William Bradley (1787-1820) – The Yorkshire Giant

Unknown author.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution 4.0 International license.

William Bradley, der Yorkshire Giant, wurde nur 33 Jahre alt. Mit einer Körpergröße von 2,35 m ist er wohl der größte Mensch, der je in Großbritannien gelebt hat.
Geboren wurde Bradley 1787 in Market Weighton, das liegt im East Riding of Yorkshire, auf halber Strecke zwischen York und Kingston-upon-Hull. Nachdem er als Landarbeiter nur wenig Geld verdienen konnte, besann er sich darauf, aus seiner Körpergröße Kapital zu schlagen und schloss sich einer der damals sehr populären Freak Shows an, wo Menschen mit ungewöhnlichen körperlichen Missbildungen zur Schau gestellt wurden. Nachdem er auf vielen Jahrmärkten im ganzen Land unterwegs war, beschloss er, aus selbst sich eine One-Man-Show zu machen. Er mietete  in Städten ein Zimmer und verlangte von jedem, der ihn „besichtigen“ wollte, einen Shilling. Ein trauriges Leben!
Bradley wurde auch einmal König George III vorgeführt, der ihm eine goldene Uhr schenkte.
1820 starb der Yorkshire Giant in seiner Heimatstadt Market Weighton, wo er auch beigesetzt wurde. Alljährlich findet dort seit 1996 der Giant Bradley Day statt, ein Art Rummelplatz mit Amüsement für Kinder und Erwachsene.

Zur Erinnerung hat die Stadt Market Weighton eine lebensgroße Statue aus Holz von William Bradley aufgestellt.
Der Giant Bradley Heritage Trail führt durch Market Weighton an Plätzen vorbei, die irgendwie mit dem Riesen zusammenhängen und ist durch 23 Fußabdrücke markiert, die der exakten Schuhgröße Bradleys entsprechen.

Das Geburtshaus des Yorkshire Giants in Market Weighton.
Photo © Colin Westley (cc-by-sa/2.0)

Plakette an Bradleys Geburtshaus und eine der Stationen des Giant Bradley Heritage Trails.
Photo © Mike Kirby (cc-by-sa/2.0)

Bradleys Staue in Market Weighton.
Photo © Leslie (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Juni 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags: ,

Von problematischen Nachbarschaften in London, Lancashire und im County Durham

Im allgemeinen hält man in England gern Abstand zu seinen Nachbarn, und der Spruch „My home is my castle“ gilt auch heute noch. Manchmal kommt es aber zu Problemen mit der lieben Nachbarschaft, und da möchte ich heute drei Beispiele anführen.

Dieses auffällig gestrichene Haus im Londoner Stadtteil Kensington stand einmal im Mittelpunkt eines Nachbarschaftsstreits. Der Besitzer wollte das Haus abreißen und durch ein neues, moderneres ersetzen lassen. Diese neue Gebäude sollte zwei unterirdische Stockwerke erhalten, ein sogenanntes „iceberg home“, sehr beliebt bei den Londoner Superreichen, die auf diese Weise deutlich mehr Platz erzielen.
Die Nachbarn wehrten sich gegen diese Pläne, und da auch der Kensington and Chelsea Council nicht mitmachen wollte, wurde das Haus eben, um die Nachbarn zu ärgern, in dieser auffälligen und provozierenden Weise gestrichen. Aber auch da schritt der Council ein und erteilte die Auflage, das Gebäude in den Ursprungszustand zurückzuversetzen. was dann so aussah:

 

Dieses Haus in der Stankelt Road in Silverdale (Lancashire) steht vor einer sogenannten „spite wall„, die 1880 errichtet wurde und zwar von dem Besitzer des Hauses auf der gegenüberliegenden Seite. Dessen Haus stand zuerst da und hatte einen schönen Blick auf die Landschaft…bis das Haus gegenüber gebaut wurde, das ihm die Sicht nahm und auch die „privacy“. Erzürnt ließ der Nachbar diese „spite wall“ am äußersten Ende seines Grundstücks errichten; nun hatte er wenigstens seine Privatheit wieder und sein Gegenüber blickte aus seinen Fenstern auf eine graue Mauer.

Joseph Edlestone war 41 Jahre lang Vikar an der St Mary’s Church in Gainford (County Durham) gewesen. Als er 1895 in seinem Haus in Cambridge starb, wollten seine Kinder gern ein Denkmal für ihren Vater auf dem Kirchhof von St Mary’s errichten lassen, was die Kirche aber ablehnte, mit dem Hinweis, der Kirchhof sei bereits voll und es gäbe keinen Platz mehr. Aber: Wenn die Famile Edlestone, die das angrenzende Grundstück besaß, einen Teil davon an sie abtreten würde, könnte sie das Monument ja dorthin stellen. Das passte Joseph Edlestones Kindern aber überhaupt nicht, und so bauten sie auf ihrem Grund und Boden ein großes Haus, das Edlestone Spite House, und errichteten direkt an der Grenze zum Kirchhof eine zwölf Meter hohe Säule, die oben im Bild zu sehen ist. Der Vikar von St Mary’s war sicher „not amused“.

Das Buch zum Artikel:
Emily Cockayne: Cheek by Jowl – A History of Neighbours. Bodley Head 2012. 288 Seiten. 978-1847921345.

 

Published in: on 1. Juni 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

Crop Circlemakers – Kornkreise als Kunstform

Hier am Cheesefoot Head in Hampshire begannen Doug Bower und Dave Chorley mit ihren Kornkreisen. Die Spuren auf dem Foto stammen in diesem Fall von Traktoren.
Photo © Jim Champion (cc-by-sa/2.0)

Die Grafschaft Wiltshire gilt als das Mekka der Kornkreis-Fans, aber auch in den benachbarten Counties tauchen diese bizarren Gebilde in den Getreide- und Rapsfeldern immer wieder auf. Da aus Wiltshire ebenfalls viele UFO-Sichtungen gemeldet werden, fragen sich manche, ob es da wohl einen Zusammenhang gibt. Sind Besucher aus fremden Welten des Nachts unterwegs und fertigen die Kornkreise an und wenn ja, warum?

Im vorigen Oktober besuchte ich The Barge Inn in Honeystreet (Wiltshire), der als als Hauptquartier der sogenannten Croppies gilt. Ich fand dort niemanden von der Fangemeinde vor, meine Frau und ich waren mittags die einzigen Gäste.

Ob es nachts nun in Wiltshire und anderen Grafschaften mit übernatürlichen Dingen zugeht, mit Aliens, die sich aus lauter Langeweile irgendwelche Muster ausdenken und diese auf die Getreidefelder projizieren, für eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Kornkreisen sind ganz einfach…Menschen verantwortlich. Doug Bower und Dave Chorley hatten Ende der 1970er Jahre nach einigen Pints in einem Pub die Idee, Kornkreise anzulegen, und sie begannen damit in der Nähe von Winchester (Hampshire) am Cheesefoot Head. Mehr als zwölf Jahre gingen die beiden ihrer nächtlichen Tätigkeit nach, deren Ergebnis in der ganzen Welt diskutiert wurde und zu wilden Erklärungsversuchen führte.

Der englische Künstler und Filmemacher John Lundberg und einige seiner Freunde setzten das Werk von Bower und Chorley in den 1990er Jahre fort, und er gründete Circlemakers, eine Art Künstlerkollektiv, deren Kornkreise immer kunstvoller wurden. Natürlich war es nur eine Frage der Zeit bis es herauskam, dass nicht Aliens, sondern Menschen für viele Kornkreise verantwortlich waren, was eingefleischten Hardcore-Cropcircle-Fans nicht gefiel, die lieber eine andere Erklärung für das nächtliche Geschehen auf den Feldern Südenglands gehabt hätten.

Die Circlemakers bekamen sogar internationale Aufträge, bestimmte Formen in Getreidefelder zu zaubern, beispielsweise für Extinction Rebellion beim vorjährigen Glastonbury Festival oder für das amerikanische Streetwear Label Supreme in Kalifornien. Eine weitere Auftragsarbeit für die Circlemakers fand ebenfalls in Kalifornien statt, wo sie bei Bakersfield für die US-Band Korn kunstvolle Kreise und das Logo der Band in ein Getreidefeld fabrizierten. Hier ist das Musikvideo „Let the guilt go“ von Korn zu sehen.

Wie man sich als Besucher von Kornkreisen verhalten sollte, ist im sogenannten „Pink Book“ festgehalten, über das ich in meinem Blog einmal schrieb.

In diesem Film sind besonders schöne Exemplare von Kornkreisen zu sehen.

Kornkreise in Wiltshire.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

The Barge Inn in Honeystreet (Wiltshire)
Eigenes Foto.

The World Conker Championships – Die Weltmeisterschaften im „Kastanien-kaputt-schmeißen“ in Southwick (Northamptonshire)

The Shuckburgh Arms in Southwick.
Photo © Michael Trolove (cc-by-sa/2.0)

Jedes Jahr am zweiten Sonntag des Monats Oktober ist Southwick in Northamptonshire der Austragungsort einer kuriosen „Sportart“; hier finden die World Conker Championships statt. Conkers sind Kastanien, und das Ziel des Wettkampfes ist, die Kastanie des Gegners zu zerstören. Jeweils zwei Teilnehmer stehen sich gegenüber, jeder verfügt über eine an einer Schnur aufgehängten Kastanie. Der „striker“ versucht nun die Kastanie des „receivers“ zu knacken, wobei die Rollen innerhalb eines Matches wechseln. Wer es schafft, die gegnerische Kastanie zu zerstören, ist eine Runde weiter und trifft auf den nächsten Gegner… bis schließlich der nächste Weltmeister bzw. Weltmeisterin ermittelt wird. Es gibt auch Teams, die gegeneinander antreten, die sich witzige Namen gegeben haben wie die Peterborough Nutters, die Celtic Conkerors, No Strings Attached oder Royal Oak Resistance.

Die Teilnehmer kommen tatsächlich aus der ganzen Welt nach Southwick angereist, um hier im ländlichen Northamptonshire Kastanien „kaputtzuschmeißen“. In den meisten Fällen stellen die Briten die Weltmeister, aber es gab auch schon Jahre, in denen Ausländer gewonnen haben, so 1998, als ein Deutscher und ein deutsches Team auf dem Siegertreppchen standen. Am besten man sieht sich die World Conker Championships einmal im Film an, hier sind Szenen aus dem vorigen Jahr.

1965 wurden die ersten Weltmeisterschaften ausgetragen, damals noch auf dem Dorfanger von Ashton in Northamptonshire, der praktischerweise von Kastanienbäumen umstanden war. Jetzt ist der Pub The Shuckburgh Arms in Southwick der Austragungsort (nicht zu verwechseln mit dem Southwick in West Sussex, über das ich in meinem Blog einmal schrieb).

Die nächsten Weltmeisterschaften sind für den 11. Oktober geplant. Hoffen wir, dass sie stattfinden können!

Wo alles begann: Der Dorfanger von Ashton in Northamptonshire.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

Von der Kunst des Portweinweiterreichens und ein schlafender Bischof

Author: Wiki-portwine.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Nach einem üppigen Mittag- oder Abendessen kommt es in einer Gesellschaft häufig vor, dass zum Käse ein Glas Portwein gereicht wird. Dieser aus Portugal stammende Süßwein ist in England populärer als hierzulande; er ist meist rot, aber es gibt ihn auch in weiß. Es existiert in England ein ungeschriebenes Gesetz, das beim Einschenken bei Tisch unbedingt beachtet werden muss und gegen das auf gar keinen Fall verstoßen werden darf. Wenn der Gastgeber die Flasche Portwein auf den Tisch gestellt hat, reicht er sie zu seiner Linken weiter und jeder, der am Tisch sitzt, reicht sie im Uhrzeigersinn weiter. Sollte jemand, der den Brauch nicht kennt, die Flasche zurückgeben oder sie jemandem, der ihm gegenübersitzt, zuschieben, so würde das bei den Anwesenden entsetzte Blicke, hochgezogene Augenbrauen und ein verlegenes Hüsteln hervorrufen, denn Portweinflaschen müssen immer im Uhrzeigersinn weitergereicht werden, denn alles andere bringt Unglück. Über den Grund dafür gibt es unterschiedliche Auffassungen; eine davon ist, dass die Engländer ja für ihr Fair Play berühmt sind,  und wenn die Flasche queerbeet hin und hergeschoben wird, könnte es ja sein, dass jemand nichts abbekommt und das darf nicht sein. Bei dem geregelten Weiterreichen, ist gesichert, dass niemand zu kurz kommt. Übrigens gilt das nur für die Flasche, nicht für gefüllte Gläser, die dürfen auch zurückgereicht werden.

Was ist nun, wenn die Flasche in der Runde stehen bleibt und jemand vergessen hat, sie weiterzureichen? Da die Engländer ein sehr rücksichtsvolles Volk sind, käme niemand auf die Idee, über den Tisch zu rufen „Eh, schieb die Flasche mal her“. Da gibt es eine elegantere Lösung. Jemand vom Tisch würde den, vor dem die Flasche steht, fragen: „Do you know the Bishop of Norwich?“ Kennt der derart Angesprochene die Regel, so würde er die Flasche sofort wieder mit mehreren „Sorries“ auf die weitere Reise schicken. Kennt er sie nicht, würde er erstaunt mit einem „No“ reagieren. Daraufhin könnte es dann heißen „The Bishop was a jolly good fellow but he always forgot to pass the Port„. Gut, jetzt wäre sicher der Groschen gefallen, und die bisher leer ausgegangenen Gäste kämen jetzt auch in den Genuss des Süßweins.

Der hier zitierte Bishop of Norwich soll Henry Bathurst (1744-1837) gewesen sein, der das hohe Alter von 92 Jahren erreicht hatte, und der bei Tisch häufig eingeschlafen sein soll, vor der Flasche Portwein.

Hier ist ein kleiner Sketch zum Thema.

Henry Bathurst, der Bischof von Norwich.
This work is in the public domain.

Published in: on 8. Mai 2020 at 02:00  Comments (5)  
Tags:

The Maldon Mud Race – Eine Schlammschlacht in Essex

Vielen Dank auch, Coronavirus!! Jetzt hast Du auch noch das diesjährige Maldon Mud Race auf dem Gewissen, das im Mai ausgetragen werden sollte. Jetzt müssen sich alle bis zum 23. Mai 2021 gedulden, dann wird es (hoffentlich) wieder stattfinden. Im vorigen Jahr kamen fast 20 000 Besucher hier zum Blackwater River bei Maldon in Essex, um sich diese kuriose Schlammschlacht anzusehen (was natürlich unter den diesjährigen Umständen nicht vertretbar ist).

In den 1970er Jahren wurde das Rennen erstmals ausgetragen, und da mussten die Teilnehmer durch den Schlamm des Blackwater Rivers auf die gegenüberliegende Seite waten, dort ein Pint Bier trinken und wieder zurückkommen. Heute wird kein Bier mehr getrunken; viele, die an dem Rennen teilnehmen, tragen irgendwelche Fantasiekostüme oder bewegen sich mehr oder weniger nackt durch die etwa 400 Meter lange Matschstrecke. Das Mud Race kann nur ausgetragen werden, wenn der Fluss bei Ebbe einen bestimmten Niedrigstand erreicht hat. Im vorigen waren 300 Männer und Frauen dabei, die kein Problem damit hatten, sich komplett „einzusauen“. 3 Minuten und 38 Sekunden benötigte Christopher Lee im Jahr 2019 für die Strecke und war damit erster; die schnellste Frau, Shannon Roswell,  schaffte es in 6 Minuten und 5 Sekunden und belegte damit Platz 17.

Dieser Film
zeigt wie es im vorigen Jahr bei dem verrückten Wettbewerb zuging, und da möchte man am liebsten gleich selbst mitmachen.
Die Einnahmen aus der Veranstaltung kommen immer wohltätigen Zwecke zugute und das waren im Jahr 2019 stolze £35,000.

Schauplatz des Maldon Mud Race ist der Promenade Park am Blackwater River, ein großes Freizeitareal mit Splash Park, Adventure Golf und anderen Verlustierungen.

Über Maldon in Essex schrieb ich in meinem Blog schon einmal, aber über ein ganz anderes Thema.

Da möchte man sich doch gern hineinstürzen. Schauplatz des Maldon Mud Races.
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

Das White Hart Lane Stadion im Londoner Stadtteil Tottenham – Austragungsort eines der kuriosesten Fußballspiele aller Zeiten

Das ehemalige White Hart Lane Stadion in Tottenham.
Author: Forthevline.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Es war der 21. November 1945. In London herrschte dichter Nebel, ein „pea-souper“ hatte sich wieder einmal über die Stadt gelegt. Im Stadion White Hart Lane im Stadtteil Tottenham (das Stadion lag gar nicht am White Hart Lane, sondern an der High Road) war ein Spiel zwischen dem Arsenal F.C. und der russischen Mannschaft Dynamo Moskau angesetzt. Das Stadion gehörte eigentlich der Mannschaft Tottenham Hotspur, die es aber für das Match zur Verfügung stellte, da Arsenals Highbury nach den Kriegswirren nicht zur Verfügung stand.

White Hart Lane war voll besetzt, aber viel sehen konnten die Zuschauer zu Beginn des Spiels nicht. Eigentlich hätte es gar nicht angepfiffen werden dürfen, aber der russische Schiedsrichter bestand darauf. Der Mann in Schwarz traf auch die höchst merkwürdige Entscheidung, dass die beiden englischen Linienrichter auf einer Seite gemeinsam das Spiel beobachten sollten, und er allein auf der gegenüberliegenden Seite. In dem dicken Nebel konnte der Schiedsrichter nur wenig erkennen, was sich da auf dem Platz tat. Ein Tor fiel für die Moskauer Mannschaft, obwohl der Torschütze meterweit im Abseits stand. Ein Arsenal-Spieler wurde vom Platz gestellt, mischte sich aber stillschweigend wieder unter seine Mannschaftskollegen, was aber der Schiedsrichter nicht mitbekam. Dynamo nahm einen Spieleraustausch vor, wobei der ausgetauschte Spieler trotzdem auf dem Platz blieb, was erst nach zwanzig Minuten auffiel.
Der Nebel nahm nach der Halbzeit noch mehr zu, so dass die Zuschauer so gut wie gar nichts mehr sehen konnten. Dem Torwart der Gunners, wie die Spieler vom Arsenal F.C. auch genannt werden, ging es nicht viel besser, denn er knallte mit dem Kopf gegen den Pfosten seines Tores und wurde ohnmächtig, woraufhin ein Zuschauer seinen Platz einnahm. Das Match wurde tatsächlich zu Ende gespielt; Dynamo gewann mit 4:3 und der russische Schiedsrichter war zufrieden mit seinem Werk…

Hier sind einige Szenen aus dem Spiel zu sehen, pardon, zu erahnen.

Das Stadion in Tottenham wurde 2017 abgerissen und durch ein neues an der alten Stelle ersetzt. Das erste offizielle Spiel der Spurs in der neuen Arena fand am 3. April 2019 gegen den Ortsrivalen Crystal Palace statt.

Published in: on 13. April 2020 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

The Cloud Appreciation Society – Hier finden sich Wolkenliebhaber aus der ganzen Welt zusammen.

Eine gewaltige Wolke über Sandbanks in Dorset.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

In meinem Blog habe ich vor einigen Jahren schon einmal absonderliche „Appreciation Societies“ vorgestellt. Eine davon ist die Cloud Appreciation Society, die im Jahr 2005 von Gavin Pretor-Pinney gegründet wurde und die sich ausschließlich mit Wolken beschäftigt. Die Gesellschaft zählt heute 50 000 Mitglieder in 120 Ländern, ein Zeichen, dass Wolken überall in der Welt ihre Bewunderer haben.

In ihrem Manifest steht unter anderem:
We pledge to fight „Blue Sky Thinking“ wherever we find it. Life would be dull if we had to look up cloudless monotony day after day.

We seek to remind people that clouds are expressions of the atmosphere’s moods, and can be read like those of a person’s countenance.

Auf der Webseite gibt es auch einen Shop, in dem man zwar keine Wolken bestellen kann, aber beispielsweise Sweatshirts und Socken mit Wolkenmotiven, Wolkenkalender, Ohrringe, Regenschirme usw. usw.

Gavin Pretor-Pinney hat zu dem Thema auch Bücher geschrieben: „The Cloud Collector’s Handbook“ und „The Cloudspotter’s Guide“ (auf Deutsch „Wolkengucken“, 2006 im Heyne-Verlag erschienen) auf dessen Grundlage BBC 4 im Mai 2009 die Dokumentation „Cloudspotting“ produzierte (hier zu sehen).
Sein aktuelles Buch heißt „A Cloud a Day„, das im Herbst 2019 erschien, in dem 365 Fotos bzw. Gemälde von Wolken zusammengefasst sind, für jeden Tag eines.

Eine bedrohliche Wolkenformation über dem Hafen von Lowestoft (Suffolk).
Photo © John Goldsmith (cc-by-sa/2.0)

In den Cotswolds.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. April 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

Warminster in Wiltshire – Eines der britischen UFO-Zentren

Auf dem Cradle Hill, nördlich von Warminster.
Photo © Maurice Pullin (cc-by-sa/2.0)

Warminster ist eine Stadt im westlichen Wiltshire, geprägt von den vielen militärischen Einrichtungen in der Umgebung. Es ist aber auch der Ort in England mit den meisten UFO-Sichtungen. Ich las kürzlich Arthur Shuttlewoods Buch „The Warminster Mystery: Eyewitness accounts of dramatic UFO sightings in England“ (Tandem 1973), in dem sich der Autor, Journalist beim Warminster Journal, mit den Phänomenen auseinandersetzt.

Das ganze begann in den frühen 1960er Jahren, erreichte um 1965 seinen Höhepunkt und setzte sich auch in den nächsten Jahrzehnten fort. Besonders auf dem Cradle Hill und dem Cley Hill sollen viele UFOs gesichtet worden sein und dort treffen sich nachts auch immer wieder die Skywatcher, in der Hoffnung Flugkörper aus anderen Welten zu sehen. Auch Robbie Williams soll hier in der Vergangenheit auf dem Cradle Hill zu sehen gewesen sein. Er interessiert sich sehr für das Thema UFOs.

Die militärische Präsenz auf der Salisbury Plain mag vielleicht Ursache mancher merkwürdiger Sichtungen sein, da dort neue Waffen getestet werden. Es ist eine sehr eigenartige Gegend, die ich zuletzt Ende Oktober 2019 durchquerte; überall wird man auf den Straßen mit Hinweisschildern konfrontiert, die vor Panzern warnen. Die Atmosphäre des Ministry of Defence-Geländes erinnert etwas an Nevadas Area 51.

Weitere Bücher beschäftigen sich mit dem Phänomen der UFO Sichtungen, das vor allem Mitte der 1960er Jahre die kleine Stadt Warminster in Atem hielt, zum Beispiel „In Alien Heat: The Warminster Mytery Revisited“ (Anomalist Books 2005) von Steve Dewey und John Ries und „UFO Warminster: Cradle of Contact“ (Fortean Words 2012) von Kevin Goodman und Steve Dewey.

Dieser Film zeigt einige Augenzeugen des Phänomens.

Der Cley Hill, westlich von Warminster.
Photo © Phil Williams (cc-by-sa/2.0)

Am Market Place in Warminster.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

 

Foto meines Exemplares.

 

Published in: on 1. April 2020 at 02:00  Comments (2)  
Tags: ,

Unterwasserhockey – Eine Sportart, die 1954 in England entwickelt wurde

Author: DavidUnderwater.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Für Nichtschwimmer und Nichttaucher kommt diese merkwürdige Sportart nicht in Frage: Unterwasserhockey ist etwas für Wasserratten und Leute, die lange die Luft anhalten können.
1954 kam Alan Blake aus Southsea (Hampshire), der ein Jahr zuvor den Sub-Aqua Club gegründet hatte, auf die Idee, im Winterhalbjahr einmal etwas ganz Neues auszuprobieren, was auf den ersten Blick (vielleicht auch auf den zweiten) ziemlich skurril war, das Hockeyspielen unter Wasser. Octopush nannte er das Spiel. Warum? „Octo„, weil das Spiel aus acht Spielern besteht, „Push„, weil der Squid (der Unterwasser-Puck) mit dem „Pusher“, dem Mini-Hockeyschläger, geschoben wird. Das Tor im Unterwasserhockey hieß anfangs Scuttle, wurde dann aber in Gully umbenannt. Die Teilnehmer dieser Sportart tragen Tauchermasken, Schnorchel, Flossen und Handschuhe. Als Austragungsort eignet sich jeder Swimmingpool, der entsprechend lang und tief ist. Schiedsrichter gibt es zwei, einen im Pool und einen außerhalb. Für die Zuschauer gibt es natürlich nicht viel zu sehen (außer den Köpfen der Spieler, die kurz auftauchen, um Luft zu holen), aber es gibt ja Unterwasserkameras, die das Match filmen, und das dann auf einen Großbildschirm übertragen werden kann.

Bei internationalen Wettkämpfen gibt es mehrere Levels, angefangen von dem U19- Level (Spieler unter 19 Jahren) bis zum Elite-Level (die absoluten Meister ihres Fachs). 1980 gab es die ersten Underwater Hockey World Championships in Vancouver in Kanada, die letzten wurden 2018 in Québec City, ebenfalls in Kanada, ausgetragen. Die nächsten, die 22. Weltmeisterschaften, stehen vom 20. Juli bis zum 2. August in diesem Jahr an der Gold Coast in Australien an (für Elite- und Masters-Level)…wenn es denn das Coronavirus zulässt.

Am besten man sieht sich diesen Film an, um sich ein Bild von dem Spiel zu machen.

Published in: on 27. März 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

Ein klein wenig englischer Humor in schwierigen Zeiten…

Die Engländer sind fähig, auch in schwierigen Zeiten ihren Humor zu behalten, was ich bewundernswert finde. Wir alle leben zur Zeit in extrem schwierigen Zeiten, und da möchte ich in meinem Blog heute einmal für ein wenig Heiterkeit sorgen.

Vielleicht erinnern sich noch einige an die Eröffnungsfeierlichkeiten der Olympischen Spiele 2012 in London. Da spielte das London Symphony Orchestra unter der Leitung von Simon Rattle die berühmte Filmmusik aus dem Film „Chariots of Fire“ (dt. „Die Stunde des Siegers“), und da war auch ein Orchestermitglied dabei, das nicht so ganz bei der Sache war… Hier ist der Ausschnitt aus den Feierlichkeiten zu sehen.

Zur Gegenüberstellung: Hier sind einige Originalszenen aus „Chariots of Fire“ zu sehen.

Published in: on 25. März 2020 at 02:00  Comments (4)  
Tags: ,

Archie Workman aus Lancashire – Einer der letzten Lengthsmen Englands

Hier wartet Arbeit auf einen Lenghtsman…
Photo © Albert Bridge (cc-by-sa/2.0)

Im Mittelalter gab es den Beruf des Lenghtsman, dessen Aufgabe darin bestand, Straßengräben von Unrat und Unkraut zu befreien, das Gras dort kurz zu halten und sicherzustellen, dass das Wasser nach Regenfällen überall gut ablaufen konnte. Dieser Beruf ist heute so gut wie ausgestorben, aber es gibt noch einige wenige Männer, die sich dieser Aufgabe nach wie vor widmen. Einer von ihnen ist Archie Workman, der bei Ulverston in der Grafschaft Cumbria wohnt. An einigen Tagen ist er Geschäftsmann, an anderen Tagen arbeitet er als „modern-day lenghtsman“ und hält Straßenränder und -gräben sauber, wobei er sich ein erstaunliches Wissen über Kanaldeckel angeeignet hat. Manche dieser eisernen Deckel sind schon sehr alt und einige von ihnen sind so von Unkraut verborgen, dass sie jahrelang unentdeckt blieben, bis Archie Workman auf der Bildfläche erschien, sie säuberte und fotografierte und sich so ein Archiv von „drain covers“ zugelegt hat. So nennt man ihn auch gern „drainspotter“ in Anlehnung an Danny Boyles Spielfilm „Trainspotting“ aus dem Jahr 1996. Archie hat auch schon einen Kalender mit Kanaldeckel-Fotos herausgegeben, der erstaunlicherweise auf großes Interesse stieß. Außerdem hält er Vorträge über die Instandhaltung von Straßen.

Doch Archie Workmans Arbeitsbereich bezieht sich nicht nur auf die Straßenränder und -gräben in der Umgebung von Ulverston, er reinigt auch Straßenschilder und das mit viel Liebe und natürlich den dazugehörenden Reinigungsmitteln. Im Laufe der Zeit werden die Schilder schmutzig, es bilden sich Ablagerungen darauf, und das kann Archie Workman nicht leiden. Dank ihm gibt es wohl in der Region Ulverston die saubersten Straßenschilder des Landes.
Dieser Film zeigt den Lenghtsman bei der Arbeit.

…und hier auch.
Photo © Nigel Mykura (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 24. März 2020 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

William Hope Hodgson vs. Harry Houdini – Eine Wette im Palace Theatre in Blackburn im Jahr 1902

Das erste Mal stieß ich auf den englischen Schriftsteller William Hope Hodgson (1877-1918) als ich mich für meine Examensarbeit intensiv mit dem Thema Weird Fiction beschäftigte, und ich die beiden Bücher „Das Haus an der Grenze“ und „Stimme in der Nacht“ las, die in der Bibliothek des Hauses Usher des Insel-Verlages erschienen waren, auf grünem Papier gedruckt.

Bevor William Hope Hodgson seine Schriftstellerlaufbahn einschlug, hatte er 1899 in Blackburn in Lancashire ein Fitness-Studio eröffnet, das damals etwas hochtrabend School of Physical Culture hieß. Im Oktober 1902 hatte sich der weltberühmte Entfessellungskünstler Harry Houdini (1874-1926) im Palace Theatre in Blackburn angesagt. Houdini (hier sind einige historische Aufnahmen) rühmte sich, sich aus jeder Fessel, die man ihm anlegte, befreien zu können, und das wollte man in Blackburn unbedingt erleben. Im Vorfeld hatte er eine Wette angeboten, dass jeder, der wollte, ihn fesseln konnte. Schaffte er es nicht, sich daraus zu befreien, würde er £25 zahlen, was damals sehr viel Geld war.

William Hope Hodgson nahm die Wette an, unter der Bedingung, dass er seine eigenen Fesseln mitbringen konnte, was Houdini erlaubte. Auf der Bühne des Palace Theatre erschien der Fitness-Studiobesitzer mit einem furchterregendem Equipment, das aus Handschellen, Ketten und Schlössern bestand. Misstrauisch betrachtete Houdini das Ganze und beschwerte sich, dass es sich nicht um Standard-Schlösser handelte und dass diese manipuliert seien. Hodgson blieb aber hart und bestand auf den ausgehandelten Bedingungen. Widerwillig stimmte der Meister dann doch zu und musste zusehen wie sein Herausforderer ihn derart mit den Ketten samt Schlössern umschnürte, dass er sich kaum noch bewegen konnte. Als Hodgson fertig war, wurde wie üblich eine Trennwand zwischen Publikum und Houdini hochgezogen. Nach zwanzig Minuten wurde die Trennwand entfernt und man sah, dass Houdini noch weit davon entfernt war, sich zu befreien, und er protestierte lauthals über die brutale Art und Weise wie ihm die Fesseln angelegt worden waren. Hodgson kannte kein Erbarmen, und so versuchte es Houdini weiter. Nach über einer Stunde hatte er es tatsächlich geschafft. Mit blutenden Armen und zerrissener Kleidung tauchte er hinter der Trennwand auf, alle Fesseln hatte er entfernen können. So eine brutale Behandlung hätte er noch nie erlebt, schimpfte Houdini, dem ein „entfesseltes“ Publikum zujubelte. William Hope Hodgson hatte die Wette verloren und zog sich in seine School of Physical Culture in der Ainsworth Street zurück. Zwei Jahre später erschien seine erste Kurzgeschichte mit dem Titel „“The Goddess of Death“.

Das Palace Theatre wurde im Dezember 1989 abgerissen, um einen Parkplatz anzulegen.

Zwei Minigolf-Enthusiasten aus Cheadle Holme (Greater Manchester), die jeden Platz in Großbritannien bespielen wollen

Crazy Golf in Skegness (Lincolnshire). Hier ist eine 18-Loch-Anlage.
Photo © David P Howard (cc-by-sa/2.0)

Wie viele Minigolfplätze (Crazy Golf im Englischen) mag es wohl in Großbritannien geben? Es sind weit über 1000, über das ganze Land verteilt, mit Schwerpunkten dort, wo viele Touristen hinkommen, also in den Seebädern zum Beispiel.
Richard und Emily Gottfried aus Cheadle Hulme, einer Kleinstadt bei Manchester, haben sich als Ziel gesetzt, jeden Crazy Golf-Platz des Königreichs aufzusuchen und dort eine Runde zu spielen. Seit 14 Jahren sind die beiden unterwegs und haben es bisher auf ca 950 Plätze gebracht. Mit etwa 250 weiteren Stationen rechnen sie noch, und dann werden die beiden End-Dreißiger die ersten sein, die diese Mammutaufgabe geschafft haben.

In Southsea an der Küste von Hampshire entdeckten Richard und Emily ihre Liebe für das Spiel, das sie Tausende von Kilometern durch Großbritannien führte, auch in Gegenden, in die sie wahrscheinlich sonst nie gekommen wären. Zu ihren Lieblingsorten gehört Skegness, ein Seebad in Lincolnshire, wo es zehn Minigolfplätze gibt, und hier wurde auch im Jahr 1926 der erste Platz in England eröffnet.
Die World Crazy Golf Championships werden jährlich auf dem Adventure Golf Complex in Hastings an der Südküste ausgetragen, organisiert von der British Minigolf Association; vom 5. bis zum 7. Juni 2020 finden die nächsten Weltmeisterschaften statt. Der 18-Loch-Platz bietet eine Menge von Hindernissen (Windmühle, Leuchtturm, Wasserfälle usw.), die bezwungen werden müssen.

Drücken wir Richard und Emily Gottfried die Daumen, dass sie auch noch die verbliebenen Minigolfplätze aufsuchen können, um dann sicher in das Guinness Buch der Rekorde aufgenommen zu werden. Hier ist ein Film über sie.

Hastings Adventure Golf.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Eine Crazy Golf-Anlage in den Riverside Meadows bei Stourport-on-Severn (Worcestershire).
Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. März 2020 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

Ascot Fascinators – Kunstvoll gestaltete Damenhüte beim Pferderennen

Wie jedes Jahr im Juni werden auch 2020 wieder die berühmten Pferderennen in Ascot ausgetragen, ein Highlight im gesellschaftlichen Leben Englands. Die Pferde und die Jockeys sollen zwar im Mittelpunkt stehen, doch das Treiben außerhalb der Bahnen ist für die meisten Besucher viel wichtiger. Man zeigt sich, die Luxuslimousinen stehen aufgereiht auf den Parkplätzen, die meisten Herren tragen Frack und Zylinder und die Damen tragen… fascinators; das sind jene merkwürdigen Hüte, bei deren Gestaltung der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind.

Vogelnester sind da auf den Köpfen der Damen zu erspähen oder Erdbeertörtchen oder jede Menge Federbüsche. Alljährlich wird auch in Ascot der beste Kopfschmuck der Damenwelt prämiert.

Der Dresscode bei Royal Ascot für Damen wurde vor einiger Zeit stark reglementiert. Miniröcke und nabelfreie Tops sind verboten, tiefe Dekolletés ebenso wie Kleider mit Spaghettiträgern. Hüte hingegen sind Pflicht.

Manche basteln sich ihre fascinators selbst, aber natürlich gibt es in London auch spezielle Geschäfte, in denen man diese Hüte kaufen bzw. anfertigen lassen kann.

Der dritte Renntag ist der Ladies‘ Day, an dem die Besucherinnen noch einmal versuchen, das schrillste und sensationellste auf ihre Hüte zu zaubern.

Der Champagner fließt an den Renntagen in Strömen. 150 000 Flaschen sollen es sein, dazu mehrere Tonnen Lachs und Erdbeeren.

In diesem Film werden einige typische Beispiele für Fascinators in Ascot gezeigt.

Das schöne Mädchen von Seite 3 – Eine Studentin aus Oxford, die Magdalen Bridge und ein verlockendes Angebot

Oxfords Magdalen Bridge.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Es war eine alte Sitte unter Studenten, am 1. Mai eines jeden Jahres in Oxford von der Magdalen Bridge in den River Cherwell zu springen. Das sollte man allerdings nur tun, wenn der Fluss genügend Wasser führt. Im Jahr 2005 war das nicht der Fall, trotzdem sprangen einige und zehn von ihnen landeten im Krankenhaus. Eigentlich sollte man doch denken, dass die britische Elite, die hier in Oxford zum Studieren versammelt ist, einen entsprechend hohen Intelligenzquotienten hat… Im Jahr darauf wurde die Magdalen Bridge gesperrt.

Die Geschichte, die in meinem heutigen Blog im Mittelpunkt steht, ereignete sich 1995 am May Day, als eine junge Studentin vom St Hilda’s College auch an dem Brückenspringen teilnahm, „stark naked“. Wie immer waren auch an diesem Tag viele Fotografen unterwegs, die die Springer ablichteten. Wäre es bei diesem „Nacktsprung“ geblieben, hätte sich wahrscheinlich kein Mensch darüber aufgeregt, aber: Am Tag darauf erhielt die junge Dame einen Anruf von der Boulevardzeitung The Sun und das Angebot, sich für die Seite 3, wo traditionsgemäß hübsche, wenig bekleidete Frauen abgebildet sind, fotografieren zu lassen. £1000 war es der Redaktion der Zeitung wert. Die Studentin von St Hilda’s sagte zu und so wurden Fotos von ihr gemacht auf denen sie lediglich einen „mortarboard“ trug, einen Hut, der in den Colleges insbesondere von Master-Absolventen getragen wird. Das Bild erschien auf Seite 3 der Sun mit der Unterschrift „Girl from St Thrillda’s„. Das Foto sorgte für Furore, und so erhielt die junge Dame Angebote für Interviews und Werbeaufnahmen, verdiente einige tausend Pfund damit und so ging es ihr richtig gut…bis die Collegeleitung von St Hilda’s dem Treiben ein Ende setzte, weil diese der Meinung war, dass der gute Name der Lehranstalt in den Schmutz gezogen worden war. Sie musste sich formell beim Schulleiter entschuldigen und um ein Haar wäre ihr Stipendium widerrufen worden. Die Wogen glätteten sich im Laufe der Zeit, es hätte auch schlimmer für die Studentin ausgehen können.

Den Girls von St Trinian’s hätte man so eine Aktion durchaus zugetraut, aber einem Girl von St Hilda’s …

St Hilda’s College.
Photo © Roger Templeman (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. Januar 2020 at 02:00  Comments (3)  

Uppies versus Downies – Ein chaotisches „Fußballspiel“ in Workington (Cumbria)

Workington Hall.
Photo © H Stamper (cc-by-sa/2.0)

Workington ist eine Stadt an der Mündung des River Derwent in der Grafschaft Cumbria im Nordwesten Englands. Hier finden jede Ostern drei chaotisch anmutende „Fußballspiele“ statt, bei denen die Uppies gegen die Downies antreten, zwei rivalisierende Stadtteile, wobei die Uppies früher überwiegend Bergarbeiter waren und die Downies am Hafen Erz in Schiffe verluden. Schon seit ewigen Zeiten wird dieses Match in Workington ausgetragen, das mit Fußball kaum etwas gemein hat, denn es gibt so gut wie keine Regeln. Das Ziel der beiden Mannschaften, die aus Hunderten von Männern bestehen können, ist es, den Ball in das gegnerische Tor zu bringen. Die beiden Tore stehen etwa 1500 Meter auseinander, so dass die Spiele durchaus viele Stunden dauern können. Das Tor der Uppies ist das Eingangstor der Workington Hall (auch Curwen Hall genannt), das der Downies eine Ankerwinde auf dem Prince of Wales Dock. Das Spiel ist beendet, sobald ein Tor gefallen ist.

Da es hier sehr ruppig zugeht (es hat sogar schon Tote gegeben) bittet die Polizei die Teilnehmer des Spiels nicht in das Stadtzentrum vorzudringen. Schaufensterscheiben sind schon zu Bruch gegangen und die Passanten haben Reißaus genommen, wenn sich dieses Menschenknäuel durch die High Street ergossen hat. Eine scharfe Grenze wie beim Fußball zwischen Spielern und Zuschauern gibt es nicht; jeder greift in das Geschehen ein, wenn ihm danach ist. Nass werden die Teilnehmer immer, entweder von oben oder wenn es sie in einen Bach treibt. Rätselhaft ist mir wie man die Uppies von den Downies unterscheiden kann. Dieser Film zeigt wie es bei dem Match von 2019 zuging.

Wer die meisten der drei Spiele gewonnen hat, ist der Sieger, und der Preis, ein Sovereign aus der Hand des Eigentümers der Curwen Hall, wird an den Spieler übergeben, der vor dem gegnerischen Tor den Ball dreimal in die Höhe wirft.

In diesem Jahr werden die Spiele am 10. April, am 14. April und am 18. April ausgetragen.

Das Prince of Wales Dock am Hafen von Workington.
Photo © Alexander P Kapp (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 24. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Old Tom Parr – War er einer der ältesten Menschen, die je gelebt haben?

This work is in the public domain.

Alberbury ist ein kleines Dorf westlich von Shrewsbury in der Grafschaft Shropshire. Hier soll im Jahr 1483 Thomas Parr das Licht der Welt erblickt haben, und er sollte ein so langes Leben vor sich haben wie es wohl kaum ein anderer Mensch irgendwo auf der Welt von sich behaupten konnte. Er starb im Jahr 1635 und wurde somit 153 Jahre alt (wenn denn die Urkunden alle stimmen). Besonders viel über sein Leben ist nicht bekannt. Seine Ernährung bestand hauptsächlich aus Käse und hartem Brot, dazu trank er gern Sauermilch. Soll das das Geheimnis seines hohen Alters gewesen sein? Dann würde ich lieber halb so alt werden und dafür nettere Dinge essen und trinken.

Im Alter von 80 Jahren, also kaum der Teenagerzeit entwachsen, heiratete Tom Parr und zeugte zwei Kinder, die aber bald starben. Als er schon über hundert Jahre alt war, hatte er eine außereheliche Affäre, aus der ein Kind entstand. Als Buße für diese frevlerische Aktion musste sich Tom in ein weißes Gewand gehüllt einen Tag lang in die Dorfkirche von Wollaston stellen.

Nach dem Tod seiner Frau heiratete Tom erneut (er war mittlerweile 122 Jahre alt), aus dieser Beziehung entstanden keine Kinder mehr, wahrscheinlich war seine Frau schon zu alt, denn er selbst erfreute sich wohl noch immer einer gewissen Standfestigkeit im Bett.

Old Tom Parr, wie er damals genannt wurde, war auf Grund seines biblischen Alters im ganzen Land bekannt und 1635, als es schon langsam mit ihm zu Ende ging, stellte ihn der Earl of Arundel dem regierenden König, Charles II, vor. Tom Parr, der Zeit seines Lebens auf dem Land gelebt hatte, bekam die schlechte Londoner Luft und das Essen dort überhaupt nicht, und so starb er noch im gleichen Jahr. Charles II sorgte dafür, dass Tom Parr am 15. November 1635 in der Westminster Abbey beigesetzt wurde, was eine große Ehre war.

Peter Paul Rubens, Antoon van Dyck und einige andere Maler porträtierten Old Tom Parr. Die Londoner National Portrait Gallery besitzt eine ganze Menge dieser Porträts.

Inwieweit das Alter Tom Parrs tatsächlich stimmt, ist zweifelhaft, aber es ist auf jeden Fall eine nette Geschichte.

Das Cottage bei Wollaston in Shropshire, in dem Tomas Parr lebte, verfiel im Lauf der Jahrhunderte, es blieben nur noch einige Ruinenreste über. 1972  wurde das Grundstück aufgekauft, und das Cottage später neu erbaut (hier ist ein Film über die Eigentümerin), das man jetzt bei Jennies Cottages mieten kann.

Das alte Cottage, in dem Tom Parr wohnte.
This work is in the public domain.

St John the Baptist. In dieser Kirche soll Tom Parr im Alter von 100 Jahren Buße getan haben.
Photo © John Firth (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. Januar 2020 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

Mein Buchtipp – Richard O. Smith: Britain’s Most Eccentric Sports

Foto meines Exemplares.

„Die spinnen, die Briten“ sagte Obelix einmal in dem Buch „Asterix bei den Briten“, ein Satz, der schon zum geflügelten Wort geworden ist. Nach der Lektüre des Buches „Britain’s Most Eccentric Sports“ von Richard O. Smith kann man das nur bestätigen. Was der Autor hier so alles an „Sportarten“ zusammengetragen hat, lässt manchmal am Verstand der teilnehmenden Sportler zweifeln…aber trotzdem ist das so richtig schön exzentrisch und liebenswert (zumindest für mich).

Olympiareif ist keiner der vorgestellten Wettbewerbe, aber immerhin gibt es zahlreiche Weltmeisterschaften, obwohl sich der Teilnehmerkreis oft lediglich aus Bewohnern der näheren Umgebung zusammensetzt. Richard O. Smith hat einen wunderbaren Humor, der die Lektüre zu einem Vergnügen werden lässt. Über viele der „eccentric sports“ habe ich im Lauf der Jahre in meinem Blog bereits berichtet; man findet diese Blogartikel in der Kategorie „Skurriles und Kurioses“.

Hier sind einige Beispiele aus dem Buch:
Die Black Pudding Throwing World Championship findet einmal im Jahr in Ramsbottom in Lancashire statt. Ich zitiere mich selbst: „Das Ziel der Blutwurstwerfer ist es, möglichst viele der jeweils 12 auf einem Gerüst in sechs Metern Höhe liegenden Yorkshire-Puddings abzuräumen“.

Bedeutend gefährlicher ist das Cheese Rolling am Cooper’s Hill bei Brockworth in Gloucestershire. Von einem extrem steilen Hügel wird ein Käselaib heruntergerollt, dem todesmutige Menschen hinterherrennen, wobei es immer wieder zu schweren Stürzen kommt.

Chess Boxing ist ein sehr ungewöhnlicher Wettbewerb, bei dem die Teilnehmer jeweils abwechselnd vier Minuten Schach spielen und eine Runde in den Boxring steigen müssen. Hier ist ein Film darüber.

Kein blaues Auge holt man sich bei den World Gurning Championships in Egremont in Cumbria, wo es darum geht, so verrückte Grimassen wie möglich zu schneiden.

Für Heiterkeit sorgen die World’s Biggest Liar Championships im Bridge Inn in Santon Bridge (Cumbria), bei der die Wettbewerbsteilnehmer innerhalb von fünf Minuten die haarsträubendsten Lügen erzählen.

Das mit vielen Farbfotos illustrierte Buch im Querformat ist das ideale Geschenk für jeden, der sich mit britischen Exzentrikern identifizieren kann.

Richard O. Smith: Britain’s Most Eccentric Sports. The History Press 2012. 160 Seiten. ISBN 978-0-7524-6413-8.

 

 

Published in: on 25. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die World Gravy Wrestling Championships in Stacksteads (Lancashire)

The Rose ‚N‘ Bowl in Stacksteads (Lancashire).
Photo © Alexander P Kapp (cc-by-sa/2.0)

Wer immer schon einmal zusehen wollte wie sich zwei ausgewachsene Menschen einen Ringkampf in einer mit Bratensoße gefüllten „Arena“ liefern, der kann das in Stacksteads im Borough of Rossendale in Lancashire einmal im Jahr tun. Dann werden hier  nämlich die „World Gravy Wrestling Championships“ ausgetragen, einer jener verrückten Wettbewerbe wie sie es wohl nur in England gibt.

Bei den Wettkämpfen zählt nicht allein die Körperkraft der Teilnehmer, auch der „Fun Factor“ ist wichtig, d.h. jeder sollte sich für den Wettkampf besonders witzig anziehen, denn das bringt Punkte. Männer und Frauen kämpfen jeweils für sich, „Gemischt-Geschlechter-Bratensoßen-Kämpfe“ gibt es nicht (obwohl die Männer wohl nichts dagegen hätten). Jeder Kampf dauert zwei Minuten, in denen man seinen Gegner in der Bratensoße zu Fall bringen muss. Drei Punkte gibt es beispielsweise, wenn man seinen Kontrahenten mit beiden Schultern für drei Sekunden in die Soße drückt.
Es kann aber auch Strafpunkte geben, wenn man sich unsportlich verhält oder zu aggressiv zur Sache geht.
Die Gewinner erhalten die „Gravy Wrestling World Championship Trophy“ mit eingraviertem Namen.

Die diesjährigen Weltmeisterschaften fanden am 26. August statt und zwar am Rose ‚N‘ Bowl in der Newchurch Rd in Stacksteads in Lancashire.
Wie das bei den Wettkämpfen im Jahr 2019 zuging, kann man hier im Film sehen.

Published in: on 19. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

Die Time Ceremony in Oxfords Merton College

Fellow’s Quad und Sonnenuhr im Merton College.
Photo © Virginia Knight (cc-by-sa/2.0)

Einmal im Jahr spielt sich in Oxfords Merton College mitten in der Nacht ein merkwürdiges Zeremoniell ab: Am letzten Sonntag des Monats Oktober treffen sich die Studentinnen und Studenten des College morgens um 2 Uhr auf dem Fellow’s Quad, einem großen Rasenplatz, den Anfang des 17. Jahrhunderts der damalige Warden Sir Henry Savile anlegen ließ, an der Sonnenuhr, um von dort aus eine Stunde lang rückwärts um den Platz zu laufen…bis es wieder 2 Uhr ist, denn ist dieser Nacht findet die Zeitumstellung statt und die Uhren werden eine Stunde zurückgestellt. Bei der Zeremonie tragen die Studenten des Merton College ihre akademische Kleidung und, damit es nicht langweilig wird, trinkt man, während der Rückwärtsgang eingeschaltet ist, jede Menge Portwein.

Seit 1971 existiert diese Tradition des College und der Grund für das Rückwärtslaufen? „Saving the universe by stabilising the time-space continuum„, heißt es da in Oxford, eine schräge Erklärung für einen ebenso schrägen Brauch.

Einige der vielen Männer und Frauen, die das Merton College in den letzten Jahrzehnten besucht haben, sind beispielsweise die beiden Schriftsteller Mark Haddon und Anthony Holden, die Musiker Iain Burnside und Gareth Glyn, die Historiker Clare Griffiths und Sir Ian Kershaw und die Politiker Liz Truss und Ed Vaizey, um nur einige wenige zu nennen. Ob die auch alle an der Time Ceremony teilgenommen haben, kann ich leider nicht sagen.

Hier ist ein Film über das Oxford College.

Merton College
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

The World Custard Pie Championships in Coxheath (Kent)

Heute begeben wir uns nach Coxheath in der Grafschaft Kent, wo jedes Jahr auf dem Recreation Ground, neben der Village Hall, ein ziemlich verrückter Wettkampf stattfindet: The World Custard Pie Championships, die Weltmeisterschaften im Sahnetortenwerfen. Im Juni diesen Jahres trafen schon zum 59. Mal Menschen aus aller Welt zusammen, um sich gegenseitig Sahnetorten ins Gesicht zu werfen. Man denkt dabei unwillkürlich an die frühen Slapsticks-Filme, bei denen das immer wieder für Heiterkeit sorgte.

Die Regeln für diesen Wettbewerb sind sehr einfach: Zwei Mann (Frau-)schaften mit jeweils vier Teilnehmern stehen sich gegenüber und werfen „custard pies“ auf ihre Konkurrenten, wobei die linke Hand benutzt werden muss. Ein Volltreffer mitten ins Gesicht erzielt sechs Punkte; drei Punkte erhält man, wenn irgendein Punkt oberhalb der Schultern getroffen wird und ein Punkt wird vergeben bei einem Treffer auf den Rest des Körpers. Trifft man dreimal daneben, gibt es einen Punkteabzug.

Da wir uns im verkleidungsfreundlichen England befinden, ziehen sich die Teams in der Regel mehr oder weniger verrückt an wie dieser Film aus dem Jahr 2017 zeigt.
Das Endspiel in diesem Jahr bestritten die Minions und das Team I Love Marshmallows, wobei die Minions gewannen und Weltmeister wurden.

Zum Abschluss noch ein Wort zu den „custard pies“, deren Zusammensetzung ein Geheimnis ist. Sie wurden erstmals 1967 zusammengerührt und zwar von dem damals beliebten  Fernsehentertainer Mister Pastry; das war Richard Lewis Hearne (1908-1979), der gar nicht weit weg von Coxheath, auf dem Kirchhof von St Mary’s in Platt, begraben liegt.

Die Village Hall.
Photo © Danny P Robinson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

Die Cottingley Fairies oder Die Geschichte mysteriöser Feen-Fotos in Yorkshire

Der Cottingley Beck, wo die Fotos entstanden.
Photo © Paul Glazzard (cc-by-sa/2.0)

Es war im Jahr 1917 in Cottingley, einem Dorf in der Nähe von Bradford in West Yorkshire. Zwei junge Mädchen, die beiden Cousinen Frances Griffiths und Elsie Wright, machten sich eines Tages, mit einer Fotokamera bewaffnet, auf den Weg zu einem kleinen Bach, dem Cottingley Beck. Eine halbe Stunde später kamen sie begeistert wieder zurück und erzählten den Erwachsenen, sie hätten Fotos von ihren Spielkameraden am Bach gemacht, kleinen Feen. Und tatsächlich sah man auf den Fotos jeweils eines der Mädchen, zusammen mit winzigen geflügelten Wesen. Es dauerte etwas bis diese Bilder veröffentlicht wurden und großes Aufsehen erregten. Viele waren skeptisch, viele aber fühlten sich in ihrer Meinung bestätigt, dass es so etwas wie Feen und Zwerge gab. Einer der letzteren war der große, berühmte Sir Arthur Conan Doyle, geistiger Vater des vielleicht noch berühmteren Detektivs Sherlock Holmes, ein überzeugter Spiritualist, für den die Fotos der Cottingley Fairies Wasser auf seine Mühlen war. 1922 veröffentlichte er das Buch „The Coming of the Fairies„, in das er die Geschichte der Cottingley-Fotos mit einbezog. Bis zu seinem Tod glaubte er an Geister, Feen und andere übernatürliche Wesen.

In den folgenden Jahrzehnten wurde immer mal wieder über die mysteriösen Fotos aus Yorkshire geschrieben, bis im Jahr 1983 die inzwischen 83 Jahre alte Elsie Wright eingestand, dass die Bilder nicht echt waren. Sie und ihre Cousine hätten die Fotos gefälscht, indem sie aus einem Kinderbuch namens „Princess Mary’s Gift Book“ Bilder von tanzenden Mädchen entnommen, diese dann auf Karton abgezeichnet, zusätzlich mit Flügeln versehen, und schließlich ausgeschnitten hätten. Mit Hutnadeln steckten sie die Feenbilder fest und fotografierten sie dann zusammen mit jeweils einer der Cousinen. Alle Achtung! Eine tolle Leistung, mit der sie sogar Sir Arthur Conan Doyle täuschen konnten. Ich bin aber sicher, dass Sherlock Holmes den Fall der Cottingley Fairies in kurzer Zeit gelöst haben würde.

Im April 2019 wurden einige der Originalfotos bei einer Auktion in Cirencester (Gloucestershire) für mehr als £50 000 versteigert.

1997 hat man die Geschichte unter dem Titel „FairyTale: A True Story (dt. „Fremde Wesen“) verfilmt, in dem Peter O’Toole die Rolle des Sir Arthur Conan Doyle spielte.

In dem Dorf Cottingley hat man die Erinnerung an die Feen-Geschichte aufrecht erhalten, indem man auf einer Grünfläche mitten im Ort Skulpturen aufgestellt hat, die auf den berühmten Fotos basieren.

Die Feen-Skulpturen mitten in Cottingley.
Photo © John Illingworth (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. November 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

Crazy Brighton Winter mit dem Comedian Matt Whistler

Brightons Palace Pier im Winter.
Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)

Der Novelty Song „Surfin‘ Bird“ wurde 1963 veröffentlicht und war der einzige Hit, den die US-Band The Trashmen hatte. Er gilt als einer der verrücktesten Songs der Rock-Musikgeschichte und, wer von ihm nicht genug bekommen kann, ihn gibt es auch in einer 10-Stunden-Version.

Der Comedian Matt Whistler nutzte ihn einmal für einen Flashmob auf der Palace Pier in Brighton, als er, nur wenig bekleidet, mit den Anwesenden zum „Surfin‘ Bird“ tanzte. Man muss schon ganz schön „crazy“ sein, um mitten im Wetter bei niedrigen Temperaturen solch einen Auftritt hinzulegen. Die Flashmobber schienen das Spektakel aber genossen zu haben wie dieser Film zeigt.

Matt Whistler hat bzw. hatte offensichtlich eine Vorliebe, sich mehr oder weniger nackt im Winter zu verlustieren. Neben seiner Aktion auf der Palace Pier gibt es noch einen weiteren Auftritt von ihm wie er bei Schneetreiben in Brightons Southover Street, einer ziemlichen steilen Straße, sich den winterlichen Freuden hingibt, die in dieser Form in dem Seebad an der englischen Südküste nicht allzu oft zu erleben sind. Dieser Film zeigt Matt bei seiner Aktion, bei der allerdings die Anwesenden keine Lust hatten, sich auch ihrer Kleidung zu entledigen.

Die (schneefreie) Southover Street in Brighton.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. November 2019 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Der berüchtigte Schulleiter H. Rochester Sneath von der Selhurst School in West Sussex

Das Pembroke College in Cambridge.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Die Selhurst School bei Petworth in West Sussex war in den 1940er Jahren eine Public School mit etwa 175 Schülern, deren Headmaster der im Jahr 1900 geborene H. Rochester Sneath war… wenn es denn wahr gewesen wäre. Es gab weder eine Selhurst School, noch einen Schulleiter diesen Namens, beides waren Erfindungen des Studenten Humphry John Berkeley (1926-1994), der 1948 in Cambridge das Pembroke College besuchte und, weil er wohl nichts Besseres zu tun hatte, sich einen „prank“, also einen Streich, ausdachte, um andere, richtige Headmaster im ganzen Land zu nerven.

Humphry schrieb Briefe mit einem echt aussehenden Briefkopf der Selhurst School, zum Beispiel an den Leiter des Marlborough College und fragte ihn, mit welchem Trick er es denn angestellt hatte, damit ihn der König und die Königin in seinem College besucht hätten. Die Wortwahl gefiel dem Headmaster überhaupt nicht, und er antwortete kurz angebunden, dass der Besuch der Royals von Seiten des Königshauses arrangiert worden war. Doch H. Rochester Sneath ließ nicht locker und schrieb einen weiteren Brief, in dem er den Schulleiter vom Marlborough College vor einem Französischlehrer der Selhurst School namens Robert Agincourt warnte, der sich demnächst um eine Anstellung in Marlborough bemühen wolle. Dieser Mann sei in Selhurst dadurch unangenehm aufgefallen, dass er einmal auf dem Schulgelände nackt auf einen Baum geklettert sei und der Frau eines hochrangigen Mitglieds der Schulbehörde einen Blumentopf an den Kopf geworfen habe. Der Mann in Marlborough war extrem genervt von den Briefen seines „Kollegen“ und brach die Korrespondenz bald ab.

Dem Headmaster der renommierten Rugby School gab er in einem Schreiben ungefragt Ratschläge wie man mit vermutlich homosexuellen Schülern umgehen sollte (er meinte, das sei nur eine vorübergehende Erscheinung), und der Schulleiter des Eton College wunderte sich über einen Brief von H. Rochester Sneath, in dem der seine bevorstehende Bewerbung um die (nicht frei werdende) Headmaster-Stelle ankündigte.

Der Schwindel flog auf, als ein Journalist die Selhurst School aufsuchen wollte und keine fand. In einem Zeitungsartikel wurde darüber berichtet und H. Rochester Sneath alias Humphry John Berkeley zur Strafe für zwei Jahre vom Pembroke College verwiesen.

Berkeley, der später eine Karriere in der Politik suchte und Parlamentsmitglied für Lancaster war, veröffentlichte seine Briefe später als Buch unter dem Titel „The Life and Death of Rochester Sneath„.

Published in: on 21. November 2019 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

The Bampton Shirt Race in Oxfordshire – Ein kurioses Wettrennen. bei dem es nicht nur auf Schnelligkeit ankommt

The Romany Inn in der Bridge Street, einer der noch verbliebenen Pubs in der Stadt.
Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Die Kleinstadt Bampton in Oxfordshire kennt jeder, der schon einmal die TV-Serie „Downton Abbey“ gesehen hat, denn hier fanden zahlreiche Dreharbeiten statt. Näheres dazu in meinem Blogeintrag.

Organisiert von der Society for the Preservation of Ancient Junketing wird jedes Jahr in Bampton das kuriose Great Shirt Race ausgetragen, in diesem Jahr zum 67. Mal. Anlässlich der Krönung von Königin Elizabeth II. im Jahr 1953 wurde das Rennen aus der Taufe gehoben, das eigentlich nur ein einziges Mal stattfinden sollte, aber der Erfolg war so durchschlagend, dass es seitdem jedes Jahr erneut veranstaltet wird.
Die Regeln des jeweils am Samstag des Bank Holidays im Mai ausgetragenen Bampton Shirt Race sind simpel: Teams, die aus mindestens zwei Personen bestehen, müssen mit Hilfe eines nicht motorisierten Gefährts (Selbstgebautes, Kinderwagen, Rollstühle, Schubkarren, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt) eine Strecke zurücklegen, an der es an mehreren Stationen gilt, Bier zu trinken. Ursprünglich gab es in den 1950er Jahren in Bampton elf Pubs, an denen die Teilnehmer ein Bier zu sich nehmen mussten/durften; das Pubsterben hat auch in Oxfordshire nicht halt gemacht, so dass es heute nur noch vier Pubs gibt. Doch vor den Häusern, die einmal Pubs waren, werden häufig Tische aufgestellt, auf denen die Bewohner den Shirt Racers Drinks anbieten.

Ursprünglich galt die Regel, dass die Teilnehmer des Rennens Pyjamas oder andere Nachtkleidung tragen mussten; das hat sich im Laufe der Zeit geändert, so dass heute alle möglichen Arten von Fancy Dress in den Straßen von Bampton zu sehen sind, deren beste denn auch mit Preisen ausgezeichnet werden. Die Einnahmen des Tages werden für wohltätige Zwecke verwendet.
Dieser Film zeigt wie es bei dem Rennen zugeht.

Das ganze Spektakel erinnert mich an das Knaresborough Bed Race in Yorkshire, das aber deutlich anstrengender ist, da es auch noch durch einen Fluss führt.

Das war einmal ein Pub, der frühere Elephant & Castle in der Bridge Street.
Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. November 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

Mister Fishfinger, die Forward to Mars Party und Lord Buckethead – Ein Blick auf die britische Parteienlandschaft

Es tummeln sich so einige schräge Figuren auf der Bühne der britischen Politik (wobei ich in diesem Falle nicht Boris Johnson und Jeremy Corbyn meine). Über die Monster Raving Loony Party und deren Howling “Laud” Hope habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben, es gibt aber noch einige weitere exzentrische „Politiker“, die versuchen, den führenden Persönlichkeiten der Tories und der Labour Party Stimmen wegzunehmen.
Da gibt es beispielsweise Mister Fishfinger, der sich wie ein Fischstäbchen kleidet und über den jemand tweetete „Mr Fishfinger is the hero this country needs, true hero“, die Forward to Mars Party, die sich für die Besiedlung des Planeten Mars einsetzt, Lord Toby Jug von der Eccentric Party und einen weiteren Lord, Lord Buckethead, der in den Wahlbezirken früherer Premierminister antrat, zuletzt in Maidenhead, dem Wahlbezirk Theresa Mays, wo der ominöse Lord 249 Stimmen erhielt, was einem Prozentanteil von 0,4 entsprach. Lord B. ist der „Parteichef“ der Gremloids, einer Partei, die sich nach einem kaum noch bekannten Science Fiction-Film gleichen Namens aus dem Jahr 1984 benannt hat, und er selbst bezeichnet sich als „intergalactic space lord„. Ja, das klingt alles sehr verschroben, genauso wie das Aussehen des Lords, der immer in einem schwarzen Gewand und mit einem riesigen Zylinder auftritt, der sein Gesicht verbirgt. Hinter der Maske haben sich bereits verschiedene Personen verborgen, der aktuelle Lord soll ein gewisser Jonathan David Harvey sein. In diesem Film ist er auf der Bühne zusammen mit Theresa May zu sehen. Sehr schön ist sein alternatives Weihnachtslied „A Bucketful of Happiness„.

Werfen wir noch einen Blick auf das Wahlprogramm der Gremloid Party:

  • Legalisierung der Jagd auf „fox hunters“.
  • Herabsetzung des Wahlalters auf 16 und Verbot des Wählens für Menschen jenseits der 80.
  • Ein Referendum darüber, ob noch ein Brexit-Referendum stattfinden soll
  • Abschaffung des Oberhauses, des House of Lords, mit einer Ausnahme: Lord Buckethead
  • Kostenlose Abgabe von Fahrrädern an jedermann, damit dadurch die Diebstahlsrate von Fahrrädern auf Null gesenkt und gleichzeitig der Fettleibigkeit der Bevölkerung entgegengewirkt wird.

 

Published in: on 13. November 2019 at 02:00  Comments (3)  
Tags:

Cambridge University Breaking and Entering Society

Die Great Hall des Trinity Colleges in Cambridge.
Author: Ian Howard
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Ich hatte mir immer vorgestellt, dass die Studenten der beiden großen Universitätsstädte Oxford und Cambridge alle Hände voll mit ihrem Studium zu tun hätten und froh wären, nachts ein paar Stunden schlafen und sich entspannen zu können. Doch das scheint nicht ganz zu stimmen, zumindest, was die Mitglieder der Cambridge University Breaking and Entering Society, kurz CUBES genannt, angeht. Das Ziel dieser „Gesellschaft“, überall dort in der Universität einzudringen, wo es ausdrücklich untersagt ist, das heißt, eine verschlossene Tür ruft automatisch den Jagdinstinkt der CUBES hervor. Sie tüfteln aus, wie man am besten diese Tür aufbekommt, um dann voller Stolz sagen zu können „We have done it again!“ Sie hinterlassen eine Nachricht, dass der verbotene Raum „gecubt“ worden, richten bei ihren Aktionen aber keinerlei Schaden an.

Die bekannteste „Tat“ der CUBES war sicher 1986 der nächtliche Einbruch in die großartige Great Hall des Trinity Colleges, wo das Abendessen eingenommen wird. Anstelle ihrer sonst üblichen Nachricht, dass die CUBES hier waren, platzierten die Studenten dieses Mal  eine Spielzeugente ganz oben im Gebälk der Hall, dort, wo man nur ganz schlecht hinkommt. Die Studenten schlossen die Ente schnell in ihr Herz, und als das Tier mit viel Aufwand entfernt worden war, wollten sie sie wieder haben, was dann schließlich auch geschah.

Solche Aktionen, „pranks“, sind sicher das Salz in der Suppe des studentischen Alltags.

Ferret Legging – Ein bizarrer, fast ausgestorbener Wettbewerb in Nord-England

Die Tierschutzvereine haben etwas gegen Ferret Legging, diesen bizarren Wettkampf, der einmal eine Zeit lang in Yorkshire populär war, der heute aber so gut wie nicht mehr existent ist. Vielleicht gibt es auch keine mutigen Männer mehr, die dabei das Risiko eingehen, ihre Männlichkeit einzubüßen. Worum geht es? Man nehme ein bis zwei Frettchen, eine Iltisart mit einem ausgeprägten Jagdinstinkt und sehr scharfen Zähnen, und stecke sie in die Hose, die vorher unten zugebunden werden muss. Der männliche Wettkampfteilnehmer trägt dabei keine Unterhosen. Sieger ist, wer es am längsten aushält. Klingt einfach, aber es kann beim Ferret Legging ganz schön schmerzhaft zugehen, denn die Frettchen stürzen sich auf alles, was sich bewegt und in der unteren Hälfte des männlichen Körpers bewegt sich vorwiegend ein Teil. Die meisten, die diesem „Sport“ huldigten (viele waren es nicht), gaben schon nach weniger als einer Minute auf und mussten sich erst einmal davon überzeugen, ob noch alles unversehrt an seinem Platz war.

Der absolute King of the Ferret Leggers war Reg Mellor aus Barnsley in South Yorkshire, der den Weltrekord im Ferret Legging immer höher schraubte, bis er es 1981 5 Stunden und 26 Minuten lang schaffte, Frettchen in seiner Hose zu behalten. Dieser Rekord hatte bis zum Jahr 2010 Bestand, als er in dem Dörfchen Whittington in Staffordshire im The Bell Inn von dem ehemaligen Lehrer Frank Bartlett um vier Minuten überboten wurde. Jüngere Männer, deren Familienplanung noch nicht abgeschlossen war, nahmen am Ferret Legging selten teil.

Für Frauen war dieser Wettbewerb nichts; es gab vereinzelte Versuche, Frettchen in die Bluse zu stecken und sie dort so lange wie möglich zu halten (in weiblichen Hosen langweilten sich die Tiere wahrscheinlich), aber diese Abart des Ferret Leggings erwies sich als nicht so populär.

Zufällig fand ich bei youtube einen Film aus dem Jahr 1983, als der damalige London-Korrespondent der ARD, Wolf von Lojewski, in der Sendereihe „Rund um Big Ben“ den Weltmeister Reg Mellor in Barnsley besuchte, hier zu sehen.

Webster’s Yorkshire Bitter verwendete das Ferret Legging in den 1980er Jahren einmal in einem Werbespot.

The Bell Inn in Whittington (Staffordshire)
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. November 2019 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

The Great Christmas Pudding Race in London am 7. Dezember 2019

Die Covent Garden Piazza.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Jedes Jahr findet in London auf der Covent Garden Piazza das große „Christmas Pudding Race“ statt; am 7. Dezember 2019 zum 39. Mal. Start ist um 11 Uhr. Was geht da vor sich?

Auf einem 150 Meter langen Parcours müssen bei einem Staffellauf Plumpuddings auf einem wackligen Pappteller über mehrere Hindernisse ans Ziel balanciert werden. Jedes Team besteht aus 6 Teilnehmern, die alle verkleidet sind zum Beispiel als Weihnachtsmänner oder mit Phantasiekostümen;  das schnellste und das am phantasievollsten gekleidete Team wird prämiert.

Aber das Ganze hat auch einen ernsthaften Hintergrund, denn der Erlös der Veranstaltung kommt der britischen Krebshilfestiftung Cancer Research UK zugute. Auch in diesem Jahr haben sich die Veranstalter vorgenommen, möglichst viel Geld für die Stiftung zusammenzutragen.

Das Rennen wird von Fernseh- und Rundfunksendern übertragen, hat also eine große Medienwirkung.

Hier ist ein Film über das vorweihnachtliche Pudding Race aus dem Jahr 2016.

Published in: on 27. Oktober 2019 at 02:00  Kommentar verfassen