Englische Exzentriker(innen) – Christina Foyle (1911-1999) – Inhaberin einer der größten Buchhandlungen der Welt

Das „alte“ Foyles.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Ich war nur ein einziges Mal in der riesigen Londoner Buchhandlung Foyles, als diese noch unter der alten Adresse 111–119 Charing Cross Road zu finden war. Man konnte sich in den Stockwerken, in denen hunderttausende Bücher aufbewahrt wurden, verlaufen und dort etwas Spezielles zu finden, war eine echte Herausforderung. Ich war froh, als ich den Laden verließ und in eine der vielen anderen Buchhandlungen in der Charing Cross  Road ging, die wundervoll aufgeräumt und übersichtlich waren. Trotzdem war Foyles berühmt und galt als eine der weltweit größten Buchhandlungen; sehr viele Bibliophile schienen sich in dem Irrgarten wohl zu fühlen.

1903 wurde die Buchhandlung von den Brüdern William und Gilbert Foyle gegründet und 1945 übernahm William Foyles Tochter Christina die Leitung, was eigentlich keine gute Idee war, denn die Dame war sehr exzentrisch veranlagt und führte den Laden auf eine eher ungewöhnliche Weise. So war sie jeglichen technischen Neuerungen gegenüber negativ eingestellt; das Kassenwesen in der Buchhandlung spottete jeder Beschreibung und verlangte von den Kunden, sich dreimal an unterschiedlichen Schaltern anzustellen, was sehr viel Geduld erforderte (ich habe das noch sehr gut in Erinnerung). Elektronische Kassen waren verpönt und telefonische Bestellungen wurden nicht akzeptiert.

Die Anordnung der Bücher erfolgte nach einem höchst merkwürdigen System. Die Romane waren nicht alphabetisch nach den Autoren sortiert, sondern nach den Verlagen.

Das Personal hatte es nicht leicht in der Buchhandlung Foyles, denn Gewerkschaften waren dort nicht zugelassen, und so herrschte dort ständig ein „Hire and fire“-Zustand. Frauen traute man buchhändlerische Fähigkeiten offenbar nicht zu, denn unter Christina Foyles Ägide durften sie nur an der Kasse arbeiten. Es herrschte also ein „kafkaeskes Chaos“ in der Charing Cross Road Nummer 111-119.

Christina Foyle starb am 8. Juni 1999 und selbst ihr Testament zeigte exzentrische Züge. Sie vermachte ihrem Gärtner, der sich um die Gärten ihres Wohnsitzes, Beeleigh Abbey bei Maldon in Essex, kümmerte £100 000 und die Dame, die ihre fünfzehn Katzen pflegte, erhielt ein Cottage im Wert von £60 000. Der größte Teil von Christina Foyles Vermögen floss in die Foyle Foundation, die speziell Projekte in den Bereichen Kunst und Bildung fördert.

Nach Christina Foyles Tod übernahm ihr Neffe Christopher Foyle die Buchhandlung, die er wesentlich modernisierte. Im Jahr 2014 zog Foyles ein paar Schritte weiter in die Charing Cross Road Nummer 107. In diesem Film wird der Umzug im Zeitraffer gezeigt und hier ist ein Blick in die neue und übersichtlichere Buchhandlung.

Das „neue“ Foyles.
Author: Tom Morris
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Christina Foyles Wohnsitz: Beeleigh Abbey bei Maldon in Essex.
Author: John Armagh
This work is released into the public domain.

 

Published in: on 7. August 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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