Tooley’s Boatyard in Banbury (Oxfordshire) – Englands ältestes Trockendock für Narrowboats

Über meine persönlichen Eindrücke über die Stadt Banbury in Oxfordshire habe ich in meinem Blog schon einmal berichtet. Als ich im nahegelegenen Shutford wohnte, fuhr ich häufig dorthin. Für Narrowboat-Besitzer spielt Banbury eine wichtige Rolle, denn in der historischen Werft Tooley’s Boatyard kann man sein Hausboot reparieren lassen.

1778 wurde der Oxford Canal eröffnet, der auch Banbury berührte. Auf den schmalen hölzernen von Pferden gezogenen Booten wurden Waren transportiert und da diese Boote auch hin und wieder mal repariert werden mussten, benötigte man einen möglichst zentral gelegenen Ort für ein Trockendock und so entstand 1790 Tooley’s Boatyard, wo man die Narrowboats auch herstellte. Über einen längeren Zeitraum profitierte Banbury von dem Warenverkehr, doch dann kam die Eisenbahn und machte nach und nach den wirtschaftlich genutzten Narrowboats den Garaus. Die Bedeutung der Kanäle nahm entsprechend ab, viele verfielen und wurden nicht mehr gepflegt, bis dann im 20. Jahrhundert die Engländer ihre Vorliebe für Narrowboats als Freizeitvergnügen entdeckten. Neue Hausboote wurden benötigt, mussten gewartet und repariert werden und so konnte Tooley’s Boatyard überleben. Die Schmiede aus dem Jahr 1790 ist heute noch in Betrieb und wer möchte, kann dort unter fachkundiger Anleitung Schmiedekurse belegen. Tooley’s besitzt ein eigenes Narrowboat, die „Dancing Duck„, auf der Kanalfahrten angeboten werden und die man auch für mehrere Tage mieten kann.

1944 erschien ein Buch, das unter Kanalbootfahrern als der Klassiker schlechthin gilt: „Narrow Boat“ von Lionel Thomas Caswall Rolt, der meist nur L.T.C. Rolt genannt wurde. In dem noch immer lieferbaren Buch beschreibt er eine viermonatige Reise auf den englischen Kanälen und dieses Buch weckte das Interesse vieler Engländer und führte zur Gründung der Inland Waterways Association, die sich die Erhaltung und Pflege der Kanäle zum Ziel machte. Rolt schreibt in seinem Buch wie sein Narrowboat „Cressy“ in Tooley’s Boatyard so umgebaut wurde, dass man darauf auch über einen längeren Zeitraum hinweg wohnen konnte, wodurch die Firma in Banbury auch wieder im ganzen Land bekannt wurde. Man dankte ihm dafür, indem zur Wiederkehr seines 100. Geburtstages eine blaue Plakette in Tooley’s Boatyard enthüllt wurde.

Wer sich für Narrowboats und das Trockendock in Banbury interessiert, kann sich Tooley’s auf einer geführten Tour ansehen, die jeden Samstag um 15 Uhr durchgeführt wird.

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Published in: on 27. Juli 2014 at 02:00  Comments (6)  
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Banbury (Oxfordshire) – Einige persönliche Eindrücke

Das Banbury Cross.
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Ich wohnte einmal für kurze Zeit in dem Dörfchen Shutford, einige Meilen westlich von Banbury in Oxfordshire, und da fuhren wir zum Essen abends oft in die Stadt, die zweitgrößte nach Oxford in der Grafschaft. Sicher, Banbury wird im immer im Schatten der Universitätsstadt stehen, aber irgendwie hat der Ort auch einen gewissen Charme.

Etwa 100m neben dem Whateley Hall Hotel, ein 3*-Sterne Hotel, das jetzt zur Mercure-Kette gehört und eine sehr schöne Fassade besitzt, steht das Banbury Cross, eine Art Wahrzeichen der Stadt, das 1859 errichtet wurde und an die Hochzeit von Königin Victorias ältester Tochter, die ebenfalls Victoria hieß, mit Prinz Friedrich von Preußen, dem späteren Kaiser Friedrich III, erinnert. Das steinerne Monument ist 16m hoch und wird an der Spitze von einem vergoldeten Kreuz gekrönt.
Es gibt einen alten Kinderreim aus dem 18. Jahrhundert, in dem das Banbury Cross im Mittelpunkt steht, allerdings ist das ein Vorgänger des gegenwärtigen Monuments: „Ride a Cock Horse to Banbury Cross„. Darin heißt es:

Ride a cock-horse to Banbury Cross,
To see a fine lady upon a white horse;
Rings on her fingers and bells on her toes,
And she shall have music wherever she goes.

Über die Bedeutung des Wortes „cock-horse“ ist man sich nicht ganz einig: Es kann sich dabei entweder um ein „Steckenpferd“ handeln oder um ein Pferd, das zusätzlich bei starken Steigungen vor eine Kutsche gespannt wurde. Und die „Fine Lady“ könnte Lady Godiva oder Elizabeth I sein. Man wird es wohl nie herausbekommen. Hier ist das Lied zu hören.

Wenn man Banburys St Mary’s Church besucht, wird man vor der Kirche einen Gedenkstein finden, der an das Buch „Gullivers Reisen“ (1726) des Schriftstellers Jonathan Swift erinnert. Swift soll bei seinen Spaziergängen über den Kirchhof mehrere Grabsteine gesehen haben, auf denen der Name „Gulliver“ stand, ein in Banbury damals verbreiteter Name. Auf diese Weise fand der Name Eingang in die Weltliteratur.

Vielleicht hat schon jemand einmal von der Süßigkeit „Banbury Cake“ gehört; dieses mit Korinthen gefüllte Gebäck wurde erstmals im 16. Jahrhundert von dem Bäcker Edward Welchman hergestellt. Heute ist es in der Stadt in Oxfordshire nicht mehr oft anzutreffen, aber im „The Banesberie Coffee Shop“ in der Butcher’s Row oder im „Pie in the Sky“ in der Church Lane kann man noch Banbury Cakes kaufen.

Angenehme Erinnerungen habe ich an das Thai Orchid Restaurant (56 North Bar), in dem man zwischen exotischen Pflanzen in einer Art Wintergarten sitzt; auch die Essensqualität dieses von der thailändischen Regierung mit einem Preis ausgezeichneten Restaurant ist sehr gut.

Übrigens: Manchmal hängt über Banbury der Geruch von geröstetem Kaffee; das liegt an einer der weltgrößten Fabriken zur Herstellung von Kaffee, die hier ihren Sitz hat: Kenco Coffee wird hier produziert.

Hier ist ein kurzer Film, der die Stadt Banbury vorstellt.

Das Buch zum Artikel:
Malcolm Graham: Banbury Then & Now. The History Press 2011. 96 Seiten. ISBN 978-0752463421.

St Mary’s Church.
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Whately Hall Hotel.
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Published in: on 23. November 2012 at 02:00  Comments (1)  
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