The Aylesbury Railway Desaster – Ein Eisenbahnunglück in Buckinghamshire am 23. Dezember 1904

Der Bahnhof von Aylesbury heute.
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)

Sie freuten sich schon alle auf das bevorstehende Weihnachtsfest: Joseph Barnshaw, George Masters, David Summers und Josiah Stanton. Sie waren an Bord des sogenannten „newspaper train„, der am 23. Dezember 1904 wie gewöhnlich früh morgens von Londons Marylebone Bahnhof nach Manchester unterwegs war. Als der Zug um 3.38 Uhr in den Bahnhof von Aylesbury in Buckinghamshire einfuhr, war er viel zu schnell. Vielleicht wusste der Zugführer Joseph Barnshaw nicht, dass hier im Bahnhof eine sehr enge Kurve war, die nur mit 15 mph befahren werden durfte, der Zug war aber mit 50 mph unterwegs. Die Folge: Die Lokomotive und die zehn Waggons entgleisten und stürzten um. Die Trümmer verteilten sich auf die Bahnsteige und die Geleise, es herrschte Chaos im Bahnhof von Aylesbury. Für drei der genannten, im Zug mitfahrenden Männer kam jede Hilfe zu spät, Joseph Barnshaw verstarb etwas später im Krankenhaus.

Was waren die Gründe für das Aylesbury Railway Desaster? Nun, auf jeden Fall die zu hohe Geschwindigkeit. Aber warum fuhr Joseph Barnshaw so schnell in den Bahnhof ein? Da gibt es mehrere Vermutungen: Einmal, dass der Zugführer mit der Strecke nicht vertraut war. Es herrschte damals dichter Nebel, so dass es möglich ist, dass Mr Barnshaw die Warnschilder mit der Geschwindigkeitsbegrenzung nicht gesehen hatte. Und dann gab es damals noch eine andere Theorie: Ich erwähnte oben schon, dass der Zug auch „newspaper train“ genannt wurde, weil er die Londoner Zeitungen nach Manchester beförderte. Die Zeitungsmacher in London wollten ihre Gazetten so früh wie möglich in den Verkaufsständen in Manchester haben, damit sie, in Konkurrenz zu den örtlichen Zeitungen, einen Teil des Kuchens, sprich des Umsatzes, für sich in Anspruch nehmen konnten. Es hieß damals, dass die Zugführer angehalten waren, die Strecke London-Manchester so schnell wie möglich zurückzulegen. Möglicherweise kostete dieser Zeitdruck das Leben der vier tödlich verunglückten Männern.

Auf Grund des Unglücks wurde die enge Kurve im Bahnhof von Aylesbury später begradigt.

Published in: on 30. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Earthly Messenger – Die David Bowie-Statue auf dem Marktplatz von Aylesbury in Buckinghamshire

In meinem Blogeintrag vom 18. Oktober 2016 schrieb ich über die geplante Statue von David Bowie, die auf dem Marktplatz von Aylesbury in Buckinghamshire aufgestellt werden sollte, für die sich der Musikmanager David Stopps sehr engagiert hatte. Der Bildhauer Andrew Sinclair, dessen Studio früher in Wendover war, einem Nachbarort von Aylesbury, bekam den Auftrag, die Bronzestatue zu erstellen und im März diesen Jahres war es soweit, das Kunstwerk mit dem Titel „Earthly Messenger“ wurde von dem Musiker Howard Jones enthüllt (sein größter Erfolg war „What is love“ aus dem Jahr 1983). Nicht nur David Bowie selbst zeigt das Werk, sondern auch seine Alter Egos wie die Kunstfigur Ziggy Stardust. Über der Gruppe sind Lautsprecher angebracht, über die zu jeder vollen Stunde ein David Bowie-Song zu hören ist (von 9 Uhr bis 21 Uhr). Hier sind Bilder von der Enthüllungsfeier.
David Stopps ging sogar soweit, dass sich die besondere Beziehung Bowies zu Aylesbury darin ausdrücken sollte, dass die Stadt von Aylesbury in Aylesbowie umbenannt werden sollte, und er bei der Stadtverwaltung einen entsprechenden Antrag stellte.

Kurz nach Enthüllung der Gedenkstätte unter den Arkaden des Marktplatzes wurde sie schon Opfer von Vandalismus. Irgendein Graffiti-„Künstler“ beschmierte sie mit den Worten „Feed the homeless first” und „RIP DB“. Mit sehr viel Aufwand reinigte man den „Earthly Messenger“ und jetzt am 11. Oktober, nach Beendigung der Reinigungsarbeiten, passierte dasselbe noch einmal. Wieder kam ein Sprayer in der Nacht vorbei und verunstaltete die Statue, indem er sie mit Farbe besprühte. Überwachungskameras nahmen beide Vorfälle auf und anhand der Bilder jetzt vom Oktober konnte ein Verdächtiger festgenommen werden.

David Bowie-Fans aus aller Welt kommen nach Aylesbury, um dort dem Sänger ihre Ehre zu erweisen.

„Aylesbowies“ Market Square.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. November 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Autoproblem in Aylesbury (Buckinghamshire)

Rechts hinter der Tankstelle ist die Sackgasse Townsend Piece, wo wir mit unserem Auto strandeten; sie geht von der Bicester Road ab.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Ich glaube, bei meinem nächsten Besuch in England werde ich einen großen Bogen um die Stadt Aylesbury in Buckinghamshire machen, denn bereits zweimal bin ich hier mit meinem Auto liegengeblieben. Beim ersten Mal hatte ich ein Problem mit der Pumpe meiner Servolenkung, das nach drei Tagen von der kleinen Firma Dell Motor Service behoben werden konnte. Beim zweiten Mal war es weitaus schlimmer. Von unserem Hotel, The Kings Arms in Old Amersham, wollten wir zum wiederholten mal einen Ausflug durch Inspector Barnabys Midsomer County starten, sahen uns ausführlich das hübsche Dorf Little Missenden an und waren auf der A413 in Richtung Great Missenden unterwegs, als der Bordcomputer meines Autos eine Warnung ausgab, dass nicht genügend Wasser im Kühler vorhanden ist. Ich fuhr gleich auf den nächsten Parkplatz und sah wie Wasser aus dem Kühler heraustropfte. Ich füllte ihn auf und nach wenigen Kilometern gab es wieder die Warnmeldung. Ich suchte mir in der nächstgrößeren Stadt, Aylesbury, eine Vauxhall Werkstatt, Perrys, an der Bicester Road, ein riesiges Gelände, auf dem spezielle Einweiser die ankommenden Autofahrer  auf einen freien Parkplatz lotsten. Dort wurde mir gleich signalisiert, dass sie keine Reparaturen vornehmen können, da sie wochenlang ausgebucht seien. Trotzdem kam jemand aus der Werkstatt und sah sich mein tropfendes Auto an. Er schüttelte nur mit dem Kopf und sagte, an dieses exotische Auto (ein Cadillac Seville STS) würde sich niemand herantrauen und nannte mir eine kleine nicht weit entfernte Werkstatt, die die Reparatur eventuell vornehmen könnte. Im Aylesbury Service Centre, einer winzigen Werkstatt („The small garage with a big passion for service“) in einer kleinen Sackgasse, winkte man gleich ab, als ich mit meinem Anliegen dort erschien. Ich könnte gern am kommenden Montag vorbeikommen, da würde man sich mit meinem Problem befassen. Da es aber erst Dienstag war, konnte ich diese Werkstatt auch vergessen.

Was nun? Mein Caddy tropfte unentwegt weiter, also parkte ich ihn erst einmal in dieser kleinen Sackgasse, die den Namen Townsend Piece trug und rief meinen Automobilclub in Deutschland an. Der reagierte sofort und schickte seinen Partnerclub, den Royal Automobil Club, los, der in einer knappen Stunde eintraf. Der Fahrer des Pannenfahrzeugs sah sich den Schaden an und stellte fest, dass der „radiator“ nicht repariert werden konnte. Also sollte ein neuer Kühler her, den es aber in ganz Großbritannien für mein Auto nicht gab. Der außerordentlich hilfsbereite RAC-Mann telefonierte stundenlang überall herum, um mein Problem lösen zu können, aber leider vergeblich. Mein deutscher Automobilclub entschied schließlich, dass das Fahrzeug nach Deutschland zurücktransportiert werden muss. Da ich mein Auto aber nicht tagelang im Townsend Piece stehenlassen wollte, ließ ich es von einem Abschleppservice zurück nach Old Amersham in unser Hotel bringen. Dort war man äußerst hilfsbereit und wir durften den Wagen so lange auf dem Hotelparkplatz stehenlassen, bis er nach acht Tagen von einem holländischen Spezialunternehmen zu meiner Stammwerkstatt nach Braunschweig zurücktransportiert wurde.

Abgesehen von den beiden nicht sehr entgegenkommenden Werkstätten traf ich bei meiner Autopanne wieder auf sehr hilfsbereite Menschen: Der RAC-Pannenhelfer, der fünf Stunden bei uns ausharrte (nach seiner Aussage, der längste Einsatz seines Berufslebens), mein Automobilclub, der ACE, der sich großartig um uns kümmerte und unseren Rückflug organisierte und bezahlte, und das Personal des Kings Arms in Old Amersham (Thank you, Tasha!!!) und des benachbarten The Crown Hotel, wo unser Auto zwischenzeitlich Asyl fand.

Vielen Dank an alle!!!

The Kings Arms in Old Amersham.
Eigenes Foto.

The Crown Hotel in Old Amersham.
Eigenes Foto.

Published in: on 15. August 2017 at 02:00  Comments (5)  
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David Bowie und Aylesbury in Buckinghamshire

Aylesbury Market Square.    © Copyright Christopher Hilton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Aylesbury Market Square.
   © Copyright Christopher Hilton and
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Als David Bowie am 10. Januar in diesem Jahr starb, war die Trauer in der Stadt Aylesbury in Buckinghamshire besonders groß und es wurden spontan unter den Torbögen am Market Square Blumen niedergelegt. Warum gerade in Aylesbury? Der 1947 in London geborene Sänger stellte 1971 und 1972, also am Beginn seiner Karriere, zwei seiner bedeutendsten Alben im örtlichen Musikclub Friars Aylesbury vor; das waren „Hunky Dory“ und „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars„. In einem seiner Songs auf dem „Ziggy Stardust“-Album, „Five Years„, bezieht er sich in der ersten Zeile auf Aylesbury, wenn er singt „Pushing through the market square, so many mothers sighing“. Und am Market Square, in der Borough Assembly Hall, war damals in den 1970er Jahren der Musikclub ansässig, in dem Bowie auftrat.

Friars Aylesbury gibt es noch heute. Europas größter Musikclub (so steht es auf der Homepage) hat mehrere Ortswechsel vorgenommen, war von Ende 1984 bis Mitte 2009 geschlossen, eröffnete dann erneut im Civic Centre und zog 2010 in das Waterside Theatre um, nicht weit vom Market Square entfernt.

David Stopps, Musikmanager, der im Friars Aylesbury alles was Rang und Namen hatte, im Laufe der Jahrzehnte auftreten ließ, hatte denn auch die Idee, in Aylesbury eine Statue von David Bowie errichten zu lassen und zwar unter den Arkaden des Marktplatzes, dort, wo Bowie damals im Musikclub auftrat. Die Idee fand viele Anhänger, der Aylesbury Vale District Council gab seine Genehmigung, die geplante Statue an dieser Stelle aufzustellen. David Stopps ist jetzt dabei, das Geld dafür aufzutreiben, denn die Steuerzahler sollen damit nicht belastet werden. £150 000 soll das Kunstwerk kosten mit dessen Gestaltung der weltweit angesehene Bildhauer Andrew Sinclair beauftragt worden ist. Sinclair hatte sein Studio in Wendover, einer kleinen Stadt vor den Toren Aylesburys, bevor er nach Devon zog. Die Errichtung der Statue ist für das Jahr 2017 geplant. Hier ist ein Beitrag zum Thema von der BBC.

Der Aylesbury Market Square diente übrigens als Inspiration für den Song „Market Square Heroes“ der 1979 in der Stadt in Buckinghamshire gegründeten Band Marillion.

Wandmalerei in Aylesburys Friars Park Shopping Centre, das viele der Berühmtheiten zeigt, die im Musikclub Friars Aylesbury aufgetreten sind.   © Copyright Christopher Hilton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wandmalerei in Aylesburys Friars Park Shopping Centre, das viele der Berühmtheiten zeigt, die im Musikclub Friars Aylesbury aufgetreten sind.
    © Copyright Christopher Hilton and
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Published in: on 18. Oktober 2016 at 02:00  Comments (1)  
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