Harris’s List of Covent Garden Ladies – Ein Führer durch das Prostituierten-Milieu des 18. Jahrhunderts


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Der irische Schriftsteller Samuel Derrick (1724-1769) soll der Herausgeber eines Führers durch das Londoner Prostituierten-Milieu des 18. Jahrhunderts gewesen sein, der sich „Harris’s List of Covent Garden Ladies“ nannte und in den Jahren 1757 bis 1795 erschien.
Das heutige Covent Garden Viertel wird geprägt vom Royal Opera House, dem Theatre Royal Drury Lane und einer Vielzahl von Pubs, Bars und Restaurants. Im 18. Jahrhundert hatte Covent Garden allerdings keinen guten Ruf, denn hier war ein Schwerpunkt der Prostitution der Hauptstadt. Herren, die sich des sexuellen Vergnügens hingeben wollten, hatten eine große Auswahl an Damen, die ihrerseits ihre Dienste feilboten. Damit die Auswahl etwas leichter fiel, gab es die besagte „Harris’s List of Covent Garden Ladies“, benannt nach dem Zuhälter Jack Harris, der sich selbst in seiner Autobiografie „“Pimp General to the People of England“ nannte. In dieser Liste, die immer wieder neu aufgelegt wurde, fand man die Damen des horizontalen Gewerbes penibel aufgelistet, mit allen ihren Vorzügen und Nachteilen. Über 250 000 Exemplare sollen in den knapp dreißig Jahren verkauft worden sein.

Werfen wir einmal einen Blick in die Liste. Da finden wir zum Beispiel  eine Miss Dav-s (die Namen sind nie vollständig ausgeschrieben), die in der Margaret Street 28 wohnte. Sie war ca 18 Jahre alt und hatte hübsche Gesichtszüge; vor allem ihr Mund war sehr schön und erinnerte an eine Rose, kurz bevor sie zu blühen begann. Nur ihre Augen gereichten zu ihrem Nachteil, denn sie waren schmal und grau.

Miss Ke-t von der Warren Street Nummer 9, 20 Jahre alt mit dunklen Augen und schwarzen Haaren, wird poetisch so beschrieben: „Whenever she is offering incense at the shrine of Venus, her whole frame is agitated with pleasure, her eyes languish, her breasts heave, and her limbs quiver, while involuntary sighs and murmurs burst forth from her tender bosom, provoking the transports of the happy priest who administers with her“. Welcher Herr konnte da widerstehen?

Miss Sh-rd aus der Goodge Street Nummer 46 nahm für ihre Dienstleistungen eine Guinea und der Verfasser ihrer Kurzvita schwärmt: „Her hand and arm are uncommonly neat; and her leg, thigh, and the demesnes adjacent remarkably tempting“.

Die Historikerin Hallie Rubenhold hat sich mit der Thematik intensiv beschäftigt und einige Bücher darüber geschrieben; in Deutschland erschien ihr „Covent Garden Ladies: Ein Almanach für den Herrn der Welt“ (Osburg-Verlag 2009).

In der BBC-Dokumentation „The Harlot’s Handbook“ schildert Hallie Rubenhold das Prostituierten-Milieu der damaligen Zeit: Teil 1 und Teil 2.

Covent Garden Market.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

The Golden Bull Awards oder Wer schreibt die unverständlichsten Sätze?

Seit 1979 hat die „Plain English Campaign“ (PEC) nur ein Ziel: Sie kämpft für die Verständlichkeit der englischen Sprache und gegen „gobbledygook„, Behördenenglisch, das kaum ein Mensch versteht.

Die PEC hat auch ein Gütesiegel entwickelt, das auf offiziellen Dokumenten erscheint und die gute Verständlichkeit und Klarheit der Sprache bescheinigt, das „Crystal Mark„,  mittlerweile auf über 20 000 Dokumenten in der englischsprachigen Welt zu finden.

Alljährlich zeichnet die PEC aber auch Behörden oder Firmen mit dem „Golden Bull Award“ aus, die sich durch besonders unverständliche Dokumente oder Texte hervorgetan haben. Preisträger waren u.a. schon die Europäische Kommission, British Airways, die Bank of Scotland und das Department of Health.

Hier einige Golden Bull-Gewinner mit ihren Beiträgen:

Der Nottingham City Council hat sich diesen schönen Satz ausgedacht:
„REASON FOR CALCULATION: Change in Overpayment recovery. – the value of the overpayment where an underpayment or cancelled payment have reduced the amount or a duplicate encashment has increased the amount“.

Preiswürdig waren diese Formulierungen der Homes & Communities Agency, einer staatlichen Behörde:
„The regulator has given consideration to the balance of the additional regulatory control that would be achieved through these proposals to achieve its aim of protecting social housing assets against the impact of operation. It has concluded that it will not implement this proposal“.

Einen der Preise des Jahres 2014 erhielt die schottische Energieversorgungsgesellschaft Scottish Power für diesen unverständlichen Monstersatz:

„In respect of an Application Form the maximum power requirement specified as the Maximum Power Requirement in the Application Form or in respect of a Verbal Agreement, the maximum power requirement identified as the Maximum Power Requirement in the Letter failing such specification or identification the maximum amounts which you are entitled to take through the Connection Point“.

Den „Golden Bull“ für das Jahr 2010 erhielt u.a. der Northern Ireland Civil Service mit einer Anleitung wie man einen halben Tag Urlaub beantragen/nehmen soll:

„Instructions on how to take a half-day’s leave

If the annual leave request that you are entering is less than a full day on the First Day or the Last Day, then please select Hours from the drop down list of values in the Part Days Unit of Measure field. Then select the amount of hours absent on the first day in the Fraction of Start Date field or the last day in the Fraction of End Date field. If the absence is only for one day, use the Fraction of Start Date field to record the hours absent“.

Ich glaube, ich würde da lieber auf den halben Tag Urlaub verzichten.

Hier ist ein Film über die Plain English Campaign.

Published in: on 18. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Fighting Cocks in Stottesdon (Shropshire) – Ein Musterbeispiel für The Pub is the Hub

Prince Charles‘ Organisation The Pub is the Hub (ich berichtete in meinem Blog darüber) half kräftig mit The Fighting Cocks in dem 800-Seelen-Dorf Stottesdon in der Grafschaft Shropshire nicht nur am Leben zu halten, sondern den Pub auch zum echten Dorfmittelpunkt zu entwickeln. Ein anderer Pub im Ort, The Fox and Hound, hatte schon das Zeitliche gesegnet und die Gefahr bestand, dass auch noch Stottesdons letzter Pub geschlossen wurde, als Sandra Jefferies das Haus übernahm und es zur Freude der Bewohner unter ihrer Führung in die Erfolgsspur brachte. The Fighting Cocks ist ein Free House, also von keiner Brauerei abhängig. Hier werden immer fünf Real Ales ausgeschenkt und in der Küche beschränkt man sich so weit möglich auf Produkte aus der nächsten Umgebung.

Da es im Ort keinen Dorfladen mehr gab, integrierte man einen solchen im Pub und nannte ihn Shop at the Cock; auch hier werden vorwiegend lokale Produkte verkauft.

Weiterhin treten regelmäßig Bands in The Fighting Cocks auf (hier ist ein Beispiel). Es läuft also alles so wie man es in einem englischen ländlichen Pub erwartet bzw. erhofft.

Vor drei Jahren unternahm PETA (People for the Ethical Treatment of Animals), die Tierrechtsorganisation, einen landesweiten Vorstoß und schrieb Pubs an, die ihrer Meinung nach einen Namen tragen, der Grausamkeit Tieren gegenüber zum Ausdruck bringt, und wollte diese veranlassen, den Namen zu ändern; dazu gehörte auch The Fighting Cocks in Stottesdon. Dort war man aber gänzlich anderer Meinung, und Sandra Jennings sagte, dass der Name einfach zu dem historischen Gebäude gehört und so blieb es auch dabei.

The Fighting Cocks
High Street
Stottesdon, Nr Bridgnorth
Shropshire
DY14 8TZ

Splish! Splash! – Von Furten in England und deren Durchquerung

Heute wird es etwas nass in meinem Blog, denn ich beschäftige mich mit dem Thema „Furt„.

Als Furt bezeichnet man eine Untiefe in einem Bach- oder Flusslauf, mittels der das Gewässer zu Fuß oder mit Fahrzeugen durchquert werden kann„, so lautet die Erklärung der Wikipedia des Begriffes „Furt“, im Englischen „ford„. Es gibt davon eine ganze Menge in England wie diese Karte zeigt. Städtenamen wie Oxford, Stratford-upon-Avon, Hertford, Hereford usw.usw. weisen darauf hin.

Einer, der sich bestens mit Furten auskennt, ist John Walton, der sich auch gern „Ford Hunter“ nennt, denn er hat sich im Jahr 2010 ein Ziel gesetzt: Er will alle englischen „fords“ aufsuchen und sie dokumentieren. Auf seinen Webseiten hat er sie im Bild festgehalten und nach Grafschaften sortiert. Mit seinem Geländewagen hat John Walton die Furten natürlich auch durchquert und einiges im Film festgehalten.

Auf einer anderen Webseite, www.wetroads.co.uk., die die Furten ganz Großbritanniens auflistet, werden wichtige Hinweise für das Durchqueren von Furten gegeben. Wenn man nicht gerade ein allradgetriebenes Fahrzeug hat, sollte man das vielleicht lieber bleiben lassen.

Hier sind einige Fotos von besonders interessanten „fords“:

Hier würde ich mit meinem Auto nicht durchfahren: Rolleston on Dove in Staffordshire.
Photo © M J Richardson (cc-by-sa/2.0)

Mitten in Brockenhurst (Hampshire) im New Forest.
Photo © Alan Melton (cc-by-sa/2.0)

Good Easter Ford in Essex.
Photo © John Walton (cc-by-sa/2.0)

Wer traut sich da hinein?
Der River Tees bei der Swinelair Farm in North Yorkshire.
Photo © Hugh Mortimer (cc-by-sa/2.0)

Thockrington (Northumberland) und die Asche des Tom Sharpe

St Aidan in Thockrington.
Photo © Phil Thirkell (cc-by-sa/2.0)

Die Kirche St Aidan in Thockrington steht ziemlich einsam auf einem Hügel neben einer Farm in der Grafschaft Northumberland, also im hohen Norden Englands. Was heißt „in Thockrington“? Das Dorf gibt es schon lange nicht mehr, denn es wurde vom Schicksal ereilt, als im Jahre 1847 ein Seemann in seinen Heimatort zurückkehrte und die gesamte Dorfbevölkerung mit Cholera ansteckte. Alle starben, Thockrington wurde niedergebrannt. Nur die Farm und St Aidan überlebten; in der Kirche wurden weiterhin Gottesdienste abgehalten.

Einer der Pfarrer von St Aidan, Reverend George Sharpe, war der Vater eines Jungen, der später durch seine drastischen humorvollen Werke in die Literaturgeschichte Englands eingehen sollte: Tom Sharpe (1928-2013). Ich habe alle seine Romane gelesen, sie sind nichts für Zartbesaitete. Aber wer schwarzen Humor mag, wird Sharpes Bücher lieben. Im Jahr 2010 erschien sein letzter Roman „The Wilt Inheritance“ (dt. „Henry haut ab“).

Der Schriftsteller zog 1995 nach Spanien, wo er sich an der Costa Brava niederließ. Er trennte sich von seiner Frau und ging eine Beziehung mit der Spanierin Montserrat Verdaguer i Clavera ein. Als er am 6. Juni 2013 starb, wurde er in Spanien eingeäschert und die Asche an seine Frau und seine Lebensgefährtin verteilt. Die Spanierin fand in Sharpes Unterlagen seinen Wunsch, dass er einmal auf dem Kirchhof von Thockrington beigesetzt werden möchte, und so machte sie sich ein Jahr später mit einer Urne und Sharpes Asche auf den langen Weg von der Costa Brava nach Northumberland. Dort angekommen, buddelte sie mit bloßen Händen ein Loch auf dem Kirchhof, auf dem auch der Reverend George Sharpe liegt, deponierte dort die Asche, zusammen mit einer Flasche Whisky der Marke Famous Grouse, die Tom Sharpe besonders gern mochte, einer kubanischen Zigarre, seinem Lieblingsfüllfederhalter mit dem er einige seiner Bücher geschrieben hatte, und einem Bild aus seiner Kindheit. Dann hielt sie eine kurze Ansprache:
In this ancient church in Northumberland in which your father was buried you will remain for eternity. In the middle of nowhere, in an empty place, surrounded by grass and sheep. Tom Sharpe, rest in peace forever.“

Sollte Tom Sharpe vom Himmel aus dieser Zeremonie zugesehen haben, hätte er sich mit Sicherheit köstlich amüsiert.

Montserrat Verdaguer i Clavera, die das sehr spezielle Begräbnis von einem spanischen Fernsehteam filmen ließ, hatte die für St Aidan zuständigen Kirchenbehörden nicht um Erlaubnis gefragt, ob sie das überhaupt tun durfte…durfte sie natürlich nicht. Als die lokale Presse darüber berichtete, kam das auch der Kirche zu Ohren und so buddelte der Pfarrer von St Aidan alles wieder aus und die Church of England verhängte gegen die Spanierin eine Strafe in Höhe von £1,320. Erst nach Bezahlung der Strafe könnte sie den Inhalt des „Grabes“ wieder zurückbekommen. Die Dame von der iberischen Halbinsel hatte mittlerweile behauptet, dass die Zeremonie auf dem Kirchhof von Thockrington nur für das spanische Fernsehen inszeniert worden wäre, und sie hätte dort gar keine menschlichen Überreste beerdigt.

Tom Sharpe hätte sich das nicht besser für einen seiner Romane ausdenken können!

Hier ist ein Ausschnitt aus dem Film „Wilt„, nach dem gleichnamigen Roman von Tom Sharpe, derin Deutschland unter dem Titel „Puppenmord“ gezeigt wurde.

Grabsteine auf dem Kirchhof von St Aidan in Thockrington.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)

Ländliche Idylle mit Lämmern auf dem Kirchhof von St Aidan.
Photo © P Glenwright (cc-by-sa/2.0)

The Cornish National Liberation Army – Sie kämpft(e) für ein unabhängiges Cornwall

Im Fadenkreuz der Cornish National Liberation Army: Jamie Olivers Fifteen Restaurant bei Newquay…
Photo © Rod Allday (cc-by-sa/2.0)

Es gibt in der Grafschaft Cornwall durchaus Menschen, die mit dem fernen London absolut nichts am Hute haben und keine Probleme damit hätten, ein selbständiger Staat zu sein. Diese Einstellung äußerst sich in der Regel mit Worten, aber nicht mit Taten. Die Cornish National Liberation Army (CNLA) sah das anders und ging eine Zeit lang gegen alles Englische in ihrer Grafschaft vor. Man wollte die englischen Fahnen in Cornwall abhängen und die Zweitwohnsitze reicher Engländer und deren Autos abfackeln. Der Zorn der CNLA, die sich aus Mitgliedern der An Gof und der Cornish Liberation Army zusammensetzte, richtete sich merkwürdigerweise auch gegen zwei Köche und Restaurantbesitzer, nämlich Jamie Oliver („The Naked Chef“) und Rick Stein. Ins Fadenkreuz der CNLA gerieten Jamie Olivers Fifteen Restaurant in der Watergate Bay bei Newquay und Rick Steins The Seafood Restaurant in Padstow. Drohungen wurden gegen diese Restaurants ausgesprochen, man wollte sie anzünden und abbrennen (was nicht geschah).

Warum hatten sich die militanten Englandhasser gerade diese beiden Köche ausgesucht? Nach ihrer Meinung verkörperten diese beispielhaft die englischen Invasoren, die mit viel Geld in der Hand u.a. die Hauspreise in die Höhe trieben, was letztendlich mit dazu führte, dass sich die cornische Bevölkerung in ihrem eigenen Land immer mehr als Außenseiter fühlte. Durch die vielen aufgekauften und selten bewohnten Häuser entwickelten sich immer mehr Dörfer in Geisterdörfer.

Die Vorgängerorganisation der CNLA, die An Gof, hatte in den 1980er Jahren mehrere Anschläge in Cornwall verübt: In St Austell wurde eine Bombe im dortigen Gerichtsgebäude gezündet, in Penzance ein Friseursalon abgefackelt (wahrscheinlich ein Irrtum, man wollte eigentlich eine Bank treffen) und die Zodiac Bingo Hall in Redruth angezündet.

Mittlerweile hat sich die CNLA in The Cornish Republican Army umbenannt und macht weiter Hetzjagd auf ihre englischen Feinde. Erst am 12. Juni 2017 übernahm sie die Verantwortung für eine Brandstiftung an Rick Steins Restaurant in Porthleven an der kornischen Südküste. Die Bewohner des kleinen Fischerortes waren aufgebracht, dass der prominente Koch nun auch in ihrem Dorf ein Restaurant aufgemacht hat und sich weiter krakenartig in Cornwall verbreitet.

…und ebenso Rick Steins The Seafood Restaurant in Padstow.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Rick Steins Restaurant am Hafen von Porthleven, auf das 2017 ein Brandanschlag verübt wurde.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

 

Published in: on 14. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Gateshead Millennium Bridge – Eine Kippbrücke zwischen Newcastle-upon-Tyne und Gateshead

Die Brücke in Ruheposition.
Photo © David P Howard (cc-by-sa/2.0)

Am 17. September 2001 wurde die Millennium Bridge in Betrieb genommen, die den River Tyne zwischen den beiden Städten Newcastle und Gateshead überquert. Die Queen ließ es sich nicht nehmen, sie ein gutes halbes Jahr später offiziell einzuweihen. Die Brücke ist nur für Fußgänger und Radfahrer konzipiert worden, und sie hat einen ganz besonderen Clou. In Ruhestellung geht man bequem fast ebenerdig von einem Ufer zum anderen. Kommt aber ein Schiff den Tyne entlang, so kann die Brücke hoch geklappt bzw. gekippt werden. Schiffe bis zu 25 Metern Höhe können auf diese Weise passieren. Auf Grund ihrer Form und ihrer Funktionsweise bezeichnet man die 126 Meter lange Brücke in der Region auch als Blinking Eye Bridge. Es ist schon ein besonderes Schauspiel mitzuerleben wie die Millennium Bridge gekippt wird (hier im Zeitraffer im Film zu sehen). Beim ersten Kippvorgang wohnten 36 000 Zuschauer auf beiden Seiten des River Tyne dem Spektakel bei.

Wer mit seinem Schiff die Brücke unterqueren möchte, muss das im voraus buchen und so stehen die sogenannten „tilt times“ schon früh fest.

Konzipiert und gebaut wurde die Millennium Bridge von den beiden Firmen Wilkinson & Eyre (London) und Gifford & Partners (Southampton). Sie kostete £22 Millionen, wiegt über 800 Tonnen, wird von acht Elektromotoren betrieben und es dauert vier und eine halbe Minute bis sie jeweils ihre Position erreicht hat. Die Brücke sammelt automatisch Müll und Gegenstände auf, die sich beim Kippen auf ihr befinden, indem diese in dafür vorgesehene Behälter auf beiden Seiten rutschen.

Seit ihrem Bestehen hat die Brücke über den Tyne 25 Auszeichnungen erhalten, darunter den RIBA Stirling Prize des Royal Institute of British Architects, den Concrete Society Award und den Award of Excellence.

Die Millennium Bridge wurde schon auf einer Briefmarke und einer 1-Pfundmünze abgebildet.

Dieser Film zeigt das Öffnen der Brücke in Echtzeit und hier ist sie illuminiert bei Nacht zu sehen.

Die Brücke in gekippter Position.
Photo © Stephen Horncastle (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Mein Buchtipp – Richard Askwith: The Lost Village

Foto meines Exemplares.

Richard Askwiths Buch „The Lost Village„, bereits 2008 erschienen, trägt den Untertitel „In Search of a Forgotten Rural England„. Darin untersucht er, was aus dem typisch englischen Dorf geworden ist. „Typisch“ bedeutet, jeder kennt jeden, man trifft sich im Pub, im Dorfladen und in der Kirche, man hilft sich untereinander, schließt die Türen seines Hauses nicht ab usw.
Gut, das Türenabschließen ist angesichts der Kriminalität auch im ländlichen Bereich schon lange üblich, aber leider verschwinden auch immer mehr Pubs und Läden aus den Dörfern, Schulen werden geschlossen und der Pfarrer „bedient“ mehrere Ort gleichzeitig und ist nur noch selten zu sehen.

Viele „locals“ fühlen sich in ihrem Dorf nicht mehr wohl, weil immer mehr Häuser, die sie sich selbst nicht mehr leisten können, von Fremden aus den großen Städten gekauft werden, die sich aber nicht in eine (falls noch existierende) Dorfgemeinschaft einfügen wollen, man kennt sich nicht mehr und die Strukturen brechen allmählich auseinander.

Richard Askwith ist durch ganz England gereist, hat mit den Einheimischen gesprochen, hat von den Nöten der Farmer gehört, von denen es immer weniger gibt, weil sich die Arbeit nicht mehr lohnt.
Einige Beispiele:
In Abbotts Ann in Hamphire trifft Richard Askwith auf einen der wenigen noch verbliebenen Reetdachdecker, in Polperro in Cornwall hört er wie die Touristenströme das Ortsbild verändert haben, in Threlkeld in Cumbria unterhält er sich mit einem Jäger, der sich vehement gegen das Verbot der Fuchsjagd ausspricht und erlebt in Haxey in Lincolnshire hautnah die alte Tradition des Haxey Hood mit.

Ein hochinteressantes, nachdenklich machendes Buch, dessen Lektüre ich jedem empfehlen kann, der sich für englische Dörfer interessiert.

Richard Askwith: The Lost Village – In Search of a Forgotten Rural England. Ebury Press 2008. 356 Seiten. ISBN 978-0-09-190913

Abbots Ann in Hampshire.
Photo © John Firth (cc-by-sa/2.0)

Polperro in Cornwall.
Photo © Robin Drayton (cc-by-sa/2.0)

The Haxey Hood in Haxey (Lincolnshire).
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. Mai 2018 at 02:00  Comments (1)  

The Kiplingcotes Derby – Englands ältestes und kuriosestes Pferderennen

Jeden dritten Donnerstag im März findet in der Nähe der Kleinstadt Market Weighton im East Riding of Yorkshire das älteste und wohl auch kurioseste Pferderennen Englands statt, nämlich das Kiplingcotes Derby, benannt nach dem nächst gelegenen Dorf Kiplingcotes. Im Jahr 1519 soll alles begonnen haben und das ohne Unterbrechung, denn sollte es tatsächlich einmal nicht ausgetragen werden, dann darf es nie wieder stattfinden, so eine der Regeln des Rennens.

Es gibt noch weitere Regeln:
Die teilnehmenden Reiter müssen 10 Stones, das sind etwa 63 Kilogramm, wiegen. Wer leichter ist, muss ein entsprechendes, ausgleichendes Gewicht bei sich haben.
Es spielt keine Rolle, welche Pferde an den Start gehen und wie alt diese sind.
Die Strecke ist rund sechs Kilometer lang und ist gerade im Monat März oft sehr matschig, da sie ja durch freies Gelände führt. Eine Tortur für Pferd und Reiter.
Der Sieger erhält eine Prämie von £50.  Der Zweitplatzierte bekommt den Rest der Tageseinnahmen, was zu der kuriosen Situation kommen kann, dass der Zweite mehr bekommt als der Erste.

Um noch einmal auf die oben erwähnte Regel zurückzukommen, dass das Kiplingcotes Derby stattfinden muss, weil es sonst niemals mehr ausgetragen werden darf. Es gab schon drei Fälle, bei denen die Wetterverhältnisse so schlecht waren, dass das Rennen unmöglich war. 1947, 2001 (wegen der Maul- und Klauenseuche) und in diesem Jahr, 2018. Um das Derby am Leben zu halten, hat es jedes Mal ein Reiter auf sich genommen, die gesamte Strecke entweder langsam und vorsichtig abzureiten oder zumindest sein Pferd am Zügel die sechs Kilometer zu führen, es hat also sozusagen ein Ein-Personen-Derby stattgefunden.

Dieser Film zeigt einige Szenen aus einem Kiplingcotes Derby und hier kann man ein Rennen hautnah miterleben.

Das Buch zum Artikel:
Alison Ellerington: The Kiplingcotes Derby – England’s Oldest Horse Race. Highgate Publ. 1990. 28 Seiten. ISBN 978-0948929328.

Der Startpunkt des Derbys.
Photo © David Tyers (cc-by-sa/2.0)

Der Beginn der Rennstrecke.
Photo © David Tyers (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Daily Mirror – Die turbulenten Anfänge einer Tageszeitung

Hier, in der Carmelite Street, entstand The Daily Mirror.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

In der Carmelite Street in der City of London erblickte am 2. November 1903 eine Tageszeitung das Licht der Welt, die heute, nach über 100 Jahren, eine Auflage von etwa 587 000 Exemplaren hat und, wie so viele andere Zeitungen auch, mit einer ständig sinkenden Auflage zu kämpfen hat: The Daily Mirror.

Gegründet wurde das Blatt von Alfred Charles William Harmsworth, dem späteren Viscount Northcliffe, der schon 1896 The Daily Mail ins Leben gerufen hatte. Mit The Daily Mirror wollte Harmsworth etwas für die damalige Zeit Sensationelles schaffen: Eine Zeitung von Frauen für Frauen, „the first newspaper for gentlewomen„. Den Namen wählte er als Sinnbild, denn die Zeitung sollte als Spiegel des weiblichen Lebens dienen, mit all seinen Sonnen- und Schattenseiten. Harmsworth zog die Journalistin Mary Howarth von der Daily Mail ab, wo sie für Frauenangelegenheiten zuständig war, und übergab ihr die Verantwortung für sein neues Blatt, an dem fast nur Frauen mitarbeiteten. Um den Umsatz gleich von Anfang an anzukurbeln, bekamen die Käuferinnen ersten Ausgabe des Daily Mirror einen Spiegel geschenkt.
Die Redaktion war wohl der Ansicht, dass englische Frauen nur eine kurze Aufmerksamkeitsspanne hatten, denn die Artikel waren alle sehr knapp gehalten.

Man startete mit einer recht hohen Auflage von 276 000 Exemplaren und blickte hoffnungsvoll in die Zukunft, aber sehr schnell musste der Zeitungsmann erkennen, dass seine Idee ein Flop war. Schnell sank der Absatz auf 25 000 Exemplare, Frauen hatten ganz offensichtlich keine Lust auf den Mirror. Harmsworth war sauer: „Women can’t write and don’t want to read“ gab er seiner Meinung freien Lauf und schickte Mary Howarth wieder zur Daily Mail zurück. Neuer Chef des Daily Mirror wurde ein Mann, Hamilton Fyfe, der alle Journalistinnen der Redaktion feuerte und sie durch Männer ersetzte, denen er mehr zutraute. Aus dem „Newspaper for gentlewomen“ wurde jetzt „A paper for men and women“ und das klappte besser, die Zeitung nahm Fahrt auf und die Auflage kletterte bis auf 466 000 Exemplare.

Im Januar 1905 bezog The Daily Mirror neue Redaktionsräume in der Whitefriars Street, der nördlichen Verlängerung der Carmelite Street, die auf die Fleet Street mündet. Heute ist der Firmensitz in der Canary Wharf zu finden.

Die nächste Station des Daily Mirror: Whitefriars Street.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 10. Mai 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Follies – Jack the Treacle Eater im Barwick Park bei Yeovil in Somerset

1987 veröffentlichte der Schriftsteller Charles Causley (1917-2003) ein Kinderbuch mit dem Titel „Jack the Treacle Eater“ (es wurde nicht ins Deutsche übersetzt), das eine Gedichtsammlung enthält, auf deren Umschlagbild ein junger Mann zu sehen ist, der es offenbar sehr eilig hat und in den Händen ein Dokument zu halten scheint. Wer ist denn dieser sirupessende Jack, der im Sauseschritt durch die Landschaft läuft? Das Gedicht über Jack beginnt so:

Here comes Jack the Treacle Eater,
Never swifter, never sweeter,
With a pack of messages,
Some long, some shorter,
From my Lord and Master’s quarter
(Built like a minaret)
Somewhere in Somerset.

Jack war ein Bote, der wichtige Botschaften der Newman-Familie von ihrem Landsitz Barwick Park bei Yeovil in Somerset nach London brachte (John und Grace Newman hatten Barwick Park im Jahre 1770 errichten lassen) und damit er die Langstrecke stets gut bewältigen konnte, wurde er vorzugsweise mit großen Portionen Sirup gestärkt. Immerhin beträgt die Entfernung Yeovil – London rund 200 Kilometer.

Auf dem Gelände des Barwick Parks finden wir ein Folly, also einen Zierbau, der vor allem zur Verschönerung des Landsitzes errichtet wurde, und der nach dem Langstreckenläufer Jack the Treacle Eater benannt worden ist. Den Auftrag zur Errichtung des Follies soll George Messiter, ein Fabrikant von Handschuhen, gegeben haben, der Anfang des 19. Jahrhunderts den Besitz in Somerset übernommen hatte. Angeblich soll Messiter das turmähnliche Gebäude in erster Linie bauen lassen, um einigen arbeitslosen Menschen in der Region eine Beschäftigung und ein Einkommen zu geben. Es gibt aber auch eine andere Version, die besagt, dass das Folly schon fünfzig Jahre früher erbaut worden ist. Leider lässt sich das genaue Alter nicht mehr feststellen.

Jack the Treacle Eater besteht aus einem Bogen aus unbehauenen Steinen, darauf steht eine Art Turm mit einer Holztür (ob es dazu wohl noch einen Schlüssel gibt? Was findet man hinter der Tür?). Gekrönt wird das merkwürdige Gebilde von dem Götterboten Hermes, und da haben wir die Verbindung: Jack war eine Berufskollege von Hermes, beide hatten die Aufgabe, Botschaften zu überbringen. Der Legende nach soll Jack alias Hermes des Nachts vom Turm heruntersteigen, um sich am nahe gelegenen See zu erfrischen, denn Sirup soll angeblich sehr durstig machen.

Im Barwick Park gibt es noch weitere Follies, den Rose Tower, den Fish Tower und den Obelisken, die aber im Vergleich zum Treacle Eater nicht so attraktiv sind. Der Landsitz befindet sich in Privathand und ist nicht zu besichtigen.

In Yeovil gibt es eine Gruppe von Morris Dancers, die sich Treacle Eater Clog nennen und die in diesem Film in Aktion zu sehen sind.

 

Published in: on 9. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Clapham Wood – Der unheimliche Wald in West Sussex

Wer sich einmal in der Nähe der kleinen Gemeinde Clapham in West Sussex aufhalten sollte, dem sei geraten, einen großen Bogen um den dort liegenden Clapham Wood zu machen (wer ängstlichen Gemütes ist!). Dort geschehen seit Jahrzehnten merkwürdige Dinge und es kann passieren, dass man nicht mehr lebend aus dem Wald herauskommt.
Vier Menschen sind dort zu Tode gekommen wie z.B. der Polizist Peter Goldsmith, der in Clapham Wood wanderte und dessen Leiche man sechs Monate später fand. Der ehemalige Pfarrer von Clapham, Harry Neil Snelling, verschwand in dem Wald 1978 und seine Leiche wurde sogar erst drei Jahre später aufgefunden. Die Polizei ermittelte intensiv und nahm schließlich einen gewissen Tim Withers fest, der für alle vier Morde verantwortlich gewesen sein soll und eine lebenslängliche Freiheitsstrafe erhielt.

Doch die Serie merkwürdiger Ereignisse riss nie ab: Es gab viele Berichte über angebliche UFU-Sichtungen; Leute, die sich in Clapham Wood aufhielten, erzählten, dass sie sich verfolgt fühlten oder dass ihnen plötzlich übel wurde; Hunde verschwanden oder wurden mit tödlichen Verletzungen aufgefunden.

Dann hieß es, ein satanischer Kult treibe sein Umwesen in Clapham Wood, „The Friends of  Hecate„, der dort rituelle Tötungen von Tieren vornahm.

Was ist an diesen ganzen Geschehnissen nun Realität und Fantasie? Darüber herrschen total gegensätzliche Meinungen. Die einen meiden den Wald und fürchten sich, die anderen sagen, das ist alles Quatsch und man kann alles auf natürliche Weise erklären.
Also: Am besten man macht sich selbst ein Bild und geht einmal nachts im Clapham Wood spazieren, dann kann man anschließend berichten, ob der Wald tatsächlich „haunted“ ist oder nicht.

Hier ist eine zweiteilige Dokumentation über Clapham Wood:
Teil 1 Teil 2

Published in: on 8. Mai 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Die Proms 2018 – The world’s greatest classical music festival

Die Royal Albert Hall.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Am 13. Juli 2018 starten die diesjähriges Proms, die Promenadenkonzerte der BBC, nach eigener Aussage „The world’s greatest classical music festival“. In Deutschland kennt man die Festspiele hauptsächlich durch das Abschlusskonzert The Last Night of the Proms, das live bei uns im Fernsehen übertragen wird. Da findet sich jedes Jahr in der Londoner Royal Albert Hall ein buntes Völkchen zusammen, das, in mehr oder weniger schriller Kleidung, den Union Jack schwenkend, laut“Rule Britannia!“ und „Land of Hope and Glory“ mitsingt.

Doch bei den vorhergehenden Promenadenkonzerten geht es nicht so laut und schrill zu. In diesem Jahr finden 75 Proms statt. Prom 1, The First Night of the Proms, am 13. Juli und da stehen zwei englische Klassiker auf dem Programm: Ralph Vaughan Williams mit „Toward the Unknown Region“ und  Gustav Holst mit „The Planets„. Es spielt das BBC Symphony Orchestra unter der Leitung von Sakari Oramo, einem finnischen Dirigenten.

„Austragungsort“ der Konzerte ist jeweils die Royal Albert Hall. Daneben gibt es aber auch noch eine Fülle anderer Veranstaltungen innerhalb der Proms wie Konzerte in der Cadogan Hall, Vorträge über musikalische Themen, die Proms Plus Talks, im Beit Quadrangle, direkt gegenüber der Royal Albert Hall, wo die Studentenvertretung des Imperial College ihren Sitz hat. Am 4. August machen die Proms einen Abstecher nach Lincoln, wo in der Drill Hall Igor Strawinskys „The Soldier’s Tale“ aufgeführt wird, gespielt vom Hebrides Ensemble unter der Leitung von William Conway.

Und schließlich findet am 8. September das Abschlusskonzert, Prom 75, oder auch The Last Night of the Proms, statt mit dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von Sir Andrew Davis. Zu hören sein wird der Bariton Gerald Finley. Die Proms der BBC gehen wie jedes Jahr auch an diesem Abend mit der Nationalhymne und „Auld Lang Syne“ zu Ende, stimmgewaltig von den Besuchern in der Royal Albert Hall unterstützt.

Hier ist das vollständige Programm.

Die Cadogan Hall, 5 Sloane Terrace in Belgravia.
Photo © tristan forward (cc-by-sa/2.0)

The Beit Quadrangle des Imperial College.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

The Drill Hall in Lincoln.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Mai 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Die neue Botschaft der USA in London

Bis vor kurzem lag das Botschaftsgebäude der USA in London am Grosvenor Square, seit Januar 2018 lautet die neue Adresse 33 Nine Elms SW11 7US. Der Nine Elms -Bezirk liegt am Südufer der Themse und befindet sich in einem gewaltigen Wandel. Hier wird ein Hochhaus neben dem anderen hochgezogen und immer mehr Firmen verlegen ihre Zentren hierhin, zum Beispiel der Apple-Konzern. Allmählich nimmt die Bedeutung der South Bank gegenüber der Northbank zu.

In dieses aufstrebende Viertel zwischen dem Battersea Park und dem Vauxhall Park ist also die US-Botschaft gezogen, und Präsident Donald Trump schimpft unentwegt darüber, dass sich die Lage erheblich verschlechterte hätte und spricht von einer „lousy and horrible location„. Ich bezweifle, dass die London-Kenntnisse von Herrn Trump besonders gut sind, und er wahrscheinlich noch nie von Nine Elms gehört hat. Eigentlich sollte er im Januar anreisen und das Botschaftsgebäude eröffnen, aber die Stimmung in Großbritannien gegenüber dem US-Präsidenten war schlecht, viele wollten ihn nicht in London sehen und so sagte er (beleidigt?) seinen Besuch ab. Vielleicht ist das auch der Grund für seine ständigen abfälligen Bemerkungen über die Lage des Gebäudes.

Geplant war die neue Botschaft bereits unter den Regierungszeiten von George W. Bush und Barack Obama. Das alte Gebäude am Grosvenor Square war zu klein geworden und die geplanten Sicherheitsmaßnahmen konnten dort nicht durchgeführt werden. Die neue US Embassy soll ca eine Milliarde Dollar gekostet haben und wurde von dem US-amerikanischen Architektenbüro KieranTimberlake konzipiert, das seinen Sitz in Philadelphia hat und 1984 gegründet wurde. Das Gebäude in Form eines Glaswürfels hat zwölf Stockwerke. The Guardian bezeichnete es als „restrained, efficient, green… the antithesis of Donald Trump„. Es ist wie eine Burg konstruiert mit einem Wassergraben, der verhindern soll, dass Anschläge mit Fahrzeugen vorgenommen werden und gilt als das sicherste (und teuerste) Botschaftsgebäude der USA weltweit.

Der Herr des Hauses ist Botschafter Woody Johnson, ein 71jähriger steinreicher Mann aus der Wirtschaft, dessen Urgoßvater den Riesenkonzern Johnson&Johnson gründete, und der den Football-Club New York Jets einmal für  $635 Millionen gekauft hat.

Hier ist ein Film über die neue Botschaft.

Die frühere US-Botschaft am Grosvenor Square.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Mai 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Cumberland Clark – Ein englischer Dichter und die Küstenstadt Bournemouth

Das Highcliff Hotel in Bournemouth, in dem Cumberland Clark eine Zeit lang wohnte.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Vor kurzem stellte ich in einem meiner Blogartikel den Dichter John Clare vor, der in Deutschland nur wenig bekannt ist. Noch unkannter dürfte der Dichter Cumberland Clark sein, den außerhalb der Region Bournemouth an der englischen Südküste auch in seinem Heimatland kaum noch jemand kennen dürfte. Ich bin auf Cumberland Clark gestoßen, als ihn einmal jemand als „England’s most awful poet“ bezeichnete, habe mir aber leider nicht notiert, wer diese Äußerung gemacht hat.

Mr Clark wurde 1862 in London geboren, er starb in der Nacht vom 10. auf den 11. April 1941 während eines Luftangriffs der deutschen Luftwaffe auf Bournemouth (Dorset). Er führte jahrzehntelang ein abenteuerliches Leben in Australien, Neuseeland, Südafrika und Nordamerika, u.a. als Schafzüchter, Goldwäscher und Pfarrer. Ab 1933, als seine Frau gestorben war, ließ er sich für den Rest seines Lebens in Bournemouth nieder.

Literarisch betätigte sich Cumberland Clark auf zwei Feldern. Er beschäftigte sich intensiv mit William Shakespeare und Charles Dickens und schrieb mehrere Bücher über sie, und er veröffentlichte Gedichte, in deren Mittelpunkt hauptsächlich die Stadt Bournemouth und die nähere Umgebung standen. Gesammelt wurden diese im „The Bournemouth Songbook„.

Einige Beispiele zur Veranschaulichung: In „The Bournemouth Hotels“ stellt  Clark einige Hotels seines Wohnortes vor:
„You visit the Savoy; you’ll soon be filled with joy“, „The Canford Cliffs Hotel will do you very well“, „The Highcliffe can’t be matched – the finest ever hatched“. Eine kleine Anmerkung: Das Savoy Hotel existiert noch in der West Hill Road, das Canford Cliffs Hotel nicht mehr, das Highcliffe Hotel gibt es noch unter dem heutigen Namen Bournemouth Highcliff Marriott Hotel in der St Michael’s Road.

Den jungen Damen von Dorsets Hauptstadt widmet Cumberland Clark Aufmerksamkeit in seinem Gedicht „The Bournemouth Girls„, darin lobt er ihre körperlichen Vorzüge („Look close from all directions – their figures bear inspections“) und ist der festen Überzeugung, dass jedermann  die Mädchen einfach lieben muss („And even old men, gay old dogs, admit that they adore them“).

Auch den „Bournemouth Schoolgirls“ widmet der ältere Herr einige Zeilen („Bournemouth is full of them. Getting to know them is not a mere frivolous treat“) sowie der Bournemouth Regatta, den Boarding Houses, dem Sonnenuntergang, der Luft, der Landwirtschaftsschau, den Schlangen Arbeitsloser vor dem Arbeitsamt, den Schwalben usw. usw. Cumberland Clark war ein echter Fan der Küstenstadt.

Wer dem Dichter einen Besuch abstatten möchte, der sollte sich auf den East Cemetery von Bournemouth begeben, wo seine Grabstelle leicht zu finden ist: Ein großer steinerner Engel ragt über all die  anderen Gräber hinaus und weist den Weg.

Fern Bank in der St Stephens Road in Bournemouth: Hier starb der Dichter während eines Angriffs der deutschen Luftwaffe im April 1941.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Hoar Cross Hall – Ein Hotel der Spitzenklasse in Staffordshire

Von 2005 bis 2015 wurde das Hoar Cross Hall Hotel jedes Jahr mit den World Travel Award ausgezeichnet und zwar in den Kategorien „England’s Leading Resort“ bzw. „England’s Leading Spa Resort“ und seit 2016 war es jeweils nominiert und zwar gemeinsam mit solch renommierten Hotels wie Chewton Glen, Stoke Park und Four Seasons Hampshire.

Das Hotel liegt südwestlich von Derby am Ortsrand des Dorfes Hoar Cross in der Grafschaft Staffordshire. Es ist ein beeindruckendes Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, das von dem Architekten Henry Clutton im sogenannten „Neo Jacobean“-Stil gebaut wurde. Clutton entwarf auch das Welcombe Hotel in Stratford-on-Avon und baute den Wasserturm am Cliveden Hotel bei Taplow in Berkshire.

Das Abendessen wird im Ballroom eingenommen; von hier aus hat man einen sehr schönen Blick auf die Gartenanlagen. Im Spabereich wird das Mittagessen serviert und in der Hall kann man nachmittags einen Tee oder Kaffee trinken.

Hoar Cross Hall bietet 96 Zimmer und Suiten. Die günstigste Übernachtung in einem Standard-Doppelzimmer kostet innerhalb der Woche um €155 inklusive Frühstück (z.B. bei booking.com). Die Standard-Suite liegt bei ca €245; größere Suiten, und als Prunkstück die Royal Suite, stehen ebenfalls zur Verfügung. An den Wochenenden liegen die Übernachtungspreise höher.

Der Wellness-Bereich ist riesig mit zwei Pools und unzähligen Möglichkeiten, sich von fachkundigem Personal behandeln zu lassen. Dem Hotel angeschlossen ist eine Golfakademie, man kann Tennis spielen oder seine Bogenschießkünste verfeinern.

In diesem Film kann man sich das alles noch einmal ansehen.

Hoar Cross Hall Hotel
Hoar Cross
Maker Lane
Near Yoxall
Staffordshire
DE13 8QS

Die Bibliothek.
Author: Checksandbalances.
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The Long Gallery.
Author: Checksandbalances.
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Published in: on 4. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der High Bentham Incident in North Yorkshire – Was passierte hier am 16. Januar 2005?

Der Tatterthorn Lane zwischen Ingleton und High Bentham in North Yorkshire.
Photo © Michael Graham (cc-by-sa/2.0)

Am Abend des 16. Januars 2005 ereignete sich etwas sehr Merkwürdiges am nördlichen Rand des Forest of Bowland in der Region North Yorkshire/Lancashire. Nach dem Abendessen in einem Little Chef-Restaurant an der A65 fuhren eine junge Frau, ihre Mutter und ihre zwei Söhne nach Hause zurück. In Ingleton bogen sie auf den Tatterthorn Lane in Richtung High Bentham ab, das ist ein Dorf mit 3000 Einwohnern, das noch zu North Yorkshire gehört. Die von Steinmauern umgebene Straße ist sehr schmal, so dass zwei Autos gerade so aneinander vorbeikommen. Nach einigen hundert Metern Fahrt auf dem Tatterthorn Lane tauchte vor der Familie eine Häuserreihe auf, deren Schornsteine sich vor dem Abendhimmel abzeichneten. Plötzlich tauchte vor dem Auto, nach den Aussagen der vier Insassen, ein extrem helles Licht auf, das sich erst mit hoher Geschwindigkeit von oben nach unten bewegte, eine Weile vor dem Auto stand und dann wieder mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Forest of Bowland davonschoss. Die Familie kam erst wieder zu sich, als sie durch High Bentham fuhr und nicht wusste, was da eben geschehen war.

Am nächsten Tag wandte sich die Mutter an den Radiosender Radio Lancashire und berichtete von ihrer seltsamen Begegnung. Die Lancashire Anomalous Phenomena Investigation Society schaltete sich ein, nahm mit der Familie Kontakt auf, und sie fuhren zusammen die Strecke noch einmal ab. Dabei stellten sie fest, dass man für den Weg von der unheimlichen Begegnungsstätte bis nach High Bentham in der Regel neun Minuten benötigt, die Familie kam aber erst nach etwas mehr als einer Stunde im Dorf an. Was war in dieser Zeit mit den vier Personen passiert? In der Rückerinnerung fuhren sie auf einer gerade verlaufenden breiten Straße, während der Tatterthorn Lane, wie oben beschrieben, sehr schmal ist und viele enge Kurven hat.

Ufologen sprechen hier von dem Missing Time Phenomenon, von dem Menschen in aller Welt schon berichtet haben, und behaupten, dass diese kurzfristig Opfer einer Entführung durch außerirdische Wesen gewesen sein sollen. Was auch immer an diesem Januarabend zwischen Ingleton und High Bentham passiert ist, das Ereignis hat tiefe Spuren bei der betroffenen Familie hinterlassen wie dieser Film zeigt.

Die Hauptstraße von High Bentham zur Zeit des Zwischenfalls auf dem Tatterthorn Lane.
Photo © SIMON PHILLIPS (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Themselöwen am Londoner Victoria Embankment und ihre verantwortungsvolle Aufgabe

Bronzene oder steinerne Löwen finden sich in London auf Brückenköpfen und Plätzen, daher ist es schon sonderbar, sie auch an der Kaimauer der Themse am Victoria Embankment zu sehen, das heißt, man sieht sie von der Straße aus nicht, man muss sich schon über die Mauer beugen, und es sind auch keine kompletten Löwen, sondern nur deren Köpfe, jeweils mit einem Ring im Maul. Gedacht waren diese Ringe einmal dafür, Boote daran zu vertauen, doch das ist wohl bisher eher selten passiert.

Die Löwen haben eine wichtige Aufgabe für ihre Heimatstadt London übernommen, als sie Ende der 1860er Jahre an der Mauer installiert worden, sie müssen nämlich den Wasserstand der Themse überwachen und signalisieren, wenn dieser für die Londoner City gefährlich werden könnte. Folgendes Gedicht umreißt die Funktion der Löwenköpfe:

“When the lions drink, London will sink”
“When it’s up to their manes, we’ll go down the drains”
“When the water is sucked, you can be sure we’re all … in trouble”

Es kann schon einmal sein, dass die Themse bei Hochwasser bis an die Köpfe heranreicht, es kommt aber eher selten vor.

Sir Joseph Bazalgette hat die Tiere an der Themsemauer anbringen lassen und zwar im Zuge des Baus seines Abwasseranlagensystems in den Jahren 1868 bis 1870. Gestaltet hat sie der Londoner Bildhauer Timothy Butler (1806-1885), der auch die Straßenleuchten an der Uferstraße entworfen hat. Bekannt war er allerdings vorwiegend für die Anfertigung von Büsten.

Published in: on 2. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Battle of George Green in Wanstead (Greater London) – Der Kampf für den Erhalt einer 250 Jahre alten Kastanie

Die Kastanie auf dem George Green, kurz bevor sie beseitigt wurde.
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Bis zum Jahr 1965 gehörte Wanstead zu der Grafschaft Essex, danach wurde die Stadt in die Region Greater London eingemeindet. Der rund 12 000 Einwohner große Ort liegt im Nordosten der Metropole. Die A12 zieht eine Schneise durch Wanstead und verschwindet kurzzeitig unterirdisch am George Green im George Green Tunnel. Der Bau dieser Straße, A12 Hackney to M11 link road genannt, führte in den 1990er Jahren zu großen Bürgerprotesten in Wanstead, in deren Mittelpunkt ein 250 Jahre alter Kastanienbaum stand, denn der sollte nach den Planungen der Straßenbaubehörde weg, weil er den Bauarbeiten im Weg stand. Der Tunnel für die Straße wurde nicht, wie man es für die Anlage der U-Bahn kennt, komplett unterirdisch durchgeführt, sondern mit der Cut and Cover-Methode, das heißt, die Trasse wurde erst aufgegraben und anschließend wieder abgedeckt.

Wansteads Bürger gingen 1993 auf die Barrikaden und kämpften für ihre Kastanie, angeführt von einer Lollipop Lady, einer Schülerlotsin, die Kinder aus der Umgebung animierte, sich für den Erhalt des Baumes einzusetzen und die wiederum ihre Eltern mit ins Boot holten. Die Baumschützer, die mittlerweile auch aus anderen Regionen Englands hierhergekommen waren, zogen alle Register, bauten ein Baumhaus im Gipfel der Kastanie, das kurzzeitig sogar eine eigene Postleitzahl bekam (E11 1AA), zogen vor Gericht, rissen die von der Baufirma rund um den Baum aufgestellten Zäune nieder und bildeten eine Menschenmenge um das zu schützende Objekt. Doch es half alles nichts, am 7. Dezember griff die Polizei ein, die vier Stunden brauchte, um alle Demonstranten zu entfernen, so dass schließlich eine Baumaschine freie Bahn hatte, den Kastanienbaum, der mittlerweile nur noch The Tree genannt wurde, umzureißen. So war alles umsonst, die Lollipop Lady war auch entlassen worden, weil sie die Protestaktionen in ihrer Dienstuniform durchgeführt hatte. Ein Debakel auf der ganzen Linie, die Behörden hatten gewonnen. Der Verkehr braust unterirdisch am George Green vorbei, doch dort stehen glücklicherweise noch weitere Bäume, darunter auch Kastanien.

Hier ist ein Film, der den Battle of George Green dokumentiert.

Eine junge und eine alte Kastanie auf dem George Green in Wanstead.
Photo © Roger Jones (cc-by-sa/2.0)

The National Film and Television School in Beaconsfield (Buckinghamshire)

Die großen Londoner Filmstudios liegen bzw. lagen alle an der Peripherie der Stadt. Die Pinewood Studios sind in Iver Heath (Buckinghamshire), die Elstree Studios in Borehamwood (Hertfordshire) und die Shepperton Studios in Shepperton (Surrey), um nur drei Beispiele zu bringen.
Die Beaconsfield Film Studios westlich von London, in der Grafschaft Buckinghamshire, gehören ebenfalls dazu. Sie begannen 1922 mit der Produktion von Filmen und bis in die 1960er Jahre wurde hier gedreht. Die International Movie Database listet 115 Filme auf, die in den Beaconsfield Studios entstanden, darunter die TV-Serie „Ivanhoe“ mit Roger Moore in der Hauptrolle, „Time Lock“ (dt. „Zwölf Sekunden bis zur Ewigkeit“) mit Robert Beatty und „The Wrong Arm of the Law“ (dt.“Gentlemenkillers“) mit Peter Sellers.

1971 wurde in Beaconsfield die National Film School gegründet, später in The National Film and Television School (NFTS) umbenannt, die auf das Gelände der ehemaligen Filmstudios zog. Die Schule hat hier alle Möglichkeiten, die man benötigt, um professionell Filme zu produzieren und sie gehört zu den renommiertesten ihrer Art weltweit. Wer an der NFTS seinen Abschluss macht, kann so gut wie sicher sind, eine Anstellung in der Filmindustrie zu bekommen. Die Produktionen der etwa 220 Studenten, die hier eingeschrieben sind, haben schon eine ganze Reihe von Preisen gewonnen, einige von ihnen sind sogar schon für einen Oscar nominiert worden.
Unterstützt wird die NFTS u.a von der BBC, der ITV und von Channel 4. Zu den Honorary Fellows zählen so berühmte Leute wie Lord Richard Attenborough, Sir Michael Caine, Sir David Lean und Ken Loach.

Zu den Studiengängen gehören beispielsweise Directing Commercials, Production Design, Screenwriting und Composing for Film & Television.

Im Jahr 2008 wurde ein neues Gebäude eingeweiht, The Oswald Morris Building, benannt nach dem vielleicht berühmtesten Kameramann Englands, Oswald Morris (1915-2014).

Die NFTS liegt in Beaconsfield an der Station Road, deren Verlängerung, Aylesbury End, auf den großen Kreisverkehr mitten im Ort mündet, der von der A40 gekreuzt wird. Die Kleinstadt gehört zu den wohlhabendsten Orten im Londoner Speckgürtel. Mehrere „Inspector Barnaby“-Episoden wurden hier gedreht (s. dazu meinen Blogeintrag). Ich war zuletzt vor einem halben Jahr hier und hatte große Probleme, einen Parkplatz zu finden, die Stadt war komplett zugeparkt. Ich habe den Eindruck, dass es in England wesentlich mehr Autos gibt als in Deutschland.

Author: Simonjon.
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Weston Longville (Norfolk), James Woodforde und die Tagebücher eines Landpfarrers

Parson Woodforde.
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The Diary of a Country Parson„, also das Tagebuch eines Landpfarrers, umfasst die Aufzeichnungen des James Woodforde, der von 1776 bis 1803 die Gemeinde von Weston Longville in Norfolk (rund 13 Kilometer nordwestlich der Grafschaftshauptstadt Norwich) betreute. In Auszügen sind die Tagebücher noch heute im Buchhandel erhältlich.
James Woodforde wurde 1740 in der Grafschaft Somerset geboren, er starb 1803 in Weston Longville und ist auch dort beerdigt.

Die Tagebücher beinhalten nichts Aufsehenerregendes oder Sensationelles; der Leser erfährt aber so einiges über das Leben in einem Dorf in East Anglia in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Wir begegnen dem Schmuggler Andrew und der Witwe Pratt, hören wie die Winter hier im Osten Englands waren und jede Menge Dorfklatsch. Besonders gern berichtet Parson Woodforde von den gewaltigen Mahlzeiten, die er zusammen mit Freunden einnimmt und beschreibt  detailliert, was da so alles auf den Tisch kam, zum Beispiel ein Kalbskopf, ein Hammelrücken, ein Schwan mit Johannisbeergelee, verschiedene Sorten Wildgeflügel und eine Dessertauswahl mit Pflaumenmus und Früchten. Ja, Woodforde ließ es sich gut gehen in Weston Longville.

Das Pfarrhaus, in dem er wohnte, existiert nicht mehr, es wurde abgerissen und durch ein neues ersetzt. Diese Old Rectory wurde 1971 von der Kirche verkauft, kam in Privathand und war vor zwei Jahren für £1.5 Millionen erneut auf dem Markt.

Parson Woodfordes All Saints‘ Church in Weston Longville steht noch immer, ein paar Schritte davon entfernt liegt der Dorfpub, ein Free House, der sich natürlich The Parson Woodford nennt und in dem man in den Tagebüchern des Pfarrers blättern kann, die für die Gäste bereit liegen.

Damit der Pfarrer nicht in Vergessenheit gerät, sorgt The Parson Woodforde Society, die 1968 gegründet wurde.

Das Buch zum Artikel:
Roy Winstanley: Parson Woodforde – The Life and Times of a Country Diarist. Morrow 1996. ISBN  978-0948903380.

Die All Saints‘ Church, der Wirkungsbereich von James Woodforde.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)

Hier predigte Parson Woodforde.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Der Dorfpub.
Photo © Ruth Sharville (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mister Fitzpatrick’s Temperance Bar in Rawtenstall (Lancashire) – Die letzte alkoholfreie Bar Englands

Eine Bar in England, die keinen Alkohol ausschenkt? Gibt es so etwas? Ja, gibt es, aber nur noch eine und zwar in Rawtenstall in Lancashire.

Während der Industriellen Revolution erlebte der Nordwesten Englands eine starken Bevölkerungszuwachs und damit verbunden eine Zunahme an Alkoholismus, da man an jeder Straßenecke Bier oder Gin kaufen konnte. Als Gegenbewegung entstand die Temperance Movement (Abstinenzbewegung), die einen totalen Verzicht auf Alkohol predigte. Es entstanden sogenannte Temperance Bars, in denen man beispielsweise Ingwerbier, Vimto (Saft von Weintrauben, Himbeeren und schwarzen Johannisbeeren) oder Sarsaparilla (ein Getränk aus Stechwinden) kaufen konnte.

Eine letzte dieser Bars ist übriggeblieben, Mister Fitzpatrick’s Temperance Bar in Rawtenstall in Lancashire. Hier wird nach wie vor kein Alkohol ausgeschenkt, dafür aber die oben erwähnten, exotisch klingenden Getränke.
Malachi Fitzpatrick war der letzte aus der Familie, der die Bar über 50 Jahre lang betrieb, bis ins hohe Alter von 90 Jahren. Danach folgte ein Besitzerwechsel, doch die Bar behielt ihren Namen.

Heute kann man Mister Fitzpatrick’s Produkte auch online kaufen. Wie wäre es einmal mit dem Kräuterlikör Lemon & Ginger Cordial oder mit dem nicht so appetitlich klingenden Blood Tonic oder mit Dandelion & Burdock (ein Mix aus Löwenzahn und Klette)?
Hier ist das alles noch einmal im Film zu sehen.

Mr Fitzpatrick’s
Number 1
Fallbarn Road
Rawtenstall
Rossendale
Lancashire
BB4 7NT

 

 

Published in: on 28. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Charles Darwin (1809-1882) – Einer der berühmtesten englischen Naturforscher und seine Erinnerungsstätten in Shrewsbury (Shropshire)

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Charles Darwins Evolutionstheorie gehört zu den wichtigsten Beiträgen, die England zur Naturforschung beigetragen hat. Noch heute finden wir in seiner Geburtsstadt Shrewsbury (Shropshire) Erinnerungsstätten an den berühmten Forscher, die ich in diesem Beitrag im Bild vorstellen möchte.

Charles Darwin wurde am 12. Februar 1809 in The Mount geboren, einem Haus, das seinem Vater, ein wohlhabender Arzt, gehörte. Das Haus existiert noch heute und liegt an der Straße, die ebenfalls The Mount heißt. Es bestand einmal die Gefahr, dass das Gebäude abgerissen werden sollte, um Platz für eine neue Wohnanlage zu schaffen, doch auf Druck der Anwohner der Straße wurde das Projekt beerdigt. In Darwins Geburtshaus ist die Valuation Office Agency von Shrewsbury untergebracht, eine Behörde, die sich mit der Wertermittlung von Gebäuden und Grundstücken befasst.

The Mount.
Photo © Jeremy Bolwell (cc-by-sa/2.0)

Charles Darwin besuchte von 1818 bis 1825 die Shrewsbury School, die er hasste und in der er auch wohnen musste. Heute findet sich in dem Gebäude  an der Castle Street die Shrewsbury Library und direkt davor hat man dem großen Sohn der Stadt ein Bronzedenkmal gesetzt, das 1897 eingeweiht wurde. Geschaffen hat es der Bildhauer Horace Montford, der auch in Shrewsbury geboren wurde. Eine Plakette an der Castle Gates Bibliothek erinnert u.a. auch an Charles Darwin.

Photo © ceridwen (cc-by-sa/2.0)

Getauft wurde Charles Darwin am 15. November 1809 in der St Chad’s Church an der St Chad’s Terrace in Shrewsbury.

Anlässlich des 200. Geburtstags des Naturforschers im Jahr 2009 erhielt Darwin eine weitere Ehrung in Form der Skupltur The Quantum Leap. die am Ufer des Flusses Severn aufgestellt wurde. Der Architekt Ranbir Lal hat das 113 Tonnen schwere Kunstwerk entworfen. Es wird häufig The Slinky genannt, weil es doch sehr an das Kinderspielzeug erinnert, das Treppen heruntergehen kann.

Natürlich hat man in Shrewsbury auch eine Straße nach dem Forscher benannt. Die Darwin Street ist allerdings recht klein und unscheinbar für einen so bedeutenden Mann.

Dieser Film zeigt einen Rundgang durch Shrewsbury auf Darwins Spuren.

Published in: on 27. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Kaspar, die schwarze Holzkatze des Londoner Savoy Hotels, und ihre spezielle Aufgabe

Kaspars Zuhause, das Savoy Hotel.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Im Foyer des Londoner 5*-Hotels The Savoy trifft man auf einem Tischchen auf eine schwarze Holzkatze, ca 60 cm hoch. Ihr Name ist Kaspar und ihr ist eine ganz besondere Aufgabe im Hotel zugedacht. Hin und wieder darf sie ihren Platz verlassen und wird an einen Tisch gebeten, wo sie ein weißes Lätzchen umgebunden bekommt und wo für sie gedeckt ist. An diesem Tisch nehmen jeweils dreizehn Gäste Platz (sind es mehr oder weniger werden Kaspars Dienste nicht benötigt), die sich einen schönen Abend in einem der besten Hotels der Stadt machen möchten. „Dreizehn bei Tisch“ geht gar nicht, denn das bringt Unglück, darum fungiert Kaspar als vierzehnter Gast… und alles ist wieder in bester Ordnung.

Dieses Ritual geht auf ein Vorkommnis aus dem Jahr 1898 zurück, als der südafrikanische Diamantenhändler Woolf Joel  ein Abendessen im Savoy gab. Kurz vorher hatte einer der geladenen Gäste abgesagt, so dass plötzlich dreizehn Gäste am Tisch saßen. Kein Problem meinte der Gastgeber, ich bin nicht abergläubisch. Aber einer der Anwesenden war der Meinung, dass die Zahl 13 Unglück bringt und deutete an, dass der Erste, der den Tisch verlassen auch als Erster in der Runde sterben würde. Woolf Joel stand auf… und nichts passierte. Lachend setzte er sich wieder hin. Kurze Zeit später, am 14. März 1898, wurde Mr. Joel von Baron Von Veltheim erschossen, weil er sich geweigert hatte, an einem Attentat auf den südafrikanischen Präsidenten Paul Kruger mitzuwirken. Woolf Joel war also tatsächlich der Erste aus der Savoy-Runde, der starb.
Das Management des Savoy Hotels entschied, dass es ab sofort kein „Dreizehn bei Tisch“ mehr geben würde und von nun an, sollten sich wieder einmal dreizehn Gäste zusammenfinden, jemand vom Personal dazusetzen sollte, was sich aber als unpopulär herausstellen sollte. 1927 entschied man sich für eine andere Lösung. Der Architekt Basil Ionides, der gerade mit der Umgestaltung des Savoy Theatres beschäftigt war, erhielt den Auftrag, eine schwarze Katze zu entwerfen, der der Name Kaspar gegeben wurde. Bis heute versieht Kaspar ihre Aufgabe einwandfrei und soviel ich weiß, sind nie Klagen über sie gekommen.

Kaspar’s ist auch der Name des Meeresfrüchte-Restaurants des Savoy Hotels. Anlässlich der Eröffnung hat der südafrikanische Künstler Jonty Hurwitz eine neue, anamorphe Version von Kaspar geschaffen, die hier zu sehen ist.

Der englische Kinderbuchautor Michael Morpurgo hat einmal ein Buch mit dem Titel „Kaspar: Prince of Cats“ geschrieben. Er kannte die schwarze Holzkatze persönlich, da er im Jahr 2007 einmal Writer in Residence im Savoy Hotel war. Hier liest der Autor ein Stück aus seinem Buch vor.

 

Published in: on 26. April 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Jacob Epsteins umstrittene Skulpturen am Zimbabwe House am Londoner Strand

Das Londoner Zimbabwe House. Die Skulpturen Epsteins sind auf halber Höhe des Gebäudes zu sehen.
This work has been released into the public domain.

Im Jahr 1908 bekam der damals 28jährige Architekt Jacob Epstein den Auftrag, das Gebäude der  British Medical Association (BMA) an der Londoner Straße Strand mit Skulpturen zu verzieren, sein erster großer Auftrag. Mit Begeisterung machte er sich an die Aufgabe und schuf achtzehn etwa 2,50 Meter hohe Figuren, die er „Ages of Man“ nannte. Kaum war die Figurengruppe oben am Haus angebracht, brach ein Sturm der Entrüstung los, denn die Skulpturen zeigten die nackten Körper von Männern und Frauen, und das fanden viele Londoner obszön. Je mehr über die Epsteinschen Kunstwerke diskutiert wurde, umso mehr Menschen kamen extra nach London, um sie sich anzusehen. Bestrebungen, die Skulpturen wieder zu entfernen, widerstand die BMA und nach und nach beruhigten sich die Menschen wieder… bis 30 Jahre später, die nackten Damen und Herren erneut ins Rampenlicht rückten. Das Gebäude an der Ecke Strand/Agar Street wurde von der Rhodesian High Commission übernommen und nannte sich von da an Rhodesia House. Die Londoner Abgase hatten in den vergangenen 30 Jahren erbebliche Schäden an den Figuren angerichtet, es bröckelte und bröselte an allen Ecken und Enden. Eines Tages fiel ein Körperteil einer der Skulpturen herunter und traf dabei einen Passanten, und da gibt es unterschiedliche Aussagen, um was es sich da handelte. Da ist einmal die Rede von einem Penis und ein anderes Mal von einem Kopf.  Simon Leyland spricht sich in seinem Buch „A Curious Guide to London“ für die Penisvariante aus und meint sogar, dass der Passant gestorben ist. Was nun auch immer stimmt, die Eigentümer des Gebäudes, die die bröckelnden Nackten sowieso nicht mochten, ließen sämtliche hervorstehenden Körperteile entfernen, damit sich so ein Unfall nicht mehr wiederholen konnte.

Heute sieht man die achtzehn unglücklichen, entmannten und entstellten Skulpturen noch immer in luftiger Höhe in ihren Nischen stehen, und der Zahn der Zeit nagt weiter an ihnen wie dieser Film zeigt. Ihr Schöpfer, Jacob Epstein, der von 1880 bis 1959 lebte, gehört zu den wichtigsten englischen Bildhauern des 20. Jahrhunderts.

In dem jetzt Zimbabwe House genannten Gebäude befindet sich die Botschaft des Staates Zimbabwe.

Copyright: „LondonRemembers.com

Published in: on 25. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Crooked Billet in Stoke Row (Oxfordshire)

Über meinen Besuch in Stoke Row (Oxfordshire), in Zusammenhang mit dem Maharajah’s Well, berichtete ich in meinem Blog vor einigen Jahren. Auch einen der beiden örtlichen Pubs, The Cherry Tree Inn, erwähnte ich in meinem Blogartikel über die englische Band T’Pau, deren Sängerin Carol Decker ihn eine Zeit lang besaß. Nun gibt es in Stoke Row noch einen weiteren Pub, der etwas versteckt am Ortsrand am Newlands Lane liegt und der The Crooked Billet heißt. In dem 1642 erbauten Gasthaus soll der berüchtigte Straßenräuber Dick Turpin früher ein und ausgegangen sein, denn er hatte sich in die hübsche Tochter des Wirts verliebt. Dann gab es einmal einen Landlord, der häufig abends vor dem Kamin im Gastraum einschlief, so dass sich die Gäste ihr Bier selbst zapfen mussten und das entsprechende Geld dafür auf dem Tresen liegen ließen, was offensichtlich gut klappte, weil die Einwohner von Stoke Row ehrliche Leute waren.

1989 wurde The Crooked Billet, der ziemlich heruntergekommen war, von Paul Clerehugh übernommen, der aus dem hässlichen Entlein einen schönen Schwan machte. Im Handumdrehen entwickelte sich der Pub zu einem Treffpunkt für Feinschmecker, und es heißt, dass der Begriff Gastropub erstmals für dieses Gasthaus in Stoke Row verwendet wurde. Aus diesem Grund sind hier auch schon namhafte Sterneköche gesichtet worden.

Als die Schauspielerin Kate Winslet am 22. November 1998 in Reading (Berkshire), wo sie auch geboren wurde, Jim Threapleton heiratete, fuhr die Hochzeitsgesellschaft anschließend nach Stoke Row, wo alle im The Crooked Billet… Bangers and Mash vorgesetzt bekamen, jenes traditionelle britische Essen, das aus Würstchen und Kartoffelmus besteht. Dass die Ehe nur drei Jahre Bestand hatte, ist sicher nicht auf Paul Clerehughs Essen zurückzuführen.

Doch nicht nur Prominente, die in der Region wohnen, sind gern in dem Pub zu Gast, auch Filmcrews haben schon mehrere Male The Crooked Billet als Drehort aufgesucht, zum Beispiel für die TV-Serien „Jeeves&Wooster“, „Land Girls“ und „Midsomer Murders“ (in Episode 12 „Judgement Day“, die in Deutschland als „Der Mistgabelmörder“ gezeigt wurde).

The Crooked Billet
Newlands Lane
Stoke Row
Henley On Thames
RG9 5PU

The Fowey Festival of Arts and Literature – Ein Festival in Cornwall, über dem der Geist von Daphne du Maurier schwebt

Fowey in Cornwall.
Photo © Oliver Mills (cc-by-sa/2.0)

The Daphne du Maurier Festival of Arts and Literature wurde erstmals im Mai 1997 in Fowey (Cornwall) abgehalten, um damit den 90. Geburtstag der 1989 verstorbenen Schriftstellerin zu feiern. Daphne du Maurier hatte einen großen Teil ihres Lebens in der Region Fowey an der Südküste Cornwalls verbracht. Wer sich der kleinen Stadt mit der Autofähre von Bodinnick aus nähert, kommt dort am Fähranleger an dem Haus Ferryside vorbei, in dem die Schriftstellerin mehrere ihrer Bücher verfasste.

Das jährlich im Mai stattfindende Festival, von der du Maurier Festival Society organisiert, wurde im Jahr 2016 in The Fowey Festival of Arts and Literature umbenannt, doch der Geist der Autorin schwebt nach wie vor über den Festivaltagen, was sich auch darin zeigt, dass man sich mit ihr in Vorträgen beschäftigt.

Das diesjährige Festival beginnt am 11. Mai und endet am 19. Mai. Eröffnet wird es mit einem Auftritt der Mädchen-Folkgroup The Wildwood Kin in der St Fimbarrus Church (hier mit „Warrior Daughter“ zu sehen). An den folgenden Tagen finden u.a. folgende Veranstaltungen statt:

Sir Tim Smit, der sich um Cornwall verdient gemacht hat, indem er das Eden Project mit ins Leben rief und die Lost Gardens of Heligan restaurierte, hält in St Fimbarrus einen Vortrag mit dem Thema „Eden and Beyond“.

Ebenfalls in der Kirche zu hören ist John Nettles, als Detective Inspector Tom Barnaby bestens bekannt. In seinem Vortrag „One Career, Four Decades“ spricht er über sein Leben.

Charles Spencer, Bruder von Prinzessin Diana, ist in St Fimbarrus mit dem Vortrag „To Catch a King – Charles II’s Great Escape“ zu hören.

Ein Spaziergang durch Fowey auf den Spuren du Mauriers und ihrer Romangestalten kann am Sonntag, dem 13. Mai gebucht werden und einen Tag später trifft sich im Fowey Hotel eine Diskussionsgruppe, die sich mit Daphne du Mauriers letztem Roman „Rule Britannia“ (dt. „Die standhafte Lady“) beschäftigt.

Die australische Literaturwissenschaftlerin Teresa Petersen wird in ihrem Vortrag „Daphne du Maurier: Looking Inward“ die interessante These aufstellen, dass Inzest in vielen Romanen eine wesentliche Rolle spielt, was sie auf die persönliche Einstellung der Autorin dazu zurückführt.

Das sind nur einige Beispiele für die vielen Veranstaltungen, die während der neun Tage in Fowey geboten werden. Das gesamte Programm ist dieser Webseite zu entnehmen.

Daphne du Mauriers Haus Ferryside am Fähranleger von Bodinnick.
Photo © roger geach (cc-by-sa/2.0)

St Fimbarrus in Fowey.
Photo © John Gibson (cc-by-sa/2.0)

 

Mein Buchtipp – Brian Bailey: The English Village Green

Foto meines Exemplars.

Zu einem richtigen englischen Dorf, wie man sich das so vorstellt und vielleicht auch ein wenig von Miss Marples St Mary Mead beeinflusst worden ist, gehören unbedingt der gemütliche Pub, die Kirche, daneben des Haus des Vikars, das Manor House und der Dorfanger, also das Village Green. Während die Literatur über Pubs, Kirchen und Manor Houses zahlreich ist, gibt es nur ganz wenige Bücher, die sich mit dem Thema „Village Green“ beschäftigen.

Brian Bailey hat bereits 1985 das Buch „The Village Green“ veröffentlicht, danach ist nichts Nennenswertes mehr darüber erschienen. „The village green, whatever its original purpose may have been, remains one of the most ancient and characteristic symbols of Englishness...“. so Brian Bailey. Leider droht auch diesem „symbol of Englishness“ die Ausrottung, denn in vielen Dörfern sind sie bereits verschwunden, zubetoniert, um Parkplätze zu schaffen oder um Straßen anzulegen.

Nach zwei einführenden Kapiteln über den Ursprung und den Sinn und Zweck englischer Dorfanger, stellt Brain Bailey, nach Regionen geordnet, die schönsten und sehenswertesten Greens vor. Manche Grafschaften können eine stattliche Zahl vorweisen, in anderen muss man sie mit der Lupe suchen (wie in Cornwall, Staffordshire oder Shropshire). Der Autor muss riesige Strecken zurückgelegt haben, um sich die (noch) vorhandenen Village Greens anzusehen. Das Buch endet mit dem Kapitel „The Future of Village Greens“ und einer Top Twenty-Liste von Baileys Lieblings-Greens, auf der sich u.a. die von Aldbury in Hertfordshire (bei meinem Besuch im letzten Jahr sah das leider etwas ungepflegt aus), Haddenham in Buckinghamshire (da stimme ich völlig zu), Tolpuddle in Dorset (klein, aber fein) und Finchingfield in Essex (vielleicht das schönste im ganzen Land) befinden.

Obwohl das vergriffene, aber leicht antiquarisch zu bekommene Buch schon 33 Jahre alt ist und einige der erwähnten Greens wohl nicht mehr existieren, kann ich es allen sehr empfehlen, die sich mit dieser Materie näher beschäftigen möchten.

Hier ist eine kleine Auswahl meiner persönlichen Lieblinge.

Brian Bailey: The English Village Green. Robert Hale 1985. 223 Seiten. ISBN 0-7090-2339-1.

Meine persönliche Nummer 1: The Lee in Buckinghamshire.
Eigenes Foto.

Littlewick Green bei Maidenhead in Berkshire. Village Green mit Pub, The Cricketers. Hier wird natürlich auch Cricket gespielt. 
Eigenes Foto.

Brill in Buckinghamshire.
Eigenes Foto.

Haddenham in Buckinghamshire mit Kirche und Dorfteich.
Eigenes Foto.

Westlington in Buckinghamshire.
Eigenes Foto.

Warborough in Oxfordshire: Hier gibt es einen Pub, The Six Bells, und auf dem Green wird Cricket gespielt.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 22. April 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Begegnungen mit Pumas und anderen Großkatzen in England

Ein Warnhinweis bei Fordham in Essex…
Photo © Andrew Hill (cc-by-sa/2.0)

Die Journalistin und Zeichnerin Merrily Harpur widmet einen Teil ihrer Zeit, um einem Phänomen auf die Spur zu kommen, dass die Grafschaft Dorset schon seit geraumer Zeit bewegt: Der Sichtung von Großkatzen (Panther? Pumas?), die eigentlich im Süden Englands nichts zu suchen haben. Merrily Harpur hat bereits zwei Bücher darüber geschrieben „Roaring Dorset: Encounters with Big Cats“ (2008) und „Mystery Big Cats“ (2006).

Doch nicht nur in Dorset, auch in anderen Grafschaften Englands, sind Panther, Puma und Co. gesehen worden. Die Schwerpunkte liegen in Devon und Yorkshire. Die British Big Cats Society beschäftigt sich intensiv mit dem Phänomen, ebenfalls die UK Big Cats Website, bei der man Sichtungen melden kann.

Was ist dran an diesen merkwürdigen Begegnungen? Sind sie glaubhaft oder nur Hirngespinste? Nach der Verabschiedung des Dangerous Wild Animals Acts im Jahr 1976 wurde es für die Besitzer exotischer Tiere schwieriger, sie zu halten, und so gaben viele diese bei Zoos ab, ließen sie einschläfern oder einige übergaben sie einfach der freien Natur, was bis dahin nicht verboten war. So können möglicherweise einige dieser Tiere überlebt und sich vermehrt haben. Dass es nicht viel mehr Sichtungen im dichtbesiedelten England gibt, liegt vielleicht daran, dass sich die Exoten in Regionen zurückgezogen haben, in denen wenige Menschen leben wie zum Beispiel das Dartmoor und das Exmoor in Devon.
The Beast of Exmoor sorgt immer wieder für Schlagzeilen; es soll allein im Jahr 1983 achtzig Schafe gerissen haben. Einige Jahre später wurden sogar die Royal Marines hinzugezogen, die Jagd auf das Tier machten, allerdings erfolglos. Trevor Beer hat ein Buch über das Phänomen geschrieben: „The Beast of  Exmoor: Fact or Legend?“ (Countryside 1984), ebenso Di Francis: „The Beast of Exmoor and Other Mystery Predators of Britain“ (Jonathan Cape 1993).

Hier ist eine zweiteilige Dokumentation, die sich mit dem Thema beschäftigt:
Teil 1  Teil 2

Published in: on 21. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Morpeth Arms im Londoner Stadtteil Pimlico – Von Spionen und gruseligen Gewölben

The Morpeth Arms ist ein Pub im Londoner Bezirk Pimlico, und er liegt an der Ecke Millbank/Ponsonby Place. Die direkten Nachbarn sind das Chelsea College of Arts und dahinter Tate Britain. Vom an der Themse gelegenen Pub aus hat man einen direkten Blick auf das auf der anderen Seite des Flusses gelegene Gebäude des MI6, in dem der britische Auslandsgeheimdienst untergebracht ist, James Bond-Fans u.a. aus „Skyfall“ bekannt.

Die unmittelbare Nähe zu diesem Gebäude, in dem Agenten ein und ausgehen, hat die  Pubbetreiber veranlasst, im zweiten Stock den „Spying Room“ einzurichten, einen Raum, der für private Feiern gemietet werden kann und dessen Wände mit Fotos von berühmten Spionen dekoriert sind. Es liegen Ferngläser bereit, mit denen man sich das MI6 Building näher heranholen und „ausspionieren“ kann.

The Morpeth Arms steht auf einem Gelände, das früher einmal das berüchtigte Millbank Prison beherbergte. In diesem Gefängnis wurden u.a. auch die zur Deportation nach Australien verurteilten Häftlinge untergebracht. Ein Poller an der Themse erinnert daran und trägt die Inschrift: “ „Near this site stood Millbank Prison which was opened in 1816 and closed in 1890. This buttress stood at the head of the river steps from which, until 1867, prisoners sentenced to transportation embarked on their journey to Australia.“

Unterhalb des Pubs sind noch einige Gewölbe mit Gefangenenzellen vorhanden, in denen es spuken soll und in denen schon Ghost Hunts stattfanden. Dort unten ist eine CCTV-Kamera aufgestellt, die Live-Bilder nach oben in die Bar überträgt.

The Morpeth Arms ist täglich von 10 Uhr bis 23 Uhr geöffnet, nur sonntags von 12 Uhr bis 21 Uhr.

58 Millbank
Pimlico
London
SW1P 4RW

Dieser Poller erinnert an die nach Australien deportierten Häftlinge. Im Hintergrund links das MI6-Gebäude.
Author: Tarquin Binary
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Published in: on 20. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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