Die Lodore Falls in Cumbria und der Lake Poet Robert Southey (1774-1843)

Photo © David Purchase (cc-by-sa/2.0)

Am Südufer des Sees Derwent Water im Lake District in Cumbria steht das schön gelegene Lodore Falls Hotel. Von hier aus gelangt man zu den Lodore Falls, wo sich der kleine Fluss Watendlath Beck 30 Meter tief als Wasserfall eine Schlucht hinunterstürzt, bevor er im Derwent Water mündet. Wenn es hier oben im Nordwesten Englands stark geregnet hat, was ziemlich oft vorkommt, kann aus dem Flüsschen schon einmal ein reißender Fluss werden, und die Lodore Falls entwickeln sich zu einem beeindruckenden Naturschauspiel.

Robert Southey (1774-1843), neben William Wordsworth und Samuel Taylor Coleridge einer der sogenannten Lake Poets, hat sich dieses Wasserfalls 1820 in einem Gedicht angenommen, das er „The Cataract of Lodore“ nannte, ein Musterbeispiel für die Onomatopoesie, so lautet die Bezeichnung für ein lautmalendes Gedicht oder wie es die Wikipedia exakt beschreibt: „die Nachahmung eines Naturlautes oder eines sonstigen außersprachlichen akustischen Phänomens durch die klanglich als ähnlich empfundene Lautgestalt eines sprachlichen Ausdrucks“.

„How does the Water
Come down at Lodore?‘
My little boy ask’d me
Thus, once on a time;
And moreover he task’d me
To tell him in rhyme.“

So beginnt Southeys Gedicht, das immer mehr Fahrt aufnimmt, um sich dann wie ein herabstürzender Wasserfall zu gebärden:

„Sinking and creeping,
Swelling and sweeping,
Showering and springing,
Flying and flinging,
Writhing and ringing,
Eddying and whisking,
Spouting and frisking,
Turning and twisting,
Around and around
With endless rebound!“

So geht es noch lange weiter bis das Gedicht mit den Worten endet:

„All at once and all o’er, with a mighty uproar,
And this way the Water comes down at Lodore.“

Das ist sicher eines von Robert Southeys Meisterwerken, und er muss sich lange an den Lodore Falls aufgehalten haben, um diesen Klangteppich eines Wasserfalls in ein Gedicht zu verweben

Hier wird das Gedicht in voller Länge vorgetragen. Dieser Film zeigt den Wasserfall.

The Lodore Falls Hotel.
Photo © Tony Beattie (cc-by-sa/2.0)

John Opie: Robert Southey (1774-1843), Aged 31; Keswick Museum and Art Gallery. This work is in the public domain.
Published in: on 5. Februar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

Grantchester Meadows – Ein Naherholungsgebiet bei Cambridge und ein Song von Pink Floyd

Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Seit der Ausstrahlung der TV-Serie „Grantchester„, die 2014 begann, dürfte das kleine, hübsche Dorf mit diesem Namen an der Peripherie der Universitätsstadt Cambridge im ganzen Königreich bekannt geworden sein. Ich schrieb in meinem Blog mehrere Male über die TV-Serie und meinen Besuch in Grantchester. Dabei spazierte ich mit meinem Freund David Bradshaw auch über die Grantchester Meadows, die sich vom Dorf entlang des River Cam bis nach Cambridge ziehen.

Die Park- und Wiesenlandschaft wurde von der Dichterin Sylvia Plath in ihrem Gedicht „Watercolor of Grantchester Meadows“ besungen, darin erwähnt sie auch den Byron’s Pool, in dem Lord Byron gebadet haben soll (Näheres über den Teich in meinem Blogeintrag). Sie schreibt darin hauptsächlich über die Tier- und Pflanzenwelt der Meadows, ein sehr stimmungsvolles Gedicht.

Genauso stimmungsvoll ist ein Song der englischen Gruppe Pink Floyd mit dem Titel „Grantchester Meadows„, das Bandmitglied Roger Waters 1969 schrieb und das auf ihrem Album „Ummagumma“ veröffentlicht worden ist. Es beginnt mit dem Gesang einer Lerche, die den Song auch in seiner ganzen Länge im Hintergrund begleitet. Ein wunderschönes Lied, hier zu hören, ergänzt durch sehr schöne Videosequenzen über die Meadows.

Pink Floyds David Gilmour wurde am 6. März 1946 in Cambridge geboren, in der Straße Grantchester Meadows, in der Hausnummer 109, und er verbrachte auch seine Kindheit hier. Die Nähe zu der Parklandschaft veranlasste ihn, den Song „Fat Old Sun“ zu schreiben, der 1970 auf dem Album „Atom Heart Mother“ erschien.

Ein weiteres Bandmitglied war Syd Barrett, der aber schon nach kurzer Zeit Pink Floyd auf Grund psychischer Probleme verließ. Syd Barrett wurde am 6. Januar 1946 in der Glisson Road Nummer 60 in Cambridge geboren und lebte zuletzt zurückgezogen in einem kleinen Haus in einer Sackgasse mit der Adresse 6 St Margaret’s Square im Südosten von Cambridge. Er starb am 7. Juli 2006.

Photo © Hugh Venables (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 1. Februar 2023 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Rachel Lichtenstein: Estuary – Out from London to the Sea

Foto meines Exemplares.

Das neue Jahr ist erst zwölf Tage alt, und ich habe möglicherweise schon mein persönliches Buch des Jahres 2023 entdeckt. Es handelt sich um Rachel Lichtensteins Buch „Estuary – Out from London to the Sea„, schon 2016 erschienen, doch es hat seinen Weg erst im letzten Dezember auf meinen Schreibtisch gefunden.

Mit dem „Estuary“ ist der Mündungstrichter der Themse gemeint, der sich an den Küsten von Essex und Kent entlang zieht. Fünf Jahre lang hat die Autorin über diese außergewöhnliche Region Englands recherchiert und sie immer wieder bereist. Rachel Lichtenstein ist ein großartiges Buch gelungen! Durch ihre wundervolle Sprache versteht sie es, die Atmosphäre dieser von Wasser geprägten Landschaft wiederzugeben, die nicht allzu viele Englandbesucher vom Kontinent anlockt.

Einige Beispiele: Wir besuchen Schiffswracks, von denen es in der Themsemündung jede Menge gibt, zum Beispiel das Wrack der SS Montgomery, das vor der Küste der Isle of Sheppey liegt. Das amerikanische Munitionsschiff lief 1944 auf eine Sandbank auf und in ihm liegt noch sehr viel Munition, die jederzeit explodieren könnte und eine Katastrophe auslösen würde.

Rachel Lichtenstein nimmt uns mit auf die eigenartigen, wie Wesen aus einer fremden Welt aussehenden Maunsell Forts, die mitten im Wasser stehen und die im Zweiten Weltkrieg als Seefestungen zur Küstenverteidigung dienten. In den 1960er Jahren siedelten sich darauf eine Zeit lang Piratensender an; einer ihrer Betreiber, Paddy Roy Bates, gründete später auf einem der Forts die unabhängige Mikronation Principality of Sealand, die im Guinness Book of Records als „the smallest area to lay claim to nation status“ geführt wird.

Wir hören im Kapitel „Cockling“ von der schweren Arbeit an Bord der Muschelsucherschiffe, besuchen die dem britischen Verteidigungsministerium unterstellte Foulness Island in Essex und treffen den Fishwives Choir, den Witwen von auf dem Meer ums Leben gekommenen Fischern gegründet wurde.

Das Buch endet mit einer Segelbootfahrt, an der Rachel Lichtenstein teilnimmt, die kreuz und quer durch den „estuary“ der Themse führt und die einfach großartig beschrieben ist. Das Buch ist ein Volltreffer und absolut empfehlenswert!!

Rachel Lichtenstein: Estuary – Out from London to the Sea. Penguin Books 2017. 327 Seiten. ISBN 978-0-141-01853-9. (Diese Angaben beziehen sich auf meine Taschenbuchausgabe, die Original Hardcoverausgabe erschien bei Hamish Hamilton 2016).

Das Schiffswrack der SS Montgomery.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Die Maunsell Forts.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Muschelsucherboote in Essex.
Photo © David Williams (cc-by-sa/2.0)

Foulness Island.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. Januar 2023 at 02:00  Comments (2)  

Cape Cornwall, der National Trust und eine großzügige Schenkung

Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Nur rund sechs Kilometer von dem trubeligen Land’s End entfernt, wo die Parkplätze in der Saison immer voll sind, liegt das sehr viel stillere Cape Cornwall, landschaftlich nicht minder schön. Im 19. Jahrhundert operierte hier am Kap eine Zinnmine, die schon von weitem durch ihren 1864 erbauten Schornstein zu sehen war. Dieser Schornstein, der so ein wenig wie ein Leuchtturm ohne Leuchten aussieht, ist das letzte, was von der Cape Cornwall Mine übrig geblieben ist und wird heute The Heinz Monument genannt. Warum?
Im Jahr 1987 kaufte die weltweit durch ihre Baked Beans und Tomaten-Ketchup bekannte Firma H. J. Heinz Company das Gelände an der Atlantikküste auf und schenkte es dem National Trust, der dieses Geschenk natürlich mit Kusshand annahm. Es ist jetzt Teil der Cornish Mining World Heritage Site. Die US-Firma, die Niederlassungen auch in Großbritannien hat, wollte mit dieser großzügigen Geste an die ersten hundert Jahre erinnern, dass Produkte der Heinz Company im Königreich verkauft wurden. Bauunternehmer hatten schon ein Auge auf diese großartige Landschaft geworfen, da kam dieser Eingriff von Seiten der Firma Heinz gerade recht. Eine Steintafel am Monument erinnert an die Schenkung, die die Inschrift trägt:

Cape Cornwall Purchased For The Nation By H.J. Heinz Company Ltd To Mark Their Centenary Year Presented To The National Trust 25 March 1987„.

Hier ist ein Film über das Cape Cornwall.

Noch eine Bemerkung am Rande. Vor der Küste von Cape Cornwall liegt im Meer eine Felsenformation, The Brisons, die in der Region noch einen anderen Namen hat, nämlich „De Gaulle in der Badewanne“. Und tatsächlich, wenn man genau hinschaut, sieht man den Kopf des früheren französischen Staatspräsidenten mit seiner charakteristischen Nase und seinem Bauch aus dem Meer herausragen.

Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

The Brisons oder De Gaulle in the Bathtub.
Photo © Rich Tea (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. November 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Masham in North Yorkshire und seine Mauersegler

Der Lieblings-Aufenthaltsort der Mauersegler von Masham: Der Marktplatz und die Kirche St Mary’s.
Photo © Peter Wood (cc-by-sa/2.0)

Woran denkt ein englischer Biertrinker, wenn er den Ortsnamen Masham hört? Mit großer Wahrscheinlichkeit an das berühmte Bier „Old Peculier„, das in dem Dorf in North Yorkshire in der Theakston Brewery hergestellt wird. Möglicherweise aber auch an die drei Monty Python-Biere „Holy Grail“, „Flying Circus“ und „Brian“ aus der Black Sheep Brewery, die ebenfalls ihre Biere in Masham produziert.

Mauersegler (in England „swifts“ genannt) mögen meines Wissens kein Bier, aber sie lieben die kleine Stadt am River Ure im Wensleydale, und darum kommen sie alle Jahre im Mai wieder nach einem 5000 Kilometer langen Flug aus Afrika hierher nach Masham zurück, wo sie ihre Nester bauen und ihre Jungen zur Welt bringen. Einige Bürger des Ortes haben den Vögeln schon die Arbeit des Nestbaus abgenommen, indem sie selbst welche gebaut haben. Am liebsten halten sich die Mauersegler am Marktplatz auf, vielleicht weil der Turm der angrenzenden Kirche St Mary’s einer ihrer Lieblings-Nistplätze ist. So kann es manchmal am Market Place ganz schön laut werden, wenn die kreischenden Vögel auf Nahrungssuche für ihren Nachwuchs sind. So gegen Ende August wird es in Masham wieder ruhiger, denn dann ziehen die Mauersegler die Temperaturen Afrikas denen North Yorkshires vor und fliegen den langen Weg erneut zurück.

Weil man die Tiere in Masham sehr gern hat, wurde im Jahr 2015 ein Swift Trail angelegt, der sich durch den ganzen Ort zieht und auf dem die Künstler Adrian Wood, Katherine Dereli, Jennifer Tetlow, Michael Kusz und Gaynor Pearson zehn Skulpturen von Mauerseglern aufgestellt haben. Auf diesem Plan kann man sehen, wo die Skulpturen zu finden sind. Auf den Webseiten von Jennifer Tetlow sind die Mauersegler-Skulpturen zu sehen.

Siehe auch meinen Blogeintrag über die Mauersegler des Oxford University Museums of Natural History.

Published in: on 13. Oktober 2022 at 02:00  Comments (2)  

Hardraw Force – Englands höchster Wasserfall im Wensleydale von North Yorkshire

Photo © Paul Buckingham (cc-by-sa/2.0)

Gibt es in England noch einen weiteren Pub außer dem Green Dragon Inn in Hardraw (North Yorkshire), der einen eigenen Wasserfall besitzt? Meines Wissens nicht. Hardraw ist ein kleines Dorf in der Nähe von Hawes in den Yorkshire Dales, dessen Hauptanziehungspunkt der Wasserfall namens Hardraw Force ist, der höchste „single drop“ Wasserfall Englands mit einer Höhe von rund 30 Metern. Der Zugang zu dem Naturschauspiel erfolgt über einen Weg seitlich vom Pub, der zu einem Parkplatz führt. Wenn man seinen Eintrittspreis in Höhe von vier Pfund bezahlt hat, kann man sich Hardraw Force ansehen. Der kleine Fluss, der da über eine Klippe in die Tiefe springt, ist der Hardraw Beck, der am 12. Juli 1889 um ein Haar das ganze Dorf ausgelöscht hätte. Ein gewaltiger Wolkenbruch hatte sich über dem Wensleydale entladen, und die Wassermassen stürzten sich auf den kleinen Ort, die einige Gebäude zerstörten und beschädigten; auch der Green Dragon Inn wurde durch einen umstürzenden Baum in Mitleidenschaft gezogen. Wer weiß, ob sich solch eine Tragödie nicht eines Tages wiederholt, angesichts der zur Zeit stattfindenden Klimaveränderungen und Wetterkapriolen.

Vor dem Hintergrund des Wasserfalls findet jährlich im September der Hardraw Brass Band Contest statt, bei dem Blasmusikkapellen gegeneinander antreten. Hier ist ein Film von einer früheren Veranstaltung.

The Green Dragon Inn (wie auch The Kings Arms in Askrigg) diente als Drehort für Episoden der beliebten TV-Serie „All Creatures Great and Small“ (dt. „Der Doktor und das liebe Vieh“); in den Filmen war er The Drovers Arms.
In dem Film „Robin Hood – Prince of Thieves“ (dt. „Robin Hood – König der Diebe“) aus dem Jahr 1991 ist der Wasserfall in der berühmten Badeszene mit Kevin Costner zu sehen.

The Green Dragon Inn
Bellow Hill
Hardraw DL8 3LZ

Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)
The Green Dragon Inn.
Photo © G Laird (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 15. August 2022 at 02:00  Comments (1)  

Der River Otter – Ein Fluss, der sich von Somerset durch Devon ins Meer schlängelt

Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Der River Otter ist ein 32 Kilometer langer Fluss, der in der Grafschaft Somerset entspringt, doch den größten Teil seines Lebens in Devon verbringt. Benannt worden sein soll er nach den Ottern, die sich in ihm in großen Scharen tummelten, bis es den Tieren an den Kragen ging, und sie aus dem Fluss verschwanden.

Der Fluss hat vielen Orten seinen Namen gegeben, und dass, obwohl er relativ kurz ist. Die Quelle liegt bei dem kleinen Dorf Otterford in Somerset; weitere Stationen auf seiner Reise ins Meer sind Upottery in Devon und Ottery St Mary, eine Kleinstadt, in der zweimal im Jahr jede Menge los ist, am Pixie Day (ich berichtete in meinem Blog darüber) und bei den nicht ganz ungefährlichen Tar Barrel Races, außerdem ist sie der Geburtsort des Dichters Samuel Taylor Coleridge. Otterton ist ein weiteres Dorf, das nach dem Fluss benannt worden ist; bei Budleigh Salterton schließlich erreicht der River Otter sein Ziel und vereinigt sich mit dem Meer.

Wer sich für Brauereien interessiert, sollte bei einem Besuch des Otter Valleys die Otter Brewery nicht vergessen, die in Luppitt in der Nähe von Honiton zu finden ist. Sie produziert unter anderem ein Bier namens Tarka, benannt nach dem Buch „Tarka the Otter“ von Henry Williamson, das in Devon spielt.

Damit es im Tal des River Otter möglichst idyllisch bleibt, dafür sorgt bereits seit 1979 die Otter Valley Association. Sie arrangiert Vorträge, führt Wanderungen am Fluss durch und ist Ansprechpartnerin für alles, was mit dem Fluss und dem Tal zu tun hat.

Nicht nur die Menschen haben den Fluss in Devon in ihre Herzen geschlossen, auch Biber mögen ihn sehr. Es sind zwar nicht viele, die sich an und in ihm angesiedelt haben, aber diese genießen ihr Leben dafür um so mehr. Hier ist ein Film über sie.

Idylle bei Upottery.
Photo © Martin Bodman (cc-by-sa/2.0)
Der Fluss bei Ottery St Mary.
Photo © M J Richardson (cc-by-sa/2.0)
Geschafft: Das Meer ist erreicht und hier endet die Reise des River Otter.
Photo © John P Reeves (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 31. Juli 2022 at 02:53  Kommentar verfassen  

The Cave Rescue Organisation in Clapham (North Yorkshire) und die nicht ganz ungefährlichen Höhlen in den Yorkshire Dales

Die CRO in Clapham.
Photo © Humphrey Bolton (cc-by-sa/2.0)

Höhlen üben eine gewisse Faszination auf die Menschen aus, doch ist das Betreten von einigen Höhlensystemen nicht ganz ungefährlich. In England und Wales haben sich im 20. und 21. Jahrhundert 136 tödliche Unfälle ereignet, der größte Teil davon in den Yorkshire Dales. Die Cave Rescue Organisation (CRO) wird gerufen, wenn mal wieder jemand in Not gerät. Sie wurde bereits 1935 gegründet und war damals die weltweit erste Organisation, die sich um in Not geratene „caver“ kümmerte. Angesiedelt ist sie in Clapham, einem kleinen Dorf in North Yorkshire, ganz in der Nähe der Höhle Ingleborough Cave und dem höchsten unterirdischen Wasserfall in England, dem Gaping Gill. Die CRO arbeitet auf Freiwilligenbasis, hat etwa achtzig Mitglieder, kann nur durch Geldspenden existieren und wurde für ihre Arbeit im Jahr 2010 mit dem  Queens Award for Voluntary Service ausgezeichnet. Auf ihrer Webseite verzeichnet die CRO alle „incidents“ zu denen sie gerufen wurde; das sind sowohl Vorfälle in Höhlen als auch in den Bergen Yorkshires, denn auch die Bergrettung gehört zu ihrem Aufgabenbereich.

In den Mossdale Caverns hat sich der bisher folgenreichste Höhlenunfall zugetragen, am 24. Juni 1967, als sechs Menschen dort ums Leben kamen. Starke Regenfälle hatten damals den Wasserpegel in der Höhle so ansteigen lassen, dass die sechs Männer keine Chance hatten, wieder ans Tageslicht zu kommen und ertranken. Da hatten auch die Retter keine Möglichkeit einzugreifen. Mit Zustimmung der Familien wurden die Körper der Männer in einer Höhlenkammer der Mossdale Caverns beerdigt.

Das Hauptquartier der CRO befindet sich direkt neben dem New Inn in Clapham an der B6480.

Ingleborough Cave.
Photo © Malcolm Neal (cc-by-sa/2.0)
Gaping Gill.
Photo © Andrew Tryon (cc-by-sa/2.0)
Mossdale Scar and caverns.
Photo © Steve Partridge (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 25. Mai 2022 at 02:24  Kommentar verfassen  

Die Wanderfalken der Kathedrale von Chichester (West Sussex)

Einer der Falken der Kathedrale.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Wanderfalken (in England peregrine falcons genannt) zeichnen sich durch eine besondere Fähigkeit aus: Sie sind außerordentlich schnell, ja, sie sollen sogar die schnellsten Tiere der Welt sein. Ein Pärchen von Wanderfalken hat sich seit einigen Jahren den Turm der Kathedrale von Chichester in West Sussex als Nistplatz ausgewählt. The Cathedral Church of The Holy Trinity, wie die Kirche mit vollem Namen heißt, ist stolz auf ihre Falken, die Mitte der 1990er Jahre erstmals gesichtet worden sind. Etwa 60 junge peregine falcons sind bereits hier oben in luftiger Höhe geboren wurden. Die Kathedrale, die Sussex Ornithological Society und die beiden örtlichen Naturfreunde David und Janet Shaw kümmern sich um die Tiere.
In diesem Jahr gibt es die Peregine Open Days vom 13. Juni bis zum 3. Juli, bei denen vom Rasen der Kathedrale aus die Vögel durch Ferngläser beobachtet werden können, und die Besucher Informationen über das Leben der Wanderfalken von David und Janet Shaw erhalten.

Wer sich die Vögel gern einmal aus der Nähe ansehen möchte, der kann das mittels einer oben im Turm installierten Webcam tun. Hier ist der Link zum Livestream.

Die Kathedrale von Chichester.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 15. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Mam Tor Road – Eine Straße im Peak District, die die Natur nicht haben wollte

Photo © Andrew Hill (cc-by-sa/2.0)

Der Mam Tor ist ein 517 Meter hoher Berg im Peak District, nahe des Dorfes Castleton in Derbyshire, der auch als Shivering Mountain bezeichnet wird, weil er berühmt-berüchtigt für seine Erdrutsche ist. Ob es da eine gute Idee war, eine Teilstrecke der Hauptverbindung zwischen den Städten Sheffield und Chapel-en-le Frith direkt an den Mam Tor zu bauen? Ich glaube nicht, denn der Berg wehrte sich immer wieder gegen die für ihn lästige Straße.

Die A625 wurde bereits 1819 angelegt, und um den steilen Winnats Pass zu umgehen, baute man die Mam Tor Road, und damit begann der ständige Kampf zwischen Mensch und Natur. Der Mam Tor „schüttelte“ sich immer wieder und machte seinem Namen Shivering Mountain alle Ehre; er löste Erdrutsche aus, die Teile der Straße verschütteten. Also musste sie wieder neu gemacht werden; das war so in den Jahren 1912, 1933, 1946, 1952, 1966 und 1974. Schließlich hatte die zuständige Straßenbaubehörde die Nase voll und schloss die Straße für den Autoverkehr 1979 (Natur:1, Mensch:0); dafür wurde die Streckenführung wieder durch den Winnats Pass gelegt.

Die Mam Tor Road mit ihrem zerborstenen Asphaltpflaster wird heute gern von Mountainbikern und Wanderern genutzt. Dieser Film zeigt die aufgegeben Straße.

Photo © Chris Morgan (cc-by-sa/2.0)
Der Winnats Pass.
Photo © Neil Theasby (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 8. April 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Otmoor – Ein Naturschutzgebiet nordöstlich von Oxford

Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Nordöstlich von Oxford liegt ein Naturschutzgebiet namens Otmoor, das von den „Seven Towns“ umgeben ist: Beckley, Noke, Oddington, Charlton-on-Otmoor, Fencott, Murcott und Horton-cum-Studley. Innerhalb weniger Minuten kann man dem trubeligen Oxford entfliehen und befindet sich dann mitten in einer ruhigen Naturlandschaft, die überwiegend von Vögeln bewohnt wird. Die Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) errichtete im Otmoor 1997 ein Naturschutzgebiet.

Es hätte nicht viel gefehlt und statt Vogelgezwitscher hätte man hier das Dröhnen von Lastwagenmotoren gehört, denn man wollte 1980 die Autobahn M40 mitten durch das Otmoor führen. Als die Regierungspläne laut wurden, gab es einen Aufschrei in der Bevölkerung, die sich mit allen Mitteln dagegen wehrte. So wurde ein Feld, das genau in der geplanten Trasse lag, von den Friends of the Earth aufgekauft und in 3500 Parzellen unterteilt, die für jeweils £3 weiterverkauft wurden. Die Parzellenbesitzer blieben anonym und wäre es zu einer Zwangsenteignung gekommen, hätte jeder der 3500 dagegen angehen können, was dazu führte, dass das Verkehrsministerium seine Pläne aufgab. Dieses Feld wurde Alice’s Meadow genannt und man nahm damit Bezug auf Lewis Carrolls Buch „Alice hinter den Spiegeln“. Das Otmoor soll den in Oxford lebenden Schriftsteller inspiriert haben.

Schon einmal stand das Moorgebiet vor seinem Ende: In den 1960er Jahren sollte hier ein riesiges Wasserreservoir gebaut werden, das große Teile des Otmoors überflutet hätte, aber glücklicherweise führten auch diese Pläne zu nichts und so steht dieses naturbelassene Gebiet vor den Toren Oxfords noch heute ruhesuchenden Menschen zur Verfügung.

Ich habe einmal in einem sehr schönen Hotel in Horton-cum-Studley übernachtet, dem Studley Priory Hotel, das leider aufgegeben wurde und sich jetzt in Privatbesitz befindet. Schade!

Hier ist ein Film über das Otmoor.

Das ehemalige Studley Priory Hotel.
Author: MCB
Creative Commons 3.0
Published in: on 15. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The National Lobster Hatchery in Padstow (Cornwall)

Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Padstow an der Küste von Nord-Cornwall ist ein Mekka für Liebhaber von Meeresfrüchten, auch dank des Star- und Fernsehkochs Rick Stein, der hier mehrere Restaurants besitzt. Er ist so beherrschend in Padstow, dass der Ort manchmal schon „Padstein“ genannt wird (mehr darüber in diesem Blogeintrag).

Damit Rick Stein und seinen Gästen niemals der Hummervorrat ausgeht, sorgt die National Lobster Hatchery, eine Hummeraufzuchtstation, nur wenige Schritte von Stein’s Fish and Chips entfernt. Sie wurde im Jahr 2000 ins Leben gerufen und sorgt dafür, dass die Hummer vor der Küste Cornwalls nicht aussterben, denn die Überlebensrate von Hummerbabies ist außerordentlich gering, man spricht von weniger als 1%. So bringen die Fischer, denen Muttertiere ins Netz gegangen sind, diese zur Hatchery, wo man den Tieren die Eier abnimmt und dafür sorgt, dass aus ihnen kleine überlebensfähige Hummer werden, die nach einer bestimmten Zeit auf dem Meeresboden abgesetzt werden. Aus ihnen entwickeln sich dann nach einigen Jahren große Hummer, die, wenn sie Glück haben, ein langes Leben im Meer führen können oder, wenn sie Pech haben, auf dem Teller eines Gourmetrestaurants landen.

Im Visitor Centre der National Lobster Hatchery (Eintrittspreis £7.50) kann sich jedermann über die Arbeit der Aufzuchtstation informieren. Man kann auch für £4 einen Babyhummer adoptieren, ihm einen Namen geben und erhält dann später die Information, wann er ins Meer gesetzt worden ist. Das war es dann aber auch, denn von da ab verliert sich die Spur des kleinen Krustentiers in den Weiten des Ozeans.

Hier ist ein Film über die Hummeraufzuchtstation.

The National Lobster Hatchery
South Quay
Padstow, PL28 8BL

Hummerbabies in der Hatchery.
Photo: Joss Smithson.
Creative Commons 2.0
Published in: on 7. März 2022 at 02:01  Kommentar verfassen  

The Millennium Seed Bank Partnership auf dem Gelände von Wakehurst Place (West Sussex) – Die größte Pflanzensamen-Sammlung der Welt

Photo © Raymond Knapman (cc-by-sa/2.0)

Wakehurst Place bei Ardingley in West Sussex ist ein Landhaus aus dem Jahr 1590, das…natürlich dem National Trust gehört. Seit 1965 haben die Royal Botanic Gardens in Kew das Gelände gepachtet und darauf die größte Pflanzensamen-Sammlung der Welt errichtet, The Millennium Seed Bank Partnership. In unterirdischen Räumen, in denen eine Temperatur von −20 °C herrscht, werden über zwei Milliarden Samen von mehr als 38 000 verschiedenen Pflanzen gelagert und es werden von Tag zu Tag mehr. Das Ziel des Projektes ist, von sämtlichen Pflanzen, die in Großbritannien wachsen, Samen vorrätig zu halten; weiterhin will man hier in Wakehurst von rund 25% aller weltweit bekannten Pflanzen Muster bereit halten. Es wird aber nicht nur gesammelt, sondern auch geforscht. In Zusammenarbeit mit über 100 Partnerschaften auf allen Kontinenten untersuchen Wissenschaftler unter anderem welche Pflanzen unter welchen Konditionen am besten wachsen und experimentieren mit Kryotechnik, der Tieftemperaturtechnik.

Die Forschungsarbeiten finden im Wellcome Trust Millennium Seed Bank Building statt, das Prince Charles im Jahr 2000 eröffnet hat. Der Wellcome Trust ist eine Stiftung, die die medizinische Forschung fördert.

Wer sich für das Thema interessiert: Die Seed Bank ist zu besichtigen wie auch Wakehurst Place selbst und die Gärten. Sich stärken kann man im Seeds Café und in der Stables Kitchen and Pantry.
Der Eintrittspreis: £14.95.

Hier ist ein Film über die Millennium Seed Bank Partnership.

The Wellcome Trust Millennium Seed Bank Building.
Photo: Patche99Z.
Creative Commons 3.0
Das Besucherzentrum.
Photo © Andy Potter (cc-by-sa/2.0)

The Hexham Salmon Run im River Tyne in Northumberland

Photo © Glyn Evans (cc-by-sa/2.0)

Ich habe es selbst einmal erlebt, die verzweifelten Sprünge von Lachsen, die versuchten, gegen die Fließrichtung eines Flusses an einem Wasserfall vorwärtszukommen. Es war an den Shin Falls in den schottischen Highlands und der Koch unseres Restaurants im Aultnagar Lodge Hotel bei Lairg hatte es leicht, die Fische zu fangen und sie gleich für die Hausgäste zuzubereiten.

An dem Fluss Tyne in der Grafschaft Northumberland kann man Ähnliches erleben; der Fluss gilt als die Nummer 1 in England für Lachsfischer. Bei der Stadt Hexham versuchen die Lachse ein Wehr zu überwinden, der ihnen im Weg steht, um zu ihren Brutplätzen in den Pennines zu gelangen. In den 1950er Jahren gab es so gut wie keine mehr von ihnen im River Tyne, weil das Wasser einfach zu verschmutzt war, das hat sich aber glücklicherweise wieder geändert, da die Wasserqualität deutlich besser geworden ist.

Der Hexham Salmon Run ist ein Naturschauspiel, das sich jedes Jahr in der Zeit Oktober/November wiederholt. Um es den Tieren leichter zu machen, hat man an der Hexham Bridge einen „fish pass“ angelegt, durch den sie das Wehr umgehen können, doch scheint sich das in der Welt der Lachse noch nicht so richtig herumgesprochen zu haben

Im Kielder Salmon Centre, weiter flussaufwärts gelegen, kann man sich über die erstaunlichen Wanderwege der Lachse informieren, die Kielder Salmon Hatchery, eine Lachsaufzuchtstation, hat ihr Teil dazu beigetragen, dass es in dem Fluss Tyne immer genügend Lachse gibt.

Dieser Film zeigt das Springen der Lachse bei Hexham in Northumberland, und weil es so faszinierend aussieht, ist hier noch ein weiterer.

Der „fish pass“ an der Hexham Bridge.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)
Die Hexham Bridge mit dem Wehr.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 24. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Striding Edge – Ein Bergkamm in Cumbria, der schon einigen Wanderern das Leben gekostet hat

Photo © Gary Rogers (cc-by-sa/2.0)

Der Lake District im Nordwesten Englands zeichnet sich nicht nur durch seine vielen Seen, sondern auch durch relativ hohe Berge aus. Fellwalking ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung, die darin besteht, auf den Bergen entlangzuwandern, und da gibt es sowohl leichte als auch schwierigere Routen zu bewältigen.
Der Helvellyn ist mit 950 Metern der dritthöchste Berg Englands, was erst einmal nicht sehr beeindruckend klingt, aber man sollte ihn nicht unterschätzen. Der Striding Edge ist ein Bergkamm, der auf einer Länge von etwa zwei Kilometern bis zum Gipfel des Helvellyn hinaufführt und bei Fellwalkern besonders beliebt ist. Teile des Pfades (soweit man ihn erkennen kann) sind sehr schmal, und es geht auf beiden Seiten steil nach unten, so dass man auf jeden Fall geeignetes Schuhwerk tragen muss. Bei schlechtem Wetter und im Winter kann es hier oben sehr gefährlich werden, und es hat auch schon  mehrere Todesfälle gegeben.
Wenn man den Gipfel des Helvellyn erreicht hat, muss man nicht den gleichen Weg zurück nehmen, sondern man kann über den Swirrel Edge bis zum Ausgangspunkt, dem Hole-in-the-Wall, zurückgehen.

Eine Tragödie spielte sich hier 1805 ab, als ein gewisser Charles Gough mit seinem Hund Foxie den Striding Edge bei sehr schlechten Wetterverhältnissen entlangwanderte. Gough verunglückte auf dem Bergkamm tödlich und wurde erst nach drei Monaten gefunden; bewacht wurde sein Leichnam die ganze Zeit über von Foxie, der nicht von seiner Seite wich. Der englische Dichter William Wordsworth hat diesem Vorfall ein Gedicht gewidmet, das er „Fidelity„, also „Treue“ nannte. Hier ist Wordsworths Gedicht nachzulesen.
Auch Sir Walter Scott nahm sich dieser Tragödie in seinem Gedicht „Hellvellyn“ an, während Sir Edwin Henry Landseer das alles in seinem Gemälde „Attachment“ festhielt.

In diesem Film sieht man die landschaftliche Schönheit des Striding Edge, aber auch die Gefährlichkeit der Begehung.

Photo © Andy Waddington (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. Januar 2022 at 02:00  Comments (1)  

Von Studentenröschen, Blauen Himmelsleitern und Hundsrosen – Die County flowers of England

1989 wurde die Non-Profit Organisation Plantlife mit jetzigem Sitz in Salisbury (Wiltshire) gegründet, deren Schirmherr niemand Geringeres als Charles, Prince of Wales, ist. Plantlife setzt sich für den Schutz und den Erhalt von wildlebenden Pflanzen ein und hat seit ihrer Gründung schon viel erreicht.

Vor zwanzig Jahren kam man auf die Idee, einen Wettbewerb auszuschreiben, bei dem jede britische Grafschaft per Abstimmung ihre eigene „county flower“ wählen sollte. Die Ergebnisse lagen im Jahr 2004 vor, und die „Grafschaftsblumen“ sind in allen Regionen akzeptiert worden. Hier sind einige Beispiele:

Cumbria hatte sich bei der Wahl für das „grass-of-Parnassus“ entschieden, eine Pflanze, die in Deutschland unter dem Namen Studentenröschen oder Sumpf-Herzblatt bekannt ist. In früheren Jahrhunderten wurde die Pflanze für medizinische Zwecke eingesetzt (“ Als volkstümliches Mittel fand die Pflanze in Bier gekocht Verwendung gegen Magenbeschwerden, so die Wikipedia), heute aber nicht mehr.

Grass-of-Parnassus.
Photo: Bernd Haynold.
Creative Commons 3.0


Die Grafschaft Derbyshire wählte die „Jacob’s ladder„, die in Deutschland den hübschen Namen Blaue Himmelsleiter trägt.

Jacob’s ladder.
Photo: Krzysztof Ziarnek.
Creative Commons 4.0

Die „dog-rose„, die in Deutschland unter der wörtlichen Übersetzung „Hundsrose“ firmiert, ist den Bewohnern der Grafschaft Hampshire lieb und teuer, auch den Bürgern von Hildesheim, deren Tausendjähriger Rosenstock am Dom aus Hundsrosen besteht.

Dog-rose.
Photo: Sakurai Midori.
Creative Commons 2.1 Japan

Wofür sich Kent entschieden hat, liegt eigentlich auf der Hand, für den „hop„, den Echten Hopfen, unerlässlich für die Bierherstellung. In der Grafschaft wird viel Hopfen angebaut und hin und wieder sieht man hier die hübschen „oast houses“ mit ihren schiefen Türmchen, in denen Hopfen gelagert wurde und die heute meistens als Wohnhäuser umgebaut worden sind.

Hop.
Photo: Hagen Graebner.
Creative Commons 2.5

Eine weitere county flower möchte ich noch erwähnen, die von Northumberland, die den Namen „bloody crane’s-bill“ trägt, bei uns als „Blutroter Storchschnabel“ mehr oder weniger bekannt. Das Habitat dieser Pflanze ist laut englischsprachiger Wikipedia „grassland, sand dunes and open woodland“, alles das ist in Northumberland in ausreichendem Maße zu finden.

Bloody crane’s-bill.
Photo: Meneerke bloem.
Creative Commons 3.0

Hier sind alle Grafschaftsblumen Großbritanniens aufgelistet.

Published in: on 18. Januar 2022 at 02:00  Comments (4)  

Lower Peover in Cheshire Teil 2: The Tree of Imagination

Photo: Wildlife Terry.
Creative Commons 2.0

Wo in Lower Peover der Free Green Lane und der Broom Lane zusammentreffen, stand einmal ein Baum, der schon bessere Tage gesehen hatte und abgestorben war. Man wollte ihn aber nicht einfach fällen, und so entstand die Idee, ihn in einer Höhe von etwa drei Metern abzuschneiden und den verbleibenden Stamm nett zu verzieren. Es entstand 2015 der Tree of Imagination. Um das Stamminnere vor Feuchtigkeit zu schützen, wurde ein Dach installiert und, damit sich auch Tiere in dem Baum wohlfühlen können, je eine „Wohnung“ für Eulen und für Fledermäuse.

Weiterhin sind in den Baumstamm kleine Öffnungen für Fenster und Türen hineingeschnitten worden; zu den Türen führen Treppenstufen und aus dem obersten Fenster ragt eine Kanone, die die potentiellen Feinde des Tree of Imagination wohl abschrecken soll.

Der Baum ist ein gemeinschaftliches Projekt der Dorfbewohner, die fachmännische Hilfe durch Holzspezialisten aus der Region bekommen haben wie einen Kettensägenbildhauer, Schreiner, Holzhändler und so weiter.

Ich finde, der Tree of Imagination ist eine tolle Idee. In diesem Film kann man ihn sich aus der Nähe ansehen.

Photo: Wildlife Terry.
Creative Commons 2.0
Published in: on 7. Januar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Dozmary Pool in Cornwalls Bodmin Moor

Photo: Mussels.
Creative Commons 2.0

Als ich einmal vom legendären, von Daphne DuMaurier in einem Roman verewigten, Jamaica Inn in Cornwall nach Süden fuhr, kam ich am Dozmary Pool im Bodmin Moor vorbei. Dieser kleine, einsam gelegene See spielt in der Artus-Sage eine Rolle. Hier nämlich soll König Artur sein Schwert Excalibur aus den Händen der Lady of the Lake, der Dame vom See, erhalten haben. Als Artur im Sterben lag, soll Sir Bedivere, einer der Ritter der Tafelrunde, das berühmte Schwert auf dem Dozmary Pool der Lady of the Lake wieder zurückgegeben haben.

Der „Faust Cornwalls“, wie Jan Tregeagle auch genannt wurde, ist ebenfalls mit dem See verbunden. Tregeagle war ein besonders strenger Richter im 17. Jahrhundert, der dem Teufel seine Seele verkaufte und im Gegenzug dafür viel Geld und Macht erhielt. Am Ende seines Lebens wird er dazu verdammt, den bodenlosen Dozmary-Pool mit einem zerbrochenen Schneckenhaus auszuschöpfen.

Übrigens ist der Dozmary Pool, wie die Sage berichtet, nicht „bottomless“. Während mehrerer Dürreperioden, zuletzt im Jahr 1976,  trocknete der See vorübergehend aus. So viel zur Zuverlässigkeit von Sagen.

Hier ist ein Film über den magischen See.

So unheimlich und düster erlebte ich den See auch.
Photo: Peeteekayy.
Creative Commons 2.0
Published in: on 11. Dezember 2021 at 02:00  Comments (1)  

The Hole of Horcum im North York Moors National Park

Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)

An der A169, südwestlich von Saltergate findet sich im North York Moors National Park in der Grafschaft North Yorkshire eine besondere Naturschönheit mit dem merkwürdigen Namen The Hole of Horcum. Dieses bei Wanderern beliebte Ausflugsziel ist ein riesiges natürliches Amphitheater, 120 Meter tief und mit einem Durchmesser von rund 1200 Metern. Entstanden ist dieses Tal durch die sogenannte rückschreitende Erosion, das heißt, dass das Wasser, das an den Hängen heraustritt, allmählich die darüber liegenden Abhänge unterspült und im Verlauf der Jahrtausende diesen Talkessel erschaffen hat.

Natürlich hat die Folklore auch eine Erklärung bereit, wie es zu dem Hole of Horcum gekommen ist, die sich zwar von der der Geologen unterscheidet, aber sehr anschaulich ist: Der Riese Wade soll sich in grauer Vergangenheit häufig mit seiner Frau Bell gestritten haben, wobei die Fetzen beziehungsweise die Felsen flogen. Als es wieder einmal zu einem Streit kam, schaufelte Wade eine riesige Portion Erde aus der Moor- und Heidelandschaft und warf diese auf seine widerborstige Frau, zurückgeblieben von diesem Wutausbruch ist das Hole of Horcum. Horcum ist ein Wort, das sich ins Deutsche etwa mit „Dreck aus dem schüsselförmigen Tal“ übersetzen lässt und aus dem Altenglischen und Keltischen stammt.

In diesem Film ist The Hole of Horcum sehr schön von einer Drohne aus zu sehen.

The Hole of Horcum im Nebel bei Sonnenuntergang.
Photo © Nick Barker (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 6. Oktober 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Whipsnade White Lion in Bedfordshire – Englands größte Hügelfigur

Author: DG Jones.
Creative Commons 2.0

Wenn man aus dem Eurotunnel bei Folkestone fährt, wird man gleich von einem Weißen Pferd begrüßt, das oberhalb der Verladestationen auf einem Hügel „sitzt“. Von diesen Hügelfiguren gibt es einige im Land, meist sind es Pferde, mal auch ein Mensch, wie der Cerne Abbas Giant in Dorset, es gibt aber auch einen Weißen Löwen, den Whipsnade White Lion im Süden Bedfordshires. Dieser ist mit 147 m Länge die größte dieser Figuren.

Viele sind unbestimmten Alters, manche sollen uralt sein, der Löwe von Whipsnade dagegen ist ein noch junges Tier. 1933 kam er nach 18 Monaten Bauarbeiten zur Welt; sein Daseinszweck war beziehungsweise ist, auf den Tierpark von Whipsnade hinzuweisen, der eigentlich genau ZSL Whipsnade Zoo heißt, wobei das ZSL für Zoological Society of London steht. In den Jahren 2017/18 wurde der Löwe restauriert, denn das englische Wetter hatte ihm ziemlich zugesetzt. Seitdem erstrahlt das Tier wieder in vollem Glanz.

Da der Löwe auf einem relativ flachen Hügel wohnt, ist er nicht von überall aus gut zu sehen, am besten geht das von der A4146 aus.
Während des 2. Weltkriegs wurde der White Lion verdeckt, damit er den einfliegenden Bombern nicht zur Orientierung dienen konnte. Zu bestimmten Anlässen wird er sogar illuminiert, was dann sicher vom Flugzeug aus besonders gut aussieht.

In diesem Film ist ein Artgenosse im Whipsnade Zoo zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Kate Bergamar: Hill Figures – White Horses and Other Figures of the Hills, Their History, Location and Care. Shire Publications 2008. 104 Seiten. ISBN 978-0747803454.

Author: Today is a good day.
Creative Commons 2.0
Author: Today is a good day.
Creative Commons 2.0
Published in: on 15. August 2021 at 02:00  Comments (2)  

Hemlock Water Dropwort – Großbritanniens giftigste Pflanze

Author: Philip_Godard.
Creative Commons 2.0

Botaniker nennen sie Oenanthe crocata, die giftigste Pflanze in ganz Großbritannien, die allerdings eher unter dem Namen hemlock water dropwort bekannter ist. Im deutschsprachigen Bereich kennt man sie als Safranrebendolde. Bei dieser Pflanze ist so ziemlich alles giftig, vor allem die Bestandteile, die sich unter dem Erdboden befinden. Sie wächst vornehmlich an Bächen, Seen und anderen Feuchtgebieten und besonders gefährlich ist, dass sie anderen Pflanzen stark ähnelt, die nicht giftig sind wie zum Beispiel der Petersilie. Hemlock water dropwort hat einen angenehmen süßlichen Geruch, der dazu verführen kann, sie einmal zu probieren. „The root is said to taste pleasantly like parsnip before poisoning the consumer„, heißt es lapidar auf den Webseiten von wildfooduk.com.

Andere Namen für diese hochgiftige Pflanze sind da schon eher abschreckend wie Dead Mans Fingers und Dead Tongue. Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, dass der Begriff „sardonisches Grinsen“ auf hemlock water dropwort zurückzuführen ist, weil diese in der Zeit der Phönizier in Sardinien dazu verwendet wurde, um Kriminelle und andere unerwünschte Personen ins Jenseits zu schicken; bei diesem wenig humanen Vorgang verzog sich die Gesichtsmuskulatur der Betroffenen zu einem Grinsen, wozu diese natürlich keinen Anlass hatten.

Dieser Film klärt über die Gefahr von hemlock water dropwort auf.

Published in: on 25. Juli 2021 at 02:00  Comments (2)  

The Petrifying Well in Knaresborough (North Yorkshire) – Englands älteste Touristenattraktion

Eigenes Foto.
Eigenes Foto.

Sir Charles Slingsby kaufte 1630 König Charles I einen Teil des Royal Forests ab, der neben der Stadt Knaresborough direkt am Fluss Nidd in North Yorkshire lag, und der eine damals schon bekannte Quelle, die Dropping Well, enthielt.
Viele Leute wollten diese Quelle sehen, und so erhob Sir Charles damals schon eine Eintrittsgebühr und erschuf damit Englands älteste Touristenattraktion.

Was war nun das Besondere an der Quelle, die man später The Petrifying Well nannte? Das Wasser hat einen extrem hohen Anteil an mineralischen Stoffen und alles, was sich diesem Wasser „in den Weg stellt“ wird versteinert. Kalzium, Magnesium und Natrium sind die Hauptbestandteile dieser einzigartigen Quelle. Das Wasser ergießt sich über einen Felsen und die Mineralien lagerten sich über Jahrhunderte daran ab, so dass es zweimal zu einem Felsabbruch kam.

Wenn man die Petrifying Well besucht, findet man am unteren Rand des Felsens einige Objekte die direkt im Wasser hängen und im Lauf der Zeit versteinert werden. Beliebt sind Teddybären, die in etwa drei bis fünf Monaten aus Plüsch- zu Steinbären werden. Andere Objekte brauchen auch schon einmal achtzehn Monate bis sie versteinert sind.
In einem kleinen angeschlossenen Museum kann man einige  „fertige“ Versteinerungen sehen, so zum Beispiel eine Handtasche von Agatha Christie, einen Hut von John Wayne oder einen Schuh von Queen Mary, die die Quelle 1923 besuchte.
Neben dem Petrifying Well gibt es noch die Höhle zu sehen, in der die berühmte Seherin des Mittelalters Mother Shipton geboren sein soll, aber das ist wieder eine andere Geschichte. Der Eintrittspreis für Höhle, Brunnen und Park beträgt £10 für einen Erwachsenen. Geöffnet ist die ganze Anlage in diesem Jahr bis zum 31. Oktober.

Knaresborough, das nicht weit von Harrogate entfernt ist, lohnt auf jeden Fall einen Besuch.

Hier ist ein Film über Knaresboroughs Touristenattraktion.

Photo © Chris Gunns (cc-by-sa/2.0)
Photo © David Ward (cc-by-sa/2.0)

Ein Rockstar und ein neu gepflanzter Wald bei Bere Regis in Dorset

Die meisten kennen Brian May nur als Gitarristen einer der größten Rockbands der britischen Musikgeschichte: Queen. Dabei ist May ein außergewöhnlicher Mensch mit sehr vielseitigen Interessen. Kurz vor dem Durchbruch der Rockgruppe arbeitete er an einer Dissertation im Bereich der Astrophysik, die er aber abbrach, weil er seine ganze Aufmerksamkeit auf seine musikalischen Tätigkeiten richtete. Erst im Jahr 2006 nahm er die Fäden seiner Doktorarbeit wieder auf, schrieb sich im Londoner Imperial College ein und vollendete sie ein Jahr später. Der Titel der Dissertation lautet: „A Survey of Radical Velocities in the Zodiacal Dust Cloud„, auf Deutsch etwa „Eine Untersuchung über die radikalen Geschwindigkeiten in der Staubwolke des Zodiak“. Seit 2007 sollte man Brian May also mit Dr May ansprechen.

Weitere Interessengebiete des ehemaligen Queen-Mitglieds sind die historische Stereofotografie, Blechspielzeuge und Star Wars-Fanartikel. Ganz besonders liegt ihm der Natur- und der Tierschutz am Herzen. Brian May scheut nicht davor zurück, öffentlich Politiker anzugreifen, wenn es beispielsweise um die Fuchsjagd geht. Sein Save Me Trust setzt sich für Tiere ein, ob es sich dabei um den Schutz von Dachsen handelt oder um das Abschlachten von Elefanten in Afrika, Brian May ist immer zur Stelle und hilft wo immer es geht.

Im Jahr 2013 begab er sich nach Dorset, um dort ein weiteres Projekt aus der Taufe zu heben. In der Nähe des Ortes Bere Regis hatte er zuvor ein Gelände von 63 Hektar Land gekauft, um darauf 100 000 Bäume anzupflanzen, den May’s Wood. Die Dorfbewohner empfingen Brian May mit offenen Armen, denn auf dem von ihm gekauften Areal sollten ursprünglich hunderte von Häusern gebaut werden (hier ist ein Film der BBC). Am 28. September 2013 wurde der erste Spatenstich für den neuen Wald getan, natürlich von Brian May höchstpersönlich. Der Schulchor Dynamix aus der Region sang ein extra für den Anlass von Linda Lamon komponiertes Lied „Walking in May’s Wood„, das hier zu hören ist.
Die Welt braucht mehr Menschen wie Dr Brian May!!

Published in: on 5. Juni 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Cotswolds Water Park in Gloucestershire und Wiltshire

Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstand im Grenzgebiet der beiden Grafschaften Gloucestershire und Wiltshire eine der größten Seenlandschaften des Landes und damit ein riesiges Erholungs-, Sport- und Naturschutzgebiet: Der Cotswolds Water Park. Ursprünglich wurde an dieser Stelle Sand und Kies abgebaut, der unter anderem für den Gleisbau und für den Bau der Autobahn M4, die nicht weit entfernt verläuft, verwendet.

Etwa 100 Quadratkilometer groß ist der Cotswold Water Park, der 180 Seen umfasst, von denen die meisten nummeriert sind, damit man sich überhaupt zurecht findet. Beim Erstbesuch sollte man das Gateway Information Centre aufsuchen, in dem man alle benötigten Infos erhält.

Der Wasserpark ist ein Eldorado für Naturfreunde, so kommen „birdwatcher“ hier voll auf ihre Kosten, denn es hat sich in der Vogelwelt herumgesprochen, dass es sich in diesem Park gut leben lässt. In mehr als siebzig Seen ist das Angeln erlaubt, in der Nähe des Gateway Centres befindet sich ein Golfplatz, es gibt gut ausgebaute Radwege, Wasserskifahrer und Wakeboarder können ihren Hobbies frönen und es stehen eine Menge Ruderboote, Kayaks und Kanus zur Miete bereit. Wer sich einfach nur an einen Strand legen möchte, dem steht im Cotswolds Country Park and Beach Großbritanniens längster Binnenlandstrand zur Verfügung.

Für Übernachtungsgäste bieten sich beispielsweise das De Vere Cotswolds Water Park Hotel an, das direkt an Lake 6 steht, aber auch zahlreiche Hütten und Cottages für Selbstverpfleger.

Hier ist ein Film über den Park.

Cotswolds Country Park and Beach.
Photo © Vieve Forward (cc-by-sa/2.0)
Das De Vere Hotel.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Die Mendip Hills und die Cheddar Gorge in Somerset – Einige persönliche Anmerkungen

Photo © Sarah Charlesworth (cc-by-sa/2.0)

Meine erste Begegnung mit den Mendip Hills in der südenglischen Grafschaft Somerset liegt schon einige Zeit zurück. Damals las ich in Peter Sagers DuMont-Kunstreiseführer „Südengland“ von dem Dörfchen Priddy und dem Pub The Miner’s Arms, in dem ein Champagnerbier serviert wurde. Dieses spezielle Gebräu musste ich einfach probieren, und so fand ich mich zur Mittagszeit dort ein und begleitete meinen Lunch mit einem Glas Champagnerbier, das man auch flaschenweise mitnehmen konnte. Ich habe keine genaue Erinnerung mehr, ob mir das Bier schmeckte, auf jeden Fall kam ich noch einmal in den Genuss, bevor der Pub leider geschlossen wurde.

Bei meinem letzten Englandbesuch Ende Oktober 2019 fuhr ich auf dem Weg von Glastonbury nach Wells noch einmal durch die Mendip Hills und die großartige Schlucht Cheddar Gorge. Diese Felsenlandschaft im Süden des Landes würde auch in dem raueren Norden Englands eine „Bella Figura“ machen. Den Besitz der Cheddar Gorge teilen sich der National Trust und der Longleat Charitable Trust des Marquess of Bath.

Die kurvenreiche Cliff Road zieht sich durch die Felsenlandschaft und zur Hauptsaison kann es hier richtig voll werden, daher sollte man nach Möglichkeit in den Sommermonaten diese Region meiden. Im Oktober ging es sehr ruhig zu. Eine der Hauptattraktionen der Cheddar Gorge sind die Höhlen, vor allem die Gough’s Cave, in der im Jahr 1903 das Skelett eines Menschen gefunden wurde, der vor mindestens 9000 Jahren gestorben war, der sogenannte Cheddar Man.

Ein beliebtes Touristenziel ist auch die Cheddar Gorge Cheese Company, die (erstaunlicherweise) Cheddarkäse produziert, der zum Teil in den Höhlen zum Reifen gebracht wird.

Südöstlich von Cheddar liegen die Wookey Hole Caves, ein weiteres, von Touristen überlaufenes Höhlengebiet. Hier ereignete sich im Jahr 2006 ein Zwischenfall, der landesweit für Gelächter, aber auch für Trauer sorgte, das Wookey Hole Cave Massacre. Verantwortlich für das Massaker war ein sechsjähriger Dobermann namens Barney, der als Wachhund eingestellt worden war. Was Barney absolut nicht leiden konnte, waren Teddybären, und da dort eine große wertvolle Teddybärensammlung untergebracht war, machte sich der Hund eines Tages in einem unbeobachteten Augenblick über die Plüschtiere her und zerfetzte sie in großem Stil. Über hundert Bären fielen dem Dobermann zum Opfer, darunter soll auch eine besonders wertvolle Leihgabe gewesen sein, nämlich Elvis Presleys Lieblingsteddy Mabel, dessen Wert mit $75,000 veranschlagt war. Ich könnte mir vorstellen, dass Barney an diesem Tag zur Strafe keinen Knochen bekam und hungrig in sein Körbchen gehen musste.

Da ich bei meinem letzten herbstlichen Besuch zur Mittagszeit einen Pub suchte und The Miner’s Arms nicht mehr zur Verfügung stand, suchte ich in Priddy den vom The Good Pub Guide empfohlenen Victoria Inn auf, mit dem ich sehr zufrieden war und über den ich in meinem Blog geschrieben habe.

Photo © Chris Gunns (cc-by-sa/2.0)
Die Cliff Road zur Hauptsaison.
Photo © Chris McAuley (cc-by-sa/2.0)
Gough’s Cave
Photo © Nigel Davies (cc-by-sa/2.0)
Die Cheddar Gorge Cheese Company
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)
Diese Polizisten in Wookey Hole stehen nicht auf Cheddarkäse-Laiben. Sie achten darauf, dass Kinder sicher über die Straße gelangen und dass keine Dobermänner hineinkommen.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. April 2021 at 02:00  Comments (1)  

Der bunte Sand der Alum Bay auf der Isle of Wight

Die Alum Bay.
Author: Auntie P.
Creative Commons 2.0

An der äußersten Westspitze der Isle of Wight findet man die Alum Bay mit der sehenswerten Felsformation The Needles, auf deren Ende ein Leuchtturm steht, The Needles Lighthouse. Um zur Alum Bay hinterzukommen wurde ein Sessellift installiert, es existiert aber auch ein Fußweg hinunter. Oberhalb der Alum Bay wartet ein Vergnügungspark auf die Besucher mit den zu erwartenden Amusements wie Karussels und Souvenirläden.

Das Besondere an der Bucht sind aber die einzigartigen Felsformationen mit ihren bunten Sandsteinschichten, die man am besten von einer der Bootstouren aus sehen kann, die dort angeboten werden. Schon im 19. Jahrhundert nahmen sich die Besucher kleine Glasfläschchen mit nach Hause, in die sie den mehrfarbigen Sand gefüllt hatten. Auch Queen Victoria freute sich über diese mit Sand gefüllten Glasgefäße. Sand von der Alum Bay ist heute noch das beliebteste Souvenir der Gäste, die sich den Sand allerdings nicht mehr selbst direkt vom Strand aufsammeln dürfen, denn dann wäre er bald verschwunden. Doch da springen die Souvenirshops ein, die den Touristen zwei Möglichkeiten anbieten. Entweder man kauft bereits abgefüllte Gläser, die die Sandexperten vor Ort kunstvoll gestaltet haben, oder man lässt seiner Fantasie freien Lauf, indem man aus 21 verschiedenfarbigen Kästen mit Sand sich selbst sein persönliches Souvenir abfüllt, was besonders für Kinder immer wieder interessant ist. Hier ist ein Film über den speziellen Sand der Alum Bay.

Ein kleines  Monument erinnert oberhalb der Alum Bay an Guglielmo Marconi, der von hier oben aus Ende des 19. Jahrhunderts seine Telekommunikationsversuche unternahm.

Es gibt also viel zu sehen in der Alum Bay auf der Isle of Wight.

Die farbigen Sandsteinschichten.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

 

Individuelles Sandabfüllen.
Author: skuds
Creative Commons 2.0

The Needles und der Leuchtturm.
Photo © Fleur Piercy (cc-by-sa/2.0)

Der Sessellift hinunter zur Bucht.
Author: Carl Ayling
Creative Commons 2.0

Published in: on 8. Februar 2021 at 02:00  Comments (3)  
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Aira Force – Ein romantischer Wasserfall im Lake District (Cumbria)

Zuerst zwei Erläuterungen zum Titel meines heutigen Blogeintrags: Mit der britischen Luftwaffe hat Aira Force nichts zu tun, es ist also kein Tippfehler von mir. Zweitens muss ich leider das „romantisch“ relativieren, denn in der Hauptsaison kann es hier sehr voll werden (wofür ein großer Parkplatz an der A592 spricht).

Also: Der Aira Force ist ein Wasserfall in der Nähe des Lake Ullswater im Lake District, eine der touristischen Hochburgen Englands. Er ist nicht sonderlich spektakulär, aber er ist eben sehr hübsch anzusehen. Das Flüsschen Aira Beck stürzt etwa 20 Meter über Felsen in die Tiefe. Oben befindet sich eine „pack horse bridge“, eine steinere Brücke, über die früher Packpferde geführt worden sind, auch die Brücke am Fuß des Wasserfalls ist aus Steinen erbaut. Aira Force ist schon seit über hundert Jahren im Besitz des National Trusts.

In den 1780er Jahren legte die Familie Howard (mit dem Duke of Norfolk als Familienoberhaupt), die hier eine Jagdhütte besaß und im nicht weit entfernten Greystoke Castle wohnte, ein Wäldchen unterhalb des Wasserfalls an, das aus Zedern, Tannen, Fichten und Kiefern besteht.

Wenn man über den Lake District spricht, schaut über kurz oder lang auch der Dichter William Wordsworth um die Ecke. Er besuchte den Wasserfall damals in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts häufig, und so ist es nicht verwunderlich, dass er in seinen Gedichten mehrfach erwähnt wird, beispielsweise in „The Somnambulist“ (dt. „Die Schlafwandlerin“).

Dieser Film zeigt Aira Force in voller Aktion.

Die obere Brücke, die packhorse bridge.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Die untere Brücke.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

So sieht es leider zur Hochsaison aus: Der National Trust-Parkplatz für Aira Falls.
Photo © DS Pugh (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Brimham Rocks – Felsformationen in North Yorkshire

The Sphinx, The Watchdog, The Camel, The Turtle, The Dancing Bear oder The Blacksmith’s Anvil heißen die eigenartigen Felsformationen, die auf dem Brimham Moor in North Yorkshire zu sehen sind. Diese Brimham Rocks (hier ist ein Film über die Felsen) gehören dem National Trust und man findet sie etwa 15 Km westlich von Harrogate zwischen den Straßen B6165 und B6265 im Nidderdale.

Man kann sich diese eindrucksvolle Felsenlandschaft das ganze Jahr über ansehen und der National Trust verlangt auch keinen Eintritt dafür. Lediglich eine Parkplatzgebühr ist zu entrichten, wenn man kein National Trust-Mitglied ist.

Entstanden sind diese merkwürdigen Felsen hauptsächlich durch Erosion vor ca 300 Millionen Jahren. Wer sich diese Region ansehen möchte, sollte vorher erst einmal das Visitor Centre aufsuchen; es ist allerdings nur zu bestimmten Zeiten geöffnet; Auskunft darüber gibt die National Trust-Webseite.

Es liegt natürlich auf der Hand, dass so eine Felsenlandschaft Film- und Fernsehproduktionen  anzieht. So wurde hier zum Beispiel die ITV-Kinder-Serie Roger and the Rottentrolls (1996-2000) gedreht, die Bee Gees produzierten in den Brimham Rocks einige Teile ihres „You win again„-Videos und Orchestral Manoeuvres in the Dark filmten in den Felsen für „The Maid of Orleans„.

The Dancing Bear.
Photo © Martin Dawes (cc-by-sa/2.0)

The Turtle.
Photo © Gordon Hatton (cc-by-sa/2.0)

The Druid’s Writing Desk.
Photo © G Laird (cc-by-sa/2.0)

 
 

 

Published in: on 5. Juli 2020 at 02:00  Comments (5)  
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Mein Buchtipp – Guy Shrubsole: Who Owns England? – How We Lost Our Green & Pleasant Land & How to Take It Back

Foto meines Exemplares.

Guy Shrubsoles Buch „Who Owns England? – How We Lost Our Green & Pleasant Land & How to Take It Back“ wird man wohl eher nicht in der Bibliothek eines Landsitzes antreffen, denn der Autor geht mit den englischen Aristokraten hart ins Gericht, gehören sie doch noch immer zu den größten Landbesitzern. Der Duke of Buccleuch and Queensberry, der Duke of Devonshire und der Duke of Westminster, um nur einige Beispiele zu nennen, verfügen über große Ländereien, was auch für zahlreiche Firmen und Gesellschaften gilt. Der United Utilities Water Ltd gehören 140 000 Acres (ein Acre entspricht etwa 4047 m²), die MRH Minerals Ltd verfügt über 68 000 Acres und der Lafarge-Konzern darf mehr als 48 000 Acre in England sein eigen nennen.

Guy Shrubsole arbeitet für Friends of the Earth; für sein Buch hat er umfangreiche Recherchen angestellt. Er wollte genau wissen, wem Englands Grund und Boden wirklich gehört, und das war gar nicht so leicht. Die Grundbesitzer lassen sich ungern in ihre Karten gucken, aber mit Hilfe des Freedom of Information Gesetzes gelang es ihm doch, hinter die Kulissen zu blicken, und da taten sich Abgründe auf.

Shrubsole wurde mit dem Thema „land banking“ konfrontiert, dem Aufkauf von Ländereien nur zum Zweck des Wiederverkaufs, wenn der Wert entsprechend gestiegen ist. Dasselbe passiert in großem Stil in London mit Haus- und Wohnungsaufkäufen (ich berichtete kürzlich in meinem Blog zu dem Thema); manchmal liegen Objekte jahrelang brach, sind unbewohnt und gar nicht zum Darinwohnen gekauft worden, sondern lediglich als Wertanlage.

Der Autor untersucht in seinem Buch, welche Ländereien der Krone und der Kirche gehören und meint, dass die beiden Herzogtümer von Cornwall und Lancashire anachronistisch sind. Guy Shrubsole setzt sich auf die Spuren des National Trusts, dem nicht nur viele historische Häuser gehören, sondern auch ganze Küsten- und Landstriche. Besonders schwer im Magen liegen ihm die „grouse moors„, Moorlandschaften in Privatbesitz, die einzig und allein dem Abschießen von Moorhühnern dienen. Ökologisch gesehen, sind diese Gebiete ein Desaster, weil sie ständig abgebrannt werden und die Tierwelt systematisch vernichtet wird, damit sich dort nur noch besagte Moorhühner finden, die dann von einer Handvoll „Privilegierter“ abgeschossen werden.

Guy Shrubsoles Buch ist hoch interessant. Jetzt wissen wir wirklich, wem England gehört…soweit der Autor das feststellen konnte, denn nach wie vor sind die Besitzverhältnisse zu einem beträchtlichen Teil nicht geklärt, sondern bewusst verschleiert.

Guy Shrubsole: Who Owns England? – How We Lost Our Green & Pleasant Land & How to Take It Back. William Collins 2019. 376 Seiten. ISBN 978-0-00-832167-3.

Published in: on 20. Juni 2020 at 02:00  Comments (3)  

Deadman’s Island in Kent – Eine unbewohnte Insel vor der Küste der Isle of Sheppey

In der Mitte links ist Deadman’s Island zu sehen.
Photo © Chris (cc-by-sa/2.0)

Die Isle of Sheppey in Kent ist durch die A249 mit der A2 bzw. der M2 verbunden. Ich kenne diese Insel noch aus der Zeit, als sie über die Fähre Vlissingen-Sheerness zu erreichen war. Diese Fährverbindung der Olau-Line ist lange eingestellt worden. Auf der Isle of Sheppey sind drei Gefängnisse untergebracht, über die ich in meinem Blog geschrieben habe.

Schon Anfang des 19. Jahrhunderts brachte man Gefangene auf diese etwas abgelegene Insel, um sie auf ausgemusterten Schiffen einzusperren, die vor der Küste ankerten. Wohin nun mit den Männern, die auf diesen Gefängnisschiffen starben? Häufig waren ansteckende Krankheiten die Ursache für den Tod der Gefangenen. Man wollte sie möglichst schnell und in der Nähe beerdigen, so wurde dafür eine unbewohnte Insel vor dem Ort Queenborough ausgewählt, dort wo sich der River Medway und The Swale ins Meer ergießen. Hier, auf der Deadman’s Island, senkte man die hölzernen Särge in den schlammigen Boden und vergass sie zweihundert Jahre lang…bis plötzlich an einigen Stellen der Insel menschliche Knochen auftauchten. Was war geschehen? Küstenerosion und der steigende Meerwasserspiegel haben den Schlamm weggespült, in dem die Särge lagen und ihren Inhalt ans Tageslicht gebracht. Ein grausiger Anblick, der sich dort dem Betrachter bei Ebbe bietet: Menschliche Schädel, Knochen und Sargreste. Vieles davon wird im Laufe der Zeit ins Meer gespült werden und dann auf Nimmerwiedersehen verschwinden.

Deadman’s Island gehört der Organisation Natural England und ist eine Site of Special Scientific Interest, das heißt, die Insel ist besonders schutzwürdig, weil sie ein Brutplatz für Vögel ist und darf (eigentlich) nicht betreten werden; trotzdem, hier ist ein Film über die Funde auf Deadman’s Island.

Im Vordergrund: Deadman’s Island.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Juni 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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