British Airways i360 – Die neue Attraktion im Seebad Brighton

Der Turm mit seiner Kapsel kurz vor der Fertigstellung. Author: Sludge G. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license.

Der Turm mit seiner Kapsel kurz vor der Fertigstellung.
Author: Sludge G.
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Bei meinem letzten Besuch im Seebad Brighton war noch nichts von den Bauarbeiten zum geplanten Turm British Airways i360 zu sehen, nur einige große Plakate wiesen auf einen ungewissen Baubeginn hin. Heute, am 4. August 2016, ist es nun soweit, der 162 Meter hohe Superturm wird eröffnet. Gegenüber den Ruinen des abgebrannten West Piers steht die neue Besucherattraktion Brightons, die sicherlich viele Touristen aus aller Welt anziehen wird, bietet sie doch einige Superlative. British Airways i360 ist die erste „vertical cable car“ der Welt und der weltweit höchste sich bewegende Aussichtsturm. In einer 93 Tonnen schweren Glaskapsel gleiten die bis zu 200 Fahrgäste in 20 Minuten von der „Talstation“ bis zum „Gipfel“ und haben dabei eine grandiose 360 Grad Aussicht, die bei gutem Wetter bis zu 40 Kilometer weit reichen kann. Die abendlichen Fahrten nach 18 Uhr dauern 30 Minuten, dann ist die Sky Bar geöffnet, an der man ein Glas englischen Sekt oder ein Real Ale trinken und dabei die Sicht auf die Küste von Sussex und das Meer genießen kann.

Geplant wurde der Turm von dem Londoner Architektenbüro Marks Barfield, das auch schon das London Eye auf der Themse entworfen hat. Gewisse Ähnlichkeiten der Riesenkapsel in Brighton und den kleineren Londoner Riesenradkapseln sind zu erkennen.

Das £46 Millionen teure Gebäude soll nach Planungen der Betreiber über 700 000 zahlende Touristen anlocken, die bereit sind, £15 für eine Fahrt auszugeben, Kinder zahlen die Hälfte. Wer möchte kann die komplette Kapsel für private Feiern mieten und man kann sich in luftiger Höhe auch das Ja-Wort geben.

Was der Besucher noch wissen sollte: Der Turm ist sonntags bis donnerstags von 10 Uhr bis 22 Uhr in Betrieb, freitags und samstags bis 23 Uhr. Ab Windstärke 8 wird der Betrieb eingestellt.

Auch das etwas heruntergekommene Umfeld des Strandes am West Pier, der übrigens vor 150 Jahren eröffnet wurde, hat man im Zuge des Turmbaus aufgehübscht. Dort entstanden/entstehen Restaurants und Läden, weg sind die hässlichen, verbarrikadierten ehemaligen Strandgebäude.

Doch nicht alle Bewohner Brightons sind mit ihrer neuen Attraktion einverstanden; Widerstand regte sich bereits und so betitelte man den i360 schon als „iSore“ und „horrendous thing in the sky“. Hannah Brackenbury nahm sogar einen Protestsong auf, den sie „Grey Big Pole“ nannte und in dem sie davon träumt, dass der Blitz in den Turm einschlägt und er zusammenstürzt.

Heute nun um 22 Uhr startet die Eröffnungsfeier mit einem Feuerwerk und einer Illumination des Turmes.

Dieser Film
zeigt den neuen Turm, von einer Drohne aus gefilmt.

   © Copyright James Emmans and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Das Plakat am West Pier zeigte bei meinem Besuch im Januar 2012 schon wie der Turm einmal aussehen sollte. Eigenes Foto.

Dieses Plakat am West Pier zeigte bei meinem Besuch im Januar 2012 schon wie der Turm einmal aussehen sollte.
Eigenes Foto.

So sah es damals aus am Strand aus. Eigenes Foto.

So sah es damals am Strand aus, wo jetzt der Turm steht.
Eigenes Foto.

Die Linienbusse von Brighton and Hove, die an namhafte Persönlichkeiten der Region erinnern

Dieser Bus erinnert an einen früheren Bürgermeister von Brighton. Author: Les Chatfield. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Dieser Bus erinnert an einen früheren Bürgermeister von Brighton.
Author: Les Chatfield.
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Bis zum Jahr 1999 fuhren die Brighton & Hove-Linienbusse namenlos durch die beiden Städte an der englischen Südküste, bis sich die Betreiberfirma fragte, ob man den Fahrzeugen nicht Namen geben sollte und zwar Namen von Menschen, die in irgendeiner Form mit Brighton und Hove verbunden waren oder noch sind und sich um die Städte verdient gemacht haben. Man begann allerdings erst mit nicht-menschlichen Namen wie Brighton Rock oder Brighton Pier, bis dann aus der Bevölkerung Vorschläge kamen, die man umsetzte und heute tragen Dutzende der Busse Namen von bekannten lokalen Persönlichkeiten. Hier haben ich einmal einige Beispiele zusammengestellt:

– Der Bus mit der Nummer 618 heißt Danny Sheldon, in Erinnerung an einen Mann, der 1974 zum Bürgermeister von Brighton gewählt wurde und der sich immer mit Herz und Seele für seine Stadt eingesetzt hatte (er starb 1982).

Pete McCarthy ist der Name von Bus Nummer 913. Das ist ein Schriftsteller, der mit seine Büchern „McCarthy’s Bar“ (dt. „McCarthys Bar“) im Jahr 1998 und „The Road to McCarthy“ (wurde nicht ins Deutsche übersetzt) im Jahr 2002 Bestseller schrieb. McCarthy lebte in Brighton und starb auch dort 2004 im Alter von nur 51 Jahren.

– Auch der Name der Drag Queen Phil Starr fand sich einige Jahre lang an einem Bus mit der Nummer 401, dann wurde er in Nummer 919 umgetauft und trägt jetzt als Open Top-Bus den Namen nicht mehr. Phil Starr trat im ganzen Land als Sänger und Comedian auf, verbrachte aber viele Jahre in Brightons Bars und Hotels. Er starb 2005 im Alter von 72 Jahren.

– Bus 655 erinnert an die Schauspielerin Elizabeth Allan ( „A Tale of Two Cities“), die über 30 Jahre lang im Filmgeschäft tätig war und die letzten Jahre ihres Lebens (sie starb 1990) in Hove verbrachte.

Weitere Busnamen, die an verstorbene Persönlichkeiten der Region erinnern: Sir Charles Barry, der Architekt, der  einige Gebäude in Brighton entwarf; Aubrey Beardsley, der Illustrator und Graphiker, der in Brighton geboren wurde, und Dame Clara Butt, die berühmte Sängerin, die in Southwick, einem Vorort von Brighton and Hove, das Licht der Welt erblickte.

Ich finde diese Idee, Fahrzeugen einen Namen zu geben (wie es das Transportunternehmen Eddie Stobart mit seinen Trucks macht) gut. Es klingt doch irgendwie persönlicher, wenn man sagt, „Ich fahre mit Clara Butt zum Churchill Square“ als „Ich fahre mit der Linie 12 zum Churchill Square“.

Das Buch zum Artikel:
Mike Cheesman & Adam Trimingham: Brighton & Hove Bus Names. Pomegranate Press 2004. 144 Seiten. ISBN 978-0954258788. Vergriffen, aber über Online-Antiquariate zu bekommen.

 

Dieser Bus ist nache dem Schriftsteller Pete McCarthy benannt. This work is released into the public domain.

Dieser Bus ist nach dem Schriftsteller Pete McCarthy benannt.
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Hier stehen Phil Starr und Elizabeth Allan friedlich nebeneinander. Author: Les Chatfield. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Hier stehen Phil Starr und Elizabeth Allan friedlich nebeneinander.
Author: Les Chatfield.
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Published in: on 24. März 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Pepperpot in Brighton

   © Copyright Paul Gillett and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Niemand Geringeres als der Stararchitekt Sir Charles Barry entwarf und baute 1830 den Pepperpot in Brighton, der schon vorher in dem Seebad die St Peter’s Church und das Royal Sussex County Hospital gebaut hatte. Berühmt wurde Barry aber durch den Neubau der Londoner Parlamentsgebäude.

Auftraggeber für den Bau war der reiche Anwalt Thomas Attree, der sich den Queen’s Park in Brighton gekauft und auf dem riesigen Gelände eine prachtvolle Villa errichtet hatte. Damit sein Haus und seine Gärten mit Wasser versorgt werden konnten, ließ er den Turm, den man später Pepperpot nannte, erbauen, in dem eine Wasserpumpe untergebracht war, die eine unterirdische Quelle anzapfte. Doch schon nach wenigen Jahren konnte Attrees Villa an die Wasserversorgung der Stadt Brighton angeschlossen werden, so dass der Turm nicht mehr benötigt wurde. 1972 riss man die Villa ab, aber der Pepperpot blieb als Erinnerung an Herrn Attree stehen.

Was macht man nun mit so einem gut aussehenden, aber eigentlich überflüssigen Turm? Nun, er kam zu einem vielfältigen, wenn auch meist nur kurzfristigen Einsatz. Die Zeitung Brighton Daily Mail wurde darin einmal gedruckt, im Zweiten Weltkrieg benutzte ihn das Militär als Beobachtungsposten (obwohl man in einer Höhe von 18 Metern nun nicht so besonders weit in die Ferne gucken konnte), die Pfadfinder zogen hier eine Zeit lang ein und, welche Schande für den armen Pepperpot, er musste sogar als öffentliche Toilette herhalten.

Der Brighton and Hove City Council ist der Eigentümer des Turmes, der ihn im Jahr 2011 für £50,000 restaurieren ließ und man machte sich natürlich immer wieder Gedanken, was man mit dem Pepperpot anfangen könnte. Zuletzt war der Landmark Trust im Gespräch, der historische Gebäude als Ferienwohnungen umbaut. Im Augenblick nutzt man Charles Barrys Turm, um dort Vorräte an Streusalz unterzubringen, falls es in Brighton mal glatt auf den umliegenden Straßen werden sollte.

Um das Wohlergehen des Turms kümmern sich die 2010 gegründeten Friends of the Pepperpot.
Hier ist, wie ich finde, ein großartiger Film, der ihn in einer Sound and Light Show zeigt.

Wer sich den Pepperpot in Brighton einmal ansehen möchte: Er steht in der Tower Road, nördlich vom Queen’s Park, einer Sackstraße, an deren Ende es einige Parkplätze gibt.