Der älteste, noch aktive Briefkasten Großbritanniens in Holwell (Dorset)

Die Firma John M. Butt & Co in Gloucester stellte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Kingsholm Foundry alle möglichen Gegenstände aus Metall her wie Poller, Kanaldeckel, Dachrinnen und Briefkästen. Aus dieser Gießerei stammt auch der rote Briefkasten, der vor dem Barnes Cross Cottage an der Straße Cornford Hill außerhalb des Dorfes Holwell in der Grafschaft Dorset steht. Im Jahr 1853 wurde der Briefkasten produziert, der damit die älteste noch aktive „letterbox“ in ganz Großbritannien ist. Man findet darauf die Initialen „VR“ für Victoria Regina, also für Queen Victoria. Besonderheiten sind der vertikale Briefeinwurfschlitz und die vieleckige Form des Kastens. Am 16. September 1987 wurde er unter Denkmalschutz gestellt. Der Briefkasten wird regelmäßig geleert, ich kann mir aber nicht vorstellen, dass viele Briefe darin zu finden sind, denn er steht ziemlich einsam vor dem Cottage in dieser dünn besiedelten Region.

Es gibt noch drei weitere Briefkästen der Firma John M. Butt & Co., die überlebt haben, allerdings anders aussehen: Einer ist im Londoner National Postal Museum zu finden, einer im Museum der Stadt Haverfordwest in der Grafschaft Pembrokeshire in Wales und einer im ehemaligen Stonehouse Hospital in Plymouth (Devon).

Die Kingsholm Foundry in Gloucester existiert schon lange nicht mehr; dort, wo sie einmal stand, ist heute die Kingsholm Church of England Primary School.
Holwell mit seinem alten Briefkasten liegt acht Kilometer südöstlich von Sherborne, der nächst größeren Stadt (knapp 10 000 Einwohner).

Ein weiterer Blogeintrag zum Thema „Briefkästen“ ist hier zu finden.

 

Published in: on 22. März 2021 at 02:00  Comments (2)  
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The Letter Box Study Group – Die Briefkastenspezialisten

Eine Pillarbox aus der Zeit Edwards VII. in Church Stretton (Shropshire).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

1976 fand sich in England eine Handvoll Menschen zusammen, die ein gemeinsames Hobby hatten: Briefkästen. Sie hätten sich damals nicht träumen lassen, dass ihre Letter Box Study Group   einmal so viele Mitglieder im In-und Ausland haben sollte, die sich für dieses „Straßenmöbel“ interessieren.

Das Ziel der Briefkastenfreunde: „to encourage research, preservation, restoration and awareness of letter boxes and the definitive description and documentation of their types and locations“.

Was ist nun das Besondere an britischen Briefkästen? Da gibt es zum Beispiel unterschiedliche Formen wie die Pillar Boxes (freistehend, oft vor Postämtern zu finden), Wall Boxes (in Mauern eingebaut, nur die Front ist zu sehen) oder Lamp Boxes (in ländlichen Gegenden zu finden, oft an Laternenpfählen angebracht). Hier ein Film über die verschiedenen Formen.

Die offiziellen Briefkästen kommen in verschiedenen Farben daher; am bekanntesten ist aber sicher das „pillar-box red„. Die sogenannten „ciphers“ geben Auskunft, aus welcher Zeit sie stammen. Das „E II R“ heißt beispielsweise, dieser Briefkasten wurde zur Zeit Königin Elizabeths der Zweiten errichtet.

Die Letter Box Study Group gilt als die Autorität in Sachen Briefkästen, und sie baut eine Datenbank auf, in der jeder Briefkasten in ganz Großbritannien verzeichnet und beschrieben werden soll; eine gewaltige Aufgabe, denn es gibt rund 115 500 Exemplare. In einem vierteljährlich erscheinenden Newsletter werden die Mitglieder ständig auf dem aktuellen Stand gehalten. Der jährliche Mitgliedsbeitrag ist £29.

Eine „letterbox“ aus der Zeit Georgs V. in Great Malvern (Worcestershire).
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Ein einsamer Briefkasten an einer Straße in Surrey. Wer mag wohl hier Briefe einwerfen?
Photo © Alan Hunt (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. August 2020 at 02:00  Comments (1)  
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