Meine Brighton-Trilogie Teil 2: The Upside Down House an der Strandpromenade

Nach Bournemouth, Christchurch und Intu Lakeside in Essex hat seit dem 13. Mai auch Brighton sein Upside Down House an der Strandpromenade, und das wird richtig gut besucht. Schon kurz nach der Eröffnung bildeten sich lange Schlangen vor dem kuriosen, auf dem Kopf stehenden Haus.

Das Kuriose an dem voll eingerichteten Gebäude ist, dass man Fotos oder Selfies machen kann, bei denen es aussieht, als hänge man von der Decke herunter oder mache einen Handstand auf dem Esszimmertisch, denn das Mobiliar des Upside Down House ist an der Decke befestigt, und wenn man das Foto um 180° dreht, entsteht dieser witzige Effekt. Am besten, man sieht sich das einmal im Film an.

Das Haus soll den Jahreszeiten entsprechend jeweils umdekoriert werden, so wird es zu Ostern anders aussehen als zum Beispiel zu  Halloween und zu Weihnachten.

Man findet das Haus an der Strandpromenade zwischen dem i360-Turm und dem Brighton Bandstand.

Der Eintrittspreis beträgt bei der Online-Vorausbuchung £7, und das Ticket ist einen ganzen Tag lang gültig. Also: Die ideale Attraktion für die Selfie-Generation.

Published in: on 8. Juni 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Wettbuch des Brooks’s Club in der Londoner St James’s Street

In den vornehmen Gentlemen’s Clubs in der Londoner City spielten früher einmal Wetten eine große Rolle. Jules Verne hat das sehr schön in seinem Roman „In 80 Tagen um die Welt“ dargestellt, als der reiche Müßiggänger Phileas Fogg im Reform Club 20.000 Pfund Sterling darauf wettete, dass er es in 80 Tagen schaffen würde, die Erde einmal zu umrunden, was ihm auch gelang.

Den Reform Club in der Straße Pall Mall 104 gibt es noch immer; nicht weit davon entfernt, in der St James’s Street 61 findet man einen weiteren Gentlemen’s Club, in dem Wetten an der Tagesordnung waren, der Brooks’s Club, benannt nach einem Weinhändler namens William Brooks. Hier trafen sich regelmäßig Herren aus den oberen Gesellschaftsschichten, die nichts Besseres zu tun hatten, als dort zu essen, zu trinken…und eben Wetten auf alles Mögliche oder Unmögliche abzuschließen. Alles wurde fein säuberlich in einem „Betting Book“ festgehalten.

Der Politiker Charles James Fox (1749-1806) war einer der „regulars“ des Clubs, er hatte Probleme mit seiner Spielsucht und offenbar auch Wettsucht, denn sein Name taucht immer wieder im Wettbuch des Clubs auf. So ist eine Eintragung aus dem Jahr 1776 zu finden, die besagt, dass Charles Fox fünf Guineas gegen Lord Bolingbroke wettet, dass Amerika in exakt zwei Jahren nicht mehr zum britischen Königreich gehören würde. Bingo! Mr Fox gewann die Wette.

Am 7. April 1778 ging es um 50 Guineas, und da behauptete Lord Derby in einer Wette gegen einen Mr. Townshend, dass Lord Chatham in genau 14 Tagen nicht mehr am Leben sein würde (nachdem besagter Lord bei einer Rede im Oberhaus zusammengebrochen war). Irgendwie schleppte sich Lord Chatham noch bis zum 11. Mai hin, bis er starb, so dass Lord Derby die 50 Guineas herausrücken musste.

Eine etwas ungewöhnliche Wette wurde 1785 im Brookes’s Club abgeschlossen, die so lautete: „Lord Cholmondeley has given two guineas to Lord Derby, to receive 500 Gs whenever his lordship fucks a woman in a balloon one thousand yards [900 m] from the Earth„. Da stellt sich natürlich die Frage, wer denn das bezeugen könnte? Vielleicht wenn eine dritte Person in dem Ballon mitführe? Ob die 500 Guineas damals tatsächlich den Besitzer wechselten, ist meines Wissens nicht festgehalten worden. Wäre es wirklich zu der sexuellen Begegnung zwischen dem Lord und einer Dame in luftiger Höhe gekommen, könnte man von einer Vorstufe des heutigen Mile High Clubs sprechen.

Published in: on 30. Mai 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Knaresborough Bed Race – Ein verrücktes Straßenrennen in North Yorkshire

Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus: Wer am diesjährigen Knaresborough Bed Race teilnehmen möchte, das am 8. Juni stattfinden wird, der ist schon zu spät dran, denn der Anmeldeschluss ist lange vorbei und mehr als 90 Teams werden nicht zugelassen.
Zum 54. Mal wird in diesem Jahr dieses spektakuläre Ereignis in der hübschen Stadt am Nidd in North Yorkshire stattfinden. Dann werden wieder die Harrogate Harriers gegen die Ripon Runners und die Meadowside Malingerers gegen die Stephenson’s Rockets antreten.

Bei dieser Wohltätigkeitsveranstaltung geht es darum, dass ein Team, das aus sechs Anschiebern und einem im Bett sitzenden Passagier besteht, das herausgeputzte Bett so schnell wie möglich auf einem Kurs quer durch Knaresborough schiebt und dabei, als Höhepunkt, den Fluss Nidd durchqueren muss.
Neben dem schnellsten Team wird auch das am schönsten dekorierte Bett mit einem Preis ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr waren das die 1st Scriven Scouts, die ihr Bett  als Willy Wonka Mobile gestaltet hatten, nach der Geschichte „Charlie and the Chocolate Factory“ von Roald Dahl. Das Most Entertaining Team war im Jahr 2018 die Mannschaft Knaresborough Silver Band.

Das Knaresborough Bed Race steht in jedem Jahr unter einem bestimmten Motto; in diesem Jahr heißt das Motto Yorkshire. Jedes Team muss das Bett und die Verkleidung der Mannschaft dementsprechend gestalten.

Also, bitte vormerken: Am 8. Juni um 11 Uhr geht es los mit der Preisverleihung des Best Dressed Bed, dann folgt die Prozession der teilnehmenden Rennbetten durch Knaresborough; es folgt die Vergabe des Preises für das Most Entertaining Team und um 15 Uhr startet das Rennen. Mit der Preisverleihung für die schnellsten Teams endet die Veranstaltung (die dann sicher noch in den Pubs von Knaresborough fortgesetzt wird).

Hier ist ein Film über das Rennen des vergangenen Jahres. Zu Knaresborough siehe auch diesen Blogeintrag.

Das Buch zum Artikel:
Arnold Kellet: A to Z of Knaresborough History. Amberley Publishing 2011. 128 Seiten. ISBN 978-1848681880.

 

Published in: on 23. Mai 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Lord Toby Jug (1965-2019) und die Eccentric Party of Great Britain

Author: Robbowolf101
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Am 2. Mai verstarb ein englischer „Politiker“, dessen Tod in Deutschland nicht für Schlagzeilen sorgte, auch sein Heimatland verfiel nicht in tiefe Trauer. Sein Name lautet Brian Borthwick, aber etwas besser bekannt ist er als Lord Toby Jug, ein exzentrischer Mann, der jahrelang eine Rolle in der Official Monster Raving Loony Party spielte und dort vor allem in Cambridgeshire wirkte. Diese kuriose Partei wurde 1983 von dem Rock ’n‘ Roll-Sänger Screaming Lord Sutch gegründet. Lord Toby Jug war ein guter Freund des Sängers, der in dessen Band The Savages Bass spielte.
Der exzentrische „Lord“ erregte in seiner Heimatstadt St Ives in Cambridgeshire Aufsehen, als er sich 2009 dafür stark machte, die Statue von Oliver Cromwell durch eine von Lord Sutch zu ersetzen (womit er nicht durchkam), in den Great Ouse River Krokodile auszusetzen, damit mehr Touristen in die Stadt kämen, und das Rathaus von St Ives auf Rollen zu setzen, um es flexibler innerhalb der Gemeinde einsetzen zu können. Aus Toby Jugs Plänen wurde nichts.

Im Jahr 2014 überwarf er sich mit der Parteiführung der Loony Party, an dessen Spitze ein nicht minder exzentrischer Mann stand und noch steht: Alan „Howling Laud“ Hope, bekannt dafür, dass er sich die Parteiführung mit seiner Katze Catmando geteilt hatte (ich berichtete in meinem Blog darüber). Lord Toby Jug wurde aus der Partei geworfen, woraufhin dieser eben seine eigene neue Partei gründete, und wie sollte diese anders heißen als…The Eccentric Party of Great Britain, die unter dem Motto „Everyone knows that politics is a joke, but it’s a joke we want to be in on“ steht. Einen ersten Erfolg konnte Lord Toby Jugs Partei bereits erringen, denn ein Mitglied, Lady Jezebel Luxury Yacht, ist in den Rat der Stadt St Ives gewählt worden. Einen finanzkräftigen Sponsor hat die Eccentric Party of Great Britain, den Lotto-Multimillionär Adrian Bayford (er gewann £148.6 Millionen). Bayford hat nach eigenen Worten, die Schnauze voll von den „Mainstream-Politikern“ und meint, dass die Leute der Eccentric Party wenigstens zugeben, dass sie völlig überkandidelt sind. Seine Stimme haben sie sicher.

Einige Vorschläge der Partei:
Erziehung: Für jeweils zehn gemachte Selfies muss jeder dazu verpflichtet werden, ein Buch zu lesen.

Einwanderungspolitik: Auf Flughäfen sollen riesige Plakate von „Prominenten“ wie Russell Brand oder Jeremy Clarkson aufgestellt werden, um Fremde davon abzuhalten, ins Land einzureisen bzw. zu lange zu bleiben.

Alle Schwimmbäder des Landes sollen einmal pro Woche das Wasser ablassen, um auch Nichtschwimmern die Gelegenheit zum Baden zu geben.

Alle kostenpflichtigen Toiletten sollen verstaatlicht werden.

Am 2. Mai ist nun Lord Toby Jug leider verstorben. Alle, die einen Nerv für britische Exzentrizität haben, werden ihn vermissen!!

Diese Cromwell-Statue in St Ives (Cambridgeshire) sollte nach Plänen von Lord Toby Jug einer von Screaming Lord Sutch weichen.
Photo © David Bartlett (cc-by-sa/2.0)

Der River Great Ouse in St Ives: Hier wollte der Lord Krokodile ansiedeln.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Das Rathaus von St Ives (ohne Rollen).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Blackpool in Lancashire zum ersten… Marriott Edgar (1880–1951) und seine bitterböse Geschichte von Albert und dem Löwen

Der Wetherspoon-Pub an der Strandpromenade von Blackpool.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

An der Strandpromenade von Blackpool, direkt neben dem berühmten Turm, findet man einen Pub der Wetherspoon-Kette, der The Albert and the Lion heißt. Das ist ein sehr ungewöhnlicher Name für einen Pub und man fragt sich sofort, woher der Name wohl kommt. Der geht auf einen Comedian zurück, und zwar auf Marriott Edgar, der von 1880 bis 1951 lebte und auch in Blackpool auftrat. Edgar stammte aus Schottland und man kannte ihn vorwiegend durch seine Darstellung von „pantomime dames„, das sind Frauen in den Pantomimes, die durch Männer personifiziert werden. Damit tourte er durch mehrere Kontinente und war sehr erfolgreich. Und dann waren da noch die Monologe, die er schrieb und die er selbst vortrug bzw. sein Bühnenkollege Stanley Holloway. Einer dieser Monologe hieß „The Lion and Albert„, der möglicherweise auf einer wahren Begebenheit basiert und etwas für Freunde rabenschwarzen britischen Humors ist. Stanley Holloway wurde damit berühmt.

Worum geht es in diesem Gedicht? Die Ramsbottoms (Vater, Mutter und ihr kleiner Sohn Albert) machen Urlaub in Blackpool, und da sie sich nicht besonders für Meer und Strand interessieren, gehen sie zusammen in den Zoo. Albert hält einen Stock in der Hand und als sie am Löwenkäfig vorbeikommen, in dem ein Löwe namens Wallace friedlich schläft, stößt ihm Albert seinen Stock tief ins Ohr. Wallace gefällt das überhaupt nicht, er schnappt sich den frechen kleinen Jungen, zieht ihn in seinen Käfig und frisst ihn mit Haut und Haaren auf (inklusive seines Sonntagsanzuges). Was nun folgt ist wirklich rabenschwarzer Humor und gipfelt in der Bemerkung eines Polizeibeamten, er hoffe, dass die Ramsbottoms noch weitere Söhne hätten (so dass ihnen der Verlust Alberts nicht so besonders schwer fiele).

Man muss diese böse Geschichte selbst hören und hier ist sie, von Stanley Holloway vorgetragen, und hier zum Nachlesen.

Den Blackpool Zoo gibt es natürlich heute noch und einer der Bewohner ist ein Löwe namens Wallace…

Apropos „Wallace“: Marriott Edgars Vater Richard hatte 1874 eine Affäre mit einer verwitweten Schauspielerin namens Mary Jane „Polly“ Richards. Sie wurde schwanger und gebar einen Sohn, der den Namen Richard Horatio Edgar Wallace trug. Ja, das war der spätere berühmte Autor von zahlreichen Kriminalromanen.

Wallace the Lion im Zoo von Blackpool.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Die Redcar British Steel Railway Station – Der Bahnhof mit dem geringsten Passagieraufkommen in Großbritannien

In den Jahren 2016/17 war der Bahnhof von Barry Links in Schottland, zwischen Dundee und Carnoustie gelegen, der mit dem geringsten Passagieraufkommen in Großbritannien; gerade einmal 24 Menschen nutzten ihn in diesem Zeitraum, ein Rekord. Da sich dort aber plötzlich die Passagierzahlen verdoppelt hatten, rutschte Barry Links auf Platz 2 ab; der neue Spitzenreiter heißt Redcar British Steel Railway Station in der Grafschaft North Yorkshire, die 2017/18 von 40 Personen aufgesucht wurde. Der Bahnhof war einmal für Stahlarbeiter gedacht, die in den daneben liegenden Stahlwerken ihr Brot verdienten, doch als die Werke 2015 schlossen, benötigte man den Bahnhof eigentlich nicht mehr, doch trotzdem wurde er offen gehalten.
Hier gibt es weder einen Parkplatz, noch einen Warteraum oder einen Fahrkartenautomaten, von Toiletten ganz zu schweigen. Viermal am Tag, außer sonntags, hält ein Zug an der Redcar British Steel Railway Station, doch so gut wie niemand steigt hier ein oder aus. Sollte tatsächlich einmal jemand aussteigen, käme der nicht weit, denn er dürfte das überschaubare Bahnhofsgelände nicht verlassen, weil drum herum alles in Privatbesitz ist.
So frage ich mich, was denn diese 40 Passagiere hier eigentlich gemacht haben. Vielleicht sind sie irrtümlich eine Station zu früh oder zu spät ausgestiegen? Es sollen einige Eisenbahnfanatiker darunter gewesen sein, die nur aus- und wieder eingestiegen sind, um die Passagierzahlen in die Höhe zu treiben. Sollte das Schule machen, würde Redcar bald wieder von seinem Spitzenplatz verdrängt werden und vielleicht von Denton (Greater Manchester) überholt werden, wo nur einmal in der Woche, immer freitags, ein Zug anhält, oder von der Teesside Airport Railway Station (County Durham), die im Zeitraum 2017/18 von 74 Passagieren benutzt wurde (2013/14 waren es ganze 8).

Dieser witzige Film zeigt wie zwei Männer sich auf den Weg nach Redcar machen, um dem Bahnhof einen Besuch abzustatten.

Barry Links Railway Station in Schottland.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Denton (Greater Manchester) Railway Station.
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)

Teesside Airport Railway Station
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)

Die Pelikane des Londoner St James’s Park und wie sie einmal einen diplomatischen Zwischenfall auslösten

Pelikane am St James’s Park Lake.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Die Großstadt London gehört nicht zu dem natürlichen Lebensraum von Pelikanen, jenen großen Wasservögeln mit dem ausgeprägten Hautsack unter dem Schnabel. Doch im St James’s Park finden wir einige Exemplare und das schon seit Jahrhunderten. König Charles II. hatte eine Vorliebe für exotische Tiere, und daher schenkte der Botschafter des Russischen Reiches ihm 1664 zwei Pelikane, die auch dort in einigen Regionen heimisch sind. Aber die Tiere wollten in London nicht so richtig gedeihen, so wurden immer mal wieder neue Pelikane aus Russland nach London geschickt, eine Tradition, die bis in die heutige Zeit aufrecht erhalten worden ist.

In den 1960er Jahren erfuhr der US-Botschafter von den russischen Pelikanen und wollte nun seinerseits auch amerikanische Verwandte der Tiere im Park ansiedeln, nach dem Motto „Was Ihr Russen könnt, das können wir schon lange“. Also importierte der Mann Pelikane aus den Staaten, die sich aber in London nicht so recht wohlfühlten, mit ihren Artgenossen aus dem fernen Osten nicht klar kamen und kränkelten. Der Verdacht kam in der US-Botschaft auf, dass die Kollegen der sowjetischen Botschaft da irgendwie ihre Hände im Spiel hatten, und eine diplomatische Krise deutete sich an. Doch der Verdacht stellte sich als unbegründet heraus, denn die Amerikaner hatten die falschen Pelikane geschickt und zwar jene, die im allgemeinen im Salzwasser lebten und die mochten nun einmal das Süßwasser des Sees im St James’s Park gar nicht. Also orderte man nun die richtigen Süßwasser-Pelikane, und siehe da, die fühlten sich in London wohl und freundeten sich sogar mit ihren russischen Nachbarn an. Der Konflikt zwischen den beiden Botschaften wurde beigelegt.

Wer sich die Fütterung der Wasservögel ansehen möchte, der kann das täglich zwischen 14.30 Uhr und 15 Uhr tun, dann gibt es nämlich frischen Fisch für die Tiere, serviert am St. James’s Park Lake, ganz in der Nähe von Duck Island.

In diesem Film ist ein Pelikan beim Spaziergang im St James’s Park zu sehen.

Duck Island im St James’s Park, wo die Pelikane gefüttert werden.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Namensänderungen mit veganem Hintergrund Teil 2: Wie aus dem Dorf Wool in Dorset Vegan Wool werden sollte

Die Wool Bridge, die über den River Frome führt.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Wool ist ein Dorf in der Grafschaft Dorset mit über 5000 Einwohnern und liegt am River Frome. Zu den Sehenswürdigkeiten des Ortes zählt das nahegelegene Woolbridge Manor, Vorbild für Thomas Hardys Wellbridge House in seinem Roman „Tess of the d’Urbervilles“, der 1891 erschien.

Der Parish Council von Wool war mehr als überrascht, als im vorigen Jahr ein Brief einging, in dem ernsthaft darum gebeten wurde, den Namen des Dorfes zu ändern und zwar in Vegan Wool. Absender des Briefes war die internationale Tierschutzorganisation PETA, die den Bewohnern von Wool nahelegte, mit der Namensänderung ein Zeichen zu setzen gegen die Grausamkeit gegenüber Schafen, den Wolllieferanten, die nach der Meinung von PETA beim Scheren Schmerzen erleiden und dabei manchmal grausam und brutal behandelt würden. Schreckliche Bilder aus Argentinien und Australien zeigen die Leiden der Tiere. PETA sagt, dass es Alternativen zu tierischer Wolle gibt wie Woocoa, das aus Fasern der Kokosnuss und aus Hanf hergestellt wird.

Als Dankeschön für die Änderung des Dorfnamens in Vegan Wool sollte jeder Haushalt eine Decke aus Nicht-Schafwolle erhalten.
Viele Bürger von Wool hielten den PETA-Brief für einen verspäteten Aprilscherz, einige fühlten sich beleidigt, die meisten amüsierten sich darüber. In einer Sitzung des Parish Councils wurde über den Vorschlag diskutiert und natürlich wurde er abgelehnt. Der Ortsname Wool hat mit Wolle übrigens gar nichts zu tun, sondern er leitet sich von dem angelsächsischen Namen für Brunnen ab.

Die National Sheep Association und andere landwirtschaftliche Verbände beteuern, dass in Großbritannien das Wohl der Schafe sehr ernst genommen und Grausamkeit beim Scheren nicht toleriert wird.

 

Woolbridge Manor.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 20. Januar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Diagram Prize – Auszeichnung für das Buch mit dem merkwürdigsten Titel des Jahres – Ein Update

Auf der Frankfurter Buchmesse des Jahres 1978 hatten sich wohl einige der teilnehmenden Aussteller gelangweilt, denn man kam auf die Idee einen neuen Preis zu stiften, den das Buch mit dem merkwürdigsten Titel erhalten sollte. Die britische Fachzeitschrift The Bookseller und die Londoner Diagram Visual Information Limited riefen den Diagram Prize ins Leben, den als erster das Buch „Proceedings of the Second International Workshop on Nude Miceerhielt, also „Berichte der Zweiten Internationalen Arbeitstagung über nackte Mäuse“.

Seit dem Jahr 2000 erfolgt die Wahl des Siegertitels durch Abstimmung im Internet auf der Homepage des „Booksellers“. Geld bekommt der Preisträger nicht, lediglich derjenige, der den Siegertitel vorgeschlagen hat, erhält eine Magnumflasche Champagner.

Ich schrieb vor einigen Jahren schon einmal in meinem Blog über diesen witzigen Literaturpreis und stellte später einen der Preisträger, „Too Naked For the Nazis“ von Alan Stafford, vor. Heute möchte ich den Blogartikel weiter führen und die Preisträger der letzten Jahre vorstellen.

In diesem Jahr gewann erstmals ein nichtenglischer Autor den Diagram Prize, nämlich der Deutsche Thomas Götz von Aust mit seinem Buch „The Joy of Waterboiling: 100 köstliche Rezepte für den Wasserkocher„. Das Buch mit dem englischen Titel gibt es nur auf Deutsch und ist nicht in englischer Übersetzung erschienen. „Künstlerinnen und Künstler des Berliner und Wiener Milieus arbeiten in einem gemeinschaftlichen, interdisziplinären, europäischen Projekt an der visionären visuellen Realisierung und unkonventionellen Verbreitung dieser neuartigen Rezeptsammlung“, heißt es in dem Buch.

Der Preisträger für das Jahr 2017 war „The Commuter Pig Keeper: A Comprehensive Guide to Keeping Pigs when Time is Your Most Precious Commodity“ von Michaela Giles, eine Anleitung wie man am besten eine kleine Herde Schweine hält und dabei so wenig Zeit wie möglich aufwendet.

Den Preisträger 2016 „Too Naked For the Nazis“ erwähnte ich oben schon.

Strangers Have the Best Candy: How Talking To Strangers Leads to a Life of Crazy Adventure and Lasting Friendship“ ist der Siegertitel für das Jahr 2015, geschrieben von Margaret Meps Schulte. Die Autorin schreibt darin von ihren Begegnungen mit Fremden bei ihren Reisen durch die USA.

Mein Favorit ist der Preisträger des Jahres 2014: „How to Poo on a Date: The Lover’s Guide to Toilet Etiquette“ von Mats & Enzo. Die beiden Toilettenexperten geben wertvolle Tipps, wie man sich verhalten sollte, wenn man plötzlich bei einem intimen Treffen mit seiner/seinem Geliebten ein menschliches Bedürfnis verspürt.

Published in: on 26. Dezember 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Watlington White Mark in Oxfordshire – Eine kuriose Idee von Squire Edward Horne vor über 250 Jahren

The White Mark, von der Hill Road aus gesehen.
This work has been released into the public domain.

Über Watlington in Oxfordshire habe ich in meinem Blog in Zusammenhang mit der Inspector Barnaby-TV-Serie geschrieben. Dieser Ort behauptet von sich, die kleinste Stadt Englands zu sein, und das mit noch nicht einmal 3000 Einwohnern. Im Jahr 1252 erhielt Watlington von König Heinrich III. die Marktrechte und bezeichnet sich von da ab als Market Town.

Bei meinem Besuch dort kam ich auch zur St Leonard’s Church, die in meinem heutigen Beitrag eine Rolle spielt. Die normannische Kirche verfügt über einen Turm, hat aber keine Turmspitze, was vor über 250 Jahren Squire Edward Horne ärgerte. Von seinem Haus aus blickte der Landedelmann auf den flachen Kirchturm und hatte eines Tages eine Idee. Er hätte ja in seine Privatschatulle greifen und St Leonard’s eine Kirchturmspitze spendieren können, doch das wäre sehr teuer geworden. Hornes Idee bestand daraus, in der Sichtachse von seinem Haus zur Kirche, dahinter am Hang des Watlington Hills, eine aus Kalkstein geformte Kirchturmspitze einschneiden zu lassen. Gesagt, getan, seit 1764 ziert den Hang ein 82 Meter hohes geometrisches Gebilde, das für sich allein gesehen nichtssagend ist, von den Fenstern des Squires damals aber die Illusion erweckte, St Leonard’s hätte jetzt auch eine Turmspitze. Man feierte den 250. Jahrestag des „White Mark“ im Jahr 2014, und dank der ständigen Pflege durch die Friends of Watlington Hill sieht die „chalk spire“ aus wie neu. Den Blickwinkel auf die Kirche, den damals Edward Horne hatte, gibt es heute nicht mehr, da er zum großen Teil von Bäumen versperrt ist.

Wer sich den Watlington White Mark von nahem ansehen möchte, der muss die Stadt in Richtung Christmas Common verlassen, an der Chiltern Surgery vorbeifahren und oben auf dem Hügel auf dem Parkplatz des National Trusts sein Auto abstellen.

Dieser Film zeigt einen Flug über den Watlington Hill und den White Mark.

St Leonard’s in Watlington.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„Village Stocks“ – Eine Art Fußfessel, die per Gesetz in Dörfern und Kleinstädten vorrätig gehalten werden musste

Litton in Derbyshire.
Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)

Seit dem 14. Jahrhundert schon gibt es die „village stocks“ in England, im Deutschen Fußblock oder auch Stock genannt. Diese meist hölzernen Vorrichtungen dienten dazu, Trunkenbolde oder Vagabunden festzuhalten und ihnen eine Lehre zu erteilen. Dabei wurden die Füße durch dafür vorgesehene Löcher im Stock gesteckt und fest verankert, so dass an eine Flucht nicht zu denken war. Passanten konnten nach Lust und Laune beispielsweise verrottetes Obst oder Gemüse auf die armen Kerle werfen. Jede Stadt und jedes Dorf war per Gesetz verpflichtet, diese „stocks“ vorrätig zu halten. Im Gegensatz zu den „stocks“ standen die „pillories„, die Pranger, bei denen der Kopf und die Arme durch Löcher gesteckt wurden. Während der Pranger in England 1837 abgeschafft wurde, sind die „stocks“ noch immer legal. Viele sind im Laufe der Jahre verottet oder abgebaut worden, doch eine ganze Menge sind noch erhalten und dienen dazu, den Dörfern oder Kleinstädten einen gewissen historischen Anstrich zu geben. Im Folgenden habe ich einige Beispiel für „village stocks“ zusammengestellt:

Hier in Haveringland in Norfolk wurden die stocks in das Dorfschild integriert.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)

Auf dem Kirchhof von St George’s in Bicknoller (Somerset).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

In Weston-on-the Green in Oxfordshire.
Photo © Richard Rogerson (cc-by-sa/2.0)

In Eyam, dem „Pestdorf“, in Derbyshire.
Photo © Peter Church (cc-by-sa/2.0)

In Market Overton in Rutland.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Der Comedian Rod Hull (1935-1999) und sein gefürchteter Emu

Rod Hull war ein Comedian der besonderen Art, den man eigentlich nur zusammen mit seinem Emu kannte, auch im deutschen Fernsehen.
1935 wurde Rod Hull auf der Isle of Sheppey in Kent geboren, wo er auch seine Kindheit verbrachte. In den frühen 60er Jahren zog es ihn nach Australien, wo er als Elektriker arbeitete. Er bekam einen Job als Techniker beim Fernsehen und arbeitete dann auch bald im Kinderfernsehen vor der Kamera. Dort hatte er auch den ersten Kontakt mit Emu, dem bösartigen Vogel, der dann für den Rest seines Lebens zu seinem Markenzeichen wurde.

1971 zog Rod Hull nach England zurück und arbeitete an mehreren Fernsehshows mit. Da ging es immer turbulent zu, denn Rod Hulls Emu attackierte die anderen Gäste, die sicher froh waren, wenn Hull mitsamt Emu dann wieder verschwand.
Der Journalist und Radiomoderator Michael Parkinson bekam den Zorn des Tieres einmal in einer Sendung zu spüren, die damit endete, dass sich alle auf dem Boden wälzten (hier der Film). Auch Rudi Carrel lud die beiden in seine Show ein und das Ergebnis kann man sich auf dem Video unten ansehen.

Rod Hull starb schon früh am 17. März 1999 in seinem Haus in Winchelsea (East Sussex), als er dort bei einem Versuch, seine Fernsehantenne auf dem Dach zu richten, herunterfiel und sich so schwere Verletzungen zuzog, dass er daran starb.
Ich fand Rod Hull, der meistens in einer Art Tropenanzug auftrat, und seinen Emu immer sehr witzig; ein derber Humor, aber er kam beim internationalen Publikum gut an.

Hier einer seiner Auftritte im deutschen Fernsehen. und hier ist ein Besuch des Emus beim Tierarzt angesagt.

Published in: on 26. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Das Leben des Jeremy Bentham…nach seinem Tode

Jeremy Bentham (1748-1832) war der „Begründer des klassischen Utilitarismus“ und „gilt als Vordenker des Feminismus, als Vorkämpfer der Demokratie, des Liberalismus und des Rechtsstaats“, um wieder einmal die Wikipedia zu zitieren. Er war aber auch exzentrisch veranlagt und darum geht es heute in meinem Blogartikel. Der Philosoph vermachte dem Londoner University College (UCL) eine hübsche Summe Geld, unter der Voraussetzung, dass nach seinem Ableben sein Körper mumifiziert werden sollte und zwar so wie es die neuseeländischen Ureinwohner, die Maori, taten. Das University College nahm die Geldspende gern an und ging auch Benthams Wunsch nach, indem sie sein Skelett aufbewahrte, es mit seinen Kleidern umhüllte und in einem Mahagonischrank mit Glastür im South Cloister des Universitätsgebäudes aufbewahrte.
Leider gab es ein Missgeschick bei der Prozedur der Mumifizierung des Kopfes, die gründlich daneben ging, und so wurde ein Wachsmodell angefertigt, das seitdem Jeremy Benthams Körper ziert. So sitzt er nun auf einem Stuhl in seinem Schrank mit einem Hut auf dem Kopf und seinem geliebten Spazierstock in der Hand, den er Dapple nannte. Hin und wieder hat Bentham aber auch „Ausgang“ und darf seinen Schrank verlassen. So war er zum Beispiel bei der einen oder anderen Kuratoriumssitzung der UCL anwesend und saß an einem Tisch mit eigenem Tischkärtchen auf dem „Professor Jeremy Bentham“ stand.

In diesem Jahr wurde ein Wunsch des Professors erfüllt, der zu seinen Lebzeiten nie wahr werden konnte: Er ging auf Reisen nach Amerika. Im New Yorker Met Breuer Museum wurde er vom März bis jetzt in den Juli zur Schau gestellt, im Rahmen der Ausstellung „Like Life: Sculpture, Color and the Body, 1300-now”. Ich glaube, dass Mr. Bentham aber froh sein wird, wenn er wieder in London zurück ist und es sich erneut in seinem Mahagonischrank bequem machen kann.

Noch ein paar Worte zu Benthams verunstaltetem Originalkopf, der nur selten ausgestellt wird. Studenten des Londoner King’s College, Rivalen des UCL, kidnappten ihn 1975 und verlangten ein Lösegeld von £100, das an eine Wohltätigkeitsorganisation gezahlt werden sollte. Das UCL bot £10 und erhielt den Kopf zurück. Seitdem ist er an einem sicheren Ort untergebracht und vor weiteren Kidnapversuchen geschützt.

Hier ist ein Film über den Mann im Schrank.

Published in: on 23. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Streaker bei britischen Sportereignissen

Das Twickenham Stadium, wo William O’Brien und Erica Roe ihre großen Auftritte hatten.
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Streaking is the act of running naked through a public place as a prank, a dare, for publicity or an act of protest„, so definiert die Wikipedia das plötzliche Auftauchen nackter oder halbnackter Männer und Frauen, die, aus welchen Gründen auch immer, auf sich aufmerksam machen möchten, in Deutschland Blitzer oder auch Flitzer genannt. Ray Stevens widmete dieser Spezies einen Song mit dem Titel „The Streak„.

Häufig sind diese „Streaker“ bei Sportereignissen anzutreffen, in England gern auch bei Golf-, Cricket- und Rugbymatches. Im April 1974 soll erstmals ein Flitzer bei einem Rugbyspiel gesichtet worden sein. Der Australier William O’Brien rannte plötzlich bei der Begegnung England gegen Frankreich im Londoner Twickenham Stadium nackt auf den Platz. Polizisten fingen den zeigefreudigen Mann ein; ein Foto von damals zeigt wie ein Polizist seinen Helm vor die Genitalien des Mannes hält.
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Noch berühmter wurde der Auftritt von Erica Roe im Januar 1982 im selben Stadion bei dem Rugbymatch England gegen Australien. Die 25 jährige, die in einer Buchhandlung in Petersfield in Hampshire arbeitete, und zusammen mit ihrer Freundin das Spiel besuchte, zog während der Halbzeitpause ihre Bluse aus (ihre Freundin tat es ihr gleich) und rannte zur Freude der johlenden männlichen Zuschauer mit schwingenden Brüsten auf den Platz. Einige Offizielle bemächtigten sich der beiden jungen Frauen und verhüllten ihre Oberkörper mit einer Englandfahne. Merkwürdigerweise ist nur der Auftritt von Erica Roe, The Twickenham Streaker, in Erinnerung geblieben und nicht der ihrer Freundin. Hier ist ein Film von diesem Ereignis und folgendes Foto ging um die Welt.
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Erica Roe gilt nach wie vor als die berühmteste britische Flitzerin. Sie fand Nachahmer wie die 23jährige Studentin Melissa Johnson, die 1996 in Wimbledon beim Finale der Herren im Tennis für Aufsehen sorgte, als sie, nur mit einer kleinen Schürze bekleidet, auf den Platz lief. Nikki Moffat suchte sich im Juli 1997 die British Open aus, die bei dem Royal Troon Golf Club in Schottland ausgetragen wurden. Sie lief auf den Golfplatz, trug nur ein  Höschen und war am ganzen Körper wie ein Tiger bemalt, wohl um den Golfer Tiger Woods zu beeindrucken.

Published in: on 18. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Bristol Hum – Ein Brummton-Phänomen, das die Bewohner der Stadt Bristol nervt

Die M32 in Bristol. Kommt das merkwürdige Geräusch von hier?
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Im November 1989 wurde in Großbritannien die Low Frequency Noise Sufferers Association gegründet, in der sich Menschen zusammentaten, die sich von dem Brummton-Phänomen genervt fühlten, das sich in einigen Städten des Königreichs manifestierte, vor allem in Bristol im Südwesten des Landes. Der sogenannte Bristol Hum ist dort schon seit mehreren Jahrzehnten zu hören und niemand weiß, wo das Geräusch herkommt. Nicht jeder kann es hören, doch viele Bristolians stört es vor allem nachts, wenn der niederfrequente Ton deutlicher zu hören ist. Er ist auch nicht ständig da, manchmal herrscht eine Zeit lang Ruhe und dann ist das Geräusch plötzlich wieder zu hören.

Die Behörden der Stadt haben schon alles Mögliche unternommen, um dem Phänomen auf die Spur zu kommen, auch Wissenschaftler haben sich darüber den Kopf zerbrochen und die unterschiedlichsten Theorien aufgestellt, aber bis heute gibt es noch keine endgültige Auflösung des Rätsels. Hier sind einige dieser Theorien:

Französische Wissenschaftler, die sich auf die Spur des Bristol Hums gesetzt haben, sind der Überzeugung, dass sich das Phänomen durch  Wellen auf dem Boden des Meeres erklären lässt, durch die eine Vibration erzeugt wird.

Windparks in der Umgebung der Stadt, die Autobahn M32 und Hochspannungsleitungen wurden als Verursacher ins Gespräch gebracht.

Einem großen Lüfter auf einem Industriegelände in Avonmouth schob man die Schuld in die Schuhe, und als dieser abgeschaltet wurde, herrschte eine Weile Ruhe, doch dann war das Geräusch wieder zu hören.

Dann kam man auf die Idee, dass das Brummton-Phänomen gar nicht existiert, und dass diejenigen, die das Geräusch hören, unter Tinnitus leiden.

Ist etwa das Filton Aerodrome schuld, auf dem British Aerospace geheime Forschungen betreibt?

Eine recht absonderliche Theorie ist die, dass riesige Schwärme des Nördlichen Bootsmannfisches verantwortlich sein sollen und zwar durch die Paarungsgeräusche der Männchen und Weibchen, die es gern laut beim Sex haben.

Ich habe hier zwei Beispiele für den Bristol Hum, so dass sich jeder seine eigene Meinung bilden kann, was dieses Geräusch wohl bedeuten mag: Beispiel 1 und Beispiel 2.

Windräder in Avonmouth bei Bristol. Auch die können eigenartige Geräusche verursachen.
Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)

Der Nördliche Bootsmannfisch: Sind er und seine Artgenossen und -genossinnen schuld am Bristol Hum?
This work is in the public domain.

 

Published in: on 5. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Two Mice Eating Cheese – Londons kleinste Skulptur im Philpot Lane

Die Londoner Straßen Eastcheap und Philpot Lane werden von dem riesigen hässlichen Hochhaus beherrscht, dessen Adresse 20 Fenchurch Street lautet, das aber überall auf Grund seiner Form The Walkie Talkie genannt wird. Gegenüber diesem Gebäude wirken alle anderen winzig klein, dabei sind einige in den beiden oben genannten Straßen viel schöner anzusehen, zum Beispiel die Hausnummer 23 Eastcheap, ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude aus der viktorianischen Zeit, in dem Mitte des 19. Jahrhunderts die Gewürzhändler Hunt & Crombie ihre Geschäftsräume hatten.

Das Eckhaus auf der Seite zum Philpot Lane hin, verfügt über eine Besonderheit: An der Wand etwas oberhalb des Erdgeschosses, in dem eine Filiale der Ladenkette Joe & The Juice untergebracht ist, findet sich Londons kleinste Skulptur, die den Namen The Two Mice Eating Cheese trägt. Man muss schon die Augen nach oben richten, um die beiden Mäuse und das Stück Käse zu sehen, sonst läuft man achtlos daran vorbei.

Es gibt mehrere Versionen, was das zu bedeuten hat. Die am häufigsten erzählte, ist diese:

Beim Bau des Monuments, jener 62 Meter hohen Säule, die an den Großen Brand von London im Jahr 1666 erinnert, und die in den 1670er Jahren errichtet worden war, soll es zu einem Zwischenfall in luftiger Höhe gekommen sein. Zwei Bauarbeiter hatten dort oben eine Pause eingelegt, wobei es zu einem Streit um ein Sandwich kam. Der eine Arbeiter bezichtigte den anderen, er hätte sich an seinem mit Käse belegten Sandwich vergangen und dieses halb aufgegessen, was der Beschuldigte weit von sich wies. Es kam zu einem Gerangel, wobei die Streithähne vom Monument fielen und dabei zu Tode kamen. Erst später stellte sich heraus, dass es Mäuse waren, die sich in einem unbeobachteten Moment über das belegte Brot hergemacht hatten. In Erinnerung an die beiden zu Tode gestürzten Männer soll die „Maus-Käse-Skulptur“ an dem Haus Eastcheap/Philpot Lane angebracht worden sein.

Die zweite Version ist ähnlich, nur mit dem Unterschied, dass der Streit um das halb aufgegessene Sandwich nicht auf dem Monument, sondern auf einem Gerüst beim Bau eben jenes Gebäudes stattfand, an dem die Mini-Skulptur angebracht ist.

Was auch immer stimmt oder nicht stimmt, ich finde dieses kleine Kunstwerk schön.

23 Eastcheap.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Schauplatz des tragischen Sandwich-Zwischenfalls: The Monument.
Photo © Graham Horn (cc-by-sa/2.0)

Die World Snail Racing Championships in Congham (Norfolk)

 

Jedes Jahr im Juli werden in Congham, in der Nähe von King’s Lynn (Norfolk), die World Snail Racing Championships ausgetragen und das schon seit den 1960er Jahren. In diesem Jahr ist es wieder am 21. Juli soweit, wenn an die 200 Rennschnecken auf einem Cricketfield in dem Dörfchen Congham an den Start gehen. Viel gibt es über das Dorf nicht zu sagen, außer, dass hier ein sehr schönes Hotel steht, Congham Hall, das sich als Übernachtungsort anbietet für weitgereiste Zuschauer des Schneckenrennens.

Die Rennstrecke beträgt 33 cm und der Weltrekord steht seit 1995 bei exakt 2 Minuten, gehalten von der Schnecke Archie. Vor dem Start werden die Rennschnecken mit Nummern versehen und der Startruf heißt „Ready…Steady…Slow„. Im vorigen Jahr gewann die Schnecke Larry mit einer Zeit von 2 Minuten und 47 Sekunden. Wie es bei den Championships genau zugeht, zeigt dieser Film.

„Congham is to snail racing what Newmarket is to horse racing“, so die Worte einer Organisatorin des Rennens. Es gibt noch weitere Schneckenrennen in England, so passenderweise eines in der Ortschaft Snailwell in Cambridgeshire, wo jedes Jahr im Rahmen der Snailwell Medieval Fayre das „Grand Championship Snail Race“ ausgetragen wird.

Congham Hall Hotel.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 13. Juni 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Knockin Shop in Knockin (Shropshire) – Dorfladen oder Bordell?

Viele Leute, die mit ihrem Auto auf der B4396 in dem kleinen Dorf Knockin, nordwestlich von Shrewsbury in Shropshire, am Dorfladen vorbeifahren, haben ein Grinsen auf dem Gesicht. Warum?

Von außen gesehen, ist an dem Haus nichts besonders Lustiges festzustellen. Es ist eben ein Dorfladen mit angeschlossenem Postamt und Zeitungsverkauf; einige Tische und Stühle stehen vor der Tür, dort kann man seinen Kaffee trinken, seine Pastete oder ein Eis essen; also nichts Spektakuläres…wenn da nicht der Name auf dem Schild wäre! Ein Dorfladen in einem Dorf, das Knockin heißt, wird eben The Knockin Shop genannt…und dieser Begriff ist doppeldeutig. Hier die Erklärung des Begriffes im Free Dictionary:“a house or other place where men pay to have sexual intercourse with prostitutes„; ein Knocking Shop ist also nichts anderes als ein Bordell. Ich kann mir also gut vorstellen wie die (männlichen) Dorfbewohner gefeixt haben, als sie seinerzeit das Schild an ihren Dorfladen hängten!

Der angeschlossene Friseursalon sollte nach Willen des derzeitigen Besitzers in einen Fish & Chips-Laden umgewandelt werden, doch dagegen sträubten sich die Dorfbewohner und auch der Gemeinderat war dagegen. Nach wie vor ist das Postamt und die Tourist Information in dem Gebäude untergebracht.

Published in: on 29. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Londoner Thirteen Club – Seine Mitglieder waren keine Triskaidekaphobiker

Das London Eye hat keine Gondel, die die Nummer 13 trägt.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

In meinem Blogeintrag über Kaspar, die schwarze Holzkatze des Londoner Savoy Hotels, berichtete ich kürzlich, dass sie zum Einsatz kommt, wenn im Restaurant zufällig 13 Personen zu Tisch sitzen. Man ist auch in England abergläubisch und misstraut der Zahl 13 zutiefst. In London haben beispielsweise einige Straßen keine Hausnummer 13 wie die Fleet Street, Oxford Street, Grosvenor Street und andere mehr. Das Hochhaus One Canada Square in den Docklands hat keinen 13. Stock und das Riesenrad  London Eye hat keine Gondel mit der Nummer 13.
Man nennt diese Furcht vor der Zahl 13 Triskaidekaphobie.

Es gab einmal eine Zeit Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, in dem sich in New York und in London wagemutige Männer zusammengefunden hatten, die dem Aberglauben, dass die Zahl 13 Unglück bringt, entgegen traten und sich in den Thirteen Clubs regelmäßig trafen.
Der Londoner Thirteen Club wurde in den 1890er Jahren von dem Historiker William Harnett Blanch (er beschäftigte sich vorzugsweise mit der Geschichte des Stadtteils Camberwell) gegründet, deren Mitglieder sich jeweils am 13. eines Monats um 13 Uhr in einem Restaurant im Stadtteil Holborn zusammenfanden. Dort waren 13 sargförmige Tische mit 13 Gedecken vorbereitet, und die Gäste wurden von zwei schielenden Kellnern zu Tisch gerufen, indem sie zwei Spiegel zerschlugen. Ein Bestatter führte die Clubmitglieder in den Restaurantraum mit der Nummer 13, wobei diese unter Leitern hindurchgehen mussten. Bevor die Männer zu essen begannen, streuten sie Salz auf den Tisch (Salz zu verschütten, soll ja Unglück bringen). Dekoriert waren die Tische mit Pfauenfedern, die auch Unglück bringen sollen, Hexenkesseln und Lampen in Totenschädeln. Einige schwarze Katzen sollen sich auch im Raum aufgehalten haben. Nach Beendigung des Mahles zerschlugen die Clubmitglieder die Spiegel des Restaurants.

Zu den Mitgliedern des Londoner Thirteen Clubs gehörten u.a auch hochrangige Politiker und Journalisten, die die Clubbeiträge an die Armen des Stadtteils Southwark verteilten. Vielleicht hob diese noble Geste die Wirkung der Unglückszahl 13 wieder auf, denn in der Geschichte des Clubs ist nur einer seiner Mitglieder vorzeitig verstorben und der hatte auch noch nicht einmal seinen Beitrag bezahlt.

Kein 13. Stockwerk in One Canada Square.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 23. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Golden Bull Awards oder Wer schreibt die unverständlichsten Sätze?

Seit 1979 hat die „Plain English Campaign“ (PEC) nur ein Ziel: Sie kämpft für die Verständlichkeit der englischen Sprache und gegen „gobbledygook„, Behördenenglisch, das kaum ein Mensch versteht.

Die PEC hat auch ein Gütesiegel entwickelt, das auf offiziellen Dokumenten erscheint und die gute Verständlichkeit und Klarheit der Sprache bescheinigt, das „Crystal Mark„,  mittlerweile auf über 20 000 Dokumenten in der englischsprachigen Welt zu finden.

Alljährlich zeichnet die PEC aber auch Behörden oder Firmen mit dem „Golden Bull Award“ aus, die sich durch besonders unverständliche Dokumente oder Texte hervorgetan haben. Preisträger waren u.a. schon die Europäische Kommission, British Airways, die Bank of Scotland und das Department of Health.

Hier einige Golden Bull-Gewinner mit ihren Beiträgen:

Der Nottingham City Council hat sich diesen schönen Satz ausgedacht:
„REASON FOR CALCULATION: Change in Overpayment recovery. – the value of the overpayment where an underpayment or cancelled payment have reduced the amount or a duplicate encashment has increased the amount“.

Preiswürdig waren diese Formulierungen der Homes & Communities Agency, einer staatlichen Behörde:
„The regulator has given consideration to the balance of the additional regulatory control that would be achieved through these proposals to achieve its aim of protecting social housing assets against the impact of operation. It has concluded that it will not implement this proposal“.

Einen der Preise des Jahres 2014 erhielt die schottische Energieversorgungsgesellschaft Scottish Power für diesen unverständlichen Monstersatz:

„In respect of an Application Form the maximum power requirement specified as the Maximum Power Requirement in the Application Form or in respect of a Verbal Agreement, the maximum power requirement identified as the Maximum Power Requirement in the Letter failing such specification or identification the maximum amounts which you are entitled to take through the Connection Point“.

Den „Golden Bull“ für das Jahr 2010 erhielt u.a. der Northern Ireland Civil Service mit einer Anleitung wie man einen halben Tag Urlaub beantragen/nehmen soll:

„Instructions on how to take a half-day’s leave

If the annual leave request that you are entering is less than a full day on the First Day or the Last Day, then please select Hours from the drop down list of values in the Part Days Unit of Measure field. Then select the amount of hours absent on the first day in the Fraction of Start Date field or the last day in the Fraction of End Date field. If the absence is only for one day, use the Fraction of Start Date field to record the hours absent“.

Ich glaube, ich würde da lieber auf den halben Tag Urlaub verzichten.

Hier ist ein Film über die Plain English Campaign.

Published in: on 18. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Thockrington (Northumberland) und die Asche des Tom Sharpe

St Aidan in Thockrington.
Photo © Phil Thirkell (cc-by-sa/2.0)

Die Kirche St Aidan in Thockrington steht ziemlich einsam auf einem Hügel neben einer Farm in der Grafschaft Northumberland, also im hohen Norden Englands. Was heißt „in Thockrington“? Das Dorf gibt es schon lange nicht mehr, denn es wurde vom Schicksal ereilt, als im Jahre 1847 ein Seemann in seinen Heimatort zurückkehrte und die gesamte Dorfbevölkerung mit Cholera ansteckte. Alle starben, Thockrington wurde niedergebrannt. Nur die Farm und St Aidan überlebten; in der Kirche wurden weiterhin Gottesdienste abgehalten.

Einer der Pfarrer von St Aidan, Reverend George Sharpe, war der Vater eines Jungen, der später durch seine drastischen humorvollen Werke in die Literaturgeschichte Englands eingehen sollte: Tom Sharpe (1928-2013). Ich habe alle seine Romane gelesen, sie sind nichts für Zartbesaitete. Aber wer schwarzen Humor mag, wird Sharpes Bücher lieben. Im Jahr 2010 erschien sein letzter Roman „The Wilt Inheritance“ (dt. „Henry haut ab“).

Der Schriftsteller zog 1995 nach Spanien, wo er sich an der Costa Brava niederließ. Er trennte sich von seiner Frau und ging eine Beziehung mit der Spanierin Montserrat Verdaguer i Clavera ein. Als er am 6. Juni 2013 starb, wurde er in Spanien eingeäschert und die Asche an seine Frau und seine Lebensgefährtin verteilt. Die Spanierin fand in Sharpes Unterlagen seinen Wunsch, dass er einmal auf dem Kirchhof von Thockrington beigesetzt werden möchte, und so machte sie sich ein Jahr später mit einer Urne und Sharpes Asche auf den langen Weg von der Costa Brava nach Northumberland. Dort angekommen, buddelte sie mit bloßen Händen ein Loch auf dem Kirchhof, auf dem auch der Reverend George Sharpe liegt, deponierte dort die Asche, zusammen mit einer Flasche Whisky der Marke Famous Grouse, die Tom Sharpe besonders gern mochte, einer kubanischen Zigarre, seinem Lieblingsfüllfederhalter mit dem er einige seiner Bücher geschrieben hatte, und einem Bild aus seiner Kindheit. Dann hielt sie eine kurze Ansprache:
In this ancient church in Northumberland in which your father was buried you will remain for eternity. In the middle of nowhere, in an empty place, surrounded by grass and sheep. Tom Sharpe, rest in peace forever.“

Sollte Tom Sharpe vom Himmel aus dieser Zeremonie zugesehen haben, hätte er sich mit Sicherheit köstlich amüsiert.

Montserrat Verdaguer i Clavera, die das sehr spezielle Begräbnis von einem spanischen Fernsehteam filmen ließ, hatte die für St Aidan zuständigen Kirchenbehörden nicht um Erlaubnis gefragt, ob sie das überhaupt tun durfte…durfte sie natürlich nicht. Als die lokale Presse darüber berichtete, kam das auch der Kirche zu Ohren und so buddelte der Pfarrer von St Aidan alles wieder aus und die Church of England verhängte gegen die Spanierin eine Strafe in Höhe von £1,320. Erst nach Bezahlung der Strafe könnte sie den Inhalt des „Grabes“ wieder zurückbekommen. Die Dame von der iberischen Halbinsel hatte mittlerweile behauptet, dass die Zeremonie auf dem Kirchhof von Thockrington nur für das spanische Fernsehen inszeniert worden wäre, und sie hätte dort gar keine menschlichen Überreste beerdigt.

Tom Sharpe hätte sich das nicht besser für einen seiner Romane ausdenken können!

Hier ist ein Ausschnitt aus dem Film „Wilt„, nach dem gleichnamigen Roman von Tom Sharpe, derin Deutschland unter dem Titel „Puppenmord“ gezeigt wurde.

Grabsteine auf dem Kirchhof von St Aidan in Thockrington.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)

Ländliche Idylle mit Lämmern auf dem Kirchhof von St Aidan.
Photo © P Glenwright (cc-by-sa/2.0)

The Kiplingcotes Derby – Englands ältestes und kuriosestes Pferderennen

Jeden dritten Donnerstag im März findet in der Nähe der Kleinstadt Market Weighton im East Riding of Yorkshire das älteste und wohl auch kurioseste Pferderennen Englands statt, nämlich das Kiplingcotes Derby, benannt nach dem nächst gelegenen Dorf Kiplingcotes. Im Jahr 1519 soll alles begonnen haben und das ohne Unterbrechung, denn sollte es tatsächlich einmal nicht ausgetragen werden, dann darf es nie wieder stattfinden, so eine der Regeln des Rennens.

Es gibt noch weitere Regeln:
Die teilnehmenden Reiter müssen 10 Stones, das sind etwa 63 Kilogramm, wiegen. Wer leichter ist, muss ein entsprechendes, ausgleichendes Gewicht bei sich haben.
Es spielt keine Rolle, welche Pferde an den Start gehen und wie alt diese sind.
Die Strecke ist rund sechs Kilometer lang und ist gerade im Monat März oft sehr matschig, da sie ja durch freies Gelände führt. Eine Tortur für Pferd und Reiter.
Der Sieger erhält eine Prämie von £50.  Der Zweitplatzierte bekommt den Rest der Tageseinnahmen, was zu der kuriosen Situation kommen kann, dass der Zweite mehr bekommt als der Erste.

Um noch einmal auf die oben erwähnte Regel zurückzukommen, dass das Kiplingcotes Derby stattfinden muss, weil es sonst niemals mehr ausgetragen werden darf. Es gab schon drei Fälle, bei denen die Wetterverhältnisse so schlecht waren, dass das Rennen unmöglich war. 1947, 2001 (wegen der Maul- und Klauenseuche) und in diesem Jahr, 2018. Um das Derby am Leben zu halten, hat es jedes Mal ein Reiter auf sich genommen, die gesamte Strecke entweder langsam und vorsichtig abzureiten oder zumindest sein Pferd am Zügel die sechs Kilometer zu führen, es hat also sozusagen ein Ein-Personen-Derby stattgefunden.

Dieser Film zeigt einige Szenen aus einem Kiplingcotes Derby und hier kann man ein Rennen hautnah miterleben.

Das Buch zum Artikel:
Alison Ellerington: The Kiplingcotes Derby – England’s Oldest Horse Race. Highgate Publ. 1990. 28 Seiten. ISBN 978-0948929328.

Der Startpunkt des Derbys.
Photo © David Tyers (cc-by-sa/2.0)

Der Beginn der Rennstrecke.
Photo © David Tyers (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Begegnungen mit Pumas und anderen Großkatzen in England

Ein Warnhinweis bei Fordham in Essex…
Photo © Andrew Hill (cc-by-sa/2.0)

Die Journalistin und Zeichnerin Merrily Harpur widmet einen Teil ihrer Zeit, um einem Phänomen auf die Spur zu kommen, dass die Grafschaft Dorset schon seit geraumer Zeit bewegt: Der Sichtung von Großkatzen (Panther? Pumas?), die eigentlich im Süden Englands nichts zu suchen haben. Merrily Harpur hat bereits zwei Bücher darüber geschrieben „Roaring Dorset: Encounters with Big Cats“ (2008) und „Mystery Big Cats“ (2006).

Doch nicht nur in Dorset, auch in anderen Grafschaften Englands, sind Panther, Puma und Co. gesehen worden. Die Schwerpunkte liegen in Devon und Yorkshire. Die British Big Cats Society beschäftigt sich intensiv mit dem Phänomen, ebenfalls die UK Big Cats Website, bei der man Sichtungen melden kann.

Was ist dran an diesen merkwürdigen Begegnungen? Sind sie glaubhaft oder nur Hirngespinste? Nach der Verabschiedung des Dangerous Wild Animals Acts im Jahr 1976 wurde es für die Besitzer exotischer Tiere schwieriger, sie zu halten, und so gaben viele diese bei Zoos ab, ließen sie einschläfern oder einige übergaben sie einfach der freien Natur, was bis dahin nicht verboten war. So können möglicherweise einige dieser Tiere überlebt und sich vermehrt haben. Dass es nicht viel mehr Sichtungen im dichtbesiedelten England gibt, liegt vielleicht daran, dass sich die Exoten in Regionen zurückgezogen haben, in denen wenige Menschen leben wie zum Beispiel das Dartmoor und das Exmoor in Devon.
The Beast of Exmoor sorgt immer wieder für Schlagzeilen; es soll allein im Jahr 1983 achtzig Schafe gerissen haben. Einige Jahre später wurden sogar die Royal Marines hinzugezogen, die Jagd auf das Tier machten, allerdings erfolglos. Trevor Beer hat ein Buch über das Phänomen geschrieben: „The Beast of  Exmoor: Fact or Legend?“ (Countryside 1984), ebenso Di Francis: „The Beast of Exmoor and Other Mystery Predators of Britain“ (Jonathan Cape 1993).

Hier ist eine zweiteilige Dokumentation, die sich mit dem Thema beschäftigt:
Teil 1  Teil 2

Published in: on 21. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Ein kleiner erotischer, phalluslastiger Spaziergang durch London

30 St Mary Axe, The Gherkin.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Viel Spaß auf diesem kleinen erotischen Spaziergang durch die Hauptstadt!

30 St Mary Axe ist die Adresse eines der ungewöhnlichsten Gebäude in London (ich berichtete in meinem Blog schon einmal darüber). Es wird auch Swiss Re Building bezeichnet oder einfach nur The Gherkin, was auf Deutsch Gewürzgurke heißt. Das 41stöckige Hochhaus, das im Jahr 2004 bezogen und von dem renommierten Architektenbüro Foster & Partners konstruiert wurde, kann man durchaus mit einer Gurke vergleichen, doch die Ähnlichkeit mit einem erigierten Phallus drängt sich auf, so dass man in London auch vom Erotic Gherkin und  vom Crystal Phallus spricht (gherkin heißt umgangssprachlich auch soviel wie kleiner Penis). War diese Ähnlichkeit vom Architektenbüro geplant oder ist sie nur zufällig entstanden?

Etwas Ähnliches deutet sich in London mit dem Riesenprojekt The Spire auf der Isle of Dogs an. Dieser 67stöckige, im Bau befindliche Wohnturm, der im Jahr 2020 fertiggestellt sein soll, sieht von unten ganz normal aus, bietet aber von oben gesehen, für die den London City Airport anfliegenden Passagiere, einen anderen Anblick. The Londonist titelte „London Is Getting A Massive Cock-And-Balls Skyscaper“. Wie dieses Bild zeigt, ist da was dran.

Wer an einem sonnigen Tag um die Mittagszeit die Westminster Bridge überquert, wird von einem Schattenphänomen überrascht werden, dass sich eine Zeit lang auf dem Boden gleich unterhalb der Brüstung zeigt. Die Brüstungsmauer ist mit kleeblattförmigen Ornamenten versehen (in der Kunstgeschichte spricht man von Dreipässen) und diese werfen bei einer bestimmten Sonneneinstrahlung einen phallusförmigen Schatten auf den Brückenboden. Viele werden achtlos bzw. ahnungslos darüber hinweg laufen, aber die, die den Blick senken, werden sich sicher amüsieren.

In der Victoria Street Nummer 52 steht The Albert, ein Pub, der nach dem Ehemann Königin Victorias benannt ist. Das 1862 erbaute Gasthaus, dem auch der Bombenhagel im Zweiten Weltkrieg nichts antun konnte, wurde im Laufe der Zeit von vielen hochrangigen Politikern besucht, wovon die Prime Ministers Gallery zeugt. The Albert ist auch für seine kunstvoll gestalteten Milchglasfenster bekannt. Und wenn man sich eines davon etwas genauer ansieht, zeigt dieses einen von Blättern und Pflanzen umrankten Penis im Moment der Ejakulation. Das hübsche Bild soll den Penis des Namensgebers des Pubs zeigen, angedeutet ist auch das nach ihm benannte Prince Albert Piercing.

Die Westminster Bridge bei entsprechendem Sonneneinfall.
Author: Alex Brown
Creative Commons 2.0

Published in: on 14. April 2018 at 02:00  Comments (2)  

Wie einige Engländer von Triangulationspunkten fasziniert sind…

Der erste „trig pillar“ in Cold Ashby (Northamptonshire).
Photo © Andrew Tatlow (cc-by-sa/2.0)

Trig pillars“ sind Triangulationspunkte (TPs) bzw. Vermessungspfeiler, die von den Landvermessern der Ordnance Survey verwendet wurden und spielten eine Rolle in der Kartografie und Geodäsie. Sie stehen in vielen Fällen auf Hügeln, Bergen oder anderen Erhebungen. In Großbritannien gibt es noch 6190 von diesen TPs von einstmals rund 6500. In der heutigen Zeit haben sie keine Bedeutung mehr, da die Landvermesser neue Techniken zur Verfügung haben, die wesentlich exakter sind, aber es wird immer noch versucht, die steinernen Pfeiler zu hegen und zu pflegen. Der höchst gelegene TP steht auf dem Ben Nevis in Schottland, der tiefst gelegene liegt am Ufer der Little Ouse in Cambridgeshire und ist ein Meter unter dem Meeresspiegel. Am 8 April 1936 wurde der erste „trig pillar“ auf einem Feld in Cold Ashby in Northamptonshire aufgestellt, der dort noch heute vorzufinden ist.

Es gibt einige Menschen, die von diesen Pfeilern so fasziniert sind, dass sie das Bedürfnis haben, möglichst viele oder sogar alle dieser „trig pillars“ aufzusuchen. Ein gemeinsames Forum gibt es im Internet unter „trigpointing.uk

Einer, der es geschafft hat, allen TPs einen Besuch abzustatten, ist der „König der trig bagger“, Rob Woodall aus Peterborough in Cambridgeshire, der dafür 13,5 Jahre gebraucht hat, von 2002 bis 2016. Sein letzter lag auf dem Benarty Hill im schottischen County Fife. Mr. Woodall hat aber noch mehr vorzuweisen. So hat er u.a. sämtliche Marilyns (das sind Hügel/Berge über 150 Meter) und alle HuMPs (=  HUndred Metre Prominence, also alle Hügel über 100 Meter) erklettert. Von Marilyns gibt es 1556  und von HuMPs 2984. Eine stolze Leistung!
Hier ist ein Film über die „trig pillars“.

Der höchst gelegene TP auf dem Ben Nevis in Schottland.
Photo © Michael Graham (cc-by-sa/2.0)

Der am tiefsten gelegene TP an der Little Ouse in Cambridgeshire.
Photo © Siobhan Brennan-Raymond (cc-by-sa/2.0)

Rob Woodalls letzter TP auf dem Benarty Hill in der schottischen Grafschaft Fife.
Photo © Rude Health (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. März 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Crazy Coffins in Bulwell (Nottinghamshire) – Die Sargspezialisten

Blick auf Bulwell bei Nottingham, Heimat der Crazy Coffins.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Besonders viel gibt es in der Marktstadt Bulwell, nordwestlich von Nottingham, nicht zu sehen. Ein paar Pubs, einige Fast Food-Restaurants, ein Boxverein und das war’s schon. Einen besonders guten Ruf hat der Ort nicht, denn hier haben sich in den letzten 15 Jahren mehrere spektakuläre Verbrechen ereignet, die landesweit für Schlagzeilen gesorgt haben. Vielleicht passt es da ganz gut ins Bild, dass sich in der Hemphill Road eine Firma etablierte, die sich auf die Anfertigung von Särgen spezialisiert hat.

Victor Harry Fearn und Leonard Gill haben 1958 die Firma übernommen, die schon seit den Zeiten Königin Victorias hier in Nottinghamshire Särge hergestellt hat. Die beiden kauften Land in Bulwell und errichteten eine Werkstatt, die Crabtree Mill (hier im Bild zu sehen). Die Vic Fearn & Company Ltd bzw. Crazy Coffins fabriziert in erster Linie „Standardsärge“, doch in in den letzten 25 Jahren nahm man sich eines Marktsegmentes an, das recht ungewöhnlich ist: Es werden auch Särge nach den Wünschen der (noch lebenden) Kunden angefertigt bzw. der der Hinterbliebenen. Warum sich in einer langweiligen Bretterkiste unter die Erde bringen lassen, wenn es auch anders geht, sagen sich manche Menschen. Der Fantasien sind da keine Grenzen gesetzt. Sehr interessant fand ich die Idee, sich in einem Narrowboat bestatten zu lassen (natürlich nicht in Originalgröße) oder in einem Sarg in der Form einer Jack Daniels Whiskyflasche. Wie wäre es mit einem pinkfarbenen Smartphone, auf dessen Display eine SMS zu lesen ist oder mit einem Skateboard-Sarg?

Die Produkte der Firma Crazy Coffins waren auch auf Fachausstellungen zu sehen wie u.a. bei “Death: Southbank Centre’s Festival for the Living” oder bei der Six Feet Under Convention in Bournemouth.

Hier ist ein Film über die Firma in Nottinghamshire.

 

 

 

Published in: on 17. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Eine gefährliche Begegnung am Londoner Tobacco Dock im Jahr 1857 zwischen einem Tiger und einem Kind

Die Boy and Tiger Statue am Tobacco Dock.
Copyright: steveb5498.
With friendly permission of the author.

Der Name Tobacco Dock im Londoner Stadtteil Wapping sagt aus, was hier früher einmal angeliefert wurde. In erster Linie wurde Tabak  in dem Anfang des 19. Jahrhunderts errichteten Lagerhaus gespeichert. Doch die Schiffe, die die Themse aus fernen Ländern heraufkamen, brachten manchmal auch exotisches Getier mit, das der Importeur Charles Jamrach geordert hatte. Der deutschstämmige Jamrach (1815-1891) hatte seine Tierhandlung, damals die größte der Welt, gleich um die Ecke von den Docks am Ratcliffe Highway, heute die A1203, nur The Highway genannt. Im Jahr 1857 hatte der Händler einen bengalischen Tiger erhalten, den er an einen Zoo oder Zirkus weiterverkaufen wollte. Irgendwie gelang es dem Tier, aus der Transportbox zu entfliehen und so lief Mr Tiger durch die Straßen von Wapping, zum Entsetzen der dort flanierenden Menschen. Ein kleiner Junge, der so ein riesiges Tier noch nie gesehen hatte, lief auf ihn zu, um ihn zu streicheln. Der Tiger wusste nicht so recht, was er von den geplanten Streicheleinheiten halten sollte und schnappte sich das Kind, das er ein Stück Wegs im Maul mit sich schleppte, bis Charles Jamrach auf der Bildfläche erschien. Tollkühn und mit dem Mut der Verzweiflung steckte er dem Tiger seine Hand in den Rachen, bis der das zappelnde Kind wieder losließ. Das Ende der Geschichte: Das Kind hatte für lange Zeit jegliche Tiger-Streichel-Ambitionen verloren, der Tiger selbst wurde an den Schausteller George Wombwell verkauft und Charles Jamrach auf  £300 Schmerzensgeld verklagt.

Am Nordeingang der Tobacco Docks, an der Pennington Street, zurzeit ein überwiegend leerstehendes Gebäude, findet man eine Bronzestatue, die an dieses Ereignis aus dem Jahr 1857 erinnert.

Die in Manchester geborene Schriftstellerin Carol Birch hat in ihrem Roman „Jamrach’s Menagerie„, der auf der Shortlist des Man Booker Prizes im Jahr 2011 stand, über das Leben des Charles Jamrach geschrieben. Übersetzt wurde das Buch unter dem Titel  „Der Atem der Welt„.

Hier ist ein Film, der Jamrachs Geschichte kurz nacherzählt

Published in: on 14. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Wrekin Barrel Race – Eine Strapaze für harte Männer und Frauen in Shropshire

Hier an der Old Rifle Range beginnt das Wrekin Barrel Race…
Photo © Richard Law (cc-by-sa/2.0)

Was tun sich so manche Engländer und Engländerinnen an? Da rennt man beim Cheese Rolling am Cooper’s Hill in Gloucestershire auf einem extrem steilen Hang einem Käselaib hinterher; bei den Tetbury Woolsack Races, ebenfalls in Gloucestershire, werden schwere Wollsäcke eine Straße hinaufgeschleppt, in Gawthorpe in West Yorkshire bei den World Coal Carrying Championships sind das mit Kohle gefüllte Säcke und bei den UK Wife Carrying Championships in Dorking in Surrey trägt Mann/man seine Frau über eine bestimmte Distanz.

Ein ähnlicher Wettbewerb fand bis zum Jahr 2013 in der Grafschaft Shropshire statt: The Wrekin Barrel Race. Der Wrekin (hier ist ein sehr schöner Film) ist ein Hügelzug östlich von Shrewsbury, dessen Gipfel eine Höhe von 407 Metern erreicht. Nicht der Rede wert, könnte man sagen; ja, das ist schon richtig, aber wenn man diesen Gipfel mit einem 40 Kilogramm schweren Fass erklimmen soll, sieht das schon ganz anders.

Das Fass-Rennen erinnert an die Wrekin Wakes, ein Fest, das oben auf dem Hügel im 19. Jahrhundert gefeiert wurde und bei dem Bier in Strömen floss, das natürlich erst einmal in Fässern hochgebracht werden musste. Da waren Männer mit Muskeln gefragt und die braucht man auch heute noch, um die schweren mit Wasser gefüllten „barrels“ auf den Gipfel zu transportieren.

Der Start des Wrekin Barrel Race ist das Gelände der ehemaligen Schießanlage am Fuß der Hügel und das Ziel das Heaven Gate oben am Gipfel; das sind über zwei Kilometer mit einem Höhenunterschied von rund dreihundert Metern. Das Rennen wird in vier Kategorien ausgetragen:

– Vier Personen tragen das Fass (der Rekord steht bei etwas über einundzwanzig Minuten)
– Ein einzelner muss die Strecke bewältigen (der Rekord liegt bei rund dreißig Minuten)
– Vier Frauen versuchen sich an einem leeren Fass, was frau bisher in achtzehn Minuten und sechsundzwanzig Sekunden schaffte.
– Und schließlich die Königsdisziplin, die Fancy Dress Challenge, wobei ein leeres Fass von einem beliebig zusammengestellten Team nach oben gebracht werden muss, allerdings in irgendeiner verrückten Kleidung.

Ich schrieb oben, dass das Wrekin Barrel Race bis 2013 stattfand. Ja, man pausiert seitdem, weil es mit der Organisation Probleme gibt, aber man arbeitet daran, das Rennen erneut auf die Beine zu stellen.

Hier ist ein Film von einem Barrel Race, bei dem einzelne muskelbepackte Männer die Strapaze auf sich nehmen.

…und hier am Heaven Gate ist das Ziel.
Photo © J Scott (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 31. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Drainspotters – Die Gullydeckel-Fans von der Insel

Hier ist gleich eine ganze Armada von Kanaldeckeln versammelt; gesehen in Westerham in Kent.
Eigenes Foto.

„Trainspotting“ hieß einmal ein sehr erfolgreicher Roman von Irving Welsh, der von Danny Boyle verfilmt wurde. Auf Bahnhöfen sieht man hin und wieder Trainspotter, die, mit Kamera und Notizbuch bewaffnet, die Nummern von Lokomotiven aufschreiben. Es gibt aber auch ein ähnlich klingendes Hobby, „Drainspotting„, das auch einige Anhänger hat. Für die Menschen, die diesem Hobby nachgehen, gibt es nichts Interessanteres als Gullydeckel. Für mich ist als Autofahrer ist der Begriff negativ belastet, denn ich finde, dass es in England erheblich mehr Gullydeckel gibt als in Deutschland. Man findet sie mitten auf den Straßen und am Straßenrand und ständig rumpelt man über diese unangenehmen, aber wohl notwendigen Eisengitter bzw. Eisenplatten hinweg.

Was ist denn nun das Besondere an diesen Dingern, die einige englische Zeitgenossen so fasziniert? Mir hat sich das bisher noch nicht erschlossen. Der prominenteste Drainspotter ist sicher der immer etwas schrullig wirkende Chef der Labour Party Jeremy Corbyn, dem es sehr viel Spaß macht, Gullydeckel zu fotografieren.

Archie Workman aus Ulverston in Cumbria ist ein Gullydeckel-Enthusiast. Wo immer er sich auch aufhält, er sucht nach zugewachsenen Abdeckungen, befreit sie von Unkraut und lässt sie wieder das Tageslicht erblicken. Archie hat schon einen Kalender mit Gullydeckel-Fotos herausgegeben (der erstaunlicherweise auf großes Interesse stieß), hält Vorträge im ganzen Land über sein Thema und möchte einmal ein Buch darüber schreiben.

Calvin Payne, The Sherlock of the Sewers, aus Sheffield in South Yorkshire verbringt ebenfalls einen Teil seines Lebens mit Gullydeckeln. Er fotografiert sie und beschäftigt sich mit ihrer Historie, denn viele von ihnen sind schon sehr alt und wurden in der Zeit von Queen Victoria hergestellt.

Bryan Gibson aus Bodmin in Cornwall hat schon Tausende von Kanaldeckeln fotografiert, aber ihm geht es in erster Linie um verstopfte Exemplare, denn es ärgert ihn, dass die zuständigen Behörden sich seiner Meinung nach nicht so besonders intensiv darum kümmern. So zieht er durch die Grafschaft, macht Fotos von den „friendless drains“ und markiert sie mit einem kleinen Gartenzwerg.

Ein Kanaldeckel in Bishopstone (Wiltshire), der die Wassermassen nicht mehr halten kann (vielleicht weil er verstopft ist).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Ein Gullydeckel in Cornwall, noch ohne Gartenzwerg.
Photo © Rod Allday (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. Januar 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Londoner Kuriositäten Teil 3: Ben, der „Roof dog“ in Brixton

The Windmill in Brixton.
Author: Ewan Munro.
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Der Pub „The Windmill“ an der Straße Blenheim Gardens im Londoner Stadtteil Brixton sieht von außen nicht sehr einladend aus; er ist nicht das, was man einen „cozy pub“ nennen könnte, dafür ist er für Musikbegeisterte eine Art Mekka geworden. Live Music ist hier angesagt und die zieht auch Leute aus anderen Teilen Londons an. Der Name „The Windmill“ kommt von der rund 200 Meter entfernten letzten Windmühle der Hauptstadt, deren Mehl man in einigen Läden in Brixton kaufen kann.

Ein lebendes Wahrzeichen des Pubs war bis zum August 2015 Ben, ein Rottweiler, der acht Jahre seines Lebens auf dem Dach des Lokals verbrachte, wo seine Besitzer auf einem aufgepfropften Bungalow wohnten. Ben wurde von den Pubbesuchern geliebt, obwohl er den einen oder anderen durch sein Gebell wohl auch etwas nervte. Im August 2015 starb der arme Kerl an Prostatakrebs, und er wurde  in den Blenheim Gardens sehr vermisst. Doch der Platz auf dem Dach des Pubs blieb nicht lange leer, denn auf Ben folgte Lucky, ein Schäferhund. Auch gab es einige Ben-Vorgänger wie den Dobermann Brandy und Di, eine Schäferhund-Rottweiler-Mischung. Aber Ben bleibt bis heute unvergessen, so kann man in „The Windmill“ T-Shirts mit der Aufschrift „I Believe in Roof Dog“ kaufen und es wurde noch zu Lebzeiten Bens ein Bier gebraut, das Roof Dog Beer hieß und das die Pitfield Brewery produzierte. Das Bier wurde mit großem Tamtam, das heißt mit viel Musik, in „The Windmill“ erstmals am 25. Mai 2014 ausgeschenkt. Ob Ben auch etwas von dem  4.5% starken Bier, das nach ihm benannt wurde, abbekam, konnte ich leider nicht feststellen.