IKEA in Coventry – Ein Möbelhaus schließt seine Pforten

Am 16. Dezember 2007 war der Teufel los in der Innenstadt von Coventry (Warwickshire): Eine neue IKEA-Filiale wurde an der Croft Road eröffnet. Die Menschen standen Schlange und warteten, dass sich die Eingangstüren endlich öffneten, dann stürmten sie hinein, Kinder schwenkten gelbe IKEA-Fähnchen, es gab jede Menge Sonderangebote, der Laden brummte. Für £35 Millionen hatte das schwedische Möbelhaus ein architektonisch eindrucksvolles Gebäude in das Zentrum geklotzt, das auf sieben Verkaufsebenen seine Produkte feil bot.

Jetzt ist Katerstimmung in das Möbelhaus eingekehrt, denn vor einigen Tagen kündigte IKEA an, seine Filiale, eine von 22 in Großbritannien, im Laufe des Jahres zu schließen; so etwas hat es bisher noch nicht gegeben. 352 Arbeitsplätze werden wegfallen. Die Firma hatte schon über eine längere Zeit rote Zahlen geschrieben, die Kunden blieben mehr und mehr aus, so dass IKEA jetzt die Reißleine zog und das Ende seines riesigen Ladens ankündigte.

Wie konnte es dazu kommen? Hatten die Einwohner Coventrys keine Lust mehr, ihre gekauften Möbel mühsam selbst zusammenzuschrauben (was ich absolut nachvollziehen könnte!)? Es war wohl ein Fehler von Seiten der Firma, mitten im Stadtzentrum ein Kaufhaus zu erbauen. In den meisten Fällen werden diese Riesenkaufhäuser draußen auf der sogenannten „grünen Wiese“ konzipiert, mit entsprechend großen Parkflächen. Die Kosten für den Unterhalt des mehrstöckigen Gebäudes waren höher und die „shopping experience“ war für die Kunden geringer, das Aus für das Möbelhaus lag auf der Hand. Dazu kommt, dass sich das Kaufverhalten der Menschen nach und nach verändert hat; das heißt, Kunden ziehen die großen Einkaufszentren am Stadtrand vor, wo sie alles unter einem Dach haben, und dann kommt natürlich der ständig wachsende Online-Handel dazu. Ein Problem, mit dem selbstverständlich nicht nur IKEA zu kämpfen hat.

Wer in der nächsten Zeit in Coventry Appetit auf Köttbullar verspürt oder sich unbedingt ein Billy-Regal zulegen möchte, der muss die nächstgelegenen IKEA-Häuser in Birmingham, Nottingham oder Milton Keynes aufsuchen.

 

Published in: on 15. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags: ,

Coventry (Warwickshire) und seine 26 Städtepartnerschaften

Die alte, zerbombte Kathedrale von Coventry und die neue daneben.
Author: DeFacto
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Wenn ich an die Stadt Coventry in der Grafschaft Warwickshire denke, dann denke ich in erster Linie an die deutschen Luftangriffe Mitte November 1940, die die Stadt in Schutt und Asche legten. Dann kommt mir die Legende von Lady Godiva in den Sinn, die nackt durch die Straßen Coventrys geritten sein soll, um dadurch Steuersenkungen für die Bürger zu erwirken.

Coventry zeichnet sich auch dadurch aus, dass es hier 26 Städtepartnerschaften gibt. Die Stadt in Warwickshire schloss die erste Partnerschaft bereits 1944 ab, mit Stalingrad (jetzt Wolgograd), das ebenfalls im Zweiten Weltkrieg schwere Schäden erlitt.
Im Jahr 2014 wurde in der Kathedrale von Coventry aus Anlass des 70-jährigen Bestehens der Partnerschaft mit Wolgograd der „Twin Song“ uraufgeführt, geschrieben von Derek Nisbet und Peter Cann, und gespielt von dem Volgograd Children’s Symphony Orchestra und dem Coventry Youth Wind Orchestra.

Es folgten Städtepartnerschaften mit Kiel (1947) und mit Dresden (1956), zwei deutschen Städten, die auch unter der Bombenlast alliierter Flugzeuge zerstört wurden. Im Laufe der Jahre wurden Beziehungen geknüpft, die im Zweiten Weltkrieg ein ähnliches Schicksal wie Coventry erlitten haben wie Arnheim in den Niederlanden, Lidice und Ostrava in Tschechien und Warschau in Polen.

In den USA pflegt Coventry Partnerschaften mit den gleichnamigen Städten in Rhode Island, New York State und Connecticut. In Asien ist es die 7-Millionenstadt Jinan und in Australien die Kleinstadt Parkes in New South Wales, benannt nach Sir Henry Parkes, einem australischen Politiker, der in Coventry in England geboren wurde.

Man sollte den Menschen in Coventry dankbar dafür sein, dass sie, trotz der großen Verluste durch deutsche Bomben, die Hände nach Deutschland ausstreckten, um mit den Menschen in Kiel und Dresden, die genauso gelitten haben, freundschaftliche Beziehungen aufzubauen!

Published in: on 8. September 2019 at 02:00  Comments (2)  
Tags: