Dr George Merryweather (1794-1870) aus Whitby in North Yorkshire und sein „Tempest Prognosticator“

Der Tempest Prognosticator im Whitby Museum.
Author: Badobadop
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Nomen est Omen könnte man sagen bei dem Namen George Merryweather (1794-1870), ein Arzt aus Whitby an der Küste von North Yorkshire, denn er beschäftigte sich gern mit dem Thema Wetter, nicht so sehr mit „schönem Wetter“, sondern speziell mit der Vorhersage von Stürmen. Der gebürtige Yorkshireman George Merryweather hatte in Edinburgh Medizin studiert und sich in Whitby eine Praxis als Hausarzt eingerichtet. Nebenbei frönte er seinem Hobby, dem Erfinden von mehr oder weniger nützlichen Dingen. Schon bevor er nach Whitby zog, hatte er eine spezielle Lampe erfunden, die sogenannte „Platina Lamp„, die auf der Basis von Alkohol funktionierte, lange brannte und sehr kostengünstig war.
Als Bewohner eines Küstenortes, in dem es häufig sehr windig zuging, hatte George Merryweather eines Tages eine ziemlich verrückte Idee wie man Stürme vorhersagen konnte, und er konstruierte ein Gerät, das den ziemlich sperrigen Namen „Tempest Prognosticator“ trug. Da er dafür Blutegel benötigte, war der Sturmvorhersager auch als  „Leech Barometer“ bekannt oder, um ihm einen wissenschaftlicheren Anstrich zu geben, als „Atmospheric Electromagnetic Telegraph conducted by Animal Instinct„. Das Gerät sah so aus, dass zwölf Glasbehälter in einem Kreis aufgestellt waren, in dem sich jeweils ein Blutegel befand. Die Kreisform wählte Dr Merryweather unter anderem dafür aus, dass sich auf diese Weise die Egel sehen konnten und sich nicht so einsam in ihren Gläsern fühlten. An dem schmalen oberen Ende des jeweiligen Glases hatte der Arzt einen Mechanismus angebracht, der aus einem Stückchen Walknochen und einem Draht bestand, der zu einem kleinen Hammer führte, der wiederum mit einer Glocke verbunden war. Wenn nun ein Sturm aufzog, führte das zu elektromagnetischen Veränderungen in der Atmosphäre, worauf die Tierchen ansprachen, das Glas hinaufkrochen, oben gegen den ausgefeilten Mechanismus stießen und letztendlich die Glocke zum Klingen brachten. War die Glocke mehrfach zu hören, erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Sturm unmittelbar bevorstand. Der Tempest Prognosticator stieß zwar auf ein gewisses Interesse, aber Merryweather musste seine Idee, an der gesamten britischen Küste diese Geräte aufzustellen, bald begraben, denn die zuständigen Regierungsbehörden konnten sich für die Erfindung nicht erwärmen.

Dr George Merryweather war von 1840 bis 1861 Kurator des Whitby Museums und dort ist eine Kopie ausgestellt, die 1951 anlässlich des Festivals of Britain angefertigt wurde (die Originale existieren nicht mehr). Ein weiteres Exemplar hat man in der Barometer World in Merton (Devon) gebaut, dem einzigen Museum weltweit, das sich diesem Thema widmet; ich schrieb in meinem Blog darüber.

Published in: on 21. Oktober 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Alnwick Shrovetide Football Match – Ein jährlich stattfindendes, ziemlich verrücktes Fußballspiel in Northumberland

Das Alnwick Castle, der River Aln und die Wiesen auf denen das Match ausgetragen wird.
Photo © G Laird (cc-by-sa/2.0)

Ein Fußballspiel fast ohne Regeln findet einmal im Jahr am Faschingsdienstag in der Stadt Alnwick in der Grafschaft Northumberland statt, das The Alnwick Shrovetide Football Match, dessen Ursprünge bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgt werden können. Ausgetragen wird das Spiel auf einer Wiese unterhalb des Alnwick Castles, dem Wohnsitz des Dukes of Northumberland und Filmkulisse für die „Harry Potter“-Filme.

Das kuriose Match wird ausgetragen zwischen den Spielern der Kirchengemeinden St Paul und St Michael, und es treten nicht elf Spieler pro Mannschaft an, sondern bis zu 150, die Geschlechtszugehörigkeit spielt keine Rolle. Eröffnet wird das Spiel dadurch, dass jemand von der Burg aus einen Ball hinunter wirft; das kann der Duke selber sein oder auch jemand anderes. Dann ziehen Spieler und Zuschauer zum Spielfeld, das zu dieser Jahreszeit oft sehr nass und voller Pfützen ist. Die beiden Tore, „hales“ genannt, sind 400 Meter voneinander entfernt, und es gilt, den Fußball dort hineinzukicken. Wer als erstes zwei Tore erzielt, ist der Sieger. So ein Match kann also sehr schnell vorbei sein oder es kann sich endlos hinziehen. Wenn dann die beiden Siegestore gefallen sind, ist das Spiel aber noch nicht zu Ende, dann kommt der Teil, der für die besonders harten Boys und Girls den Höhepunkt bildet. Der River Aln fließt an der Spielwiese vorbei und in diesen kleinen Fluss wird der Ball geworfen. Spieler beider Mannschaften stürzen sich in die eiskalten Fluten und versuchen, den Ball auf das gegenüberliegende Ufer zu bringen. Wem das gelingt, der darf ihn behalten.

Hier ist ein Film über ein Alnwick Shrovetide Football Match.

Dieses ist bereits mein fünfter Blogpost über die interessante kleine Stadt Alnwick im hohen Norden Englands, die natürlich auch über einen richtigen Fußballverein verfügt, den Alnwick Town Association Football Club, der zur Zeit in der Northern Alliance Premier Division spielt.

Die katholische St Paul’s Church.
Photo © Dave Kelly (cc-by-sa/2.0)

Die anglikanische St Michael’s Church.
Photo © Russel Wills (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 17. Oktober 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Norwich in Norfolk und zwei Dinge, die man nicht unbedingt über die Stadt wissen muss…

Sexy enough for Norwich women? Ein Lingerie-Geschäft in Hyde (Tameside).
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

In Großbritannien gibt es sehr viele „Capital of…“, das sind meist kuriose oder skurrile Dinge, durch die sich die jeweilige Stadt von anderen hervorhebt. Einige davon habe ich in meinem Blog schon vorgestellt wie Alresford (Hampshire) als Wasserkresse-Hauptstadt, Wem (Shropshire) als Sweet Pea Capital und Tenbury Wells (Worcestershire) als Mistletoe Capital.

Norwich, die Hauptstadt der Grafschaft Norfolk, hat zwei „Capital of“-Titel, die aber ein wenig abseits der Spur liegen. Die Stadt ist „Cougar Capital of the UK„, wobei man wissen sollte, dass unter „cougar“ hier nicht der amerikanische Berglöwe zu verstehen ist, sondern eine Frau etwas fortgeschrittenen Alters, die sich gern einmal einen jüngeren Liebhaber nimmt. Die Lingerie-Firma Bluebella hat ermittelt, dass die Frauen von Norwich in der Altersgruppe zwischen 45 und 55 Jahren mehr Geld für sexy Unterwäsche ausgeben als in jeder anderen Stadt des Königreichs (Platz 2: Sheffield, Platz 3: Manchester). Eine Erklärung, warum es gerade die Stadt in East Anglia ist, wurde nicht genannt, aber der Trend, dass ältere Frauen sich verstärkt für sexy Lingerie (mit denen sie ihre Young Lovers verführen wollen) interessieren, wird dadurch erklärt, dass Filme und TV-Serien wie „Sex in the City“ dazu beigetragen haben.

Thematisch nicht weit entfernt: Norwich ist ebenfalls die „Y-Front Capital“ Großbritanniens. Hier die Erklärung für Y-Fronts im Cambridge Dictionary „a brandname for a piece of underwear for men and boys, covering the area between the waist and the tops of the legs, with an opening at the front in the shape of an upside-down Y„. Die Männer von Norwich kaufen die meisten dieser Unterhosen im ganzen Land, was die Warenhauskette John Lewis herausgefunden hat. 1936 wurde diese Form der Unterhose, die in ständigem Kampf mit den Boxershorts liegt, erstmals in Großbritannien verkauft, mit großem Erfolg.
Wer das nächste Mal Norwich besucht, sollte sein Interesse vielleicht nicht ausschließlich auf die Kathedrale der Stadt richten…

Dieser junge Mann, nicht in Norwich sondern in Glasgow zu finden, ist offensichtlich ein Fan von Y-Fronts.
Photo © Richard Sutcliffe (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. September 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Deborah Almas weltweit erste und einzige Poetry Pharmacy in Bishop’s Castle (Shropshire)

Die High Street von Bishop’s Castle. Die Poet’s Pharmacy ist der blau gestrichene Laden weiter unten mit den hübschen Verzierungen.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Vor einigen Tagen hörte ich in den Nachrichten, dass sich die niedersächsischen Hausärzte darüber beklagen, dass immer mehr Menschen mit den kleinsten Weh-Wehchen die Wartezimmer ihrer Praxen verstopfen, statt sich an Hausmittel zu erinnern, die oft auch helfen können.

Die Bewohner der Kleinstadt Bishop’s Castle in Shropshire haben seit diesem Jahr eine Alternative, die manchem den Gang zum Hausarzt vielleicht ersparen kann: Die Poetry Pharmacy in der High Street Nummer 36. Dort, wo früher einmal der Eisenwarenladen von E.C. Davies & Son untergebracht war, findet man jetzt die „Gedicht-Apotheke“, die einzige weltweit, die die Dichterin Deborah Alma gegründet hat. Bisher kannte man die Dame vorwiegend als „Emergency Poet„, die mit einem ausgemusterten Krankenwagen aus den 1970er Jahren durch die Lande fuhr („the world’s  first and only mobile poetic first aid service„) und ihre Patienten mit Hilfe von Gedichten wieder in die Spur brachte. Statt Paracetamol verabreichte Deborah Alma „poemcetamol“ und viele, die sie in ihrem Krankenwagen aufsuchten, waren damit zufrieden.

Nun hat die Poetin/Therapeutin einen festen Platz, an dem sie ihre Künste ausüben kann. Bishop’s Castle bot sich dafür an (Glastonbury’s High Street wäre auch ein guter Ort gewesen), denn die kleine Markstadt „has become known for its alternative community including artists, musicians, writers and craftspeople“ wie es in der Wikipedia steht, also ideal für die Poet’s Pharmacy.

Deborah Alma „heilt“ ihre Besucher nicht nur mit eigenen Gedichten (sie veröffentlichte bereits mehrere Anthologien wie „The Emergency Poet: An Anti-Stress Anthology„), auch Poeme anderer Dichter werden zur Therapie bzw Kur ihrer maladen Besucher eingesetzt.

Natürlich kann und will die Dichterin keinen Arzt ersetzen und richtige Krankheiten heilen, aber wenn die Seele verletzt ist, kann sie doch etwas erreichen. „Areas of emotional need“ sind ihre Spezialität.
Deborah Alma hat noch viel vor, was sie in ihrem Laden in der High Street von Bishop’s Castle ihren Besuchern anbieten will, und, wer weiß, vielleicht gibt es bald irgendwo in der Welt noch jemanden, der nach diesem Vorbild eine weitere Poet’s Pharmacy eröffnet.

„Eau-de-Burton“ und „Eau-de-Southport“ – Zwei Parfüms der besonderen Art

Die Coors Brauerei in Burton-on-Trent, mitverantwortlich für den Geruch, der über der Stadt hängt.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

Was verbindet man mit der Stadt Burton-on-Trent in der Grafschaft Staffordshire? Auf jeden Fall Bier, aber auch Marmite (eine aus Hefeextrakt gewonnene Würzpaste,  „Love it or hate it“) und Branston Pickle (ein vegetarischer Relish, den man häufig zum Ploughman’s Lunch serviert bekommt), die letzten beiden wurden in der Bierstadt Burton-on-Trent entwickelt.

Vor einigen Jahren kam Victoria Brookes auf die Idee, ein Parfüm zu kreieren, dass die „Essenzen“ der Stadt beinhaltet, die Gerüche, mit denen man in Burton-on-Trent konfrontiert wird. Das Parfüm beinhaltet Gourmand (Schlemmerduft), das Marmite und Branston Pickle repräsentiert, eine Ledernote, stellvertretend für den örtlichen Fußballverein Burton Albion FC (Fußballstiefel und Lederball) und Ambra für das Bier, das in der Stadt gebraut wird (amber nectar = Gerstensaft). Eine schon recht merkwürdige Zusammenstellung, über die die Pariser Parfumeure sicher die Nase rümpfen würden. Aber gut, „Eau-de-Burton“ kam für £36.50 in den Handel und gefiel zumindest den Bewohnern der Stadt am River Trent.

Angeregt durch das, was da in Burton-on-Trent kreiert worden war, schuf Barbara Pratt in Southport, einer Küstenstadt in Merseyside, nördlich von Liverpool, etwas Ähnliches, das ebenfalls den Charakter ihrer Stadt widerspiegeln sollte: „Eau-de-Southport„. Was ist, olfaktorisch gesehen, das Besondere an einer Stadt am Meer? Natürlich einmal der Meeresgeruch selbst, dann der Geruch frisch gemähten Rasens von den umliegenden Golfplätzen und die Blumengerüche von der jährlich stattfindenden Southport Flower Show. Für £25 wurde „Southport Eau de Parfum“ angeboten und gut verkauft. Hier ist ein Film darüber.
Ein Jahr später entwickelte Barbara Pratt noch eine spezielle Duftnote für den örtlichen Fußballverein Southport FC (hergestellt in Deutschland). Als die Spieler das Parfum erstmalig benutzten, gewannen sie gleich 5:0 gegen Stockport County. Wer weiß, was die Parfumeurin da noch an geheimnisvollen Zutaten dazu gemixt hat?

Die Seeluft des Strandes von Southport war ein Bestandteil des Parfüms.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Warwick University und der alljährliche Jailbreak

Das Gebäude der Studentenvereinigung der University of Warwick in Coventry.
Author: Ben Firshman
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„36 hours. No money. How far will you get?“ heißt es kurz und bündig auf den Webseiten der Studentenvereinigung der Warwick University in Coventry. Damit ist der alljährliche Jailbreak gemeint, ein „Gefangenenausbruch“ der besonderen Art.
Was hat es damit auf sich? In kleinen Teams haben die Studentinnen und Studenten der Universität 36 Stunden Zeit, sich soweit wie möglich vom Ausgangspunkt Coventry wegzubewegen. Aber: Es darf für die Reise kein Geld ausgegeben werden. Wie das die Teilnehmer schaffen, ist ihrer Fantasie anheim gestellt. Das Ziel der ganzen Aktion ist, möglichst viel Geld zu sammeln, dass dann jeweils einer wohltätigen Organisation zur Verfügung gestellt wird. Und, da wir ja in England sind, verkleiden sich die meisten Jailbreak-Teilnehmer, „ein „fancy dress“ erhöht vielleicht auch die Chancen zu gewinnen.

Die bisherigen Sieger haben es erstaunlich weit in diesen 36 Stunden geschafft. Ein zweiköpfiges Team, das sich „Aeli Hit the Road“ nannte, erreichte im Jahr 2016 kurz vor Ablauf der „Deadline“ die Stadt Maskat im Sultanat Oman, eine Strecke von 4,759 Meilen. Tel Aviv war der am entferntesten gelegene Endpunkt des Teams SmashBros beim Jailbreak 2014. Noch weiter gelangten in den vergangenen Jahren einige Studenten, nämlich bis nach Bangkok, Los Angeles und Vancouver. Auf irgendeine Weise schaffen es die findigen Warwick University-Studentinnen und Studenten immer wieder, kostenlose Flüge in alle Welt zu ergattern. Hier ist ein Film über den Jailbreak.

Warwick University steht übrigens auch im Guinness Buch der Rekorde, denn die Studenten haben es 2014 geschafft, dass 314 von ihnen sich in eine riesige Unterhose gezwängt haben wie dieser Film zeigt.

 

 

Published in: on 31. August 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Chap Olympiad – Der vielleicht exzentrischste Wettbewerb Großbritanniens

Die Firle Place Vintage Fair 2019.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Nicht in den Bedford Square Gardens in London, wie sonst, sondern auf dem Gelände des Herrenhauses Firle Place in East Sussex fanden in diesem Jahr im August die vielleicht exzentrischsten „sportlichen“ Wettkämpfe Großbritanniens statt, Chap Olympiad genannt. Veranstaltet wird diese Olympiade vom Chap Magazine, einem Lifestyle-Magazin, das sich an Herren wendet und sich dafür einsetzt, dass besagte Herren sich wie Gentlemen kleiden und sich auch so verhalten. Allem Vulgärem erteilt das Chap Magazine eine klare Absage.

Und so sieht die Olympiad denn auch aus: Die teilnehmenden Herren sind gut gekleidet, tragen Anzüge (wenn diese auch oft sehr exzentrisch sind), Hüte, polierte Schuhe usw. Jeans sind absolut verpönt. Bei den skurrilen Wettbewerben kommt niemand außer Atem oder muss sich körperlich besonders anstrengen. Hier sind einige wenige Beispiele:

Cucumber Sandwich Discus – Ein Diskuswerfen der besonderen Art; hier geht es darum, einen Teller mit einem Gurkensandwich zu werfen. Sieger des Wettbewerbs ist derjenige, dessen Teller und Sandwich am nähesten beianderliegen.

Tie-knotting – Wer schafft es, innerhalb einer Minute, die meisten Krawatten zu binden?

Umbrella Jousting – In Anlehnung an das mittelalterliche Lanzenstechen treffen bei diesem Wettbewerb jeweils zwei Teilnehmer aufeinander, die statt auf Pferden auf Fahrrädern sitzen und statt einer Lanze einen Regenschirm dazu verwenden, den Gegner von seinem Drahtesel zu stoßen.

Picnic Vaulting – Mein Favorit! Die Teilnehmer müssen mit Hilfe von zwei Spazierstöcken über zwei picknickende Damen springen, ohne dass den beiden etwas passiert.

Übrigens nehmen auch (gut gekleidete!) Damen an den Wettbewerben teil, Chapettes genannt.

Hier ist ein Film über die diesjährige Chap Olympiad, die in die Firle Place Vintage Fair eingebettet war.

 

Published in: on 24. August 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Paul Sullivan: Frogley, Cockhead & Crutch

Foto meines Exemplares.

Als ich Paul Sullivans Buch, das ich heute vorstellen möchte, in die Hände bekam, musste ich unwillkürlich an Evelyn Hamanns wunderschöne TV-Ansage zu einer englischen Familienserie denken, die einmal Bestandteil einer Loriot-Comedysendung war. Ja, es gibt schon merkwürdige Namen in England. Auch in den Romanen von P.G. Wodehouse stolpert man immer wieder über kuriose Charaktere, die zum Beispiel George Cyril Wellbeloved, Horace Pendlebury-Davenport oder Cyril „Barmy“ Fotheringay-Phipps heißen.

Paul Sullivan hatte sicher viel Freude daran gehabt, für sein Buch „Frogley, Cockhead & Crutch: A Celebration of Humorous Names From Oxfordshire’s History“ die Archive der Grafschaft Oxfordshire zu durchforsten, um diese kuriose Namenssammlung zusammenzustellen. Vor allem in Jackson’s Oxford Journal, das von 1753 bis 1928 erschien, wurde er fündig. Hunderte von skurrilen Namen finden wir in dem kleinformatigen Buch und man fragt sich, wie konnte das sein, dass Eltern ihren Nachkommen diese schwere Last mit auf den Weg gaben. Gut, an Familiennamen kann man nun nichts ändern, aber diese schrägen „surnames“ auch noch mit „passenden“ Vornamen zu verzieren, ist denn schon erstaunlich. Vieles was der Autor hier zusammengestellt hat, ist eindeutig zweideutig wie Willy Cockhead, der von 1790 bis 1871 lebte, Fannie Hiscock oder Dick Hard.

Meine persönliche Favoriten sind: Cadwallader Cotar Coker Beck, der 1820 in dem Dörfchen Crowell in der Nähe von Thame das Licht der Welt erblickte, und sich sein Leben lang mit diesem Namensmonstrum herumschlagen musste. Ich glaube auch nicht, dass der 1812 in Oxford geborene McMorrell Peceased Hate Bleeck besonders stolz auf seinen Namen gewesen ist. Unklar ist mir auch, warum eine Familie aus Banbury namens England ihrem Sohn die Vornamen John England gegeben hat, so dass er John England England hieß. Der Vorname New ist ebenfalls ungewöhnlich, und so hieß das arme 1818 in Henley geborene Wesen New Dalrymple Fanshawe.

Es gibt noch weitere vergleichbare Titel auf dem englischen Buchmarkt wie Russell Ashs „Potty, Fartwell and Knob“ und „Busty, Slag and Nob End„. In letzterem hat er „remarkably rude but real names“ aus der ganzen Welt zusammengetragen, mit dem Vermerk „Adults Only!“.

„Dirty Names“ stehen auch im Mittelpunkt dieses Live-Auftritts von Rowan Atkinson.

Paul Sullivan: Frogley, Cockhead & Crutch: A Celebration of Humorous Names From Oxfordshire’s History. The History Press 2015. 170 Seiten. ISBN 978-0-7509-6300-8.

 

Published in: on 18. August 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The World Thumb Wrestling Championships 2019 in Geldeston (Suffolk)

The Locks Inn bei Geldeston in Suffolk.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

“One, two, three, four… I declare a thumb-o-war!” so beginnt jedes Match der World Thumb Wrestling Championships, die jedes Jahr im August ausgetragen werden (in diesem Jahr, zum 11. Mal, schon am 27. Juli). Der The Locks Inn bei Geldeston am River Waveney in der Grafschaft Suffolk war in diesem Jahr der Ort des Geschehens, in dem sich „Daumenkämpfer“ aus aller Welt zusammengefunden haben, um festzustellen, wer der/die Beste in diesem kuriosen Wettkampf ist.

Die Regeln des Thumb Wrestling sind einfach: Die beiden Kontrahenten stecken ihre Daumen durch die Löcher eines Miniaturboxrings und versuchen jeweils den Daumen des anderen solange auf den Boden des Spielfelds herunterzudrücken, dass der Sieger  “one, two, three, four, I win thumb-o-war!” sagen kann. 60 Sekunden dauert der Kampf; wenn es in dieser Zeit zu keiner Entscheidung gekommen ist, werden zwei weitere Runden gespielt. Wenn auch diese Verlängerung zu keinem Ergebnis führt, spielt man einfach Schere, Stein, Papier, um den Sieger zu ermitteln.

Die „Athleten“ legen sich Fantasienamen zu wie Jack ‘The Gripper’ Reynolds bei den Herren oder Thumberlina bei den Damen. In diesem Jahr wurde zum vierten Mal in Folge Paul „Under the Thumb“ Browse Weltmeister und seine Schwiegermutter Janet „Nanny Thumb“ Coleman Weltmeisterin.

Hier ist ein Film über die diesjährigen Championships.

Published in: on 10. August 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Pickles – Ein Londoner Hund, der 1966 weltweit für Schlagzeilen sorgte

Author: Mpilcher84
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Durch den  Süd-Londoner Stadtteil Upper Norwood schlängelt sich die Straße Beulah Hill. An einem der Bäume am Straßenrand ist ein blaues Schild befestigt, das an eine Begebenheit aus dem Jahr 1966 erinnert, bei der ein kleiner Mischlingshund namens Pickles eine große Rolle gespielt hatte. Diese kleine Spürnase fand nämlich etwas, wonach die Polizei Londons vergeblich gesucht hatte.

1966 fand vom 11. bis zum 30. Juli  in England die Fußballweltmeisterschaft statt, mit dem spektakulärem Finale England gegen die Bundesrepublik Deutschland. Damals erhielt der Weltmeister den Jules-Rimet-Pokal, der 3,8 kg wog und aus vergoldetem Sterlingsilber bestand. Einige Monate vor Beginn des Turniers wurde der Pokal in der Westminster Central Hall im Zuge einer Briefmarkenausstellung in London schon einmal gezeigt, natürlich schwer bewacht, denn er sollte ja Ende Juli der Siegermannschaft ausgehändigt werden. Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen verschwand der Pokal am Sonntag, dem 20. März spurlos. Man kann sich vorstellen, dass sich das Sicherheitspersonal damals so einiges anhören musste. Am Tag darauf verlangte ein anonymer Anrufer ein Lösegeld in Höhe von £15 000. Sollte es nicht zur Übergabe kommen, würde der Jules-Rimet-Cup eingeschmolzen werden. Die Polizei wurde eingeschaltet, eine fingierte Geldübergabe arrangiert und dabei ein Kleinkrimineller festgenommen, der behauptete, nur ein Mittelsmann zu sein, der im Auftrag eines Unbekannten handelte; der Pokal blieb verschwunden.
Exakt eine Woche nach dem Diebstahl ging David Corbett an diesem Sonntagmorgen mit seinem Hund Pickles entlang der Straße Beulah Hill spazieren. Wie immer schnüffelte der Hund an allem, was ihm unter die Nase kam, so auch an einem verschnürten Paket am Straßenrand. Sein Herrchen guckte nach, was sich darin befand…und das war der vermisste Pokal, den Mr. Corbett bei der nächsten Polizeiwache ablieferte. Es sprach sich wie ein Lauffeuer in London herum, dass ein Hund die Trophäe gefunden hatte. Pickles nahm den Ruhm gelassen hin, David Corbett erhielt £5000 Belohnung, da hatte sich doch der Sonntagsspaziergang gelohnt.

Pickles wurde mit einer Medaille ausgezeichnet, zum „Hund des Jahres“ ernannt und erhielt eine Rolle in dem Spielfilm „The Spy with a Cold Nose“ (dt. „Der Spion mit der kalten Nase“). Von der Belohnung kaufte sich David Corbett ein Haus in Lingfield (Surrey), wo auch Pickles hinzog. Leider starb der Hund ein Jahr nach seiner ruhmreichen Tat. Bei der Jagd nach einer Katze hatte er sich selbst an seinem Halsband stranguliert.

In diesem Film kommt David Corbett zu Wort und erzählt die Geschichte noch einmal.

Westminster Central Hall: Von hier verschwand der Jules-Rimet-Pokal.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

…und wurde hier in Upper Norwood an der Straße Beulah Hill von Pickles aufgespürt.
Photo © Dr Neil Clifton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Juli 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Londoner Hammersmith Hospital oder Wie einmal ein Krimi von Agatha Christie einem kleinen Mädchen das Leben rettete

Das Hammersmith Hospital.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Agatha Christie, die Queen of Crime, veröffentlichte im Jahr 1961 wieder einmal einen Kriminalroman, der den Titel „The Pale Horse“ (dt. „Das fahle Pferd“) trug, nach dem Bibelzitat „Da sah ich ein fahles Pferd; und der, der auf ihm saß, heißt der Tod…“. Hätte es diesen Roman nicht gegeben, so wäre 1977 ein kleines arabisches Mädchen gestorben. Hier ist die Geschichte:

Eine arabische Familie flog 1977 von Katar aus nach London, um dort ihr todkrankes 19 Monate altes Mädchen behandeln zu lassen. Die Ärzte in ihrem Heimatland waren ratlos und konnten sich den schlechten Gesundheitszustand des Kindes nicht erklären. So hofften die Eltern, in London Mediziner zu finden, die ihm helfen konnten.
Sie suchten sich das Hammersmith Hospital aus, ein Lehr- und Forschungskrankenhaus an der Du Cane Road im Westen Londons. Das Mädchen kam dort sofort auf die Intensivstation, wo man alle möglichen Tests durchführte, um der seltsamen Erkrankung auf die Spur zu kommen, doch auch die Spezialisten im Hammersmith Hospital waren erfolglos; das Mädchen war offenbar nicht zu retten. Da geschah ein kleines Wunder. Die Krankenschwester Marsha Maitland, die auf der Intensivstation arbeitete, las gerade ein Buch von Agatha Christie, oben genanntes „The Pale Horse“, darin ging es um Morde, die erst niemand aufklären konnte. Den Opfern gemein war, dass ihnen allen die Haare ausgefallen waren…und genau das passierte auch mit dem arabischen Mädchen. Marsha Maitland las in dem Krimi, dass die Opfer an einer Thallium-Vergiftung gestorben waren. Als die behandelnden Ärzte auf ihrer morgendlichen Runde auch wieder bei dem kranken Mädchen vorbei kamen, machte die Krankenschwester den Vorschlag, das Kind auf Thallium zu untersuchen, und siehe da, ein Urintest ergab einen extrem hohen Wert an diesem Element.
Das Krankenhaus holte sich noch den Rat eines etwas ungewöhnlichen Experten für Thallium-Vergiftungen ein. Im Gefängnis Wormwood Scrubs, gegenüber vom Hammersmith Hospital, saß ein Mann ein, der einen großen Teil seiner Familie mit Thallium umgebracht hatte und die Symptome und Behandlungsmöglichkeiten dieser Vergiftung genau kannte. Dieser Lebenslängliche konnte entsprechende Hinweise geben, die die Ärzte sofort in die Tat umsetzten und tatsächlich, dem Kind ging es von Tag zu Tag besser. Nach einiger Zeit konnten die Eltern mit ihrem genesenen Kind wieder zurück nach Katar fliegen. Da Thallium dort in der Schädlingsbekämpfung eingesetzt wurde, vermutete man, dass das Mädchen damit irgendwie in Berührung gekommen war.

Der Dank für dieses kleine Wunder geht an Agatha Christie und an Marsha Maitland.

Noch ein Wort zu „The Pale Horse“. In diesem Roman wirken die beiden Spürnasen Miss Marple und Hercule Poirot nicht mit; der Fall wird von Mark Easterbrook und Ginger Corrigan gelöst, von denen man in anderen Christie-Krimis nichts mehr hört. In der TV-Krimiserie „Agatha Christie’s Miss Marple“ mit Julia McKenzie in der titelgebenden Hauptrolle gibt es auch eine Episode „The Pale Horse“, was natürlich mit der Romanvorlage nicht überein stimmt.

Foto meines Exemplares.

Die World Pea Shooting Championships in Witcham (Cambridgeshire)

Nur wenige Autominuten von der Kathedralenstadt Ely entfernt, liegt der kleine Ort Witcham in der Grafschaft Cambridgeshire. Einmal im Jahr, am zweiten Samstag des Monats Juli, fallen Männer und Frauen aus nah und fern in das Dorf ein, die eine besondere Fähigkeit haben: Sie können Erbsen sehr gezielt pusten. Auf dem Village Green von Witcham präsentieren sie ihre Künste im Rahmen der World Pea Shooting Championships.

Seit 1971 wird der Wettbewerb hier ausgetragen, der auf den Schulleiter der örtlichen Schule John Tyson zurückgeht. Der hatte nämlich immer die Erbsen und Blasrohre der Schüler „konfisziert“, die sich unerlaubterweise auf dem Schulgelände gegenseitig mit Erbsen beschossen.

Die Regeln für die „Erbsenpusten-Weltmeisterschaften“ sind einfach. Jeder der Teilnehmer bekommt die Erbsen zugeteilt, das Blasrohr darf er/sie selbst mitbringen. Aus einer Entfernung von etwa vier Metern müssen die Teilnehmer mit Hilfe ihres Blasrohrs die Erbsen auf eine 30cm große Scheibe abschießen, die in drei Ringe unterteilt ist. Wer die Mitte der Scheibe trifft, erhält 5 Punkte, der zweite Ring liefert 3 Punkte und der äußere Ring bringt einen Punkt. Die fünf besten „Schüsse“ werden addiert, fertig.

Bei den 49. Weltmeisterschaften am 13. Juli 2019 wurde Ian Ashmeade wieder einmal Champion wie schon im Jahr zuvor, bei den Damen konnte Sally Redman-Davies am besten pusten und wurde zweimal nacheinander Weltmeisterin. Ian Ashmeade wurde im vorigen Jahr eine besondere Ehre zuteil: Witchams Pub The White Horse bekam ein neues Wirtshausschild, auf dem der Kopf des Erbsenpusters samt dem für ihn typischen Helm abgebildet ist, natürlich fehlt das namensgebende weiße Pferd auch nicht.

Noch ein Wort zu den Pusteröhrchen. Manche benutzen ein ganz normales Rohr, es gibt aber auch welche, die ein „State-of-the-Art High-Tech-Rohr“ einsetzen, mit integrierter Lasertechnik.

Im nächsten Jahr kommt es zu einem Jubiläum, dann werden die 50. World Pea Shooting Championships ausgetragen.

Hier sind Bilder von den diesjährigen Weltmeisterschaften.

Das Village Green von Witcham während der Championships.
Photo © Stuart Shepherd (cc-by-sa/2.0)

Das neue Wirtshausschild vom White Horse mit dem Pea Shooting Weltmeister Ian Ashmeade darunter, neben ihm steht Landlady Linda Elbourne .
Author: Yiipeeia
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Meine Brighton-Trilogie Teil 2: The Upside Down House an der Strandpromenade

Nach Bournemouth, Christchurch und Intu Lakeside in Essex hat seit dem 13. Mai auch Brighton sein Upside Down House an der Strandpromenade, und das wird richtig gut besucht. Schon kurz nach der Eröffnung bildeten sich lange Schlangen vor dem kuriosen, auf dem Kopf stehenden Haus.

Das Kuriose an dem voll eingerichteten Gebäude ist, dass man Fotos oder Selfies machen kann, bei denen es aussieht, als hänge man von der Decke herunter oder mache einen Handstand auf dem Esszimmertisch, denn das Mobiliar des Upside Down House ist an der Decke befestigt, und wenn man das Foto um 180° dreht, entsteht dieser witzige Effekt. Am besten, man sieht sich das einmal im Film an.

Das Haus soll den Jahreszeiten entsprechend jeweils umdekoriert werden, so wird es zu Ostern anders aussehen als zum Beispiel zu  Halloween und zu Weihnachten.

Man findet das Haus an der Strandpromenade zwischen dem i360-Turm und dem Brighton Bandstand.

Der Eintrittspreis beträgt bei der Online-Vorausbuchung £7, und das Ticket ist einen ganzen Tag lang gültig. Also: Die ideale Attraktion für die Selfie-Generation.

Published in: on 8. Juni 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Wettbuch des Brooks’s Club in der Londoner St James’s Street

In den vornehmen Gentlemen’s Clubs in der Londoner City spielten früher einmal Wetten eine große Rolle. Jules Verne hat das sehr schön in seinem Roman „In 80 Tagen um die Welt“ dargestellt, als der reiche Müßiggänger Phileas Fogg im Reform Club 20.000 Pfund Sterling darauf wettete, dass er es in 80 Tagen schaffen würde, die Erde einmal zu umrunden, was ihm auch gelang.

Den Reform Club in der Straße Pall Mall 104 gibt es noch immer; nicht weit davon entfernt, in der St James’s Street 61 findet man einen weiteren Gentlemen’s Club, in dem Wetten an der Tagesordnung waren, der Brooks’s Club, benannt nach einem Weinhändler namens William Brooks. Hier trafen sich regelmäßig Herren aus den oberen Gesellschaftsschichten, die nichts Besseres zu tun hatten, als dort zu essen, zu trinken…und eben Wetten auf alles Mögliche oder Unmögliche abzuschließen. Alles wurde fein säuberlich in einem „Betting Book“ festgehalten.

Der Politiker Charles James Fox (1749-1806) war einer der „regulars“ des Clubs, er hatte Probleme mit seiner Spielsucht und offenbar auch Wettsucht, denn sein Name taucht immer wieder im Wettbuch des Clubs auf. So ist eine Eintragung aus dem Jahr 1776 zu finden, die besagt, dass Charles Fox fünf Guineas gegen Lord Bolingbroke wettet, dass Amerika in exakt zwei Jahren nicht mehr zum britischen Königreich gehören würde. Bingo! Mr Fox gewann die Wette.

Am 7. April 1778 ging es um 50 Guineas, und da behauptete Lord Derby in einer Wette gegen einen Mr. Townshend, dass Lord Chatham in genau 14 Tagen nicht mehr am Leben sein würde (nachdem besagter Lord bei einer Rede im Oberhaus zusammengebrochen war). Irgendwie schleppte sich Lord Chatham noch bis zum 11. Mai hin, bis er starb, so dass Lord Derby die 50 Guineas herausrücken musste.

Eine etwas ungewöhnliche Wette wurde 1785 im Brookes’s Club abgeschlossen, die so lautete: „Lord Cholmondeley has given two guineas to Lord Derby, to receive 500 Gs whenever his lordship fucks a woman in a balloon one thousand yards [900 m] from the Earth„. Da stellt sich natürlich die Frage, wer denn das bezeugen könnte? Vielleicht wenn eine dritte Person in dem Ballon mitführe? Ob die 500 Guineas damals tatsächlich den Besitzer wechselten, ist meines Wissens nicht festgehalten worden. Wäre es wirklich zu der sexuellen Begegnung zwischen dem Lord und einer Dame in luftiger Höhe gekommen, könnte man von einer Vorstufe des heutigen Mile High Clubs sprechen.

Published in: on 30. Mai 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Knaresborough Bed Race – Ein verrücktes Straßenrennen in North Yorkshire

Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus: Wer am diesjährigen Knaresborough Bed Race teilnehmen möchte, das am 8. Juni stattfinden wird, der ist schon zu spät dran, denn der Anmeldeschluss ist lange vorbei und mehr als 90 Teams werden nicht zugelassen.
Zum 54. Mal wird in diesem Jahr dieses spektakuläre Ereignis in der hübschen Stadt am Nidd in North Yorkshire stattfinden. Dann werden wieder die Harrogate Harriers gegen die Ripon Runners und die Meadowside Malingerers gegen die Stephenson’s Rockets antreten.

Bei dieser Wohltätigkeitsveranstaltung geht es darum, dass ein Team, das aus sechs Anschiebern und einem im Bett sitzenden Passagier besteht, das herausgeputzte Bett so schnell wie möglich auf einem Kurs quer durch Knaresborough schiebt und dabei, als Höhepunkt, den Fluss Nidd durchqueren muss.
Neben dem schnellsten Team wird auch das am schönsten dekorierte Bett mit einem Preis ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr waren das die 1st Scriven Scouts, die ihr Bett  als Willy Wonka Mobile gestaltet hatten, nach der Geschichte „Charlie and the Chocolate Factory“ von Roald Dahl. Das Most Entertaining Team war im Jahr 2018 die Mannschaft Knaresborough Silver Band.

Das Knaresborough Bed Race steht in jedem Jahr unter einem bestimmten Motto; in diesem Jahr heißt das Motto Yorkshire. Jedes Team muss das Bett und die Verkleidung der Mannschaft dementsprechend gestalten.

Also, bitte vormerken: Am 8. Juni um 11 Uhr geht es los mit der Preisverleihung des Best Dressed Bed, dann folgt die Prozession der teilnehmenden Rennbetten durch Knaresborough; es folgt die Vergabe des Preises für das Most Entertaining Team und um 15 Uhr startet das Rennen. Mit der Preisverleihung für die schnellsten Teams endet die Veranstaltung (die dann sicher noch in den Pubs von Knaresborough fortgesetzt wird).

Hier ist ein Film über das Rennen des vergangenen Jahres. Zu Knaresborough siehe auch diesen Blogeintrag.

Das Buch zum Artikel:
Arnold Kellet: A to Z of Knaresborough History. Amberley Publishing 2011. 128 Seiten. ISBN 978-1848681880.

 

Published in: on 23. Mai 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Lord Toby Jug (1965-2019) und die Eccentric Party of Great Britain

Author: Robbowolf101
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Am 2. Mai verstarb ein englischer „Politiker“, dessen Tod in Deutschland nicht für Schlagzeilen sorgte, auch sein Heimatland verfiel nicht in tiefe Trauer. Sein Name lautet Brian Borthwick, aber etwas besser bekannt ist er als Lord Toby Jug, ein exzentrischer Mann, der jahrelang eine Rolle in der Official Monster Raving Loony Party spielte und dort vor allem in Cambridgeshire wirkte. Diese kuriose Partei wurde 1983 von dem Rock ’n‘ Roll-Sänger Screaming Lord Sutch gegründet. Lord Toby Jug war ein guter Freund des Sängers, der in dessen Band The Savages Bass spielte.
Der exzentrische „Lord“ erregte in seiner Heimatstadt St Ives in Cambridgeshire Aufsehen, als er sich 2009 dafür stark machte, die Statue von Oliver Cromwell durch eine von Lord Sutch zu ersetzen (womit er nicht durchkam), in den Great Ouse River Krokodile auszusetzen, damit mehr Touristen in die Stadt kämen, und das Rathaus von St Ives auf Rollen zu setzen, um es flexibler innerhalb der Gemeinde einsetzen zu können. Aus Toby Jugs Plänen wurde nichts.

Im Jahr 2014 überwarf er sich mit der Parteiführung der Loony Party, an dessen Spitze ein nicht minder exzentrischer Mann stand und noch steht: Alan „Howling Laud“ Hope, bekannt dafür, dass er sich die Parteiführung mit seiner Katze Catmando geteilt hatte (ich berichtete in meinem Blog darüber). Lord Toby Jug wurde aus der Partei geworfen, woraufhin dieser eben seine eigene neue Partei gründete, und wie sollte diese anders heißen als…The Eccentric Party of Great Britain, die unter dem Motto „Everyone knows that politics is a joke, but it’s a joke we want to be in on“ steht. Einen ersten Erfolg konnte Lord Toby Jugs Partei bereits erringen, denn ein Mitglied, Lady Jezebel Luxury Yacht, ist in den Rat der Stadt St Ives gewählt worden. Einen finanzkräftigen Sponsor hat die Eccentric Party of Great Britain, den Lotto-Multimillionär Adrian Bayford (er gewann £148.6 Millionen). Bayford hat nach eigenen Worten, die Schnauze voll von den „Mainstream-Politikern“ und meint, dass die Leute der Eccentric Party wenigstens zugeben, dass sie völlig überkandidelt sind. Seine Stimme haben sie sicher.

Einige Vorschläge der Partei:
Erziehung: Für jeweils zehn gemachte Selfies muss jeder dazu verpflichtet werden, ein Buch zu lesen.

Einwanderungspolitik: Auf Flughäfen sollen riesige Plakate von „Prominenten“ wie Russell Brand oder Jeremy Clarkson aufgestellt werden, um Fremde davon abzuhalten, ins Land einzureisen bzw. zu lange zu bleiben.

Alle Schwimmbäder des Landes sollen einmal pro Woche das Wasser ablassen, um auch Nichtschwimmern die Gelegenheit zum Baden zu geben.

Alle kostenpflichtigen Toiletten sollen verstaatlicht werden.

Am 2. Mai ist nun Lord Toby Jug leider verstorben. Alle, die einen Nerv für britische Exzentrizität haben, werden ihn vermissen!!

Diese Cromwell-Statue in St Ives (Cambridgeshire) sollte nach Plänen von Lord Toby Jug einer von Screaming Lord Sutch weichen.
Photo © David Bartlett (cc-by-sa/2.0)

Der River Great Ouse in St Ives: Hier wollte der Lord Krokodile ansiedeln.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Das Rathaus von St Ives (ohne Rollen).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Blackpool in Lancashire zum ersten… Marriott Edgar (1880–1951) und seine bitterböse Geschichte von Albert und dem Löwen

Der Wetherspoon-Pub an der Strandpromenade von Blackpool.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

An der Strandpromenade von Blackpool, direkt neben dem berühmten Turm, findet man einen Pub der Wetherspoon-Kette, der The Albert and the Lion heißt. Das ist ein sehr ungewöhnlicher Name für einen Pub und man fragt sich sofort, woher der Name wohl kommt. Der geht auf einen Comedian zurück, und zwar auf Marriott Edgar, der von 1880 bis 1951 lebte und auch in Blackpool auftrat. Edgar stammte aus Schottland und man kannte ihn vorwiegend durch seine Darstellung von „pantomime dames„, das sind Frauen in den Pantomimes, die durch Männer personifiziert werden. Damit tourte er durch mehrere Kontinente und war sehr erfolgreich. Und dann waren da noch die Monologe, die er schrieb und die er selbst vortrug bzw. sein Bühnenkollege Stanley Holloway. Einer dieser Monologe hieß „The Lion and Albert„, der möglicherweise auf einer wahren Begebenheit basiert und etwas für Freunde rabenschwarzen britischen Humors ist. Stanley Holloway wurde damit berühmt.

Worum geht es in diesem Gedicht? Die Ramsbottoms (Vater, Mutter und ihr kleiner Sohn Albert) machen Urlaub in Blackpool, und da sie sich nicht besonders für Meer und Strand interessieren, gehen sie zusammen in den Zoo. Albert hält einen Stock in der Hand und als sie am Löwenkäfig vorbeikommen, in dem ein Löwe namens Wallace friedlich schläft, stößt ihm Albert seinen Stock tief ins Ohr. Wallace gefällt das überhaupt nicht, er schnappt sich den frechen kleinen Jungen, zieht ihn in seinen Käfig und frisst ihn mit Haut und Haaren auf (inklusive seines Sonntagsanzuges). Was nun folgt ist wirklich rabenschwarzer Humor und gipfelt in der Bemerkung eines Polizeibeamten, er hoffe, dass die Ramsbottoms noch weitere Söhne hätten (so dass ihnen der Verlust Alberts nicht so besonders schwer fiele).

Man muss diese böse Geschichte selbst hören und hier ist sie, von Stanley Holloway vorgetragen, und hier zum Nachlesen.

Den Blackpool Zoo gibt es natürlich heute noch und einer der Bewohner ist ein Löwe namens Wallace…

Apropos „Wallace“: Marriott Edgars Vater Richard hatte 1874 eine Affäre mit einer verwitweten Schauspielerin namens Mary Jane „Polly“ Richards. Sie wurde schwanger und gebar einen Sohn, der den Namen Richard Horatio Edgar Wallace trug. Ja, das war der spätere berühmte Autor von zahlreichen Kriminalromanen.

Wallace the Lion im Zoo von Blackpool.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Die Redcar British Steel Railway Station – Der Bahnhof mit dem geringsten Passagieraufkommen in Großbritannien

In den Jahren 2016/17 war der Bahnhof von Barry Links in Schottland, zwischen Dundee und Carnoustie gelegen, der mit dem geringsten Passagieraufkommen in Großbritannien; gerade einmal 24 Menschen nutzten ihn in diesem Zeitraum, ein Rekord. Da sich dort aber plötzlich die Passagierzahlen verdoppelt hatten, rutschte Barry Links auf Platz 2 ab; der neue Spitzenreiter heißt Redcar British Steel Railway Station in der Grafschaft North Yorkshire, die 2017/18 von 40 Personen aufgesucht wurde. Der Bahnhof war einmal für Stahlarbeiter gedacht, die in den daneben liegenden Stahlwerken ihr Brot verdienten, doch als die Werke 2015 schlossen, benötigte man den Bahnhof eigentlich nicht mehr, doch trotzdem wurde er offen gehalten.
Hier gibt es weder einen Parkplatz, noch einen Warteraum oder einen Fahrkartenautomaten, von Toiletten ganz zu schweigen. Viermal am Tag, außer sonntags, hält ein Zug an der Redcar British Steel Railway Station, doch so gut wie niemand steigt hier ein oder aus. Sollte tatsächlich einmal jemand aussteigen, käme der nicht weit, denn er dürfte das überschaubare Bahnhofsgelände nicht verlassen, weil drum herum alles in Privatbesitz ist.
So frage ich mich, was denn diese 40 Passagiere hier eigentlich gemacht haben. Vielleicht sind sie irrtümlich eine Station zu früh oder zu spät ausgestiegen? Es sollen einige Eisenbahnfanatiker darunter gewesen sein, die nur aus- und wieder eingestiegen sind, um die Passagierzahlen in die Höhe zu treiben. Sollte das Schule machen, würde Redcar bald wieder von seinem Spitzenplatz verdrängt werden und vielleicht von Denton (Greater Manchester) überholt werden, wo nur einmal in der Woche, immer freitags, ein Zug anhält, oder von der Teesside Airport Railway Station (County Durham), die im Zeitraum 2017/18 von 74 Passagieren benutzt wurde (2013/14 waren es ganze 8).

Dieser witzige Film zeigt wie zwei Männer sich auf den Weg nach Redcar machen, um dem Bahnhof einen Besuch abzustatten.

Barry Links Railway Station in Schottland.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Denton (Greater Manchester) Railway Station.
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)

Teesside Airport Railway Station
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)

Die Pelikane des Londoner St James’s Park und wie sie einmal einen diplomatischen Zwischenfall auslösten

Pelikane am St James’s Park Lake.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Die Großstadt London gehört nicht zu dem natürlichen Lebensraum von Pelikanen, jenen großen Wasservögeln mit dem ausgeprägten Hautsack unter dem Schnabel. Doch im St James’s Park finden wir einige Exemplare und das schon seit Jahrhunderten. König Charles II. hatte eine Vorliebe für exotische Tiere, und daher schenkte der Botschafter des Russischen Reiches ihm 1664 zwei Pelikane, die auch dort in einigen Regionen heimisch sind. Aber die Tiere wollten in London nicht so richtig gedeihen, so wurden immer mal wieder neue Pelikane aus Russland nach London geschickt, eine Tradition, die bis in die heutige Zeit aufrecht erhalten worden ist.

In den 1960er Jahren erfuhr der US-Botschafter von den russischen Pelikanen und wollte nun seinerseits auch amerikanische Verwandte der Tiere im Park ansiedeln, nach dem Motto „Was Ihr Russen könnt, das können wir schon lange“. Also importierte der Mann Pelikane aus den Staaten, die sich aber in London nicht so recht wohlfühlten, mit ihren Artgenossen aus dem fernen Osten nicht klar kamen und kränkelten. Der Verdacht kam in der US-Botschaft auf, dass die Kollegen der sowjetischen Botschaft da irgendwie ihre Hände im Spiel hatten, und eine diplomatische Krise deutete sich an. Doch der Verdacht stellte sich als unbegründet heraus, denn die Amerikaner hatten die falschen Pelikane geschickt und zwar jene, die im allgemeinen im Salzwasser lebten und die mochten nun einmal das Süßwasser des Sees im St James’s Park gar nicht. Also orderte man nun die richtigen Süßwasser-Pelikane, und siehe da, die fühlten sich in London wohl und freundeten sich sogar mit ihren russischen Nachbarn an. Der Konflikt zwischen den beiden Botschaften wurde beigelegt.

Wer sich die Fütterung der Wasservögel ansehen möchte, der kann das täglich zwischen 14.30 Uhr und 15 Uhr tun, dann gibt es nämlich frischen Fisch für die Tiere, serviert am St. James’s Park Lake, ganz in der Nähe von Duck Island.

In diesem Film ist ein Pelikan beim Spaziergang im St James’s Park zu sehen.

Duck Island im St James’s Park, wo die Pelikane gefüttert werden.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Namensänderungen mit veganem Hintergrund Teil 2: Wie aus dem Dorf Wool in Dorset Vegan Wool werden sollte

Die Wool Bridge, die über den River Frome führt.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Wool ist ein Dorf in der Grafschaft Dorset mit über 5000 Einwohnern und liegt am River Frome. Zu den Sehenswürdigkeiten des Ortes zählt das nahegelegene Woolbridge Manor, Vorbild für Thomas Hardys Wellbridge House in seinem Roman „Tess of the d’Urbervilles“, der 1891 erschien.

Der Parish Council von Wool war mehr als überrascht, als im vorigen Jahr ein Brief einging, in dem ernsthaft darum gebeten wurde, den Namen des Dorfes zu ändern und zwar in Vegan Wool. Absender des Briefes war die internationale Tierschutzorganisation PETA, die den Bewohnern von Wool nahelegte, mit der Namensänderung ein Zeichen zu setzen gegen die Grausamkeit gegenüber Schafen, den Wolllieferanten, die nach der Meinung von PETA beim Scheren Schmerzen erleiden und dabei manchmal grausam und brutal behandelt würden. Schreckliche Bilder aus Argentinien und Australien zeigen die Leiden der Tiere. PETA sagt, dass es Alternativen zu tierischer Wolle gibt wie Woocoa, das aus Fasern der Kokosnuss und aus Hanf hergestellt wird.

Als Dankeschön für die Änderung des Dorfnamens in Vegan Wool sollte jeder Haushalt eine Decke aus Nicht-Schafwolle erhalten.
Viele Bürger von Wool hielten den PETA-Brief für einen verspäteten Aprilscherz, einige fühlten sich beleidigt, die meisten amüsierten sich darüber. In einer Sitzung des Parish Councils wurde über den Vorschlag diskutiert und natürlich wurde er abgelehnt. Der Ortsname Wool hat mit Wolle übrigens gar nichts zu tun, sondern er leitet sich von dem angelsächsischen Namen für Brunnen ab.

Die National Sheep Association und andere landwirtschaftliche Verbände beteuern, dass in Großbritannien das Wohl der Schafe sehr ernst genommen und Grausamkeit beim Scheren nicht toleriert wird.

 

Woolbridge Manor.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 20. Januar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Diagram Prize – Auszeichnung für das Buch mit dem merkwürdigsten Titel des Jahres – Ein Update

Auf der Frankfurter Buchmesse des Jahres 1978 hatten sich wohl einige der teilnehmenden Aussteller gelangweilt, denn man kam auf die Idee einen neuen Preis zu stiften, den das Buch mit dem merkwürdigsten Titel erhalten sollte. Die britische Fachzeitschrift The Bookseller und die Londoner Diagram Visual Information Limited riefen den Diagram Prize ins Leben, den als erster das Buch „Proceedings of the Second International Workshop on Nude Miceerhielt, also „Berichte der Zweiten Internationalen Arbeitstagung über nackte Mäuse“.

Seit dem Jahr 2000 erfolgt die Wahl des Siegertitels durch Abstimmung im Internet auf der Homepage des „Booksellers“. Geld bekommt der Preisträger nicht, lediglich derjenige, der den Siegertitel vorgeschlagen hat, erhält eine Magnumflasche Champagner.

Ich schrieb vor einigen Jahren schon einmal in meinem Blog über diesen witzigen Literaturpreis und stellte später einen der Preisträger, „Too Naked For the Nazis“ von Alan Stafford, vor. Heute möchte ich den Blogartikel weiter führen und die Preisträger der letzten Jahre vorstellen.

In diesem Jahr gewann erstmals ein nichtenglischer Autor den Diagram Prize, nämlich der Deutsche Thomas Götz von Aust mit seinem Buch „The Joy of Waterboiling: 100 köstliche Rezepte für den Wasserkocher„. Das Buch mit dem englischen Titel gibt es nur auf Deutsch und ist nicht in englischer Übersetzung erschienen. „Künstlerinnen und Künstler des Berliner und Wiener Milieus arbeiten in einem gemeinschaftlichen, interdisziplinären, europäischen Projekt an der visionären visuellen Realisierung und unkonventionellen Verbreitung dieser neuartigen Rezeptsammlung“, heißt es in dem Buch.

Der Preisträger für das Jahr 2017 war „The Commuter Pig Keeper: A Comprehensive Guide to Keeping Pigs when Time is Your Most Precious Commodity“ von Michaela Giles, eine Anleitung wie man am besten eine kleine Herde Schweine hält und dabei so wenig Zeit wie möglich aufwendet.

Den Preisträger 2016 „Too Naked For the Nazis“ erwähnte ich oben schon.

Strangers Have the Best Candy: How Talking To Strangers Leads to a Life of Crazy Adventure and Lasting Friendship“ ist der Siegertitel für das Jahr 2015, geschrieben von Margaret Meps Schulte. Die Autorin schreibt darin von ihren Begegnungen mit Fremden bei ihren Reisen durch die USA.

Mein Favorit ist der Preisträger des Jahres 2014: „How to Poo on a Date: The Lover’s Guide to Toilet Etiquette“ von Mats & Enzo. Die beiden Toilettenexperten geben wertvolle Tipps, wie man sich verhalten sollte, wenn man plötzlich bei einem intimen Treffen mit seiner/seinem Geliebten ein menschliches Bedürfnis verspürt.

Published in: on 26. Dezember 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Watlington White Mark in Oxfordshire – Eine kuriose Idee von Squire Edward Horne vor über 250 Jahren

The White Mark, von der Hill Road aus gesehen.
This work has been released into the public domain.

Über Watlington in Oxfordshire habe ich in meinem Blog in Zusammenhang mit der Inspector Barnaby-TV-Serie geschrieben. Dieser Ort behauptet von sich, die kleinste Stadt Englands zu sein, und das mit noch nicht einmal 3000 Einwohnern. Im Jahr 1252 erhielt Watlington von König Heinrich III. die Marktrechte und bezeichnet sich von da ab als Market Town.

Bei meinem Besuch dort kam ich auch zur St Leonard’s Church, die in meinem heutigen Beitrag eine Rolle spielt. Die normannische Kirche verfügt über einen Turm, hat aber keine Turmspitze, was vor über 250 Jahren Squire Edward Horne ärgerte. Von seinem Haus aus blickte der Landedelmann auf den flachen Kirchturm und hatte eines Tages eine Idee. Er hätte ja in seine Privatschatulle greifen und St Leonard’s eine Kirchturmspitze spendieren können, doch das wäre sehr teuer geworden. Hornes Idee bestand daraus, in der Sichtachse von seinem Haus zur Kirche, dahinter am Hang des Watlington Hills, eine aus Kalkstein geformte Kirchturmspitze einschneiden zu lassen. Gesagt, getan, seit 1764 ziert den Hang ein 82 Meter hohes geometrisches Gebilde, das für sich allein gesehen nichtssagend ist, von den Fenstern des Squires damals aber die Illusion erweckte, St Leonard’s hätte jetzt auch eine Turmspitze. Man feierte den 250. Jahrestag des „White Mark“ im Jahr 2014, und dank der ständigen Pflege durch die Friends of Watlington Hill sieht die „chalk spire“ aus wie neu. Den Blickwinkel auf die Kirche, den damals Edward Horne hatte, gibt es heute nicht mehr, da er zum großen Teil von Bäumen versperrt ist.

Wer sich den Watlington White Mark von nahem ansehen möchte, der muss die Stadt in Richtung Christmas Common verlassen, an der Chiltern Surgery vorbeifahren und oben auf dem Hügel auf dem Parkplatz des National Trusts sein Auto abstellen.

Dieser Film zeigt einen Flug über den Watlington Hill und den White Mark.

St Leonard’s in Watlington.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„Village Stocks“ – Eine Art Fußfessel, die per Gesetz in Dörfern und Kleinstädten vorrätig gehalten werden musste

Litton in Derbyshire.
Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)

Seit dem 14. Jahrhundert schon gibt es die „village stocks“ in England, im Deutschen Fußblock oder auch Stock genannt. Diese meist hölzernen Vorrichtungen dienten dazu, Trunkenbolde oder Vagabunden festzuhalten und ihnen eine Lehre zu erteilen. Dabei wurden die Füße durch dafür vorgesehene Löcher im Stock gesteckt und fest verankert, so dass an eine Flucht nicht zu denken war. Passanten konnten nach Lust und Laune beispielsweise verrottetes Obst oder Gemüse auf die armen Kerle werfen. Jede Stadt und jedes Dorf war per Gesetz verpflichtet, diese „stocks“ vorrätig zu halten. Im Gegensatz zu den „stocks“ standen die „pillories„, die Pranger, bei denen der Kopf und die Arme durch Löcher gesteckt wurden. Während der Pranger in England 1837 abgeschafft wurde, sind die „stocks“ noch immer legal. Viele sind im Laufe der Jahre verottet oder abgebaut worden, doch eine ganze Menge sind noch erhalten und dienen dazu, den Dörfern oder Kleinstädten einen gewissen historischen Anstrich zu geben. Im Folgenden habe ich einige Beispiel für „village stocks“ zusammengestellt:

Hier in Haveringland in Norfolk wurden die stocks in das Dorfschild integriert.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)

Auf dem Kirchhof von St George’s in Bicknoller (Somerset).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

In Weston-on-the Green in Oxfordshire.
Photo © Richard Rogerson (cc-by-sa/2.0)

In Eyam, dem „Pestdorf“, in Derbyshire.
Photo © Peter Church (cc-by-sa/2.0)

In Market Overton in Rutland.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Der Comedian Rod Hull (1935-1999) und sein gefürchteter Emu

Rod Hull war ein Comedian der besonderen Art, den man eigentlich nur zusammen mit seinem Emu kannte, auch im deutschen Fernsehen.
1935 wurde Rod Hull auf der Isle of Sheppey in Kent geboren, wo er auch seine Kindheit verbrachte. In den frühen 60er Jahren zog es ihn nach Australien, wo er als Elektriker arbeitete. Er bekam einen Job als Techniker beim Fernsehen und arbeitete dann auch bald im Kinderfernsehen vor der Kamera. Dort hatte er auch den ersten Kontakt mit Emu, dem bösartigen Vogel, der dann für den Rest seines Lebens zu seinem Markenzeichen wurde.

1971 zog Rod Hull nach England zurück und arbeitete an mehreren Fernsehshows mit. Da ging es immer turbulent zu, denn Rod Hulls Emu attackierte die anderen Gäste, die sicher froh waren, wenn Hull mitsamt Emu dann wieder verschwand.
Der Journalist und Radiomoderator Michael Parkinson bekam den Zorn des Tieres einmal in einer Sendung zu spüren, die damit endete, dass sich alle auf dem Boden wälzten (hier der Film). Auch Rudi Carrel lud die beiden in seine Show ein und das Ergebnis kann man sich auf dem Video unten ansehen.

Rod Hull starb schon früh am 17. März 1999 in seinem Haus in Winchelsea (East Sussex), als er dort bei einem Versuch, seine Fernsehantenne auf dem Dach zu richten, herunterfiel und sich so schwere Verletzungen zuzog, dass er daran starb.
Ich fand Rod Hull, der meistens in einer Art Tropenanzug auftrat, und seinen Emu immer sehr witzig; ein derber Humor, aber er kam beim internationalen Publikum gut an.

Hier einer seiner Auftritte im deutschen Fernsehen. und hier ist ein Besuch des Emus beim Tierarzt angesagt.

Published in: on 26. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Das Leben des Jeremy Bentham…nach seinem Tode

Jeremy Bentham (1748-1832) war der „Begründer des klassischen Utilitarismus“ und „gilt als Vordenker des Feminismus, als Vorkämpfer der Demokratie, des Liberalismus und des Rechtsstaats“, um wieder einmal die Wikipedia zu zitieren. Er war aber auch exzentrisch veranlagt und darum geht es heute in meinem Blogartikel. Der Philosoph vermachte dem Londoner University College (UCL) eine hübsche Summe Geld, unter der Voraussetzung, dass nach seinem Ableben sein Körper mumifiziert werden sollte und zwar so wie es die neuseeländischen Ureinwohner, die Maori, taten. Das University College nahm die Geldspende gern an und ging auch Benthams Wunsch nach, indem sie sein Skelett aufbewahrte, es mit seinen Kleidern umhüllte und in einem Mahagonischrank mit Glastür im South Cloister des Universitätsgebäudes aufbewahrte.
Leider gab es ein Missgeschick bei der Prozedur der Mumifizierung des Kopfes, die gründlich daneben ging, und so wurde ein Wachsmodell angefertigt, das seitdem Jeremy Benthams Körper ziert. So sitzt er nun auf einem Stuhl in seinem Schrank mit einem Hut auf dem Kopf und seinem geliebten Spazierstock in der Hand, den er Dapple nannte. Hin und wieder hat Bentham aber auch „Ausgang“ und darf seinen Schrank verlassen. So war er zum Beispiel bei der einen oder anderen Kuratoriumssitzung der UCL anwesend und saß an einem Tisch mit eigenem Tischkärtchen auf dem „Professor Jeremy Bentham“ stand.

In diesem Jahr wurde ein Wunsch des Professors erfüllt, der zu seinen Lebzeiten nie wahr werden konnte: Er ging auf Reisen nach Amerika. Im New Yorker Met Breuer Museum wurde er vom März bis jetzt in den Juli zur Schau gestellt, im Rahmen der Ausstellung „Like Life: Sculpture, Color and the Body, 1300-now”. Ich glaube, dass Mr. Bentham aber froh sein wird, wenn er wieder in London zurück ist und es sich erneut in seinem Mahagonischrank bequem machen kann.

Noch ein paar Worte zu Benthams verunstaltetem Originalkopf, der nur selten ausgestellt wird. Studenten des Londoner King’s College, Rivalen des UCL, kidnappten ihn 1975 und verlangten ein Lösegeld von £100, das an eine Wohltätigkeitsorganisation gezahlt werden sollte. Das UCL bot £10 und erhielt den Kopf zurück. Seitdem ist er an einem sicheren Ort untergebracht und vor weiteren Kidnapversuchen geschützt.

Hier ist ein Film über den Mann im Schrank.

Published in: on 23. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Streaker bei britischen Sportereignissen

Das Twickenham Stadium, wo William O’Brien und Erica Roe ihre großen Auftritte hatten.
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Streaking is the act of running naked through a public place as a prank, a dare, for publicity or an act of protest„, so definiert die Wikipedia das plötzliche Auftauchen nackter oder halbnackter Männer und Frauen, die, aus welchen Gründen auch immer, auf sich aufmerksam machen möchten, in Deutschland Blitzer oder auch Flitzer genannt. Ray Stevens widmete dieser Spezies einen Song mit dem Titel „The Streak„.

Häufig sind diese „Streaker“ bei Sportereignissen anzutreffen, in England gern auch bei Golf-, Cricket- und Rugbymatches. Im April 1974 soll erstmals ein Flitzer bei einem Rugbyspiel gesichtet worden sein. Der Australier William O’Brien rannte plötzlich bei der Begegnung England gegen Frankreich im Londoner Twickenham Stadium nackt auf den Platz. Polizisten fingen den zeigefreudigen Mann ein; ein Foto von damals zeigt wie ein Polizist seinen Helm vor die Genitalien des Mannes hält.
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Noch berühmter wurde der Auftritt von Erica Roe im Januar 1982 im selben Stadion bei dem Rugbymatch England gegen Australien. Die 25 jährige, die in einer Buchhandlung in Petersfield in Hampshire arbeitete, und zusammen mit ihrer Freundin das Spiel besuchte, zog während der Halbzeitpause ihre Bluse aus (ihre Freundin tat es ihr gleich) und rannte zur Freude der johlenden männlichen Zuschauer mit schwingenden Brüsten auf den Platz. Einige Offizielle bemächtigten sich der beiden jungen Frauen und verhüllten ihre Oberkörper mit einer Englandfahne. Merkwürdigerweise ist nur der Auftritt von Erica Roe, The Twickenham Streaker, in Erinnerung geblieben und nicht der ihrer Freundin. Hier ist ein Film von diesem Ereignis und folgendes Foto ging um die Welt.
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Erica Roe gilt nach wie vor als die berühmteste britische Flitzerin. Sie fand Nachahmer wie die 23jährige Studentin Melissa Johnson, die 1996 in Wimbledon beim Finale der Herren im Tennis für Aufsehen sorgte, als sie, nur mit einer kleinen Schürze bekleidet, auf den Platz lief. Nikki Moffat suchte sich im Juli 1997 die British Open aus, die bei dem Royal Troon Golf Club in Schottland ausgetragen wurden. Sie lief auf den Golfplatz, trug nur ein  Höschen und war am ganzen Körper wie ein Tiger bemalt, wohl um den Golfer Tiger Woods zu beeindrucken.

Published in: on 18. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  
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The Bristol Hum – Ein Brummton-Phänomen, das die Bewohner der Stadt Bristol nervt

Die M32 in Bristol. Kommt das merkwürdige Geräusch von hier?
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Im November 1989 wurde in Großbritannien die Low Frequency Noise Sufferers Association gegründet, in der sich Menschen zusammentaten, die sich von dem Brummton-Phänomen genervt fühlten, das sich in einigen Städten des Königreichs manifestierte, vor allem in Bristol im Südwesten des Landes. Der sogenannte Bristol Hum ist dort schon seit mehreren Jahrzehnten zu hören und niemand weiß, wo das Geräusch herkommt. Nicht jeder kann es hören, doch viele Bristolians stört es vor allem nachts, wenn der niederfrequente Ton deutlicher zu hören ist. Er ist auch nicht ständig da, manchmal herrscht eine Zeit lang Ruhe und dann ist das Geräusch plötzlich wieder zu hören.

Die Behörden der Stadt haben schon alles Mögliche unternommen, um dem Phänomen auf die Spur zu kommen, auch Wissenschaftler haben sich darüber den Kopf zerbrochen und die unterschiedlichsten Theorien aufgestellt, aber bis heute gibt es noch keine endgültige Auflösung des Rätsels. Hier sind einige dieser Theorien:

Französische Wissenschaftler, die sich auf die Spur des Bristol Hums gesetzt haben, sind der Überzeugung, dass sich das Phänomen durch  Wellen auf dem Boden des Meeres erklären lässt, durch die eine Vibration erzeugt wird.

Windparks in der Umgebung der Stadt, die Autobahn M32 und Hochspannungsleitungen wurden als Verursacher ins Gespräch gebracht.

Einem großen Lüfter auf einem Industriegelände in Avonmouth schob man die Schuld in die Schuhe, und als dieser abgeschaltet wurde, herrschte eine Weile Ruhe, doch dann war das Geräusch wieder zu hören.

Dann kam man auf die Idee, dass das Brummton-Phänomen gar nicht existiert, und dass diejenigen, die das Geräusch hören, unter Tinnitus leiden.

Ist etwa das Filton Aerodrome schuld, auf dem British Aerospace geheime Forschungen betreibt?

Eine recht absonderliche Theorie ist die, dass riesige Schwärme des Nördlichen Bootsmannfisches verantwortlich sein sollen und zwar durch die Paarungsgeräusche der Männchen und Weibchen, die es gern laut beim Sex haben.

Ich habe hier zwei Beispiele für den Bristol Hum, so dass sich jeder seine eigene Meinung bilden kann, was dieses Geräusch wohl bedeuten mag: Beispiel 1 und Beispiel 2.

Windräder in Avonmouth bei Bristol. Auch die können eigenartige Geräusche verursachen.
Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)

Der Nördliche Bootsmannfisch: Sind er und seine Artgenossen und -genossinnen schuld am Bristol Hum?
This work is in the public domain.

 

Published in: on 5. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Two Mice Eating Cheese – Londons kleinste Skulptur im Philpot Lane

Die Londoner Straßen Eastcheap und Philpot Lane werden von dem riesigen hässlichen Hochhaus beherrscht, dessen Adresse 20 Fenchurch Street lautet, das aber überall auf Grund seiner Form The Walkie Talkie genannt wird. Gegenüber diesem Gebäude wirken alle anderen winzig klein, dabei sind einige in den beiden oben genannten Straßen viel schöner anzusehen, zum Beispiel die Hausnummer 23 Eastcheap, ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude aus der viktorianischen Zeit, in dem Mitte des 19. Jahrhunderts die Gewürzhändler Hunt & Crombie ihre Geschäftsräume hatten.

Das Eckhaus auf der Seite zum Philpot Lane hin, verfügt über eine Besonderheit: An der Wand etwas oberhalb des Erdgeschosses, in dem eine Filiale der Ladenkette Joe & The Juice untergebracht ist, findet sich Londons kleinste Skulptur, die den Namen The Two Mice Eating Cheese trägt. Man muss schon die Augen nach oben richten, um die beiden Mäuse und das Stück Käse zu sehen, sonst läuft man achtlos daran vorbei.

Es gibt mehrere Versionen, was das zu bedeuten hat. Die am häufigsten erzählte, ist diese:

Beim Bau des Monuments, jener 62 Meter hohen Säule, die an den Großen Brand von London im Jahr 1666 erinnert, und die in den 1670er Jahren errichtet worden war, soll es zu einem Zwischenfall in luftiger Höhe gekommen sein. Zwei Bauarbeiter hatten dort oben eine Pause eingelegt, wobei es zu einem Streit um ein Sandwich kam. Der eine Arbeiter bezichtigte den anderen, er hätte sich an seinem mit Käse belegten Sandwich vergangen und dieses halb aufgegessen, was der Beschuldigte weit von sich wies. Es kam zu einem Gerangel, wobei die Streithähne vom Monument fielen und dabei zu Tode kamen. Erst später stellte sich heraus, dass es Mäuse waren, die sich in einem unbeobachteten Moment über das belegte Brot hergemacht hatten. In Erinnerung an die beiden zu Tode gestürzten Männer soll die „Maus-Käse-Skulptur“ an dem Haus Eastcheap/Philpot Lane angebracht worden sein.

Die zweite Version ist ähnlich, nur mit dem Unterschied, dass der Streit um das halb aufgegessene Sandwich nicht auf dem Monument, sondern auf einem Gerüst beim Bau eben jenes Gebäudes stattfand, an dem die Mini-Skulptur angebracht ist.

Was auch immer stimmt oder nicht stimmt, ich finde dieses kleine Kunstwerk schön.

23 Eastcheap.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Schauplatz des tragischen Sandwich-Zwischenfalls: The Monument.
Photo © Graham Horn (cc-by-sa/2.0)

Die World Snail Racing Championships in Congham (Norfolk)

 

Jedes Jahr im Juli werden in Congham, in der Nähe von King’s Lynn (Norfolk), die World Snail Racing Championships ausgetragen und das schon seit den 1960er Jahren. In diesem Jahr ist es wieder am 21. Juli soweit, wenn an die 200 Rennschnecken auf einem Cricketfield in dem Dörfchen Congham an den Start gehen. Viel gibt es über das Dorf nicht zu sagen, außer, dass hier ein sehr schönes Hotel steht, Congham Hall, das sich als Übernachtungsort anbietet für weitgereiste Zuschauer des Schneckenrennens.

Die Rennstrecke beträgt 33 cm und der Weltrekord steht seit 1995 bei exakt 2 Minuten, gehalten von der Schnecke Archie. Vor dem Start werden die Rennschnecken mit Nummern versehen und der Startruf heißt „Ready…Steady…Slow„. Im vorigen Jahr gewann die Schnecke Larry mit einer Zeit von 2 Minuten und 47 Sekunden. Wie es bei den Championships genau zugeht, zeigt dieser Film.

„Congham is to snail racing what Newmarket is to horse racing“, so die Worte einer Organisatorin des Rennens. Es gibt noch weitere Schneckenrennen in England, so passenderweise eines in der Ortschaft Snailwell in Cambridgeshire, wo jedes Jahr im Rahmen der Snailwell Medieval Fayre das „Grand Championship Snail Race“ ausgetragen wird.

Congham Hall Hotel.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 13. Juni 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Knockin Shop in Knockin (Shropshire) – Dorfladen oder Bordell?

Viele Leute, die mit ihrem Auto auf der B4396 in dem kleinen Dorf Knockin, nordwestlich von Shrewsbury in Shropshire, am Dorfladen vorbeifahren, haben ein Grinsen auf dem Gesicht. Warum?

Von außen gesehen, ist an dem Haus nichts besonders Lustiges festzustellen. Es ist eben ein Dorfladen mit angeschlossenem Postamt und Zeitungsverkauf; einige Tische und Stühle stehen vor der Tür, dort kann man seinen Kaffee trinken, seine Pastete oder ein Eis essen; also nichts Spektakuläres…wenn da nicht der Name auf dem Schild wäre! Ein Dorfladen in einem Dorf, das Knockin heißt, wird eben The Knockin Shop genannt…und dieser Begriff ist doppeldeutig. Hier die Erklärung des Begriffes im Free Dictionary:“a house or other place where men pay to have sexual intercourse with prostitutes„; ein Knocking Shop ist also nichts anderes als ein Bordell. Ich kann mir also gut vorstellen wie die (männlichen) Dorfbewohner gefeixt haben, als sie seinerzeit das Schild an ihren Dorfladen hängten!

Der angeschlossene Friseursalon sollte nach Willen des derzeitigen Besitzers in einen Fish & Chips-Laden umgewandelt werden, doch dagegen sträubten sich die Dorfbewohner und auch der Gemeinderat war dagegen. Nach wie vor ist das Postamt und die Tourist Information in dem Gebäude untergebracht.

Published in: on 29. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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