Chopwell (Tyne and Wear) – Eine ehemalige Bergarbeiterstadt, die Klein-Moskau genannt wurde

Die Lenin Terrace in Chopwell.
Photo © Anthony Foster (cc-by-sa/2.0)

Chopwell, ein kleiner Ort, dessen Wohlergehen früher einmal komplett von der Kohleförderung abhing, liegt im äußersten Westen des Metropolitan County Tyne and Wear im Nordosten Englands. So arbeiteten die meisten Männer unter Tage, eine harte Arbeit, die zudem nicht besonders üppig bezahlt wurde. Im Jahr 1926 kam es landesweit zu Generalstreiks, natürlich auch in Chopwell, weil die Bergarbeiter geringere Löhne bekommen und auch noch länger arbeiten sollten. Absolut verständlich, dass die Betroffenen auf die Barrikaden gingen. Die Kohleförderung wurde eingestellt, wobei die Arbeitgeber von einem Streik sprachen, die Gewerkschaften von einer Aussperrung. Schnell kam Chopwell in den Ruf, kommunistisch unterwandert zu sein; so sahen es zumindest einige der eher rechts orientierten Zeitungen des Landes. 1924 hatte die lokale Bergarbeitervereinigung auf ihrer Fahne die Köpfe von Karl Marx und Lenin appliziert, dazu noch das Konterfei eines der Gründer der Labour Party, Keir Hardie. Der Union Jack wurde auf dem Dach der Gemeindeverwaltung durch die sowjetische Flagge ersetzt, und es heißt, dass man in der Kirche die Bibel durch die Werke von Karl Marx ausgetauscht hatte.

Um dieser angeblich kommunistischen Orientierung noch die Krone aufzusetzen, benannte man zwei neugebaute Straßen in Chopwell auch noch Marx Terrace und Lenin Terrace. Schnell wurde der kleine Ort landesweit als „Little Moscow“ bezeichnet und als „reddest village in England„.

Der Streik dauerte damals mehr als siebzehn Monate und den Bergarbeiterfamilien ging es richtig schlecht. Ohne das Einkommen der Bergleute war es fast nicht möglich zu überleben. So hatten die Männer keine andere Wahl, als schließlich doch nachzugeben und für längere Arbeitszeiten weniger Geld zu bekommen… Details über diese furchtbare Zeit zeigt dieser Film.

1966 schloss die Chopwell Colliery, weil die Kohlevorräte unter Tage aufgebraucht waren. Von da ab ging es dramatisch mit dem Ort bergab, da es hier nichts mehr zu verdienen gab. Viele Bewohner zogen weg und fast alle Institutionen und Vereine wurden geschlossen. Heute hat Chopwell noch rund 3000 Einwohner, von den Förderanlagen ist nichts mehr zu sehen, nur noch ein Gedenkstein und die Hälfte eines Förderrades erinnern an die Colliery.

Bergarbeiterhäuser in Chopwell.
Photo © Robert Graham (cc-by-sa/2.0)

Das Colliery Memorial.
Photo © Anthony Foster (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 20. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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