Der Martello-Tower von Aldeburgh (Suffolk) – Ein Turm an der Küste, den man mieten kann

Der Martello Tower von Aldeburgh (Suffolk).    © Copyright Ian Taylor and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Martello Tower von Aldeburgh (Suffolk).
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Zur Zeit der napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts befürchtete man in England eine Invasion der französischen Flotte und baute entlang der Küstenlinie Befestigungstürme, sogenannte Martello Towers. Die bis zu 10 Meter hohen Türme hatten 2,5 Meter dicke Mauern, die etwaigen Beschießungen von angreifenden Schiffen standhalten sollten. Von Hampshire bis nach Suffolk zog sich die Kette der Forts hin, die allerdings nie einen Ernstfall erlebten, weil keine Invasion stattfand.

Der Name geht auf das Kap Mortella auf der Insel Korsika zurück; dort stand 1794 ein solcher Turm, der drei Tage lang den Angriffen der Briten standhielt, ehe sich die Besatzung ergab. Eine beeindruckende Leistung, die die britische Militärführung auf die Idee brachte, genau diese Art von Türmen auch an ihren Küsten aufzustellen.

Übriggeblieben sind heute noch ein paar Dutzend dieser eigenartig anmutenden Gebäude, der Rest wurde abgerissen, um das Mauerwerk für andere Zwecke zu nutzen, andere wurden vom Meer weggespült. Von den verbliebenen Martello Towers sind einige in Privatbesitz übergegangen wie beispielsweise die in Pevensey Bay (East Sussex) und Bawsdley (Suffolk).

Der erste Martello Tower, den ich selbst gesehen habe, ist auch gleichzeitig der nördlichste und größte; er steht in Aldeburgh in der Grafschaft Suffolk auf einer Landzunge zwischen dem River Alde und der Nordsee. Etwa 750 000 Ziegelsteine wurden verbaut und man brauchte sechs Jahre um den Turm fertigzustellen. Die Besatzung bestand aus 30 Soldaten, die im Angriffsfall auf neun Kanonen zurückgreifen konnten, von denen vier auf dem Dach und fünf vor dem Turm installiert waren.

Nachdem man sicher war, dass die Franzosen die Küste Suffolks nicht für eine Invasion vorgesehen hatten, gab das Militär den Turm auf, der dann von der Küstenwache genutzt wurde. Nachdem der Martello Tower von Aldeburgh mehrfach den Besitzer gewechselt hatte, wurde er 1971 vom Landmark Trust übernommen (ich berichtete über den Trust in meinem Blog) komplett restauriert und als Ferienhaus vermietet. Noch heute können hier bis zu vier Personen in einer einzigartigen Lage und einer außergewöhnlichen Unterkunft Urlaub machen. Die Räume sind gemütlich eingerichtet und verfügen über allen Komfort; vom Dach des Turms hat man einen sehr schönen Blick auf das Meer und auf die zehn Minuten entfernt gelegene Stadt Aldeburgh. Ab rund €150 kostet die Übernachtung im Turm.

Hier sind einige Fotos vom Inneren und vom Äußeren des Turms zu sehen, ergänzt durch diesen sehr schönen Film.

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Aldeburgh in Suffolk – Einer der langweiligsten Orte Englands?

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In „The Idle Book of Crap Towns: the 50 Worst Places to Live in the UK“ (2003 erschienen) nimmt der knapp 3000 Einwohner große, direkt am Meer in der Grafschaft Suffolk gelegene Ort den Platz 23 ein.
Hier ist absolut nichts los, meinen die Autoren. Niemand hat jemals guten Sex in Aldeburgh gehabt.Viele alte Menschen, deren Sexleben vorbei ist, ziehen hierher und die jungen Menschen des Ortes müssen schon die Ortsgrenze verlassen, damit ihr Sexdrive in Wallung kommt. So steht es jedenfalls in dem Buch.

Diese Dinge konnte und wollte ich bei meinem Besuch in Aldeburgh nicht nachprüfen. Ich habe den Ort an einem trüben Spätnachmittag besucht und  fand die Atmosphäre eigentlich ganz angenehm. Man muss natürlich für die etwas melancholische Stimmung eines englischen Küstchenstädtchens im Herbst etwas übrig haben.

Der Komponist Benjamin Britten lebte eine Zeit lang hier und starb 1976 in Aldeburgh. Er ist auf dem Friedhof der St Peter and St Paul’s Church begraben.

Jedes Jahr im Juni wird in den außerhalb des Ortes gelegenen Snape Maltings das Aldeburgh Festival abgehalten, ein Musikfestival, das 1948 von Benjamin Britten gegründet wurde und das sich überwiegend der klassischen Musik widmet.

Aldeburgh also eine Crap Town? Ich kann dem nicht zustimmen!

Hier ein kurzer Film über Benjamin Britten.

Published in: on 12. November 2009 at 17:50  Schreibe einen Kommentar  
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