Berwick-upon-Tweed (Northumberland) Teil 2: Lawrence Stephen Lowry, der „Streichholzmännchen-Maler“, und der Lowry Trail

Dewar's Lane: Ausgangspunkt des Lowry Trails.    © Copyright Barbara Carr and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Dewar’s Lane: Ausgangspunkt des Lowry Trails.
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Lawrence Stephen Lowry (1887-1976) war ein Maler aus Manchester, der nicht nur lokale und regionale Berühmtheit erreichte, aber dem Norden Englands immer verbunden blieb. Am bekanntesten wurde er durch seine Darstellungen der Industrielandschaft, die er mit zahllosen „matchstickmen„, also Streichholzmännchen, bevölkerte. Lowry lebte den größten Teil seines Lebens in Pendlebury, das zu Salford in Greater Manchester gehört. Viele seiner Bilder und Zeichnungen finden sich denn auch in der Galerie des Lowry Centres in Salford. Seine Werke wurden sogar besungen, und zwar 1968 von der Rockgruppe Status Quo mit „Pictures of Matchstick Men“ (hier zu hören) und von Brian and Michael, deren „Matchstick Men and Matchstick Cats and Dogs (Lowry’s Song)“ 1978 Platz Eins der britischen Charts erreichte (hier zu hören).

Nicht ganz so bekannt wie seine Streichholzmännchenbilder sind seine Bilder, die er in Berwick-upon-Tweed malte. Lowry liebte die Stadt im hohen Norden und besuchte sie häufig. Hier fand er Motive in Hülle und Fülle, die Kopfsteinstraßen, enge Gässchen, Strandmotive usw. usw. Am liebsten wohnte der Maler im Castle Hotel, einem hübschen Haus in der Straße Castlegate.

Zu Lowrys Ehren hat der Berwick Preservation Trust in der Stadt den Lowry Trail eingerichtet, der aus 18 Stationen besteht, an denen man das jeweilige gemalte Bild mit dem Originalschauplatz vergleichen kann. Es geht los an der Dewar’s Lane; über die Palace Street führt der Weg weiter zur Pier und zum Wasser. Von dort aus wieder zurück in die Stadtmitte zur Town Hall und zum Strother’s Yard, weiter über die Berwick Bridge zum Stadtteil Tweedmouth, zum Hafen und bis zur Spittal Promenade. Alles in allem ein sehr schöner, etwa acht Kilometer langer Spaziergang, auf dem man Berwick-upon-Tweed kennenlernen kann.

Der Maler war von der Stadt so beeindruckt, dass er ernsthaft überlegte, ganz nach Berwick überzusiedeln. Er hatte sogar schon an einem Haus gefallen gefunden, The Lion’s House, das auch an dem Trail liegt. Letztlich entschied er sich aber gegen den Kauf des Hauses, das zwar einen wunderschönen Blick aufs Meer bot, aber leider ziemlich heruntergekommen war.

Dieser Film zeigt die Stationen des Lowry Trails.

Berwick Pier.    © Copyright Jonathan Hutchins and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Berwick Pier.
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The Lion's House, an dem Lowry sehr interessiert war.    © Copyright M J Richardson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Lion’s House, an dem Lowry sehr interessiert war.
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Berwick Town Hall.    © Copyright DS Pugh and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Berwick Town Hall.
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Berwick-upon-Tweed (Northumberland) Teil 1: Der Kriegszustand zwischen Russland und der kleinen Stadt im Norden Englands

Die Drei-Brückenstadt Berwick-upon-Twedd.    © Copyright M J Richardson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Drei-Brückenstadt Berwick-upon-Tweed.
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Berwick-upon-Tweed im äußersten Nordwesten Englands in der Grafschaft Northumberland ist schon eine bemerkenswerte kleine Stadt. Geprägt ist sie durch die Nähe zu Schottland (die Grenze ist nur vier Kilometer entfernt) und so gehörte die Stadt im Laufe der Geschichte mal zu England, mal zu Schottland, mal zu England, mal zu Schottland usw.

Der örtliche Fußballverein, die Berwick Rangers (ich berichtete in meinem Blog), spielt als einziger Fußballclub Englands in der schottischen Liga, weil die Anreise zu den Spielorten in England einfach zu weit wäre.

Berwick-upon-Tweed nahm immer einen Sonderstatus ein und, so hieß es immer wieder, und es ist eine wirklich schöne Geschichte, so soll sich die Drei-Brückenstadt am River Tweed eine Zeitlang sogar im Kriegszustand mit Russland befunden haben. Wie kam es dazu?

Am 28. März 1854 erklärte England Russland den Krieg und Königin Victoria soll die Kriegserklärung mit ihrem vollen Titel „Queen  of Great Britain , Ireland, Berwick-upon-Tweed  and the British Dominions“ unterschrieben haben. Der Krimkrieg fand am 30. März 1856 mit dem Dritten Pariser Frieden sein Ende; der Friedensvertrag wurde von den Kriegsbeteiligten unterschrieben. Dabei soll der Zusatz „Berwick-upon-Tweed“ vergessen worden sein, d.h. die Stadt in Nordengland befand sich nach wie vor mit Russland im Krieg.

Im April 1914 wurde dieser merkwürdige Zustand entdeckt, von Zeitungen aufgegriffen und bezweifelt, auf jeden Fall war Berwick-upon-Tweed immer mal wieder im Gespräch. In den 1960er Jahren, so erzählte man sich in der Stadt, soll ein Offizieller aus der Sowjetunion angereist ein, der per Unterschrift den Kriegszustand mit Berwick beendete. Der Bürgermeister der Stadt habe dem sowjetischen Beamten aufgetragen, seiner Bevölkerung mitzuteilen, dass sie ab jetzt ruhig schlafen könne, denn sie brauchte keine Angst mehr vor Berwick zu haben.

Stimmt das nun alles oder ist das nur Legendenbildung? Das britische Außenministerium hatte schon in den 1930er Jahren ausgiebig in den Archiven recherchiert und keinerlei Hinweise darauf gefunden, dass in der Kriegserklärung der Name „Berwick-upon-Tweed“ genannt wurde und darum natürlich auch nicht im Friedensvertrag.

Schade, aber eine schöne Geschichte ist es trotzdem!

Eine auf Russland gerichtete Kanone im Hafen von Berwick?    © Copyright James Allan and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine auf Russland gerichtete Kanone im Hafen von Berwick?
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Published in: on 10. August 2015 at 02:00  Kommentar verfassen  
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