Der nackte Mann auf dem Dach eines Hauses in der Broad Street in Oxford

In der Polizeizentrale von Oxford ging einmal an einem regnerischen Tag der Ruf einer Frau ein, die sich darüber beklagte, dass auf dem Dach eines Hauses an der Broad Street Ecke Turl Street ein nackter Mann stünde, der auf die Passanten urinieren würde. Ob dieser Ruf einen sofortigen Einsatz eines Streifenwagens veranlasste oder ob der Beamte an der Telefonleitung in lautes Gelächter ausbrach, weiß ich nicht. Die Anruferin hatte insofern recht, als da tatsächlich ein nackter Mann auf dem Gebäude stand, in dem unten Blackwell’s Art and Poster Shop untergebracht ist, doch dieser Mann besteht aus Eisen, und da der Körper mit allen männlichen Attributen ausgestattet ist und wenn der Regen auf ihn herabfällt, nun, da sieht es wirklich so aus, als ob…

Es handelt sich hier um ein Kunstwerk des berühmten Bildhauers Antony Gormley, der immer wieder damit überrascht, wo man seine Skulpturen finden kann. Seine Serie „Another place“ am Crosby Beach in Lancashire (ich berichtete in meinem Blog darüber) besteht aus 100 identischen Männerfiguren, die am Strand alle zum Meer ausgerichtet sind; die andere Figurenserie namens „Another time“ besteht aus den gleichen 100 identischen Skulpturen, die aber alle in der Welt verstreut sind; eine davon eben auch in Oxford. Antony Gormley hat sie nach seinem eigenen Körper geformt.

Der eiserne Mann auf dem Dach des Blackwell’s Shop gehört dem Exeter College, das für die Anschaffung des Kunstwerks eine anonyme Spende von über £250 000 erhielt, worüber man sich in dem College natürlich sehr freute. Im Februar 2009 wurde Gormleys Kreation auf das Dach gehievt und in Anwesenheit der Rektorin des Exeter College, der Bürgermeisterin von Oxford und des Künstlers selbst eingeweiht. Die Figur ist über zwei Meter groß und wiegt zehn Zentner. Viele Passanten werden sie gar nicht wahrnehmen wenn sie an dem Gebäude vorbeigehen. Da wir in Oxford sind, ist die Skulptur schon mehrfach von Studenten für „pranks“ benutzt und in witzige Kleidungsstücke gehüllt worden.

Hier ist ein Film von der Eröffnungszeremonie.

Published in: on 4. September 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Ungewöhnliche Unterkünfte in London Teil 1 – The Room by Antony Gormley im The Beaumont Hotel

Antony Gormleys The Room, links vom Haupteingang des The Beaumont Hotels.
Author: Matt Brown.
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Im September 2014 eröffnete in London ein weiteres 5*-Sterne-Hotel seine Pforten: The Beaumont Hotel. Zu finden ist es an den Brown Hart Gardens im Stadtteil Mayfair. Schon nach kurzer Zeit wurde das Beaumont mit Auszeichnungen überhäuft; so wurde es u.a. zum AA Hotel of the Year 2016/17 ausgerufen und zum UK Independent Hotel of the Year 2017 der Catey Awards. Von den 73 Zimmern aus sind es nur wenige Schritte zu den edlen Einkaufsboutiquen, von denen es in Mayfair und Umgebung jede Menge gibt. Die Zimmerpreise beginnen etwa bei €550. Hier sind einige Bilder vom Hotel.

Wer bereit ist, mehr als das Doppelte für eine Nacht auszugeben, der hat die Möglichkeit in einem ganz extravaganten Raum zu übernachten, der ganz einfach nur „The Room“ heißt und von dem berühmten Bildhauer Antony Gormley gestaltet wurde. Regelrecht an die Hotelmauern angeklebt, wirkt diese Struktur, die Gormley, in Quadern nach seinem eigenen Körper geformt, angefertigt hat. Im Inneren findet sich ein Teil einer 69m² großen Suite und zwar das Schlafzimmer, das über neun Marmorstufen vom Badezimmer aus zu erreichen ist. Die Decke des Schlafzimmers ist zehn Meter hoch, die Grundfläche beträgt lediglich 4m². Gormley möchte mit diesem eigenartigen Raum erreichen, dass der Gast in einen anderen Bewusstseinszustand gleitet, das hektische Treiben draußen vergisst und in eine meditative Phase eintritt.

Ab £1,250, inklusive eines kontinentalen Frühstücks, kostet diese Erfahrung, die in London einzigartig sein dürfte. Hier ist ein kurzer Schwenk über Gormleys The Room.

The Beaumont Hotel
Brown Hart Gardens
Mayfair
London W1K 6TF

The Beaumont Hotel.
Photo © James Wood (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. Oktober 2017 at 02:00  Comments (4)  
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Antony Gormley und seine gusseisernen Männer – Die Attraktion am Strand von Crosby Beach

 

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Der englische Bildhauer Antony Gormley ist immer wieder für Überraschungen gut, auch wenn er sich manchmal wiederholt. Sein „Angel of the North“ habe ich in meinem Blogeintrag vom 16.11.2009 schon einmal vorgestellt. „Another Place“ ist der Titel eines anderen Projektes, das nicht minder interessant und kurios ist.
Nördlich von Liverpool am Crosby Beach stehen über eine Länge von 3 Kilometern verstreut 100 gusseiserne Männer, die alle Richtung Meer blicken. Sie sind alle exakt 1,89 m groß, wiegen etwa 650 kg und sind dem Körper ihres Schöpfers, Antony Gormley, nachempfunden.

Was gab es nicht alles für Kontroversen über die 100 nackten Männer. Einigen waren sie zu realistisch, einige meinten, sie würden ein Sicherheitsrisiko darstellen (bei aufgelaufener Flut sind die Figuren von Wasser bedeckt), wiederum andere waren der Ansicht, dass die dort vorhandenen Seevögel gestört würden. Auf der andern Seite haben die Skulpturen aber auch eine beträchtliche Anziehungskraft für Touristen und bringen dadurch Geld in das Stadtsäckel von Crosby. Hier ist ein Film über „Another Place“.

Die Figuren waren übrigens, bevor sie ihren endgültigen „Liegeplatz“ bei Liverpool fanden, auch schon in Deutschland zu sehen und zwar am Strand von Cuxhaven-Duhnen.

Ähnliche Projekte  Gormleys sind das „Event Horizon“ in London, bei dem 31 lebensgroße männliche Figuren auf Dächern von Gebäuden entlang der Themse positioniert waren; diese Skulpturen stehen seit diesem Jahr im Zentrum von New York.
Ganz neu ist Gormleys „Horizon Field„: Bei dieser Installation hat er  wieder 100 gusseiserne Männer aufgestellt; dieses Mal in den österreichischen Alpen in einer Höhe von 2000 m.

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Published in: on 11. Oktober 2010 at 03:21  Comments (2)  
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