Cricket – Einige Anmerkungen zu einer merkwürdigen Sportart

Spannung pur…auf dem Cricketplatz von Wetheral in Cumbria.
Photo © Rose and Trev Clough (cc-by-sa/2.0)

Meine Berührungspunkte mit dem in England so populären Cricketsport waren bisher nur sehr sporadisch. Ich wurde einmal Augenzeuge eines Spiels in Bolton Percy in North Yorkshire, was sehr schön anzusehen war: Die Spieler in ihren weißen Anzügen auf dem satten Grün des Village Greens und darüber der blaue Himmel eines warmen Sonntagvormittags; so stellt man sich englische Dorfidylle vor.

Ich ging auf einigen Village Greens spazieren, die gern als Cricketplatz verwendet werden, wie in Littlewick Green (Berkshire) und Warborough (Oxfordshire); auch Wormsley Park (Buckinghamshire) hat mir sehr gut gefallen. Leider habe ich die Regeln dieses Sportes nie verstanden. Neulich versuchte mir ein Freund, der Cricket liebt, bei einem Spaziergang entlang des River Cam bei Grantchester (Cambridgeshire) diese Regeln näherzubringen…aber ohne Erfolg. Es ist schon eine eigenartige Sportart, bei der Spiele sich manchmal über mehrere Tage hinziehen und die unterbrochen werden, damit die Spieler eine Tasse Tee zu sich nehmen können.

Es gibt in England „tea towels“ zu kaufen, die mit einfachen Worten versuchen, jemandem, der absolut keine Ahnung von Cricket hat, die Regeln zu erläutern:
You have two sides, one out in the field and one in.
Each man that’s in the side that’s in goes out, and when he’s out he comes in and the next man goes in until he’s out.
When they are all out, the side that’s out comes in and the side thats been in goes out and tries to get those coming in, out„.

Ich glaube, jetzt hat auch der Letzte verstanden, worum es geht.

In der Wikipedia gibt es ein Glossar von Cricket-Fachausdrücken, das schier endlos erscheint. Da gibt es Begriffe wie Daddy hundred, Daisy cutter, Flat-track bully und Mullygrubber. Gibt es eine Sportart, die noch komplizierter als Cricket ist? In diesem Film werden die 10 merkwürdigsten Cricketregeln vorgestellt, wobei ich Regel Nummer 4 am witzigsten finde.

Wie Adolf Hitler die Regeln des Cricket erklärt haben würde, kann man in diesem Film sehen (man sollte den deutschen Originalton aber möglichst ausblenden).

Die Scorebox des Feckenham Cricket Club in Worcestershire.
Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Das verrückteste Cricketmatch von allen, das mitten im Meer ausgetragen wird. Siehe dazu meinen Blogeintrag.
Photo © Hugh Chevallier (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Der Cricketplatz von Wormsley Park in Buckinghamshire

Gleich in mehreren Episoden der TV-Krimiserie „Midsomer Murders“ bzw. „Inspector Barnaby“ spielt Cricket eine nicht unbedeutende Rolle (ich berichtete in einem früheren Blogeintrag schon einmal über das Thema). Da geht es Tom Barnaby auf einem Cricketplatz in Folge 25 „Death and Dreams“ (dt. „Trau, schau, wem!“) beinahe an den Kragen, als  ihm Hannah und Ettie dort einen merkwürdig schmeckenden Tee anbieten. Gedreht wurde damals auf dem Gelände des Stonor Cricket Clubs, direkt gegenüber der Zufahrt zum Stonor Park (Oxfordshire). Weitere Details dazu sind hier nachzulesen.

In Folge 8 „Dead Man’s Eleven“ (dt. „Sport ist Mord“) erleben wir ein Cricketmatch zwischen Fletcher’s Cross und Midsomer Worthy, das auf dem Dorfanger von Littlewick Green in Berkshire gedreht wurde. Ich berichtete von meinem Besuch in dem Bilderbuchdorf.

In „Secrets and Spies“ (dt. „Sportler und Spione“), Episode 69, sehen wir recht lange Sequenzen eines Cricketspieles, bei dem Tom Barnaby als Schiedsrichter fungiert und DS Ben Jones mitspielt. Für diese Szenen suchte sich das Produktionsteam von „Midsomer Murders“ den Cricketplatz auf dem Wormsley Estate in Buckinghamshire als Drehort aus, wo wir auch in Folge 113 „Last Man Out“ (wurde bisher noch nicht im ZDF gezeigt) hingeführt werden. In dieser Episode begegnen wir auch wieder Ben Jones, der ja zwischenzeitlich von anderen Sergeants abgelöst worden ist. Der Star-Cricketspieler Leo Henderson wird auf diesem Platz ermordet, und John Barnaby macht sich an die Aufklärung des Falles.

Wormsley Park liegt in der Nähe von Stokenchurch und hier lebte der US-amerikanische Milliardär und Philanthrop Sir Paul Getty von 1986 bis zu seinem Tod im Jahr 2003. Heute ist es der Wohnort von dessen Sohn Mark Getty. Niemand Geringeres als Mick Jagger von den Rolling Stones brachte Sir Paul den Cricketsport näher, der davon so begeistert war, dass er auf dem Gelände von Wormsley Park einen Cricketplatz anlegen ließ. Als Vorbild diente ihm der berühmte Platz The Oval im Londoner Stadtteil Kennington. Sir Paul Getty scheute keine Kosten und Mühen und so gilt der Wormsley Cricket Ground als einer schönsten Großbritanniens. In den beiden Barnaby-Episoden kann man in den Cricketszenen viel davon sehen. Zur Eröffnung des neuen Platzes kam sehr viel Prominenz, allen voran Her Majesty The Queen Mother und der damalige Premierminister Sir John Major. Der Schauspieler Sir Michael Caine war anwesend und einige Größen aus der Welt des britischen Cricketsports wie Brian Johnston (1912-1994) und Denis Compton (1918-1997).

Beim diesjährigen Cricket Festival am 23. September im Park gab es die Wormsley Trophy zu gewinnen, um die sich die Spieler aus den vier Grafschaften Buckinghamshire, Cambridgeshire, Hertfordshire und Oxfordshire bewarben.
Hier ist ein Film über den Wormsley Cricket Club.

Der Wormsley Cricket Ground liegt übrigens direkt gegenüber vom Opernhaus, in dem jedes Jahr die Garsington Opera Festspiele stattfinden (ich berichtete in meinem Blog darüber).

Der im „Mock Tudor“-Stil erbaute Cricketpavillon.
Photo © David Ellis (cc-by-sa/2.0)

Am Cricketpavillon.
Photo © Iain Crump (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 1. Januar 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Cricket, John Wisden und sein Almanach

Ein Cricketmatch in Cockington (Devon).
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Jedes Jahr im April/Mai erscheint auf den englischen Bestsellerlisten ein Buch, das sich zum einen durch seinen Preis, zum anderen durch seinen Umfang von den anderen Büchern unterscheidet. „Wisden Cricketers‘ Almanack“ kostet in diesem Jahr 40 Pfund und hat 1536 Seiten.

Der „Wisden“ ist die Bibel eines jeden Cricket-Fans und das schon seit 1864, als der Almanach erstmals von dem englischen Cricketspieler John Wisden herausgegeben wurde. Im Alter von erst 37 Jahren musste Wisden seine sportliche Karriere auf Grund seiner Rheumaerkrankung aufgeben. Von da ab beschäftigte er sich nur noch indirekt mit Cricket, in dem er in Leamington Spa Cricketzubehör verkaufte und später in London einen „Cricket und Zigarren“-Laden eröffnete.

In jeder Ausgabe werden auch die „Cricketers of the Year“ genannt, also die besten Spieler des Jahres. In diesem Jahr sind es: Ben Duckett, Toby Roland-Jones, Chris Woakes, Misbah-ul-Haq und Younis Khan.

„Wisden Cricketers‘ Almanack“ wird in jedem Jahr von den Medien enthusiastisch besprochen, so sagt z.B. die Daily Mail von der Ausgabe 2010:
‚1,728 pages of dense statistics, elegant prose and effortless authority…it shimmers with wit and wisdom, and it simply reeks of summer. Unreservedly recommended.“ Hier ist eine Dokumentation über den Almanach.

Mir sind die Regeln dieses Spiels nie so ganz klar geworden und so steht der Almanach auch nicht in meinen Bücherregalen.

Lawrence Booth: Wisden Cricketers‘ Almanack. Wisden 2017. 1584 Seiten. ISBN 978-1472935199.

Plakette am Cricketers Pub in der Archery Road in Leamington Spa (Warwickshire).
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. Juni 2017 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Cricket-Krimis – Eine kleine Auswahl

 This image is in the public domain because its copyright has expired.

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Cricket ist eine Sportart, deren Regeln mir wohl für immer verborgen bleiben werden. Oft habe ich in englischen Dörfern die Herren in Weiß spielen sehen, ohne zu verstehen, warum sie plötzlich losrennen, um dann wieder für eine ganze Weile still zu stehen oder sich für eine Tasse Tee zurückzuziehen. Cricket und englisches Dorfleben bilden eine Symbiose und beide eignen sich hervorragend, um sie in einen gemütlichen Krimi einzuarbeiten.

Natürlich gibt es auch in der TV-Serie „Midsomer Murders“ bzw. „Inspector Barnaby“ Episoden, in denen ein Cricketmatch im Mittelpunkt steht. In Folge 8 „Dead Man’s Eleven“ (dt. „Sport ist Mord“) dreht sich alles um ein Spiel zwischen Fletcher’s Cross und Midsomer Worthy und in Folge 69 „Secrets and Spies“ (dt. „Sportler und Spione“) übernimmt Tom Barnaby die Rolle des Schiedsrichters auf dem Cricketplatz von Midsomer Parva.

Es gibt eine Fülle englischer Kriminalromane, in denen Cricket mehr oder weniger im Vordergrund steht. Hier ist eine kleine Auswahl. Viele sind vergriffen, aber problemlos antiquarisch zu bekommen.

Michael Gilbert: The crack in the teacup (1966) = Der Business Mörder (1967) oder Schneller Mord ist doppelter Umsatz (1986)
Michael Gilbert: The night of the twelfth (1976) = Aus Liebe stirbt man nicht (1977)
J. J. Marric (das ist John Creasey): Gideon’s sport (1970) = Sieg, Platz, Tod (1977)
Nicolas Blake: A question of proof (1935)
Nancy Spain: Death before wicket (1946)
Adrian Alington: The amazing test match crime (1939)
John Creasey: A six for the Toff (1955)
Barbara Worsley-Gough: Alibi innings (1958)
Clifford Witting: A bullet for Rhino (1950)
Geoffrey Household: Fellow passenger (1955)
Denzil Batchelor: Test match murder (1936)
Hal Pink: The test match mystery (1941)
Ted Dexter & Clifford Makins: Testkill (1976)

Einen sehr guten Überblick über das Thema „Cricket im Krimi“ bietet ein Artikel, den Marvin Lachman 1975 für das US-Krimimagazin „The Armchair Detective“ schrieb: „A Yank looks at Cricket and the Mystery Story„.

Published in: on 19. April 2013 at 02:00  Kommentar verfassen  
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