Der Komponist und Dichter Ivor Gurney (1890-1937) und seine Liebe zu der Grafschaft Gloucestershire

Das Ivor Gurney gewidmete Glasfenster in der Kathedrale von Gloucester.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)

Der englische Dichter und Komponist Ivor Gurney, der von 1890 bis 1937 lebte, dürfte in Deutschland kaum bekannt sein. Seine Gedichte sind nie ins Deutsche übertragen worden und auch seine Kompositionen werden wohl eher selten, wenn überhaupt, hierzulande gespielt.

Ivor Gurney wurde 1890 in der Queen Street in Gloucester geboren und zog bald darauf mit seinen Eltern in die Barton Street, beide Häuser existieren nicht mehr. Der junge Mann entwickelte schon früh eine sehr enge Beziehung zu Gloucestershire; so unternahm er häufig nächtliche Spaziergänge durch die Landschaft. Seine beiden Lieblingsorte waren der Cooper’s Hill (der Berg der rollenden Käse; s. dazu meinen Blogeintrag) und der kleine Ort Framilode, direkt am River Severn, wo er häufig zu Gast bei seinen Freunden, den Harrises, im Lock House war.

Im Alter von 21 Jahren ging er an das Royal College of Music nach London, aber er plagte sich dort ständig mit seinem Heimweh nach Gloucestershire herum. Im Laufe seines Lebens arbeitete Ivor Gurney als Organist in mehreren Kirchen in Gloucestershire; 1912 zog er nach Twigworth, einem Dorf nördlich von Gloucester an der A38, auf dessen Friedhof er später auch beigesetzt werden sollte.

Im Februar 1915 ging Gurney im Ersten Weltkrieg als Soldat an die Front nach Frankreich, wo er Schreckliches erlebte, verwundet und Opfer eine Gasangriffs wurde, der starke Auswirkungen auf seine Gesundheit hatte. Sein Geisteszustand verschlimmerte sich ständig, so dass er die letzten 15 Jahre seines Lebens in psychiatrischen Kliniken verbrachte.

In Ivor Gurneys musikalischem Werk ist immer wieder die Liebe zu seiner Heimat-Grafschaft Gloucestershire zu spüren: sie gipfelte in „A Gloucestershire Rhapsody„, die der englische Komponist Philip Lancaster  “a great sweeping landscape that portrays the nobility of Gurney’s Gloucestershire” bezeichnete. Hier ist die selten gespielte Rhapsodie zu hören.

In der Kathedrale von Gloucester, in der der junge Ivor im Chor sang, hat man ihm im Jahr 2014 ein von Thomas Denny entworfenes Glasfenster gewidmet. Sein Grabstein auf dem Kirchhof der St. Matthew’s Church, zwischen Twigworth und Longford an der A38 gelegen,  trägt die Inschrift „Composer – Poet of the Severn and Somme“.

Die BBC zeigte im Jahr 2014 eine Dokumentation über Gurney mit dem Titel „The poet who loved the war„, hier zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Eleanor Rawling: Ivor Gurney’s Gloucestershire. The History Press 2011. 176 Seiten. ISBN 978-0752453538.

Einer der Lieblingsorte Gurneys in Gloucestershire: Cooper’s Hill (im Hintergrund).
Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

…und ein weiterer Lieblingsort des Komponisten: Framilode am River Severn, hier die Kirche St Peter’s.
Photo © John Winder (cc-by-sa/2.0)

Ivor Gurneys Grabstein auf dem Friedhof von St Matthew’s bei Twigworth.
Photo © Roger Davies (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Ernest Arthur Lough (1911-2000) und Felix Mendelssohn Bartholdys „O for the Wings of a Dove“ – Ein Verkaufshit aus dem Jahr 1927

Die Londoner Temple Church.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Im Jahr 1927 hörte man in England kein Musikstück lieber als Felix Mendelssohn BartholdysO for the Wings of a Dove„, das aus dem Anthem „Hear my prayer“ (dt. „Hör‘ mein Bitten“) stammt, das der deutsche Komponist 1844 geschrieben hatte und welches in der Londoner Crosby Hall am 8. Januar 1845 uraufgeführt wurde. Gesungen wurde es von dem 16jährigen Ernest Arthur Lough, der über eine herausragende Sopranstimme verfügte. Bis 1962 wurden von der Schallplatte eine Million Stück verkauft, die erste klassische Schallplatte der Firma EMI, die diese „Schallgrenze“ überschritten hatte.

Ernest Arthur Lough wurde 1911 in dem Ost-Londoner Stadtteil Forest Gate geboren. Er sang im Chor seiner Heimatkirche St Peter’s, bis er sich 1924 dem Chor der Temple Church in der Londoner City anschloss. Schnell erkannte man hier die stimmlichen Fähigkeiten des jungen Arthur, und seine Stunde schlug am 15. März 1927, als die 1898 gegründete Gramophone Company mit einem der ersten mobilen Aufnahmestudios zur Temple Church kam, um hier Mendelssohn Bartholdys „Hear my prayer“ mit dem Kirchenchor aufzunehmen. Dabei durfte Ernest das Solo „O for the Wings of a Dove“ singen. Der Rest ist Geschichte. Der junge Mann sorgte mit seiner Stimme dafür, dass die Temple Church an Sonntagen gut gefüllt war, viele wollten ihn einmal live erleben.

Die Aufnahme von „Hear my prayer“ ist bis heute als CD erhältlich und von ihr wurden mittlerweile sechs Millionen Exemplare verkauft.

Mit 18 Jahren bekam Ernest einen Stimmbruch und aus dem Sopran wurde ein Bariton; er blieb dem Chor der Temple Church noch eine Weile erhalten. Ernest Arthur Lough arbeitete später bei der Plattenfirma HMV im Marketing und nach dem Krieg bei einer großen internationalen Werbeagentur. Er starb am 22. Februar 2000; an ihn erinnert ein Plakette in der Temple Church.

Hier ist eine kurze Dokumentation über den Chorknaben zu sehen, in der auch Ausschnitte aus „O for the Wings of a Dove“ zu hören sind.

Die Erinnerungsplakette in der Temple Church.
Author: Carol.
Creative Commons 2.0

Die Crosby Hall, in der „Hear my prayer“ 1845 erstmals aufgeführt wurde.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

Londoner Kuriositäten Teil 2: Die Einladung zum Tanz auf dem Grab des Clowns Joseph Grimaldi

Joseph Grimaldis Grabmal.
Photo © Phillip Perry (cc-by-sa/2.0)

Joseph Grimaldi (1778-1837), dem Vater aller Clowns, sind wir in meinem Blog schon einmal in meinem Artikel über die Holy Trinity Church, die „Clown’s Church“, im Londoner Stadtteil Dalston begegnet. Am 5. Juni 1837 wurde Grimaldi auf dem St. James’s Churchyard in Pentonville beigesetzt. Die Kirche existiert nicht mehr, sie wurde abgerissen und die Gegend wurde in einen kleinen Park umgewandelt, den man nach dem Clown benannte: Joseph Grimaldi Park. Dort stehen noch ein paar übrig gebliebene Grabsteine und eben das Grabmal des Clowns, dem man im Jahr 2010 bei der Umgestaltung des Parks eine originelle Besonderheit hinzufügte, die Grimaldi sicher gefallen hätte. Die im oberbayerischen Kranzberg ansässige deutsche Landschaftsbaufirma Latz + Partner, die mit den Arbeiten beauftragt war, engagierte den Londoner Künstler Henry Krokatsis, damit er neben Grimaldis Grab ein Kunstwerk anfertigen sollte; daraus wurde eine Installation, die Krokatsis „An Invitation to Dance on the Grave“ nannte. Zwei sargförmige aus einzelnen Bronzeplatten bestehende Gebilde wurden in den Boden eingelassen, eine in Erinnerung an den Clown, eine in Erinnerung an Charles Dibdin (1768-1833), der Grimaldi förderte, und der ebenfalls auf dem St James’s Churchyard neben Grimaldi beerdigt worden war. Krokatsis hat die Bronzeplatten so angefertigt, dass sie beim Betreten einen jeweils anderen Ton von sich geben und man beim „Tanz auf dem Grab“, mit etwas Geschick eine Melodie spielen kann, wie zum Beispiel Grimaldis Lieblingslied „Hot Cudlins„, was sich dann so anhört.

I wanted to create something that is constantly changing, a joyous interlude from the silence of death”, so definierte Henry Krokatsis sein Kunstwerk „An Invitation to Dance on the Grave“.

Den Joseph Grimaldi Park findet man an der Pentonville Road, der A501, im Nord-Londoner Stadtteil Pentonville, nur ein paar Gehminuten vom Sadler’s Wells Theater entfernt, wo der Clown seine größten Erfolge feierte und wo sein letzter Bühnenauftritt stattfand.

 

Wolfgang Amadeus Mozart und die Ebury Street im Stadtteil Belgravia in London

180 Ebury Street.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Die Ebury Street zieht sich durch den Londoner Stadtteil Belgravia und ist nicht weit vom Buckingham Palace entfernt. In der Nummer 180 wohnte einmal die Familie Mozart, die im August 1764 im Zuge ihres England-Aufenthaltes hier Station machte und bis zum 24. September blieb. Zuerst zog der achtjährige Wolfgang Amadeus mit seinen Eltern in das Haus 9 Cecil Court an der Charing Cross Road. Dann erfolgte der Umzug nach Belgravia in die Straße, die seinerzeit Five Fields Row hieß und ganz anders aussah als heute. Damals war es hier idyllisch und ländlich, optimal für Vater Leopold, denn er brauchte die Ruhe und die frische Luft, da er nicht ganz gesund war.

Das Haus 180 Ebury Street spielte im Leben Wolfgang Amadeus Mozarts eine wichtige Rolle, denn hier schrieb er seine erste Sinfonie, die am 21. Februar 1765 in London uraufgeführt wurde. Eine Plakette an der Wand des Hauses erinnert daran. Mozart Terrace nennt man die Gebäudereihe an der Ebury Street. Ein kleines Stückchen weiter die Straße hinunter, am Orange Square, findet man eine Statue des kleinen Wolfgang, die 1994 von royaler Hand eingeweiht wurde; Prinzessin Margaret nahm die Zeremonie vor. Der angesehene Londoner Bildhauer Philip Jackson hatte die Statue geschaffen, der u.a. auch die Skulpturen von Bobby Moore am Wembley Stadion und von Mahatma Gandhi am Parliament Square entworfen hat.
In der Hausnummer 182 an der Ebury Street, also gleich im Nachbarhaus, wohnten Vita Sackville-West und ihr Ehemann Harold Nicolson, die ebenfalls mit einer Plakette gewürdigt werden, die hier 1993 angebracht wurde.

Bevor die Mozarts England wieder verließen, zogen sie noch einmal innerhalb Londons um und zwar in die Frith Street Nummer 20 in Soho, die damals Thrift Street hieß und wo Wolfgang Amadeus seine sechs Violinsonaten komponierte (Köchelverzeichnis 10-15), auch „Wunderkind-Sonaten“ genannt. Auch dieses Haus ist mit einer Plakette versehen.

Plakette an 180 Ebury Street.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Die Mozartstatue am Orange Square.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Kunst mit Wasser Teil 3: Tim Hunkin, Andy Plant und ihre Neal’s Yard Waterclock im Londoner Covent Garden Bezirk

Author: Ann Biddle
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Heute begeben wir uns einmal in den Londoner Bezirk Covent Garden und zwar in die Straße Shorts Gardens, eine kopfsteingepflasterte Straße, die vom Seven Dials Roundabout zum Drury Lane führt. Dort finden wir an der Fassade der Nummer 21, über dem Health Foods-Laden Holland & Barrett, ein merkwürdiges Gebilde, in dessen Mittelpunkt eine Uhr hängt. An einer Leiter, die bis zum Dach führt, sind Trichter und Glocken befestigt und am Fuß der Leiter stehen fünf grün gekleidete Figuren mit Eimern und Gießkannen in der Hand.

Wir haben es hier mit einer (leider nicht mehr funktionierenden) Wasseruhr zu tun. Die Neal’s Yard Water Clock wurde 1982 von den beiden Künstlern und Tüftlern Tim Hunkin und Andy Plant entworfen und über dem damaligen Michael Loftus’s Neal’s Yard Wholefood Warehouse angebracht. Dieses geniale Kunstwerk funktionierte allein durch Wasserfluss, ausgelöst von einem Vorratsbehälter auf dem Dach. Das Wasser wurde durch die Trichter geleitet, wobei die Glöckchen zu klingen begannen, und durch ein ausgeklügeltes System wurden die Zeiger der Uhr bewegt, die dann auch tatsächlich die richtige Zeit anzeigte. Ein zusätzlicher Gag sind die erwähnten fünf Gestalten, deren Eimer und Gießkannen langsam gefüllt wurden; das Wasser ergoss  sich in einen verborgenen Tank und auf wundersame Weise sprossen plötzlich Plastikblumen daraus hervor. Besonders aufpassen musste man auf die ganz links stehende Gärtnerin, die mit dem frechen Gesichtsausdruck, denn sie hatte die Angewohnheit die unten stehenden Zuschauer mit Wasser zu bespritzen, was stets allgemeine Heiterkeit auslöste. Es wäre doch schön, wenn die Wasseruhr wieder richtig in Betrieb genommen werden könnte, so wie in diesem Film zu sehen.

Tim Hunkin ist in Großbritannien vor allem durch die Fernsehsendung „The Secret Life of Machines“ bekanntgeworden, in der technische Gegenstände des täglichen Lebens anschaulich erklärt werden (hier ist ein Beispiel).
Auch Andy Plant ist ein Tüftler, der noch andere Uhren konzipiert hat wie die Lightning Clock in North Shields und The Woolf in Wolverhampton. In diesem Film ist er bei der Arbeit zu sehen.

Published in: on 31. Dezember 2017 at 02:00  Comments (1)  

Kunst mit Wasser Teil 2: Jason deCaires Taylor und The Rising Tide

Jason deCaires Taylor ist einer der führenden Unterwasserkünstler und machte sich 2006 einen Namen, als er vor der Küste der Insel Grenada in der Karibik den weltweit ersten Unterwasser-Skulpturenpark anlegte. Drei Jahre später installierte er auf dem Meeresboden vor Cancun in Mexiko seine Silent Evolution, eine Gruppe aus über 400 menschlichen Figuren. Auch Taylor möchte mit seinen Werken an das Umweltbewusstsein der Menschheit appellieren und auf die Schönheit der Unterwasserwelt hinweisen.

Im September 2015 ließ er sich für das Totally Thames Arts Festival in London wieder etwas Besonderes einfallen: The Rising Tide. Vier Reiterfiguren, jede etwa vier Meter hoch, stellte er im Distrikt Nine Elms am Südufer der Themse ins Wasser. Bei niedrigem Wasserstand sind die Figuren komplett zu sehen, wenn die Flut kommt, ragen nur noch die Köpfe aus dem Wasser der Themse. Zwei der Reiter stellen Geschäftsleute dar, zwei sind Kinder und die Botschaft Taylors lautet: Die beiden Erwachsenen sind verantwortlich für den verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen unserer Erde, die Kinder wiederum werden in der Zukunft mit den Folgen des jetzigen Überkonsums der Menschheit leben müssen. Weiterhin will Jason deCaires Taylor auf die historische Bedeutung des Flusses hinweisen, der für Wirtschaft und Handel eine wichtige Lebensader darstellte.

Hier ist das eindrucksvolle Kunstwerk im Film zu sehen.

Published in: on 30. Dezember 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Kunst mit Wasser Teil 1: Marcus Vergette und seine Time and Tide Bells

Eine der Gezeiten-Glocken in Anglesey (Wales).
Photo © Richard Hoare (cc-by-sa/2.0)

Marcus Vergette ist ein in den USA geborener und in England lebender Künstler (Mitglied der Royal British Society of Sculptors), der sich speziell für Glocken interessiert. Eines einer Projekte nennt sich „Time and Tide Bells“ von denen bereits fünf Exemplare existieren, geplant sind insgesamt zwölf. Dabei handelt es sich um kleine Glocken, die rund um die britische Küste installiert worden sind bzw. noch werden.
Der Klöppel der Glocken wird durch die Natur, sprich durch die Gezeiten, bewegt, das heißt, wenn die Flut steigt, erreicht sie die Glocken und es wird für eine gewisse Zeit ein stets variierendes Klanggemälde erreicht. Eine sehr interessante Idee, wie ich finde. Marcus Vergette will mit diesen Installationen auf die Bedeutung der Gezeiten und des ansteigenden Wasserspiegels in Zeiten des Klimawandels hinweisen.

Die erste wurde 2009 im Hafen von Appledore in North Devon errichtet (hier zu hören und zu sehen). Die Inschrift auf der Glocke lautet:
In thrall to the moon
rocked by her ebb and flow
I sing of swells beneath the stars
black waves at the storms height
new ships’ rhythmic passage west
seabirds in the dancing wake
all who set sail in sorrow or joy
and all who sleep below

Die zweite folgte ein Jahr später am Bosta Beach in Great  Bernera, Äußere Hebriden, in diesem Film am Anfang zu sehen. Die dritte Installation war ebenfalls im Jahr 2010 an der Trinity Buoy Wharf an der Themse in London, deren Glockenschlag hier zu hören ist. Weiter ging es mit Glocke Nummer 4 vor dem Dovey Yacht Club in Aberdyfi, Wales, im Juli 2011 (hier eine Kostprobe) und schließlich installierte Marcus Vergette seine fünfte Time and Tide Bell in Cemeas  an der Nordküste von Anglesey in Wales wie dieser Film zeigt.

Vor wenigen Tagen berichtete „Devon Life“, dass Glocke Nummer 6 im Jahr 2018 in Brixham (Devon) errichtet werden soll. Ich mag diese Hafenstadt sehr und sie ist einer Time and Tide Bell würdig. Marcus Vergette hat sich den neuen Standort schon einmal angesehen und war davon sehr angetan. Der Künstler wohnt in Devon, daher wohl auch seine Vorliebe für den zweiten Glocken-Standort in seiner Grafschaft.

…und eine Marcus Vergette-Glocke auf den Äußeren Hebriden.
Photo © Alan Bowring (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. Dezember 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das War Horse Memorial in Ascot (Berkshire) – Zur Erinnerung an eine Million gefallene Pferde im Ersten Weltkrieg

Der Heatherwood Roundabout in Ascot, wo im Juni 2018 das War Horse Memorial aufgestellt werden soll.
Photo © Stuart Logan (cc-by-sa/2.0)

Über das Animals at War Memorial im Londoner Hyde Park habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben. Es erinnert an die Millionen Pferde und Maultiere, die in den beiden Weltkriegen auf Seiten der Alliierten gefallen sind. Ein weiteres Denkmal zu diesem Thema entsteht zur Zeit, das im Juni 2018 aufgestellt werden soll und zwar auf dem Heatherwood Roundabout in Ascot in Berkshire. Das sogenannte War Horse Memorial wird ebenfalls an die Pferde, Esel und Maultiere erinnern, die bei den Kampfhandlungen im Ersten Weltkrieg getötet worden sind. Wie auf der Homepage des War Horse Memorials zu lesen ist:
It will pay tribute to the nobility, courage, unyielding loyalty and immeasurable contribution these animals played in giving us the freedom of democracy we all enjoy today, and will signify the last time the horse would be used on a mass scale in modern warfare„.

Das Bronzedenkmal wird ein fast drei Meter hohes Pferd zeigen, dessen Körper Spuren von Verletzungen trägt und das eine Träne im Auge hat. Susan Leyland ist die Bildhauerin, die zur Zeit an dem Denkmal arbeitet. Sie hat sich als Künstlerin auf die Gestaltung von Pferden spezialisiert und hat 2016 auch schon einmal in der Kunstgalerie Stuttgart ausgestellt. £300 000 kostet das Bronzepferd, eine Summe, die durch Spenden aufgebracht wird. Kürzlich fand in der Guildhall von Windsor ein Abendessen mit geladenen Gästen statt, bei dem eine größere Summe an Spenden zusammenkam.

Wer möchte, kann sich schon ein Modell des War Horse Memorials kaufen. Einhundert Exemplare zum Stückpreis von  £20 000 wurden davon hergestellt, von denen die Queen das erste Exemplar erhält. Einer der ersten Käufer war übrigens der Trainer des Londoner Fußballclubs Arsenal, Arsène Wenger, der es seiner Frau schenkte.

Der Heatherwood Roundabout findet sich direkt neben dem Heatherwood Hospital und der Rennstrecke von Ascot.

Published in: on 22. Dezember 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wer war eigentlich … Celia Sheen, die die Titelmelodie zu „Inspector Barnaby“ schrieb?

Die „Midsomer Murders„- bzw. „Inspector Barnaby„-Titelmelodie gehört für mich zu den Musikstücken, die man so leicht nicht aus den Gehörgängen bekommt. Verantwortlich dafür ist auch der Einsatz des eher selten zu hörenden Musikinstruments ThereminCelia Sheen hat sich auf dieses Instrument spezialisiert, und ich schrieb in einem früheren Blogeintrag schon einmal darüber. Nicht nur in der Titelmelodie von „Midsomer Murders“ ist die Theremin zu hören, sondern auch in vielen Episoden, besonders dann, wenn die Handlung etwas unheimlich wird.

Celia Sheen wurde 1940 in Heanor in Derbyshire geboren (dort, wo das einzige Staubsaugermuseum Großbritanniens seinen Sitz hat. Ich berichtete in meinem Blog darüber; das aber nur am Rande) und sie starb am 18. Oktober 2011 in Leatherhead in Surrey. Celia Sheens Hauptinstrument war die Geige, bevor sie sich die Kunst des Thereminspielens aneignete. Sie spielte mit zahllosen Größen der Unterhaltungsmusik zusammen, zu denen u.a. auch Frank Sinatra und Cliff Richard gehörten.

Im Jahr 2002 nahm Celia Sheen Bernard Herrmanns Filmmusik zu „The Day the Earth Stood Still“ (dt. „Der Tag an dem die Erde stillstand“) auf, der damals (1951) schon die Theremin einsetzte wie dieser Original-Soundtrack zeigt. Zusammen mit dem Slovak Symphony Orchestra spielte sie 2007 die Theremin in Miklos Roszas Filmmusik zu Alfred Hitchcocks „Spellbound“ (dt. „Ich kämpfe um dich“) aus dem Jahr 1945 (hier ist ein Beispiel zu hören).

Diese Diskographie zeigt, auf welchen Aufnahmen Celia Sheen zu hören ist.

Kehren wir zum Schluss noch einmal zu „Midsomer Murders“ zurück. Dieser Film informiert über die Titelmelodie und zeigt auch Celia Sheen selbst und hier ist das „Midsomer Murders Main Theme“ in voller Länge zu hören.

 

 

 

Der Dichter Philip Larkin und die Kröten von Hull (East Riding of Yorkshire)

Philip Larkins Statue auf dem Bahnhof von Hull.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

In meinem gestrigen Blogeintrag schrieb ich über Tom Chesshyres Buch „To Hull and Back“, in dem der Autor Städte besucht, die gegen ihren schlechten Ruf ankämpfen. Auch Hull, kurz für Kingston upon Hull, im Nordosten des Landes hat damit ein Problem. Die Stadt tut aber im kulturellen Bereich so einiges, um sich von diesem Ruf zu befreien.

Philip Arthur Larkin ist zum Beispiel eine Person, die sich um Hull verdient gemacht hat und der man in der Stadt auch in unterschiedlicher Weise huldigt. Larkin (1922-1985) war Schriftsteller, Dichter und Bibliothekar in der Bibliothek der Universität von Hull. Auf dem Bahnhofsgelände von Hull hat man eine Statue von ihm errichtet, es gibt einen Larkin Trail, auf dem man sich auf die Spuren des Dichters machen kann und es existiert die 1995 gegründete Philip Larkin Society, die sich die Aufgabe gestellt hat: „To promote awareness of the life and work of Philip Larkin (1922-1985) and his literary contemporaries“.

Unter dem Titel Larkin 25 wurde im Jahr 2010, also 25 Jahre nach dem Tod des Schriftstellers, ein Kunstfestival in Hull ins Leben gerufen, bei dem u.a. oben erwähnte Statue enthüllt wurde. Im Mittelpunkt dieses Festivals standen vierzig bunt angemalte Kröten aus Fiberglas, die im ganzen Stadtgebiet verteilt waren. Der Hintergrund: Larkin hatte einmal zwei Gedichte über Kröten geschrieben: „Toads“ und „Toads Revisited„.

Die witzigen Kröten, die mich an die bunten Bären erinnern, die in Berlin aufgestellt worden sind, heißen zum Beispiel „Tigger the Toad„(eine Kreuzung von Tiger und Kröte), „Global Pop Toad„, an der Universität von Hull platziert, „Kiss Me Quick Toad“ (mit Lippenstiftabdrücken verziert) und „Fish and Chips Toad„, auf deren Körper man im Bild alle Zutaten finden kann, die für dieses britische Nationalgericht verwendet werden.
Die Fiberglaskröten entwickelten eine derartige Popularität, dass Menschenmengen nach Hull strömten, um sich die possierlichen Tiere anzusehen (und dabei auch noch zur Freude der Einzelhändler in der Stadt  £500 000 ausgaben). Leider gab es auch in Hull Vandalen, die einige der Kröten beschädigten und eine sogar stahlen, die „Magenta Toad“.

Nach Ende des Festivals Larkin 25 wurden die meisten Kröten versteigert und der Erlös von insgesamt £60,000 für wohltätige Zwecke verwendet. Die restlichen Skulpturen blieben der Stadt erhalten. Fünf Jahre später tauchten einige der Originalkröten noch einmal für wenige Tage im Stadtbild von Hull auf, während der Veranstaltung „Toads Revisited„, die zu Ehren von Larkins 93. Geburtstag im August 2015 abgehalten wurde.

Wer sich für Philip Larkin und für die Kröten von Hull interessiert, der wird diesen Film sehr informativ finden.

Tigger thr Toad.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Global Pop Toad.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Kiis Me Quick Toad.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Fish and Chips Toad.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Dezember 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Dante Gabriel Rossetti – Ein Maler und Dichter der Präraffaeliten und seine Vorliebe für Wombats

Dieses Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.
This work is in the public domain.

Die Präraffaeliten waren eine Künstlergruppe Mitte des 19. Jahrhunderts in England, die stark von Renaissancemalern wie Botticelli und dem namensgebenden Raffael beeinflusst worden waren. Zu den wichtigsten Persönlichkeiten dieser Künstlergruppe gehörte Dante Gabriel Rossetti (1828-1882), dessen Eltern italienischen Ursprungs waren.

In meinem heutigen Blogartikel geht es mir aber nicht um das künstlerische Werk Rossettis, sondern um dessen Vorliebe für exotische Tiere, die er alle im Garten seines Hauses am Londoner Cheyne Walk Nummer 16 im Stadtteil Chelsea untergebracht hatte. Da hielt er u.a ein indisches Zebu, australische Kängurus und Wallabys, einen nordamerikanischen Waschbär und ein kanadisches Waldmurmeltier. Sein absoluter Liebling war aber sein australischer Wombat, ein knuddeliges Beuteltier, dem er den Namen Top gegeben hatte. Rossetti hatte im Londoner Zoo Wombats gesehen, sich in diese Tiere verliebt und sich Top zugelegt. Er zeichnete seinen tierischen Liebling zusammen mit seinem menschlichen, Jane Morris, Ehefrau des berühmten William Morris, mit der er jahrelang ein Verhältnis hatte. Beide tragen auf dem Bild einen Heiligenschein als Ausdruck seiner Liebe zu ihnen.
Auch William Bell Scott fertigte eine Zeichnung von Top an: „Rossetti’s Wombat Seated in his Master’s Lap„.

Leider hatte der Maler keine allzu lange Freude an Top, denn das Tier starb schon nach wenigen Monaten im November 1869. Es heißt, dass Top bei einem Besuch, zusammen mit seinem Besitzer, im Londoner Red House, in dem William Morris wohnte, dessen Lieblingszigarren aufgefressen hätte und daran gestorben wäre.

Dante Gabriel Rossetti war tieftraurig über den Verlust seines Wombats. Er fertigte eine Zeichnung seiner Trauer an, die ihn zeigt wie er in ein großes Taschentuch weint, zu Füßen sein toter Liebling den er  ausstopfen ließ und in den Eingang seines Hauses am Cheyne Walk stellte.

Der US-amerikanische Lyriker Ogden Nash hat einmal ein Gedicht über Wombats geschrieben:

The wombat lives across the seas,
Among the far Antipodes.
He may exist on nuts and berries,
Or then again, on missionaries;
His distant habitat precludes
Conclusive knowledge of his moods,
But I would not engage the wombat
In any form of mortal combat.

Dieser Film zeigt die possierlichen Tiere in Aktion.

No. 16 Cheyne Walk in Chelsea, wo Rossetti lebte.
Photo © Tiger (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Dezember 2017 at 02:00  Comments (2)  
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The Legendary Ten Seconds und ihre Songs über King Richard III.

Richard III
Eigenes Foto.

Das ideale Weihnachtsgeschenk für Ricardianer, also die Anhänger des Königs Richard III, von denen es mehr gibt als man vermutet, ist ein Album der Folkrock-Gruppe The Legendary Ten Seconds. Mehrere Alben haben die Legendary Ten Seconds bereits aufgenommen, die aus Sir Ian of Churchward, Earl Robert of the Shroud, The Lord Zarquon und Earl Dave of Clifford bestehen. In ihrer Musik beschäftigt sich die Band mit den Themen Richard III und War of the Roses. „Loyaulte Me Lie“ (2013), „Tant Le Desiree“ (2014), „Richard III“ (2015) und „Sunnes and Roses“ (2016) heißen die Alben; „Murrey and Blue“ ist gerade im November erschienen.

Hören wir uns doch einmal einige Musikbeispiele an:

The King in the Car Park“ bezieht sich auf den Fundort, an dem Richards Skelett gefunden wurde, unter einem Parkplatz in Leicester.

In „The Court of King Richard“ geht es um den Hof des in der Schlacht von Bosworth gefallenen Königs.

In „How Do You Rebury a King?“ besingt die Band die Beerdigungsfeierlichkeiten, als Richard III im Jahr 2015 erneut in Leicester zu Grabe getragen wurde.

Und mein Favorit: Das Weihnachtslied „Middleham Castle on Christmas Eve„.

Der Parkplatz in Leicester, unter dem das Skelett von Richard III. gefunden wurde.
Eigenes Foto

Die letzte Ruhestätte von Richard III. in der Kathedrale von Leicester.
Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Das Middleham Castle in North Yorkshire, wo Richard III. seine Kindheit verbrachte.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

„Nuclear Dawn“ – Ein Wandgemälde in Londons Stadtteil Brixton

Brixton, im Süden Londons gelegen, galt früher als ein Stadtteil, den man lieber meiden sollte. Die Brixton Riots aus dem Jahr 1981 sind in dem überwiegend von Menschen aus der Karibik bewohnten Bezirk lange in Erinnerung geblieben. Heute entwickelt sich Brixton, wie so viele andere Regionen von London auch, in einen Stadtteil mit steigenden Mieten; „London’s trendiest places to live“ sagt The Guardian.

Eine Besonderheit hier sind die sogenannten Brixton Murals, also Wandgemälde, die nach den Aufständen in den 1980er Jahren entstanden. Die London Mural Protection Society (LMPS) kümmert sich um den Erhalt der Londoner „murals“, auch um die in Brixton. Eines davon nennt sich „Nuclear Dawn„, das man (noch) im Coldharbour Lane sehen kann und das an die Hauswand des Carlton Mansions (Hausnummer 372) gemalt wurde; das leerstehende Haus ist schon seit einiger Zeit vom Abriss bedroht. Eine Plakette der LMPS neben dem eindrucksvollen Bild informiert darüber, wer die Künstler waren, die das Wandgemälde geschaffen haben: Brian Barnes und Dale McCrea. Das Entstehungsjahr war 1981.

Das 25 qm große Bild zeigt ein erschreckendes Szenario: Ein riesiges Skelett steht über London, im Hintergrund explodiert eine Atombombe, in einem bombensicheren Bunker unter dem Parlamentsgebäude sieht man Margaret Thatcher, Ronald Reagan und Prince Charles. Der obere Teil des Skeletts ist in Fahnen der Länder gehüllt, die damals über Atomwaffen verfügten. In der oberen von der Atombombe verursachten Wolke sieht man die Umrisse der Kontinente, in der unteren sind schreiende Köpfe zu erkennen. Auf der rechten Seite des Wandgemäldes steigen Friedenstauben in den Himmel.

Leider ist dieses „mural“ im Laufe der Zeit von Vandalen verunstaltet worden, die ihre Graffitis darauf gesprüht haben. Unsinnige Wörter wie „The Mongolz“ und „Koze“ überdecken jetzt den unteren Teil des Bildes. Wie lange noch wird uns „Nuclear Dawn“ erhalten bleiben?

Die erst 2013 gegründete kleine Brixton Brewery in der Brixton Station Road hat vor wenigen Wochen ein Bier auf den Markt gebracht, das sich „Nuclear Dawn Botanical Sour“ nennt und dessen Etikett einen Ausschnitt aus dem Wandgemälde zeigt.

Hier ist ein Film über „Nuclear Dawn“ und weitere Brixton Murals.

 

Published in: on 29. November 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Bob, der Neufundländer, der in einem Gemälde von Sir Edwin Landseer verewigt wurde

This is a faithful photographic reproduction of a two-dimensional, public domain work of art.

Bob war ein Neufundländer und ein ganz erstaunlicher Hund. In den 1830er Jahren geriet das Schiff, in dem Bob an Bord war, vor der englischen Küste in Seenot und kenterte. Der Hund überlebte das Unglück und rettete auch noch zwei Passagiere. Von da ab kann man sagen, dass für Bob das Retten von Menschen zu seinem Lebensinhalt geworden ist, denn in einer Zeitspanne von dreizehn Jahren rettete der Neufundländer sage und schreibe 23 Menschen vor dem Ertrinken. Er hielt sich in dieser Zeit immer im Londoner Raum auf und war geradezu ein Strandwächer auf vier Pfoten. Als Dank für diese Leistung wurde Bob in die Royal Humane Society aufgenommen, das ist eine 1774 gegündete Lebensrettungsgesellschaft. Er erhielt eine Medaille und, was ihn sicher noch mehr gefreut hat, eine tägliche Mahlzeit bis ans Ende seines Lebens.

Der englische Tiermaler und Bildhauer Sir Edwin Landseer (1802-1873), dem wir die Löwen auf dem Londoner Trafalgar Square zu verdanken haben, hörte von dieser anrührenden Geschichte und wollte unbedingt ein Gemälde von Bob anfertigen, doch der Hund war wie vom Erdboden verschwunden; niemand wusste, wo er sich aufhielt und ob er überhaupt noch lebte. So leiht sich Sir Edwin einen anderen Neufundländer namens Paul und bringt ihn in sein Atelier. Dort setzt er ihn auf einen Tisch und beginnt zu malen. Aus dem Tisch wird eine Ufermauer, im Hintergrund ist ein wolkenverhangener Himmel über dem Meer zu sehen, Seemöwen ziehen ihre Kreise. Großartig gelungen ist das Porträt des Hundes, der aussieht, als könnte er jeden Moment aufstehen und aus dem Bilderrahmen steigen. „A Distinguished Member of the Humane Society“ nannte Sir Edwin Landseer sein Bild, das 1838 ausgestellt wurde, und das die Beliebtheit von Neufundländern in England gewaltig steigerte. Das Gemälde ist 111.8 × 143.5 cm groß und hängt heute in dem Londoner Kunstmuseum Tate Britain.

Published in: on 7. Oktober 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Alfred Hitchcock-Mosaike in der U-Bahnstation von Leytonstone in London

Alfred Hitchcock als Kind vor dem Laden seines Vaters in der Leytonstone High Road.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Leytonstone ist ein östlicher Stadtteil von London, der von der A12 und der High Road durchzogen wird. In der Hausnummer 517 der High Road erblickte am Sonntag, dem 13. August 1899 Alfred Hitchcock das Licht der Welt. Über dem Lebensmittelladen seiner Eltern wurde ein Kind geboren, das später einmal zu einem Inbegriff des Filmthrillers werden sollte. Das Haus existiert heute nicht mehr, es wurde in den 1980er Jahren abgerissen. An der Stelle steht jetzt eine Jet-Tankstelle, an der eine blaue Plakette angebracht ist, die an Hitch erinnert. Hier findet man auch gegenüber der Tankstelle auf der gleichen Straßenseite ein Haus, das von Mateusz Odrobny und Anna Mill mit Motiven aus Hitchcocks Film „Die Vögel“ bemalt wurde.

Man ist auch heute noch stolz in Leytonstone auf seinen großen Sohn und so verewigte man ihn mit einer Serie von Mosaiken in der örtlichen U-Bahnstation. Die Hitchcock Gallery wurde am 3. Mai 2001 eröffnet und besteht aus 17 Mosaiken mit Motiven aus seinen berühmten Filmen. Der London Borough of Waltham Forest organisierte das Projekt, das von Mitgliedern des Greenwich Mural Workshops ausgeführt wurde. Die Künstler benötigten für die Ausführung sieben Monate und verwendeten für die Mosaike 80 000 Kacheln. Neben den Filmmotiven zeigen drei Szenen Bilder von Hitchcock selbst, einmal als Kind auf einem Pferd vor dem Laden seines Vaters, einmal bei der Arbeit als Regisseur und einmal zusammen mit Marlene Dietrich. Die Filmmotive zeigen Szenen aus seinen Filmen (hier nur einige Beispiele) „Rear Window“ (dt. „Das Fenster zum Hof“), „Psycho“ (dt. „Psycho“), „North by Northwest“ (dt. „Der unsichtbare Dritte“) und „To Catch a Thief“ (dt. „Über den Dächern von Nizza“).

Die Leytonstone Tube Station liegt an der Central Line, der Eingang ist am Church Lane.

Hier ist ein Song über Alfred Hitchcock und die Mosaike von Leytonstone.

„Rear Window“ oder „Das Fenster zum Hof“.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

„Psycho“.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

„North by Northwest“ oder „Der unsichtbare Dritte“.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

„To Catch a Thief“ oder „Über den Dächern von Nizza“.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Dotterel Roundabout – Ein hübsch angelegter Kreisverkehr an der A165 im Osten Yorkshires

Einem besonders schön angelegtem Kreisverkehr begegnet man, wenn man von Bridlington an der Ostküste von Yorkshire auf der A165 in Richtung Scarborough fährt. Dort, wo die B1229 dazustößt, liegt der Dotterel Roundabout, direkt daneben der Dotterel Pub. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob auf der Wiese inmitten des Kreisverkehrs einige Schafe grasen, bewacht von einem hochgewachsenen Schäfer und seinem Hütehund. Beim zweiten Hinsehen merkt man, dass sich das Ensemble nicht bewegt und wir es hier mit Skulpturen zu tun haben. Der regionale Künstler Ronald Falck aus Bridlington (sein Lehrmeister war der berühmte Henry Moore) hat die Figurengruppe The Dotterel Shepherd 2011 geschaffen; sie soll an das ländliche Erbe der Region erinnern. Fünf Schafe stehen hier beisammen und ein Lämmchen hält der Schäfer auf dem Arm. Die Figuren besten aus Fiberglas, das auf einen Metallrahmen aufgetragen worden ist.

£3,000 hat der Künstler an öffentlichen Geldern erhalten, den Rest hat er aus eigener Tasche bezahlt. Ich muss immer wieder sagen, man kann mit den Innenflächen der von mir so geschätzten Kreisverkehren mit etwas Fantasie und Geld so einiges anstellen, und ich freue mich, wenn ich auf kunstvoll gestaltete Roundabouts treffe.

Ronald Falck hat übrigens auch die Figur des Anchorman im Hafen von Bridlington erschaffen.

Published in: on 4. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Work No 409 von Martin Creed oder Der singende Fahrstuhl in der Londoner Royal Festival Hall

Die Royal Festival Hall liegt im Londoner Southbank Centre am Ufer der Themse. Sie wurde 1951 eröffnet und gilt als eine der führenden Veranstaltungsorte für Aufführungen von klassischer Musik. Eine Besonderheit der Royal Festival Hall ist ihr singender Fahrstuhl. Der Lift ist ein Werk des Konzeptkünstlers Martin Creed, der 2001 den begehrten Turner Prize für sein Work No 227 „Lights going on and off“ erhielt (in einem leeren Raum wurde das Licht regelmäßig ein- und ausgeschaltet). Unumstritten ist der Künstler nicht, seine Werke, die er durchnummeriert, sind immer wieder Gegenstand von Kontroversen.

Work No 409 ist nun eben dieser singende gläserne Fahrstuhl in der Royal Festival Hall, bei dem die Stimmen des Voicelab Choirs des Southbank Centres zu hören sind, die sich in der Tonlage von Etage zu Etage verändern. Ganz unten sind sie tief und je weiter man nach oben steigt, umso höher werden sie. Das ganze Spektrum lässt sich natürlich am besten erleben, wenn man nonstop vom Erdgeschoss bis zum sechsten Stock, bzw. andersherum, durchfahren kann. Meistens wird die „Gesangseinlage“ des Singing Lift eine halbe Stunde vor Beginn einer Veranstaltung der Royal Festival Hall abgestellt.

Martin Creed hatte seinen singenden Lift ursprünglich für die Ikon Gallery in Birmingham kreiert, seine Idee aber im Jahr 2010 noch einmal für das Londoner Southbank Centre aufgenommen.

Hier ist Work No 409 von Martin Creed zu hören und zu sehen.

Published in: on 18. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Themselöwen – Sie warnen die Londoner Bevölkerung vor Hochwasser

Terroranschläge, ein Hochhausbrand…London steht in der letzten Zeit in verstärktem Maße mit Horrornachrichten in den Schlagzeilen. Fehlt nur noch, dass die Themse bei Hochwasser über ihre Ufer tritt und Teile der Innenstadt in Mitleidenschaft zieht. Für eine frühzeitige Warnung der Bevölkerung vor einer derartigen Überflutung sorgen rund um die Uhr seit 1868 ein ganzes Bataillon von bronzenen Löwen bzw. von Löwenköpfen, die in die Ufermauern der Themse eingelassen sind und von Touristen oft gar nicht wahrgenommen werden. Im Zuge der umfangreichen Arbeiten an der Abwasserentsorgung Londons des Sir Joseph Bazalgette wurden die Löwen an den Mauern angebracht. Jedes Tier hat einen „mooring ring“ im Maul, damit Boote im Notfall hier festmachen können. Die Warnfunktion der Löwenköpfe wird folgendermaßen erklärt:

When the lions drink, London will sink
When it’s up to their manes, we’ll go down the drains.

Möglicherweise werden die Löwen in der Zukunft im Zuge der Klimaerwärmung mehr zu tun bekommen und noch sorgfältiger ihrer Überwachungsfunktion nachkommen müssen.
Der Londoner Bildhauer Timothy Butler (1806-1885) hat die Themselöwen geschaffen. Der Künstler, dessen Atelier zuletzt in der Euston Road in St Pancras zu finden war, hat auch Straßenlaternen für das Thames Embankment entworfen. Seine Spezialität waren allerdings Büsten von Londoner Persönlichkeiten.

Published in: on 19. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Spirit of Ecstasy, Rolls Royce und Eleanor Velasco Thornton

The Spirit of Ecstasy nennt sich die Kühlerfigur der Autofirma Rolls Royce, deren Modelle ähnlich mysteriöse Namen führen wie Silver Wraith, Silver Seraph, Phantom oder Corniche. Als sich John Walter Edward Douglas-Scott-Montagu, 2nd Baron Montagu of Beaulieu, im Jahre 1910 einen Rolls Royce Silver Ghost zulegte, fehlte ihm etwas an dem Auto, eine Kühlerfigur, und so gab er sie bei dem Bildhauer Charles Robinson Sykes in Auftrag. Der Künstler schuf eine entsprechende Figur in Form einer jungen Dame in wallenden Gewändern, die einen Finger vor ihre Lippen hielt. Als Modell wählte Sykes eine Schauspielerin namens Eleanor Velasco Thornton, die damals für den Baron als Sekretärin arbeitete und lange Jahre seine Geliebte war, daher der Finger vor den Lippen der Figur, denn das Verhältnis der beiden war ein Geheimnis (Baron Montague of Beaulieu war verheiratet). „The Whisper“ wurde denn die Kühlerfigur auch genannt.

Auch andere Rolls Royce-Besitzer schmückten die Kühler ihrer Autos mit personalisierten Figuren, was der Herstellerfirma aber nicht gefiel, man wollte etwas Eigenständiges, das auf jeden verkauften Rolly Royce gehörte. Also wandte sich Claude Johnson, der damalige Direktor der Firma, wieder an Charles Robinson Sykes, damit er eine Standard-Kühlerfigur für alle Autos aus seinem Haus schaffen sollte. Dieser nahm sich „The Whisper“ vor und modifizierte sie; wieder stand Eleanor Velasco Thornton Modell, und 1911 präsentierte er sein Werk der Firma Rolls Royce, die es übernahm.

„The Spirit of Ecstasy“ gab es später noch in abgewandelten Versionen, zum Beispiel knieend. Bei den heutigen Rolls Royce-Modellen kann man die Kühlerfigur per Knopfdruck versenken, denn sie ist diebstahlgefährdet; außerdem zieht sie sich bei einem Aufprall automatisch in den Motorraum zurück. Dieser Film zeigt die Herstellung des Ornamentes.

Eleanor Velasco Thornton kam am 30. Dezember 1915 auf tragische Weise ums Leben, als sie zusammen mit ihrem Geliebten an Bord des Schiffes SS Persia auf dem Mittelmeer unterwegs war. Ein deutsches Torpedo versenkte das Schiff und Hunderte von Menschen ertranken, darunter auch Miss Thornton; Baron Montague of Beaulieu überlebte. Sein Enkel, Ralph Douglas-Scott-Montagu, ist heute der vierte Baron of Montague of Beaulieu, und auf dem Familiensitz in Hampshire befindet sich das National Motor Museum. Das große Interesse an Autos hat sich also über Jahrzehnte erhalten.

Der Rapper Gill Graff aus Florida hat sich Eleanor Velasco Thornton und ihrer Rolle als Kühlerfigur in seinem Song „Eleanor“ angenommen („Go ahead spread your wings dear Eleanor But before I go I’m trying to get to know you Will you ever fucking know?“).

 

Nicola Metcalfe – Eine junge Künstlerin aus Buckinghamshire

With friendly permission of Nicola Metcalfe.

In der Mai-Ausgabe des Magazins „Buckinghamshire Life“ fand ich eine kleine Notiz, dass in der Öffentlichen Bibliothek von Bourne End eine Ausstellung mit Werken der Künstlerin Nicola Metcalfe stattfindet, die den Titel „Mrs Metcalfe in the Library with a Paintbrush!“ trägt. Da ich den Namen der Künstlerin bisher noch nicht kannte, suchte ich ihre Webseiten auf und war sehr angetan von dem, was sie bisher geschaffen hat. Besonders begeistert war ich von dem Druck „We Are UK„, den ich mir sofort bestellte und der jetzt in meinem Wohnzimmer hängt. Auf dem DIN-A1-Druck sind die Umrisse Großbritanniens zu sehen, die mit zahllosen Symbolen für die einzelnen Orte und Regionen gefüllt sind. Man kann sich dieses wunderschöne Bild stundenlang ansehen und entdeckt immer wieder etwas Neues. „From its architecture, animals and eccentricities to historical figures or contemporary music, this unique picture has a little bit of everything„, erklärt Nicola Metcalfe ihr Werk. Ein Geschenk für jeden Fan Großbritanniens: Es ist auf 100 Exemplare limitiert.

Ähnlich gestaltet ist ein Geschirrhandtuch mit dem Titel „Let’s go up the river„, auf dem Themse-Motive von der Quelle bis zur Mündung zu sehen sind, auch auf einer Leinwand erhältlich.

Weiterhin hat Nicola Metcalfe Kunstwerke angefertigt in denen London, Henley-on-Thames und Marlow im Mittelpunkt stehen; so gibt es in der Henley-Serie einen „Regatta mug“ und einen DIN-A2-Druck. Für ihren Wohnort Marlow hat die Künstlerin ebenfalls einen sehr schönen Druck gestaltet, auf dem u.a. wichtige Gebäude zu sehen sind wie die Themsebrücke und die All Saints Church.

Nicola Metcalfe hat ihre Werke bisher überwiegend in Buckinghamshire und angrenzenden Grafschaften ausgestellt wie zum Beispiel in der renommierten Henley Business School. Jetzt im Juni ist sie zum wiederholten Mal bei den Bucks Open Studios vertreten, einer Veranstaltungsreihe, bei der Künstler ihre Studios öffnen und Ausstellungen in der ganzen Grafschaft Buckinghamshire stattfinden.

Nicola Metcalfe hat ihr Atelier nicht direkt in der Stadt Marlow sondern in Marlow Bottom, das ist ein Straßendorf, das sich nördlich der Themsestadt hinzieht. Hier lebt sie zusammen mit ihren beiden Kindern und drei Hühnern wie es auf ihren Webseiten zu erfahren ist.

Ich finde Nicolas Werke großartig!! Man kann sie problemlos über ihre Homepage bestellen.

Nicola Metcalfes „We are UK“ in meinem Wohnzimmer.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 5. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Londoner Broadcasting House der BBC und die umstrittene Skulptur „Prospero and Ariel“ des Bildhauers Eric Gill

Das Broadcasting House der BBC, 1932 eröffnet und im Art Déco-Stil erbaut, steht am Londoner Portland Place in Marylebone im Zentrum der Stadt. Über dem Eingang sieht man eine Skulptur, die sich „Prospero and Ariel“ nennt, zwei Figuren aus William Shakespeares Theaterstück „The Tempest“ (dt. „Der Sturm“). Die große Figur ist der Zauberer Prospero, der kleine nackte Junge ist der Luftgeist Ariel. Der Bezug zur BBC: Prospero schickt Ariel hinaus in die Welt als Symbol für die Radiowellen, die von hier ausgestrahlt werden. Beauftragt mit der Herstellung der Statue wurde der englische Künstler Eric Gill (1882-1940), der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einer der bedeutendsten des Landes war…aber auch einer der umstrittendsten. Der exzentrische Bildhauer arbeitete an der Statue am Broadcasting House in einer Mönchskutte, unter der er, wie man sagte, nichts trug, was Gill aber nicht im geringsten zu stören schien.

„Prospero and Ariel“ war von Beginn an eine Statue, an der sich die Geister schieden. Zuerst war es die Größe der Genitalien des kleinen Ariel, über die man stritt, viele Jahre später, als Eric Gills Tagebücher veröffentlicht wurden und der Künstler schon lange tot war, erschien das Kunstwerk plötzlich in einem ganz anderen Licht. In jenen Tagebüchern schrieb Gill, dass er spezielle sexuelle Vorlieben hatte, die man mit dem Wort Inzest beschreiben kann. So hatte er sowohl mit mindestens einer seiner Schwestern als auch mit seinen Töchtern Sex, sogar der Familienhund soll seinen Nachstellungen nicht entgangen sein. Seine heranwachsende Tochter Petra zeichnete er nackt in der Badewanne und in anderen verführerischen Posen. Sollte man Gills Kunstwerk angesichts dieser Enthüllungen nach wie vor über dem Eingang des Broadcasting House stehen lassen, fragten sich viele? Und wie sollte man mit einer weiteren Skulptur Gills im Inneren des Hauses umgehen, das „Ariel piping to the children“ heißt und den nackten Luftgeist als eine Art „Rattenfänger“ (pied piper) zeigt, der mit seiner phallusförmigen Flöte Kinder anzulocken scheint?
Als dann noch der Pädophilie-Skandal um den früheren BBC-Discjockey Jimmy Saville (1926-2011) ans Tageslicht kam, der im Laufe seiner Karriere Hunderte von jungen Mädchen missbraucht haben soll, wurde der Ruf nach der Entfernung der Gillschen Kunstwerke immer lauter. Aber die BBC entschied sich dafür, an der Skulptur festzuhalten wie auch die Westminster Cathedral, in der Eric Gills „Stations of the Cross“ stehen. Auch dort forderten einige, diese zu entfernen, weil sie von einem Pädophilen geschaffen worden sind.

Hier ist ein Film über das Broadcasting House und Eric Gills Statue.

 

Published in: on 29. Mai 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Der Elgar-Freundeskreis Deutschland – Hier haben sich Verehrer des englischen Komponisten zusammengefunden

Mit freundlicher Genehmigung des Elgar-Freundeskreises.

Vor einigen Jahren schrieb ich in meinem Blog schon einmal über das Elgar Birthplace Museum in Lower Broadheath (Worcestershire), das zurzeit geschlossen ist und in das Management des National Trusts übergeben wird. Sir Edward Elgar (1857-1934) hat immer noch eine große Anhängerschaft im Land, und die Elgar Society ist die größte Gesellschaft Großbritanniens, die sich einem einzigen Komponisten widmet.

In Deutschland kennt man ihn überwiegend durch den „Pomp & Circumstance March No. 1„, einer der Höhepunkte der jährlichen „Last Night of the Proms“, die auch im deutschen Fernsehen gezeigt wird. Seit einiger Zeit haben sich auch hierzulande Verehrer des Komponisten zusammengefunden und den Elgar-Freundeskreis Deutschland gegründet, der stolz darauf sein kann, über zwei hochkarätige Schirmherren zu verfügen, nämlich den Dirigenten und Pianisten Daniel Barenboim und den Opernintendanten Sir Peter Jonas.

Welche Aufgaben hat sich nun der deutsche Freundeskreis gesetzt? Ein Flyer gibt Auskunft: Er „unterstützt Aufführungen von Kompositionen Sir Edward Elgars in Deutschland und hilft bei der Vermittlung von Förderung, bietet kostenlose Vorträge, Pre-Concert-Talks, Seminare und Materialien, veröffentlicht den Newsletter Mr Phoebus mit Neuigkeiten zu Konzerten, Konzertberichten, Buchbesprechungen und Konzertkritiken, gibt den Freunden der Musik Sir Edward Elgars in Deutschland sowie im deutschsprachigen Raum ein Forum und ist Ansprechpartner für jeden, der sich für Elgars Leben und Werk interessiert und mehr erfahren will“.

Den Vorsitzenden des Freundeskreises, Wolfgang-Armin Rittmeier, konnte ich vor einigen Tagen bei seinem Vortrag über das Leben und das Werk Edward Elgars kennenlernen, wobei auch Ausschnitte aus den „Enigma-Variationen“ und „The Dream of Gerontius“ zu hören waren.

Die Webseiten des Elgar-Freundeskreises bieten eine Fülle von Informationen, sie enthalten eine sehr ausführliche Diskografie, eine Bibliografie wird gerade bearbeitet. Noch ein Wort zum Namen des Newsletters, der sich „Mr Phoebus“ nennt. Er bezieht sich auf ein Fahrrad, das Elgar im Jahr 1900 erwarb, ein Royal Sunbeam, das er sehr liebte. Zu sehen sind beide, Komponist und Fahrrad, als Statue vor der Kathedrale von Hereford (Herefordshire).

Hier ist der erste Teil einer Filmdokumentation über Sir Edward Elgar, die Ken Russell 1962 für die BBC erstellte.

Sir Edward Elgar und Mr Phoebus vor der Kathedrale von Hereford.
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Grabstein Sir Edward Elgars und seiner Frau Caroline Alice auf dem Kirchhof von St Wulstan’s in Little Malvern (Worcestershire).
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Published in: on 21. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Longplayer, die längste Komposition der Welt, und der einzige Leuchtturm Londons auf der Trinity Buoy Wharf

Der Leuchtturm auf der Londoner Trinity Buoy Wharf.
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Dort, wo die Themse in London eine ihrer Schleifen zieht, auf der Leamouth Peninsula,steht das Bow Creek Lighthouse, der  einzige Leuchtturm Londons, der allerdings nicht mehr in Betrieb ist. Von 1864 bis 1866 wurde der Turm erbaut, der zu Ausbildungszwecken für künftige Leuchtturmwärter diente. Trinity Buoy Wharf heißt das Gelände hier an der Themse, auf der auch die Container City steht, über die ich in meinem Blog einmal berichtete.

Am 31. Dezember 1999 um Mitternacht, als das neue Jahrtausend eingeläutet wurde, begann hier im Lighthouse ein Projekt, das exakt tausend Jahre dauern wird bzw. soll: The Longplayer. Dabei handelt es sich um eine musikalische Komposition, die rund um die Uhr tausend Jahre lang zu hören sein wird, ohne sich zu wiederholen, und die erst am 31. Dezember 2999 beendet ist, so der Plan. Jem Finer hat sich das ausgedacht, ein Musiker, der auch als Gründungsmitglied der Band The Pogues bekannt wurde.

More than a piece of music, Longplayer is a social organism, depending on people – and the communication between people – for its continuation, and existing as a community of listeners across centuries“, und „an artificial life form programmed to seek its own survival strategies„, so eine Form der Erklärung auf den Webseiten des Projekts. Komponiert ist The Longplayer für Klangschalen, im Englischen Singing Bowls genannt, die ihren Ursprung im asiatischen Himalayagebiet haben.

Damit alles reibungslos funktioniert, wurde The Longplayer Trust gegründet, dessen Mitglieder aus der Musik- und Kunstszene kommen. Niemand unter uns wird jemals miterleben, ob dieses interessante Musikprojekt jemals das gesteckte Ziel erreichen wird.
Wer  einmal in die Komposition hereinhören möchte, der kann das in den sogenannten Listening Posts tun, zu finden im Yorkshire Sculpture Park, im The Royal Observatory in Greenwich, in den USA in der The Long Now Foundation in San Francisco oder online per Livestream.

Published in: on 5. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Famous Graves – Charles Blondins Grab auf dem Londoner Kensal Green Cemetery

Grab Nummer 13198, Quadrat 140, Reihe 1, so lautet die letzte Adresse von Jean François Gravelet, besser bekannt unter dem Namen Charles Blondin, der 1824 im französischen St Omer im Pas-de-Calais geboren wurde und einen großen Teil seines Lebens in England zugebracht hatte. Wie seinem Grabstein zu entnehmen ist, starb er am 22. Februar 1897 im Niagara House in Ealing, einem westlichen Stadtteil von London. Das Haus liegt in der Northfield Avenue. Der Name von Blondins Wohnsitz weist auf einen Ort hin, der in seinem Leben eine große Rolle gespielt hat: Die Niagara-Wasserfälle im US-Bundesstaat New York an der Grenze zu Kanada.

Wer Monsieur Blondin nicht kennt, er war einer der bedeutendsten Seiltänzer der Welt und besonders spektakulär waren seine Überquerungen der Wasserfälle in fünfzig Meter Höhe. Doch ihm genügte die „einfache“ Überquerung auf einem Seil bei weitem nicht, Blondin schraubte den Schwierigkeitsgrad immer höher; so begab er sich mit verbundenen Augen auf das Seil, nahm seinen Manager huckepack mit, schob einen Menschen auf einer Schukarre hinüber, ging auf Stelzen, nahm eine Kamera mit Stativ auf seine rund 23-minütige „Reise“ und fotografierte aus luftiger Höhe sein Publikum. Einmal nahm er einen kleinen Ofen mit und bereitete auf halber Strecke ein Omelett zu. Der Mann kannte einfach keine Angst; alle seine Vorführungen unternahm er ohne Netz.

In England trat er an verschiedenen Orten in London auf, wo er das Publikum ebenfalls begeisterte. 1873 überquerte er das Edgbaston Reservoir in Ladywood in Birmingham. Die Begeisterung dort für Blondins Kunststück hielt offenbar sehr lange an, denn 1992 stellte man am Ladywood Middleway eine Statue auf, die den Akrobaten zeigt wie er gerade sein Seil „besteigt“.

In seinem letzten Wohnort Ealing nehmen zwei Straßen Bezug auf den berühmten Bewohner, eine kurze Sackgasse mit dem pompösen Namen Blondin Avenue und die parallel dazu verlaufende Sackgasse Niagara Avenue, beide in unmittelbarer Nähe zum Niagara House.

Blondin teilt sich sein Grab auf dem Kensal Green Cemetery mit seiner Frau Charlotte, die bereits 1888 starb. Das Grabmal aus rotem Granit zeigt marmorene Medaillons der Gesichter der beiden. Ein Engel steht oben darauf und wacht über die Ruhe der Blondins. Einmal im Jahr trifft sich der Blondin Memorial Trust an der Grabstelle und gedenkt dem Akrobaten.

Hier ist ein kleiner Film über Blondin und seine Niagara Falls-Überquerung.

Die Blondin Avenue in Ealing.   © Copyright James Emmans and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Blondin Avenue in Ealing.
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Das Blondin-Denkmal in Ladywood/Birmingham. Author: Oosoom. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Das Blondin-Denkmal in Ladywood/Birmingham.
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Die Silvesterfeier in einem Londoner Dinosaurier im Jahr 1853

Zwei Iguanodons im Crystal Palace Park.   © Copyright Julian Osley and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Zwei Iguanodons im Crystal Palace Park.
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„Der Iguanodon („Leguanzahn“) ist eine zur Gruppe der Ornithopoda gehörende Gattung der Dinosaurier aus der frühen Kreidezeit und der größte und bekannteste Vertreter der Iguanodontidae“. So steht es in der Wikipedia zu lesen und in genau so einem Tier, d.h. natürlich nicht in einem lebenden, sondern in einem Modell, fand am 31. Dezember 1853 eine spektakuläre Silvesterfeier statt, an der 22 hochrangige Akademiker, Investoren und Zeitungsleute teilnahmen. Eingeladen zu der Feier hatte Benjamin Waterhouse Hawkins (1807-1894), ein Bildhauer und Naturwissenschaftler, der u.a. auch dadurch berühmt geworden war, dass er im Park des Crystal Palace in Sydenham, einem Stadtteil Londons, große Plastiken von Dinosauriern aufgestellt hatte. Zusammen mit dem Zoologen Richard Owen, der auch zu der Party eingeladen war, hatte Hawkins 33 dieser Urzeittiere gebaut und in dem Park zur Schau gestellt. Um dieses Ereignis zu feiern, kam man hier am Silvesterabend des Jahres 1853 in dem Inneren eines Iguanodon-Modells zu einem mehrgängigen Diner zusammen und ließ es sich gut gehen. Hawkins hielt eine kurze Rede und stellte darin sein Projekt mit den Saurierplastiken vor. Je später der Abend wurde, umso lauter und feucht-fröhlicher soll es da im Iguanodon zugegangen sein.

Werfen wir einen Blick auf die Speisenfolge, die ich hier in Auszügen wiedergeben möchte:

  • Als Suppe stand unter anderem Mock Turtle Soup auf der Karte
  • Beim Fischgang konnte man zwischen Steinbutt und Weißfisch wählen
  • Als Nächstes folgte eine Auswahl an Truthahn, Hühnchen, Taube und Schinken
  • Dann wurden die Hauptgänge serviert: Hammel, Rebhuhn, Seezunge, Fasan, Schnepfe
  • Zum Dessert gab es zum Beispiel Kalte Charlotte, Buisson de Meringue aux Confiteur, Nougat à la Chantilly sowie Obst aller Art wie Äpfel, Birnen, Pflaumen und Haselnüsse, Mandeln und Rosinen.
  • Als Getränke wurden Sherry, Madeira, Weißwein von der Mosel und Rotwein aus Bordeaux gereicht.

Die Herren müssen nach diesem gewaltigen Abendmahl wohl mehr oder weniger schwankend mit vollen Mägen aus dem Saurier gestiegen und nach Hause gewankt sein.

Diesen Iguanodon und seine vielen Geschwister kann man noch heute im Crystal Palace Park im Südosten von London bestaunen; dieser Film zeigt einige der beeindruckenden Skulpturen.

Das Buch zum Artikel:
Barbara Kerley: The Dinosaurs of Waterhouse Hawkins. Scholastic Press 2002. 48 Seiten. ISBN 978-0439114943.

 

Die Ashington Group – Hobbymaler aus dem Bergbau in Northumberland

Hier im Woodhorn Museum werden die Werke der Ashington Group ausgestellt.   © Copyright Anthony Foster and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier im Woodhorn Museum werden die Werke der Ashington Group ausgestellt.
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Das Woodhorn Museum and Northumberland Archives ist im hohen Norden Englands, in Ashington in der Grafschaft Northumberland, zu finden, dort, wo früher ein Kohlebergwerk stand. Das Museum ist dem Leben der Bergleute gewidmet, die hier einst ihrem schweren Beruf nachgingen. Neben den Überresten der Kohlemine, die zu besichtigen sind, zeigt das Woodhorn-Museum u.a. eine Ausstellung von Bildern der Pitmen Painters, die auch unter dem Namen Ashington Group bekannt sind.

Ashington ist eine Stadt, die 24 Kilometer von Newcastle-upon-Tyne liegt, und hier trafen sich ab 1934 regelmäßig Bergarbeiter aus den umliegenden Minen, um in ihrer Freizeit künstlerisch tätig zu werden. Robert Lyon aus Newcastle hatte die Hobbymaler unter seine Fittiche genommen, und er führte die Männer behutsam und feinfühlig an die Kunst des Malens heran. Bald zeigte sich, dass in der Gruppe Talent vorhanden war. Die Bergarbeiter wählten als Motiv vorwiegend ihr Leben unter Tage und ihre Freizeitgestaltung. So malte Harry Wilson ein Bild von der Ashington Colliery, Arthur Winnom hielt einen Unfall im Bergwerk fest und J.F. Harrison zeigte ein Bergwerkspony unter Tage.

Schon zwei Jahre, nachdem sich die Ashington Group gebildet hatte, kam es zu einer ersten Bilderausstellung im Armstrong College in Newcastle. Auch während des Zweiten Weltkrieges und danach hatte die Gruppe Bestand und versuchte sich an neuen künstlerischen Techniken, doch nach wie vor arbeitete sie hauptsächlich nach den Vorgaben ihres Tutors Robert Lyon, nämlich das zu malen, was sie aus ihrem persönlichen Umfeld kennen.
in den 1970er Jahren erwachte das Interesse an den Pitmen Painters erneut und es kam zu Ausstellungen in London und in Durham, ja sogar international wurden die Werke der Ashington Group gezeigt, nämlich in Deutschland, den Niederlanden und in China. 1984 löste sich die Künstlergruppe auf und seit 1989 befinden sich ihre Bilder im Woodhorn Museum, das ganzjährig geöffnet ist (Mittwoch bis Sonntag). Der Eintritt ist frei.

1988 schrieb der Kunstkritiker William Feaver ein Buch über die Männer aus Ashington mit dem Titel „Pitmen Painters: The Ashington Group 1934-1984„, aus dem Lee Hall zwanzig Jahre später das Bühnenstück „The Pitmen Painters“ verfasste, das in Newcastle-upon-Tyne uraufgeführt wurde und dann ins Londoner Royal National Theatre kam. Es folgten später Aufführungen am Broadway in New York, in Vancouver, in Hamilton, Kanada, und in Buenos Aires.

Published in: on 23. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Church of the English Martyrs in Goring-by-Sea (West Sussex) – Hier gibt es die Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle zu sehen

 

   © Copyright Josie Campbell and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Besondere Berühmtheit erlangte die Sixtinische Kapelle im Vatikan durch ihre Ausschmückung mit Fresken. Die Deckenmalereien malte Michelangelo Buonarroti zwischen 1508 und 1512 im Auftrag von Papst Julius II.
Wer nicht so weit fahren möchte, um sich diese Deckengemälde anzusehen, kann auch nach Goring-by-Sea in West Sussex fahren und dort die Kirche Church of the English Martyrs besuchen. Hier schuf der englische Künstler Gary Bevans in fünfjähriger Arbeit eine exakte Kopie der Deckenmalerei der Sixtinischen Kapelle. 1993 beendete er sein Werk, das nach wie vor weltweit die einzige Kopie in voller Größe ist.

Gary Bevans, der nie eine Kunstschule besucht hat, bekam die Inspiration für sein Werk, nachdem er 1987 eine Pilgerfahrt nach Rom unternommen und sich die Sixtinische Kapelle angesehen hatte. Er besorgte sich detaillierte Unterlagen über das Michelangelo-Gemälde und kopierte es in den Abendstunden und am Wochenende, denn er war ja berufstätig und konnte die Arbeiten in der Kirche nur in seiner Freizeit ausführen.

Als die Decke mit einer feierlichen Messe am Erntedankfest 1993 eingeweiht wurde, erhielt Gary Bevans eine spezielle Medaille ausgehändigt, die ihm der damalige Papst Johannes Paul II zukommen ließ, in Anerkennung für sein künstlerisches Schaffen für die Katholische Kirche.

Dieser Film zeigt Details des Kunstwerks.

   © Copyright nick macneill and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 20. Dezember 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Freilandskulpturen Teil 3: Der Tout Quarry auf der Isle of Portland (Dorset)

Blick vom Tout Quarry Sculpture Park auf die Isle of Portland.   © Copyright Adrian King and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Blick vom Tout Quarry Sculpture Park auf die Isle of Portland.
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Die Londoner St Paul’s Cathedral, der Buckingham Palace und das Banqueting House sind nur drei Beispiele für berühmte Gebäude, die aus Portland-Stein gebaut worden sind, jenem Naturstein, der aus den Steinbrüchen auf der Isle of Portland in der Grafschaft Dorset  herausgebrochen wird.

Einer dieser vielen Steinbrüche ist der Tout Quarry, der von 1750 bis 1982 das Baumaterial für unzählige Häuser lieferte. Nachdem er geschlossen worden war, gründete der Portland Sculpture and Quarry Trust hier einen Park, in dem Lehrgänge für Bildhauer und Steinmetze angeboten werden. Stein steht nach wie vor in jeder Menge zur Verfügung, und die Kunstwerke, die hier geschaffen worden sind, kann man besichtigen.
Die Zufahrt zum Tout Quarry erfolgt von Weymouth aus über die A354. Südlich von Fortuneswell biegt an einem Kreisverkehr die Wide Street ab, von der es wiederum zum Tradecroft Estate abgeht. Dort ist der Steinbruch zu finden.

Zahlreiche Kunstwerke sind in dem Skulpturenpark zu sehen, temporäre als auch permanente. Eine kleine Auswahl möchte ich hier vorstellen:

  • Antony Gormley ist wohl der berühmteste und bekannteste Künstler, der im Tout Quarry gearbeitet hat. „Still Falling“ heißt seine Skulptur, die er in den Stein des Tout Quarry gemeißelt hat.
  • 1992 entstand „Window“ von Justin Nichol, das sich großer Beliebtheit bei den Besuchern erfreut.
  • Eine Gruppe niederländische Bildhauer, die sich Group 85 nannte, schuf den „Circle of Stones„, in dessen Mitte ein Tisch steht, der von steinernen Sitzen umgeben ist. Dieser Steinkreis ist von einem weiteren umgeben, der aus bankartigen Steinblöcken besteht.
  • Ein Schiffswrack gestaltete die Londoner Künstlerin Rosie Leventon, das sie „Wreck“ nannte und nach einem Boot namens Lerret geformt wurde, das in dieser Region von Fischern verwendet wurde.

Dieser Film zeigt einige besonders schöne Kunstwerke in dem Steinbruch auf der Isle of Portland.

"Still Falling" von Antony Gormley.   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Still Falling“ von Antony Gormley.
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"Window" von Justin Nichol.   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Window“ von Justin Nichol.
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"Circle of Stones" von Group 85.   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Circle of Stones“ von Group 85.
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"Wreck" von Rosie leventon.   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Wreck“ von Rosie Leventon.
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Published in: on 9. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Freilandskulpturen Teil 2: Silvas Capitalis im Kielder Forest (Northumberland)

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Der Kielder Forest ist ein großes Waldgebiet im Norden Englands in der Grafschaft Northumberland. Auch hier finden wir abseits aller vielbefahrenen Wege mitten im Wald ein Kunstwerk, das auf den ersten Blick etwas erschreckend wirkt: Silvas Capitalis heißt es, also „Der Waldkopf“. Durch den weitgeöffneten Mund wird der Wanderer ermutigt, in den Kopf zu steigen, wo er Unterschlupf findet und in dem er einige Stufen nach oben steigen und aus den Augen der Figur nach draußen schauen kann.
Inspiriert wurde die US-amerikanische Künstlergruppe SIMPARCH, die Silvas Capitalis konzipierte, von der keltischen Mythologie, in der die „Watcher“ darauf aufpassten, was im Wald und mit seinen Bewohnern vor sich ging. SIMPARCH (Simple Architecture) wurde 1996 in New Mexico gegründet; ihre Werke wurden u.a. schon in der Londoner Tate Modern und bei der Kasseler Documenta ausgestellt.

Silvas Capitalis wurde 2009 aus rund 3000 Einzelteilen in einem Atelier in Kielder Village von sechs erfahrenen Künstlern zusammengesetzt. Das Holz stammt von der Europäischen Lärche. Im Laufe der Jahre hat der Wald allmählich von der Skulptur Besitz ergriffen, indem sich eine Moosschicht über den Kopf gelegt hat, was sicher im Sinne der Erbauer liegt.

Um sich Silvas Capitalis anzusehen, muss man schon eine Strecke zurücklegen, denn das Kunstwerk liegt rund eine Wanderstunde vom Kielder Castle Visitor Centre entfernt und ist über den Lakeside Way zu erreichen. Die Skulptur ist eines von mehreren Kunstwerken auf dem Art & Architecture Trail, die entlang des Kielder Water aufgestellt sind; wir finden dort zum Beispiel noch das Minotaur Maze, die Janus Chairs und das Kielder Observatory wie dieser Film zeigt.
Die Campaign to Protect Rural England hat den Kielder Forest einmal als den stillsten Ort Englands bezeichnet.

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Die Augen der Skulptur von Innen aus gesehen.   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Augen der Skulptur von Innen aus gesehen.
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Published in: on 8. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Freilandskulpturen Teil 1: „Eat For England“ von Bob Budd

Leider ist der Löffel durch Graffiti schon verunstaltet worden.   © Copyright Christine Westerback and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Leider ist der Löffel durch Graffiti schon verunstaltet worden.
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Skulpturen von namhaften Künstlern finden sich meist in Museen oder an exponierten Stellen in Städten, an denen täglich viele Menschen vorbeigehen. Ganz anders sieht es mit einem Kunstwerk aus, das in der nördlichsten Grafschaft Englands, in Northumberland, aufgestellt ist und das auch noch an einem abgelegenen Feldweg. Man kann es besichtigen, wenn man vom östlichen Ortsrand von Cramlington in Richtung Seghill geht. Dort wird  man plötzlich mit einem rund fünf Meter hohen Löffel konfrontiert, der mit der Spitze im Erdreich steckt. Dieses Kunstwerk ist eines von fünfen, die in der Region um Cramlington installiert worden sind und zum Wildspace Network gehören (die anderen heißen zum Beispiel „Footsteps in the Snow“ und „No Entry Gates“). „Eat For England“ nennt sich die Skulptur, auf die ich in meinem heutigen Blogeintrag aufmerksam machen möchte, und der Künstler heißt Bob Budd.

Budd studierte Bildhauerei in Stuttgart und hat sein Atelier in Woodbury bei Exeter in Devon. Einige seiner Werke sind auch in Österreich und in Deutschland anzutreffen.
„Eating For England“ wurde im Jahr 2006 aufgestellt und ist Teil des oben erwähnten Wildspace Networks, das damals eine kräftige Finanzspritze vom Big Lottery Fund erhielt. Bob Budd hat auch eine Erklärung parat, warum sein großer Löffel ausgerechnet auf einem Feld außerhalb eines Ortes steht. Hier draußen auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche ist der Ursprung unserer Nahrung, meint er, und dieser Löffel soll das verdeutlichen.

Ganz in der Nähe von Cramlington ist noch ein Kunstwerk zu bestaunen, über das ich in meinem Blog schon einmal geschrieben habe: The Naked Lady of Cramlington“.