Mein Buchtipp – Ben Aitken: Dear Bill Bryson* – Footnotes from a Small Island

Foto meines Exemplares.

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In der rue de la Bûcherie im 5. Pariser Arrondissement liegt die berühmte Buchhandlung Shakespeare & Company, seit Jahrzehnten Treffpunkt unzähliger britischer und US-amerikanischer Schriftsteller. Ich kannte noch den Gründer George Whitman, der sich bei einem meiner Besuche ungeniert mitten zwischen den engstehenden Buchregalen sein Mittagessen in einer Pfanne zubereitete. Viele der Besucher dürfen auch in der Buchhandlung übernachten…wie zum Beispiel der junge Engländer Ben Aitken, der hier im Cinquième Arrondissement große Teile seines Buches „Dear Bill Bryson* Footnotes from a Small Island“ schrieb, das Ergebnis einer Reise kreuz und quer durch Großbritannien, auf den Spuren des Reiseschriftstellers Bill Bryson.

1995 veröffentlichte der in England lebende Amerikaner Bill Bryson sein Buch „Notes from a Small Island„, das in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Reif für die Insel: England für Anfänger und Fortgeschrittene“ erschien. Darin hielt er die Erlebnisse seiner UK-Rundreise fest. Im vorigen Jahr, also genau zwanzig Jahre nach seiner ersten Reise wiederholte Bill Bryson die Tour noch einmal, um zu sehen, was sich seitdem verändert hat. Der Titel dieses Buches „The Road to Little Dribbling: more Notes from a Small Island“ (dt. „It’s teatime, my dear! Wieder reif für die Insel„); ich berichtete in meinem Blog darüber.

Ben Aitken nahm sich also die „Notes from a Small Island“ vor und reiste exakt zu den gleichen Plätzen wie Bryson, versuchte, wenn möglich, in den gleichen Hotels zu übernachten und in den gleichen Restaurants zu essen. Aitken ist ein witziger Typ, seine Eindrücke von den Orten und Plätzen sind oft nicht deckungsgleich mit denen des Amerikaners. Gut, zwanzig Jahre sind vergangen und es hat sich einiges verändert, aber die Herangehensweise an die Reise ist doch eine andere. Aitken versucht, wenn immer es geht, kostenlose Übernachtungen in Hotels zu bekommen, mit dem Hinweis, dass er auf den Spuren Brysons reise und ein Buch darüber schreiben will. Oft gelingt das sogar.

Aitken ist kein bedingungsloser Fan Brysons, hin und wieder macht er sich lustig über dessen Übergewicht und Trinkgewohnheiten. The Manchester Review fasst den Reisebericht treffend so zusammen: „Dear Bill Bryson is a travelogue, homage, critique and sometimes-farce rolled into one„.
Ich habe das Buch mit viel Vergnügen gelesen und kann es sehr empfehlen.

Ben Aitken: Dear Bill Bryson* – Footnotes from a Small Island. Not Bad Books 2015. 350 Seiten. ISBN 978-0-9933643-0-3

Mit diesem Buch in der Hand reiste Ben Aitken durch Großbritannien. Foto meines Exemplares.

Mit diesem Buch in der Hand reiste Ben Aitken durch Großbritannien.
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In dieser Pariser Buchhandlung schrieb Ben Aitken große Teile seines Buches. Author: Christine Zenino. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

In dieser Pariser Buchhandlung schrieb Ben Aitken große Teile seines Buches.
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Published in: on 27. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Bill Bryson: The Road to Little Dribbling – More Notes From a Small Island

Foto meines Exemplares.

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Vor exakt 20 Jahren las ich Bill Brysons Buch „Notes From a Small Island„* und war davon so begeistert, dass ich seitdem sämtliche seiner Bücher verschlungen habe. In den „Notes“ schreibt er von seiner ersten Reise quer durch England; ein wunderbares humorvolles Buch.
Als ich vor einigen Monaten hörte, dass er noch einmal einen Trip durch das Land gemacht hat und das Ergebnis dieser Reise wieder in Buchform erscheinen soll, war ich voller Erwartung und freute mich schon auf die Lektüre. Am 8. Oktober wurde dann „The Road to Little Dribbling: More Notes From a Small Island“ veröffentlicht, und ich habe es mit der gleichen Begeisterung wie den ersten Band gelesen. Der US-Amerikaner aus Iowa, der seine zweite Heimat in England gefunden hat, ist einfach ein begnadeter Schriftsteller mit einem unvergleichlichen Humor. Der Daily Telegraph schrieb über das Buch „Hugely funny (not snigger-snigger funny, but great-big-belly-laugh-till-you-cry-funny)„; sehr schön formuliert, wobei ich die Lektüre auch „snigger-snigger funny“ fand.

Bill Bryson folgte auf seiner Reise nicht den Spuren seines ersten Aufenthaltes, sondern schlug eine andere Route ein, die ihn vom Süden des Landes, von „Bugger Bognor“, bis zum äußersten Nordwestzipfel Schottlands, zum Cape Wrath führte. Er schildert auf der Wegstrecke ein Land, in das er sich schon seit langem verliebt hat; sieht aber auch die Gefahren, dass sich England weiter zu seinen Ungunsten verändern wird. Verödete High Streets, Seebäder, in die kaum noch jemand kommt, Pubsterben, Vermüllung der Landschaft, das sind nur einige der kritischen Punkte, mit denen England kämpft. Bill Bryson ist aber auch immer wieder begeistert von der wunderbaren Natur des Inselstaates, und er setzt sich für deren Erhaltung ein. Einige Jahre lang war er Präsident der Campaign To Protect Rural England.

„The Road to Little Dribbling“ ist ein wunderbares Buch mit leider nur 384 Seiten. Der letzte Satz des Waschzettels fasst den Inhalt prägnant zusammen: „Bryson gives us an acute and perspective insight into all that is best and worst about Britain today„.
Dies ist mein persönliches Buch des Jahres, das ich jedem empfehlen kann, der sich auch nur ansatzweise für Großbritannien interessiert (Bryson bereist nicht nur England, sondern auch Wales und Schottland). Dem kritischen Artikel über das Buch in Mail Online kann ich nicht zustimmen. Hier ist ein Interview mit ihm.
Das wunderschöne Umschlagbild stammt übrigens von dem renommierten Cover Art-Künstler Neil Gower.

Wann eine Übersetzung ins Deutsche erscheinen wird, konnte ich leider noch nicht ermitteln.

*Das Buch wurde 1999 als Fernsehserie verfilmt. Hier ist Teil 1 zu sehen.

Bill Bryson: The Road to Little Dribbling – More Notes From a Small Island. Doubleday 2015. 384 Seiten. ISBN 978-0-857-52234-4.

Nachtrag vom 01.05.2016: Am 25. April erschien die deutsche Übersetzung des Buches im Goldmann-Verlag unter dem Titel „It’s teatime, my dear!: Wieder reif für die Insel“.

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Published in: on 28. Oktober 2015 at 02:00  Comments (8)  
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Wramplingham in Norfolk – Sein Village Sign und ein berühmter amerikanischer Schriftsteller

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Im Allgemeinen findet man Village Signs am Dorfanger oder am Dorfein- bzw. ausgang. In Wramplingham in der Grafschaft Norfolk ist das anders, da steht das Schild in einem Teich, der einmal zu einer Mühle gehörte, die aber 1945 abgerissen wurde. Das hübsche Dorfschild, das dort in dem Gewässer relativ sicher vor Chaoten und Zerstörern ist, wird von der alten Wassermühle mit ihrem großen Mühlrad geprägt, daneben ist ein stilisierter Baum zu sehen und das ganze Bild wird von einem kunstgeschmiedeten Rahmen umgeben. Im Gegensatz zu vielen anderen Village Signs sucht man hier die Dorfkirche St Peter & St Paul vergeblich. Der Teich mit seinem Dorfschild liegt an der Hauptstraße von Wramplingham, die man (recht fantasielos) The Street genannt hat.

Von The Street geht die Wymondham Road ab, an der St Peter & St Paul liegt, eine hübsche Kirche mit einem runden Turm. Daneben ist eine Zufahrt zur Old Rectory, ein von Bäumen und Büschen gesäumtes Haus, in dem einer der berühmtesten und meiner Ansicht nach besten Reiseschriftsteller wohnt, der Amerikaner Bill Bryson. Hier im ländlichen Norfolk hat er sich niedergelassen und sein altes Haus gab ihm die Inspiration, sein Buch „At Home: A Short History of Private Life“ (dt. „Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge“) zu schreiben. Bei einem Ausflug auf den Boden seines Hauses findet er eine geheimnisvolle Tür, die auf das Dach führt, von wo aus er einen grandiosen Blick auf die flache Landschaft der Grafschaft hat. Bill Bryson kommt ins Grübeln und bei einem Rundgang durch das frühere Pfarrhaus entwickelt sich die Idee, sich einmal mit den ganz gewöhnlichen Dingen des täglichen Lebens auseinanderzusetzen. Was hat es mit dem Dachboden und dem Treppenhaus auf sich, dem Wohnzimmer und dem Schlafzimmer, der Speisekammer und dem Keller? Er geht den Dingen auf den Grund und es entstand ein 640 Seiten starkes Buch, das, wie bei ihm eine Selbstverständlichkeit, locker und humorvoll geschrieben ist und nie langweilig wird.

Bill Bryson ist zwar US-Amerikaner, aber er hat sich um seine Wahlheimat verdient gemacht, so erhielt er den Orden „Order of the British Empire„, wurde 2013 Fellow of the Royal Society, und die Bibliothek der Universität von Durham, deren Kanzler er von 2005 bis 2011 war, wurde in Bill Bryson Library umbenannt.
Es bleibt zu hoffen, dass der 62jährige Amerikaner in der Ruhe und Abgeschiedenheit der Old Rectory in Wramplingham (die nur hin und wieder von den Glocken der St Peter & St Paul-Kirche unterbrochen wird) noch viel Zeit und Muße finden wird, um noch viele weitere Bücher schreiben zu können. Ich habe sie fast alle mit großer Begeisterung gelesen!

Wramplingham liegt westlich von Norwich und ein paar Kilometer nördlich von Wymondham.

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St Peter and St Paul an der Wymondham Road.    © Copyright Adrian Cable and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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An dieser Straße steht Bill Brysons Old Rectory.    © Copyright Adrian Cable and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 28. September 2014 at 02:00  Comments (3)  
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