Glynde Forge – Die alte Schmiede in Glynde (East Sussex) und der Künstler Thomas Gontar

The Old Forge (bevor Thomas Gontar einzog).
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Schmiede, die in früheren Zeiten in den meisten Dörfern zu finden waren, gehören heute zu der Zunft der aussterbenden Berufe. Kunstschmiede dagegen, die keine landwirtschaftlichen Geräte reparieren oder Hufbeschläge anfertigen, haben ihre feste Klientel und ihre Produkte sind gefragt. Einer von ihnen ist Thomas Gontar, der im Mai 2016 die Old Forge in Glynde in East Sussex übernommen hat. Glynde ist „just down the road“ von Glyndebourne, Englands berühmtem Opernhaus, für dessen Aufführungen es so schwer ist Karten zu bekommen.

Im Jahr 1907 wurde die alte Schmiede erbaut, so wie wir sie heute sehen; davor standen noch weitere Schmieden an dieser Stelle, die aber alle abgerissen worden sind. Vorbild für den Bau war eine Schmiede in Penshurst in Kent. Bevor Thomas Gontar die Schmiede übernahm, werkte hier Terry Tyhurst, der sich auf die Anfertigung von Wetterfahnen und eisernen Bänken spezialisiert hatte, auch restaurierte er alte Traktoren.

Im Portfolio von Thomas Gontar stehen beispielsweise kunstvoll verzierte Treppengeländer, Haustore, Kamingitter, Möbelstücke und Skulpturen. Er gibt auch eintägige Kurse im Schmieden, die in seinem alten Haus in den South Downs stattfinden. In diesem Film ist der Kunstschmied bei der Arbeit zu sehen.

Glynde Forge 
Glynde
The Street
Lewes
BN8 6SU

Im Inneren der Schmiede.
Photo © Peter Whitcomb (cc-by-sa/2.0)

The Coldstones Cut im Nidderdale – Yorkshires größtes Kunstwerk

Photo: colgregg.
Creative Commons 2.0

Westlich des Ortes Pateley Bridge im Nidderdale von North Yorkshire liegt an der B6265 ein riesiger Steinbruch, der Coldstones Quarry, in dem die Firma Hanson, die zu der deutschen HeidelbergCement AG gehört, Gestein abbaut. 700 000 Tonnen Steine pro Jahr werden aus dem bis zu 300 Meter tiefen Erdloch herausgeholt und als Baumaterial in Yorkshire verwendet. Geschätzt 15 bis 20 Jahre soll der Quarry in Betrieb sein und dann wieder Mutter Natur übergeben werden, die den Auftrag erhalten wird, das hässliche Loch erneut zu begrünen.

Am 16. September 2010 wurde oben am Rand des Steinbruchs auf dem Greenhow Hill ein Kunstwerk eingeweiht, das größte in ganz Yorkshire, das sich The Coldstones Cut nennt, und von dem aus man einen großartigen Blick auf das Nidderdale und in den Quarry hat. Die Zeremonie nahm die Direktorin von Tate Britain, Dr Penelope Curtis, vor. Den Auftrag für die Konstruktion der außergewöhnlichen Skulptur hatte Andrew Sabin erhalten, ein 1958 in London geborener und dort auch ansässiger Bildhauer, der 2011 für den Coldstones Cut den Marsh Award for Excellence in Public Sculpture in Empfang nehmen durfte. Von 2006 bis 2010 arbeitete Andrew Sabin an dem Kunstwerk, das The Guardian als „The giant of the Dales and the best public artwork of the year“ bezeichnete.

Den besten Eindruck von Steinbruch und Kunstwerk bekommt man aus der Luft wie dieser Film zeigt. Direkt neben dem Coldstones Cut trifft man auf ein überdimensionales Fahrrad mit gewaltigen Reifen, gebaut von Arbeitern des Steinbruchs, um die Tour de France zu feiern, die 2014 in Yorkshire begann.

Der Eingang zum Coldstones Cut.
Photo © Tim Heaton (cc-by-sa/2.0)
Photo © David Smith (cc-by-sa/2.0)
Der Coldstones Quarry.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 20. September 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Sudbury in Suffolk und der Maler Thomas Gainsborough (1727-1788)

Gainsboroughs Geburtshaus, das heute ein Museum beherbergt.
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

Er wurde in der Stadt Sudbury in der Grafschaft Suffolk geboren, und auch heute noch hat er seine Spuren hier hinterlassen, der weltberühmte Porträt- und Landschaftsmaler Thomas Gainsborough (1727-1788). In seinem Geburtshaus, in der nach ihm benannten Gainsborough Street Nummer 46, ist ein Museum untergebracht, das Gainsborough House, in dem zahlreiche Werke des Malers ausgestellt sind, sowie Briefe, Manuskripte und Dinge aus seinem persönlichen Besitz.

Natürlich wurde für den großen Sohn der Stadt auch ein Denkmal errichtet, am Market Hill, schräg gegenüber vom Black Boy Inn, den es zu seiner Zeit schon gab, und der heute in The Lady Elizabeth umbenannt worden ist. Die Bronzestatue zeigt Thomas Gainsborough mit einer Palette und einem Pinsel in der Hand, als wolle er den Gasthof gerade malen.

Selbstverständlich gibt es in Sudbury auch einen Pub, der nach dem Meister benannt ist, The Gainsborough in der King Street Nummer 7.

Weiterhin finden wir außerhalb von Sudbury auf dem Gelände der Houghton Hall in der Cavendish Road The Gainsborough Health Club & Day Spa. In der Gainsborough Street in Sudbury ist in der Nummer 12 etwas Ähnliches untergebracht, die Gainsborough Thai Massage & Bodywork, und auch ein Bauunternehmen hat sich nach dem Maler benannt, Gainsborough Building Contracts Ltd.

In dem kleinen Dorf Great Cornard, das zu Sudbury gehört, gibt es die Thomas Gainsborough School, die 1973 gegründet wurde. An der Northern Road steht eine Tankstelle mit dem Namen Esso MFG Gainsborough.

Eigentlich müsste das Grab des Males ja auch in Sudbury sein, doch Fehlanzeige, das findet man in London auf dem St Anne Churchyard in Kew, dort, wo die Royal Botanic Gardens jedes Jahr Besucher in Scharen anlocken.

Übrigens: Über Thomas Gainsboroughs exzentrischen Bruder John habe ich in meinem Blog schon einmal berichtet.

Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)
Die Statue des Meisters.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)
Vormals The Black Boy, heute The Lady Elizabeth.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)
Thomas Gainsboroughs Grab auf dem St Anne Churchyard in Kew.
Photo: Granpic.
Creative Commons 2.0

Silvanus Trevail (1851-1903) – Ein Architekt aus Cornwall

Trevails Meisterwerk: Das Headland Hotel in Newquay.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Der Name Silvanus Trevail, obwohl sehr markant und ungewöhnlich, ist heute selbst in seiner Heimat Cornwall kaum noch bekannt, obwohl er ein Architekt im 19. Jahrhundert war, der zahllose Bauwerke in der Grafschaft geschaffen hat. Er wurde 1851 in dem Dorf Trethurgy in Cornwall geboren und starb 1903 auf tragische Weise, in dem er sich in der Toilette eines Zuges erschoss, mitten im Brownqueen Tunnel auf der Strecke von Truro nach Bodmin. Trevail litt an Depressionen. Sein Grab liegt auf dem Kirchhof von
in Luxulyan, ganz in der Nähe seines Geburtsortes.

Silvanus Trevails Spezialitäten als Architekt waren Schulen und Hotels. Etwa 50 Schulen hatte er in Cornwall konzipiert und viele weitere Gebäude, die vorwiegend in den Orten St Austell und Truro zu finden sind. In letzterer Stadt war er auch eine Zeit lang Bürgermeister.

1890 gründete er die Cornish Hotels Company, mit dem Ziel, eine Reihe von Luxushotels zu erbauen. Doch finanzielle Probleme hinderten ihn daran, den Plan in großem Stil umzusetzen. Schon in den 1870er Jahren hatte Trevail die Pläne für das Great Western Hotel in Newquay an der kornischen Nordküste erstellt, das 1879 eröffnet wurde. 1892 folgte ein weiteres Hotel in Newquay nach Trevails Plänen, das Atlantic Hotel (in dem die Beatles 1967 für die Dreharbeiten an dem Film „Magical Mystery Tour“ wohnten). Das Highlight von Trevails Hotelbauten war aber das Headland Hotel, ebenfalls in Newquay, das im Juni des Jahres 1900 fertig gestellt und eröffnet wurde. Die Bewohner Newquays wussten das nicht zu schätzen und es kam zu gewalttätigen Protesten, denn das Hotel stand ihrer Meinung nach auf Gemeindeland, das bis dato für andere Zwecke genutzt wurde. Trotz allem, das Headland Hotel prosperierte und sogar Royals quartierten sich dort ein. Szenen des Films „The Witches“ (dt. „Hexen hexen“) aus dem Jahr 1990, nach dem gleichnamigen Buch von Roald Dahl, wurden hier im Hotel gedreht.

Die meisten Gebäude des kornischen Architekten stehen noch heute, und er hätte es verdient, auch noch nach weit über hundert Jahren, bekannter zu sein.

Das Buch zum Artikel:
Ronald Perry and Hazel Harradence: Silvanus Trevail – Cornish Architect and Entrepreneur. Francis Boutle Publishers 2008. 245 Seiten. ISBN 978-1903427439.

The Great Western Hotel in Newquay.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)
The Atlantic Hotel in Newquay.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)
Die Einfahrt zum Brownqueen Tunnel, in dem sich Silvanus Trevail das Leben nahm.
Photo © roger geach (cc-by-sa/2.0)
St Cyriacus and St Julitta in Luxulyan, die letzte Ruhestätte des Architekten.
Photo © Rod Allday (cc-by-sa/2.0)

The Knutsford Millennium Tapestry – Ein Mammutwerk der Stickerei in Cheshire

Photo: Kollage Kid.
Creative Commons 2.0

Das Heritage Centre der Stadt Knutsford in der Grafschaft Cheshire liegt in einem alten Haus aus dem 17. Jahrhundert in der King Street, betrieben ausschließlich von ehrenamtlichen Helfern, die Spaß daran haben, sich mit der Geschichte ihrer Stadt zu beschäftigen (zu Knutsford siehe auch meinen anderen Blogeintrag).

Das Prunkstück des Heritage Centres ist The Knutsford Millennium Tapestry, ein riesiges Stickerei-Gemälde, das zur Jahrtausendwende entstand und an dem 3000 Ehrenamtliche mitgewirkt haben. Es ist über zwölf Meter lang, besteht aus drei Teilen und zeigt das Leben in der Stadt im Jahr 2000. Die Stickerei benötigte 6 500 000 Stiche bis sie fertiggestellt war, ein wahres Mammutwerk. Die damalige Bürgermeisterin Jennifer Holbrook hatte die Idee, und die erfahrene Näherin Sue Newhouse übernahm die Aufsicht über die Herstellung des Kunstwerks, was alles in allem vier Jahre dauerte.

Auf dem Wandteppich sind unendlich viele Szenen aus dem Alltagsleben der Stadt Knutsford zu sehen, in der rund 13 000 Menschen leben. So gut wie jede Straße und jedes Haus ist abgebildet. Wenn man genau hinschaut, erkennt man den ehemaligen MP Martin Bell vor dem Longview Hotel in der Manchester Road, sieht Booths Supermarkt in der Stanley Road oder kann zusehen wie Feuerwehrleute eine Katze vom Dach eines Pubs retten. Man würde Stunden dafür brauchen, um auch nur einen Teil der Tapestry würdigen zu können.

Als der Wandteppich zehn Jahre lang im Heritage Centre hing, hatten sich nicht nur Tausende von Besuchern an ihm erfreut, sondern leider auch ganze Heerscharen von Teppichkäfern, die ihn zum Fressen gern hatten. Also musste eine groß angelegte Reinigung und Konservierung in die Wege geleitet werden, die £20 000 kostete, eine Summe, die durch Spenden aus der Bevölkerung und der Geschäftswelt aufgebracht wurde. Auch während des Corona-Lockdowns erhielt der Wandteppich noch einmal eine Reinigung, so dass er jetzt wieder in neuem Glanz erstrahlt.

Dieser sehr interessante Film zeigt Details des Wandteppichs und stellt sie den echten Gebäuden gegenüber.

Knutsford Heritage Centre
90a King Street
Knutsford, WA16 6ED

Hier im Knutsford Heritage Centre ist der Wandteppich untergebracht.
Photo © Mary Gracie (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 20. Juli 2022 at 02:00  Comments (1)  

Der vierte Sockel auf dem Trafalgar Square in London – Ausstellungsort für zeitgenössische Künstler

„Alison Lapper Pregnant“ von Marc Quinn.
Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

Der Trafalgar Square in London ist sicher einer der bekanntesten Plätze Großbritanniens; die Nelson-Säule und die Löwen, die Horatio Nelson zu Füßen liegen, gehören zum Programm jedes London-Touristen. Der Platz wird von vier Sockeln eingerahmt, von denen drei besetzt sind, mit den beiden Generälen Charles James Napier und Henry Havelock und dem Reiterstandbild Georgs IV.
Der vierte Sockel ist leer, das heißt, er war viele Jahre verwaist. William IV sollte dort ursprünglich mit einem Standbild geehrt werden, aber man hatte schlichtweg kein Geld dafür und so blieb der Sockel leer. Bis man auf die Idee kam, ihn für künstlerische Zwecke zu verwenden, und diese Idee war von Erfolg gekrönt. 1999 wurde das „Fourth Plinth Project“ ins Leben gerufen und der vierte Sockel stand von nun an als Ausstellungsort für zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler zur Verfügung.

Hier sind einige Beispiele:
2005 sorgte Marc Quinn mit seiner Skulptur „Alison Lapper Pregnant“ für Diskussionen, die die hochschwangere nackte Künstlerin Alison Lapper zeigte, die ohne Arme und mit verkürzten Beinen auf die Welt kam.

Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt Anthony Gormleys Projekt „One and Other“ im Jahr 2009. 100 Tage lang konnten sich Menschen nonstop für jeweils eine Stunde auf den Sockel stellen und dort tun, was immer sie wollten.

Der nigerianisch-britische Künstler Yinka Shonibare war als nächster dran, und er hatte die Idee ein großes Buddelschiff auf den Sockel zu stellen. Der Titel: „Nelson’s Ship in a Bottle„.

Die Düsseldorferin Katharina Fritsch durfte 2013 ihren ultramarin-blauen Riesenhahn auf dem vierten Sockel zur Schau stellen.

Von 2016 bis 2018 zierte ein nach oben gereckter Daumen den Sockel. „Really Good“ nannte David Shrigley sein Kunstwerk.

Aktuell, noch bis September diesen Jahres, kann man „The End“ von Heather Phillipson betrachten, das einen Klacks Sahne mit einer Kirsche obendrauf zeigt, an der eine Drohne angebracht ist, die Bilder von den Passanten auf einen Bildschirm projiziert. Eine Fliege ist auch noch an der Sahne befestigt.

Anthony Gormley: One and Other.
Photo © Steve Fareham (cc-by-sa/2.0)
„Nelson’s Ship in a Bottle“ von Yinka Shonibare.
Photo © Robin Sones (cc-by-sa/2.0)
„Hahn/Cock“ von Katharina Fritsch.
Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)
„Really Good“ von David Shrigley.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)
„The End“ von Heather Phillipson.
Photo © Bartolo Creations (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 3. Juli 2022 at 02:00  Comments (1)  

Der Sänger Nick Drake (1948-1974) und Bury St Edmunds in Suffolk

The Angel Hotel.
Photo: Martin Pettitt.
Creative Commons 2.0

Einen richtigen Durchbruch im Musikgeschäft hatte der englische Sänger und Songwriter Nick Drake (1948-1974) nie geschafft und ist in der breiten Öffentlichkeit auch nicht besonders bekannt gewesen. Er wurde nur 26 Jahre alt und starb an einer Überdosis Anti-Depressiva. Dass er kein sehr glücklicher Mensch gewesen war, ist seinen Songs anzuhören. Ich habe in einem früheren Blogeintrag über ihn in Zusammenhang mit dem Kirchhof von St Mary Magdalene und seinem Grab in Tamworth-in-Arden in Warwickshire geschrieben.

Nick Drake hielt sich einmal eine Zeit lang in der Stadt Bury St Edmunds auf und wohnte im Angel Hotel am Angel Hill, direkt gegenüber vom Abbey Gate, durch das man in die Abbey Gardens gelangt. Der Blick vom Hotelfenster inspirierte ihn zu seinem Song „Gates to the Garden„, der im Jahr 2001, also viele Jahre nach seinem Tod, als Remastered Version auf dem Album „No More Shall We Part“ veröffentlicht wurde.

In Bury St Edmunds hatte man sich sicher darüber gefreut, dass die Stadt in diesem Lied besungen wurde. Nick Drake schildert darin einen Spaziergang, der am Angel Hotel mit seiner efeuumrankten Fassade beginnt und ihn über den Athenaeum Lane zur St Edmundsbury Kathedrale führt. Dort lässt er sich auf dem Kirchhof auf einer Bank nieder und denkt über die Schicksale der Menschen nach, die hier beerdigt worden sind. Die Glocke der Kathedrale erinnert ihn an eine Verabredung mit einer Freundin (?), die auch auf ihn wartet („Alive and leaning on the gates of the garden“). Das Lied endet mit den Zeilen:

„Leave these ancient places to the angels
Let the saints attend to their keeping of the cathedrals
And leave the dead beneath the ground so cold
For God is in this hand that I hold
As we open up the gates of the garden“

Wunderschön ausgedrückt! Hier ist der Song zu hören.

Einen Besuch in Bury St Edmunds kann ich sehr empfehlen, im besonderen der Kathedrale und den sehr schönen Abbey Gardens, vor allem dem Appleby Rose Garden.

Abbey Gate.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)
Athenaeum Lane.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)
St Edmundsbury Cathedral.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 29. Juni 2022 at 02:00  Comments (1)  

Cookham in Berkshire – Heimatort des Malers Stanley Spencer (1891-1959)

Die Stanley Spencer Gallery.
Eigenes Foto.

Auf dem Weg zum Cliveden Hotel, wo ich übernachten wollte (s. dazu auch meinen Blogeintrag), kam ich durch das hübsche Dorf Cookham in Berkshire (das zu den wohlhabendsten Englands zählt), das vor allem durch zwei Männer bekannt geworden ist. Kenneth Grahame schrieb hier den Kinderbuch-Klassiker „The Wind in the Willows“ (dt. „Der Wind in den Weiden“) und der Maler Sir Stanley Spencer verbrachte in Cookham einen großen Teil seines Lebens.

Spencer wurde 1891 in diesem Ort in Berkshire geboren, und er starb 1959 ganz in der Nähe im Canadian War Memorial Hospital, das auf dem Gelände des heutigen Cliveden Hotels lag und 2006 abgerissen wurde.

Für Sir Stanley spielten sowohl Cookham als auch die hier vorbeifließende Themse eine große Rolle in seinem künstlerischen Schaffen; so tauchen immer wieder Szenen aus dem Dorfleben in seinen Bildern auf. Auch in seinen religiös geprägten Werken verwendet er Motive aus Cookham, so zum Beispiel in „The Resurrection, Cookham„, das in der Londoner Tate Gallery hängt. Hier wird der Kirchhof zum Ort der Auferstehung der dort Begrabenen. Spencer selbst ist auf dem Bild zusehen, er lehnt sich nackt gegen einen Grabstein. Auch seine Verlobte Hilda ist auf dem Bild verewigt: Sie liegt schlafend auf einem Bett aus Efeu.

Wer sich für das Werk der Malers interessiert, der sollte sich die Stanley Spencer Gallery in Cookham ansehen, die über hundert Bilder und Zeichnungen des Künstlers ausstellt. Hier ist ein Film über die Galerie.

Das Grab Spencers ist auf dem Holy Trinity Churchyard in Cookham zu finden.

Die Holy Trinity Church.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
Spencers Grabstein.
Photo: Jayembee69.
Creative Commons 2.0
Die Themse in Cookham.
Eigenes Foto.
Published in: on 14. April 2022 at 02:01  Comments (3)  

John Barry (1933-2011) – Einer der größten Filmmusik-Komponisten aller Zeiten und die Stadt York

John Barry in der Londoner Royal Albert Hall.
Photo: Geoff Leonard.
Creative Commons 1.0

Unter meinen persönlichen Top 10-Filmmusikthemen steht auf Platz 1 die Titelmusik zu der TV-Serie „The Persuaders„, die, unter dem Titel „Die Zwei„, mit Roger Moore und Tony Curtis in den Hauptrollen, im deutschen Fernsehen gezeigt wurde. Hier ist sie zu hören.
Komponiert hat das Musikstück John Barry, einer der besten in seinem Fach, der vor allem durch die vielen James Bond-Filme berühmt wurde, für die er die Titelmusik schrieb. Barry verwendete für „The Persuaders“ Moog Synthesizer, die in den 1970er Jahren verstärkt eingesetzt wurden. Die Titelmusik erreichte in einigen europäischen Ländern sogar die Charts.

John Barry wurde 1933 in der Stadt York in North Yorkshire geboren und starb 2011 auf der anderen Seite des Atlantiks in New York. Eigentlich hieß er mit richtigem Namen John Barry Prendergast, doch trennte er sich später von dem etwas sperrigen Nachnamen und entschied sich für das griffigere John Barry.

Er erblickte das Licht der Welt am 3. November in Yorks Holgate Nursing Home als drittes Kind von Jack Xavier und Doris Prendergast. Seine Mutter war Konzertpianistin, sein Vater betrieb acht Kinos im Norden Englands, daher wurde seinem Sohn wohl die Liebe zu Musik und zu Kinos schon in die Wiege gelegt. Die Familie lebte in York erst in der Hull Road Nummer 167, im Südosten der Stadt, zog dann später in das schöne Fulford House in der Main Street Nummer 45 im Stadtteil Fulford. Hier verbrachte John Barry seine Kindheit und Jugend; heute befindet sich in dem Haus das York Pavilion Hotel. Er besuchte zuerst die Bar Convent Roman Catholic Primary School in der Mill Mount Lane, dann die St Peter’s School, eine der ältesten Schulen der Welt, im Stadtteil Clifton an der A19 gelegen. Im Alter von 14 Jahren arbeitete der junge John Barry bereits als Filmvorführer im seinem Vater gehörenden Rialto Cinema in der Straße Fishergate, einem Kino mit 1800 Plätzen, das bis zum Oktober 1961 die Bewohner der Stadt mit aktuellen Filme erfreute, dann in eine Bingohalle umgewandelt und schließlich im Jahr 2003 abgerissen wurde, um Platz für den neuen riesigen Mecca Bingo Club und seinen Parkplatz zu schaffen.

John Barry spielte in einer Jazzband bevor er seine eigene John Barry Seven-Band gründete (hier ein Live-Auftritt), die zeitweise zusammen mit dem damals äußerst populären Sänger Adam Faith spielte, der ihm den Weg in das Filmbusiness öffnete, bei dem Barry seine Lebenserfüllung fand.

Es gibt in York auch eine blaue Plakette, die an den Filmkomponisten erinnert, und zwar am York Pavilion Hotel, initiiert vom York Civic Trust. Am 20. Juni 2017 wurde sie in Anwesenheit der Prendergast-Familie enthüllt.

The Pavilion Hotel alias Fulford House.
Photo © Gordon Hatton (cc-by-sa/2.0)
The St Peter’s School.
Photo © DS Pugh (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 13. April 2022 at 02:00  Comments (4)  

Cambridges zeitfressende Uhr des Corpus Christi Colleges

Eigenes Foto

Ein Chronophage ist ein Zeitfresser, und so frisst die Corpus Clock, die an der Taylor Library des Corpus Christi Colleges in der Trumpington Street in Cambridge angebracht ist, die Zeit, wie von ihrem Schöpfer John C. Taylor auch gewünscht.
Am, 19. September 2008 enthüllte niemand Geringeres als Stephen Hawking dieses fantastische Meisterwerk, an dem Taylor und weitere 200 Menschen 5 Jahre lang gearbeitet haben und das etwa £1 Million gekostet haben soll.
Es handelt sich hier um eine mechanische Uhr auf der sich blaue Lichtdioden in unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegen und die Zeit anzeigen. Zeiger gibt es hier nicht. Angetrieben wird die Corpus Clock von den Beinen eines Grashüpfers, der die Sekunden frisst. Das Prinzip geht auf den britischen Uhrmacher John Harrison zurück, der den speziellen Aufzugsmechanismus um 1772 erfand.

John C. Taylor hatte in den 50er Jahren am Corpus Christi College studiert und die Uhr der Universität geschenkt. „The strangest clock in the world“ wurde von dem US-Magazin TIME zu den besten 50 Erfindungen des Jahres 2008 gezählt.

Hier ist ein Film über die Uhr.

Photo © Dave Hitchborne (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 30. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Ashley Jackson: „Framing the Landscape“

Das Wessenden Moor.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Many people look but only a few see“ meint der Künstler Ashley Jackson aus West Yorkshire. Jackson, geboren 1940, lebt in Holmfirth bei Huddersfield, dort, wo die Erfolgs-TV-Serie „Last of the Summer Wine“ gedreht worden ist. Und hier hat er auch seine Galerie.

Ashley Jackson ist ein international anerkannter Landschaftsmaler, der mit seiner nordenglischen Heimat eng verbunden ist. Auf der Grundlage der obigen Aussage von ihm hat er das Projekt „Framing the Landscape“ geschaffen, das einfach, aber auch genial ist. In Zusammenarbeit mit dem National Trust hat er an fünf Stellen in den Mooren von Yorkshire Staffeleien mit einem leeren Rahmen aufgestellt. Stellt man sich jetzt vor diesen Rahmen sieht man durch ihn hindurch einen Ausschnitt der Landschaft, ein Gemälde, das die Natur geschaffen hat und das ganz anders wirkt als wenn dieser Rahmen nicht da wäre. Einen dieser Rahmen finden wir bei den Brimham Rocks in North Yorkshire wie dieser Film zeigt. Die anderen Orte sind die Hardcastle Crags bei Hebden Bridge, das Wessenden Moor, Holme Moss und Roseberry Topping, ein Hügel bei Great Ayton in North Yorkshire.

Lassen wir den Künstler noch einmal zu Wort kommen: „The Landscape is more than just a view, and with Framing the Landscape I hope that others will see it as I do using all your senses to engage, to feel the rain on your face, to smell the bracken, to hear the skylark and to value all these simple pleasures„. Wunderschön ausgedrückt!

Hier ist ein Film über das Projekt.

Holme Moss.
Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)
Noch einmal Holme Moss, aus einer etwas anderen Perspektive.
Photo © Chris Morgan (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 27. März 2022 at 03:00  Kommentar verfassen  

Der englische Komponist Malcolm Arnold (1921-2006) und ein höchst absonderliches Musikstück

Photo: Nynexman4464.
Creative Commons 2.5

Am 21. Oktober 1921 wurde  er in Northampton geboren, und er starb am 23. September 2006 in Norfolk: Malcolm Arnold, Komponist und Träger des Verdienstordens CBE. Seine Kompositionen sind breit gefächert; er schrieb Orchesterwerke, darunter Irish, Scottish, Cornish und Welsh Dances, und 132 Filmmusiken, von denen am bekanntesten wohl die Musik zu „Die Brücke am Kwai“ (1958) war.

1956 schrieb er ein Werk mit dem merkwürdigen Titel „A Grand Grand Overture opus 57, für 3 Staubsauger, 1 Bodenpolierer, 4 Gewehre und Sinfonieorchester„. Das war Arnolds Beitrag zu den sogenannten „Hoffnungs Concerts„, die am 13. November 1956 in der Londoner Royal Festival Hall stattfanden. Bei den Proben zu dem Werk soll es hoch her gegangen sein: Die Musiker sollen in schallendes Gelächter ausgebrochen sein, als sie die Geburt eine der witzigsten Sinfonien miterlebten beziehungsweise daran beteiligt waren.

Wo passt so ein Musikstück besser hin, als in die berühmten „Last Night of the Proms„?

Hier ist die „Grand Grand Overture“ zu sehen und zu hören.

Published in: on 21. März 2022 at 02:00  Comments (2)  

Surrealistische Picknicks im Farleys House in Muddles Green (East Sussex)

Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Farleys House, Muddles Green, Chiddingly, East Sussex, BN8 6HW„, so oder ähnlich hätten seinerzeit die Künstler Pablo Picasso, Max Ernst, Joan Miro und Man Ray die Adresse in ihre Navigationsgeräte eingeben müssen, um zu dem Dörfchen Muddles Green zu gelangen…wenn es diese Geräte damals schon gegeben hätte. Sie alle kamen hierher nach East Sussex, um ihre Freunde Lee Miller und Roland Penrose zu besuchen. Lee Miller (1907-1977) war zuerst Fotomodell, später stand sie selbst hinter der Kamera und wurde berühmt als Kriegsfotografin. Verheiratet war sie mit dem surrealistischen Künstler Roland Penrose (1900-1984) und beide zogen 1948 in das Farleys House in Muddles Green, wo sie auch starben.

Roland Penrose hatte sich in dem Haus eine umfangreiche Sammlung von surrealistischen Bildern zugelegt, aber auch von Plastiken und Skulpturen. In der Farleys Gallery kann man sich die Sammlung ansehen, die 2020 eröffnete Lee Miller Gallery steht für Ausstellungen zur Verfügung. Beide Galerien sind für die Öffentlichkeit zugänglich, von April bis Oktober jeweils donnerstags und sonntags von 10 Uhr bis 16.30 Uhr.

Seit 2017 wird im Garten des Farley House jeweils im August ein „Surrealist Picnic“ veranstaltet, bei dem sich die Gäste entsprechend kleiden sollen, wobei der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. Auch das Essen ist surrealistisch gestaltet, so gab es bei der ersten Gartenparty unter anderem beleuchtete Kakerlaken in blauem Gelee zu essen. Farben spielen bei der Zusammenstellung des Picknicks eine große Rolle, da gab es bisher Muddles Green green chicken, Pink cauliflower breasts, blue pasta salad und marshmallow Coca Cola ice cream.
Das nächste Picknick findet am 28. August 2022 statt, hoffen wir, dass das Wetter besser sein wird als im Jahr 2018; damals goss es wie aus Kannen, und die Gäste mussten sich in das Haus zurückziehen.

Hier ist ein Film über Man Ray und Lee Miller, mit Antony Penrose als Führer durch Farleys House.

The Fallen Giant von Michael Werner im Garten vom Farleys House.
Photo © Robin Stott (cc-by-sa/2.0)
Sea Creature von Antony Penrose (Lees und Rolands Sohn).
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 20. Januar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Lower Peover in Cheshire Teil 2: The Tree of Imagination

Photo: Wildlife Terry.
Creative Commons 2.0

Wo in Lower Peover der Free Green Lane und der Broom Lane zusammentreffen, stand einmal ein Baum, der schon bessere Tage gesehen hatte und abgestorben war. Man wollte ihn aber nicht einfach fällen, und so entstand die Idee, ihn in einer Höhe von etwa drei Metern abzuschneiden und den verbleibenden Stamm nett zu verzieren. Es entstand 2015 der Tree of Imagination. Um das Stamminnere vor Feuchtigkeit zu schützen, wurde ein Dach installiert und, damit sich auch Tiere in dem Baum wohlfühlen können, je eine „Wohnung“ für Eulen und für Fledermäuse.

Weiterhin sind in den Baumstamm kleine Öffnungen für Fenster und Türen hineingeschnitten worden; zu den Türen führen Treppenstufen und aus dem obersten Fenster ragt eine Kanone, die die potentiellen Feinde des Tree of Imagination wohl abschrecken soll.

Der Baum ist ein gemeinschaftliches Projekt der Dorfbewohner, die fachmännische Hilfe durch Holzspezialisten aus der Region bekommen haben wie einen Kettensägenbildhauer, Schreiner, Holzhändler und so weiter.

Ich finde, der Tree of Imagination ist eine tolle Idee. In diesem Film kann man ihn sich aus der Nähe ansehen.

Photo: Wildlife Terry.
Creative Commons 2.0
Published in: on 7. Januar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Lucy Shapland – Eine junge Künstlerin aus Dorset und ihre Wildlife Art

Foto meines tea towels.

Vor einigen Jahren stellte ich in meinem Blog die Künstlerin Nicola Metcalfe aus Marlow in Buckinghamshire vor, die ich mittlerweile auch schon zweimal persönlich treffen und kennenlernen konnte und deren künstlerische Tätigkeit ich sehr schätze.

Lucy Shapland aus Dorset erinnert mich an Nicola, obwohl ihr künstlerisches Schaffen unterschiedlich ist. Beide entwerfen zum Beispiel Grußkarten und „tea towels“. Lucy Shapland hat sich auf Tiermotive spezialisiert, denn ihr Leben lang lagen ihr Tiere am Herzen. Sie hat Zoologie studiert, und sie arbeitete als Tierpflegerin im Longleat Safari Park in Wiltshire. Dann entdeckte sie ihre künstlerische Ader und widmet dieser immer mehr Zeit.

Ich bekam diese Weihnachten von Lucys Tante Lynda Pattison aus Cardiff ein tea towel geschenkt, das ein wunderschön gemaltes Alpaka zeigt mit der Aufschrift „Did Somebody Say Cake?“. Als Geschirrabtrockentuch ist mir das eigentlich zu schade, und ich werde es einrahmen.

Ich bin schon seit vielen Jahren mit Lucys Tante befreundet und davor mit Lucys Großmutter Janet Shapland, die ich in Moorlinch in Somerset kennenlernte, wo sie im Shop eines Weingutes arbeitete. Leider ist Janet vor einigen Jahren verstorben.

Ich wünsche Lucy Shapland viel Erfolg mit ihren künstlerischen Tätigkeiten; ausgestellt hat sie ihre Werke schon, wie in der Mall Gallery in London und im Salisbury Art Centre.

Published in: on 28. Dezember 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Zwei Bänke in Liverpool mit Beatles bezogenen Themen Teil 2: Die Eleanor Rigby-Bank in der Stanley Street

Photo © john driscoll (cc-by-sa/2.0)

Am 5. August 1966 erschien eine Single der Beatles mit gleich zwei A-Seiten: „Yellow Submarine“ und „Eleanor Rigby„. Beides sind Welthits geworden; ich möchte mich heute aber nur mit dem zweiten Song beschäftigen.
All the lonely people where do they all come from“ heißt es dort, und eine Frau namens Eleanor Rigby steht im Mittelpunkt des Songs, eine einsame Frau, ohne Freunde, die auch einsam stirbt („Died in the church and was buried along with her name Nobody came„) und vom Pfarrer McKenzie beerdigt wird. John Lennon und Paul McCartney müssen wohl an dem Tag, an dem sie diesen Song schrieben, ziemlich depressiv gewesen sein.

In der Stanley Street in Liverpool, ganz in der Nähe des Cavern Clubs, ist für Eleanor Rigby eine Gedenkbank errichtet worden, auf der sie auf der einen Seite sitzt und noch Platz lässt für andere. Niemand Geringeres als der Rocksänger Tommy Steele hat diese Figur entworfen und auch hergestellt. Steele feierte in den 1950er und 1960er Jahre seine größten Erfolge als Sänger und Schauspieler. Nur wenige wussten, dass er auch in späteren Jahren ein guter Bildhauer war. Tommy Steele bot der Stadt Liverpool an, die Statue von Eleanor Rigby für „Half a sixpence“ anzufertigen, so lautete der Titel eines seiner Filme aus dem Jahr 1967. Liverpool akzeptierte gern und am 3. Dezember 1982 wurde die Bank in der Stanley Street mit der Bronzefigur namens Eleanor Rigby vom Künstler persönlich eingeweiht. Auf einer Plakette hinter der Bank steht geschrieben:
„ELEANOR RIGBY
DEDICATED TO
„ALL THE LONELY PEOPLE…“
This statue was sculpted and donated to the City of Liverpool
by Tommy Steele as a tribute to the Beatles.
The casting was sponsored by the Liverpool Echo.
DECEMBER 1982″

Eine Bemerkung am Rande: Auf dem Friedhof der St Peter’s Parish Church in Woolton, einem Stadtteil im Südosten Liverpools, gibt es einen Grabstein, auf dem tatsächlich der Name Eleanor Rigby eingemeißelt ist, die am 10. Oktober 1939 im Alter von 44 Jahren starb. Die Beatles haben immer abgestritten, dass sie den Namen als Anregung für ihren Song genommen haben und von dem Grabstein gar nichts wussten. War das wirklich Zufall? Hier ist ein Film über die Grabstelle.

Photo © Peter Tarleton (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 27. Dezember 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Stadt Manchester und die Arbeitsbienen

„22 Bees“ von Russell Meeham.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Auf dem Logo der Brauerei Boddingtons, in Manchester ansässig, ist eine Biene zu sehen und schon seit den Zeiten der Industriellen Revolution gilt die „worker bee„, die Arbeitsbiene, als Symbol der Stadt Manchester. Die fleißigen Arbeiter in den Fabriken der Stadt wurden immer wieder mit Arbeitsbienen verglichen. Man findet Bilder von Bienen auf den städtischen Abfallkörben, auf dem Zifferblatt der großen Uhr am Palace Hotel und auf dem Mosaikfußboden der Town Hall.

Nach dem verheerenden Selbstmordattentat vom 22. Mai 2017, als sich nach einem Konzert der US-amerikanischen Sängerin Ariana Grande ein Islamist in der Manchester Arena in die Luft sprengte und dabei 22 Besucher mit in den Tod riss (es gab über 800 Verletzte) fanden sich die traumatisierten Bewohner der Stadt unter dem Symbol der Arbeitsbiene wieder zusammen. Es gab eine Welle der Hilfsbereitschaft für die flüchtenden Konzertbesucher; Taxifahrer boten kostenlose Heimfahrten an und Hotels in der Nähe des Tatortes öffneten ihre Häuser für kostenfreie Übernachtungen.

In einigen Tattoostudios in Manchester konnte man sich umsonst ein Bienen-Tattoo stechen lassen, wenn man dafür eine Spende für die Opfer des Attentats gab. Der Straßenkünstler Russell Meeham schuf im Auftrag der Manchester Evening News ein riesiges Wandbild, „22 Bees„, das an die 22 Opfer erinnern sollte.

Bee in the City“ hieß ein Event in der Stadt, bei dem vom 23. Juli bis zum 23. September 2018 über 100 Bienenskulpturen aus Fiberglas aufgestellt worden waren.

Beespotting“ lohnt sich in den Straßen von Manchester, man wird die fleißigen Insekten an vielen Stellen finden.

Das Ziffernblatt auf der Uhr des Palace Hotels.
Photo: Gene Hunt.
Creative Commons 2.0
Eine Biene auf dem Mosaikfußboden der Town Hall.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Eine Christmas Bee auf dem Exchange Square.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Eine der „Bee in the City“-Bienen.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 8. Dezember 2021 at 02:00  Comments (3)  

„Le Kov“ – Ein Album von Gwenno Saunders, ganz in kornischer Sprache

Author: dullhunk.
Creative Commons 2.0

Wie in Schottland und in Wales gibt es auch in der Grafschaft Cornwall Unabhänigkeitsbestrebungen, allerdings nur auf kleiner Flamme. Über das Thema habe ich vor einigen Jahren in meinem Blog geschrieben.

Die kornische Sprache wird noch in einem gewissen Maße gepflegt, und vor drei Jahren erschien ein Album der Sängerin Gwenno Saunders, das den Titel „Le Kov“ trägt, auf dem nur Lieder in dieser Sprache enthalten sind. „Le Kov“ bedeutet „Ein Ort der Erinnerung“. Gwenno Saunders ist Waliserin und hat auch Songs auf Walisisch veröffentlicht.

Angeregt zu ihrem Album, deren Stücke sie alle selbst komponiert hat, wurde sie dadurch, dass die britische Regierung vor fünf Jahren die Finanzierung zu Maßnahmen zur Förderung der kornischen Sprache kürzte. Das Album trug dazu bei, dass sich mehr Menschen für die Minoritätensprache interessierten und dass mehr Studenten ihre Prüfung auf kornisch ablegten.

The Guardian zählte 2018 „Le Kov“ zu den 50 besten Alben des Jahres.

Hier ist als Beispiel der Song „Tir Ha Mor“ zu hören („Land und Meer“).

Published in: on 23. November 2021 at 02:00  Comments (4)  

Pierre Vivants Traffic Light Tree am Trafalgar Way im Londoner Stadtteil Poplar

Author: Loco Steve.
Creative Commons 2.0

Es gab einen ziemlich großen Aufschrei als man im Dezember 2011 den Westferry Traffic Light Tree auf der Isle of Dogs im Londoner Canary Wharf-Bezirk von seinem Standort entfernte. Der französische Bildhauer Pierre Vivant hatte das acht Meter hohe und aus 75 blinkenden, computergesteuerten Verkehrsampeln bestehende Kunstwerk von 1995 bis 1998 geschaffen und es wurde mitten auf einem Kreisverkehr aufgestellt, wo es den Verkehr nicht regeln sollte.

Im Zuge der Umgestaltung des Kreisverkehrs wurde der Traffic Light Tree dort weggenommen und zwischengelagert.
Es gab auch Stimmen, die die Entfernung des dauerblinkenden Ampelgestrüpps begrüßten. Immer wieder hatte es ortsfremde Autofahrer gegeben, die davon irritiert waren und nicht wussten, ob nun die Kreisverkehrsregelung hier galt oder eine der auf Rot, Gelb oder Grün stehenden Ampeln.

Die Versicherungsgesellschaft Saga führte im Jahr 2005 eine Umfrage nach den besten und den schlechtesten Kreisverkehren Großbritanniens durch und Sieger in der Kategorie bester beziehungsweise schönster Kreisverkehr wurde unser Roundabout mit dem Ampelbaum (Platz 2 erreichte erstaunlicherweise  „The Plough“ in Hemel Hampstead, den ich in meinem Blog schon vorgestellt habe).

The Sculpture imitates the natural landscape of the adjacent London Plane Trees, while the changing pattern of the lights reveals and reflect the never ending rhythm of the surrounding domestic, financial and commercial activities„, so beschreibt Pierre Vivant sein Kunstwerk, das dort aufgestellt worden war, wo bis dahin eine vor sich hin kümmernde Platane stand, die wohl die Autoabgase nicht mehr verkraften konnte.

Für den zwischengelagerten Traffic Light Tree wurde ein neues Zuhause gefunden und zwar nicht weit weg von der vorigen Stelle. Am 20. Januar 2014 wurde das Kunstwerk feierlich dem Verkehr übergeben auf, einem Roundabout am Trafalgar Way, ganz in der Nähe des Billingsgate Markets. Hier ist der Verkehrsampelbaum in voller Aktion zu sehen.

Pierre Vivant, der Schöpfer des Ampelbaums, wurde 1952 geboren und arbeitet sowohl in Paris als auch in Oxford.

Der Ampelbaum an seiner ursprünglichen Stelle.

Photo © Wendy North (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Knife Angel – Eine beeindruckende Skulptur, die auf die steigende Messerkriminalität aufmerksam macht

The Knife Angel vor der Kathedrale von Chester.
Photo © John S Turner (cc-by-sa/2.0)

Immer wieder liest und hört man von Verbrechen in London, bei denen Messer im Einsatz waren. Die steigende Messer-Kriminalität macht den Bewohnern der Stadt zunehmend Sorge. Doch auch außerhalb der Hauptstadt werden immer häufiger Messer verwendet, mit der Folge, dass Menschen schwer verletzt oder getötet werden.

Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen entstand im Jahr 2018 das National Monument Against Violence & Aggression, kurz The Knife Angel genannt. Geschaffen wurde der „Messerengel“ von dem Londoner Künstler Alfie Bradley, in Zusammenarbeit mit dem British Ironworks Centre in Oswestry in Shropshire. Alfie Bradley hat sich einen Namen gemacht durch seine ungewöhnlichen Kunstwerke wie dem Spoon Gorilla, der aus 40 000 Löffeln besteht, und der für den Löffelverbieger Uri Geller hergestellt wurde.

Für seinen fast neun Meter hohen Knife Angel verwendete Alfie Bradley 100 000 Messer, die der Polizei bei einer Kampagne anonym übergeben werden konnten, beziehungsweise, die bei Verbrechen im Einsatz gewesen waren und die die Polizei beschlagnahmt hatte. Auf vielen dieser Messer waren sogar noch Blutspuren zu sehen. Angehörige von Opfern von Messerattacken bekamen die Gelegenheit, Botschaften auf die Schneiden gravieren zu lassen, wovon einige auch Gebrauch machten.

Die in Oswestry angelieferten Messer wurden auf einen Stahlrahmen und auf Stahlplatten geschweißt, mit dem Effekt, dass die Figur wie ein gefiederter Engel aussieht. Nach der Fertigstellung wurde der Knife Angel vor der Kathedrale von Derby feierlich aus der Taufe gehoben (hier im Film zu sehen) und begann bald darauf seine „Tournee“ durch das ganze Land. Liverpool und die Anglican Cathedral war die erste Station, es folgten Hull, Coventry und Birmingham. Ab heute steht die Skulptur bis zum 29. November in Blackburn in Lancashire.

Photo © John S Turner (cc-by-sa/2.0)
In Gateshead (Tyne and Wear).
Photo © Les Hull (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 4. November 2021 at 02:00  Comments (2)  

„Hugh the Drover“ – Die einzige Cotswolds-Oper, komponiert von Ralph Vaughan Williams

Der Komponist der Cotswolds-Oper.
Author: Martin Beek.
Creative Commons 2.0

Ralph Vaughan Williams (1872-1958) zählt neben Edward Elgar und Benjamin Britten zu den bekanntesten Komponisten Englands (siehe dazu meinen Blogeintrag), der eine Oper geschrieben hat, die in den Cotswolds spielt, meines Wissens die einzige mit diesem Schauplatz. „Hugh the Drover“ heißt sie, und sie feierte ihre Premiere am 14. Juli 1924 im Londoner His Majesty’s Theatre am Haymarket. Das Libretto schrieb der wenig bekannte Harold Child. Ralph Vaughan Williams hatte mehrere Jahre bis zur Fertigstellung der Oper gebraucht und „bastelte“ auch später immer mal wieder an ihr herum.

Der Inhalt der romantischen Oper in zwei Akten ist vorhersehbar: Ein junges Mädchen soll einen Mann heiraten, den sie nicht mag; dann erscheint ihr „Held“ auf der Bildfläche, besagter Hugh the Drover, in den sie sich verliebt, aber beide müssen noch so manche Hürde nehmen, bis es ein Happy End zwischen den beiden gibt. Diese Konstrukt gibt es auch in vielen anderen Opern.

Fünf Jahre nach der Uraufführung wurde „Hugh the Drover“ auch auf der anderen Seite des Atlantiks, in den USA und Kanada gespielt.

Die Oper ist zur Zeit auf CD erhältlich in einer Aufführung mit dem Corydon Orchestra und den Corydon Singers (bei Hyperion Records); eine DVD gibt es nicht. Hier ist ein kurzer Ausschnitt aus einer Aufführung der Londoner Hampstead Garden Opera und hier ein längeres Stück.

Ralph Vaughan Williams wurde am 12. Oktober 1872, also heute vor 149 Jahren, im Pfarrhaus in dem Dörfchen Down Ampney in der Nähe von Cricklade in der Grafschaft Gloucestershire geboren. Dort im Turm der All Saints‘ Church befindet sich eine Ausstellung, die sich mit dem Leben und dem Werk des Komponisten beschäftigt.

Williams hat seinem Geburtsort eine Hymne gewidmet, die auch den Titel „Down Ampney – Come Down O Love Divine“ trägt.

The Old Vicarage in Down Ampney, Williams‘ Geburtshaus.
Photo © Jeremy Bolwell (cc-by-sa/2.0)
All Saints‘ Church in Down Ampney.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)
Author: Ramones Karaoke.
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Published in: on 12. Oktober 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Straßenkunst in Leicester zu Ehren von König Richard III.

Es gibt keine andere Stadt in England, die sich so sehr König Richard III. verschrieben hat wie Leicester in der Grafschaft Leicestershire (siehe dazu auch einen meiner früheren Blogeinträge). Nachdem man seine Gebeine unter einem Parkplatz gefunden und eine großartige Trauerfeier in der Kathedrale für ihn abgehalten hat, nahm diese enge Verbindung noch zu und lockt Besucher aus der ganzen Welt an, die Richards Grabmal in der Leicester Cathedral sehen wollen.

In Leicester gibt es auch eine Richard III. Road, die einzige dieses Namens in ganz Großbritannien, die am River Soar entlang führt. An dieser 300 Meter langen Straße finden wir seit kurzem zwei Street Art-Kunstwerke, die eng mit dem König verbunden sind, der am 22. August 1485 in der Schlacht von Bosworth, einer der Hauptschlachten der Rosenkriege, vor den Toren Leicesters zu Tode kam. Der vor allem für seine Heckenschnittkunst bekannte Steve Manning hat aus tausend Weidenruten ein Kunstwerk geschaffen, das eine Hand zeigt, die eine Krone hält. Die Skulptur steht in einem Behälter, dessen Seiten mit den Initialen „RIII“ und einer goldenen Krone darüber verziert sind. 2019 wurde dieses Kunstwerk aufgestellt. Vorbild ist das Denkmal des Königs vor der Kathedrale, der dort ebenfalls eine Krone in der Hand hält.

Wesentlich auffälliger ist ein in diesem Jahr kreiertes Wandgemälde ein paar Meter weiter an der Richard III. Road, das ein wildes Kampfgetümmel zeigt, in dessen Mittelpunkt der König hoch zu Ross zu sehen ist. Es ist The Battle of Bosworth und da geht es ganz schön zur Sache, Richard in voller Kampfausrüstung mit einer Lanze in der Hand stürmt auf die Gegner zu, selbst sein weißes Pferd scheint mutig den feindlichen Pferden in die Augen zu sehen.

An die Außenwand des Bazaar Marts (Hausnummer 109) hat der einheimische Street Art-Künstler MONO aka Mista Breakfast dieses gewaltige Bild geworfen, ein weiteres Highlight für die Ricardianerinnen und Ricardianer, die die Stadt Leicester besuchen.

Denkmal Richards III. vor der Kathedrale von Leicester.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Paul Middlewick und seine Animals on the London Underground

Es ist sicher langweilig für die vielen Pendler in der Londoner U-Bahn, tagein tagaus die selbe Strecke zu fahren. Unterhaltungen mit anderen Passagieren sind eher selten, man hält sich diesbezüglich in England sehr zurück. Da fällt der Blick notgedrungen immer wieder auf die allgegenwärtigen U-Bahnpläne, die in den Waggons hängen. Harry Beck hatte diese „tube maps“ im Jahr 1931 entworfen, die sich durch ihre Übersichtlichkeit auszeichnen und die 2006 in die Top Ten der britischen „design icons“ gewählt wurden.

Einer dieser Pendler war Paul Middlewick, von Beruf Illustrator und Designer, der die Liniennetzpläne immer wieder betrachtete und der plötzlich, man schrieb das Jahr 1988, in dem ganzen Gewirr von Linien, Stationen und Kreuzungen, die Umrisse eines Elefanten sah. Er nahm sich anschließend einen dieser Pläne vor, verband die markanten Punkte mit einem Stift und voilá, da war er für alle zu sehen, dieser Londoner U-Bahnelefant.

Paul Middlewick dachte sich, wo ein Elefant ist, da gibt es doch bestimmt noch mehr Tiere und siehe da, er entdeckte noch einen Hahn, mehrere Hunde, einen Fuchs, einen Eisbären, eine Katze und noch so manches andere niedliche Geschöpf. Die Geburtsstunde der „Animals on the London Underground“ hatte geschlagen. Paul Middlewick wandte sich an Transport for London mit der Bitte, diese U-Bahntiere verwenden zu können, was diese auch gestattete. So kann man diese süßen Tierchen zum Beispiel als Notizbuchillustrationen auf der Webseite des Designers kaufen, es gab Posterkampagnen damit vom Londoner Zoo und vom International Fund for Animal Welfare.

Und weil es so viel Spaß macht, nahm sich Paul Middlewick die U-Bahnpläne von Paris, Moskau und New York vor und entdeckte darauf ebenfalls so einiges: Eine Eule und einen Specht auf dem Pariser Metroplan, einen Specht und einen Wal auf dem Plan der New Yorker Subway und einen Papagei und ein Pferd auf dem Moskauer U-Bahnplan, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Hier ist ein Animationsfilm mit den Tieren der Londoner U-Bahn.

Published in: on 20. September 2021 at 02:00  Comments (1)  

Bruton in Somerset und eine weltberühmte Kunstgalerie

Photo © Sarah Smith (cc-by-sa/2.0)

New York, Los Angeles, London, Hongkong…und Bruton in Somerset: Das sind einige der Standorte der Kunstgalerien von Hauser&Wirth, einer Firma, die sich weltweit einen Namen gemacht hat und die 1992 von Iwan und Manuela Wirth und Ursula Hauser in Zürich gegründet wurde. Neben den bereits erwähnten Metropolen (Bruton gehört natürlich nicht dazu) gibt es noch mehrere Außenstellen in mondänen Orten wie St Moritz, Gstaad und Monaco.

Hauser&Wirth baut gern historische Häuser um, damit in ihnen ein entsprechendes Umfeld für zeitgenössische Kunst geschaffen werden kann. So war es auch in Bruton in der Grafschaft Somerset, wo die Firma 2014 die Durslade Farm am Dropping Lane erwarb, weit weg von den nächsten größeren Orten. Die Farm stand jahrelang leer und verfiel immer mehr, bis sie von dem Pariser Architektenbüro Laplace komplett renoviert und umgebaut wurde. In dem ehemaligen Bauernhaus stehen mehrere Zimmer für Übernachtungen zur Verfügung, einige neue Gebäude wurden hinzugefügt, und der renommierte Landschaftsarchitekt Piet Oudolf schuf hinter der Galerie einen sehenswerten Garten.

Wer sich an den ausgestellten Kunstwerken satt gesehen hat, trotzdem aber noch Appetit hat, dem steht das Restaurant Roth Bar & Grill zur Verfügung, wo man unter anderem einen ganzen Dorset-Hummer für £48 verspeisen kann.

Zwei große Ausstellungen finden in der zweiten Jahreshälfte hier in Bruton statt. Da werden einmal Werke von Gustav Metzger (1926-2017) ausgestellt; das ist ein in Nürnberg geborener und in London gestorbener Aktionskünstler. Parallel dazu werden Skulpturen des spanischen Bildhauers  Eduardo Chillida (1924 – 2002) gezeigt, dessen Werke auch in mehreren deutschen Städten aufgestellt sind, zum Beispiel vor dem Bundeskanzleramt in Berlin.

Hier ist ein Film über ein Besuch in der Galerie.

Über den Ort Bruton schrieb ich schon einmal in meinem Blog in Zusammenhang mit dem US-amerikanischen Schriftsteller John Steinbeck.

Author: yellow book.
Creative Commons 2.0
Das ehemalige Farmhaus.
Photo © Sarah Smith (cc-by-sa/2.0)

Die Oxford Union Library und die Wandgemälde der Präraffaeliten

Die Bibliothek mit den darüber liegenden Wandmalereien.
Author: Peg Syverson
Creative Commons 2.0

An der Cornmarket Street in Oxford befindet sich einer der ältesten und renommiertesten Debattierclubs Englands, die Oxford Union Society, in der sich Studenten der Colleges der Stadt zusammengeschlossen haben. Schon seit 1823 gibt es diese Studentenvereinigung. In dem Gebäude findet sich auch eine der schönsten Bibliotheken Englands, wunderschön mit Wandgemälden verziert, die in den Jahren 1857 bis 1859 entstanden sind, geschaffen von der Künstlergruppe der Präraffaeliten, über deren Vertreter ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben habe.

An die Arbeit in den Räumen der Bibliothek machten sich Dante Gabriel Rossetti, William Morris und Edward Burne-Jones, aber auch weitere, nicht ganz so bekannte Präraffaeliten wie Val Prinsep, John Roddam Spencer Stanhope und Arthur Hughes. Das vorgegebene Thema war die Arthuslegende. So finden wir an den Bibliothekswänden so wunderschöne Bilder wie „Merlin and Nimue“ von Edward Burne-Jones, „The Failure of Sir Launcelot to Achieve the Holy Grail“ von Dante Gabriel Rossetti oder „Sir Palomydes’ Jealousy of Sir Tristam“ von William Morris.

Da die Künstler ans Werk gingen, ohne die Wände entsprechend vorbereitet zu haben, hatte das zur Folge, dass die Farbe schon bald abblätterte. Man überlegte sich tatsächlich schon nach wenigen Jahren, die Wandbilder zu übermalen, besann sich dann aber eines Besseren und holte die Künstler noch einmal für Ausbesserungsarbeiten zurück. In den 1980er Jahren war der Zustand der Oxford Union Murals sehr schlecht, und erst in den 1990er Jahren floss Geld, damit die Wandgemälde von Profis wieder richtig restauriert werden konnten.

Hier ist ein Film über die Murals.

Oxford Union Library
Frewin Court
Oxford
OX1 3JB

Author: Topper the Wombat
Creative Commons 4.0

Published in: on 30. Mai 2021 at 02:01  Kommentar verfassen  

Der musikalische Elefant im Waddesdon Manor in Buckinghamshire

Author: National Trust, Waddesdon Manor / Mike Fear
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Als der Schah von Persien, Nāser ad-Din Schāh, im Jahr 1889 das Waddesdon Manor in Buckinghamshire besuchte, das sein Besitzer Baron Ferdinand de Rothschild gerade hatte fertigstellen lassen, kam der Mann auf seiner Besichtigungstour durch das Haus auch in die East Gallery und da entdeckte er etwas, was er noch nie gesehen hatte und das sein Herz höher schlagen ließ. Es war ein Musikautomat in Form eines Elefanten, den der französische Uhrmacher Hubert Martinet etwa um das Jahr 1770 geschaffen hatte. Martinet arbeitete sowohl in Paris als auch in London, war für seine fantasievollen Kunstwerke bekannt, dieser Elefant aber gehört zu seinen absoluten Meisterwerken. Wo der musikalische Elefant überall war, bevor er in den Besitz des Barons kam, lässt sich nicht mehr eindeutig feststellen. Wenn er einen Mann wie den Schah, der in seinem Leben schon viel gesehen hatte, aber dermaßen faszinierte, dass er alles um sich herum vergaß und nur noch Augen für den Elefanten hatte, dann haben wir es hier wirklich mit etwas Einzigartigem zu tun.

Hubert Martinet hatte das „automaton„, wie es im Englischen heißt, aus Bronze gebaut. Zwei Schlüssel benötigt man, um den Elefanten zum Leben zu erwecken und die Musik erklingen zu lassen. Einer wird in den Bauch des Tieres gesteckt, der andere in die Plattform, auf der es steht. Jetzt beginnen sich die Ohren, die Augen, der Rüssel und der Schwanz zu bewegen, die vielen Figuren auf und neben dem Elefanten drehen sich und es gibt noch so manches andere zu bestaunen wie den orientalischen Herrscher, der zusammen mit seiner Frau auf einer Howdah steht wie man einen Elefantensitz in Indien bezeichnet. In diesem Film kann man sich das alles einmal ansehen.

Vier verschiedene Melodien kann man dem Kunstwerk entlocken, das allerdings selten in Aktion im Waddesdon Manor gezeigt wird, da es doch recht alt und empfindlich ist.

Ich finde das Waddesdon Manor wunderschön; es gehört für mich zu den eindrucksvollsten Bauwerken in England. Baron Ferdinand de Rothschild hat in seinem Haus eine Fülle von Kunstwerken zusammengetragen, aber der Elefant ist für viele Besucher die Nummer Eins.

Der Stanza Stones Poetry Trail in West Yorkshire

The Snow Stone.
Photo © John Illingworth (cc-by-sa/2.0)

Das Ilkley Literature Festival besitzt in der britischen Literaturwelt einen ausgezeichneten Ruf. Namhafte Schriftsteller treffen sich jedes Jahr in der kleinen Stadt Ilkley in West Yorkshire. Beim Festival des Jahres 2010 entschied man sich dafür, ein Projekt in Angriff zu nehmen, das den Namen Stanza Stones Poetry Trail erhalten sollte.  Die künstlerischen Partner des Projekts waren Simon Armitage, ein Dichter und Schriftsteller aus der Region, seit 2019 Nachfolger von Dame Carol Ann Duffy als Poet Laureate, Pip Hall, eine Steinmetzin und Tom Lonsdale, ein Landschaftsarchitekt.

Geschaffen wurde der über 70 Kilometer lange Poetry Trail in den Pennines, der von Marsden (wo Simon Armitage aufwuchs) nach Ilkley führt. Sechs Stationen in Form von Steinen sind auf dem Weg zu besuchen, auf denen Gedichte eingemeißelt sind, die Simon Armitage speziell für das Projekt geschrieben hat und die kunstvoll von Pip Hall auf die Steine übertragen worden sind. Das Thema der Gedichte lautet „Natur„. An besonders atmosphärischen Orten hier oben auf der Wasserscheide des Pennine-Gebirges hat das Team die Steine ausgesucht, die die Namen Snow Stone, Rain Stone, Mist Stone, Dew Stone, Puddle Stone und Beck Stone tragen. Es dauerte achtzehn Monate bis das Projekt abgeschlossen war.

Beginnt man die Wanderung von Marsden aus trifft man zuerst auf dem Pule Hill auf den Snow Stone, in den Simon Armitages folgendes Gedicht eingemeißelt ist:

The sky has delivered its blank missive. The moor in coma. Snow, like water asleep, a coded muteness to baffle all noise, to stall movement, still time.
What can it mean that colourless water can dream such depth of white? We should make the most of the light. Stars snag on its crystal points. The odd, unnatural pheasant struts and slides. Snow, snow, snow is how the snow speaks, is how its clean page reads.
Then it wakes, and thaws, and weeps„.

Nicht jeder wird den kompletten Trail zurücklegen wollen und so gibt es Einstiege, die zu den einzelnen Steinen führen. Einen sehr guten Trail Guide zum Herunterladen gibt es hier.

In diesem Film stellt Simon Armitage sein Projekt vor.

The Dew Stone.
Photo © John H Darch (cc-by-sa/2.0)

The Puddle Stone.
Photo © John Illingworth (cc-by-sa/2.0)

Simon Armitage.
Author: Alexander Williamson
This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Die Treibholzpferde der Heather Jansch

Bei meinen Aufenthalten im Oakley Court Hotel bei Windsor an der Themse bin ich immer wieder von der Holzskulpturen fasziniert, die im Park und vor dem Hoteleingang aufgestellt sind. James Doran Webb heißt der Künstler, der Tiere aus Treibholz gestaltet, die wunderschön anzusehen sind. Ich porträtierte ihn in meinem Blog. Besonders schön finde ich seine Pferdeskulptur The „Foal at Canter“, und da schlage ich den Bogen zu einer anderen englischen Künstlerin, die ebenfalls aus Treibholz lebensgroße Pferde formt: Heather Jansch.

Die in Devon lebende und arbeitende Künstlerin sammelt an den Stränden angeschwemmtes Treibholz, aus dem sie dann Pferde anfertigt. Heather Jansch wurde 1948 in Essex geboren und hatte schon als Kind eine ausgeprägte Vorliebe für Pferde. Sie studierte an zwei Londoner Kunsthochschulen, heiratete den bekannten Folksinger Bert Jansch, von dem sie sich später wieder scheiden ließ, züchtete Pferde in Wales und zog schließlich nach Devon. Dort entdeckte sie die Möglichkeit aus Treibholz Skulpturen anzufertigen, was sie dann für die nächsten Jahrzehnte mit Leidenschaft tat. In der Galerie Courcoux and Courcoux, die heute in Nether Wallop bei Stockbridge (Hampshire) ansässig ist, konnte sie ihre Kunstwerke ausstellen, allmählich wurde ihr Name in der Kunstwelt bekannt, und sie bekam Angebote, ihre Treibgutpferde auszustellen. So konnte man die hübschen Tiere zum Beispiel in der Pferdestadt Newmarket bewundern, in der Canwood Gallery in Hereford oder in der Gallery 161 in London.

Heather Jansch hat an ihrem Studio einen Skulpturengarten angelegt, in dem einige ihrer Pferde zu sehen sind. Er befindet sich in Olchard bei Newton Abbot in der Grafschaft Devon, geöffnet normalerweise im Rahmen des National Garden Scheme und der Devon Open Studios.

Dieser Film zeigt einige der schönsten Kunstwerke Heather Janschs.

Published in: on 28. Januar 2021 at 02:00  Comments (4)  
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Möbelschreiner in North Yorkshire Teil 2: Der Thirsk Furniture Trail

Coxwold Cabinet Makers in Coxwold (North Yorkshire)
Photo © Gordon Hatton (cc-by-sa/2.0)

Woran denkt man zuerst, wenn man den Ortsnamen Thirsk in North Yorkshire hört? Genau, an den Tierarzt James Herriot, der hier seine Praxis hatte und der weltweite Berühmtheit durch seine Bücher erlangte, die in der beliebten TV-Serie „All Creatures Great and Small“ (dt. „Der Doktor und das liebe Vieh“) verfilmt wurden. Siehe dazu meinen Blogeintrag.

Was vielleicht bei den Yorkshire-Touristen nicht so  bekannt ist: Es gibt in Thirsk und Umgebung zahlreiche Möbelschreiner, die Auftragsarbeiten aus dem ganzen Land annehmen. Wer also individuelle Möbel angefertigt haben möchte, der ist in diesem Teil von North Yorkshire richtig.

Um auf sich aufmerksam zu machen, haben sich zur Zeit sieben dieser kleinen, spezialisierten Handwerksbetriebe zusammengeschlossen und den Thirsk Furniture Trail entwickelt, auf dem man den Schreinern bei der Arbeit zusehen und sich die dort hergestellten Möbel in Ausstellungsräumen ansehen kann. Einige der teilnehmenden Betriebe möchte ich kurz vorstellen.

In dem wunderschönen Dorf Coxwold, literarisch Interessierten sicher durch den Schriftsteller Laurence Sterne bekannt (siehe mehr hier) gibt es die kleine Firma Coxwold Cabinet Makers, die 1987 gegründet wurde und Möbel jeder Art herstellt, besonders aber Küchenmöbel. Das Markenzeichen der Firma ist das Einhorn, das man häufig auf ihren Möbeln findet.

Was dem einen das Einhorn ist dem anderen das Eichhörnchen. Dieses Tier findet man an Möbeln, die die 1957 gegründete Firma Squirrel Woodcarvers in Husthwaite herstellt, die sich auf die Verwendung von Eichenholz spezialisiert hat.

Einen großen Ausstellungsraum unterhält die Firma Treske Furniture in Thirsk, in dem man deren Schreinerkunstwerke bestaunen kann. Hier baut man Möbel für jeden Zweck, unter anderem hat man Pubs eingerichtet wie das Restaurant des Black Swans in Oldstead (North Yorkshire).

Wer sich für Möbel interessiert, der ist auf dem Thirsk Furniture Trail gut aufgehoben; wie es in so einer Möbelschreinerei zugeht, zeigt dieser Film.

Published in: on 30. Dezember 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Möbelschreiner in North Yorkshire Teil 1: Robert „The Mouseman“ Thompson in Kilburn

Die Firma Robert Thompson in Kilburn.
Photo © Andrew Abbott (cc-by-sa/2.0)

Nicht weit von der A19 gelegen, in der Nähe der Stadt Thirsk in North Yorkshire, findet sich der kleine Ort Kilburn, Sitz der Firma Robert Thompson’s Craftsmen Ltd, die sich auf die Herstellung von Möbeln aus Eiche spezialisiert hat.
Robert Thompson, der von 1876 bis 1955 hier in Kilburn lebte, war ein Möbelschreiner, dessen Markenzeichen eine geschnitzte Maus war, die sich auf fast allen seinen Möbeln fand. Auch auf Kirchenbänken und anderen Einrichtungsgegenständen für Kirchen war diese Maus zu finden, daher sein Namenszusatz „The Mouseman„.
1919 soll sich Thompson einmal mit einem seiner Arbeitskollegen über den Spruch „Arm wie eine Kirchenmaus“ unterhalten haben, woraus dann die Idee mit der Maus entstanden ist.

Noch heute gibt es hier in Kilburn die Firma  Robert Thompson’s Craftsmen Ltd, die von Nachfahren des „Mouseman“ betrieben wird und die klassische Möbel aus Eiche herstellt, natürlich mit der geschnitzten Maus, die zum Beispiel an einem Tischbein oder seitlich an einem Schrank angebracht ist.

Die Firma betreibt auch ein Besucherzentrum, in dem man sich über den „Mouseman of Kilburn“ informieren kann, das T Café für die Erfrischung zwischendurch und einen Gift Shop, in dem man kleinere Holzarbeiten erwerben kann.

Auf Arbeiten des „Mouseman“ stieß ich unter anderem in der Mouse Bar des Green Dragon Inns in Cowley in Gloucestershire.

Hier ist ein Film über die Firma.

Siehe auch meinen Blogeintrag über The White Horse of Kilburn.

Robert Thompson’s Craftsmen Ltd.
Kilburn
York, North Yorkshire.

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Das Buch zum Artikel:
Patricia Lennon: Mouseman – The Legacy of Robert Thompson of Kilburn. Great Northern Books 2012. 160 Seiten. ISBN 978-1905080076.

Eine Thompson-Maus in der St Andrew’s Church in Newcastle-upon-Tyne.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Eine weitere, schon etwas in die Jahre gekommene Maus in der Church of St Michael and All Angels in Mottram in Longdendale (Greater Manchester).
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

…und eine verwitterte Thompson-Freiluftmaus vor St. Michael and St. George in Castleton (North Yorkshire).
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)