Beating of the Bounds in Rochester (Kent)

Rochester Pier am River Medway.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)

Über den alten Brauch „Beating of the Bounds“ schrieb ich in meinem Blog schon einmal im April 2018. „Da zieht ein Priester mit einer Gruppe von Gemeindemitgliedern und Kindern durch die Kirchengemeinde, alle mit Stöcken „bewaffnet“, die alle Grenzsteine bzw. Grenzmarkierungen aufsuchen, die dann mit den Stöcken „geschlagen“ werden.“

Auch in der Stadt Rochester in Kent wird dieser Brauch durchgeführt, allerdings auf etwas andere Art. Der Bürgermeister der Stadt ist gleichzeitig „Admiral of the Waters of the River Medway“ und in dieser Funktion nimmt er alljährlich am Beating of the Bounds teil, die die Rochester Oyster and Floating Fishery und der Rochester Cruising Club organisieren.

Dieser Zeremonie läuft folgendermaßen ab: An einem Wochenende Ende Juni, Anfang Juli, startet das Boot am Samstag mit dem Admiral an Bord, vom Rochester Pier aus und macht sich auf dem River Medway auf den Weg, gefolgt von vielen anderen Schiffen, zum Hawkwood Stone, der die Grenze zum Maidstone-Bezirk darstellt und wo der Mayor of Maidstone mit dazu stößt. Anschließend geht es wieder zurück nach Rochester. Am Sonntag geht es in die andere Richtung zur Mündung des Medway, wo vor der Küste von Sheerness zwei Wracks liegen. Die HMS Bulwark sank hier am 26. November 1914 durch eine gewaltige Munitionskammerexplosion, bei der 738 Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Hier legt der Admiral einen Kranz zum Gedenken an die Toten ins Wasser. Von dort geht es weiter zum Wrack der SS Richard Montgomery, einem US-amerikanischen Frachter, der am 20. August 1944 vor Sheerness gesunken ist. Das Schiff, deren Masten noch zu sehen sind, hatte hunderte von Tonnen Munition an Bord, die noch heute eine tickende Zeitbombe darstellen, denn die Bomben konnten nicht geborgen werden. Auch an dieser Stelle legt der Admiral of the Waters of the River Medway einen Kranz nieder. Danach machen sich die Schiffe wieder auf den Weg zur Rochester Pier zurück und die Beating of the Bounds ist beendet.

Hier ist ein kurzer Film über die Zeremonie.

Das Wrack der SS Richard Montgomery vor Sheerness.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Beating the Bounds – Ein alter Brauch, der noch heute ausgeübt wird

Beating the Bounds in Cambridge.
Photo © Tiger (cc-by-sa/2.0)

In einigen dörflichen aber auch städtischen Kirchengemeinden wird auch heute noch ein uralter Brauch ausgeübt, der sich „Beating the Bounds“ nennt und in etwa mit „Schlagen der Grenzsteine“ übersetzt werden kann. Da zieht ein Priester mit einer Gruppe von Gemeindemitgliedern und Kindern durch die Kirchengemeinde, alle mit Stöcken „bewaffnet“, die alle Grenzsteine bzw. Grenzmarkierungen aufsuchen, die dann mit den Stöcken „geschlagen“ werden.
Wozu soll das gut sein? Dieser Brauch sollte ursprünglich dazu dienen, dem kirchlichen Nachwuchs (es waren häufig Chorknaben) zu zeigen, wo sich genau die Grenzen der Gemeinde befinden, und damit die sich das auch gut einprägten, wurden sie an den Grenzsteinen manchmal auch mit den Stöcken geschlagen oder mit dem Kopf dagegen gestoßen. Diese brutale Form der Gedächtnisaufbesserung findet sich glücklicherweise heute nicht mehr.

Benedict le Vay beschreibt in seinem Buch „Eccentric Oxford“ wie Beating the Bounds in der Gemeinde St Michael in Oxford abläuft. Da zieht am Himmelfahrtstag der Vikar mit seiner Gemeinde drei Stunden lang durch die Gegend, um die 30 Grenzsteine aufzusuchen, die dann mit den Worten „Mark! Mark! Mark!“ geschlagen werden. Das kann dann zu so kuriosen Situationen führen, dass die Gruppe mitten durch die Damenunterwäscheabteilung von Marks & Spencer zieht und dort den Fußboden mit ihren Stöcken bearbeitet oder dass die Außenwand einer Filiale der Drogeriekette Boots the Chemist geschlagen wird.

Jede Kirchengemeinde, die Beating the Bounds heute noch praktiziert, hat seine Besonderheiten. Je nach Größe kann das Ganze sogar mehrere Tage dauern. In ländlichen Regionen wie z.B. dem Dartmoor wird bei dieser Prozession auch gleich geprüft, ob die Inschrift der Grenzsteine noch leserlich ist.
Mögen diese alten Traditionen noch möglichst lange beibehalten werden!

Dieser Film zeigt wie Beating the Bounds in der Kirchengemeinde von St Michael in Oxford abläuft.

Ein Boundary Stone bei Greystone in Lancashire.
Photo © Dr Neil Clifton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. April 2018 at 02:00  Comments (2)  
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