Der Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton und Beaconsfield in Buckinghamshire

The White Hart, erste Anlaufstation für Chesterton und seine Frau.   © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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In Deutschland ist der Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton (1874-1936) , vor allem durch seine Pater Brown-Romane bekannt geworden, die mehrfach verfilmt wurden, zuletzt von der BBC in der TV-Serie „Father Brown“ (dt. „Father Brown – Immer einen Tick voraus“).
Chesterton verbrachte die letzten 27 Jahre seines Lebens in der Kleinstadt Beaconsfield in Buckinghamshire (ich berichtete in meinem Blog über meinen Besuch dort). Der Zufall führte den Londoner hierhin. Eines Tages im Jahr 1909 gingen er und seine Frau zu dem Londoner Bahnhof Paddington Station und fragten am Ticketschalter, wohin der nächste Zug fahren würde. Slough war die Antwort, also stiegen sie ein und fuhren in die westlich von London gelegene Stadt. Von hier aus wanderten die Chestertons nach Norden, bis sie zufällig nach Beaconsfield kamen. Hier nahmen sie ein Zimmer in The White Hart, der noch heute an der großen Straßenkreuzung steht, an der vier Straßen in einem Kreisverkehr aufeinanderstoßen. Gilbert Keith und Frances Chesterton gefiel es hier so gut, dass sie sich entschlossen, von London nach Beaconsfield zu ziehen. Ihr erstes Haus, Overroads, liegt an der Grove Road, die von der Station Road abzweigt und heute die Hausnummer 2 trägt. 1922 zogen sie auf die andere Straßenseite, wo sie ein größeres Haus, Top Meadow, gekauft hatten. Dort erinnert eine blaue Plakette über der Eingangstür an den früheren berühmten Bewohner. Die Grove Road ist eine hübsche baumbestandene Straße mit sehr ansehnlichen Häusern. Man merkt, dass Beaconsfield zu den wohlhabendsten Städten im Speckgürtel von London gehört.

Ein gern gesehener Gast in der Grove Road war Father John O’Connor, ein katholischer Priester aus Yorkshire, der Chesterton zu seiner literarischen Figur des Pater Brown inspirierte. 1926 wurde in Beaconsfield eine neue katholische Kirche gebaut, die Church of St Teresa, der sich Chesterton sehr verbunden fühlte und in der sich mehrere Erinnerungsstücke an ihn befinden. Die der Heiligen Thérèse von Lisieux gewidmete Kirche in der Warwick Road im neuen Teil von Beaconsfield steht übrigens genau gegenüber des Eingangs zum Bekonscot Model Village (ich berichtete in meinem Blog darüber). Hier ist ein Film über die Kirche.

Der Schriftsteller starb am 14. Juni 1936 in seinem Haus Top Meadow und wurde auf dem Friedhof an der Shepherds Lane beerdigt, nur wenige Schritte von der Grove Road entfernt. Sein Grabstein wurde von dem berühmten Bildhauer Eric Gill entworfen und trägt die Inschrift

Pray for the souls of Gilbert Keith Chesterton born May 29 1874 died June 14 1936 & of Frances his wife born June 28 1869 died Dec 12 1938. Termino nobis donet in patria. And for Dorothy Collins born 11 June 1984 died 8 September 1988„.
Dorothy Collins war Chestertons langjährige Sekretärin, die so etwas wie eine Tochterrolle des kinderlosen Ehepaars angenommen hatte.
Der Originalgrabstein wurde im Jahr 2006 durch einen neuen ersetzt, da dieser im Laufe der Jahre sehr in Mitleidenschaft gezogen worden war.

Wer einmal in diese Gegend von Buckinghamshire kommt, dem kann ich einen Besuch in dieser außergewöhnlich schönen Kleinstadt sehr empfehlen. Inspector Barnaby-Fans werden hier voll auf ihre Kosten kommen, denn hier fanden immer wieder Dreharbeiten statt.

Church of St Teresa in der Warwick Road.   © Copyright Basher Eyre and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Erinnerungstafel an Chesterton in der Church of St Teresa.   © Copyright Basher Eyre and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Beaconsfield in Buckinghamshire

St Mary and all Saints. Eigenes Foto.

St Mary and all Saints.
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Ich glaube, es gibt in der TV-Serie „Midsomer Murders“ bzw. „Inspector Barnaby“ keinen Ort, der so oft zu sehen war wie die Kleinstadt Beaconsfield in Buckinghamshire; wenn ich richtig gezählt habe, wurden hier über 20 Episoden gedreht. Im September diesen Jahres besuchte ich die Stadt an einem Sonntagvormittag und war sehr von ihr angetan. Wie in der Nachbarstadt Amersham (ich berichtete in meinem Blog darüber) ist auch Beaconsfield in eine Old Town und eine New Town aufgeteilt, wobei die Old Town natürlich die sehenswertere ist.

Das Zentrum der Old Town bildet der große Kreisverkehr, von dem vier Straßen in alle Himmelsrichtungen abgehen. Wir parkten direkt an dem Roundabout vor dem Reading Room, der in der Episode 69  „Secrets and Spies“ (deutsch: „Sportler und Spione“) als das Causton Museum herhalten musste, in dem DS Ben Jones mit der jungen Dame aus dem Museum flirtete (oder besser: Sie mit ihm). Da man schon mal in Beaconsfield war, drehte man hier auch gleich in dieser Episode die Szenen, in denen der exzentrische Malcolm Frazer seine Beerdigung probt und hinter dem Leichenwagen mit seinem Sarg her fährt.
Windsor End heißt die Straße, an der in einem sehr schönen Fachwerkhaus The Old Tea House zu finden ist, Schauplatz einer Szene in Episode 11 „Blue Herings“ (dt. „Drei tote alte Damen“), in der Inspector Barnaby Hilary Richards trifft.

Gegenüber vom Old Tea House steht die Kirche St Mary’s & All Saints, Schauplatz zweier Folgen. Zu sehen ist die Kirche in Folge 48 „Four Funerals and a Wedding“ (dt. „Erst morden, dann heiraten“) und der Kirchhof in Episode 35 „Ghosts of Christmas Past“ (dt. „Haus voller Hass“).

In der Straße London End, die auch von dem oben genannten Kreisverkehr abgeht, stehen viele Geschäfte, die in zahlreichen Episoden zu sehen sind, z.B. der Lingerie-Laden „Femme Fatale“ in der Nummer 16, Schauplatz einer Szene in einer meiner Lieblingsfolgen, der Epiosde 37, „Dead in the Water“ (dt. „Nass und tot“), in der Hettie Trent, gespielt von Clemency Burton-Hill (ich berichtete über sie), arbeitet.
Ebenfalls in London End, zwischen einem Friseur und einer Pizzeria, in der Nummer 52,  findet man den Juwelier Bradley’s of Beaconsfield, in den Inspector Barnaby in Folge 46 „Vixen’s Run“ (dt. „Der Krieg der Witwen“) geht.

Die Straße Aylesbury End, die am Kreisverkehr mitten im Ort beginnt, diente als Schauplatz für die Santa Parade in Folge 98 „The Christmas Haunting“ (dt. „Wer mit Geistern spielt“) mit dem „neuen“ Inspector John Barnaby und seinem neuen Detective Sergeant Charlie Nelson.

Übrigens war auch das Produktionsteam von „Downton Abbey“ einige Male in Beaconsfield zu Gast; gedreht wurde in Hall Place in Wycombe End, das als das Haus von Isobel Crawley fungiert. Die Innenszenen drehte man hier, die Außenszenen in Bampton in Oxfordshire.

Die New Town von Beaconsfield ist der Standort des Bekonscot Model Villages, über das ich bereits in meinem Blog in Zusammenhang mit „Inspector Barnabys „Episode 71 „Small Mercies“ (dt. „Böse kleine Welt“) berichtete.

Beaconsfield wurde auch einmal in einem Lied verewigt: „On the Road to Beaconsfield“ von der Band The Hit Parade.

The Old Tea House in Windsor End. Eigenes Foto.

The Old Tea House in Windsor End.
Eigenes Foto.

Windsor End. Eigenes Foto.

Windsor End.
Eigenes Foto.

Ein schönes altes Fachwerkhaus im Zentrum. Eigenes Foto.

Ein schönes altes Fachwerkhaus im Zentrum.
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Der Juwelier Bradley's of Beaconsfield.   © Copyright Basher Eyre and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Juwelier Bradley’s of Beaconsfield.
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Published in: on 4. November 2014 at 02:00  Comments (2)  
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Bekonscot in Beaconsfield (Buckinghamshire) – Das älteste Miniaturdorf der Welt

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Gestern sah ich die Episode 71 der TV-Krimiserie „Midsomer Murders“ = Inspector Barnaby, die den Titel „Small Mercies“ trägt (dt. „Böse kleine Welt“).  Die Episode beginnt mit einem Mord in einem Modelldorf, wo der Täter sein Opfer fest auf dem Boden verzurrt und dann getötet hat.

Gedreht wurde diese Midsomer Murders-Folge im Bekonscot Model Village in Beaconsfield in Buckinghamshire, das 1929 eröffnet und damit das älteste Modelldorf der Welt ist. Die große Anlage, die kreuz und quer von Modelleisenbahnen durchfahren wird, stellt ein typisch englisches Dorf aus den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts dar.
Das Model Village besteht eigentlich aus mehreren Ortschaften, von denen Bekonscot nur eine ist, die anderen heißen

Greenhaily, Southpool, Hanton, Splashyng, Evenlode und Epwood.

Jeder Ort hat einen eigenen Charakter. Insgesamt finden sich hier über 200 Gebäude, 3000 Miniaturmenschen und zahllose Fahrzeuge.

Roland Callingham hat die Anlage in den 20er Jahren entworfen. Ein großer Fan von Bekonscot war die berühmte Kinderbuchautorin Enid Blyton, die ganz in der Nähe wohnte und deren Haus „Greenhedges„, das abgerissen wurde, hier im Miniaturdorf zu finden ist. Sie schrieb auch eine Kurzgeschichte über Bekonscot „The Enchanted Village„.
Ein großer Teil der Einnahmen aus den Eintrittsgeldern kommt übrigens wohltätigen Zwecken zugute. So sind insgesamt schon £5 Millionen verteilt worden.

Bekonscot Model Village ist bis zum 30. Oktober täglich von 10 – 17 Uhr geöffnet. Hier ist eine Rundfahrt mit der Eisenbahn durch die Anlage zu sehen.

Bekonscot Model Village
Warwick Road
Beaconsfield HP9 2PL
Tel. 01494 672919

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