Wie einige Engländer von Triangulationspunkten fasziniert sind…

Der erste „trig pillar“ in Cold Ashby (Northamptonshire).
Photo © Andrew Tatlow (cc-by-sa/2.0)

Trig pillars“ sind Triangulationspunkte (TPs) bzw. Vermessungspfeiler, die von den Landvermessern der Ordnance Survey verwendet wurden und spielten eine Rolle in der Kartografie und Geodäsie. Sie stehen in vielen Fällen auf Hügeln, Bergen oder anderen Erhebungen. In Großbritannien gibt es noch 6190 von diesen TPs von einstmals rund 6500. In der heutigen Zeit haben sie keine Bedeutung mehr, da die Landvermesser neue Techniken zur Verfügung haben, die wesentlich exakter sind, aber es wird immer noch versucht, die steinernen Pfeiler zu hegen und zu pflegen. Der höchst gelegene TP steht auf dem Ben Nevis in Schottland, der tiefst gelegene liegt am Ufer der Little Ouse in Cambridgeshire und ist ein Meter unter dem Meeresspiegel. Am 8 April 1936 wurde der erste „trig pillar“ auf einem Feld in Cold Ashby in Northamptonshire aufgestellt, der dort noch heute vorzufinden ist.

Es gibt einige Menschen, die von diesen Pfeilern so fasziniert sind, dass sie das Bedürfnis haben, möglichst viele oder sogar alle dieser „trig pillars“ aufzusuchen. Ein gemeinsames Forum gibt es im Internet unter „trigpointing.uk

Einer, der es geschafft hat, allen TPs einen Besuch abzustatten, ist der „König der trig bagger“, Rob Woodall aus Peterborough in Cambridgeshire, der dafür 13,5 Jahre gebraucht hat, von 2002 bis 2016. Sein letzter lag auf dem Benarty Hill im schottischen County Fife. Mr. Woodall hat aber noch mehr vorzuweisen. So hat er u.a. sämtliche Marilyns (das sind Hügel/Berge über 150 Meter) und alle HuMPs (=  HUndred Metre Prominence, also alle Hügel über 100 Meter) erklettert. Von Marilyns gibt es 1556  und von HuMPs 2984. Eine stolze Leistung!
Hier ist ein Film über die „trig pillars“.

Der höchst gelegene TP auf dem Ben Nevis in Schottland.
Photo © Michael Graham (cc-by-sa/2.0)

Der am tiefsten gelegene TP an der Little Ouse in Cambridgeshire.
Photo © Siobhan Brennan-Raymond (cc-by-sa/2.0)

Rob Woodalls letzter TP auf dem Benarty Hill in der schottischen Grafschaft Fife.
Photo © Rude Health (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. März 2018 at 02:00  Comments (2)  
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The BFI Imax – Das Londoner „Kreisverkehr-Kino“

In meinem Blog habe ich verschiedentlich auf meine Vorliebe für Kreisverkehre Bezug genommen und darüber geschrieben wie diese „roundabouts“ hübsch gestaltet werden können. In London gibt es in der Southbank einen Kreisverkehr, in den vier Straßen münden: Waterloo Bridge, Waterloo Road, Stamford Street und York Road und in der Mitte steht… ein Kino, das BFI IMAX, soweit ich ermitteln konnte, das einzige dieser Art in England. Seit 1999 werden hier Filme gezeigt und zwar auf Großbritanniens größter Leinwand, die 20×26 Meter misst. In den Kinosaal passen 489 Besucher die vor oder nach den Aufführungen noch einen Kaffee bei Costa Coffee oder ein Bier an der Bar bzw. im Biergarten trinken können.
Drei bis vier Vorstellungen finden in der Regel täglich statt, aber nicht nur Spielfilme, sondern auch Dokumentationen und Opernaufführungen; die Eintrittspreise für letzere können schon einmal bis zu £40 kosten.

Gebaut wurde das an einen Gasometer erinnernde BFI IMAX von dem mehrfach ausgezeichneten Architekten Bryan Avery (1944-2017), der durch spezielle technische Maßnahmen dafür sorgte, dass die Kinogänger nicht durch den Verkehrslärm des Kreisverkehrs und durch die U-Bahn, die direkt unter dem Gebäude verläuft, gestört werden.

Published in: on 21. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Chopwell (Tyne and Wear) – Eine ehemalige Bergarbeiterstadt, die Klein-Moskau genannt wurde

Die Lenin Terrace in Chopwell.
Photo © Anthony Foster (cc-by-sa/2.0)

Chopwell, ein kleiner Ort, dessen Wohlergehen früher einmal komplett von der Kohleförderung abhing, liegt im äußersten Westen des Metropolitan County Tyne and Wear im Nordosten Englands. So arbeiteten die meisten Männer unter Tage, eine harte Arbeit, die zudem nicht besonders üppig bezahlt wurde. Im Jahr 1926 kam es landesweit zu Generalstreiks, natürlich auch in Chopwell, weil die Bergarbeiter geringere Löhne bekommen und auch noch länger arbeiten sollten. Absolut verständlich, dass die Betroffenen auf die Barrikaden gingen. Die Kohleförderung wurde eingestellt, wobei die Arbeitgeber von einem Streik sprachen, die Gewerkschaften von einer Aussperrung. Schnell kam Chopwell in den Ruf, kommunistisch unterwandert zu sein; so sahen es zumindest einige der eher rechts orientierten Zeitungen des Landes. 1924 hatte die lokale Bergarbeitervereinigung auf ihrer Fahne die Köpfe von Karl Marx und Lenin appliziert, dazu noch das Konterfei eines der Gründer der Labour Party, Keir Hardie. Der Union Jack wurde auf dem Dach der Gemeindeverwaltung durch die sowjetische Flagge ersetzt, und es heißt, dass man in der Kirche die Bibel durch die Werke von Karl Marx ausgetauscht hatte.

Um dieser angeblich kommunistischen Orientierung noch die Krone aufzusetzen, benannte man zwei neugebaute Straßen in Chopwell auch noch Marx Terrace und Lenin Terrace. Schnell wurde der kleine Ort landesweit als „Little Moscow“ bezeichnet und als „reddest village in England„.

Der Streik dauerte damals mehr als siebzehn Monate und den Bergarbeiterfamilien ging es richtig schlecht. Ohne das Einkommen der Bergleute war es fast nicht möglich zu überleben. So hatten die Männer keine andere Wahl, als schließlich doch nachzugeben und für längere Arbeitszeiten weniger Geld zu bekommen… Details über diese furchtbare Zeit zeigt dieser Film.

1966 schloss die Chopwell Colliery, weil die Kohlevorräte unter Tage aufgebraucht waren. Von da ab ging es dramatisch mit dem Ort bergab, da es hier nichts mehr zu verdienen gab. Viele Bewohner zogen weg und fast alle Institutionen und Vereine wurden geschlossen. Heute hat Chopwell noch rund 3000 Einwohner, von den Förderanlagen ist nichts mehr zu sehen, nur noch ein Gedenkstein und die Hälfte eines Förderrades erinnern an die Colliery.

Bergarbeiterhäuser in Chopwell.
Photo © Robert Graham (cc-by-sa/2.0)

Das Colliery Memorial.
Photo © Anthony Foster (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 20. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The UK Heritage Awards 2018

Am 6. März wurden die diesjährigen Preisträger der UK Heritage Awards 2018 in der Londoner Goldsmith’s Hall bekanntgegeben. Die Jury, unter der Leitung von Norman Hudson, der sich darauf spezialisiert hat, Besitzer von historischen Häusern über deren Management zu beraten, hat die Preise in dreizehn Kategorien vergeben. Hier sind einige der Preisträger in Wort und Bild:

Alnwick Castle in Northumberland, Wohnsitz des Dukes of Northumberland, siegte in der Kategorie „Best Family Day Out„. Die Burg bekam als der Drehort der beiden Harry Potter-Filme „Harry Potter and the Philosopher’s Stone“ und „Harry Potter and the Chamber of Secrets“ einen Besucherschub, und man versteht sich auf Alnwick Castle, das alte Gebäude für Kinder und Erwachsene attraktiv zu gestalten. Für Kinder werden Kurse im Besenreiten angeboten, Ritterspiele finden auf dem Burggelände statt und der eine oder andere berühmte Popstar gibt in diesem Jahr hier Konzerte wie Tom Jones und die Bands Madness und Il Divo. Und das ist nur eine kleine Auswahl an Veranstaltungen für dieses Jahr im Alnwick Castle. In wenigen Tagen, am 29. März öffnet die Burg für Besucher wieder ihre Pforten.

Das Castle Howard in North Yorkshire, eines der großartigsten Gebäude in Großbritannien, wurde in der Kategorie „Great Places to Eat“ ausgezeichnet. Das Haus ist also nicht nur für Architektur-Fans interessant, sondern auch für Gourmets. Gleich vier Lokalitäten buhlen um die Gunst der Besucher, das Fitzroy Restaurant, das Courtyard Café, das Boathouse Café und der Coffee Shop. Besonders gefiel der Jury der angebotene Afternoon Tea in der Grecian Hall, die auch gern für Hochzeiten gebucht wird.

Den Preis in der Kategorie „Wonderful Places to Stay“ erhielt in diesem Jahr The Victoria Inn in Holkham in der Grafschaft Norfolk. Grund dafür sind die besondere Lage in Küstennähe und das nur wenige hundert Meter entfernte im palladianischen Stil erbaute Country House Holkham Hall. 20 Zimmer stehen den Gästen zur Verfügung, die ab £160 pro Nacht im Doppelzimmer kosten.

In der Kategorie „Best Event“ ist der diesjährige Preisträger The International Autojumble in Beaulieu (Hampshire). Dort wo das National Motor Museum untergebracht ist, treffen sich seit 50 Jahren Autoenthusiasten aus der ganzen Welt, um auf dem Gelände alles rund um das Auto und das Motorrad zu kaufen, zu verkaufen und zu tauschen. In diesem Jahr findet die Veranstaltung am 1. und 2. September statt.

Auch der berühmte Hampton Court Palace wurde mit einem Heritage Award versehen…und zwar die Toiletten, in der Kategorie „Best Loos„. Was die Jury so preiswürdig fand: „the designers have given visitors a chance to keep learning about Henry and his wives during time spent in the loo. Specially designed graphics reveal Tudor beauty tips and silhouette you in costume in the mirror.“ Also beim nächsten Besuch im Palast in Richmond bei London nicht vergessen, den Toiletten einen Besuch abzustatten!

 

Published in: on 19. März 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Die übelsten Pubs, die abschreckendsten Dörfer, die schlimmsten Städte, und Seebäder, die man meiden sollte

Portsmouth in Hampshire.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Als Besucher Englands fährt man in der Regel dorthin, wo es besonders schön und besonders interessant ist. Auch in meinem Blog befasse ich mich schwerpunktmäßig mit der angenehmen Seite Englands. Doch das Land besteht natürlich nicht nur aus Bilderbuchdörfern, pittoresken Pubs und heimeligen Kleinstädten. Es gibt da auch die dunklen Seiten, mit denen der Tourist möglichst nicht konfrontiert werden möchte.

In meinem heutigen Blogbeitrag stelle ich zur Abwechslung einmal einige dieser negativen Dinge im Film vor.

Über „Crap Towns“ habe ich schon dreimal geschrieben. Portsmouth an der Südküste in der Grafschaft Hampshire gilt als eine der „toughest towns“ Großbritanniens, besonders die Hooligans des örtlichen Fußballvereins gelten als sehr gewalttätig. Dieser Film zeigt Bilder, die die Besucher der Mary Rose und der HMS Victory hoffentlich nicht zu sehen bekommen. Teil 1 und Teil 2.

Auch Dörfer können ziemlich schlimm sein, vor allem im Norden des Landes, dort, wo früher einmal Bergbau betrieben wurde und deren einzige Einnahmequelle nicht mehr existiert. Eines dieser „toughest villages“ ist Skinningrove an der Küste von North Yorkshire wie dieser Film zeigt.

Viele englische „seaside resorts“ genießen keinen sehr guten Ruf. Amüsierbetriebe, Fast Food Imbisse und Kneipen beherrschen das Stadtbild. Am Beispiel von Margate in Kent kann man in diesem Film sehen, dass es hier schon in den 1960er Jahren zu Auseinandersetzungen zwischen Mods und Rockern gekommen ist. Auch Hastings in East Sussex gehört, wie obiger Film zeigt, zu den „toughest seaside resorts„.

Ich glaube jeder Englandbesucher hat eine Schwäche für Country Pubs, in denen man in Ruhe sein Pint trinken und dazu vielleicht noch einen Ploughman’s Lunch essen kann. Leider gibt es auch Pubs, von deren Besuch dringend abzuraten ist. Wenn genug Alkohol geflossen ist, kommt es hier oft zu blutigen Auseinandersetzungen, denen man lieber nicht beiwohnen möchte. Am Beispiel der Tavern on the Hill im Londoner Stadtteil Walthamstow kann man in diesem Film sehen wie es in den „toughest pubs“ zugeht. Sollte sich jemand trotzdem zur Tavern hingezogen fühlen, sorry, die gibt es nicht mehr. Dort in der Higham Hill Road 318 steht jetzt ein Gastro-Pub namens The Warrant Officer.

Ich hoffe, dass diese Bilder in meinem heutigen Blogeintrag nicht zu abschreckend waren!

Skinningrove in North Yorkshire.
Photo © Anne Burgess (cc-by-sa/2.0)

Margate in Kent.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Crazy Coffins in Bulwell (Nottinghamshire) – Die Sargspezialisten

Blick auf Bulwell bei Nottingham, Heimat der Crazy Coffins.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Besonders viel gibt es in der Marktstadt Bulwell, nordwestlich von Nottingham, nicht zu sehen. Ein paar Pubs, einige Fast Food-Restaurants, ein Boxverein und das war’s schon. Einen besonders guten Ruf hat der Ort nicht, denn hier haben sich in den letzten 15 Jahren mehrere spektakuläre Verbrechen ereignet, die landesweit für Schlagzeilen gesorgt haben. Vielleicht passt es da ganz gut ins Bild, dass sich in der Hemphill Road eine Firma etablierte, die sich auf die Anfertigung von Särgen spezialisiert hat.

Victor Harry Fearn und Leonard Gill haben 1958 die Firma übernommen, die schon seit den Zeiten Königin Victorias hier in Nottinghamshire Särge hergestellt hat. Die beiden kauften Land in Bulwell und errichteten eine Werkstatt, die Crabtree Mill (hier im Bild zu sehen). Die Vic Fearn & Company Ltd bzw. Crazy Coffins fabriziert in erster Linie „Standardsärge“, doch in in den letzten 25 Jahren nahm man sich eines Marktsegmentes an, das recht ungewöhnlich ist: Es werden auch Särge nach den Wünschen der (noch lebenden) Kunden angefertigt bzw. der der Hinterbliebenen. Warum sich in einer langweiligen Bretterkiste unter die Erde bringen lassen, wenn es auch anders geht, sagen sich manche Menschen. Der Fantasien sind da keine Grenzen gesetzt. Sehr interessant fand ich die Idee, sich in einem Narrowboat bestatten zu lassen (natürlich nicht in Originalgröße) oder in einem Sarg in der Form einer Jack Daniels Whiskyflasche. Wie wäre es mit einem pinkfarbenen Smartphone, auf dessen Display eine SMS zu lesen ist oder mit einem Skateboard-Sarg?

Die Produkte der Firma Crazy Coffins waren auch auf Fachausstellungen zu sehen wie u.a. bei “Death: Southbank Centre’s Festival for the Living” oder bei der Six Feet Under Convention in Bournemouth.

Hier ist ein Film über die Firma in Nottinghamshire.

 

 

 

Published in: on 17. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Meine Lieblings-Pubs: The Black Swan in Middleham (North Yorkshire)

Über das hübsche Middleham in North Yorkshire habe ich in meinem Blog schon mehrere Male geschrieben (zum Beispiel hier). Im Schatten der Burg, in der einst Richard III. wohnte, am Marktplatz liegt das Hotel/der Pub The Black Swan. Im 16. Jahrhundert wurde der „Schwarze Schwan“ erbaut und selbstverständlich gibt es dort jede Menge Eichenbalken und im Herbst/Winter offenes Kaminfeuer; also so richtig zum Wohlfühlen. Ich empfand es jedenfalls so bei meinem Lunch dort.

Natürlich gibt es hier das ganze Jahr über als „Stammbier“ Old Peculier aus der nahe gelegenen Theakston Brewery in Masham, aber auch das Black Sheep Bitter von der ebenfalls in Masham zu findenden Black Sheep Brewery und das in Yorkshire häufig anzutreffende Bier aus der John Smith Brewery in Tadcaster bekommt man im Black Swan frisch gezapft.

Kürzlich hat es einen Besitzerwechsel gegeben. Die Inhaber des Richard III Hotels/Pubs, Ken und Sharon Ward, drei Häuser weiter am Markplatz, haben The Black Swan übernommen.

Meine Empfehlung für einen Aufenthalt in der hübschen und sehenswerten Kleinstadt Middleham im Wensleydale!

The Black Swan
Market Place
Middleham
North Yorkshire
DL8 4NP

Published in: on 16. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„Der Doktor und das liebe Vieh“ und die Titelmelodie der TV-Serie

Im Vorspann der TV-Serie zu sehen: Bleaberry Gill Ford.
Photo © John Walton (cc-by-sa/2.0)

Am 8. Januar 1978 strahlte die BBC die erste Folge der TV-Serie „All Creatures Great and Small“ aus, basierend auf den Büchern des Tierarztes Alf Wight, der sie unter dem Pseudonym James Herriot geschrieben hatte. Auch in Deutschland waren diese Bücher sehr populär, was auch für die Fernsehserie galt, die unter dem Titel „Der Doktor und das liebe Vieh“ von der ARD gezeigt wurde. Hin und wieder gibt es immer noch Wiederholungen zu sehen. Gedreht wurde die Tierarztserie in den Yorkshire Dales, überwiegend in Askrigg im Wensleydale. Im Mittelpunkt der Serie standen James Herriot (gespielt von Christopher Timothy), Siegfried Farnon (Robert Hardy), Tristan Farnon (Peter Davison) und Helen Herriot (Carol Drinkwater bzw. Lynda Bellingham).

Wer die Serie gesehen hat, erinnert sich sicher auch noch an die Titelmelodie und den Vorspann. Der Zuschauer wird schon von Anfang an auf die Landschaft eingestimmt, in der die Tierärzte wirken. Gezeigt werden James und Siegfried wie sie gut gelaunt mit ihrem schwarzen Auto durch die Dales fahren, begleitet von ihrem Golden Retriever. Die Szene, in der sie durch den kleinen Bach fahren, der die Straße überquert, wurde am Bleaberry Gill Ford auf dem Reeth Low Moor gedreht, zwischen dem Swaledale und dem Arkengarthdale gelegen.

Die hübsche, eingängige Titelmelodie wurde von Johnny Pearson geschrieben und heißt „Piano Parchment„. Pearson und sein Orchester spielten diese Melodie wie auch die andere Musik in den Episoden (sehr schön ist auch sein „Over the Hedge Rows„). Johnny Pearson lebte von 1925 bis 2011 und arbeitete 16 Jahre lang mit seinem Orchester für die legendäre Musiksendung „Top of the Pops“. 1972 kam er selbst in die britischen Charts, als er mit der Titelmelodie einer anderen TV-Sendung, „Owen, M.D.“, die „Sleepy Shores“ hieß, bis auf Platz 8 vorstieß.

Alle 89 Episoden von „All Creatures Great and Small“ sind auf einer Boxset noch erhältlich; ebenfalls als Komplettbox in deutscher Synchronisation als „Der Doktor und das liebe Vieh“.

Askrigg im Wensleydale: Hier wurde ein großer Teil der Episoden gedreht.
Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)

Tom Kerridge und die Restaurantszene von Marlow in Buckinghamshire

Die West Street in Marlow, an der zwei von Tom Kerridges Restaurants liegen.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Über Marlow in Buckinghamshire, wunderschön an der Themse gelegen, habe ich in meinem Blog schon vielfach geschrieben. Die kulinarische Szene der Kleinstadt wird seit einigen Jahren von Tom Kerridge geprägt, der hier mittlerweile drei Restaurants eröffnet hat. Der 1973 in Salisbury (Wiltshire) geborene Koch hat im Laufe seiner Karriere in vielen englischen Restaurants gearbeitet, in London zum Beispiel beim Spitzenkoch Gary Rhodes.
Sein Ziel aber war es immer schon gewesen, ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Im Jahr 2005 war es dann soweit, als er gemeinsam mit seiner Frau, der Bildhauerin Beth Cullen-Kerridge, The Hand and Flowers in Marlow aufmachte. Der an der West Street gelegene Gastro-Pub bekam schon ein Jahr später einen Michelinstern und 2012 sogar einen zweiten, womit The Hand and Flowers der erste britische Pub war, der jemals eine so hohe Auszeichnung bekommen hat. Nach den eigenen Worten ist die Ausrichtung der Küche: „built on strong French foundations, using the highest quality fresh British produce“. In der Woche gibt es mittags einen dreigängigen Luch für £29.50, einen speziellen Sunday Lunch à la Carte, und wenn man „ganz normal“ von der Karte bestellen möchte, liegen die Vorspeisen zwischen £11.50 und £19.50, die Hauptgänge zwischen £31.50 und £42 und die Desserts bei rund £13.50. Hier ist ein Film über den Gastro-Pub.

Tom Kerridge ist ein Mann mit viel Energie und so zog es ihn auch ins Fernsehen, wo er bei der BBC mehrere Kochsendungen hatte bzw. moderierte, zuletzt in diesem Jahr bei BBC2 sein „Tom Kerridge: Lose Weight For Good„.

In Marlow wollte Kerridge es aber nicht mit The Hand and Flowers beruhen lassen, und deshalb eröffnete er 2014 in der West Street Nummer 3 The Coach, ein Restaurant das täglich von 8 Uhr morgens bis 22.30 Uhr geöffnet ist (sonntags bis 21 Uhr). Das mitten im Zentrum von Marlow gelegene Restaurant, in dem man übrigens nicht reservieren kann, wurde im Michelin Guide Great Britain & Ireland 2018 erstmals mit einem Stern versehen. Dieser Film zeigt das Restaurant.

Und Tom Kerridge hatte immer noch nicht genug: In der High Street von Marlow entstand unter seiner Regie The Butcher’s Tap, eine Kombination von Lokal und Fleischerei. Seit dem 17. November 2017 kann man hier Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Herstellung kaufen, aber auch ein Bier, ein Glas Wein und/oder Snacks zu sich nehmen.

Man darf gespannt sein, ob Tom Kerridge sein Imperium in Marlow noch weiter ausbauen wird.

Mein Buchtipp – Em Marshall: Music in the Landscape – How the British Countryside Inspired Our Greatest Composers

Foto meines Exemplares.

Britische Komponisten sind, mit wenigen Ausnahmen, fast nur im eigenen Land bekannt: der „Rest Europas“ kennt Benjamin Britten, Gustav Holst und Edward Elgar, aber das war es wohl auch schon.

Wer sich näher mit britischer klassischer Musik beschäftigen möchte, dem kann ich ein Buch empfehlen, das den Einfluss der britischen Landschaft auf  Kompositionen untersucht.
Em Marshall ist Vorsitzende der Ralph Vaughan Williams Society und häufig in Klassiksendern zu hören. In ihrem Buch „Music in the Landscape: How the British Countryside Inspired our Greatest Composers“ zeigt sie, dass die meisten britischen Komponisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von der Landschaft, in der sie aufwuchsen bzw. wohnten, inspiriert wurden, so beispielsweise Edward Elgar von den Malvern Hills und Benjamin Britten von der Küste Suffolks.

Doch Em Marshall nimmt sich auch weniger bekannter Komponisten an und so erfahren wir von Arnold Bax, der von Tintagel an der Nordküste Cornwalls seine Inspirationen bezog, Ivor Gurney von der Landschaft South Gloucestershires und John Ireland vom Maiden Castle in Dorset und von der Insel Guernsey.
Ein sehr schönes und empfehlenswertes Buch!

Em Marshall ist auch Chefin des Plattenlabels EM Records in Wimbledon (London) und hat kürzlich eine Doppel-CD mit Aufnahmen zeitgenössischer englischer Komponisten zum Thema „König Richard III“ veröffentlicht. Der Titel der CD lautet „Richard III“ und beinhaltet u.a. Kompositionen von Paul Carr („Sonatina“), Richard Pantcheff („King Richard III: Suite for solo violin“) und Paul Lewis („Threnody“).

Em Marshall: Music in the Landscape: How the British Countryside Inspired Our Greatest Composers. Robert Hale 2011. 272 Seiten. ISBN 978-0709084686.

Published in: on 13. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Joe Brown, ein englischer Popsänger der 1960er Jahre

Für mich ist die Musik der 1960er Jahre immer noch die interessanteste und hörenswerteste. Einer der englischen Popsänger in dieser Zeit war Joe Brown, dessen erfolgreichste Single, „A Picture of You„, 1962 bis auf Platz 2 der UK Charts kletterte. Joe Brown hatte damals auf seiner Tournee 1962 in Liverpool sogar die Beatles als Vorband, die allerdings noch am Anfang ihrer Karriere standen.

So war ich etwas überrascht, als ich vor einigen Tagen in einem englischen Magazin las, dass Joe Brown in diesem Jahr erneut auf Tournee unterwegs ist, und das im Alter von immerhin 77 Jahren. „Just Joe“ heißt seine Show, und heute Abend tritt er in Solihull (West Midlands) im The Core Theatre auf.

Geboren wurde Joe Brown am 13. Mai 1941 in dem kleinen Dorf Swarby in der Grafschaft Lincolnshire. Dann zog er als Kind zusammen mit seinen Eltern in den Osten Londons, wo er bei seinem Onkel in Plaistow in der Grange Road 112 in dessen Pub The Sultan wohnte (der 2005 abgerissen wurde). Ende der 1950er Jahre arbeitete er in den Plaistow Locomotive Werkstätten der British Railways, dann wurden seine musikalischen Fähigkeiten entdeckt, und Joe Brown hatte die Ehre die US-Rockstars Gene Vincent und Eddie Cochran auf ihren Tourneen durch Großbritannien zu begleiten. Dann begann seine eigene Karriere.

Brown war eng mit dem Beatle George Harrison befreundet, und die beiden spielten gern gemeinsam auf der Ukulele. Verheiratet war Joe Brown mit einer Kollegin aus der Musikbranche, Vicki Brown, die in den Mädchenbands The Vernon Girls und The Breakaways spielte. Hier ist sie gemeinsam mit Ehemann Joe in „Jackson“ zu sehen. Leider starb Vicki schon sehr früh 1991 mit 50 Jahren.
Joes und Vickis Tochter Sam ist auch im Musikgeschäft tätig; ihr größter Erfolg war 1988 der Titel „Stop„, der es auf Platz 4 der UK Charts brachte, hier zu hören.

Joe Brown heiratete im Jahr 2000 noch einmal, die Lebensgefährtin des 1991 verstorbenen Steve Marriott (s. dazu meinen Blogeintrag), Manon Pearcey. Trauzeuge bei der Hochzeit war übrigens George Harrison. Joes Stieftochter Mollie Marriott ist in die Fußstapfen ihres Vaters getreten und arbeitet ebenfalls als Sängerin. Hier ist sie mit „Ship of Fools“ zu sehen und zu hören.

Bei der „Concert For George“ Memorial Show am 29. November 2002 in der Royal Albert Hall, anlässlich des ersten Todestages von George Harrison, spielte Joe Brown auf der Ukulele „I’ll See You In My Dreams„.

Published in: on 12. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die erste Rolltreppe der Londoner U-Bahn in Earl’s Court und der Mann mit dem Holzbein

Ohne Rolltreppen kann man sich die Londoner U-Bahnstationen kaum vorstellen, transportieren sie doch täglich unzählige Menschen von unten nach oben und umgekehrt. Die ersten beiden Rolltreppen wurde im Jahr 1911 in der Station Earl’s Court in Betrieb genommen, gebaut von der Otis Elevator Company. Viele der U-Bahnbenutzer misstrauten der neuen Technik, manche sprachen von Teufelszeug und es gab in den ersten Tagen auch gleich einige kleine Zwischenfälle, so zerrissen sich einige Damen ihre langen Kleider, einer klemmte sich den Finger ein und ein Mann auf Krücken fiel hin. Um den Reisenden die Scheu vor der neuen Errungenschaft in der Station zu nehmen, stellten die Betreiber der U-Bahn einen Mann ein, der nichts anderes zu tun hatte, als den ganzen Tag lang die Rolltreppen hinauf und wieder hinunter zu fahren, um zu demonstrieren wie einfach und wie sicher das Ganze doch war, zumal der Mann, William „Bumper“ Harris genannt, auch noch ein Holzbein hatte (sein „richtiges“ Bein war von einer Kutsche zerquetscht worden). Ob das wirklich eine gute Idee war, sei dahingestellt, denn einige Zyniker stellten die Frage, wo denn Bumper Harris sein Bein verloren hatte…

Die Londoner U-Bahnpassagiere verloren aber schnell das Misstrauen gegenüber der Otis-Technik und in den nächsten vier Jahren wurden 22 weitere Rolltreppen in die Stationen eingebaut. Die mit 60 Metern längste befindet sich in der U-Bahnstation Angel an der Northern Line. Ungewöhnlich ist, dass man in der Londoner Tube rechts steht und links geht bzw. überholt, also anders als im Straßenverkehr.

Übrigens: Ob die Geschichte mit dem Mann und seinem Holzbein stimmt, ist nicht so ganz klar. Anthony Lambert bezweifelt sie zum Beispiel in seinem Buch „Lambert’s Railway Miscellany„.

Ein Blick aus einer ganz besonderen Perspektive (Tottenham Court Road Station).
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Geheimnis um die Häuser 23/24 Leinster Gardens im Londoner Stadtteil Bayswater

Die Straße Leinster Gardens im Londoner Stadtteil Bayswater liegt in unmittelbarer Nähe des Hyde Parks und sie macht den Eindruck, dass hier viele wohlhabende Menschen wohnen. Es gibt hier zwei 4*-Hotels, das Henry VIII und das Blakemore Hyde Park Hotel, die beide einige mehrstöckige, zusammenhängende Wohnhäuser in die Mitte nehmen. Geht man daran vorbei, fällt dem Spaziergänger eigentlich nichts Besonderes daran auf. Sieht man sich die Häuser mit den Nummern 23/24 jedoch etwas genauer an, fällt auf, dass die Fenster keine Gardinen haben, und dass die Eingangstüren irgendwie merkwürdig aussehen, sie haben keine Türgriffe, es fehlen Briefkästen und ein Klingelbrett mit den Namen der Bewohner sucht man auch vergebens. Sonst sieht die Fassade genauso aus wie die der benachbarten Häuser. Was ist hier los?

Des Rätsels Lösung findet man, wenn man auf die rückwärtige Seite der Häuserreihe geht, zu einer Straße, die Portchester Terrace heißt. Dort, hinter einer Ziegelmauer, sieht man, dass es sich bei den Häusern 23/24 Leinster Gardens nur um eine vorgesetzte Fassade handelt, dahinter ist …nichts; nur einige Verstrebungen, die die beiden Nachbarhäuser abstützen. Durch eine Tunnelöffnung kann man U-Bahnzüge der Circle und der District Line vorbeifahren sehen.

Als man in den 1860er Jahren das Londoner U-Bahnnetz erweiterte, mussten die beiden Häuser an den Leinster Gardens abgerissen werden; man brauchte eine Tunnelöffnung, damit die dampfbetriebenen Zugwagen hier ihren Dampf ablassen konnten. Die Nachbarn der beiden abgerissenen Häuser waren „not amused“, sie fanden die Baulücke in ihrer schicken Häuserfront einfach nur schrecklich. Die Betreiber der U-Bahn kamen dann auf die Idee, einfach eine falsche Fassade hochzuziehen, die exakt so aussah wie die der umgebenden Häuser. Voila – Problem gelöst!

Dass im Laufe der Jahrzehnte der eine oder andere Schabernack mit den unbewohnten Häusern gespielt wurde, liegt natürlich auf der Hand. Taxifahrer oder Pizzaboten lassen sich heute nicht mehr hinters Licht führen, wenn sie Aufträge mit der Adresse in den Leinster Gardens bekommen.

Wer die dritte Episode der dritten Staffel der TV-Serie „Sherlock„, die den Namen „The Last Vow“ (dt. „Sein letzter Schwur“) trägt, gesehen hat, wurde mit den Fassaden in den Leinster Gardens konfrontiert, als Sherlock (Benedict Cumberbatch) Mary Watson (Amanda Abbingdon) dorthin führt und Marys Gesicht auf die Hauswand projiziert wird. Hier ist der Trailer zu der Episode.

Dieser kurze Film zeigt Leinster Gardens 23/24 von vorn und von hinten.

Ein Blick hinter die Fassade von der Portchester Terrace aus.
Photo © Kevin Leach (cc-by-sa/2.0)

Der Komponist und Dichter Ivor Gurney (1890-1937) und seine Liebe zu der Grafschaft Gloucestershire

Das Ivor Gurney gewidmete Glasfenster in der Kathedrale von Gloucester.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)

Der englische Dichter und Komponist Ivor Gurney, der von 1890 bis 1937 lebte, dürfte in Deutschland kaum bekannt sein. Seine Gedichte sind nie ins Deutsche übertragen worden und auch seine Kompositionen werden wohl eher selten, wenn überhaupt, hierzulande gespielt.

Ivor Gurney wurde 1890 in der Queen Street in Gloucester geboren und zog bald darauf mit seinen Eltern in die Barton Street, beide Häuser existieren nicht mehr. Der junge Mann entwickelte schon früh eine sehr enge Beziehung zu Gloucestershire; so unternahm er häufig nächtliche Spaziergänge durch die Landschaft. Seine beiden Lieblingsorte waren der Cooper’s Hill (der Berg der rollenden Käse; s. dazu meinen Blogeintrag) und der kleine Ort Framilode, direkt am River Severn, wo er häufig zu Gast bei seinen Freunden, den Harrises, im Lock House war.

Im Alter von 21 Jahren ging er an das Royal College of Music nach London, aber er plagte sich dort ständig mit seinem Heimweh nach Gloucestershire herum. Im Laufe seines Lebens arbeitete Ivor Gurney als Organist in mehreren Kirchen in Gloucestershire; 1912 zog er nach Twigworth, einem Dorf nördlich von Gloucester an der A38, auf dessen Friedhof er später auch beigesetzt werden sollte.

Im Februar 1915 ging Gurney im Ersten Weltkrieg als Soldat an die Front nach Frankreich, wo er Schreckliches erlebte, verwundet und Opfer eine Gasangriffs wurde, der starke Auswirkungen auf seine Gesundheit hatte. Sein Geisteszustand verschlimmerte sich ständig, so dass er die letzten 15 Jahre seines Lebens in psychiatrischen Kliniken verbrachte.

In Ivor Gurneys musikalischem Werk ist immer wieder die Liebe zu seiner Heimat-Grafschaft Gloucestershire zu spüren: sie gipfelte in „A Gloucestershire Rhapsody„, die der englische Komponist Philip Lancaster  “a great sweeping landscape that portrays the nobility of Gurney’s Gloucestershire” bezeichnete. Hier ist die selten gespielte Rhapsodie zu hören.

In der Kathedrale von Gloucester, in der der junge Ivor im Chor sang, hat man ihm im Jahr 2014 ein von Thomas Denny entworfenes Glasfenster gewidmet. Sein Grabstein auf dem Kirchhof der St. Matthew’s Church, zwischen Twigworth und Longford an der A38 gelegen,  trägt die Inschrift „Composer – Poet of the Severn and Somme“.

Die BBC zeigte im Jahr 2014 eine Dokumentation über Gurney mit dem Titel „The poet who loved the war„, hier zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Eleanor Rawling: Ivor Gurney’s Gloucestershire. The History Press 2011. 176 Seiten. ISBN 978-0752453538.

Einer der Lieblingsorte Gurneys in Gloucestershire: Cooper’s Hill (im Hintergrund).
Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

…und ein weiterer Lieblingsort des Komponisten: Framilode am River Severn, hier die Kirche St Peter’s.
Photo © John Winder (cc-by-sa/2.0)

Ivor Gurneys Grabstein auf dem Friedhof von St Matthew’s bei Twigworth.
Photo © Roger Davies (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Buckinghamshires Best Kept Villages 2017

Die Dorfkirche St Nicholas in dem preisgekrönten Dorf Cuddington.
Eigenes Foto.

Über die Auszeichnungen „Best Kept Villages“ in meiner Lieblings-Grafschaft Buckinghamshire des Jahres 2015 habe ich in meinem Blog bereits einmal geschrieben. Werfen wir doch einmal einen Blick auf die Sieger des Jahres 2017. Im Vergleich 2015 – 2017 fällt auf, dass es einigen Dörfern immer wieder gelingt, die begehrten Trophäen nach Hause bringen können.

Das hübsche Dorf Cuddington, in dem ich kürzlich wieder einmal war, erhielt wie schon 2015 den Morris Cup (Dörfer mit 500 – 1500 Einwohnern). Darüberhinaus auch noch den begehrten Sword of Excellence Award, das ist der Sieger aller Teilnehmer mit der höchsten Punktzahl. Cuddington wurde mehrfach für Dreharbeiten der „Inspector Barnaby“-TV-Serie verwendet. Ich mag den kleinen Ort mit seinem hübschen Pub The Crown sehr. Hier geht es zu meinem Blogartikel.

Auch der De Fraine Cup für Dörfer mit 1501–3000 Einwohner scheint in festen Händen zu sein. Stewkley, westlich von Leighton Buzzard gelegen,  gewann ihn schon mehrere Male, so auch 2017.

Den Pushman Cup (Dörfer über 3000 Einwohner) erhielt 2017 Chalfont St Peter und konnte damit Haddenham überholen, das zweiter wurde. Haddenham wäre mein Favorit gewesen; ich war neulich dort und ärgerte mich aber etwas über die grässlichen Karussells und Jahrmarktsbuden, die den wunderschönen Kirchenvorplatz und das Village Green vollgestellt hatten.

Den Gurney Cup für Dörfer unter 500 Einwohnern  erhielt dieses Mal Oving (2015 war es Stoke Goldington). Das Dörfchen liegt zwischen Waddesdon und Winslow, hat eine Kirche namens All Saints, einen Pub, The Black Boy, und ein Village Green, also alles, was ein englisches Dorf benötigt, um als „best kept village“ ausgezeichnet werden zu können. Oving erhielt darüberhinaus auch noch die Community Trophy.

Für Kleinstädte ist der Michaelis Cup gedacht, den 2017 Winslow erhielt, ein Ort mit rund 4500 Einwohnern, der zwischen Buckingham und Aylesbury liegt.

Die High Street von Stewkley.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Chalfont St Peter.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

So sah es leider bei meinem letzten Besuch vor der Kirche von Haddenham aus.
Eigenes Foto.

The Black Boy in Oving.
Photo © Virginia Knight (cc-by-sa/2.0)

Die Sheep Street in Winslow.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. März 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Mein Buchtipp – Jamie Manners: The Seven Noses of Soho

Foto meines Exemplares.

Seit Juni 2014 schreibt Jamie Manners in seinem Blog The Baedeker Raids über seine Reisen durch ganz Europa. Am 1. Oktober 2015 erschien sein erstes Buch „The Seven Noses of London and 191 Other Curious Details From the Streets of London„, in dem er sich mit Kuriositäten aus seiner Wahlheimat London beschäftigt. Manners stammt aus Belfast und arbeitet zurzeit in einer Londoner Bibliothek.

In seinem Buch über die sieben Londoner Nasen (s. dazu auch meinen Blogeintrag) stellt uns Manners in kurzen, meist nur eine Seite langen Artikeln verborgene, ungewöhnliche Dinge der Hauptstadt vor. „While the masses crowd around icons such as St Paul’s and the Tower of London, there are other layers of the city that are often overlooked„; ein Buch also, das sich nicht an den Erstbesucher der Stadt richtet, sondern an den, der schon an alle „must see“-Sehenswürdigkeiten ein Häkchen gesetzt hat und nun die Touristenpfade verlassen möchte. Selbst viele Londoner werden in dem Buch Dinge entdecken, von denen sie bisher noch nichts wussten. „This book is populated with tigers and flamingos, Roman emperors and Crusader knights, elves and devils, dead rock stars and Soviet spies„, so fasst es Jamie Manners in dem Vorwort zu seinem Buch zusammen. Entlang der U-Bahnlinien machen wir Spaziergänge durch die Stadt und begegnen dabei an der Bakerloo Line Eric Gills Prospero and Ariel am Broadcasting House, an der Piccadilly Line dem Swiss Glockenspiel, an der Circle Line dem Anglo-Belgian Memorial und an der Jubilee Line einer V2-Rakete an einer Hauswand in der Tooley Street.

Ein sehr interessantes und empfehlenswertes Buch!

Jamie Manners: The Seven Noses of London and 191 Other Curious Details From the Streets of London. Michael O’Mara 2015. 256 Seiten. ISBN 978-1-78243-461-0.

Das Swiss Glockenspiel zwischen Leicester Square und Piccadilly Circus.
Photo © Robert Lamb (cc-by-sa/2.0)

Das Anglo-Belgian Memorial am Victoria Embankment.
Photo © Chris Talbot (cc-by-sa/2.0)

Die V2-Rakete in der Tooley Street.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Ernest Arthur Lough (1911-2000) und Felix Mendelssohn Bartholdys „O for the Wings of a Dove“ – Ein Verkaufshit aus dem Jahr 1927

Die Londoner Temple Church.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Im Jahr 1927 hörte man in England kein Musikstück lieber als Felix Mendelssohn BartholdysO for the Wings of a Dove„, das aus dem Anthem „Hear my prayer“ (dt. „Hör‘ mein Bitten“) stammt, das der deutsche Komponist 1844 geschrieben hatte und welches in der Londoner Crosby Hall am 8. Januar 1845 uraufgeführt wurde. Gesungen wurde es von dem 16jährigen Ernest Arthur Lough, der über eine herausragende Sopranstimme verfügte. Bis 1962 wurden von der Schallplatte eine Million Stück verkauft, die erste klassische Schallplatte der Firma EMI, die diese „Schallgrenze“ überschritten hatte.

Ernest Arthur Lough wurde 1911 in dem Ost-Londoner Stadtteil Forest Gate geboren. Er sang im Chor seiner Heimatkirche St Peter’s, bis er sich 1924 dem Chor der Temple Church in der Londoner City anschloss. Schnell erkannte man hier die stimmlichen Fähigkeiten des jungen Arthur, und seine Stunde schlug am 15. März 1927, als die 1898 gegründete Gramophone Company mit einem der ersten mobilen Aufnahmestudios zur Temple Church kam, um hier Mendelssohn Bartholdys „Hear my prayer“ mit dem Kirchenchor aufzunehmen. Dabei durfte Ernest das Solo „O for the Wings of a Dove“ singen. Der Rest ist Geschichte. Der junge Mann sorgte mit seiner Stimme dafür, dass die Temple Church an Sonntagen gut gefüllt war, viele wollten ihn einmal live erleben.

Die Aufnahme von „Hear my prayer“ ist bis heute als CD erhältlich und von ihr wurden mittlerweile sechs Millionen Exemplare verkauft.

Mit 18 Jahren bekam Ernest einen Stimmbruch und aus dem Sopran wurde ein Bariton; er blieb dem Chor der Temple Church noch eine Weile erhalten. Ernest Arthur Lough arbeitete später bei der Plattenfirma HMV im Marketing und nach dem Krieg bei einer großen internationalen Werbeagentur. Er starb am 22. Februar 2000; an ihn erinnert ein Plakette in der Temple Church.

Hier ist eine kurze Dokumentation über den Chorknaben zu sehen, in der auch Ausschnitte aus „O for the Wings of a Dove“ zu hören sind.

Die Erinnerungsplakette in der Temple Church.
Author: Carol.
Creative Commons 2.0

Die Crosby Hall, in der „Hear my prayer“ 1845 erstmals aufgeführt wurde.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

Spire FM – Eine Radiostation in Salisbury, die South Wiltshire und West Hampshire bedient

Nach dem höchsten Kirchturm Englands in Salisbury wurde Spire FM benannt.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Aus den City Hall Studios im Malthouse Lane in Salisbury (Wiltshire) sendet die Radiostation Spire FM und bedient damit in erster Linie die Regionen Süd-Wiltshire und West-Hampshire. Gleich rechts neben dem Eingang ist an der Wand eine blaue Plakette der Salisbury Civic Society angebracht mit dem Hinweis: „Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick and Tich – In recognition of their outstanding contribution to popular music and celebrating their 40th anniversary of their chart-topping hit single „The Legend of Xanadu“ 1968-2008″. Die Band wurde 1961 in Salisbury gegründet.

Der Malthouse Lane ist eine Sackgasse im Stadtzentrum, die von der Fisherton Street abgeht. Von den Studios hat man einen sehr schönen Blick auf den 123 Meter hohen Kirchturm der Kathedrale von Salisbury, dem höchsten von ganz England; so lag es auf der Hand, dass man bei der Gründung der Radiostation diese nach dem Turm (=spire) benannte. Seit dem 20. September 1992 ist Spire FM auf Sendung und erfreut sich in der Region großer Beliebtheit.

Der Radiosender gehört zur UKRD Group (UKRD=UK Radio Developments), deren Portfolio 16 Rundfunkstationen umfasst, u.a. Yorkshire Coast Radio, Minster FM in York und Sun FM in Sunderland (Tyne and Wear) und deren Hauptsitz in Redruth in Cornwall liegt.

Im Laufe ihres Bestehens hat Sire FM mehrere Auszeichnungen erhalten wie zum Beispiel den Sony Radio Award. Das Programmschema ähnelt dem vieler anderer Radiostationen im Land, so gibt es wochentags  von 6 Uhr bis 10 Uhr eine Breakfast Show, mittags von 14 Uhr bis 15 Uhr eine Oldies Hour und von 19 Uhr bis 23 Uhr eine Evening Show. Wer außerhalb der Region South Wiltshire und West Hampshire wohnt, kann sich Spire FM auch per Internet anhören. Hier ist der Link.

In den City Hall Studios im Malthouse Lane in Salisbury residiert Spire FM.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. März 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Jan Bondeson: Murder Houses of London

Foto meines Exemplares.

Jan Bondeson ist ein schwedischer Arzt, der sich auf Rheumaerkrankungen spezialisiert hat und an der Universität von Cardiff lehrt. Nebenbei interessiert er sich auch für ein ganz anderes Thema: Londoner Häuser, in denen Morde begangen wurden. So schrieb er bisher die Bücher „Murder Houses of South London“ (2015),  „Murder Houses of Greater London“ (2015) und „Murder Houses of London“ (2014), das ich heute vorstellen möchte.
Bondeson nimmt sich Mordfälle aus dem 19. und dem 20. Jahrhundert vor, beschreibt diese detailliert und geht der Frage nach, was aus den Häusern geworden ist, in denen sich die Taten ereignet haben. Viele der „murder houses“ stehen noch heute, einige wurden abgerissen und durch neue Gebäude ersetzt. Manche der Morde waren so schrecklich und erregten so viel Aufmerksamkeit, dass niemand mehr darin wohnen wollte. So kam es sogar hin und wieder vor, dass die Straßen umbenannt und die Hausnummern ausgetauscht wurden, um die Standorte der Mordhäuser zu verschleiern.

Hier sind einige Beispielsfälle aus Jan Bondesons Buch:

Die Zwillinge Ronnie und Reggie Kray gehören zu den schillerndsten und berühmtesten Figuren der Londoner Kriminalgeschichte. In den 1960er Jahren verbreiteten sie Angst und Schrecken in der Stadt.  Der Pub The Blind Beggar in der Whitechapel Road war der Ort, wo Ronnie Kray einen anderen Kriminellen namens George Cornell vor den Augen anderer Pubbesucher erschoss. Keiner der Anwesenden konnte sich anschließend an Einzelheiten der Tat erinnern… Den Blind Beggar gibt es noch heute im Londoner East End.

In 25 Noel Road in Islington wohnten in den 1960er Jahren der Dramatiker Joe Orton und sein Lebensgefährte, der Schauspieler und Schriftsteller Kenneth Halliwell. Am 9. August 1967 kam es zu einem Streit zwischen den beiden Männern, wobei Halliwell seinen Freund mit neun Hammerschlägen tötete. Anschließend nahm er eine Überdosis Nembutal und starb. Eine blaue Plakette an der Hauswand erinnert an Joe Orton (nicht an Kenneth Halliwell). Siehe dazu meinen Blogeintrag.

10 Rillington Place gehörte zu den berüchtigsten Adressen in London, wo der Serienmörder John Christie in den 1940er und 1950er Jahren mehrere Frauen ermordete. Rillington Place wurde, nachdem die Polizei Christie geschnappt hatte, in Ruston Place umbenannt. Das Mordhaus in Notting Hill wurde 1970 abgerissen. Siehe dazu meinen Blogeintrag.

Jan Bondesons Buch ist mit vielen Fotos bzw. mit zeitgenössischen Zeichnungen, überwiegend aus den Illustrated Police News, versehen.

Jan Bondeson: Murder Houses of London. Amberley Publishing 2014. 474 Seiten. ISBN 978-1-4456-4706-7.

The Blind Beggar in der Whitechapel Road.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

25 Noel Road in Islington.
Photo © Christopher Hilton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

St Sepulchre-without-Newgate in Holborn – The National Musicians’ Church

Schon um das Jahr 1137 herum wurde die Kirche St Sepulchre-without-Newgate in London erbaut, 1666 beim Großen Brand von London bis auf wenige Mauern von den Flammen zerstört und danach an der selben Stelle wiederaufgebaut. Im Zweiten Weltkrieg kam die Kirche noch einmal mit einem blauen Auge davon, nur das Wachhäuschen wurde zerstört.
St Sepulchre-without-Newgate wird auch The National Musicians‘ Church genannt, da sie viele Verbindungen zur Musikwelt des Landes hatte. Und so gab es im vorigen Jahr laute Proteste, als die Kirchenoberen eine weitere Nutzung für nicht-religiöse Zwecke ab dem Jahr 2018 untersagten. Viele Jahrzehnte diente St Sepulchre als Ort, in dem Konzerte aufgeführt wurden (hier fanden auch einmal Teile der London Fashion Week statt), und gegen die Anordnung protestierten namhafte Musiker wie Julian Lloyd-Webber und die Komponisten John Rutter und James MacMillan. Mit einer Unterschriftensammlung versuchte man das Ende der National Musicians’ Church zu verhindern. Hier ist ein Film über eine dieser Protestveranstaltungen.

Es gibt schon seit längerem eine starke Bindung der Kirche zur Musik. So findet man in der  Musicians‘ Chapel vier Fenster, auf denen John Ireland, Dame Nellie Melba, Walter Carroll und Sir Henry Wood gedacht wird.
John Ireland (1879-1962) war ein Komponist, der vorwiegend durch seine Chormusik und Klaviermusik bekannt ist; über seinem Fenster findet man die Schlusstakte seines Liedes „Sea Fever„. Dame Nellie Melba lebte von 1861 bis 1931 und war eine australische Opernsängerin. Walter Carroll (1869-1955) kennt man als Komponisten und Musiklehrer und Sir Henry Wood (1869-1944) ist in die englische Musikgeschichte eingegangen als Schöpfer der jährlich stattfindenden Londoner Promenadenkonzerte, die immer mit der Last Night of the Proms ihren Abschluss und Höhepunkt finden. Seine Büste in der Royal Albert Hall wird jedes Jahr beim Abschlusskonzert mit einem Lorbeerkranz geschmückt, der nach Beendigung der Proms wieder zurück in die Kirche St Sepulchre gebracht wird, wo der Musiker getauft und beigesetzt wurde.

Ein weiterer berühmter Mann ist in der Kirche in Holborn bestattet worden, der aber mit Musik nichts zu tun hat: John Smith (1580-1631), ehemaliger Gouverneur von Virginia, der vor allem durch seine Liaison mit der Häuptlingstochter Pocahontas in Erinnerung geblieben ist. Auch ihm ist ein Kirchenfenster gewidmet.

St Sepulchre-without-Newgate steht gegenüber dem Gerichtsgebäude Old Bailey am Holborn Viaduct.

 

Das Dame Nelly Melba gewidmete Kirchenfenster.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. März 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Stephen und Stitt – Zwei Löwen, die vor dem Londoner HSBC-Gebäude Wache halten

Der aggressive Stephen.
Author: Daisyng
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Die Engländer hatten immer schon eine Vorliebe für Löwen, was sich beispielsweise auf Wappen und Pubschildern widerspiegelt (The Red Lion ist der häufigste Pubname im Königreich). Auf Plätzen und an Brücken trifft man die Könige des Tierreichs in steinerner oder bronzener Form an und so kommen sie hin und wieder auch in meinem Blog vor. Ich schrieb u.a. über den riesigen Maiwand Lion in Reading (Berkshire), den South Bank Lion an der Westminster Bridge und natürlich über die berühmtesten Löwen überhaupt, die vier Artgenossen auf dem Londoner Trafalgar Square, die es tagein, tagaus über sich ergehen lassen müssen, dass Touristenscharen sie besteigen und sich dort fotografieren lassen. Fotos von ihnen füllen millionenfach die Fotoalben bzw. die Festplatten in Fernost.

Da haben es die beiden Löwen Stephen und Stitt erheblich leichter, deren Aufgabe es ist, den Haupteingang der HSBC-Bank in der Londoner Canary Wharf zu bewachen. Sie werden mehr oder weniger in Ruhe gelassen, da es die meisten Besucher der Hauptstadt nicht gerade in Scharen zu dem Bankgebäude am Canada Square zieht. HSBC steht für The Hongkong and Shanghai Banking Corporation Limited, eine Bank, die 1865 in dem unter britischer Verwaltung stehenden Hongkong gegründet wurde. Die Bankzentrale ist in dem 200 Meter hohen 45stöckigen Wolkenkratzer in London untergebracht, der nach 16jähriger Bauzeit 2002 fertiggestellt wurde.

Da es vor den beiden Bankgebäuden in Shanghai und in Tokio jeweils zwei Löwen vor den Haupteingängen gab, die Stephen und Stitt genannt wurden, ließ man vor der Londoner Bankzentrale auch zwei Mähnenträger installieren, denen man die selben Namen gab. Benannt wurden sie nach zwei Topmanagern in Shanghai, deren Namen A G Stephen und G H Stitt waren. Stephen ist der aggressive Löwe mit dem offenen Maul, während Stitt der ruhigere und besonnenere der beiden ist. Man sagt, dass sich die Temperamente der beiden Manager in den beiden Löwen wiederfinden.

Gegossen wurden Stephen und Stitt in Mark Kennedys Bronze Age Sculpture Casting Foundry im nahe gelegenen Stadtteil Limehouse (die Gießerei kann besichtigt  werden). Mark Kennedy war auch der Schöpfer der  umstrittenen Prinzessin Diana/Dodi Fayed-Statue im Londoner Kaufhaus Harrod’s, die den Namen „Innocent Victims“ trägt. Diese von Mohamed Al-Fayed in Auftrag gegebene Bronzestatue wird jetzt aus dem Kaufhaus entfernt und an den Auftraggeber zurückgegeben.

Der ruhige Stitt.
Author: LeonGo
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Die HSBC-Bank in der Canary Wharf, die von Stephen und Stitt bewacht wird.
Author: Michael Pead.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 UK: England & Wales license.

Published in: on 2. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Great Wheel of London – Ein Vorgänger des London Eye

This work is in the public domain

Das Riesenrad London Eye am Themseufer ist mittlerweile schon zu einem Wahrzeichen der Hauptstadt und zu einem Touristenmagneten geworden. Das 135 Meter hohe London Eye hatte schon einmal einen Vorgänger, der es allerdings „nur“ auf eine Höhe von 94 Metern brachte und damit seinerzeit das höchste Riesenrad der Welt war.

Erbaut wurde The Great Wheel of London 1894/95 anlässlich der Empire of India Exhibition, die im Stadtteil Earl’s Court stattfand. Vorbild für das Riesenrad war das 80 Meter hohe Ferris Wheel in Chicago, das George Washington Gale Ferris Jr. 1893 zur World’s Columbian Exposition errichten ließ. Das Londoner Pendant war nicht nur größer, es hatte auch mehr Gondeln, nämlich 40, in die jeweils 40 Personen hineinpassten. 20 Minuten dauerte eine komplette Fahrt (das London Eye braucht 30 Minuten), also Zeit genug, um das Panorama Londons von luftiger Höhe aus genießen zu können. 2,5 Millionen Menschen konnten das Spektakel damals erleben, bis das Great Wheel im Jahr 1907 wieder abgebaut wurde, weil es die Unterhaltskosten nicht mehr einspielte.

So wie das London Eye im Oktober 2016 durch einen technischen Defekt für mehrere Stunden außer Gefecht gesetzt wurde, und die Passagiere in den Gondeln ausharren musste, so hatte auch The Great Wheel bzw. dessen Fahrgäste zweimal Probleme. Im Mai 1896 kam es zu einem Kabelschaden, wodurch die Riesenradreisenden vier Stunden lang in ihren Gondeln eingesperrt waren. Wesentlich schlimmer erwischte es die Passagiere bei einem anderen technischen Defekt, als ca 70 von ihnen die ganze Nacht in den oberen Gondeln des Great Wheel verbringen mussten. Man schaffte zwar heißen Tee und Sandwiches nach oben, aber es dauerte bis zum Morgen, bis die Eingeschlossenen von der Feuerwehr befreit werden konnten… doch einige von ihnen hatten eine nicht ganz so unangenehme Nacht hoch über London verbracht. Eine Dame und ein Herr kamen miteinander ins Gespräch und schlossen später den Bund fürs Leben, und es ging das Gerücht um, dass sich in der einen oder anderen Gondel recht lustvolle Begegnungen zugetragen haben sollen. Ob es da Spätfolgen gegeben hat, ist nicht bekannt.

Kuckuck, Kuckuck…

Wenn der Kuckuck wieder zu rufen beginnt, und er nach einer viele tausend Kilometer langen Reise erneut in Europa angekommen ist, dann ist das für viele ein Zeichen, dass der Winter vorbei und der Frühling da ist. So ist das auch in England und in einigen Dörfern mochte man den kleinen Vogel früher gar nicht mehr ziehen lassen, sondern wollte ihn einsperren, so dass der Frühling und der Sommer immer allgegenwärtig sind. Einige ganz schlaue Dörfler bauten um den Busch, in dem sich ein Kuckuck niedergelassen hatte, heimlich und leise einen Zaun, und als der fertig war, staunten sie nicht schlecht, dass der Vogel einfach weg flog, weil sie nicht daran gedacht hatten, das Mini-Gefängnis auch oben mit einem Deckel zu versehen. Diesen Schildbürgerstreich erzählt man sich in einigen Dörfern Englands, so zum Beispiel in Gotham in Nottinghamshire (ich berichtete in meinem Blog darüber) und in Marsden bei Huddersfield in West Yorkshire, wo es jedes Jahr an einem Samstag Ende April das Marsden Cuckoo Festival gibt (in diesem Jahr am 21. April), dessen Höhepunkt die Grand Cuckoo Procession ist. Hier ist ein Film darüber zu sehen.

Auch in Wareham in Dorset erzählt man sich die Geschichte von den Wise Men und ihrem Umgang mit dem Kuckuck, genauso wie in Madeley in Shropshire und in Borrowdale in Cumbria. In Towednack in Cornwall  wird jedes Jahr an einem Sonntag, der dem 28. April am nächsten ist, das Cuckoo Feast gefeiert, das auf einer alten Legende basiert: An einem kalten Tag im April legte ein Bauer einen Holzscheit in seinen Kamin und aus diesem Scheit flog ein Kuckuck, der sich darin eingenistet hatte. Der Bauer schnappte sich den Vogel, tat ihn in einen Käfig und zog mit ihm, begleitet von seinen Freunden und einigen Musikern, durch das Dorf.

In Downton bei Salisbury in Wiltshire wird jedes Jahr die Downton Cuckoo Fair gefeiert, in diesem Jahr am 5. Mai, aus Freude an der Ankunft der kleinen Sänger.

Einige Pubs sind nach dem Vogel benannt worden wie der Cuckoo Bush Inn in Gotham in Nottinghamshire, der Cuckoo Inn in Hamptworth bei Salisbury in Wiltshire, The Cuckoo in Alwalton bei Peterborough in Cambridgeshire und The Cuckoo Ale House in Toddington in Bedfordshire. Die Driftwood Spars Brewery in St Agnes in Cornwall braute früher einmal ein Cuckoo Ale, das allerdings nicht mehr im Programm ist.

Wer sich für Kuckucksuhren interessiert, der sollte sich unbedingt das Cuckooland Museum in Tabley in Cheshire ansehnen, über das ich in meinem Blog schon einmal berichtete.

Man sieht an diesem kleinen Streifzug, dass der Kuckuck in England eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt.

Die Downton Cuckoo Fair.
Photo © Jim Champion (cc-by-sa/2.0)

Der Cuckoo Bush Inn in Gotham (Northamptonshire).
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Das Pubschild des Cuckoo Inn in Hamptworth (Wiltshire).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Henry Eliot & Matt Lloyd-Rose: Curiocity – In Pursuit of London

Foto meines Exemplares.

Es gibt Bücher, die man nach Beendigung der Lektüre weglegt und sie schnell vergessen hat; dann gibt es Bücher über die man noch längere Zeit nachdenkt, und es gibt Bücher, die so großartig sind, dass man richtig traurig ist, dass man sie schon ausgelesen hat und wünscht, sie hätten den doppeltem Umfang.
In die letzte Kategorie gehört das 2016 erschienene „Curiocity: In Pursuit of London“ von Henry Eliot & Matt Lloyd-Rose. Es gibt ganze Bibliotheken voller Bücher zum Thema „London“, die über die Jahrhunderte geschrieben worden sind, „Curiocity“ ist eines der besten, kuriosesten, skurrilsten, großartigsten und am liebevollsten gestalteten London-Bücher aller Zeiten. Ich habe es im vorigen Jahr entdeckt und bin absolut begeistert. Wer sich für die Stadt interessiert, muss es einfach besitzen, und es ist das ideale Geschenk für einen London-Fan.

Henry Eliot ist u.a. Tour Guide, kennt sich also in London bestens aus; Matt Lloyd-Rose war Lehrer, Polizeibeamter und Sozialforscher. Beide haben das Print-Magazin „Curiocity“ herausgegeben, aus dem das Buch entstanden ist. Dabei haben sie Unterstützung von ganz vielen Autoren und Illustratoren bekommen wie Monica Ali, Michael Moorcock und Philip Pullman (Autoren) und Steven Appleby, Daniel Duncan und Faye Moorhouse (Illustratoren), um nur einige zu nennen.

„Curiocity“ ist alphabetisch aufgebaut, wobei jedem Buchstaben ein bestimmtes Thema zugeordnet ist wie E=Eros, L=Livery oder X=Xenophilia. Bleiben wir bei dem X. Dort finden wir Kurzartikel über die einzelnen Bevölkerungsgruppen in der Stadt, wie viele es sind und wo sie sich angesiedelt haben. So gibt es in London über 55 000 Deutsche; ein Lokaltipp wird gleich mitgegeben, nämlich Katzenjammers Bierkeller in der Southwark Street.

Die manchmal doppelseitigen Illustrationen in dem Buch sind phantastisch und nehmen die im Textteil beschriebenen Themen auf sehr phantasievolle Weise wieder auf! Es gibt unzählige Querverweise und ein ausführliches Register. Man kann „Curiocity“ von vorn bis hinten in einem Zug lesen (wie ich es getan habe) oder einfach nur darin blättern und sich festlesen.

Dieses Buch ist für mich ein Ereignis auf dem britischen Buchmarkt; es wird möglicherweise nie in deutscher Übersetzung erscheinen. Ich darf zum Abschluss Philip Pullman zitieren, der gesagt hat: „The most ingenious, informative, inimitable, individual, innovative, insightful, inspiring, instructive, intelligible, intoxicating, intricate guide to the great city that I have ever seen. Bravo!“

Thank you Henry and Matt!!!

Henry Eliot & Matt Lloyd-Rose: Curiocity – In Pursuit of London. Particular Books 2016. 450 Seiten. ISBN 978-1-846-14867-5. Und das Buch kostet (zum Beispiel bei Amazon Deutschland) nur lächerliche €18.99 als Hardcover.

 

Published in: on 27. Februar 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Die Wentworth Follies Teil 4: The Rockingham Mausoleum

Wenn man auf einem Landsitz ein Mausoleum findet, geht man eigentlich davon aus, dass darin ein ehemaliger Bewohner beigesetzt ist; in Wentworth Woodhouse ist das aber nicht der Fall. William Wentworth-Fitzwilliam, 4th Earl Fitzwilliam, ließ das Gebäude nach dem Tod seines Onkels, des 2. Marquess of Rockingham erbauen, aus Dankbarkeit für das reiche Erbe, das er nach dessen Tod im Jahr 1782 erhielt, wodurch der Earl zu einem der reichsten Männer Englands wurde.

Auch für den Bau des Mausoleums wurde der Architekt John Carr engagiert; die Bauarbeiten dauerten von 1785 bis 1789. Carrs Plan war, ein dreistöckiges Gebäude in neoklassizistischem Stil zu schaffen, eingerahmt von vier Obelisken, die früher direkt am Herrenhaus standen. Die sterblichen Überreste des 2. Marquess of Rockingham fanden allerdings nicht ihre letzte Ruhestätte in diesem imposanten Mausoleum, er wurde im York Minster beigesetzt. Dafür findet man im Inneren ein Standbild von ihm, das der berühmte Bildhauer Joseph Nollekens (1737-1828) angefertigt hatte. In den Nischen im Erdgeschoss stehen Büsten von Rockinghams engsten Freunden: Edmund Burke, Charles James Fox, Admiral Keppel, Lord John Cavendish, John Lee, the Duke of Portland, Frederick Montagu und Sir George Saville. Dabei handelt es sich allerdings nicht mehr um die Originale, die aus Sicherheitsgründen durch Abgüsse ersetzt worden sind.
Der große Sarkophag im ersten Stock ist leer.

Seit 1991 ist das Rockingham Mausoleum für die Öffentlichkeit freigegeben worden, die es von Ende Mai bis Ende August jeweils sonntags von 14 Uhr bis 17 Uhr besichtigen darf.

Dieser Film zeigt das Mausoleum, von einer Drohne aus gefilmt.

Das Deckengewölbe des Mausoleums.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Wentworth Follies – Teil 3: Keppel’s Column

Augustus Keppel, 1. Viscount Keppel (1725-1786) war ein guter Freund des 2. Marquis of Rockingham, dem Besitzer des Wentworth Woodhouse Estates, und ihm zu Ehren ließ der Marquis eine Säule auf seinem Grundstück erbauen, die Keppel’s Column. Der Admiral stand nach der Schlacht bei Ouessant (1778) vor dem Kriegsgericht, wurde aber freigesprochen, und das nahm der Marquis of Rockingham zum Anlass, am Südende seines Parks die Säule zu errichten, die eigentlich noch höher und mit einer Skulptur des Admirals versehen werden sollte. Doch daraus wurde nichts; es wird vermutet, dass dem Marquis das Geld ausgegangen war, so dass wir es heute immer noch mit einer nicht ganz fertiggestellten Säule zu tun haben.
Entworfen wurde sie von dem Architekten John Carr (1723-1807), einem außergewöhnlich kreativen und produktiven Mann, der vor allem im Norden Englands zahlreiche Arbeiten geleistet hat wie u.a. am Harewood House, am Castle Howard, am Raby Castle und natürlich auch am Wentworth Woodhouse selbst.

Bis in die 1960er Jahre war es möglich, die 35 Meter hohe Säule zu besteigen, aber leider ist sie mittlerweile so instabil geworden, dass ein Besuch nicht mehr erlaubt ist. Glücklicherweise gibt es aber Drohnen, die mit ihren Kameras wunderschöne Ausblicke auf Keppel’s Column einfangen können wie dieser Film zeigt.

Blick auf Keppel’s Column vom Wentworth Woodhouse aus.
Photo © Terry Robinson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Wentworth Follies – Teil 2: Hoober Stand

1747/48 wurde der Hoober Stand, ein weiteres Folly auf dem Gelände des Wentworth Woodhouse Estates, gebaut. Entworfen hat dieses pyramidenartige Gebäude Henry Flitcroft, ein Architekt, der auch am Haupthaus einige Erweiterungen vorgenommen hat, das sich rühmen darf, die längste Frontfassade aller englischen Landsitze zu haben. Der Hoober Stand wurde zur Erinnerung an die Niederschlagung des Jakobitenaufstands erbaut. Thomas Watson Wentworth kämpfte an der Seite Georgs II. gegen die Aufständler und wurde dafür vom König in den Stand eines Marquis erhoben. Aus Dankbarkeit errichtete der frischgebackene Marquis of Rockingham den dreißig Meter hohen Turm über dessen Eingangstür die Worte stehen:

„This pyramidall building was erected by his Majestys most dutiful subject Thomas Marquess of Rockingham in grateful respect to the preserver of our religious laws and libertys King George the Second who, by the blessing of God having subdued a most unnatural rebellion in Britain anno 1746 maintains the balance of power and settles a just and honourable peace in Europe 1748“.

Das dreieckige Gebäude verfügt über eine Aussichtsplattform, die man über 155 Stufen erreicht und von der aus man einen Blick auf das Wentworth Woodhouse-Hauptgebäude und die umliegende Landschaft hat. Man kann den Turm/die Pyramide von Ende Mai bis Ende September jeweils sonntags von 14 Uhr bis 17 Uhr besteigen.

Ehe ich es vergesse: Der Name Hoober Stand kommt von dem nahegelegenen Dörfchen Hoober.
Diese kamerabestückte Drohne zeigt uns sehr schöne Bilder aus unterschiedlichen Perspektiven vom Hoober Stand.

Blick vom Hoober Stand auf Wentworth Woodhouse.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Wentworth Follies – Teil 1: The Needle’s Eye

Nur wenige Kilometer von Rotherham (South Yorkshire) entfernt im Wentworth Park stehen die vier sogenannten Wentworth Follies, von denen ich heute als erstes The Needle’s Eye vorstellen möchte.
Der 2. Marquis of Rockingham, zweimaliger Premierminister Englands Ende des 18. Jahrhunderts, war der „Schöpfer“ dieser rund 15 m hohen Pyramide. Wann sie genau gebaut wurde, ist nicht eindeutig, es muss aber in etwa zwischen 1740 und 1745 gewesen sein.

Warum nun wurde diese steinerne Pyramide, die von einer Urne gekrönt wird, gebaut? Es existiert da eine nette Geschichte, deren Wahrheitsgehalt aber auf sehr tönernen Füßen steht:
Der 2. Marquis of Rockingham soll einmal, während er nicht mehr ganz nüchtern war, eine Wette abgeschlossen haben, bei der er behauptete, er könne eine Kutsche durch ein Nadelöhr fahren. Am nächsten Morgen, bei genauerer und nüchterner Betrachtung dieser Wette, musste er doch feststellen, dass das wohl nicht zu bewerkstelligen ist, es sei denn… er baute einen Torbogen, der breit genug war, um mit einer Kutsche hindurchfahren zu können und nannte das ganze einfach „Needle’s Eye“ und schwupps war die Wette gewonnen.
Da in der Pyramide einige Einschusslöcher zu finden sind, wird auch gemutmaßt, dass hier einmal Exekutionen stattgefunden haben könnten.

The Needle’s Eye gibt nach wie vor einige Rätsel auf und bleibt vielleicht für immer ein Geheimnis des 2. Marquis of Rockingham. Hier ist ein Drohnenflug über dem Folly zu sehen.

Published in: on 23. Februar 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Noël Coward und „The Stately Homes of England“

Noël Coward.
Author: Allan Warren.
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Was wäre England ohne seine Stately Homes? Sie sind die Besuchermagneten, die Touristen in Scharen anziehen wie Chatsworth, Blenheim, Highclere Castle, Castle Howard, Longleat, Burghley House und wie sie alle heißen.
Die heute kaum noch bekannte Dichterin Felicia Hemans (1793-1835) widmete den Stately Homes ein Gedicht, das 1827 in Blackwood’s Edinburgh Magazine erschien und das der Schauspieler, Schriftsteller und Komponist Noël Coward über hundert Jahre später wieder entdeckte und in seine Musikkomödie „Operette“ integrierte, die am 17. Februar 1938 im Manchester Opera House uraufgeführt und 132mal gespielt wurde. Kenneth Carten, Ross Landon, John Gatrell and Hugh French sangen damals „The Stately Homes of England„, das es noch in mehreren Coverversionen gibt, zum Beispiel von den King’s Singers, den Lissa Gray Singers und Peter Pringle. Und  Noël Coward nahm den Song selbst auch auf.

„The Stately Homes of England“ ist eine Satire auf die Bewohner jener großartigen Häuser, die, um sie erhalten zu können, schon einmal einen Van Dyck verkaufen oder einen Bechstein-Flügel beleihen müssen, aber „The playing fields of Eton have made us frightfully brave“. Lord Elderley, Lord Borrowmere, Lord Sickert und Lord Camp sind jene vier junge Herren, die sich damit herumschlagen müssen, ihre ererbten Häuser zu unterhalten („frequently mortgaged to the hilt“), die gern auch von Geisterjägern aufgesucht werden („The Stately Homes of England, though rather in the lurch, provide a lot of chances for psychical research“).
Ein wirklich witziger Text, der aber die Realität in manchen Stately Homes realistisch abbildet. Hier ist die Version von  Noël Coward zu hören.

Chatsworth House in Derbyshire.
Photo © J W Wagner (cc-by-sa/2.0)

Highclere Castle in Hampshire.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Crinkle-Crankle Walls auf englischen Landsitzen

Die Crinkle-Crankle Wall in Easton (Suffolk).
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Vielleicht hat schon einmal jemand auf englischen Landsitzen diese eigenartigen gewundenen Mauern gesehen, die sich Crinkle-Crankle Walls oder auch Serpentine Walls nennen. Sie sind hauptsächlich in East Anglia zu finden, wo sie häufig als Gartenmauern fungieren. Durch ihre gewundene Bauform haben sie mehr Stabilität als eine gerade Mauer und außerdem geben die Nischen empfindlichen Pflanzen einen gewissen Schutz, so dass man die Crinkle-Crankle Walls gern um Küchengärten herum baute.

In der Grafschaft Suffolk stehen rund fünfzig Exemplare, von denen die Mauer von Easton Park mit rund vier Kilometern einmal die längste im ganzen Land gewesen sein soll. Das Manor House von Easton, der langjährige Landsitz der Dukes of Hamilton, wurde leider 1924 abgerissen. Im November 2013 stürzte ein Teil der Mauer ein, als ein unbekannter Autofahrer dagegen stieß und dabei einen Schaden von £20,000 verursachte. Im Jahr darauf wurde die Mauer wieder hergerichtet und eine Geschwindigkeitsbegrenzung von zwanzig Meilen eingeführt, damit so etwas nicht noch einmal passieren kann.

Ein weiteres sehr schönes Beispiel für eine Crinkle-Crankle Wall in Suffolk findet sich auf dem Gelände der Bramfield Hall bei Halesworth an der Walpole Road.
Doch nicht nur in Suffolk sind diese speziellen Mauern zu finden, so steht ein sehr langes Exemplar im Dean’s Court in Wimborne Minster in Dorset, das während der Napoleonischen Kriege von französischen Gefangenen gebaut worden sein soll.

Die Serpentine Wall von Bramfield (Suffolk).
Photo © Nat Bocking (cc-by-sa/2.0)

Dean’s Court in Wimborne Minster (Dorset).
Photo © Stuart Buchan (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 21. Februar 2018 at 02:00  Comments (1)  
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