Die Curfew Bell der Kirche St Peter’s in Chertsey (Surrey)

St Peter's in Chertsey (Surrey).    © Copyright Michael FORD and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Peter’s in Chertsey (Surrey).
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Erst einmal zur Orientierung: Chertsey ist eine Stadt mit rund 15 000 Einwohnern, südwestlich von London, zwischen der M25 und der M3 gelegen.
Dort im Kirchturm der St Mary’s Church hängt eine besondere Glocke, über die ich heute berichten möchte, die sogenannte Curfew Bell. Im Winterhalbjahr, zwischen dem 29. September und dem 25. März, jeweils von Montag bis Freitag findet um 20 Uhr  ein „Curfew Ringing“ statt, ein uralter Brauch, der bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht und der heute nur noch von ganz wenigen Kirchen in England aufrechterhalten wird. Curfew heißt übersetzt soviel wie „Abendglocke“ oder „Zapfenstreich“ und die Curfew Bell  wurde abends zu einer bestimmten Zeit geläutet, um die Bürger darauf hinzuweisen, dass ab sofort alle offenen Feuer gelöscht werden sollten, um die Brandgefahr zu minimieren. 1235 wurden Teile der Abtei von Chersey  durch ein Feuer zerstört und das wollte man nicht noch einmal erleben. Aus diesem Warnhinweis mittels einer Glocke wurde im Laufe der Zeit eine Tradition, und ich glaube eher nicht, dass die Bürger von Chertsey heute um 20 Uhr ihre Kaminfeuer ausmachen und ins Bett gehen.
Die im Jahr 1380 gegossene Curfew Bell wird heute allerdings nicht immer zum abendlichen Läuten benutzt, denn sie ist immerhin schon eine alte Dame und darf nicht überstrapaziert werden, so nimmt man stattdessen meistens eine wesentlich jüngere Glocke, eine aus dem Jahr 1756.

Die Curfew Bell spielte noch einmal in der Geschichte von Chertsey eine Rolle (Legende? Wahrheit?), als eine gewisse Blanche Heriot ihrem Liebhaber Neville Audley das Leben rettete. Audley kämpfte in den Rosenkriegen auf Seiten der Lancastrians und schonte während einer Schlacht das Leben eines Adligen der Yorkists, der ihm daraufhin aus Dankbarkeit einen Ring schenkte. Auf der Flucht in Richtung Frankreich wird Neville Audley in Chertsey von Soldaten der Yorkists festgenommen und zum Tode verurteilt; ein Urteil, das am Tag darauf beim Erklingen der Curfew Bell vollstreckt werden soll. Blanche Heriot und ein gemeinsamer Freund versuchen das mit allen Mitteln zu verhindern, indem der Freund mit dem besagten Ring nach London zu König Edward IV reitet, um eine Begnadigung zu erwirken, die der König auch gewährt. Nun bleibt auf dem Rückweg der Reiter im Verkehrsstau hängen, sprich bei der Überquerung der Themse an der Laleham Ferry. Die Stunde des Läutens der Curfew Bell ist da, Blanche hängt sich an den Klöppel, um das Läuten zu verhindern und da trifft der Reiter mit der frohen Botschaft aus London in allerletzter Minute ein. Die in der Glocke hin und her geschleuderte Blanche kann wieder vom Kirchturm herabsteigen und ihren Geliebten in die Arme nehmen. Er wird auf freien Fuß gesetzt und Blanche Heriot geht als Heldin in die Geschichte der Stadt Chertsey ein.
In Erinnerung an die heldenhafte Tat hat man für Blanche in der Nähe der Brücke eine Bronzestatue errichtet.

Die Bronzestatue der Blanche Heriot.    © Copyright David Lally and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 6. Oktober 2013 at 02:00  Kommentar verfassen  
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