Palm der Elefant und Bill Keech der Fußballspieler – Ein höchst ungewöhnliches Duell im Jahr 1899 in Leicester

Photo: Sum_of_Marc.
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Im März des Jahres 1899 freute sich die Bevölkerung der Stadt Leicester in Leicestershire schon seit Tagen auf die Ankunft des John Sanger-Zirkus. Der galt damals als eine der größten Attraktionen Großbritanniens und auf den aushängenden Plakaten wurde kräftig die Werbetrommel gerührt: „The most marvellous performance ever witnessed„. Da wurden hunderte Pferde und Ponies angekündigt, die lustigsten Clowns der Welt, Löwen, bengalische Tiger und „a trained herd of elephants“.

Bleiben wir bei den Elefanten. Da gab es ein Fußballmatch Elefanten gegen Clowns und eine Art Elfmeterschießen zwischen einem der Dickhäuter namens Palm und „richtigen“ Fußballspielern aus der jeweiligen Region. Einer davon war Bill Keech, ein Stürmer, der für den Verein Loughborough F.C. spielte, den es heute nicht mehr gibt. Die Spielregeln: Sowohl Palm als auch der Fußballspieler mussten zweimal aufs Tor schießen und jeweils zweimal im Tor stehen. Wer die meisten Tore erzielt hatte, war der Sieger. Nachdem drei Fußballprofis gegen Palm verloren und den Platz beschämt verlassen hatten, kam die große Stunde des Bill Keech, der den Ball, der etwa sechsmal so groß wie ein Standardfußball war, beide Male im Tor versenken konnte, was gar nicht so einfach war, da der Elefant fast das ganze Tor ausfüllte. Keech wendete einen Trick an, täuschte Palm und hatte damit Erfolg. Als der Elefant an der Reihe war, hatte sich der den Trick von Keech gemerkt und besiegte den im Tor stehenden Profi ebenfalls zweimal. Um einen Sieger zu ermitteln, traten beide noch einmal gegeneinander an, wobei Keech traf und Palms Elfmeterschuss abwehrte. Bill bekam einen Pokal ausgehändigt, Palm schlich besiegt vom Platz (und soll danach nie wieder verloren haben). Das Match muss in etwa so ausgesehen haben.

Die Zirkusleute hatten mit ihren Elefanten zeitweise auch Probleme; bei einem Aufenthalt in Dartford in Kent entwichen eines Nachts fünf Dickhäuter, zerbrachen das Schaufenster eines Bäckerladens und fraßen alles auf, was sie dort finden konnten. Ein Zeichen, dass sie mit der Zirkuskost nicht ganz zufrieden waren.

Published in: on 28. Mai 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Shoreham Houseboats – „“Britain’s wackiest street” 

Ein Minensuchboot.
Photo: Nicholls of the Yard.
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Wir bleiben heute noch einmal in Shoreham-by-Sea in West Sussex. An der Riverbank am Fluss Adur gibt es eine Ansammlung von mehr als vierzig absonderlichen Hausbooten, die sich über einige hundert Meter am Ufer dahinzieht. „Britain’s wackiest street“ hat der Daily Mirror diese houseboat community einmal genannt. Niedergelassen haben sich hier Handwerker, Künstler und Menschen, die gern einen alternativen Lebensstil bevorzugen.

Bereits in den 1970er Jahren versammelten sich hier die ersten Hausbootbesitzer und es wurden immer mehr. Das Besondere an der Community ist, dass wir es mit Hausbooten zu tun haben, die in dieser Form einmalig sein dürften.
Da liegt zum Beispiel ein fünfzig Meter langes ehemaliges Minensuchboot, das in ein geräumiges Wohnhaus umgebaut worden ist. Dann finden wir hier die ziemlich abgewrackte Fähre Verda, die früher einmal in Portsmouth im Dienst war, auf die ein ehemaliger Linienbus aus den 1970er Jahren montiert worden ist. Daneben steckt eine Rakete im Schlamm mit der Aufschrift „Peace One Day“.

Ein witziges Boot liegt am River Adur vor Anker, in das ein dreirädriger Reliant Robin eingearbeitet wurde. Eine weitere, ehemalige Fähre, die „Shieldsman“ ist kaum noch als eine solche zu erkennen.

Diese ganze Community wirkt allerdings weitgehend ziemlich ungepflegt und erinnert an eine große Müllhalde. Man kann sich die Shoreham Houseboats von der rückwärtigen Seite ansehen, wo ein ehemaliger gepflasterter Treidelpfad vorbeiführt. Das eine oder andere Boot steht auch zum Vermieten zur Verfügung wie dieser Film zeigt.

Hier ist ein Film, in dem uns The Bald Explorer (Näheres über ihn demnächst an dieser Stelle) die Anlage zeigt.

Hausboot „Verda“.
Photo: Rob_sg.
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Das Reliant Robin-Boot.
Photo: In Memoriam: me’nthedogs.
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Die Ex-Fähre „Shieldsman“.
Photo: Les Chatfield.
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St Mary and All Saints – Eine Kirche in Chesterfield (Derbyshire) mit einem total verdrehten Turm

Kirchen mit verdrehten Türmen gibt es in England mehrere, der von St Mary and All Saints in Chesterfield ist besonders verdreht. Chesterfield ist eine Stadt in Derbyshire, deren Wahrzeichen dieser merkwürdige, siebzig Meter hohe Kirchturm ist, der im 14. Jahrhundert erbaut wurde.

Warum sich der obere Teil des Turmes so verzogen hat, liegt einmal daran, dass damals das falsche Holz verbaut wurde und die Verstrebungen nicht korrekt durchgeführt wurden. Außerdem gab es zu dieser Zeit einen akuten Mangel an fachkundigen Handwerkern; die waren nämlich in den Jahren vor dem Turmbau zum großen Teil durch die Pest ums Leben gekommen.

Es gibt aber auch eine ganz andere, liebenswerte Erklärung für den „schiefen Turm von Chesterfield“:
Dem Turm soll einmal zu Ohren gekommen sein, dass in der Kirche eine Jungfrau zum Traualtar geschritten war. Darüber war er so erstaunt, dass er sich heruntergebeugt hat, um dieses Wunder näher zu betrachten und nicht wieder in seine ursprüngliche Position zurückgefunden hat. Der Sage nach soll der Turm wieder richtig schön gerade stehen, wenn sich erneut eine Jungfrau in der Kirche trauen lassen würde. Leider scheint das bis heute nicht der Fall gewesen zu sein.

Dieser Film zählt noch einmal einige mögliche Gründe auf, warum St Mary’s and All Saints einen so eigenartigen Turm hat.

Published in: on 11. April 2022 at 02:00  Comments (4)  

„Horror at Hinchingbrooke House“ – Eine Gruselveranstaltung in Huntingdon (Cambridgeshire)

Photo © Duncan Grey (cc-by-sa/2.0)

Bis 1956 war das Hinchingbrooke House in Huntingdon in der Grafschaft Cambridgeshire Sitz der Familie Sandwich (zu denen der vierte Earl gehörte, der Erfinder des Sandwichs). Anschließend wurde es bis heute als Schule verwendet, aber es steht auch für Tagungen und Hochzeiten zur Verfügung und…für die Gruselveranstaltung „Horror at Hinchingbrooke House„, die immer in der Zeit um Halloween herum stattfindet. Das Haus steht im Ruf „haunted“ zu sein (es gibt mehrere Berichte von Geistererscheinungen wie zum Beispiel von einer Nonne, die wegen einer Liebesbeziehung zu einem Mönch hingerichtet wurde), also beste Voraussetzung für eine „interactive and realistic horror experience„.

Was erwartet nun die Besucher im Hinchingbrooke House? Sie treffen auf viele Horrorgestalten wie den Mann mit der Kettensäge, auf Freddie Krueger aus der „Nightmare“-Filmreihe, auf einen Horror-Clown, auf Figuren aus den Gruselfilmen „The Purge – Die Säuberung“, „Silent Hill“ und „Psycho“.

Wie läuft das Ganze ab? Gruppen von 8 bis 12 Personen werden durch das Hinchingbrooke House und das Gelände um das Haus herum geschleust, die ganz auf sich allein gestellt sind. Auf der rund einstündigen Tour begegnen sie diesen Horrorgestalten, die von leibhaftigen Menschen dargestellt werden. Wem es zu gruselig wird, der hat keine Chance, die Tour vorzeitig zu beenden. Dann heißt es, Zähne zusammenbeißen, Augen zu und durch. Kinder unter zwölf Jahren, Herzkranke und Schwangere sind nicht zugelassen, denn hier handelt sich es um „one of the scariest events in the UK„.

Ticket holders may experience intense audio and lighting, extreme low visibility, strobe lights, fog, damp or wet conditions, high and low temperatures and a physically demanding environment„. Na, klingt das nicht verlockend? Die Ticket kosten zwischen £19.95 und £29.95. In diesem Jahr finden die Touren vom 22. bis zum 29. Oktober statt.

Dieser Film bietet schon einmal einen Vorgeschmack.

Cambridges zeitfressende Uhr des Corpus Christi Colleges

Eigenes Foto

Ein Chronophage ist ein Zeitfresser, und so frisst die Corpus Clock, die an der Taylor Library des Corpus Christi Colleges in der Trumpington Street in Cambridge angebracht ist, die Zeit, wie von ihrem Schöpfer John C. Taylor auch gewünscht.
Am, 19. September 2008 enthüllte niemand Geringeres als Stephen Hawking dieses fantastische Meisterwerk, an dem Taylor und weitere 200 Menschen 5 Jahre lang gearbeitet haben und das etwa £1 Million gekostet haben soll.
Es handelt sich hier um eine mechanische Uhr auf der sich blaue Lichtdioden in unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegen und die Zeit anzeigen. Zeiger gibt es hier nicht. Angetrieben wird die Corpus Clock von den Beinen eines Grashüpfers, der die Sekunden frisst. Das Prinzip geht auf den britischen Uhrmacher John Harrison zurück, der den speziellen Aufzugsmechanismus um 1772 erfand.

John C. Taylor hatte in den 50er Jahren am Corpus Christi College studiert und die Uhr der Universität geschenkt. „The strangest clock in the world“ wurde von dem US-Magazin TIME zu den besten 50 Erfindungen des Jahres 2008 gezählt.

Hier ist ein Film über die Uhr.

Photo © Dave Hitchborne (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 30. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der englische Komponist Malcolm Arnold (1921-2006) und ein höchst absonderliches Musikstück

Photo: Nynexman4464.
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Am 21. Oktober 1921 wurde  er in Northampton geboren, und er starb am 23. September 2006 in Norfolk: Malcolm Arnold, Komponist und Träger des Verdienstordens CBE. Seine Kompositionen sind breit gefächert; er schrieb Orchesterwerke, darunter Irish, Scottish, Cornish und Welsh Dances, und 132 Filmmusiken, von denen am bekanntesten wohl die Musik zu „Die Brücke am Kwai“ (1958) war.

1956 schrieb er ein Werk mit dem merkwürdigen Titel „A Grand Grand Overture opus 57, für 3 Staubsauger, 1 Bodenpolierer, 4 Gewehre und Sinfonieorchester„. Das war Arnolds Beitrag zu den sogenannten „Hoffnungs Concerts„, die am 13. November 1956 in der Londoner Royal Festival Hall stattfanden. Bei den Proben zu dem Werk soll es hoch her gegangen sein: Die Musiker sollen in schallendes Gelächter ausgebrochen sein, als sie die Geburt eine der witzigsten Sinfonien miterlebten beziehungsweise daran beteiligt waren.

Wo passt so ein Musikstück besser hin, als in die berühmten „Last Night of the Proms„?

Hier ist die „Grand Grand Overture“ zu sehen und zu hören.

Published in: on 21. März 2022 at 02:00  Comments (2)  

The Dog Collar Museum im Leeds Castle in Kent

Das Leeds Castle bei Maidstone in Kent (siehe dazu meinen Bericht über meinen Besuch in der Burg) sagt von sich selbst, es sei das schönste Schloss der Welt. Man kann es neben der Autobahn, der M20, liegen sehen, wenn man vom Kanaltunnel Richtung London fährt.
Im Gatehouse des Schlosses findet sich ein Museum, das einzigartig in ganz England ist: Das Dog Collar Museum beschäftigt sich mit dem Thema Hundehalsbänder.
Mrs Gertrude Hunt schenkte diese Sammlung dem Leeds Castle, in dem die Besitzer schon immer Hunde gehalten haben. Über 100 Halsbänder werden in Glasvitrinen zur Schau gestellt, die bis zu 500 Jahre alt sind (die Halsbänder, nicht die Vitrinen!); aber auch die aktuellste Mode ist vertreten.
Es finden sich hier u.a. furchterregende Stachelhalsbänder, deren Stacheln nach außen gehen; dadurch sollten die Hälse der Hunde früher vor Angriffen von Wölfen und Bären geschützt werden. Auch deutsche und österreichische Lederhalsbänder werden ausgestellt, die reich verziert sind.

Am besten wäre, man nimmt seinen Vierbeiner mit ins Museum und lässt ihn aussuchen, welches er am liebsten tragen würde (wahrscheinlich gar keins), aber: Nur Blindenhunde dürfen das Leeds Castle betreten, alle anderen Artgenossen dürfen nicht hinein und müssen vor den Toren warten.
Das Leeds Castle ist ganzjährig geöffnet.
Hier ist ein Film über das Museum.

The Dog Collar Museum
Leeds Castle
Maidstone
Kent
ME17 1PL

Published in: on 19. März 2022 at 02:00  Comments (1)  

Cornish Hurling in St Columb Major – Ein traditionelles, wildes Event in Cornwall

Das Stadtzentrum von St Columb Major.
Photo © David Gearing (cc-by-sa/2.0)

Am Faschingsdienstag eines jeden Jahres gibt es einige Ladenbesitzer in der Kleinstadt St Columb Major in Cornwall, die ihre Schaufensterscheiben vorsichtshalber mit Brettern abdecken, denn sonst könnten sie zu Bruch gehen. Warum? An diesem Tag, und dann noch einmal elf Tage später, wird in den Straßen und in der näheren Umgebung das traditionelle Cornish Hurling ausgetragen, ein Massenereignis, bei dem sich jüngere und ältere Männer um einen silbernen Ball balgen. Es gibt zwei Teams, die Townsmen und die Countrymen, die gegeneinander antreten (abhängig davon, ob sie in der Stadt oder der näheren Umgebung wohnen). Wie groß die jeweiligen Teams sind, erschließt sich mir nicht, es sollen um die 50 Personen sein, ebenso nicht, woran man erkennen kann, zu welcher Mannschaft die Männer eigentlich gehören. Ziel dieses rauen Wettbewerbs, der am Market Square beginnt, ist es, besagten Ball in eines der Tore zu bringen, die drei Kilometer voneinander entfernt stehen, oder ihn jenseits der Gemeindegrenzen zu bugsieren. Ich habe den Eindruck, dass es den meisten Männern in erster Linie darum geht, mal wieder so richtig die Sau rauszulassen, denn es geht beim Cornish Hurling ganz schön zur Sache. Blaue Flecken am ganzen Körper der Teilnehmer sind vorprogrammiert.

Der Sieger des circa zwei Stunden langen Wettbewerbs darf den silbernen Ball behalten, der einen Wert von etwa £1000 hat. Nachdem sich alle Teilnehmer ihre Wunden geleckt haben, geht es zum eigentlichen Höhepunkt des Tages, dem Besuch aller Pubs von Columb St Major. Dort wird der silberne Ball jeweils in einen Bierkrug eingetaucht und anschließend das „silver beer“ getrunken.
Hier ist ein Film über das St Columb Major Hurling. Eine ganz andere Form des Hurling ist hier zu sehen.

Engländer haben eine Vorliebe für derartige raue „Sportarten“; einige davon habe ich in meinem Blog im Laufe der Jahre vorgestellt, und ich denke da beispielsweise an das ebenfalls am Faschingsdienstag stattfindende Alnwick Shrovetide Football Match in Northumberland oder an das sogenannte Fußballspiel der Uppies gegen die Downies in Workington (Cumbria).

The Silver Ball in St Columb Major.
Photo: Ennor.
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Published in: on 18. März 2022 at 02:01  Kommentar verfassen  

Zwei Dörfer in Cambridgeshire und ein ehemaliger US-Präsident

St Mary the Virgin in Great Shelford.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Great Shelford (über dessen DNA Path ich gestern berichtete) und Stapleford sind zwei Gemeinden in Cambridgeshire, die praktisch ineinander übergehen, so dicht liegen sie beieinander. Im Jahr 2009 haben sich die beiden Dörfer etwas in die Haare gekriegt. Anlass war die Amtsübernahme des US-Präsidenten Barack Obama. Fleißige amerikanische Genealogen haben sich sofort auf familiäre Spurensuche gemacht und sind fündig geworden. Ein Zweig der Obama-Vorfahren kam aus England und zwar aus der Grafschaft Cambridgeshire. Thomas und Ann Blossom hießen diese Ur-Ur….Großeltern, die sich 1629 auf den Weg in die Neue Welt machten und sich in Salem in Massachusetts angesiedelt haben sollen.

Wo kamen die Blossoms denn nun her? Aus Great Shelford meinten die einen, aus Stapleford die anderen. Sie luden Barack Obama sogar ein, bei seinem ersten Besuch in Großbritannien doch einmal bei ihnen vorbeizuschauen. Great Shelford machte einen konkreten Vorschlag: Bei ihrem jährlichen Shelford Feast, das immer im Juli stattfindet, wäre ein Platz für ihn reserviert. Stapleford hingegen schlug vor, dass er an einem Gottesdienst in der Kirche St Mary the Virgin teilnehmen sollte. In beiden Dörfern machte man sich auch Gedanken wie der Präsident kulinarisch verwöhnt werden könnte, zum Beispiel mit einem „Yes We Can Flan“ oder einem Currygericht namens „Barack O’Bhuna“ oder einer Käseplatte, die in Form der Stars and Stripes angerichtet war. Great Shelford und Stapleford überboten sich gegenseitig mit fantastischen Ideen…doch Barack Obama kam nicht. Entweder hatte der Präsident keine Zeit oder es interessierte ihn nicht wirklich, ob nun seine Vorfahren aus dem einen oder dem anderen Dorf kamen. Spuren in Form von Grabsteinen der Blossoms sind auf den beiden Kirchhöfen von St Mary the Virgin und St Andrew’s nicht mehr zu finden.

Doch die Bewohner der beiden Dörfer in Cambridgeshire können sich trösten, auch Barack Obamas Nachfolger Donald Trump besuchte nie Kallstadt in der Pfalz, wo dessen Vorfahren herstammen.

St Andrew’s Church in Stapleford.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Joseph Darby (1861-1937) aus Netherton (West Midlands) – Beruf: Show Jumper

Der sprungbereite Joseph Darby auf seinem Monument in Netherton.
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Es ist schon eigenartig, worin der Lebensinhalt mancher Menschen besteht. Der von Joseph Darby aus der Stadt Netherton bei Dudley in den West Midlands beispielsweise, der von 1861 bis 1937 lebte, war „Aus-dem-Stand-springen„. Also kein Weitsprung, Hochsprung oder Vergleichbares mit Anlauf, sondern aus ruhender Position über Hindernisse springen. Und weil das für Mr. Darby manchmal zu einfach war, setzte er noch einen Schwierigkeitsgrad oben drauf und nahm bei seinen Sprüngen Gewichte in die Hand. Auch damit kann man seinen Lebensunterhalt verdienen und zwar international, denn 1887 nahm er den amtierenden amerikanischen Weltmeister im „spring jump“, George W. Hamilton, aufs Korn, den er prompt besiegte. Ja, in seiner Spezialdisziplin schien Joseph Darby unbesiegbar.

Sein Ruhm drang sogar bis ins britische Königshaus vor, und so ließ es sich Edward VII. nicht nehmen, sich die Künste des Mannes einmal selbst anzusehen. Joseph Darby tingelte durch das ganze Land und trat auf Showbühnen auf, wobei er über alles mögliche hinwegsprang. Im Ausland wurden seine Künste ebenfalls bewundert, so trat er in dem berühmten Cirque d’Hiver in Paris und dem Berliner Pendant, dem Wintergarten, auf. Ende des 19. Jahrhunderts hatte Darby so viele Rekorde erzielt wie niemals jemand zuvor.

Erst sehr spät, nämlich 1991, kam man in Joseph Darbys Geburtsstadt Netherton auf die Idee, dem Show Jumper ein Denkmal zu setzen. Es zeigt ihn auf einer Kugel wie er gerade zu einem Sprung ansetzt und dabei Gewichte in den Händen hält. Auf dem Monument sind Informationstafeln angebracht, auf denen man Darbys größte Erfolge nachlesen kann, als auch Abbildungen wie er über ein Pferd und über einen Stuhl springt. Zu finden ist das Denkmal an der Halesowen Road gegenüber vom The Old Swan, der Hausnummer 89.

Im Museum von Dudley sind einige Erinnerungsstücke zu sehen wie zum Beispiel seine Siegergürtel wie dieser Film zeigt.

Es gibt auch einen Song über den Show Jumper: „Joe Darby„, geschrieben und gesungen von John Langford.

Published in: on 3. März 2022 at 02:02  Kommentar verfassen  

The Butley Ferry – Europas kleinste Fähre in Suffolk

Photo © David Kemp (cc-by-sa/2.0)

Die Königin kam zwar nicht persönlich im November letzten Jahres nach Suffolk, beauftragte aber den Lord Lieutenant Clare, Countess of Euston damit, den Queens Award for Volunteering an die ehrenamtlichen Betreiber der Butley Ferry zu überreichen. Die Zeremonie fand im Plough and Sail Pub in Snape statt. 15 Männer und Frauen haben es sich zur Aufgabe gemacht, Personen mit der kleinsten Fähre Europas über den Butley River zu befördern. Der kleine Fluss mündet später in den River Ore, der sich wiederum in die Nordsee ergießt.

Die Butley Ferry existiert schon seit dem 14. Jahrhundert und dürfte damit eine der ältesten Fährverbindungen Großbritanniens sein. Es ist eine reine Personenfähre, die allerdings auch Fahrräder auf ihrer kurzen Überfahrt mitnimmt. Das Ruderboot besitzt keinen zusätzlichen Motor, wird also nur mit Muskelkraft betrieben. Zwischen Ostern und Oktober verkehrt die Fähre, jeweils am Wochenende und an den Bank Holidays. £2 kostet die Überfahrt, Kinder zahlen £1.50 und Hunde haben das Vergnügen, kostenlos mitgenommen zu werden. Über 1000 Personen nutzen die Butley Ferry pro Saison, es handelt sich dabei um viele „rambler“, die den Stour & Orwell Walk und den Suffolk Coast Path von Harwich nach Walberswick entlang wandern.
Dort, in Walberswick, gibt es ebenfalls eine rowing boat ferry“, die den River Blyth überquert und sogar noch älter sein soll. Auch hier dürfen Hunde kostenlos übersetzen, was die Vierbeiner sicher sehr freut (ich bin nicht sicher, ob das auch für Irische Wolfshunde und Neufundländer gilt, die durch ihre Größe das ganze Boot ausfüllen würden).

Dieser Film zeigt eine Überfahrt mit der voll beladenen Fähre.

Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 22. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Reverend Francis Gastrell und sein angespanntes Verhältnis zu Stratford-upon-Avon in Warwickshire

St Laurence in Frodsham (Cheshire), wo der Reverend eigentlich zuhause war.
Photo © Alexander P Kapp (cc-by-sa/2.0)

Reverend Francis Gastrell war von 1740 bis zu seinem Tod im Jahr 1772 Vikar in der Pfarrgemeinde von St Laurence in Frodsham in der Grafschaft Cheshire. Trotzdem kaufte er im Jahr 1753 ein Haus in Stratford-upon-Avon in Warwickshire, eine Stadt, die ja nicht gerade um die Ecke liegt. Auf der Autobahn braucht man heute für die Strecke etwa zwei Stunden. Irgendwie muss er es geschafft haben, sowohl die Gemeindearbeit als auch die Zeit in der Shakespeare-Stadt unter einen Hut zu bringen.

Apropos Shakespeare: Der Reverend kaufte in Stratford New Place, das Haus, in dem der Barde einige seiner Werke schrieb und in dem er 1616 starb. Der Gottesmann aus Frodsham hatte sich vor dem Kauf nicht klar gemacht, dass das Shakespeare-Haus Anziehungspunkt für viele Besucher der Stadt war, und so nervte es ihn tierisch, dass immer wieder Leute kamen und über den Zaun sein Anwesen und den Maulbeerbaum betrachteten, den Shakespeare eigenhändig gepflanzt haben soll. Eines Tages packte ihn der Zorn, und er hackte den Baum einfach um und verkaufte das Holz. Das wiederum gefiel den Bürgern von Stratford-upon-Avon gar nicht, und so warfen sie ihm die Fenster ein. Die Eskalationsspirale drehte sich weiter: Gastrell hatte einen Antrag gestellt, seinen Garten zu erweitern, der aber abgelehnt worden war, dafür hoben die Behörden seine Steuern an. Jetzt reichte es dem Reverend; er riss New Place einfach ab und machte sich vom Acker ehe die empörten Bürger der Stadt am River Avon seiner habhaft werden konnten. Die Behörden rächten sich, in dem sie Gastrell und allen seinen Nachfahren verboten, die Stadt jemals wieder zu betreten. Schmollend zog sich der Reverend wieder zu seinen Gemeindeschäfchen nach Frodsham zurück.

Dort, wo New Place einmal stand, hat der Shakespeare Birthplace Trust einen Garten gelegt, indem die zahllosen Besucher der Stadt gern spazieren gehen.

Es gab noch einen anderen Francis Gastrell, der war aber Bischof von Chester und lebte von 1662 bis 1725. Also: Verwechslungsgefahr.

New Place in Stratford-upon-Avon, wo Shakespeares Sterbehaus einmal stand.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 18. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Great Kinder Beer Barrel Challenge – Eine schweißtreibende Veranstaltung im Peak District

The Old Nags Head in Edale (Derbyshire).
Photo © Jeff Buck (cc-by-sa/2.0)

Warum finden Engländer so viel Spaß daran, schwere Gegenstände in Form von Rennen bergauf zu schleppen? Schon mehrere Male habe ich über derartige Veranstaltungen geschrieben, noch nicht über die Great Kinder Beer Barrel Challenge, die einmal jährlich in Derbyshires Peak District stattfindet.

Wie allgemein üblich werden diese mehr oder minder verrückten Ideen in Pubs ausgeheckt, so auch dieses Bierfass-Bergaufschleppen. Es war an einem Januarabend im Jahr 1998 als im Old Nags Head in Edale gerade die Biersorte ausging, die einer der Pubgäste am liebsten trank. Der Wirt machte aus Spaß das Angebot, wenn der Gast ein Fass davon vom nächstgelegenen Pub, dem Snake Pass Inn (der leider im Oktober 2019 geschlossen worden ist), holen würde, dann könnte er den Inhalt umsonst haben. Zum Erstaunen des Wirts machte sich der Gast tatsächlich auf den Weg, trommelte noch zwölf weitere durstige Kehlen zusammen, und alle holten ein Bierfass von dem fünf Kilometer entfernten Snake Pass Inn in ihr Stammlokal. Dabei kamen die Männer ganz schön ins Schwitzen, denn es ging auf dem Weg sehr steil bergauf und bergab.

Warum sollte man aus diesem einmaligen „Event“ nicht eine Dauereinrichtung in Form eines Rennens machen, fragte man sich in Edale und es entstand die Great Kinder Beer Barrel Challenge, benannt nach der bergigen Region, dem Kinder Scout, wo am 24. April 1932 der denkwürdige Mass Trespass stattfand (siehe dazu meinen entsprechenden Blogeintrag).

Bei der Challenge müssen bis zu elf Teams, die jeweils aus acht Männern und/oder Frauen bestehen, ein etwa 75 Kilo schweres Fass, in dem sich allerdings kein Bier sondern Wasser befindet, mit Hilfe einer selbstgebauten Tragevorrichtung vom Snake Pass Inn zum Old Nags Head Inn schleppen. Das Team, das die Strecke am schnellsten zurücklegt, erhält als Preis… natürlich ein Fass Bier. Alle Einnahmen aus der Veranstaltung werden wohltätigen Zwecken gespendet.

Nachdem die Challenge in den letzten beiden Jahren wegen Corona ausfallen musste, hoffen alle, dass sie in diesem Jahr im September wieder ausgetragen werden kann.

Hier ist ein Film über die Challenge.

The Snake Pass Inn.
Photo © steven ruffles (cc-by-sa/2.0)
Der Kinder Scout und das Edale Moor.
Photo © Andy Stephenson (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 12. Februar 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Reverend Edward Drax Free (1764-1843) – Ein Pfarrer der anglikanischen Kirche in Sutton (Bedfordshire), der dort 22 Jahre lang sein Unwesen trieb

Church of All Saints in Sutton (Bedfordshire).
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Edward Drax Free (1764-1843) studierte anfangs des 19. Jahrhunderts am St John’s College in Oxford. Er machte dort seinen Bachelor und Master, wurde sogar Fellow am College, doch sein soziales Verhalten war dermaßen schlecht (er war ständig betrunken und prügelte sich), dass er kurz vor dem Rauswurf stand. Wie war man froh, als er einen Posten als Vikar an Oxfords St Giles Kirche annahm. Als nach einiger Zeit die Church of All Saints in der Gemeinde Sutton in Bedfordshire einen neuen Pfarrer suchte, ging Edward Drax Free dorthin. Hätten die Gemeindemitglieder gewusst, wen sie sich da eingehandelt hatten…

Der Reverend steckte permanent in Geldschwierigkeiten, nahm immer wieder Kredite auf, die er nicht zurückzahlen konnte und sperrte manchmal für Monate seine Kirche zu, um untertauchen zu können und seinen Gläubigern zu entfliehen. Wenn er denn überhaupt Gottesdienste abhielt, machte er das kurz und bündig und hielt sich nicht lange mit Predigten auf. Manchmal wollte er seine Schäfchen sogar mit einer Geldstrafe belegen, wenn sie nicht zu seinen Andachten erschienen. Er verkaufte auch das Kupfer vom Kirchendach, um seine Spielschulden zu bezahlen zu können.

Edward Drax Free sprach nach wie vor sehr gern dem Alkohol zu und war häufig betrunken. In diesem Zustand, nehme ich jedenfalls an, schwängerte er fünf seiner Hausangestellten. Sex spielte für den Reverend eine wichtige Rolle, so brüstete er sich mit seiner Sammlung von pornografischen Schriften, die er im Pfarrhaus zusammengetragen hatte. Was die Gemeindemitglieder überhaupt nicht gut fanden, war, dass der Kirchhof (im wahrsten Sinne des Wortes) zu einem Schweinestall geworden war. Schweine trieben sich dort herum, scharrten Gräber auf, und auch Kühe und Pferde machten es sich dort gemütlich und störten manchmal die Beerdigungsfeiern. Die Menschen in Sutton waren „not amused“.

Als Free nach seinen Skandalen schließlich die Gemeinde verlassen sollte, dachte er gar nicht daran, sondern verbarrikadierte sich in seinem Pfarrhaus (dessen Einrichtung er vorher verkauft hatte) und schoss auf jeden, der sich näherte. Unter Leitung des zuständigen Bischofs hungerte ihn seine Gemeinde aus, so dass er nach 22 Jahren die Church of All Saints endgültig verlassen musste.

Auch Edward Drax Frees Ende war unrühmlich. Da niemand ihn mehr als Pfarrer haben wollte, ging es mit ihm steil bergab. Er trank nach wie vor und wurde 1843 (passenderweise) beim Verlassen einer Kneipe von einem Fuhrwerk überfahren.

Das Buch zum Artikel:
R.B. Outhwaite: Scandal in the Church – Dr Edward Drax Free, 1764-1843. Hambledon Press 1997. 180 Seiten. ISBN ‎ 978-1852851651
.

Edward Drax Frees Alma Mater: Das St John’s College in Oxford.
Photo © Len Williams (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. Januar 2022 at 02:00  Comments (2)  

Arthur Furguson (1883-1938) – Der Mann, der die Nelsonsäule auf Londons Trafalgar Square verkaufte

Wurde für £6000 verkauft, Nelson’s Column auf dem Trafalgar Square.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Es ist fast 100 Jahre her als ein US-amerikanischer Tourist aus Iowa in London auf dem Trafalgar Square stand und dort die Nelsonsäule bestaunte, auf deren 46 Meter hohen Sockel die über fünf Meter hohe Statue von Admiral Horatio Nelson zu sehen war. Ihm näherte sich ein Mann, der sich als offizieller Stadtführer zu erkennen gab, und ihn ansprach.

Der angebliche Guide, es handelte sich dabei um den in Schottland geborenen Arthur Furguson, erzählte dem Amerikaner die Geschichte des Admirals und ließ einfließen, dass die Säule momentan zum Verkauf stünde, was aber noch geheim war, denn die britische Nation litt nach dem Ersten Weltkrieg noch immer unter einer schweren Finanzkrise und musste sich, wohl oder übel, von einigen Besitztümern trennen. £6000 wollte die britische Regierung für die Säule haben. Der schwerreiche Amerikaner war sofort Feuer und Flamme und wollte die Nelsonsäule unbedingt haben, sie nach Iowa verschiffen und sie dort auf seinem Anwesen errichten lassen. Furguson bat den Amerikaner einen Moment um Geduld, er wollte seine Vorgesetzten fragen, was die zu dem Verkauf sagten, kam bald wieder mit der frohen Botschaft zurück, dass diese eingewilligt hätten und nahm einen Scheck über £6000, der auf den Namen Arthur Furguson ausgestellt war, entgegen. Dann verschwand der Verkäufer der Nelsonsäule sehr schnell, nachdem er dem Mann aus Iowa noch den Namen der Baufirma genannt hatte, die die Säule für ihn abbauen sollte. Als der Amerikaner diese Firma kontaktierte, die natürlich von diesem Auftrag keine Ahnung hatte, merkte er, dass er einem „con man“, einem Betrüger, aufgesessen war.

Arthur Furguson wendete diese Masche noch einige Male an, wobei er es immer wieder auf US-Amerikaner abgesehen hatte. So gelang es ihm, den Glockenturm von Big Ben für £1000 zu verkaufen, und sogar der Buckingham Palace stand auf Furgusons Verkaufsliste, für den er eine Anzahlung von £2000 erhielt.

Nachdem es ihm auf britischem Boden zu heiß geworden war, übersiedelte Arthur Furguson in die USA, wo er mit seiner Geschäftsidee weiter machte und das Weiße Haus in Washington an einen texanischen Rinderzüchter für $100,000 im Jahr vermietete. Erst als er einem interessierten Australier die New Yorker Freiheitsstatue andrehen wollte, war Schluss mit Furgusons Verkaufsmethoden, denn der Australier wurde misstrauisch und wandte sich an die New Yorker Polizei, die den Mann aus Großbritannien festnahm. Nach einem Gefängnisaufenthalt von fünf Jahren kam Furguson 1930 wieder frei. Er siedelte nach Los Angeles über, wo er einen luxuriösen Lebensstil pflegte, denn er hatte einiges von seinem erwirtschafteten Geld zurückgelegt. Hier soll er auch 1938 gestorben sein.

Ist diese wunderschöne Geschichte vielleicht gar nicht wahr? Der Schotte Dane Love ist den Spuren des Arthur Furguson einmal nachgegangen und hat nichts über ihn in zeitgenössischen Quellen finden können. Weder die britischen noch die amerikanischen Zeitungen haben über den Betrüger jemals berichtet. So what?

Published in: on 13. Januar 2022 at 02:00  Comments (2)  

The Crypt – Ein Horrorladen mit angeschlossenem Café in Blackpool

Die Birley Street ist eine Fußgängerzone in Blackpool, vor allem bekannt durch seine Arches, ein Kunstwerk namens „Brillance“ („a party-inducing flashdance down a central pedestrianised street under sparkling steel arches“, so die Webseite Cool Places), hier zu sehen.

In der Hausnummer 31 befindet sich ein Dorado für Horrorfans, ein Laden/Café/Museum namens The Crypt. Hier trifft man sie alle, die liebgewordenen Figuren aus Horrorfilmen: Freddy Krueger, Frankenstein, Nosferatu, den Mann mit der Kettensäge aus „The Texas Chainsaw Massacre“ und viele andere.

Es gibt hier schrecklich anzusehende Masken zu kaufen, die jeder Halloween-Party Ehre machen würden, Kaffeebecher mit allen möglichen Aufschriften (Witches Brew, White Witch Cauldron Mug), T-Shirts mit Horrormotiven und überall werden die Besucher mit Totenköpfen, Zombies und grinsenden Clownsmasken konfrontiert. In der Toilette wartet ein riesiges Poster mit dem Weißen Hai aus dem gleichnamigen Film, der gierig nach einer jungen Frau schaut, die über ihm auf einer Luftmatratze schwimmt.
Zwischen diesen vielen Horrorgestalten kann man dann einen Kaffee oder Tee trinken oder eine Kleinigkeit essen, wenn man sich nicht daran stört, dass einem dabei Nosferatu über die Schulter schaut.
Der Laden hat jeden Tag des Jahres von 11 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.

The Crypt
31 Birley Street

Blackpool
Lancashire
FY1 1EG

Published in: on 30. Dezember 2021 at 02:00  Comments (4)  

Blaue Plaketten in London – Echt oder falsch?

Photo: Spudgun67.
Creative Commons 4.0

Über das Thema „Blaue Plaketten“ habe ich in meinem Blog am 7. Mai 2012 ausführlicher geschrieben, nach welchen Kriterien diese an englischen Häuserwände angebracht werden und welches Gremium darüber entscheidet.

Es gibt aber auch eine ganze Reihe von inoffiziellen und von gefälschten Gedenkplaketten. Mein Favorit ist im Londoner Stadtteil Muswell Hill in der Hillfield Avenue Nummer 118 zu finden. Dort hat eine Society for the Promotion of Historic Buildings eine Plakette angebracht mit der Inschrift „Carswell Prentice 1891-1964 inventor of the supermarket trolley stayed here in September 1932„; das mag schon ein ganz besonderes Ereignis damals im September 1932 gewesen sein, aber als Erfinder des Einkaufswagens gilt nicht Carswell Prentice sondern ein US-Amerikaner namens Sylvan Goldman, der Besitzer der Humpty Dumpty Supermarktkette in Oklahoma, der die Idee dazu im Jahr 1937 hatte. Die Society for the Promotion of Historic Buildings ist eine Firma in der Hillfield Avenue Nummer 118, die wunschgemäß Plaketten dieser Art herstellt.

Photo: Marvinbarretto.
Creative Commons 3.0

Am Londoner Hammersmith Broadway tauchte einmal eine blaue Plakette auf, auf der zu lesen stand „Rik Mayall 1958-2014 Punched his friend in the balls on a bench near this spot„, darunter war ein QR Code angebracht und darunter wiederum stand True English Heritage“, das war natürlich leicht als „Fake“ zu erkennen. Der QR Code führt übrigens zu diesem Filmchen (Rik Mayall war ein Comedian und Schauspieler).

Eine blaue Plakette für Boris Becker? Das würde nicht den Richtlinien von English Heritage entsprechen. Schon gar nicht das Ereignis auf das eine Plakette am Nobu Restaurant einmal in der Old Park Lane Nummer 19 hinwies. „Sex Cupboard 1999“ stand unter dem Namen des einstigen Tennisstars und erinnerte an ein Treffen dort zwischen BB und einem russischen Model, das in einem beengten Besenschrank stattfand und Folgen hatte.

Blue Plaque Spotting in London macht Spaß…vor allem, wenn man auf einige dieser falschen Plaketten stößt.

Published in: on 17. Dezember 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Lord Dunsany und die tödlichen Schüsse auf zwei Londoner Zebras

Das Londoner Schuhhaus John Lobb in der St James’s Street.
Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)

Meine erste Begegnung mit Edward John Moreton Drax Plunkett, 18. Baron Dunsany (1879-1957) war, als ich für meine Examensarbeit über Weird Fiction recherchierte und dabei auf diesen Schriftsteller stieß. Es gab einmal eine großartige Buchreihe in den 1970er Jahren im Insel-Verlag, die Bibliothek des Hauses Usher, herausgegeben von Kalju Kirde, den ich einmal persönlich kennen lernen durfte. Die 26 Bände der Reihe waren auf grünem Papier gedruckt, ich hatte sie fast alle, sind seit langem vergriffen und Sammlerobjekte geworden. Einer dieser Bände hieß „Das Fenster zur anderen Welt„, enthielt 27 Geschichten und stammte aus der Feder eben jenes irischen, in London geborenen Lord Dunsany.

Soweit seine literarische Seite. Lord Dunsany hatte eine Vorliebe, die ich absolut nicht teilen kann: Er war leidenschaftlicher Großwildjäger. Der Eton-Schüler und Sandhurst-Absolvent soll bei einer seiner Safaris in Kenia 55 Tiere abgeschossen haben, darunter einen Löwen und ein Nashorn.

Es gibt eine Geschichte, ob sie tatsächlich stimmt, ist nicht sicher, dass der Lord sogar in den Straßen Londons seine Finger nicht vom Abzug seines Gewehres halten konnte, wenn er ein wildes Tier sah, was wohl eher selten vorkam.
Folgendes war geschehen: Das renommierte, 1849 gegründete Londoner Schuhhaus John Lobb, das noch immer existiert, soll zu Werbezwecken einmal eine Kutsche durch die Straßen der Hauptstadt geschickt haben, und damit das Gefährt auch wirklich auffiel, waren zwei Zebras anstelle von Pferden davor gespannt. Auftritt von Lord Dunsany. Als er die Tiere auf der Straße Piccadilly zwischen dem Kaufhaus Fortnum&Mason und der Buchhandlung Hatchards sah, konnte er nicht anders als sein Gewehr, das er offensichtlich häufig bei sich trug, zu nehmen und die beiden Zebras zu erschießen. „Zebras habe ich noch nie erlegt“, soll der schießwütige Lord zu seiner Verteidigung gesagt haben. Ich habe diese Geschichte William Donaldsons Buch „Rogues, Villains and Eccentrics“ (2002 erschienen) entnommen, und so ganz verlässlich scheinen mir dessen Aussagen nicht immer zu sein. Hoffen wir, um der Zebras willen, dass sich die Geschichte nicht so abgespielt hat.

Zebras, wie dieses Exemplar aus dem Paradise Wildlife Park in Hertfordshire, gehören in ihre afrikanische Heimat und schon gar nicht als Zugtiere auf Londoner Straßen (was aber nicht heißt, dass man sie dort einfach abschießen kann).
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 15. Dezember 2021 at 02:02  Comments (2)  

The Diagram Prize 2021

Über den Diagram Prize und seine Preisträger habe ich in den vergangenen Jahren schon mehrfach geschrieben. Zur Erinnerung: Den Preis erhält jeweils das Buch mit dem merkwürdigsten Titel des Jahres; die Titelauswahl wird vom The Bookseller magazine zusammengestellt, und die Öffentlichkeit wählt daraus ihren Favoriten.

Nach dem Vorjahressieger „A Dog Pissing at the Edge of a Path: Animal Metaphors in Eastern Indonesian Society“ erhält in diesem Jahr den Diagram Prize: „Is Superman Circumcised? The Complete Jewish History of the World’s Greatest Herovon Roy Schwartz, erschienen im Mai diesen Jahres bei McFarland. Der New Yorker Autor geht darin den jüdischen Wurzeln Supermans nach und stellt dabei die Frage, ob der Superheld beschnitten war.

Wen hatten wir denn noch auf der Shortlist?

Julian Havels „Curves for the Mathematically Curious: An Anthology of the Unpredictable, Historical, Beautiful, and Romantic“ (Princeton University Press), ein Buch für jeden, der an mathematischen Kurven interessiert ist.

Handbook of Research on Health and Environmental Benefits of Camel Products„, herausgegeben von Omar Amin Alhaj et al (Medical Information Science Reference). Das Buch beschäftigt sich mit der zunehmenden Bedeutung von Produkten, die auf Kamelmilch basieren.

Hats: A Very Unnatural History“ (Michigan State University Press) von Malcolm Smith; darin geht es um die Vernichtung von Abermillionen Vögeln, damit aus ihren Federn modische Hüte hergestellt werden konnten.

The Life Cycle of Russian Things: From Fish Guts to Fabergé, 1600 to Present“ (Bllomsbury Academic) herausgegeben von Matthew P. Ramaniello et al; eine Untersuchung über die Haltbarkeit in Russland beziehungsweise in der Sowjetunion hergestellter Produkte.

Miss, I Don’t Give a Sh*t: Engaging With Challenging Behaviour in Schools“ (SAGE Publications) von Adele Bates, „a book about young people for whom the education system does not work“.

Published in: on 9. Dezember 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Coffin Works in Birmingham – Ein Museum für Sargzubehör

Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

In der Fleet Street in Birmingham, im Jewellery Quarter, befand sich einmal Englands renommiertester Hersteller von „coffin furniture„, 1894 von den Newman Brothers, Alfred und Edwin, gegründet. In dem großen Backsteinhaus wurde Sargzubehör produziert, also nicht Särge selbst, sondern beispielsweise die Messinggriffe, die Kruzifixe, Verzierungen, aber auch Leichenhemden und Sarginnenausstattungen. Zu den prominentesten „Kunden“ der Firma in Birmingham zählten unter anderem Joseph Chamberlain, Winston Churchill und die Queen Mother.

Bis zum Jahr 1999 machte die Firma Newman Brothers in der Fleet Street Geschäfte, doch dann schloss sie ihre Pforten. Ein Grund dafür war, dass sich immer mehr Menschen verbrennen ließen und Särge mit Metallverzierungen nicht in Krematorien zugelassen wurden, die Nachfrage also sank.

Der Wunsch der letzten Firmeninhaberin, Joyce Green, war es, aus dem Gebäude ein Museum zu machen. Mit Hilfe des Birmingham Conservation Trusts gelang es nach mehreren Jahren, diesen Wunsch in die Realtität umzusetzen und das mittlerweile arg in Mitleidenschaft gezogene Gebäude wieder herzustellen. Am 24. Oktober 2014 war es dann soweit: The Coffin Works konnte eröffnet werden (hier ist ein Film darüber).

Das Museum ist von Freitag bis Sonntag geöffnet, jeweils von 10.45 Uhr bis 16 Uhr. Wer möchte, kann um 11 Uhr an einer geführten Tour teilnehmen, sonst kann sich jeder auf eigene Faust umsehen. Der Eintrittspreis beträgt £10.

Dieser Film zeigt einen Besuch in diesem makaber-skurrilen Museum.

The Coffin Works
13-15 Fleet Street
Jewellery Quarter
Birmingham B3 1JP

The Shroud Room.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)
Eine Metallprägepresse in Betrieb.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)
Sargverzierungen der Newman Brothers.
Author: scrappy annie.
Creative Commons 2.0
Published in: on 30. November 2021 at 02:00  Comments (5)  

The Needle and Thread Gaudy im Queen’s College in Oxford

Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Es ist immer wieder interessant, von den merkwürdigen Traditionen zu hören, die in den Colleges von Oxford und Cambridge, manchmal schon seit Jahrhunderten, gepflegt werden. In meinem Blog habe ich schon einige davon vorgestellt. Heute möchte ich mich etwas mit einem Brauch aus dem Queen’s College in Oxford beschäftigen, der The Needle and Thread Gaudy heißt und der immer zu Beginn eines neuen Jahres ausgeübt wird. Wer den Begriff „gaudy“ noch nicht gehört hat: Es handelt sich dabei um ein feierliches Abendessen für ehemalige Abgänger eines Colleges.

Was hat das nun mit Nadel und Faden zu tun? Anlässlich dieses Abendessens tritt der Bursar des Queen’s College in Aktion, also der Mann, der für die Finanzen zuständig ist. Er händigt jedem der Anwesenden, die eine spezielle Einladung für den Abend erhalten haben, eine Nadel und einen seidenen Faden aus, mit den Worten „Take this and be thrifty„. Der Bursar ermahnt also alle, im kommenden Jahr sparsam zu sein. Ob er da wohl als leuchtendes Vorbild vorangeht?

Der Brauch ist Hunderte von Jahren alt und man vermutet, dass er auf den Namen des Gründers des Queen’s College zurückgeht, einen gewissen Robert de Eglesfield (1295-1349). „Aiguille“ heißt auf Französisch „Nadel“, „fil“ ist der Faden“, aiguille + fil = Eglesfield; mit etwas Fantasie kann man da einen Zusammenhang erkennen. Egal ob das nun stimmt oder nicht: Wir freuen uns, dass dieser recht skurrile Brauch noch immer am Leben gehalten wird. Am 8. Januar 2022 um 18.30 Uhr findet die nächste Needle and Thread Gaudy statt; die Einladung erging an ehemalige Studenten, die sich in den Jahren 1976 und 1977 immatrikuliert hatten.

The Upper Library des Queen’s College. Hier werden vor dem Abendessen die Drinks zu sich genommen.
Author: TyB.
Creative Commons 2.0
Published in: on 27. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Fig Pie Rolling in Wybunbury (Cheshire)

Author: Ten Minutes From Home.
Creative Commons 2.0

Engländer lieben es, Gegenstände steile Hügel oder Straßen hinunterzurollen…oder zumindest dabei zuzuschauen. Ich denke da an das Cheese Rolling am Cooper’s Hill in Gloucestershire. Oder aber schwere Gegenstände nicht minder steile Straßen hinaufzuschleppen wie beim Wrekin Barrel Race in Shropshire oder bei den World Coal Carrying Championships in West Yorkshire.

In einem kleinen Dorf in der Grafschaft Cheshire, südlich der Stadt Crewe, veranstaltet man so etwas Ähnliches, das sich Fig Pie Rolling nennt. Wybunbury lautet der ungewöhnliche Name des Dorfes, der wie so oft anders ausgesprochen wird, nämlich meist „Wyb-un-bury“ oder „Wimbry“. Des Dorfes größte Attraktion ist der schiefe Kirchturm von St Chad, ein kirchenloser Turm, der unterirdisch gestützt werden muss, damit er nicht irgendwann einmal umkippt. Die ehemals dazugehörende Kirche wurde schon 1833 abgerissen.

Doch zurück zur zweiten Attraktion des Dorfes. Meist Anfang Juni findet dort im Rahmen des Fig Pie Wakes Festivals das „Feigenpastetenrollen“ statt, dessen Regeln recht einfach sind. Die Teilnehmer backen die Pasteten selbst nach einem althergebrachten Rezept, wobei der Teig sehr hart wird, denn das muss er auch sein, wenn die Pie die Straße hinuntergerollt werden soll. Sieger des Wettbewerbs ist derjenige, dessen Pastete den weitesten Weg zurückgelegt hat.

Das Fig Pie Rolling stammt aus dem 19. Jahrhundert, wurde aber lange Zeit ausgesetzt, bis man sich 1995 wieder daran erinnerte. Der Wybunbury Tower Preservation Trust rief dieses skurrile Event erneut ins Leben, damit die Einnahmen aus dem Amüsement der Erhaltung des schiefen Turmes zugute kommen.

Die Fig Pie Rolling Strecke ist auf der Main Road, zwischen den Pubs The Swan Inn und The Red Lion.

Wer sich im nächsten Jahr um den 11. Juni herum in Cheshire aufhalten sollte, dem sei ein Besuch in Wybunbury empfohlen.

Hier kann man sich den Spaß im Film ansehen.

Der schiefe St Chad’s Tower.
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)
Startpunkt des Wettbewerbs: The Swan Inn.
Photo © Richard Dorrell (cc-by-sa/2.0)
Der eine Zeit lang geschlossene, seit 2012 aber wieder geöffnete Red Lion.
Photo © Richard Dorrell (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 29. Oktober 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Charlie „The White Sergeant“ – Ein selbst ernannter Polizeihund, der in der Londoner Bow Street seinen Dienst versah

Die ehemalige Polizeistation in der Bow Street.
Photo © Sandy B (cc-by-sa/2.0)

Eigentlich war Charlie gar kein echter Polizeihund, er hatte sich vielmehr 1857 in die Polizeistation in der Londoner Bow Street eingeschmuggelt. Charlie gehörte niemandem und hielt sich vorzugsweise in der Nähe der Station auf, ausgemergelt und heimatlos. Aus Mitleid bekam er von den Polizisten etwas zu essen, und allmählich entwickelte sich eine Freundschaft zwischen dem Hund und den Männern. Charlie, wie er genannt wurde, folgte den Polizisten auf ihren Streifengängen und kehrte immer wieder in die Bow Street zurück. Jetzt durfte sich Charlie „The White Sergeant“ sogar in der Polizeiwache aufhalten, was eigentlich nicht erlaubt war, doch die Polizisten hatten ihren treuen „Mitarbeiter“ ins Herz geschlossen. Bei besonderen Anlässen hängten sie ihm sogar eine Sergeant-Armbinde um den Hals, worauf Charlie immens stolz war.

Wenn sich die Polizisten der Bow Street zum Appell einfanden, lief Charlie vor ihnen auf und ab, so als musterte er sie genau. Oft war er dabei in Begleitung von Jeanie, der Polizeikatze, die ebenfalls in der Station lebte; beide verstanden sich offenbar recht gut.

Es kursierte damals die Geschichte, dass The White Sergeant einem der Bow Street-Polizisten das Leben rettete. Der Mann war auf seinem Streifengang überfallen und schwer verletzt worden. Charlie, der sich gerade in der Nähe aufhielt, rannte zur nächst gelegenen Polizeistation und zerrte den Diensthabenden nach draußen und zu der Stelle, wo der verletzte Polizist lag, der durch den beherzten Einsatz Charlies gerettet werden konnte.

1869 starb der Hund in der von ihm so geliebten Polizeiwache. Ich denke, dass dem einen oder anderen Polizisten eine Träne in die Augen gekommen ist.

Seit Mai diesen Jahres ist in den Büros und Gefängniszellen der ehemaligen Bow Street Police Station ein Museum untergebracht, das sich mit der Geschichte der Polizei in diesem Teil Londons beschäftigt.

Der Eingang zum Bow Street Police Museum.
Author: Hsq7278.
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Published in: on 21. Oktober 2021 at 02:00  Comments (1)  

Hunting the Mallard – Die exzentrische Entenjagd im All Souls College in Oxford

Das All Souls College in Oxford.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

„Die spinnen, die Briten“, würde Asterix sagen, wenn er von diesem seltsamen Brauch gehört hätte, der im All Souls College in Oxford gepflegt wird. Ein Brauch, der einmal in 100 (in Worten: Hundert) Jahren ausgeübt wird und der Hunting the Mallard heißt. Gejagt beziehungsweise gesucht wird hier eine Stockente (mallard). Warum?

Es begann im Jahr 1437, als das College erbaut wurde. In einem Graben fanden Bauarbeiter eine überdimensionale Ente, die sofort wegflog, so dass sie nicht gefangen und verspeist werden konnte. Die Fellows des Colleges fanden das schade und organisierten eine jährliche Entenhatz, die kreuz und quer durch All Souls führte. Dass dabei eine Menge Alkohol im Spiel war, lässt sich ahnen.

Da die Exzesse bei der Suche nach der Ente aber immer mehr zunahmen, wurde aus dem jährlichen Schauspiel ein Ereignis, das nur einmal alle 100 Jahre stattfinden sollte: Immer am 14. Januar und immer in einem Jahr, das mit „01“ endet.

Für die letzte Entenjagd im Jahr 2001 wählte man wieder einen Lord Mallard, Dr Martin West, dem sechs Offiziere zur Seite gestellt wurden. Um Mitternacht zog diese Gesellschaft, ergänzt durch weitere Fellows, darunter zwei frühere konservative Kabinettsmitglieder, mit Laternen und Fackeln durch alle Räume des Colleges, vom Keller bis zum Dachboden, unter Absingen des „Mallard Songs„, dessen Refrain so geht:

O, by the blood of King Edward
O, by the blood of King Edward,
It was a swapping, swapping Mallard!

Der Lord Mallard, der eine hölzerne Ente in der Hand hielt, wurde dabei von vier Fellows auf einer Sänfte getragen. Vorab ergötzten sich alle an einem 14-gängigen Abendessen in der Codrington Library des Colleges.

Bei dem vorletzten „Enten-Event“ im Jahr 1901 war übrigens der spätere Erzbischof von Canterbury, Cosmo Lang, der Lord Mallard.

Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand von uns das nächste Hunting the Mallard am 14. Januar 2101 miterlebt, ist wohl eher gering. Hoffentlich gerät bis dahin dieser skurrile Brauch nicht in Vergessenheit.

Nach so einer Stockente wird in Oxford gesucht.
Photo © Albert Bridge (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 16. Oktober 2021 at 02:00  Comments (3)  

Michael Edwards aka Eddie the Eagle – Der berühmteste Skispringer Englands

Author: Royal Navy Media Archive.
Creative Commons 2.0

Die spinnen die Finnen könnte man in Anlehnung an den Titel eines Asterix-Buches sagen, als in Finnland die Single „Fly Eddie, Fly“ eines Engländers namens Michael Edwards auf Platz 2 der Charts landete. Nirgendwo sonst in Europa erregte dieses Lied Aufsehen, auch nicht in Michaels Heimat. Unter seinem richtigen Namen kannten ihn auch die wenigsten, er war allgemein bekannt als Eddie the Eagle, der berühmteste (und bisher einzige) Skispringer Englands, der 1988 bei den Olympischen Winterspielen im kanadischen Calgary zwar nicht die Goldmedaille gewann, aber immerhin sowohl von der Großschanze als auch von der Normalschanze sprang…und jeweils Letzter wurde. Trotzdem gewann Eddie der Adler jede Menge Sympathie, die er auch ausnutzte, solange sein „Ruhm“ vorhielt.

Der im „Mammoth Book of Losers“ gelistete Skispringer, der bei keinen weiteren Olympischen Spielen antrat, nahm die oben genannte Single auf (trotz seiner Stimme, die in etwa der Qualität seiner olympischen Leistungen entspricht), und da man ihn in Finnland offensichtlich mochte, sang er auch noch auf Finnisch „Mun nimeni on Eetu„, was soviel wie „Mein Name ist Edward“ heißt und „Eddien Siivellä“ („Auf Eddies Flügeln“). Und dann brachte Eddie 1990 auch noch ein Buch auf den Markt mit dem Titel „On the Piste: Stories and Tales from the Slope„, das aus unerfindlichen Gründen heute bei Amazon USA zwischen $877 und $1000 gehandelt wird, während es bei Amazon UK schon für einen Penny zu haben ist.

Eddies Leben wurde sogar verfilmt und kam 2015 unter dem Titel „Eddie the Eagle“ (dt. „Eddie the Eagle – Alles ist möglich“) in die Kinos, mit Taron Egerton in der Hauptrolle. Hier ist der deutsche Trailer.

Stefan Raab holte Eddie the Eagle einmal in seine Show TV Total; hier ist sein Auftritt zu sehen.

Published in: on 8. Oktober 2021 at 02:00  Comments (1)  

The Ancient Order of the Purbeck Marblers and Stonecutters in Corfe Castle (Dorset) und eine kuriose Zeremonie

Corfe Castle und der Fox Inn.
Author: Anguskirk.
Creative Commons 2.0

Der auf der Isle of Purbeck in der Grafschaft Dorset abgebaute Purbeck-Marmor ist in vielen englischen Kathedralen zu finden wie in denen von Exeter, Lincoln und Ely, vor allem aber in der Kathedrale von Salisbury. Heute wird hier nur noch gelegentlich Marmor abgebaut, aber der Ancient Order of the Purbeck Marblers and Stonecutters existiert noch immer, und einmal im Jahr treffen sich die Freemen of the Order zu einer ganz besonderen Zeremonie in Corfe Castle, der Aufnahme neuer Mitglieder.

Jeweils am Fastnachtsdienstag versammeln sich die Anwärter im Fox Inn und harren der Dinge, die da kommen sollen. Im Rathaus der Stadt, dem angeblich kleinsten in England, haben sich die Freemen zusammengefunden, die darüber diskutieren, welche der Bewerber aufgenommen werden sollen. Nachdem man sich darüber geeinigt hat, werden diese in die Town Hall gerufen, die dann freudig herbeieilen und ihre Initiierung mit einem Glas Bier und einem Laib Brot bezahlen. Damit wäre der erste Teil der Zeremonie beendet. Der zweite folgt gleich darauf. Der auf der Isle of Purbeck abgebaute Marmor wurde immer von Corfe Castle auf Wagen nach Poole an der Küste gebracht, wo er am Ower Quay verladen wurde. Dieser fünf Kilometer lange Weg und ein Fußball spielen eine Rolle bei Zeremonie Teil 2. Der Fußball wird von dem Freeman, der zuletzt geheiratet hat, besorgt und die gesamte Strecke bis zur Küste entlang gekickt, ohne ihn mit den Händen anzufassen. Am Ziel angekommen, wird ein Pfund Pfeffer über den Ball gestreut und dieser dann ins Meer gebolzt. Diese Geschehnisse beruhen auf dem Jahrhunderte alten Brauch, dem Besitzer des Landes, durch das der Marmor transportiert wurde, einen Tribut für das Wegerecht in Form von Pfeffer zu entrichten, der damals sehr viel wertvoller war als er das heute ist.

Exzentrisch? Ich glaube schon.

Die Town Hall.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)
Was vom Ower Quay bei Poole übrig geblieben ist.
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 17. September 2021 at 02:00  Comments (1)  

The Beam Heath Trust oder Wie man reich wird in Nantwich (Cheshire)

Die Middlewich Road im Norden von Nantwich, links und rechts der Straße liegt die Beam Heath.
Photo © Espresso Addict (cc-by-sa/2.0)

Die kleine Stadt Nantwich in der Grafschaft Cheshire liegt nahe der Grenze zu Wales und verfügt über eine hübsche High Street mit sehenswerten Fachwerkhäusern. Hier gibt es eine Tradition, die in das Jahr 1823 zurückreicht und auf dem sogenannten Beam Heath Act basiert, einem Gesetz, das in diesem Jahr das britische Parlament erlassen hat.

Beam Heath war eine Fläche vor den Toren Nantwichs, auf dem seit Menschengedenken Kühe grasen durften. Das änderte sich durch das Gesetz, das vorsah, das Areal für eine andere landwirtschaftliche Nutzung zu verwenden, zum Verdruss der Kuhbesitzer. Damit diese aber entschädigt werden konnten, wurde der Beam Heath Trust gegründet, der darauf achten sollte, dass ein Teil der Einnahmen, die hier erzielt wurden, auf die Geschädigten verteilt werden. Dieser Trust existiert noch heute, und auch heute kommt ein Teil der Bewohner in den Genuss dieser Ausschüttung.

Die Trust-Einnahmen wuchsen in den letzten Jahren, weil sich auf dem Areal beispielsweise ein Supermarkt der Sainsbury-Kette niedergelassen hat, sowie der Barony Employment Park, ein Gewerbegebiet mit Büroflächen. All das, zusammen mit weiterhin landwirtschaftlich genutzten Flächen, spült Geld in die Kassen des Beam Heath Trusts, der dies zu gleichen Teilen auf die etwa 2000 anspruchberechtigten Bürger von Nantwich verteilt.

Die Auszahlung erfolgt nicht etwa per Banküberweisung, jeder erhält einen Scheck, der persönlich an der Haustür übergeben wird. Ende der 1990er Jahre betrug die Dividende £4, nach der Ansiedlung von Sainsbury und anderen Gewerbetreibenden kletterte sie auf über £30.

Sainsbury’s Superstore in Nantwich spült Geld in die Kasse des Beam Heath Trusts.
Photo © Christopher Hilton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der eitle Vikar von St Swithun’s in Woodbury (Devon)

Photo © David Smith (cc-by-sa/2.0)

Der heilige Swithun von Winchester, der von 800 bis 862 gelebt hatte, gab der Gemeindekirche von Woodbury (Devon) seinen Namen, einem Dorf südöstlich von Exeter. Mitte des 19. Jahrhunderts war ein Vikar mit dem schönen Namen Loveband Parminter für die Belange seiner Schäfchen zuständig. Loveband war ein recht eitler Mann, und er liebte es, sich bei den Gottesdiensten in seiner Kirche zur Geltung zu bringen, gerade wenn junge Frauen anwesend waren (damals geschah das wohl noch, im Gegensatz zu heute). Dummerweise stand einer der bedeutendsten Gegenstände der Kirche, neben dem Taufbecken und der Kanzel, der Lettner im Wege, um den Vikar in seiner vollen Schönheit betrachten zu können. Für diejenigen, die nicht wissen, was ein Lettner (englisch: rood screen) ist, hier die Definition der Wikipedia:

„Der Lettner…ist eine steinerne oder hölzerne, mannshohe bis fast raumhohe Schranke, die vor allem in Domen, Kloster- und Stiftskirchen den Raum für das Priester- oder Mönchskollegium vom übrigen Kirchenraum, der für die Laien bestimmt war, abtrennte“.

Um das Blickfeld von der Gemeinde zu ihrem Vikar zu verbessern, beauftragte Loveband einen örtlichen Schreiner damit, den Lettner radikal zu kürzen. Der Mann verweigerte sich aber diesem Auftrag, denn er wollte nicht dafür in Rechenschaft gezogen werden, dieses alte Kirchenteil verunstaltet zu haben. Also legte Loveband selbst Hand an. Schnell sprach es sich bis zu seinem Vorgesetzten, dem Bischof von Exeter, herum, dass da jemand seiner Leute unter die Vandalen gegangen war. Der Bischof verlangte eine umgehende Entschuldigung, außerdem musste der Vikar den entstandenen Schaden, beziehungsweise die Behebung desselben, aus eigener Tasche bezahlen.

Loveband Parminter konnte froh sein, dass ihn der Bischof nicht von seinen Pflichten befreite, er blieb auch weiterhin Vikar von St Swithun’s.

Published in: on 5. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Audlem in Cheshire – Ein Dorf, das einmal versuchte, sich Wales anzuschließen

Photo © Christopher Hilton (cc-by-sa/2.0)

Audlem in Cheshire, ein Dorf mit knapp 2000 Bewohnern, einer Kirche, St James, und drei Pubs, The Shroppie Fly, The Bridge Inn und The Lord Combermere. Die A525 schlängelt sich durch den Ort und der Shropshire Union Canal berührt ihn. Hier ist doch eigentlich die Welt in Ordnung, oder?
Nun, im Jahr 2008 rumorte es in dem Dorf, denn die Bewohner (nicht alle, doch sehr viele) verspürten das große Bedürfnis, nicht mehr zu England zu gehören, sondern zu Wales, das etwa 14 Kilometer entfernt liegt.

Eigentlich begann alles mit einem Aprilscherz, diese Absage an Cheshire und England, doch allmählich wurde es ernst und es kam zu einer Online-Abstimmung, bei der sich 63% der Teilnehmer für einen Anschluss an Wales aussprachen. Wie das über die Bühne gehen sollte, war keinem so recht klar, denn Audlem war kein Grenzort zu Wales, dazwischen lag zum Beispiel noch das deutlich größere, zu Shropshire gehörende Whitchurch.

Was war denn nun der Beweggrund für den Absonderungswunsch Audlems? Viele fühlten sich in dem abseits gelegenen Ort von den Behörden vernachlässigt und übersehen. Niemand schien sich so recht um die Anliegen der Dorfbewohner zu kümmern. Dazu kamen noch einige andere Dinge, die die Menschen störten. So sollten die Rezeptgebühren erhöht werden, während die Waliser dafür nichts bezahlen mussten. Was die Bewohner des Ortes weiterhin aufregte, war, dass die Parkgebühren am nächstgelegenen Krankenhaus in Crewe um 50% angehoben worden waren. Ein ganzes Bündel an Unmut erregenden Dingen war in dem kleinen Dorf also zusammengekommen.

Natürlich wurde aus dem Annäherungswunsch an Wales nichts, aber immerhin war es ein Schuss vor den Bug der zuständigen Behörden, und in Wales hat man die ganze Sache sicher mit einem Schmunzeln registriert.

Published in: on 3. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Miss Great Britain Party – Eine kurzlebige Partei, die durchaus ihre Reize hatte

Author: pageantcast.
Creative Commons 2.0

Make Westminster sexy not sleazy“ war der Wahlspruch der „Miss Great Britain Party„, die 2008 gegründet wurde, im Jahr darauf aber schon wieder von der Bildfläche verschwand. Kandidatinnen waren mehrheitlich Teilnehmerinnen der britischen Schönheitswettbewerbe. Gründer war der damalige Vorsitzende des Miss Great Britain Wettbewerbs, Robert de Keyser.

Unter dem Motto „Wandel durch Schönheit“ wollten die hübschen Damen Bewegung in die ihrer Meinung nach langweilige, von Männern in grauen Anzügen geprägte politische Szene bringen.

Einige ihrer Ziele waren:
– Mütter mit Kindern, die ihre Arbeit aufgeben, sollen finanziell besser gestellt werden.
– Ein nationaler Bank Holiday, an dem der Bevölkerung die Gelegenheit gegeben werden soll, gut auszusehen.
– Bessere Besoldung der britischen Soldaten.
– Höhere Steuern für Besserverdiener

Also alles vernünftige Ziele, die auch den etablierten Partei gut anstehen würden.

Leider bekamen die kurvenreichen Damen in der Politik nicht die Kurve, und der Erfolg der MGB-Party bei den Wahlen an denen sie teilgenommen hat, war sehr überschaubar: Sie hat die 1%-Marke nie überschritten.
Eigentlich schade…

Published in: on 27. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen