Die Hugenottenkapelle in der Kathedrale von Canterbury

Nachdem ich gestern in meinem Blog über die Kathedrale von Canterbury geschrieben habe, bleiben wir heute noch einmal in der Kirche. Dort spielt sich jeden Sonntag ab 15 Uhr ein kleines Ritual ab. Durch eine Seitentür der Kathedrale finden sich nach und nach Menschen ein, die einem französischsprachigen Gottesdienst beiwohnen, der in der sogenannten Hugenottenkapelle stattfindet.

Protestanten aus Frankreich und Belgien, die im 17. Jahrhundert auf Grund ihres Glaubens verfolgt wurden, flohen in andere Länder, viele auch nach England. Allein um das Jahr 1685 herum waren es 45 000 Menschen, die den Kanal überquerten, um in England eine neue Heimat zu finden. Die meisten von ihnen siedelten sich in London und in Canterbury an, wo sie sich bald assimilierten. Viele schlossen sich der anglikanischen Kirche an, viele blieben aber ihrer ursprünglichen Kirche treu. Für diese Gläubigen gab es eigene Gotteshäuser, die aber im Laufe der Zeit nach und nach geschlossen wurden, da es immer weniger Besucher gab. Heute existiert nur noch eine protestantische französische Kirche in England, die French Protestant Church of London am Soho Square.

Auch die kleine Gemeinde, die sich am Sonntagnachmittag in der Hugenottenkapelle in der Kathedrale von Canterbury trifft, wird immer weniger. Sie hat einen sehenswerten Andachtsraum, der vor allem durch seine Gewölbekappen außergewöhnlich ist, auch ein „Green Man“ blickt von der Decke herunter.

Hier ist ein Film der BBC über die französische Gemeinde in Canterbury.

Die Gewölbekappen (bosses) in der Hugenottenkapelle.
Copyright: Amanda Slater.
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L’Eglise Protestante Francaises de Londres am Soho Square.
Copyright: Edenpictures.
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Published in: on 18. August 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Famous Graves – Edward White Bensons Hochgrab in der Kathedrale von Canterbury

Es macht schon was her, das Hochgrab von Edward White Benson (1829-1896) in der Kathedrale von Canterbury, deren Chef er von 1883 bis 1896 war. Entworfen hat das Grab der namhafte Architekt Sir Thomas Graham Jackson, die liegende Statue wurde von Sir Thomas Brock angefertigt, also alles vom Feinsten. Die Grabinschrift lautet übersetzt (sie ist im Original lateinisch) „Have mercy on me O Christ our God, Through Thy Cross and Passion, deliver thou me“. Das Antlitz des Erzbischofs von Canterbury soll nach seiner Totenmaske gestaltet worden sein.

Wer war nun dieser Edward White Bensons? Er hatte am Trinity College in Cambridge studiert, war Lehrer an der Rugby School und am Wellington College, das er auch leitete (Benson soll bei seinen Schülern sehr unbeliebt gewesen sein, weil er sehr schnell mit dem Rohrstock bei der Hand war). Später war er Chancellor an der Kathedrale von Lincoln, Bischof von Truro in Cornwall, bis er sich dann zum Erzbischof von Canterbury hocharbeitete.

Verheiratet war er mit Mary Sidgwick, der er schon, als sie noch 12 Jahre alt war, mitteilte, dass er sie einmal heiraten würde (Benson war damals 24 Jahre alt). Als Mary 18 Jahre alt geworden war, ging er tatsächlich mit ihr vor den Traualtar; als sehr glücklich erwies sich die Ehe nicht, denn Edward White war und blieb ein nicht sehr liebenswerter Mensch. Das Paar hatte (trotzdem) sechs Kinder, von denen Edward Frederic Bekanntheit als Schriftsteller erlangte und Arthur Christopher als Verfasser des Textes von Elgins „Land of Hope and Glory“.

Edward White Benson starb am 11. Oktober 1896 während eines Gottesdienstes in der St Deiniol’s Church in Hawarden, einem Dorf an der englisch-walisischen Grenze, heute in Flintshire, wo er den ehemaligen Premierminister William Gladstone besucht hatte.

Zu Bensons Beerdigung kam alles was Rang und Namen in der anglikanischen Kirche hatte; beigesetzt wurde er in der St Augustines Chapel in der Kathedrale von Canterbury.

Der ehemalige Erzbischof von Canterbury. Porträt von Hubert von Herkomer.
This work is in the public domain.

St Deiniol’s in Hawarden (Flintshire), wo Benson während des Gottesdienstes verstarb.
Photo © Eirian Evans (cc-by-sa/2.0)