Algie, das riesige, aufblasbare rosa Schwein, das einmal den Flugbetrieb des Londoner Heathrow Airports lahmlegte

Die Battersea Power Station, Schauplatz von Algies Flucht.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Der Besitzer der East Stour Farm bei Chilham in Kent staunte an jenem Dezembertag des Jahres 1976 nicht schlecht, als ein riesiges, aufblasbares, rosa Schwein aus dem Himmel herabkam und sich einen Landeplatz mitten zwischen seinen Kühen suchte, die voller Angst in alle Himmelsrichtungen flüchteten. Kurz zuvor hatte der Bauer eine Radiodurchsage gehört, in der die Bevölkerung gebeten wurde, nach eben jenem Schwein Ausschau zu halten und bei einer bestimmten Telefonnummer anzurufen, die natürlich erst einmal mit Scherzanrufen bombardiert wurde. Der Farmer war „not amused“ und rief bei besagter Telefonnummer an. Die Polizei und der Schweinebesitzer machten sich auf den Weg zur East Stour Farm und holten das auf wundersame Weise unbeschädigte Tier wieder ab.,

Was war da im Vorfeld geschehen? Die britische Super-Rockband Pink Floyd bzw. eine von ihr beauftragte Firma namens Hipgnosis wollten mitten in London ein Fotoshooting für das aktuelle Pink Floyd-Album „Animals“ machen, und da die Band eine Vorliebe für aufblasbare Schweine hatte, sollte das Album mit einem solchen verziert werden, das an einem der Schornsteine der Battersea Power Station befestigt wurde. Am ersten Tag des Shootings ließ sich das Tier beim besten Willen nicht aufblasen, schlapp lag es auf dem Boden neben der Power Station. Also musste am nächsten Tag, dem 3. Dezember, ein neuer Versuch gestartet werden und dieses Mal klappte es hervorragend. Aber: Eine heftige Windböe riss Algie, wie das 14 Meter lange Schweinchen liebevoll genannt wurde, aus seiner Verankerung und es machte sich selbständig. Pech nur, dass der extra angeheuerte Scharfschütze, der für solche Fälle das Tier abschießen sollte, nicht erschienen war. Algie stieg auf und geriet prompt in eine Flughöhe, die den landenden Verkehrsflugzeugen, die nach London-Heathrow wollten, zugewiesen worden war. Die Piloten machten die Luftaufsicht des Flughafens darauf aufmerksam, die sofort den Flugbetrieb einstellen ließ. Heathrow kam zum Stillstand. Polizeihubschrauber und selbst die Royal Air Force machten sich auf die Suche nach dem abgängigen Schwein und fanden es trotz seiner Größe und auffälligen Farbe nicht. Erst als der Anruf des Bauern aus Kent kam, konnte die Suche eingestellt werden. Mittlerweile durften die Jumbo Jets und ihre kleineren Geschwister von Heathrow aus wieder ihre Flüge in alle Teile der Welt aufnehmen.

Erstaunlicherweise erlaubte man Pink Floyd, das Fotoshooting an der Battersea Power Station zu wiederholen, denn die Aufnahmen waren noch nicht im Kasten; allerdings mit der Auflage, jetzt wirklich einen Scharfschützen bereitzuhalten, der Algie im Falle eines erneuten Ausbruchversuches den Garaus machen sollte. Bei diesem neuen Versuch benahm sich das rosa Schweinchen aber vorbildlich.

Ein späterer Nachfahre Algies trat am 26. September 2011 noch einmal zu Promotionzwecken an der Battersea Power Station in Erscheinung, um damit auf die Wiederveröffentlichung einiger Pink Floyd-Alben aufmerksam zu machen.

Algies Nachfolger am 26. September 2011 an der Battersea Power Station.
Author: Bex Walton
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Hier, auf dem Gelände der East Stour Farm, landete das rosa Schweinchen.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. August 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Rose-ringed parakeets – Die Invasion der Halsbandsittiche

Kann man im Südosten Englands schon von einer Invasion oder einer Plage sprechen, wenn es um die bunten Halsbandsittiche geht, die in den letzten Jahren immer häufiger anzutreffen sind und deren eigentliche Heimat Afrika, Asien und Australien ist? Psittacula krameri ist ihr lateinischer Name und rose-ringed parakeets nennt man sie im englischsprachigen Raum.  Diese hübsch anzusehenden kleinen Exoten haben sich enorm vermehrt und man schätzt ihre Population in England auf bis zu 50 000. Besonders viele dieser Sittiche findet man im Süden und Südwesten Londons, so dass man von Kingston parakeets spricht, die sich im Raum Kingston upon Thames zusammengerottet haben. Zwei besonders beliebte Brutplätze sind der Esher Rugby Ground in Surrey an der Peripherie Londons und der Hither Green Cemetery am Verdant Lane im Süden der Stadt. Wo kommen diese Vögel denn nun eigentlich her, die man eher in Käfigen von Kinderzimmern vermutet?

Da gibt es mehrere recht kuriose Theorien:

Theorie 1: Der legendäre Rocksänger und -gitarrist Jimi Hendrix ist dafür verantwortlich. Der hatte nämlich in den 1960er Jahren in der Carnaby Street ein Pärchen Halsbandsittiche freigesetzt. Der US-Amerikaner wohnte damals in der Brook Street, dort wo auch der Komponist Georg Friedrich Händel früher einmal seine Wohnung hatte.

Theorie 2: Ein Flugzeug verlor beim Landeanflug auf London einen Teil seines Fahrgestells, das auf eine Voliere fiel, in der Halsbandsittiche untergebracht waren und die plötzlich die Chance bekamen, das Weite zu suchen.

Theorie 3: Bei den Dreharbeiten zu dem Film „The African Queen“ im Jahr 1951 in den Londoner Isleworths Studios flüchteten einige der dort als „Statisten“ eingesetzten Vögel.

Theorie 4: Bei dem Orkan, der in der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober 1987 Großbritannien heimsuchte, wurden Volieren zerstört, so dass die dort untergebrachten Sittiche in Freiheit gesetzt wurden.

In  der Beliebtheitsskala rangieren die rose-ringed parakeets nicht ganz so weit oben, denn die einheimische Vogelwelt scheint unter ihnen zu leiden, und die Besitzer von Obstgärten, Weinbauern und Farmer müssen sich ihrer erwehren, weil die gefiederten Exoten einen grenzenlosen Appetit auf deren Früchte haben.

Hier ist ein Film über die Sittiche.

Halsbandsittiche in London.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Hither Green Cemetery, ein beliebter Brutplatz für die Sittiche.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 13. August 2017 at 02:00  Comments (1)  
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The Matlock Triangle – Treffpunkt britischer Ufologen

Bonsall (Derbyshire), beliebt bei Außerirdischen.   © Copyright Andrew Hill and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bonsall (Derbyshire), beliebt bei Außerirdischen.
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Tom Bates, Spezialist für alles, was mit Derbyshire und dem Peak District  zu tun hat, nennt Matlock und Umgebung „U.F.O. Capital of the World„. Tatsächlich sind in dem Matlock Triangle genannten Gebiet erstaunlich viele Ufo-Sichtungen vorgekommen; speziell über dem Dorf Bonsall haben sich die runden Scheiben, warum auch immer, den Bewohnern Derbyshires gezeigt.
So haben die Ufologen, neben Warminster in Wiltshire (s. mein Blogeintrag vom 19. November 2009), ein weiteres Ziel, um sich dort auf die Lauer zu legen und eines dieser Flugobjekte zu beobachten. Ein idealer Startplatz dafür ist der Pub „Barley Mow“ in Bonsall (nach eigenen Angaben „probably the best pub in the world“), nach dem UFO Magazine „the most likely place to be abducted by aliens“.

Die Dorfbewohnerin Sharon Rowlands hatte hier am 5. Oktober des Jahres 2000 ein Erlebnis, das sie geistesgegenwärtig mit ihrem Camcorder fest hielt. Über sechs Minuten lang filmte sie ein merkwürdiges Flugobjekt am nächtlichen Himmel Derbyshires und sie beschrieb es folgendermaßen:

„I was filming it from around two miles away. It resembled a giant disc with a bite taken out of the bottom. It had yellow, orange and blue lights with intricate markings and a dark circle in the centre. As it hovered over the woods it seemed to expand and get small again …..it came really close at one point and I thought it was going to land in the field.“
Mrs Rowlands soll den Film, der zu den bislang überzeugendsten gehört, für $20,000 an eine amerikanische Filmgesellschaft verkauft haben. Hier ein kurzer Ausschnitt.

In 30 Jahren sind allein über Bonsall mehr als 100 Ufos gesichtet worden. Carlton TV hatte 2007  nach sechsmonatigen Dreharbeiten eine Dokumentation unter dem Titel „The Matlock Triangle“ zusammengestellt, und die Recherche-Ergebnisse waren nach den Worten der Fernsehleute „beyond belief“.

The Barley Mow in Bonsall.   © Copyright Jonathan Clitheroe and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Barley Mow in Bonsall.
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Published in: on 23. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wenn man in London mal muss… Ungewöhnliche Toiletten in Großbritanniens Hauptstadt

The Jubiloo an der Southbank.
Copyright Matt Brown
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Wenn man mitten in einer Großstadt wie London einmal eine Toilette aufsuchen muss, kann das zu einer längeren Suche führen. Zwar sind öffentliche Toiletten ausgeschildert, oft führen die aber in wenig angenehme U-Bahn „public coveniences“ oder andere mehr oder weniger empfehlenswerte Anlagen. Kaufhaustoiletten sind da ein Ausweg, die nach meinen Erfahrungen immer im obersten Stockwerk ganz hinten untergebracht sind.

Es gibt in der Hauptstadt aber auch besonders ungewöhnliche Toilettenanlagen, von denen ich an dieser Stelle vier vorstellen möchte.

Maggie’s Club in der Fulham Road Nummer 329 in Chelsea ist ein Nachtclub, der ganz der früheren Premierministerin Margaret Thatcher und den 1980er Jahren gewidmet ist. An den Wänden des Late Night-Clubs hängen Bildern der Iron Lady und es gibt eine Besonderheit, die man wohl in der ganzen Welt kein zweites Mal findet: In den Toiletten des Clubs werden permanent Reden der ehemaligen Regierungschefin eingespielt, was dann etwa so klingt. Die Dauer des Aufenthalts der Gäste in der Toilette richtet sich dann sicher auch danach, ob man ein Fan der Dame ist/war oder ihr nicht so wohlgesonnen gegenübersteht.

Ein besonderes Erlebnis für die Gäste des Sketch-Restaurants in der Conduit Street Nummer 9 in Fulham sind, neben dem vorzüglichen Essen und dem sehenswerten Interieur, die Gästetoiletten. Man erreicht sie über Treppen, die zu einem Raum führen, in dem eiförmige Gebilde stehen, die jeweils ein WC bilden. Um Platz zu sparen hat man diese WC-Eier hier installiert und der Clou…über Lautsprecher werden die Laute australischer Frösche eingespielt, um dem Ganzen einen exotischen Touch zu geben oder vielleicht um die Geräusche aus den einzelnen Kabinen zu übertönen. Dieser Film zeigt Details.

Im Jubiloo gibt es kein Froschkonzert, dafür geht es hier sehr patriotisch zu. Die 2012 eröffnete öffentliche Toilette zwischen der Hungerford Bridge und den Jubilee Gardens an der South Bank bietet 12 Kabinen und sechs Urinale an, deren Spülwasser größtenteils aus Regenwasser besteht, das auf dem Dach aufgefangen wird. Die Toilettensitze sind mit dem Union Jack verziert, den man auch auf den Uniformen des Reinigungspersonals wiederfindet.

Vorsichtig sein sollte man bei einem Besuch der Toiletten des Nopi-Restaurants in der Warwick Street 21-22 in Soho. Hier ist das Designer-WC derart verspiegelt, das so mancher Gast Probleme hat, den Eingang zu finden bzw wieder herauszukommen. Ich bin nicht sicher, ob es darin ein Nottelefon gibt, um Hilfe herbeizurufen, falls man den Ausgang nicht mehr findet.

Diese vier Toiletten sind nur eine kleine Auswahl, man könnte die Liste noch um einige erweitern. Übrigens, nicht vergessen und schon einmal im Kalender eintragen: Am 19. November ist der World Toilet Day!!

 

Published in: on 20. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The London Sheep Drive oder Was haben Schafe auf der London Bridge zu suchen?

Die London Bridge, Schauplatz des jährlichen Sheep Drive.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Die spinnen die Engländer möchte man sagen, wenn einmal im Jahr Schafe mitten in der britischen Hauptstadt über die London Bridge spazierengeführt werden. Es handelt sich hierbei um den London Sheep Drive, an dem die Freemen of London ein Recht wahrnehmen, das bis in das Jahr 1189 zurückreicht und das ihnen den freien Zugang zur Stadt über die Themsebrücke garantiert, ohne dafür eine Maut bezahlen zu müssen. Die Worshipful Company of Woolmen, eine Art Berufsverband der Wolleindustrie, der sich aber heute überwiegend wohltätigen Zwecken widmet, ist der Organisator des Sheep Drives, der in diesem Jahr am 24. September stattfindet, einem Sonntag, denn da herrscht etwas weniger Verkehr in der Stadt als an einem Werktag.
Eröffnet wird der Sheep Drive von Mary Berry, die als Jurorin der äußerst populären TV-Sendung „The Great British Bake Off“ Berühmtheit erlangte und die selbst zu den Freemen of the Worshipful Company of Bakers (die Zunft der Bäcker) und der Freemen of the City of London gehört.
Zeitgleich findet am Monument eine Wool Fair statt, bei der Verkaufsstände jede Menge Artikel aus Wolle anbieten.

Vor einigen Jahren sorgte einer der Freemen für Schlagzeilen in London als er an einem Augusttag mit den beiden Schafen Clover und Little Man über die Tower Bridge ging und sich dabei auf das alte Recht berief. Die Polizei wollte das eigentlich nicht zulassen, weil das Unternehmen ihrer Meinung nach eine Verkehrsgefährdung darstellte, doch sie ließ den Schafauftrieb schließlich doch zu. Der Freeman und seine beiden Schafe hatten den kleinen Ausflug über die Themsebrücke wohl sehr genossen.

Am Paternoster Square, gleich bei der St Paul’s Cathedral, steht übrigens eine kleine Figurengruppe, die einen Mann zeigt, der seine Schafe in die Stadt zum Markt treibt. Geschaffen wurde die Skulptur von der Bildhauerin Dame Elisabeth Jean Frink.

Wer sich den London Sheep Drive und die Wool Fair ansehen möchten, beides findet am 24. September zwischen 9 Uhr und 16 Uhr statt.

Hier ist ein Film über das Ereignis vom vorigen Jahr.

Die Figurengruppe am Paternoster Square.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 16. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die sieben Nasen von Soho

Die Nase am Admiralty Arch.
Author: Colonel Warden.
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CCTV-Kameras sind in London überall zu finden. Man hat sich in der Stadt mittlerweile an sie gewöhnt. Geben die Kameras nun ein Gefühl der Sicherheit oder fühlt man sich von ihnen beobachtet? Der Aktionskünstler Rick Buckley tendierte zu der zweiten Meinung, als er 1997 an 35 Stellen im Stadtgebiet direkt unter die Kameras Nasen installierte, die auf die „Schnüffelei“ aufmerksam machen sollten. Der 1962 in Essex geborene Künstler hatte an der Sheffield School of Art und der Kunstakademie in Düsseldorf studiert und viele Ausstellungen in Deutschland gemacht, darunter zahlreiche in Berlin.

Die Idee mit den Nasen kam ihm durch die Lektüre der Erzählung „Die Nase“ des russischen Schriftstellers Nikolai Gogol, die dieser 1836 schrieb. Zusätzlich beeinflusst von den Aktionen der sogenannten Situationisten der 1960er Jahre begann Rick Buckley seinen witzigen Protest gegen die CCTV-Kameras 1997 umzusetzen. Er modellierte seine eigene Nase aus Gips und machte sich mit den 35 Exemplaren und einer entsprechenden Menge Klebstoff auf den Weg durch Londons Mitte, um sie an prominenten Stellen zu befestigen. Da der Künstler sich in Schweigen hüllte, wusste niemand, wer denn nun der „Nasen-Urheber“ war; erst 14 Jahre später lüftete er das Geheimnis, da waren allerdings schon die meisten Nasen wieder entfernt worden; übriggeblieben sind die „Sieben Nasen von Soho„. Um diese Rest-Nasen haben sich im Laufe der Zeit Legenden gebildet, und so heißt es, dass jeder, der alle sieben Nasen ausfindig macht, zu großem Reichtum kommt. Überliefert ist aber nicht, ob das schon jemals zutraf.

Eine der Buckleyschen Nasen ist am Admiralty Arch angebracht, jenem Triumphbogen am Anfang/Ende der Straße The Mall, die zum Buckingham Palace führt. Einige waren der Meinung, dass diese Nase an den Duke of Wellington erinnern sollte, der dafür bekannt war, ein besonders großes Exemplar besessen zu haben. Andere wiederum meinten, dass es sich dabei um eine Ersatznase für die Statue des Horatio Nelson handelte, falls diese einmal ganz oben auf der Säule auf dem Trafalgar Square Schaden nehmen sollte. Dieser Film zeigt die Nase.

Eine lila Nase findet sich direkt an dem lila gestrichenen Strip-Club namens Sunset Strip in der Dean Street. Weitere Nasen kann man in der Great Windmill Street, in der Endell Street, der Bateman Street und am Bahnhof St Pancras suchen. Die Nase in der Meard Street stammt nicht von Rick Buckley, sondern war ein Teil des „Living Street“-Projekts aus dem Jahr 2005.

Ich wünsche ein erfolgreiches Suchen in den Straßen Londons!

Die Nase am St Pancras Bahnhof.
Author: Colonel Warden.
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Published in: on 15. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Brambles Cricket Match – Cricket mitten im Meer vor der Isle of Wight

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Cricketspiele zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie besonders kurz sind; im Gegenteil, es gibt Spiele, die können sich schon einmal mehrere Tage hinziehen. Es gibt aber ein Cricket Match in England, dass nur etwa 30 Minuten dauert und nur einmal im Jahr gespielt wird: Das Brambles Cricket Match, das mitten im Meer gespielt wird. Wie das geht?

Die Brambles Bank ist eine Sandbank im Solent, der Meerenge zwischen der Isle of Wight und Southampton, die nur einmal im Jahr im August für etwa 30 – 60 Minuten über den Meeresspiegel tritt und dann wieder für ein Jahr unter der Wasseroberfläche versinkt. Da dachten sich der Royal Southern Yacht Club in Hamble und der Island Sailing Club von der Isle of Wight, dass man diese Zeit doch sehr gut für ein schnelles Cricketmatch zwischen den beiden Segelclubs ausnutzen könnte.
Die Teilnehmer des skurrilen Sportereignisses müssen sich sehr beeilen, ihr Match zu Ende zu bringen, bevor die Flut dem Spuk ein Ende bereitet. Spieler und Zuschauer fahren mit ihren Booten schon früh genug aufs Meer hinaus und bauen sofort auf der ca 200 Meter langen Sandbank alles auf, was man für das Match benötigt, um ja keine Zeit zu verlieren.
Bei diesem Cricket Match sind alle Regeln außer Kraft gesetzt, die Schiedsrichterentscheidungen sind willkürlich und der Sieger steht schon vorher fest.

Bis vor einigen Jahren konnte man während des Spiels an der Brambles Bar, die vom Wirt des Victory Pubs in Hamble betrieben wurde, auch Drinks zu sich nehmen. An der Bar war ein Schild angebracht mit der Aufschrift „Open once a year for one hour„. Leider ist der Wirt verstorben und seitdem ist die Sandbankbar nicht mehr in Betrieb.

Wenn die Brambles Bank für den Rest des Jahres nicht für Cricketspiele genutzt wird, stellt sie für die Schifffahrt eine ernste Gefahr dar, denn es sind schon zahlreiche Schiffe hier auf Grund gelaufen. Die prominenteste „Grundläuferin“ war die Queen Elizabeth II, die hier im Jahr 2008 auf dem Weg nach Southampton auf der Brambles Bank strandete (zu diesem Zeitpunkt waren gerade keine Cricketspieler unterwegs).

Hier ist ein Film vom Match aus dem Jahr 2016.

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Published in: on 7. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die merkwürdige Geschichte der Prinzessin Caraboo von der Insel Javasu

Almondsbury in South Gloucestershire.
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Als ich von Bristol kommend in nördlicher Richtung auf der A39 zurück zu meinem Hotel, dem Thornbury Castle, fuhr, kam ich auch durch Almondsbury, einem hügeligen Dorf, das im Jahr 1817 eine Zeit lang für Aufsehen sorgte. Dort tauchte am Gründonnerstag eine mysteriöse Frau auf, die offensichtlich des Englischen nicht mächtig war und sich in einer Sprache artikulierte, die niemand verstand. Sie klopfte beim Dorfschuster an und gab durch Zeichen zu verstehen, dass sie hungrig war und um Unterkunft bat. Man gab ihr zu essen und verwies sie an den Friedensrichter von Bristol, der sich ihrer annahm. Die Frau, deren Alter man auf Mitte 20 schätzte, wurde im Bowl Inn in Almondsbury untergebracht (den es noch heute gibt), dann holte man sie nach Bristol zurück und wusste nicht recht, was man mit ihr anstellen sollte. Dann tauchte plötzlich ein portugiesischer Seemann auf, der angeblich ihre Sprache verstand und so ergab sich folgende Geschichte: Bei der Frau handelte es sich um eine Prinzessin namens Caraboo und sie stammte von der Insel Javasu im Indischen Ozean. Piraten hatten sie dort entführt und auf ihrem Schiff nach Europa mitgenommen. In der Meeresbucht vor Bristol ist sie ihnen entkommen, indem sie von Bord sprang und an Land schwamm. Mehrere Wochen lang genoss Prinzessin Caraboo die Aufmerksamkeit, die sie verursachte. Die junge Dame kleidete sich exotisch, ließ ein Porträt von sich anfertigen und huldigte ihrem Gott Allah-Talla. Ein Wissenschaftler identifizierte sogar ihre Sprache.

Doch dann kam die Ernüchterung: Eine Frau, die in Bristol eine Pension betrieb, erkannte die angebliche Prinzessin auf Grund eines Zeitungsberichtes wieder und es stellte sich heraus, dass Princess Caraboo in Wirklichkeit Mary Willcocks hieß und nicht von der Insel Javasu, sondern aus Witheridge in Devon stammte. Sie war die Tochter eines Schuhmachers und sprach natürlich auch fließend Englisch. Sie langweilte sich wohl etwas in ihrem Heimatort und wollte sich mit dieser Aktion interessant machen, was ihr zumindest für eine gewisse Zeit gelungen war.

Auch die weitere Lebensgeschichte von Mary Willcocks erwies sich als nicht weniger schillernd; sie fuhr mit dem Schiff nach Amerika, wobei sie auf dem Weg dorthin auf der Insel St Helena den dort verbannten Napoleon getroffen haben soll, der sich in die junge Frau verliebte und sie heiraten wollte. Inwieweit diese Geschichte stimmt, lässt sich heute nicht mehr verifizieren. In Amerika versuchte Mary Willcocks ihre „Prinzessin Caraboo“-Geschichte noch ein wenig am Leben zu erhalten, aber ohne Erfolg. Sie kehrte 1828 nach England zurück, heiratete einen gewissen Robert Baker, ließ sich in Bedminster bei Bristol nieder und verdiente ihren Lebensunterhalt durch den Import von Blutegeln. Am 24. Dezember 1864 starb sie dort und wurde auf dem Friedhof an der Hebron Road beigesetzt, von dem heute kaum noch etwas übriggeblieben ist.

1994 wurde ihre Lebensgeschichte unter dem Titel „Princess Caraboo“ verfilmt, mit Phoebe Cates in der Hauptrolle. Hier ist der Trailer zum Film.

Das Buch zum Thema:
Catherine Johnson: The Curious Tale of the Lady Caraboo. Corgi Books 2015. 288 Seiten. ISBN 978-0552557634.

The Bowl Inn in Almondsbury.
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Witheridge in Devon; von hier stammte Mary Willcocks.
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Published in: on 5. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – David Long: Bizarre England

Foto meines Exemplares.

David Long hat rund zwanzig Bücher über London und Großbritannien geschrieben, in denen er sich überwiegend mit wenig bekannten und kuriosen Dingen auseinandersetzt. Eines dieser Bücher habe ich gerade mit Genuss gelesen: „Bizarre England – Discover the Country’s Secrets & Surprises„, Teil einer dreiteiligen Reihe, deren andere Teile „Bizarre London“ und „Bizarre Scotland“ heißen und alle bei Michael O’Mara in London erschienen sind.

„From weird buildings to eccentric museums and from mystical superstitions to remnants of magical rites, this is a guide like no other“, so steht es im Buch, und ich kann da nur zustimmen. Vieles von dem was David Long erzählt, wird man in keinem Reiseführer finden, und ich kann dieses Buch allen empfehlen, die wie ich einen Nerv für Exzentrisches und Kurioses haben.

Einige Beispiele:

Die erstaunlichsten Irrgärten des Landes (Ragley Hall Maze in Warwickshire) und die obszönsten Ortsnamen (Backside Lane, Crotch Crescent)

Kurioses aus den Colleges von Oxford und Cambridge (der längste Korridor Europas findet sich im Newnham College in Cambridge)

Bizarre Wettbewerbe und Meisterschaften (Dwyle Flunking in Lewes in West Sussex oder World Nettle Eating Championship in Marshwood in Dorset)

„Odd Pubs to Ponder Over a Pint“ (The Valiant Soldier in Buckfastleigh in Devon)

Die grausamsten Hinrichtungsarten (Hanging, Drawing and Quartering)

Die verrücktesten Gesetze („It is illegal to carry a plank along a pavement“, so der Metropolitan Police Act aus dem Jahr 1839)

David Long: Bizarre England – Discover the Country’s Secrets & Surprises. Michael O’Mara 2015. 192 Seiten. ISBN 978-1-78243-376-7

Published in: on 15. April 2017 at 02:00  Comments (1)  

The World Egg Throwing Championships in Swaton (Lincolnshire)

Thorpe Latimer bei Swaton in Lincolnshire: Austragungsort der Eierwerf-Weltmeisterschaften.
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Bis Ostern ist es nicht mehr weit, eigentlich ein passender Termin, um die jährlich stattfindenden World Egg Throwing Championships auszutragen, aber dem ist nicht so, denn dieser kuriose Wettbewerb findet regelmäßig am letzten Sonntag des Monats Juni statt. Austragungsort ist Swaton in Lincolnshire, genauer gesagt  im Thorpe Latimer Park an der B1394 in Richtung Helpringham.

Eierwerf-Wettbewerbe soll es schon im 14. Jahrhundert gegeben haben; die 2004 gegründete World Egg Throwing Federation hat dem „Sport“ aber klare Regeln gegeben und seit 2006 werden die Weltmeisterschaften in mehreren Kategorien ausgetragen.

Bei dem normalen „Egg Throwing“ werfen sich Zwei-Personen-Teams gegenseitig Eier zu, ein Werfer und ein Fänger. Gewonnen hat das Team, das die größte Distanz überwinden kann, ohne dass das geworfene Ei dabei zu Schaden kommt.

Bei der statischen Eier-Staffel, dem Egg Static Relay, besteht ein Team aus elf Spielern, die sich nicht mehr als fünf Meter von ihrem Standort wegbewegen dürfen. Zwölf Eier müssen jeweils weitergericht werden, bis alle möglichst unversehrt beim letzten Teammitglied ankommen. Zerbrochene Eier werden mit einer Zeitstrafe geahndet.

Beim Egg Target Throwing muss auf eine Entfernung von acht Metern ein menschliches Ziel getroffen werden, wobei bestimmte Körperteile mehr oder weniger Punkte für den Werfer einbringen.

Das Russian Egg Roulette erfordert je zwei Spieler, die sich gegenübersitzen. Jeder hat sechs Eier vor sich, fünf gekochte und ein rohes. Abwechselnd wählen die Teilnehmer ein Ei aus und stoßen es sich gegen die Stirn; wer das rohe erwischt hat, hat verloren.

Beim Egg Trebuchet schließlich wird ein Wurfgerät benutzt, das dem mittelalterlichen Trebuchet nachempfunden ist. Dabei muss ein menschliches Ziel getroffen werden, was Punkte bringt, bzw das „Ziel“ fängt das Ei unbeschädigt und erwirbt dadurch Punkte.

Die Hühner von Swaton und Umgebung müssen auf jeden Fall im Juni Überstunden beim Eierlegen machen, denn für die Weltmeisterschaften werden viele benötigt.

Dieser Film vermittelt Eindrücke von den Championships.

Published in: on 31. März 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Der Londoner Handlebar Club – Treffpunkt der Schnurrbartträger

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1947 fanden sich im Londoner Windmill Theatre zehn Männer zusammen, die, vielleicht weil sie gerade nichts Besseres zu tun hatten, einen Club gründeten und zwar den Handlebar Club. Voraussetzung für die Mitgliedschaft damals wie heute: „a hirsute appendage of the upper lip, with graspable extremities„, also „ein behaartes Anhängsel der Oberlippe mit greifbaren Extremitäten“.

Der Club wuchs und die Londoner Mitglieder treffen sich bei den „First Friday meetings„, also jeden ersten Freitag im Monat. Bis August letzten Jahres war der Windsor Castle Pub in Marylebone der Treffpunkt für die Meetings. Leider wurde er für immer geschlossen, so dass sich die Schnurrbartträger ein neues Lokal aussuchen mussten. Sie fanden es gleich um die Ecke im Heron am Norfolk Crescent, einem Pub mit Thai-Küche.
Mittlerweile ist die Mitgliedschaft im Handlebar Club international geworden und es gibt sowohl nationale als auch internationale Untergruppen. Das diesjährige Annual General Meeting findet vom 31. März bis zum 2. April in Kent statt.

Wer über keinen Schnurrbart verfügt, aber dennoch das Verlangen nach einer Mitgliedschaft hat, kann dem „Friends of the Handlebar Club“ beitreten und damit den Schnurrbartträgern seine Solidarität bezeugen.

Übrigens finden die offiziellen World Beard and Moustache Championships alle zwei Jahre an einem anderen Ort in der Welt statt. Nach Stuttgart (2013) und Leogang in Österreich (2015) werden sie in diesem Jahr im September im texanischen Austin ausgetragen.

Hier ist ein Film über den Handlebar Club.

Die Adresse des „Clubheims“:
The Heron
1 Norfolk Crescent
London W2 2DN

In diesem heutigen Strip-Club, damals ein Theater, wurde der Handlebar Club gegründet. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

In diesem heutigen Strip-Club, damals ein Theater, wurde der Handlebar Club gegründet.
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Published in: on 11. März 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Window Tax und andere kuriose Steuern

So sah ein Haus aus, dessen Fenster zwecks Steuervermeidung zugemauert wurden. Hier ein Beispiel aus Bridgwater aus Somerset.   © Copyright Jaggery and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

So sah ein Haus aus, dessen Fenster zwecks Steuervermeidung zugemauert wurden. Hier ein Beispiel aus Bridgwater in Somerset.
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Von 1696 bis 1851 wurde sie erhoben, die Window Tax oder Fenstersteuer, und sie war alles andere als beliebt (sofern Steuern überhaupt beliebt sein können). König William III. war der Initiator, denn der Staat brauchte Geld, und da war jedes Mittel recht, um die Kassen zu füllen. Die Fenstersteuer wurde mehrfach geändert; zuerst gab es pro Haus eine Pauschalsteuer, dann erhob man die Gebühren abhängig von der Zahl der Fenster. Natürlich war man auf der Seite der steuerzahlenden Hauseigentümer erfinderisch und mauerte einfach einige Fenster zu, um in eine günstigere Steuerklasse zu rutschen. Das Nachsehen hatten dann meistens die Mieter, die plötzlich des Tageslichts beraubt waren. Die Inspektoren, die unterwegs waren, um die Gebäude auf ihre Fensterzahl hin zu überprüfen, hatten keine Probleme, Bestechungsgelder anzunehmen, und waren sie auf ihrer Inspektionstour einmal dagewesen, konnte man damit rechnen, dass sie in der nächsten Zeit sobald nicht wieder auftauchten, und so wurden eben einige Fenster wieder zugänglich gemacht. Der eine oder andere wohlhabende Besitzer eines großen Landhauses brüstete sich seiner zahlreichen Fenster respektive seines Reichtums und ließ alle Welt wissen, dass er die Fenstersteuer locker bezahlen konnte.
Erst zur Zeit Königin Victorias, als deutlich wurde, dass dunkle, fensterlose und nicht lüftbare Räume ein hohes Gesundheitsrisiko für die Bewohner darstellten, verabschiedete sich der Staat von der gehassten Fenstersteuer. Dieser kleine Film zeigt weitere Details über die Steuer.

Da in früheren Zeiten immer wieder viel Geld benötigt wurde, um Kriege zu führen, ließen sich die Verantwortlichen ständig neue Arten von Steuern einfallen. So führte William Pitt the Younger eine Steuer auf Haarpuder ein, mit dem Perücken gern behandelt wurden, aber das brachte nicht viel Geld ein, weil die Zahl der Perückenkäufe stark zurückging.
Das gleiche galt für die Hutsteuer; je teurer ein Hut war, desto höher wurde er besteuert. Jeder Hut musste als Nachweis der entrichteten Steuer im Innern eine Steuermarke tragen; die Fälschung dieser Marken wurde sogar mit dem Tode bestraft.

Die „brick tax“ wurde eine Zeit lang auf Ziegelsteine erhoben, was dazu führte, dass die Bauherren einfach größere Steine verwendeten, woraufhin der Staat eine höhere Steuer auf größere Ziegel festsetzte.

1712 hatte jemand die grandiose Idee, bedruckte Tapeten zu besteuern. Kein Problem, sagten sich die potentiellen Käufer und tapezierten ihre Räume mit einfarbigen Tapeten, auf die sie dann die gewünschten Muster malten. Steuerzahlung umgangen!

Fazit: Der Erfinderungsreichtum des Staates in der Erhebung neuer Steuern, stieß sofort auf den Erfindungsreichtum der Bürger, diese zu umgehen.

Published in: on 8. März 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Lloyd’s, die wohl berühmteste Versicherungsgesellschaft der Welt und einige kuriose Versicherungsabschlüsse

Das Hauptquartier von Lloyd's of London.   © Copyright Stephen Richards and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Hauptquartier von Lloyd’s of London.
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In der Londoner Lime Street steht das Hauptquartier der wohl berühmtesten Versicherungsgesellschaft der Welt, das Lloyd’s Building, für £75 Millionen von dem renommierten Architektenbüro Richard Rodgers and Partner erbaut. Am 18. November 1986 wurde das außergewöhnliche Gebäude von ihrer Majestät Queen Elizabeth II offiziell eingeweiht. Genauso außergewöhnlich wie die Firmenzentrale sind auch einige der Versicherungsabschlüsse, die im Lauf der Jahrzehnte hier in London getätigt wurden. Einige Beispiele dafür möchte ich an dieser Stelle nennen:

Besonders kurios ist der Fall des amerikanischen Stummfilmstars Ben Turpin, dessen Markenzeichen seine schielenden Augen waren. Sollte sich das Schielen einmal von selbst geben und Ben seines Markenzeichens beraubt sein, so versicherte er sich dagegen mit der Summe von $25,000, in der damaligen Zeit eine sehr hohe Summe.

Auf £250 000 versicherte 1957 der Restaurantkritiker Egon Ronay (ich berichtete in meinem Blog über ihn) seine Geschmacksnerven. Wären die einmal ausgefallen, hätte er seinen berühmten Führer „Guide to British Eateries“ nicht mehr veröffentlichen können.

Diese beiden Fälle sind aber Peanuts gegen die £30 Millionen, für die die Beine des US-amerikanischen Tänzers Michael Flatley versichert sind, der vor allem durch seine „Riverdance – The Show“ berühmt wurde.

Das Komikerduo Abbot und Costello aus den USA, das in den 1940er und 1950er Jahre Erfolge feierte, ließ seinen Humor bei Lloyd’s versichern. £250 000 wollten sich Bud Abbott und Lou Costello auszahlen lassen, wenn es nicht mehr so gut für sie laufen würde, ihnen keine Gags mehr einfallen sollten oder sie sich so zerstreiten würden, dass ein gemeinsamer Auftritt nicht mehr möglich wäre.

Der britische Milliardär Richard Branson ist Kunde bei Lloyd’s; er hat seine Virgin Galactic Spaceships versichert, die bald Weltraumtouristen in den Orbit bringen sollen.

Ob Augen, Nasen, Zähne, Beine oder Stimmbänder (Bruce Springsteen versicherte seine Stimme für $6 Millionen), bei Lloyd’s of London kann man sich so gegen ziemlich alles und jedes versichern.

 

Published in: on 26. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die verrückten Ideen des Sir Francis Galton (1822-1911) Teil 2

Sir Francis Galton, der Mann, der den Frauen nachspähte.  Diese Bilddatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Sir Francis Galton. – Diese Bilddatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Außer dem Erstellen seiner „Beauty Map“, über die ich gestern in meinem Blog schrieb, hatte Sir Francis Galton noch ein ganzes Füllhorn weiterer schräger Ideen. Hier sind einige Beispiele:

Mr Galton machte sich seinerzeit Gedanken darüber, ob Gebete tatsächlich etwas bewirken würden. Je mehr für bestimmte Menschen gebetet würde, man nehme zum Beispiel gekrönte Häupter, umso länger müssten diese eigentlich leben. Bei Gottesdiensten betet die Gemeinde eigentlich immer darum, dass ihr König oder ihre Königin lange leben möge.  So die Theorie. Wie sieht es denn nun in der Praxis aus? Sir Francis Galton untersuchte die Lebenserwartung der Monarchen und kam zu dem Ergebnis, dass diese keineswegs länger lebten als „normale“ Menschen, im Gegenteil sie lebten kürzer. Folgerichtig sind Gebete also „für die Tonne“ wie Galton argumentierte, sie bringen überhaupt nichts. Der Klerus sah das natürlich ganz anders und attackierte den Mann aufs schärfste. Das Gegenargument der Kirchenmänner: Wenn die Untertanen für ein langes Leben ihres Souveräns beten, meinen die das wahrscheinlich gar nicht wirklich, also können Gebete in diesem Fall auch nicht wirken.

Sehr schön finde ich auch Galtons Idee, die er in jungen Jahren hatte, als er in einem Krankenhaus arbeitete, alle Medikamente, die er in der Krankenhausapotheke vorfand an sich selbst zu testen und zwar in alphabetischer Reihenfolge. Erstaunlicherweise schaffte er es bis zum Buchstaben „C“, als das Crotonöl an der Reihe war. Dieses Öl galt als extrem starkes Abführmittel und soll höchst bedenklich in der Anwendung sein, mit unkalkulierbaren Nebenwirkungen. Die Einnahme dieses Präparats überzeugte auch Galton, dass die Idee mit dem Medikamententest am eigenen Körper nicht zu seinen besten gehörte.

Der Mann konnte einfach nicht über einen längeren Zeitraum stillsitzen, ohne dabei etwas zu überlegen oder irgendetwas zu zählen, so auch bei dem Anfertigen seines Porträts. Während der Maler mit Hingabe die Gesichtszüge von Sir Francis Galton auf die Leinwand brachte, zählte letzterer die Pinselstriche, die der Meister dafür benötigte und schrieb darüber eine wissenschaftliche Abhandlung.

Galton machte sich über alles Gedanken, auch darüber wie sich bei einer Gesellschaft die Sympathien zwischen den einzelnen geladenen Gästen entwickelten. So brachte er bei einem Abendessen unter den Stuhlbeinen kleine Drucksensoren an, die er mit einem Messgerät verband. Wenn jetzt einer der Dinnergäste sich besonders häufig nach links oder rechts wandte, bedeutete das eine Druckverlagerung und daran konnte Galton erkennen, wer an wem besonderes Interesse zeigte. Tata!

Wer sich weiter mit den Ideen und Gedankengängen des exzentrischen Mannes auseinandersetzen möchte, der sollte zu folgendem Buch greifen:

Martin Brookes: Extreme Measures  – The Dark Visions and Bright Ideas of Francis Galton. Bloomsbury 2004. 320 Seiten. ISBN 978-0747566663 (Vergriffen, aber leicht zu beschaffen).

 

Published in: on 16. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die verrückten Ideen des Sir Francis Galton (1822-1911) Teil 1

Sir Francis Galton, der Mann, der den Frauen nachspähte.  Diese Bilddatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

 

Sir Francis Galton (1822 – 1911), Cousin Charles Darwins, war schon ein etwas eigenwilliger Charakter und Exzentriker. Er gilt als Vater der Daktyloskopie, der Wissenschaft, die sich mit Fingerabdrücken beschäftigt, und erwarb mit seinen Gedanken zur Eugenik einen zweifelhaften Ruf.
Neben mehr oder weniger nützlichen Erfindungen, erstellte er auch eine sogenannte „Beauty Map“ Großbritanniens, d.h. er durchstreifte die Städte und beobachtete dabei die Mädchen und Frauen und klassifizierte sie von attraktiv bis abstoßend. In seiner Hosentasche hatte Sir Francis eine selbstentwickelte Vorrichtung, die er „pricker“ nannte, das war ein Fingerhut mit einer darauf befestigten Nadel und dazu ein Stück Papier, das in Form eines Kreuzes zugeschnitten war. Sah er jetzt eine Frau stach er mit dem „pricker“ in eine bestimmte Stelle des Papiers, klassifizierte sie also nach ihrem Aussehen. Auf diese Weise bekam er im Laufe der Zeit eine „Datensammlung“ zusammen, eine Attraktivitätsskala. Das mag damals ja etwas verdächtig ausgesehen haben wie ein älterer Mann Frauen beobachtete und dabei in seiner Hosentasche manipulierte. Das Ergebnis seiner sicher nicht ganz uninteressanten Tätigkeit war dann also diese „Beauty Map“. Die Hitparade der schönsten Frauen im Königreich führte… London an. Das Schlusslicht bildete, armes Schottland, die Stadt Aberdeen. Was die Frauen Aberdeens zu Galtons Untersuchung sagten, ist mir nicht bekannt.

Published in: on 15. Februar 2017 at 02:00  Comments (3)  
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London Loo Tours – Spaziergänge durch London auf der Suche nach Toiletten

The Attendant Café in Fitzrovia.   © Copyright Chris Holifield and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Attendant Café in Fitzrovia.
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Das Thema „loo„, also Toilette, habe ich in meinem Blog schon mehrfach aufgegriffen, zum Beispiel:

The Loo of the Year Awards
Public Toilets – Der Niedergang der britischen Toilette
Theatre of Small Convenience in Great Malvern (Worcestershire)
The Evesham Hotel uns seine unübertroffenen Toiletten

Wer von diesem Thema gar nicht genug bekommen kann, dem empfehle ich die „London Loo Tours„. Für £12 ist man dabei und wird von jungen Damen in die Londoner Toiletten-Welt eingeführt. Gegründet wurden die Loo Tours von der Amerikanerin Rachel Erickson, dann kamen Amber und Katie dazu, alles absolute Spezialistinnen, wenn es um Londoner Toiletten geht. Mit einer Saugglocke in der Hand (die man zur Verstopfungsbehebung von Toiletten benötigt) beginnt die Führerin den 90minütigen Spaziergang, der, wie könnte es anders sein, am Waterloo-Bahnhof beginnt. Es gibt noch eine weitere Tour, die den Stadtteil Bloomsbury umfasst. Auf beiden Touren erfahren die Teilnehmer jede Menge über Public Toilets, zum Beispiel, dass etwa 40% von ihnen in den letzten Jahren geschlossen wurden, dass einige von ihnen umgewandelt und neuen Verwendungszwecken zugeführt wurden wie The Attendant Café in der Foley Street in Fitzrovia, das einmal eine viktorianische Toilette war (die Urinale sind in die Einrichtung integriert worden). Aus einer früheren Bedürfnisanstalt entstand die Bar mit dem witzigen Namen „WC Wine & Charcuterie“ im Stadtteil Clapham. Die unterirdische Cellar Door Bar, in der man sich heute Cocktails servieren lassen kann, war auch einmal eine öffentliche Toilette.

Etwa 2000 Gäste buchen jedes Jahr die London Loo Tours. Der Klassiker, die Waterloo Tour, findet jeden Samstag um 15 Uhr und jeden Sonntag um 15.30 Uhr statt. Die Bloomsbury Tour kann man nur einmal im Monat buchen und zwar jeden vierten Sonntag. Gruppenführungen sind nach Absprache möglich, je nach Gruppenstärke heißen diese dann „Privacy Please!“, „Extra Loo Roll“ und „Royal Flush“.

Dieser Film zeigt Ausschnitte aus einem der Londoner Toiletten-Spaziergänge.

Toiletten im Londoner Green Park, für die wohl gerade kein großer Bedarf besteht.    © Copyright Scriniary and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Toiletten im Londoner Green Park, für die wohl gerade kein großer Bedarf besteht.
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Joe Orton und Kenneth Halliwell – Zwei Londoner Autoren und ihre ungewöhnliche Behandlung von Bibliotheksbüchern

Die Islington Public Library an der Essex Road.   © Copyright Julian Osley and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Islington Public Library an der Essex Road.
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Joe Orton (1933-1967) war ein britischer Dramatiker, der zusammen mit seinem Freund Kenneth Halliwell (1926-1967), einem Schauspieler und Schriftsteller, in einem kleinen Appartment in London lebte. Anfang der 1960er Jahre waren sie mit dem Buchbestand ihrer Bibliothek in Islington absolut unzufrieden und beschlossen, sich dafür zu rächen. In großem Stil klauten sie Bücher und schlachteten einen Teil davon aus, d.h. sie schnitten besonders schöne Bilder aus und machten daraus in ihrem Schlafzimmer Collagen; ihre Art von  „Guerilla Artwork
Aber das reichte ihnen nicht aus; sie gingen noch einen Schritt weiter und veränderten das Aussehen der Bibliotheksbücher, indem sie Bilder auf die Schutzumschläge klebten, die dort absolut nicht hingehörten. (Beispiel 1, Beispiel 2). Weiterhin schrieben sie Buchbesprechungen, die vor Obszönitäten nur so wimmelten und klebten diese ganz vorn in die Bücher ein. Mit diesen manipulierten Büchern schlichen sie sich wieder in die Bibliothek von Islington ein und platzierten sie irgendwo auf Tische und in Regale. Dann begann für die beiden die Zeit des Vergnügens: Sie beobachteten wie Bibliotheksbesucher die „verschönerten“ Bücher in die Hand nahmen, die eingeklebten Besprechungen lasen und puterrot wurden; so etwas Obszönes hatten sie noch nie gesehen. Orton und Halliwell gingen zufrieden nach Hause, denn für sie hatte sich der Aufwand gelohnt.
Als die Bibliothekare die Veränderungen an ihren Büchern merkten, waren sie „not amused“. Bald richtete sich ihr Verdacht auf die beiden Männer und sie stellten ihnen eine Falle, in die die beiden auch tappten.

Die Polizei stellte fest: Orton und Halliwell hatten 72 Bücher geklaut und 1,653 Bilder aus Bibliotheksbüchern herausgeschnitten; außerdem hatten sie noch Überziehungsgebühren zu bezahlen (sie klauten nicht nur, sie liehen auch richtig aus!). Die beiden  wurden vor Gericht gestellt und zu 6 Monaten Gefängnis und £262 Geldstrafe verurteilt.

Wenn man unschuldige Bibliotheksbücher so brutal behandelt, dann kann das nicht gut gehen. Was folgte? Kenneth Halliwell schlug am 9. August 1967 seinem Freund Joe Orton den Schädel ein, anschließend brachte er sich selbst um.
Dieser recht ungewöhnliche Film zeigt die Beziehung der beiden.

Die verunstalteten Bücher hat man behalten, sie sind jetzt im Islington Local History Centre in der St John Street zu begutachten.

In diesem Film schildert Joe Orton seine Missetaten.

Hier in der Noel Road Nummer 25 in Islington kamen Joe Orton und Kenneth Halliwell zu Tode.   © Copyright Christopher Hilton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier in der Noel Road Nummer 25 in Islington kamen Joe Orton und Kenneth Halliwell zu Tode.
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Published in: on 5. Februar 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Die Tortoise Fair des Corpus Christi College in Oxford – Ein Treffpunkt für Rennschildkröten

Das Corpus Christi College in Oxford.   © Copyright Nigel Cox and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Corpus Christi College in Oxford.
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Die Liste der Männer und Frauen, die in der Vergangenheit das Corpus Christi College in Oxford besucht haben, ist lang; die Labour-Politiker Ed und David Milliband gehören dazu wie der Kunstkritiker John Ruskin und der Schriftsteller Vikram Seth.

Doch in meinem heutigen Blogthema geht es nicht um diese berühmten Menschen, sondern um etwas anderes, um die jährlich auf dem Gelände des Corpus Christi College stattfindende Tortoise Fair. Dieses sommerliche „Event“ ist noch gar nicht alt; 1974 wurde die Fair ins Leben gerufen, um die Studenten zu bespaßen und zu vergnügen, aber auch um Geld für wohltätige Zwecke zu sammeln.

Im Mittelpunkt dieses College-Festes steht, neben den unvermeidlichen Buden, in denen man sich mit Pimm’s versorgen kann und anderen Dingen für das leibliche Wohl, das Schildkrötenrennen, wonach die Tortoise Fair ja auch benannt wurde. Jedes College, das daran teilnehmen möchte, kann seine schnellsten Reptilien ins Rennen schicken.
Der Ablauf der Veranstaltung sieht so aus: Auf einem Rasenstück  wird ein Kreis aus Salatblättern gebildet, in dessen Mitte die Teilnehmer mit ihren Schildkröten stehen. Auf ein Zeichen hin werden die Tiere abgesetzt, die sich jetzt alle auf den Weg in Richtung Salatblätter machen. Wer als Erster an der begehrten Nahrung angekommen ist, wird als Sieger proklamiert. Im letzten Jahr gab es zwei Gewinner, die gleichzeitig am „Ziel“ angekommen sind: Für Foxe vom Corpus Christi College war es ein Heimspiel (er war auch der Vorjahresgewinner; vielleicht trainiert er ja an dieser Stelle das ganze Jahr über), umso höher ist die Leistung des Gastes vom Worcester College, Zoom, zu bewerten, der es in der gleichen Zeit zum Salatblatt schaffte. Zoom kannte die Strecke aber auch bereits, denn er siegte hier auf fremdem Boden schon mehrfach. Dieser Film zeigt das spannende Rennen.

Bei der Tortoise Fair 2016 kamen stolze £4000 zusammen, die dieses Mal der Against Malaria Foundation zur Verfügung gestellt wurden.

Andrew Dowd – Der Mann, der alle britischen Bahnhöfe kennt

Das Logo der British Rail, das gern auch als "The Arrows of Indecession" genannt wird.    © Copyright nick macneill and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Logo von British Rail, das gern auch „The Arrows of Indecision“ genannt wird.
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In meinem Blog schrieb ich vor einiger Zeit über Cathy Price, die sämtliche Pubs mit dem Namen The Red Lion aufgesucht und dabei 90 000 Meilen zurückgelegt hat. Es gibt weitere Beispiele für ähnliche Unternehmungen: Peter Willis hat schon über 2500 Briefkästen fotografiert (von rund 115 000) und den Ehrgeiz entwickelt, noch viele weitere seiner Sammlung hinzuzufügen, Alistair Houghton hatte sich auf seine Fahnen geschrieben, sämtlichen Wimpy-Schnellrestaurants Großbritanniens einen Besuch abzustatten, und Andrew Dowd aus Wigan (Greater Manchester) suchte alle 2548 Bahnhöfe in England, Wales und Schottland auf. Kurioserweise unternahm er diese Fahrten alle mit seinem Auto, das ging sicher schneller, als wenn er dabei auf die Züge der British Rail und anderer Eisenbahngesellschaften zurückgegriffen hätte.

Es begann mit einem Familienfoto vor einem Bahnhofsschild, das Andrew Dowd auf die Idee brachte, sich doch einmal alle Bahnhöfe des Landes anzusehen. Er startete in seiner engeren Heimat, dem Großraum Manchester, dann wurden die Kreise immer größer und schließlich hatte er es nach vier Jahren tatsächlich geschafft; dabei ist der junge Mann aus Wigan gar kein Eisenbahnfan, ihn interessierte viel mehr, neue Orte kennenzulernen, in denen er noch nie war. Als Beweis, dass er auch tatsächlich persönlich auf jedem Bahnhof war, machte er ein Foto davon.
Auf seiner Reise kreuz und quer durch die Insel wurde Andrew Dowd mit allen möglichen Bahnhöfen konfrontiert: Große in London, kleine auf dem Land, historische und neue, architektonisch interessant gestaltete und hässliche. Der hässlichste Bahnhof, den er fand, war Gainsborough Central in Lincolnshire. Dort macht sich Unkraut auf den Bahnsteigen breit, die Fußgängerbrücke über die Gleise bröckelt vor sich hin und überhaupt spielt sich hier so gut wie nichts mehr ab; nur am Samstag fahren drei Züge, sonst liegt der Bahnhof verlassen da. Gerade einmal 1352 Menschen haben im Zeitraum 2015/16 die Züge der Eisenbahngesellschaft Northern vom Bahnhof Gainsborough Central aus benutzt.

Gainsborough Central.   © Copyright Jonathan Thacker and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Gainsborough Central Railway Station.
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Mangold Hurling – Ein Herbstvergnügen in Somerset und Wiltshire

Zuerst einmal: Mangold Hurling, eine Art Boulespiel mit Mangold, kann gefährlich sein, so steht es jedenfalls auf den Webseiten der Mangold Hurling Association. Bekommt man eine fehlgeleitete Mangold an den Kopf, so kann das zu schweren Verletzungen führen. Von einem Todesfall bei diesem alljährlich im Oktober stattfindenden Spiel ist allerdings glücklicherweise nichts bekannt.

Die zur Gattung der Rüben zählende Pflanze wird für das Spiel eingesetzt, das besonders in Somerset und Wiltshire sehr beliebt ist.
Und so geht es: Die Teilnehmer werfen von einer festgelegten Entfernung aus ihre Mangolds in Richtung der „Zielrübe“, die „Norman“ genannt wird. Wer am nächsten dran ist, hat gewonnen; also ganz einfach.

Manchmal werden Schafe als Wachpersonal für die zum Wettbewerb vorgesehenen Mangolds eingesetzt, die aufpassen sollen, dass die Rüben nicht manipuliert werden. Wenn sich jemand Unbefugtes nähert, geben die Wächterschafe ein sehr laues „Mäh“ von sich; dafür sind sie extra trainiert worden. Der Nachteil: Manchmal fressen die hungrigen Vierbeiner die Blätter der Rüben weg, wodurch die Wurfgeschosse unbrauchbar sind, denn das Grün der Rüben dient auch als eine Art Fallschirm beim Wettbewerb.

Dieser Film zeigt wie es beim Mangoldwerfen zugeht.

Totnes (Devon), Sir Francis Drake und das jährlich stattfindende Orangen-Rennen

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Die spinnen, die Engländer, würde Asterix sagen: Die einen rennen hinter Käselaibern her wie in Gloucestershire am Cooper’s Hill, die anderen hinter Orangen wie in Totnes in Devon. Über Totnes als Großbritanniens erste Transition Town habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben. Jedes Jahr im August organisiert hier die Totnes Elizabethan Society die Orange Races, bei denen es darauf ankommt, eine Orange so schnell wie möglich ins Ziel zu bringen, ohne dass man sie in die Hand nimmt und trägt. Die Schauplätze für die Rennen sind die High Street und die Fore Street. Sieger ist derjenige, der seine noch halbwegs intakte Apfelsine über die Ziellinie bringt, wobei man nie sicher sein kann, ob es sich dabei noch um dieselbe Frucht handelt, mit der man gestartet ist.

450 Meter lang ist der Parcours vom Market Place bis zum Royal Seven Stars Hotel, den die Erwachsenen zurücklegen müssen, die Kinder haben eine kürzere, nicht so steile Strecke zu bewältigen. Nachdem alle Teilnehmer ihre Orangen ins Ziel gebracht haben, gibt es anschließend noch ein Auktion, deren Erlös wohltätigen Zwecke zugute kommt, und darauf folgt die Siegerehrung in den einzelnen Altersklassen.

Wo kommt dieser Brauch denn eigentlich her? Die Legende sagt, dass in den 1580er Jahren der berühmte Seefahrer Sir Francis Drake bei einem Besuch in Totnes mit einem Jungen zusammenstieß, der gerade Orangen auslieferte. Da zu dieser Zeit Orangen sehr teuer und begehrt waren, rannten der verzweifelte Auslieferungsjunge und die Kinder, die das kleine Unglück mitbekamen, die steile High Street hinunter, um die Zitrusfrüchte wieder einzusammeln. Sir Francis als Verursacher des Dramas soll sich dabei nicht beteiligt haben.

Die Totnes Elizabethan Society hatte in den 1970er Jahren die Idee, dieses Rennen als Touristenattraktion wieder aufzunehmen. In diesem Film kann man sich den gesamten Ablauf der Veranstaltung ansehen.

Diese steile Straßen hinunter, High Street und dann Fore Street, müssen die Orangen befördert werden.   © Copyright Chris Denny and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Diese steilen Straßen hinunter, High Street und dann Fore Street, müssen die Orangen befördert werden.
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Hier am Royal Seven Stars Hotel ist das Ziel des Apfelsinenrennens.   © Copyright Jaggery and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier am Royal Seven Stars Hotel ist das Ziel des Apfelsinenrennens.
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The Dull Men’s Club – Der Club der langweiligen Männer

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

The Dull Men’s Club is a place where dull men share thoughts and experiences, free from gliz and glam, free from pressures to be in and trendy — free instead to enjoy simple, ordinary things„, so steht es auf den Webseiten dieses exzentrischen Clubs zu lesen, der 1985 gegründet wurde und zwar in New York. Leland Carson hieß der Gründer, der 1996 nach Großbritannien übersiedelte und dessen Idee mittlerweile Interesse bei über 5000 Mitgliedern in den USA und hier auf der Insel gefunden hat. Der Club der langweiligen Männer beschäftigt sich mit Dingen, mit denen der „Normalbürger“ eher nichts am Hute hat. In dem 2015 bei der Ebury Press erschienenen Buch „Dull Men of Great Britain: Celebrating the Ordinary“ von Leland Carson findet man eine Auswahl an prominenten Vertretern des Clubs. Hier sind einige Beispiele:

Peter Willis aus Worcester hat einen Traum (von dem wohl außer ihm niemand träumt): Er möchte sämtliche Briefkästen in Großbritannien fotografieren und davon gibt es rund 115 000. In den letzten zehn Jahren hat er bereits 2500 geschafft, der Weg, der noch vor ihm liegt, ist also sehr lang. Sein Sohn hat die Standorte aller Briefkästen in ein tragbares GPS-Gerät eingegeben, das jedesmal piepst, wenn es in die Nähe eines Kastens kommt.

Archie Workman aus Ulverston in Cumbria ist ein Gullydeckel-Enthusiast. Wo immer er sich auch aufhält, er sucht nach zugewachsenen Abdeckungen, befreit sie von Unkraut und lässt sie wieder das Tageslicht erblicken. Archie hat schon einen Kalender mit Gullydeckel-Fotos herausgegeben (der erstaunlicherweise auf großes Interesse stieß), hält Vorträge im ganzen Land über sein Thema und möchte einmal ein Buch darüber schreiben.

Rick Minns aus Wicklewood (Norfolk) ist künstlerisch sehr begabt und freut sich über schmutzige, dreckbespritzte Lieferwagen, die er mit Zeichnungen verschönert, das heißt er macht aus dem angetrockneten Schlamm schöne Bildchen, die allerdings die nächste Autowäsche nicht überstehen. „Ruddy Muddy“ ist sein Spitzname.

John Barnard, Graham Jackson und Myrddin Phillips sind Berg- und Hügelvermesser. Mit einer technisch hochwertigen Ausrüstung haben sie es sich zu ihrer Aufgabe gemacht, nachzuprüfen, ob es sich bei den Erhebungen um einen Berg oder einen Hügel handelt. Ab 2000 Fuß darf sich in England und in Wales ein Berg auch wirklich Berg nennen, alles was darunter liegt ist nur ein Hügel. Die drei Männer haben sich auf die Zweifelsfälle spezialisiert und messen auf den Zentimeter genau nach.

Viele weitere skurrile Fälle von „langweiligen Männern“ finden sich in dem amüsanten, sehr zu empfehlenden Buch.

Leland Carson: Dull Men of Great Britain: Celebrating th Ordinary. Ebury Press 2015. 94 Seiten. ISBN 978-1-78503-090-1

 

Published in: on 20. September 2016 at 02:00  Comments (2)  
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The World Coal Carrying Championships in Gawthorpe (West Yorkshire)

 

Startpunkt des Rennens: The Royal Oak.   © Copyright Betty Longbottom and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Startpunkt des Rennens: The Royal Oak.
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Gawthorpe ist ein Dorf in West Yorkshire zwischen Wakefield und Dewsbury gelegen, über das kaum etwas zu sagen wäre, gäbe es hier nicht alljährlich die Weltmeisterschaften in einer ganz speziellen Sportart, die es allerdings noch nicht geschafft hat, als olympische Disziplin anerkannt zu werden, das Kohlensacktragen. Die World Coal Carrying Championships finden jedes Jahr am Ostermontag statt und das schon seit 53 Jahren.

Worum geht es? Ein 50 Kilogramm schwerer Kohlensack (bei den Frauen sind es „nur“ 20 Kilogramm, bei den Kindern 10 Kilogramm) muss über eine Distanz von etwa einem Kilometer vom Royal Oak Pub in Ossett an der B6128 bis zum Maibaum auf dem Dorfplatz von Gawthorpe transportiert werden. Teilnehmen können sowohl Männer als auch Frauen, die Bedingungen sind aber für beide Geschlechter gleich. Der momentane Weltrekord liegt bei 4 Minuten und 6 Sekunden bei den Männern (gehalten von David Jones) und 4 Minuten und 25 Sekunden bei den Frauen (gehalten von Catherine Foley). Merkwürdig ist nur, dass der offizielle Sponsor zurzeit ein Beerdigungsinstitut ist. Gab es da in irgendeiner Form einen Hintergedanken? Das Rennen ist ja ziemlich anstrengend…

Zum ersten Mal fand der Wettlauf mit den Kohlensäcken 1963 statt, auf Grund einer Idee, die im Beehive Inn (das Gasthaus wurde 2006 abgerissen) bei einigen Gläsern Bier ausgebrütet wurde. Der Kohlenhändler Reggie Sedgewick und Amos Clapham, Präsident des Maypole Committee, gerieten sich darüber in die Haare, wer von ihnen beiden der fitteste wäre und was lag da näher, als diese Meinungsverschiedenheit mit Hilfe von Kohlensäcketragen aus der Welt zu schaffen (Gawthorpe liegt mitten in einer ehemaligen Kohleregion)?

Hier ist ein Film über die Austragung der Weltmeisterschaft in diesem Jahr.

Das Ziel: Der Maibaum in Gawthorpe.   © Copyright Humphrey Bolton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Ziel: Der Maibaum in Gawthorpe.
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Published in: on 8. September 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Queuing oder die Kunst Schlange zu stehen

Schlange an einer Straßenbahnhaltestelle in Manchester.   © Copyright Gerald England and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Schlange an einer Straßenbahnhaltestelle in Manchester.
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Die Briten gelten als die Weltmeister des Schlangestehens. Schön in Reih und Glied wartet man an Bushaltestellen oder in Bäckereien oder in anderen Läden. Absolut verpönt ist es, wenn man sich nicht anstellt, sondern irgendwie versucht, sich an der Schlange vorbei einen Vorteil zu verschaffen. Der Schriftsteller George Mikes hat einmal gesagt „an Englishman, even if he is alone, forms an orderly queue of one„.

In Deutschland ist diese Kunst noch nicht zur Vollendung gebracht worden, da gibt es durchaus noch Luft nach oben (die Italiener sollen darin übrigens noch wesentlich schlechter als die Deutschen sein und viele Tricks kennen, sich an einer Schlange vorbeizumogeln).
In der Hauptpost meiner Stadt gab es früher sechs Schalter, an denen man sich nach freier Wahl anstellen konnte und fast immer stellte man sich dort an, wo es am längsten dauerte. Seitdem es dort nur noch eine Schlange gibt, die sich nach und nach auf die frei werdenden Schalter verteilt, läuft es deutlich besser.

In England gibt es einen Mann, der sich mit dem Thema Schlangestehen seit langem beschäftigt und dem es gelungen ist, durch „Queuing Management“ die Zeit in diesen Schlangen deutlich zu verkürzen. Terry Green aus Stratford-upon-Avon hat bereits 1981 mit seiner Firma Qmatic Methoden entwickelt, den Kundendurchfluss in Geschäften, Banken und Behörden deutlich zu beschleunigen. Statt vielen Schlangen gibt es nur noch eine und durch Aufrufe des jeweils nächsten freien Schalters bewegt sich die Schlange zügig vorwärts. Terry Greens aufgezeichnete Stimme ist auch landesweit zu hören, wenn es heißt „Cashier Number Three, Please„. Die Royal Mail gehörte zu den ersten, die Greens System mit Erfolg  einsetzte; es folgten große Unternehmen wie Boots, Marks & Spencer und die Lloyds Bank. Heute bietet die Firma Qmatic, für die Terry Green noch immer in beratender Funktion tätig ist, eine große Produktpalette, zu der neben den Kundenleitsystemen zum Beispiel auch Selbstbedienungsterminals gehören.
Mr Green hat seine Erfahrungen in zwei Büchern zusammengefasst: „You’re Next: How One Company Changed The Way We Shop“ (Marshall Cavendish 2010) und „Cashier Number Three Please!: Creating Fairer, Faster Service“ (Marshall Cavendish 2012). Hier ist der Mann, der sich bestens mit dem „queuing“ auskennt, in einem Film zu sehen.

Ein weiteres Buch, das sich mit dem Thema befasst, ist Joe Morans „Queuing For Beginners: The Story Of Daily Life From Breakfast To Bedtime“ (Profile Books 2008).

Bei manchen Gelegenheiten bricht aber selbst in England das geduldige Hintereinanderstehen komplett zusammen wie beispielsweise im Jahr 2005, als bei der Eröffnung einer neuen IKEA-Niederlassung so viele Menschen gleichzeitig in den Laden wollten (man spricht von 6000), dass es da sogar Verletzte gab. Wann immer ein neues Smartphone der Firma Apple auf den Markt kommt, bilden sich überall in der Welt lange Schlangen, die Hunderte von Metern lang sein können wie in diesem Film aus Birmingham zu sehen ist.

Eine dänische Studie hat herausgefunden, dass man die Problematik des Schlangestehens in den Griff bekommen könnte, wenn man die Leute, die am Ende stehen, zuerst bedienen würde…aber ob das wohl klappen würde?

Menschenschlange, die zu einer Ausstellung des Graffiti-Künstlers Banksy in Bristol ansteht.   © Copyright Nigel Mykura and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Menschenschlange, die zu einer Ausstellung des Graffiti-Künstlers Banksy in Bristol ansteht.
   © Copyright Nigel Mykura and
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Published in: on 4. September 2016 at 02:00  Comments (3)  
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Shed of the Year Awards – Auf der Suche nach Großbritanniens schönsten Schuppen

The ‘West Wing’ from Berkshire winner of the Cuprinol Shed of the Year competition 2016. With friendly permission of

West Wing – Shed of the Year 2016 und sein Erbauer Kevin Herbert.
With friendly permission of Andrew Wilcox from Readersheds.co.uk

Viele haben in ihren Gärten Schuppen stehen, in denen in der Regel Gartengeräte abgestellt sind. Das sind meist einfache kleine Holzhäuschen, die in irgendeiner Ecke untergebracht sind und nicht besonders spektakulär aussehen. Es gibt aber auch Menschen, die aus ihren Schuppen etwas ganz Spezielles gemacht haben, was sie aus der Masse der normalen Gartenhäuschen deutlich hervorhebt.

Der britische TV-Sender Channel 4 beschäftigt sich in seiner Reihe „Amazing Spaces: Shed of the Year“ mit diesen exotischen Schuppen und das schon in diesem Jahr mit der dritten Staffel. Der Höhepunkt der Serie ist jeweils die Vergabe des Preises „Shed of the Year Award„. In der Jury, die über den schönsten Schuppen entscheidet, sitzen George Clarke, der Moderator der Sendung, das Amazing Spaces Team mit William Hardie, Laura Clark und Max McMurdo, und der Initiator des Wettbewerbs Uncle Wilco alias Andrew Wilcox, der eine eigene Website und einen Blog zum Thema betreibt: „Readersheds.co.uk„.

Es gibt Unterkategorien wie „Workshop/Studio“, „Eco“, „Historical“, „Unique“ und noch einige mehr, aber jedes Jahr gibt es nur einen Hauptpreis, der im Jahr 2016 an Kevin Herbert aus Berkshire vergeben wurde. West Wing heißt sein Gartenhaus, das zu 90% aus Recyclingmaterial besteht und besonders umweltfreundlich ist. Aus nahezu 3000 Wettbewerbsteilnehmern hat es Kevin Herbert geschafft, die Jury davon zu überzeugen, dass sein West Wing etwas ganz besonderes ist. Das Dach besteht aus Gras und Wildblumen, im Loft findet sich  ein Bett und ein „secret bookcase“ ist auch im West Wing untergebracht. Acht Jahre lang hat der stolze Preisträger an seinem Häuschen gearbeitet, und seine Mühe ist belohnt worden.

Kevins Vorgänger, der den Shed of the Year Award 2015 gewonnen hat, war Walter Micklethwait aus Aviemore in Schottland, dessen Inshriach Distillery auch sehr gut in die Zeit des Wilden Westens gepasst hätte.

Einer meiner persönlichen Favoriten ist der Shed of the Year 2012 in der Kategorie „Cabin/Summerhouse“: Das Colne Valley Postal History Museum in Halstead (Essex). Darin hat sich Steve Knight sein eigenes kleines Museum eingerichtet, in dem jede Menge Briefkästen, Briefmarkenautomaten und andere Gegenstände aus dem ehemaligen Besitz der Royal Mail zur Schau gestellt werden. Am Samstag, dem 10. September, ist wieder ein Public Open Day. Die Adresse: 109 Head Street in Halstead.

Wer sich für kuriose britische Schuppen interessiert, der sollte unbedingt die oben bereits genannten Webseiten von Readersheds.co.uk aufrufen, dort findet man zahlreiche Beispiele für den Ideenreichtum der britischen „sheddies“.

Hier ist eine Folge der ersten Staffel der Channel 4-Serie zu sehen.

The Bulwer-Lytton Fiction Contest oder Wer schreibt die skurrilsten Romananfänge?

Edward George Bulwer-Lytton, der Namensgeber des Schreibwettbewerbs. This work is in the public domain.

Edward George Bulwer-Lytton, der Namensgeber des Schreibwettbewerbs.
This work is in the public domain.

Edward George Bulwer-Lytton (1803-1873) kennt man in Deutschland hauptsächlich durch seinen Roman „The Last Days of Pompeii“ aus dem Jahr 1834, der ein Jahr später in deutscher Übersetzung erschien und noch heute unter dem Titel „Die letzten Tage von Pompeji“ lieferbar ist. Weniger bekannt ist sein Roman „Paul Clifford“ (1830), der unter dem gleichen Titel 1834 ins Deutsche übersetzt wurde. Das Buch beginnt mit den berühmten Worten:
It was a dark and stormy night; the rain fell in torrents — except at occasional intervals, when it was checked by a violent gust of wind which swept up the streets (for it is in London that our scene lies), rattling along the housetops, and fiercely agitating the scanty flame of the lamps that struggled against the darkness„.

In der deutschen Übersetzung klingt das so:
„Es war eine dunkle, stürmische Nacht, der Regen fiel in Strömen und ließ nur dann von Zeit zu Zeit nach, wenn er von einem heftigen Windstoß unterbrochen wurde, der durch die Straßen heulte (unser Schauplatz ist nämlich London), in den Giebeln sauste und übermüthig mit den kümmerlichen Flämmchen der Lampen spielte, welche gegen die Finsterniß ankämpften“.

Für manche Literaturhistoriker gilt dieser Satz als der schlechtest mögliche, um einen Roman zu beginnen.

Dieser Satz war auch der Aufhänger für Professor Scott Rice von der kalifornischen Universität von San José, der 1982 die Idee hatte, einen Wettbewerb zu veranstalten, in dem die Teilnehmer einen ähnlich schlechten Anfangssatz eines fiktiven Romans verfassen sollten. Bulwer-Lytton Fiction Contest (BLFC) hieß das Unternehmen, an dem damals nur drei Personen interessiert waren. Im Jahr darauf machte Professor Rice für seinen Schreibwettbewerb erheblich mehr Reklame und plötzlich war das nationale und sogar das internationale Interesse da. Tausende von Einsendungen trafen in den folgenden Jahren ein und bis heute werden alljährlich die schönsten bzw. schrecklichsten Satzanfänge komponiert und, wenn man Glück hat, ausgezeichnet.

Als Beispiel für die Kreativität der Wettbewerbsteilnehmer ist hier der Gewinner aus dem Jahr 2015, Joel Phillips aus West Trenton in New Jersey, der diesen wunderschönen Satz konstruierte:

Seeing how the victim’s body, or what remained of it, was wedged between the grill of the Peterbilt 389 and the bumper of the 2008 Cadillac Escalade EXT, officer „Dirk“ Dirksen wondered why reporters always used the phrase „sandwiched“ to describe such a scene since there was nothing appetizing about it, but still, he thought, they might have a point because some of this would probably end up on the front of his shirt„.

Weil so viele Menschen am BLFC teilnehmen, sind Unterabteilungen geschaffen worden wie Abenteuer, Horror, Geschichtsroman, Science Fiction usw. Auf den Webseiten des BLFC steht zu lesen: Where „www“ means „Wretched Writers Welcome“, dort kann man auch die skurrilsten Beiträge nachlesen.

Edward George Bulwer-Lytton erwähnte ich in meinem Blog einmal, als ich über Knebworth berichtete, das riesige Haus in Hertfordshire, in dem der Schriftsteller jahrelang wohnte.

Der Campus der San José State University in Kalifornien, wo der Wettbewerb aus der Taufe gehoben wurde. This work is in the public domain.

Der Campus der San José State University in Kalifornien, wo der BLFC-Wettbewerb aus der Taufe gehoben wurde.
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Knebworth House, in dem Bulwer-Lytton wohnte.   © Copyright Dr Neil Clifton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Knebworth House, in dem Bulwer-Lytton wohnte.
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Die World Dock Pudding Championships in Mytholmroyd (West Yorkshire)

Mytholmroyd (West Yorkshire) und der River Calder, an dessen Ufer das Wildgemüse wächst.    © Copyright JThomas and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mytholmroyd (West Yorkshire) und der River Calder, an dessen Ufer das Wildgemüse wächst.
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Am 17. April in diesem Jahr fanden wieder die World Dock Pudding Championships in Mytholmroyd in West Yorkshire statt. Im Community Centre der kleinen Stadt, in der 1930 der Dichter Ted Hughes geboren wurde, fanden sich Männer und Frauen zusammen, die darum wetteiferten, wer den besten Dock Pudding zubereiten kann. Seit 1971 wird dieser in der Welt einmalige Wettbewerb ausgetragen, so dass der vielleicht etwas hochtrabende Titel „World Championships“ zutrifft, obwohl die Teilnehmer alle aus der Region stammen.

Was ist nun „Dock Pudding“? Es ist ein spezielles Frühstück, das gern hier in West Yorkshire zubereitet und gegessen wird. Hauptbestandteil ist besagter „dock“, ein Wildgemüse, das den lateinischen Namen Polygonum Bistorta hat und bei uns als Wiesenknöterich oder Schlangenknöterich bekannt ist. Diese Pflanze wächst im Tal des River Calder, der durch Mytholmroyd fließt. Außer  diesem Wildgemüse gehören in den Dock Pudding noch weitere Zutaten wie Zwiebeln und Haferflocken, aber jeder der Wettbewerbsteilnehmer hat da so sein spezielles Rezept, mit dem er/sie die Jury überzeugen will, dass sein/ihr Dock Pudding der leckerste ist. Ergänzt wird das Frühstück natürlich noch durch Eier, Schinken und/oder Würstchen.

Die Köchinnen und Köche bereiten ihre Dock Puddings auf offener Bühne zu, begleitet von der Blasmusik einer regionalen Kapelle. Der Jury werden die einzelnen Varianten hinter verschlossenen Türen vorgesetzt und sie probieren alle vom gleichen Teller, machen sich ihre Notizen und kommen dann am Ende (wenn sie alle pappsatt sind) zu einem gemeinsamen Ergebnis. Dieses wird dann verkündet und der Sieger bzw. die Siegerin erhält einen Pokal und wird zum World Champion ausgerufen. Wie das bei den Weltmeisterschaften in Mytholmroyd zugeht, zeigt dieser Film.

Robbie Coltrane schreibt in seinem Buch „B-Road Britain“ über seine Teilnahme an dem Wettbewerb.

Reverend Frederick Nolan, der Pfarrer aus Prittlewell (Essex) und sein Kampf gegen die besessenen Glockenläuter

St Mary's in Prittlewell.   © Copyright John Salmon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s in Prittlewell.
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Reverend Frederick Nolan (1784-1864) war ein aus Irland stammender Theologe, der am 25. Oktober 1822 die Pfarrstelle von St Mary’s in Prittlewell in Essex übernahm, heute Teil der Stadt Southend-on-Sea. Mr. Nolan war ein sehr fleißiger Mann, der sich nicht nur um seine Gemeinde kümmerte, sondern auch viele Bücher schrieb, die sich zugegebenermaßen mit etwas abseitigen Themen beschäftigten. So hieß eines seiner Werke „The Expectations formed by the Assyrians that a Great Deliverer would appear about the time of our Lord’s Advent, demonstrated“ und eines „The Egyptian Chronology analysed, its theory developed and practically applied, and confirmed in its dates and details, from its agreement with the Hieroglyphic Monuments and the Scripture Chronology“.

Wenn man solche Bücher schreibt, braucht man sicher absolute Ruhe und man möchte nicht gestört werden, um in der Konzentration zu bleiben. In dieser Hinsicht hatte es Reverend Nolan nicht leicht. Das Pfarrhaus war wie üblich ganz in der Nähe der Kirche und St Mary’s verfügte damals über eine Schar außerordentlich fleißiger Glockenläuter, die vom „bell-ringing“ gar nicht genug bekommen konnten. Sie standen extra früh auf, um schon um 5 Uhr morgens das erste Glockengeläut zu starten. Der Pfarrer war etwas genervt davon und bat sie, doch etwas später, so gegen 8 Uhr damit zu beginnen, was aber auf völliges Unverständnis der Läuter stieß. Die Glockenfreunde von St Mary’s blieben bei der frühen Stunde und läuteten auch den ganzen Tag hindurch. Frederick Nolan war ein geduldiger Mensch und ertrug die Glocken von St Mary’s 18 Jahre lang; erst nach dieser langen Zeit, als seine Nerven durch das Gebimmel wieder einmal blank lagen, rastete er eines Tages aus, rannte mit einem Messer in der Hand die Stufen des Kirchturms hinauf und begann, die Glockenseile durchzuschneiden. Nur mit Mühe konnte man ihm von seinem Vorhaben abbringen. Nolan ging noch einen Schritt weiter, verschloss seine Kirche und postierte einen Polizisten vor die Tür. Die Glockenläuter von Prittlewell waren erbost und schlugen daraufhin die Fenster der Pfarrei ein, was wiederum Reverend Nolan veranlasste, mit einer Pistole Warnschüsse abzugeben. Als dann die bell-ringer auch noch über das Kirchendach in den Turm gelangten, um zu ihren geliebten Glocken zu kommen, richtete der Pfarrer seine Pistole direkt auf sie.

Die Kirchenbehörden schalteten sich ein, um den eskalierenden Streit zu beenden. Die Glockenläuter wurden mit einer Geldstrafe belegt, der  Anführer, der nicht daran dachte, die auch zu bezahlen, sogar für einige Monate ins Gefängnis gesteckt. Allesamt wurden sie von den Behörden streng ermahnt, ihren Pfarrer nicht mehr zu belästigen, woran sie sich dann wohl auch hielten. Der Reverend blieb noch viele weitere Jahre (insgesamt waren es 42) in seiner Pfarrgemeinde in Prittlewell. Wie die Glocken von St Mary’s klingen, zeigt dieser Film.

Die Details dieser Geschichte fand ich in Paul Wreyfords ausgezeichnetem Buch „The A-Z of Curious Essex„, erschienen 2013 im Verlag The History Press.

Reverend Nolans einstiger Arbeitsbereich.   © Copyright John Salmon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Reverend Nolans einstiger Arbeitsbereich.
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Die kreischenden Pfauen von Ushaw Moor (County Durham)

Ein besonders schönes Exemplar eines männlichen Pfaus.   © Copyright Stephen Craven and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein besonders schönes Exemplar eines männlichen Pfaus.
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Man begegnet Pfauen häufig in England. Ich erinnere mich da zum Beispiel an einige Stately Homes, in denen die Tiere majestätisch durch die Parkanlagen und Gärten stolzierten wie in Castle Howard (North Yorkshire). In meinem Hotel Pendley Manor bei Tring (Hertfordshire) saßen sie sogar auf den Bäumen und im Trout Inn in Godstow (Oxfordshire) an der Themse spazieren sie manchmal mitten durch die auf der Terrasse sitzenden Gäste. Die männlichen Tiere sind sich ihrer Schönheit ganz offensichtlich bewusst und oft zieren sie sich etwas, wenn Menschen vor ihnen stehen und sie eindringlich bitten, doch endlich ein Rad zu schlagen und ihre schönen Federn zu zeigen. Die Weibchen haben außer ihrer kleinen Krone dagegen nicht sehr viel zu bieten und spielen eher die Rolle der grauen Maus.

Doch nicht jeder liebt diese Ziervögel, beispielsweise die Bewohner des ehemaligen Bergarbeiterdorfes Ushaw Moor im County Durham, und sie haben durchaus Gründe für ihre Abneigung, denn seit sechs Jahren schon werden sie von den Tieren genervt. Vor allem in der Paarungszeit geht es in Ushaw Moor hoch her. Da wird Tag und Nacht gekreischt, was das Zeug hält, und Kreischen gehört zu den Dingen, die Pfauen besonders gut können. Kein Wunder, dass da manchmal an Schlaf für die Dorfbewohner nicht zu denken ist. Weiterhin nerven die Vögel „tierisch“, wenn sie geparkte Autos attackieren. Sobald sie sich im Lack der Fahrzeuge gespiegelt sehen, meinen sie auf einen Widersacher zu treffen und picken wild drauflos. Bei den so geschädigten Autobesitzern hält sich deren Liebe für Pfauen sehr in Grenzen.
Weiterhin machen sich die Vögel im Dorf unbeliebt, wenn sie ihre Notdurft auf den Straßen und Wegen verrichten und dort eine schleimige, schwer zu entfernende Substanz hinterlassen.

Wo die Tiere eigentlich herkommen, weiß niemand so genau; man möchte sie aber in Ushaw Manor auf jeden Fall loswerden und so hat man jetzt im Ort eine Petition gestartet, die dem Durham County Council übergeben werden soll und die bereits von über 100 Bewohnern unterschrieben wurde: „These birds should be in a safe environment where they can be admired and properly looked after and not seen as pests“.
Vielleicht können die Bewohner von Ushaw Moor bald wieder die Nächte durchschlafen. Die Autolackierereien in der Umgebung hingegen würden den Vögeln wohl noch lange nachtrauern.

Der Dorfpub heißt übrigens nicht The Peacock, sondern The Flass.

Das Ortszentrum von Ushaw Moor.   © Copyright Robert Graham and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Ortszentrum von Ushaw Moor.
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Published in: on 29. April 2016 at 02:00  Comments (3)  
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Der Mappleton Bridge Jump an der Okeover Bridge in Derbyshire

Die Okeover Bridge in Mappleton.   © Copyright Chris Morgan and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Okeover Bridge in Mappleton.
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Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um sich an ein einem in der Regel eiskalten Januartag von einer Brücke in den darunter fließenden Fluss zu stürzen. Dieser sogenannte Mappleton Bridge Jump findet immer am Neujahrstag statt und ist Teil eines Wettbewerbs, der weiterhin aus einem Bootsrennen und einem Lauf besteht.
Initiiert wurde das Spektakel 1983 von Jim Breeze, mit der Absicht, die Einnahmen wohltätigen Zwecken zukommen zu lassen. Schauplatz ist der River Dove mit der Okeover Bridge in Mappleton (manchmal auch nur mit einem „p“ geschrieben), nordwestlich von Ashbourne in Derbyshire.

Der Ablauf sieht so aus: Die Teilnehmer paddeln rund 600 Meter den River Dove hinunter, rennen vom Ufer auf die Brückenmauer, springen von dort 9 Meter wieder in den Fluss hinunter und sprinten dann vom Flussufer zum 400 Meter entfernten Pub The Okeover Arms, wo die Sieger ihre Trophäe entgegennehmen. Die Ladies erhalten ein Brass Iron und die Herren den Brass Monkey, und da man schon einmal im Pub ist, dürfte das eine oder andere Pint durch die Kehlen der durchgefrorenen Paddler/Springer/Läufer fließen.

Bis zum Jahr 2014 fand dieser beliebte Wettbewerb am Neujahrstag statt, dann sollte er 2015 auf den Ostermontag verlegt werden, aber da gab es Probleme mit den Bauern, denen die umliegenden Felder gehörten. Dies ist die Zeit, in der Lämmer zur Welt kommen und das verträgt sich nicht mit den zu erwartenden Zuschauermassen, also strich man den Wettbewerb komplett. Auch in diesem Jahr wurde er nicht ausgetragen, was aber einige nicht daran hinderte, am Neujahrstag einen inoffiziellen Bridge Jump durchzuführen wie dieser Film zeigt.

Hier sind einige Bilder vom bisher letzten offiziellen Boat Race and Bridge Jump aus dem Jahr 2014 zu sehen.

Mappletons Pub, The Okeover Arms, ist das Ziel des Wettbewerbs.   © Copyright Graham Hogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mappletons Pub, The Okeover Arms, ist das Ziel des Wettbewerbs.
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