Der Diebstahl eines wertvollen Vermeer-Gemäldes aus dem Kenwood House in London

Kenwood House auf der Hampstead Heath.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Bei einem Spaziergang über die Londoner Hampstead Heath kam ich am Kenwood House vorbei, einem ehemaligen Herrenhaus, das im 18. Jahrhundert von dem Architekten Robert Adam im klassizistischen Stil umgebaut worden war. Es beherbergt eine große Gemäldesammlung, die der irische Geschäftsmann und Philanthrop Edward Cecil Guinness, 1. Earl of Iveagh, von der Bierbrauerfamilie, zusammengetragen hatte und alles, Haus, Grund, Gemäldesammlung, nach seinem Tod im Jahr 1927 der englischen Nation vermachte. Das Haus liegt jetzt in den Händen des English Heritage.

Eines der berühmten Gemälde im Kenwood House ist Jan VermeersDie Gitarrenspielerin„, das der niederländische Maler 1672 angefertigt hatte. In der Nacht des 23. Februars 1974 wurde dieses Bild aus dem Kenwood House gestohlen. Der Dieb verschaffte sich mit Hilfe eines Vorschlaghammers Zutritt zu dem Museum, nahm den Vermeer von der Wand und war schnell wieder verschwunden. Das Sicherheitspersonal konnte nichts mehr ausrichten, rief die Polizei, die mit Spürhunden versuchte, dem Dieb auf die Spur zu kommen, aber vergebens. Dieb und Bild blieben verschwunden. Auf dem Kunstmarkt ließ sich so ein berühmtes Gemälde nicht absetzen, also vermutete die Polizei anfangs eine Auftragsarbeit eines Kunstsammlers. Der Rahmen des Bildes wurde schnell gefunden, durch den Hinweis einer Hellseherin namens Nella Jones. Diese hatte plötzlich eine Eingebung, notierte den Standort (ein paar hundert Meter vom Kenwood House entfernt), ging damit zur Polizei, die äußerst skeptisch dem Hinweis nachging und tatsächlich an der angegebenen Stelle den beschädigten Rahmen vorfand.

Mehrere Anrufer nahmen Kontakt zu Scotland Yard auf, die jeweils ein Lösegeld forderten; man vermutete die IRA dahinter, aber auch andere Terrororganisationen gerieten ins Blickfeld der Polizei, die ein Lösegeld kategorisch ablehnte. Es gingen auch einige anonyme Anrufe zum Aufenthaltsort des Gemäldes ein, darunter einer, der sagte, das Bild befände sich auf dem Kirchhof von Saint Bartholomew-the-Great in der Londoner City. Und siehe da, als die Polizei dort eintraf, fand sie die Gitarrenspielerin gegen einen Grabstein gelehnt vor, glücklicherweise nur gering beschädigt (hier ist ein Film). Der Täter wurde nie ermittelt, obwohl Scotland Yard einen starken Verdacht hatte, dass die IRA Terroristin Rose Dugdale ihre Hände im Spiel gehabt hatte. Dugdale und einige andere raubten zwei Monate später aus einem Herrenhaus in Irland neunzehn Meisterwerke, darunter wieder einen Vermeer,  dieses Mal „Briefschreiberin und Dienstmagd„, ein Ölgemälde aus dem Jahr 1670.

„Die Gitarrenspielerin“ hängt nach wie vor im Kenwood House, das besucht werden kann, leider zur Zeit nicht, da das Coronavirus etwas dagegegen hat.

Kenwood House
Hampstead Lane
Hampstead
Greater London NW3 7JR

Hier auf dem Kirchhof von St Bartholomew-the-Great in der Londoner City wurde das Gemälde wiedergefunden.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Der englische Künstler Jamie McCartney aus Brighton und seine Genital Art

Früher lag Jamie McCartneys Studio in Ship Street Gardens, einer winzigen Gasse in dem englischen Badeort Brighton, nicht weit von der Strandpromenade entfernt. Jetzt hat der Künstler sein Studio Brighton Body Casting im Hove Enterprise Centre in der Basin Road North, und ich könnte mir denken, dass er gezielt Brighton als Wohn- und Arbeitsort aussuchte, denn diese Stadt gilt als eine der liberalsten und tolerantesten im ganzen Land. Ob andere Städte sich dabei wohl gefühlt hätten, Aktionen wie „Free the Nipple“ durchzuführen wie im letzten Jahr im Juli geschehen, bei der Jamie McCartney Hunderte Gipsabdrücke von weiblichen Brustwarzen als Kühlschrankmagneten verteilt hatte?

Jamie McCartney, geboren im Jahr 1975 mit künstlerischer Ausbildung in den USA, ist schon ein ungewöhnlicher und bemerkenswerter Mann, der sich nicht scheut, mit Tabus zu brechen. International bekannt wurde er durch seine Genital Art und speziell durch seine „Great Wall of Vagina„, das sind Abgüsse von 400 weiblichen Genitalien, die er im Laufe von fünf Jahren von Frauen im Alter von 18 bis 76 Jahren nahm. Auf zehn Paneelen mit jeweils 40 Gipsabdrücken hat Jamie McCartney sein Kunstwerk untergebracht, das die unterschiedlichen Formen der Vulva darstellen soll. Es wurde schon international auf mehreren Ausstellungen gezeigt und erzeugte verständlicherweise große Aufmerksamkeit.

Weitere Werke seiner Genital Art sind seine Penis Works, ein Gegenstück zu der Wall of Vagina, einmal 16 Penisse in erregtem Zustand („4×4„) und 15 Penisse im entspannten Zustand („15 Minutes„). „The Spice of Life“ schuf McCartney 2006 für die Ausstellung Amora London, und dieses Werk zeigt sowohl männliche als auch weibliche Genitalien und Brüste auf einem einzigen Tableau. „Old Glory“ schließlich zeigt die Flagge der USA, zusammengestellt aus 335 Abdrücken seines eigenen Peniskopfes.

Jamie McCartneys Schaffen umfasst darüber hinaus noch Skulpturen nackter weiblicher und männlicher Körper in Lebensgröße, Flaggen mehrerer Länder, die aus Scanografien von Frauen in roten, schwarzen und gelben BHs bestehen, und vielen anderen Dingen mehr.
In seinem Shop bietet der Künstler viele seiner Werke zum Kauf an. Wer möchte, kann auch Abgüsse seiner eigenen Körperteile im Studio Jamie McCartneys nehmen lassen und diese dann beispielsweise in Kristallglas oder Bronze anfertigen lassen.

In diesem Film ist der Meister bei der Arbeit zu sehen.

 

Published in: on 20. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Sir John Tavener (1944-2013) und sein Monumentalwerk „The Veil of the Temple“

Die Londoner Temple Church.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Es war an einem Juniabend im Jahr 2003 als einige Hundert Menschen zu einer ungewohnten Zeit die Temple Church in der Londoner City aufsuchten. Die alte Kirche überstand den Großen Brand von London im Jahr 1666 nahezu unversehrt, wurde dafür aber im Zweiten Weltkrieg durch Bomben stark zerstört. Die sowohl von außen als auch von innen eindrucksvolle Kirche diente in jener Nacht als Ort der Uraufführung eines wahrhaft monumentalen Musikwerkes, das von Sir John Tavener (1944-2013) komponiert worden war und den Titel „The Veil of the Temple“ trug. Die Zuhörer, die für die Eintrittskarten  £125 bezahlen mussten, hatten sich auf eine lange Nacht eingerichtet; die Aufführung begann um 22 Uhr und endete um 5 Uhr morgens.

„The Veil of the Temple“ war ein Auftragswerk, das Tavener für Stephen Layton komponiert hatte, dem Organisten und Musikdirektor der Temple Church. Tavener, der erstmals 1968 durch sein Werk „The Whale“ für Aufmerksamkeit gesorgt hatte, entschied sich „The Veil“ als „Nachtstück“ zu schreiben, während dessen die Menschen zusammen kommen sollten, um gemeinsam Gott zu huldigen. Beteiligt an der Uraufführung waren die Holst Singers, das English Chamber Orchestra und der Knabenchor der Temple Church.

Jedermann konnte während der sieben Stunden kommen und gehen wie er wollte, vor der Kirche stand ein Imbisswagen, an dem sich die nächtliche Gemeinde eine Erfrischung holen konnte.

Der Komponist war während der gesamten Aufführung anwesend. Es muss für die Ausführenden ein harter Job gewesen sein, sieben Stunden lang wach und konzentriert zu bleiben (was sicher auch für die Zuhörer gegolten hat).

Wer sich für die Hintergründe des Werkes interessiert, kann dies hier nachlesen und hier ist ein kleiner Ausschnitt aus „The Veil of the Temple“ zu hören, „Mother of God, here I stand„.

Das Innere der Temple Church.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

 

Der französische Komponist Claude Debussy (1862-1918) und das Grand Hotel in Eastbourne (Kent)

Claude Debussy.
This work is in the public domain.

Am 14. Oktober 1904 versuchte eine Frau mitten auf dem Place de la Concorde in Paris, sich das Leben zu nehmen. Mit einem Revolver schoss sie sich mehrfach in die Brust, aber es gelang ihr nicht, sich zu töten. Schwer verletzt wurde sie in ein Krankenhaus gebracht. Ihr Name: Rosalie Lilly Debussy. Der Grund: Ihr Mann, der berühmte Komponist Claude Debussy (1862-1918) hatte sie wegen einer anderen Frau verlassen.
Der Selbstmordversuch geschah auf dem berühmten Platz in Paris, in Sichtweite eines der besten und renommiertesten Grand Hotels der Stadt, dem Crillon (in dem ich einmal einige Tage lang wohnte und es sehr genoss).

Etwa 450 Kilometer nördlich von Paris liegt an der Südküste von Kent, in Eastbourne, ein weiteres Grand Hotel, das mit dem französischen Komponisten in Zusammenhang steht. Hierhin flüchtete Debussy mit seiner Geliebten, der Bankierstochter Emma Bardac, die er bald darauf heiratete, um dem Skandal in Paris zu entgehen, denn der Selbstmordversuch seiner Ex und die anstehende Scheidung hatten dort hohe Wellen geschlagen.
Zwei Monate lang wohnten Claude Debussy und die schwangere Emma Bardac in einem Zimmer im Eastbourne Grand Hotel; während dieser Zeit vollendete der Komponist sein Werk La mer, trois esquisses symphoniques pour orchestre (hier ist ein Ausschnitt), an dem er schon seit 1903 gearbeitet hatte. Wer heute noch einmal auf den Spuren des Paares aus Paris wandeln möchte, braucht sich im Hotel nur das Zimmer 200 reservieren lassen, das auch die Debussy Suite genannt wird. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf das Meer.

Das Grand Hotel gehört zu der kleinen Gruppe der Elite Hotels, zu der auch Tylney Hall bei Hook (Hampshire) und Ashdown Park bei Forest Row (East Sussex) gehören, über die ich in meinem Blog geschrieben habe. Es verfügt über 152 Zimmer, von denen 23 Suiten sind.
Die Übernachtungspreise beginnen etwa bei 220 Euro für ein Standardzimmer. Hier ist ein Film über das Haus.

Eastbourne hat den Ruf, dass die Einwohner einen sehr hohen Altersdurchschnitt haben; tatsächlich liegt das Durchschnittsalter in einigen Teilen der Stadt bei über 70 Jahren.
Ich mag die Promenade am Meer, die Pier und die unzähligen Strandhütten; man kann hier endlos lange spazieren gehen.

The Grand Hotel
King Edward’s Parade
Eastbourne BN21 4EQ

 

The National K9 Police Dog Memorial in Chelmsford (Essex)

Die Medical Detection Dogs, über die ich kürzlich berichtete, haben noch keines, ihre Kollegen von der Polizei aber schon: Ein Denkmal, das an ihre Verdienste erinnert. Auf dem Gelände des Chelmsford and Essex Regiment Museums in Chelmsford (Essex), im Oaklands Park, wurde am 12. April 2019 das National K9 Police Dog Memorial eingeweiht (K9=canine), eine Statue, die einen Polizeibeamten, einen Schäferhund und einen Cockerspaniel zeigt. Bei den Hunden handelt es sich um Karly von der Metropolitan Police und Ludo von der Essex Police.
Der Schäferhund Karly hatte sich auf „Victim Recovery and Blood Detection“ spezialisiert und sich bei der Metropolitan Police seine Verdienste erworben. Sie war zuletzt in Wales im Einsatz und ist dort leider gestorben.
Cockerspaniel Ludo war äußerst beliebt bei den Beamten der Polizei von Essex, hatte er doch dazu beigetragen, viele Kriminalfälle zu lösen. Heute ist er im Ruhestand.

John Doubleday hat das Denkmal in Chelmsford geschaffen. Der Künstler hat sein Atelier in Great Totham (Essex), rund 20 Kilometer von Chelmsford entfernt. Bekannt geworden ist er unter anderem durch seine beiden Sherlock Holmes-Skulpturen, die eine in London (Marylebone Road/Baker Street), die andere in Meiringen in der Schweiz.

Das Denkmal entstand durch eine Initiative des Polizeibeamten Paul Nicholls aus Essex, dessen Hund Sabre im Jahr 2006 an Krebs starb. Die Einweihung des National K9 Police Dog Memorials erfolgte durch Cressida Dick, Commissioner der Metropolitan Police, nachdem der Bischof von Chelmsford es gesegnet hatte. Anwesend waren viele Polizeibeamtinnen und -beamte, natürlich mit ihren Hunden, die an diesem Tag die Hauptpersonen waren. Dieser Film zeigt die Zeremonie.

Jason deCaires Taylors „Alluvia“ im River Stour in Canterbury (Kent)

Ich bin sicher, dass viele Besucher der Stadt Canterbury in Kent sich fürchterlich erschrocken haben, wenn sie einmal von der Westgate Bridge in den River Stour hinuntergeschaut und dort auf dem Grund des Flusses zwei leblose Körper gesehen haben. Beim näheren Hinblicken erkennt man dann erst, dass es sich glücklicherweise nicht um zwei Wasserleichen handelt, sondern um die Skulpturen zweier Frauenkörper, geschaffen von dem Künstler Jason deCaires Taylor, der sich auf Unterwasserskulpturen spezialisiert hat. In meinem Blog stellte ich ihn schon einmal mit seinem Themse-Kunstwerk „The Rising Tide“ vor.

Aus Glasharz, Zement und recyceltem Glas bestehen die beiden Skulpturen im River Stour, die sich „Alluvia“ (alluvial=durch einen Fluss abgelagert) nennen und 2008 installiert wurden. Noch eindrucksvoller wirken die beiden nackten Damen im Dunkeln, denn sie sind beleuchtet. Die Menge der auf den Figuren abgelagerten Algen dienen als Hinweis darauf wie sauber bzw. wie verschmutzt der River Stour ist.

Vorbild für das Kunstwerk war für Jason deCaires Taylor das Bild „Ophelia„, das Mitte des 19. Jahrhunderts von dem Maler Sir John Everett Millais (1829-1896) geschaffen wurde und das im Museum Tate Britain in London hängt.

Taylor wuchs in Canterbury auf und wohnte in der St Augustine’s Road. Er besuchte die Chaucer Technology School und wollte gern auf das Kent Institute of Art and Design, das ihn jedoch nicht annahm. Jetzt ist er weltweit einer der angesehensten Unterwasserkünstler.

Der River Stour in Canterbury an der Westgate Bridge.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

 

Published in: on 14. April 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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J.M.W Turners großartiges Gemälde „Stonehenge“

Dieses Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Im letzten Oktober fuhr ich wieder einmal auf der A303 an Stonehenge (siehe dazu auch meinen Blogeintrag) in Wiltshire vorbei. Von der Straße aus hat man einen guten Blick auf die prähistorischen Steine, die zum festen Besuchsprogramm jeder Südengland-Busreise gehören. Und auch an diesem Oktobertag war der Parkplatz voll belegt, und die Menschenmassen bewegten sich um die abgesperrten Steine herum. Ich war nur ein einziges Mal vor vielen Jahren dort, als die Besucher noch zwischen den monumentalen Felsbrocken umherlaufen konnten. Mir ist Stonehenge einfach zu überlaufen.

Der Maler J(oseph) M(allord) W(illiam) Turner (1775-1851) besuchte Stonehenge mehrere Male im Zeitraum von 1799 bis 1825 und war davon so beeindruckt, dass er 1827 ein Aquarell anfertigte, das die Steinformationen in einer außergewöhnlichen Situation zeigt. Ein gewaltiges Unwetter entlädt sich über Stonehenge, wobei Blitze aus einer großen Wolke heraus in das Monument einschlagen. In der Mitte scheint einer der Steine getroffen worden zu sein, denn er neigt sich schon zur Seite. Ein weiteres Drama spielt sich direkt davor ab: Eine Gruppe von Schafen, die sich hier zum Grasen zusammengefunden haben, ist vom Blitz erschlagen worden; einige liegen tot auf dem Boden, während einige überlebende Schafe nicht so recht wissen, was da mit ihnen passiert ist. Auch den Schäfer hat es erwischt, er liegt am rechten unteren Bildrand ausgestreckt, sein letztes Stündlein hat geschlagen. Sein getreuer Hund steht neben ihm und es sieht so aus, als ob das Tier das Ableben seines Herren laut beklagt.

Dieses, wie ich finde, großartige Gemälde ist Teil der Wessex Collection des Salisbury Museums. Das Museum liegt direkt gegenüber der Kathedrale.
Stonehenge ist vorübergehend wegen der Coronakrise bis zum 1. Mai geschlossen. Auch das Salisbury Museum ist seit dem 17. März bis auf weiteres nicht mehr zugänglich.

Grasende Schafe bei Stonehenge.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Na? Zieht hier ein Unwetter über Stonehenge herauf?
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. April 2020 at 02:00  Comments (3)  
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The London Oriana Choir

St Giles Cripplegate im Barbican: Hier tritt der London Oriana Choir am 13. März 2020 mit dem Konzert „Beethoven 250“ auf.
Photo © Robert Lamb (cc-by-sa/2.0)

1973 gründete Leon Lovett den London Oriana Choir und leitete ihn 23 Jahre lang. In dieser Zeit erwarb sich der Chor einen Namen und trat regelmäßig in der Royal Albert Hall auf. 1996 übernahm David Drummond für die nächsten 17 Jahre den Dirigierstab und experimentierte, indem er seinen Chor mit Größen aus dem Rock- und Popgeschäft auftreten ließ, zum Beispiel mit Ex-Led Zeppelin Robert Plant, Barbara Streisand  und der amerikanischen Sängerin und Komponistin Beth Nielsen Chapman, die unzählige Songs besonders für Countrysänger geschrieben hat. Seit 2013 ist Dominic Ellis-Peckham der Chef des Oriana Choirs, und auch er ließ seinen Chor schon mit Popstars wie Madonna beim letztjährigen Eurovision Song Contest auftreten (hier zu sehen).

Der Chor tritt häufig in Londoner Kirchen auf, unternimmt aber auch Ausflüge in andere Länder wie im letzten Jahr nach Rom und im Jahr davor nach Krakau in Polen. In 2020 ist im Mai eine Tour nach New York geplant. Der nächste Auftritt ist am 13. März in St Giles Cripplegate in London, wo der Chor anlässlich des 250. Geburtstags von Ludwig van Beethoven ein Konzert gibt, „Beethoven 250„.

Ein besonderes Projekt des Oriana Choirs nennt sich five15, durch das britische Komponistinnen gefördert werden. Weibliche Komponisten spielen in der klassischen Musik eher ein Schattendasein und sind in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt wie dieser Film zeigt. Fünf Frauen schreiben in diesem Projekt in einem Zeitrahmen von fünf Jahren fünfzehn Chorwerke. Zur Zeit ist Nummer 4, Anna Disley-Simpson, an der Reihe, deren neue Komposition „Picture Frame“ während des oben genannten Beethoven-Konzerts am 13. März uraufgeführt wird.

Hier sind zwei Kostproben des über 100-köpfigen Chors: Charlotte BraysAgnus Dei“ und „If I Should Go“ von Rebecca Dale (eine der five15s).

 

Published in: on 2. März 2020 at 02:00  Comments (1)  
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„We are UK“ – Eine wunderschöne Collage von Nicola Metcalfe

Copyright Nicola Metcalfe. With friendly permission.

In meinem Blogeintrag vom 5. Juni 2017 schrieb ich über die Künstlerin Nicola Metcalfe, die ich mittlerweile auch persönlich kennengelernt habe und mit der ich befreundet bin. Sie wohnt und arbeitet in Marlow an der Themse und so stehen auch Motive aus ihrer Heimatstadt oft im Mittelpunkt ihres Schaffens (ich habe ein ganz tolles Kissen mit Marlow-Motiven, siehe Foto unten).

In meinem Blog erwähnte ich damals ihren DIN-A1-Druck „We are UK„, auf 100 Exemplare beschränkt, den ich gerahmt in meinem Wohnzimmer hängen habe. Er gehört zu den Bildern, die man sich immer wieder ansehen kann und auf dem man ständig Neues entdeckt. In den Umriss Großbritanniens hat Nicola Metcalfe kleine Zeichnungen eingefügt, die typisch für die jeweilige Region oder Stadt sind und dabei hat sie sehr viel Fantasie walten lassen und viel recherchiert. Leider kann man auf dem Bild oben nicht sehr viele Details erkennen, darum nenne ich hier einige Beispiele:

Für Kendal in Cumbria steht da ein Bild der für die Stadt typischen Kendal Mint Cakes, gleich daneben die Abbildung eines Lastwagens mit der Aufschrift „Teddie Metcalfe“, eine Anspielung auf das Transportunternehmen Eddie Stobart, das 1970 in Carlisle (Cumbria) gegründet wurde. Gehen wir auf der Karte weiter in den Süden, wo man in der Grafschaft Buckinghamshire, dort, wo die Stadt High Wycombe zu finden ist, einen Stuhl sehen kann, der für die dortige Stuhlindustrie steht; gleich darunter ist die Abbildung der Kettenbrücke in Marlow, die über die Themse führt, und ein Konterfei des Monsters Frankenstein, das hier in Marlow das Licht der Welt erblickte und von Mary Shelley, die in der West Street wohnte, aus der Taufe gehoben wurde. Im Südosten auf der Karte steht ein Exemplar des Buches „Canterbury Tales“ für die Kathedralenstadt, die Abbildung einer Teekanne macht auf Teapot Island bei Yalding in Kent aufmerksam, wo ein Teekannen-Museum auf Besucher wartet. Brighton an der Südküste wird durch den Brighton Pavilion symbolisiert und die Isle of Wight durch eine Knoblauchknolle als Knoblauchzentrum Großbritanniens.

Diese wenigen Beispiele sind nur ein kleiner Ausschnitt aus der Vielfalt der Darstellungen auf der „We Are UK“-Karte. Der Druck kostet £52, plus Porto und Verpackung, und ist jeden Penny wert. Ideal als Geschenk für Freunde Großbritanniens oder Zum-Sich-Selber-Schenken. Hier ist der Link zu Nicolas Shop, dort kann man sich die Details der Karte auch genauer ansehen und vergrößern.

Dieses Kissen führe ich immer in meinem Auto mit.

Published in: on 8. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Genie und Wahnsinn – Der viktorianische Maler Richard Dadd (1817-1886)

Richard Dadd.
This work is in the public domain.

1974 erschien das Album „Queen II“ der englischen Rockgruppe Queen. Track 7 darauf trägt den Titel „The Fairy Fellers Master-Stroke„, den Freddie Mercury geschrieben hatte und der Bezug nimmt auf das gleichnamige Gemälde des viktorianischen Malers Richard Dadd, der von 1817 bis 1886 lebte. Das 54 × 39,5 cm große Bild hängt heute in der Londoner Tate Gallery, hier zu sehen.

Dadd war ein Mann, der schon in jungen Jahren Reisen nach Europa und Vorderasien unternahm und genauso früh zeigten sich bei ihm die ersten Symptome einer Geisteskrankheit. So meinte Dadd unter dem Einfluss des ägyptischen Gottes Osiris zu stehen. Seine Familie brachte ihn in das Dorf Cobham in der Grafschaft Kent, in der Hoffnung, dass er dort im ruhigen, ländlichen Raum wieder zu sich kommen würde. Doch es wurde noch schlimmer; 1843 tötete er seinen Vater, weil er ihn für den Teufel hielt. Auf der Flucht nach Paris versucht er einen weiteren Menschen zu ermorden, was ihm nicht gelang; er wurde von  Polizisten überwältigt, nach England zurückgeschickt, wo er in die Londoner Nervenheilanstalt Bethlem Royal Hospital eingewiesen wurde. Hier und im Broadmoor Hospital in Berkshire, der nächsten Station seines Aufenthaltes in geschlossenen Anstalten, malte Richard Dadd weiter und in Bedlam, wie das Bethlem Royal Hospital auch genannt wurde, entstand sein „The Fairy Fellers Master-Stroke“, an dem der wahnsinnige Künstler neun Jahre lang, von 1855 bis 1864, arbeitete; es war eine Auftragsarbeit für George Henry Hayden, Bedlams Anstaltsleiter. Man muss sich das Gemälde genau anschauen, es wimmelt von Figuren aus der Feenwelt, wobei der titelgebende Holzfäller im Vordergrund steht und mit einer Axt seinen „master-stroke“ vollzieht und eine Haselnuss spaltet, aus dieser Nuss soll für eine der Feen eine Kutsche gebaut werden. In diesem Film werden die einzelnen Figuren vorgestellt. Freddie Mercury hat das Gemälde genau studiert und beschreibt es in seinem Song exakt, so dass man ihn beim Betrachten des Bildes dazuschalten sollte (hier ist der Text).

Richard Dadd starb am 7. Januar 1886 im Broadmoor Hospital, wo noch heute einige Bilder von ihm hängen.

Bethlem Royal Hospital.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Broadmoor Hospital in Crowthorne (Berkshire).
Photo © Andrew Smith (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Januar 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Einer der ältesten Künstler, der jemals einen Hit in den Charts hatte…und den fast jeder kennt

Author: sezzles.
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Die Charts dieser Welt werden in erster Linie von jüngeren Künstlerinnen und Künstlern beherrscht; natürlich gibt es da auch eine Reihe von Ausnahmen, wenn ich zum Beispiel an die Rolling Stones denke, deren Bandmitglieder alle schon die 70 überschritten haben. Der US-Sänger Tony Bennett, 1926 geboren, veröffentlichte 2018 im Alter von 92 Jahren noch ein Album, gemeinsam mit Diana Krall, „Love is here to stay„, das die Charts in vielen Ländern eroberte und in Großbritannien Platz 33 erreichte.

Ein berühmter englischer Schauspieler, dessen Namen, Christopher Lee, die meisten mit seinen Rollen in Horrorfilmen verbinden, gelang, ebenfalls mit über 90 Jahren, der Sprung in die britischen Charts. Lee wurde 1922 in London geboren und starb auch in der Stadt im Jahr 2015. Sein Filmdebüt gab er 1948 in „Corridor of Mirrors„, dann folgten über 200 Filme, in denen Lee mitwirkte. Der Londoner wäre übrigens gern Opernsänger geworden; ihm wurde bescheinigt, dass er es mit seiner Stimme durchaus hätte schaffen können, zu den ganz Großen der Opernwelt vorzustoßen.

Zu Weihnachten 2012 veröffentlichte Christopher Lee eine CD, auf der zwei Weihnachtslieder in Heavy Metal-Form zu finden waren („The Little Drummer Boy“ und „Silent Night“) und die den Titel „A Heavy Metal Christmas“ trug. Ein Jahr darauf folgte die Fortsetzung „A Heavy Metal Christmas Too“ mit den beiden Liedern „Jingle Hell“ und „My Way„. „Jingle Hell“ gelangte in den US-amerikanischen Charts unter die Top 20. Noch ein Jahr später, 2014, legte Christopher Lee zu seinem 92. Geburtstag noch einmal nach und veröffentlichte „Metal Knight„, weitere Cover-Versionen in Heavy Metal-Manier.

Christopher Lee war ein Phänomen; man täte ihm unrecht, wenn man ihn nur als „Film-Vampir“ abstempeln würde.

Das Buch zum Artikel:
Christopher Lee: Lord of Misrule – The Autobiography of Christopher Lee. Orion 2003 (Reprint). 354 Seiten. ISBN  978-0752857701.

 

Published in: on 1. Januar 2020 at 02:00  Comments (6)  
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Englische Exzentriker – Mark McGowan alias Chunky Mark alias The Artist Taxi Driver

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Mark McGowan, 1964 in London geboren, ist ein Performance Künstler, und um diese sehr spezielle Kunstform zu betreiben, muss man schon über eine gehörige Portion Exzentrik verfügen. Seine „Kunst-Stücke“ sind witziger und abstruser Natur, machen aber immer wieder nachdenklich. Er ist auch unter den Namen Chunky Mark und The Artist Taxi Driver bekannt (er verdiente sich einige Jahre lang ein Zubrot als Taxifahrer). Durch seine bizarren Acts will der Künstler auf unkonventionelle Weise auf Dinge hinweisen, die ihm wichtig sind. Hier sind einige dieser exzentrischen Kunstwerke:

Chips and Beans. Bei dieser Aktion verbrachte Mark McGowan zwölf Tage in einer Badewanne, die mit gebackenen Bohnen und Tomatensoße gefüllt war, dazu hatte er sich ein sieben Pfund schweres Wurstpaket auf den Kopf geschnallt und sich zwei Pommes Frites in die Nasenlöcher gesteckt. Zweck der ganzen Aktion: Nachdem ein italienischer Freund einmal das britische Frühstück kritisiert hatte, wollte sich McGowan in ein solches verwandeln, um für dieses „kulinarische Kulturgut“ zu demonstrieren. Die Badewanne war im Schaufenster einer Londoner Galerie aufgestellt.

Where’s Daddy’s Pig“ hieß einer der McGowanschen Acts, der darin bestand, dass er ein Spielzeugschweinchen auf Rädern auf allen Vieren durch die Straßen Londons bis zum Parlamentsgebäude schob, um auf die katastrophale Lage des englischen Gesundheitswesens aufmerksam zu machen.

In „Monkey Nuts“ demonstrierte Mark McGowan gegen die hohen Studiengebühren im Land; dazu schob er eine Erdnuss mit der Nase viele Kilometer quer durch London bis vor die Tür von No. 10 Downing Street, wo er die Nuss übergab und dafür eine Tasse Tee angeboten bekam.

Der Künstler steht der königlichen Familie sehr kritisch gegenüber, und dafür ließ er sich zwei Performance Acts einfallen; der eine hieß „Artist Eats Swan, wobei er gegen ein Privileg verstoß, das nur der Königin vorbehalten ist (die meines Wissen aber noch nie einen Schwan gegessen hat), und der andere hieß „Eating The Queen’s Dogs„, da verspeiste er einen der von der Queen so heiß geliebten Corgis (das Tier soll eines natürlichen Todes gestorben sein und natürlich nicht der Königin gehört haben). McGowan protestierte damit  gegen Prince Philip, der bei einer Jagd einen Fuchs erschlagen haben soll.

Published in: on 23. Oktober 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Skulpturen im Wasser Teil 2 – „The Diver“ von John Kaufman

Die Gegend um Rainham im Osten Londons gehört nicht gerade zu den schönsten der Stadt; sie ist geprägt von Industrieanlagen, die mehr oder weniger dicht an der Themse liegen. In Rainham, in der Themse, findet sich aber auch ein beachtliches Kunstwerk, das manchmal, bei Niedrigwasser, komplett zu sehen ist, sonst nur zum Teil aus dem Wasser ragt, manchmal aber, bei Hochwasser, ganz untergetaucht ist.

The Diver“, also „Der Taucher“, heißt diese Skulptur, die von John Kaufman (1941-2002) geschaffen wurde und die am 23. August 2000 um 3.30 Uhr nachts in der Themse installiert wurde. Die aus den Fluten des Flusses auftauchende Gestalt besteht aus verzinktem Stahl, wiegt drei Tonnen und ist 4,60m hoch.
John Kaufman, der im Osten Londons wohnte, verbrachte fünf Jahre mit der Realisierung seines Projekts, von der Idee bis zur Installation der Skulptur im Schlick des Flusses. Sie soll an seinen Vater Friederich Johann Andreas Kaufmann erinnern, der  selbst Taucher in den London Docks war, und an alle Männer, die gefährliche Jobs auf der Themse ausüben.

Im März 2009 hatte der damalige Bürgermeister von London, Boris Johnson, die Skulptur in seine Liste „100 reasons to visit London“ aufgenommen.

Dieser Film zeigt die einsame Figur im Wasser der Themse.

Published in: on 17. September 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Skulpturen im Wasser Teil 1 – „Couple“ von Sean Henry

Für einige britische Künstler muss es einen besonderen Reiz ausüben, wenn sie ihre Skulpturen ins Meer oder in einen Fluss stellen. Ich denke da an Antony Gormleys gusseiserne Männer am Strand von Crosby Beach in Merseyside oder an Jason deCaires Taylors „The Rising Tide“, vier Reiterfiguren in der Themse.
In zwei Blogeinträgen möchte ich weitere Objekte vorstellen. Hier in Teil 1 Sean HenrysCouple„, eine Skulptur, die der Künstler im Jahr 2007 300 Meter vor der Küste von Northumberland in Newbiggin-by-the-Sea aufgestellt hat. „Couple“ zeigt ein Pärchen aus Stahl und Bronze, das von einem Gerüst auf einem Wellenbrecher aus ins weite Meer blickt. Die Spezialität des 1965 geborenen Künstlers ist die Schaffung von lebensgroßen oder überlebensgroßen menschlichen Figuren, die er bemalt und an mehr oder wenigen ungewöhnlichen Plätzen aufstellt. Sein „Woman“ steht zuum Beispiele in einer Einkaufspassage in Woking (Surrey), Henry Geburtsort, und seine „Seated Figure“ in der Einsamkeit der Moore von North Yorkshire.

Die beiden Figuren in Newbiggin-by-the-Sea, die im Rahmen des Newbiggin Bay Replenishment Projects aufgestellt wurden, sind etwa fünf Meter hoch, und sie haben ein Gegenstück an Land, das sich „Land Couple“ nennt, eine Miniatur-Version des Originals.

Ich finde die Figuren des Künstlers, der sein Atelier in der Nähe von Winchester in Hamsphire hat, sehr ansprechend. Einige seiner Werke wurden auch schon in Deutschland gezeigt wie in Bad Homburg und in Neu-Anspach.

„Land Couple“.
Photo © Andrew Curtis (cc-by-sa/2.0)

Sean Henrys „Woman“ im Peacock Centre von Woking (Surrey).
Author: RJCook
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„Seated Man“ in den Mooren von North Yorkshire.
Author: BScar23625
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Published in: on 16. September 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Meine Brighton-Trilogie Teil 1: Max „The Cheeky Chappie“ Miller (1894-1963) – Ein Comedian aus der guten alten Zeit

Max Millers Statue in den Pavilion Gardens.
Photo © Mike Pennington (cc-by-sa/2.0)

Max Miller, dessen richtiger Name Thomas Henry Sargent  lautet, wurde 1894 im südenglischen Brighton geboren, wo er auch 67 Jahre später starb. Er war ein fester Bestandteil der englischen Varieté- und Unterhaltungsszene von den 1920er bis in die 1950er Jahre. Er tourte viel durch die Lande, trat auch in Übersee auf, doch Brighton war sein zuhause, und sofern es seine Engagements zuließen, hielt er sich bevorzugt in seiner Geburtsstadt auf. Bekannt war er durch seine schrillen Anzüge und durch seine manchmal etwas gewagten, mehr oder weniger doppeldeutigen „saucy jokes„, die ihn hin und wieder mit der Zensurbehörde in Konflikt brachten. Sein Publikum liebte aber gerade diese Art von Unterhaltung wie zum Beispiel diesem Spruch:

„Have you heard about the girl of eighteen who swallowed a pin, but didn’t feel the prick until she was twenty-one?“

Nun, man muss diese Art von Humor mögen.

Die Stadt Brighton liebt ihren Comedian wie er Brighton liebte. Am 1. Mai 2005 errichtete man zu seinem Gedenken ein Denkmal in den Pavilion Gardens an der New Road.  An der Burlington Street Nummer 25, dem Haus, in dem Max Miller starb, ist eine blaue Plakette angebracht, ebenso an der Marine Parade Nummer 160, dort, wo er viele Jahre lang lebte. Am Walk of Fame an der Marina, wo man ähnlich wie in Hollywood, den Personen einen Gedenkstein ins Pflaster gesetzt hat, die in irgendeiner Form mit Brighton verbunden waren, ist auch einer, der dem Comedian gewidmet ist. Eine Straße trägt den Namen des Varietékünstlers, der Max Miller Walk am Strand von Brighton.

Einer der Linienbusse der Brighton and Hove Bus Company (ich berichtete in meinem Blog darüber) ist nach Max Miller benannt.

Die Max Miller Appreciation Society, die über 1000 Mitglieder zählt,  sorgt dafür, dass der Name des Comedians nicht in Vergessenheit gerät. Sie hat in Bardsley’s Fish and Chips Restaurant in der 22-23a Baker Street eine Dauerausstellung mit Erinnerungsstücken von Max Miller eingerichtet; dazu gehört auch einer seiner schrillen Anzüge.

Hier ist ein Film über den Cheeky Chappie.

Das Buch zum Artikel:
John M. East: Max Miller: The Cheeky Chappie. Robson Books 1998. 224 Seiten. ISBN 978-0860518556.

160 Marine Parade, wo Max Miller wohnte, mit blauer Plakette links neben der Haustür.
Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)

Der Max Miller Walk am Strand von Brighton.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)

…und Blackpool in Lancashire zum zweiten: Der Comedy Carpet

Schräg gegenüber vom Pub The Albert and the Lion an der Promenade in Blackpool, den ich gestern in meinem Blog erwähnte, findet der Besucher des Seebades etwas Außergewöhnliches: The Comedy Carpet. Der Blackpool Council gab das £2.6 Millionen teuere Kunstwerk in Auftrag, das 2011 von dem mittlerweile verstorbenen Comedian Ken Dodd der Öffentlichkeit übergeben wurde (in diesem Film zu sehen). Der 2,200m² große „Teppich der Komiker“ erinnert an über 1000 Comedians, Männer und Frauen, die über Jahrzehnte die Besucher von Blackpool zum Lachen gebracht haben. Kreiert wurde das Kunstwerk von Gordon Young, der dafür im Jahr 2012 mit dem  Marsh Award for Excellence in Public Sculpture ausgezeichnet wurde. Es steckt wirklich eine Unmenge an Arbeit in diesem Werk (ca 5 Jahre), bei dem 160 000 Buchstaben auf Betonplatten angebracht wurden. Auch die Recherchearbeit hat viel Zeit in Anspruch genommen, denn zu den Comedians mussten „jokes, songs and catchphrases“ herausgesucht werden, durch die sie bekannt geworden sind. Die Typografie ist sehr speziell, es gibt kleine Buchstaben, große Buchstaben, mal kann man den Text von der einen Seite, mal von der anderen Seite lesen.

Das begehbare Kunstwerk bietet sich auch an, um zu raten, von wem die Sprüche wohl stammen könnten. Hier sind einige Beispiele:

„Doctor, I have broken my arms in several places“, Doctor: „Well, don’t go to those places“ (Tommy Cooper)

„It was a perfect marriage. She didn’t want to and he couldn’t“ (Spike Milligan)

„He’s not the Messiah, he’s a very naughty boy“ (Monty Python)

„She was so cross-eyed, when she cried the tears ran down her back“ (Les Dawson)

„I thought coq au vin was love in a lorry“ (Victoria Wood)

Dieser Film zeigt wie der Comedy Carpet hergestellt wurde.

Published in: on 11. Mai 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Clara Butt (1872-1936) – Eine Sängerin, deren Stimme bis über den Ärmelkanal zu hören gewesen sein soll

According to the Library of Congress, there are no known restrictions on the use of this photo.

Meine erste Begegnung mit der Altistin Clara Butt (1872 – 1936) war im The Springs Hotel bei North Stoke in Oxfordshire, das ich in meinem Blog schon vorgestellt habe und das leider 2014 geschlossen wurde. Dort war ein Zimmer nach ihr benannt, und ihr Geist sollte hin und wieder im Hotel gesehen worden sein.

Im The Springs las ich auch, dass man von Clara Butt sagte, ihre Stimme sei so gewaltig, dass man sie an einem klaren Tag bis über den Ärmelkanal hinweg hören konnte.
Geboren wurde Clara 1872 in Southwick in West Sussex und nachdem sie mit ihren Eltern nach Bristol gezogen war, erkannte man dort in ihrer Schule, dass sie eine großartige Stimme hatte und förderte sie dementsprechend. Ihre musikalische Ausbildung genoss sie u.a in Berlin und Paris.

Am 7. Dezember 1892 gab sie schließlich ihr Debut an der Londoner Royal Albert Hall mit Arthur Sullivans „The Golden Legend“. Der damalige Musikkritiker George Bernard Shaw äußerte sich von ihrem Auftritt begeistert: “ She far surpassed the utmost expectations that could reasonably be entertained„.

Clara Butt trat nur äußerst selten in Opern auf; sie bevorzugte Konzerthallen, die sie mit ihrer gewaltigen Stimme zum Erbeben bringen konnte. Ihr wurde nach dem 1. Weltkrieg der Titel DBE verliehen, Dame Commander of the Order of the British Empire, für ihre Verdienste, die sie sich während des Krieges erworben hatte.
Ihre letzten Lebensjahre standen unter keinem guten Stern: Ihre beiden Söhne starben sehr jung und sie selbst erkrankte an Krebs, wodurch sie an den Rollstuhl gefesselt war. Clara Butt starb am 23. Januar 1936 in ihrem Haus in North Stoke; ihre letzte Ruhestätte fand sie dort auf dem Kirchhof von St Mary’s.

Hier ist sie mit Elgars „Land of Hope and Glory“ zu hören.

Das Buch zum Artikel:
Winifred Ponder: Clara Butt – Her Life Story. Da Capo Press 1978. 261 Seiten. ISBN 978-0306775291. (Reprint der Ausgabe von 1928).
Meines Wissens ist das die einzige Biografie, die über sie geschrieben wurde.

St Mary’s in North Stoke (Oxfordshire).
Photo © Bill Nicholls (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. April 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Maggi Hamblings „A Conversation With Oscar Wilde“ – Eine Skulptur in der London Adelaide Street

Hinter der Londoner Kirche St. Martin-in-the-Fields und gegenüber dem Charing Cross Bahnhof befindet sich seit 1998 in der Adelaide Street eine Skulptur, die an den großen Schriftsteller Oscar Wilde erinnert. Maggi Hambling hat „A Conversation With Oscar Wilde„, wie das Kunstwerk heißt, geschaffen; eine 1945 in Sudbury (Suffolk) geborene Künstlerin, deren Werke nicht ganz unumstritten sind. So sorgte die Skulptur „Scallop„, die sie am Strand von Aldeburgh in Suffolk aufstellte, bei einigen der Bewohner des Ortes für Aufregung, die das Kunstwerk als Beleidigung für die Augen bezeichneten.

Doch zurück zu dem aus Bronze und Granit gefertigten Oscar Wilde. Kopf und Arme scheinen aus einem Sarg herauszuragen, in der einen Hand hält er eine Zigarette und das Monument soll einladen, sich zu ihm zu setzen und inmitten der hektischen Umgebung, nicht weit vom Trafalgar Square, einige Minuten lang eine stille Konversation mit dem Schriftsteller zu halten.

In den 1980er und frühen 1990er Jahren waren die Anhänger Oscar Wildes der Meinung, dass es höchste Zeit wäre, ihm in der Stadt, in der er so lange Zeit verbracht hat, ein Denkmal zu setzen. Ein Kommitee wurde eingesetzt, das 12 Künstler aufforderte, Vorschläge für solch ein Monument einzureichen;  der überzeugendste Entwurf kam von Maggi Hambling. Viele Londoner und mehrere Organisationen spendeten kleinere und größere Summen, bis schließlich das Geld zusammenkam, um die Skulptur zu finanzieren.

Hoffen wir, dass die Einladung zu einer Unterhaltung mit O.W. auch weiterhin angenommen wird, und dass die Vandalen der Hauptstadt einen großen Bogen um das Monument machen.
Übrigens steht auch am Gefängnis von Reading eine Oscar Wilde-Skulptur (s. hierzu meinen Blogeintrag)

Hier ist ein Film über Maggi Hambling zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Maggi Hambling: The Works. Unicorn Press 2014. 240 Seiten. ISBN  978-1906509699.

Published in: on 4. April 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Forest of Dean Sculpture Trail – Kunstwerke in einem Waldgebiet in Gloucestershire

„Sculpture Trails“ gibt es mehrere in England; in meinem Blog stellte ich bereits den den Grizedale Sculpture Park in Cumbria vor und den am Broomhill Art Hotel in Devon. Im Forest of Dean in der Grafschaft Gloucestershire gibt es einen weiteren namens Forest of Dean Sculpture Trail, der ab 1986 angelegt wurde und von einem Trust permanent finanziell unterstützt wird. Einige der älteren Kunstwerke sind mittlerweile verrottet, einige neue sind dazugekommen. Auf dem „Waldkunstlehrpfad“ finden sich Werke von einigen renommierten Künstlern Großbritanniens, von denen ich hier einige im Bild vorstellen möchte:

Iron Road heißt dieses Werk von Keir Smith (1950-2007) und wurde aus 20 alten Gleisschwellen hergestellt, denn hier verlief einmal eine Bahnlinie. Smith hat in jede Schwelle ein Bild geschnitzt, das in einem Bezug zu dem Waldgebiet steht.

Kevin Athertons fünf Meter hohe Glasskulptur „Cathedral„. Atherton stammt von der Isle of Man.

Place“ oder „Giant’s Chair“ von Magdalena Jetelova, eine der Skulpturen, die dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen sind. Das Kunstwerk wurde abgebaut und zu Holzkohle umgewandelt. Im Laufe diesen Jahres soll an dieser Stelle ein Werk von Elpida Hadzi Vasileva aufgestellt werden, das den Namen „Cusp“ tragen wird.

Searcher“ von Sophie Ryder, einer Londoner Bildhauerin, die sich auf die Erschaffung mystischer Figuren spezialisiert hat.

Heart of Stone“ von Timothy Lees, einem Master Carver, der viel für den National Trust gearbeitet hat.

Hier kann man sich den Forest of Dean Sculpture Trail  noch einmal im Film ansehen.

Forest of Dean Sculpture Trail
Speech House Road (B4226)
Coleford GL16 7EL
Gloucestershire

Published in: on 14. Januar 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Londoner U-Bahnstation Finsbury Park und der tragische Tod eines Jazz- und Bluesmusikers

Die Londoner U-Bahnlinie Piccadilly Line führt auf rund 71 Kilometern quer durch London. Finsbury Park (hier im Film zu sehen) ist eine der Stationen, zwischen Arsenal und Manor House gelegen, eine stark frequentierte Umsteiger-Haltestelle mit über 30 Millionen Fahrgästen jährlich. Am 8. Mai 1974 starb auf diesem Bahnhof der Jazz- und Bluesmusiker Graham Bond einen tragischen Tod. Der 36-jährige wurde von einem einfahrenden Zug erfasst und war sofort tot. Es dauerte einige Zeit bis seine Identität von den Behörden festgestellt werden konnte. Wie es zu dem tragischen Ereignis kam, wurde nie eindeutig geklärt. Vieles spricht für Selbstmord, Bond hatte immer wieder Drogenprobleme gehabt, soll aber in der Zeit vor seinem Tod clean gewesen sein. Trotzdem gibt es eine Theorie, die besagt, dass ihn Drogendealer, denen Bond Geld schuldete, in die U-Bahnstation verfolgten und es dann zu dem Sturz vor die Bahn kam.

Nach einer anderen, sehr merkwürdigen Theorie soll während eines Exorzismus ein Dämon in ihn gefahren sein, der den Musiker in den Bahnhof trieb und ihn zwang, sich vor den Zug zu stürzen. Graham Bond beschäftigte sich in den letzten Jahren seines Lebens intensiv mit dem Okkultismus und war der Meinung, der Sohn des berühmten Okkultisten Aleister Crowley (1875-1947) zu sein. Zwei von Bonds letzten Alben trugen die Titel „Holy Magick“ (1970) und „We Put Our Magick On You“ (1971).

Graham Bond spielte in den 1960er und 1970er Jahren mit den Größen der damaligen Musikszene zusammen wie Jack Bruce, Ginger Baker, John McLaughlin und Alexis Korner, um nur einige zu nennen.
Seine Beerdigungsfeier fand im South London Crematorium in Streatham Park statt, bei der Jack Bruce die Orgel spielte. Bonds Asche wurde in das Rocky Valley bei Tintagel nach Cornwall gebracht und dort in einem Wasserfall verstreut, den er sehr liebte und der Jack Bruce und Pete Brown inspirierte, den Song „Tickets to Waterfalls“ zu schreiben.

Hier ist Graham Bond am Keyboard zu sehen und zu hören.

Das South London Crematorium.
Photo © Bilbo (cc-by-sa/2.0)

Das Rocky Valley bei Tintagel in Cornwall.
Photo © David P Howard (cc-by-sa/2.0)

Earthly Messenger – Die David Bowie-Statue auf dem Marktplatz von Aylesbury in Buckinghamshire

In meinem Blogeintrag vom 18. Oktober 2016 schrieb ich über die geplante Statue von David Bowie, die auf dem Marktplatz von Aylesbury in Buckinghamshire aufgestellt werden sollte, für die sich der Musikmanager David Stopps sehr engagiert hatte. Der Bildhauer Andrew Sinclair, dessen Studio früher in Wendover war, einem Nachbarort von Aylesbury, bekam den Auftrag, die Bronzestatue zu erstellen und im März diesen Jahres war es soweit, das Kunstwerk mit dem Titel „Earthly Messenger“ wurde von dem Musiker Howard Jones enthüllt (sein größter Erfolg war „What is love“ aus dem Jahr 1983). Nicht nur David Bowie selbst zeigt das Werk, sondern auch seine Alter Egos wie die Kunstfigur Ziggy Stardust. Über der Gruppe sind Lautsprecher angebracht, über die zu jeder vollen Stunde ein David Bowie-Song zu hören ist (von 9 Uhr bis 21 Uhr). Hier sind Bilder von der Enthüllungsfeier.
David Stopps ging sogar soweit, dass sich die besondere Beziehung Bowies zu Aylesbury darin ausdrücken sollte, dass die Stadt von Aylesbury in Aylesbowie umbenannt werden sollte, und er bei der Stadtverwaltung einen entsprechenden Antrag stellte.

Kurz nach Enthüllung der Gedenkstätte unter den Arkaden des Marktplatzes wurde sie schon Opfer von Vandalismus. Irgendein Graffiti-„Künstler“ beschmierte sie mit den Worten „Feed the homeless first” und „RIP DB“. Mit sehr viel Aufwand reinigte man den „Earthly Messenger“ und jetzt am 11. Oktober, nach Beendigung der Reinigungsarbeiten, passierte dasselbe noch einmal. Wieder kam ein Sprayer in der Nacht vorbei und verunstaltete die Statue, indem er sie mit Farbe besprühte. Überwachungskameras nahmen beide Vorfälle auf und anhand der Bilder jetzt vom Oktober konnte ein Verdächtiger festgenommen werden.

David Bowie-Fans aus aller Welt kommen nach Aylesbury, um dort dem Sänger ihre Ehre zu erweisen.

„Aylesbowies“ Market Square.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. November 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die acht Bronzestatuen an der Londoner Vauxhall Bridge

Die Londoner Vauxhall Bridge.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Am  26. Mai 1906 wurde die neue Vauxhall Bridge in London eröffnet, mit fünf Jahren Verspätung. Im Vorfeld hatte es eine Reihe von Probleme gegeben, die erst behoben werden mussten, auch was das Erscheinungsbild der Brücke anbelangte. Die Vauxhall Bridge war sehr funktionell geraten und daher wollte man noch einige künstlerische Verschönerungen an ihr vornehmen. Der erste Vorschlag war, an jedem Ende der Brücke einen 18 Meter hohen Turm zu errichten, auf dem dann jeweils eine Skulptur stehen sollte; doch diese Idee wurde schnell aus Kostengründen verworfen. Bei Konsultationen mit dem schottischen Architekten Richard Norman Shaw entwickelte sich der Gedanke, stattdessen auf jeder Seite der Brücke vier Bronzefiguren anzubringen, die jeweils einen Aspekt britischen Lebens repräsentieren sollte. Beauftragt mit der Umsetzung wurden die Bildhauer Alfred Briscoe Drury und Frederick William Pomeroy. Drurys Figuren wurden an der flussabwärts gelegenen Seite der Themsebrücke angebracht, Pomeroys an der flussaufwärts gelegenen Seite.

Drurys Statuen verkörpern die Künste (eine Malerpalette und eine Statuette), die Wissenschaft (ein Himmelsglobus), Bildung (eine Mutter mit ihren zwei Kindern) und Kommunalverwaltung (ein Gesetzbuch), Pomeroy war auf der anderen Brückenseite zuständig für Architektur (ein Modell der St Pauls Kathedrale), Landwirtschaft (eine Sense und eine Getreidegarbe), Technik (eine Dampfmaschine) und das Töpferhandwerk (eine Vase). Die ca zwei Tonnen schweren weiblichen Figuren  sind von der Brücke aus kaum auszumachen, es sei denn man lehnt sich weit über das Geländer. Am besten kann man sie direkt von einem Themseboot aus sehen.

Die Architektur.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Die Landwirtschaft.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Die Technik.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Das Töpferhandwerk.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Die schöne Nackte von Rokeby Park im County Durham

This work is in the public domain.

£500 bezahlte John Bacon Sawrey Morritt (1772? – 1843) dem Kunsthändler William James Buchanan im Jahr 1813 für ein Gemälde des spanischen Malers Diego Velazquez und hängte es in seinem Wohnsitz Rokeby Park in der Nähe von Barnard Castle im heutigen County Durham auf. Die vorigen Eigentümer des Bildes waren der spanische Kunstsammler Gaspar de Haro y Guzmán und der Politiker mit dem schönen Namen Manuel de Godoy y Álvarez de Faria Rios Sanchez Zarzosa.

Venus del espejo“ hatte Velazquez sein Gemälde genannt, „Venus vor dem Spiegel“. Es zeigt die nackte Göttin Venus mit dem Rücken zum Betrachter; Amor, ihr Sohn, hält ihr einen Spiegel vor, der ihr Gesicht zeigt.

Auf Grund des Standortes des Bildes spricht man in England auch von der Rokeby Venus. Rokeby Park wurde 1735 von dem Architekten Sir Thomas Robinson, 1st Baronet (1703–1777) im palladianischen Stil erbaut; ein großer Teil der Innenarchitektur stammt von John Carr, der zahreiche englische Herrenhäuser gestaltete. Die „Venus vor dem Spiegel“ hing fast ein Jahrhundert in dem Landhaus, bis sie 1905 für die Londoner National Gallery erworben wurde, wo sie bis heute zur Schau gestellt wird. Im Salon von Rokeby Park finden wir eine Kopie des Gemäldes, das der Maler W.A. Menzies angefertigt hat. Wer sich mit dieser Kopie zufrieden gibt, kann sie sich direkt in Rokeby Park ansehen; der Landsitz ist an bestimmten Tagen für Besucher geöffnet, hier sind die Zeiten. Dieser Film zeigt die frühere Wohnstatt der Göttin.

Die Ruhe der nackten Göttin in der National Gallery wurde am 10. März 1914 empfindlich gestört, da an diesem Tag die Frauenrechtlerin Mary Richardson einen Angriff auf die Venus unternahm und ihr einige Schnitte zufügte. Grund des Attentats war die Verhaftung einer anderen Frauenrechtlerin, Emmeline Pankhurst.
I have tried to destroy the picture of the most beautiful woman in mythological history as a protest against the Government for destroying Mrs Pankhurst, who is the most beautiful character in modern history“, war die Erklärung von Mary Richardson für ihre Tat. Außerdem mochte sie nicht, dass die Nackte von Männern angestarrt wurde. Glücklicherweise waren die Beschädigungen am Gemälde nicht so dramatisch und es konnte wieder restauriert werden.

Rokeby Park.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)

Das Londoner Kaufhaus Selfridges und die Queen of Time Clock

Den Eingang des Londoner Kaufhauses Fortnum & Mason in Piccadilly ziert eine Uhr, neben der zwei Türen angebracht sind, aus der zu jeder vollen Stunde die Herren William Fortnum und Hugh Mason erscheinen, begleitet von Glockenspiel und Musik (ich berichtete in meinem Blog darüber). Über 30 Jahre vorher wurde über dem Haupteingang des Konkurrenz-Kaufhauses Selfridges in der Oxford Street etwas Ähnliches installiert: Die Queen of Time Clock, aus Anlass des 21. Geburtstages des Kaufhauses. Die Uhr hat zwei Zifferblätter und schlägt zu jeder Viertelstunde. Sie ist über einer aufwendig gestalteten geflügelten Bronzefigur, der Queen, angebracht, die auf dem Bug eines Schiffes steht, umgeben von weiteren Art Deco-Figuren wie Meerjungfrauen und anderen geflügelten Gestalten. In ihrer rechten Hand hält die Queen of Time eine Kugel, auf der eine weitere Figur mit Flügeln angebracht ist, die linke Hand umfasst Olivenzweige. Oberhalb der beiden Zifferblätter sieht man ein Segelschiff.

Der Bildhauer, der die Queen of Time angefertigt hat, heißt Gilbert Bayes (1872-1953). Der renommierte Künstler war u.a. für seine vielen Kriegerdenkmäler bekannt geworden. Gordon Selfridge war ein großer Bewunderer von Bayes, und so findet man an anderen Stellen des Kaufhauses weitere Kunstwerke des Bildhauers. Ursprünglich wollte Gilbert Bayes die rund vier Meter hohe Queen of Time aus Terracotta anfertigen, entschied sich dann aber doch für Bronze. Die Figur ist teils vergoldet und mit Fayencen und Steingut aus dem Hause Doulton verziert. Dieser Film zeigt den Künstler und einige seiner Werke, auch die Queen of Time.

Panopticons – Vier Kunstwerke im Osten der Grafschaft Lancashire

The Singing Ringing Tree bei Burnley.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Gestern schrieb ich in meinem Blog über das „After Life“ von Jeremy Bentham. In seinem richtigen Leben hatte der Philosoph u.a. auch das sogenannte Panopticon entwickelt, das ist ein Überwachungssystem, das vor allem in Gefängnissen eingesetzt wurde. Von einem zentralen Beobachtungsturm aus, hat ein einzelner Gefängniswärter alle Zellen und Gänge im Blick und sieht genau, was da so getrieben wird, während er selbst nicht gesehen werden kann. Dieses System wurde auch in einigen Fabrikgebäuden angewendet.

In den Jahren 2006/07 hat das East Lancashire Environmental Arts Network ein Kunstprojekt ins Leben gerufen, dem man ebenfalls den Namen Panopticon gegeben hat. Mit Hilfe von vier Kunstwerken, die auf Hügeln in Lancashire aufgestellt wurden, und die eine Rundumsicht wie das Benthamsche Panopticon bieten, soll der Besucher auf die außergewöhnliche Landschaft in dieser Region aufmerksam gemacht werden.

Da ist einmal der Singing Ringing Tree über der Stadt Burnley auf dem Crown Point, über den ich in meinem Blog früher schon einmal geschrieben habe und auf den ich deshalb nicht näher einzugehen brauche.

Oberhalb des Ortes Wycoller wurde The Atom platziert, eine Idee von  Peter Meacock. Das Kunstwerk bietet einen tollen Ausblick auf die sagenumwobenen Pendle Hills und ist gleichzeitig Unterschlupf bei schlechtem Wetter. In diesem Film erfährt man alles über die Installation The Atom.

Oberhalb von Blackburns Corporation Park steht Colourfields, wobei die ehemalige Kanonenbatterie genutzt wurde, 1857 bei der Eröffnung des Parks installiert, auf der zwei russische, im Krimkrieg erbeutete Kanonen standen. Diese schon fast verfallene Anlage integrierte die Künstlerin Sophie Smallhorn in ihr Projekt. Von hier oben hat man einen Panoramablick auf Blackburn und kann in der Ferne die Küstenstädte Southport und Fleetwood sehen.

The Halo ist die vierte Installation des Panopticon-Projekts. Sie steht auf einer ehemaligen aufgeschütteten Deponie bei Haslingden und bietet einen Blick auf das Tal von Rossendale und die Region Greater Manchester. Es handelt sich dabei um eine Stahlgitterkonstruktion von 18 Metern im Durchmesser, die 5 Meter über dem Boden steht. Im Dunkeln verbreitet The Halo eine besondere Atmosphäre, da die Installation beleuchtet ist. Entworfen hat sie John Kennedy von der schottischen Firma LandLab, die sich auf Landschaftsarchitektur spezialisiert hat.

The Atom bei Wycoller.
Photo © michael ely (cc-by-sa/2.0)

Colourfields bei Blackburn.
Photo © Tony Mercer (cc-by-sa/2.0)

The Halo bei Haslingden.
Photo © Paul Anderson (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 24. Juli 2018 at 07:00  Kommentar verfassen  

Paul Kidby – Der Illustrator, der die Schutzumschläge von Terry Pratchetts „Discworld“-Büchern gestaltete

Porträt Terry Pratchett.
Copyright: Paul Kidby.

Ich war schon immer von den Schutzumschlägen der „Discworld“-Romane von Terry Pratchett fasziniert, obwohl ich Fantasybücher eigentlich nicht mag. Darauf wimmelt es von kuriosen und fantastischen Gestalten, als Beispiele möchte ich hier nennen „Guards Guards“ und „Wyrd Sisters„. Besser kann man die weltweit beliebten Romane des 2015 verstorbenen Fantasy-Autors nicht illustrieren.

Meine (indirekte) Begegnung mit Terry Pratchett war in Wincanton in Somerset, wo es den Fanladen „Discworld Emporium“ gibt und wo der Name Ank-Morporkh aus der Romanserie sogar auf dem Ortsschild zu finden ist; ich berichtete in meinem Blog darüber.

Wer war nun dieser Illustrator? Er heißt Paul Kidby und wurde 1964 in London geboren. Seit 1986 arbeitet er als Illustrator. Er war von den Fantasyromanen Pratchetts so fasziniert, dass er, nachdem er sie alle gelesen hatte, sich daran machte, die in den „Discworld“-Büchern vorkommenden Figuren zu malen und Beispiele davon an den Verleger Pratchetts zu schicken; die Kunst Kidbys fand erst einmal keine Beachtung. Doch der Mann blieb hartnäckig und suchte den Schriftsteller persönlich während einer Signierstunde auf und überreichte ihm noch einmal einen Umschlag mit seinen Entwürfen. Nach einigen Wochen erhielt Paul Kidby einen Anruf von Terry Pratchett, der sich begeistert über die Illustrationen äußerte und von da an arbeiteten beide für viele Jahre eng zusammen. Paul Kidby konnte sich in die Gedankenwelt Pratchetts hineinversetzen und daher die adäquaten Illustrationen.

Immer wieder gab es Ausstellungen über Pratchett, die Discworld und die Werke Kidbys, zuletzt im Salisbury Museum in Wiltshire. Einen Ausstellungskatalog dazu wird es im Oktober diesen Jahres geben mit dem Titel „Terry Pratchett HisWorld – Official Exhibition Companion„.

Paul Kidby ist nicht nur Illustrator, sondern auch ein großartiger Bildhauer, der wunderschöne Bronzen geschaffen hat, darunter auch eine von Terry Pratchett. Im Shop auf Kidbys Webseiten kann man einige seiner Werke kaufen.

„Dree Your Weird“
Copyright: Paul Kidby.

Published in: on 6. Juni 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Themselöwen am Londoner Victoria Embankment und ihre verantwortungsvolle Aufgabe

Bronzene oder steinerne Löwen finden sich in London auf Brückenköpfen und Plätzen, daher ist es schon sonderbar, sie auch an der Kaimauer der Themse am Victoria Embankment zu sehen, das heißt, man sieht sie von der Straße aus nicht, man muss sich schon über die Mauer beugen, und es sind auch keine kompletten Löwen, sondern nur deren Köpfe, jeweils mit einem Ring im Maul. Gedacht waren diese Ringe einmal dafür, Boote daran zu vertauen, doch das ist wohl bisher eher selten passiert.

Die Löwen haben eine wichtige Aufgabe für ihre Heimatstadt London übernommen, als sie Ende der 1860er Jahre an der Mauer installiert worden, sie müssen nämlich den Wasserstand der Themse überwachen und signalisieren, wenn dieser für die Londoner City gefährlich werden könnte. Folgendes Gedicht umreißt die Funktion der Löwenköpfe:

“When the lions drink, London will sink”
“When it’s up to their manes, we’ll go down the drains”
“When the water is sucked, you can be sure we’re all … in trouble”

Es kann schon einmal sein, dass die Themse bei Hochwasser bis an die Köpfe heranreicht, es kommt aber eher selten vor.

Sir Joseph Bazalgette hat die Tiere an der Themsemauer anbringen lassen und zwar im Zuge des Baus seines Abwasseranlagensystems in den Jahren 1868 bis 1870. Gestaltet hat sie der Londoner Bildhauer Timothy Butler (1806-1885), der auch die Straßenleuchten an der Uferstraße entworfen hat. Bekannt war er allerdings vorwiegend für die Anfertigung von Büsten.

Published in: on 2. Mai 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Jacob Epsteins umstrittene Skulpturen am Zimbabwe House am Londoner Strand

Das Londoner Zimbabwe House. Die Skulpturen Epsteins sind auf halber Höhe des Gebäudes zu sehen.
This work has been released into the public domain.

Im Jahr 1908 bekam der damals 28jährige Architekt Jacob Epstein den Auftrag, das Gebäude der  British Medical Association (BMA) an der Londoner Straße Strand mit Skulpturen zu verzieren, sein erster großer Auftrag. Mit Begeisterung machte er sich an die Aufgabe und schuf achtzehn etwa 2,50 Meter hohe Figuren, die er „Ages of Man“ nannte. Kaum war die Figurengruppe oben am Haus angebracht, brach ein Sturm der Entrüstung los, denn die Skulpturen zeigten die nackten Körper von Männern und Frauen, und das fanden viele Londoner obszön. Je mehr über die Epsteinschen Kunstwerke diskutiert wurde, umso mehr Menschen kamen extra nach London, um sie sich anzusehen. Bestrebungen, die Skulpturen wieder zu entfernen, widerstand die BMA und nach und nach beruhigten sich die Menschen wieder… bis 30 Jahre später, die nackten Damen und Herren erneut ins Rampenlicht rückten. Das Gebäude an der Ecke Strand/Agar Street wurde von der Rhodesian High Commission übernommen und nannte sich von da an Rhodesia House. Die Londoner Abgase hatten in den vergangenen 30 Jahren erbebliche Schäden an den Figuren angerichtet, es bröckelte und bröselte an allen Ecken und Enden. Eines Tages fiel ein Körperteil einer der Skulpturen herunter und traf dabei einen Passanten, und da gibt es unterschiedliche Aussagen, um was es sich da handelte. Da ist einmal die Rede von einem Penis und ein anderes Mal von einem Kopf.  Simon Leyland spricht sich in seinem Buch „A Curious Guide to London“ für die Penisvariante aus und meint sogar, dass der Passant gestorben ist. Was nun auch immer stimmt, die Eigentümer des Gebäudes, die die bröckelnden Nackten sowieso nicht mochten, ließen sämtliche hervorstehenden Körperteile entfernen, damit sich so ein Unfall nicht mehr wiederholen konnte.

Heute sieht man die achtzehn unglücklichen, entmannten und entstellten Skulpturen noch immer in luftiger Höhe in ihren Nischen stehen, und der Zahn der Zeit nagt weiter an ihnen wie dieser Film zeigt. Ihr Schöpfer, Jacob Epstein, der von 1880 bis 1959 lebte, gehört zu den wichtigsten englischen Bildhauern des 20. Jahrhunderts.

In dem jetzt Zimbabwe House genannten Gebäude befindet sich die Botschaft des Staates Zimbabwe.

Copyright: „LondonRemembers.com

Published in: on 25. April 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Komponist und Dichter Ivor Gurney (1890-1937) und seine Liebe zu der Grafschaft Gloucestershire

Das Ivor Gurney gewidmete Glasfenster in der Kathedrale von Gloucester.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)

Der englische Dichter und Komponist Ivor Gurney, der von 1890 bis 1937 lebte, dürfte in Deutschland kaum bekannt sein. Seine Gedichte sind nie ins Deutsche übertragen worden und auch seine Kompositionen werden wohl eher selten, wenn überhaupt, hierzulande gespielt.

Ivor Gurney wurde 1890 in der Queen Street in Gloucester geboren und zog bald darauf mit seinen Eltern in die Barton Street, beide Häuser existieren nicht mehr. Der junge Mann entwickelte schon früh eine sehr enge Beziehung zu Gloucestershire; so unternahm er häufig nächtliche Spaziergänge durch die Landschaft. Seine beiden Lieblingsorte waren der Cooper’s Hill (der Berg der rollenden Käse; s. dazu meinen Blogeintrag) und der kleine Ort Framilode, direkt am River Severn, wo er häufig zu Gast bei seinen Freunden, den Harrises, im Lock House war.

Im Alter von 21 Jahren ging er an das Royal College of Music nach London, aber er plagte sich dort ständig mit seinem Heimweh nach Gloucestershire herum. Im Laufe seines Lebens arbeitete Ivor Gurney als Organist in mehreren Kirchen in Gloucestershire; 1912 zog er nach Twigworth, einem Dorf nördlich von Gloucester an der A38, auf dessen Friedhof er später auch beigesetzt werden sollte.

Im Februar 1915 ging Gurney im Ersten Weltkrieg als Soldat an die Front nach Frankreich, wo er Schreckliches erlebte, verwundet und Opfer eine Gasangriffs wurde, der starke Auswirkungen auf seine Gesundheit hatte. Sein Geisteszustand verschlimmerte sich ständig, so dass er die letzten 15 Jahre seines Lebens in psychiatrischen Kliniken verbrachte.

In Ivor Gurneys musikalischem Werk ist immer wieder die Liebe zu seiner Heimat-Grafschaft Gloucestershire zu spüren: sie gipfelte in „A Gloucestershire Rhapsody„, die der englische Komponist Philip Lancaster  “a great sweeping landscape that portrays the nobility of Gurney’s Gloucestershire” bezeichnete. Hier ist die selten gespielte Rhapsodie zu hören.

In der Kathedrale von Gloucester, in der der junge Ivor im Chor sang, hat man ihm im Jahr 2014 ein von Thomas Denny entworfenes Glasfenster gewidmet. Sein Grabstein auf dem Kirchhof der St. Matthew’s Church, zwischen Twigworth und Longford an der A38 gelegen,  trägt die Inschrift „Composer – Poet of the Severn and Somme“.

Die BBC zeigte im Jahr 2014 eine Dokumentation über Gurney mit dem Titel „The poet who loved the war„, hier zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Eleanor Rawling: Ivor Gurney’s Gloucestershire. The History Press 2011. 176 Seiten. ISBN 978-0752453538.

Einer der Lieblingsorte Gurneys in Gloucestershire: Cooper’s Hill (im Hintergrund).
Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

…und ein weiterer Lieblingsort des Komponisten: Framilode am River Severn, hier die Kirche St Peter’s.
Photo © John Winder (cc-by-sa/2.0)

Ivor Gurneys Grabstein auf dem Friedhof von St Matthew’s bei Twigworth.
Photo © Roger Davies (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Ernest Arthur Lough (1911-2000) und Felix Mendelssohn Bartholdys „O for the Wings of a Dove“ – Ein Verkaufshit aus dem Jahr 1927

Die Londoner Temple Church.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Im Jahr 1927 hörte man in England kein Musikstück lieber als Felix Mendelssohn BartholdysO for the Wings of a Dove„, das aus dem Anthem „Hear my prayer“ (dt. „Hör‘ mein Bitten“) stammt, das der deutsche Komponist 1844 geschrieben hatte und welches in der Londoner Crosby Hall am 8. Januar 1845 uraufgeführt wurde. Gesungen wurde es von dem 16jährigen Ernest Arthur Lough, der über eine herausragende Sopranstimme verfügte. Bis 1962 wurden von der Schallplatte eine Million Stück verkauft, die erste klassische Schallplatte der Firma EMI, die diese „Schallgrenze“ überschritten hatte.

Ernest Arthur Lough wurde 1911 in dem Ost-Londoner Stadtteil Forest Gate geboren. Er sang im Chor seiner Heimatkirche St Peter’s, bis er sich 1924 dem Chor der Temple Church in der Londoner City anschloss. Schnell erkannte man hier die stimmlichen Fähigkeiten des jungen Arthur, und seine Stunde schlug am 15. März 1927, als die 1898 gegründete Gramophone Company mit einem der ersten mobilen Aufnahmestudios zur Temple Church kam, um hier Mendelssohn Bartholdys „Hear my prayer“ mit dem Kirchenchor aufzunehmen. Dabei durfte Ernest das Solo „O for the Wings of a Dove“ singen. Der Rest ist Geschichte. Der junge Mann sorgte mit seiner Stimme dafür, dass die Temple Church an Sonntagen gut gefüllt war, viele wollten ihn einmal live erleben.

Die Aufnahme von „Hear my prayer“ ist bis heute als CD erhältlich und von ihr wurden mittlerweile sechs Millionen Exemplare verkauft.

Mit 18 Jahren bekam Ernest einen Stimmbruch und aus dem Sopran wurde ein Bariton; er blieb dem Chor der Temple Church noch eine Weile erhalten. Ernest Arthur Lough arbeitete später bei der Plattenfirma HMV im Marketing und nach dem Krieg bei einer großen internationalen Werbeagentur. Er starb am 22. Februar 2000; an ihn erinnert ein Plakette in der Temple Church.

Hier ist eine kurze Dokumentation über den Chorknaben zu sehen, in der auch Ausschnitte aus „O for the Wings of a Dove“ zu hören sind.

Die Erinnerungsplakette in der Temple Church.
Author: Carol.
Creative Commons 2.0

Die Crosby Hall, in der „Hear my prayer“ 1845 erstmals aufgeführt wurde.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)