Lloyd’s, die wohl berühmteste Versicherungsgesellschaft der Welt und einige kuriose Versicherungsabschlüsse

Das Hauptquartier von Lloyd's of London.   © Copyright Stephen Richards and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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In der Londoner Lime Street steht das Hauptquartier der wohl berühmtesten Versicherungsgesellschaft der Welt, das Lloyd’s Building, für £75 Millionen von dem renommierten Architektenbüro Richard Rodgers and Partner erbaut. Am 18. November 1986 wurde das außergewöhnliche Gebäude von ihrer Majestät Queen Elizabeth II offiziell eingeweiht. Genauso außergewöhnlich wie die Firmenzentrale sind auch einige der Versicherungsabschlüsse, die im Lauf der Jahrzehnte hier in London getätigt wurden. Einige Beispiele dafür möchte ich an dieser Stelle nennen:

Besonders kurios ist der Fall des amerikanischen Stummfilmstars Ben Turpin, dessen Markenzeichen seine schielenden Augen waren. Sollte sich das Schielen einmal von selbst geben und Ben seines Markenzeichens beraubt sein, so versicherte er sich dagegen mit der Summe von $25,000, in der damaligen Zeit eine sehr hohe Summe.

Auf £250 000 versicherte 1957 der Restaurantkritiker Egon Ronay (ich berichtete in meinem Blog über ihn) seine Geschmacksnerven. Wären die einmal ausgefallen, hätte er seinen berühmten Führer „Guide to British Eateries“ nicht mehr veröffentlichen können.

Diese beiden Fälle sind aber Peanuts gegen die £30 Millionen, für die die Beine des US-amerikanischen Tänzers Michael Flatley versichert sind, der vor allem durch seine „Riverdance – The Show“ berühmt wurde.

Das Komikerduo Abbot und Costello aus den USA, das in den 1940er und 1950er Jahre Erfolge feierte, ließ seinen Humor bei Lloyd’s versichern. £250 000 wollten sich Bud Abbott und Lou Costello auszahlen lassen, wenn es nicht mehr so gut für sie laufen würde, ihnen keine Gags mehr einfallen sollten oder sie sich so zerstreiten würden, dass ein gemeinsamer Auftritt nicht mehr möglich wäre.

Der britische Milliardär Richard Branson ist Kunde bei Lloyd’s; er hat seine Virgin Galactic Spaceships versichert, die bald Weltraumtouristen in den Orbit bringen sollen.

Ob Augen, Nasen, Zähne, Beine oder Stimmbänder (Bruce Springsteen versicherte seine Stimme für $6 Millionen), bei Lloyd’s of London kann man sich so gegen ziemlich alles und jedes versichern.

 

Published in: on 26. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Peter Skellern (1947-2017) – Ein englischer Sänger, der vor allem durch einen Song in die Popmusikgeschichte einging

Am 17. Februar starb Peter Skellern, ein Sänger, der in den 1970er Jahren von sich reden machte und mit „You’re a Lady“ in Großbritannien einen großen Hit hatte, der bis auf Platz 3 der Charts aufstieg.
Geboren wurde er 1947 in der Stadt Bury (Greater Manchester), die vor allem durch den dort hergestellten Black Pudding bekannt ist. Schon früh entdeckte er seine Liebe zur Musik und spielte in seiner Heimatstadt in der St Michael’s Church die Orgel. Später besuchte Skellern die renommierte Londoner Guildhall School of Music and Drama, wo er sich dem Klavier widmete. Nach einigen nicht sehr erfolgreichen Versuchen, in der Welt der Popmusik Fuß zu fassen, gelang ihm der Durchbruch mit dem oben genannten Song „You’re a Lady“, der in Frankreich in einer Version mit Hugues Auffray und einer weiteren mit Laurent Vergez und Brigitte Bardot gecovert wurde. Gern setzte Skellern im Hintergrund Blaskapellen ein wie zum Beispiel in „Love Is the Sweetest Thing„, bei der ihn die berühmte Grimethorpe Colliery Band begleitete (ich berichtete über die Band in meinem Blog).
Nachdem weitere Erfolge ausblieben, gründete Peter Skellern 1984 zusammen mit dem Cellisten Julian Lloyd Webber und Mary Hopkin (sie hatte 1968 ihren größten Hit mit „Those Were the Days“) die Band Oasis, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Formation der Gallagher-Brüder. Aber die drei Musiker brachten lediglich ein Album auf den Markt, bevor sie ihre Band bald wieder auflösten.

Peter Skellern schrieb Musik für Musicals, arbeitete für die BBC und komponierte in seinen letzten Jahren Chormusik. Er widmete sich verstärkt der Kirche und wurde im vorigen Jahr zum Priester geweiht. Am 17. Februar starb er an einem Gehirntumor.

Published in: on 25. Februar 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Michael Senior: No Finer Courage – A Village in the Great War

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

The Lee ist eines jener „Chocolate Box Villages“, das viele Male in der „Inspector Barnaby“-Krimiserie zu sehen war (ich berichtete in meinem Blog darüber). Es liegt in Buckinghamshire, östlich der A413, die Amersham mit Aylesbury verbindet. Neben The Lee gibt es noch Lee Common und Lee Clump, die ineinanderübergehen. Das Zentrum des winzigen Dörfchens The Lee bildet das große Village Green, an dessen einer Seite The Cock&Robin liegt. Gegenüber vom Dorfpub findet man auf dem Green das Kriegerdenkmal, das 1921 eingeweiht wurde und an die 28 Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg erinnert (später ergänzte man die Namen der 12 Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg fielen).

Mit dieser Zeit, dem Ersten Weltkrieg und wie er in The Lee erlebt wurde, beschäftigt sich Michael Seniors Buch „No Finer Courage – A Village in the Great War„. Der Autor schreibt zuerst über das Leben im Dorf, bevor die dunklen Vorboten des drohenden Krieges am Horizont erschienen. Sir Arthur Liberty, dem das große Kaufhaus in Londons Regent Street gehörte, lebte im Manor House von The Lee und war ein Wohltäter des Dorfes. Es ging hier sehr friedlich zu, jeder kannte jeden… und dann kam der Krieg. Fast alle jungen Männer von The Lee und Umgebung meldeten sich freiwillig, sie wurden nach Frankreich gebracht und man war der Meinung in wenigen Wochen wieder zu Hause zu sein. Doch es kam ganz anders, die Männer erlebten in den Grabenkämpfen in Nordfrankreich die Hölle. Michael Senior beschreibt detailliert wie die Soldaten aus Buckinghamshire und ihre Kameraden aus anderen Regionen Englands sowie aus Australien bei den Kämpfen um den französischen Ort Fromelles reihenweise von deutschen Maschinengewehren niedergemäht wurden, als Folge von Befehlen von höherer Ebene, die man in Unkenntnis der Lage vor Ort gab. 28 Männer aus The Lee, Lee Common und Lee Clump kamen nicht mehr in ihre Heimatorte zurück, viele erlitten schwere körperliche Verletzungen, von den psychischen Folgeschäden gar nicht zu reden.

Michael Senior ist ein eindrucksvolles und bewegendes Buch gelungen. The Lee ist dabei stellvertretend für unzählige andere Dörfer in Großbritannien, die Ähnliches erlebt haben. Nur wenige, die sogenannten „Thankful Villages“ hatten keine Verluste zu beklagen.

Michael Senior: No Finer Courage – A Village in the Great War. Sutton Publishing2004. 239 Seiten. ISBN 0-7509-3666-5.

Das Manor House, der Village Green und links das Kriegerdenkmal. Eigenes Foto.

Das Manor House, das Village Green und links das Kriegerdenkmal.
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The War Memorial.   © Copyright Rob Farrow and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Fromelles in Nord-Frankreich. Hier kämpften die jungen Männer aus The Lee. Author: Codepem. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic license.

Fromelles in Nord-Frankreich. Hier kämpften die jungen Männer aus The Lee.
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Published in: on 24. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Ancient High House in Stafford (Staffordshire) – Eines der schönsten Häuser Englands

This work is released into the public domain.

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Mitten im Zentrum der Stadt Stafford, Verwaltungssitz von Staffordshire, steht eines der schönsten Gebäude in ganz England: Das Ancient High House. Um 1595 wurde es für die wohlhabende Dorrington-Familie gebaut und es ist das größte heute noch existierende Haus in Holzrahmenbauweise in ganz England.

In seinen über 400 Jahren hat das Ancient High House sehr viel miterlebt, u.a. war es kurzfristig das Hauptquartier von König Charles I im September 1642 auf seinem Weg nach Shrewsbury. In dieser Zeit des Englischen Bürgerkriegs wurde das Haus später auch einmal als Gefängnis für Royalisten benutzt, nachdem die Parlamentarier Stafford eingenommen hatten.

Heute geht es in Stafford und im Ancient High House ruhiger zu. Hier ist jetzt ein Museum und eine Kunstgalerie untergebracht mit wechsenden Ausstellungen. Man kann den Civil War Room besichtigen, in dem damals Charles I wohnte, den Stuart Bedroom mit seinem großartigen Himmelbett und den Castle Room, in dem die Bauweise des Hauses anschaulich erklärt wird.
Im obersten Geschoss ist das Staffordshire Yeomanry Regiment Museum untergebracht, das Erinnerungsstücke an das örtliche Freiwilligenregiment zeigt.

Natürlich gibt es auch hier einen Shop, in dem man sich mit Staffordshire-Souvenirs eindecken kann und spuken soll es im Ancient High House ebenfalls, das meint jedenfalls das TV-Team von „Most Haunted„. Direkt daneben stehen leider eine Filiale von McDonald’s, gegenüber ein Starbucks und weitere unvermeidliche High Street-Läden.

The Ancient High House,
Greengate Street
Stafford, ST16 2JA

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Top Withens – Eine Ruine mitten im Brontë Country

Top Withens.   © Copyright Graham Hogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Top Withens.
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Bei meinen beiden Besuchen in Haworth in West Yorkshire, in der die drei Schriftsteller-Schwestern Emily, Charlotte und Anne Brontë lebten, war ich immer wieder überrascht über die vielen Touristen, die sich dort aufhielten; auf dem Hauptparkplatz wurde man sogar auf einen Stellplatz eingewiesen. Und dann die vielen Besucher aus Ostasien, in erster Linie aus Japan, die sich im Brontë-Pfarrhaus tummelten und in den Läden der Kleinstadt einkauften! Die drei jungen Fauen und ihre wenigen Romane, die sie einst im 19. Jahrhundert schrieben, müssen im Land der aufgehenden Sonne noch sehr populär sein.

Wer sich nicht nur besagtes Pfarrhaus, in dem die Brontë-Familie wohnte, und den daneben liegenden Kirchhof ansehen und ein bisschen Moorluft schnuppern möchte, der sollte sich auf den Brontë-Way begeben, der aus Haworth hinausführt. Dieser insgesamt 69 Kilometer lange Rundweg, auf dem man die beeindruckende, karge Moorlandschaft geniessen kann, führt unter anderem über die Brontë-Bridge, an den Brontë-Waterfalls vorbei, zu einem verfallenen Bauernhaus namens Top Withens, etwa sechs Kilometer von Haworth entfernt.

Der Name Top Withens klingt ein wenig so wie Emily Brontës Roman „Wuthering Heights“ aus dem Jahr 1847, der in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Sturmhöhe“ veröffentlicht und so wunderschön von Kate Bush in ihrem gleichnamigen Song interpretiert wurde. „Withens“ und „Wuthering“ liegen nicht weit auseinander und „Top“ und „Heights“ bedeuten das gleiche. Schon seit ewigen Zeiten wird darüber diskutiert, ob das elisabethanische Farmhaus Modell gestanden hat für Emilys weltberühmten Roman. Die Schwestern machten ausgedehnte Spaziergänge über das Moor und kannten das Haus sehr gut. Hatte Emily es im Sinn, als sie die Farm, in der in ihrem Roman die Earnshaws lebten, in ihr Buch einfügte? Die Brontë Society ließ 1964 an den Ruinen eine Plakette anbringen, die Klarheit darüber schaffen sollte. Darauf steht, dass die früheren Farmgebäude keinerlei Ähnlichkeit mit dem von Emily beschriebenen Haus hatten, dass es aber durchaus möglich sein kann, dass ihr das abgelegene Anwesen beim Schreiben des Romans vorschwebte.

Auf Top Withens wurde ursprünglich einmal Milch erzeugt, bis der Hof gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurde. In den 1920er Jahren kam noch einmal etwas Leben hierher, als man eine Hühnerfarm einrichtete; doch auch die wurde bald wieder eingestellt, und seitdem stehen die Überreste einsam und allein im Moor von Haworth, gern aufgesucht von japanischen Touristen, für die man extra Hinweisschilder in ihrer Sprache angebracht hat.

Die Farmhausruinen in der Einsamkeit des Moores vo Haworth,   © Copyright Steve Partridge and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Farmhausruine in der Einsamkeit des Moores von Haworth.
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Hier finden auch japanische Touristen den richtigen Weg.   © Copyright Chris Heaton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier finden auch japanische Touristen den richtigen Weg.
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Auf dem Weg nach Top Withens: DieBrontë Bridge und die Brontë Waterfalls.   © Copyright Gary Rogers and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auf dem Weg nach Top Withens: Die Brontë Bridge und die Brontë Waterfalls.
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Die Hobsons Brewery in Cleobury Mortimer (Shropshire)

Eigenes Foto.

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Ist das nicht ein schöner Name für eine Kleinstadt: Cleobury Mortimer? Das klingt nach Agatha Christies Romanwelt, in der Miss Jane Marple Mörder zur Strecke bringt. Zur Orientierung, der rund 3000 Einwohner zählende Ort liegt auf halbem Wege zwischen Ludlow und Kidderminster, sein Wahrzeichen ist der verdrehte Kirchturm von St Mary the Virgin, über den ich in meinem Blog einmal berichtete.

Eine kleine, aber feine Brauerei hat sich 1993 in Cleobury Mortimer niedergelassen, die Hobsons Brewery, die heute in der Tenbury Road zu finden ist, etwas außerhalb der Marktstadt. Ea handelt sich hier um eine familiengeführte Brauerei, die keiner der Großbrauereien angehört. Die Familie Davis, die Eigentümer, legt viel Wert auf Nachhaltigkeit, das heißt, man gewinnt Energie aus Sonnenkollektoren und einem Windrad, das die Brauereigebäude überragt. Hobsons Brewery hat den Ehrgeiz, zur umweltfreundlichsten Brauerei Englands zu werden. Im Jahr 2010 wurde sie für ihre Bemühungen mit dem Best Green Business Award ausgezeichnet.

Ich habe mir einmal ein Sortiment an Bieren dieser Brauerei zugelegt, darunter das Old Prickly mit dem Igel auf dem Flaschenetikett (5 Pence von jedem verkauften Pint bzw. jeder verkauften Flasche gehen an die British Hedgehog Preservation Society), das Manor Ale (gebraut zur Erinnerung an die Dampflokomotiven der Manor Class der Severn Valley Railway), Old Henry (im Gedenken an den großen Braumeister Shropshires, nach dem die Firma benannt wurde) und Twisted Spire. Das Etikett dieser Flasche, die ich gestern trank, zeigt den kuriosen Turm von St Mary the Virgin. Es ist ein helles Bier, das, so die Beschreibung der Brauerei, sowohl den Ale-Trinker anspricht als auch den Lager-Fan. Mit nur 3,6% Alkoholgehalt ist es ein relativ schwaches Bier.

Hobsons Brewery bietet Gruppenführungen durch ihre Produktionsstätten an, sogenannte Brewery Nights, die eine Führung, Bierproben und ein Buffet enthalten, und Foodie Nights, die jeweils unter einem anderen Motto stehen wie Fish Night, Charcuterie Night oder Curry Night.
Dieser Film stellt die Brauerei in Shropshire vor.

Wer die ganze Palette der Biere der Hobsons Brewery einmal ausprobieren möchte, der kann das im The Kings Arms in Cleobury Mortimer tun. Das Gasthaus aus dem 15. Jahrhundert liegt direkt gegenüber der Kirche St Mary the Virgin.

Hobsons Brewery
Newhouse Farm
Tenbury Rd
Cleobury Mortimer
Shropshire, DY14 8RD

The Kings Arms in Cleobury Mortimer.   © Copyright P L Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Kings Arms in Cleobury Mortimer.
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Published in: on 21. Februar 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Salvatore Calabrese, der Mayfair Playboy Club und der teuerste Cocktail aller Zeiten

Hier, im Old Park Lane, im Londoner Stadtteil Mayfair wurde der teuerste Cocktail gemixt. Der Playboy Club ist das schwarze, flache Gebäude auf der linken Seite des Fotos.    © Copyright Basher Eyre and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier, im Old Park Lane, im Londoner Stadtteil Mayfair, wurde der teuerste Cocktail gemixt. Der Playboy Club ist das schwarze, flache Gebäude auf der linken Seite des Fotos.
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Salvatore Calabrese, ein echter italienischer Gentleman, ist unbestritten einer der besten Barkeeper der Welt. „The Maestro“, wie er gern genannt wird, hat in den besten Bars gearbeitet und dort immer wieder neue Kreationen hervorgebracht, die oft aus sehr erlesenen Spirituosen bestanden. Calabrese ist mit vielen Auszeichnungen bedacht worden, und er war u.a. International Cognac Personality of the Year, Spirits Personality of the Year und Campari Bartender of the Year. Als er 1980 nach England kam, arbeitete er im Duke’s Hotel, im Lanesborough Hotel und im exklusiven Mayfair Playboy Club, den er im vorigen Jahr verließ.

In jenem Playboy Club, 14 Old Park Lane, kreierte der Italiener, der schon für unzählige Prominente aus der ganzen Welt Drinks zelebriert hat, im Jahr 2012 den teuersten Cocktail aller Zeiten und zog damit in das Guinness Buch der Rekorde ein. Der bisherige Rekord stand bei £3766, und dieser Cocktail wurde in der Skyview Bar im Burj al Arab Hotel in Dubai gemixt. Calabrese übertrumpfte das spielend und suchte sich für seinen „Salvatore’s Legacy“ ganz besonders rare und entsprechend teure Zutaten für seinen Cocktail zusammen, der stattliche £5500 kostete.

Wer Calabreses Kreation einmal nachmixen möchte, der benötigt dafür folgende Getränke:
Clos de Griffier Vieux Cognac aus dem Jahr 1788; ein Jahr vor Beginn der französischen Revolution kam dieser Cognac in die Flasche. Als Calabrese einmal im Playboy Club für einen wohlhabenden Gast zwei seiner Spezialcocktails mixte, stieß letzterer aus Versehen die Flasche mit dem raren Cognac vom Tisch, deren Inhalt sich über den Fußboden ergoss… Der Schaden belief sich auf rund £50 000.

Noch 18 Jahre älter als der Cognac ist die zweite Zutat, ein Kümmel-Likör aus dem Jahr 1770.

Verhältnismäßig jung dagegen ist Zutat Nummer 3, ein Dubb Orange Curacao  aus dem Jahr 1860.

Zwei Spritzer Angostura Bitter aus dem Jahr 1900 verleihen Calabreses Cocktail dann noch den letzten Schliff.

„Salvatore’s Legacy“ ist nicht nur der teuerste Cocktail, sondern auch, wenn man das Alter der Flaschen zusammenzählt, der älteste (ca 730 Jahre).

Salvatore Calabrese hat sein gesammeltes Wissen über Getränke in mehreren Bücher festgehalten, zum Beispiel in „Classic Cocktails“, „Sexy Cocktails“ und „Virgin Cocktails“.

Dieser Film zeigt wie Calabrese seinen „Salvatore’s Legacy“ mixt, ein Stück „flüssige Geschichte“ wie er es nennt.

 

 

Published in: on 20. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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John Peake Knight und die erste Verkehrsampel der Welt

Dort, wo die Bridge Street in London auf die Straßen Great George Street und Parliament Street trifft, ist an einem Haus eine grüne Plakette der City of Westminster angebracht, die daran erinnert, dass an dieser Stelle am 9. Dezember 1868 die weltweit erste Verkehrsampel installiert wurde. Verantwortlich dafür war der Erfinder dieses Verkehrsleitsignals, John Peake Knight (1828-1886).

Der in Nottingham geborene Ingenieur befasste sich vorwiegend mit Verbesserungen im Eisenbahnwesen, vor allem, was die Sicherheit in den Zügen anging. Knights besondere Fähigkeiten lagen im Management von Verkehrsströmen.
Auch damals schon, Mitte des 19. Jahrhunderts, war das Verkehrsaufkommen in London sehr hoch. Pferdekutschen verstopften die Straßen, Fußgänger mussten ständig auf der Hut sein, nicht unter die Räder bzw. unter die Hufen zu kommen. Knight empfahl die Einrichtung von Einbahnstraßen, um die permanenten Staus zu unterbinden, die entstanden, wenn Kutschen nicht aneinander vorbei kamen. Durch den unregulierten Verkehr kamen in London im Jahr 1866 mehr als hundert Menschen ums Leben.
Da hatte John Peake Knight eines Tages eine brillante Idee. An besonders gefährlichen Straßenkreuzungen könnte man doch gut sichtbare Zeichen in Form von Semaphoren aufstellen, die den Verkehr regeln. Und genau das tat er dann auch an der Ecke, wo der starke Verkehr von der Westminster Bridge auf Whitehall stößt. Es gab zwei Stellungen der Semaphorenarme: Waren sie gesenkt, hieß das, die Kutschen konnten vorsichtig in die Kreuzung hineinfahren, waren die Arme ausgestreckt, bedeutete das „STOP“, so dass die Fußgänger ohne Gefährdung ihres Lebens über die Straße gehen konnten. In der Dunkelheit gab es zusätzlich noch grüne bzw. rote gasbetrieben Lämpchen, die über den Armen angebracht waren. Bedient wurde diese Apparatur von einem Polizisten.
So weit, so gut; am 2. Januar 1869, also drei Wochen nach der Installation, explodierte eine dieser Verkehrsampeln, die Gasleitung war defekt, und verletzte den diensthabenden Polizisten schwer. Und das war es dann erst einmal mit der neuen Erfindung. Die Semaphoren wurden wieder abgebaut, das Verkehrschaos war wieder da.
Erst 1926 griff man in London auf die Erfindung von John Peake Knight wieder zurück und errichtete eine neue Ampel an der Kreuzung Piccadilly und St James’s Street. Auch dieses Gerät musste noch von einem Polizisten bedient werden; erst sechs Jahre später wurde die Verkehrsregelung automatisiert.

Was würde wohl Mr. Knight sagen, bekäme er diese Verkehrsampel in London zu Gesicht?

Published in: on 19. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Zeitgeist@The Jolly Gardeners – Ein Gastro-Pub mit deutscher Küche im Londoner Stadtteil Lambeth

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Black Prince Road 49-51 so lautet die Adresse eines Pubs, der nur ein paar Schritte von der Themse entfernt im Londoner Stadtteil Lambeth liegt. „Best German food pub in and probably outside the UK“, so brüstet sich das Gasthaus nicht gerade bescheiden. Wer in der britischen Hauptstadt mal gerade keinen Appetit auf Ploughman’s Lunch oder Bangers and Mash hat, der kann im Zeitgeist@The Jolly Gardeners gute deutsche Hausmannskost probieren. Auf der Karte stehen zum Beispiel Jägerschnitzel, Leberkäse, Currywurst, Schweinshaxe, Frikadellen, Käsespätzle und ein Zeitgeist-Schnitzel, zu dem ein Glas Jägermeister gereicht wird. Deutscher geht es wirklich nicht mehr. Damit das deutsche Schnitzel nicht durch ein englisches Bitter oder Lager verwässert wird, gibt es hier eine umfangreiche Auswahl an germanischen Bieren wie Flensburger, Köstritzer oder Benediktiner, die sonst eher selten in der britischen Hauptstadt zu finden sind. Und da nach einer Haxn ein hochprozentiger Schnaps unabdingbar ist, stehen diverse deutsche „Absacker“ zur Verfügung. Samstags kann man sich in dem Pub auch die deutschen Bundesligaspiele auf einem Großbildschirm ansehen. Wer fußballresistent ist, zieht sich bei schönem Wetter besser auf einen der Tische vor dem Jolly Gardeners zurück.

Das Gasthaus zu den fröhlichen Gärtnern gibt es in Lambeth schon seit mehr als 100 Jahren. Charlie Chaplin, der in der Nähe wohnte, soll hier ein- und ausgegangen sein, und, wie es auf der Homepage des Pubs zu lesen steht, spielte Charlies Vater Charles Chaplin sr. in den Räumlichkeiten Klavier. Der Pianist soll dem Alkohol dermaßen zugesprochen haben, dass er bereits mit 38 Jahren an den Folgen starb.

Zweimal schon wurden in dem Pub Szenen für Spielfilme gedreht: In Guy Ritchies Spielfilm „Snatch“ (dt. „Snatch – Schweine und Diamanten“) mit Brad Pitt aus dem Jahr 2000 ist das Gasthaus zu sehen, ebenfalls in „The Calcium Kid“ (dt. „Calcium Kid“) mit Orlando Bloom und Omid Djalili (2004).

 

 

The National Fish and Chip Awards 2017

Fish and Chips ist für viele Kontinentaleuropäer immer noch das Standardessen in Großbritannien: In Zeitungspapier eingewickeltes, fettiges, paniertes Fischfilet, das mit Essig „verfeinert“ wird. Natürlich gibt es das auch noch, aber die Zeit ist auf der Insel nicht stehengeblieben, und die Chippies, also die Läden, die Fish and Chips verkaufen, bemühen sich, gute Qualität zu liefern und mit gutem Fett zu arbeiten. Um diese Bemühungen zu unterstützen und zu belohnen, gibt es seit 29 Jahren die National Fish & Chip Awards, die in mehreren Kategorien verliehen werden. Der begehrteste Preis ist dabei der landesweit vergebene Independent Takeaway Fish and Chip Shop of the Year Award. In diesem Jahr wurden die folgenden drei Chippies ausgezeichnet:

Platz 1 – Kingfisher Fish & Chips in Chaddlewood bei Plymouth (Devon). Im letzten Jahr die Nummer 2, jetzt die Nummer 1. Angeboten werden in dem Imbissladen verschiedene Sorten von Fischen wie Kabeljau, Schellfisch, Seehecht, aber auch ein ganzer Hummer kann geordert werden. 2012 haben die aktuellen Kingfisher-Besitzer den Laden übernommen und gleich von Anfang an Erfolg gehabt. Das unscheinbare Geschäft liegt am östlichen Rand von Plymouth (Devon) im Ortsteil Chaddlewood neben einem chinesischen Imbiss und einer Filiale von Domino’s Pizza.

Platz 2 – Burton Road Chippy in Lincoln (Lincolnshire). Hier gibt es einmal das mit dem Award 2017 ausgezeichnete Takeaway und ein Restaurant mit 60 Plätzen. Da Lincolnshire für seine Kartoffeln berühmt ist, kann man sicher sein, hier nur die beste Qualität zu bekommen, und auch das Meer ist nicht weit, so dass Restaurant und Imbiss täglich mit frischem Fisch beliefert werden. Die Burton Road liegt im Nordwestteil der Stadt Lincoln, rund einen Kilometer von der Kathedrale entfernt.

Platz 3 – Millers Fish & Chips in Haxby (North Yorkshire). Dieses Chippy befindet sich schon seit vier Generationen in der Hand der Familie Miller. Fish and Chips gibt es hier in den Varianten „Haddock“, „Cod“ und „Plaice“, wer möchte, kann das Angebot auch glutenfrei bekommen. Haxby liegt nördlich der Stadt York, das kleine Restaurant mit Takeaway an der Hauptstraße des Ortes, The Village.

Organisiert wird die Vergabe der National Fish and Chip Awards von der Firma Seafish. Dieser Film singt ein Loblied auf eine der beliebtesten Speisen des Landes.

Übrigens, nicht vergessen: Am 2. Juli 2017 ist der National Fish and Chip Day!

Published in: on 17. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die verrückten Ideen des Sir Francis Galton (1822-1911) Teil 2

Sir Francis Galton, der Mann, der den Frauen nachspähte.  Diese Bilddatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Sir Francis Galton. – Diese Bilddatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Außer dem Erstellen seiner „Beauty Map“, über die ich gestern in meinem Blog schrieb, hatte Sir Francis Galton noch ein ganzes Füllhorn weiterer schräger Ideen. Hier sind einige Beispiele:

Mr Galton machte sich seinerzeit Gedanken darüber, ob Gebete tatsächlich etwas bewirken würden. Je mehr für bestimmte Menschen gebetet würde, man nehme zum Beispiel gekrönte Häupter, umso länger müssten diese eigentlich leben. Bei Gottesdiensten betet die Gemeinde eigentlich immer darum, dass ihr König oder ihre Königin lange leben möge.  So die Theorie. Wie sieht es denn nun in der Praxis aus? Sir Francis Galton untersuchte die Lebenserwartung der Monarchen und kam zu dem Ergebnis, dass diese keineswegs länger lebten als „normale“ Menschen, im Gegenteil sie lebten kürzer. Folgerichtig sind Gebete also „für die Tonne“ wie Galton argumentierte, sie bringen überhaupt nichts. Der Klerus sah das natürlich ganz anders und attackierte den Mann aufs schärfste. Das Gegenargument der Kirchenmänner: Wenn die Untertanen für ein langes Leben ihres Souveräns beten, meinen die das wahrscheinlich gar nicht wirklich, also können Gebete in diesem Fall auch nicht wirken.

Sehr schön finde ich auch Galtons Idee, die er in jungen Jahren hatte, als er in einem Krankenhaus arbeitete, alle Medikamente, die er in der Krankenhausapotheke vorfand an sich selbst zu testen und zwar in alphabetischer Reihenfolge. Erstaunlicherweise schaffte er es bis zum Buchstaben „C“, als das Crotonöl an der Reihe war. Dieses Öl galt als extrem starkes Abführmittel und soll höchst bedenklich in der Anwendung sein, mit unkalkulierbaren Nebenwirkungen. Die Einnahme dieses Präparats überzeugte auch Galton, dass die Idee mit dem Medikamententest am eigenen Körper nicht zu seinen besten gehörte.

Der Mann konnte einfach nicht über einen längeren Zeitraum stillsitzen, ohne dabei etwas zu überlegen oder irgendetwas zu zählen, so auch bei dem Anfertigen seines Porträts. Während der Maler mit Hingabe die Gesichtszüge von Sir Francis Galton auf die Leinwand brachte, zählte letzterer die Pinselstriche, die der Meister dafür benötigte und schrieb darüber eine wissenschaftliche Abhandlung.

Galton machte sich über alles Gedanken, auch darüber wie sich bei einer Gesellschaft die Sympathien zwischen den einzelnen geladenen Gästen entwickelten. So brachte er bei einem Abendessen unter den Stuhlbeinen kleine Drucksensoren an, die er mit einem Messgerät verband. Wenn jetzt einer der Dinnergäste sich besonders häufig nach links oder rechts wandte, bedeutete das eine Druckverlagerung und daran konnte Galton erkennen, wer an wem besonderes Interesse zeigte. Tata!

Wer sich weiter mit den Ideen und Gedankengängen des exzentrischen Mannes auseinandersetzen möchte, der sollte zu folgendem Buch greifen:

Martin Brookes: Extreme Measures  – The Dark Visions and Bright Ideas of Francis Galton. Bloomsbury 2004. 320 Seiten. ISBN 978-0747566663 (Vergriffen, aber leicht zu beschaffen).

 

Published in: on 16. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die verrückten Ideen des Sir Francis Galton (1822-1911) Teil 1

Sir Francis Galton, der Mann, der den Frauen nachspähte.  Diese Bilddatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

 

Sir Francis Galton (1822 – 1911), Cousin Charles Darwins, war schon ein etwas eigenwilliger Charakter und Exzentriker. Er gilt als Vater der Daktyloskopie, der Wissenschaft, die sich mit Fingerabdrücken beschäftigt, und erwarb mit seinen Gedanken zur Eugenik einen zweifelhaften Ruf.
Neben mehr oder weniger nützlichen Erfindungen, erstellte er auch eine sogenannte „Beauty Map“ Großbritanniens, d.h. er durchstreifte die Städte und beobachtete dabei die Mädchen und Frauen und klassifizierte sie von attraktiv bis abstoßend. In seiner Hosentasche hatte Sir Francis eine selbstentwickelte Vorrichtung, die er „pricker“ nannte, das war ein Fingerhut mit einer darauf befestigten Nadel und dazu ein Stück Papier, das in Form eines Kreuzes zugeschnitten war. Sah er jetzt eine Frau stach er mit dem „pricker“ in eine bestimmte Stelle des Papiers, klassifizierte sie also nach ihrem Aussehen. Auf diese Weise bekam er im Laufe der Zeit eine „Datensammlung“ zusammen, eine Attraktivitätsskala. Das mag damals ja etwas verdächtig ausgesehen haben wie ein älterer Mann Frauen beobachtete und dabei in seiner Hosentasche manipulierte. Das Ergebnis seiner sicher nicht ganz uninteressanten Tätigkeit war dann also diese „Beauty Map“. Die Hitparade der schönsten Frauen im Königreich führte… London an. Das Schlusslicht bildete, armes Schottland, die Stadt Aberdeen. Was die Frauen Aberdeens zu Galtons Untersuchung sagten, ist mir nicht bekannt.

Published in: on 15. Februar 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – Susan C. Law: Through the Keyhole – Sex, Scandal and the Secret Life of the Country House

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

In meinem Blog stellte ich schon einmal das Buch „Stately Secrets: Behind-the-Scenes Stories From the Stately Homes of Britain“ vor, geschrieben von Richard, Earl of Bradford. Darin wirft der Autor einen Blick hinter die Kulissen der großen Herrenhäuser Englands und erzählt Geschichten, die man von einem Tour Guide normalerweise nicht hören wird.

Die Historikerin Susan C. Law hat sich in ihrem Buch „Through the Keyhole: Sex, Scandal and the Secret Life of the Country House“ ebenfalls dieses Themas angenommen. Sie beschäftigt sich darin vorwiegend mit „Ehebruch“ am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Damals wurden viele junge adelige Frauen, oft gegen ihren Willen, an adelige Männer verheiratet. Die Liebe spielte bei diesen Beziehungen meist eine untergeordnete oder gar keine Rolle. Die Folge war, dass in diesen Ehen jeder seiner eigenen Wege ging. Die Männer nahmen sich Geliebte, was gemeinhin als normal empfunden wurde und in der Gesellschaft keine besondere Aufmerksamkeit erregte. Wenn Frauen sich allerdings ebenfalls einen Geliebten nahmen, war das eine ganz andere Sache. Flog die geheimgehaltene Beziehung auf, war der Teufel los, der Ehemann war empört und die arme Frau gesellschaftlich unten durch. Nicht selten bekamen die Frauen von ihren Geliebten auch noch Kinder (Empfängnisverhütung war in dieser Zeit noch kein Thema) und das war dann der Super-Gau. Oft gab es dann für sie nur noch einen Ausweg: Flucht ins Ausland oder in irgendeine entlegene Ecke in ihrem eigenen Land.

Das Personal in den Landhäusern bekam in der Regel sehr viel davon mit, was hinter den verschlossenen Schlafzimmertüren vor sich ging (der Buchtitel deutet darauf hin), und oft wurden die Bediensteten bei Scheidungsprozessen als Zeugen geladen.

Susan C. Law schildert in ihrem Buch einige besonders prägnante Fälle wie die Ehe von Augustus Henry FitzRoy, 3rd Duke of Grafton (1735-1811) und Anne Liddell (1737-1804). Aus dieser Beziehung gingen drei Kinder hervor, doch die Ehe erkaltete bald. Der Duke suchte sich eine Mätresse und Anne fand im Earl of Upper Ossory einen Liebhaber. Bald wurde sie schwanger, was den Duke veranlasste die Scheidung einzureichen. Augustus Henry FitzRoy, der in Euston Hall in Suffolk residierte, heiratete kurz danach Elizabeth Wrottesley, und Anne Liddell konnte ihren Lover ehelichen (in diesem Fall ging es also glimpflich für sie ab) und zog auf dessen Landsitz Ampthill Park in Bedfordshire.

Das Buch enthält einen umfangreichen Anmerkungsapparat und und eine achtseitige Bibliografie. Susan Law C. Law hat den Doktor in Geschichte an der Universität von Warwick gemacht; ihr Buch liest sich nicht so leicht wie das o.a. von Richard, Earl of Bradford.

Susan C. Law: Through the Keyhole – Sex, Scandal and the Secret Life of the Country House. The History Press 2015. 255 Seiten. ISBN 978-0-7509-5669-7.

Euston Hall in Suffolk. Familiensitz der   © Copyright Ashley Dace and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Euston Hall in Suffolk. Familiensitz der Graftons.
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Ampthill Park in Bedfordshire.   © Copyright Paul Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ampthill Park in Bedfordshire, Familiensitz der Ossorys.
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Published in: on 14. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Englische Exzentriker – Ben Sansum, der Mann aus Godmanchester (Cambridgeshire), der noch immer in den 1940er Jahren lebt

Godmanchester, die Great Ouse und die Chinese Bridge.   © Copyright Alan Murray-Rust and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Godmanchester, der River Great Ouse und die Chinese Bridge.
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In meiner Serie über englische Exzentriker schrieb ich einmal über den „Christmas Man“ aus Melksham in Wiltshire, der sein Haus in ein Weihnachtsparadies umgewandelt hat und darin jeden Tag Weihnachten feiert. Nicht ganz so krass geht es in einem Haus in Godmanchester in der Grafschaft Cambridgeshire zu, in dem sich Ben Sansum im Stil der 1940er Jahre eingerichtet hat. Godmanchester ist ein kleiner Ort an der A14, südlich von Huntingdon, über den es nicht viel zu sagen gibt, außer vielleicht, dass der River Great Ouse durch den Ort fließt, über den eine etwas ungewöhnliche Brücke, die Chinese Bridge, führt.

Ben Sansum, von Beruf Flugbegleiter, hat seine Vorliebe für die 1940er Jahre schon als Kind entdeckt, als er ein Radio aus dieser Zeit geschenkt bekam. Von da an begann er Gegenstände zu sammeln, die aus einer Zeit stammen, die stark vom Zweiten Weltkrieg geprägt war.
Heute beherbergt das Haus in Cambridgeshire in allen Zimmern Sammlerobjekte: In der Küche findet man jede Menge Blechgefäße und andere Aufbewahrungsutensilien für Nahrungsmittel mit Aufschriften wie Lyons Tea, National Dried Milk oder Heinz Tomato Soup. Möbel aus den 1940er Jahren stehen im Schlafzimmer, was auch für das Wohnzimmer gilt, das Ben Sansum mit einem mechanischen Teppichreiniger der Marke Ewbank sauber hält.
Statt eines CD-Players hat Ben Sansum einen alten Plattenspieler, auf dem selbstverständlich Schallplatten mit Musik von Vera Lynn laufen, die damals in den 1940er Jahren zu den populärsten Sängerinnen Großbritanniens zählte (und die in diesem Jahr am 20. März 100 Jahre alt wird).
Er wäscht seine Wäsche per Hand manchmal noch mit einem Waschbrett, telefoniert mit einem uralten Fernsprecher, doch auf manche Annehmlichkeiten der heutigen Zeit möchte auch er nicht verzichten und so findet man, etwas versteckt, ein Fernsehgerät, einen Kühlschrank und eine Waschmachine.
Dieser Film zeigt Ben Sansum in seinem 1940er-Jahre-Reich.

Ich liebe die englischen Exzentriker!!

 

Published in: on 13. Februar 2017 at 02:00  Comments (1)  

Epworth in Lincolnshire und der Gründer der Methodistenkirche John Wesley (1703-1791)

Die St Andrew's Church.   © Copyright Julian P Guffogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die St Andrew’s Church.
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Es gibt Städte, die können sich glücklich schätzen, dass früher einmal eine bedeutende Persönlichkeit in ihren Mauern geboren wurde bzw. gelebt hat. Dann kann man auch noch viele Jahre später davon profitieren, weil Touristen aus aller Welt hierher kommen, um auf den Spuren dieser Person zu wandern. Einer dieser Orte ist die Kleinstadt Epworth im Norden der Grafschaft Lincolnshire; hier erblickte im Jahr 1703 der Pfarrerssohn John Wesley das Licht der Welt, der in die Geschichte eingehen sollte als einer der Mitbegründer (zusammen mit seinem Bruder Charles) der methodistischen Kirche. Sein Vater, Samuel Wesley, war ein außerordentlich fruchtbarer Mann, der zusammen mit seiner Gattin Susanna 19 Kinder in die Welt setzte, von denen allerdings 9 schon sehr früh starben. Samuel war Rektor an der Kirche St Andrew’s in Epworth, und er lebte mit seiner Familie in der Old Rectory, ein Stück weit von der Kirche entfernt.

Ich möchte in meinem Blog nicht weiter auf das Leben des Charles Wesley eingehen, sondern darauf wie Epworth heute mit seinem großen Sohn umgeht. Da viele Besucher, darunter verständlicherweise auch Methodisten aus aller Welt, hierher kommen, hat man einen „Wesley Trail“ angelegt, der an allen Stätten vorbeiführt, die mit den Wesleys zu tun haben. Ein wichtiger Ort ist natürlich die St Andrew’s Church, in der Samuel Wesley der Rektor war und auf deren Kirchhof er auch begraben ist. Die Wesley Memorial Church wurde 1889 in Gedenken an die beiden Brüder John und Charles Wesley gebaut und liegt an der High Street. Ein ganz besonders wichtiger Ort ist die Old Rectory an der Rectory Street, in der die beiden Wesley-Söhne zur Welt kamen. Das Haus ist zu besichtigen und auf einer einstündigen geführten Tour kann man sich über die berühmten ehemaligen Bewohner informieren.

Dort wo die High Street und die Queen Street aufeinandertreffen, steht ein Marktkreuz, vor dem John Wesley so manche Predigt gehalten hat. Seine Statue hat man etwas versteckt und nicht im Zentrum von Epworth aufgestellt. Man findet sie in einem Wohnviertel, wenn man die Straße Albion Hill ein ganzes Stück hinuntergeht. Begraben wurde John Wesley nicht in Epworth, sondern in London, wo er auch starb.

Über Epworth und die Wesley-Familie informiert dieser Film.

Im Jahr 2009 kam ein Spielfilm in die Kinos, der das Leben von John und Charles Wesley zum Inhalt hat und einfach nur „Wesley“ heißt. Hier ist der Trailer.

Das Buch zum Artikel:
Stephen Tomkins: John Wesley – A Biography. Lion Books 2003. 208 Seiten. ISBN 978-0745950785.

Die Wesley Memorial Church.   © Copyright JThomas and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Wesley Memorial Church.
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The Old Rectory.   © Copyright Chris Morgan and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Das Marktkreuz, von dem aus John Wesley predigte.   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Marktkreuz, von dem aus John Wesley predigte.
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John Wesleys Statue am Albion Hill.   © Copyright Tim Heaton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

John Wesleys Statue am Albion Hill.
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Murder Weekends – Ein besonderes Vergnügen für Hobbydetektive

Hier im Prince of Wales Hotel in Southport (Merseyside) wurde das erste Murder Weekend veranstaltet.   © Copyright Gerald England and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier im Prince of Wales Hotel in Southport (Merseyside) wurde das erste Murder Weekend veranstaltet.
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Im Prince of Wales Hotel in Southport (Merseyside), einem Küstenort im Nordwesten Englands, schlug  am 31. Oktober 1981 die Geburtsstunde der sogenannten Murder Weekends, die sich bis heute, nicht nur in England, besonderer Beliebtheit erfreuen. Joy Swift war die Urheberin dieses Vergnügens und eigentlich wollte sie es bei diesem einmaligen Ereignis in Southport belassen, doch durch Berichte darüber in der örtlichen Presse wurden auch nationale und sogar amerikanische Medien darauf aufmerksam und kontaktierten Joy Swift. Sie wollten wissen, wann denn das nächste „Mörder-Wochenende“ stattfinden würde. Überrascht von der unerwarteten Aufmerksamkeit arrangierte sie weitere Veranstaltungen, zu denen Kamerateams aus den USA anreisten.

1983 formte Joy Swift die Murder Weekends Limited und das war der Beginn einer Erfolgsserie. Vor allem in den USA war man ganz verrückt nach den Murder Weekends und bald gab es dort unzählige Nachahmer. Mrs Swift wollte sich aber lieber auf den britischen Markt konzentrieren, wo ihr kleines Unternehmen ebenfalls florierte. Bis heute hat sie sich rund 130 Mordfälle ausgedacht, die von den anwesenden Gästen gelöst werden müssen. In der Regel finden die Veranstaltungen in Hotels statt, aber auch auf Kreuzfahrtschiffen und in Zügen war Murder Weekends Limited schon vertreten.

Das Wochenende läuft meist so ab: Anreise ist der Freitagabend, an dem ein Drei-Gänge-Menü serviert wird. Während des Abends geschieht ein Mord, die Polizei macht sich an die Untersuchung des Falles und die Gäste, unter die sich die Schauspieler von  Murder Weekends Limited gemischt haben, ebenfalls. Nach dem Frühstück am Samstagmorgen wird von der Polizei eine Einsatzzentrale errichtet, in der alle Beweise und Zeugenaussagen zusammengetragen werden. Den ganzen Tag über hat man die Gelegenheit, Zeugen zu befragen und sich mit den anderen Hobbydetektiven auszutauschen. Samstagabend wird eine Party veranstaltet…und man weiß nie, wann der Mörder wieder zuschlagen wird. Erst am Sonntagmorgen nach dem Frühstück werden alle Gäste von der Polizei zusammengerufen und die Lösung des Falles bekanntgegeben. Gegen Mittag ist dann das Murder Weekend beendet.

Bis heute konnte Murder Weekends Limited schon mehr als 200 000 Teilnehmer zählen. Joy Swift wurde 2001 sogar mit dem Member of the Order of the British Empire ausgezeichnet.

Ein Murder Weekend kostet in der Regel um die £300. Veranstaltungsorte sind Hotels der De Vere-Gruppe, zum Beispiel das De Vere Beaumont Estate in Old Windsor (Berkshire), das De Vere Wotton House in Dorking (Surrey) und das De Vere Horwood Estate in Little Horwood (Buckinghamshire).

Dieser Film zeigt wie es bei einem Murder Weekend zugeht.

 

 

Published in: on 11. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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London Loo Tours – Spaziergänge durch London auf der Suche nach Toiletten

The Attendant Café in Fitzrovia.   © Copyright Chris Holifield and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Attendant Café in Fitzrovia.
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Das Thema „loo„, also Toilette, habe ich in meinem Blog schon mehrfach aufgegriffen, zum Beispiel:

The Loo of the Year Awards
Public Toilets – Der Niedergang der britischen Toilette
Theatre of Small Convenience in Great Malvern (Worcestershire)
The Evesham Hotel uns seine unübertroffenen Toiletten

Wer von diesem Thema gar nicht genug bekommen kann, dem empfehle ich die „London Loo Tours„. Für £12 ist man dabei und wird von jungen Damen in die Londoner Toiletten-Welt eingeführt. Gegründet wurden die Loo Tours von der Amerikanerin Rachel Erickson, dann kamen Amber und Katie dazu, alles absolute Spezialistinnen, wenn es um Londoner Toiletten geht. Mit einer Saugglocke in der Hand (die man zur Verstopfungsbehebung von Toiletten benötigt) beginnt die Führerin den 90minütigen Spaziergang, der, wie könnte es anders sein, am Waterloo-Bahnhof beginnt. Es gibt noch eine weitere Tour, die den Stadtteil Bloomsbury umfasst. Auf beiden Touren erfahren die Teilnehmer jede Menge über Public Toilets, zum Beispiel, dass etwa 40% von ihnen in den letzten Jahren geschlossen wurden, dass einige von ihnen umgewandelt und neuen Verwendungszwecken zugeführt wurden wie The Attendant Café in der Foley Street in Fitzrovia, das einmal eine viktorianische Toilette war (die Urinale sind in die Einrichtung integriert worden). Aus einer früheren Bedürfnisanstalt entstand die Bar mit dem witzigen Namen „WC Wine & Charcuterie“ im Stadtteil Clapham. Die unterirdische Cellar Door Bar, in der man sich heute Cocktails servieren lassen kann, war auch einmal eine öffentliche Toilette.

Etwa 2000 Gäste buchen jedes Jahr die London Loo Tours. Der Klassiker, die Waterloo Tour, findet jeden Samstag um 15 Uhr und jeden Sonntag um 15.30 Uhr statt. Die Bloomsbury Tour kann man nur einmal im Monat buchen und zwar jeden vierten Sonntag. Gruppenführungen sind nach Absprache möglich, je nach Gruppenstärke heißen diese dann „Privacy Please!“, „Extra Loo Roll“ und „Royal Flush“.

Dieser Film zeigt Ausschnitte aus einem der Londoner Toiletten-Spaziergänge.

Toiletten im Londoner Green Park, für die wohl gerade kein großer Bedarf besteht.    © Copyright Scriniary and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Toiletten im Londoner Green Park, für die wohl gerade kein großer Bedarf besteht.
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Pubnamen – „The Black Boy“

The Black Boy in Shinfield (Berkshire).    © Copyright Rob Wilcox and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Black Boy in Shinfield (Berkshire).
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Hin und wieder stößt man in England auf Pubs, die den Namen „The Black Boy“ tragen. Was ist damit gemeint?
Es gibt mehrere Erklärungen dafür, zum Beispiel kann es sich dabei um junge Schornsteinfeger oder Bergarbeiter handeln, die auf Grund ihrer schmutzigen Berufe so bezeichnet wurden, oder aber um Hotelpagen mit schwarzer Hautfarbe, die eine Zeit lang gern in Londoner Hotels eingestellt wurden, oder um König Charles II., der von seiner Mutter Henrietta Maria in seiner Kindheit den Spitznamen „Black Boy“ erhielt, weil er schwarze Haare und dunkle Gesichtszüge hatte.

Seit einigen Jahren gibt es um manche „Black Boy“-Pubs immer mal wieder Kontroversen, da der Namen einigen Menschen nicht „politisch korrekt“ ist. So sollte ein Wetherspoons-Pub in Newtown in Powys (Wales) in Llywelyn ap Gruffydd umbenannt werden. Die Einheimischen verteidigten den alten, angestammten Namen mit Zähnen und Klauen, und so gab die Pubgruppe Wetherspoons nach und es blieb beim „Black Boy“. Ähnliches spielte sich beim „The Black Boy“ in Caernarfon, ebenfalls in Wales gelegen, ab.

Gerade erst vor wenigen Tagen wiederholte sich das Spiel: „The Black Boy“ in Shinfield (Berkshire) bei Reading ging im Januar in den Besitz der Barons Pub Company über, die der Meinung war, dass der Name nicht mehr in die heutige Zeit passt, und so wollten sie ihn in das neutrale „The Shinfield Arms“ umbenennen. Die Folge: Proteste über Proteste, und so zogen die neuen Besitzer ihren Vorschlag schnell wieder zurück. Der über 500 Jahre alte „The Black Boy“ bleibt „The Black Boy“; zurzeit wird der Gasthof generalüberholt und wird seine Pforten am 8. März wieder öffnen.

Eine ähnliche Kontroverse gab es um den Pubnamen „Labour in Vain„, worüber ich in meinem Blog schon einmal schrieb.

Die folgenden Bilder zeigen einige Interpretationen des Namens „The Black Boy“.

The Black Boy in Newtown (Powys).    © Copyright Penny Mayes and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Black Boy in Newtown (Powys).
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The Black Boy in Retford (Nottinghamshire).    © Copyright Ian S and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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The Black Boy in Bridgnorth (Shropshire).    © Copyright P L Chadwick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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The Black Boy in Bewdley (Worcestershire). Das Pubschild zeigt Charles II.    © Copyright P L Chadwick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Black Boy in Bewdley (Worcestershire). Das Pubschild zeigt Charles II.
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Published in: on 9. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die ungewöhnliche Wetterfahne auf der Church of the Holy Cross in Great Ponton (Lincolnshire)

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Auf den Kirchtürmen englischer Kirchen findet man häufig sogenannte „weather vanes„, also Wetterfahnen, die die Windrichtung anzeigen sollen. In vielen Fällen bestehen diese aus Hähnen, Fahnen oder Pfeilen, hin und wieder aber auch aus anderen originellen Figuren wie zum Beispiel einer Bettwanze auf der Kirche St Mary’s in Kingsclere in Hampshire (ich berichtete in meinem Blog darüber).

Great Ponton, ein kleines Dorf rund fünf Kilometer südlich von Grantham in Lincolnshire, ist stolz auf seine originelle weather vane. Die A1, die Great North Road, die London mit dem Norden des Landes verbindet, pflügt mitten durch Great Ponton hindurch. Die Dorfkirche, Church of the Holy Cross, liegt in Hörweite der Schnellstraße und auf einem ihrer Türme findet man eine…Violine, ungewöhnlich und meiner Meinung nach einzigartig in England. Wie kommt nun das Musikinstrument in diese luftige Höhe?

Die Geschichte darüber wird folgendermaßen erzählt: Vor vielen Jahren gab es einen Geigenspieler, der durch die Lande reiste und immer wieder in Great Ponton Station machte. Die Dörfler mochten seine Musik, viele andere Unterhaltungsangebote gab es seinerzeit nicht, und so freute man sich immer wieder auf den Violinenmann. Bei einem seiner Besuche erzählte er, dass er gern nach Amerika gehen würde, um dort seine Fähigkeiten an der Geige zu verbessern, aber dass es ihm an Geldmitteln fehlte, um seinen Wunsch wahrzumachen. Da man den Musiker in Great Ponton sehr gern hatte, sammelte die Dorfgemeinschaft Geld, um ihm die Reise in die Neue Welt zu ermöglichen. Der Violinenspieler konnte daraufhin mit dem Schiff in das Ziel seiner Träume fahren, er verbesserte seine musikalischen Fähigkeiten, machte sein  Glück und wurde ein erfolgreicher Künstler. Als er wieder nach England zurückkam, dankte er den Bewohnern von Great Ponton, indem er ihnen die aus Schmiedeeisen gefertigte, vergoldete „Wettervioline“ schenkte, die auf einem der acht Fialen des Kirchturmes von Holy Cross befestigt wurde und die bis zum heutigen Tage anzeigt, woher der Wind weht.

Church of the Holy Cross in Great Ponton (Lincolnshire).    © Copyright Richard Croft and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Church of the Holy Cross in Great Ponton (Lincolnshire).
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Published in: on 8. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Bennetts in Derby (Derbyshire) – Das älteste Kaufhaus der Welt?

Das Kaufhaus Bennets in Derby ist hier auf der linken Seite zu sehen.   © Copyright David Hallam-Jones and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Kaufhaus Bennetts in Derby ist hier auf der linken Seite zu sehen.
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Im Jahre 2010 feierte Bennetts, ein Department Store in der Irongate der Stadt Derby sein 275jähriges Bestehen. Ist es damit das älteste Kaufhaus der Welt?
1734 wurde das Geschäft in der Nummer 10 in der Straße Irongate im Kathedralenviertel Derbys als Weatherhead Walters & Son gegründet. Damals verkaufte man hauptsächlich Eisenwaren, später kamen landwirtschaftliche Artikel in das Sortiment hinzu. Der Laden florierte und wurde viele Jahre später, 1864, von George Bennett übernommen, einem pensionierten Kapitän, nach dem das Geschäft bis zum heutigen Tag benannt ist. Bennett gestaltete das Innere seines Kaufhauses wie ein Segelschiff, wahrscheinlich fühlte er sich dadurch heimischer, denn das Meer und der nächste Hafen waren weit entfernt. Auch der neue Inhaber erweiterte sein Sortiment und nahm u.a. Sportartikel dazu.
Bis 1937 war Bennetts in Familienbesitz, dann wurde der Laden verkauft und firmierte von da an unter dem Namen Bennetts Irongate Limited. Auch unter den neuen Eigentümern stieg der Umsatz weiter, so dass das Nachbarhaus, die Nummer 8, ein ehemaliges Theater, in den 1980er Jahren dazugekauft wurde.

Bennets Department Store ist so seit langer Zeit eine feste Instanz in Derby, wo man alles Mögliche kaufen kann wie Möbel, Textilien, Porzellan und vieles mehr. Das Personal hat eine sehr enge Beziehung zu dem Kaufhaus, denn anders ist es nicht zu erklären, dass manche schon seit Jahrzehnten hier arbeiten. Zwischen den all den austauschbaren Kettenläden, wie man sie in nahezu jeder englischen Stadt in der High Street antrifft, ist Bennetts eine sehr angenehme Abwechslung. Wer nach dem Einkauf Hunger oder Durst bekommen hat, kann sich in der im gleichen Haus gelegenen Brasserie „Lisa Jean“ stärken, zum Beispiel mit einem Champagnerfrühstück, das montags bis samstags angeboten wird. Bennetts selbst ist an jedem Tag der Woche geöffnet, allerdings zu etwas altmodischen Zeiten, von 9 Uhr bis 17 Uhr (dafür aber auch sonntags von 11 Uhr bis 16 Uhr).

Bennetts unterhält noch eine Filiale in Ashbourne, ebenfalls in Derbyshire, eine andere in Bakewell wurde geschlossen.

Published in: on 7. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Uley in Gloucestershire – Ein idyllisches Dorf, Stephen Fry und ein Gorilla namens John Daniel

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Nachdem ich mit Begeisterung Stephen Frys Autobiografie „Moab is my washpot“ (deutsch: „Columbus war ein Engländer“) gelesen hatte, in der er von seiner Internatszeit in der Stouts Hill Preparatory School in Uley erzählte, musste ich diesen Ort unbedingt einmal aufsuchen.
Das kleine idyllische Dorf Uley liegt an der B4066, etwa 2-3 Kilometer östlich von Dursley in Gloucestershire. Hier soll es einmal 14 (!) Pubs gegeben haben; heute ist nur noch „The Old Crown“ übrig geblieben, gegenüber der St Giles Church.
Ein ganz enger Weg führt zum Owlpen Manor, einem Tudor Manor House, in dem es in spuken soll. Ich berichtete in meinem Blog darüber.

Stephen Frys Stouts Hill Preparatory School, die übrigens auch Mark Phillips, der ersten Ehemann von Prinzessin Anne besuchte, schloss 1979 und wurde von einer kanadischen Firma übernommen, die das eindrucksvolle Gebäude umbaute und 1982 als Holiday Resort mit neun Appartements eröffnete.  Wer möchte, kann also heute im Stouts Hill Cotswold Holiday Resort da wohnen, wo der kleine Stephen einen Teil seiner Jugend verbrachte.

Im Januar erschien ein Buch mit dem Titel „Notes from the Uley Archives„, in dem die Dorfarchivarin Margaret Groom eine fast vergessene Geschichte ausgegraben hat, in der ein Gorilla namens John Daniel einmal eine Rolle spielte. Das Gorillakind, dessen Eltern 1918 im Dschungel von Gabun erschossen worden waren, fand den Weg in das Dörfchen in Gloucestershire über ein Londoner Kaufhaus, in dem es zum Verkauf angeboten wurde. Ein Major Rupert Penny kaufte das Tier für eine sehr hohe Summe und gab es seiner Schwester Alyce Cunningham, die in Uley lebte. Dort wurde der kleine Gorilla großgezogen und bald liebte ihn die ganze Dorfgemeinschaft. Er war ein sehr intelligentes Tier, das sogar sein eigenes Bett machen konnte, die Toilette benutzte und beim Abwaschen half. Uleys Kinder nahmen ihn mit zur Schule und spielten mit ihm;  John Daniel war ein glücklicher Gorilla. Leider sollte das schöne Leben für ihn nicht allzu lange dauern, denn er wuchs und wuchs und schließlich konnte ihn seine Pflegemutter nicht länger behalten. Schweren Herzens verkaufte sie ihn im Jahre 1921 nach Amerika, in der Hoffnung, dass es ihm dort gut gehen würde. Doch das Tier landete in einem Wanderzirkus und dieses Leben konnte es überhaupt nicht vertragen; es war an das Dorfleben in Uley gewöhnt und nicht an ein Dasein hinter Gittern. John Daniel wurde krank, er sehnte sich nach seiner Ziehmutter zurück und sicher auch nach seinen früheren Spielgefährten. Alyce Cunningham erreichte aus Amerika die dringende Bitte, so schnell wie möglich zu ihm zu kommen, was sie auch sofort tat, doch es war zu spät, der Gorilla war bereits gestorben. Eine traurige Geschichte! Im Laufe des Jahres soll dem Gorilla eine Ausstellung gewidmet werden, die im örtlichen Prema Arts Centre in der South Street stattfinden wird.

Über das Dorf im Süden Gloucestershires berichtete ich schon einmal in Zusammenhang mit der Uley Brewery.

Das Souts Hill Holiday Centre in der Mitte des Bildes, dahinter liegt Uley.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Stouts Hill Holiday Centre in der Mitte des Bildes, dahinter liegt Uley.
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The Old Crown am Village Green.   © Copyright Alan Hughes and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Old Crown am Village Green.
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Die St Giles Church.   © Copyright Philip Pankhurst and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die St Giles Church.
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Uleys Prema Arts Centre.   © Copyright Clint Mann and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 6. Februar 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Joe Orton und Kenneth Halliwell – Zwei Londoner Autoren und ihre ungewöhnliche Behandlung von Bibliotheksbüchern

Die Islington Public Library an der Essex Road.   © Copyright Julian Osley and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Joe Orton (1933-1967) war ein britischer Dramatiker, der zusammen mit seinem Freund Kenneth Halliwell (1926-1967), einem Schauspieler und Schriftsteller, in einem kleinen Appartment in London lebte. Anfang der 1960er Jahre waren sie mit dem Buchbestand ihrer Bibliothek in Islington absolut unzufrieden und beschlossen, sich dafür zu rächen. In großem Stil klauten sie Bücher und schlachteten einen Teil davon aus, d.h. sie schnitten besonders schöne Bilder aus und machten daraus in ihrem Schlafzimmer Collagen; ihre Art von  „Guerilla Artwork
Aber das reichte ihnen nicht aus; sie gingen noch einen Schritt weiter und veränderten das Aussehen der Bibliotheksbücher, indem sie Bilder auf die Schutzumschläge klebten, die dort absolut nicht hingehörten. (Beispiel 1, Beispiel 2). Weiterhin schrieben sie Buchbesprechungen, die vor Obszönitäten nur so wimmelten und klebten diese ganz vorn in die Bücher ein. Mit diesen manipulierten Büchern schlichen sie sich wieder in die Bibliothek von Islington ein und platzierten sie irgendwo auf Tische und in Regale. Dann begann für die beiden die Zeit des Vergnügens: Sie beobachteten wie Bibliotheksbesucher die „verschönerten“ Bücher in die Hand nahmen, die eingeklebten Besprechungen lasen und puterrot wurden; so etwas Obszönes hatten sie noch nie gesehen. Orton und Halliwell gingen zufrieden nach Hause, denn für sie hatte sich der Aufwand gelohnt.
Als die Bibliothekare die Veränderungen an ihren Büchern merkten, waren sie „not amused“. Bald richtete sich ihr Verdacht auf die beiden Männer und sie stellten ihnen eine Falle, in die die beiden auch tappten.

Die Polizei stellte fest: Orton und Halliwell hatten 72 Bücher geklaut und 1,653 Bilder aus Bibliotheksbüchern herausgeschnitten; außerdem hatten sie noch Überziehungsgebühren zu bezahlen (sie klauten nicht nur, sie liehen auch richtig aus!). Die beiden  wurden vor Gericht gestellt und zu 6 Monaten Gefängnis und £262 Geldstrafe verurteilt.

Wenn man unschuldige Bibliotheksbücher so brutal behandelt, dann kann das nicht gut gehen. Was folgte? Kenneth Halliwell schlug am 9. August 1967 seinem Freund Joe Orton den Schädel ein, anschließend brachte er sich selbst um.
Dieser recht ungewöhnliche Film zeigt die Beziehung der beiden.

Die verunstalteten Bücher hat man behalten, sie sind jetzt im Islington Local History Centre in der St John Street zu begutachten.

In diesem Film schildert Joe Orton seine Missetaten.

Hier in der Noel Road Nummer 25 in Islington kamen Joe Orton und Kenneth Halliwell zu Tode.   © Copyright Christopher Hilton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier in der Noel Road Nummer 25 in Islington kamen Joe Orton und Kenneth Halliwell zu Tode.
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Published in: on 5. Februar 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – Eddie Brazil: „Bloody British History – Buckinghamshire“

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Mein Lieblingsverlag, The History Press in Stroud (Gloucestershire), den ich in meinem Blog schon einmal vorstellte, hat eine Buchreihe, die sich „Bloody British History“ nennt. Darin geht es um Grafschaften und vor allem Städte Englands im Spiegel besonderer, meist blutiger  Ereignisse, die sich dort abgespielt haben. Neben beispielsweise Cambridge, Bristol, Salisbury und Suffolk gibt es auch einen Band über Buckinghamshire, den ich mir kürzlich gekauft und gelesen habe. Der Autor ist Eddie Brazil, der sich vor allem als „paranormal investigator“ einen Namen gemacht und Bücher über die Borley Rectory, High Wycombe und Geistererscheinungen in englischen Kirchen geschrieben hat.

Die Themen in Eddie Brazils „Bloody British History – Buckinghamshire“ sind u.a.:

The Weirdos of West Wycombe“ – Sir Francis Dashwood und seine Kumpane in den Hellfire Caves

The Chiltern Manhunt“ – Die Geschichte von der größten Verbrecherjagd in Buckinghamshire im 19. Jahrhundert, bei der die Mörder von zwei Jagdaufsehern quer durch die Chiltern Hills verfolgt wurden

Flying Saucers Over High Wycombe“ – Augenzeugenberichte über vermeintliche UFO-Sichtungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Region High Wycombe

The Babes in the Wood“ – Ein Mordfall aus dem Jahr 1941, als in Penn zwei kleine Mädchen von einem Armeeangehörigen ermordet wurden. Sie waren auf dem Weg nach Hause und kamen von ihrer Schule, der Tylers Green First School. An der Kreuzung der Straßen Elm Road und Common Wood Lane beobachtete ein Junge wie sie in einen Armeelastwagen stiegen und konnte der Polizei wertvolle Hinweise geben, die zur Ergreifung des Täters führten.

Eddie Brazil: Bloody British History – Buckinghamshire. The History Press 2014. 96 Seiten. ISBN 978-0750960236.

Der Eingang zu den Hellfire Caves in West Wycombe.   © Copyright Graham Horn and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Eingang zu den Hellfire Caves in West Wycombe.
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Die Chilterns, durch die sich die Mörderjagd zog.   © Copyright Des Blenkinsopp and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Chilterns, durch die sich die Mörderjagd zog.
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Hier über High Wycombe wollen viele Menschen Ende des 19. Jahrhunderts UFOs gesehen haben.   © Copyright Peter Jemmett and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier über High Wycombe wollen viele Menschen Ende des 19. Jahrhunderts UFOs gesehen haben.
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Die Tylers Green First School in Penn. Von hier kamen die beiden Mädchen, die 1941 ermordet wurden.   © Copyright Scriniary and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Tylers Green First School in Penn. Von hier kamen die beiden Mädchen, die 1941 ermordet wurden.
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Published in: on 4. Februar 2017 at 02:00  Comments (1)  
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„London Black Cab Stout“ – Ein Dunkelbier aus Londons Fuller’s Brewery

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Gestern Abend trank ich ein Bier, das in Londons Fuller’s Brewery gebraut wird und das den Namen „London Black Cab Stout“ trägt. Genauso schwarz wie die Taxen in Großbritanniens Hauptstadt sieht dieses Dunkelbier auch aus, das 4,5% Alkohol hat und dessen Etikett ein Black Cab ziert. Bisher kannte ich von Fuller’s nur deren Flaggschiff, das „London Pride„, aber auch dieses Stout schmeckte mir gut. Im vorigen Jahr wurde es auf dem Cape Town Festival of Beer in Südafrika als bestes Dark Beer ausgezeichnet, das (nach Angabe der Brauerei) Kaffee- und Schokoladenoten in der Nase hat und weiterhin “ red berry notes and mild hops meeting chocolatey, malty character on the way to a delicious dry finish“. Es soll eines der besten Stouts weltweit sein, wiederum nach Aussage der Brauerei. Dieser Film zeigt eine ausführliche Verkostung des London Black Cab Stout.

Die Geschichte der Brauerei in Chiswick im Westen Londons, an der Themse gelegen, reicht mehrere Jahrhunderte zurück, die Erfolgsstory begann aber erst 1845 als John Bird Fuller zusammen mit den Braumeistern Henry Smith und John Turner die Zügel in die Hand nahmen. Heute haben wir es mit einem großen Konzern zu tun, der nicht nur viele Biersorten in der sogenannten Griffin Brewery an der Chiswick Lane braut, sondern auch noch mehr als 400 Hotels und Pubs in London und im Süden des Landes besitzt. Jedes Jahr wird dem besten dieser Pubs die Griffin Trophy überreicht; im Jahr 2016 war es The Hydrant im Zentrum Londons in der Monument Street, ganz in der Nähe, wo 1666 der Große Brand in der Pudding Lane seinen Ursprung hatte.

Wer sich die Brauerei einmal ansehen möchte, kann das auf einer „Tasting Tour“ machen, die fünfmal täglich von Montag bis Samstag stattfindet und £20 kostet. Kostenlos dagegen ist die „Virtual Tour“ auf den sehr gut gemachten Webseiten von Fuller’s. Im Shop der Brauerei kann man sich mit sämtlichen Produkten der Firma eindecken.

Dieser Film wirft einen Blick hinter die Kulissen der Brauerei.

Die Brauerei an der Themse in Chiswick.   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Brauerei an der Themse in Chiswick.
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Published in: on 3. Februar 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Der Abbots Bromley Horn Dance – Eine uralte Tradition in Staffordshire

   © Copyright John M and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Manche Traditionen halten sich in England über viele Jahrhunderte, so z.B. der Horn Dance, der erstmals im Jahr 1226 in Abbots Bromley in der Grafschaft Staffordshire aufgeführt wurde.

Jeweils im September am sogenannten „Wakes Monday“ (das ist der erste Montag, der dem der ersten Sonntag nach dem 4. September folgt) findet der Horn Dance statt, bei dem Männer mit Geweihen auf dem Kopf eine Strecke von etwa 16 Kilometer zurücklegen. Der nächste Horn Dance findet am 11. September 2017 statt, zu dem wieder Besucher aus der ganzen Welt in das Staffordshire-Städtchen kommen werden, um die Tänzer (6 Deer-men,  Fool, Hobby Horse, Bowman und Maid Marian) auf ihrem Weg zu begleiten.

Die Geweihe, die über 1000 Jahre alt sein sollen, werden morgens aus der St Nicholas Church geholt, und der Tanz beginnt auf dem Village Green von Abbots Bromley; dann geht es weiter bis zur Blithfield Hall, die auf der anderen Seite des Blithfield Reservoirs liegt, und wieder zurück in den „Heimathafen“, wo die Geweihe um 20.15 Uhr in die Kirche zurückgebracht werden. Ein anstrengender Tag, der wohl nur mit der freundlichen (flüssigen) Unterstützung einiger Pubs wie The Goat’s Head,  The Crown Inn oder The Coach and Horses einigermaßen zu überstehen ist, vor denen jeweils Station gemacht wird.

Dieser Film zeigt den Einmarsch der Tänzer in Blithfield Hall.

Hier in der St Nicholas Church werden die Geweihe das Jahr über aufbewahrt.   © Copyright Peter Turner and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier in der St Nicholas Church werden die Geweihe das Jahr über aufbewahrt.
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Eine Tafel am The Goat's Head, die über den Horn Dance informiert.   © Copyright Michael Garlick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine Tafel am The Goat’s Head, die über den Horn Dance informiert.
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Die Auffahrt zur Blithfield Hall, dem Endpunkt des Abbots Bromley Horn Dance.    © Copyright John Salmon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Auffahrt zur Blithfield Hall, dem Endpunkt des Abbots Bromley Horn Dance.
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Published in: on 2. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Tortoise Fair des Corpus Christi College in Oxford – Ein Treffpunkt für Rennschildkröten

Das Corpus Christi College in Oxford.   © Copyright Nigel Cox and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Corpus Christi College in Oxford.
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Die Liste der Männer und Frauen, die in der Vergangenheit das Corpus Christi College in Oxford besucht haben, ist lang; die Labour-Politiker Ed und David Milliband gehören dazu wie der Kunstkritiker John Ruskin und der Schriftsteller Vikram Seth.

Doch in meinem heutigen Blogthema geht es nicht um diese berühmten Menschen, sondern um etwas anderes, um die jährlich auf dem Gelände des Corpus Christi College stattfindende Tortoise Fair. Dieses sommerliche „Event“ ist noch gar nicht alt; 1974 wurde die Fair ins Leben gerufen, um die Studenten zu bespaßen und zu vergnügen, aber auch um Geld für wohltätige Zwecke zu sammeln.

Im Mittelpunkt dieses College-Festes steht, neben den unvermeidlichen Buden, in denen man sich mit Pimm’s versorgen kann und anderen Dingen für das leibliche Wohl, das Schildkrötenrennen, wonach die Tortoise Fair ja auch benannt wurde. Jedes College, das daran teilnehmen möchte, kann seine schnellsten Reptilien ins Rennen schicken.
Der Ablauf der Veranstaltung sieht so aus: Auf einem Rasenstück  wird ein Kreis aus Salatblättern gebildet, in dessen Mitte die Teilnehmer mit ihren Schildkröten stehen. Auf ein Zeichen hin werden die Tiere abgesetzt, die sich jetzt alle auf den Weg in Richtung Salatblätter machen. Wer als Erster an der begehrten Nahrung angekommen ist, wird als Sieger proklamiert. Im letzten Jahr gab es zwei Gewinner, die gleichzeitig am „Ziel“ angekommen sind: Für Foxe vom Corpus Christi College war es ein Heimspiel (er war auch der Vorjahresgewinner; vielleicht trainiert er ja an dieser Stelle das ganze Jahr über), umso höher ist die Leistung des Gastes vom Worcester College, Zoom, zu bewerten, der es in der gleichen Zeit zum Salatblatt schaffte. Zoom kannte die Strecke aber auch bereits, denn er siegte hier auf fremdem Boden schon mehrfach. Dieser Film zeigt das spannende Rennen.

Bei der Tortoise Fair 2016 kamen stolze £4000 zusammen, die dieses Mal der Against Malaria Foundation zur Verfügung gestellt wurden.

Der Abberley Hall Clock Tower bei Great Witley in Worcestershire

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Über 50 m hoch ist der Uhrenturm von Abberley Hall im Nordwesten der Grafschaft Worcestershire, in der Nähe des Ortes Great Witley.  Doch wozu braucht man so einen hohen, separat vom Hauptgebäude stehenden Turm?

In der Zeit von 1883 bis 1884 wurde der Abberley Hall Clock Tower gebaut, der drei Zimmer im unteren Bereich, ein Nähzimmer und ein Glockenzimmer enthält, die alle so gut wie nie benutzt wurden; lediglich im 2. Weltkrieg wurde der Turm als Beobachtungsposten verwendet, um feindliche Flugzeuge zu melden, die in Richtung Birmingham unterwegs waren.

John Joseph Jones, der 1880 Abberley Hall erbte, gab den Turm in Auftrag. Als Grund nannte man damals, Jones wollte seinen vielen Bediensteten und Arbeitern keine Ausrede bieten, sie wüssten nicht wie spät es ist. Glaubhafter scheint aber eine andere Version zu sein: Ganz in der Nähe wohnte Lord Dudley auf Witley Court, zu dem eine gewisse Rivalität bestand und mit einem so gewaltigen Uhrenturm auf dem Gelände konnte Jones seinerzeit ganz schön auftrumpfen.

Auf Abberley Hall ist seit 1916 ein Internat untergebracht, die Abberley Hall School, und der Uhrenturm ist leider nicht zu besichtigen, außer an einigen wenigen Tagen. Schade, denn Liebhaber von Follies würden das sicher liebend gern tun.

Dieser Film verschafft einen Eindruck vom Inneren des Turms.

Ein Erkerfenster im Turm.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Erkerfenster im Turm.
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Blick vom Turm.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Blick vom Turm.
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Die Abberley Hall School.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Abberley Hall School.
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Published in: on 31. Januar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Kalenderhäuser in England – Einige Beispiele

Knole House bei Sevenoaks in Kent.   © Copyright Ian Capper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Knole House bei Sevenoaks in Kent.
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Kalenderhaus ist ein Begriff aus der Architektur und bedeutet, dass sich in den baulichen Elementen des Hauses die Zahl der Monate im Jahr, der Wochen im Jahr, der Tage im Jahr und der Tage in der Woche widerspiegeln. Ich möchte an dieser Stelle einige Beispiele dafür geben.

Meine erste Begegnung mit einem „calendar house“ war vor vielen Jahre Knole House, jener große Palast bei Sevenoaks in Kent, der dem National Trust gehört und in dem 1892 die Schriftstellerin Vita Sackville West geboren wurde. Die Beatles drehten 1967 hier einige Videos, darunter „Strawberry Fields Forever„.  In Knole gibt es 365 Zimmer, 52 Treppen, 12 Eingangstüren und 7 Innenhöfe.

Ein weiteres Beispiel für ein Kalenderhaus ist Scout Hall bei Halifax in West Yorkshire, das 1681 von einem wohlhabenden Seidenfabrikanten namens John Mitchell gebaut wurde. Das Haus hatte 365 Fensterscheiben, 52 Türen und 12 Erker. Leider steht das Gebäude schon lange leer und ist in Teilen verfallen. Es ist jetzt in Privatbesitz und soll wiederhergestellt werden.

Ein besonders schönes Exemplar ist das Bedstone College in Bedstone in Shropshire. Das Ende des 19. Jahrhunderts für den Geschäftsmann und Politiker Sir Henry William Ripley erbaute Haus, das seit 1948 als Schule geführt wird, besteht aus 365 Fenstern, 52 Zimmern, 12 Kaminen und 7 Außentüren.

John Edward Taylor (1791-1844) war der Gründer des Manchester Guardians, einer Zeitung, die später in The Guardian umbenannt wurde. Er ließ sich in Didsbury (Greater Manchester) ein beeindruckendes Haus in gotischem Stil errichten, das er The Towers nannte. Hier finden wir 365 Fenster, 52 Zimmer und 12 Türme. In dem Gebäude sind heute Büros untergebracht, die zum Towers Business Park gehören.

Boughton House bei Kettering in Northamptonshire ist ebenfalls ein großartiges „Stateley Home“, das sich selbstbewusst „The English Versailles“ bezeichnet und dem Duke of Bucclech gehört. Hin und wieder, in diesem Jahr im August, steht das Haus auch der Öffentlichkeit für Besichtigungen zur Verfügung. Das Kalenderhaus verfügt über 365 Fenster, 52 Kamine, 12 Eingänge und 7 Innenhöfe.

Scout Hall bei Halifax in West Yorkshire.   © Copyright Humphrey Bolton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Scout Hall bei Halifax in West Yorkshire.
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Bedstone College bei Bedstone in Shropshire.   © Copyright paul dickson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bedstone College in Bedstone in Shropshire.
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The Towers in Didsbury (Greater Manchester).   © Copyright Keith Williamson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Towers in Didsbury (Greater Manchester).
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Boughton House bei Ketterin in Northamptonshire.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Boughton House bei Kettering in Northamptonshire.
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Englische Exzentriker – Martin van Butchell (1735-1814), ein Zahnarzt aus Mayfair in London

Die Mount Street im Londoner Stadtteil Mayfair.   © Copyright Derek Harper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Mount Street im Londoner Stadtteil Mayfair.
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Die Mount Street führt mitten durch Mayfair, jenen wohlhabenden Stadtteil im Zentrum Londons, dessen Häuser so teuer geworden sind, dass sie sich nur noch sehr reiche Menschen leisten können. Die Straße beginnt am Berkeley Square und mündet auf den Park Lane am Hyde Park. Der Schuhdesigner Christian Louboutin hat hier ein Geschäft, ebenso der amerikanische Modeschöpfer Marc Jacobs und das Modehaus Balenciaga.

In der Hausnummer 56 (in der Nummer 54 residiert jetzt der brasilianische Botschafter) war einmal die Praxis eines erfolgreichen Zahnarztes untergebracht, der bei seinen Patienten einen guten Ruf genoss. Da die Praxis von Martin van Butchell (1735-1814) in einer guten Wohngegend lag, behandete er besonders viele Männer und Frauen aus dem Adel. Bei seinen Kollegen jedoch hatte der Arzt einen eher zweifelhaften Ruf, da er ihnen ein wenig zu exzentrisch war. So hatte van Butchell die merkwürdige Angewohnheit, sein Pferd, mit dem er auszureiten pflegte, anzumalen, am liebsten lila, mit Punkten und Kreisen am Hinterteil und am Kopf. Er erfand auch einen speziellen Steigbügel, der mit Kork besetzt war, damit man mit seinen Reitstiefeln nicht abrutschte. Bis zu seinem Tod trug er einen gewaltigen Bart, aus dem er Kapital schlug, denn er behauptete, dass ein einzelnes Barthaar von ihm, als Amulett getragen, unfruchtbare Frauen fruchtbar machen würde. Seine ausgekämmten Barthaare verkaufte er an verweifelte Damen, die daran glaubten. Es ist nicht überliefert wie hoch die Erfolgsquote war.

Der exzentrische Zahnarzt machte aber vor allem von sich reden, als er 1775 die Leiche seiner verstorbenen Frau Mary einbalsamieren ließ. Er ersetzte ihre Augen durch Glaskugeln, hübschte den Körper farblich etwas auf und steckte Mary in ein spitzenbesetztes Gewand. Den Leichnam platzierte er in einen gläsernen Sarg und stellte ihn in das Fenster seiner Praxis. Ob dieses „Happening“ wohl mehr Patienten in seine Praxis locken sollte? Auf jeden Fall kamen viele Menschen in die Mount Street, um sich die verblichene Zahnarztgattin anzusehen. Die direkten Nachbarn van Butchells fanden das nicht lustig und protestierten, aber ohne Erfolg.

Die Einbalsamierung war offensichtlich nicht allzu fachmännisch vorgenommen worden, denn nach einiger Zeit begann der Körper zu verfallen. Martin van Butchells zweite Ehefrau war mit der Zurschaustellung ihrer Vorgängerin gar nicht einverstanden (vielleicht fürchtete sie, später ebenfalls auf diese Weise zu enden), und so bestand sie darauf, dass es Zeit für Mary war, in andere Hände übergeben zu werden, was schließlich auch geschah, und so gelangte der vor sich hin rottende Leichnam in das Londoner Museum of the Royal College of Surgeons, wo er auch ausgestellt wurde. Erst im Zweiten Weltkrieg war es endgültig um Mary geschehen, als das Royal College of Surgeons 1941 von einer deutschen Fliegerbombe getroffen und der Leichnam dabei zerstört wurde.

Es gibt einen Film, allerdings in spanischer Sprache, der sich mit Martin van Butchell beschäftigt und einige Bilder von ihm und seiner verblichenen Ehefrau zeigt.

Im Museum des Londoner Royal College of Surgeons.   © Copyright kim traynor and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 29. Januar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Ungewöhnliche Urlaubsdomizile Teil 2: The House in the Clouds in Thorpeness (Suffolk)

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Ganz so hoch wie der Name es vermuten lässt, „The House in the Clouds„, liegt dieses Gebäude in Thorpeness in Suffolk nicht. 1923 erbaute man an dieser Stelle einen Wasserturm, und da diese Gebäude in der Regel nicht sehr attraktiv aussehen, „verkleidete“ man ihn als Wohnhaus. In dem Wassertank, der das Dorf mit Trinkwasser versorgte, hatte man seinerzeit 230 000 Liter speichern können, das von der nahegelegenen Thorpeness Windmill hineingepumpt wurde. Diese hübsche weiße Windmühle befindet sich heute in Privatbesitz und ist nur an wenigen Tagen im Jahr zugänglich.

1977 bekam Thorpeness eine richtige Wasserversorgung, wodurch der Turm eigentlich überflüssig wurde. Aber anstatt ihn abzureißen, entfernte man den Tank und baute das ganze Gebäude als Wohnhaus um, das heute über 5 Schlafzimmer, 3 Badezimmer, ein Wohnzimmer und ein Esszimmer verfügt. Das „Highlight“ des Turmhauses aber ist der von einer Galerie umsäumte Raum ganz oben, von dem man einen grandiosen Blick hat. Jedermanns Geschmack ist die Einrichtung vielleicht nicht; die Räumlichkeiten und Treppenhäuser wimmeln von Figuren, Masken, Geweihen, Bildern und ausgestopften Tieren. Dieser Film zeigt die einzelnen Stockwerke. Der Name „The House in the Clouds“ stammt von einer Kinderbuchautorin, Mrs Malcolm Mason, die hier mit ihrem Mann einmal wohnte und ein Gedicht mit diesem Titel schrieb.

Wer das Haus mieten möchte, sollte vielleicht nicht gehbehindert oder gebrechlich sein, denn es gibt hier fünf Stockwerke, die erst einmal bezwungen werden müssen. Die günstigsten Wochenmietpreise liegen bei £2200 im Januar/Februar und steigen bis auf £3275 über Weihnachten bzw. Silvester/Neujahr. Nähere Infos gibt es hier.

Thorpeness liegt auf halbem Wege zwischen der Benjamin-Britten-Stadt Aldeburgh und dem Kernkraftwerk Sizewell.

 

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Die Windmühle neben dem "Wolkenhaus".   © Copyright Cameraman and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Windmühle neben dem „Wolkenhaus“.
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Auch auf dem Dorfschild von Thorpeness finden sich das House in the Clouds und die Windmühle wieder.   © Copyright Adrian S Pye and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auch auf dem Dorfschild von Thorpeness finden sich das House in the Clouds und die Windmühle wieder.
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