Bath in Somerset Teil 1: Das Pump Room Orchestra und sein Nachfolger das Pump Room Trio

Der Pump Room, links der Eingang zum Restaurant.
Photo © Rick Crowley (cc-by-sa/2.0)

Bei meinen Besuchen in der Stadt Bath (Somerset) habe ich immer eines vermieden: Ich habe niemals das angeblich heilende Wasser dort probiert. Schon der Geruch allein soll ziemlich übel sein. Der Pump Room und die Roman Baths waren und sind das Zentrum der Heilwasserquellen der Stadt. „Visitors can drink the water or have other refreshments while there„, heißt es auf der englischsprachigen Wikipedia, wobei ich die „other refrehments“ immer vorziehen werde. Der Dandy Beau Nash war zu Beginn des 18. Jahrhunderts der große Zampano in Bath, auf dessen Initiative hin, das Gebäude namens Pump Room errichtet wurde, und Nash gründete auch das Pump Room Orchestra, das für die musikalische Unterhaltung der Gäste sorgen sollte. Er hätte es sicher nicht für möglich gehalten, dass dieses Orchester dreihundert Jahre lang Bestand haben würde.

Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Gebäude durch ein neues ersetzt, in dem das Orchester weiterhin aufspielte. Berühmte Namen der Musikwelt spielten mit dem Orchester wie Arthur Rubinstein und Daniel Melsa beziehungsweise waren Gastdirigenten wie Sir Thomas Beecham und Sir Edward Elgar. In den 1930er Jahren übertrug sogar die BBC Konzerte des Pump Room Orchestras. Nach dem Zweiten Weltkrieg existierte das Orchester nicht mehr; an seine Stelle trat das Pump Room Trio, das bis heute für die Gäste des Restaurants aufspielt. Es sind derzeit Matthew Everett (Geige), Tim Gilbert (Cello) und Derek Stuart-Clark (Klavier) plus Vertretungen. Das Trio spielt täglich von 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr, samstags von 10.30 bis 12.30 Uhr. Das Repertoire reicht von der Oper zum Walzer, vom Tango bis zum Musical.

Touristen lieben es, im Restaurant des Pump Rooms ihren Afternoon Tea einzunehmen und dabei den Melodien des Pump Room Trios zu lauschen.

Hier ist das Trio zu hören.

Das Buch zum Artikel:
Robert and Nicola Hyman: The Pump Room Orchestra Bath – Three Centuries of Music and Social  History. Hobnob Press 2011. 228 Seiten. ISBN 978-0946418749.

Im Pump Room Restaurant.
Author: Gauis Caecilius.
Creative Commons 2.0

Published in: on 14. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Von Halbmonden und Zirkussen – Bath und seine städtebauliche Architektur im 18. Jahrhundert

The Royal Crescent.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

John Wood the Elder (1704-1754) und John Wood the Younger (1728-1782) waren zwei Architekten, die die Stadt Bath architektonisch maßgeblich gestalteten. Bei meiner letzten Englandreise stattete ich Bath wieder einmal einen Besuch ab und kam dabei am imposanten Royal Crescent vorbei, der zu den sehenswertesten Gebäudekomplexen der Stadt gehört, das Werk von John Wood the Younger. Der Grundstein wurde am 19. Mai 1767 gelegt und acht Jahre später war der „Halbmond“, der Crescent, fertig, der erste seiner Art. John Wood junior hätte es sicher gefreut, wenn er damals gewusst hätte, dass sein Bauwerk dazu beitragen sollte, dass Bath 1987 als UNESCO Welterbe anerkannt wurde. Erst hieß das Gebäude The Crescent, nach einem Besuch von Prince Frederick Augustus, Duke of York and Albany Ende des 18. Jahrhunderts durfte der Zusatz „Royal“ davorgesetzt werden. Heute ist dort ein Luxushotel untergebracht, das The Royal Crescent Hotel & Spa, das Museum No.1 Royal Crescent und viele Privatwohnungen. Später übernahmen mehrere andere Städte im Land die Idee mit dem halbmondförmigen Gebäude.

John Wood der Ältere hatte sich schon vor seinem Sohn etwas Ähnliches wie den Crescent ausgedacht, nämlich den Circus, also einen kreisförmigen Gebäudekomplex. Leider verstarb der Architekt schon drei Monate nach der Grundsteinlegung, so dass sein Sohn die Zügel übernehmen musste und den Circus zu Ende baute, 1768 war das der Fall. Die Gebäude des ursprünglich The Kings Circus genannten Komplexes sind außerordentlich reich verziert mit klassischen Säulen und 525 Emblemen und Symbolen. Drei Zugänge führen zu dem inneren Platz, der von einer Grünfläche mit hohen Platanen eingenommen wird. Schon bald nach seiner Errichtung war The Circus eine der besten Adressen der Stadt; der Staatsmann William Pitt the Elder zog hier ein (Nummer 7), sowie der Maler Thomas Gainsborough (Nummer 8)  und der Schriftsteller William Makepeace Thackeray (Nummer 17).

Und weil man in Bath nicht genug bekommen konnte von Crescents und Circuses entwarf der Architekt John Palmer (1738-1817) 1789 auch noch den Lansdown Crescent, der 1793 fertig gestellt wurde.

Hier ist ein Film über die genannten Gebäude.

The Bath Circus.
Photo © Roger Beale (cc-by-sa/2.0)

Der Lansdown Crescent.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. August 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Bizarre Bath Comedy Walk – Ein etwas anderer Stadtrundgang

Blick auf Bath (Somerset) - © Copyright Roger Beale and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Man kann eine Stadt erkunden, indem man sich an einen regulären Stadtrundgang anschließt und hinterher einiges über den Ort weiß (wenn man genau zugehört hat). Wer aber an Jahreszahlen und historischen Ereignissen nicht so besonders interessiert ist, beginnt sich schnell zu langweilen. An genau diese Zielgruppe hat man in der alten Stadt Bath im Westen Englands gedacht, als man vor 20 Jahren einen ganz anderen Stadtrundgang ins Leben gerufen hat, den „Bizarre Bath Comedy Walk„.

Ausgedacht hat sich diese Tour der aus Bath stammende Comedian Noel Britten. Hier erfährt man relativ wenig über die Geschichte der Stadt; die Tour ist „hysterical rather than historical“ (so das Buch „Strangest Tours in Britain“). Man versammelt sich allabendlich um 20 Uhr vor dem Pub „Huntsman Inn“ in der North Parade Passage und dann gibt es für 90 Minuten Gelächter ohne Ende, während man langsam durch das abendliche Bath schlendert. £8.00 kostet die Teilnahme und die Resonanz derjenigen, die schon einmal an dem Comedy Walk teilgenommen haben, ist überwiegend positiv. Am besten, man sieht sich das einmal in einem Film an.

Bis zum 29. Oktober finden diese Rundgänge täglich statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich; man trifft sich einfach um 20 Uhr vor dem Pub und sobald mindestens 8 Teilnehmer da sind, geht es los.

Published in: on 4. Juli 2011 at 04:00  Kommentar verfassen  
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