Wer war eigentlich…Samuel Ryder, der den Ryder Cup aus der Taufe hob?

 

Der Ryder Cup. Author: Dan Perry. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Der Ryder Cup.
Author: Dan Perry.
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In der Welt des Golfsports ist das alle zwei Jahre stattfindende Turnier, das den Namen Ryder Cup führt, ein wichtiges Ereignis. Die Crème de la Crème der Golfer Europas tritt gegen die Besten aus den Vereinigten Staaten an. Ausgetragen wird es abwechselnd auf Golfplätzen in Europa und in den USA. Das letzte Turnier fand vom 27. September bis zum 2. Oktober 2016 in Chaska in Minnesota statt, gewonnen von den USA. Erstmals wurde der Ryder Cup im Jahr 1927 in Worcester in Massachusetts ausgetragen und ebenfalls von der amerikanischen Mannschaft gewonnen.

Woher kommt nun der Name Ryder Cup?
Dahinter steckt ein wohlhabender Mann namens Samuel Ryder (1858-1936) aus St Albans in Hertfordshire, der sein Vermögen durch das Versenden von Pflanzensamen in kleinen Tütchen erwarb. Der in Preston (Lancashire) geborene Samuel Ryder hatte die Idee, gemeinsam mit seiner Frau, von ihrer Wohnung in der Folly Lane in St Albans aus, Samen von allen möglichen Pflanzen zu einem Einheitspreis in das ganze Königreich zu verschicken. Sie machten alles selbst, sie erstellten die Kataloge und füllten die Tütchen mit dem Samen in ihrem Gartenschuppen ab. Das Geschäft florierte und so zogen Mr und Mrs Ryder mehrfach in größere Räumlichkeiten in der Stadt um; schließlich endeten sie in der Straße Holywell Hill, wo Samuel Ryder 1911 ein Verwaltungsgebäude errichten ließ (in dem sich heute das Hotel The White Hart befindet). Der gleiche Architekt baute Jahre später direkt daneben die Seed Hall, in der man sich die Pflanzen auch ansehen konnte, die aus dem Tütchensamen entsehen sollten. In diesem sehr ansehnlichen Haus in der Nummer 29 Holywell Hill befindet sich heute das Café Rouge, ein französisches Restaurant.

Als Samuel Ryder 50 Jahre alt wurde, bekam er Probleme mit seiner Gesundheit und sein Hausarzt empfahl ihm, zu seiner Entspannung Golf zu spielen. Er trat dem Verulam Golf Club bei und so ergab es sich im Laufe der Zeit, dass die Idee eines Golfturniers in ihm keimte. Als Trophäe des sogenannten Ryder Cups gestaltete die renommierte in Sheffield (später in London) ansässige Firma Mappin&Webb einen Pokal, der damals £250 kostete. Als Modell für den Golfspieler auf dem Deckel des Pokals diente Ryders Golflehrer Abe Mitchell, der später auch an einigen Turnieren teilnahm.
Hier ist ein alter Film aus dem Jahr 1929, in dem Samuel Ryder eine Rede hält.
Samuel Ryder starb am 2. Januar 1936 und wurde auf dem Hatfield Road Cemetery in St Albans beigesetzt.

Das Buch zum Artikel:
Peter Fry: Samuel Ryder – The Man Behind the Ryder Cup. Wright Press 2010. 145 Seiten. ISBN 978-0953908714.

Links steht Samuel Ryders ehemaliges Verwaltungsgebäude, rechts die frühere Seed Hall in der Straße Holywell Hill.   © Copyright Ian Capper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Links steht Samuel Ryders ehemaliges Verwaltungsgebäude, rechts die frühere Seed Hall in der Straße Holywell Hill.
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Samuel Ryders Grab   © Copyright Ian Capper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Samuel Ryders Grab auf dem Hatfield Road Cemetery in St Albans.
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Published in: on 20. Oktober 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wer war eigentlich… James Pimm, der Erfinder des nach ihm benannten Likörs?

James Pimm. This work is in the public Domain.

James Pimm.
This work is in the public Domain.

Was wäre ein Tennisturnier in Wimbledon, die Ruderregatta in Henley-on-Thames oder die Opernfestspiele in Glyndebourne ohne Pimm’s No.1, jenem vor allem in England legendären Kräuterlikör, der gern als Cocktail Pimm’s No. 1 Cup getrunken wird? Den Besuchern würde ein wesentliches Element dieser gesellschaftlichen Ereignisse fehlen. Allein in Wimbledon werden pro Turnier rund 230 000 Gläser verkauft. In Deutschland dagegen hat dieses auf Gin basierende Getränk mit 25 % Alkohol nie so richtig Fuß fassen können.

Der Mann, der den Likör erfunden hat, James Pimm, stammt aus Kent und wurde 1792 in Newnham geboren, ein Dorf, das südwestlich von Faversham an der M2 liegt. Nach dem Besuch der Universität von Edinburgh kehrte Mr. Pimm nach Kent zurück, heiratete dort Mary Southernden Mallery und hatte die Idee, seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Austern in London zu verdienen. Er eröffnete in der Nähe der Bank of England eine Austernbar, die von den Geschäftsleuten in der Umgebung aufgesucht wurde und bot zu den Schalentieren einen Likör an, dessen Zutaten er sich ausgedacht hatte und der in einem Krug serviert wurde; das Ganze nannte sich dann No. 1 Cup. Schnell entwickelte sich das Getränk zu einem Favoriten, andere Londoner Bars und Restaurants orderten Mr Pimms Likör und im Jahr 1851 wurde das ginhaltige Getränk in großem Stil produziert.

1865 verkaufte James Pimm seine Firma und die Rechte an dem Namen „Pimm’s“ und zog sich in sein geliebtes Kent zurück. Er wohnte in Pimm’s Place in East Peckham, östlich von Tonbridge an der A228. Dort in der Bush Road, nur ein paar Schritte vom Pub „Bush, Blackbird & Thrush“ entfernt, den es noch heute gibt, verbrachte er seine letzten Lebensjahre. Am 16. August 1866 starb James Pimm, zwei Jahre nach seiner Frau in East Peckham. Beerdigt wurden beide in der Kirche Holy Trinity, die am Ende der Bush Road liegt, dort, wo sie auf den Church Lane trifft.

Man kennt James Pimms Likör fast immer nur in der Version Pimm’s No.1, dabei gibt es noch weitere:
Pimm’s No.2 basiert auf Scotch Whiskey
Pimm’s No.3 basiert auf Brandy
Pimm’s No.4 basiert auf Rum
Pimm’s No.5 basiert auf Rye Whisky
Pimm’s No.6 basiert auf Wodka

Die meisten von diesen Sorten werden zurzeit nicht hergestellt. Besitzer der Pimm’s Liköre ist heute die Firma Diageo, der weltweit größte Hersteller von Spirituosen mit Sitz in London.

Wie ein richtiger Pimm’s No.1 Cup hergestellt wird, zeigt dieser Film.

Holy Trinity in East Peckham (Kent). Letzte Ruhestätte von James Pimm.   © Copyright Marathon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Holy Trinity in East Peckham (Kent). Letzte Ruhestätte von James Pimm.
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Published in: on 27. Februar 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wer war eigentlich…Molton Brown, der Hersteller von edlen Pflege- und Kosmetikprodukten?

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Man findet die Pflege- und Kosmetikprodukte der Londoner Firma Molton Brown in Edelkaufhäusern und Spitzenhotels, und selbst die Queen weiß die „Toiletries“ der Firma zu schätzen. Im Jahr 2013 wurde Molton Brown zum offiziellen Hoflieferanten ernannt.

Erst 1973 wurde Molton Brown als Friseursalon gegründet, über dem man damals schon Haarpflegeprodukte selbst herstellte. Einen Firmengründer mit dem Namen Molton Brown gab es nie; der Name setzt sich zusammen aus:
Molton„, einem Teil des Londoner Straßennamens South Molton Street. Diese Straße verläuft im Stadtteil Mayfair zwischen der Davies Street und der Brook Street, heute eine Fußgängerzone. Hier stand damals der Salon.
Brown„, der Name des Modegeschäfts „Brown’s“ in der selben Straße, dass den Eltern der Salonbesitzerin Caroline Burstein gehörte, und das noch heute existiert.

Molton Brown ist schon seit zehn Jahren kein Familienbetrieb mehr, sondern wurde 1975 von dem japanischen Kosmetikkonzern Kao Corporation übernommen. 1986 ging die Firma mit der Produktion ihrer Kosmetikartikel in ein altes Cottage nach Hertfordshire, wo es aber bald zu eng wurde. Zehn Jahre später siedelte Molton Brown in ein wesentlich größeres Firmengebäude um. Der neue Standort liegt im Industriepark Elsenham Meadows, direkt am Flughafen Stansted Airport.

In den 1990er Jahren machte die damals noch unbekannte Kate Moss Werbung für Produkte der Firma Molton Brown.

Die Produktpalette umfasst u.a. Shampoo, Body Lotion, Seife, Eau de Toilette, Handcreme usw. usw. Molton Brown besitzt eine Kette von eigenen Läden in ganz Großbritannien; auch in Deutschland kann man die Kosmetikartikel kaufen, z.B. im Hamburger Alsterhaus, im Berliner KaDeWe, aber auch in den Filialen der Parfumeriekette Douglas.

Hier ist ein Werbspot der Firma Molton Brown.

Die South olton Street in Mayfair.   © Copyright Peter Barr and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die South Molton Street in Mayfair.
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Das Dorfschild von Elsenham (Essex); hier werden die Produkte der Firma Molton Brown hergestellt.    © Copyright Bikeboy and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Dorfschild von Elsenham (Essex); hier werden die Produkte der Firma Molton Brown hergestellt.
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Published in: on 7. Februar 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Wer war eigentlich…Mr. Clinton von der Firma Clinton Cards?

Der erste Clinton Cards-Laden in der High Street von Epping (Essex).   © Copyright David Howard and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der erste Clinton Cards-Laden in der High Street von Epping (Essex).
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Geht man die High Street irgendeiner beliebigen englischen Stadt entlang, wird man (fast) überall mit dem gleichen Bild konfrontiert: Links ein Tesco Express, rechts eine Boots-Drogerie, links ein Iceland-Laden für Tiefkühlkost, rechts ein W.H. Smith, links ein Curry’s Shop für Elektroartikel usw. usw. Clinton Cards-Läden reihen sich da nahtlos in die High Street-Galerie ein. Seit einiger Zeit wurde aus Clinton Cards die Firmenbezeichnung „Clintons„. In diesen Kettenläden wird man fündig, wenn man Grußkarten, Geschenkartikel, Kuscheltiere usw. sucht, die hier in großer Zahl vorrätig sind.

Einen Firmengründer namens Clinton gab es übrigens nicht. Don Lewin, Sohn eines Schornsteinfegers, steckt hinter der Geschäftsidee, ein Londoner, der 1968 in der High Street von Epping in Essex seinen ersten Laden für Grußkarten eröffnete und ihn Clinton Cards nannte, nach dem Vornamen seines Sohnes. 20 Jahre später besaß er schon 87 Läden, ging an die Börse und kaufte in großem Stil andere Firmen auf, die ebenfalls Grußkarten verkauften. Im Jahre 2004 bestand die Kette Clinton Cards aus 800 Filialen, die in ganz Großbritannien und Irland verteilt und auf fast jeder High Street zu finden waren.

2012 geriet das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten und musste Insolvenz anmelden. Die Konkurrenz der Supermärkte und des Internets war zu übermächtig geworden. Fast die Hälfte aller Läden wurde geschlossen, die anderen übernahm eine amerikanische Firma, die aus Clinton Cards „Clintons“ machte, mit einem neuen Logo. Nach und nach werden die verbliebenen Läden modernisiert und mit einem zeitgemäßeren Angebot bestückt. Am 24. Juli 2012 wurde der erste Clintons-Laden mit dem New Look in der City  von London in der Straße Cheapside eröffnet.

Der 1933 geborene Firmengründer Don Lewin hat für seine Verdienste den Order of the British Empire erhalten und 2008 eine Autobiografie geschrieben, der er den Titel „Think of a Card“ gab.

Hier ist ein Film über die Probleme, denen sich Clinton Cards 2012 gegenübersah.

Clinton Cards, noch mit dem früheren Logo, in Andover (Hampshire).   © Copyright Chris Talbot and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Clinton Cards, noch mit dem früheren Logo, in Andover (Hampshire).
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...und ein Laden im New Look in der Commercial Street in Leeds. Author: Mtaylor848. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

…und ein Laden im New Look in der Commercial Street in Leeds.
Author: Mtaylor848.
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Wer war eigentlich…Tesco? – Einige Anmerkungen über die Anfänge

Die Watling Avenue in Burnt Oak, wo der Tesco-Siegeszug begann.    © Copyright Stacey Harris and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Watling Avenue in Burnt Oak, wo der Tesco-Siegeszug begann.
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Tesco ist eine der großen Supermarktketten Großbritanniens, verantwortlich gemacht für den Niedergang unzähliger kleiner Einzelhändler in den Dörfern und Kleinstädten des Landes. In der letzten Zeit ist Tesco in ein unruhiges Fahrwasser geraten, denn die Kette wird von den beiden deutschen Discountern Aldi und Lidl gnadenlos gejagt, was schon dazu geführt hat, dass mehrere Tesco-Projekte abgeblasen und Filialen geschlossen werden mussten.

Was bedeutet Tesco eigentlich? Ist es ein Kunstwort? Gibt es jemanden der Tesco heißt? Nein, der Name geht zum einen auf den Firmengründer Jack Cohen (1898-1979) zurück, der 1919 in London einen Marktstand eröffnete, zum anderen auf seinen Teehandelspartner Thomas Edward Stockwell. Dessen Initialen und Cohens erste beiden Buchstaben ergaben das Wort Tesco.

1929 eröffnete Cohen seinen ersten Laden mit dem Namen Tesco in der Nummer 9 Watling Avenue im Londoner Stadtteil Burnt Oak; gleich um die Ecke am Burnt Oak Broadway findet man den heutigen Tesco-Store.

1948 wurde in St Albans in Hertfordshire der erste Tesco-Laden mit Selbstbedienung installiert und in Maldon in Essex erblickte 1958 der erste richtige Supermarkt in einem ehemaligen Kino das Licht der Welt, mit einer Fleisch- und einer Käsetheke, an der man bedient wurde. Der Markt lag an der High Street, dort, wo sich jetzt eine Filiale der Iceland-Kette befindet. Maldons heutiger Tesco ist natürlich überhaupt kein Vergleich mehr mit dem in den 1950er Jahren. Tesco Malden Extra hat an vier Tagen in der Woche sogar rund um die Uhr geöffnet, an zwei Tagen bis 24 Uhr und sonntags von 10 Uhr bis 16 Uhr.

Hier ist ein Film über Jack „Slasher“ Cohen.

Das heutige Tesco im Londoner Stadtteil Burnt Oak.    © Copyright Stacey Harris and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das heutige Tesco im Londoner Stadtteil Burnt Oak.
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Tesco in Maldon Essex).    © Copyright John Firth and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Tesco in Maldon (Essex).
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Published in: on 5. August 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wer war eigentlich… Ladbrokes?

Ein Wettbüro von Ladbrokes in Dorchester (Dorset).    © Copyright Basher Eyre and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Wettbüro von Ladbrokes in Dorchester (Dorset).
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Geht man irgendwo in England eine High Street entlang, so findet man dort links und rechts der Straße wohlbekannte Namen von Kettenläden; da sind H. Samuel, der Juwelier, W.H. Smith, wo man Bücher und Papierwaren kaufen kann, Boots, die Drogeriekette, The Body Shop, wo Produkte für die Schönheit angeboten werden usw. usw.
Des weiteren sind auf vielen High Streets die Büros der Fa Ladbrokes angesiedelt. Die weiße Schrift auf rotem Untergrund weist auf diese Kette hin, in der sich Englandbesucher vom Kontinent wohl eher nicht blicken lassen. Bei Ladbrokes handelt es sich um einen Wettanbieter und den weltweit größten Buchmacher.

Wer war denn dieser Mr. Ladbroke, nachdem das Unternehmen benannt ist? Nun, es gibt gar keinen Firmengründer mit diesem Namen. Die Anfänge der Firma gehen auf den Ortsnamen Ladbroke zurück, ein Dorf in Warwickshire (nicht in Worcestershire wie es in der Wikipedia unter „Ladbrokes“ steht!) an der A423 Coventry-Banbury. Von der Church Street geht hier eine kleine Zufahrt ab, die zur Ladbroke Hall führt, ein Country House aus dem 18. Jahrhundert, in dem Ende des 19. Jahrhunderts ein gewisser W.H. Schwind wohnt, der auf dem Gelände Pferde trainiert. Sein Partner, ein Mr. Pennington, schließt auf die Pferde von Ladbroke Hall Wetten ab und macht dabei gute Geschäfte. 1902 stößt Arthur Bendir zu dem Duo und schlägt vor, nicht nur Wetten abzugeben, sondern sie auch anzunehmen. Gesagt, getan, die Wettfirma wird 1902 gegründet, und da Mr. Bendir bei seinem ersten Besuch in Ladbroke Hall einen Wegweiser gesehen hatte, der auf das Herrenhaus hinwies, macht er den Vorschlag, die neue Firma Ladbrokes zu nennen, womit seine beiden Partner einverstanden sind.

Da man das Unternehmen aber nicht vom ländlichen Warwickshire aus führen wollte, geht man nach London, wo man sich in erster Linie um die wohlhabende Klientel der britischen Oberschicht kümmert, die ihre Wetten vornehmlich bei Ladbrokes abschließen.

Heute residiert das Hauptquartier von Ladbrokes im Imperial House in Harrow im Nordwesten Londons in einem großen, nicht sehr schönen Gebäude am Imperial Drive. 13 000 Beschäftigte sorgen dafür, dass die Lust der Briten auf Wetten aller Art befriedigt wird. Der Umsatz im Jahr 2013 betrug immerhin 1,1 Milliarden Pfund Sterling.

Hier ist ein Werbespot der Firma Ladbrokes.

Das Dorf Ladbroke in Warwickshire gab dem Wettunternehmen den Namen.    © Copyright Michael Patterson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Dorf Ladbroke in Warwickshire gab dem Wettunternehmen den Namen.
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Published in: on 14. September 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wer war eigentlich… Egon Ronay?

Ronay

Mit “Egon Ronay’s Guide to British Eateries” begann 1957 die Karriere des gebürtigen Ungarn Egon Ronay als unbestrittener König der Restaurantkritiker in Großbritannien. Diesen noch recht schmalen Restaurantführer schrieb er damals selbst und erzielte damit eine Auflage von immerhin 30 000 Exemplaren. Ronay wollte zeigen, dass es auch auf den britischen Inseln gute und empfehlenswerte Restaurants gab, trotz des schlechten Rufs der britischen Küche. Bald konnte Ronay die Aufgaben nicht mehr allein bewältigen und so engagierte er ein Heer von Sachverständigen, die die Restaurants unter die Lupe nahmen und ihre Bewertungen, ähnlich wie beim  Michelin-System, abgaben. Egon Ronays Kritiken galten in der kulinarischen Szene so viel, dass sie über den Aufstieg oder den Abstieg eines Restaurants entscheiden konnten. Viele der heutigen Spitzenköche haben dem Restaurantführer einiges zu verdanken; Ronay kritisierte aber auch den einen oder anderen unter ihnen und warf ihnen vor, dass sie mehr Geschäftsleute als Köche seien. Damit hatte er sicher recht, denn wenn man sich z.B. einmal die Fernsehpräsenz von Großbritanniens Spitzenköchen ansieht, so fragt man sich, ob die überhaupt noch in den Küchen ihrer Restaurants zu finden sind, denn viele von ihnen besitzen ja nicht nur ein einziges Lokal.

Egon Ronay wurde 1915 in Budapest geboren und emigrierte 1946 nach London, wo er ein Restaurant eröffnete; später schrieb er eine Kolumne im Daily Telegraph, die so etwas wie ein Sprungbrett für seine Tätigkeit als professioneller Restaurantkritiker war. Seine Führer erschienen über viele Jahre, zuletzt tat er sich mit dem Royal Automobile Club zusammen und veröffentlichte 2005 „Egon Ronay’s RAC Guide to the Top 200 Restaurants in the UK.” Doch die Konkurrenz auf dem Markt der Restaurantführer war so groß geworden, dass die „Ronay’s“ bald darauf eingestellt wurden.

Egon Ronay starb am 12. Juni 2010 in seinem Haus in der Nähe von Yattendon in Berkshire. Seine Beerdigung fand am 22. Juni auf dem Friedhof von St Peter and St Paul in Yattendon statt.

Das Buch zum Artikel:
„Egon Ronay: The Man Who Taught Britain How To Eat“. Hrsg. von Peter Bazalgette. Newbaz 2011. 136 Seiten. ISBN 978-0957046009.

Hier auf dem Kirchhof von St Paul and St Peter in Yattendon fand Egon Ronay seine letzte Ruhestätte.    © Copyright Graham Horn and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier auf dem Kirchhof von St Peter and St Paul in Yattendon fand Egon Ronay seine letzte Ruhestätte.
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Published in: on 30. März 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wer war eigentlich… Tim Waterstone, nach dem die Buchhandelskette benannt wurde?

Waterstones in der High Street in Kensington.    © Copyright R Sones

Waterstones in der High Street in Kensington.
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Bei einem Besuch einer größeren englischen Stadt gehe ich gern in eine der Filialen der Waterstones-Buchhandelskette, von denen es zurzeit 288 geben soll. Hier ist alles schön übersichtlich angeordnet und die Auswahl ist beachtlich. Das Waterstones-Flaggschiff liegt in London mit der Adresse 203-206 Piccadilly, ein sechsstöckiges Gebäude mit ca 13 Kilometern Regalfläche.

Gegründet wurde die Buchhandelskette 1982 von dem 1939 in Schottland geborenen Tim Waterstone, der vorher im Brauereigewerbe und dann bei W.H. Smith gearbeitet hatte. Als man ihn dort entließ, eröffnete er in der Old Brompton Road in Kensington seine erste Buchhandlung. Waterstone legte Wert auf Fachpersonal und auch das Bücherangebot sollte sich, z.B. im Gegensatz zu dem von W.H. Smith, durch mehr Qualität und eine größere Bandbreite abheben. Das Konzept ging auf und Tim Waterstone expandierte. 1993 wurde die Buchhandelskette von W.H. Smith übernommen, Waterstone blieb aber an Bord.

1998 verkaufte W.H. Smith Waterstones für £300 Millionen an HMV, die bereits eine andere Buchhandelskette, nämlich Dillons, übernommen hatten. Bis zum Jahr 2011 blieb Waterstones bei HMV, dann wurden die Buchhandlungen an die Firma A&NN Capital Fund Management weiterverkauft, die dem russischen Geschäftsmann Alexander Leonidovich Mamu gehört.

Tim Waterstone war bereits 2001 ausgestiegen und widmete sich anderen Aufgaben. Er schrieb vier Romane (zwei liegen in deutscher Übersetzung vor: „Lilley und Chase. Aufstieg und Fall eines Verlagshauses“ und „Lebensläufe“), wirkte bei der Vergabe des Booker Prizes mit, ist bis heute Kanzler der Edinburgh Napier University usw. usw. Über Langeweile wird sich Tim Waterstone sicher nicht beklagen.

Verheiratet ist er mit Rosie Allison, einer Fernsehproduzentin und Schriftstellerin.

Waterstones in Bradford.    © Copyright Stephen Craven

Waterstones in Bradford (West Yorkshire).
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Published in: on 24. Juni 2013 at 02:00  Comments (2)  
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Wer war eigentlich…Claridge (der Gründer des Londoner Hotels Claridge’s)?

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In meinem Blog habe ich schon einmal die Bar des Londoner Hotels Claridge’s vorgestellt, die über 1500 Champagnersorten vorrätig hat. Nach wem wurde das Hotel in der Brook Street denn nun benannt?

William Claridge war Mitte des 19. Jahrhunderts Butler in einem sehr vornehmen Haushalt, der einiges von seinem Verdienst beiseite legte, bis er genug zusammen hatte, um sich ein kleines Hotel in der Brook Street im Londoner Stadtteil Mayfair kaufen zu können. Bald darauf, im Jahr 1854, erwarb er auch das angrenzende, sich über mehrere Gebäude hinziehende Edel-Hotel Mivart’s. Schon 1860 galt das „Claridge’s“ als eines der besten Hotels der Stadt. Aus Gesundheitsgründen musste William Claridge sein Haus aufgeben, und er verkaufte es an ein Konsortium, das aber den persönlichen Service, den man gewohnt war, nicht aufrechterhalten konnte.

1895 wurde es von Richard D’Oyly Carte, dem schon das Savoy gehörte, übernommen und von Grund auf umgestaltet. Das „Claridge’s“ war ein Treffpunkt für Adel und Prominenz. Queen Victoria und ihr Mann Prince Albert waren hier schon 1860 zu Gast. Während des 2. Weltkriegs lebten die Könige von Norwegen, Griechenland und Jugoslawien in dem Hotel im Exil. In der Suite 212 wurde 1945 der Sohn des jugoslawischen Königs geboren und Winston Churchill erklärte kurzerhand die Suite zu jugoslawischem Territorium, so dass der spätere Thronerbe behaupten könne, er sei auf jugoslawischem Boden geboren.
Der Schauspieler Spencer Tracy sagte einmal, er würde lieber nach seinem Tode ins „Claridge’s“ gehen statt in den Himmel (wenn er denn die Wahl hätte).

Über das Hotel wäre noch sehr viel mehr zu sagen; über William Claridge ist leider nicht allzuviel bekannt.
In diesem Film stellt sich das „Claridge’s“ selbst vor.

Das Buch zum Artikel:
Gemma Levine: Claridges – Within the Image. Collins 2004. 224 Seiten. ISBN 978-0007179831.

Wer war eigentlich…Selfridges?

Selfridges an der Londoner Oxford Street. - © Copyright Martin Addison and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

In der Hierarchie der Londoner Edel-Warenhäuser, die von Harrods angeführt wird, steht an zweiter Stelle Selfridges, das in der Oxford Street beheimatet ist.
Woher kommt denn der Name Selfridges?

Harry Gordon Selfridge (1864-1947) war der Gründer des Kaufhauses und er war Amerikaner, der im US-Bundesstaat Wisconsin geboren wurde. In Chicago sammelte Selfridge Erfahrung in der Warenhauskette Marshall Field, in der er die Karriereleiter emporkletterte und sich ein beträchtliches Vermögen erwarb. Von ihm soll der Spruch „Der Kunde hat immer recht“ stammen.

1906 reiste Selfridge nach London und stellte fest, dass es in der britischen Haupstadt kein, nach seinen Vorstellungen, „vernünftiges“ Kaufhaus gab. Also investierte er £400,000 und baute an der Oxford Street ein Warenhaus, das, basierend auf seinen Erfahrungen aus den USA, neue Maßstäbe setzen sollte.

Am 15. März 1909 wurde Selfridges eröffnet, mit Neuerungen, die es in Großbritannien bis dahin nicht gab: Das Haus offerierte elegante Restaurants, eine Bibliothek, Lese- und Schreibzimmer und man tat alles, damit sich die Kunden wohl fühlten und möglichst lange im Haus blieben, um natürlich für entsprechenden Umsatz zu sorgen.

Das Kaufhaus an der Oxford Street florierte, erlebte aber auch seine dunklen Zeiten; so wurde es im 2. Weltkrieg mehrfach von Bomben getroffen und schwer beschädigt. Sein Gründer, der bereits in der Weltwirtschaftskrise in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, starb 1947 in London fast mittellos und wurde in Highcliffe (Dorset) im St Marks Churchyard begraben; dort hatte Selfridge früher jahrelang im Highcliffe Castle gewohnt.

Heute gibt es neben dem Flagschiff an der Oxford Street noch drei weitere Selfridges, in Birminghams Bullring Shopping Centre und zwei in Manchester, einmal im Exchange Square und einmal im Trafford Centre.

Dieser Film zeigt das Haupthaus in London.

Selfridges
400 Oxford Street
London
W1H 6HB
Tel. 0800 123400

Das Buch zum Artikel:
Lindy Woodhead: Shopping, Seduction & Mr Selfridge. Profile Books 2008. 336 Seiten. ISBN 978-1861971692.

Harry Gordon Selfridge. - This image is in the public domain because its copyright has expired.

Selfridges im Trafford Centre in Manchester. - The copyright holder releases this work into the public domain.

Published in: on 19. März 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wer war eigentlich…Aston Martin?

Gedenktafel am Aston Hill, wo die Sportwagenlegende Aston Martin ihren Ursprung hat. - © Copyright Chris Reynolds and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Aston Martin ist  ein britischer Sportwagenhersteller, dessen Fahrzeuge heute einen Vergleich mit italienischen Produkten nicht zu scheuen brauchen.

Die Firma hat ihr Hauptquartier in Warwickshire und zwar in dem kleinen „Autodorf“  Gaydon bei Leamington Spa. „Autodorf“, weil neben der Firma Aston Martin das Jaguar Land Rover Gaydon Centre liegt, das Entwicklungszentrum der Autoproduzenten Jaguar und Land Rover. Außerdem gibt es hier das Heritage Motor Centre, ein Automuseum.

Der Name „Aston Martin“ wurde aus einem Personen- und einem Ortsnamen zusammengesetzt. Lionel Martin (1878-1945) war zusammen mit Robert Bamford der Firmengründer im Jahr 1913. Aus Bamford & Martin wurde aber bald „Aston Martin“, wobei das „Aston“ von Aston Hill bei Aston Clinton in Buckinghamshire kommt, eine Bergrennstrecke, die Lionel Martin seinerzeit befuhr. Lionel Martin über die Entstehung des Namens:
„Wir hatten alle Blumen, wilden Tiere, Vögel und Fische, die wir kannten, durch, und dachten über Ortsnamen nach. Da mein Singer kürzlich beim Bergrennen von Aston Clinton ein paar Punkte geholt hatte, entschieden wir begeistert, den ersten Teil dieses Namens zu verwenden und meinen bescheidenen Familiennamen dranzuhängen“ (Wikipedia).

Robert Bamford hatte im Laufe der Zeit das Interesse an der Firma verloren und das Unternehmen verlassen. Lionel Martin tat sich daraufhin mit dem Rennfahrer Graf Lou Zborowski zusammen, doch nachdem dieser bei einem Rennen 1924 in Monza tödlich verunglückte, geriet Martin in finanzielle Schwierigkeiten, und auch er zog sich aus der Firma zurück.

Am 14. Oktober 1945 starb Lionel Martin bei einem Verkehrsunfall im Londoner Stadtteil Kingston. Er war auf einem Fahrrad unterwegs; Fahrräder waren nach dem Bau von Sportwagen seine zweite Leidenschaft geworden.

Hier ist ein Film über den Aston Martin Owners Club Deutschland.

Gaydon in Warwickshire - Hauptquartier der Firma Aston Martin heute, - © Copyright David Stowell and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 20. August 2011 at 04:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wer war eigentlich…Sainsbury, nach dem die Supermarktkette benannt wurde?

Sainsbury's in Maidstone (Kent). - © Copyright Oast House Archive and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Sainsbury’s ist neben Tesco und Asda, den beiden Marktführern, in fast jeder englischen Stadt zu finden und hier kann man sich mit Lebensmitteln und anderen Dingen eindecken. Mit ca 147 000 Angestellten ist die Firma einer der großen Arbeitgeber des Landes. Wer war aber nun „Sainsbury“?

John James Sainsbury wurde am 12. Juni 1844 im Londoner Stadtteil Lambeth geboren. Mit 14 Jahren hatte er seinen ersten Job, bezeichnenderweise bei einem Lebensmittelhändler in Lambeth. Als 1863 sein Vater starb, musste John James von nun an die Familie ernähren, d.h. seine Mutter und seine beiden Schwestern. Im Alter von 24 Jahren heiratete er Mary Ann Staples und die beiden eröffneten einen Laden, in dem sie Milchprodukte verkauften und zwar in Holborn in der Drury Lane 173.

Finanziell ging es John James und Mary Ann nicht so besonders gut, sie wohnten in sehr beengten Verhältnissen über ihrem Laden. Aber es wurde nach und nach besser und sie schafften es, eine Kette von Lebensmittelläden aufzubauen, die im Jahr als der Firmengründer starb (1928) aus 128 Einheiten bestand. Bis 1995 war Sainsbury’s Marktführer im Vereinigten Königreich; erst dann überholte Tesco und 2003 auch noch Asda.

Die letzten Familienmitglieder der Sainsburys zogen sich Ende der 90er Jahre aus dem Unternehmen zurück; sie halten aber noch 15% der Aktien, davon hält David John Sainsbury, Baron Sainsbury of Turville die meisten. Der Geschäftsmann wohnt übrigens auch in Turville in Buckinghamshire, das ich an dieser Stelle schon einmal vorstellte.
Der Firmensitz liegt heute am Holborn Circus in der City of London.

Der Firmensitz am Holborn Circus. - © Copyright Nigel Cox and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Published in: on 14. Juni 2011 at 04:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wer war eigentlich… Waitrose, der Gründer der Supermarktkette?

Eine Waitrose-Filiale in Marlborough (Wiltshire). - © Copyright Roger Cornfoot and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Waitrose ist eine  britische Supermarktkette, die sich umsatzmäßig nicht mit den ganz Großen wie Tesco messen kann, die sich dafür an die Kunden mit gehobenen Ansprüchen wendet. 252 Filialen soll es zurzeit nach eigenen Angaben geben mit fast 43 000 Angestellten.

Gab es denn nun jemanden, der Waitrose hieß? Nein; die drei Firmengründer hießen Wallace Waite, Arthur Rose und David Taylor, die 1904 im Westen Londons ein kleines Lebensmittelgeschäft eröffneten. Nachdem Taylor die Partnerschaft verließ, warfen die beiden anderen einfach ihre Nachnamen zusammen und nannten sich fortan Waitrose.
1937 gab es bereits 10 Läden mit 160 Beschäftigten, die in diesem Jahr von der John Lewis Partnership übernommen wurden.
1955 wurde dann der erste Waitrose-Supermarkt im Süd-Londoner Stadtteil Streatham eröffnet, gefolgt von vielen anderen in den 60er und 70er Jahren; zuerst im Süden Englands, später im ganzen Land.
Waitrose acquirierte nach dem Jahr 2000 eine Fülle anderer Supermärkte, z.B. von Safeway, Somerfield und Morrison’s.

Die Supermarktkette ist dafür bekannt, dass sie einen Teil ihrer Gewinne an Wohltätigkeitsorganisationen abgibt und dass die Angestellten „Partner“ genannt werden; sie sind Mitbesitzer und erhalten jährlich einen Bonus ausgezahlt, außerdem können sie in den Läden vergünstigt einkaufen.

Was für eine Entwicklung: Vom kleinen Tante-Emma-Laden zu einem Unternehmen mit einem Umsatz von 5 Milliarden Pfund!

Published in: on 30. April 2011 at 04:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wer war eigentlich… „Harrod“, nach dem das große Londoner Kaufhaus benannt ist?

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Bis zum  zum 10. Mai vorigen Jahres gehörte das berühmte Londoner Kaufhaus Harrods dem Ägypter Mohamed Al-Fayed, der es dann für £1.5 Milliarden an eine Holdinggesellschaft aus Katar verkaufte (die auch Aktien von VW und Porsche besitzt).
Nach wem wurde das Kaufhaus denn nun benannt? Nach Charles Henry Harrod (1799-1885), einem Londoner Geschäftsmann, der ursprünglich aus Clacton-on-Sea in Essex stammte und dort als Müller arbeitete. 1834 zog es ihn in die Hauptstadt und er eröffnete im Stadtteil Stepney einen Lebensmittelladen. In den 1840er Jahren zog er von Stepney in die Brompton Road in Knightsbridge und nannte dort sein Lebensmittelgeschäft „Harrods„. 1860 übergab er das Geschäft an seinen Sohn Charles Digby Harrod (1841-1905), der es erweiterte und davon profitierte, dass Knightsbridge zu jener Zeit zu einer der besten Adressen Londons geworden war. Um genau diese Klientel kümmerte sich Harrods besonders. Es wurde auch eine eigene Produktlinie eingeführt, die sich als sehr prestigeträchtig erwies.

1883 fiel das Gebäude einem Brand zum Opfer, so dass Charles Digby Harrod ein neues Haus errichten ließ, so wie wir es heute kennen, das fünf Stockwerke hoch war und natürlich ein viel größeres Warenangebot hatte als der alte Laden.
1889 zog sich Harrod aus der Geschäftswelt zurück und verkaufte sein Warenhaus für £120,000.

Harrods ist eines der exklusivsten und bekanntesten Warenhäuser der Welt und die Lebensmittelabteilung dort gehört zu den besonderen Anziehungspunkten.
Wenn Charles Henry sehen würde, was heute aus seinem kleinen Lebensmittelladen geworden ist, er würde seinen Augen wohl nicht trauen.
Hier ein kleiner filmischer Rundgang durch Harrods.

Ein Blick in die Süßwarenabteilung. - © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Published in: on 19. März 2011 at 04:00  Comments (2)  
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Wer war eigentlich…der Gründer von Debenhams?

Debenhams in Ashford, Kent. - © Copyright Oast House Archive and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Debenhams gehört zu den größten Einzelhandelsketten Großbritanniens mit etwa 160 Filialen. Auch im europäischen und asiatischen Ausland sind viele Department Stores zu finden, die der Firma gehören.
Doch wer war nun eigentlich „Debenhams“? Der Name geht auf den Gründer William Debenham zurück, der von 1794 bis 1863 lebte und aus Suffolk stammte. Zusammen mit einem gewissen Thomas Clark führte er 1813 in der Londoner Wigmore Street einen Stoffladen; ein zweiter wurde einige Jahre später in Cheltenham eröffnet. Ab 1905 firmierten die Geschäfte unter dem Namen Debenhams Limited.

So richtig begann die Firma dann unter dem Enkel Ernest Debenham zu florieren, der in ganz Großbritannien Kaufhäuser übernahm, die noch eine Zeit lang unter ihrem alten Namen geführt wurden, bis sie dann alle unter das Dach mit dem Namen „Debenhams“ kamen.
Als sich Ernest Debenham zur Ruhe setzte, verkaufte er seine Anteile an der Firma, so dass von da ab niemand mehr von der namensgebenden Familie im Unternehmen saß. 1931 erhielt er den neu geschaffenen Titel Baronet of Bladen. Der 1971 geborene Sir Thomas Adam Debenham ist zurzeit der 4. Baronet of Bladen.

Die neuesten, 2010 eröffneten  Debenhams Department Stores finden sich in Bath, Bury, Newcastle und Carmarthen.

Debenhams in der Londoner Oxford Street in weihnachtlichem Glanz. - The copyright on this image is owned by Martin Addison and is licensed for reuse under the Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.0 license.

Published in: on 17. Februar 2011 at 04:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wer waren eigentlich… Marks and Spencer?

Marks & Spencer in Brighton.    © Copyright Paul Gillett and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Marks & Spencer in Brighton.
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Marks & Spencer gehört zu den größten  britischen Einzelhandelsunternehmen und ist auf den meisten High Streets englischer Städte zu finden. M&S hat ein breites Warensortiment und ist in etwa mit Karstadt in Deutschland vergleichbar. Etwa 690 Läden gibt es in ganz Großbritannien.

Woher kommt nun der Name Marks & Spencer? Michael Marks (1859? – 1907) und Thomas Spencer (1852 – 1905) gründeten die Firma 1894. Vorher hatte der aus Polen eingewanderte Jude Michael Marks  in Leeds einige Marktstände unter dem Motto „Don’t Ask the Price, It’s a Penny“ betrieben. Auf der Suche nach einem Partner für die Expansion seiner Läden traf Marks auf  Thomas Spencer, ein Yorkshire-Mann, der als Kassierer bei einer anderen Firma arbeitete und über gute Kontakte verfügte.

Ihr erstes gemeinsames Geschäft wurde schließlich 1894 in Manchester eröffnet. Ihre Politik war, alle ihre Waren direkt nur bei britischen Herstellern zu kaufen; eine Politik, die erst 2002 (leider) aufgegeben wurde.

Michael Marks arbeitete bis zu seinem Tod im Jahr 1907 an der Weiterentwicklung der Firma. Sein Sohn Simon Marks baute die Firma schließlich zu dem aus, was sie noch heute ist, zu einem der bekanntesten Unternehmen  in der Wirtschaft Großbritanniens.
Thomas Spencer stieg bereits 1903 aus der Firma aus, nachdem sich sein investiertes Geld vervielfacht hatte.

Heute ist der Firmensitz von Marks & Spencer in der City of Westminster; die Einnahmen im vergangenen Jahren betrugen fast 10 Milliarden Pfund und das Unternehmen beschäftigte über 76 000 Mitarbeiter.

…und hier ein M&S-Werbespot:

Eine Marks & Spencer Filiale in Leeds. Author: Mtaylor848. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Eine Marks & Spencer Filiale in Leeds.
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Published in: on 9. Januar 2011 at 04:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wer war eigentlich… Boots the Chemist?

Eine Boots-Filiale in London.    © Copyright Paul Gillett and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine Boots-Filiale in London.
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Die Drogeriekette Boots gehört zu den typischen High Street-Läden englischer Städte. Hier kann man alles kaufen, was in irgendeiner Form mit Gesundheit und Schönheit zu tun hat. Es gibt eine eigene Abteilung „Apotheke“, wo man seine Rezepte einlösen kann, Kosmetika werden in großer Auswahl angeboten, sogar Spielzeug und Fotoartikel. Wenn man einmal dringend etwas braucht, bei Boots wird man meistens fündig.

Woher kommt nun der Name? Hat er etwas mit Stiefeln (boots) zu tun? Nein. Es gab tatsächlich einmal vor langer Zeit jemanden mit dem Nachnamen Boot und zwar der Firmengründer. 1849 gründete John Boot  (1815–1860), die Firma, die seinen Namen trug und sein Sohn Jesse Boot, 1st Baron Trent (1850-1931), machte daraus eine Einzelhandelskette, die sich „Chemists to the Nation“ nannte. Dann folgte eine turbulente Zeit. Die Firma wurde an ein US-Unternehmen verkauft, dann wieder nach England zurückverkauft. Boots kaufte andere Firmen auf und stieß sie wieder ab. 2006 verbanden sich Boots und Alliance UniChem unter dem Namen Alliance Boots plc, das wiederum von dem New Yorker Unternehmen Kohlberg Kravis Roberts & Co übernommen wurde. Von diesen ganzen Veränderungen nahmen wohl die Leute, die bei Boots regelmäßig ihre Zahnpasta oder ihr Haarspray kaum etwas mit.

Published in: on 10. Dezember 2010 at 04:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wer war eigentlich… W.H. Smith?

Die W. H. Smith Zentrale in Swindon.    © Copyright Brian Robert Marshall and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Kaum eine High Street in einer englischen Stadt, die nicht über eine Filiale der Fa. W.H. Smith verfügt. Hier versorgt man sich u.a. mit Lesestoff, mit Schreibwaren und mit Spielzeug. Wer aber ist/war dieser W.H. Smith?

William Henry Smith, 1792 in Suffolk geboren, übernahm nach dem Tod seiner Eltern deren Londoner Zeitungsverkaufsstand und gründete 1846 zusammen mit seinem Sohn die Firma W.H. Smith & Son, die den beginnenden Eisenbahn-Boom nutzte und auf Bahnhöfen Zeitungsverkaufsstellen einrichtete.

W.H. Smith junior ging in die Politik und arbeitete in mehreren konservativen Regierungen als Minister. Nach seinem Tod erhielt seine Witwe den neu geschaffenen Titel Viscountess Hambleden und deren Nachkommen kümmerten sich um die expandierende Firma.Nach dem Krieg geriet W.H. Smith in finanzielle Schwierigkeiten, so dass man die Firma in eine Holding Company umwandelte. Der Einfluss der Familie wurde immer geringer, das letzte Familienmitglied verließ den Aufsichtsrat im Jahr 1996.
Die letzten Jahrzehnte waren geprägt von zahlreichen Zukäufen und Verkäufen und man versuchte sich international zu positionieren. Heute verfügt W.H. Smith über etwa 500 innerstädtische und 120 Bahnhofs- und Flughafenbuchhandlungen und hat ca 17 000 Beschäftigte.

Published in: on 30. November 2010 at 04:00  Schreibe einen Kommentar