laden seines Vaters, einmal bei der Arbeit als Regisseur und einmal zusammen mit Marlene Dietrich. Die Filmmotive zeigen Szenen aus seinen Filmen (hier nur einige Beispiele) „Rear Window“ (dt. „Das Fenster zum Hof“), „Psycho“ (dt. „Psycho“), „North by Northwest“ (dt. „Der unsichtbare Dritte“) und „To Catch a Thief“ (dt. „Über den Dächern von Nizza“).

Die Leytonstone Tube Station liegt an der Central Line, der Eingang ist am Church Lane.

Hier ist ein Song über Alfred Hitchcock und die Mosaike von Leytonstone.

„Rear Window“ oder „Das Fenster zum Hof“.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

„Psycho“.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

„North by Northwest“ oder „Der unsichtbare Dritte“.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

„To Catch a Thief“ oder „Über den Dächern von Nizza“.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags: ,

The Dotterel Roundabout – Ein hübsch angelegter Kreisverkehr an der A165 im Osten Yorkshires

Einem besonders schön angelegtem Kreisverkehr begegnet man, wenn man von Bridlington an der Ostküste von Yorkshire auf der A165 in Richtung Scarborough fährt. Dort, wo die B1229 dazustößt, liegt der Dotterel Roundabout, direkt daneben der Dotterel Pub. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob auf der Wiese inmitten des Kreisverkehrs einige Schafe grasen, bewacht von einem hochgewachsenen Schäfer und seinem Hütehund. Beim zweiten Hinsehen merkt man, dass sich das Ensemble nicht bewegt und wir es hier mit Skulpturen zu tun haben. Der regionale Künstler Ronald Falck aus Bridlington (sein Lehrmeister war der berühmte Henry Moore) hat die Figurengruppe The Dotterel Shepherd 2011 geschaffen; sie soll an das ländliche Erbe der Region erinnern. Fünf Schafe stehen hier beisammen und ein Lämmchen hält der Schäfer auf dem Arm. Die Figuren besten aus Fiberglas, das auf einen Metallrahmen aufgetragen worden ist.

£3,000 hat der Künstler an öffentlichen Geldern erhalten, den Rest hat er aus eigener Tasche bezahlt. Ich muss immer wieder sagen, man kann mit den Innenflächen der von mir so geschätzten Kreisverkehren mit etwas Fantasie und Geld so einiges anstellen, und ich freue mich, wenn ich auf kunstvoll gestaltete Roundabouts treffe.

Ronald Falck hat übrigens auch die Figur des Anchorman im Hafen von Bridlington erschaffen.

Published in: on 4. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Work No 409 von Martin Creed oder Der singende Fahrstuhl in der Londoner Royal Festival Hall

Die Royal Festival Hall liegt im Londoner Southbank Centre am Ufer der Themse. Sie wurde 1951 eröffnet und gilt als eine der führenden Veranstaltungsorte für Aufführungen von klassischer Musik. Eine Besonderheit der Royal Festival Hall ist ihr singender Fahrstuhl. Der Lift ist ein Werk des Konzeptkünstlers Martin Creed, der 2001 den begehrten Turner Prize für sein Work No 227 „Lights going on and off“ erhielt (in einem leeren Raum wurde das Licht regelmäßig ein- und ausgeschaltet). Unumstritten ist der Künstler nicht, seine Werke, die er durchnummeriert, sind immer wieder Gegenstand von Kontroversen.

Work No 409 ist nun eben dieser singende gläserne Fahrstuhl in der Royal Festival Hall, bei dem die Stimmen des Voicelab Choirs des Southbank Centres zu hören sind, die sich in der Tonlage von Etage zu Etage verändern. Ganz unten sind sie tief und je weiter man nach oben steigt, umso höher werden sie. Das ganze Spektrum lässt sich natürlich am besten erleben, wenn man nonstop vom Erdgeschoss bis zum sechsten Stock, bzw. andersherum, durchfahren kann. Meistens wird die „Gesangseinlage“ des Singing Lift eine halbe Stunde vor Beginn einer Veranstaltung der Royal Festival Hall abgestellt.

Martin Creed hatte seinen singenden Lift ursprünglich für die Ikon Gallery in Birmingham kreiert, seine Idee aber im Jahr 2010 noch einmal für das Londoner Southbank Centre aufgenommen.

Hier ist Work No 409 von Martin Creed zu hören und zu sehen.

Published in: on 18. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Die Themselöwen – Sie warnen die Londoner Bevölkerung vor Hochwasser

Terroranschläge, ein Hochhausbrand…London steht in der letzten Zeit in verstärktem Maße mit Horrornachrichten in den Schlagzeilen. Fehlt nur noch, dass die Themse bei Hochwasser über ihre Ufer tritt und Teile der Innenstadt in Mitleidenschaft zieht. Für eine frühzeitige Warnung der Bevölkerung vor einer derartigen Überflutung sorgen rund um die Uhr seit 1868 ein ganzes Bataillon von bronzenen Löwen bzw. von Löwenköpfen, die in die Ufermauern der Themse eingelassen sind und von Touristen oft gar nicht wahrgenommen werden. Im Zuge der umfangreichen Arbeiten an der Abwasserentsorgung Londons des Sir Joseph Bazalgette wurden die Löwen an den Mauern angebracht. Jedes Tier hat einen „mooring ring“ im Maul, damit Boote im Notfall hier festmachen können. Die Warnfunktion der Löwenköpfe wird folgendermaßen erklärt:

When the lions drink, London will sink
When it’s up to their manes, we’ll go down the drains.

Möglicherweise werden die Löwen in der Zukunft im Zuge der Klimaerwärmung mehr zu tun bekommen und noch sorgfältiger ihrer Überwachungsfunktion nachkommen müssen.
Der Londoner Bildhauer Timothy Butler (1806-1885) hat die Themselöwen geschaffen. Der Künstler, dessen Atelier zuletzt in der Euston Road in St Pancras zu finden war, hat auch Straßenlaternen für das Thames Embankment entworfen. Seine Spezialität waren allerdings Büsten von Londoner Persönlichkeiten.

Published in: on 19. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

The Spirit of Ecstasy, Rolls Royce und Eleanor Velasco Thornton

The Spirit of Ecstasy nennt sich die Kühlerfigur der Autofirma Rolls Royce, deren Modelle ähnlich mysteriöse Namen führen wie Silver Wraith, Silver Seraph, Phantom oder Corniche. Als sich John Walter Edward Douglas-Scott-Montagu, 2nd Baron Montagu of Beaulieu, im Jahre 1910 einen Rolls Royce Silver Ghost zulegte, fehlte ihm etwas an dem Auto, eine Kühlerfigur, und so gab er sie bei dem Bildhauer Charles Robinson Sykes in Auftrag. Der Künstler schuf eine entsprechende Figur in Form einer jungen Dame in wallenden Gewändern, die einen Finger vor ihre Lippen hielt. Als Modell wählte Sykes eine Schauspielerin namens Eleanor Velasco Thornton, die damals für den Baron als Sekretärin arbeitete und lange Jahre seine Geliebte war, daher der Finger vor den Lippen der Figur, denn das Verhältnis der beiden war ein Geheimnis (Baron Montague of Beaulieu war verheiratet). „The Whisper“ wurde denn die Kühlerfigur auch genannt.

Auch andere Rolls Royce-Besitzer schmückten die Kühler ihrer Autos mit personalisierten Figuren, was der Herstellerfirma aber nicht gefiel, man wollte etwas Eigenständiges, das auf jeden verkauften Rolly Royce gehörte. Also wandte sich Claude Johnson, der damalige Direktor der Firma, wieder an Charles Robinson Sykes, damit er eine Standard-Kühlerfigur für alle Autos aus seinem Haus schaffen sollte. Dieser nahm sich „The Whisper“ vor und modifizierte sie; wieder stand Eleanor Velasco Thornton Modell, und 1911 präsentierte er sein Werk der Firma Rolls Royce, die es übernahm.

„The Spirit of Ecstasy“ gab es später noch in abgewandelten Versionen, zum Beispiel knieend. Bei den heutigen Rolls Royce-Modellen kann man die Kühlerfigur per Knopfdruck versenken, denn sie ist diebstahlgefährdet; außerdem zieht sie sich bei einem Aufprall automatisch in den Motorraum zurück. Dieser Film zeigt die Herstellung des Ornamentes.

Eleanor Velasco Thornton kam am 30. Dezember 1915 auf tragische Weise ums Leben, als sie zusammen mit ihrem Geliebten an Bord des Schiffes SS Persia auf dem Mittelmeer unterwegs war. Ein deutsches Torpedo versenkte das Schiff und Hunderte von Menschen ertranken, darunter auch Miss Thornton; Baron Montague of Beaulieu überlebte. Sein Enkel, Ralph Douglas-Scott-Montagu, ist heute der vierte Baron of Montague of Beaulieu, und auf dem Familiensitz in Hampshire befindet sich das National Motor Museum. Das große Interesse an Autos hat sich also über Jahrzehnte erhalten.

Der Rapper Gill Graff aus Florida hat sich Eleanor Velasco Thornton und ihrer Rolle als Kühlerfigur in seinem Song „Eleanor“ angenommen („Go ahead spread your wings dear Eleanor But before I go I’m trying to get to know you Will you ever fucking know?“).

 

Nicola Metcalfe – Eine junge Künstlerin aus Buckinghamshire

With friendly permission of Nicola Metcalfe.

In der Mai-Ausgabe des Magazins „Buckinghamshire Life“ fand ich eine kleine Notiz, dass in der Öffentlichen Bibliothek von Bourne End eine Ausstellung mit Werken der Künstlerin Nicola Metcalfe stattfindet, die den Titel „Mrs Metcalfe in the Library with a Paintbrush!“ trägt. Da ich den Namen der Künstlerin bisher noch nicht kannte, suchte ich ihre Webseiten auf und war sehr angetan von dem, was sie bisher geschaffen hat. Besonders begeistert war ich von dem Druck „We Are UK„, den ich mir sofort bestellte und der jetzt in meinem Wohnzimmer hängt. Auf dem DIN-A1-Druck sind die Umrisse Großbritanniens zu sehen, die mit zahllosen Symbolen für die einzelnen Orte und Regionen gefüllt sind. Man kann sich dieses wunderschöne Bild stundenlang ansehen und entdeckt immer wieder etwas Neues. „From its architecture, animals and eccentricities to historical figures or contemporary music, this unique picture has a little bit of everything„, erklärt Nicola Metcalfe ihr Werk. Ein Geschenk für jeden Fan Großbritanniens: Es ist auf 100 Exemplare limitiert.

Ähnlich gestaltet ist ein Geschirrhandtuch mit dem Titel „Let’s go up the river„, auf dem Themse-Motive von der Quelle bis zur Mündung zu sehen sind, auch auf einer Leinwand erhältlich.

Weiterhin hat Nicola Metcalfe Kunstwerke angefertigt in denen London, Henley-on-Thames und Marlow im Mittelpunkt stehen; so gibt es in der Henley-Serie einen „Regatta mug“ und einen DIN-A2-Druck. Für ihren Wohnort Marlow hat die Künstlerin ebenfalls einen sehr schönen Druck gestaltet, auf dem u.a. wichtige Gebäude zu sehen sind wie die Themsebrücke und die All Saints Church.

Nicola Metcalfe hat ihre Werke bisher überwiegend in Buckinghamshire und angrenzenden Grafschaften ausgestellt wie zum Beispiel in der renommierten Henley Business School. Jetzt im Juni ist sie zum wiederholten Mal bei den Bucks Open Studios vertreten, einer Veranstaltungsreihe, bei der Künstler ihre Studios öffnen und Ausstellungen in der ganzen Grafschaft Buckinghamshire stattfinden.

Nicola Metcalfe hat ihr Atelier nicht direkt in der Stadt Marlow sondern in Marlow Bottom, das ist ein Straßendorf, das sich nördlich der Themsestadt hinzieht. Hier lebt sie zusammen mit ihren beiden Kindern und drei Hühnern wie es auf ihren Webseiten zu erfahren ist.

Ich finde Nicolas Werke großartig!! Man kann sie problemlos über ihre Homepage bestellen.

Nicola Metcalfes „We are UK“ in meinem Wohnzimmer.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 5. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Das Londoner Broadcasting House der BBC und die umstrittene Skulptur „Prospero and Ariel“ des Bildhauers Eric Gill

Das Broadcasting House der BBC, 1932 eröffnet und im Art Déco-Stil erbaut, steht am Londoner Portland Place in Marylebone im Zentrum der Stadt. Über dem Eingang sieht man eine Skulptur, die sich „Prospero and Ariel“ nennt, zwei Figuren aus William Shakespeares Theaterstück „The Tempest“ (dt. „Der Sturm“). Die große Figur ist der Zauberer Prospero, der kleine nackte Junge ist der Luftgeist Ariel. Der Bezug zur BBC: Prospero schickt Ariel hinaus in die Welt als Symbol für die Radiowellen, die von hier ausgestrahlt werden. Beauftragt mit der Herstellung der Statue wurde der englische Künstler Eric Gill (1882-1940), der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einer der bedeutendsten des Landes war…aber auch einer der umstrittendsten. Der exzentrische Bildhauer arbeitete an der Statue am Broadcasting House in einer Mönchskutte, unter der er, wie man sagte, nichts trug, was Gill aber nicht im geringsten zu stören schien.

„Prospero and Ariel“ war von Beginn an eine Statue, an der sich die Geister schieden. Zuerst war es die Größe der Genitalien des kleinen Ariel, über die man stritt, viele Jahre später, als Eric Gills Tagebücher veröffentlicht wurden und der Künstler schon lange tot war, erschien das Kunstwerk plötzlich in einem ganz anderen Licht. In jenen Tagebüchern schrieb Gill, dass er spezielle sexuelle Vorlieben hatte, die man mit dem Wort Inzest beschreiben kann. So hatte er sowohl mit mindestens einer seiner Schwestern als auch mit seinen Töchtern Sex, sogar der Familienhund soll seinen Nachstellungen nicht entgangen sein. Seine heranwachsende Tochter Petra zeichnete er nackt in der Badewanne und in anderen verführerischen Posen. Sollte man Gills Kunstwerk angesichts dieser Enthüllungen nach wie vor über dem Eingang des Broadcasting House stehen lassen, fragten sich viele? Und wie sollte man mit einer weiteren Skulptur Gills im Inneren des Hauses umgehen, das „Ariel piping to the children“ heißt und den nackten Luftgeist als eine Art „Rattenfänger“ (pied piper) zeigt, der mit seiner phallusförmigen Flöte Kinder anzulocken scheint?
Als dann noch der Pädophilie-Skandal um den früheren BBC-Discjockey Jimmy Saville (1926-2011) ans Tageslicht kam, der im Laufe seiner Karriere Hunderte von jungen Mädchen missbraucht haben soll, wurde der Ruf nach der Entfernung der Gillschen Kunstwerke immer lauter. Aber die BBC entschied sich dafür, an der Skulptur festzuhalten wie auch die Westminster Cathedral, in der Eric Gills „Stations of the Cross“ stehen. Auch dort forderten einige, diese zu entfernen, weil sie von einem Pädophilen geschaffen worden sind.

Hier ist ein Film über das Broadcasting House und Eric Gills Statue.

 

Published in: on 29. Mai 2017 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Der Elgar-Freundeskreis Deutschland – Hier haben sich Verehrer des englischen Komponisten zusammengefunden

Mit freundlicher Genehmigung des Elgar-Freundeskreises.

Vor einigen Jahren schrieb ich in meinem Blog schon einmal über das Elgar Birthplace Museum in Lower Broadheath (Worcestershire), das zurzeit geschlossen ist und in das Management des National Trusts übergeben wird. Sir Edward Elgar (1857-1934) hat immer noch eine große Anhängerschaft im Land, und die Elgar Society ist die größte Gesellschaft Großbritanniens, die sich einem einzigen Komponisten widmet.

In Deutschland kennt man ihn überwiegend durch den „Pomp & Circumstance March No. 1„, einer der Höhepunkte der jährlichen „Last Night of the Proms“, die auch im deutschen Fernsehen gezeigt wird. Seit einiger Zeit haben sich auch hierzulande Verehrer des Komponisten zusammengefunden und den Elgar-Freundeskreis Deutschland gegründet, der stolz darauf sein kann, über zwei hochkarätige Schirmherren zu verfügen, nämlich den Dirigenten und Pianisten Daniel Barenboim und den Opernintendanten Sir Peter Jonas.

Welche Aufgaben hat sich nun der deutsche Freundeskreis gesetzt? Ein Flyer gibt Auskunft: Er „unterstützt Aufführungen von Kompositionen Sir Edward Elgars in Deutschland und hilft bei der Vermittlung von Förderung, bietet kostenlose Vorträge, Pre-Concert-Talks, Seminare und Materialien, veröffentlicht den Newsletter Mr Phoebus mit Neuigkeiten zu Konzerten, Konzertberichten, Buchbesprechungen und Konzertkritiken, gibt den Freunden der Musik Sir Edward Elgars in Deutschland sowie im deutschsprachigen Raum ein Forum und ist Ansprechpartner für jeden, der sich für Elgars Leben und Werk interessiert und mehr erfahren will“.

Den Vorsitzenden des Freundeskreises, Wolfgang-Armin Rittmeier, konnte ich vor einigen Tagen bei seinem Vortrag über das Leben und das Werk Edward Elgars kennenlernen, wobei auch Ausschnitte aus den „Enigma-Variationen“ und „The Dream of Gerontius“ zu hören waren.

Die Webseiten des Elgar-Freundeskreises bieten eine Fülle von Informationen, sie enthalten eine sehr ausführliche Diskografie, eine Bibliografie wird gerade bearbeitet. Noch ein Wort zum Namen des Newsletters, der sich „Mr Phoebus“ nennt. Er bezieht sich auf ein Fahrrad, das Elgar im Jahr 1900 erwarb, ein Royal Sunbeam, das er sehr liebte. Zu sehen sind beide, Komponist und Fahrrad, als Statue vor der Kathedrale von Hereford (Herefordshire).

Hier ist der erste Teil einer Filmdokumentation über Sir Edward Elgar, die Ken Russell 1962 für die BBC erstellte.

Sir Edward Elgar und Mr Phoebus vor der Kathedrale von Hereford.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Gordon Hatton and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Grabstein Sir Edward Elgars und seiner Frau Caroline Alice auf dem Kirchhof von St Wulstan’s in Little Malvern (Worcestershire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Bob Embleton and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 21. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Longplayer, die längste Komposition der Welt, und der einzige Leuchtturm Londons auf der Trinity Buoy Wharf

Der Leuchtturm auf der Londoner Trinity Buoy Wharf.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright David Kemp and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Dort, wo die Themse in London eine ihrer Schleifen zieht, auf der Leamouth Peninsula,steht das Bow Creek Lighthouse, der  einzige Leuchtturm Londons, der allerdings nicht mehr in Betrieb ist. Von 1864 bis 1866 wurde der Turm erbaut, der zu Ausbildungszwecken für künftige Leuchtturmwärter diente. Trinity Buoy Wharf heißt das Gelände hier an der Themse, auf der auch die Container City steht, über die ich in meinem Blog einmal berichtete.

Am 31. Dezember 1999 um Mitternacht, als das neue Jahrtausend eingeläutet wurde, begann hier im Lighthouse ein Projekt, das exakt tausend Jahre dauern wird bzw. soll: The Longplayer. Dabei handelt es sich um eine musikalische Komposition, die rund um die Uhr tausend Jahre lang zu hören sein wird, ohne sich zu wiederholen, und die erst am 31. Dezember 2999 beendet ist, so der Plan. Jem Finer hat sich das ausgedacht, ein Musiker, der auch als Gründungsmitglied der Band The Pogues bekannt wurde.

More than a piece of music, Longplayer is a social organism, depending on people – and the communication between people – for its continuation, and existing as a community of listeners across centuries“, und „an artificial life form programmed to seek its own survival strategies„, so eine Form der Erklärung auf den Webseiten des Projekts. Komponiert ist The Longplayer für Klangschalen, im Englischen Singing Bowls genannt, die ihren Ursprung im asiatischen Himalayagebiet haben.

Damit alles reibungslos funktioniert, wurde The Longplayer Trust gegründet, dessen Mitglieder aus der Musik- und Kunstszene kommen. Niemand unter uns wird jemals miterleben, ob dieses interessante Musikprojekt jemals das gesteckte Ziel erreichen wird.
Wer  einmal in die Komposition hereinhören möchte, der kann das in den sogenannten Listening Posts tun, zu finden im Yorkshire Sculpture Park, im The Royal Observatory in Greenwich, in den USA in der The Long Now Foundation in San Francisco oder online per Livestream.

Published in: on 5. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Famous Graves – Charles Blondins Grab auf dem Londoner Kensal Green Cemetery

Grab Nummer 13198, Quadrat 140, Reihe 1, so lautet die letzte Adresse von Jean François Gravelet, besser bekannt unter dem Namen Charles Blondin, der 1824 im französischen St Omer im Pas-de-Calais geboren wurde und einen großen Teil seines Lebens in England zugebracht hatte. Wie seinem Grabstein zu entnehmen ist, starb er am 22. Februar 1897 im Niagara House in Ealing, einem westlichen Stadtteil von London. Das Haus liegt in der Northfield Avenue. Der Name von Blondins Wohnsitz weist auf einen Ort hin, der in seinem Leben eine große Rolle gespielt hat: Die Niagara-Wasserfälle im US-Bundesstaat New York an der Grenze zu Kanada.

Wer Monsieur Blondin nicht kennt, er war einer der bedeutendsten Seiltänzer der Welt und besonders spektakulär waren seine Überquerungen der Wasserfälle in fünfzig Meter Höhe. Doch ihm genügte die „einfache“ Überquerung auf einem Seil bei weitem nicht, Blondin schraubte den Schwierigkeitsgrad immer höher; so begab er sich mit verbundenen Augen auf das Seil, nahm seinen Manager huckepack mit, schob einen Menschen auf einer Schukarre hinüber, ging auf Stelzen, nahm eine Kamera mit Stativ auf seine rund 23-minütige „Reise“ und fotografierte aus luftiger Höhe sein Publikum. Einmal nahm er einen kleinen Ofen mit und bereitete auf halber Strecke ein Omelett zu. Der Mann kannte einfach keine Angst; alle seine Vorführungen unternahm er ohne Netz.

In England trat er an verschiedenen Orten in London auf, wo er das Publikum ebenfalls begeisterte. 1873 überquerte er das Edgbaston Reservoir in Ladywood in Birmingham. Die Begeisterung dort für Blondins Kunststück hielt offenbar sehr lange an, denn 1992 stellte man am Ladywood Middleway eine Statue auf, die den Akrobaten zeigt wie er gerade sein Seil „besteigt“.

In seinem letzten Wohnort Ealing nehmen zwei Straßen Bezug auf den berühmten Bewohner, eine kurze Sackgasse mit dem pompösen Namen Blondin Avenue und die parallel dazu verlaufende Sackgasse Niagara Avenue, beide in unmittelbarer Nähe zum Niagara House.

Blondin teilt sich sein Grab auf dem Kensal Green Cemetery mit seiner Frau Charlotte, die bereits 1888 starb. Das Grabmal aus rotem Granit zeigt marmorene Medaillons der Gesichter der beiden. Ein Engel steht oben darauf und wacht über die Ruhe der Blondins. Einmal im Jahr trifft sich der Blondin Memorial Trust an der Grabstelle und gedenkt dem Akrobaten.

Hier ist ein kleiner Film über Blondin und seine Niagara Falls-Überquerung.

Die Blondin Avenue in Ealing.   © Copyright James Emmans and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Blondin Avenue in Ealing.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright James Emmans and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Blondin-Denkmal in Ladywood/Birmingham. Author: Oosoom. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Das Blondin-Denkmal in Ladywood/Birmingham.
Author: Oosoom.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Die Silvesterfeier in einem Londoner Dinosaurier im Jahr 1853

Zwei Iguanodons im Crystal Palace Park.   © Copyright Julian Osley and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Zwei Iguanodons im Crystal Palace Park.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Julian Osley and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Der Iguanodon („Leguanzahn“) ist eine zur Gruppe der Ornithopoda gehörende Gattung der Dinosaurier aus der frühen Kreidezeit und der größte und bekannteste Vertreter der Iguanodontidae“. So steht es in der Wikipedia zu lesen und in genau so einem Tier, d.h. natürlich nicht in einem lebenden, sondern in einem Modell, fand am 31. Dezember 1853 eine spektakuläre Silvesterfeier statt, an der 22 hochrangige Akademiker, Investoren und Zeitungsleute teilnahmen. Eingeladen zu der Feier hatte Benjamin Waterhouse Hawkins (1807-1894), ein Bildhauer und Naturwissenschaftler, der u.a. auch dadurch berühmt geworden war, dass er im Park des Crystal Palace in Sydenham, einem Stadtteil Londons, große Plastiken von Dinosauriern aufgestellt hatte. Zusammen mit dem Zoologen Richard Owen, der auch zu der Party eingeladen war, hatte Hawkins 33 dieser Urzeittiere gebaut und in dem Park zur Schau gestellt. Um dieses Ereignis zu feiern, kam man hier am Silvesterabend des Jahres 1853 in dem Inneren eines Iguanodon-Modells zu einem mehrgängigen Diner zusammen und ließ es sich gut gehen. Hawkins hielt eine kurze Rede und stellte darin sein Projekt mit den Saurierplastiken vor. Je später der Abend wurde, umso lauter und feucht-fröhlicher soll es da im Iguanodon zugegangen sein.

Werfen wir einen Blick auf die Speisenfolge, die ich hier in Auszügen wiedergeben möchte:

  • Als Suppe stand unter anderem Mock Turtle Soup auf der Karte
  • Beim Fischgang konnte man zwischen Steinbutt und Weißfisch wählen
  • Als Nächstes folgte eine Auswahl an Truthahn, Hühnchen, Taube und Schinken
  • Dann wurden die Hauptgänge serviert: Hammel, Rebhuhn, Seezunge, Fasan, Schnepfe
  • Zum Dessert gab es zum Beispiel Kalte Charlotte, Buisson de Meringue aux Confiteur, Nougat à la Chantilly sowie Obst aller Art wie Äpfel, Birnen, Pflaumen und Haselnüsse, Mandeln und Rosinen.
  • Als Getränke wurden Sherry, Madeira, Weißwein von der Mosel und Rotwein aus Bordeaux gereicht.

Die Herren müssen nach diesem gewaltigen Abendmahl wohl mehr oder weniger schwankend mit vollen Mägen aus dem Saurier gestiegen und nach Hause gewankt sein.

Diesen Iguanodon und seine vielen Geschwister kann man noch heute im Crystal Palace Park im Südosten von London bestaunen; dieser Film zeigt einige der beeindruckenden Skulpturen.

Das Buch zum Artikel:
Barbara Kerley: The Dinosaurs of Waterhouse Hawkins. Scholastic Press 2002. 48 Seiten. ISBN 978-0439114943.

 

Die Ashington Group – Hobbymaler aus dem Bergbau in Northumberland

Hier im Woodhorn Museum werden die Werke der Ashington Group ausgestellt.   © Copyright Anthony Foster and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier im Woodhorn Museum werden die Werke der Ashington Group ausgestellt.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Anthony Foster and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Woodhorn Museum and Northumberland Archives ist im hohen Norden Englands, in Ashington in der Grafschaft Northumberland, zu finden, dort, wo früher ein Kohlebergwerk stand. Das Museum ist dem Leben der Bergleute gewidmet, die hier einst ihrem schweren Beruf nachgingen. Neben den Überresten der Kohlemine, die zu besichtigen sind, zeigt das Woodhorn-Museum u.a. eine Ausstellung von Bildern der Pitmen Painters, die auch unter dem Namen Ashington Group bekannt sind.

Ashington ist eine Stadt, die 24 Kilometer von Newcastle-upon-Tyne liegt, und hier trafen sich ab 1934 regelmäßig Bergarbeiter aus den umliegenden Minen, um in ihrer Freizeit künstlerisch tätig zu werden. Robert Lyon aus Newcastle hatte die Hobbymaler unter seine Fittiche genommen, und er führte die Männer behutsam und feinfühlig an die Kunst des Malens heran. Bald zeigte sich, dass in der Gruppe Talent vorhanden war. Die Bergarbeiter wählten als Motiv vorwiegend ihr Leben unter Tage und ihre Freizeitgestaltung. So malte Harry Wilson ein Bild von der Ashington Colliery, Arthur Winnom hielt einen Unfall im Bergwerk fest und J.F. Harrison zeigte ein Bergwerkspony unter Tage.

Schon zwei Jahre, nachdem sich die Ashington Group gebildet hatte, kam es zu einer ersten Bilderausstellung im Armstrong College in Newcastle. Auch während des Zweiten Weltkrieges und danach hatte die Gruppe Bestand und versuchte sich an neuen künstlerischen Techniken, doch nach wie vor arbeitete sie hauptsächlich nach den Vorgaben ihres Tutors Robert Lyon, nämlich das zu malen, was sie aus ihrem persönlichen Umfeld kennen.
in den 1970er Jahren erwachte das Interesse an den Pitmen Painters erneut und es kam zu Ausstellungen in London und in Durham, ja sogar international wurden die Werke der Ashington Group gezeigt, nämlich in Deutschland, den Niederlanden und in China. 1984 löste sich die Künstlergruppe auf und seit 1989 befinden sich ihre Bilder im Woodhorn Museum, das ganzjährig geöffnet ist (Mittwoch bis Sonntag). Der Eintritt ist frei.

1988 schrieb der Kunstkritiker William Feaver ein Buch über die Männer aus Ashington mit dem Titel „Pitmen Painters: The Ashington Group 1934-1984„, aus dem Lee Hall zwanzig Jahre später das Bühnenstück „The Pitmen Painters“ verfasste, das in Newcastle-upon-Tyne uraufgeführt wurde und dann ins Londoner Royal National Theatre kam. Es folgten später Aufführungen am Broadway in New York, in Vancouver, in Hamilton, Kanada, und in Buenos Aires.

Published in: on 23. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Church of the English Martyrs in Goring-by-Sea (West Sussex) – Hier gibt es die Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle zu sehen

 

   © Copyright Josie Campbell and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

  © Copyright Josie Campbell and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Besondere Berühmtheit erlangte die Sixtinische Kapelle im Vatikan durch ihre Ausschmückung mit Fresken. Die Deckenmalereien malte Michelangelo Buonarroti zwischen 1508 und 1512 im Auftrag von Papst Julius II.
Wer nicht so weit fahren möchte, um sich diese Deckengemälde anzusehen, kann auch nach Goring-by-Sea in West Sussex fahren und dort die Kirche Church of the English Martyrs besuchen. Hier schuf der englische Künstler Gary Bevans in fünfjähriger Arbeit eine exakte Kopie der Deckenmalerei der Sixtinischen Kapelle. 1993 beendete er sein Werk, das nach wie vor weltweit die einzige Kopie in voller Größe ist.

Gary Bevans, der nie eine Kunstschule besucht hat, bekam die Inspiration für sein Werk, nachdem er 1987 eine Pilgerfahrt nach Rom unternommen und sich die Sixtinische Kapelle angesehen hatte. Er besorgte sich detaillierte Unterlagen über das Michelangelo-Gemälde und kopierte es in den Abendstunden und am Wochenende, denn er war ja berufstätig und konnte die Arbeiten in der Kirche nur in seiner Freizeit ausführen.

Als die Decke mit einer feierlichen Messe am Erntedankfest 1993 eingeweiht wurde, erhielt Gary Bevans eine spezielle Medaille ausgehändigt, die ihm der damalige Papst Johannes Paul II zukommen ließ, in Anerkennung für sein künstlerisches Schaffen für die Katholische Kirche.

Dieser Film zeigt Details des Kunstwerks.

   © Copyright nick macneill and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

    © Copyright nick macneill and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

   © Copyright nick macneill and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

    © Copyright nick macneill and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 

 

Published in: on 20. Dezember 2016 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Freilandskulpturen Teil 3: Der Tout Quarry auf der Isle of Portland (Dorset)

Blick vom Tout Quarry Sculpture Park auf die Isle of Portland.   © Copyright Adrian King and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Blick vom Tout Quarry Sculpture Park auf die Isle of Portland.
   © Copyright Adrian King and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Londoner St Paul’s Cathedral, der Buckingham Palace und das Banqueting House sind nur drei Beispiele für berühmte Gebäude, die aus Portland-Stein gebaut worden sind, jenem Naturstein, der aus den Steinbrüchen auf der Isle of Portland in der Grafschaft Dorset  herausgebrochen wird.

Einer dieser vielen Steinbrüche ist der Tout Quarry, der von 1750 bis 1982 das Baumaterial für unzählige Häuser lieferte. Nachdem er geschlossen worden war, gründete der Portland Sculpture and Quarry Trust hier einen Park, in dem Lehrgänge für Bildhauer und Steinmetze angeboten werden. Stein steht nach wie vor in jeder Menge zur Verfügung, und die Kunstwerke, die hier geschaffen worden sind, kann man besichtigen.
Die Zufahrt zum Tout Quarry erfolgt von Weymouth aus über die A354. Südlich von Fortuneswell biegt an einem Kreisverkehr die Wide Street ab, von der es wiederum zum Tradecroft Estate abgeht. Dort ist der Steinbruch zu finden.

Zahlreiche Kunstwerke sind in dem Skulpturenpark zu sehen, temporäre als auch permanente. Eine kleine Auswahl möchte ich hier vorstellen:

  • Antony Gormley ist wohl der berühmteste und bekannteste Künstler, der im Tout Quarry gearbeitet hat. „Still Falling“ heißt seine Skulptur, die er in den Stein des Tout Quarry gemeißelt hat.
  • 1992 entstand „Window“ von Justin Nichol, das sich großer Beliebtheit bei den Besuchern erfreut.
  • Eine Gruppe niederländische Bildhauer, die sich Group 85 nannte, schuf den „Circle of Stones„, in dessen Mitte ein Tisch steht, der von steinernen Sitzen umgeben ist. Dieser Steinkreis ist von einem weiteren umgeben, der aus bankartigen Steinblöcken besteht.
  • Ein Schiffswrack gestaltete die Londoner Künstlerin Rosie Leventon, das sie „Wreck“ nannte und nach einem Boot namens Lerret geformt wurde, das in dieser Region von Fischern verwendet wurde.

Dieser Film zeigt einige besonders schöne Kunstwerke in dem Steinbruch auf der Isle of Portland.

"Still Falling" von Antony Gormley.   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Still Falling“ von Antony Gormley.
    © Copyright Oliver Dixon and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

"Window" von Justin Nichol.   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Window“ von Justin Nichol.
    © Copyright Oliver Dixon and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

"Circle of Stones" von Group 85.   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Circle of Stones“ von Group 85.
   © Copyright Oliver Dixon and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

"Wreck" von Rosie leventon.   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Wreck“ von Rosie Leventon.
    © Copyright Oliver Dixon and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 9. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags: ,

Freilandskulpturen Teil 2: Silvas Capitalis im Kielder Forest (Northumberland)

   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

   © Copyright Oliver Dixon and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Kielder Forest ist ein großes Waldgebiet im Norden Englands in der Grafschaft Northumberland. Auch hier finden wir abseits aller vielbefahrenen Wege mitten im Wald ein Kunstwerk, das auf den ersten Blick etwas erschreckend wirkt: Silvas Capitalis heißt es, also „Der Waldkopf“. Durch den weitgeöffneten Mund wird der Wanderer ermutigt, in den Kopf zu steigen, wo er Unterschlupf findet und in dem er einige Stufen nach oben steigen und aus den Augen der Figur nach draußen schauen kann.
Inspiriert wurde die US-amerikanische Künstlergruppe SIMPARCH, die Silvas Capitalis konzipierte, von der keltischen Mythologie, in der die „Watcher“ darauf aufpassten, was im Wald und mit seinen Bewohnern vor sich ging. SIMPARCH (Simple Architecture) wurde 1996 in New Mexico gegründet; ihre Werke wurden u.a. schon in der Londoner Tate Modern und bei der Kasseler Documenta ausgestellt.

Silvas Capitalis wurde 2009 aus rund 3000 Einzelteilen in einem Atelier in Kielder Village von sechs erfahrenen Künstlern zusammengesetzt. Das Holz stammt von der Europäischen Lärche. Im Laufe der Jahre hat der Wald allmählich von der Skulptur Besitz ergriffen, indem sich eine Moosschicht über den Kopf gelegt hat, was sicher im Sinne der Erbauer liegt.

Um sich Silvas Capitalis anzusehen, muss man schon eine Strecke zurücklegen, denn das Kunstwerk liegt rund eine Wanderstunde vom Kielder Castle Visitor Centre entfernt und ist über den Lakeside Way zu erreichen. Die Skulptur ist eines von mehreren Kunstwerken auf dem Art & Architecture Trail, die entlang des Kielder Water aufgestellt sind; wir finden dort zum Beispiel noch das Minotaur Maze, die Janus Chairs und das Kielder Observatory wie dieser Film zeigt.
Die Campaign to Protect Rural England hat den Kielder Forest einmal als den stillsten Ort Englands bezeichnet.

   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

   © Copyright Oliver Dixon and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Augen der Skulptur von Innen aus gesehen.   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Augen der Skulptur von Innen aus gesehen.
   © Copyright Oliver Dixon and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 8. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Freilandskulpturen Teil 1: „Eat For England“ von Bob Budd

Leider ist der Löffel durch Graffiti schon verunstaltet worden.   © Copyright Christine Westerback and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Leider ist der Löffel durch Graffiti schon verunstaltet worden.
 © Copyright Christine Westerback and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Skulpturen von namhaften Künstlern finden sich meist in Museen oder an exponierten Stellen in Städten, an denen täglich viele Menschen vorbeigehen. Ganz anders sieht es mit einem Kunstwerk aus, das in der nördlichsten Grafschaft Englands, in Northumberland, aufgestellt ist und das auch noch an einem abgelegenen Feldweg. Man kann es besichtigen, wenn man vom östlichen Ortsrand von Cramlington in Richtung Seghill geht. Dort wird  man plötzlich mit einem rund fünf Meter hohen Löffel konfrontiert, der mit der Spitze im Erdreich steckt. Dieses Kunstwerk ist eines von fünfen, die in der Region um Cramlington installiert worden sind und zum Wildspace Network gehören (die anderen heißen zum Beispiel „Footsteps in the Snow“ und „No Entry Gates“). „Eat For England“ nennt sich die Skulptur, auf die ich in meinem heutigen Blogeintrag aufmerksam machen möchte, und der Künstler heißt Bob Budd.

Budd studierte Bildhauerei in Stuttgart und hat sein Atelier in Woodbury bei Exeter in Devon. Einige seiner Werke sind auch in Österreich und in Deutschland anzutreffen.
„Eating For England“ wurde im Jahr 2006 aufgestellt und ist Teil des oben erwähnten Wildspace Networks, das damals eine kräftige Finanzspritze vom Big Lottery Fund erhielt. Bob Budd hat auch eine Erklärung parat, warum sein großer Löffel ausgerechnet auf einem Feld außerhalb eines Ortes steht. Hier draußen auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche ist der Ursprung unserer Nahrung, meint er, und dieser Löffel soll das verdeutlichen.

Ganz in der Nähe von Cramlington ist noch ein Kunstwerk zu bestaunen, über das ich in meinem Blog schon einmal geschrieben habe: The Naked Lady of Cramlington“.

David Bowie und Aylesbury in Buckinghamshire

Aylesbury Market Square.    © Copyright Christopher Hilton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Aylesbury Market Square.
   © Copyright Christopher Hilton and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Als David Bowie am 10. Januar in diesem Jahr starb, war die Trauer in der Stadt Aylesbury in Buckinghamshire besonders groß und es wurden spontan unter den Torbögen am Market Square Blumen niedergelegt. Warum gerade in Aylesbury? Der 1947 in London geborene Sänger stellte 1971 und 1972, also am Beginn seiner Karriere, zwei seiner bedeutendsten Alben im örtlichen Musikclub Friars Aylesbury vor; das waren „Hunky Dory“ und „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars„. In einem seiner Songs auf dem „Ziggy Stardust“-Album, „Five Years„, bezieht er sich in der ersten Zeile auf Aylesbury, wenn er singt „Pushing through the market square, so many mothers sighing“. Und am Market Square, in der Borough Assembly Hall, war damals in den 1970er Jahren der Musikclub ansässig, in dem Bowie auftrat.

Friars Aylesbury gibt es noch heute. Europas größter Musikclub (so steht es auf der Homepage) hat mehrere Ortswechsel vorgenommen, war von Ende 1984 bis Mitte 2009 geschlossen, eröffnete dann erneut im Civic Centre und zog 2010 in das Waterside Theatre um, nicht weit vom Market Square entfernt.

David Stopps, Musikmanager, der im Friars Aylesbury alles was Rang und Namen hatte, im Laufe der Jahrzehnte auftreten ließ, hatte denn auch die Idee, in Aylesbury eine Statue von David Bowie errichten zu lassen und zwar unter den Arkaden des Marktplatzes, dort, wo Bowie damals im Musikclub auftrat. Die Idee fand viele Anhänger, der Aylesbury Vale District Council gab seine Genehmigung, die geplante Statue an dieser Stelle aufzustellen. David Stopps ist jetzt dabei, das Geld dafür aufzutreiben, denn die Steuerzahler sollen damit nicht belastet werden. £150 000 soll das Kunstwerk kosten mit dessen Gestaltung der weltweit angesehene Bildhauer Andrew Sinclair beauftragt worden ist. Sinclair hatte sein Studio in Wendover, einer kleinen Stadt vor den Toren Aylesburys, bevor er nach Devon zog. Die Errichtung der Statue ist für das Jahr 2017 geplant. Hier ist ein Beitrag zum Thema von der BBC.

Der Aylesbury Market Square diente übrigens als Inspiration für den Song „Market Square Heroes“ der 1979 in der Stadt in Buckinghamshire gegründeten Band Marillion.

Wandmalerei in Aylesburys Friars Park Shopping Centre, das viele der Berühmtheiten zeigt, die im Musikclub Friars Aylesbury aufgetreten sind.   © Copyright Christopher Hilton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wandmalerei in Aylesburys Friars Park Shopping Centre, das viele der Berühmtheiten zeigt, die im Musikclub Friars Aylesbury aufgetreten sind.
    © Copyright Christopher Hilton and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 18. Oktober 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags: ,

Der Grizedale Sculpture Park in Cumbria

Das Grizedale Visitor Centre.    © Copyright Nigel Mykura and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Grizedale Visitor Centre.
   © Copyright Nigel Mykura and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Zwischen dem Lake Windermere und dem Coniston Water im Lake District liegt der Grizedale Forest, in den ein „Sculpture Park“ integriert ist. Seit 1977 haben Künstler aus aller Welt hier ihre Skulpturen aufgestellt; zurzeit sind es 40, von denen einige nur vorübergehend, einige aber auch auf Dauer hier im Wald zu sehen sind.
Im Besucherzentrum kann man sich vorab schon einmal informieren, wo die einzelnen Kunstwerke zu finden sind, die man dann zu Fuß oder per Fahrrad aufsuchen kann. Ich habe hier einmal einige Beispiele aufgeführt:

Sehr schön finde ich den Red Sandstone Fox von Gordon Young, der 1991 aufgestellt wurde. Young wurde zuletzt durch seinen „Comedy Carpet“ auf der Promenade von Blackpool bekannt, das wohl größte Kunstwerk in Großbritannien.

   © Copyright Kate Jewell and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

    © Copyright Kate Jewell and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Seit 1994 ist die Skulptur „Stag Herd Roof“ von Andy Frost im Grizedale Forest zu finden, eine kleine Herde von Hirschen und Rehen, die auf einem Dach stehen. Der Künstler hat noch fünf weitere Skulpturen erschaffen, die im Wald verteilt sind.

   © Copyright Karl and Ali and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

    © Copyright Karl and Ali and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Between Elephants“ heißt ein Kunstwerk von Iraida Cano, ein zu einem Elefanten umgestalteter Felsen, seit 1995 hier vorzufinden. Cano ist eine Künstlerin aus Toledo in Spanien.

   © Copyright Karl and Ali and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

   © Copyright Karl and Ali and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die „Lady of the Water“ wurde von der irischen Künstlerin Alannah Robins geschaffen und 1995 aufgestellt. Das Werk gehört zu den besten Frauenskulpturen Großbritanniens, so die Zeitung „The Guardian.

   © Copyright Stephen Middlemiss and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

   © Copyright Stephen Middlemiss and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Großartig ist David KempsAncient Forester “ aus dem Jahr 1988, der noch einen Bruder, „Ancient Forester 2“ hat, der sieben Jahre später in die Skulpturensammlung hier im Lake District aufgenommen wurde.

   © Copyright Kate Jewell and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

   © Copyright Kate Jewell and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Monument to The Unknown Artist“ – Eine außergewöhnliche Skulptur im Londoner Bankside-Viertel

Bankside ist ein Londoner Distrikt, der zum London Borough of Southwark gehört und südlich der Themse liegt. Vor einem der gläsernen Hochhäuser in der Sumner Street, Bankside Mix genannt, nur ein paar Schritte von Tate Modern entfernt, steht eines der ungewöhnlichsten Monumente, die die britische Hauptstadt zu bieten hat. „Monument to the Unknown Artist„, so die Bezeichnung, sieht auf den ersten Blick aus wie viele andere Statuen auch: Auf einem Sockel steht ein schwarz gekleideter Mann mit einem Pinsel in der Hand. Okay, nichts Besonderes eigentlich und viele eilen an der Figur vorbei. Doch wenn man vor dem Monument stehenbleibt und vielleicht zufällig seine Arme bewegt, dann tut das die Statue auch in der gleichen Weise. Man reibt sich die Augen und glaubt das eigentlich nicht, was man da gerade gesehen hat. Man versucht es erneut…und wieder reagiert die Figur. Wenn gerade niemand in der Nähe ist, bewegt sich die Skulptur auch, dann auf ihre Weise. Hier ist ein Film, der das einmal zeigt. Das Monument ist natürlich kein Zauberwerk; hier wird mit versteckten Kameras gearbeitet, die die Bewegungen der Passanten aufnehmen und die Figur entsprechend steuern. Auf dem Sockel ist ein lateinischer Spruch zu lesen: „Non plaudite modo pecuniam jacite“, was soviel heißt wie „Don’t applaud, just throw money“.

Geschaffen wurde das sechs Meter hohe Monument to the Unknown Artist von der in London ansässigen Künstlergruppe Greyworld und im Jahr 2007 eingeweiht. Andrew Shoben gründete die Gruppe 1993 in Paris („Their goal was to create works that articulated public spaces, allowing some form of self-expression in areas of the city that people can see every day but would normally exclude and ignore“, so die Wikipedia). Weitere sehenswerte Werke der Gruppe sind zum Beispiel der Clockwork Forest im Grizedale Forest im Lake District oder Bloom im Atrium eines Hauses im Londoner Stadtteil Spitalfields.

 

Published in: on 6. März 2016 at 02:00  Comments (4)  
Tags:

Whistlejacket – Ein Pferd und sein Porträt

This work is in the public Domain.

This work is in the public Domain.

In der National Gallery am Londoner Trafalgar Square hängt das Bild eines Pferdes, das zu den schönsten zählt, die jemals gemalt worden sind. 292 cm × 246.4 cm sind die Dimensionen dieses Gemäldes, für das George Stubbs (1724-1806) verantwortlich zeichnet, der vielleicht beste Pferdemaler aller Zeiten. 1997 erwarb die National Gallery das Bild für £11 Millionen.

Whistlejacket“ hieß der Hengst, der sich Mitte des 18. Jahrhunderts einen Namen als Rennpferd machte. Nur viermal wurde er in seiner Karriere geschlagen, die er im Alter von zehn Jahren beendete und anschließend als Zuchthengst weiter „arbeitete“. Whistlejacket war viele Jahre lang im Besitz von Charles Watson-Wentworth, dem 2. Marquis of Rockingham, und dieser gab auch George Stubbs den Auftrag, sein Pferd zu malen. Stubbs war nicht nur ein exzellenter Maler, sondern er verstand auch sehr viel vom Körperbau der Pferde. In York hatte er Anatomie studiert und in Lincolnshire zahlreiche Pferde seziert, so dass er auf Grund seines Erfahrungsschatzes 1766 ein Buch mit dem Titel „The Anatomy of the Horse“ veröffentlichen konnte.

George Stubbs begab sich im Jahr 1762 also nach Wentworth Woodhouse, dem riesigen Anwesen, auf dem der superreiche, zweimalige Premierminister Marquis of Rockingham wohnte (in der Nähe von Rotherham in South Yorkshire) und begann das Porträt des Hengstes zu malen. Whistlejacket stand im Ruf, sehr temperamentvoll und häufig sehr übellaunig gewesen zu sein. Als er wieder einmal Modell gestanden hatte und sein Bild sah, soll er so wütend geworden sein, dass er versuchte, das Gemälde zu attackieren. Nur mit großer Mühe konnte man den Hengst daran hindern, es gleich wieder zu zerstören. Der Marquis of Rockingham war mit dem Porträt so zufrieden (und mit der Reaktion seines Pferdes), dass er es, so wie es war, ohne weitere Hintergrundmalerei, in einem der Räume von Wentworth Woodhouse aufhängte.

Noch drei Anmerkungen:

  • Der Name des Pferdes, Whistlejacket, leitet sich von einem in Yorkshire heimischen Gebräu ab, das sich aus Gin und Zuckerrübensirup zusammensetzt.
  • Das Anwesen Wentworth Woodhouse, das größer als der Buckingham Palast ist, wurde gerade in diesem Monat an die in Hongkong ansässige Investment Firma Lake House Group verkauft. Der Verkaufspreis soll um die  £8 Millionen Pfund betragen haben; sehr wenig für ein Haus dieser Größe, aber um es wieder komplett zu restaurieren, rechnet man mit rund £40 Millionen Zusatzkosten.
  • Das Buch „The Anatomy of the Horse“ von George Stubbs ist noch heute im Buchhandel lieferbar (Dover Publications. 121 Seiten. ISBN 978-0486234021).

Wer sich Whistlejacket in der National Gallery ansehen möchte, der sollte den Raum 34 aufsuchen. Dort hängt George Stubbs‘ Pferdeporträt zwischen zwei Bildern von Thomas Gainsborough, „The Market Cart“ und „The Watering Place“.
Hier ist ein kleiner Film über das Gemälde.

Wentworth Woodhouse in South Yorkshire, das frühere "Zuhause" von Whistlejacket.   © Copyright Paul Buckingham and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wentworth Woodhouse in South Yorkshire, das frühere „Zuhause“ von Whistlejacket.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Paul Buckingham and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 28. November 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags: ,

The George Formby Society – Eine Gesellschaft, die die Erinnerung an einen Ukulele-Spieler hochhält

George Formby, der Mann mit der Ukulele. This artistic work created by the United Kingdom Government is in the public Domain.

George Formby, der Mann mit der Ukulele.
This artistic work created by the United Kingdom Government is in the public Domain.

Nachdem George Formby am 6. März 1961 im Alter von 56 Jahren einem Herzinfarkt erlegen war, traf sich eine kleine Gruppe seiner Fans im Imperial Hotel in Blackpool, mit der Intention eine Gesellschaft zu gründen, die die Erinnerung an den großen Entertainer aufrechterhalten sollte. 54 Jahre später existiert die George Formby Society noch immer und hat heute über 1200 Mitglieder, die über die ganze Welt verstreut sind. Die Gesellschaft unterhält eine ausgezeichnete Homepage, auf der man sich sehr gut über George Formby informieren kann.

Wer war nun dieser Mann, der in Deutschland nur wenig bekannt ist? In den 1930 und 1940er Jahren gehörte Formby zu den höchstbezahlten Stars in der britischen Unterhaltungsindustrie. Der 1904 in Wigan (Lancashire) geborene Sänger und Schauspieler verfügte eigentlich über keinerlei Voraussetzungen für eine Karriere im Showbusiness; er war kleinwüchsig und konnte keine Noten lesen, was ihn aber nicht daran hinderte, Songs zu schreiben. Mit dem Schreiben und dem Lesen war es auch nicht weit her; er sollte eigentlich Jockey werden und wurde schon von klein auf dafür trainiert. Nach dem Tod seines Vaters wandte sich George Formby von den Pferderennbahnen ab und den Music Halls zu, wo er sich, wie schon sein Vater, bald zuhause fühlte. Sein Lieblingsinstrument war die Ukulele, die seine oft etwas anzüglichen Songs musikalisch begleitete. Die alte Tante BBC fand einige seiner Lieder sogar so „risqué“, dass sie einen Bannstrahl auf sie legte und nicht mehr spielte (hier ist ein Film darüber). Da gab es z.B. das Lied „When I’m Cleaning Windows„, in dem Formby darüber berichtet, was ein Fensterputzer bei der Arbeit so alles zu sehen bekommt. Auf schroffe Ablehung bei der BBC stieß auch sein Song „With My Little Stick of Blackpool Rock„. Formbys bekanntestes Lied war sicher „Leaning on a Lamp Post“ aus dem Film „Feather Your Nest“ (1937), in dem er die Rolle des Willie Piper spielte.

George Formby war bis zum Jahr 1960 mit Beryl Ingham verheiratet, die sein Leben komplett dominierte und für seine steile Karriere verantwortlich war. Nach ihrem Tod soll er einmal verlautet haben, dass sein Leben mit ihr die reine Hölle gewesen war. Er heiratete noch einmal, starb aber kurze Zeit darauf. Bei seiner Beerdigung säumten über 100 000 Menschen die Straßen, als sein Sarg zum Friedhof Warrington gebracht wurde, wo er im Familiengrab beigesetzt wurde.
George Formby lebte bis zu seinem Tode in einem Haus in Lytham St Annes in Lancashire, an dem 2012 eine blaue Plakette angebracht wurde. Zu dem feierlichen Anlass traten einige Ukulele-Spieler der George Formby Society auf (hier ist ein Film darüber).

george Formbys Haus in Lytham St Annes.   © Copyright JThomas and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

George Formbys Haus in Lytham St Annes (Lancashire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright JThomas and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Das Imperial Hotel in Blackpool, in dem die George Formby Society gegründet wurde.   © Copyright Steve Daniels and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Imperial Hotel in Blackpool, in dem die George Formby Society gegründet wurde.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Steve Daniels and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 22. November 2015 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

The Northumberlandia – The Lady of the North

   © Copyright Alex McGregor and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Alex McGregor and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Angel of the North, jene stählerne, von Sir Anthony Gormley geschaffene Riesengestalt an der A1 bei Gateshead (Tyne and Wear) hat als Symbolfigur für den Nordosten Englands vor drei Jahren Konkurrenz bekommen. Seit 2012 ruht eine gigantische Frau in der Nähe des Ortes Cramlington in Northumberland, der man kurzerhand den Namen Northumberlandia gegeben hat. Weitere Bezeichnungen für die Dame sind „Goddess of the North“ und „The Naked Lady of Cramlington„.  Der US-amerikanische Landschaftsarchitekt Charles Alexander Jencks hat sieben Jahre lang an der nackten Dame getüftelt und sie dann innerhalb von zwei Jahren erschaffen. Dazu mussten 1,5 Millionen Tonnen Erdreich bewegt werden, das man zum größten Teil von einem nahegelegenen Tagebau, der Shotton Surface Mine, erhalten hat. Bei Fertigstellung der Northumberlandia war diese 34 Meter hoch und 400 Meter lang, die größte liegende weibliche Figur weltweit.

£3 Millionen hat die „Naked Lady“ gekostet, getragen von der Banks Group, der der Tagebau nebenan gehört, und vom Blagdon Estate, auf deren Gelände die Dame genüsslich hingestreckt ist. Matthew Ridley, der fünfte Viscount Ridley, ist der gegenwärtige Eigentümer der Ländereien von Blagdon.

Am 3. September 2012 wurde die Northumberlandia offiziell von der Princess Royal Anne eingeweiht. Im ersten Jahr kamen schon 120 000 Besucher, worüber sich natürlich die Geschäftsleute der umliegenden Ortschaften freuen. Ein Besucherzentrum wurde ebenfalls schon errichtet, das von Mittwoch bis Sonntag geöffnet ist. Der Zugang zu dem Park, in dem die Goddess of the North eingebettet ist, ist täglich von morgens bis abends möglich; ein Eintritt wird nicht erhoben.

Wer sich über die Northumberlandia schon vorab oder auch später vor Ort über sein Smartphone informieren möchte, kann dies über eine spezielle App tun, und wer auf seine Drohne auch hier nicht verzichten kann, der darf sie mitbringen und einsetzen, nachdem er sich die Erlaubnis vom Land Trust eingeholt hat, der den Park managt.

Die Northumberlandia liegt nördlich von Newcastle-upon-Tyne, östlich der A1 und am westlichen Ortsrand von Cramlington.

Dieser Film vermittelt einen Eindruck von dem Parkgelände.

   © Copyright Russel Wills and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Russel Wills and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

   © Copyright Graham Hogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Graham Hogg and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 29. Oktober 2015 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

The Concrete Cows in Milton Keynes (Buckinghamshire)

Die Originale im Shopping Centre.   © Copyright Cameraman and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Originale im Shopping Centre.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Cameraman and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wie das mit Kunstwerken oft so ist, fanden auch die Concrete Cows der in Kanada geborenen Künstlerin Liz Leigh sowohl Zustimmung als auch Ablehnung. Sie schuf die kleine Tierherde, die aus drei Kühen und drei Kälbern besteht, Ende der 1970er Jahre in einem Studio bei Milton Keynes in Buckinghamshire, und man findet sie heute neben der Schnellstraße A422, dem Monks Way, auf einer Weide im Bancroft Park, wo sie friedlich vor sich hin grasen.

Um genau zu sein, das sind nicht die Originale, die stehen nämlich im Central Milton Keynes Shopping Centre, sondern Repliken, die man hier aufgestellt hat. Warum? Die armen Tiere sind im Laufe ihres Lebens schon übel misshandelt, gestohlen und entführt worden. Das kleinste Kalb, Millie Moo, wurde schon bald nach seiner Geburt mitten in der Nacht gestohlen und musste ersetzt werden. Jahre später wurde es entführt und eine Lösegeldforderung gestellt; irgendwann tauchte Millie dann wieder auf. Dann wurden die Tiere von irgendwelchen Spaßvögeln neu angemalt, mal in Pink, mal als Zebra, mal zu Halloween als Gerippe (wie dieser Film zeigt). Ja, die kleine Herde hatte es nicht leicht.

Die Skulpturen sind aber schon lange in Milton Keynes verankert, was sich darin zeigt, dass die Fan-Tribüne des örtlichen Fußballvereins, des Milton Keynes Dons Football Clubs, The Cowshed, der Kuhstall, genannt wird und dass die Maskottchen des Clubs zwei Kühe namens Donny und Mooie sind.

Dann gibt es in der Stadt noch eine Brauerei, The Concrete Cow Brewery, und einen Verlag namens Concrete Cow Press.

Zwei der Kühe haben sogar schon einmal eine Reise nach Italien unternommen. Gut verpackt schickte sie man zur Biennale nach Venedig, wo sie stolz ihr Heimatland vertraten. Im Gegensatz zu den in freier Natur lebenden bzw. aufgestellten Kuh-Repliken haben es die Originale in dem Einkaufszentrum besser, denn hier fallen sie nicht so leicht Vandalen zum Opfer.

Man kann die Concrete Cows sehen, wenn man die A5 am Abbey Hill Roundabout verlässt und auf den Monks Way in Richtung Bedford und M1 abbiegt, gleich hinter der ersten Brücke stehen sie auf der linken Seite.

In diesem Film kann man sich die Tiere noch einmal in Ruhe ansehen.

Die in freier Wildbahn lebenden Repliken-   © Copyright Cameraman and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die in freier Wildbahn im Bancroft Park lebenden Repliken.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Cameraman and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 15. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Joan „Miss Marple“ Hickson und ihr früherer Wohnort Wivenhoe in Essex

Blick von der Kirche St Mary's auf Joan Hicksons Haus an der Rose Lane in Wivenhoe. Author: Keith Beckett. Creative Commons 3.0 Unported.

Blick von der Kirche St Mary’s auf Joan Hicksons Haus an der Rose Lane in Wivenhoe.
Author: Keith Beckett.
Creative Commons 3.0 Unported.

In meinen Augen hatte es nie eine bessere Verkörperung von Agatha Christies Miss Marple gegeben als Joan Hickson in ihrer TV-Serie „Miss Marple“, die von 1984 bis 1992 in England produziert wurde. Es gibt eine schöne DVD-Box mit allen Folgen auch in deutscher Synchronisation. Hier ein kurzer Ausschnitt.

Joan Hickson wurde am 5. August 1906 in Kingsthorpe, einem Vorort von Northampton geboren. 1927 hatte sie ihren ersten Bühnenauftritt. 1946 trat sie in Agatha Christies „Appointment With Death“ (dt. „Der Tod wartet“) in London auf, und die große Dame des Kriminalromans war von Joan Hickson so angetan, dass sie ihr schrieb, sie wünschte sich, dass sie eines Tages einmal ihre Miss Marple spielen würde. Vierzig Jahre später war es dann tatsächlich so weit, dass sich Agatha Christies Wunsch erfüllte.

1958 hatte sich die Schauspielerin in ein beschauliches Dorf in Essex zurückgezogen, in dem sie sich bis ans Ende ihres Lebens außerordentlich wohlfühlte, nach Wivenhoe am River Colne, im Dunstkreis der Universitätsstadt Colchester. Der Campus der  University of Essex grenzt im Norden an das hübsche Dorf, und so wohnen etliche Studenten und Lehrkräfte hier in Wivenhoe.

Joan Hickson hatte sich ein Haus in einer kleinen Straße namens Rose Lane ausgesucht. Was für ein netter Name für eine Straße, die man sich auch in Miss Marples St Mary Mead vorstellen könnte. Ihr Haus am oberen Ende von Rose Lane blickte direkt auf die Kirche St Mary’s, am unteren Ende liegt ein Pub mit dem Namen Rose & Crown direkt am Flussufer. Miss Marple selbst hätte sich hier bestimmt auch wohlgefühlt. Mrs Hickson war Kundin in den Läden von Wivenhoe, sehr beliebt und sicher war man im Ort auch stolz, dass sie sich hier niedergelassen hatte.
Wenn sie in London auf der Bühne stand, versuchte sie so schnell wie möglich anschließend wieder nach Hause zurückzukommen („I love getting back to Wivenhoe. I get out of my wig, bustle and costume in three minutes flat at the end of the play before jumping into a taxi outside the theatre and catching the train home“).

Joan Hickson war mit dem Arzt Eric Norman Butler verheiratet, der 1967 starb. Sie hatten eine Tochter und einen Sohn. Letzerer, Nicholas Butler, interessierte sich sehr für seinen Heimatort und schrieb das 400 Seiten starke Buch „The Story of Wivenhoe„, das 1989 bei der Quentin Press erschien und auf dessen Umschlagfoto die Rose Lane zu sehen ist.

Joan Hickson starb am 17. Oktober 1998 im Colchester General Hospital an den Folgen eines Schlaganfalls (hier die BBC-Meldung über ihren Tod). An ihrem ehemaligen Haus am Rose Lane ist eine blaue Plakette angebracht. Interessanterweise findet man am letzten Haus am unteren Ende der Straße, am Quay House, eine weitere blaue Plakette, die an einen anderen Schauspieler erinnert. Hier verbrachte John Martin-Harvey (1863-1944), Sohn eines lokalen Werftbesitzers, einen Teil seiner Kindheit. Er wollte nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten, sondern lieber eine Karriere auf der Bühne suchen. William Schwenck Gilbert half ihm dabei, der zusammen mit Arthur Sullivan als Gilbert and Sullivan weltberühmt wurde. Die blaue Plakette enthüllte übrigens Joan Hickson, und ihr Sohn Nicholas Butler verfasste eine Biografie des Schauspielers „John Martin-Harvey: Biography of an Actor-Manager„, die im Jahr 2002 erschien.

Beerdigt wurde Joan Hickson nicht in Wivenhoe, sondern in dem weit entfernt gelegenen Friedhof von Sidbury in Devon. Der Grabstein trägt die Inschrift „Joan Bogle Butler“ (Ihre Mutter hatte den Mädchennamen Edith Mary Bogle).

Hier ist ein kurzer Film über Wivenhoe heute.

The Rose & Crown am River Colne am Beginn der Straße Rose Lane.   © Copyright Dr Neil Clifton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Rose & Crown am River Colne am Beginn der Straße Rose Lane.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Dr Neil Clifton and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Bolsterstone Male Voice Choir – Ein international angesehener Männerchor aus South Yorkshire

   © Copyright Graham Hogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Graham Hogg and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Man bezeichnet ihn  auch als „England’s largest village choir“, den Bolsterstone Male Voice Choir (BMVC), der sein Hauptquartier in dem kleinen Ort Bolsterstone in South Yorkshire hat. Schon 1934 wurde der Männerchor gegründet und der erste Chorleiter war William Evans, der dieses Amt 30 Jahre ausübte. Es begann damals alles auf kleiner Flamme; die Mitglieder des Chores kamen aus Bolsterstone und dem größeren Nachbarort Stocksbridge, und die Auftritte fanden auf regionaler Ebene statt.
Im Juli 1947 kam es zu einem tragischen Unfall, bei dem 9 Menschen getötet wurden. Der Chor war auf dem Weg nach Holmfirth in West Yorkshire (dort, wo später die Erfolgs-TV-Serie „Last of the summer wine“ gedreht wurde), wo er an einem Wettbewerb teilnehmen wollte, als sein Bus verunglückte. 50 Jahre später ehrte man die Opfer des Unfalls durch ein Glasfenster in der Kirche St Mary’s in Bolsterstone. Das Fenster zeigt die Kirche in der oberen linken Ecke, in der Mitte ist der Bolsterstone Male Voice Choir zu sehen und ganz unten die Opfer des Busunglücks.

Der Männerchor aus dem kleinen Yorkshire-Dorf wurde im Laufe der nächsten Jahrzehnte über die Grenzen der Region hinaus bekannt, national, sogar international. Die erste Schallplatte „Hail Bolsterstone“ wurde 1971 aufgenommen, es folgten in den 1980er Jahre Fernsehauftritte und Tourneen durch Großbritannien und andere Länder Europas.

Am häufigsten ist der BMVC aber in der Region tätig, zuletzt beim Besuch des Erzbischofs von York in Stocksbridge am letzten Sonntag. Man kann ihn für Hochzeiten buchen und in der Weihnachtszeit ist der Männerchor besonders gefragt. In diesem Jahr sind im Dezember Auftritte in Wortley (West Yorkshire), Sheffield, Stocksbridge und natürlich in der St Mary’s Church in Bolsterstone geplant.

Der Chor, der über 70 Mitglieder zählt, probt regelmäßig in der Bolsterstone Village Hall, nur ein paar Schritte von der Kirche und dem örtlichen Pub, The Castle Inn, entfernt. Zum 80jährigen Bestehen hat der Chor ein Buch herausgegeben mit dem Titel „The Village Choir That Conquered the World„, das direkt beim BMVC zu beziehen ist.

Hier ist der Chor zu hören und hier sind Bilder aus Bolsterstone zu sehen, untermalt von einem Lied des BMVC.

Die Bolsterstone Village Hall, hier finden die Proben des Chors statt.   © Copyright SMJ and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Bolsterstone Village Hall, hier finden die Proben des Chors statt.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright SMJ and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Kirchenfenster in St Mary's in Bolsterstone, das an die neun Unfallopfer erinnert. Author: Mick Knapton. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Das Kirchenfenster in St Mary’s in Bolsterstone, das an die neun Unfallopfer erinnert.
Author: Mick Knapton.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

 

Published in: on 20. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Die Black Cab Sessions – Musik auf dem Rücksitz Londoner Taxis

Ein Londoner Black Cab. Attr.: Unisouth. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Ein Londoner Black Cab.
Attr.: Unisouth.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Alle Londoner Taxis haben, bevor sie erstmals eingesetzt werden, den „Condition of Fitness“-Test zu bestehen, in dem „Transport for London“ genau festlegt, wie die Fahrzeuge konfiguriert sein müssen. Da geht es zum Beispiel um die Größe des Passagierraums, das Taxi-Schild auf dem Dach, um Heizung und Ventilation. So muss u.a. sichergestellt sein, dass ein Fahrgast mit Bowler Hut bequem auf dem Rücksitz Platz nehmen kann.

Nicht geregelt ist wieviele Musiker sich gleichzeitig im Fahrgastraum aufhalten dürfen und ob sie dabei auch ihre Instrumente benutzen können. Gut, dass dem so ist, denn sonst würde es vielleicht die Londoner Black Cab Sessions nicht geben.

Jono Stevens ist der geistige Vater dieses Projekts, bei dem Musiker unter dem Motto „One song, one take, one cab“ einmalig im Taxi Platz nehmen und während der Fahrt ihre Künste zum Besten geben. Das Ganze wird gefilmt und dann ins Internet gestellt. Schon seit 2007 gibt es die Black Cab Sessions und die Londoner Cabbies scheinen daran Gefallen gefunden zu haben, denn die wenigsten lehnen entsprechende Anfragen ab.

Auch prominente Musiker haben schon den Weg in den Passagierraum der Black Cabs gefunden wie Rufus Wainwright, Mumford & Sons, Brian Wilson von den Beach Boys, die Sugababes, Charlotte Gainsbourg oder Ryan Adams. Die meisten Filmclips beginnen damit, dass zuerst der Taxifahrer zu sehen ist, der seine musizierenden Gäste vorstellt.

Probleme gab es mit der Hackney Colliery Brass Band, die einfach nicht komplett in das Taxi passen wollte; so behalf man sich, indem drei der Bläser in ein Black Cab verfrachtet wurden und die übrigen Bandmitglieder daneben herliefen.

Ich finde, die Black Cab Sessions sind eine witzige Idee und viele Musiker fanden das auch, sonst hätten nicht schon so viele daran teilgenommen.

Berwick-upon-Tweed (Northumberland) Teil 2: Lawrence Stephen Lowry, der „Streichholzmännchen-Maler“, und der Lowry Trail

Dewar's Lane: Ausgangspunkt des Lowry Trails.    © Copyright Barbara Carr and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Dewar’s Lane: Ausgangspunkt des Lowry Trails.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Barbara Carr and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Lawrence Stephen Lowry (1887-1976) war ein Maler aus Manchester, der nicht nur lokale und regionale Berühmtheit erreichte, aber dem Norden Englands immer verbunden blieb. Am bekanntesten wurde er durch seine Darstellungen der Industrielandschaft, die er mit zahllosen „matchstickmen„, also Streichholzmännchen, bevölkerte. Lowry lebte den größten Teil seines Lebens in Pendlebury, das zu Salford in Greater Manchester gehört. Viele seiner Bilder und Zeichnungen finden sich denn auch in der Galerie des Lowry Centres in Salford. Seine Werke wurden sogar besungen, und zwar 1968 von der Rockgruppe Status Quo mit „Pictures of Matchstick Men“ (hier zu hören) und von Brian and Michael, deren „Matchstick Men and Matchstick Cats and Dogs (Lowry’s Song)“ 1978 Platz Eins der britischen Charts erreichte (hier zu hören).

Nicht ganz so bekannt wie seine Streichholzmännchenbilder sind seine Bilder, die er in Berwick-upon-Tweed malte. Lowry liebte die Stadt im hohen Norden und besuchte sie häufig. Hier fand er Motive in Hülle und Fülle, die Kopfsteinstraßen, enge Gässchen, Strandmotive usw. usw. Am liebsten wohnte der Maler im Castle Hotel, einem hübschen Haus in der Straße Castlegate.

Zu Lowrys Ehren hat der Berwick Preservation Trust in der Stadt den Lowry Trail eingerichtet, der aus 18 Stationen besteht, an denen man das jeweilige gemalte Bild mit dem Originalschauplatz vergleichen kann. Es geht los an der Dewar’s Lane; über die Palace Street führt der Weg weiter zur Pier und zum Wasser. Von dort aus wieder zurück in die Stadtmitte zur Town Hall und zum Strother’s Yard, weiter über die Berwick Bridge zum Stadtteil Tweedmouth, zum Hafen und bis zur Spittal Promenade. Alles in allem ein sehr schöner, etwa acht Kilometer langer Spaziergang, auf dem man Berwick-upon-Tweed kennenlernen kann.

Der Maler war von der Stadt so beeindruckt, dass er ernsthaft überlegte, ganz nach Berwick überzusiedeln. Er hatte sogar schon an einem Haus gefallen gefunden, The Lion’s House, das auch an dem Trail liegt. Letztlich entschied er sich aber gegen den Kauf des Hauses, das zwar einen wunderschönen Blick aufs Meer bot, aber leider ziemlich heruntergekommen war.

Dieser Film zeigt die Stationen des Lowry Trails.

Berwick Pier.    © Copyright Jonathan Hutchins and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Berwick Pier.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Jonathan Hutchins and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Lion's House, an dem Lowry sehr interessiert war.    © Copyright M J Richardson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Lion’s House, an dem Lowry sehr interessiert war.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright M J Richardson and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Berwick Town Hall.    © Copyright DS Pugh and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Berwick Town Hall.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright DS Pugh and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Widnes in Cheshire und Paul Simons Song „Homeward Bound“

Der Bahnhof von Widnes.    © Copyright JThomas and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Bahnhof von Widnes.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright JThomas and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Über Paul Simons Inspiration zu seinem Song „Bridge Over Troubled Water“ in Zusammenhang mit der Bickleigh Bridge in Devon habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben. Noch ein weiterer Song aus der Feder von Paul Simon wurde von einem englischen Ort inspiriert, allerdings lag der nicht so idyllisch wie der in Devon: Widnes in Cheshire, eine rund 60 000 Einwohner beherbergende Stadt bei Liverpool. Und der Song heißt „Homeward Bound„, den Paul Simon, gemeinsam mit Art Garfunkel, auf seinem dritten Studioalbum „Rosemary, Sage, Parsley and Thyme“ 1966 veröffentlichte.

I’m sitting in the railway station. Got a ticket to my destination„, so beginnt „Homeward Bound“, in dem Paul Simon davon singt, endlich wieder nach Hause zu fahren. Und das tat er auch an jenem Tag im Jahr 1965, als er auf einen Zug wartete, der ihn zurück nach London bringen sollte, wo er damals wohnte und wo seine Freundin Kathy auf ihn wartete („Home where my love lies waiting silently for me“).

Der Bahnhof von Widnes war für den amerikanischen Sänger kein sehr angenehmen Aufenthaltsort, denn er sagte einmal : „If you’d ever seen Widnes, then you’d know why I was keen to get back to London as quickly as possible.“ Man hat hier Paul Simon diesen Spruch aber nicht übelgenommen, denn auf dem Bahnhofsgelände wurde eine Plakette angebracht, die daran erinnert, dass er hier im Jahr 1965 den Song „Homeward Bound“ schrieb. Souvenirjäger oder Paul Simon-Fans haben diese Plakette mehrmals gestohlen, was den Sänger bei einem Konzert im Londoner Hammersmith Apollo im Oktober 2000 veranlasste, den Dieb aufzufordern, die Plakette wieder zurückzubringen. Paul Simon erinnerte sich also sehr wohl an seinen Aufenthalt in Widnes.

Ob das aber alles so stimmt, sei dahingestellt, denn es gibt Zweifler an der „Widnes-Theorie“. Vielleicht kam er schon in Liverpool auf die Idee mit dem Song? Oder während der Zugfahrt?

Widnes ist einer jener Orte im Norden Englands, die man als Prototypen einer hässlichen Industriestadt bezeichnet und um den Touristen wohl eher einen Bogen schlagen. Da gibt es die Geschichte wie jemand in einer Fernseh-Quizshow gefragt wird: „And where are you from, sir“ – „Widnes“ – „I’m sorry“ – „I said I’m from Widnes“ – „I heard you, I’m just sorry“.

Gönnen wir doch den Bewohnern der Stadt die Geschichte mit Paul Simon und seinem „Homeward Bound“ (auch wenn sie nicht stimmen sollte).

Hier ist „Homeward Bound“ mit Paul Simon und Art Garfunkel zu hören und hier ist eine Coverversion auf dem Bahnhof von Widnes.

Die Erinnerungsplakette auf dem Bahnhof von Widnes. This work of art is free according to terms of the Free Art License.

Die Erinnerungsplakette auf dem Bahnhof von Widnes.
This work of art is free according to terms of the Free Art License.

Published in: on 4. August 2015 at 02:00  Comments (1)  
Tags: ,

James Doran Webb – Der Mann, der aus Treibholz großartige Kunstwerke herstellt

The Foal at Canter von James Doran Webb im Park des Oakley Court Hotels. Eigenes Foto.

The Foal at Canter von James Doran Webb im Park des Oakley Court Hotels.
Eigenes Foto.

Bei meinem letzten Aufenthalt im Oakley Court Hotel bei Windsor war ich fasziniert von den Kunstwerken, die dort im Park ausgestellt waren. Sie stammen alle von James Doran Webb, dessen Spezialität ist, aus an Küsten angeschwemmtem Treibholz Tierfiguren herzustellen. Ganz besonders hatte es mir „A Foal at Canter„, wie oben abgebildet, angetan. Sehr eindrucksvoll war auch die Löwengruppe „The Tree Climbing Lions of Lake Manyara“ und „The Jumping Stag, der vor dem Hoteleingang steht.Zwischen 1000 und 3000 Arbeitsstunden benötigt Webb zusammen mit seinem Team, um so ein Kunstwerk herzustellen und das schlägt sich natürlich auch im Preis nieder. £9000 kostet „A Foal at Canter“ und der Hirsch liegt bei £22 000. Die Löwengruppe ist noch für £100 000 zu haben; bevor sie vor dem Oakley Court Hotel aufgestellt wurde, war sie in der diesjährigen Chelsea Flower Show ausgestellt. Großartig finde ich immer wieder die Treibholz-Pferde des Künstlers. Hier sind einige von ihnen zu bewundern.

James Doran Webb lebt und arbeitet auf den Philippinen. In seinem Studio dort lagert das Treibholz, aus dem er seine Figuren baut. Bei der Suche danach helfen ihm die Dorfbewohner, die sich auf diese Weise etwas Geld verdienen. Außerdem setzt er für jedes Kilo Holz, das er ankauft, einen neuen Baum auf abgeholzten Hügeln der Insel Cebu mit dem Ziel, einmal 80 000 Stück anzupflanzen.

Dieser Film zeigt den sympathischen Künstler bei der Arbeit.

Der an sich schon sehr schöne Park des Oakley Court Hotels direkt an der Themse hat durch diese wunderbaren Skulpturen noch dazugewonnen.