Shaw’s Corner in Ayot St Lawrence (Hertfordshire) – Hier entstanden die meisten Werke von George Bernard Shaw

Shaw's Corner in Ayot St Lawrence.   © Copyright David Lally and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Shaw’s Corner in Ayot St Lawrence.
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Man muss nicht unbedingt ein glühender Verehrer von George Bernard Shaw und seiner Werke sein, um an Shaw’s Corner in dem kleinen abgelegenen Dorf Ayot St Lawrence im Herzen von Hertfordshire Gefallen zu finden, denn das Haus, in dem der berühmte Dramatiker von 1906 bis zu seinem Tod im Jahr 1950 lebte, ist idyllisch gelegen und hat einen hübschen Garten.

Das Haus wurde ursprünglich im Jahr 1902 als Pfarrhaus gebaut, war aber eigentlich viel zu groß für diesen Zweck, und so wurde es 1906 an Shaw vermietet, der es dann später kaufte.
Heute gehört Shaw’s Corner dem National Trust und man kann das Anwesen besichtigen. Wenn man das Haus betritt, hat es den Anschein, als wäre es noch bewohnt – Shaw’s Arbeitszimmer sieht aus, als ob es gerade eben noch benutzt worden wäre, im Kleiderschrank hängen noch seine Anzüge.

Am Ende des Gartens befindet sich Shaw’s rotierende Schreibhütte. Hierhin zog er sich zurück, wenn er in Ruhe arbeiten wollte und hier entstanden viele seiner Werke, die ihn berühmt gemacht haben, z.B. „Pygmalion“ für das er einen Oscar (Best Screenplay) erhielt, der im Haupthaus zu sehen ist. Mr. Shaw ließ hier auch ein Telefon installieren, das ihn mit seinem Personal verband. Wenn er keine Besucher empfangen wollte, wurde denen mitgeteilt, Mr. Shaw sei nicht im Hause, was ja auch der Wahrheit entsprach. Die Hütte im Garten war drehbar, so dass George Bernard Shaw sie jeweils nach den besten Lichtverhältnissen ausrichten konnte.

Shaw starb 1950 und auf seinen Wunsch hin wurde seine Asche, gemeinsam mit der seiner Frau Charlotte Payne-Townshend, die bereits 1943 gestorben war, in seinem Garten verstreut. In diesem historischen Film ist der Literat in Shaw’s Corner zu sehen.

Zu Ayot St Lawrence siehe auch meinen anderen Blogeintrag.

Das Buch zum Thema:
Michael Holroyd: Bernard Shaw – The One-Volume Definite Edition. Vintage 1998. 848 Seiten. ISBN 978-0099749011.

haws rotierende Schreibhütte im Garten von Shaw's Corner.   © Copyright Graham Hale and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Shaws rotierende Schreibhütte im Garten von Shaw’s Corner.
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Ayot St Lawrence (Hertfordshire) – Sir Lionel Lyte und sein brutaler Kirchenabriss

Ayot St Lawrences Old Church.    © Copyright Brian Chadwick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ayot St Lawrence Old Church.
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Ayot St Lawrence?? Da war doch was? Richtig, hier wohnte George Bernard Shaw 44 Jahre lang und fühlte sich in seinem Haus Shaw’s Corner (ich berichtete in meinem Blog darüber) sehr wohl. Es gehört heute dem National Trust und kann besichtigt werden. Man erzählt sich die Geschichte, dass Shaw einmal den Friedhof von Ayot St Lawrence besucht hat und dort auf den Grabstein einer Frau stieß, die im Alter von 70 Jahren gestorben war. Eingraviert waren darauf die Worte „Her time was short“. Wenn man hier 70 Jahre für ein kurzes Leben hält, dann wäre das Dorf doch der ideale Wohnort, dachte sich Shaw und siedelte sich in Ayot St Lawrence an… und wurde 94 Jahre alt.

Doch George Bernard Shaw soll nicht Gegenstand meines heutigen Themas sein, sondern Sir Lionel Lyte, einst Lord of the Manor, und die beiden Kirchen des Ortes. Lyte war einer jener Adligen im 18. Jahrhundert, die sich ziemlich große Freiheiten herausnahmen und ganze Dörfer abreißen ließen, wenn diese ihr Blickfeld störten, und woanders wieder aufbauten. Sir Lionel, der im Ayot House wohnte, ließ zwar nicht das Dorf, dafür aber die aus dem 13. Jahrhundert stammende Gemeindekirche beseitigen, d.h. mitten in den Abrissarbeiten kam von seiten des zuständigen Bischofs von Lincoln ein lautes „Halt!!!“, als er davon erfuhr (natürlich hatte Sir Lionel vorher nicht um eine Abrissgenehmigung gebeten), aber es war schon zu spät, die Kirche stand bereits in Ruinen.

Ayot St Lawrence sollte aber nicht auf ein Gotteshaus verzichten, im Gegenteil, denn Sir Lionel ließ eine neue Kirche nach seinen Vorstellungen errichten. Er beauftragte den Architekten Nicholas Revett damit, und es entstand so etwas wie ein griechischer Tempel mit dorischen Säulen; als Vorbild diente der Apollotempel auf der griechischen Insel Delos. Für die Familie Lyte war ein Balkon über dem Eingang reserviert, von dem aus sie dem Gottesdienst folgen konnten. Mr und Mrs. Lyte sind beide in der neuen St Lawrence Church beerdigt, jeder in seinem eigenen Pavillon; es hieß, beide hätten sich nicht besonders gut verstanden und wollten im Tode einen möglichst großen Abstand voneinander halten.

Sir Lionel steckte damals sehr viel Geld in die Errichtung der Kirche, fragte aber die Dorfbewohner nicht, ob sie überhaupt so einen Bau haben wollten. Egal, Hauptsache er hatte vom Ayot House einen schönen Blick auf seinen „Tempel“.
Die alte Kirche blieb so stehen wie sie zuletzt beim Abrissstop aussah; sie liegt mitten in einem kleinen Park gegenüber von The Brocket Arms, dem Dorfpub. Mir gefällt sie, denn sie passt viel besser in den idyllischen kleinen Ort als die Apollotempel-Kopie (aber das ist natürlich Geschmackssache).

Hier ist die Geschichte der beiden Kirchen noch einmal in einem Lied zusammengefasst.

Ayot St Lawrence New Church.    © Copyright John Salmon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Die letzte Ruhestätte von Sir Lionel Lyte.    © Copyright John Salmon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die letzte Ruhestätte von Sir Lionel Lyte.
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Published in: on 17. Juni 2014 at 02:00  Comments (1)  
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