Noch einmal: Beachy Head (East Sussex), der Ort mit den meisten Selbstmorden in Großbritannien

Vor über sieben Jahren befasste ich mich in meinem Blog über die Steilküste von Beachy Head, westlich von Eastbourne in East Sussex. Sowohl vom Meer aus, als auch von den Klippen selbst, sieht Beachy Head grandios aus, leider ist dieser Ort aber auch ein sehr trauriger, denn nirgendwo in Großbritannien gibt es derart viele Selbstmorde wie hier. Menschen stürzen sich aus verzweifelten Lebenslagen, aus denen sie keinen anderen Ausweg mehr sehen, 160 Meter die steilen Klippen hinunter.

In diesen letzten sieben Jahren ist es sogar noch schlimmer geworden. Die Klippen werden rund um die Uhr überwacht, und das Beachy Head Chaplaincy Team, Geistliche aus den umliegenden Kirchen, die hier Freiwilligenarbeit leisten, steht rund um die Uhr zur Verfügung. Zu Fuß und mit dem Auto werden an den Klippen Patrouillengänge und -fahrten vorgenommen, um Menschenleben zu retten. Durch Gespräche versucht man den verzweifelten Menschen zu helfen und ihnen klar zu machen, dass es bessere Auswege aus ihren Problemen gibt. Durchschnittlich viermal in 24 Stunden wird das Beachy Head Chaplaincy Team herbeigerufen, um zu intervenieren, bisher ca zehntausendmal. Hier ist ein Film über die Arbeit des Teams.

Die Fotografin Wendy Pye aus Brighton hat sich in ihren Arbeiten mit dem Beachy Head befasst und eindrucksvolle Fotos gemacht, zum Beispiel von sorgfältig gefalteten Kleidungsstücken direkt an den Klippen, hinterlassen von jemandem, der hinunter gesprungen ist. Immer mehr Kreuze werden hier oben aufgestellt, Blumen an die Zaunpfosten gebunden und Stofftiere am Klippenrand platziert. In ihrem Film „Six Feet From the Edge“ hat Wendy Pye eine Kamera aufgestellt und eine Zeit lang die Menschen gefilmt, die dicht am Abgrund vorbeigehen.

Zum Abschluss ein Film über eine junge Frau, die kurz davor war, sich am Beachy Head das Leben zu nehmen, von ihrem Bruder erzählt.

Published in: on 21. Mai 2020 at 02:00  Comments (4)  
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Beachy Head – Großbritanniens Ort mit der höchsten Selbstmordrate

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Wenn man von Eastbourne in East Sussex nach Brighton fahren will, kann man über die A259 am schnellsten ans Ziel gelangen. Eine schönere Alternative stellt allerdings die B2103 dar, die Eastbourne in südwestlicher Richtung als Verlängerung der Strandpromenade verlässt und sich langsam die Hügel hinaufschraubt und dort zur Beachy Head Road wird. An einer Abzweigung verlässt man die B-Straße und bleibt auf der linksabbiegenden Beachy Head Road. Von da oben hat man einen sehr schönen Blick auf Eastbourne.

Auf der anderen, nach Süden gehenden Seite trifft man auf den Beachy Head, eine beeindruckende Klippenlandschaft, von der es 162 Meter tief nach unten geht…ohne jegliche Umzäunung. So kommt es Jahr für Jahr zu zahlreichen Todesfällen: Unglücksfälle, Selbstmorde, Morde. Manchmal lässt sich das nicht mehr genau feststellen. Um die 80 Menschen sollen hier jedes Jahr ums Leben kommen (die Zahlen schwanken hier allerdings stark!). Beachy Head ist nach der Golden Gate Bridge in San Francisco und dem Aokigahara-Wald in Japan der Ort mit der dritthöchsten Selbstmordrate (ca 20 pro Jahr) in der ganzen Welt. Die Samariter haben an einer Telefonzelle oben an der Beachy Head Road ein Schild mit ihrer Telefonnummer aufgestellt, an die sich verzweifelte Menschen rund um die Uhr wenden können.
Im Oktober 2012 lenkte ein Mann sein Auto über die Klippen und stürzte in die Tiefe; im März sprangen eine 81jährige Frau und ihr Sohn von dort oben in den Tod, weil man bei ihm Fotos mit Kinderpornografie gefunden hatte. Im September ließ sich ein psychisch gestörter Mann mit einem Taxi zu den Klippen bringen, um sich das Leben zu nehmen.

Es ereignen sich am Beachy Head aber auch immer wieder tödlich endende Unfälle, weil Spaziergänger einfach zu leichtsinnig sind und sich zu dicht an den Abgrund wagen. Oft herrschen hier oben starke Winde, die zusätzlich die Gefahr eines Absturzes verstärken.
Hier ist ein Film über die Klippen von Beachy Head.

1987 nahm die Band The Cure einen Song mit dem Titel „Just Like Heaven auf; das Musikvideo dazu entstand genau am Rand der Klippen.

Das Buch zum Artikel:
Tom Hunt: Cliffs of Despair – A Journey to Suicide’s Edge. Random House 2006. 244 Seiten. ISBN 978-0375507151.

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Published in: on 13. Januar 2013 at 02:00  Comments (7)  
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